Lexikon des Agrarraums

A

Abbaubarkeit

Der Grad des biologisch (durch natürlich vorkommende Enzyme) erreichbaren Abbaus einer natürlichen oder künstlichen Substanz in anorganische Grundstoffe, wie Kohlendioxid, Wasser, Ammoniak und Phosphat bei völliger Mineralisation oder zumindest in andere Verbindungen (Metabolite). Der Begriff wurde ursprünglich in der Abwassertechnik verwendet und bezog sich nur auf die Abbaubarkeit in Kläranlagen; er wird jetzt aber auch in ökologischen und ökotoxikologischen Testverfahren verwendet. In der ­Landwirtschaft hat er Bedeutung bezüglich des Verhaltens ausgebrachter Agrarchemikalien.

Abdrift

Unerwünschtes Verwehen von Pflanzenschutzflüssigkeit bei der Spritzapplikation z.B. in Obst- oder Hopfenkulturen. Die Stärke der Abdrift ist abhängig von der Tröpfchengröße der Spritzlösung und von der Windstärke.

Die Abdrift beträgt bei herkömmlichen Gebläsespritzen in Niederstamm-Apfelkulturen 20 Prozent der ausgebrachten Agrarchemikalie, im Sommer 10-15 Prozent. Neuartige Tunnelspritzgeräte vermögen die Abdrift bis auf 1,5 Prozent zu reduzieren. Der hohe Preis soll sich durch die Einsparung an Pflanzenschutzmitteln allmählich bezahlt machen. Eine Umschichtung von Subventionen mit negativen externen Effekten zugunsten dieser Technik erscheint sinnvoll, um deren Akzeptanz rasch zu erhöhen.

abiotische Umweltfaktoren

Alle Umweltfaktoren, an denen Lebewesen nicht erkennbar beteiligt sind. Zu den abiotischen (griech. „nichtlebend“) Faktoren, die auf Organismen einwirken gehören physikalische und chemische Faktoren der unbelebten Umwelt wie u. a. Klima, Atmosphäre, Wasser, Temperatur, Licht, Strömung, Beschaffenheit des Bodens, Nährsalzkonzentration und andere chemische Stoffe. Abiotischer Stress kann für Pflanzen zum Beispiel bei Trockenheit, Hitze oder Kälte entstehen.

(s. a. biotische Umweltfaktoren)

Ablegebetrieb

Betriebsform in der Hühnerhaltung, bei der die Produktion von Eiern im Mittelpunkt steht. Moderne Haltungsformen in vollautomatischen Käfigen oder Batterien haben sich durchgesetzt. Die Belegung der Käfige mit Junghennen aus den Aufzuchtbetrieben erfolgt im Rein-Raus-Verfahren. Sortier- und Verpackungsstellen sind dem Betrieb angeschlossen.

Abmelkwirtschaft

Viehhaltung zur Milcherzeugung, bei der keine eigene Aufzucht der Rinder erfolgt. Bei Nachlassen der Milchleistung werden die Kühe verkauft, um nach Anmästung geschlachtet zu werden.

Abrufautomat

Elektronisch gesteuerter Futterautomat zur genauen Zuteilung von Kraftfutter, mit dessen Hilfe die Tiere sich die ihnen zustehende Tagesration in beliebig vielen Portionen holen können. Für das nötige Identifizierungssystem bestehen zwei Bauarten: den Transponder mit einer Frequenz für die Stromversorgung zur Inbetriebnahme und einer Frequenz für die Tiernummer als Antwortsender sowie den Responder mit nur einer Frequenz für Stromversorgung und Tiernummer. Über einen zentralen Rechner, der die Tiere anhand des Transponders erkennt, wird ihnen täglich eine bestimmte Menge Kraftfutter (Ration) zugeteilt. Abrufautomaten bieten eine optimierte tierindividuelle und ernährungsphysiologisch günstige Kraftfuttergabe. Sie werden vor allem bei Kühen, ansatzweise auch bei der Gruppenhaltung von Sauen und in der Pferdefütterung eingesetzt.

Abruffütterung

Auch Transponderfütterung genannte Methode der Tierfütterung in der Landwirtschaft, welche die individuelle Einzeltierfütterung verbessert. Die Abruffütterung kommt sowohl in der Schweinehaltung als auch in der Rinder- und Pferdehaltung zum Einsatz.

Zur Abruf-Fütterung steht den Tieren ein Futterautomat zur Verfügung, der elektronisch gesteuert wird. Die Tiere tragen ein elektronisches Erkennungsgerät, einen Transponder. Über einen zentralen Rechner, der die Tiere anhand des Transponders erkennt, wird ihnen täglich eine bestimmte Menge Kraftfutter (Ration) zugeteilt. Die Ration kann von den Tieren in beliebig vielen Portionen über den ganzen Tag verteilt abgerufen werden. Jede verzehrte Teilmenge wird durch den Rechner registriert. Mehr als die vorgesehene Tagesration gibt der Computer nicht frei.

Absatzorganisation

Der organisierte Weg von Agrarprodukten vom Erzeuger zum Verbraucher. Aufgrund des ständigen Wandels der nachgeordneten Bereiche (Lebensmittelhandel, Ernährungshandwerk, -industrie, -handel) ist eine ständige Anpassung der Absatzorganisation erforderlich. Anpassungen erfolgen beispielsweise über Genossenschaften und Erzeugergemeinschaften zur Stärkung der Marktposition und über das Konzept der Vertragslandwirtschaft.

Agrarprodukte können grundsätzlich an Endverbraucher, Großverbraucher im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung, die Ernährungsindustrie, den Sammel-, Aufbereitungs- und Versandhandel, den Lebensmitteleinzelhandel bzw. das Ernährungshandwerk und in Ausnahmen an staatliche Interventionsstellen verkauft werden.
Bei den Absatzwegen unterscheidet man zwischen

Landwirte beschreiten häufig beide Absatzwege gleichzeitig. Entscheidend für die Wahl des Distributionsweges sind im wesentlichen die Preise, die Vermarktungskosten und die Konsumreife der Produkte.

(s. a. Vermarktung, Vertriebssysteme)

Absatzorganisation

Abschleppen

In der Landwirtschaft handelt es sich beim Abschleppen um eine mechanische Maßnahme, um kleinere Unebenheiten des Grünlandes (Erdauswurf durch Maulwürfe und Wühlmäuse) einzuebnen und Mistreste der Düngung aus dem Frühjahr, um den Erdbesatz im Futter zu verkleinern. Diese Reinigung führt zu einer besseren Qualität bei der Silageherstellung und vermeidet Fehlgärungen. Durch eine angemessene Geschwindigkeit wird die Grasnarbe nicht verletzt. Sobald ein Eingriff in die obere Bodenschicht erfolgt, spricht man vom Striegeln.

In dem durch die Tiere aufgewühlten Boden keimen mit Vorliebe Pflanzen wie Ampfer oder Löwenzahn. Diese Pflanzen sind auf Wiesen und Weiden unerwünscht, da sie auf Dauer wertvolle Futtergräser verdrängen. Außerdem stirbt das Gras an den überdeckten Stellen ab.

Ein weiterer Vorteil des Abschleppens liegt darin, der Verunkrautung vorzubeugen. Auch auf Wiesen und Weiden gibt es Unkräuter, das heißt also unerwünschte Pflanzen wie Ampfer, Brennnessel oder Kriechender Hahnenfuß. Diese wachsen besonders stark am Rande von kotbedeckten Stellen, weil es dort mehr Nährstoffe gibt.

Beim Abschleppen überfährt der Landwirt mit einem speziellen, an den Traktor angehängten Gerät – meist mit einer sogenannten Grünlandegge – Wiesen- und Weidenflächen. Die Grünlandegge ist ein Gerät, bestehend aus einem Metallrahmen und darin eingehängten Ketten. Je nach Ausführung befinden sich zwischen den Ketten Metallringe oder kleine Stahlplatten, zum Teil mit Dornen besetzt. Nicht selten werden in der Landwirtschaft aber auch selbstgebaute Schleppen-Konstruktionen aus alten Autoreifen oder Metallringen verwendet.

Kurze Dornen an der Gründlandschleppe sorgen dafür, dass die Grasoberfläche leicht „eingeritzt“ wird. Das durchlüftet die Grasnarbe und entfernt unerwünschtes Moos. Außerdem regen die durch die Dornen verursachten kleinen „Verletzungen“ die Gräser an, besser auszutreiben.

Abschöpfung

Eine zollähnliche, flexible Abgabe, mit deren Hilfe bis 1995 in vielen EG-Marktorganisationen Unterschiede zwischen internen EG-Preisen und den Weltmarktpreisen für Agrarprodukte ausgeglichen wurden. Die Abschöpfung war eine Regelung des Aussenhandels, die sich den Preisbewegungen so anpasste, daß das EG-Preisniveau nicht nachteilig beeinflusst wurde. Abschöpfungen wurden, wenn die Weltmarktpreise unter dem EG-Niveau lagen, bei der Einfuhr aus Drittländern (Einfuhrabschöpfung) oder, wenn die Weltmarktpreise über dem EG-Niveau lagen, bei der Ausfuhr in Drittländer (Ausfuhrabschöpfung) erhoben. Diese variablen Abgaben kamen seit 1971 vollständig der EG/EU als Eigeneinnahmen zugute. Sie sicherten den EU-Landwirten hohe Absatzpreise. Das Gegenstück zu den Abschöpfungen sind Ausfuhrerstattungen beim Export zum Ausgleich des genannten Preisgefälles.

Europäische Landwirte wurden durch die Abschöpfungen vor billigeren Agrarimporten geschützt (Protektionismus). Drittstaaten hatten keine Chance, ihre Agrarprodukte in der EU zu günstigeren Preisen abzusetzen.

Nach dem 1994 abgeschlossenen WTO-Abkommen mussten für den Marktzugang, also für die Importseite, alle bestehenden Formen von Grenzmaßnahmen in Zölle umgewandelt werden, die zusätzlich zu kürzen waren. Dadurch sind in der EU die Abschöpfungen durch Agrarzölle ersetzt worden. Sie gehören wie die früheren Abschöpfungen gleichermaßen zu den traditionellen Eigenmitteln der EU, haben allerdings in finanzieller Hinsicht wesentlich an Bedeutung verloren und werden – weil sie zu den Zöllen gehören - auch im Gesamthaushaltsplan der EU bei den Einnahmen nicht mehr eigens ausgewiesen. Die Ausfuhrabschöpfungen bestehen weiter.

(s. a. Erstattung)

Weitere Informationen:

Absentismus

Die saisonale, unregelmäßig-häufige, längerfristige oder lebenslange Abwesenheit landwirtschaftlicher Grundeigentümer von ihrem Betrieb, der in dieser Situation von Verwaltern oder Pächtern bewirtschaftet wird. Die Grundeigentümer halten sich dabei in der Stadt, im Ausland oder auf anderen Betrieben auf.
Die Folgen dieser räumlichen Trennung von Wirtschaften und Wohnen, von agrarer Produktion und städtischem Konsum bzw. außerlandwirtschaftlicher Investition zeigen sich an beiden Enden des sozioökonomischen Stadt-Land-Gefälles. Der städtischen Kapitalkonzentration und Lebensstandarderhöhung entspricht die finanzielle und kulturelle Auszehrung des ländlichen Raumes.

Abundanz

Auch "Individuendichte"; sie gibt an, wieviele Individuen einer Pflanzen- oder Tierart in einer Flächen- oder Raumeinheit des untersuchten Gebiets durchschnittlich vorkommen.

Acequia

Bezeichnung für einen Wasserkanal in Spanien und den ehemaligen spanischen Kolonien, durch den Wasser zur Bewässerung von Ebenen, Feldern und Grundflächen geleitet wird.

Die Bauart ist arabischer Herkunft und unterscheidet sich von der Bauart der römischen Aquädukte. Das spanische Wort acequia kommt aus dem klassischen Arabischen الساقية  / as-sāqiya, was so viel bedeutet wie "Wasserleitung". Die Araber brachten die Technik während ihrer Herrschaft über die Iberische Halbinsel nach Spanien. Unter den Arabern wurden acequias entlang der spanischen Mittelmeerküste, vor allem in der Region Valencia, der Region Murcia und im östlichen Andalusien, insbesondere in den Alpujarras errichtet. Viele dieser Bauwerke werden heute noch genutzt. Auch im Cuyo (Argentinien) werden Acequias häufig zur Bewässerung verwendet.

Im Berggebiet der Alpujarras, das vormals von Kelten, Iberern und Römern besiedelt worden war, haben sich im 8. Jahrhundert Mauren niedergelassen und vorwiegend Siedlungen marokkanischer Kulturtradition errichtet. Es entstand eine noch heute sichtbare berberisch-maurische Kulturlandschaft mit einem ausgedehnten Kanalnetz von hunderten von Acequias, die das Wasser aus der schnee- und niederschlagsreichen Sierra hinab zu den Wiesen und Weiden, Obstgärten, Feldern und Häusern brachten. Die Wasserverteilung folgt den Acequias in hierarchischer Ordnung: von den Hauptkanälen (acequias madres), welche die große Wasserzuleitung übernehmen, zu den Verteilerkanälen zweiter und dritter Ordnung und schließlich zu den Furchen (melgas), die der Feinverteilung auf den Parzellen dienen. Die Acequias können naturnah angelegt oder aus Natursteinquadern gefasst sein, typisch sind auch aus Mörtel gemauerte Kanalwände.

Acker

Ein Acker, auch Feld oder Schlag genannt, ist ein landwirtschaftlich genutzter Boden (Kulturboden) unterschiedlicher Größe, der regelmäßig zum Beispiel mit einem Pflug bearbeitet und mit einer Feldfrucht bestellt wird. Dabei sind die Wörter nicht vollständig als Synonyme zu verstehen: Man spricht von einem Weizen- oder Rapsfeld, aber meist von einem Kartoffel- oder Rübenacker. Hinsichtlich des Gebrauchs dieser Wörter gibt es auch regionale Unterschiede.

Das Wort Acker geht zurück auf das indogermanische agro und bezeichnete zunächst nur das Land außerhalb von Ansiedlungen, wo man das Vieh zur Weide und auch zur Düngung des Bodens hintrieb. Verwandt damit sind das griechische agros und das lateinische ager, die beide Feld bedeuten. Ackern bedeutet die Erde wenden, den Boden kehren.

Als Grenzmarkierung, Rain zwischen den Flächen dienten natürliche, nur schwer veränderbare Merkmale wie z. B. Bäume, Hecken, Bachläufe, Wege oder künstliche Grenzzeichen wie z. B. Gräben, Lesesteinhaufen oder Mauern, Gatter und Zäune. Auch Grenzsteine zur Markierung der Flurstücksgrenzen waren und sind üblich.

Acker-Alp-Betrieb

Volkskundliche Bezeichnung für die traditionelle und heute meist nur noch reliktische Nutzungsform der inneralpinen Trockenzonen und des mediterran beeinflußten Südsaums der Alpen bzw. der Alpenregionen mit romanischer Sprache und Kultur.

Merkmale des Acker-Alp-Betriebs:

(s. a. Wiesen-Alp-Betrieb)

Ackerbau

Systematisch betriebener Anbau von ein- oder mehrjährigen Kulturpflanzen auf kultiviertem Boden. Es werden unterschieden:

Ackerbausystem

Feld- oder Fruchtfolgesystem, d.h. die Organisationsform des Ackerbaues.

(s. a. Fruchtfolge)

Ackerbegleitflora

Sammelbegriff für Pflanzen, die in Agrarökosystemen neben den angebauten Kulturpflanzen existieren. Es handelt sich vorwiegend um Ackerwildpflanzen, d.h. natürlicherweise vorkommenden Arten, die in Agrarökosystemen geeignete Lebensbedingungen finden. Die meisten von ihnen sind Erstbesiedler offener Flächen. Etwa drei Viertel aller Wildpflanzenarten der Äcker Mitteleuropas sind einjährig. Auch Kulturpflanzen können Bestandteile der Ackerbegleitflora sein, z.B. in Fruchtfolgesystemen Arten aus dem vorangegangenen Anbau (z.B. Raps aus der Vorfrucht in einem nachfolgenden Getreidebestand).

Ackerbegleitpflanzen, die in einem Kulturpflanzenbestand mehr Schaden verursachen als Nutzen bringen, werden als Unkräuter bezeichnet.
Zu den nützlichen Eigenschaften bestimmter Ackerbegleitpflanzen gehören z.B. der Schutz des Oberbodens vor Erosion oder die Förderung von Antagonisten der Schädlinge.

Ackerberg

Auch hohe Anwand; anthropogen entstandene wall- oder kammartige Erhöhung in der Ackerflur. Sie entsteht bei der Pflugarbeit durch das Verschleppen von Boden zu den Parzellengrenzen und das Abfallen von am Pflug haftender Erde, insbesondere an den Schmalseiten (Anwande) des Ackers, wo der Pflug beim Wenden aus der Erde gehoben wird. Das Vorkommen von Ackerbergen ist wahrscheinlich an Böden mit gutem Haftungsvermögen (Lößlehm) gebunden. Sie entstehen dann sowohl zwischen Einzelparzellen als auch Parzellenverbänden. Allerdings sind sie auch auf Wüstungsfluren in Mittelgebirgen nachgewiesen. Ackerberge erreichen Höhen zwischen wenigen Dezimetern und eineinhalb Metern.

Ackerboden

Boden unter Ackernutzung, wobei der natürliche Oberboden in einen Ap-Horizont umgewandelt wurde, d.h. in einen durch Pflügen geschaffenen Mischhorizont aus dem ehemaligen A-Horizont und mehr oder weniger größeren Teilen des B-Horizonts.

Ackerbohnen

Hülsenfrüchte (Körnerleguminosen), die als Eiweißfutter und zur Bodenverbesserung (Gründüngung) angebaut werden. Ackerbohnen binden mithilfe ihrer Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft und bilden so für ihre Nachfrucht einen natürlichen Stickstoffdünger. Sie stellen ein ideales Glied in der Fruchtfolge dar. Ackerbohnen lassen sich mit dem Mähdrescher ernten.

Ackerbürger

Historische Bezeichnung für Stadtbewohner, der neben seinem städtischen Beruf noch Landwirtschaft vorwiegend zur Selbstversorgung betrieb.

Ackerfläche

Abkürzung AF oder Afl., zumeist alljährlich mit Ackerbau bestellte Fläche. Rund 282 200 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland bewirtschafteten 2013 16,7 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche, darunter knapp 11,9 Millionen Hektar Ackerland (71 %) und 4,6 Millionen Hektar Dauergrünland (28 %). In der deutschen Agrarstatistik ist der Begriff Ackerland synonym.

Schätzungen zu Landnutzungen der letzten Jahrhunderte zeigen weltweit einen dramatischen Anstieg der Ackerfläche von 265 Mio. ha im Jahre 1700 bis hin zu 1500 Mio. ha im Jahre 1980. Fast die Hälfte der weltweiten Ackerfläche wurde erst im zwanzigsten Jahrhundert in Kultur genommen. In jüngster Zeit schwächte sich die Steigerung merklich ab. Ursachen sind gleichzeitige Umwidmungen von Ackerfläche für Siedlungen, Verkehrswegebau u.a. sowie Verluste durch Bodenversalzung, -erosion und -degradation.

Ackerfutter

Im Feldfutterbau gewonnenes Grünfutter bzw. die daraus erzeugten Konservate. Typische Vertreter sind die Futtergräser, Grünmais, Leguminosen, Cruciferen, Sonnenblumen, Topinambur, Phacelia, Buchweizen und die Blätter der verschiedenen Rübenarten. Der Ackerfutterbau hat neben der Erzeugung von Futtermitteln, die den Futteranteil vom Grünland im Interesse hoher Gesamtproduktivität der Tierhaltung ergänzt, eine wichtige Funktion für die Erhaltung und Mehrung der Bodenfruchtbarkeit.

Ackerkrume

Die oberste, durch organische Abbauprodukte meist dunkler gefärbte Bodenschicht des Ackers. Ihre Mächtigkeit entspricht weitgehend der jährlichen Bearbeitungstiefe (ca. 30 cm) mit dem Pflug (Ap-Horizont). Die Ackerkrume zeichnet sich durch lockere Lagerung des Bodenmaterials mit guter Durchlüftung und durch ein intensives Bodenleben aus. Dies erlaubt hohe Zersetzungsraten der eingepflügten Ernterückstände mit der Folge eines günstigen Nährstoffangebotes.

Bei Direktsaatverfahren kann auf eine wendende Bodenbearbeitung verzichtet werden, was langfristig Auswirkungen auf die Ackerkrume haben wird. Beide Verfahren, die wendende und die nicht wendende Bodenbearbeitung haben Vor- aber auch Nachteile. Wichtig ist deshalb eine standort- und der jeweiligen Fruchtfolge angepasste Saatbettbereitung.

Ackerland

In Deutschland alle Flächen, die in die Fruchtfolge einbezogen sind, einschließlich Hopfen und Tabak, Gemüse, Erdbeeren, Zierpflanzen und sonstige Gartengewächse im feldmäßigen Anbau und im Erwerbsgartenbau (auch unter Glas). Auch Ackerflächen mit Obstbäumen zählen zum Ackerland, sofern die Ackerfrüchte die Hauptnutzung darstellen; andernfalls zählen diese Flächen zu den Obstanlagen und werden unter den Dauerkulturen nachgewiesen. Ferner werden dazu gerechnet die Schwarzbrache innerhalb der Fruchtfolge und als Gründüngung zum Unterpflügen bestimmte Fruchtarten, soweit sie nicht als Zwischenfrüchte angebaut werden, sowie vorübergehend stillgelegte Ackerflächen.

In der deutschen Agrarstatistik ist der Begriff Ackerfläche synonym. Bei internationalen Vergleichen ist zu beachten, daß die Begriffsabgrenzungen sehr unterschiedlich sind. Im Jahr 2016 blieb die Fläche, die in Deutschland als Ackerland genutzt wird, mit 11,8 Millionen Hektar im Vergleich zu den Vorjahren konstant.

Weltweit gesehen umfasste 1993 das Ackerland 13,43 Mio. km², dies sind 9,7 % der Landfläche. Im wesentlichen basiert die Ernährung der Menschheit auf dieser Fläche.

Ackerland in Deutschland nach Hauptfruchtgruppen in 1 000 Hektar

Quelle: destatis.de

Ackernahrung

Der heute nicht mehr übliche Begriff bezeichnete jene Mindestfläche, die für den (dem allgemeinen Lebensstandard in einem Staat einigermaßen entsprechende) Lebensunterhalt einer (vierköpfigen) Familie ohne Zuerwerb notwendig ist. In Deutschland wurde diese bis in die 80er Jahre des vorigen Jh. bei Sonderkulturen schon mit etwa 2 ha, bei gemischtwirtschaftlichen Betrieben erst mit etwa 50 ha erreicht.
In ländlich geprägten Gesellschaften hatte die Ackernahrung zusammen mit der Sozialstruktur den Abstand und die Dichte landwirtschaftlicher Siedlungen mitbestimmt.

Ackerpflanzen

Ein- oder zweijährige ackerbauliche Fruchtarten für die Ernährung (z.B. Getreide, Kartoffel, Zuckerrübe, Hülsen- und Ölfrüchte), Futtergewinnung (z.B. Futterrübe, Mais) oder Rohstoffproduktion (z.B. Raps, Lein).

Ackerrain

Die in Pflugrichtung verlaufende Parzellengrenze.

(s. a. Feldrain, Stufenrain)

Ackerrandstreifenprogramm

Weitgehend ausgelaufenene Förderprogramme der Bundesländer zur lediglich extensiven Bewirtschaftung eines mindestens 2 Meter breiten Randstreifens von Getreidefeldern. Die Bestimmungen zur Durchführung waren je nach Bundesland etwas unterschiedlich. Gemeinsam war allen Programmen das Anwendungsverbot für Pestizide (teilweise auch für Mineraldünger oder Gülle). Die Mindererträge wurden durch Entschädigungszahlungen ausgeglichen.

Ackerschätzungsrahmen

Grundlage für die Bodenbewertung bei Ackerland. Die Bewertung des Ackerlandes erfolgt nach der Bodenart, der Entstehung und der Zustandsstufe. (s. a. Bodenfruchtbarkeit)

Weitere Informationen:

Ackerschleppe

Erosionsbedingte, querliegende Akkumulation von Bodenpartikeln am unteren Rand einer senkrecht zum Hang angeordneten Ackerparzelle.

Ackerterrasse

Künstliche Hangverflachung aus Gründen der leichteren Bearbeitbarkeit, des Erosionsschutzes und der besseren Wasserversorgung. Ackerterrassen bestehen aus den Terrassenflächen oder -äckern und den Terrassenhängen oder -rainen.

Man unterscheidet:

Ackerzahl

Ausgehend von der Bodenzahl durch Zu- oder Abschläge bei günstigeren oder weniger günstigen natürlichen Ertragsbedingungen, wie Klima, Geländegestaltung, Waldschatten und anderem ermittelter Wert. Die Ackerzahl ist somit Maßstab für die natürliche Ertragsfähigkeit des Bodens am jeweiligen Standort. Die Höhe der Zu- und Abschläge ist auch abhängig von der Bodenart. So wirken sich starke Niederschläge auf schwere Böden negativ, auf leichtere Böden eher positiv aus. Das gesamte Schätzungsergebnis eines Ackerbodens lautet zum Beispiel L 4 Al 65/70, das heißt, es handelt sich um einen Lehmboden, Zustandsstufe 4, Entstehungsart Alluvium, Bodenzahl 65, Ackerzahl 70.

Die Skala möglicher Werte reicht von 1 (sehr schlecht) bis 120 (sehr gut). Ein Kartenwerk, aus dem die Ackerwertzahl hervorgeht, ist die DGK 5 Bo, die im Zuge der Reichsbodenschätzung 1934 erarbeitet wurde.

Weitere Informationen:

ADI-Wert

Abk. von engl. acceptable daily intake (annehmbare tägliche Aufnahme). Er bedeutet die tägliche Höchstdosis eines Pflanzenschutzmittel-Rückstandes (mg/kg Körpergewicht) in Lebensmitteln, die bei lebenslanger Aufnahme ohne Gesundheitsbeeinträchtigung bleibt.

Basis für die Festlegung eines ADI-Werts sind in der Regel Fütterungsversuche mit Ratten oder Mäusen. Dabei erhalten die Tiere eine Diät mit verschiedenen Anteilen des zu untersuchenden Stoffes. Ziel ist es, die höchste Dosierung herauszufinden, bei der keine gesundheitsrelevante Wirkung zu beobachten ist. Dieser No Effect Level (NEL), dividiert durch einen Sicherheitsfaktor, ergibt den ADI-Wert.

Verantwortlich für die Festsetzung eines ADI-Wertes sind internationale Expertengremien, etwa die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der gemeinsame Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe der WHO/FAO (JECFA).

Ad Libitum-Fütterung

Ad libitum (lat. nach Belieben), auch Sattfütterung, bedeutet, dass die Tiere keine rationierte Fütterung haben, sondern jederzeit so viel fressen können, wie sie möchten.

Agenda 2000

Im Juli 1997 vorgestellter und im März 1998 den EU-Mitgliedstaaten zur Stellungnahme vorgelegter und präzisierter Entwurf der Europäischen Kommission für die Umgestaltung der Europäischen Union im Hinblick auf die damals bevorstehenden WTO-Verhandlungen und die Ost-Erweiterung, insbesondere hinsichtlich des Finanzrahmens. Die Agenda 2000 wurde auf dem Europäischen Rat der Staats- und Regierungschefs vom 26. März 1999 in Berlin in der Form von etwa zwanzig Rechtstexten verabschiedet.

Bei der (hypothetischen) Aufnahme aller Bewerber der Ost-Erweiterung rechnete man mit einer Zunahme der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) der Gemeinschaft um 50 %, sowie einer Verdoppelung der Anzahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. Ohne erneute Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik befürchtete die Europäische Kommission einen Zusammenbruch des Finanzierungssystems.

Besonderes Augenmerk galt der Strukturförderung und der Agrarpolitik, da diese Politikbereiche gut vier Fünftel der Finanzmittel der Gemeinschaft in Anspruch nahmen.

Das Aktionsprogramm enthielt Maßnahmen zur Unterstützung der mittel- und osteuropäischen Staaten bei ihrem Beitritt in die EU (Heranführungsstrategie) und zur Vorbereitung der EU auf die geplante Erweiterung (u.a. Subventionsabbau, Reform der Agrarausgaben und der Haushaltspolitik).

Bislang hatte die EU den Weltmarkt vorwiegend als Ventil für die Beseitigung von Überschüssen benutzt. Mit der Agenda 2000 verfolgte die EU nunmehr offen das Ziel einer stärkeren Präsenz auf den Weltmärkten mit der wahrscheinlichen Folge einer weiteren Verschärfung des Strukturwandels.

Ziel war der Agenda 2000 war, die Ausgaben für die Landwirtschaft zu senken, um den Haushalt der EU zu konsolidieren und die Nettozahlungen der Mitgliedsländer, z.B. auch Deutschlands, zu verringern. Ziel war auch, die Voraussetzungen für die Aufnahme der zehn neuen Mitglieder 2004 in die EU (Europäische Union) zu schaffen. Bei der Halbzeitbewertung 2003 in Luxemburg wurde die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) zu großen Teilen über die Agenda 2000 hinaus weiterentwickelt. Vor allem gab es eine Entkoppelung der Zahlungen  von der bisherigen Bemessungsgrundlage der Erzeugung. Dafür wurde eine  Betriebsprämie gezahlt. Diese Direktzahlungen werden ab 2005 stufenweise reduziert.

Durch Cross Compliance (Überkreuzverpflichtung) werden die Direktzahlungen der EU mit der Einhaltung von scharfen Standards in Umwelt, Lebensmittelsicherheit und Tierschutz verbunden. Im November 2008 wurde beschlossen, ab 2013 die Direktzahlungen um 10 % zu verringern, bei Betrieben  mit bis dahin über 300.000 €  Zahlungen noch um weitere 4 %.

