Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

N

Nachbau

1. Der Anbau von Kulturpflanzen in der Fruchtfolge im Anschluss an agrartechnische oder chemische Maßnahmen.

2. Der Anbau von Saat- oder Pflanzgut aus betriebseigener Vermehrung von zertifizierten Sorten.

Während es in der Vergangenheit gestattet war, kostenfrei nachzubauen, ist dem Züchter (Sortenschutzinhaber) mit einer Novellierung des deutschen Sortenschutzgesetzes ab der Herbstaussaat 1997 die Möglichkeit eingeräumt, vom Landwirt Nachbaugebühren zu verlangen, die auf der Basis von Vereinbarungen zwischen den Wirtschaftsverbänden der Züchter und Landwirte erhoben werden können. Kleinerzeuger (Landwirte mit < 16 ha Getreide- und/oder < 5 ha Kartoffelanbaufläche) müssen keine Gebühren bezahlen. Die Regelung soll die steigenden Aufwendungen für Forschung und Entwicklung der vorwiegend mittelständischen deutschen Pflanzenzüchter besser honorieren und deren internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Das Thema „Nachbau von Saatgut“ wird seit Jahren kontrovers diskutiert: Organisationen, welche die Interessen der nicht-industriellen Landwirtschaft vertreten, etwa die ABL, sprechen sich regelmäßig dagegen aus, das Recht der Landwirte auf einen „freien Nachbau“ der von ihnen bereits verwendeten Sorten einzuschränken. Sollte es zu einer großflächigen Freisetzung von gentechnisch veränderten Sorten von Kulturpflanzen wie Raps oder Wintergetreide kommen, dann werde, so sagen auch Vertreter des Deutschen Bauernverbandes, ein eigener Nachbau aus patentrechtlichen Gründen nicht mehr möglich sein, wodurch es zu erheblichen zusätzlichen Belastungen für die Betriebe kommen würde. Nachbau wird nicht nur über Sorten- und Patentschutz durch Gebühren erschwert, sondern auch durch genetische Mechanismen bei Pflanzenzüchtungen der großen Saatgutkonzerne: „Hybridsorten“, die mittels Kreuzung von Inzuchtlinien erzeugt werden, sind nicht samenfest, die gleiche Hybridsorte kann nur durch die erneute Kreuzung der Inzuchtlinien erzeugt werden. Um Sortenschutz und Patentrechte zu umgehen, können „freie“ Sorten verwendet werden: Als „freie Sorten“ oder auch „freies Saatgut“ werden Pflanzensamen und die hieraus wachsenden Pflanzen bezeichnet, die gemäß den Bestrebungen verschiedener Initiativen für jeden Menschen bedingungslos zu jedweder möglichen Nutzung freigegeben sind.

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nachhaltige Entwicklung

Ein von der UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung im Jahre 1987 mit dem sogenannten Brundtland-Bericht "Unsere gemeinsame Zukunft" eingeführter und danach weiterentwickelter Begriff (engl. sustainable development) für eine auf Dauer sich selbst tragende Wirtschaft. Die Wirtschaft sollte so beschaffen sein, daß sie die Bedürfnisse der Gegenwart erfüllt, ohne daß die Möglichkeiten künftiger Generationen, ihre Bedürfnisse nach einer menschenwürdigen Existenz zu befriedigen, beeinträchtigt werden. Dazu gehört u.a. daß die Freisetzung von Stoffen und Energie nicht größer sein darf als es die Tragfähigkeit der Umweltmedien bzw. ihre Assimilationsfähigkeit zulassen. Eine unter dem Umweltaspekt nachhaltige Wirtschaft erhält den natürlichen Kapitalvorrat - eben das Naturvermögen - intakt und macht damit einen Raum zukunftsfähig.

Sustainable development ist ein nicht endgültig gefaßter Begriff, für den es verschiedene Definitionen, Übersetzungen und Interpretationen gibt. Kontrapunktisch gegenüber stehen sich beispielsweise die Auffassung von der Natur als alleinig normativer Instanz und die Deutung, die das Leitbild der "nachhaltigen Entwicklung" primär auf die Systemgesetze der Wirtschaft bezieht und es als tragendes Prinzip zur Rechtfertigung ökonomischer Wachstumsprozesse in Anspruch nimmt.

Durch die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung im Juni 1992 in Rio de Janeiro ist die umfassende politische Zielbestimmung der sustainable development als wegweisende Programmatik für die Bewältigung der gemeinsamen Zukunft der Menschheit für die internationale Völkergemeinschaft verbindlich geworden. Mit diesem Leitbegriff wird kenntlich gemacht, daß ökonomische, soziale und ökologische Entwicklung notwendig als eine innere Einheit zu sehen sind. Die drei Elemente dürfen nicht voneinander abgespalten und gegeneinander ausgespielt werden. Soziale Not kann einem verantwortungslosen Umgang mit den Ressourcen der Natur ebenso Vorschub leisten, wie rücksichtsloses wirtschaftliches Wachstumsdenken oder ein Fortschritt, der gegen grundlegende Bedingungen der Natur verläuft. Als Fortschritt kann nur bezeichnet werden, was von den Bedingungen der Natur mitgetragen wird. Dauerhafte Entwicklung schließt sonach eine umweltgerechte, an der Tragfähigkeit der ökologischen Systeme ausgerichtete Koordination der ökonomischen Prozesse ebenso ein, wie entsprechende soziale Ausgleichsprozesse zwischen den in ihrer Leistungskraft immer weiter divergierenden Volkswirtschaften.

Ein sustainability-Konzept sollte nach einer Studie des Wuppertal-Instituts eine zweifache Verantwortungskomponente beinhalten: Verantwortung für künftige Generationen und Verantwortung für die Dritte Welt. Diese Verantwortung läßt sich in einem doppelten Gleichheitsgrundsatz ausdrücken: 1. Die künftigen Generationen sollen gleiche Rechte auf eine intakte Natur erheben dürfen. 2. Jeder Mensch hat das gleiche Recht, global zugängliche Ressourcen in Anspruch zu nehmen, solange die Umwelt nicht übernutzt wird.
Gefordert ist nach Auffassung des Umweltrates die Einbindung der Zivilisationssysteme in das sie tragende Netzwerk der Natur, und damit die dauerhafte Ausrichtung der sich fortschreitend entwickelnden Ökonomien an der Tragekapazität der ökologischen Systeme. Die hier maßgebliche ethische Kategorie heißt "Gesamtvernetzung" (Retinitätsprinzip, lat. "rete", das Netz). Das Konzept der sustainable development stellt mit seiner auf die innere Einheit der wirtschaftlichen, der sozialen und der ökologischen Entwicklung gerichteten Grundoption die notwendige und konsequente Operationalisierung des Retinitätsprinzips dar.

Soll die Wirtschaft zukunftsfähig sein, muß sie als zirkuläre Ökonomie so ausgelegt werden, daß die Produktionsprozesse von Anfang an in die natürlichen Kreisläufe eingebunden bleiben. Eine nicht umweltverträgliche Form des Wirtschaftens handelt letztlich ihrer eigenen Vernunft zuwider, indem sie das zerstört, wovon sie lebt. Vorrangig geht es also darum, die Umweltfunktionen zu erhalten. Das Naturkapital muß soweit geschont werden, wie es für die dauerhafte Aufrechterhaltung dieser Umweltfunktionen notwendig ist. Der Kapitalstock an natürlichen Ressourcen muß soweit erhalten bleiben, daß das Wohlfahrtsniveau zukünftiger Generationen mindestens dem Wohlfahrtsniveau der gegenwärtigen Generation entsprechen kann.

Daraus ergeben sich folgende Managementregeln der Nachhaltigkeit:

  1. Regeneration: Erneuerbare Naturgüter wie z.B. Holz oder Fischbestände dürfen auf Dauer nur im Rahmen ihrer Regenerationsfähigkeit genutzt werden, andernfalls gingen sie zukünftigen Generationen verloren.
  2. Substitution: Nicht-erneuerbare Naturgüter wie z.B. Mineralien und fossile Energieträger dürfen auf Dauer nur in dem Maße genutzt werden, wie ihre Funktionen durch andere Materialien oder durch andere Energieträger ersetzt werden können.
  3. Anpassungsfähigkeit: Die Freisetzung von Stoffen oder Energie darf auf Dauer nicht größer sein als die Anpassungsfähigkeit der Ökosysteme - z.B. des Klimas, der Böden oder der Wälder.

Eine auf nachhaltige Entwicklung zielende Politik benötigt eine Meßgröße, die das gesamtgesellschaftliche Nutzenniveau abbildet. Die Modifikation des herkömmlichen Konzepts zur Wohlfahrtsmessung in Richtung eines "nachhaltigen Nettoinlandsprodukts" ist nach dem Urteil der Ökonomen allerdings noch nicht praxisreif.

nachhaltige Intensivierung

Im englischen Sprachraum entwickeltes Konzept „Sustainable Intensification“ (Royal Soc. London, 2009), das die Multifunktionalität der Landnutzung nach den Effizienzkriterien der Produktions-, Biodiversitäts-, Wasserschutz- und Klimaschutzfunktion erfüllt. Das übergeordnete Ziel ist die Steigerung der weltweiten Nahrungsmittelproduktion unter Einhaltung von Ökoeffizienzparametern wie z. B. die Minimierung des Flächenverbrauchs, die Vermeidung von indirekten Landnutzungsänderungen (ILUC), die Verhinderung der Eutrophierung von Gewässern, die Reduzierung von Treibhausgasemissionen oder der Bodenschutz, also die Reduzierung des Humusabbaus und der Erosion sowie der Erhalt der Biodiversität. Die nachhaltige Intensivierung ist als Konzept zu verstehen, das wissenschaftsbasiert in einem diskursiven Ansatz unter Beteiligung aller Interessengruppen Kriterien für eine optimierte Landnutzung formuliert und umsetzt. Damit stellt die nachhaltige Intensivierung eine Erweiterung des Konzepts der „differenzierten Landnutzung“ um Ökoeffizienzkriterien dar.

nachhaltige Landbewirtschaftung

Von der Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre" (1994) des Deutschen Bundestages wird folgende Definition für eine künftige, weltweit nachhaltige und damit auch gleichermaßen klima- und umweltverträgliche Landbewirtschaftung empfohlen:

"Eine dauerhaft umweltverträgliche Landbewirtschaftung arbeitet weitgehend in Kreisläufen bei Schonung und dauerhaftem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen (Boden, Wasser, Luft, Artenvielfalt) und der knappen Ressourcen (fossile Energieträger, mineralische Rohstoffe). Voraussetzung hierfür ist die Wiederherstellung der natürlichen ökosystemaren Regelsysteme und Stoffkreisläufe und die Einbindung und Anpassung der Landbewirtschaftungsmethoden in den Naturhaushalt. Der Energiebedarf in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum ist weitgehend mit Hilfe regenerativer Energiequellen zu decken. Ziele der Landbewirtschaftung sind sowohl eine auf die Region ausgerichtete Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Nahrungsmitteln und Rohstoffen als auch gleichermaßen die Schaffung bzw. Wiederherstellung und der Erhalt einer abwechslungsreichen, vielfältig strukturierten, arten- und biotopreichen Kulturlandschaft und die Sicherung und Entwicklung des ländlichen Raumes. Im Sinne einer Kreislaufwirtschaft ist außerdem die möglichst vollständige Rückführung unbedenklicher biogener Abfälle und Reststoffe und deren Verwertung innerhalb der Landwirtschaft anzustreben."

Zielvorgaben für eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft (nach Linckh 1997)

1. Ökologisch ausgerichtete Zielvorgaben für eine schonende und effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen:

2. Ökonomische und soziale Zielvorgaben, die für die Erreichung der ökologischen Zielvorgaben dienlich sein können:

Diese Ziele können einzeln nicht angestrebt werden, ohne andere Ziele zu verletzen. Für Zielkonflikte müssen noch Kompromisse gefunden werden oder auch neue Wege erprobt werden, auf denen durch ökologische, ökonomische und politische Maßnahmen ein Optimum für Land- und Forstwirtschaft, für die Umwelt und für die Gesellschaft als Ganzes erreicht werden kann.

Die zentrale Rolle der Land- und Forstwirtschaft bei allen Überlegungen zur Nachhaltigkeit ist auffallend. Sie erklärt sich zum wenigsten aus deren ökonomischer Rolle als vielmehr aus ihrer Bedeutung für die natürlichen Ressourcen, insbesondere für Wasser und Boden.

nachhaltige Landwirtschaft

Begriff mit einer Vielzahl von Definitionen unterschiedlicher Qualität und Provenienz für Konzepte von zukunftsfähiger Landwirtschaft. Beispielsweise gilt Agrarproduktion dann als nachhaltig, wenn durch sie der Bestand an Ressourcen (Hydrosphäre, Pedosphäre, Atmosphäre, Biosphäre) nach Menge und Qualität nicht verringert wird.

Dem Begriff wird nur dann volle Berechtigung zugeschrieben, wenn alle Gesichtspunkte der Nachhaltigkeit (ökologische, ökonomische und soziale) berücksichtigt sind.

Danach umfasst nachhaltige Landwirtschaft in ganzheitlichem Sinne folgende Komponenten:

Die Messung der Nachhaltigkeit als komplexer Größe bereitet noch Probleme. Es gilt aus einer Vielzahl von Parametern diejenigen herauszufinden, die mit vertretbarem finanziellen und organisatorischen Aufwand geeignete Indikatoren zur Beurteilung einer nachhaltigen Landwirtschaft darstellen.

Dazu können gehören:
Maschineneinsatz, Betriebsgröße, Einsatz von Agrarchemikalien, Nutzungsänderungen, Nährstoffbilanzen, Stoffflüsse, Bodenerosion, Wasserbilanzen, Hecken- und Feldrainstrukturen, Lebensqualität der Landbevölkerung u.a.

Ungelöst ist bislang das Problem der Gewichtung der verschiedenen, z.T. miteinander im Konflikt stehenden Ziele.
Nach Auffassung des Umweltbundesamtes (1998) entspricht der Ökologische Landbau nach den Rahmenrichtlinien der AGÖL am ehesten dem Leitbild einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion.

Den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung im Bereich der Landwirtschaft dienen (auf noch unvollkommene Weise) eine Reihe von Rechtsvorschriften auf europäischer und deutscher Ebene.

Auf globaler Ebene ist vor allem der Landwirtschaftsteil des UN-Aktionsprogramms für nachhaltige Entwicklung Agenda 21 von 1992 zu erwähnen. Die Agenda 21 besitzt allerdings einen nur schwachen völkerrechtlichen Status. Eine internationale Bodenschutzkonvention ist in Erarbeitung.

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nachhaltige Waldwirtschaft

Der Begriff Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Forstwirtschaft geht auf den sächsischen Oberberghauptmann Hanns Carl von Carlowitz zurück, der den Begriff in seinem 1713 erschienen Buch „Sylvicultura oeconomica“ erstmals benutzte, ohne näher auf den Begriff einzugehen. Beschrieben wurde der Begriff dann 1795 vom Forstwissenschaftler Georg Ludwig Hartig - auch wenn er selbst mit diesem Begriff nicht gearbeitet hat. Lange Zeit wurde von „Nachhaltigkeit der Nutzung“ gesprochen, wenn bei der Bewirtschaftung „immer nur so viel Holz entnommen wird, wie nachwachsen kann“.

Heute versteht man unter nachhaltiger Waldwirtschaft weit mehr als die Sicherstellung der Holzmengen. Die Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa (FOREST EUROPE) hat 1993 in der Helsinki-Deklaration eine nachhaltige Waldbewirtschaftung definiert als „die Betreuung und Nutzung von Wäldern und Waldflächen auf eine Weise und in einem Ausmaß, welche deren biologische Vielfalt, Produktivität, Regenerationsfähigkeit und Vitalität erhält und ihre Fähigkeit, gegenwärtig und in Zukunft wichtige ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen, gewährleistet, ohne dass dies zu Schäden an anderen Ökosystemen führt“. FOREST EUROPE hat in diesem Zusammenhang sechs übergreifende Kriterien einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung erarbeitet:

Dies wird aus Sicht des Umweltbundesamtes (UBA) nur durch eine naturnahe, umweltverträgliche und multifunktionale Waldbewirtschaftung ermöglicht.

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Nachhaltigkeit

Dynamischer und trotz oder wegen zahlreicher Definitionsversuche nicht eindeutig fassbarer Begriff, der die umsichtige Verwendung von Gütern um den Fortbestand einer wirtschaftlichen oder ökologischen Einheit beinhaltet.

Bei der Betrachtung von Definitionsansätzen können vielfach Überschneidungen festgestellt werden. Am häufigsten fällt dabei auf, dass:

Zusammengefasst kann Nachhaltigkeit somit als eine Form des ökologischen und ökonomischen Handelns verstanden werden, die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen vergleichbare oder bessere Lebensbedingungen sichern soll, indem das dazu notwendige Element sorgsame Anwendung findet und entsprechend geschützt wird. Im Zentrum der Nachhaltigkeit stehen Umwelt, wirtschaftliche und soziale Aspekte.

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Nachsiedler

(Teil)agrarisch tätige Bevölkerungsgruppe, die nicht mit den vollen Rechten der Bauern ausgestattet waren und meist eine unzureichende Besitzgröße aufwiesen. Beispielsweise waren die seit dem späten Mittelalter in den Anerbengebieten Süddeutschlands auftretenden Seldner und Köbler durch geminderte Allmendrechte benachteiligt. Es war ihnen nur Teilselbstversorgung möglich, der Haupterwerb erwuchs aus Arbeit in bäuerlichen Betrieben, herrschaftlichen oder adligen Gütern, aus Dorfhandwerk oder gewerblicher Betätigung. Die Ländereien lagen zu einem großen Teil in den Fluren ausgegangener Ortschaften.

nachsorgender Umweltschutz

Bezeichnung für Umweltschutzmaßnahmen, die nach der Entstehung von Emissionen im weitesten Sinne (Abluft, Abwasser, Abfälle, usw.) ansetzen.
Eine Alternative ist der produktionsintegrierte Umweltschutz, bei dem durch Wahl der Einsatzstoffe und der Technologie Umweltbelastungen vermieden oder minimiert werden. Für die Landwirtschaft bedeutet dies beispielsweise den Einsatz von Injektoren bei der Gülleausbringung, von Tunnelspritzgeräten bei der Applikation von Pestiziden im Obstbau, die Reduzierung des Pestizid- und Düngemitteleinsatzes u.w.

Nachtfrost

Bei Nachtfrost sinkt die Lufttemperatur in 2 m Höhe infolge nächtlicher Ausstrahlung unter 0 °C. Dieser kann besonders als Spätfrost im Frühling (April/Mai, Eisheilige), sowie Frühfrost im Herbst (September/Oktober) zu Schäden an der Vegetation bzw. bei landwirtschaftlichen Kulturen führen.

nachwachsende Rohstoffe

Nachwachsende Rohstoffe (NR; NaWaRo) sind solche Produkte pflanzlicher Herkunft, die nicht als Nahrungs- und Futtermittel dienen, sondern als Energierohstoffe, Chemierohstoffe und Rohstoffe für technische Zwecke verwendet werden oder verwendet werden können. Auch NR tierischer Herkunft werden häufig dazugerechnet.

Bei der Produktion und der Nutzung von NR verfolgt man in Deutschland das Prinzip, nach dem ihr Anbau nicht zu Lasten der globalen Nahrungsmittelversorgung gehen darf. Daher zählen für das Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) nachhaltige Konzepte: Möglichst viele Bestandteile einer Pflanze verarbeiten, biobasierte Produkte mehrfach und in Kaskaden nutzen, erst danach zur Energiegewinnung einsetzen.

Nachwachsende Rohstoffe haben eine lange Tradition. Die in diesem Jahrhundert zu beobachtende abnehmende Bedeutung war vor allem eine Folge sinkender Ölpreise, großer Fortschritte in der synthetischen Chemie und der Förderung der Nahrungsmittelproduktion.
Chemische Produkte konnten bis vor wenigen Jahren nur aus einigen begrenzt vorhandenen Rohstoffen wie Kohle, Erdöl und Erdgas zu chemischen Produkten verarbeitet und so veredelt werden. Für die Mehrzahl der chemischen Verfahren sind hohe Temperaturen und hohe Drücke nötig. Die dazu nötige Energie wird ebenfalls überwiegend aus fossilen Quellen gewonnen. Im Gegensatz zu solchen chemischen Prozessen werden biochemische Prozesse üblicherweise bei Normaldruck in einem Temperaturbereich von 20 - 50 °C durchgeführt.
Die politische Wiederbelebung von NR hatte ihre Ursache in der Energiekrise, der Agrarkrise (u.a. Überproduktion) und neuerdings betonten Umweltvorteilen dieser Produkte.

Es handelt sich bei den NR nicht nur um eine Weiterführung oder den Wiederanbau bekannter Pflanzen zur Erzeugung von herkömmlichen Rohstoffen, sondern auch um die Entwicklung ganzer Produktlinien (Designer-Pflanzen). Für die Landwirtschaft bedeutet dies, daß sie bei den einzelnen Pflanzen bestimmte Anforderungsprofile der Industrie berücksichtigen muss.
Zu den NR gehören u.a. Holz, Pflanzenfasern, Stärke, Zucker, Öle und, Pflanzen mit hochwertigen Inhaltsstoffen, z.B. Farbstoffe (Waid, Saflor, Wau, Krapp), Gerbstoffe, Stoffe mit Heilwirkung, ätherische Öle sowie diverse tierische Produkte.

Anbaufläche Nachwachsender Rohstoffe in Deutschland 2018
Anbaufläche Nachwachsender Rohstoffe in Deutschland 2018

Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)

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NAFTA

Abk. für North American Free Trade Agreement; ein 1994 rechtskräftig gewordenes Abkommen zwischen Kanada, den USA und Mexiko zur Schaffung einer Freihandelszone in Nord- und Mittelamerika mit ca. 490 Mio. Bewohnern (2018) und einem BIP von 24,8 Bio. US $. Der Agrarhandel zwischen den beteiligten Staaten erfuhr seit 1993 eine bedeutende Ausweitung. Den Wert des gesamten Agrarhandels zwischen den drei Partnern beziffert das US-Agrarministerium (USDA) 2017 auf 85 Mrd. US-$.

Sowohl mit Kanada als auch mit Mexiko ist dieUS-Agrarhandelsbilanz negativ – die USA kaufen also mehr Agrarprodukte in ihren beiden Nachbarländern ein als sie dorthin verkaufen. Von den gesamten US-Agrarexporten 2016 sind 29 Prozent nach Kanada und Mexiko gegangen. Dagegen stammten 40 Prozent der US-Agrarimporte von den beiden Nafta-Ländern. Das Agrarhandelsdefizit der USA mit beiden Ländern beläuft sich 2016 auf zusammen 6 Mrd. US-$.

US-Präsident Trump stellt mit der America-First-Politik die Zukunft der NAFTA in Frage, die er neu verhandeln oder abschaffen will. Im Sommer 2018 wird ein neuer Deal zwischen den USA und Mexiko ausgehandelt. Kanada hat sich bis zum Ablauf der Frist am 30.8.2018 nicht auf die neuen Bedingungen mit den USA einigen können. Eine Einigung zwischen den USA und Kanada kam Ende September 2018 zu Stande, das neue Abkommen wurde am 30.11.2018 unterzeichnet. Die neue NAFTA (United States-Mexico-Canada-Agreement, USMCA) gilt als NAFTA 2.0. Bis zur vollständigen Implementierung der USMCA gilt die bisherige NAFTA weiter. Ende 2019 ist die USMCA noch nicht in das nationale Recht der drei Vertragsparteien umgesetzt worden und die NAFTA gilt weiterhin.

Nährhumus

Die mikrobiell leicht abbaubare organische Substanz im und auf dem Boden, deren Inhaltsstoffe, soweit sie Nährelemente betreffen, durch Mineralisierung der Pflanzenernährung dienen.

(s. a. Dauerhumus, Humus)

Nährstoff

Nährstoffe im weiteren Sinne sind lebensnotwendige Nährsalze für autotrophe Pflanzen und als solche ein Wachstumsfaktor. Jede Kulturpflanze hat eine ererbte Veranlagung, bestimmte Erträge, Nährwerte und Qualitäten zu bilden. Dieses Vermögen kann nur bei günstigem Wirken aller Wachstumsfaktoren voll ausgeschöpft werden. Den Faktor Nährstoff bezieht die Pflanze hauptsächlich aus Bodenvorräten mineralischer und organischer Art sowie aus mineralischen und organischen Düngern. Die Nährstoffe müssen in Ionenform aufgenommen werden, was i.d.R. über die Wurzeln aus der Bodenlösung erfolgt.

Man unterscheidet die Makronährstoffe (Kationen: K+, Ca2+, Mg2+, NH4+, und Anionen: NO3-, PO43-, SO42-) und die Mikronährstoffe (Kationen: Fe2+, Mn2+, Zn2+ , Cu2+ und Anionen: MoO42- , H2BO3-, Cl-). Gemeinsam stellen sie die essentiellen, d.h. lebensnotwendigen Elemente dar. Sie dienen entweder als Bausteine der organischen Substanz oder werden für bestimmte physiologische Prozesse benötigt. Weitere Elemente wie z. B. Natrium (Na), Selen (Se), Kobalt (Co) und Nickel (Ni) sind zumindest für manche Pflanzenarten als Spurenelemente von Bedeutung.

Wenn alle essentiellen Nährstoffe in der benötigten Menge pflanzenverfügbar sind, entwickelt sich die Pflanze normal. Sobald sie jedoch mit einem dieser Element unterversorgt ist, kommt es zu Mangelerscheinungen und Wachstumseinbrüchen. (Gesetz des Minimums)

Fasst man den Begriff noch weiter, so ist auch das Wasser sowie das atmosphärische CO2 dazuzurechnen, aus dem im Prozess der Photosynthese Zucker entsteht, der seinerseits eine der Grundsubstanzen des organischen Lebens darstellt. Mit 0,035 % ist dieses Gas jedoch nicht in optimaler Konzentration in der Luft enthalten. Vergrößert sich der CO2-Anteil am Gasgemisch Luft, so nimmt das Wachstum der meisten Pflanzen zu.
Im engeren Sinn versteht man in der Landwirtschaft unter Nährstoff oft nur die Elemente N und P (bzw. ihre Verbindungen), da sie in den meisten Ökosystemen die wachstumsbegrenzenden Elemente darstellen und da eine Zufuhr zu erhöhtem Pflanzenwachstum führt.

Wichtige Nährstoffe und ihre Rolle im System Boden - Pflanze
Nährstoff Vorrat, Aufnahme und Bedeutung
Stickstoff Wasserlöslich, bewegt sich im Bodenprofil mit dem Sickerwasser (Auswaschungsgefahr). In den Pflanzen wird N zum Aufbau der Aminosäuren und der Proteine benötigt. Bei Mangel vergilben die Pflanzen und stellen ihr Wachstum ein.
Phosphor Am Boden stark gebunden, eine Verlustgefahr besteht nicht, außer durch Erosion und bei extrem hohen Versorgungsstufen (z. B. Südoldenburg). P ist Bestandteil der Zellkernproteine. P-Mangel zeigt sich oft an einer Rotverfärbung der Stengel und Blätter und an mangelndem Wuchs und Blühen.
Kali An den Tonmineralen adsorbiert. Kalkreiche und stark saure Böden sind oft kaliarm, weil Ca2+ und H+ das Kali leicht austauschen. Aride und semiaride Böden enthalten meist viel Kali. Die Pflanze benötigt Kali beim Aufbau der Stützgewebe und der Zellwände und zur Regulierung des Zelldrucks. Bei Mangel zeigen sich braune Blattränder und Nekrosen.
Magnesium An den Bodenteilchen mäßig stark adsorbiert. In stark sauren und kalireichen Böden kann Mangel eintreten. Mg wird im Chlorophyllmolekül eingebaut. Bei Mangel sind die Blätter fleckig aufgehellt.
Silizium Stets im Boden vorhanden, seine Löslichkeit ist schwach. Die Pflanze benötigt es zum Aufbau ihrer Stützgewebe. Ob Mangel ertragslimitierend wirken kann, ist unsicher.
Schwefel Mäßig löslich und im Boden adsorbiert. Aminosäuren, wie Cystin und Cystein, enthalten Schwefel. Kohlarten zeigen einen besonders hohen Bedarf.
Kalzium Stets im Boden vorhanden, bei stark saurer Reaktion kann seine Konzentration zu gering sein. Die Pflanze benötigt Kalzium beim Aufbau der Zellwände. Leguminosen haben einen besonders großen Bedarf.
Wasser Durch die Wurzeln in großen Mengen dem Boden entzogen. Der Wasserstoff ist Bestandteil aller organischer Verbindungen, OH-Gruppen sind in vielen organischen Molekülen eingebaut. Der Großteil des Wassers dient jedoch in molekularar Form der Quellung der Gewebe und als Bestandteil der kolloiden Zellinhalte sowie als Transportmittel im Saftstrom, der im Pflanzenkörper zirkuliert.
Folgende Elemente werden in sehr geringen Mengen benötigt. Das Angebot im Boden genügt fast immer.
Nährstoff Vorrat, Aufnahme und Bedeutung
Bor Nach der Verwitterung borhaltiger Mineralien (z. B. Turmalin) am Boden adsorbiert. Trockene alkalische Böden enthalten nur wenig zugängliches Bor, andererseits treten zuweilen auch Überschüsse auf. Viel Bor benötigen Rüben, Spinat, Sellerie, Äpfel; bei Mangel entsteht Herzfäule, Trockenfäule, Absterben der Zentraltriebe.
Natrium In geringen Mengen verbreitet und am Boden schwach adsorbiert. In der Pflanze hält es den Quellungszustand der kolloidalen Systeme aufrecht. Es kann teilweise durch Kali vertreten werden. Für Herbivoren ist der Na-Gehalt des Futters wichtig.
Mangan Im Boden als Hydroxid oft zusammen mit Eisen gebunden, oder als Kation adsorbiert bzw. in komplexer Bindung mit Huminen. In alkalischen Humusböden tritt oft Mangel, in sauren Oxidböden Überschuss auf. Im Enzymstoffwechsel der Pflanzen spielt es eine wichtige Rolle bei der Atmung und beim Proteinaufbau. Mangel äußert sich in nekrotischen Blattflecken und fehlendem Wuchs.
Eisen Im Boden stark verbreitet, besonders als Fe3+-Oxid. Bei alkalischer Reaktion und hohem Redoxpotential kann seine Zugänglichkeit für die Pflanzen zu gering werden. Fe-Mangel zeigt sich an chlorotischen Blättern (Gelbwerden).
Kobalt Kommt im Boden in nur geringen Mengen vor, sein Verhalten ist ähnlich wie das des Mangans. Dem Kobalt kommt eine besondere Rolle zu bei enzymatischen Vorgängen während der N-Fixierung und Eiweißbildung.
Kupfer In alkalischen und stark humosen Böden fest gebunden, bei saurer Reaktion des Milieus kann es schädlich wirken. Auch Kupfer spielt bei den enzymatischen Vorgängen in der Pflanze eine wichtige Rolle.
Zink In Alkaliböden stark gebunden, weshalb dort Mangel an diesem Element auftreten kann. Dieser äußert sich mit Blattvergilbung und gelben Flecken zwischen den Blattrippen, besonders bei Pfirsich, Zitrus, Mais. Klärschlamm enthält oft giftig wirkende Zinkkonzentrationen.
Molybdän In sauren Humusböden stark gebunden, in alkalischen Böden jedoch leichter zugänglich. Auch Molybdän steuert die N-Fixierung und den Proteinaufbau, wie das Kobalt. Molybdän-Mangel zeigt sich in Blattverkrümmung und Blattflecken besonders bei Blumenkohl und Zitruspflanzen. Molybdän im Klärschlämm kann giftig wirken.
Selen Kommt nur in kleinen Mengen im Boden vor, oft zusammen mit den Sulfaten. Seine Bedeutung für die Pflanzen ist wenig bekannt. Für Herbivoren ist der Se-Gehalt des Futters wichtig, da sonst eine Degenerierung der Muskelzellen eintritt. Zu hohe Se-Gehalte sind toxisch.