Weitere Informationen:

Agenda 21

Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert zur Umsetzung des Leitbildes Nachhaltige Entwicklung. Es wurde 1992 anläßlich der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) von 179 Staaten verabschiedet. Das Programm wird in Form von Empfehlungen dargeboten, ist mithin nicht juristisch verbindlich. Die AGENDA 21 gibt in 40 Kapiteln Handlungsbedarf, Maßnahmen, Instrumente und Finanzierungsmechanismen für nahezu alle Politikbereiche an, u.a. für die Landwirtschaft. Zentrales Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaft ist danach die langfristig gesicherte Ernährung einer beständig zunehmenden Weltbevölkerung.

Bei der Umsetzung der Agenda 21 ist die EU-Agrarpolitik noch weit von dem Ziel einer sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Entwicklung entfernt. Bezeichnend dafür ist, daß Umweltschutz in der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik lediglich als "flankierende Maßnahme" und nicht als integraler Teil auftritt.

Die Nachfolgeagenda („Agenda 2030“) trat am 1. Januar 2016 in Kraft.

Weitere Informationen:

Agglomerationsvorteile

Kostenersparnisse, die sich aus der räumlichen Agglomeration von Betrieben der gleichen Branche, sowie der Nähe zu Betrieben des sekundären und/oder tertiären Sektors ergeben können.

Hierzu gehören vor allem Fühlungsvorteile, d.h. die Übernahme von Kenntnissen über Produktion und Absatz von anderen nahegelegenen Betrieben. Weitere Agglomerationsvorteile entspringen z.B. aus der Entstehung von Zuliefer- und Verarbeitungsunternehmen, aus der Bildung von Kooperationen beim Absatz (Erzeugergemeinschaften), aus dem Ausbau der Verkehrs- oder Lagerinfrastruktur sowie aus dem Aufbau von Institutionen, die auf dem Ausbildungs-, Forschungs- oder Vermarktungssektor tätig sind.

Agrar- / agrar

Erstglied zusammengesetzter Substantive bzw. Adjektive; das Präfix drückt aus, dass das mit dem Zweitglied Bezeichnete auf die Landwirtschaft bezogen ist, z.B. Agrarproduktion, agrarpolitisch.

Etymologisch ist das Präfix vom lateinischen agrarius (= den Acker(bau) betreffend) abgeleitet, dieses wiederum von ager (Genitiv: agri) = Acker.

Agraraußenhandel

Die Ein- und Ausfuhr von Agrargütern (land- und ernährungswirtschaftliche Erzeugnisse, in der deutschen Statistik ohne Holz und Holzprodukte) von einem bzw. in einen Staat oder eine Staatengemeinschaft.

Weitere Informationen:

Agrarbeihilfe

Subvention des Agrarsektors, die die Landwirtschaft selbst, aber auch benachbarte Bereiche (z.B. Handel, Lagerhaltung) betreffen können. In der EU unterliegen nationale Agrarbeihilfen nach der ausdrücklichen Regelung in den Marktordnungen auch dem allgemeinen Beihilferegime des EG-Vertrages. Beihilfen werden beispielsweise in Form von Ausfuhrerstattungen geleistet.

Agrarbetrieb

1. Aus agrarökonomischer Sicht eine örtliche, technische und organisatorische Einheit der landwirtschaftlichen Urproduktion, bei der die Produktionsfaktoren Boden, Kapital und Arbeit zusammengefaßt sind und durch planmäßiges Handeln der Betriebsleitung zielgerichtet kombiniert werden. Demgegenüber ist ein Agrarunternehmen eine örtlich nicht gebundene, wirtschaftlich-finanzielle und juristische Einheit, die mehrere Betriebe umfassen kann (Steinhauser u.a. 1978).

2. Nach Andreae (1983) eine Erwerbswirtschaft aus dem Bereich der Urproduktion, die aus menschlichen Wohnstätten besteht sowie aus landwirtschaftlich genutzten Flächen, die von jenen aus bewirtschaftet werden. In der Regel, besonders in kühleren Klimaten, gehört zu einem Agrarbetrieb auch ein Wirtschaftshof.
Der Agrarbetrieb gilt als kleinste sozioökonomische Einheit und gleichsam als Baustein des Agrarraumes. Durch die Berücksichtigung von bestimmten Merkmalskombinationen lassen sich verschiedene Betriebsformen unterscheiden, die dann Ausdruck der Gesamterscheinung eines Betriebes sind.

Dem deutschen Begriff 'Agrarbetrieb' entspricht im angelsächsischen Sprachraum der Terminus 'farm'. Als Spezialformen des Agrarbetriebes bzw. der Farm sind z.B. die Ranch, die Pflanzung und die Plantage anzusehen.

Agrarbevölkerung

Jener Teil der Gesamtbevölkerung, der seinen Lebensunterhalt ganz oder überwiegend aus landwirtschaftlicher Tätigkeit bezieht. Auch die Familienangehörigen der in der Landwirtschaft Tätigen werden dazugerechnet.

Agrarbündnis

1989 als Dachverband der Deutschen Agraropposition e.V. von mehreren formal parteiunabhängigen Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt-, Natur- und Tierschutz sowie Verbraucher- und Entwicklungspolitik gegründet. Das AgrarBündnis setzt sich für eine umwelt- und sozialverträgliche bäuerliche Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung, für die Produktion gesunder Lebensmittel und für einen funktionsfähigen ländlichen Raum ein.

Ein Hauptprojekt des AgrarBündnisses ist seit 1993 die Herausgabe des agrarpolitischen Jahrbuchs "Der kritische Agrarbericht".

Weitere Informationen:

Agrarchemikalien

Gesamtheit der in der Landwirtschaft eingesetzten Chemikalien, also Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie Treibstoffe.

Agrardichte

Dichtemesszahl, welche die von der Landwirtschaft lebende Bevölkerung bzw. die Zahl der landwirtschaftlichen Berufszugehörigen auf die landwirtschaftliche Nutzfläche bezieht, wobei im Einzelfall die tatsächliche Anbaufläche oder die kulturfähige Fläche die Bezugsfläche ist.

Agrardiesel

Als Agrardiesel bezeichnet man in Deutschland Dieselkraftstoff, der in der Land- und Forstwirtschaft verbraucht wird. Betriebe der Land- und Forstwirtschaft und Imkereibetriebe können auf Antrag von der Energiesteuer auf Agrardiesel (Gasöl) entlastet werden. Die Rechtsgrundlage für die Agrardieselvergütung ist § 57 EnergieStG. Verbräuche auf Forstflächen können wegen beihilferechtlicher Vorgaben zusätzlich nur im Rahmen einer so genannten De-minimis-Beihilfe von der Steuer entlastet werden. Die Steuerentlastung wird pro Kalenderjahr für voll versteuert bezogenen Dieselkraftstoff gezahlt.

Die Verwendung von Biodiesel und Pflanzenöl in der Land- und Forstwirtschaft ist nach dem Energiesteuergesetz steuerfrei. Die Steuerrückerstattung beim Einsatz dieser Kraftstoffe erfolgt wie beim Agrardiesel, wobei aber kein Selbstbehalt sowie keine Deckelung vorgesehen ist. Der Selbstbehalt und die Deckelung wurden allerdings auch seit 2008 bei Dieselkraftstoffen ausgesetzt.

Die Besteuerung von Diesel sowie die Rückvergütung wird in den einzelnen EU-Staaten unterschiedlich gehandhabt. Ein Landwirt in Deutschland zahlt mit rund 26 Cent pro Liter deutlich mehr Steuern für Diesel, als Landwirte in anderen EU-Staaten. Ein britischer Landwirt zahlt £ 0,1197 (€ 0,153) pro Liter, ein französischer € 0,072, ein dänischer € 0,058 und ein belgischer € 0,0.

Deshalb ist dieses Agrardieselgesetz für deutsche Landwirte von Bedeutung um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der jährliche Verlust von Steuereinnahmen beläuft sich hierfür auf rund 400 Mio. €.

Agrardreieck

Bezeichnung für das Gebiet intensiver agrarischer Nutzung in der früheren Sowjetunion bzw. ihren heutigen Nachfolgestaaten. Es erstreckt sich keilförmig zwischen Ostsee und nördlichem Kaspischen Meer (Westen) bis zum Baikalsee (Ostspitze des Keils). Begrenzt wird es im Norden vor allem durch die niedrigen Temperaturen und den Permafrostboden, im Süden durch die zunehmende Trockenheit. Es umfasste ca. drei Millionen Quadratkilometer.

Es dokumentiert gleichzeitig die Begrenzung der Raumnutzung und macht dadurch deutlich, wie groß die Fläche ist, die dem Menschen – zum Beispiel für eine landwirtschaftliche Nutzung – nicht zur Verfügung steht.

Die Herausbildung des Agrardreiecks entstand aus dem Zusammenspiel der klimatologischen Differenzierung, von Oberflächenformen und Bodenbeschaffenheit (einschließlich des Dauerfrostbodens).

Die fruchtbarsten Ackerflächen liegen im europäischen Teil Russlands: in der zentralen Schwarzerderegion und im Wolgagebiet. Dort wird mehr als 65% der Fläche landwirtschaftlich genutzt. In Sibirien und im Fernen Osten sind es deren südlichen Gebiete, auf denen Landwirtschaft betrieben wird. Allerdings ist hier die Produktivität geringer als im europäischen Teil. Die Grenze des rentablen Getreideanbaus liegt bei 60° n. Br. Im Süden ist das Klima ohne Bewässerung zu trocken. Beträchtliche Schwankungen der Niederschlagsverteilung und -menge von Jahr zu Jahr lassen in den Steppen große Unterschiede bei den Ernteerträgen auftreten. Betroffen sind insbesondere die Gebiete östlich der Wolga, während in Südrussland und Nordkaukasien die Erntesicherheit etwas höher ist. Allerdings ist die geringe agrarische Produktivität nur teilweise den von Jahr zu Jahr schwankenden Witterungsbedingungen anzulasten; ebenso wichtig sind Mängel in der Agrarstruktur und in der Organisation der landwirtschaftlichen Produktion sowie ein Missverhältnis zwischen Aufwand und Ertrag.

Agrarexporte

Der Begriff Agrarexporte beschriebt die Ausfuhren von Agrar- und Ernährungsgütern. Die Summe auf die sich der deutsche Agraraußenhandel beläuft, liegt bei 65,4 Milliarden Euro (Stand: 2015). Zu den wichtigsten Warengruppen zählen Ölsaaten und Ölsaatenprodukte, Fleisch und Fleischerzeugnisse sowie Milch und Milcherzeugnisse. Die deutsche Landwirtschaft erzielt inzwischen mehr als 25 Prozent ihrer Gewinne aus dem Verkauf aus dem Agrarexport. (s. a. Agrarimporte)

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Agrarfabrik

In Analogie zum gewerblichen Bereich eine größere Produktionsstätte, in der vorzugsweise tierische Erzeugnisse weitgehend ohne Bindung an selbstbewirtschaftete Flächen "fabriziert" werden. Da diese "Fabrikation" der traditionellen bodengebundenen Landbewirtschaftung mit bäuerlicher Viehhaltung und damit dem Leitbild "Bäuerlicher Familienbetrieb" widerspricht, wird der Begriff Agrarfabrik eher diskriminierend benutzt. Seine Verwendung in der Fachliteratur ist unüblich. Agrarfabriken sind zwar statistisch nicht exakt zu erfassen. Sie sind aber durch ihre vorzugsweise bodenunabhängige tierische Veredelung sowie die Spezialisierung auf meist nur einen Viehhaltungszweig mit großer Stückzahl und die vorzugs­weise Beschäftigung von Lohnarbeitskräften nährungsweise bestimmbar.

Die ersten Tierfabriken (factory farms) waren Hähnchenmastbetriebe in den USA, die das früher "luxuriöse" Hähnchen (luxury roaster) nach dem Zweiten Weltkrieg allgemein verfügbar machten. (s. a. agrarindustrielles Unternehmen, Agribusiness, Industrialisierte Landwirtschaft)

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Agrarflächenquote

Eine Messziffer, die den Anteil der Agrarfläche an der Gesamtlandesfläche angibt.

Agrarfonds

Siehe Europäischer Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL)

Agrargebiet

Agrargebiete sind größenordnungsmäßig nicht fest fixierte, individuelle Räume, die sich durch eine spezifische Kombination ihrer Merkmale von ihren Nachbarräumen abheben. Die Kriterien sind mit denen zur Erfassung der Betriebsformen identisch, so dass man Agrargebiete auch als Räume gleicher oder ähnlicher Betriebstypen definieren kann. Ein weitgehend identischer Begriff ist Agrarlandschaft, insbesondere bei vorwiegend physiognomischer Betrachtung eines Agrargebietes.

Merkmalshervorhebungen oder -kombinationen führen zu Typen von Agrargebieten (z.B. alpine Täler mit Almwirtschaft, tropische Zuckerrohrgebiete). Ein Bestimmungskatalog findet sich bei Sick, 1993. Als Beispiele mit ihren Hauptmerkmalen nennt er:

Beispiele für Agrargebiete
Agrargebiet Hauptmerkmale
Kaiserstuhl (Südbaden) Kleinbäuerliches Weinbaugebiet mit Marktorientierung, Feldbau im Randsaum
Küstenhof von Valencia (Spanien) Kleinbäuerlich mit vielfältigem Bewässerungs- und Trockenfeldbau (Reis, Agrumen, Baumwolle, Getreide, Gemüse), Kleinviehhaltung
Oase Ouargla (Algerien) Bewässerung mit artesischem Grundwasser. Dattelpalmenkulturen
Becken von Quito (Ecuador) Haciendas, indianische Kleinbetriebe; Regenfeldbau mit Mais, Weizen; Viehhaltung
Pampa (Argentinien) Regenfeldbau mit Weizen, Mais, Alfalfa, Sonnenblumen u.a.; randlich Viehhaltung; Großbetriebe und kleinere Pachtbetriebe

Quelle: Sick 1993

Agrargebiete liegen nach der Größenordnung zwischen den Agrarbetrieben und den Agrarregionen.

Agrargemeinschaft

Jede Art von Zusammenschluß, die Nutzungsrechte an land- oder forstwirtschaftlichen Grundstücken, Ländereien, Wasser- und Landwegen und anderen Einrichtungen vermittelt. Als tradierte Kooperationsform steht die Agrargemeinschaft den modernen zivilrechtlichen Kooperationsformen (z.B. Erzeugergemeinschaften) gegenüber. Sie beruht auf alten rechtlichen Bestimmungen, die bei Einführung des BGB unberührt geblieben sind, so die Waldgenossenschaften, der als Realgemeinde bezeichnete Genossenschaftstyp (Grundbesitz im Eigentum der beteiligten Genossen oder der Genossenschaft) und die Interessenschaften mit gemeinsamen bäuerlichen Nutzungsrechten (z.B. Wege, Gräben, Brücken, Kiesgruben u.ä.).

Im Wesentlichen lassen sich diese Rechte auf den Begriff der Allmende zurückführen.

Agrargeographie

Die Agrargeographie untersucht, beschreibt und erklärt die von der Landwirtschaft und von mit ihr durch Integration verbundene Wirtschaftszweige gestaltete Erdoberfläche als Ganzes wie auch in ihren Teilen und versucht dieses Wirken in Modellen darzustellen. Sie berücksichtigt dabei die äußere Erscheinung, die ökologische, (agrar-)wirtschaftliche und soziale Struktur sowie die Funktion und gelangt letztlich zu einer räumlichen Differenzierung. Dabei werden die Wechselwirkung dieser Faktoren im Kontext demographischer, (agrar-)politischer und technologischer Rahmenbedingungen und ihr raum-zeitlicher Wandel berücksichtigt. Aus der Verbreitung dieser Faktoren ergeben sich verschiedenartige Agrarräume, Agrarregionen, Landbauzonen o.ä. Der Agrarraum steht sowohl in seiner Gesamtheit, also als Gefüge von Siedlung, Flur, Urproduktion usw. im Blickfeld der Agrargeographie, wie auch mit seinen Einzelaspekten, so z.B. den Betriebsgrößenverhältnissen oder dem Strukturwandel altsozialistischer Staaten Osteuropas. Die verschiedenen Akteure und Kräfte im Agrarwirtschaftsraum werden in ihrem Beziehungsgefüge betrachtet mit dem Ziel, deren räumliches Verbreitungsmuster und Zusammenwirken in ihrer zeitlichen Veränderungen zu erkennen und zu erklären.

Die Agrargeographie steht als Teildisziplin der Wirtschafts- und Sozialgeographie in einem Spannungsfeld zwischen den Agrar-Wissenschaften, der Sozialwissenschaften, der allgemeinen Anthropogeographie, den Geschichtswissenschaften (bezüglich der Unterdisziplin Historische Agrargeographie) und auch der physischen Geographie. Die naturräumlichen Gegebenheiten besitzen in der Agrargeographie eine besondere Beachtung, denn trotz des Einsatzes moderner Agrartechnik üben Naturfaktoren weiterhin einen großen Einfluss auf die Potenziale, Limitierungen und Risiken der Agrarproduktion aus.

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Agrargeschäft

Alle der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche:

Agrargeschichte

1. (Disziplin) Die Agrargeschichte befasst sich mit der historischen Entwicklung der Landwirtschaft und des Agrarraums. Sie zeigt die geschichtlichen Zusammenhänge auf, die zu den gegenwärtigen Agrar- und Betriebsstrukturen und Ausprägungen der Agrarlandschaft geführt haben.

2. (Überblick) Die Agrarwirtschaft gilt als älteste Wurzel der Kulturentwicklung, das lateinische Wort "cultura" hatte ursprünglich die Bedeutung von Anbau und Bodenpflege. Die Geschichte der Landwirtschaft ist eng verflochten mit der allgemeinen Wirtschafts- und Sozialgeschichte, deren Kenntnis zum Verständnis der heutigen agrargeographischen Strukturen und Funktionen notwendig ist.

Die ältesten Wirtschaftsstufen der Wildbeuter, Sammler, Jäger und Fischer umfassen zwar den größten Teil der Menschheitsgeschichte, sie haben aber den Naturraum noch nicht zum Agrarraum umgestaltet. Auf diesen ersten Stufen benötigte jeder Mensch eine Fläche von etwa 20 km², um ausreichend Nahrungsmittel zum Überleben zu beschaffen.

Der entscheidende Übergang von der aneignenden zur produzierenden Landwirtschaft mit Anbau (Züchtung der noch heute wichtigsten Kulturpflanzen) und Nutztierhaltung (Domestizierung von Schaf, Schwein und Rind), die das Seßhaftwerden ermöglichte, erfolgte vermutlich erst nach dem Ende der Würmkaltzeit. Die landwirtschaftliche Weiterentwicklung mit einer bescheidenen Überschussproduktion verschaffte einem Teil der Menschen genügend Zeit für mehr kreative Tätigkeiten, die als Voraussetzung für die Entwicklung von Wissenschaft, Technik und Künsten dienten und die Basis für eine allgemeine kulturelle Weiterentwicklung bildeten.

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Agrarhandel

Der Kauf und Verkauf von landwirtschaftlich erzeugten Produkten und Rohstoffen, wie Getreide und Ölsaaten und von verarbeiteten Produkten der Ernährungsindustrie wie Käse oder Wurstwaren. Häufig wird auch der Handel mit den für die Landwirtschaft notwendigen Betriebsmitteln darunter verstanden. Dazu gehören beispielsweise Saatgut, Düngemittel, Futtermittel oder auch Landtechnik.

Der Agrarhandel kann unterschieden werden nach der Maßstabsebene (z.B. regional, international), dem Handelsgut oder den Handelsstufen (Großhandel und Einzelhandel).

Der Agrarhandel gleicht Ungleichgewichte aus, die räumlich, zeitlich, qualitativ und quantitativ zwischen der Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse und deren Verarbeitung bzw. Konsum auftreten. Er ist Bestandteil des Agribusiness.

Der internationale Agrarhandel unterliegt großen Risiken (Ernteverluste, Preisschwankungen), die durch internationale Abkommen, tarifäre und nichttarifäre Handelshemmnisse sowie Buffer Stocks abgemildert werden.
Die für den internationalen Agrarhandel wichtigste Institution ist die World Trade Organization (WTO).

Agrarhandel als Teil der agraren Wertschöpfungskette

Der Agrarhandel ist ein Bindeglied innerhalb der agrarischen Wertschöpfungskette. Er besitzt eine Doppelfunktion sowohl als Absatzmittler, beispielsweise im Getreidegeschäft als auch in Form eines Dienstleisters im Bezugsgeschäft landwirtschaftlicher Produkte. Der Handel mit Agrarprodukten nimmt neben der Raum- und Zeitüberbrückung auch einen Qualitäts- und Mengenausgleich innerhalb der agrarischen Wertschöpfungskette vor.

Unternehmen die innerhalb eines Binnenmarktes oder weltweit Agrarhandel betreiben, sind in der Regel Großhandelsunternehmen. Agrarhandelsunternehmen, die keine Großhandelsunternehmen sind und Einzelhandelsfunktionen besitzen, zeichneten sich bisher stärker durch einen engen Bezug zur Landwirtschaft aus (Landhandel). Durch den Strukturwandel im Agrarhandel mit einer Konzentration auf größere Unternehmenszusammenschlüsse verschwinden diese Unterschiede zunehmend. Dies bedeutet, auch Agrarhandelsunternehmen der Großhandelsstufe treten zunehmend direkt mit den Landwirten in Verbindung.

Den Agrarhandel als Bindeglied innerhalb der agrarischen Wertschöpfungskette berühren auch Themen der vor- und nachgelagerten Stufen wie beispielsweise Strukturveränderungen in der Landwirtschaft, Klima- oder Umweltfragen oder das Tierwohl in der Lebensmittelproduktion. Durch seine Ausgleichsfunktion als zwischengeschaltete Stufe zwischen Anbieter und Abnehmer kommt dem Agrarhandel zunehmend größere Bedeutung zu, beispielsweise auch vor dem Hintergrund der ungesicherten Welternährung. Dabei ist weitgehend akzeptiert, dass Ernährungsunsicherheiten nicht auf eine zu niedrige globale Nahrungsmittelproduktion zurückzuführen sind, sondern auf Verteilungsprobleme, unfaire Handelspraktiken, ökologische Probleme, unangepasste Bodennutzung und weitere Ursachen zurückzuführen sind.

Qualitätssicherung

Die Qualitätssicherung der gehandelten Agrarprodukte wird zum einen gewährleistet durch gesetzlich verankerte Richtlinien wie beispielsweise die "EU-Verordnung über Qualitätsregelungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel" als auch durch vom Agrarhandel selbst eingeführte Kontrollsysteme. Diese Qualitätssicherungssysteme formulieren Standards bezüglich Hygiene und Sicherheit durch bestimmte Anforderungen an Transport, Aufnahme, Lagerhaltung und Rückverfolgbarkeit. Dazu zählen beispielsweise das 1999 eingeführte Europäische Getreidemonitoring (EGM), die Richtlinien zur Qualitätssicherung der Produktionsabläufe (GMP) oder der Europäische Kodex der guten Handelspraxis (GTP), den Coceral der europäische Dachverband des Handels mit Getreide, Futtermittel und anderen Agrarprodukten erarbeitet hat.

Risikoabsicherung

Die Produktion der Agrarrohstoffe ist saisonal abhängig, und das Angebot unterliegt jährlichen Schwankungen, beispielsweise aufgrund von Wetterextremen wie starken Niederschlägen oder Dürreperioden. Mit zunehmender Volatilität (Preisschwankungen) gewinnt das Risikomanagement an Bedeutung. Immer öfter fordern beispielsweise auch finanzierende Banken im Agrarhandel ein entsprechendes Risikomanagement zur Unternehmenseinstufung bei der Kreditvergabe. Handelssysteme wie Warenterminbörsen oder Vorkontrakte geben Landwirten, Handel und Verarbeitern Möglichkeiten der Preisabsicherung.

Finanzmarkt-Vorschriften sollen Spekulationen mit Agrarrohstoffen und Nahrungsmitteln verhindern, wie beispielsweise die Finanzmarktrichtlinie (MiFID).Wissenschaftliche Analysen deuten allerdings darauf hin, dass Spekulationen nicht den Einfluss auf das Preisgeschehen am Weltmarkt haben, der ihnen zugeschrieben wird. Demnach bestimmen den Handel in erster Linie grundlegende Trends bei Nachfrage und Angebot und die oben aufgeführten Rahmenbedingungen der Rohstoffgewinnung.

In den letzten Jahrzehnten wurde eine Vielzahl von bilateralen und multilateralen Freihandelsabkommen geschlossen. Die wichtigsten multilateralen Abkommen finden sich derzeit unter dem Dach der Welthandelsorganisation WTO, die mehr als 160 Mitgliedsländer hat und damit eine globale Organisation ist. Vorläufer der WTO war das General Agreement on Tariffs and Trade (GATT). Damit wurde nach dem Zweiten Weltkrieg versucht, Zölle weltweit deutlich abzubauen. Handelsabkommen gehen häufig über den reinen Warenhandel hinaus und umfassen auch nicht-tarifäre Aspekte (z.B. Handelsbürokratie wie Anträge, Lizenzen, Anmeldungen, diskriminierende oder unverhältnismäßige sicherheits-, umwelt- oder gesundheitsbezogene Vorschriften für Produkte oder mengenmäßige Beschränkungen).

Handelspolitik liegt nach wie vor in der Zuständigkeit der einzelnen Nationalstaaten als auch der EU. Es existieren eine Vielzahl bilateraler Handelsabkommen die auch den Agrarhandel mit einschließen.Verhandlungen auf EU-Ebene werden vorwiegend von der EU-Kommission geführt. Diese konsultiert in den Abstimmungsverfahren die einzelnen EU-Mitgliedstaaten.

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Agrarhaushalt

1. Der im Verfügungsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten stehende Anteil des Bundeshaushaltes (2017: 5,8 Mrd. € von 335,8 Mrd. €).

2. Der für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union zur Verfügung stehende Anteil aus dem gesamten EU-Haushalt.
2016 entfallen voraussichtlich 73 % der EU-Agrarausgaben auf Direktzahlungen, 5 % auf Agrarmarktausgaben, 21 % kommen der ländlichen Entwicklung zu Gute. Vor 25 Jahren wurden noch 91 % der EU-Agrarausgaben für die Marktstützung (Exporterstattungen, Lagerhaltung) verwendet.

3. Allgemein der im Verfügungsbereich des für Landwirtschaft zuständigen Ministeriums bzw. einer vergleichbaren Behörde eines Staatswesens oder einer Wirtschaftsgemeinschaft befindliche Anteil des Gesamthaushalts.

CAP expenditure in total EU expenditure (2011 constant prices)

This graph shows the development of CAP expenditure over the years as a share of the EU budget. The share has decreased very sharply over the past 25 years, from 73% in 1985 to 39% in 2015. This decrease has taken place despite the successive EU enlargements. This downward trend in the CAP's share of EU spending is mainly due to CAP reform and the growing share of other EU policies.
Quelle: EU Kommission

Weitere Informationen:

Agrarimporte

Einfuhr von Agrargütern in einen Staat oder in eine Staatengemeinschaft.
Deutschland nimmt im Agrarhandel mit einem Import im Werte von 72,1 Mrd. € (2012) eine Spitzenposition ein, davon stammen Waren im Wert von 49 Milliarden € aus EU-Mitgliedsländern, die meisten aus den Niederlanden. Agrarimporte nach Deutschland bestehen vor allem aus Nahrungsmitteln pflanzlichen Ursprungs, mit Abstand folgen Nahrungsmittel tierischen Ursprungs.

Weltweit ist die Europäische Union der größte Abnehmer von Agrarerzeugnissen aus  Entwicklungs- und Schwellenländern, 71 % der EU-Importe stammen aus diesen Staaten (2012).

Bei vielen Nahrungsmitteln (Südfrüchte, Obst, Gemüse) und Genussmitteln (Kaffee, Tee, Kakao) ist die Bundesrepublik auf Importe angewiesen (Selbstversorgungsgrad).

agrarindustrielles Unternehmen

Eine nach industriewirtschaftlichen Prinzipien, d.h. rationell mit Hilfe moderner Agrartechnik, großer Kapital- und Energieintensität und mit dezentralem, hierarchischem Management betriebene Landwirtschaft großen Stils (große Flächen, bzw. große Tierbestände) und großer Produktionsmengen, bei der wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt genutzt werden. Der Einsatz betriebsfremder Arbeitskräfte ist die Regel. Der eigentliche Bereich der häufig standardisierten Urproduktion ist dabei gewöhnlich eingebunden in ein System vertikaler Integration vor- und nachgelagerter Produktionsschritte und verfolgt höchste ökonomische Effizienz. Solche (räumlichen) Verbundsysteme weist eine hohe Kongruenz zu industriellen Verbundsystemen auf und benötigen eine ausgefeilte Logistik bis hin zur just-in-time-Anlieferung.

Agrarindustrielle Unternehmen bildeten sich zunächst nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA. Zwar war diese Entwicklung anfänglich auf einige Produktionszweige beschränkt (Hühnerhaltung, Rindermast, Gemüseanbau), breitete sich dann jedoch auf weitere Bereiche aus. Voraussetzung für diesen Prozeß waren neben agrartechnologischen Entwicklungen, Kapitalverfügbarkeit, verbesserten Transportmöglichkeiten auch rechtliche und steuerliche Voraussetzungen. Von besonderer Bedeutung war das Eindringen von Fremdkapital, das von Futtermittelherstellern, Hybridzuchtunternehmen, Schlachtereien, Geräteherstellern und der Nahrungsmittelindustrie aufgebracht wurde. Die Integration vollzog sich folglich nach unten wie auch nach oben.

Nach 1960 kam es im SW der USA und in Florida zu einem verstärkten Engagement von nichtlandwirtschaftlichen Großunternehmen. Für das Eindringen großer Konzerne (u.a. Coca Cola, Kaiser Aluminium, Tenneco, Getty Oil) in den Agrarsektor gab es drei Gründe: Landspekulationen, Steuerflucht und Kontrolle des Marktes durch Entwicklung vollintegrierter Nahrungsketten.

Neben dem Zufluss von Fremdkapital spielten die Aktivitäten von Unternehmerpersönlichkeiten und die von Farmergenossenschaften eine wesentliche Rolle beim Aufbau von agrarindustriellen Unternehmen.

In Deutschland vollzog sich der Aufbau vergleichbarer Strukturen in den sechziger Jahren zunächst in einer eng begrenzten Agrarregion, nämlich in Südoldenburg. Das dortige Entstehen vertikal integrierter Unternehmen in der Hühnerhaltung wurde maßgeblich von Hybridzuchtunternehmen und Geräteherstellern aus den USA beeinflusst. Auch hier spielten Unternehmerpersönlichkeiten eine große Rolle.

Im Bereich der Kälber-, Bullen- und Schweinemast ist eine volle Integration bislang noch nicht erfolgt, wenngleich auch hier mehrstufige Unternehmen (Mast und Schlachterei, Zucht und Mast) vorhanden sind.

(s. a. Agribusiness, industrialisierte Landwirtschaft)

Agrarklimatologie

Teilgebiet der angewandten Klimatologie, das den Einfluss des Klimas auf Gedeihen und optimale Erträge von Kulturpflanzen, vor allem von Sonderkulturen, untersucht. Besonderes Interesse gilt den Bereichen Wind- und Frostschutz, Beregnung, bzw. Bewässerung, Schädlingsbekämpfung, Bodenwärme- und Bodenwasserhaushalt und phänologischen Erscheinungen.

Letztlich gilt es, den Anbau von Nutzpflanzen auf der Basis von klimatologischen Parametern zu optimieren. So müssen der Strahlungsumsatz, differenziert nach den jeweils aktiven Oberflächen, die Absorptions-, Transmissions- und Reflexionsprozesse erfasst und für die landwirtschaftliche Praxis berücksichtigt werden. Dabei erweist sich der Blattflächenindex als wichtiger Parameter für die Primärproduktion sowie für die Interzeption in Pflanzenbeständen. Für landwirtschaftliche Prognosen werden u.a. saisonal differenzierte Angaben über Energie- und Wasserbilanzen, Beschattung, Bewässerungsbedarf, Frostgefährdung und Frostschutz benötigt. Konkrete Aufgabenstellung ist beispielsweise der Nachweis ihres Einflusses auf Wachstum, Phänologie und Ertrag der jeweiligen Anbaufrüchte. Hinzu treten Analysen über mögliche witterungsbedingte Ertragsausfälle und zielgerichtete Strategien zur Prävention. So können durch agrarmeteorologische Analysen an Einzelpflanzen und in Beständen wichtige lokale und regionale Vorhersagen über die Gefährdungen unterschiedlicher Anbaukulturen, z.B. durch Frost, Hagel, Dürre und Sturm, sowie über das Ausmaß artspezifischer Schäden an Anbaufrüchten durch Krankheitserreger (z.B. Schimmelbefall), die je nach Witterungen gefördert werden können, gemacht werden. Diese Informationen werden im Rahmen agrarmeteorologischer Beratungsdienste über die Medien umgehend verbreitet.

Im Fokus der agrarklimatologischen Forschung steht auch der Klimawandel, um dessen Konsequenzen für die Landwirtschaft in regionaler bis globaler Sicht zu ermitteln.

(s. a. Agrarmeteorologie, Klimaszenario (Westeuropa) und Landwirtschaft, Treibhauseffekt)

Weitere Informationen:

Agrarkolonisation

Die Inwertsetzung bisher nur wenig oder nicht genutzter Gebiete für die Landwirtschaft, gewöhnlich begleitet von Siedlungsneugründungen. Agrarkolonisation ist häufig staatlich gelenkt, kann sich aber auch privat und ungeplant vollziehen. Heutige Erschließungsräume sind innertropische Waldareale (z.B. Amazonien) und in geringem Ausmaß boreale Waldgebiete (z.B. Kanada, Sibirien).

Oft geht eine massiv forcierte Agrarkolonisation und die Ansiedlung von großen Bevölkerungsmassen mit einer starken Bodendegradation einher. Häufig handelt es sich um Umsiedlungen von Bevölkerungsschichten aus urbanen Ballungsgebieten in landwirtschaftlich noch nicht oder wenig genutzten Arealen. Problematisch sind auch die sozioökonomische Aspekte, wenn Siedler auf den neu erschlossenen Böden neue Bewirtschaftungsformen erlernen müssen, wie beispielsweise bei der Ansiedlung von Hochlandindianern in die mit tropischen Regenwald bewachsenen Tiefländer Boliviens.

Ein Negativbeispiel ist auch das indonesische Transmigrationsprojekt, bei dem von 1969 bis Mitte 1998 etwa 1,6 Millionen Familien aus den überbevölkerten Ballungsräumen der Städte auf die Insel Kalimantan (Borneo) umgesiedelt wurden , um somit einem weiteren Bevölkerungsanstieg und vermehrter Armut in den Städten zu begegnen. Kalimantan wurde ausgewählt, da es sich um eine dünn besiedelte Insel handelte, welche nach Ansicht der Planer eine ausreichende Tragfähigkeit für eine größere Besiedlung hätte. Das Projekt scheiterte im großen Stil, da die Parzellen der Siedler zu klein waren und die tropischen Böden nach Kahlschlag sehr schnell auslaugten. Weiterhin entwickelten sich Konflikte zwischen den Einheimischen und den „Transmigrasi“, hauptsächlich um Landnutzungsrechte. Der Besiedlungswelle folgte nach einigen Jahren eine große Rückwandererwelle, welche die soziale Not in den Großstädten verschlimmerte. Die sozialen Spannungen führten zu politischen Unruhen in Indonesien.

Weitere Informationen:

Agrarkonjunkturen

Zyklische Schwankungen auf den Agrarmärkten.

Agrarlandschaft

Kulturlandschaftstyp als Teil der Erdoberfläche, der durch seine spezifische agrare Nutzung eine gewisse Einheitlichkeit besitzt. Physiognomisch wird die Agrarlandschaft geprägt durch die Art der Bodennutzung und Viehhaltung, die Parzellierung der Flur, die Formen, Anordnungen und Positionen der Wohn- und Ökonomiegebäude und die technischen Hilfsmittel (z.B. Karussellbewässerung), wobei diese Merkmale Ausdruck sind einerseits von physisch-geographischen Bedingungen, andererseits von sozialen, religiösen und historischen Gegebenheiten.

Die unterschiedliche Art und die Wechselwirkungen der einzelnen Komponenten formen jeweils ein bestimmtes Landschaftsgefüge, in das sich, je nach Lage zu urbanen Räumen auch andere Gefügeelemente mischen können. Wo solche fehlen, kann von einer reinen Agrarlandschaft gesprochen werden.

Die Agrarlandschaft kann in gleicher räumlicher Erstreckung auch als Agrarökosystem betrachtet werden, bei dem die Betrachtung der Stoff- und Energieflüsse und die Funktionsfähigkeit der Beziehungen zwischen Elementen des Systems im Vordergrund stehen.
In der gegenwärtigen mitteleuropäischen Kulturlandschaft bestehen neben Agrarlandschaften mit großen Flächen und wenigen Strukturelementen in der Flur, etwa in den Börden oder auf dem Gebiet der früheren Kollektivwirtschaften, immer noch reich strukturierte Agrarlandschaften, z.B. am Oberrhein oder im Neckarraum.

Die Agrarlandschaft wird wegen der z.B. in weiten Teilen Europas vollzogenen Aufgaben-Segregation als von der Protektionslandschaft (Naturschutzgebiete u.a.) zu unterscheidende Produktionslandschaft bezeichnet.

Der Begriff Agrarlandschaft wird zwar häufig synonym zu Agrargebiet verwendet, doch erscheint es sinnvoll Agrarlandschaft im Sinne einer Unterscheidung von anderen Kulturlandschaftstypen zu verwenden, während der Begriff Agrargebiet eher in das Hierarchieschema Agrarraum - Agrarregion - Agrargebiet - Agrarbetrieb eingebunden ist.

Agrarmarkt

Der ökonomische Ort, der dem Ausgleich von Angebot und Nachfrage von Agrargütern dient. In ihm vollzieht sich die Gesamtheit aller Handelsbeziehungen beim Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Dabei sind bestimmte Marktelemente wie Angebot, Nachfrage, Preisbildung und Wettbewerb wirksam. In der Mehrzahl der Staaten ist das freie Spiel der Marktelemente durch (über-)staatliche Eingriffe in das Marktgeschehen stark eingeschränkt. So unterstützt das BMEL durch Exportmaßnahmen deutsche Unternehmen bei der Erschließung neuer Märkte.

Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln wird weltweit durch eine Vielzahl von Faktoren wie Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, Einkommensverteilung, Entwicklung der menschlichen Ressourcen, Lebensart und Verzehrgewohnheiten bestimmt. Das Angebot ist weltweit relativ klein. Die Preise sind oft manipuliert. Der Agrarmarkt erhält für die Versorgung der wachsenden Weltbevölkerung eine zunehmende Bedeutung. Vor allem China hat einen stark steigenden Bedarf an Nahrungs- und Futtermitteln. Das Besondere des Agrarmarktes ist, dass zumeist vielen Anbietern (den Bauern) nur wenige Nachfrager (Großhändler, Ketten) gegenüberstehen. Mittel- und langfristig steigen die Agrarpreise deshalb wesentlich schwächer als andere Preise, fallen sogar bisweilen. Bei gleichzeitig steigenden Kosten stagniert bzw. sinkt so das Einkommen der Landwirte. Die ökonomisch schwächsten Bauern geben ihre Betriebe auf. Die frei werdenden Produktionskapazitäten, vor allem Flächen, werden von wachstumsfähigen Betrieben übernommen.

Agrarmärkte weisen in vielen Ländern eine sogenannte X-Struktur auf. Dies bedeutet, daß die Marktstruktur hinsichtlich der Zahl von Anbietern und Nachfragern auf den einzelnen Ebenen sehr unterschiedlich ist. Sie reicht von einer großen Anzahl von Betrieben der agrarischen Urproduktion über eine geringe Zahl von Einkaufszentralen für verarbeitete Agrarprodukte bis hin zu einer sehr großen Anzahl von Verbrauchern. In den Übergangsbereichen sind verschiedenste Ebenen des Handels und des Ernährungsgewerbes angesiedelt.

Die Vermarktungsquote landwirtschaftlicher Betriebe weist erhebliche räumliche und zeitliche Unterschiede auf. Generell steigt sie mit der volkswirtschaftlichen Differenzierung. Die Extreme liegen einerseits bei den Marktfruchtbetrieben der Industrieländer mit über 90 % und andererseits bei einer völlig fehlenden Marktorientierung in marktfernen Räumen mancher Entwicklungsländer. Außerdem steigt die Vermarktungsquote bei Marktfruchtbetrieben i.d.R. mit der Betriebsgröße.

Der Agrarmarkt läßt sich nach Warengattungen (Getreide, Ölsaaten, Vieh) oder nach seiner räumlichen Reichweite (lokal, regional, national, international) untergliedern.

Innerhalb der EU waren viele dieser Märkte traditionell stark reguliert. Der staatliche Einfluss ist durch die EU-Agrarreformen der letzten beiden Jahrzehnte jedoch stetig zurückgegangen, sodass die Entwicklungen an den Weltmärkten und die internationalen Agrarterminmärkte eine immer größere Rolle bei der Preisbildung spielen. Steigende und stark schwankende Preise kennzeichnen die globale Preisentwicklung bei Agrarrohstoffen seit 2007. Verbesserte Transparenz und eine angemessene Regulierung der Agrarterminmärkte soll dazu beitragen, mögliche negative Effekte von Finanzinvestoren einzudämmen sowie Unsicherheiten über Angebot und Lagerbestände zu verringern und so die Preisbildung zu stabilisieren.

Der Begriff Weltmarkt bezeichnet die grenzüberschreitenden Güterströme.

Die Nachfrager nach Agrargütern verteilen sich auf 5 Gruppen:

(s. a. Vermarktung)

Agrarmarktordnung

Siehe Marktordnung

Agrarmarktpolitik

Politikfeld, das einerseits die landwirtschaftliche Marktlehre und andererseits die Begründung sowie die Instrumente agrarpolitischer Eingriffe in das Marktgeschehen umfasst.

Agrarmeteorologie

Teilgebiet der angewandten Meteorologie, das sich mit den Auswirkungen von Wetter, Witterung und Klima auf die Landwirtschaft befaßt. Zu den Aufgabengebieten der Agrarmeteorologie gehören klimatische Fragen des Pflanzenstandorts und agrarmeteorologische Beratung, u.a. in Form spezieller, über Fax oder Telefon abrufbarer Wetterberichte. Letztere unterstützt sowohl die Dosierung als auch die Wahl des richtigen Zeitpunktes von bestimmten landwirtschaftlichen Maßnahmen, und zwar mit dem Ziel der Einsparung von Energie, Agrarchemikalien und Arbeitskräften sowie zur Minimierung von Umweltbelastungen. Beim Deutschen Wetterdienst (DWD) besteht das modular aufgebaute agrarmeteorologische Beratungsprogramm AMBER.
Agrarmeteorologische Beratungen betreffen beispielsweise

Neuere Entwicklungen sind Formen der Zusammenarbeit beispielsweise zwischen Agrartechnologie-Firmen und dem DWD bei denen online-Beratungsdienste für Landwirte, Lohnunternehmer und landwirtschaftliche Berater angeboten werden. Die Besonderheit liegt in der Wahlmöglichkeit zwischen einer lokalen Vorhersage oder einer individuellen Wettervorhersage, speziell für den Standort des Anwenders. Beispielsweise können ortsbezogene agrarmeteorologische Prognosedaten den Bodenwassergehalt, die Erdbodentemperaturen, die Blattbenetzung, die Kornfeuchte oder die Heu- und Silagetrocknung betreffen. Die Aktualisierung kann täglich zweimal erfolgen, mit einer stündlichen Auflösung der Prognose für die nächsten 72 Stunden. Die Genauigkeit erreicht hohe Werte, da die Vorhersage auf einen Standort mit 6 km Radius bezogen ist.

In der gemeinsamen Entwicklung von DWD und Pflanzenschutzämtern befinden sich computergestützte Entscheidungshilfen für den Pflanzenschutzmittel-Einsatz.
Bei der Datenerfassung zur Lösung der agrarmeteorologischen Aufgaben tritt zur Registrierung der üblichen Wetterfaktoren auch die Phänologie. Sie besitzt besondere Bedeutung für Obstbau, Imkerei und Drogengewinnung. (s. a. Agrarklimatologie)

Weitere Informationen:

Agrar-Öko-Audit

Entwicklungsoffener Begriff, der z.Z. für ein betriebliches Umweltmanagement im Agrarsektor in Anlehnung an die EG-Öko-Audit-Verordnung gebraucht wird.

Seit dem Inkrafttreten von EMAS II (Environmental Management and Audit Scheme), der novellierten europäischen Öko-Audit-Verordnung, sind auch Landwirtschaftsbetriebe berechtigt, am europäischen Umweltmanagementsystem EMAS teilzunehmen. EMAS II gilt für „alle Organisationen mit Umweltauswirkungen", dazu gehören auch landwirtschaftliche Betriebe.

Agrarökologie

Teil der angewandten Ökologie, der sich praxisorientiert mit den Agrarökosystemen, d.h. den landwirtschaftlich genutzten Flächen befasst. Dabei untersucht man die Existenzbedingungen von Organismen in der Umwelt, die der Mensch für die Produktion bestimmter Kulturpflanzen gestaltet.

Bei den Organismen handelt es sich um die Individuen verschiedener Arten bzw. Populationen von Kultur- und Wildpflanzen, Tieren und Mikroorganismen. Die Kulturpflanzen stammen von Wildpflanzen ab und sind durch die unbewusste oder gezielte Auslese bestimmter Merkmale durch den Menschen entstanden.

Die Umwelt besteht aus der Gesamtheit der Faktoren, die auf Organismen einwirken. Die verschiedenen physikalischen und chemischen Einflüsse, die von der unbelebten Umwelt ausgehen stellen die abiotischen Faktoren dar (z.B. Bodeneigenschaften, Relief, Höhenlage, Klima). Die Wirkungen der biotischen Faktoren gehen von Organismen aus und können auf die Individuen derselben Art, die Individuen einer anderen Art oder auf die abiotische Umwelt ausgeübt werden. Aus der Perspektive einer Art besteht die biotische Umwelt im Wesentlichen aus anderen Arten, zu denen sie in unterschiedlichen Beziehungen stehen kann, z.B. Nahrungsbeziehungen, Konkurrenz, Mutualismus. (Martin und Sauerborn 2006)

Agrarökosystem

Auch Agroökosystem; durch die Tätigkeit des Landwirts geschaffenes Nutzökosystem, bei dem die funktionale Einheit der Biosphäre als Wirkungsgefüge aus wildwachsenden Pflanzen und Kulturpflanzen, wildlebenden Tieren und vielfach aus Nutztieren besteht. Als wesentliche ökologische Variable nimmt er entscheidend Einfluss auf die Zusammensetzung, das Funktionieren, die Stabilität und die energetischen, stofflichen und informatorischen Wechselbeziehungen des Systems.

Das Agrarökosystem dient vornehmlich der Erzeugung von Nahrungsmitteln und anderen biologischen Rohstoffen. Beispiele sind ein Getreide- oder Rübenfeld, eine Viehweide oder eine Mähwiese. Grundsätzlich kann aber auch ein landwirtschaftlicher Viehbestand mit Futterversorgung und Fäkalienabfuhr als Agrarökosystem aufgefasst werden, vor allem in Verbindung mit Weidewirtschaft.

Die Leistung eines Agrarökosystems ist primär eine Funktion von Boden, Klima und Organismenbestand. Inwieweit Agrarökosysteme in Form und Funktion von unbewirtschafteten Ökosystemen abweichen, hängt von der Art und Intensität der Bewirtschaftung sowie vom Umfang der Stoffzufuhr (Düngung) und Stoffentnahme (Ernte) ab.
Historische nachhaltige Agrarökosysteme orientierten sich an der Nährstoffrückführung natürlicher Ökosysteme. Nährstoffentzüge wurden durch weitgehende Rückführung der Pflanzenrückstände und des organischen Düngers sowie durch Fixierung und Verwitterung ausgeglichen. Die moderne Landwirtschaft hat die Erträge durch Zufuhr mineralischer Dünger, durch Schädlings- und Unkrautbekämpfung stark gesteigert, dabei aber den Nährstoffkreislauf aufgebrochen und den Energieeinsatz pro erzeugter Nahrungseinheit stark erhöht.

Unterschiede von Agrarökosystemen gegenüber natürlichen Ökosystemen in einer ähnlichen abiotischen Umwelt:

Die Agrarökosysteme der Gegenwart sind das Ergebnis einer Entwicklung in mehreren Phasen, die sich als horizontale Expansion (Umwandlung bis dahin nicht landwirtschaftlich genutzter Flächen in Acker- und Grünland) und später als vertikale Expansion (rationelle Bodennutzung unter dem Einfluß von Marktmechanismen und Technikentwicklungen) beschreiben lassen. (Agrargeschichte)

Teilweise wird der Begriff Agrarökosystem, wohl in Anlehnung an die lateinische Herkunft (ager, Acker), enger gefasst und bezieht sich nur auf Ackerbausysteme. (Martin und Sauerborn 2006)

Agrarpolitik

Die Agrarpolitik ist ein Bereich der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, der schwerpunktmäßig auf die Agrarwirtschaft und die mit ihr verbundenen Wirtschaftsbereiche und Bevölkerungsgruppen ausgerichtet ist.

Bereiche der Agrarpolitik sind die Agrarmarkt- und Agrarpreispolitik, die Agrarstrukturpolitik, die Agrarsozialpolitik sowie die Agrarumweltpolitik.

Die Agrarpolitik umfasst die Gesamtheit der den Zielvorstellungen einer Gesellschaft entsprechenden Maßnahmen von Staat, Verbänden (z.B. Bauernverbände, Verbraucherverbände), Körperschaften des öffentlichen Rechts (z.B. Landwirtschaftskammern, Einfuhr- und Vorratsstellen) und internationalen Institutionen zur Beeinflussung von Ordnung, Struktur und Prozessen in der Landwirtschaft. Demnach spiegelt sich in der Agrarpolitik auch die jeweils herrschende Wirtschaftsordnung: Ein liberales wirtschaftspolitisches System (Markt- oder Wettbewerbswirtschaft) vertraut auf den Markt und die Leistungsfähigkeit einer agraren Selbstordnung. In gebundenen Wirtschaftsordnungen (gelenkte, gesteuerte, staatsgeplante Wirtschaft) liegt eine interventionistische Agrarpolitik vor, die unmittelbar und teilweise dirigistisch in Produktion und Marktgeschehen eingreift. Zum Kennzeichen der vergesellschafteten Zwangswirtschaft gehören die ausschließlich zentralistische Planung und die staatlich kontrollierte Durchführung, wobei alle privatwirtschaftlichen Kräfte ohne Wirkung bleiben.

Aus wirtschaftlicher Perspektive gilt die Agrarpolitik als Teilgebiet der Agrarökonomik, dessen Erkenntnisgegenstand das politische Handeln im Agrarbereich ist. Zu den Aufgaben der wissenschaftlichen Agrarpolitik gehört es, agrarpolitisches Handeln zu beschreiben, zu erklären und dessen Wirkungen zu untersuchen. Wissenschaftstheoretisch basiert die Agrarpolitik auf verschiedenen Gebieten der Wirtschaftstheorie und der Wirtschaftspolitik. Starke Verflechtungen gibt es bes. zur Mikroökonomik und zur Wohlfahrtsökonomik, zur sektoralen Strukturpolitik sowie zur Handelspolitik und zur Entwicklungspolitik.

Agrarpolitik wird auch eingeordnet als Teilgebiet der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus und damit der Agrarwissenschaften. Wissenschaftstheoretisch basiert die Agrarpolitik auf verschiedenen Gebieten der Wirtschaftstheorie und der Wirtschaftspolitik. Starke Verflechtungen gibt es besonders zur Mikroökonomik und zur Wohlfahrtsökonomik, zur sektoralen Strukturpolitik sowie zur Handelspolitik, zur Entwicklungspolitik sowie zur Regionalpolitik..

Gewöhnlich werden drei Zielbereiche für die Agrarpolitik hervorgehoben: Effizienz, Verteilungsgerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Bei der Effizienz geht es um eine optimale intra- und intersektorale Ressourcenallokation. Bei der Verteilungsgerechtigkeit geht es um die Sicherung eines angemessenen Einkommens für die Landwirtschaft, darüber hinaus aber um die Armutsbekämpfung im ländlichen Raum und um Ernährungssicherung. Nachhaltigkeit beschäftigt sich mit Umwelteffekten der Landwirtschaft und mit anderen nichtmarktfähigen Leistungen der Landwirtschaft wie z.B. ihr Beitrag zur ländlichen Entwicklung, zum Tierschutz und zur Lebensmittelsicherheit und -qualität. (Multifunktionalität der Landwirtschaft)

Vielfach ist die Agrarpolitik so komplex geworden, daß sowohl liberale wie gelenkte und dirigistische Elemente unmittelbar nebeneinanderstehen, so dass kaum noch zu erkennen ist, welches wirtschaftspolitische Grundmodell zugrundeliegt. Die EU-Staaten bieten hierfür ein gutes Beispiel.

Die Prägekraft von Agrarpolitiken ist häufig stärker als die natürlichen, ökonomischen und sozialen Faktoren. Die Großstrukturen kollektivistischer Agrarsysteme oder die steuernde Wirkung der Gemeinsamen Agrarpolitik sind hier ebenso zu nennen wie die Auswirkungen von Agrarkolonisationen (römische Zenturiatsfluren in der Poebene und im Maghreb, mittelalterliche Waldhufensiedlungen in europäischen Mittelgebirgen, Township-System der USA).

Die Agrarpolitiken stehen global äußerst unterschiedlichen Problemfeldern gegenüber. Während viele Industriestaaten große Agrarüberschüsse erwirtschaften, leidet ein Großteil der Entwicklungsländer mit ihrem ungelösten Entstehungs-, Verteilungs- und Verwendungsproblem unter chronischer Lebensmittelknappheit. Beide Ländergruppen sehen sich jeweils spezifischen Umweltwirkungen ihres Wirtschaftens ausgesetzt.

Fragwürdige Agrarpolitik macht die Landnutzung in vielen Staaten zunehmend unwirtschaftlich. Die Landnutzung ist zu einer Subventionswirtschaft geworden. Unsere Landnutzer, wie auch jene der Dritten Welt, sind oft gezwungen, Nahrungsmittel und organische Rohstoffe zu Preisen zu liefern, die weit unter ihrem Wert liegen. Diese billige Bereitstellung und auch Heranlieferung von Nahrungsmitteln und Rohstoffen ist nur möglich, weil neben den sozialen auch die ökologischen Erfordernisse bei Erzeugung und Transport der von uns genutzten Güter weltweit ignoriert werden.

(s. a. Agrarpolitik in Deutschland, externe Effekte)

Agrarpolitik in Deutschland

Historisch läßt sich die deutsche Agrarpolitik seit dem 19. Jahrhundert in folgende Etappen gliedern:

Zeitraum Entwicklungen
bis 1870 Agrarreformen, Übergang von der feudalen zur liberalen Agrarordnung, Bauernbefreiung
1871-1914 Phase der Agrarschutzpolitik wegen zunehmender Agrarimporte aus Rußland und Amerika (gesunkene Transportkosten)
ca. 1919-1933 Einbeziehung der Landarbeiter in die Sozialgesetzgebung der Industriearbeiter, Produktionssteigerung, Bodenreform, die zwischen 1919 und 1932 zu über 60.000 Neusiedlerstellen mit durchschnittlich 11 ha Land führten
1933-1945 Totalitäre Agrarpolitik, Bauernstand innerhalb des Staates mit zentraler Funktion, abgeleitet aus der "Blut-und-Boden-Ideologie"; das Reichserbhofgesetz sollte die Höfe vor Überschuldung und Zersplitterung im Erbgang schützen; das Reichsnährstandsgesetz schuf die Voraussetzungen für eine einheitliche und geschlossene Organisation der Landwirtschaft, dabei Führerprinzip, Autarkiepolitik, zusätzlich Landgewinnung an den Küsten, Urbarmachung von Mooren, Umbruch von Weideland in Ackerland u.w.; öffentliche Bewirtschaftung während des 2. WK.
nach WK II Zwei separate Wege der beiden deutschen Staaten bis zur Wiedervereinigung; dennoch systemunabhängige Parallelitäten, z.B. in den Produktionsstrukturen, Produktionsergebnis-sen, dem Einsatz industrieller Vorleistungen sowie Gemeinsamkeiten bei den agrar- und ernährungspolitischen Zielen. Agrarpolitik der DDR als Bestandteil des ökonomischen und ideologischen Systems des Sozialis¬mus mit seiner Zentralverwaltungswirtschaft. Ziele der Agrarpolitik: Produktions-steigerung, Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung, Sicherstellung der Rohstoffbasis der eigenen Industrie, Angleichung der Lebensbedingungen auf dem Land an jene in der Stadt.

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Agrarprivileg

Der Begriff beschreibt die früher formal und inhaltlich bestehende Ausnahmestellung der Landwirtschaft im früheren Bundesnaturschutzgesetz, nach dem die ordnungsgemäße landwirtschaftliche (aber auch forst- und fischereiwirtschaftliche) Bodennutzung nicht als Eingriff in Natur und Landschaft anzusehen und insoweit nicht den naturschutzrechtlichen Vorschriften unterworfen war. Das Agrarprivileg der sogenannten Landwirtschaftsklauseln im BNatSchG ist zwar formal entfernt, besteht substantiell in abgeschwächter Form aber weiter.

(s. a. ordnungsgemäße Landwirtschaft, Umweltwirkungen)

Agrarprodukte

1. Im engeren Sinne solche Produkte, die

2. Im weiteren Sinne auch die von den nachgelagerten Be- und Verarbeitungsunternehmen hergestellten Erzeugnisse (z.B. Brot).

Agrarprotektionismus

Form des staatlichen Agrarinterventionismus, welche die Agrarpreise künstlich verzerrt, mittels tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen den Außenhandel mit Agrarprodukten manipuliert und dadurch ausländische Produzenten auf dem eigenen Markt wie auch auf Drittmärkten bewusst und politisch gewollt diskriminiert. Agrarprotektionismus ist häufig die Ursache internationaler Handelskonflikte.

Diese Schutzmaßnahme der Politik für die einheimische Landwirtschaft ist zumeist in Industrieländern anzutreffen, in denen der Inlandpreis über dem relevanten Weltmarktpreis liegt. Inländischen Landwirten wird mit dem Agrarprotektionismus ein Schutz gegenüber ausländischen Wettbewerbern ermöglicht. Der Schutz drückt sich in verschiedensten Maßnahmen und Reglementierungen aus, wie: Produktionsquoten, Mindestpreise, Zölle, Steuervorteile, kostenlose staatliche Beratung, Exportsubventionen und weitere. Dadurch ist ein internationaler Vergleich des Stützungsniveaus für die Landwirtschaft nur sehr schwierig und nur über die Verwendung von Indikatoren möglich. Die OECD verwendet hierfür die Darstellung in Form von Produzentensubventionsäquivalenten (PSE, producer subsidy equivalents).