Quelle: nach Frei u. Peyer 1990; geringfügig verändert

Unter natürlichen Bedingungen stehen Nährstoffe im Boden den Pflanzen mit unterschiedlicher Mobilität zur Verfügung. Nur ca. 2 % der Nährstoffe sind in der Bodenlösung oder an Austauschern (Tonminerale, Humus) mobil verfügbar. Etwa 98 % liegen als Reservenährstoffe in Mineralien oder Humus fest und sind nur allmählich durch Verwitterung und Humusabbau verfügbar. Die Mobilisierungsrate beträgt in gemäßigten Regionen etwa 0,1 % der Reserve pro Jahr, in tropischen Zonen 0,4 %.

Die Nährstoffaufnahme der Pflanzen vollzieht sich über die nur wenige mm langen und etwa 10 mm dicken Saug- und Haarwurzeln. Diese nehmen Wasser und die darin gelösten Nährstoffe aus dem Boden auf. Ein möglichst großes Wurzelsystem ist notwendig, um die ausreichende Ernährung der Pflanzen zu sichern. Die Beziehungen zwischen dem Boden und den Haarwurzeln spielen sich in einem sehr kleinen Radius ab. Der Kontakt zwischen der Haarwurzel und der Wasserhülle der Bodenteilchen wird durch von der Haarwurzel erzeugte Schleimstoffe ermöglicht. Diese Verbindung ist für den Austausch von Stoffen zwischen Boden und Wurzel nötig. Der osmotische Zelldruck (bis etwa 15 bar) erzeugt ein Wassertensionsgefälle zum feuchten Boden. Das Kapillarwasser in der nächsten Umgebung der Haarwurzel fließt nun auf diese zu und tritt in die Zelle ein. Ein Diffusionsgefälle für jedes Nährelement sorgt für eine selektive Ionenaufnahme. Die Aufnahme von zu großen Mineralstoffmengen oder von Giften bleibt jedoch möglich.

Die Nährstoffeffizienz setzt die in Agrarprodukten enthaltenen Nährstoffmengen ins Verhältnis zu den zur Produktion dieser Erzeugnisse notwendigen Nährstoffmengen. Für die gesamte Landwirtschaft hat man zu Beginn der neunziger Jahre eine N-Effizienz von rund 30 % und eine P-Effizienz von rund 50 % ermittelt. Somit werden während des Produktionsprozesses ca. 70 % der eingesetzten N-Mengen sowie die Hälfte der eingesetzten P-Mengen nicht in den Produkten festgelegt. Die geringe Nährstoffeffizienz ist verantwortlich für die Nährstoffausträge aus der Landwirtschaft. Vor allem das zeitlich und mengenmäßig nicht an den Bedarf der Pflanzen angepaßte Düngen (vorwiegend mit Wirtschaftsdüngern) führt zu den suboptimalen Nährstoffeffizienzen.

(s. a. Dünger, Düngung)

Nahrungsfette

Auch Speisefette; sie können pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sein. Nahrungsfette haben eine feste, pastöse oder flüssige Konsistenz. Die für Lebensmittel verwendeten pflanzlichen Öle und Fette werden aus Ölpflanzen oder Ölsaaten durch Pressung oder Extraktion mit Dampf oder Lösungsmitteln gewonnen, z. B. aus den Saaten und Früchten von Raps, Sonnenblumen, Soja, Olivenbäumen und Ölpalmen. Raffination und damit Entfernung unerwünschter Inhaltsstoffe macht die Fette für den Menschen nutzbar.
Tierische Fette werden aus dem Fettgewebe der Tiere geschmolzen (Schlachttierfette, wie Talg und Schmalz; Meerestieröle, z. B. Lebertran, Fischöl) oder aus Milchfett hergestellt (Butter).
Pflanzliche und tierische Fette werden auch als Mischungen angeboten.

Nahrungsgeographie

Die Nahrungsgeographie befasst sich als Teilgebiet der Anthropogeographie mit Fragen der Produktion und des Verbrauchs von Nahrung. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den lokalen bis globalen Mustern, Beziehungen und Ungleichheiten zwischen Produzenten und Konsumenten. Gleichermaßen werden Produktionsort und -weise sowie die Akteure der Produktion untersucht.

Die Verfolgung dieser komplexen Muster hilft Geographen, die ungleichen Beziehungen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern in Bezug auf Innovation, Produktion, Transport, Einzelhandel und Konsum von Lebensmitteln zu verstehen.

Moderne Geographen konzentrierten sich zunächst auf die Ernährung als Wirtschaftszweig, insbesondere innerhalb der Agrargeographie. Erst in jüngster Zeit haben sich Geographen dem Thema Lebensmittel in umfassenderem Sinne zugewandt: "Die Entstehung einer Nahrungsgeographie (agro-food geography), die Fragen entlang der Nahrungskette oder innerhalb von Systemen der Lebensmittelversorgung untersuchen will, ergibt sich zum Teil aus der Stärkung von Ansätzen der politischen Ökonomie in den 1980er Jahren". (Atkins / Bowler 2001)

Nahrungskette

Von Primärproduzenten (Pflanzen, Phytoplankton) gespeicherte Sonnenenergie wird in Nahrungsketten über Pflanzen, Fleischfresser und Zersetzer weitergegeben. Durch Atmung und Bestandesabfall entstehen auf jeder Stufe relativ hohe Verluste, so daß nur rund 10 % der Energie die jeweils nächste Stufe erreichen. Je mehr Glieder eine Nahrungskette besitzt, um so weniger Energie ist am Ende verfügbar. Im Verlauf der Nahrungskette aufgenommene Schadstoffe können sich beim Übergang zu folgenden Stufe anreichern und toxische Qualität erreichen.

Nahrungsketten der menschlichen Ernährung:

Sonne ⇒ Phytoplankton ⇒ Zooplankton ⇒ Friedfisch ⇒ Raubfisch ⇒ Mensch
Sonne ⇒ Gras ⇒ Rind ⇒ Mensch
Sonne ⇒ Getreide ⇒ Mensch

Als Pflanzenfresser bzw. Fleischfresser erreichen den Menschen ein Tausendstel, bzw. ein Zehntausendstel der auf die Anbaufläche eingestrahlten Sonnenenergie.

(s. a. Tragfähigkeit)

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Nahrungsmittel

Bezeichnung für Lebensmittel, die vorwiegend der Ernährung des Menschen dienen, Makronährstoffe (Proteine, Kohlenhydrate und Lipide) enthalten und somit dem Menschen Energie zuführen. Nahrungsmittel unterscheiden sich insofern von Trinkwasser, das auch zu den Lebensmitteln gehört. Gegenstück sind die sogenannten Genussmittel. Die Grenze ist dabei unscharf. Nahrungsmittel für von Menschen gehaltenen Tieren werden als Futtermittel bezeichnet.

Food

"Food refers to any substance, whether processed, semi-processed or raw, intended for human consumption. It includes drink, chewing gum and any substance used in the manufacture, preparation or treatment of food but does not include cosmetics, tobacco or substances used only as drugs.
Food products can be of animal or plant origin and are considered food from the moment that:
(i) crops are harvest-mature or suitable for their purpose;
(ii) animals are ready for slaughter;
(iii) milk is drawn from the udder;
(iv) eggs are laid by a bird;
(v) aquaculture fish is mature in the pond; and
(vi) wild fish are caught with fishing gear. "

Quelle: FAO

Die regional und kulturell jeweils bedeutendsten Nahrungsmittel werden auch als Grundnahrungsmittel, die Ablehnung aus kulturellen Gründen als Nahrungstabu bezeichnet.

Zur Ergänzung der Nahrung werden Produkte mit ernährungsphysiologisch relevanten Inhaltsstoffen in meist konzentrierter Form als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Da sowohl Nahrungsmittel pflanzlichen als auch tierischen Ursprungs toxikologisch relevante Stoffe enthalten können, beschäftigt sich ein spezieller Arbeitsbereich der Toxikologie mit der Situation bei Nahrungsmitteln – auch hinsichtlich möglicher Kontaminanten.

Menschenrecht auf Nahrung

Das Menschenrecht auf Nahrung (MaN) ist - wie auch alle anderen Menschenrechte - unteilbar mit der naturgegebenen Würde der menschlichen Person verbunden. Verwirklicht ist es, wenn jeder Mensch jederzeit Zugang zu angemessener Nahrung oder Mitteln zu ihrer Beschaffung hat. Es wird in vielen Menschenrechtsabkommen unterstrichen (vgl. Box).

Die wichtigsten rechtlichen Grundlagen für das Recht auf Nahrung im Überblick

Das Recht auf Nahrung ist bereits grundgelegt in Artikel 3 (Recht auf Leben) und Artikel 25 (Recht auf einen die Gesundheit und das Wohl gewährenden Lebensstandard) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) von 1948.
Das Recht auf Nahrung ist außerdem in mehreren internationalen Menschenrechtsinstrumenten verankert. Die wichtigste rechtliche Basis ist Artikel 11 des internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle rechte (kurz: Sozialpakt), der 1966 von der UN-Vollversammlung angenommen wurde und 1976 ratifiziert wurde. Weitere relevante vertragliche Regelungen sind Artikel 24 und 27 in der Kinderrechtskonvention von 1989, Artikel 12 der Frauenrechtskonvention von 1979 sowie Artikel 21 der afrikanischen Menschenrechtscharta von 1981 (Banjul Charta).
Diese Verträge stellen bindendes internationales Recht für die Staaten dar, die Vertragsstaaten sind. Die Vertragsstaaten sind verpflichtet, die Vorschriften des Vertrages effektiv in nationales Recht umzusetzen, um zu gewährleisten, dass sie Teil des nationalen Rechts werden.

Quelle: BPB

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Nahrungsmittelproduktion

Die Nahrungsmittelproduktion umfasst alle Mengen, die an Nahrungsmitteln sowie an Rohprodukten für gewerbliche Zwecke verfügbar werden. Darunter fallen sowohl die pflanzlichen Erzeugnisse, die für die menschliche Ernährung direkt verwendet werden, zur Verarbeitung im Ernährungsgewerbe dienen oder für technische Zwecke genutzt werden als auch die tierischen Erzeugnisse aus den verschiedenen Zweigen der landwirtschaftlichen Veredelungswirtschaft. Darin enthalten sind auch die tierische Erzeugung aus eingeführten Futtermitteln sowie die Ausfuhren an Nutz- und Zuchttieren Berücksichtigt sind auch die Veränderungen des Viehbestandes, bereinigt um die Einfuhr von Nutz- und Zuchttieren. Nicht der Nahrungsmittelproduktion zugerechnet werden dagegen die landwirtschaftlichen Vorleistungen (Futter, Saat- und Pflanzgut, Bruteier).

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Nahrungsmittelsicherheit

Auch Nahrungsmittelhygiene; ein technischer Ausdruck unter dem alle praktischen und institutionellen Maßnahmen gefasst werden, um sicherzustellen, dass Nahrungsmittel bestimmten international festgelegten Standards genügen, damit für den Endverbraucher verzehrbar sind und von ihnen keine gesundheitsgefährdenden Wirkungen ausgehen.

(s. a. Ernährungssicherheit, Ernährungssouveränität)

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Nahrungsmittelverluste

Bezeichnung für die Abnahme der Quantität oder Qualität von Lebensmitteln ("food losses") entlang der Wertschöpfungskette von der Produktionsstufe (Ernte/Schlachtung/Fang) bis vor die Einzelhandelsstufe, die ihre Ursachen i. d. R. in technologischen und infrastrukturellen Voraussetzungen bzw. Restriktionen in der Kette haben.

Als Lebensmittelverschwendung ("food waste") gilt dagegen alles, was am Ende der Lieferkette bei der Verteilung, dem Verkauf und beim Konsum hinsichtlich Quantität oder Qualität von Lebensmitteln vergeudet wird. Dies umfasst insbesondere Abfälle verbrauchsfertiger Nahrungsmittel, welche aber nicht verzehrt werden (können), weil sie z.T. im Einzelhandel, mehr aber noch auf der finalen Stufe der Wertschöpfungskette (aus qualitativen Gesichtspunkten) nicht verbraucht werden. Grundsätzlich gilt dabei, dass es keinen endgültigen Standard der Abgrenzung von "food losses" auf der einen Seite und "food waste" auf der anderen Seite gibt.

Quantitative and qualitative food loss and waste

Quantitative food loss and waste (also referred to as physical food loss and waste) is the decrease in the mass of food destined for human consumption as it is removed from the food supply chain. As such, quantitative food loss refers to the decrease in the mass of food destined for human consumption from decisions and actions by food suppliers in the chain. Quantitative food waste is the physical decrease in food mass resulting from decisions and actions by retailers, food services and consumers.

Qualitative food loss and waste refers to the decrease in food attributes that reduces its value in terms of intended use. It can result in reduced nutritional value (e.g. smaller amounts of vitamin C in bruised fruits) and/or the economic value of food because of non-compliance with quality standards. A reduction in quality may result in unsafe food, presenting risks to consumer health. Qualitative food loss refers to the decrease in food attributes that reduces the value of food in terms of its intended use – it results from decisions and actions by food suppliers in the chain. Qualitative food waste is the same but results from actions by retailers, food services and consumers.

Quelle: FAO 2019

Die Problematik

Global gehen rund 30 Prozent der Nahrungsmittel auf dem Weg vom Acker bis zum Teller verloren oder werden verschwendet. Um unsere Ernährungssysteme effizienter, gerechter, umweltverträglicher und widerstandsfähiger zu machen, müssen diese Verluste dringend verringert werden. Auch mit dem Ziel, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, die bis 2050 um bis zu 60 Prozent mehr Nahrung benötigen wird.

Die Vereinten Nationen haben sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 die Verschwendung von Nahrung um die Hälfte zu verringern, und Nahrungsverluste insgesamt zu reduzieren. Die afrikanischen Länder haben sich in der Malabo-Erklärung sogar dazu verpflichtet, die Nach-Ernteverluste bis 2025 zu halbieren. Wie realistisch diese Ziele sind, ist ungewiss. Läuft alles weiter wie bisher und kommt es nicht zu einer Kehrtwende, dann könnten Verluste und Verschwendung von heute rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmitteln jährlich auf 2,1 Milliarden Tonnen im Jahr 2030 steigen.

Besonders in den Industriestaaten werden Lebensmittel in großem Ausmaß weggeworfen. Immerhin wird die Verschwendung von Lebensmitteln inzwischen in vielen Ländern breit diskutiert und hat zu zahlreichen vielversprechenden Initiativen von Regierungen, Unternehmen und Privatpersonen geführt hat. Lebensmittelverschwendung, das leuchtet mittlerweile vielen ein, ist wegen der damit verbundenen Ressourcenverschwendung von Land, Wasser, Biodiversität usw. nicht mehr zu akzeptieren und lässt sich durchaus vermeiden.