Die im internationalen Vergleich hohe Agrarprotektion in der EU hat ihren Ursprung in der langen Tradition des Agrarschutzes in den meisten europäischen Ländern, die bis zum Ende des letzten Jahrhunderts zurückreicht (z.B. Bismarcks Getreidezölle). Zu jener Zeit waren die großen Grasländer in Nord- und Südamerika erschlossen worden, und konkurrenzlos billiges Getreide drängte auf den europäischen Markt. Dies führte zu einem Preisverfall, wodurch die europäischen Erzeuger unterstarken Druck gerieten und von ihren Regierungen Schutzmaßnahmen forderten. Die Reaktionen in einzelnen Ländern waren verschieden. Frankreich und Deutschland richteten einen Außenschutz durch Getreidezölle ein. Dadurch wurden zahlreiche kleinere, wettbewerbsschwache Betriebe in der Produktion gehalten, ein nötiger Strukturwandel gebremst. Großbritannien fühlte sich weiterhin dem Freihandel verpflichtet, sodass ein starker Anpassungsdruck auf den Landwirten lastete und ein rascher Strkturwandel mit der Bildung flächengroßer Betriebe sich einstellte. In den Niederlanden und in Dänemark erkannte man die Chance, mit Hilfe des billigen Importgetreides einen Ausbau der bodenunabhängigen Veredlungsproduktion vorzunehmen.
Kritik am Agrarprotektionismus gipfelt in der generellen Forderung nach einer Liberalisierung des internationalen Agrarhandels.

Mögliche Auswirkungen des Agrarprotektionismus:

Agrarquote

Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigen an der Gesamtbeschäftigtenzahl eines Wirtschaftsraumes (Agrarerwerbsquote) oder der Anteil der Landwirtschaft an der Wirtschaftsleistung einer Region.

Agrarraum

Übergreifender und maßstabsmäßig nicht einzuordnender Begriff, der den gesamten, auf irgendeine Weise landwirtschaftlich genutzten Teil der Erdoberfläche bezeichnet. Sein Umfang wird auf der Grundlage von einzelstaatlich sehr unterschiedlichen Erhebungskriterien von der FAO für 1993 mit 48,1 Mio. km² angegeben, das sind rund 32 % des festen Landes. Der Agrarraum in globaler Sicht ist Gegenstand der Agrargeographie.
Etwa 14,5 Mio. km² oder 10 % der Festlandsfläche werden als Ackerland genutzt, während auf das sogenannte Dauergrünland 33,6 Mio. km² entfallen. Darunter ist vorwiegend extensiv genutztes Weideland zu verstehen. Lediglich 10 - 12 % des Dauergrünlandes besteht aus gedüngtem und z.T. melioriertem Kulturgrasland. Gleichzeitig werden 28 % des Ackerlandes (4 Mio. km²) zur Produktion von Ackerfutter für die tierische Veredelung eingesetzt. Berücksichtigt man noch die Nebenprodukte der pflanzlichen Produktion, die in der Tierernährung eingesetzt werden (u.a. Stroh, Rübenblatt, Ölkuchenschrote, Treber, Melasse), so sind ca. ¾ des gesamten Agrarraums der Erzeugung tierischer Produkte gewidmet.
Hinsichtlich bislang noch nicht genutzter Reserven an potentiellem Ackerland geht die FAO von zusätzlichen 3,5 Mio. km² aus. Davon entfallen 48 % auf Lateinamerika und 44 % auf das subsaharische Afrika. Südasien und der Vordere Orient verfügen kaum noch über Landreserven. Etwa die Hälfte des zusätzlichen Flächenpotentials ist mit Wald bestockt, dessen Rodung aus ökologischen Gründen problematisch ist. Weitere Teile sind Gebirgsland oder tragen ertragsarme Böden. Realistisch erscheint der FAO eine Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzfläche bis zum Jahre 2010 um lediglich 90 Mio. ha. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, den Nahrungsbedarf der zunehmenden Weltbevölkerung ganz überwiegend aus Ertragssteigerungen zu decken.

Begünstigte Teile des Agrarraums lassen sich im Vergleich zu weniger begünstigten - gleicher technischer Entwicklungsstand vorausgesetzt - nach folgenden Kriterien abgrenzen:

Die Außengrenzen des Agrarraums der Erde lassen sich mit einiger Sicherheit nur auf der Grundlage des Anbaus von Kulturpflanzen angeben, da die Grenzen der viehwirtschaftlichen Nutzung allzu unsicher sind und erheblichen jährlichen und jahreszeitlichen Schwankungen unterliegen. Zwischen der Grenze des Ackerbaus (agronomische Grenze) und den landwirtschaftlich nicht mehr nutzbaren Trocken- und Kältezonen erstreckt sich eine Zone - in den Gebirgen eine Höhenstufe -, die ausschließlich viehwirtschaftlich genutzt wird. Sie ist in unterschiedlichen Intensitätsstufen ausgebildet. In graswüchsigen kühl-gemäßigten Klimaten dient die Futterfläche der Gras- und Heugewinnung bei hohem Arbeits- und Kapitalaufwand. An der Trockengrenze und in tropischen und subtropischen Gebirgen dominieren dagegen extensive Weidewirtschaftssysteme auf der Basis natürlicher Pflanzengesellschaften, ähnlich wie die Rentierhaltung an der Polargrenze.
Es sind vorrangig klimatische Faktoren, welche die absoluten (biologischen) Anbaugrenzen in Form von Trockengrenze, Polargrenze und Höhengrenze bestimmen. Demgegenüber hat die Grenze des Agrarraums gegenüber dem Wald anthropogene Ursachen, d.h. sie hängt überwiegend von sozioökonomischen und technischen Faktoren ab, hat daher keinen Absolutheitscharakter und ist folglich weniger konstant als die klimabedingten Grenzen. Die klimabedingten Anbaugrenzen sind durchweg als Grenzsäume mit folgenden Merkmalen ausgebildet:

Die Außengrenzen des Agrarraums, insbesondere des Anbaus unterliegen aus historischer Sicht Expansions- aber auch Kontraktionsphasen. Weltweit läßt sich eine generelle Ausweitung der ackerbaulich genutzten Flächen seit der Jungsteinzeit feststellen. Als Höhepunkt gilt dabei die Kultivierung der ektropischen Wald- und Grasländer Nord- und Südamerikas, Australiens, Südrußlands und Sibiriens. Gegenwärtig überwiegt wieder die Kontraktionsrichtung.
Der Agrarraum wird von einem regional unterschiedlichen Wirkungsgeflecht ökologischer, ökonomischer, politischer, kultureller und sozialer Faktoren gestaltet, das man unter dem Begriff "agrarräumliche Struktur" zusammenfaßt. Über eine Klassifizierung derartiger Strukturen versucht die Agrargeographie zu einer (z.T. hierarchischen) Regionalisierung von Agrarraumeinheiten zu gelangen (vgl. Arnold 1997). Sick (1997) vertritt eine praktikable Einordnung definierter Agrarraumeinheiten in drei größenabhängige Ordnungsstufen:

Ordnungsstufen von Agrarraumeinheiten

Gleichzeitig verdeutlicht er, daß eine flächendeckende hierarchische Gliederung des gesamten Agrarraums nach diesem Ordnungsprinzip nicht möglich ist, da viele Raumeinheiten sich nicht eindeutig zuordnen lassen und zwischen ihnen zahlreiche Übergänge bestehen.
(s. a. Agrarbetrieb, Agrarregion)

Agrarrecht

Für Deutschland entzieht sich der Begriff einer feststehenden Definition, da das Agrarrecht keine in sich geschlossene Rechtsdisziplin darstellt. Zu seinem Wirkungsbereich gehören:

Agrarreform

Grundlegende Änderung der (besitz-)rechtlichen, politischen, sozialen, und wirtschaftlichen Ordnung im ländlichen Raum, die nicht nur die Betriebsgröße, sondern auch die agroinstitutionelle Organisation bis hin zu den Vermarktungsbedingungen einbezieht. Ferner sind die Arbeitsverfassung, das Erbrecht, die Eigentumsstruktur u.w. betroffen. Eine Agrarreform soll der Überwindung von Hindernissen dienen, die einer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung im Wege stehen.
Da Agrarreformen eine stärkere Eingliederung benachteiligter sozialer Gruppen erreichen sollen, treten neben Eigentumsänderungen auch Wandlungen der Produktionsverhältnisse, des Erziehungswesens usw.
Als Unterscheidungskriterium ist z.B. auch die Differenzierung nach kapitalistischen und sozialistischen Prinzipien von Agrarreformen von Bedeutung. Letztere sind beispielsweise in der VR China (ab 1949), in Kuba (ab 1959) und Algerien (ab 1961) angewandt worden. Kapitalistisch ausgerichtete Agrarreformen fanden in Ländern wie Mexiko (ab 1917) mit verschiedenen Phasen und Konzepten, Taiwan (ab 1949), Südkorea und Indien (ab 1950), Ägypten, Bolivien und Guatemala (ab 1952), Irak (ab 1958), Venezuela (ab 1959), Kolumbien (ab 1961), Iran, Costa Rica und Chile (ab 1962), Philippinen und Dominikanische Republik (ab 1963), Ecuador und Peru (ab 1964) statt.
Die Begriffe Agrarreform und Agrarrevolution werden häufig nicht sauber getrennt. Sie unterscheiden sich auch weniger hinsichtlich ihrer Ziele als in der Radikalität und im Tempo ihrer Ausführung. Beide sind bei der Agrarrevolution in stärkerem Maße ausgeprägt, dafür fehlt ihr die Planung und damit viel an politischer Gestaltungsmöglichkeit. Beide Begriffe können distributive wie auch kollektivierende Ziele haben.

(s. a. Agrarpolitik, Agrarsozialreform, Bodenreform)

Agrarregion

1. Oberbegriff für alle mit Hilfe agrarwirtschaftlicher Merkmale abgegrenzten Arten räumlicher Ausschnitte der Erdoberfläche. So kann beispielsweise nach naturräumlich bestimmten, ethnisch bestimmten, wirtschaftstechnischen oder nach durch bestimmte Bodennutzungssysteme geprägten Agrarregionen unterschieden werden.

2. Nach Sick (1993) u.a. die oberste Stufe der agrarräumlichen Gliederung der Erde innerhalb einer Hierarchie aus Agrarbetrieb - Agrargebiet - Agrarregion. Der Maßstabsbereich der Agrarregionen geht über die staatliche Dimension hinaus. Zur Bestimmung der Agrarregionen muß unter starker Generalisierung auf die Betriebsformen und ihre Merkmalskombinationen zurückgegriffen werden:

3. Andreae (1983) schlägt zur Bezeichnung von Agrarregionen die Einhaltung der Reihenfolge Betriebsform - Agrarsystem - geographische Lage vor. Bei seinen Beispielen gibt er eine allgemeine und eine spezielle Variante. Bei diesem Vorgehen wird deutlich, daß die Beispiele seiner speziellen Kennzeichnungen sich bereits auf der Ebene der Agrargebiete (vgl. 2.) befinden.

Allgemeine Spezielle
Varianten der Kennzeichnung von Agrarregionen
Ackerbaugebiete in der Feudalregion des Orients Bewässerungsfeldbau unter Rentenfeudalismus im Peshawarbecken
Hackfruchtbauzonen mit Bauernwirtschaft in Westeuropa Zuckerrüben-Familienbetriebe in der Hildesheimer Börde
Ranchzonen der europäischen Siedlungsgebiete Südafrikas Karakulfarmen im südlichen Namibia
Dauerkulturregionen im kapitalistischen Südostasien Kautschuk-Plantagenzone Malaysias

Der Begriff 'Agrarregion' für große, evtl. oberste agrarisch geprägte Raumeinheiten erscheint auch wegen des gleichsinnigen Gebrauchs in der englischsprachigen Literatur als angemessen (Arnold 1997).
Auf der Grundlage verschiedener Quellen entwarf Arnold die folgende graphische Darstellung der Agrarregionen.

Agrarregionen der Erde

Quelle: Arnold 1997

Agrarrohstoffe

Rohstoffe, die aus landwirtschaftlicher Produktion stammen und vom Menschen für weiterführende Anwendungszwecke des Nahrungs- und Futterbereichs und als nachwachsende Rohstoffe verwendet werden. Nicht zu dieser Rohstoffgruppe gehören forstwirtschaftlich produzierte Rohstoffe, vor allem Holz, sowie Gemüse- und Obstpflanzen, die vor allem für den direkten Verzehr bestimmt sind.

Der Begriff Agrarrohstoffe wird in der Finanzwelt (dort auch: Soft Commodities) als Überbegriff für die entsprechende Gruppe von Handelswaren verwendet. Die Hauptanwendungen von Agrarrohstoffen liegen seit jeher in der Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln. Für diesen Zweck werden vor allem Getreidearten wie Reis, Weizen, Mais, Hirse, Roggen, Hafer, Gerste, und Triticale sowie Hackfrüchte wie Kartoffel, Zuckerrübe, Zuckerrohr und Maniok genutzt. Auch Ölpflanzen wie Raps, Erdnuss, Ölpalme und Soja bzw. die aus ihnen gewonnen Pflanzenöle sind als Agrarrohstoffe bedeutsam. Hinzu kommen nachwachsende Rohstoffe, die auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut werden. Neben den genannten, die auch Rohstoffe für Zwecke abseits der Nahrungsmittel- und Futterproduktion liefern, sind dies beispielsweise Baumwolle, Kautschuk und für die Energiegewinnung angebaute Biomassepflanzen (Chinaschilf, schnellwachsende Hölzer).

Agrarromantik

Nach Gollwitzer (1977) die Idealisierung der bäuerlichen und landwirtschaftlichen Realität, das Festhalten an anachronistischen Standpunkten und Repristinierungsversuchen, die Vorspiegelung einer heilen Welt auf dem Lande, insbesondere die Meinung, der Beruf des Landwirts sei der 'natürlichste', der gesündeste und gewissermaßen Gott wohlgefälligste, und das Gedeihen von Staat und Gesellschaft hänge primär von der sozialen und wirtschaftlichen Gesundheit des Bauernstandes ab.

Theodor Christoph Schüz (1830-1900)
Mittagsgebet bei der Ernte, 1861

Harte Arbeit, frohe Rast, stille Einkehr - die malerisch geglückte Verknüpfung dieser Themen traf und trifft die kulturellen und religiösen Wurzeln der Schwaben. Bei genauerem Hinsehen fallen die Widersprüche in dem vom Pietismus geprägten Weltbild auf. Die unerschütterliche Religiosität und die daraus abgeleiteten moralischen Privilegien hängen unauflöslich zusammen mit dem statischen Gegensatz von Armut und Reichtum - im Geistigen wie im Materiellen. Sein Malstil ist spätromantisch, und in diesem Bild wird auch seine religiöse Prägung deutlich

Quelle: Wikipedia

Weitere Informationen:

agrarsoziale Systeme

Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme mit unterschiedlichster Prägung. Sie können zugleich als Entwicklungsstufen gesehen werden, die sich mit den Phasen der gesamten Wirtschaftsentwicklung vergleichen lassen.
In Anlehnung an eine Gliederung von Planck/Ziche (1979) lassen sich folgende agrarsozialen Systeme unterscheiden:

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Agrarsozialpolitik

Alle Maßnahmen, die direkt darauf abzielen, die soziale Lage der im Agrarbereich tätigen Menschen zu verbessern oder zu stabilisieren.
Die grundgesetzlich vorgegebene sozialstaatliche Ordnung Deutschlands bietet über die Agrarsozialpolitik eine Flankierung des Strukturwandels, bei dem Menschen häufig zu einer Neuorientierung ihrer Lebensgestaltung gezwungen sind. Für die selbständigen Landwirte und deren Familienangehörige besteht in Deutschland ein geschlossenes, den besonderen Bedürfnissen der landwirtschaftlichen Bevölkerung angepaßtes System der sozialen Sicherung, das sie gegen die Folgen von Krankheit, Arbeitsunfall, Invalidität oder Tod des Ernährers sowie im Alter absichert. Finanziert wird dieses Sicherungssystem durch Beiträge der Landwirte und Altenteiler (1997 rd. 4,5 Mrd. DM) und einen Bundeszuschuß (1997 rd. 7 Mrd. DM). Die staatlichen Zuschüsse zur Agrarsozialpolitik machen heute mehr als die Hälfte des Agrarhaushalts des Bundes aus. Ein Grund für diese Entwicklung ist, daß der Agrarsektor als schrumpfender Sektor in der Volkswirtschaft mit einer überalterten Erwerbstätigenstruktur vergleichsweise hohe Risiken in der sozialen Sicherung birgt.

Agrarsozialpolitik wird als Element des sozialen Ausgleichs und dieser zusammen mit marktwirtschaftlicher Dynamik als Garant für Wohlstand und inneren Frieden gesehen.

Agrarsozialreform

Maßnahmen zur Umgestaltung der Bodenbesitzverhältnisse, innovationshemmender Pachtverhältnisse, des Zugangs zu Betriebsmitteln (z.B. Bewässerungswasser) als Beitrag zur Erhöhung des ländlichen Lebensstandards oder zum Abbau von Ernährungsproblemen.

(s. a. Agrarreform, Bodenreform)

Agrarsoziologie

Gegenstand der Agrarsoziologie sind - aufbauend auf theoretischem und methodischem Grundlagenwissen der allgemeinen Soziologie - gesellschaftsbezogene Merkmale und Prozesse im Bereich der Landwirtschaft. Heute wird die Agrarsoziologie verstärkt abgelöst durch eine "Soziologie des ländlichen Raumes".
Dazu gehören u.a. betriebliche Arbeits- und Eigentumsverfassung, wie auch die sozialen Beziehungen, die das produktive, konsumtive und symbolische Handeln von gesellschaftlichen Gruppen bestimmen, welche auf dem Lande oder durch die Nutzung des Landes leben.

Hauptthemen sind:

Erkenntnisse in diesen Bereichen liefern Entscheidungshilfen für die Wirtschafts-, Agrar- und Regionalpolitik.

Agrarstadt

Funktionelle Übergangsform der Stadt zur ländlichen Siedlung, mit einem größeren Anteil von Erwerbstätigen in der Landwirtschaft. Die Agrarstadt ist typisch für gering verstädterte Kulturräume z.B. Ostmitteleuropas und Südosteuropas.: Funktionelle Übergangsform der Stadt zur ländlichen Siedlung, mit einem größeren Anteil von Erwerbstätigen in der Landwirtschaft. Die Agrarstadt ist typisch für gering verstädterte Kulturräume z.B. Ostmitteleuropas und Südosteuropas.

Agrarstatistik

Die Zusammenstellung und Auswertung von Messwerten über Prozesse und Erscheinungen der Agrarwirtschaft, insbesondere über Niveau, Struktur und Einsatz der Produktionsfaktoren (z. B. Boden, Arbeit und Kapital) sowie über Umfang und Verwendung der Produktionsergebnisse. Die Agrarstatistik schafft damit wesentliche Grundlagen für eine Analyse und optimale Gestaltung der Agrarwirtschaft. Sie verwendet Erhebungs- und Bilanzierungsmethoden, wie sie z. B. in der Agrar- und Sozialforschung sowie der biologischen und volkswirtschaftlichen Statistik üblich sind.

Die meisten Staaten erheben agrarstatistische Daten, jedoch in unterschiedlicher Qualität und Zugänglichkeit. So ist eine zeitliche, räumliche und inhaltliche Vergleichbarkeit nicht immer gegeben. Die Erstellung einheitlicher und kontinuierlicher Zeitreihen, z.B. zur Entwicklung der Anbaufläche einer betsimmten Kulturpflanze bereitet häufig Probleme. Oftmals werden die Daten nicht in regelmäßigen Intervallen erhoben oder sie basieren teilweise auf Schätzungen oder Stichproben. Bei agrargeographischen Untersuchungen ist auch zu bedenken, dass die Sekundärdaten gewöhnlich für administrative Bezugsräume vorliegen, deren Abgrenzungen i.d.R. nicht deckungsgleich mit naturräumlichen Grenzen sind und sich gelegentlich verschieben können.

Unter den bedeutenden statistischen Quellen ist auf internationaler Ebene die Datenbasis der UN Food and Agriculture Organization zu nennen. In allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union werden Daten auf Basis der EG-Verordnung Nr. 1166/2008 erhoben. In Deutschland geschieht dies auf der Grundlage des Agrarstatistikgesetzes i.d.F. vom 17.12.2009 (BGBl. I S. 3886), die elf unterschiedliche Einzelstatistiken umfasst, u.a. Erhebungen über Ernte, Bodennutzung, Viehbestände, Strukturen in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben, Geflügel, Wein, Holz etc. Die deutschen amtlichen Agrarstatistiken sind in das agrarstatistische System der EU eingebunden, dienen der Beobachtung der Märkte für landwirtschaftliche Produkte und liefern Entscheidungshilfen für Wirtschaft und Politik. Komponenten der Agrarstatistik sind die in größeren zeitlichen Abständen durchgeführten Landwirtschaftszählungen, die Agrarstrukturerhebungen sowie die i.d.R. mit kürzerer Periodizität durchgeführten Einzelerhebungen, etwa die Erzeugungsstatistiken.

Weitere Informationen:

Agrarsteppe

Begriff zur Beschreibung von landwirtschaftlich genutzten Flächen, deren natürliche Strukturen (Weiher, Randstreifen, Streuobstwiesen) zur maschinengerechten Nutzung in weiten Teilen entfernt wurden. Dabei kommt es zu einer rapiden Abnahme der Artenvielfalt zugunsten der großflächigen Anlagen und einer künstlichen, einseitigen Manipulierung des ökologischen Gleichgewichtes zugunsten der Nutzpflanzen und Nutztiere.

Agrarstruktur

Gesamtheit der in einer Region zu einem bestimmten Zeitpunkt bestehenden materiellen und immateriellen Bedingungen, unter denen die Landbewirtschaftung und die Vermarktung von Agrarprodukten stattfinden. Die Agrarstruktur ist das Ergebnis natürlicher, sozio-ökonomischer und politischer Einflüsse auf die Gestaltung der Landwirtschaft. Die Agrarstruktur bezeichnet als institutioneller Gesamtrahmen, in dem sich Landwirtschaft abspielt

Es handelt sich dabei nicht um eine statische Größe, denn die Agrarstruktur unterliegt einem ständigen Anpassungsprozeß. Zu den wesentlichen Einflußfaktoren auf die Agrarstruktur zählen neben den natürlichen Standortbedingungen die regional voneinander abweichenden Entwicklungen der übrigen Volkswirtschaft, der von der technischen Entwicklung ausgehende Anpassungsdruck und die historisch gewachsenen und durch aktuelle Agrarpolitik geprägten Besonderheiten der Agrarverfassung.

Ein modernes Verständnis von Agrarstruktur umfasst zusätzlich die Art und Gestaltung der ländlichen Kulturlandschaft.

Auch von Seiten der Agrarplanung und -politik wird der Begriff Agrarstruktur nicht mehr vorwiegend produktionsorientiert betrachtet, da der Strukturwandel in der Landwirtschaft und das umfassendere Aufgabenspektrum der Landwirtschaft (z.B. Pfleger der Kulturlandschaft) eine erweiterte Auffassung verlangt und die Verbesserung der Agrarstruktur vermehrt als Querschnittsaufgabe verstanden wird.

Die Verbesserung der Agrarstruktur ist das Ziel der Agrar(struktur)politik, was durch staatliche Maßnahmen wie Flurbereinigung und Wirtschaftswegebau unterstützt wird.

(s. a. agrarstrukturelle Entwicklungsplanung, Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft)

Agrarstruktur der EU

Die Struktur der Landwirtschaft in den einzelnen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) unterscheidet sich in erheblichem Maß, als Folge von Unterschieden in Bodenbeschaffenheit, Topographie, Klima und natürlichen Ressourcen sowie aufgrund der Vielgestaltigkeit der regionalen Aktivitäten, der Infrastruktur und der sozialen Gepflogenheiten.

2013 gab es 10,8 Millionen landwirtschaftliche Betriebe innerhalb der EU-28. Eine Analyse nach der wirtschaftlichen Größe zeigt, dass sich darunter 6,5 Millionen (oder 59,8 %) befanden, die einen Standardoutput von mehr als 2 000 EUR verzeichneten. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) in der EU-28 betrug fast 175 Millionen Hektar (etwa 40,0 % der gesamten Landfläche), wobei pro landwirtschaftlichem Betrieb eine durchschnittliche Fläche von 16,1 Hektar bestand.

In Bezug auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche hatten Frankreich und Spanien den größten Anteil an der Landwirtschaftsfläche der EU-28, mit 15,9  % bzw. 13,3 %, während das Vereinigte Königreich und Deutschland Anteile von etwas unter 10,0  % aufwiesen. Im Gegensatz dazu fand sich die größte Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe in Rumänien (3,6 Millionen), wo ein Drittel (33,5 %) aller Betriebe in der EU-28 lokalisiert war. Polen hatte den zweitgrößten Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe (13,2 %), etwas mehr als Italien (9,3 %) und Spanien (8,9 %).

Die Differenz zwischen den Anteilen an der Zahl von Betrieben und der landwirtschaftlich genutzten Fläche reflektiert die durchschnittliche Größe landwirtschaftlicher Betriebe, die in Abbildung 2 dargestellt wird. Mit Abstand die größte Durchschnittsgröße aller EU-Mitgliedstaaten bildeten 2013 die 133 Hektar in der Tschechischen Republik, gefolgt vom Vereinigten Königreich mit 94 Hektar. Sechs Mitgliedstaaten verzeichneten Durchschnittsgrößen unter 10,0  Hektar, wobei die kleinsten Durchschnittsgrößen in Rumänien, Zypern und Malta vorlagen.

In der Landwirtschaft der EU-28 waren 2013 insgesamt 9,5 Millionen Arbeitskräfte, umgerechnet in Jahresarbeitseinheiten, tätig, wovon 8,7 Millionen (92 %) regelmäßig beschäftigte Arbeitskräfte waren (siehe Abbildung 3). Die Gesamtveränderung in den Arbeitskräften der EU-28 im Zeitraum 2007-13 bestand in einer Abnahme von 2,3 Millionen Jahresarbeitseinheiten (JAE), das entspricht einem Rückgang um 19,8  %.

Weitere Informationen:

Agrarstruktur in Deutschland

Im Jahr 2013 gab es in Deutschland nach den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung rund 285 000 landwirtschaftliche Betriebe. Im Vergleich zur Landwirtschaftszählung 2010 ging die Zahl der Betriebe um rund 14 100 zurück. Das entspricht einer jährlichen Abnahmerate von 1,6 Prozent. Damit lag die Abnahmerate deutlich unterhalb des langjährigen Mittelwertes von etwa 3 Prozent. In den Betriebsgrößenklassen bis 100 ha LF hat die Zahl der Betriebe zum Teil erheblich abgenommen. Dennoch verfügen 70 Prozent der Betriebe über weniger als 50 ha LF.

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Agrarstrukturelle Entwicklungsplanung (AEP)

Die Agrarstrukturelle Entwicklungsplanung (AEP) ist eine Vorplanung im Sinne des § 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) und ein wichtiges informelles, flexibles, handlungsorientiertes und übergreifendes Planungsinstrument für die integrierte, nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume. Die ganzheitlich und interdisziplinär angelegte AEP soll dazu dienen, die Verflechtungen der Land- und Forstwirtschaft zu den vielfältigen Funktionen ländlicher Räume herzustellen und daraus Schlüsse für Maßnahmen zur Verbesserung der Agrarstruktur ziehen.
Die rechtliche Grundlage ist das Gesetz über die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes", daneben das Flurbereinigungsgesetz und das Bau- und Raumordnungsgesetz.

Maßnahmenbereiche der Agrarstrukturellen Entwicklungsplanung:

Die AEP besitzt informellen Charakter und stellt daher eher eine Entscheidungshilfe für Fach- und Gesamtplanungen (Regionalpläne, Flächennutzungspläne) dar. Sie hat sowohl den Charakter eines Gutachtens, darüber hinaus liefert sie aber auch ein Grobkonzept für die Landentwicklung mit inhaltlichen, räumlichen und zeitlichen Prioritäten.

Einige Bundesländer sehen anstelle inzwischen sogenannte ILEK (integrierte ländliche Entwicklungskonzepte) vor, die – Regionalen Entwicklungskonzepten (REK) ähnlich – den integrierten, querschnittsorientierten Ansatz stärken.

Agrarstrukturfonds

Als Teil der Strukturfonds der Gemeinsamen Agrarpolitik trägt die Abteilung Ausrichtung des Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft in den Mitgliedsstaaten zur Finanzierung von Maßnahmen u.a. im Bereich der einzelbetrieblichen Förderung und zur Förderung der benachteiligten Gebiete durch Gewährung der Ausgleichszulage bei.

(s. a. Europäischer Agrarfonds)

Agrarstrukturplanung

Eine auf die landwirtschaftlichen Belange ausgerichtete Regionalplanung als Teil der gesamtwirtschaftlichen Planung. Ihre Schwerpunkte sind: Förderung der Landwirtschaft und Verbesserung der Flächenstruktur sowie Sicherung des Beitrages der Landwirtschaft zur Erhaltung der Kulturlandschaft.

Agrarstrukturpolitik

Unter bestimmten Leitbildern und Zielvorstellungen hinsichtlich der einzelnen Elemente der Agrarstruktur stehender Teilbereich der Politik. Sie umfasst vor allem jene Maßnahmen, die auf eine Beeinflussung der Faktoreinsatzstruktur landwirtschaftlicher Betriebe und der räumlichen Verteilung der landwirtschaftlichen Produktion abzielen.

Entsprechend unterscheidet man sektorale und regionale Agrarstrukturpolitik. Sektorale Agrarstrukturpolitik beeinflusst direkt die Agrar- und Betriebsstruktur und soll i.d.R. zu einer Verbesserung der Produktionsgrundlagen und zu einer Erhöhung der Einkommenskapazitäten landwirtschaftlicher Betriebe führen. Regionale Agrarstrukturpolitik beeinflusst die regionale Wirtschaftsstruktur und soll zu einem erhöhten Wirtschaftspotenzial ländlicher Regionen führen. Die Agrarstrukturpolitik gehört neben der , die auf die sektorale und räumliche Verteilung von Produktionsfaktoren abzielen. Entsprechend unterscheidet man sektorale und regionale Agrarstrukturpolitik. Sektorale Agrarstrukturpolitik beeinflusst direkt die Agrar- und Betriebsstruktur und soll i.d.R. zu einer Verbesserung der Produktionsgrundlagen und zu einer Erhöhung der Einkommenskapazitäten landwirtschaftlicher Betriebe führen. Regionale Agrarstrukturpolitik beeinflusst die regionale Wirtschaftsstruktur und soll zu einem erhöhten Wirtschaftspotenzial ländlicher Regionen führen. Die Agrarstrukturpolitik gehört neben der Agrarpreispolitik zu den grundlegenden Instrumenten der Agrarpolitik.

In Deutschland sind für die Agrarstrukturpolitik die Länder zuständig; damit haben die Länder auch deren Finanzierung allein zu tragen. Da bundesgesetzliche Vorgaben für die Agrarstrukturförderung nicht vorhanden sind, die Länder unterschiedlich wohlhabend sind und auch agrarpolitisch unterschiedliche Vorstellungen haben, würde dieses System in Deutschland zu großen Unterschieden in der Förderung der Agrarstruktur führen. Dies würde dem Verfassungsziel, die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Deutschland herzustellen, widersprechen.

Deshalb hat der Verfassungsgeber festgestellt, dass die Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes Aufgaben sind, die für die Gesamtheit des Staates bedeutsam sind und für die eine Mitwirkung des Bundes erforderlich ist. Mit der Einfügung von Artikel 91a in das Grundgesetz wurde die "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" 1969 zu einer Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern erhoben. In den Bund-Länder-Beratungen über eine Modernisierung der bundesstaatlichen Ordnung wurde die Fortführung dieser Gemeinschaftsaufgabe bestätigt; die rechtliche Umsetzung der Ergebnisse erfolgte im Jahr 2006.

Zu den „klassischen“ Instrumenten der sektoralen Agrarstrukturpolitik im überbetrieblichen Bereich zählen die Flurbereinigung, wasserwirtschaftliche Maßnahmen, Forschung, Beratung und Ausbildung sowie die Förderung der Vermarktung und der Beschaffung im Agrarbereich. Im betrieblichen Bereich gehören Investitionsbeihilfen, aber auch die Förderung der Betriebsaufgabe zur sektoralen Agrarstrukturpolitik. Zur regionalen Agrarstrukturpolitik gehören Infrastrukturmaßnahmen, ländliche Entwicklungsprogramme, Dorferneuerung, Förderung des Agrartourismus.

Zunehmend wird Agrarstrukturpolitik auch auf der Ebene der EU gestaltet und über die Strukturfonds (sog. Zweite Säule) finanziert.

In Entwicklungsländern liegt der Schwerpunkt der Agrarstrukturpolitik bei der Reform der Eigentums- und Besitzverhältnisse und auf der Bodenbewirtschaftungsreform zur Steigerung der Produktion.

Agrarsystem

1. Auch Agrosystem; die auf das übergeordnete Wirtschafts- und Sozialsystem ausgerichteten Ausprägungen der institutionellen wirtschafts- und sozialorganisatorischen und -ethischen Verhältnisse in der Landwirtschaft (H. Röhm, nach Andreae 1983). Der Gebrauch des Begriffes System für die Teile einer solchen Klassifizierung impliziert, daß es dabei zu einem zweckvollen Ineinandergreifen verschiedener Kräfte und Faktoren kommt, die voneinander abhängig sind. Charakteristisch für ein System ist ferner, daß es als Ganzes auf einen Stimulus gegenüber einem beliebigen seiner Teile reagiert.

Gliederung der wichtigsten heutigen Agrarsysteme unter Betonung der Verhältnisse in der Dritten Welt
  • Stammes- und Sippenlandwirtschaft
    Wandertierhaltung
    Wanderfeldbau
  • Feudalistische Landwirtschaft
    Rentenfeudalismus
    Latifundienwirtschaft
  • Familienlandwirtschaft
  • Kollektivistische Landwirtschaft
    Sozialistische Agrarsysteme
    Kommunistische Agrarsysteme
  • Kapitalistische Landwirtschaft

Quelle: Kuhnen 1980, zitiert nach Andreae 1984, leicht verändert

Innerhalb der in obiger Tabelle aufgelisteten großen Klassen von Agrarsystemen kann eine Vielfalt von Subsystemen existieren, die jeweils bestimmte wichtige Merkmale teilen. Agrarsysteme können sich entsprechend ihrer Definition u.a. hinsichtlich der in ihnen praktizierten Lebensweise, ihrer Gebundenheit an bestimmte Regionen oder ihres Auftretens in einem bestimmten Abschnitt der soziokulturellen Entwicklung eines Raumes unterscheiden. Entscheidend für das Auftreten spezifischer Agrarsysteme ist ein jeweils unterschiedlich zusammengesetztes und gewichtetes Bündel der allgemein für die Landwirtschaft gültigen Standortfaktoren.

In Industrieländern umfaßt das Agrarsystem und seine Subsysteme neben den Agrarproduzenten auch die Tätigkeitsfelder der vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche (vgl. Abb. unten). In Entwicklungsländern sind Agrarsysteme wegen geringerer gesamtwirtschaftlicher Diversifizierung und Spezialisierung erst in Ansätzen vorhanden. Funktionen, die in Industrieländern nicht (mehr) von der Landwirtschaft wahrgenommen werden, gehören hier noch teilweise zum Aufgabenbereich der Bauern (Herstellung von Werkzeug, Vermarktung, Verarbeitung u.w.)

Vereinfachte Darstellung des Agrarsystems in Industrieländern

Quelle: nach Spielmann 1989 (verändert)

2. Bezeichnung für die landwirtschaftlichen Funktionseinheiten ('operational units' nach Spedding), die unterschiedlichste Varianten hinsichtlich Größe und Komplexität aufweisen können und die dann mit den Begriffen Unternehmen, Farm, Plantage belegt oder auf die Landwirtschaft einer Region oder eines Staates bezogen sein können.

Mögliche Kriterien zur Gliederung der Agrarsysteme und ihrer Anordnung im Agrarraum sind:

Die genannten Kriterien lassen sich je nach Zielsetzung zu mehr oder weniger komplexen Klassifikationssystemen kombinieren. Allerdings ist festzuhalten, daß eine allgemein anerkannte Klassifizierung aller Agrarsysteme und eine darauf aufbauende Regionalisierung des Agrarraums bis heute noch nicht vorliegt.
Immerhin vermag die Definition eines Agrarsystems, der jeweiligen Betriebsform und der physisch- sowie der kulturgeographischen Lage eine bestimmte Agrarregion zumeist hinreichend charakterisieren.

Agrartransformation

Begriff mit je nach zeitlichem, räumlichem oder politischem Kontext sehr unterschiedlicher Bedeutung für tiefgreifende Umwandlungen im Agrarsektor.

Beispiele für Agrartransfomationen

  1. Bezeichnung für die Reformbemühungen der Gemeinsamen Agrarpolitik, bei der deren planwirtschaftliche Elemente mit stark produktions-, struktur- und investitionslenkendem Charakter bis 2005 nach und nach abgeschafft und in marktwirtschaftsverträgliche Instrumente umgewandelt werden sollen.
  2. Im Entwicklungsländerzusammenhang der Übergang von der Subsistenzlandwirtschaft zur marktorientierten Landwirtschaft.

  3. Mit Bezug auf Mittel- und Osteuropa der Übergang von der planwirtschaftlich hin zu einer marktwirtschaftlich geprägten Landwirtschaft im ausgehenden 20. Jh.
    Dort mussten die Agrarsektoren seit 1990 durchweg Preisliberalisierung, Subventionsabbau, stabilitätspolitische Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation und Einkommensrückgänge in den nicht-landwirtschaftlichen Bereichen und die entsprechenden Nachfragerückgänge bei Agrarprodukten verkraften. Die Reform der Eigentums- und Verfügungsrechte an Boden und landwirtschaftlichen Sachvermögen stellte einen weiteren wichtigen Einflussfaktor für die Neuorientierung in der Landwirtschaft dar. Viele der betroffenen Länder stellten sich zudem auf ihren Beitritt zur EU ein, was im Agrarbereich eine Anpassung an höhere Qualitätsstandards und besonder komplexe Verwaltungsstrukturen nach sich zog und den formal-institutionellen Rahmen für den Systemwandel vorzeichnete.

Agrarüberschüsse

Bezeichnung für Angebotsüberhänge auf Agrarmärkten, insbesondere in der Europäischen Union. Die Höhe der Überschüsse ist eine Folge der protektionistischen Agrarpreispolitik. Sie verursachen Ausgaben der öffentlichen Haushalte für Exporterstattungen.

In der EU wurden sehr hohe Agrarüberschüsse durch eine protektionistische Agrarpreispolitik z.B. Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre beobachtet und als Butterberge und Milchseen bezeichnet. Aus volkswirtschaftlicher Sicht führt eine protektionistische Agrarpreispolitik unabhängig vom Selbstversorgungsgrad auf einem betrachteten Markt immer zu Wohlstandsverlusten.

Agrarumweltindikatoren

Agrarumweltindikatoren dienen der Analyse von Zusammenhängen zwischen Landwirtschaft und Umwelt sowie der Bestimmung von Trends.

Im Januar 2000 veröffentlichte die Europäische Kommission ein Grundsatzpapier mit dem Titel „Indikatoren für die Integration von Umweltbelangen in die Gemeinsame Agrarpolitik“, in dem verschiedene Agrarumweltindikatoren festgelegt werden, die folgenden Zwecken dienen:

Die Agrarumweltindikatoren müssen positive und negative Auswirkungen der Landwirtschaft abdecken und ausreichend differenziert sein, um regionale Unterschiede bei den Umweltbedingungen erfassen zu können. Bei der Bewertung von Fortschritten mit der Integration von Umweltbelangen in die Gemeinsame Agrarpolitik können Agrarumweltindikatoren nur beschränkt angewendet werden . Diese Einschränkung ist auf die komplexen Beziehungen zwischen politischen Maßnahmen, Änderungen der landwirtschaftlichen Arbeitsmethoden und Verbesserungen im Umweltbereich sowie andere Einflussfaktoren zurückzuführen. Die Agrarumweltindikatoren können einen wertvollen Beitrag zur Bewertung politischer Maßnahmen leisten, doch sie müssen von Fall zu Fall durch zusätzliche Informationen ergänzt werden. Mit der Hilfe von Agrarumweltindikatoren ist es möglich, Entwicklungen über einen gewissen Zeitraum zu verfolgen und quantitative Informationen zu liefern. Im September 2002 wurde das Projekt IRENA (Indicator Reporting on the integration of Environmental concerns into Agricultural policy) ins Leben gerufen, um die auf der entsprechenden geografischen Ebene festgelegten Agrarumweltindikatoren auf der geeigneten geografischen Ebene zu verbessern, weiterzuentwickeln und zu sammeln. Es folgte ein Grundsatzdokument der Kommission mit dem Titel „Entwicklung von Agrarumweltindikatoren zur Überwachung der Integration von Umweltbelangen in die Gemeinsame Agrarpolitik“. Es sind noch eine Reihe von Einschränkungen zu überwinden, um einen Satz vollständig operationeller Agrarumweltindikatoren zu erhalten. Das gilt vor allem für folgende Aspekte:

Die Kommission arbeitet gegenwärtigt an der Entwicklung und Verbesserung der Agrarumweltindikatoren. Gemeinsam mit den Mitgliedstaaten wird zur Zeit ein gestraffter Satz von 28 Indikatoren entwickelt. Detaillierte Informationen über Agrarumweltindikatoren, einschliesslich Daten zu den einzelnen Indikatoren, bietet die Eurostat-Webseite.

Agrarumweltmaßnahmen

Agrarumweltmaßnahmen stellen ein grundlegendes Instrument zur Erreichung von Umweltzielen dar.

Die Agrarproduktion wirkt sich auf die Wasser-, Luft- und Bodenqualität aus, beeinflusst die Ökosysteme und die Biodiversität und gestaltet die Landschaft im ländlichen Raum. Viele dieser Umwelteffekte können entweder als negative bzw. positive Externalitäten oder als öffentliche Güter betrachtet werden, für die private Märkte entweder nicht angemessen funktionieren oder nicht existieren. Die Agrarproduktion reagiert in hohem Maße auf Marktsignale, da die Landwirte versuchen, ihre Einnahmen zu erhöhen und ihre Kosten zu senken. Wenn die Marktsignale für die Umweltgüter schwach oder nicht vorhanden sind, kann dies dazu führen, dass die individuellen Aktivitäten zusammengenommen die Umweltbelastungen nicht hinreichend verringern oder nichtausreichend ökologische Nutzeffekte liefern.
Daher besteht die wesentliche Funktion von Agrarumweltmaßnahmen im Prinzip darin, Anreizfehler zu beseitigen, die auf Grund fehlender Märkte für den Schutz und die Verbesserung der Umwelt entstehen.

Um die oft negativen Auswirkungen der in den letzten Dekaden intensivierten Landwirtschaft auf öffentliche Güter zu berücksichtigen bzw. zu korrigieren wurden in vielen Staaten eine Reihe von Agrarumweltmaßnahmen entwickelt, deren Umfang und Bedeutung im Laufe der Zeit zugenommen haben. Neben den zur Erreichung von Umweltzielen an die Erzeuger gewährten Transfers beinhalten die angewandten Maßnahmen auch Verordnungen und Richtlinien, Steuern, Emissions-/Verbrauchsquoten und Auflagen, wie z.B. die Erhaltung eines guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustands der Flächen gemäß den Cross-Compliance-Vorschriften. (OECD 2010)

In der Europäischen Union sind Agrarumweltmaßnahmen unerlässlich für die Integration von Umweltfragen in die Gemeinsame Agrarpolitik. Sie sind dazu bestimmt, Landwirte zu ermuntern, auf ihrem Land die Umwelt zu schützen und zu verbessern, indem sie für die dazu erforderliche Arbeit entlohnt werden.

Landwirte können sich verpflichten, mindestens fünf Jahre lang umweltfreundliche landwirtschaftliche Arbeitsmethoden anzuwenden, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Im Gegenzug erhalten sie Zahlungen, die einen Ausgleich für zusätzliche Kosten und Einkommensverluste darstellen, welche auf die Anwendung umweltfreundlicher Arbeitsmethoden gemäß den Bestimmungen der Agrarumweltverträge zurückzuführen sind.

Agrarumweltmaßnahmen sind wichtig, um der gesellschaftlichen Forderung nach konkreten Umweltschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft entgegenzukommen. Extensive Landwirtschaft, vielfältige Landschaften, umweltfreundliche Agrartechniken, die an die Bedürfnisse der einzelnen Regionen angepasst sind, oder auch eine extensive Weidewirtschaft sind von hohem Wert. Zahlungen im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen ermutigen die Landwirte, umweltfreundliche landwirtschaftliche Tätigkeiten oder Produktionsintensitäten anzustreben, mit denen oft nicht die höchsten Erträge erwirtschaftet werden können.

Einige Beispiele für Verpflichtungen im Rahmen der nationalen oder regionalen Agrarumweltregelungen:

Agrarumweltmaßnahmen können auf nationaler, regionaler oder lokaler Ebene entworfen werden, sodass sie an einzelne landwirtschaftliche Systeme und Umweltbedingungen angepasst sind. Das macht sie zu einem idealen Werkzeug zum Erreichen von Umweltzielen.

Agrarumweltmaßnahmen werden von den Mitgliedstaaten kofinanziert. Die EU-Ausgaben für Agrarumweltmaßnahmen werden für den Zeitraum 2007 – 2013 auf fast 20 Milliarden Euro veranschlagt, das sind 22 % der Ausgaben für die ländliche Entwicklung.

Agrarumweltregelungen wurden zum ersten Mal in den 80er Jahren in die EU-Agrarpolitik eingeführt und konnten von den Mitgliedstaaten freiwillig umgesetzt werden. Seit 1992 ist die Anwendung von Agrarumweltprogrammen für die Mitgliedstaaten im Rahmen ihrer Pläne für die ländliche Entwicklung verpflichtend, für die Landwirte hingegen bleibt sie weiterhin freiwillig.

Die Rechtsvorschriften, die den Agrarumweltmaßnahmen zugrunde liegen, finden Sie in Artikel 39 Absatz 3 der Verordnung Nr. 1698/2005. In diesem Dokument sind die Referenzniveaus für die Agrarumweltmaßnahmen festgelegt. Bis zu diesen Werten gilt das Verursacherprinzip.

Weitere Informationen:

Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM)

Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sind freiwillige Maßnahmen, bei denen sich Landwirte verpflichten, natur- und umweltverträgliche landwirtschaftliche Arbeitsmethoden anzuwenden, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen.

Zu AUKM zählen eine Vielzahl an Maßnahmen wie z.B.

Bei den am häufigsten geförderten Agrarumweltprogrammen steht der abiotische Ressourcenschutz und die Marktentlastung im Vordergrund, sie haben aber auch zum Teil positive Nebeneffekte für den Arten- und Biotopschutz. Diese Maßnahmen werden auch als "hellgrüne AUKM" bezeichnet.

Im Vergleich dazu sind dunkelgrüne Maßnahmen (u.a. Vertragsnaturschutz), Maßnahmen die besonders positive Effekte für die Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt haben. Hierzu zählen zum Beispiel die Anlage von Ackerrandstreifen, die Umwandlung von Acker in extensives Grünland sowie die Streuobst- und Heckenpflege. Bislang nehmen diese Maßnahmen jedoch nur einen geringen Anteil an der Gesamtförderung von AUM ein.

In einigen Bundesländern in Deutschland werden erfolgsorientierte Förderungen angeboten. Bei diesen Maßnahmen wird nicht die Art der Bewirtschaftung, sondern das tatsächliche Vorhandensein bestimmter seltener oder bedrohter Arten honoriert. Grundlage für die Förderung ist der Nachweis von mindestens vier Kennarten (Pflanzen) aus einem regionalen Katalog.

AUKM und Vertragsnaturschutz werden auch in der neuen Förderperiode (2014-2020) im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) innerhalb der zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) gefördert. In Deutschland wird diese zweite Säule der GAP aufgrund der föderalen Struktur des Staates in den einzelnen Bundesländern umgesetzt. Eine Kofinanzierung von AUK - und Vertragsnaturschutzmaßnahmen durch die Bundesländer ist eine Voraussetzung, um EU-Fördermittel zu erhalten.

Weitere Informationen:

Agrarumweltpolitik

Alle politischen Maßnahmen (einschließlich der Agrarmarkt- und Agrarstrukturpolitik), die über eine Beeinflussung der landwirtschaftlichen Produktion auf eine Veränderung der Quantität und/oder Qualität von Umweltgütern abzielen und letztlich das Konzept einer nachhaltigen Landwirtschaft verfolgen. Zu den Umweltgütern zählen nicht nur die Umweltmedien Boden, Wasser und Luft, sondern auch die Landschaften (Nutzungs- und Bewirtschaftungsformen) und Biotope, sowie die Artenvielfalt, die durch die Landwirtschaft beeinflußt wird. Prinzipiell gelten für die Agrarumweltpolitik die üblichen umweltpolitischen Prinzipien. Es werden unterschieden:

Agrarumweltpolitische Werthaltungen und Ziele, wie sie beispielsweise im Leitbild einer nachhaltigen Landwirtschaft zum Ausdruck kommen, können mit Hilfe eines Bündels von Instrumenten verwirklicht werden.

Überblick über die Instrumente der Agrarumweltpolitik

Instrumente der Umweltpolitik

Nicht-fiskalische Instrumente

  • zwangfreie Instrumente
  • Änderung umweltrechtlicher Rahmenbedingungen
  • umweltplanerische Instrumente
  • Umweltauflagen
  • sonstige nicht-fiskalische Instrumente

Instrumente der Agrarpolitik

Preispolitik

  • allgemeine Preisänderungen
  • Preisdifferenzierungssysteme
  • sonstige preispolitische Instrumente

 


Instrumente mit öffentlichen Ausgaben

  • umweltverbessernde Aktionen öffentlich-rechtlicher Institutionen
  • Induzierung umweltverbessernder Aktivitäten
  • Finanzierung des institutionellen Umweltschutzes
  • sonstige Instrumente mit öffentlichen Ausgaben

Strukturpolitik

  • Flurbereinigung
  • Erhaltung bzw. Förderung bestimmter Strukturen
  • sonstige strukturpolitische Instrumente

 

Instrumente mit öffentlichen Einnahmen

  • Lenkungsabgaben
  • Finanzierungsabgaben
  • sonstige Instrumente mit öffentlichen Einnahmen

Marktpolitik

  • Flächenstillegung
  • Förderung nachwachsender Rohstoffe
  • Förderung der allgemeinen Extensivierung
 

Sozialpolitik

  • direkte Einkommenstransfers
  • Vorruhestandsregelung
  • sonstige sozialpolitische Instrumente

(s. a. nachhaltige Entwicklung im Bereich der Land- und Forstwirtschaft)

Agrarverfassung

Die Gesamtheit der rechtlichen und sozialen Ordnungen und Gegebenheiten, die die Beziehungen der agraren Bevölkerung untereinander, zum Boden und zu ihrer Umgebung als Ergebnis historischer Prozesse regelt. Die Agrarverfassung ist somit Teil der rechtlichen und sozialen Ordnung einer Gesellschaft. Als identischer Begriff wird die soziale Agrarstruktur gesehen.

Wesentliche Elemente der Agrarverfassung:

Aus der Vielfalt der gegebenen Bedingungen und bestehenden Bedürfnisse haben sich historisch und räumlich sehr unterschiedliche Agrarverfassungen entwickelt. Ein ausführliches Merkmalsraster der Agrarverfassung findet sich bei Planck/Ziche (1979).

Wichtige Gestaltungskräfte der Agrarverfassung sind:

In der Agrarverfassung der BR Deutschland, die das Resultat eines evolutionären Prozesses und historisch gewachsener Strukturen (im Teilraum der ehemaligen DDR auch nach der Episode eines staatsrevolutionären Umbruchs) darstellt, spielt das private Eigentum eine zentrale Rolle. Der existenzfähige bäuerliche Familienbetrieb, der einer Familie ausreichendes Einkommen garantiert, war bis vor wenigen Jahren das sozial-ökonomische Leitbild. Mittlerweile benutzt die Bundesregierung die Formel "bäuerliche Landwirtschaft", nicht zuletzt eine Reaktion auf die Einrichtung transfamilialer Unternehmensstrukturen in den neuen Bundesländern.

Agrarzone

Teil des Agrarraums, welcher sich global den Klima- und Vegetationsgürteln anlehnt, aber ebensowenig wie diese breitenkreisparallel angeordnet oder durchgängig ist. Er wird aus diesem Grunde für wenig sinnvoll erachtet. Größenmäßig entspricht er innerhalb einer hierarchischen Gliederung des Agrarraums am ehesten der Agrarregion.

Agribusiness

Ein auf ein Konzept von Davis und Goldberg (Harvard School for Business Administration) aus den fünfziger Jahren zurückgehender Begriff, der einen über den traditionellen Agrarsektor hinausgehenden, übergreifenden Produktionskomplex bezeichnet. Agribusiness umfasst danach alle Wirtschaftsbereiche im Zusammenhang mit der Landwirtschaft.

Elemente des Agribusiness-Systems

Vorgelagerter Bereich
(Schaffung der techn. Voraussetzungen für den Landbau)

Futter- oder Düngemittel-, Landmaschinen-, Pflanzenschutz-industrie, Landhandel, Teilbereiche von Genossenschaften

Landwirtschaft i.w.S.


Pflanzenbau, Tierhaltung, Anbau von Sonderkulturen, nach-wachsenden Rohstoffen; als Begleitkulturen die Binnenfischerei und die Forstwirtschaft

Nachgelagerter Bereich
(Absatzwirtschaft für Agrarprodukte, Teile des Lebensmittel-handels und der Gastronomie, Ernährungsindustrie und -handwerk)

u.a. Landhandel, Teilfunktionen von Genossenschaften, Zuckerfabriken, Mühlen, Molkereien, Schlachthöfe, Nahrungsmittelverarbeitung, Brauereien, Brennereien, chemische Industrie als Abnehmer nachwachsender Rohstoffe

Beigeordneter Bereich
(koordinierende, kontrollierende, steuernde, beratende Funktionen)

u.a. Agrarverwaltung, Flurbereinigungsbehörde, Wasserwirtschaft, Veterinärmedizin, Genossenschaften, Verbände, Kredit- und Versicherungswesen, Weiterbildung


Viele Elemente des Agribusiness finden sich auch in bestimmten Auffassungen des Begriffs Agrarsystem wieder, wobei dieser weit über den rein wirtschaftlichen Aspekt hinausgeht.

Die gelegentlich anzutreffende Verengung des Begriffs Agribusiness auf das deutsche Wort "Nahrungswirtschaft" scheint angesichts der zunehmenden Bedeutung der Produktion von nachwachsenden Rohstoffen durch die Landwirtschaft nicht angemessen.

Merkmale des Agribusiness:

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Agricultural Belt

Überholtes Konzept zur Beschreibung und kartographischen Darstellung von Teilräumen der USA mit vermeintlich bestehender einheitlicher Agrarstruktur. Eine derart einheitliche Struktur innerhalb der belts hat aber nie bestanden, so daß die Benutzung des Begriffes Landwirtschaftsgürtel falsch oder zumindest irreführend war. Die Entstehung des Konzepts erklärt sich daher, daß für seine Datenbasis in einer County immer nur das Produkt mit der größten Wertschöpfung für die Klassifizierung herangezogen wurde und alle anderen Produkte unberücksichtigt blieben.
Ein neuer Versuch, die räumliche Ordnung der US-amerikanischen Agrarwirtschaft zu erfassen und darzustellen, bezieht auf County-Basis sowohl das Produkt mit dem höchsten Verkaufswert und andere agrarische Güter ein, wie auch Betriebsgröße, Betriebsform, Besitzstruktur und den Einsatz von Produktionsmitteln. Für die Benennung der sich ergebenden Agrarwirtschaftsräume wurden allerdings weiterhin die jeweils dominierenden Agrarprodukte herangezogen. So sind vereinzelt durchaus noch Anklänge an das ehemalige belt-Konzept erkennbar (z.B. dairy belt).

Das traditionelle Belt-Konzept in den USA

Quelle: Klohn u. Windhorst 1997

Räumliche Struktur der US-amerikanischen Agrarwirtschaft zu Beginn der 90er Jahre

Quelle: Klohn u. Windhorst 1997

agri-food chain

Engl. Bezeichnung für die Produktions- bzw. Wertschöpfungskette für Lebensmittel, die den gesamten, zunehmend globalisierten Weg von der Erzeugung landwirtschaftlicher Rohstoffe und ihrer Input-Sektoren über Transport und Verarbeitung für den Handel bis zum Endverbraucher umfasst. Die Lebensmittelindustrie und ihre Partner müssen sich dabei in einem zunehmend komplexen Umfeld aus gesetzlichen Bestimmungen und spezifischen Standards bewegen..

Agrikulturchemie

Sie umfasst die Chemie des Bodens, der Pflanzen- und Tierernährung, der Düngung und der landwirtschaftliche Nebengewerbe.

agrimonetäres System

In der Zeit vor der Währungsunion ein System zur Umrechnung der in den Agrarmarktordnungen in ECU festgesetzten Preise in die jeweilige Landeswährung. Das agrimonetäre System hatte zur Aufgabe, die Folgen von Wechselkursänderungen zwischen den verschiedenen Währungen auf die Agrarpreise abzumildern. Es basierte auf der Verwendung landwirtschaftlicher Umrechnungskurse (sogenannter "Grüner Kurse"). Allerdings konnte auch durch dieses System nicht verhindert werden, daß die Wechselkurse der Mitgliedsländer auf den Devisenmärkten schwankten, mit der Folge, daß Landwirte oder Händler bei einer Aufwertung ihrer Landeswährung für die in ECU festgesetzten Preise oder Beträge einen niedrigeren Gegenwert in Landeswährung erhielten.
Mit der Einführung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) gehören für deren Teilnehmer die agrimonetären Probleme der Vergangenheit an. Die ab 1.1.1999 festen Wechselkurse zwischen den Teilnehmerländern machen das spezifische Währungssystem für die Landwirtschaft überflüssig. Preise, Prämien und Ausgleichszahlungen werden in Euro festgelegt und in Euro ausgezahlt. Allerdings soll ab dem 1.1.1999 ein neues System das Verhältnis zwischen den Teilnehmern der Währungsunion und den Nicht-Teilnehmern regeln.

Agrobiodiversität

Agrobiodiversität, auch Agrarbiodiversität bezeichnet alle Komponenten der biologischen Vielfalt, die für Ernährung und Landwirtschaft sowie das Funktionieren der Agrarökosysteme von Bedeutung sind. Der Begriff schließt zusätzlich alle biologische Vielfalt in Agrarlandschaften mit ein - also nicht nur Nutztiere und -pflanzen.

Dazu gehören:

Die land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Nutzung von Lebewesen erfolgt im Rahmen von Nutzungssystemen, die in unterschiedlicher Art und Intensität in umgebende Ökosysteme eingebettet sind. Die genutzten Lebewesen stehen daher mit denen der natürlichen Ökosysteme in Verbindung und erbringen so ihre Leistungen. Beispiele hierfür sind durch Bodenlebewesen bewirkte Bodenfruchtbarkeit, durch natürliche Feinde reduzierte Schaderreger oder Bestäubung von Pflanzen durch Insekten.
In engem Zusammenhang zur Agrobiodiversität steht die Vielfalt von Bewirtschaftungs- und Produktionsformen, denn anders als bei der biologischen Vielfalt im Allgemeinen sind viele Bestandteile der Agrobiodiversität auf menschliche Aktivität zwingend angewiesen. Was nicht aktiv genutzt - z.B. angebaut, gehalten, aber auch verarbeitet, gekauft oder gegessen wird, ist letztlich vom Aussterben bedroht.

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Agroforstwirtschaft

Meist kleinräumige Nutzungsmischung mit stockwerkartigem, die Naturvegetation nachahmendem Aufbau in Waldgebieten der Feuchttropen als nachhaltiges, ökologisch und sozial angepasstes Agrarsystem. Agroforstwirtschaft mit ihren vielfältigen Erscheinungsformen (u.a. alley cropping, Stockwerkkultur, Taungya-System, Waldweide) ermöglicht die Verdoppelung bis Vervierfachung der Flächenerträge gegenüber traditioneller shifting cultivation und erlaubt den Schritt zu permanentem Landbau. Die agrare Tragfähigkeit erhöht sich mit Agroforstwirtschaft von ca. 20 Personen/km² auf über 40. Das System ist relativ arbeitsintensiv und kapitalextensiv (low input system) und demnach den Bedingungen der autochthonen Bevölkerung entsprechend.