Anders verhält es sich mit den Nahrungsverlusten, die vor allem in Entwicklungsländern ein großes Problem sind. Die empirische Analyse von Nahrungsverlusten in den Wertschöpfungsketten armer Länder und die Reform von Lieferketten ist aufwändig und komplex. Zwar gibt es viele mehr oder weniger erfolgreiche Einzelinitiativen, die darauf abzielen, mit angepassten und neuen Technologien Nahrungsverluste zwischen Bauern und Händlern zu verringern. Doch es fehlt bisher an länderweiten Erfolgsmodellen und am großen Durchbruch. 

Verluste die zusätzlich vor der Ernte auftreten, können beachtlich sein, sind aber bislang unberücksichtigt, da sie statistisch schwer zu erfassen sind. Bei Trockenheit, Schädlingsbefall oder Pflanzenkrankheiten, ebenso wie bei hohen Lohnarbeitskosten und niedrigen Preisen sind Bauern in armen Ländern oft gezwungen, Getreide, Früchte und Gemüse noch vor der Ernte aufzugeben, was zu hohen Verlusten führt, in den Statistiken aber nicht auftaucht. 

Die Verringerung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung wird als Möglichkeit gesehen, die Produktionskosten zu senken, die Lebensmittelsicherheit und -ernährung zu verbessern und zur ökologischen Nachhaltigkeit beizutragen, insbesondere durch die Verringerung des Drucks auf die natürlichen Ressourcen und die Verringerung der Treibhausgasemissionen (THG).

Lebensmittelverluste und -verschwendung sind zu einem wichtigen globalen Thema geworden und sind im SDG 12 (verantwortungsvoller Konsum und Produktion) verankert, das sogar ein spezifisches Ziel in Bezug auf die Reduzierung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung festlegt.

Ohne deren wahrscheinliches Ausmaß und Bedeutung zu berücksichtigen, fasst die folgende Abbildung die möglichen Zusammenhänge zwischen der Reduzierung von Lebensmittelverlusten und -verschwendung und verschiedenen SDGs zusammen. Die abgerundeten Kästchen beziehen sich auf die erwarteten Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit, Ernährung, natürliche Ressourcen und die Umwelt.

Nahrungsmittelverluste und -verschwendung und die Nachhaltigkeitsziele
Nahrungsmittelverluste und -verschwendung und die Nachhaltigkeitsziele

NOTE: Die abgerundeten Kästchen beziehen sich auf die erwarteten Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit, Ernährung, natürliche Ressourcen und die Umwelt.
Quelle: FAO

Orte der Nahrungsmittelverluste in der Wertschöpfungskette

Ausgangsbasis für den Umgang mit dem Begriff 'Nahrungsmittelverluste' ist das für die menschliche Ernährung bestimmte und nutzbare landwirtschaftlich oder fischereiwirtschaftlich erzeugte Primärprodukt, also pflanzliche Rohstoffe, die auf Feldern gewachsen sind, bzw. tierische Rohstoffe, die in Ställen bzw. auf Wiesen und Weiden aufgezogen, abgeschöpft oder aus Gewässern gefangen werden, um sodann innerhalb technologischer, rechtlicher und marktgegebener Rahmenbedingungen in den Ernährungskreislauf zu wandern.

Entlang der Wertschöpfungskette können folgende prozessual einander nachgelagerte Einbußen unterschieden werden:

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Nahrungspflanze

Kulturpflanze, die ganz oder in Teilen direkt (Weintraube, Tomate) oder in veredelter Form (Wein, Tomatenmark) für die menschliche Ernährung verwendet wird, wobei der Umweg über die tierische Veredelung ausgeschlossen ist. Manche Pflanzen zählen je nach Verwendung sowohl zu den Nahrungs-, wie zu den Futterpflanzen oder auch zu den nachwachsenden Rohstoffen, z.B. die Kartoffel.

Die 30 weltweit wichtigsten Nahrungspflanzen
Die 30 weltweit wichtigsten Nahrungspflanzen

Die Nahrungsbasis der Menschheit ist schmal. Mehr als 90 % des menschlichen Nahrungsangebots stammt von weniger als einem Dutzend Kulturpflanzen, den sogenannten "Säulen" der Welternährung.

Nahrungsregime

Ein Nahrungsregime umfasst das dauerhafte Zusammenspiel von Wertschöpfungskonzentration („Akkumulation“) und Steuerung (Regulation“) entlang transnationaler Warenketten, die von der Produktion über die Distribution bis zum Konsum (einschließlich der Entsorgung) von Nahrung reichen.

Das Konzept der Nahrungsregime beschäftigt sich somit weniger mit Nahrung als Forschungsgegenstand als vielmehr mit den politischen, ökonomischen, sozialen und ökologischen Verbindungen und Konsequenzen, die sich aus den wechselseitigen Verflechtungen von nahrungsbezogenem Handel, Produktion und Konsumption im historischen Wandel und globalen Maßstab.

Zwischen den mehrere Jahrzehnte langen Regimephasen liegen oft durch Wirtschaftskrisen oder Staatenkonflikte hervorgerufene Übergänge, die alte, widersprüchlich gewordene Akkumulations- und Regulationsweisen durch neue, in sich stimmigere Regime überwinden.

Die Forschung unterscheidet drei globale Nahrungregime:

Jedes Nahrungsregime zeichnet sich durch ungleiche Tausch- und Machtbeziehungen zwischen Zentren und (Semi-)Peripherien innerhalb des Weltsystems aus.
Zu den Stärken des Nahrungsregime-Konzepts zählen die Verbindung von Produktions- und Konsumfragen, die transnationale, den Nationalstaat als Untersuchungsrahmen überwindende Ausrichtung und ferner die zieloffene, nicht auf einen Endzustand verengte Entwicklungsperspektive. Bestehende Schwächen suchen neuere Ansätze mit der Stärkung von postkolonialen, sozialökologischen und akteurorientierten Perspektiven zu überwinden.

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Nahrungssystem

Auch Agrofood-System; im Sinne der Welternährungsorganisation (FAO) umfasst der Begriff alle Aktivitäten, die zur Produktion, Verarbeitung, Vermarktung, dem Verbrauch und der Entsorgung von Gütern gehören, die durch Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Fischerei erzeugt werden, einschließlich der eingesetzten Mittel und der bei jedem der genannten Schritte erzeugten Ergebnisse bzw. Produkte. Zu den Nahrungssystemen zählt man auch die Menschen und Institutionen, die Veränderungen in diesen Systemen anstoßen oder verhindern, ebenso wie die sozio-politische, ökonomische und technische Umwelt, in der diese Aktivitäten stattfinden. (FAO, 2013, S. 3)

Verflechtungen zwischen Klimasystem, Nahrungsmittelsystem, Ökosystemen (Land, Wasser und Ozeane) und sozioökonomischem System
Verflechtungen zwischen Klimasystem, Nahrungsmittelsystem, Ökosystemen (Land, Wasser und Ozeane) und sozioökonomischem System

Diese Systeme arbeiten auf mehreren Ebenen, sowohl global als auch regional. Die Ernährungssicherheit ist ein Ergebnis des Nahrungsmittelsystems, das zum menschlichen Wohlbefinden führt, das außerdem über das sozioökonomische System indirekt mit dem Klima und den Ökosystemen verbunden ist. Anpassungsmaßnahmen können dazu beitragen, negative Auswirkungen des Klimawandels auf das Nahrungsmittelsystem und die Ökosysteme zu reduzieren. Minderungsmaßnahmen können die Treibhausgasemissionen aus dem Lebensmittelsystem und den Ökosystemen reduzieren.

Quelle: IPCC 2019

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Nassfeldbau

Vor allem in Monsungebieten vorkommende Form des Bewässerungsfeldbaus. Dabei wird Wasser mit Hilfe von Terrassen und Dämmen aufgestaut, was bei ganzjähriger Vegetationszeit mehre Ernten pro Jahr erlaubt. (Nassreis(an)bau)

Nassgley

Bodentyp der Deutschen Bodensystematik der Abteilung Semiterrestrische Böden und der Klasse Gleye. Sein Profil Go-Ah/Gr ist bedingt durch lang anhaltend nahe der Oberfläche anstehendes Grundwasser, das bis in den humosen Oberboden (Ah-Horizont) reicht.

Eigenschaften

Durch den hohen Grundwasserstand fehlt dem Nassgley ein für Gleye ausgeprägter Go-Horizont (o für oxidiert). Der Gr-Horizont (r für reduziert) beginnt innerhalb < 4 dm unter der Geländeoberfläche. Infolge des hohen Grundwasserstandes kommt es zu einer Überlagerung oder Verzahnung von Go- und Ah-Merkmalen. Im Oberboden des Nassgleys finden sich infolge dessen häufig Wurzelröhren mit Rostbelägen. Die biologische Aktivität des Nassgleys ist aufgrund der hohen Grundwasserstände vergleichsweise gering, so dass sich mächtigere Humuslagen bilden können.

Verbreitung und Nutzung

Nassgleye finden sich häufig in Senken bei kühl-feuchtem Klima. Der Wurzelraum des Nassgleys ist stark eingeschränkt, wodurch eine landwirtschaftliche Nutzung nur durch Dauergrünland möglich ist. Als Waldstandort ist der Nassgley lediglich für nässetolerante Baumarten geeignet (Erle, Tanne). Ist der Abbau der organischen Substanz durch Sauerstoffmangel gehemmt, so entwickeln sich aus dem Nassgley der Anmoorgley oder der Moorgley. (ahabc.demod.)

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Nassreis(an)bau

Ausgehend vom Wasserregime läßt sich Nassreisanbau folgendermaßen klassifizieren:

Die Expansion des Nassreisanbaus erbrachte eine Verstärkung des Treibhauseffektes auf Grund der hohen CH4-Abgabe der Nassreisfelder (90 % davon über die Reispflanze).

Nasswiese

Durch einen hohen Anteil von Seggen, Binsen, Pfeifengras und anderen Feuchtezeigern gekennzeichnetes, gemähtes, beweidetes oder aufgelassenes Grünland.

Nationales Naturerbe (NNE)

Das Nationale Naturerbe (NNE) bezeichnet naturschutzfachlich wertvolle Flächen aus dem Flächeneigentum des Bundes, bei denen auf einen Verkauf verzichtet wurde, und die stattdessen dauerhaft dem Naturschutz gewidmet werden. Hierzu zählen ehemalige Militärflächen, das „Grüne Band“ entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, Treuhandflächen aus dem DDR-Volksvermögen sowie stillgelegte Braunkohletagebaue in Ostdeutschland. Bis zum aktuellen Stand (2020) sind bundesweit Flächen im Umfang von rund 156.000 ha im Rahmen des Nationalen Naturerbes für den Naturschutz gesichert. Die Flächen weisen einen hohen Naturschutzwert auf, da sie zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten beherbergen, großräumig sind und als Biotopverbund angesehen werden.

Dazu gehörte z. B. neben einer nationalen Naturschutzstrategie oder der Begrenzung des Flächenverbrauchs auch die Übertragung von Flächen des Bundes auf die Bundesländer, Stiftungen oder Naturschutzverbände. Beim Naturerbebegriff wird davon ausgegangen, dass Deutschland die nationale Verantwortung für die auf seinem Territorium lebenden Tiere, Pflanzen und Lebensräume übernimmt, um sie für die Weltgemeinschaft zu erhalten.

Der Bund überträgt die Flächen unentgeltlich an die Länder, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie Naturschutzverbände und -stiftungen, die künftig für die Pflege und Entwicklung der Flächen verantwortlich sind. Auf einem Teil der Naturerbeflächen, dem sogenannten Naturerbe Bund, übernimmt der Bund selbst die Naturschutzaufgaben und wird hierbei durch den Bundesforst im Zusammenwirken mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) vertreten. Die Flächenempfänger (FE) sind den im Rahmen der Übertragung geregelten Naturschutzanforderungen verpflichtet. Die Flächen sind dauerhaft der Natur gewidmet und werden als natürliches Erbe für künftige Generationen erhalten. Die Auswahl der Flächen für das Nationale Naturerbes erfolgt anhand naturschutzfachlicher Kriterien. Neben Flächen des Grünen Bandes (als des größten terrestrischen Biotopverbundes in Deutschland) wurden Flächen ausgewählt, die in bestehenden Schutzgebieten (Nationalparke, Biosphärenreservate, größere Naturschutzgebiete, FFH- und EU-Vogelschutzgebiete) oder in laufenden oder abgeschlossenen Naturschutzgroßprojekten des Bundes liegen, ferner große Militärfolgeflächen mit hoher Naturschutzbedeutung, geeignete Flächen in Bergbaufolgelandschaften, Flächen des Biotopverbundes sowie Flächen mit besonderer Bedeutung für den Artenschutz.

Für alle Flächen des Nationalen Naturerbes soll ein aus Naturschutzsicht optimaler Zustand erreicht werden. Dabei werden zwei Strategien verfolgt. Die meisten Wälder, Auen und Moore sowie Küsten im Naturerbe sollen sich möglichst ohne das Zutun des Menschen frei entwickeln können. Dagegen brauchen Lebensräume wie Heiden, Magerrasen und Wiesen eine regelmäßige und an Naturschutzziele angepasste Pflege, um sie dauerhaft zu erhalten. Im Rahmen wissenschaftlicher Beobachtungen (Monitoring) wird überprüft, ob die Naturschutzmaßnahmen auch tatsächlich erfolgreich sind.

Nutzung

Offenlandbereiche

In den Offenlandbereichen - also den nicht bewaldeten Flächen - des Nationalen Naturerbes ist eine naturnahe landwirtschaftliche Nutzung oft die Voraussetzung dafür, den Lebensraum überhaupt zu erhalten. Die meisten Offenlandflächen im Nationalen Naturerbe wie zum Beispiel Wiesen, Magerrasen und Heiden sollen langfristig erhalten bleiben. Sie müssen gemäht oder beweidet werden, sonst wachsen sie mit Gebüschen zu und entwickeln sich langsam zu Wald. Landwirtschaft auf den Naturerbeflächen unterscheidet sich jedoch deutlich von der üblichen landwirtschaftlichen Nutzung. Das vorrangige Ziel ist es, für möglichst vielfältige, artenreiche Lebensräume auf den Flächen zu sorgen. Darauf zielen alle Maßnahmen ab. Viele Naturerbeflächen werden auch extensiv beweidet, zum Beispiel mit Wasserbüffeln, Wildpferden, robusten Rinderrassen, Schafen und Ziegen.

Wälder

In den Wäldern des Nationalen Naturerbes findet keine forstwirtschaftliche Nutzung mehr statt. In heute bereits naturnahen Naturerbe-Wäldern wird schon jetzt kein Baum mehr gefällt. In naturfernen Wäldern ist eine übergangsweise Holznutzung erlaubt – allerdings nur im Rahmen eines schrittweisen Waldumbaus, um die Wälder naturnäher zu gestalten. Dabei können beispielsweise für das Gebiet untypische Baumarten entfernt werden, um so dort natürlicherweise vorkommenden Bäumen mehr Raum zum Wachsen zu schaffen. Ist der Waldumbau abgeschlossen, wird auch in diesen Wäldern dauerhaft die Säge ruhen und die Natur sich selbst überlassen bleiben. Wenn also in den Wäldern des Nationalen Naturerbes noch Holz eingeschlagen wird, dient dies nicht der Erwirtschaftung eines Gewinns, sondern vor allem der Erhöhung der Naturnähe der Wälder.

Einzige Ausnahme bilden besondere, historisch bedingte Waldformen wie Hute-, Nieder- und Mittelwälder oder bestimmte Eichenwälder, die nur durch gezielte Nutzungen erhalten werden können. Sie machen aber nur einen geringen Anteil der Wälder im Nationalen Naturerbe aus.

Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes kann auch weiterhin gejagt werden. In vielen Fällen ist dies erforderlich, um (Wild-)Schäden von den benachbarten Flächen abzuwenden oder das Aufkommen der für das Gebiet typischen Baumarten zu ermöglichen. Allerdings muss sich die Jagd den Naturschutzzielen klar unterordnen. Für jede größere Fläche des Nationalen Naturerbes wird vom Flächeneigentümer auch ein Konzept zum Wildtiermanagement entwickelt. Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes wird ausschließlich mit bleifreier Munition gejagt.