Idealerweise werden verschiedene ökologische Funktionen besser erfüllt als in reinen Ackerbausystemen. Gehölzpflanzen schützen den Boden besser vor Wind- und Wassererosion als annuelle Pflanzen und erhöhen die Artenvielfalt des Systems. Ihr Wurzelsystem erreicht größere Tiefen als das der meisten Ackerkulturpflanzen, sodass Wasser und Nährstoffe aus diesen Bodenbereichen genutzt werden. Durch die anfallende Streu gelangt organisches Material auf die Bodenoberfläche, und ihr Abbau durch Bodenorganismen macht die aus dieser "Nährstoffpumpe" stammenden anorganischen Substanzen für Pflanzen verfügbar. Dies führt zu einem geringeren Bedarf an externen Düngemitteln. Die Durchwurzelung durch Gehölzpflanzen nimmt auch Einfluss auf die Bodenstruktur und damit auf die Infiltrationsrate von Niederschlagswasser. (Martin und Sauerborn 2006)

Der Begriff "Agroforstwirtschaft" ist relativ neu, der damit beschriebene Nutzungstyp jedoch sehr alt. Die traditionellen Agrarökosysteme der feuchten Tropen sind häufig durch eine enge Verbindung von Bäumen mit mehr- und einjährigen Pflanzen charakterisiert. Das intensivste agroforstwirtschaftliche System ist das der "Kandy-Gärten" Sri Lankas. Dies sind kleine Farmen, die auf einer engen Verbindung zwischen Kokos-, Kitril- und Betelpalmen basieren. Zudem wachsen dort Gewürznelken-, Zimt-, Muskatnuss-, Zitrus-, Mango-, Rambutan- und Brotfruchtbäume, es gibt eine niedrigere Schicht mit Bananen und kletternden Pfefferpflanzen sowie am Rand eine bodennahe Schicht aus Mais, Maniok, Bohnen und Ananas.

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Agroindustrie

1. Landwirtschaftliche Betriebe; vor allem solche mit Veredelung und Massentierhaltung, die ihre Produktion nach industriellen Produktions- und Organisationsmethoden betreiben. In Analogie zur Unterscheidung zwischen Industrie und Handwerk hebt sich der Begriff von der bäuerlichen Landwirtschaft ab. Industrialisierte Landwirtschaft ist als synonym anzusehen.

2. Industrie, die ihren Rohstoffbedarf überwiegend durch tierische und pflanzliche Rohstoffe, also auch durch solche aus der Forstwirtschaft und Fischerei deckt.

Agropark

Auch Metropolitan Food Cluster; Bezeichnung für Sonderstandorte mit zentralen Einrichtungen im Zusammenhang mit gartenbaulicher und landwirtschaftlicher Produkten, häufig in Metropol‐ oder urbanen Regionen, die wie klassische Industrieparks aufgebaut sind und denen ein hohes wirtschaftliches Potenzial zugesprochen wird.

Es handelt sich dabei um die Integration moderner landwirtschaftlicher Einrichtungen mit der notwendigen Infrastruktur für die Bewirtschaftung unter Ausnutzung von Logistik‐ und Wissensströmen, die in metropolitaner Umgebung konzentriert sind. Elementar sind die Erzeugung von Pflanzen und Tieren (mit den dazugehörigen Abbauprozessen), die Verarbeitung der hergestellten Produkte in agroindustriellen Zentren, Bildungsaspekte sowie der Vertrieb und andere relevante Dienstleistungen.

Mitunter werden Agroparks durch externes Land und Betriebe ergänzt. Die Erzeugung erfolgt in Kombination mit moderner Agrotechnologie, Agri‐Biotechnologie und den Lebenswissenschaften. Die modernen Produktionszentren in den Parks entwickeln, übernehmen und veranschaulichen innovative Techniken und Technologien für intensive Bewirtschaftungssysteme. Effiziente pflanzliche Anbaukonzepte im Boden oder in Hydrokultur zielen auf eine optimierte Ressourcennutzung sowie auf Ertrags-und Produktivitätssteigerung. In Abhängigkeit von der Region werden Gemüse, Obst, Wasserpflanzen, Zierpflanzen und ‐fische erzeugt. Die Betreibung von Fischfarmen, Tier- und insbesondere Geflügelhaltung, Eier‐ und Milchproduktion sind ebenfalls charakteristisch für Agroparks. Es existieren zudem kombinierte Anbauformen, teilweise in mehrstöckigen Gebäuden, um Totalausfälle durch Krankheiten oder Schädlinge zu verringern sowie Umweltwirkungen und ‐verschmutzung zu minimieren.

Agroparks findet man besonders in Ländern, die flächenmäßig sehr klein und räumlich begrenzt sind. Sie weisen mitunter einen hohen Urbanisierungsgrad auf wie beispielsweise die Niederlande, Singapur oder Brunei.

Die Betreibung von intensiven landwirtschaftlichen Produktionszentren erfolgt mit dem Ziel, die Flächenproduktivität und den landwirtschaftlichen Ertrag zu erhöhen. Ziel der angestrebten innovativen und nachhaltigen Produktion, z.B. in Form von Hydrokultur oder Gemüseproduktion in Netzen, ist die Herstellung qualitativ hochwertiger Nahrung in Metropolregionen zu geringen Kosten. Die Erzeugung ist zudem teilweise exportorientiert und erfolgt über die Versorgung der regionalen Bevölkerung hinaus. Die am besten umgesetzten und funktionierenden Beispiele urbaner Foodcluster findet man in Nordwesteuropa.

Die Grundsätze und Vorteile dieser Form urbaner Landwirtschaft sind verschiedenen Betreiberangaben zufolge nachhaltige Produktion und Kreislaufwirtschaft ("cradle to cradle"), Schaffung von Arbeitsplätzen und verbesserte Arbeitsbedingungen, kontrollierte Nahrungsqualität und ‐sicherheit, High‐Tech‐Produktion, maximale (Öko‐)Effizienz, internationale Kooperationen, Energieeinsparungen. Dazu zählt auch die räumliche Verknüpfung verschiedener landwirtschaftlicher Produktionsketten untereinander sowie mit außerlandwirtschaftlichen Aspekten wie Gebäuden, städtischem und Industrieabfall. Externe Inputfaktoren wie Energie, Wärme, Kraftstoff, Wasser und Nährstoffe sollen maximal genutzt und im Kreislauf gehalten werden. Durch die Nähe zu urbanen Zentren ergeben sich Potenziale für ein geringeres Transportaufkommen sowie zur Einsparung von Emissionen. Die angestrebte Wiederverwertung von Abfall, Wasser und Energie betrifft das System selbst, bezieht sich aber auch auf das urbane Umfeld.

Die Aktivitäten moderner Agroparks werden mit Forschung, Entwicklung, Versuchen und Zertifizierungen verknüpft. Dazu zählen Kooperationen mit Unternehmen und Universitäten ebenso wie Kombinationen mit Weiterbildungs‐ und Unternehmensaktivitäten.
Die Zusammenarbeit mit Forschungslaboren und Pflanzenzüchtern ermöglicht den Anbau und die gleichzeitige Identifikation und Analyse ernährungsphysiologischer oder therapeutischer Bedeutung. Dabei werden als Ziel neue Erkenntnisse bezüglich Nahrungssicherheit, Tier‐ und Pflanzengesundheit und Nacherntetechnologien, die Qualitäts‐ und Ertragssteigerung von Nahrungsmitteln sowie die Weiterverarbeitung und Verpackung vor Ort verfolgt.

Wirtschaftlicher Profit ergibt sich potenziell aus den durch effektive Produktion resultierenden Erträgen, eventueller staatlicher Unterstützung sowie durch Kooperation mit dem privaten Unternehmenssektor zur Finanzierung und Gewinnsteigerung. Produktionsziel der Agroparks ist mitunter auch, Teil globaler Wertschöpfungsketten zu sein und einen verbesserten Marktzugang in Verbindung mit anderen Produkten (Rind, Fisch, Forst) zu erreichen. Auch die Zusammenarbeit mit der Tourismusbranche kann die Rentabilität eines Agroparks erhöhen. Dabei können beispielsweise Führungen angeboten werden oder ein botanischer Garten als landschaftsgestalterisches Element und touristischer Anziehungspunkt dienen. (ZALF 2013)

Agrostadt

In der ehemaligen UdSSR geplanter und teilweise realisierter Stadttyp für die Beschäftigten von landwirtschaftlichen Großbetrieben (Kolchosen, Sowchosen). Entsprechend der sozialistischen Ideologie sollten mit ihrer Hilfe die Stadt-Land-Unterschiede in der Lebens- und Wohnweise aufhoben werden.

Agrotherm

RWE-Projekt (1976-1981) zur Erwärmung landwirtschaftlicher Anbauflächen unter Nutzung von Kraftwerks-Abwärme. Das Projekt sollte klären, inwieweit durch Bodenbeheizung (erdverlegtes Rohrsystem) Vorteile für den Pflanzenbau und ein Ersatz von Kühltürmen erreicht werden könnte. Ernteverfrühungen und bessere Erträge konnten in der Tat erzielt werden. Demgegenüber wurden u.a. eine erhöhte Verdunstung der Bodenfeuchtigkeit sowie ein verstärktes Auftreten von Schadorganismen (Pilze, Wurzelnematoden, Mehltau) festgestellt. Die Aufwendungen für den Ersatz eines Kühlturmes liegen um den Faktor 10 höher als die Kosten für einen Kühlturm entsprechender Leistung.

In Kombination mit dem Projekt Hortitherm wird seit Anfang 1994 eine Bodenbeheizung für die Wärmeversorgung von Spargelbeeten betrieben. Damit wird ein besserer Ertrag und eine frühe Marktreife des Produktes erreicht.

Agrumen

Sammelbezeichnung für Zitrusfrüchte wie Apfelsine, Mandarine, Pampelmuse, Zitrone u.w.

Akarizide

Pestizide, die gegen pflanzenschädliche Milben oder tier- und menschparasitierende Milben wirken. Akarizide werden überwiegend im Obstbau eingesetzt. Sie haben oft auch eine insektizide Wirkung. Die chemische Bekämpfung der Spinnmilben ist zum Problem geworden, da durch die Anwendung von Insektiziden meist auch die milben-fressenden Insekten ausgerottet wurden. Ein weiteres Problem liegt in der raschen Resistenzentwicklung vieler Milben, die durch die schnelle Generationenfolge gefördert wird.

AKP-Staaten

Akronym (Afrika-Karibik-Pazifik) für eine Gruppe von Staaten - davon viele ehemalige Kolonien Frankreichs und Großbritanniens -, mit denen die EU einen Assoziierungsvertrag (Abkommen von Lomé) mit gegenseitigen Rechten und Pflichten geschlossen hat. Diese politischen, wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen sind vorrangig in die Entwicklungszusammenarbeit eingebunden.

Das im Jahr 2000 unterzeichnete Abkommen von Cotonou setzt die auf der Grundlage des Jaunde-Abkommens und der Lomé-Abkommen bestehende Zusammenarbeit fort und stellt derzeit (bis 2020) den allgemeinen Rahmen für die Beziehungen zwischen der EU und den 79 AKP-Staaten dar.

Zu der Gruppe gehören folgende 79 Staaten: Angola, Äquatorial-Guinea, Äthiopien, Benin, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Dschibuti, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun, Kapverd, Kenia, Komoren, Kongo (Demokratische Republik), Kongo (Republik), Lesotho, Liberia, Madagaskar, Malawi, Mali, Mauretanien, Mauritius, Mosambique, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, Sambia, Sao Tomé - Principe, Senegal, Seychellen, Sierra Leone, Simbabwe, Somalia, Südafrika, Sudan, Swasiland, Tansania, Togo, Tschad, Uganda, Zentralafrikanische Republik, Antigua-Barbuda, Bahamas, Barbados, Belize, Dominika, Dominikanische Republik, Grenada, Guyana, Haiti, Jamaika, Kuba, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Suriname, Trinidad und Tobago, Cook-Inseln, Fidschi, Kiribati, Marschallinseln, Mikronesien, Nauru, Niue, Osttimor, Palau, Papua-Neuguinea, Salomonen, Samoa, Tonga, Tuvalu, Vanuatu.

Weitere Informationen:

Alleinfuttermittel

Mischfuttermittel, die aufgrund ihrer Zusammensetzung ohne Verwendung von speziellem Kraftfutter den Nahrungsbedarf der Tiere decken.

(s. a. Futtermittel)

Alley Cropping

Auch Alleeanbau; Form der Agroforstwirtschaft, bei der Gehölze in Reihen mit drei bis zehn Meter Abstand gepflanzt und dazwischen annuelle Kulturpflanzen angebaut werden. Bei einem Anpflanzen von Bäumen ohne erkennbarem Verteilungsmuster wird der Begriff Intercropping verwendet.
Die Gehölze sollen nicht nur Brenn- und Baumaterial liefern, sondern auch Nährstoffe mit ihren tief im Boden verankerten Wurzeln nach oben pumpen, wo sie nach dem Streufall die Nährstoffgehalte der Oberböden verbessern. Stickstoffbindende Bäume und Sträucher verbessern besonders die Stickstoffversorgung der Oberböden, vor allem wenn sie regelmäßig geschneitelt werden und die geschneitelte Biomasse als Gründüngung eingearbeitet oder zum Mulchen verwendet wird. Neben der Stickstoffanreicherung liefert Heckenschnitt organische Substanz zur Verbesserung der bodenphysikalischen und -chemischen Eigenschaften, er dient als Erosionsschutz und erhöht den Humusgehalt.
Nachteilig wirken sich demgegenüber Beschattung und Wurzelkonkurrenz gegenüber den Feldfrüchten aus. Unterbleibt der Schnitt von Sträuchern und Bäumen, kann ein völliger Ertragsausfall bei der landwirtschaftlichen Kultur eintreten. Die ganzjährig vorhandenen Bäume können einen Unterschlupf für Schädlinge bilden oder eine Quelle für Krankheiten sein.
Ausgehend vom International Institute of Tropical Agriculture in Nigeria findet eine Entwicklung und wissenschaftliche Erforschung des Alleeanbaus seit Mitte der siebziger Jahre statt und ist im Wesentlichen auf die humiden und subhumiden Tropen beschränkt. Die Übertragung von Forschungsergebnissen von einem Gebiet in ein anderes ist schwierig, besonders wenn standortabhängige Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Elementen des Anbausystems eine wesentliche Rolle spielen.

Allmend(e)aufteilung

Besitzrechtliche Aufteilung des in einem Gemeindeverband gemeinschaftlich genutzten Besitzes. In Mitteleuropa geschah dies zunehmend seit dem 17. Jahrhundert, mit deutlichem Schwerpunkt im 19. Jahrhundert.

Allmende

Auch als Allmanden, Allmat, Gemeine Mark, Gemeinheitsgrund oder Gemeinheit bezeichnet; i.d.R. gemeinschaftlicher Besitz einer Siedlung oder einer Gruppe von benachbarten Siedlungen an Realgütern wie Boden, Weiden oder Wald. Daran haben entweder alle oder ein Teil ihrer Bewohner Nutzungsrechte.

Es handelt sich um eine weltweit verbreitete Erscheinung, die sich im vorkolumbianischen inkaischen Agrarsystem Südamerikas oder bei den vorspanischen Puebloindianern im südlichen Nordamerika ebenso fand wie in allen Teilen Europas.

Im Gegensatz zum individuell und intensiv genutzten Wirtschaftsland ist das Allmendland (Weide, Wald, Wasser, auch Feld) nur extensiv genutzt und liegt meist am Rande der Gemarkung. Diese Flächen der Gemarkung sind nicht von Besitz- bzw. Eigentumsgrenzen gegliedert. Bei wechselwirtschaftlicher Nutzung, z. B. durch Feldwald- oder Feldgraswirtschaft, können jedoch Parzellierungen auftreten. Sie sind gewöhnlich nicht dauerhaft, da durch periodisch vorgenommene Verlosungen eine Neuverteilung der Nutzungsberechtigungen und damit auch eine Neuparzellierung erfolgt.
Die große Bandbreite von verfügungsrechtlichen Möglichkeiten landwirtschaftlichen Gemeinschaftsbesitz zu nutzen, umfaßt u.a. folgende Varianten:

Hinsichtlich der vielfältigen Nutzung von Allmenden sind für Mitteleuropa folgende, vorwiegend historische Möglichkeiten zu nennen:

Im mitteleuropäischen Bereich sind Allmenden nur noch in Relikten erhalten, vornehmlich als Folge der Agrarreformen des 18. - 20. Jahrhunderts. Ihre Nutzung betrifft die Bereiche Weidewirtschaft, Jagd, Fischfang, Holzbeschaffung und Streugewinnung.
Hinsichtlich einer nötigen Intensivierung der Landwirtschaft stellten die u.a. als Anger, Hutung oder Trift auftretenden und gewöhnlich in der Pflege vernachlässigten Allmenden ein großes Hindernis dar.
Die Allmende zählt nicht zur durch Besitzgrenzen gegliederten Flur.

Alm

Auch Alp; sommerliches Weideareal eines Talgutes in der Mattenzone der Hoch- oder Mittelgebirge oberhalb der jeweiligen Dauersiedlungsgrenze mit vom Heimgut getrennter Bewirtschaftung.
Almen sind durch die Rodung von Zwergsträuchern und subalpinem Wald talwärts stark ausgedehnt. Selbst inselförmige Weideflächen im Wald werden als Alm bezeichnet, sofern sie almwirtschaftlich genutzt sind.
Alm ist der bayerische, Alp(e) der alemannische Begriff. Zur Alm gehören auch periodische Alm-Siedlungen, bedingt durch die große Entfernung vom Heimgut. Es dominiert die Einzelsiedlung. Bei einer größeren gemeinschaftlichen Nutzung können auch kleinere Alm-Dörfer entstehen.
Hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse lassen sich vier Gruppen von Almen unterscheiden:

Die Nutzungsstrukturen sind mit den Eigentumsverhältnissen nur zum kleinen Teil identisch und lassen sich in drei Gruppen zusammenfassen:

Abhängig von der geographischen Lage des betreffenden Alpgebietes gibt es für die Alpen in verschiedenen Höhenlagen unterschiedliche Begriffe.
Für das Allgäu wird unterschieden:

Bezeichnung

Höhenlage der alpmäßigen Bewirtschaftung (m ü. NN)
Landalpen → 1100 m ü. NN
Mittelalpen 1100 - 1400 m ü. NN
Hochalpen > 1400 m ü. NN

Die verschiedenen Höhenstufen werden als Staffeln (Stafel) oder Läger (Leger) bezeichnet. Es bestehen die Begriffe Niederleger, Mittelleger, Hochleger. Zwischen Heimgut und Alpe sind häufig noch Vor- und Nachweiden (Maiensässen oder Asten) vorhanden, auf die das Vieh vor und nach der Älpung getrieben wird. Die Anzahl der Staffeln beträgt meist drei, im Extrem bis zu 32 (Wallis) Staffeln. Die sehr ausgeklügelten traditionellen Staffelsysteme sind durch Rationalisierung in der Almwirtschaft meist verschwunden oder stark vereinfacht worden.
Außer nach den Eigentumsverhältnissen und den Höhenstufen werden die Almen nach der Art der Nutzung eingeteilt. Nach der aufgetriebenen Viehgattung lassen sich Kuhalmen (Melkalme, Sennalmen), Stieralmen, Jungviehalmen, Ochsenalmen, Galtalmen mit Ochsen und Jungtieren, die noch keine Milch geben (mittelhochdeutsch "galt" = trocken), gemischte Almen (Kühe und Jungvieh, Rossalmen, Schaf- und Ziegenalmen unterscheiden. Heute steht im deutschsprachigen Alpenraum die Älpung von Jungvieh weit im Vordergrund.

Almabtrieb

Als Almabtrieb (bairisch), Alpabfahrt (alemannisch), Alpabzug und Alpentladung (Schweiz) oder Viehscheid (Allgäu) bezeichnet man im Alpenraum die Überführung des Viehs von den Bergweiden (Almen) ins Tal, wo es in den Stallungen der Bauernhöfe überwintert. Der Almabtrieb wird zeitlich durch das Ausbleiben des Graswachstums oder Kälteeinbrüche bestimmt und liegt regional unterschiedlich zwischen Mitte September und Mitte Oktober.

Ist der Almsommer für Mensch und Tier ohne tödliche Unfälle verlaufen, werden in vielen Gegenden die Herden für den Abtrieb kunstvoll geschmückt und der Almabtrieb mit Musik- und Tanzveranstaltungen verbunden. Diese Feste bildeten früher im September oder Oktober den Abschluss des Almlebens. Für den Kopfschmuck der Tiere wird traditionell der Almrausch (Alpenrose) oder Latschenkiefer verwendet sowie die Silberdistel und Seidenblumen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Kranzkuh, die traditionell die Herde auf ihrem Weg in die heimischen Ställe anführt. Sie erhält einen ungewöhnlich großen Kopfschmuck, der aufwändig aus Zweigen, Blumen, Gräsern und Bändern in Form einer Krone geflochten wird. Meist zeigt der Kranz ein Kreuz, womit um den Schutz des Himmels gefleht wird, sowie Spiegel und Glocken zur Abwehr böser Geister.

Almauftrieb

Als Almauftrieb, Alpaufzug oder Alpfahrt, Alpauffahrt wird das Bringen von Weidevieh auf Bergweiden, die sogenannten Almen bezeichnet. Es ist eine Form des Viehtriebs. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Almauftrieb mit manchmal mehrtägigen Fußmärschen für Vieh und Hirten verbunden. Dabei wurden den Kühen, je nach Gegend, große Glocken und Tricheln umgehängt. Im Gegensatz zum Almabtrieb wurden die Tiere nicht festlich geschmückt.

Almbestoß

1. Bezeichnung für die Zahl der aufgetriebenen Tiere pro Alm oder pro ha Almfläche.

2. Bewegungsbegriff für den Vorgang des Auftreibens der Tiere auf die Alm.

Almwirtschaft

Extensive Weidewirtschaft auf Hochgebirgsflächen, die oft über der Baumgrenze liegen und nur ca. 90 Tage/J. beweidet werden können. Bei der Almwirtschaft findet im Gegensatz zur Transhumanz im Winter Einstallung mit Fütterung in den Dauersiedlungen statt. Die Höhenweiden, meist über der Waldgrenze gelegen, werden von Frühjahr bis Herbst aufgesucht und gehören als fest abgegrenzte Besitzparzellen zur Betriebs- bzw. Gemarkungsfläche der Heimgüter. Auf den Almen liegen ortsfeste, jahreszeitlich bewohnte Siedlungen für die Hirten, zu denen sich bei gestaffeltem Almauftrieb Zwischenalmen (z.B. Maiensäß) in verschiedenen Höhenlagen gesellen.
Die Bedeutung der Hochgebirgsweidewirtschaft für die Verteilung der Siedlungen und der Bevölkerung liegt darin, daß eine Erweiterung der Wirtschaftsfläche gegeben ist und damit eine Verdichtung von Siedlung und Bevölkerung in den Gebirgstälern stattfinden kann.
Almen und Almwirtschaft mit hier besonderen Nutzungsformen und archaischen Strukturen, die bis ins 20. Jahrhundert erhalten blieben, gelten als Charakteristikum der Alpen. Auch in anderen europäischen Gebirgen gibt bzw. gab es Almwirtschaft (Pyrenäen, Vogesen, Schwarzwald, Skandinavische Gebirge, Dinariden), allerdings mit geringerer Bedeutung und Vielfalt.
Verallgemeinernd zusammengefaßt vollzogen sich in den letzten zwei Jahrzehnten im Alpenraum Entwicklungen, die in folgenden Punkten zusammenfaßbar sind:

Im Zusammenhang mit der Almwirtschaft entwickelten sich wichtige kulturelle und soziale Ereignisse, die teilweise noch Bedeutung haben, nicht zuletzt durch den Einfluß des Tourismus. Sie sind im Bereich der Wiesen-Alp-Betriebe wegen des größeren Stellenwertes der Viehwirtschaft häufiger als bei den Acker-Alp-Betrieben. Dazu gehören, bzw. gehörten: Almauf- und abtrieb, Kuhkämpfe, Milchmesstage, Alpspenden, Alpsegnungen und Alpruf.

Alpenkonvention

Die Alpenkonvention ist ein 1995 in Kraft getretenes internationales Abkommen zwischen den Alpenländern (Deutschland, Frankreich, Italien, Liechtenstein, Monaco, Österreich, Schweiz und Slowenien) sowie der EU für eine nachhaltige Entwicklung und den Schutz der Alpen. Sitz des Ständigen Sekretariats der Konvention ist Innsbruck, eine Außenstelle besteht an der Europäischen Akademie Bozen. Die Alpenkonferenz ist die regelmäßige Versammlung der Vertragsparteien.

Die Alpen sind Natur- und Kulturlandschaft, Lebens- und Wirtschaftsraum für 13 Millionen Alpenbewohner in 43 Regionen, wertvollstes Trinkwasserreservoir Europas und wichtiges Tourismusziel.

Seit etwa 6.000 Jahren werden die Alpen vom Menschen fundamental beeinflusst. Sie sind ein empfindliches Ökosystem. Umweltprobleme können hier schnell zur existenziellen Bedrohung von Pflanzen, Tieren und dem Menschen führen. In jüngerer Zeit haben insbesondere die modernen Nutzungsformen wie Tourismus, Wasserkraft und Transitverkehr zu gravierenden Umgestaltungen der alpinen Natur- und Kulturlandschaften geführt. So leidet insbesondere der Bergwald unter dem Einfluss großräumiger Luftverunreinigungen und den Folgen des wachsenden Verkehrsaufkommens. Der inneralpine Verkehr bringt aber auch für viele Bewohner der Alpentäler eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität mit sich. Die Rückkehr zur traditionellen vorindustriellen Landwirtschaft als nachhaltige Nutzungsform weist keinen Weg aus der Krise. Vielmehr bedarf es neuer alternativer Entwicklungskonzepte, die ökonomische Sicherheit mit sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Tragfähigkeit verbinden. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssen sich grundlegend ändern. Darüber hinaus sind die Alpen in erheblichem Maße von europäischen Entwicklungen beeinflusst. Ein Beispiel dafür ist die bergbäuerliche alpine Landwirtschaft, welche der europäischen Konkurrenz der intensiven Landwirtschaft nur mit großer Mühe gewachsen ist. Nicht zu vernachlässigen ist auch der Klimawandel, der das besonders empfindliche und gefährdete  Ökosystem der Alpenregion in zunehmendem Maß verändert. Daraus leiten sich die Ziele der Alpenkonvention ab.

Ziele der Alpenkonvention

Bezüglich der Berglandwirtschaft äußern sich die Vertragsparteien im entsprechenden Durchführungsprotokoll u. a. darüber einig, dass insbesondere in den Berggebieten die Landwirtschaft im Laufe der Jahrhunderte die Landschaft geprägt und ihr historischen Charakter sowie kulturellen Wert verliehen hat. Die Landwirte sind deshalb auch in Zukunft auf Grund ihrer multifunktionalen Aufgaben als wesentliche Träger der Erhaltung der Natur- und Kulturlandschaft anzuerkennen und in die Entscheidungen und Maßnahmen für die Berggebiete einzubeziehen.

Weitere Informationen:

Alpentladung

Schweizerdeutscher Begriff für Almabtrieb.

Altbauer

Vollerwerbslandwirt, eine auf NW-Deutschland bezogene, historische Variante der Bezeichnung Hofbauer.

alte Sorten

Solche derzeit oder früher kultivierte Pflanzenarten, deren Schutzfrist nach dem Sortenschutzgesetz abgelaufen ist. Alte Sorten, für deren Handel nach der Artenliste im Anhang des Saatgutverkehrsgesetzes eine Zulassung durch das Bundessortenamt erforderlich ist, dürfen nach Auslaufen der Zulassung nicht mehr gehandelt werden.

Altenteil

Das Altenteil ist ein Begriff aus dem Erbrecht und bezeichnet die vertraglich vereinbarten Leistungen für den Erblasser bei einem vorweggenommenen Erbfall, also bei einem Hofüberlassungsvertrag. Zum Altenteil gehört häufig ein separat stehendes kleines Gebäude. Es vermeidet Streitigkeiten, wenn alle vereinbarten Leistungen für den Altenteiler im Altenteil-Vertrag einzeln aufgeführt sind. Synonyme Begriffe sind Ausgedinge, Austrag, Auszug, Leibgedinge, Leibzucht.

Altenteiler

Landwirt, der seinen Hof an den Hofnachfolger übergeben hat. Die Übergabe bezieht sich auch auf alle Verfügungs- und Entscheidungsrechte. Zum Ausgleich nutzt der Altenteiler das vereinbarte Altenteil.

Altlasten

Unter Altlasten werden in der Regel

verstanden, von denen eine Gefahr für Menschen und/oder Umwelt ausgehen. Bodenbelastungen solcher Art können die regionale wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen. Insbesondere in den neuen Ländern gelten Altlastenverdachtsflächen als Hemmnis der Privatisierung und können so die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Durchführung von Investitionen verhindern.

Altsiedelraum

Als Altsiedelraum bezeichnet man in Mitteleuropa jene Gebiete, die vor 1.000 n.Chr. erschlossen wurden. Sie sind gekennzeichnet durch ein Vorherrschen von großen Gruppensiedlungen (Haufendörfer, Reihendörfer), umgeben von Gewannfluren. Die starke Parzellierung ist u.a. auf die mit Bevölkerungszunahme verbundene Realteilung und die gemeinschaftliche Dreifelderwirtschaft zurückzuführen.

(s. a. Jungsiedelraum)

Amelioration

Siehe Melioration

Ammenkuhhaltung

Form der Mutterkuhhaltung, bei der die Kuh zusätzlich zu ihren eigenen auch fremde Kälber aufzieht. Die Kühe werden dabei nicht gemolken, ihre Milch nur für die Kälber verbraucht.

Im Mai 2016 wurden in Deutschland 685.000 Ammen- und Mutterkühe gezählt. Damit ist der Bestand an Ammen- und Mutterkühen wie bereits im Vorjahr weiter leicht angestiegen (gegenüber 2015 + 0,4 Prozent). Dagegen ist die Zahl der Ammen- und Mutterkuhhalter weiter leicht rückläufig (gegenüber 2015 – 0,6 Prozent). Die insgesamt 52.300 Ammen- und Mutterkuhhalter hielten zuletzt im Durchschnitt 14 Ammen- und Mutterkühe. Der Schwerpunkt der Ammen- und Mutterkuhhaltung liegt in Ostdeutschland, wo 40 Prozent aller deutschen Ammen- und Mutterkühe gehalten werden.

Ammoniak

NH3, ein Gas, das bei der Zersetzung von eiweißhaltigen Stoffen entsteht. Ammoniak-Emissionen stammen hauptsächlich aus der Landwirtschaft (um die 95 ProzentAnteil an den Gesamtemissionen). Ammoniak (NH3) entsteht vornehmlich durch Tierhaltung und in geringerem Maße durch die Düngemittelverwendung sowie Lagerung und Ausbringung von Gärresten der Biogasproduktion in der Landwirtschaft. Die wichtigste NH3-Emissionsquelle aus der Tierhaltung ist Wirtschaftsdünger (Gülle, Mist, Jauche, aber auch Gärreste aus Biogasanlagen). Wirtschaftsdünger enthält in der Regel hohe Anteile an Ammoniumstickstoff NH4+-N), der insbesondere im Kontakt mit der Atmosphäre schnell in gasförmiges Ammoniak umgewandelt werden kann. Dieses entweicht so in die Luft und geht damit  den Pflanzen als Nährstoff verloren. Derartige Verluste treten im Stall, im Wirtschaftsdüngerlager und bei der Ausbringung von Wirtschaftsdünger auf und müssen so weit wie möglich reduziert werden.

Von geringerer Bedeutung sind industrielle Prozesse (Herstellung von Ammoniak und stickstoffhaltigen Düngemitteln sowie von kalziniertem Soda), Feuerungsprozesse, Anlagen zur Rauchgasentstickung sowie Katalysatoren in Kraftfahrzeugen.

Von 1990 bis 2014 sanken die Ammoniak-Emissionen (NH3) im Gesamtinventar um 53 Tausend Tonnen (Tsd. t) oder 6,7 %. Die Emissionsreduktionen der letzten Jahrzehnte lassen sich überwiegend auf den Abbau der Tierbestände in den neuen Bundesländern unmittelbar nach der Wiedervereinigung zurückführen.

Im Rahmen eines internationalen Abkommens zur Luftreinhaltung (NEC-Richtlinie) hat sich Deutschland zur Einhaltung einer nationalen Emissions-Höchstmenge von jährlich 550 Kilotonnen NH3 ab 2010 verpflichtet. Diese Marke wurde seither regelmäßig um ca. 20 % überschritten. Das zeigt das landwirtschaftliche Ammoniak-Inventar, das Emissionen aus Tierhaltung (Stall, Lagerung von Wirtschaftsdünger) und Böden (Ausbringung von Wirtschaftsdünger und Mineraldünger, Weidegang) berichtet. 

Emissionen stickstoffhaltiger Treibhausgase und Ammoniak aus landwirtschaftlich genutzten Böden

Quelle: UBA

Maßnahmen zur Minderung von Ammoniak-Emissionen:

Ammoniak wird ca. zur Hälfte in der Nähe des Emissionsortes deponiert. Die andere Hälfte reagiert in der Atmosphäre mit säurehaltigen Aerosolen zu Ammonium (NH4+). In dieser Form, z.B. als (NH4)2SO4, kann es wie NOx über weite Strecken transportiert werden. Die Deposition kann trocken als Gas (NH3) bzw. als Partikel NH4+) und nass, d.h. als im Niederschlag gelöste Ionen (NH4+) erfolgen. Ein Teil des eingetragenen NH4 wird im Boden zu N2O umgesetzt, so daß NH3 letztlich als Vorläufer für N2O anzusehen ist.

Die Stickstoff-Depositionen haben neben der eutrophierenden auch eine bodenversauernde Wirkung. Ammoniakgase aus der Tierhaltung, vor allem aus der Güllewirtschaft, werden für Waldschäden mitverantwortlich gemacht.

Anbaubeschränkung

Instrument der staatlichen Agrarpreisstützung durch Reduzierung des Angebots, häufig verbunden mit der Zahlung von Prämien als Ausgleich für die Einkommensverluste.

Anbaudiversifizierung (EU)

Nach Artikel 43 und 44 der VO (EU) Nr. 1307/2013 eine Landbewirtschaftungsmethode als Teil des Greening.

Die Anbaudiversifizierung schreibt Mindestanforderungen bezüglich Anzahl und maximal zulässiger Anteile einzelner landwirtschaftlicher Kulturen am gesamten Ackerland des Betriebes vor:

Anbaufläche

Die tatsächlich für die Bewirtschaftung zur Verfügung stehende Fläche eines Betriebes, also abzüglich aller bebauten Flächen, Wege, Hecken, usw.

In der deutschen Agrarstatistik ist das Ackerland untergliedert nach angebauten Fruchtarten. Die Anbaufläche landwirtschaftlicher Betriebe wird nach der Fläche folgender Feldfrüchte unterschieden: Getreide, Hülsenfrüchte, Hackfrüchte, Gemüse, Erdbeeren, und andere Gartengewächse (Feldgemüse und Gartengewächse), Handelsgewächse, Futterpflanzen (Anbau auf dem Ackerland) sowie Gründüngung, Schwarzbrache und vorübergehend stillgelegte Ackerflächen.

Anbaugrenzen

Eine bestimmte Nutzungsweise ist an ein bestimmtes Areal gebunden, dessen Grenzen aus dem Zusammenspiel von natürlichen und ökonomischen Faktoren gesetzt werden. Verschlechtert sich das ökologische Standortangebot für eine Pflanze in horizontaler oder vertikaler Richtung, so erreicht sie ihre biologische Grenze. Es handelt sich dabei um eine absolute Grenze, die nicht zu verändern ist, es sei denn, dass sich entweder das Standortangebot (Klimaänderung, Bewässerung) oder die genetischen Standortanforderungen der Pflanze ändern, etwa durch züchterische Maßnahmen.

Innerhalb der biologischen Grenze befindet sich die Rentabilitätsgrenze, sie ist eine Funktion aus Aufwand und Ertrag und damit starken Schwankungen unterworfen, sie ist also eine relative Grenze. Sie wandert zur biologischen Grenze, wenn sich der Aufwand verringern lässt - etwa durch Fortschritte der Agrartechnologie -, sie zieht sich zurück, wenn der Aufwand steigt, etwa bei Lohnsteigerungen. Ähnliche Wirkungen haben staatliche Subventionen oder Preisveränderungen. So führte während der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre ein Verfall der Weizenpreise zu einem Rückzug der Weizen-Frontier an der Trockengrenze der USA und Australiens. Die Subventionierung von Betrieben auf marginalen Standorten hält vor allem in wohlhabenden Staaten wie Finnland und der Schweiz deren eher ökonomisch und politisch bedingten Anbaugrenzen relativ stabil, wobei der Erhalt der Kulturlandschaft für touristische Zwecke und regionalplanerische Ziele entscheidende Motive sind.

Die effektive Grenze umreißt schließlich das tatsächliche Anbaugebiet. In der Regel liegt sie diesseits der Rentabilitätsgrenze. In der Realität des inhomogenen geographischen Raumes ist die effektive Grenze schwer zu erfassen, ihre Darstellung unterliegt subjektiven Einflüssen - je nachdem, welches Mindestmaß an Anbaufläche man als Untergrenze nimmt. Die drei, bei globaler Betrachtung erkennbaren Anbaugrenzen Trockengrenze, Polargrenze und Höhengrenze sind als Grenzsäume ausgebildet, in denen sich drei qualitativ unterschiedliche effektive Grenzen bündeln:

Die drei klimatisch bestimmten Anbaugrenzen Trockengrenze, Polargrenze und Höhengrenze sind weitgehend identisch mit den Siedlungsgrenzen des Menschen, trennen also die Ökumene von der Anökumene.

Die effektive Grenze durchläuft aus historischer Sicht Expansions- und Kontraktionsphasen. Diese Oszillation erklärt sich meist aus einem komplexen Wirkungsgefüge der o.g. Einflussfaktoren, zu denen noch folgende Faktoren hinzutreten können:

In Europa folgten seit dem Mittelalter Phasen der Ausweitung und auch der Schrumpfung landwirtschaftlich genutzter Flächen aufeinander. So wurden zur Steigerung der Nahrungsmittelerzeugung entlang der Feuchtgrenzen und Meeresgrenzen neue Agrarflächen gewonnen. Hierzu gehören die Entwässerung von Feuchtgebieten (z.B. Moorkultivierung in Norddeutschland, Bonifikation in Italien) und die Neulandgewinnung an Küsten (z.B. Polder in den Niederlanden, Umwandlung von Mangroven an tropischen Küsten). Aktuell vollziehen sich dynamische Prozesse sowohl der spontanen als auch staatlich gelenkten Agrarkolonisation vor allem an den Rändern und auch innerhalb tropischer Regenwälder ab. Dabei ist die Erschließung solcher Gebiete mit starken ökologischen Problemen und sozialen Konflikten verbunden.

Anbaurisiko

Unternehmerisches Wagnis beim Anbau von Kulturpflanzen. Risiken ergeben sich aus den einer Veränderung unterliegenden ökologischen Rahmenbedingungen des Pflanzenbaus. Das Anbaurisiko wird auch teilweise durch ein Marktrisiko bedingt.

Anbausystem

Vieldeutiger Begriff zur Beschreibung landwirtschaftlicher Produktions- oder Bewirtschaftungssysteme, die sich unterscheiden können z.B. nach Fruchtfolgen, Produktionsziel, Faktoreinsatz, Gentechnikeinsatz, Intensität, Bodenbearbeitung, Feldgröße, Bewässerung, innovativen Konzepten, wie z.B. vertikale Landwirtschaft u. w.

Weitere Informationen:

Anbautradition

1. Das Festhalten an einer althergebrachten und möglicherweise überkommenen Wirtschaftsweise.

2. Das traditionell bedingte Vorhandensein von Kenntnissen über den Anbau bestimmter Kulturen, zuzüglich der Existenz wichtigster materieller Quellen bezüglich des zum Anbau notwendigen Geräts sowie erster Absatzbeziehungen. Diese Situation erlaubt eine flexible Anpassung an steigende Nachfragen. Anbautradition ist in diesem Sinne kein bewahrendes sondern ein dynamisches Element.

Anbauverhältnis

Es drückt die unterschiedliche Nutzung des Ackerlandes eines Betriebes, eines Dorfes oder eines sonstwie begrenzten Raumes in Prozentzahlen aus.

Aneignungswirtschaft

Bodennutzungssystem einer niederen Kulturstufe, deren Mitglieder sich beispielsweise durch das Sammeln von Wildgetreide, den Fischfang und die Jagd versorg(t)en. Bei stärkerem Bevölkerungsdruck kam es im Verlauf der Agrargeschichte häufig zu primitiven Formen des Ackerbaus und der Viehhaltung.

(s. a. Ausbeutungswirtschaft)

Anerbenrecht

Vom BGB-Erbrecht abweichendes Sondererbrecht für landwirtschaftlichen Grundbesitz. Der Hof geht geschlossen auf einen Erben über, den sogenannten Anerben, meistens der Älte­ste (Majorat), seltener der Jüngste (Minorat). Es kommt also nicht wie im allgemeinen Erbrecht zu einer Teilung unter sämtlichen Hoferben (fränkische oder Realteilung). Hinter dem Anerbenrecht steht die wirtschaftliche und politische Zielsetzung, einmal die Höfe ungeteilt zu erhalten und damit deren ökonomische Leistungsfähigkeit zu stärken, und zum anderen, die dauerhafte Bewirtschaftung der Höfe in der Generationsfolge der Bauern zu sichern. Diese übergeordneten Zielvorgaben führen zu einer Bevorzugung des Anerben, während die Ansprüche der Miterben begrenzt bleiben. In der Regel erfolgt die sogenannte "Abfindung" der Geschwister durch den Anerben nicht auf der Basis des Verkaufswertes des Hofes, sondern eines erheblich geringeren Wertansatzes, um eine unangemessene Belastung und Verschuldung des Hofes zu verhindern. Indessen können solche finanziellen Lasten auch die Leistungsfähigkeit eines Betriebes beeinträchtigen, wenn die Abfindungen - wie in manchen Regionen üblich - höher und damit auch gerechter waren und sind. Die Abfindungen können in Form von Barabfindungen oder wie in neuerer Zeit als von der Erbmasse abgetrenntes Bau- oder Gartengrundstück erfolgen.
Die Geschlossenheit der Güter, auch im Hinblick auf teilweisen Verkauf, war bis zur Bauernbefreiung durch die auf ihnen ruhenden Lasten bedingt, womit jegliche Mobilität des Grundbesitzes unterbunden war. In verschiedenen Teilen Deutschlands hat sich das Anerbenrecht erhalten, es ist in Gebieten mit Realteilung in nationalsozialistischer Zeit im Rahmen der Erbhofgesetzgebung sogar wieder eingeführt worden.
Das Anerbenrecht hat eine erhebliche agrar- und sozialgeographische Bedeutung:

Nichterbende oder weichende Erben waren billige Arbeitskräfte, und die Höfe blieben durch die Erhaltung ihrer Besitzgröße auch im Rahmen der Ackernahrung. Die Beständigkeit in der Fruchtfolge und die rationelle Ausnutzung der auf eine Besitzgröße ausgerichteten Hofein­richtung und Maschinenausstattung blieb gesichert. Heute sind diese Vorteile infolge Rückgangs der Kinder­zahl, der Barauszahlung und allgemeinen Mangels an ländlichen Hilfskräften nicht mehr in jedem Falle erhalten, das Anerbenrecht hat aber durch die Erhaltung bestimmter Betriebsgrößen zur räumlichen Differenzierung der Agrarland­schaft besonders beigetragen. In sozialer Hinsicht führte die Existenz der Höfe über die Erbgänge hinweg zu einem festen Schichtaufbau der landwirtschaftlichen Bevölkerung, die Mobilität zwischen den Schichten war gering. Insgesamt bedeutete die Vorrangstellung des Hoferben eine ständige soziale Ungerechtigkeit innerhalb der jeweils nachrückenden Generation. Die nicht erbenden Geschwister blieben früher häufig als ledige und "sozial sterilisierte" Arbeitskräfte auf dem Hof, die übrigen waren gezwungen, abzuwandern. Dennoch wuchs die Bevölkerung in den ländlichen Siedlungen an, mit den Köttern, Seldnern usw., nach der Bauernbefreiung mit den Tagelöhnern, Wanderarbeitern o.ä. etablierte sich eine neue Schicht im Dorf.

Die ländlichen Unterschichten in den Anerbengebieten Mitteleuropas (ohne Gesinde)

Quelle: Becker 1998 nach Grees, H.: Ländliche Unterschichten und ländliche Siedlungen Mitteleuropas, 1976, leicht verändert

Hauptverbreitungsgebiete des Anerbenrechts in Europa waren und sind: Nordische Länder, Britische Inseln, NW-Deutschland, Niederlande, (Alt-)Bayern.

(s. a. Erbrecht)

Anger

Runde, ovale, dreieckige oder rechteckige Straßenerweiterung mit regelhaft-linearer Abgrenzung zu den Hofreiten. Auf ihm können sich ein Teich, Gärten, die Kirche oder kommunale Bauten befinden. Häufig erfolgte eine spätere Bebauung mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. I.d.R. besitzt der Anger zwei Zugänge, die in ihrer Anordnung zueinander korrespondieren.

Angerdorf

Planmäßig angelegtes, (mittel-)großes Platzdorf, dessen Gehöfte in lockerem bis mäßig dichtem, selten dichtem Abstand den gemeinschaftlich genutzten Anger umschließen. Charakteristisch für ihre Gestalt ist die längsgestreckte, meist lanzett-förmige Freifläche, z.T. mit Teich (Anger), der die Längsachse für die Doppelreihe der Gehöfte bildet.

Angerdörfer sind typisch für Ortsanlagen im Rahmen der deutschen Ostkolonisation. Die englische Entsprechung ist das green village.

Vielfach wird der Begriff Angerdorf verwendet für alle Formen von Platzdörfern, die nicht nur in allen Teilen Europas auftreten, sondern auch in anderen Räumen der Erde z.B. in Indonesien, Melanesien und Polynesien.

Anökumene

Der nicht dauerhaft bewohnbare Teil der festen Erdoberfläche (Hochgebirge, Kälte- und Trockenwüsten).

(s. a. Ökumene)

Anspänner

Vollerwerbslandwirt; eine regionale und historische Variante des Begriffs Hofbauer.

Anthropogene Böden

Auch Kultosole oder Kulturböden; Klasse von terrestrischen Böden, deren Merkmale entscheidend durch menschliche Tätigkeit geprägt sind, z.B. durch Ackerbau, Waldbau, Gartenbau, Freizeitgestaltung. Sie umfassen fünf Bodentypen: Kolluvisol, Plaggenesch, Hortisol, Rigosol und Tiefumbruchboden (Treposol). Böden, deren Profile durch die übliche land- und forstwirtschaftliche Nutzung umgeformt werden, zählen nicht zu dieser Klasse.

Antibiotika

Von Organismen gebildete niedermolekulare Stoffe, die bei anderen Organismen das Zellwachstum und die Zellvermehrung blockieren, indem biochemische Prozesse gestört werden.
In der Viehhaltung haben Antibiotika als Futtermittelzusatzstoffe mit wachstumsfördernder Wirkung Bedeutung erlangt, da sie Infektionen der Masttiere bekämpfen bzw. nicht erst aufkommen lassen und damit auch eine Leistungssteigerung bewirken; sie dürfen in Deutschland nur begrenzt, z.B. bei der Aufzucht von Jungtieren, verwendet werden. Prophylaktische Therapie ist verboten, erlaubt ist dagegen die Metaphylaxe. Um die ganze Tiergruppe zu behandeln, müssen wenigstens einzelne Individuen Krankheitszeichen haben. Als Futtermittelzusatzstoffe sind in Deutschland nur solche Antibiotika erlaubt, die ihre Wirkung im Darm des Tieres ausüben oder aus anderen Gründen keine Rückstände hinterlassen.
Eine flächendeckende Kontrolle dieser Vorschriften besteht nicht.
Ein unsachgemäßer bzw. ständiger Einsatz kann zur Bildung von resistenten Bakterienstämmen führen, die z.B. beim Verzehr von Rohfleischprodukten auf Menschen übertragen werden können. Bei einer eventuell nötigen Antibiotika-Behandlung eines Menschen bleibt das eingesetzte Mittel dann möglicherweise ohne Wirkung. Mehrfach resistente Magen-Darm-Bakterien haben z.B. in Nordeuropa wie auch in Deutschland beträchtlich zugenommen. Diese Entwicklung verläuft parallel zum Einsatz von Antibiotika in der Tiermast.

Im deutschen Obstbau kommt seit 1994 zur Bekämpfung des Feuerbranderregers das Antibiotikum Streptomycin zum Einsatz, welches in der Medizin zur Behandlung von Tuberkulose verwendet wird, und das für rasche Mutations- und Resistenzbildung bekannt ist. Das Mittel wurde zudem im Honig nachgewiesen.

Antioxidantien

Antioxidantien sind organische Verbindungen, die unerwünschte Oxidationsprozesse (z.B. Ranzigwerden, Verharzen) hemmen oder verhindern. Antioxidantien werden in Futtermitteln eingesetzt.

Anwand

An der Schmalseite einer Ackerparzelle quer bearbeiteter Streifen, wenn sich mit Schlepper oder Zugtieren das angrenzende Gelände zum Wenden nicht befahren bzw. betreten läßt.

(s. a. Ackerberg)

Aphizide

Spezielle Insektizide gegen Blattläuse bei Kultur- und Zierpflanzen.

Aquakultur

Die Vermehrung und Aufzucht von im Wasser vorkommenden Organismen in einer kontrollierten oder besonders ausgewählten Umgebung mit dem Ziel der Herstellung von Nahrungsmitteln und Industrierohstoffen sowie der Aufstockung natürlicher Bestände. Dabei handelt es sich um Fische, Crustaceen, Mollusken und Wasserpflanzen einschließlich der Algen. Aquakultur wird weltweit in Süß-, Brack- und Meerwasser betrieben. Moderne Aquakultur ist stark industrialisiert und hat einen hohen Kapitalbedarf. Die Ursprünge der Aquakultur werden in der Teichwirtschaft gesehen, die beispielsweise bei den Römern nachgewiesen ist.

Das Statistische Bundesamt definiert Aquakultur als die kontrollierte Aufzucht von Wasserlebewesen wie Fischen, Krebstieren, Weichtieren und Algen. Traditionell ist die Aquakultur in Deutschland geprägt durch klassische Karpfenteichwirtschaften und Forellenzuchten. Dabei sind die bedeutendsten Fischarten die "Regenbogenforelle" und der "Gemeine Karpfen".

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Aquaponik

Wortkombination aus Aquakultur und Hydroponik; Verfahren, das Techniken der Aufzucht von Fischen in Aquakultur und der Kultivierung von Nutzpflanzen in Hydrokultur verbindet. Es handelt sich dabei um einen geschlossenen Wasser- und Nährstoffkreislauf, welcher in automatisierten Abläufen bewirtschaftet wird.

Dies ermöglicht die Nährstoffumwandlung und ‐wiedernutzung durch Pflanzen – in der Regel Gemüse – die mit den gefilterten Fischabwässern versorgt werden. Als Filtermedium wird oftmals Ton verwendet. Das gereinigte Wasser wird anschließend wieder den Fischen zugeführt. Pro Kilogramm im System erzeugten Fischs können mit den Nährstoffen aus dem anfallenden Abwasser bis zu sieben Kilogramm Gemüse erzeugt werden.

Die Ressource Wasser befindet sich im Kreislauf und bedarf nur einer minimalen prozentualen Ergänzung pro Tag. Heizenergie, Wasser und Nährstoffe wird bei beiden Kulturen kaskadisch eingesetzt. Dabei bietet es sich an, umweltfreundliche Technologien wie Photovoltaik, Energiespeicher, Niedrigenergie‐Pumpen oder Luftkollektoren einzusetzen. Bei Aquaponik handelt es sich um ein abgeschlossenes System, welches vor negativen Umwelteinflüssen geschützt ist. Als Standorte für die kombinierten Produktionssysteme bieten sich wegen des geringen Platzanspruchs gebäudeintegrierte Freiflächen an. Dabei kann es sich beispielsweise um Dächer von Einkaufszentren oder sonstigen gewerblichen Gebäuden handeln. Aufgrund des unkonventionellen, innovativen Konzepts wird das System zunehmend mit alternativen Unternehmensformen und Freizeitgestaltungen verknüpft wie Praxisbeispiele zeigen. Auch innovative Betreibermodelle (z. B. Bewirtschaftung durch berufstätige Familien, die zusätzlich nach Bedarf jemanden zur Pflege einstellen) bieten sich an. Das System ist sowohl für den Frischverkauf als auch für die Gastronomie geeignet. (ZALF 2013)

In der folgenden Abbildung wird die Hydroponik, also die erdfreie Kultivierung von Nutzpflanzen in einem Gewächshaus, mit der Aquakultur, also der kontrollierten Aufzucht von Speisefischen in Fischtanks, gekoppelt. Bei diesem Projekt wurde am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) eine Anlage entwickelt, die Tomaten und Tilapien, eine afrikanische Buntbarschart, in einem Gewächshaus gemeinsam produziert. Tomaten und Buntbarsche passen deshalb so gut zusammen, weil beide hohe sommerliche Temperaturen mögen.

Das Prinzip der Aquaponik ist nicht neu und in den Grundzügen simpel. Das Fischabwasser düngt die Pflanzen, die durch ihre Nährstoffaufnahme parallel die Wasserqualität verbessern. Die Aquaponiksysteme unterscheiden sich jedoch stark in ihrer technischen Reife, Ausstattung und Effizienz.

Die Produktion kann an jedem beliebigen Standort betrieben werden, an dem es Platz für ein größeres Gewächshaus gibt. Das ermöglicht eine kundennahe Versorgung mit frischem Fisch und erntefrischen Tomaten und passt gut zum Trend des Urban Farming.

Aquaponik-Anlage

Quelle: GenomXpressScholae

Aquifer

Gesteinskörper, der geeignet ist, Grundwasser aufzunehmen, weiterzuleiten und abzugeben. Voraussetzungen hierfür sind ausreichende Porosität und Permeabilität des Gesteins. Aquifere werden auch als Grundwasserleiter bezeichnet

Aralsee-Syndrom

Das Aralsee-Syndrom steht für Bodendegradationen, die bei großmaßstäbigen Wasserbau- und Landwirtschaftsprojekten durch zentralistische Planung und Großtechnik entstehen. Bei derartigen Projekten werden die ökologischen Potentiale der Region mißachtet und dadurch die Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen zerstört. Der Begriff ist Teil einer Klassifikation von Syndromen der Bodendegradation.
Der Aralsee war einmal der viertgrößte Süßwassersee der Erde, abflußlos, gespeist durch zwei Flüsse (Syr Darya, Amu Darya), in einer Region mit wüstenähnlichem Klima. In einer ehemals fruchtbaren, wald- und artenreichen Region wurde Fischfang und Landwirtschaft betrieben. Seit 30 Jahren werden die Zuläufe des Aralsees angezapft (2/3 des Wassers wurden bisher abgeleitet, nur noch etwa 10 % erreichen den See) und dem Kara Kum-Bewässerungskanal zugeführt (Länge 1.300 km). Der Wasserspiegel sank um 16,5 m, die Fläche ging um 45 % zurück, der Salzgehalt stieg an. Die umliegenden, landwirtschaftlich genutzten Flächen sind durch hohe Pestizid- und Düngemittelgaben verseucht und versalzen.
Andere dem Syndrom zuzuordnende Problemkomplexe sind große Staudammprojekte bzw. Eindeichungen, die Bodendegradationen aufgrund der Eingriffe in den Wasserhaushalt bzw. der Ausdehnung der Bewässerungslandschaft zur Folge haben. Regionen mit solchen Problemen sind China (50 % der großen Staudämme der Welt), Indien, Indonesien, die Arabischen Emirate, Libyen und Nordostbrasilien.

Bekannte Großprojekte sind:

Merkmale und Auswirkungen des Syndroms:

Arbeiterbauer

Bezeichnung für einen Landwirt, der nur (noch) einen kleineren Teil seiner erwerbsmäßigen Tätigkeit in der Landwirtschaft zubrachte, bzw. dessen landwirtschaftliche Arbeit zu einem grossen Teil von Familienangehörigen verrichtet wurde. Sein Hauptberuf lag im sekundären Sektor. Die Arbeiterbauernschicht bestand von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts und war ein bestimmendes Element der Sozialstruktur zahlreicher Dörfer besonders in Baden, Württemberg, dem Saarland (dort auch als Bergmannsbauer), in Oberschlesien und kleineren Regionen des Rheinlandes, Bayerns und Mittel- und Norddeutschlands.

Arbeitskräfte

Die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft setzen sich aus Familienarbeitskräften (nicht entlohnt und entlohnt) und familienfremden (Lohn-)Arbeitskräften zusammen, die regelmäßig oder auch nicht regelmäßig im Betrieb arbeiten und mindestens 15 Jahre alt sind.
Die Umrechnung auf Arbeitskraft-Einheiten (AK) wird in der allgemeinen (deutschen) Statistik anhand der im Betrieb tatsächlich geleisteten Arbeitswochen und der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitsstunden vorgenommen, wobei Daten für einen Berichtszeitraum von vier Wochen - i.d.R. der Monat April - erhoben werden.
Der Anteil der in der Land-, Forstwirtschaft und Fischerei erwerbstätigen Personen an der gesamten Erwerbsbevölkerung ist im früheren Bundesgebiet seit Jahrzehnten rückläufig. In Gesamtdeutschland sind von 1991 bis 1997 rd. 550.000 Personen (-29 %) überwiegend wiedervereinigungsbedingt aus der Landwirtschaft ausgeschieden. 1997 waren rd. 1,33 Mio. Personen haupt- oder nebenberuflich in landwirtschaftlichen Betrieben tätig.

Während im früheren Bundesgebiet hauptsächlich Familienarbeitskräfte - und diese meist nur mit einem Teil ihrer gesamten Arbeitszeit - in der Landwirtschaft tätig sind, werden in den neuen Ländern überwiegend familienfremde Arbeitskräfte hauptberuflich in der Landwirtschaft beschäftigt.

Anteil der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Fischerei an der gesamten deutschen Erwerbsbevölkerung
1950 1960 1970 1980 1995 2005
25 % 14 % 9 % 5 % 2,8 % 1,7 %

Quelle: Deutscher Bauernverband

Von den 1,021 Millionen Arbeitskräften in der deutschen Landwirtschaft waren nach zuletzt für 2013 verfügbaren Angaben rund 505.600 Familienarbeitskräfte (50 Prozent aller Arbeitskräfte). Hinzu kommen 200.700 ständig angestellte Arbeitskräfte und rund 314.300 Saisonarbeitskräfte.

Arbeitskräftebesatz

Der durchschnittliche Bestand an Vollarbeitskräften bezogen auf die landwirt­schaftliche Nutzfläche (LN), bzw. die landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF), ergibt den Arbeitskräftebesatz, der in der Regel in Arbeitskrafteinheiten je 100 ha LN bzw. LF ausgedrückt wird.