Tourismus und Bildung

Alle Flächeneigentümer im Nationalen Naturerbe bemühen sich, die Flächen für Interessierte zu öffnen und zugleich sensible Bereiche vor Störungen zu bewahren. Hierzu werden Rundwege und Aussichtsplattformen auf vielen Naturerbe-Flächen errichtet. Größere Besucher-Einrichtungen sind derzeit auf den von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt betreuten Naturerbe-Flächen in Prora/Rügen (Besucherinformationszentrum mit Baumwipfelpfad) und in der Wahner Heide bei Köln (vier Besucher-Informationsstellen) zu finden.

Auf vielen Flächen des Nationalen Naturerbes bieten die Flächeneigentümer auch geführte Wanderungen und Exkursionen an. Andererseits dürfen viele Teilbereiche des Nationalen Naturerbes aufgrund der Gefahren aus der militärischen oder bergbaulichen Vornutzung aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Auch zum Schutz seltener Arten kann es notwendig sein, ausgewählte Flächen für Besucher zu sperren – beispielsweise die Sandstrände der Naturerbe-Flächen an der Ostsee. Entsprechende Sperrschilder sind deshalb unbedingt zu beachten.

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Nationalpark

Ein Nationalpark (NP) ist ein großräumiges Naturschutzgebiet, das meistens nur der natürlichen Entwicklung unterliegt und durch spezielle Maßnahmen vor nicht gewollten menschlichen Eingriffen und vor Umweltbelastungen geschützt wird. In der Regel sind dies Gebiete, die ökologisch besonders wertvoll oder von herausragendem landschaftlichem Reiz sind und im Auftrag einer Regierung verwaltet werden. Sie werden oft auch als Erholungsgebiete und für den sanften Tourismus genutzt. Die Definition eines Nationalparks ist nicht in allen Staaten gleich. Dennoch gibt es eine gemeinsame Idee: die Erhaltung großer, nicht durch menschliche Eingriffe veränderter Naturgebiete für die Nachwelt und als Symbol des nationalen Stolzes.

In Deutschland ist der Begriff Nationalpark nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 24 BNatSchG) die Bezeichnung für rechtsverbindlich festgesetzte einheitlich zu schützende Gebiete, die

  1. großräumig und von besonderer Eigenart sind,
  2. im überwiegenden Teil ihres Gebietes die Voraussetzungen eines Naturschutzgebietes erfüllen,
  3. sich in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflußten Zustand befinden und
  4. vornehmlich der Erhaltung eines möglichst artenreichen heimischen Tier- und Pflanzenbestandes dienen.

Nationalparke sollen im Prinzip wie Naturschutzgebiete geschützt und wenn möglich der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.

Probleme der 16 (2017) deutschen Nationalparke sind die im internationalen Vergleich relativ kleinen zusammenhängenden Flächen sowie die Freizeit- und Wirtschaftsnutzungen. Die 16 deutschen Nationalparks umfassen – ohne Nord- und Ostseeflächen – rd. 2145 km². Das sind 0,6 % der deutschen Landfläche. Mit den Meeresflächen sind es rd. 10.478 km².

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Natura 2000

Im Bundesnaturschutzgesetz (§ 19 a - 19 f BNatSchG) verankerte Bezeichnung für das im Aufbau befindliche europäische ökologische Netz gleichen Namens.

Natura 2000 setzt sich aus Schutzgebieten nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) von 1992 und der Vogelschutzrichtlinie (VSchRL) von 1979 zusammen. Mit beiden Richtlinien wurde innerhalb der Europäischen Union die Berner Konvention zur Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume umgesetzt. Mit Natura 2000 soll europaweit ein Netz von Schutzgebieten entstehen, das seltenen Tier- und Pflanzenarten ausreichend Lebensraum bietet und somit ihr Überleben sicherstellt.

Alle Mitgliedstaaten sind aufgefordert, der EU-Kommission Gebiete vorzuschlagen, die die Anforderungen der EU-weit geltenden Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43 EWG) oder der EU-Vogelschutz-Richtlinie (79/409/EWG) erfüllen. Die Kommission wählt von diesen Gebieten solche von gemeinschaftlicher Bedeutung aus. Die betreffenden Mitgliedstaaten haben diese dann als Natura 2000-Schutzgebiete auszuweisen.

Für Natura 2000-Gebiete gilt ein Verschlechterungsverbot.

Bei Freilandversuchen mit gentechnisch veränderten Organismen in der Nähe von Natura 2000-Gebieten muss vorher sichergestellt werden, dass Beeinträchtigungen der Schutzziele in diesen Gebieten mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden können.

Naturallohn

Bei betriebswirtschaftlichen Berechnungen die Zusammenfassung der Aufwendungen für die Beköstigung der fremden Arbeitskräfte und der entlohnten Familienangehörigen aus wirtschaftseigenen Erzeugnissen, die Lieferungen des Betriebes für Deputatzwecke sowie die Leistungen für freie Wohnung, für Viehhaltung und Deputatland. Der Naturallohn existiert in der Landwirtschaft nach wie vor neben dem Barlohn, wenn auch mit rückläufiger Tendenz.

Ein Beispiel für Naturallohn innerhalb einer Misch-Entlohnung bieten saisonale Arbeitsverhältnisse von ausländischen Arbeitskräften während der Obsternte am Bodensee. Bei einem Stundenlohn von DM 10,50 (1998) und entsprechenden Versicherungsleistungen werden gleichzeitig freie Unterkunft, Getränke sowie punktuell die Benutzung eines Autos zur Erledigung von Einkäufen geboten.

Naturalpacht

Überlassung von Boden zur Nutzung auf Zeit gegen Zahlung eines bestimmten Bruchteils des Ernteertrags.

(s. a. Pacht)

Naturdenkmal

Nach der Definition im Bundesnaturschutzgesetz (§ 17 BNatSchG) eine rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfung der Natur, deren besonderer Schutz aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit erforderlich ist. Die Festsetzung kann auch die für den Schutz des Naturdenkmals notwendige Umgebung einbeziehen.

Naturdünger

Aus organischen Substanzen bestehender Dünger. Er dient vorrangig dem Ersatz oder der Anreicherung von Humus.

(s. a. Mineraldünger)

Naturegart

Alpenländischer Typ von Wechselgrünland mit Naturbegrasung. Im Unterschied zum Kunstegart ist die ackerbauliche Nutzung kurz, weil diese Flächen häufig zu einer starken Verunkrautung neigen. Im Anschluß an die einjährige ackerbauliche Nutzung des Naturegarts folgt eine vier- bis sechsjährige Grünlandnutzung.

(s. a. Egartwirtschaft, Feldgraswirtschaft, Kunstegart)

Naturlandschaft

Vom Menschen unbeeinflusster Landschaftstyp, der sich durch folgende Merkmale auszeichnet:

Die ehemalige Naturlandschaft, die anstelle einer gegenwärtigen Kulturlandschaft ursprünglich vorhanden war, nennt man Urlandschaft. Die theoretisch vorstellbare Naturlandschaft, die sich anstelle einer Kulturlandschaft einstellen würde, wenn kein menschlicher Einfluß mehr wirksam wäre, nennt man potentielle Naturlandschaft.

(s. a. Industrielandschaft, Landschaft)

natürliche Ressourcen

Die von der Natur bereitgestellten Güter zur direkten oder indirekten Erfüllung menschlicher Bedürfnisse. Hierzu zählen zum einen die Rohstoffressourcen (z.B. Erdöl), zum anderen die Umweltgüter Wasser, Boden, Luft, Landschaft sowie Tier- und Pflanzenarten. Umweltgüter galten lange Zeit als sogenannte freie Güter. Demzufolge hatten sie auch keinen Preis.

(s. a. externe Effekte)

Naturpark

Bezeichnung für großräumige Gebiete besonderen Charakters in Deutschland. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 27 BNatSchG) ist Naturpark (1) die Bezeichnung für "einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die

  1. großräumig sind,
  2. überwiegend Landschaftsschutzgebiete oder Naturschutzgebiete sind,
  3. sich wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen für die Erholung besonders eignen und in denen ein nachhaltiger Tourismus angestrebt wird,
  4. nach den Erfordernissen der Raumordnung für Erholung vorgesehen sind,
  5. der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und ihrer Arten- und Biotopvielfalt dienen und in denen zu diesem Zweck eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung angestrebt wird und
  6. besonders dazu geeignet sind, eine nachhaltige Regionalentwicklung zu fördern."

Naturparke sollen entsprechend ihren in Absatz 1 beschriebenen Zwecken unter Beachtung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege geplant, gegliedert, erschlossen und weiterentwickelt werden.
Die Naturparke dürfen weder mit den Nationalparken noch mit den Naturschutzgebieten verwechselt werden. In Deutschland bestehen 104 Naturparke (2017), die etwa 25 % der Landesflächen einnehmen. Sie stellen einen wichtigen Baustein im Naturschutz dar und helfen, die landschaftlichen Schönheiten, Kulturlandschaften und seltenen Arten und Biotope zu erhalten und auch späteren Generationen zugänglich zu machen. Eine komplette Aufstellung der Gebiete mit Kurzbeschreibung befindet sich in der Liste der Naturparks in Deutschland.

Naturschutz

Alle Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der natürlichen Lebensgrundlagen (Naturgüter), von Pflanzen und Tieren wildlebender Arten und ihrer Lebensgemeinschaften, sowie zur Sicherung von Landschaften in ihrer Vielfalt und Eigenart. Naturschutz und Landschaftspflege sind in Deutschland durch Stagnation, teilweise auch durch deutliche Verschlechterung gekennzeichnet.
Die unterschiedliche Zielsetzung von Naturschutz und Landwirtschaft - wissenschaftliche, ethische und ästhetische Ziele einerseits, ökonomische Ziele andererseits - führen insbesondere durch die konventionelle Intensivlandwirtschaft zu bisher unauflösbaren Konflikten.

Bei der Verwirklichung von Naturschutzzielen kann räumlich einer integrativen oder einer segregativen Strategie gefolgt werden. Der Tendenz der Landnutzung der letzten Jahrzehnte liegt eindeutig das Segregationsmodell zugrunde, d.h. jeder Fläche wird eine einzelne Nutzungsfunktion zugewiesen. Die multifunktionale Sichtweise von Natur und Landschaft geht aus der Sicht der Nutzer immer stärker verloren.

Räumliche Konzepte für das Verhältnis von Naturschutz und Landwirtschaft
Räumliche Konzepte für das Verhältnis von Naturschutz und Landwirtschaft

Quelle: Erdmann u. Kastenholz 1995 (verändert)

Succow (1995) nennt zwölf Grundsätze für den Handlungsbedarf im Spannungsfeld Landnutzung und Naturschutz (leicht verändert):

In Deutschland wurde dem Bund die Rahmenkompetenz für Naturschutz und Landschaftspflege zugewiesen, die 1976 durch das Bundesnaturschutzgesetz ausgefüllt wurde. Für die Ausfüllung des gesetzten Rahmens haben die Länder eigene Naturschutzgesetze erlassen. Sie sind für den Vollzug und die Finanzierung des Naturschutzes im wesentlichen zuständig. Ferner nehmen auch die Landkreise und Kommunen Naturschutzaufgaben wahr.
Zu den Instrumenten der Naturschutzplanung gehören: Landschaftsplan, landschaftspflegerischer Begleitplan, Umweltverträglichkeitsprüfung, Biotopverbundplanung, Flurbereinigung, Teile der Regionalplanung.

Weitere Informationen:

Naturschutzgebiet

Gebiet in dem Flora und Fauna wegen ihres wissenschaftlichen Wertes, ihrer Seltenheit und/oder Schönheit zusammen mit ihrer unbelebten Umwelt in der Regel nicht verändert werden dürfen. In manchen Naturschutzgebieten (NSG) sind allerdings Eingriffe des Menschen (Pflegemaßnahmen) zur Erhaltung der als schützenswert erachteten Eigenschaft notwendig, z.B. in Heiden oder Halbtrockenrasen (z.B. Mähen, Beweidung). Naturschutzgebiete kennt man in Deutschland seit 1836. Im Bundesnaturschutzgesetz (§ 23 BNatSchG) sind Naturschutzgebiete definiert als rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder in einzelnen Teilen

  1. zur Erhaltung von Lebensgemeinschaften oder Biotopen bestimmter wildlebender Tier- und Pflanzenarten,
  2. aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder
  3. wegen ihrer Seltenheit, besonderen Eigenart oder hervorragenden Schönheit erforderlich ist.

Naturschutzgebiete haben zusammen mit den Nationalparken rechtlich den relativ strengsten Schutzstatus unter den nach dem Naturschutzrecht geschützten Flächen.
Naturschutzgebiete können der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden, soweit es der Schutzzweck erlaubt. Alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Gebietes oder seiner Bestandteile führen, sind verboten.
Ende 2008 existierten in Deutschland 8413 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 1.271.582 Hektar. Das entspricht 3,6 % der Fläche Deutschlands.

Weitere Informationen:

Naturwaldreservat

Waldgebiet, in dem forstliche Eingriffe mit Ausnahme der Verkehrssicherung und der Bejagung ausgeschlossen sind. Die Waldfläche soll sich möglichst ohne menschliche Eingriffe zu einem „Urwald von morgen“ entwickeln. Oft existiert neben einem „Totalreservat“ eine Vergleichsfläche, die weiterhin bewirtschaftet wird.

Die walddynamischen Prozesse in Naturwaldreservaten werden von forstlichen Forschungsanstalten und angeschlossenen Instituten wissenschaftlich begleitet. Aus der Untersuchung sollen Erkenntnisse für eine naturnahe Waldbewirtschaftung und für den Naturschutz im Wald abgeleitet werden.

In Deutschland werden seit den 1980er Jahren Naturwaldreservate ausgewiesen und erforscht. Je nach Bundesland bezeichnet man sie auch als Naturwald, Naturwaldzelle, Bannwald oder Prozessschutzfläche. Insgesamt existieren in Deutschland 719 Naturwaldreservate auf einer Gesamtfläche von 31.666 Hektar.

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Naturweide

Natürliche Vegetationsformation, z.B. Savanne oder Steppe, die durch extensive Weidewirtschaft genutzt wird.

Nebenerwerbsbetrieb

Ein Betrieb, in dem das Einkommen des Betriebsinhabers (und ggf. seines Ehegatten) aus außerbetrieblichen Quellen höher ist als das Einkommen aus betrieblichen Quellen. Das Gegenstück ist der Haupterwerbsbetrieb. Die Typisierung in Haupt- und Nebenerwerb erfolgt nur für Betriebe in der Rechtsform eines Einzelunternehmens.
Bis 2007 spielte neben der Relation von betrieblichen und außerbetrieblichen Einkommen die Arbeitsleistung (ausgedrückt in Arbeitskraft-Einheiten) je Betrieb eine Rolle.
Danach galten als Nebenerwerbsbetriebe solche Betriebe, in denen

Bedeutung der Nebenerwerbslandwirtschaft in Deutschland

Etwa jedes zweite landwirtschaftliche Einzelunternehmen in Deutschland wird im Nebenerwerb bewirtschaftet. Zwischen den Bundesländern gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede: So liegt der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe in Schleswig-Holstein und Niedersachsen unter 40 Prozent, während in Baden-Württemberg, Hessen, Saarland und Sachsen über 60 Prozent im Nebenerwerb bewirtschaftet werden. Alle Nebenerwerbsbetriebe zusammen bewirtschaften knapp 18 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland.

Im Vergleich zu 2010 ist der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe deutlich angestiegen. Diese Entwicklung geht einher mit der relativ stark abnehmenden Zahl Vieh haltender Betriebe.

Quelle: Statistisches Bundesamt nach DBV Situationsbericht 2020/21

Die Entwicklung der Nebenerwerbslandwirtschaft ist eng mit dem landwirtschaftlichen Strukturwandel der letzten Jahrzehnte verwoben. Viele Bauernfamilien, deren betriebliche Einkommensgrundlage zu gering ist, stehen vor der Entscheidung, mit erheblichen Kosten in neue Ställe oder eine bessere Vermarktung zu investieren, Mitarbeiter einzustellen oder Flächen zu pachten. Ohne diese Wachstumsschritte ist für viele Familien kein ausreichendes Einkommen mehr zu erwirtschaften. Um nicht komplett aus der Landwirtschaft aussteigen zu müssen, bewirtschaften sie ihre Betriebe oft im Nebenerwerb.

Viele machen dies aus Traditionsbewusstsein, Liebe zum Beruf oder um für ein inner- oder außerbetriebliches Zusatzeinkommen weiterhin landwirtschaftlich tätig sein zu können. Das reicht von der Gästebeherbergung und -bewirtung, Direktvermarktung oder der Führung von Schulklassen bis hin zur Mitarbeit im Maschinenring oder einfach nur der außerbetrieblichen Tätigkeit in einem anderen Unternehmen.

Nebenerwerb ist oft mit einer sehr hohen Arbeitsbelastung verbunden. Die nächste Generation steigt dann unter Umständen aus, weil sich ihre Erwartungen an Freizeit, Urlaub oder Fortbildung an Freunden und Bekannten aus der eigenen Altersgruppe orientieren oder weil über Jahre hinweg keine wirtschaftliche Verbesserung eingetreten ist und Vermögensverluste stattgefunden haben.

Nebenerwerb kann daher ein Zwischenstadium zu einer rechtzeitigen Betriebsaufgabe sein. Ein Automatismus ist das aber keineswegs. Es gibt durchaus auch Regionen, in denen die Fläche, die von Nebenerwerbsbetrieben bewirtschaftet wird, sogar wächst. (BLE 2021)

(s. a. Erwerbscharakter, Haupterwerbsbetrieb)

Nebenerwerbslandwirtschaft

Je nach Einstellung, Intention und Fachwissen des Anwenders unterschiedlich interpretierter Begriff. In der wissenschaftlichen Diskussion und in der Öffentlichkeit wird dieser Fachausdruck oftmals als ein "negativer Begriff [verwendet], der lediglich die Haupterwerbstätigkeit ausschließt" (Streiffeler 2009). Unter Experten wird die Nebenerwerbslandwirtschaft "als eine Erwerbsform [charakterisiert], bei der die Landwirte neben dem landwirtschaftlichen Erwerb mindestens einem weiteren nicht landwirtschaftlichen Erwerb nachgehen" (Doluschitz 2003).

Ganz allgemein bedeutet die Bewirtschaftung eines Nebenerwerbsbetriebs, dass die Nebenerwerbslandwirte neben der Bewirtschaftung ihres Betriebs eine außerlandwirtschaftliche Erwerbstätigkeit haben, der sie hauptberuflich nachgehen. Demzufolge bedeutet Nebenerwerbslandwirtschaft "auf dem Hof zu leben - aber nicht vom Hof leben zu müssen" (Rieder 1991). Als wichtiges Ergebnis einer Untersuchung in Baden-Württemberg (Schwenninger/Doluschitz, 2003) wird die Tatsache angesehen, dass die Nebenerwerbslandwirtschaft eine dauerhafte Erwerbsform darstellt, die vorwiegend aus Freude an der landwirtschaftlichen Tätigkeit betrieben wird und nicht die letzte Station vor der Betriebsaufgabe ist. Auch stellt die Nebenerwerbslandwirtschaft danach einen wichtigen Baustein einer vielfältig strukturierten Landwirtschaft dar.

Die offizielle Definition der Nebenerwerbslandwirtschaft wurde im Laufe der Jahre mehrmals verändert. Die europäische Definition wurde im Jahr 2003 eingeführt. Nach dieser Bestimmung gelten landwirtschaftliche Einzelunternehmen ab zwei Hektar (ha), mit weniger als einer Arbeitskraft (AK) als Nebenerwerbsbetrieb. Als weiteres Merkmal ist die Höhe des Gesamtstandarddeckungsbeitrags – gemessen in europäischen Größeneinheiten (EGE) – für die Einteilung ausschlaggebend. In einem Nebenerwerbsbetrieb sollte dieser mehr als acht EGE und weniger als 16 EGE (eine EGE entspricht 1.200 Euro) betragen.

Die oben beschriebenen Veränderungen bei der Klassifikation der Erwerbsformen haben zur Folge, dass die statistischen Zahlen von Nebenerwerbsbetrieben aufgrund der unterschiedlichen Erfassungsgrenzen nicht uneingeschränkt miteinander vergleichbar sind.

Nematizid

Biozid gegen Fadenwürmer

Neobiota

Unter Neobiota versteht man Organismen, die direkt oder indirekt durch den Menschen in ein für die Art nicht heimisches Gebiet gelangt ist. Die Art muss sich darüber hinaus in dem jeweiligen Gebiet etablieren d. h. über einen längeren Zeitraum (min. 25 Jahre) dort wild leben oder sich über mindestens drei Generationen fortpflanzen. Der gesamte Prozess der erfolgreichen Etablierung von Neobiota wird auch Bioinvasion genannt.

Neolithische Revolution

Übergang von der Lebensweise der Wildbeuter oder dem Jäger und Sammler-Dasein (Aneignungswirtschaft) zur sesshaften Lebensweise mit Ackerbau und Viehhaltung (Produktionswirtschaft). Der Übergang fand in den verschiedenen Kulturkreisen zu unterschiedlichen Zeiten statt, im Fruchtbaren Halbmond vor ca. 10.000 Jahren.

Der Übergang zum Ackerbauerntum war wohl ein langsam fortschreitender Prozess (etwa von 12.000 bis 3.000 v. Chr.), der eher den Charakter einer Entwicklung, einer Evolution hatte. Es wird die Erfahrung von Jahrhunderten gebraucht haben, bis sich das Säen und Ernten von Gras, Getreide und Feldfrüchten, die Domestikation von Wildtieren, das Lernen von Bodenbearbeitung, der richtigen Anbau- und Erntezeiten in weiten Gebieten durchgesetzt hatte. Dennoch ist angesichts der Tragweite dieses Umbaus der Begriff 'Revolution' gerechtfertigt.

Die bewusste Kultivierung von Pflanzen und Haltung von Tieren vollzog sich nur in wenigen Weltregionen. Deren Zahl und Abgrenzung unterscheidet sich zwischen verschiedenen Autoren.

Nach derzeitiger Kenntnis entstand der Ackerbau weltweit mehrfach unabhängig voneinander: unter anderem im Fruchtbaren Halbmond, in China/Süostasien, in Mittelamerika, südöstliches Nordamerika, Südamerika (Amazonien, Anden), Neu-Guinea und Westafrika. Von diesen Zentren aus wurde er durch Migration oder Imitation verbreitet.

Neun Ursprungszentren frühester landwirtschaftlicher Innovation

Jared Diamond identifizierte neun Ursprungszentren (Evolution, Consequences and Future of Plant and Animal Domestication 2002), in denen zuerst Pflanzen und Tiere domestiziert wurden. In der Karte sind sie orange dargestellt. Die landwirtschaftlich produktivsten Gebiete der modernen Welt (Getreide und wichtige Grundnahrungsmittel) erscheinen in gelb.
Es fällt auf, dass es fast keine Überlappung der beiden Gebietsklassen gibt, mit Ausnahme Chinas und in geringerem Maße der heutigen USA.
Der Grund für die ungleiche Verteilung wird darin gesehen, dass die Landwirtschaft in Gebieten entstand, in denen die Wildvarianten der wertvollsten heutigen Kulturpflanzen und -tiere auftraten, andere Gebiete sich aber als viel produktiver herausstellten, als die Kulturpflanzen sie erreichten.

Quelle: J. Diamond (2002)

(s. a. Agrargeschichte)

Neophyten

Neueinwanderer-Pflanzenarten, die ca. seit dem Jahr 1500 (z. T. wird das Jahr 1492 – Entdeckung Amerikas – zur Abgrenzung genutzt) in eine geographisch definierte Region eingewandert sind. Seither hat die Überseeschifffahrt - zunächst nach Amerika - stark zugenommen.

Neozoen

Nichteinheimische Tierarten, die direkt oder indirekt durch die Wirkung des Menschen in eine geographischen Region eingeführt worden oder eingewandert sind und sich dort fest etabliert haben. Der Begriff wurde in Anlehnung an die Bezeichnung Neophyten kreiert, welche sich in Mitteleuropa auf Pflanzen bezieht, die nach ca. 1500 n.Chr. eingeführt oder eingeschleppt worden sind. Eine solch scharfe Definition liegt bei der Anwendung des Terminus "Neozoen" nicht zugrunde.

Einschleppungen und Einwanderungen sowie Aussetzungen von Arten aus fernen Regionen finden schon seit Jahrtausenden statt und wurden in Mitteleuropa stark durch Veränderungen der Umwelt (z.B. Entwaldungen im Mittelalter) gefördert. Erst dadurch kam es zu der uns heute vertraut wirkenden Besiedlung durch Kaninchen von der Iberischen Halbinsel oder verschiedene Arten von Mäusen und Ratten aus östlichen Regionen. Allein in Mitteleuropa sind in den letzten 2000 Jahren mindestens 400 Neozoen etabliert worden, wobei deren direkte Auswirkung auf die einheimische Tierwelt schwer zu beurteilen ist, da auch andere Umweltveränderungen parallel einhergingen.

In Deutschland gehören beispielsweise Nandus zu den Hunderten Neozoen. Bekannt sind die Flamingos im Zwillbrocker Venn (NRW), ferner Papageien, Ochsenfrösche, Bisamratten, Marderhunde oder Waschbären. Wirtschaftliche Schäden in großer Höhe werden z. B. durch Reblaus und Schiffsbohrmuschel verursacht.

Ein besonders starker Verdrängungseffekt auf endemische Arten ist in der Vergangenheit sicher auf manchen ozeanischen Inseln von Neozoen ausgegangen, wo die Einführung von Katzen, Ratten, Füchsen, Ziegen, Schafen und Hunden einheimische Tier- und auch Pflanzenarten (oft zusammen mit intensiver Jagd und anderen Belastungsformen) zum Aussterben brachten.

Bis heute ist die Gesamtauswirkung des Auftretens von Neozoen nicht klärbar, etwa, in welchem Ausmaß eingeschleppte Arten, inklusive deren jeweiliger Parasiten und anderweitig vergesellschafteten Arten wirklich einheimische Arten zum Aussterben bringen. Es wird auch unterschiedlich bewertet, ob die heutzutage zunehmenden globalen Vernetzungs- und Austauschprozesse (über Schiffe, Flugzeuge, Kleider, Nahrungsmittel, Kanalsysteme usw.) gleichsam als gegeben hingenommen werden sollen und "natürlich" sind, oder ob zum Zwecke der zumindest längerfristigen Erhaltung der geographisch differenzierten Lebensgemeinschaften und zum Schutz endemischer Formen der Neueinbürgerung möglichst effektiv Einhalt geboten werden soll.

Nettoeinkommen

Die Entlohnung des Eigenkapitals und der Familienarbeitskräfte. Das Nettoeinkommen errechnet sich nach Abzug des Lohnaufwandes für Fremdarbeitskräfte, der Zinsen für investiertes Fremdkapital und des Pachtaufwandes aus der Nettowertschöpfung. Der volkswirtschaftliche Begriff Nettoeinkommen kommt einzelbetrieblich dem Begriff Unternehmensgewinn nahe.

Nettoprimärproduktion

Der Begriff beschreibt die Menge an Kohlenstoff, die Ökosysteme durch Photosynthese akkumulieren, abzüglich des Kohlenstoffs, der durch die Pflanzenatmung wieder abgegeben wird.

Nettowertschöpfung

Die Nettowertschöpfung stellt die Entlohnung der Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital dar. Sie ist damit betriebswirtschaftlich gesehen vergleichbar mit dem Betriebseinkommen.

Im Gegensatz zur Bruttowertschöpfung (BWS) sind in der Nettowertschöpfung sämtliche an die Landwirtschaft gezahlten Subventionen, einschließlich der Betriebsprämie berücksichtigt. Die Nettowertschöpfung ergibt sich aus der BWS nach Abzug der verbrauchsbedingten, zu Wiederbeschaffungspreisen bewerteten Abschreibungen sowie dem Saldo der sonstigen Produktionsabgaben und der sonstigen Subventionen (einschließlich eventuellem Überausgleich Mehrwertsteuer). Die Nettowertschöpfung steht zur Entlohnung der Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital zur Verfügung.

Die Nettowertschöpfung der Landwirtschaft fiel in Deutschland in den Jahren nach der Wiedervereinigung durch die gesunkenen Erzeugerpreise drastisch. Erst ab 1994/95 konnte dieser Trend gestoppt und bis 1996/97 wieder ein bescheidener Anstieg auf 12 Mrd. € erzielt werden. 2001 wurde durch die gute Getreideernte und die sehr guten Milchpreise erstmals eine Nettowertschöpfung von über 13,1 Mrd. € erzielt. In den Folgejahren brach die Nettowertschöpfung wegen der zurückgegangenen Getreide-, Milch- und Schweinepreise ein und erreichte 2003 nur noch 9,4 Mrd. €. In den Folgejahren konnte sich die Nettowertschöpfung wegen der höheren Ernten bei Getreide, Ölsaaten und Kartoffeln wieder erholen. Mit 13,6 Mrd. € erreichte die Nettowertschöpfung 2007 einen neuen Rekordwert, der 2008 dank hoher Verkaufserlöse auf 15,6 Mrd. € anstieg. Nach weiterem Auf und Ab ist die Nettowertschöpfung 2015 um 25 % auf 10,2 Mrd. € gesunken.

(s. a. Bruttowertschöpfung)

Neubauernstelle

Auf dem Gebiet der neuen Bundesländer in den Jahren 1945/46 im Rahmen einer Bodenreform geschaffenen landwirtschaftliche Kleinbetriebe. Die Eigentümer sollten persönlich wirtschaftende Besitzer sein. Um dies zu gewährleisten, bestanden hinsichtlich der Grundstücke vielfältige Beschränkungen. Diese durften weder verkauft noch verpachtet werden und auch nicht vererbt werden. Es handelte sich um ein (bewirtschaftungspflichtiges) Arbeitseigentum, das mit einem Eigentum im Sinne der bundesdeutschen Rechtsordnung nicht vergleichbar war.
Im Zuge der "Wende" wurden durch ein DDR-Gesetz die genannten Verfügungsbeschränkungen aufgehoben. Die Bodenreformgrundstücke sollten persönliches Volleigentum werden, das verkauft, beliehen und vererbt werden konnte. Diese Regelung wurde im Rahmen des Einigungsvertrages Bundesrecht.
Dennoch kam es häufig zu unklaren Eigentumsverhältnissen bedingt u.a. durch unterschiedliche Rechtspraxis in DDR und Bundesrepublik, Mißachtung von Vorschriften beim Besitzwechsel schon zu DDR-Zeiten und unterlassene Eintragungen ins Grundbuch.

Neueinrichter

Landwirt der nach der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern einen landwirtschaftlichen Betrieb aufgebaut hat, ohne daß er dort vorher Landflächen oder Wirtschaftsgebäude besaß. Neueinrichter nutzten dabei einen freien Flächenmarkt, der in gewissem Umfang in Ostdeutschland unmittelbar nach den Wendeereignissen bestand, dazu auch Kaufmöglichkeiten bei staatlichen (VEG) kommunalen oder kirchlichen Ländereien. Neueinrichter kamen überwiegend aus den alten Bundesländern, aber auch aus den Niederlanden, den USA, Dänemark und anderen Staaten. In der Regel bauten sie in kurzer Zeit und mit erheblichem Kapitaleinsatz moderne Agrarbetriebe auf (Kapital- und know how-Transfer), teils auch in Kooperation mit ostdeutschen Pächtern, Filialleitern usw.