Arbeitskraft-Einheit

Bei statistischen Erhebungen und betriebswirtschaftlichen Berechnungen werden die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft vielfach zur besseren Vergleichbarkeit auf Arbeitskraft-Einheiten (AK) umgerechnet. Diese gelten als Maßstab der Beschäftigung im Agrarsektor. Dabei wird die Arbeitsleistung einer mit betrieblichen Arbeiten vollbeschäftigten Arbeitskraft im Alter von 16 bis unter 65 Jahren mit 1,0 AK, im Alter von 15 Jahren mit 0,5 AK und im Alter ab 65 Jahren mit maximal 0,3 AK bewertet. Der Betriebsinhaber selbst und die 65 Jahre und älteren ständig familienfremden Arbeitskräfte erhalten keinen altersabhängigen Abzug. Teilbeschäftigungen im Betrieb werden mit den entsprechenden Bruchwerten berücksichtigt. 1 AK je Person kann im Betrieb nicht überschritten werden.

Arbeitsteilung

Der Begriff beschreibt die Spezialisierung in landwirtschaftlichen Betrieben und die Spezialisierung auf bestimmte Tätigkeiten. Aus den früheren Gemischtbetrieben mit vielen Kulturpflanzen und Nutztierarten haben sich immer mehr Spezialbetriebe entwickelt, z.B. Milchvieh- oder Schweinemastbetriebe, die auch spezifische Arbeiten erfordern. Dennoch haben in den Familienbetrieben der Betriebsleiter und seine Frau viele Funktionen wahrzunehmen: vom Gerätefahren bis zu Mechanikeraufgaben, von kaufmännischen Tätigkeiten bis zur Tierpflege, vom Biologen bis zum Meteorologen. Die Arbeitsteilung hat zu einer deutlichen Steigerung der Arbeitsproduktivität auf den Höfen geführt, dementsprechend sind auch alle Investitionen darauf ausgerichtet.

Arborizid

Biozid zur Bekämpfung von Gehölzen.

Archäophyten

Alteinwanderer-Pflanzenarten, die seit dem Neolithikum bis zum Jahr 1500 (z. T. wird das Jahr 1492 – Entdeckung Amerikas – zur Abgrenzung genutzt) in eine geographisch definierte Region eingeschleppt oder eingeführt wurden (z.B. im Zuge des Ackerbaus).

Arhrour-Brunnen

In Nordafrika verbreiteter traditioneller Zugbrunnen. Über dem Brunnenschacht ist in einem gekreuzten Balkensystem eine Rolle angebracht, über die ein Ledereimer in die Tiefe gelassen wird. Ein zweites Seil, das über eine am Brunnenrand installierte Rolle läuft, ist so in der Länge gebunden, daß er beim Fördern des Ledereimers dessen unteres, ebenfalls offenes Ende abknickt. Erreicht der Eimer diese Rolle, so ändert sich die vertikale in die horizontale Zugrichtung, was die Öffnung des Behälters bewirkt. Das Wasser ergießt sich in ein kleines Bassin und gelangt über kleine Kanäle auf die zu bewässernden Beete.

(s. a. Bewässerung, Bewässerungswirtschaft)

Arrondierung

Zusammenlegung von Grundbesitz. Arrondierung kann auf privater Basis oder im Rahmen eines amtlich durchgeführten Flurbereinigungsverfahrens erfolgen. Eine Total-Arrondierung bedeutet, daß alle früher verstreut gelegenen Grundstücke eines landwirtschaftlichen Betriebes zu einer Einheit zusammengefaßt werden. Eine Aussiedlung ist dabei nicht zwingend erforderlich.

(s. a. Flurbereinigung)

Artenrückgang

Prozess des unwiederbringlichen Verlustes einzelner Arten von Organismen vor allem durch menschliches Wirken.

Die Schätzungen der globalen Artenzahl reichen von 5 bis über 50 Millionen, wobei erst 1,7 Mio. Arten beschrieben sind. Die Schätzungen des Artenverlustes innerhalb der nächsten 50 Jahre (vom Beginn der 90er Jahre an) liegen je nach angewandter Methode zwischen 10 und 50 % der Gesamtartenzahl. Daraus errechnet sich eine Spannweite des Artenverlustes zwischen 3 - 130 Arten pro Tag, welches gegenüber der natürlichen Hintergrundrate eine Beschleunigung um den Faktor 1.000 bis 10.000 bedeutet. Diese Größenordnung ist nur mit dem Artensterben am Ende der Kreidezeit vor 65 Mio. Jahren vergleichbar.

Auch auf der Ebene der Populationen und Gene schwindet die Artenvielfalt (Biodiversität). Dieser Trend betrifft nicht nur Wildarten, sondern auch die in Land- und Forstwirtschaft genutzten Arten. Problematisch ist die Verdrängung der ursprünglichen Vielzahl traditionell angebauter Sorten durch wenige Hochleistungssorten ("Generosion"). Weltweit liefern heute rd. 30 Pflanzenarten etwa 90 % der aus Pflanzen gewonnenen Nahrungsenergie, die drei wichtigsten (Weizen, Reis, Mais) allein über 50 %. In Mitteleuropa sind von 1903 bis 1983 insgesamt 97 Prozent der damals bekannten Gemüsesorten nicht mehr im Angebot und vermutlich verlorengegangen. Von den 7.098 im 19. Jahrhundert gehandelten Sorten sind 6.121 (86 %) verschwunden. Von den ca. 10.000 Weizensorten, die 1949 in China angebaut wurden, sind noch rd. 1.000 in Kultur. In Mexiko sind von fast 2.000 Maissorten, die 1930 genutzt wurden, heute noch 20 % im Anbau.

Dem Verzicht auf bestimmte Kulturpflanzenarten (z.B. Lein und verschiedene Leguminosen) folgte das Verschwinden der entsprechenden Ackerbegleitflora und -fauna. Mit der Vergrößerung der Schläge und dem gleichzeitigen Umbruch der Ackerrandstreifen verloren viele Nützlingsarten ihre Lebensräume.

Artenschutz

Darunter versteht man den durch verschiedene, v.a. behördliche Maßnahmen angestrebten Schutz von seltenen und vom Aussterben bedrohten Tier- und Pfanzenarten in der freien Natur, aber auch die Sicherung des Gesamtbestandes an wildlebenden Organismen. Da viele freilebende Arten nur in einer artgerechten, vielfältig strukturierten Umwelt leben können, muß es das Ziel sein, funktionsfähige Ökosysteme und eine hohe Artenvielfalt durch Sicherung genügend großer Biotope mit einem arttypisch gesteuerten Genpotential zu gewährleisten und ggf. auch die Wiederansiedlung einzelner lokal ausgestorbener Arten in Betracht zu ziehen. Artenschutz hilft so die Evolution der Arten sichern. (s. a. Agrargeschichte, Biodiversität, Artenrückgang)

Artenvielfalt

Teilaspekt der biologischen Vielfalt (Biodiversität). Unter Biodiversität versteht man außerdem die genetische Vielfalt innerhalb und zwischen Arten sowie die Vielfalt der Ökosysteme und Landschaftsregionen. Ferner zählt hierzu auch die Vielfalt an Funktionen, die Arten innerhalb der Ökosysteme füreinander erfüllen und über die sie in Wechselwirkung stehen.

Die heutige biologische Vielfalt hat sich allmählich im Laufe der Erdgeschichte entwickelt. Sie hat zu artenreichen und hochkomplexen Ökosystemen auf dem Festland und in den Weltmeeren geführt. Sterben Arten aus, gibt es Verschiebungen oder auch Ausfälle in den Funktionen innerhalb des jeweiligen Systems. Vielfach ist es nicht möglich, für eine bestimmte Art vorherzusehen, ob ihr Verschwinden große oder kleine Veränderungen bewirken würde. Ein möglichst umfassender Schutz der gesamten Artenvielfalt ist daher ein Gebot im Sinne einer Vorsorgemaßnahme für die intakte und lebenswerte Umwelt. Er ist zugleich eine Verpflichtung gegenüber unseren eigenen Nachfolgegenerationen.

Umgangssprachlich versteht man unter Artenvielfalt meist vereinfacht die Gesamtzahl an Arten, die in einem Gebiet vorkommen. Doch auch die relative Zahl ist von Bedeutung und wird mathematisch erfasst: Wenn in einer Region gerade eine Art außerordentlich häufig ist, die Mehrzahl der übrigen Arten aber nur noch vereinzelt vorkommen, bezeichnet man die Artenvielfalt als kleiner, als wenn alle Arten in etwa gleicher Häufigkeit auftreten. Artenvielfalt ist demzufolge eine statistische Größe, die sich aus der Informationstheorie ableitet und die relative Häufigkeit der Arten berücksichtigt, also die Wahrscheinlichkeit des Antreffens einer bestimmten Art.
(s. a. Agrargeschichte, Biodiversität, Artenrückgang)

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Arzneipflanzen

Pflanzen, die in einem oder mehreren ihrer Organe Substanzen enthalten, die für therapeutische Zwecke verwendet werden oder die Vorstufen für pharmazeutisch-chemische Halbsynthesen darstellen.

Assimilation

Fähigkeit der Grünpflanze, mit Hilfe der Sonnenenergie aus energiearmen anorganischen Verbindungen (Kohlendioxid und Wasser) energiereiche organische Verbindungen aufzubauen (Photosynthese); dabei erfolgt die Bildung von Eiweiß, Fett, Stärke, Zellulose u.a.

Assoziierung

Auf vertraglicher Basis beruhendes Abkommen, das Drittländern das Recht einräumt, sich an einer Handels-, Zoll- oder Wirtschaftsunion zu beteiligen, ohne selbst (Voll-)Mitglied zu sein. Derartige Verträge bestehen von Seiten der EU mit der Türkei, Zypern, Malta, den 69 AKP-Staaten, Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakischen Republik, Ungarn, Bulgarien, und Rumänien (Agrarsektor hierbei weitgehend ausgeklammert). Kooperationsverträge bestehen ferner mit den Maghreb-Ländern (Algerien, Tunesien, Marokko), den Mashrek-Ländern (Ägypten, Jordanien, Syrien, Libanon) und Israel.

Asten

Im Zusammenhang mit der Almwirtschaft genutzte, tiefer als die Almen gelegene Flächen, auf die das Vieh zur Vor- und Nachweide aufgetrieben wird. Auf diesen Flächen wird zusätzlich Heu gewonnen, meistens auch dort verfüttert oder zum Heimbetrieb geliefert. Aus Arbeitsmangel kann die Beweidung auch während des Sommers erfolgen und dadurch die Mahd entfallen.

atmosphärische Deposition

Die Ablagerung von natürlichen und anthropogenen Stoffen aus der Atmosphäre auf die Erdoberfläche. Auf dem Wege von ihrer Quelle bis zur Deposition können Stoffe unter dem Einfluß von UV-Strahlung chemisch umgewandelt werden. Werden die Stoffe mit den Niederschlägen (Regen, Schnee, Nebel, Tau) gelöst oder partikulär ausgewaschen, spricht man von nasser Deposition. Die direkte Ablagerung von Stäuben und die Adsorption von gasförmigen Substanzen bezeichnet man als trockene Deposition. Von großem Interesse sind naturgemäß Luftschadstoffe. Die wichtigsten sind CO, SO2, NOx, Kohlenwasserstoffe, Staub, Fluor.
Im Hinblick auf die Auswirkung auf den Boden kommt den Säurebildnern SO2 und NOx besondere Bedeutung  zu; sie werden beim Transport in der Atmosphäre oxidiert und in Säuren umgewandelt, senken den pH-Wert der Niederschläge (saurer Regen) und bringen beträchtliche Mengen Protonen in die Ökosysteme ein.
Neben den erwähnten Schadstoffen belastet zunehmend Ammoniak die Atmosphäre, welcher größtenteils aus der Landwirtschaft stammt. In der Atmosphäre wird NH3 zu (NH4)2SO4 umgesetzt, was zur Neutralisation der Niederschläge führen kann. Die im Boden einsetzende Nitrifikation bewirkt jedoch einen Versauerungsschub.

Die Belastung des Bodens durch atmosphärische Depositionen wirkt sich an Waldstandorten, in Naturwiesen und Mooren bedeutend stärker aus als auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. In der Landwirtschaft können die Folgen der atmosphärischen Deposition durch gezielte Düngung gedämpft werden.

(s. a. Umweltwirkungen)

Atrazin

Atrazin ist ein Vertreter der 1,3,5-Triazine, chemische Summenformel C8H14CIN5. Die Atrazin-enthaltenden Handelsprodukte wurden (bzw. werden im Ausland noch) als Herbizide verwendet (Handelsnamen z.B. Gesaprim, Primatol A). Atrazin kommt nicht natürlicherweise vor.

Da Atrazin und sein Hauptabbauprodukt Desethylatrazin auch ins Grundwasser gelangen und damit dann auch im Trinkwasser nachgewiesen werden können, ist die Anwendung von Atrazin seit 1. März 1991 in Deutschlandund seit 1995 in Österreich verboten. Es ist jedoch trotzdem noch immer in der Umwelt weit verbreitet; nach dem Elbhochwasser 2002 beispielsweise wurde es ausgeschwemmt und konnte später vor Helgoland vermehrt nachgewiesen werden, so in Miesmuscheln und den Lebern von Flundern.

Atrazin war und ist weltweit noch eines der am meisten verwendeten Herbizide, wobei es v.a. als selektives Bodenherbizid im Maisbau verwendet wird.

Aue

Oft auch Flussaue; einem Fließgewässer benachbarter Bereich, der unter natürlichen Umständen bei Hochwasser überflutet wird. Die Aue erfüllt somit die Funktion eines erweiterten Gerinnebettes bei Hochwasser. Auen sind i.d.R. schwach reliefiert, aber mit typischen Oberflächenformen ausgestattet, die durch fluviale Sedimentation und fluviale Erosion (Wechsel zwischen niederer und hoher Wasserführung) geschaffen werden. Man findet in der Flussaue fluviale Sedimente, wie Sande und Kiese, aber vorwiegend Auenlehme, die zur Bildung der typischen Auenböden wie Vega oder Tschernitza geführt haben. Viele Flussauen der Nordhalbkugel sind Produkte des Holozäns und wurden durch die Schmelzwasser der vergangenen Kaltzeiten (des aktuellen Eiszeitalters) aus der Niederterrasse herauspräpariert. Auen stehen als Teil der Flusslandschaft in permanentem Austausch mit dem Fluss selbst und seinem Einzugsgebiet.

Durch den Wechsel von Überflutung und Trockenfallen sind Auen sehr dynamische Lebensräume mit unterschiedlichsten Standortbedingungen, die mosaikartig untereinander verzahnt sind. Auenökosysteme beherbergen eine große Vielfalt von Pflanzen und Tieren auf engstem Raum.

Die Zusammensetzung der natürlichen Auenvegetation hängt von der Beschaffenheit des betreffenden Flussabschnittes ab (Flusstyp, Auenböden, geologischer Untergrund). Unter natürlichen Bedingungen wäre für Mitteleuropa eine feuchtigkeitstolerante Auenwald- und Sumpfvegetation charakteristisch mit einer typischen Standortdifferenzierung in die flussnahe, gehölzfreie Aue und Weichholzaue, sowie die flussferne Hartholzaue.

Die natürliche Auenwaldvegetation wurde bereits in vorgeschichtlicher Zeit vom Menschen verändert bzw. entfernt. Auen wurden besonders in den vergangenen Jahrhunderten stark verändert und der menschlichen Nutzung angepasst. Die Flussaue ist heute ein außerordentlich wichtiger und vielfältig genutzter Raum für den Menschen und seine Tätigkeiten. Daher erklärt sich auch die Häufigkeit von alten Ortsnamen mit Wortendung auf -au. Die Flussaue gilt als guter Siedlungsraum, da er eben und dadurch für die Erschließung und Bebauung besonders gut geeignet ist. Nach der Rodung des Auwaldes wurde die Aue meist nur als Weide genutzt, da der Boden für die ackerbauliche Nutzung zu feucht war.

Die modernen Nutzungsansprüche haben die Auenlandschaften durch Anforderungen wie Hochwasserschutz, Schiffbarkeit, öffentliche und private Wasserentnahme, landwirtschaftliche Nutzung, Bedarf an Siedlungsflächen, Verkehrswegebau und Wasserkraftnutzung noch einmal stark überprägt. Daraus resultieren kulturwasserbauliche Maßnahmen linienhaften Charakters (Flussbegradigungen, -verlegungen, Bau von Deichen, Dämmen, Kanälen, Staustufen, Wehren, Flussbettbetonierungen, -verrohrungen, Sohlenpflasterungen, Hochwasserrückhaltebecken) sowie großflächige Eingriffe aufgrund der landwirtschaftlichen Intensivierung (Entwässerung, Flurbereinigung, Eindeichung). Aufgrund dieser umfangreichen Veränderungen können auch die verbliebenen Auenwaldrelikte, Feuchtgebiete und unbefestigten Flussabschnitte heute allenfalls als naturnah, aber nicht als natürlich gelten. Die Folgen stehen in Abhängigkeit zu den durchgeführten Eingriffen und können sich z.T. summieren. So wird z.B. durch Bodenversiegelung im Einzugsgebiet via Kanalisation der Zwischenspeicher Boden umgangen und in kurzer Zeit anfallende hohe Niederschlagsmengen werden direkt in die Flüsse geleitet. Diese unnatürliche Erhöhung der Abflussmenge führt auf Dauer zur Tiefenerosion im eigenen Gerinnebett, wobei auch der mit dem Flusswasserspiegel korrespondierende Grundwasserspiegel abgesenkt wird. Begradigungen verlagern das Hochwasserproblem in flussabwärts liegende unbefestigte Flussabschnitte, fehlende Überflutungsflächen verschärfen die Hochwassersituation. Ferner kann der Nährstoffeintrag aus flussnahen landwirtschaftlichen Flächen zur Eutrophierung der Aue beitragen. In strömungsarmen und im Sommer unbeschatteten Gewässern tritt Sauerstoffverarmung ein. Die bauliche Trennung bzw. Entfernung der Lebensräume Gewässer, Ufer und Aue bedingen einen Rückgang der Artenvielfalt bei Pflanzen- und Tiergemeinschaften. Zwar prägt weiterhin das bautechnische Ingenieurswesen die Konzepte zum Hochwasserschutz, jedoch werden künstlich festgelegte Flussläufe weder den heutigen Anforderungen der Hochwassersicherheit noch den Zielvorstellungen des Naturschutzes gerecht. Unter dem Schlagwort "Renaturierung" entwickelt sich derzeit ein neues Leitbild einer naturnäheren Gewässermorphologie, das weg von der Konservierung eines statischen Zustandes der Aue, deren Veränderlichkeit akzeptiert und verstärkt die Eigenentwicklung der Gewässer zulässt.

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Auffrieren

Das Auffrieren des Bodens ist ein mit Volumenzunahme verbundenes Gefrieren von wasserhaltigem Boden. Der Boden friert um so stärker auf, je wasserhaltiger er ist. Die damit verbundenen Bewegungen vermögen die Pflanzenwurzeln zu zerreißen. Als positiver Effekt bewirkt die mit dem Auffrieren verbundene Frostsprengung eine die Gefügebildung fördernde Zerkleinerung von Bodenklumpen (Frostgare).

Auflaufen

In der Landwirtschaft das Keimen der Kulturpflanzen, z.B. bei Getreide, wenn die jungen Pflanzen mit ihren ersten Blättern sichtbar sind.

Aufstockung

1. Die Vergrößerung kleiner landwirtschaftlicher Betriebe durch Zukauf oder Pacht, um ihre Existenzfähigkeit zu sichern. Diese äußere Aufstockung wird meist mit Flächen auslaufender Betriebe vorgenommen, die unterhalb der Aufstockungsschwelle liegen. Die Aufstockungsschwelle ist eine Betriebsgröße, die für den Bewirtschafter eine gerade noch ausreichende Existenz darstellt. Ohne Aufstockung wären sie gezwungen, künftig einen außeragrarischen Zuerwerb zu suchen.

2. Innerbetriebliche oder innere Aufstockung beispielsweise durch den Übergang zu einer intensiveren Bodennutzung und/oder durch eine Ausweitung der Tierhaltung, meist verbunden mit dem Einsatz zugekaufter Futtermittel. Ziel ist es ebenfalls, die Rentabilität zu verbessern.

Auftragsboden

Anthropogener Boden, der durch Aufbringen von organischem oder mineralischem Material in ihren Eigenschaften verbessert wurde, und bei dem das aufgetragene Material im Wesentlichen an der Oberfläche verblieben ist.

(s. a. Plaggenesch, Kultosol)

Aujeszkysche Krankheit

Auch Pseudowut; eine anzeigepflichtige Tierseuche, die durch ein Virus der Herpes-Gruppe verursacht wird. Neben Schweinen als den Haupträgern des Virus erkranken Ratten, Hunde, Katzen, Rinder, Schafe, Ziegen, Nerze und Füchse. Menschen scheinen auf natürlichem Infektionsweg nicht gefährdet.

Ausbeutungswirtschaft

Charakterisierende Bezeichnung für frühe Formen des Ackerbaus, bei denen Aspekte der Bodenfruchtbarkeit unberücksichtigt blieben.

Ausfuhrerstattung

Ausgleich der Differenz zwischen dem hohen EU-Verkaufspreis für Agrarerzeugnisse und dem niedrigeren Weltmarktpreis, der den Landwirten beim Export in Drittstaaten gewährt wird. Ausfuhrerstattungen sind variable Subventionen, die den Bauern einerseits Mindestpreise garantieren, es andererseits ermöglichen, Agrarüberschüsse der Europäische Union auf dem Weltmarkt abzusetzen. Insofern stellen Exporterstattungen Beseitigungskosten für Überschüsse dar.

Ausfuhrerstattungen sind das Gegenstück zu Abschöpfungen bei der Einfuhr von Agrarprodukten in die EU.

Ausgangsgestein

Mineralisches (anorganisches) Ausgangsmaterial der Bodenbildung (syn. "Muttergestein"), von dem sich die festen anorganischen Bodenbestandteile ableiten.

Ausgedinghaus

Wohngebäude einer Hofanlage, das dem Altenteiler im Rahmen eines Hofüberlassungsvertrags auf Lebenszeit zur Verfügung steht.

ausgeräumte Landschaft

Kulturlandschaft, in der gliedernde, ökologisch und hinsichtlich ihrer Wohlfahrtswirkungen wichtige Strukturelemente zum Zwecke einer intensiveren Landnutzung völlig vernichtet (ausgeräumt) sind oder in einen unnatürlichen Zustand versetzt wurden. Die Eingriffe erfolgen durch konventionelle, z.T. industriemäßig betriebene Landwirtschaft, Meliorationen, Verkehrswege- und sonstigen Infrastrukturbau sowie Flurbereinigungen. Betroffen von der Ausräumung sind folgende Landschaftselemente:

Der Verlust an Kleinstrukturiertheit und unterschiedlichen Lebensräumen führt zu einem Rückgang an Biodiversität und gewöhnlich zu einem Attraktivitätsverlust, der besonders in Ebenen markant ist.
(s. a. Umweltwirkungen)

Ausgleichszahlung

Im Gefolge der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik an die Landwirte erfolgende Zahlungen als Ausgleich für Einkommenverluste im Gefolge der Senkung der Stützungspreise (z.B. Interventionspreis) bzw. wegen besonderer Belastungen der Landwirtschaft. Bei pflanzlichen Produkten können Ausgleichszahlungen für die gesamte mit Getreide, Ölsaaten, Eiweißpflanzen und Öllein bestellte Fläche oder Teile davon beantragt werden. Bei tierischen Produkten werden solche Preisausgleichszahlungen in Form von (erhöhten) Rinderprämien geleistet. Daneben können für stillgelegte Flächen unter Beachtung bestimmter Auflagen Flächenstillegungsprämien beantragt werden. Mit der Ausgleichszulage in benachteiligten Gebieten (Berggebiete, benachteiligte Agrarzonen) und der Förderung umweltgerechter landwirtschaftlicher Produktionsverfahren bestehen noch zwei weitere Typen von Ausgleichszahlungen.

Ausgleichszulage

Die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete ist eine Subvention landwirtschaftlicher Unternehmer in benachteiligten Gebieten zur Sicherung der landwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit und zum Ausgleich ständiger natürlicher und wirtschaftlicher Nachteile. In Deutschland gelten 50,6 %, in Österreich 68,6 % der LF als benachteiligte Gebiete.

Benachteiligte Gebiete sind Grenzertragsstandorte, auf denen aufgrund von erschwerten natürlichen Produktionsbedingungen die Tendenz zur Aufgabe der Landwirtschaft höher ist als in nicht benachteiligten Gebieten. Die erschwerten Produktionsbedingungen werden durch Höhenlage, Hangneigung, klimatische Voraussetzungen, Erreichbarkeit, aber auch durch eine geringe Bodenqualität verursacht. Neben den schlechten Produktionsbedingungen sind die benachteiligten Gebiete auch durch eine geringe Bevölkerungsdichte gekennzeichnet.

In Deutschland werden 50 % der landwirtschaftlichen Nutzflächen als benachteilige Gebiete ausgewiesen. Genauere Abgrenzungskriterien regelt die Richtlinie (EWG) 465/1986 der EU.

Ziel der Förderung ist es, in .den abgegrenzten benachteiligten Gebieten (Berggebiete, Benachteiligte Agrarzonen und Kleine Gebiete) die dauerhafte Nutzung landwirtschaftlicher Flächen zu sichern und somit zur Erhaltung der Landschaft sowie zur Erhaltung und Förderung von nachhaltigen Bewirtschaftungsmaßnahmen beizutragen.

In einem Gemeinschaftsverzeichnis sind alle Gemeinden oder Gemeindeteile, welche auf Kommissions- und Ratsbeschluss in das benachteiligte Gebiet aufzunehmen sind, namentlich aufgelistet. Diese Maßnahme wurde aus dem Bergbauernprogramm der EWG entwickelt.

In Baden-Württemberg beispielsweise entfallen knapp zwei Drittel der landwirtschaftlich genutzten Fläche (915.800 ha) auf abgegrenzte benachteiligte Gebiete, die sich insbesondere auf die Mittelgebirgslagen von Schwarzwald, Schwäbischer Alb und Allgäu konzentrieren. Die erschwerten Produktionsbedingungen in diesen Gebieten sind naturbedingt und werden verursacht durch Höhenlage, Hangneigung, klimatische Bedingungen und geringe Bodenqualität. Rund 102.000 ha LF sind den Berggebieten zugeordnet.

Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft

Siehe Europäischer Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL)

Außer-Haus-Markt

Verpflegungsdienstleistung, die außerhalb des eigenen Privathaushalts zubereitet wurde; dabei kann der Ort des Konsums mit dem der Zubereitung identisch sein.

Der Markt ist außerordentlich heterogen und von selbstständigen Unternehmen ohne Markenbindung geprägt. Dazu kommen regionale Besonderheiten und Verzehrgewohnheiten, die häufig eine kleinteilige Betrachtung notwendig machen.

Der Außer-Haus-Markt ist nach dem Lebensmitteleinzelhandel der zweitwichtigste Absatzkanal für die deutsche Ernährungsindustrie.

Der Außer-Haus-Markt umfasst vier Bereiche:

Aussiedlung

Verlegung eines landwirtschaftlichen Betriebes oder nur seines Wirtschaftsteiles (Teilaussiedlung) aus geschlossener, in der Regel beengter Ortslage in die freie Feldmark oder an den Ortsrand. Die neue Hofstelle (Aussiedlerhof) liegt dort auf arrondiertem (zusammengelegtem) Besitz. Zur ökonomischeren Versorgung mit technischer Infrastruktur werden häufig Hofgruppen gebildet. Zwischen 1956 und 1965 wurden in der damaligen Bundesrepublik über 16.000 Aussiedlungen staatlicherseits gefördert, viele davon in Verbindung mit einer Aufstockung des Betriebes. Die Aussiedlung zählt zu den klassischen Maßnahmen zur Verbesserung der Agrarstruktur und erfolgt gewöhnlich im Rahmen der Flurbereinigung.

Kritik zielte auf die Zersiedlungswirkung, die unzeitgemäße soziale Isolation der Aussiedlerfamilien und die hohe finanzielle Förderung einzelner Familien.

Austauscher

Tonminerale, Huminstoffe und pedogene Oxide und Hydroxide sind in der Lage, sogenannte "Nährionen", vor allem Kationen, reversibel zu binden (in den meisten Böden überwiegen Ionen mit negativer Ladung). Da diese Form der Bindung (Sorption) nur locker ist, sind die Kationen leicht verwertbar. Mineralische "Nährstoffe" werden somit sorptiv gespeichert. Die Menge der austauschbaren Kationen und Anionen wird in mval (Millival) pro 100 g trockenem Boden angegeben. Der Austausch erfolgt gegen H+ und HCO3 der Pflanzenwurzel über die freie Bodenlösung oder bei unmittelbarem Kontakt von Zellwandoberflächen und Austauscher in der Zone des gebundenen Wassers.

Auswaschung des Bodens

Erscheinung der humiden Klimate. Sie wird veranlasst durch die Schwerkraft, erfasst wasserlösliche oder im Wasser suspendierte Stoffe, und geschieht mit dem durch das Bodenprofil perkolierenden Sickerwasser. Die Auswaschung ist abhängig von Niederschlag, Infiltration, Wasserleitfähigkeit und von der Löslichkeit der Stoffe, sie schließt z. B. an Prozesse der Verwitterung, Bodenversauerung und Mineralisierung an, ist Voraussetzung für die Prozesse der Entkalkung, Tonverlagerung, Podsolierung, Desilifizierung und Entsalzung. Die Auswaschung betrifft z.T. nur einzelne Horizonte, z.T. das gesamte Bodenprofil.

Bei landwirtschaftlicher Nutzung bezieht sich der Begriff auch auf das Versickern oder Abfließen von Pflanzennährstoffen oder Pflanzenschutzmitteln aus den Bodenschichten, die Pflanzen zur Verfügung stehen, in das Grundwasser oder in offene Gewässer. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen ist die Auswaschungsgefahr in der landwirtschaftlichen Praxis auf ein Minimum zu reduzieren.

Autobahnbauer

Siehe Neueinrichter

Avizid

Biozid gegen Schadvögel (z.B. Webervögel in Afrika).