In der ersten Phase prägte die einheimische Bevölkerung für viele von ihnen den abwertend gemeinten Begriff des "Autobahnbauern" oder des "Tiefladerbauern", weil sie als "reisende Manager" bzw. "fernsteuernde Bewirtschafter" zunächst wenig Ortsbindung in Ostdeutschland erkennen ließen. Die Einpassung in die regionale Wirtschaftsstruktur erfolgt noch immer langsam. Manche Betriebe realisieren fast ihren gesamten Bezugs- und Absatzbedarf gewohnheitsmäßig in den alten Bundesländern und operieren z.T. auch mit mitgebrachten Arbeitskräften

Neulandgewinnung

Siehe Landgewinnung

Niedermoor

Der Begriff steht zum einen für einen biogeographischen Landschaftstyp mit ausgeprägtem Feuchtgebietscharakter und entsprechender Vegetation. Zum anderen bezeichnet der Begriff in der Bodenkunde einen Bodentyp.

Niedermoore (früher auch Flachmoore) sind demnach Böden, die sehr große Mengen (über 30%) an organischem Material als Torf enthalten. Den Namen Niedermoor trägt dieser Moortyp wegen seiner größtenteils niederen Erscheinungsform (waagerechte oder schüsselförmige Oberfläche). Es existieren in der Literatur jedoch auch Meinungen, die die Bezeichnung "Nieder-" darauf zurückführen, dass diese Moore am häufigsten in Niederungen anzutreffen sind. Weitere, z.T. regionale Bezeichnungen sind: topogenes Moor (gelände- oder reliefabhängig), minerotrophes Moor, limnisches Moor, subaquatisches Moor, Tiefmoor, Talmoor, Wiesenmoor, Grünlandmoor, Grasmoor, Seggenmoor, Riedmoor (veraltet, nach dem Ausgangsmaterial benannt), Fen, Fenn, Fehn, Veen, Luch, Bruch, Moos.

Charakteristik

Niedermoortorfe besitzen eine typisch dunkelbraune bis schwarze Farbe. Je nach Erhaltungszustand sind die Torf bildenden Pflanzenteile mit bloßem Auge mehr oder weniger gut erkennbar. Der Untergrund von Niedermooren kann aus Sand, Schluff, Lehm und Ton bestehen - oder auch aus ganz besonderen, in Seen abgelagerten Materialien, den Mudden. Diese Mudden können je nach Ausgangsmaterial weiß (Kalkmudde), oliv (Lebermudde aus Algen) oder dunkelbraun (Tonmudde) gefärbt sein.

Niedermoore sind deutlich nährstoff- und basenreicher als Hochmoore. Durch die Verbindung zum Grundwasser oder zu Still- oder Fließgewässern erhalten sie eine stetige Zufuhr von gelösten Mineralien, die bis in die oberen Torfschichten gelangen. Nährstoffgehalt und Bodenreaktion von Niedermooren sind abhängig vom geologischen Untergrund und können stark variieren, was sich auch in den unterschiedlichen Pflanzengesellschaften der Niedermoore widerspiegelt. Niedermoor-Torfe haben eine vergleichsweise geringe Mächtigkeit und liegen dem mineralischen Untergrund auf.

Das Normniedermoor besitzt ein nHw/(nHr/)(IIfF/) …-Profil, ist basenreich und kalkfrei. Das vorangestellte n steht für Niedermoor, der F-Horizont befindet sich am Gewässergrund und enthält mehr als 1 Masse-% organische Substanz. 

Vegetation

Durch den im Vergleich zu den Hochmooren größeren Nährstoffreichtum und den höheren pH-Wert  bieten Niedermoore einer Vielzahl von Pflanzen Lebensraum. Die Vegetation ist zumeist von Klein- oder Großseggen oder Röhrichtarten dominiert. Je nach Standortbedingungen bilden sich Pflanzengesellschaften beispielsweise aus Binsen, Schilf, Rohrkolben und sogar aus Bäumen wie Erlen, Moorbirken und Weiden. Auch Bruchwälder können sich ausbilden. Hier wird Jahr für Jahr sehr viel Pflanzenmasse produziert. Schilfflächen und Röhrichte bringen es auf bis zu 16t/ha Pflanzen-Trockenmasse pro Jahr! Damit entsprechen sie in ihrer Produktivität den Laubwäldern. Dies ist wichtig, weil die Pflanzen während ihres Wachstums permanent CO2 aus der der Atmosphäre ziehen und dieses speichern. Die als Torf konservierten Pflanzenreste speichern den Kohlenstoff dauerhaft, bzw. bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Torf austrocknet. Denn unter Sauerstoffeinfluss werden die Pflanzenreste zersetzt und das CO2 wird wieder in die Atmosphäre freigesetzt.

Entstehung

Niedermoore entstehen z.B. bei der Verlandung von Gewässern (Verlandungsmoore), unter dem Einfluss von ansteigendem Grundwasser (Versumpfungsmoore), im Quellwasserbereich (Quellmoore), in kesselförmigen Senken kleinerer Einzugsgebiete, wo sich das Wasser sammelt (Kesselmoore), oder im Auenbereich von Flüssen, wo es häufig zu Überflutungen kommt. In Mittelgebirgen findet man an Stellen, wo ständig Hangwasser zufließt und die Versickerung eingeschränkt ist, die meist geringmächtigen Hangmoore. Das für die Niedermoorbildung ausschlaggebende Wasser, welches immer relativ reich an löslichen Stoffen ist, die es dem von ihm durchströmten oder überrieselten Mineralboden entnommen hat, ist entscheidend für seinen Nährstoffstatus. Je nach Nährstoffgehalt dieses Wassers und der damit gebildeten Torfe kann man eutrophe (nährstoffreiche) sowie meso- und oligotrophe (mäßig nährstoffreiche und nährstoffarme) Moore unterscheiden. Dabei kann hoher Calciumgehalt mit Armut an anderen wichtigen Nährstoffen, wie z.B. Stickstoff, Phosphor und Kalium einhergehen, so daß es kalkreich- und kalkarm-oligotrophe bzw. -mesotrophe Niedermoore gibt.

Verbreitung

Weltweit sind Niedermoore vor allem in den kühlen und feuchten Klimaten der Nordhalbkugel zu finden. Dort herrscht stets Wasserüberschuss, weil mehr Niederschlag fällt als verdunstet. In Deutschland nehmen Niedermoore eine Fläche von etwa einer Million Hektar ein. Die meisten und größten Moorflächen von bis zu 30.000 Hektar finden sich in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg.

Niedermoor - Vorkommen in Deutschland

Niedermoor - Vorkommen in Deutschland

Die meisten und größten Moorflächen von bis zu 30.000 Hektar finden sich in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Baden-Württemberg und Bayern.

Quelle: © BGR Hannover

Nutzung und Funktionen

Natürliche Niedermoore sind ökologisch sehr wertvoll. Mit den hohen Wassergehalten und den besonderen Nährstoffverhältnissen kommen nur angepasste, meist selten vorkommende Spezialisten der Tier- und Pflanzenwelt zurecht. Dazu gehören der Große Feuerfalter, das Wollgras und die Seggen. In mächtigen Niedermooren sind bis zu 2.000 Tonnen Kohlenstoff je Hektar festgelegt. Sie sind damit weltweit die größten Kohlenstoffspeicher pro Flächeneinheit.

An der Zusammensetzung von Torfen lassen sich frühere Vegetations- und Klimaverhältnisse ablesen. Nicht selten finden sich auch Spuren ehemaliger Nutzung und Besiedlung. Niedermoore sind daher wichtige Archive der Natur- und Kulturgeschichte.

Damit Niedermoore für Land- oder Forstwirtschaft oder für Siedlungen nutzbar wurden, mussten sie durch Gräben oder Dräne entwässert werden. Dadurch veränderten sich ihre Eigenschaften erheblich, oft irreversibel. Die in Deutschland gebräuchlichsten Verfahren der Niedermoorkultivierung waren die Schwarzkultur und die Sanddeckkultur. Die meisten Niedermoore Deutschlands werden derzeit als Grünland in unterschiedlicher Intensität genutzt.

Torf aus Niedermooren wird seit über 1.000 Jahren als Brennstoff, Heilmittel und Dünger verwendet. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts wurde der Torfabbau industriell betrieben. Auch Raseneisenstein, eine Bildung in Niedermooren mit eisenreichem Grundwasserzufluss, und Kalkmudde wurden bis Anfang des 20. Jahrhunderts abgebaut. Heute wird Niedermoortorf in Deutschland nur noch auf sehr wenigen Flächen für medizinische Zwecke gewonnen. Wegen ihrer Seltenheit stehen intakte, naturnahe Niedermoore in Deutschland heute unter Naturschutz.

Weitere Informationen:

Niederstammkultur

Pflanzung von Kern- und Steinobstbäumen in schmalen, heckenartigen Fruchtwänden. Kleine rundkronige Bäume stehen so dicht in der Reihe, dass sie nach wenigen Jahren eine lockere Wand bilden (Superspindel, Schlanke Spindel). Das Baumgerüst besteht nur noch aus dem Stamm. Alle Seitenachsen sind Fruchtriebe oder Fruchtäste. Typisch für die modernen Dichtpflanzungen ist nicht allein die größere Zahl von Bäumen je Hektar. Wesentlicher ist, dass damit eine höhere Intensitätsstufe der Obstproduktion erreicht wird. Schon nach kurzer Standzeit werden hohe und regelmäßige Erträge in bester Fruchtqualität erzeugt, die Arbeitsproduktivität steigt und die Kosten je Dezitonne Obst sinken. Viele Pflegearbeiten können maschinell erfolgen. Auch der Pflanzenschutz ist in den maximal 2,5 Meter hohen Apfelanlagen einfacher geworden: Spritzmittel können dort, wo sie letztlich unentbehrlich sind, sehr gezielt eingesetzt werden. Um den steigenden Qualitätsanforderungen gerecht zu werden, können die Obstbauern solche Bäume zudem besser mit Hagelnetzen schützen. Bäume aus Niederstammkulturen liefern regelmäßigere Erträge als Hochstämme, welche häufig der Alternanz (von Jahr zu Jahr starke Ernteschwankungen) unterliegen.

Weitere Informationen:

Nitrate

NO3, Salze der Salpetersäure. Nitrate gehören zu den Hauptnährstoffen im Boden (Bildung durch Mikroorganismen aus dem Luftstickstoff oder aus stickstoffhaltigen organischen Stoffen). Das von den Pflanzen aufgenommene Nitrat wird überwiegend zu Eiweiß und anderen organischen Stickstoffverbindungen umgewandelt. Ein mehr oder weniger großer Teil des Nitrats wird aber auch in Pflanzen gespeichert.
Nitrate kommen u.a. in Grünpflanzen vor. Nitrate finden sich auch in stickstoffhaltigen Düngemitteln. Bei unsachgemäßer Anwendung in der Landwirtschaft können Nitrate mit dem Niederschlagswasser in das Grundwasser bzw. in Oberflächengewässer gelangen und dessen Nitratbelastung erhöhen. In Deutschland verursacht die Landwirtschaft zu 82 % (1994) die flächenhaften Einträge von Nitrat ins Grundwasser. Sehr hohe Nitratkonzentrationen sind oft in Gebieten mit Sonderkulturen (Wein, Gemüse, Obst) nachzuweisen. Punktuelle Einträge von Nitrat aus der Landwirtschaft und anderen Verursacherbereichen sind bei lokaler Relevanz insgesamt von untergeordneter Bedeutung.

Problematisch können hohe Nitratgehalte in pflanzlichen Nahrungsmitteln (z.B. Spinat) aus überdüngten Kulturen oder aus belastetem Grundwasser für den menschlichen Organismus sein, da sich diese im Verdauungsbereich zu Nitriten umwandeln können und letztere mit den Aminen aus eiweißhaltigen Lebensmitteln die krebsverdächtigen Nitrosamine und Nitrosamide bilden. Zuviel Nitrat im Trinkwasser kann in seltenen Fällen für Säuglinge wegen der teilweisen Umwandlung des Nitrats in Nitrit im Körper gefährlich werden. Diese direkte toxische Wirkung des Nitrits beruht auf seiner Eigenschaft, den roten Blutfarbstoff, Hämoglobin, in Methämoglobin umzuwandeln. In dieser Form ist der Blutfarbstoff nicht mehr in der Lage, Sauerstoff zu transportieren. So kann Nitrit bei Babies bis zu einem Alter von 3 Monaten zur "Blausucht" (Methämoglobinämie) führen.

Der Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser beträgt in der Trinkwasserverordnung 50 mg/l. Doch trotz der EU-rechtlichen Obergrenze für Wirtschaftsdünger von 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr wird in Deutschland an vielen Messstellen der 50-Milligramm-Grenzwert seit Jahren überschritten. Da Nitrat mit den üblichen Trinkwasseraufbereitungsmethoden kaum entfernt werden kann, ist Rohwasser mit einem höheren Gehalt an Nitrat für die Trinkwasserversorgung ungeeignet.

Im Hinblick auf die Nitratauswaschung sind die Wirtschaftsdünger Gülle, Jauche und Stallmist kritischer zu betrachten als die Mineraldünger, da sie sich nicht so gezielt zum optimalen Bedarfszeitpunkt der Pflanzen einsetzen lassen.

Stickstoffeintrag ins Grundwasser in Abhängigkeit von der Kulturart
Stickstoffeintrag ins Grundwasser in Abhängigkeit von der Kulturart

Quelle: Ministerium für Umwelt Baden-Württemberg (Hrsg.): Nitrat im Grundwasser, 1991

Die Auffassung, daß es auf Grünland kein, zumindest aber eine viel geringeres Risiko der Nitratauswaschung gäbe als auf Ackerland, ist überholt. Sie ist lediglich für Wiesen zutreffend, nicht aber für Weiden (Weidetierexkremente). Wenn Grünland großflächig umgebrochen wird, kann sich im Grundwasserraum eine Welle hoher Nitratbelastung ausbilden. Nach einigen Jahren fallen die Nitratwerte wieder, bleiben aber als Folge der neuen Nutzung über dem ursprünglichen Niveau.

Nach dem Umbruch von Leguminosen vor der Winterruhe wird der organisch gebundene Stickstoff mineralisiert und kann dann in das Grundwasser ausgewaschen werden.
Bei der Drainierung und Ackernutzung von Moorböden wird die organische Torfsubstanz zunehmend abgebaut, was mit der Freisetzung des organisch gebundenen Stickstoffs und Phosphats verbunden ist.

Werden Sonderkulturen angelegt, so kann die Nitratbelastung selbst bei geringen Flächenanteilen dieser Kulturen auf ein erheblich höheres Niveau als zuvor ansteigen. Der Grund ist meist Überdüngung.

Die Düngermenge wird um so entscheidender, je mehr der Anbau einer Schwarzbrache ähnelt. Das gilt für viele Sonderkulturen, aber auch für die erste Wachstumsperiode von Mais und Hackfrüchten. Dort entscheidet auch der Düngezeitpunkt: je weniger die Pflanzen entwickelt sind und Nährstoffe aufnehmen können, desto größer ist die Gefahr der Auswaschung. Diese Gefahr verschärft sich, wenn der Anbau auf leichten Böden stattfindet. Sie vermögen nur wenig Wasser zu speichern, entsprechend schnell kommt es zur Versicherung.
Durch Anbau von Zwischenfrüchten im Winter, also in der Hauptsickerungsperiode, kann die Nitratauswaschung stark gesenkt werden.
Bis zur Grundwasseroberfläche wird Nitrat in nennenswertem Maße nur dann abgebaut, wenn die Böden schwer und sauerstoffarm sind und der Sickerwasserbereich genügend mächtig ist. Die Denitrifikation im Aquifer hängt vor allem davon ab, ob das Wasser sauerstoffarm ist und den Bakterien genügend organische Substanz zur Verfügung steht.

Zivilisatorisch unbeeinflusstes Wasser enthält nur bis zu 8 mg/l Nitrat. Die beispielsweise in Baden-Württemberg gewonnenen Durchschnittswerte einzelner Trinkwasserquellen und des Grundwassers größerer Einzugsgebiete liegen mit 20-30 mg/l Nitrat weit über dem Bereich natürlicher Schwankungen. Als Folge davon wurden im Zeitraum 1980-1989 etwa 20 % der Trinkwassergewinnungsanlagen in Baden-Württemberg stillgelegt.

Der Schwellenwert der Grundwasserverordnung von 50 mg/l wurde im Jahr 2015 an jeder zehnten Messstelle überschritten. Nach wie vor sind die höchsten Nitratkonzentrationen in der nördlichen und südlichen Oberrheinebene, in Teilen des Kraichgaus, im Neckarraum zwischen Stuttgart und Heilbronn sowie in der Region Oberschwaben zu finden. Dort sind die Gründe vor allem in einem hohen Anteil an Ackerflächen sowie in den dort gängigen Sonderkulturen wie Reben oder Gemüse zu suchen.

Zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen wurde im Dezember 1991 eine Richtlinie des Rates der Europäischen Gemeinschaft erlassen. Nach Artikel 1 hat diese Richtlinie zum Ziel,

Die Richtlinie schreibt u.a. Höchstmengen an Dung pro Hektar vor, und zwar bezogen auf die darin enthaltene Stickstoffmenge.

Bei Berücksichtigung der häufigsten Untersuchungsergebnisse lassen sich die Pflanzenarten hinsichtlich ihres Nitratgehaltes einteilen. Dabei spielen die zum Verzehr bestimmten Pflanzenteile eine besondere Rolle. Hohe Gehalte sind zu erwarten, wenn Blätter, Blattstiele und Hypokotylknollen verwendet werden. Im Gegensatz dazu sind alle Früchte (einschließlich Obst) und Samen nitratarm. Genetisch bedingte Unterschiede sind vorhanden. Die Züchter sind daher bemüht, nitratarme Sorten zu schaffen.

Messnetze für die Nitratüberwachung im Grundwasser

Grundwassermessstellen dienen der Einstufung des Grundwassers in den chemischen Zustand und dienen der Überwachung der Ziele der EU-Nitratrichtlinie. Ziel der EU-Nitratrichtlinie ist der flächendeckend gute Grundwasserzustand mit Nitratkonzentrationen unter 50 mg/l. Zur Überprüfung existieren verschiedene Messnetze.

Das größte Messnetz mit den meisten Messstellen ist das Messnetz zur Berichterstattung nach der Wasserrahmenrichtlinie, das von den Bundesländern betrieben wird. Es umfasst knapp 7.200 Messstellen zur Erfassung des chemischen Zustandes, von denen rund 4.900 so genannte Überblicksmessstellen (kein Handlungsbedarf) und rund 2.300 operative Messstellen (mit Handlungsbedarf) sind. Zudem existieren noch knapp 6.000 Messstellen zur Überwachung des mengenmäßigen Zustandes des Grundwassers.

Für die jährliche Berichterstattung Deutschlands an die Europäische Umweltagentur zum Grundwasserzustand werden rund 1.200 Messstellen verwendet, die repräsentativ für die Flächenaufteilung Deutschlands sein sollen. Daraus ergibt sich eine Messstellendichte von ca. 3,5 Messstellen je 1.000 km². Die Messstellendichte ist aber immer noch deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Für die Ausweisung der nitratsensiblen Gebiete nach der Düngeverordnung soll über eine Verwaltungsvorschrift des Bundes bis Ende 2020 sichergestellt werden, dass mindestens eine Messstelle je 50 km² vorhanden ist.

Ein Teil dieses Messnetzes wiederum wird für den alle vier Jahre zu erstellenden Nitratbericht verwendet und soll den landwirtschaftlichen Einfluss auf das Grundwasser abbilden. Dafür wurden im Nitratbericht 2020  692 Messstellen verwendet. Dabei liegen nicht alle Messstellen im Grundwasser selbst, sondern mehr als 100 davon sind Messstellen an Quellen.

Die für die Nitratberichte Deutschlands verwendeten Messstellen der Jahre 2012, 2014, 2016 und 2018 sowie die zugehörigen die Nitratwerte über und unter 50 mg Nitrat / l und die Filtertiefen der Messstellen (sofern vorhanden) finden Sie in dieser Google-Karte.

Weitere Informationen:

Nitrifikation

Auch Nitrifizierung genannte Umwandlung von aus Eiweißzersetzung stammendem Ammonium-Stickstoff (NH4+) in leicht aufnehmbaren Nitrat-Stickstoff (NO3-) durch Bodenbakterien. Dieser Oxidationsprozess erfolgt in zwei Schritten:

1)  4 NH4+ + 7 O2 → 4 NO2- + 4 H3O+ + 2 H2O
2)  2 NO2- + O2 → 2 NO3-

Zusammen mit der Denitrifikation ist die Nitrifikation für die gasförmigen N-Verluste aus Böden aber auch aus Gewässern verantwortlich und mithin für die Bildung von Distickstoffoxid (N2O) und Stickstoffoxiden (NOx). Die Nitrifikation führt zur Bodenversauerung.

(s. a. Stickstoffkreislauf)

Nitrite

Salze der salpetrigen Säure. Nitrite sind giftig, denn sie behindern den Sauerstofftransport des Blutes. Beim Menschen können als Folgen Übelkeit, Magenbeschwerden und Atemnot (Blausucht) eintreten. Gefährdet sind insbesondere Säuglinge (z.B. durch Verzehr von aufgewärmtem Gemüse aus intensiv gedüngten Kulturen, da das enthaltene Nitrat bakteriell zu Nitrit umgewandelt werden kann). Nitrite können sich unter Umständen im Magen-Darm-Trakt des Menschen mit Aminen der Nahrung zu Nitrosaminen umwandeln. Solche Verbindungen sind stark krebsverdächtig.

Nmin-Untersuchung

Labormethode zur Bestimmung des mineralisierten Stickstoffs im Boden als Grundlage für die Ermittlung des Stickstoffbedarfs der Pflanze und für die Verabreichung gezielter, dem Bedarf der Pflanze angepasster Düngergaben.

Nomadismus

Wanderviehwirtschaft mit dem Nutzungssystem des Weideflächenwechsels. Es handelt sich um die am weitesten in die Randbereiche der Ökumene vorgeschobene agrarische Nutzform in enger Anpassung an die Naturgrundlagen (z.B. <100 mm N). Die Bevölkerung wandert mit den Herden und ihren Siedlungen (Zelte, Jurten, Hütten) zwischen den bis zu mehreren hundert Kilometern voneinander entfernten Weidegründen, deren Tragfähigkeit und auch Trinkwasserangebot mit dem Niederschlags- und Temperaturgang jahreszeitlich und von Jahr zu Jahr wechselt. Die Futterversorgung kann nur durch die Wanderung zwischen Winter- und Sommerregenzeit, Tiefland und Höhengebieten erfolgen, da keine Vorratshaltung besteht. Die Produktionsgrundlage der nomadischen Viehwirtschaft bildet stets die Naturweide, eine Weidepflege findet nicht statt. Transporttiere, die neben den Herdentieren gehalten werden, befördern den gesamten Hausrat während des mehrmals pro Jahr erfolgenden Weidewechsels. Ein weiterer Grund für das Wanderungsverhalten ist das Bemühen standortspezifischen Tierkrankheiten auszuweichen.

Dieser Vollnomadismus ist in seiner Reinform heute selten geworden. Er unterscheidet sich vom Halbnomadismus, bei dem die Viehhalter über einen festen Wohnsitz verfügen, in dessen Nähe i.d.R. Anbauwirtschaft betrieben wird. Zeitweise wandert die gesamte Familie des Herdenbesitzers oder ein Teil davon mit der Herde in entfernte Weidegebiete. Marktwirtschaftliche Verflechtungen sind gering, Selbstversorgung und regionaler Tauschhandel herrschen vor. Oft besteht eine symbiotische Beziehung zwischen Weidenomaden und seßhaften Oasenbauern. Daneben spielen andere Tätigkeiten und zusätzliche Einkommen aus dem Handel, aus Transport- oder Geleitschutz für den Handel, aus handwerklicher Arbeit (Lederbearbeitung oder Teppichknüpferei) oder aus dem Grundbesitz, den man durch Pächter oder hörige Bauern bewirtschaften läßt, eine bedeutsame Rolle.

Während sich der Vollnomadismus gut an die ökologischen Bedingungen anpasst, verschärft sich im Halbnomadismus häufig die Futtersituation. Sind die Tiere im Einzeleigentum der Familien und die Fläche ist Gemeineigentum, versucht jede Familie die Anzahl der Tiere hoch zu halten. Eine Überstockung kann dann zu Überweidung führen.

Die Produktivität der nomadischen Herden, gemessen am Fleischzuwachs und an der Milchleistung, ist gering. Wachstum und Milchleistung sind sehr stark vom Vegetationsrhythmus abhängig.

Nomadismus gibt es als altweltliche Wirtschaftsform vor allem in den Trockenräumen Afrikas, des Mittleren und Fernen Ostens. Der Nomadismus in der arktischen Tundrenzone mit Rentieren ist selten geworden. In der Neuen Welt hat es dagegen nie einen Nomadismus gegeben, da die Weidetiere nicht vorhanden waren. Stets ist der Nomadismus mit tribalistischen Gesellschaftsstrukturen verbunden.

Häufigste Nutzvieharten sind Schafe und Ziegen. Reinbestände einer Tierart sind selten, häufiger werden gemischte Herden gehalten (Verwertung verschiedener Pflanzen, Risikostreuung). Als Prestigetiere gelten in der Sahara und in der Arabischen Wüste das Kamel, in den Wüsten Turkestans und in der Mongolei das Pferd. Die Größe des Viehbestandes bestimmt den sozialen Rang und das Ansehen der Eigentümer der Gemeinschaft, so daß man sich nur selten zum Schlachten oder zum Verkauf eines Tieres entschließt. Aus der Wolle und dem Haar der Tiere werden Kleidungsstücke, Decken und Zeltplanen gefertigt.

Allen Nomaden gemeinsam ist, daß die Milch als Grundnahrungsmittel dient, wobei alle Tierarten gemolken werden: Kamele, Dromedare, Pferde, Esel, Kühe, Ziegen und Schafe.

Neben dem Grad der Mobilität dienen als weitere Differenzierungskriterien Futtergrundlage, Tierarten und Lebensformen wie Wüsten- oder Steppennomadismus.

Fehlende statistische Erhebungen erlauben nur vage numerische Aussagen über Bedeutung und Verbreitung des Nomadismus. Wahrscheinlich können z.Z. weniger als 10 Mio. Menschen als Nomaden bezeichnet werden. Als räumliche Schwerpunkte gelten vor allem der Sahel, Somalia, die ostafrikanischen Hochländer sowie die Hochländer Irans und Afghanistans. In Somalia machen die Nomaden z.B. noch 58 % der einheimischen Bevölkerung aus.

Generell ist aber seit langem von einem deutlichen Niedergang des Nomadismus auszugehen, auch wenn sich in ehemals sozialistischen Ländern eine gewisse Wiederbelebung anzubahnen scheint (Mongolei). Arnold (1997) trug folgende Hauptgründe dafür zusammen:

Noria

Im Nahen Osten, Indien und Spanien übliche Bezeichnung für ein von fließendem Wasser angetriebenes Schöpfrad zur Hebung von Wasser in ein kleines Aquädukt mit dem Ziel der Bewässerung oder der Versorgung von Siedlungen.

Das um eine horizontale Achse rotierende Schöpfrad ist mit Wasserkübeln besetzt und taucht mit einem Teil seines Umfangs in Wasser. Die Kübel füllen sich mit Wasser, wenn sie in den Fluss eintauchen. Im Bereich des höchsten Punktes des Rades entleert sich der Inhalt der Kübel dann in ein Auffangbecken, von wo aus es in einen Bewässerungskanal fließt.

Ähnliche Maschinen, allerdings mit externem Antrieb (z. B. Tierkraft) heißen Sakia bzw. Saqiya. Auf der Iberischen Halbinsel wird jedoch der dort von den Arabern übernommene Begriff Noria teilweise für beide Vorrichtungen verwendet.

Novel Food

Neuartige Lebensmittel, die aus Rohstoffen bestehen, die bislang in der menschlichen Ernährung nicht vorkommen oder die auf unkonventionelle Weise z.B. mit Hilfe der Gentechnologie hergestellt oder synthetisiert werden.
Nach der Novel Food-Verordnung der EU (seit Mitte Mai 1997 in Kraft) gelten folgende Lebensmittel und Lebensmittelzutaten als Novel Food:

Neuartig im Sinne der Verordnung sind nicht nur Gentechnik-Produkte. Auch andere bisher nicht bekannte Lebensmittel, beispielsweise Fleisch-Ersatz aus Einzeller- oder Algeneiweiß oder die sogenannten 'Designer-Lipide' (künstliche kalorienfreie Fette), fallen darunter.
Die Verordnung enthält unklare Formulierungen, insbesondere hinsichtlich der Umsetzung der in ihr enthaltenen Kennzeichnungspflicht. Nachweisverfahren, ohne die eine Überwachung der Kennzeichnung nicht durchführbar ist, werden gegenwärtig entwickelt. Derartige Verfahren lassen sich nur mit genauer Kenntnis der jeweiligen gentechnischen Änderung schaffen. Unbekannte Veränderungen sind nur in sehr eingeschränktem Maße nachweisbar. Die technischen Details zur Durchführung und Kontrolle der Kennzeichnung sind weitgehend unklar.
Von Bedeutung ist eine Kennzeichnung und eine Überprüfung im Rahmen des Verbraucherschutzes z.B. für Allergiker, die sich darauf verlassen müssen, daß ein Lebensmittel die mit der Gentechnik erzielte Allergen-Freiheit auch tatsächlich besitzt, da ansonsten lebensbedrohliche Situationen (anaphylaktischer Schock) eintreten können.
Lebensmittel müssen gekennzeichnet werden, wenn sie

Lebensmittel aus transgenen Pflanzen, die das veränderte Gen oder Genprodukt nicht enthalten (z.B. Zucker aus transgenen Zuckerrüben oder Sojaöl aus herbizidtoleranten Sojabohnen) entziehen sich prinzipiell einem Nachweis, folglich ist eine Kennzeichnung nicht vorgesehen. Demgegenüber muß z.B. Ketchup aus transgenen Tomaten gekennzeichnet werden, da es sich wissenschaftlich nachweisbar von gleichwertigen konventionellen Lebensmitteln unterscheidet.
Gentechnisch hergestellte Lebensmittelzusatzstoffe, Aromen, Enzyme u.a. fallen nicht unter die Novel Food-Verordnung. Auch bereits zugelassene Produkte wie Genmais, Gensoja und Genraps werden von der Verordnung ausgenommen, sollen aber nachträglich reguliert werden. Insgesamt sind rund 80 % der gentechnisch veränderten Lebensmittel von der Kennzeichnung befreit. Eine bewußte Verbraucherentscheidung für oder gegen Produkte, die auf gentechnischen Veränderungen beruhen, ist so nicht möglich.
Die Anwendung der Gentechnologie in der Nahrungsmittelverarbeitung erbringt einen Beschleunigungs- und Effizienzeffekt und ermöglicht, neue Nahrungsmittel, sogar auf molekulargenetischer Ebene definiert, zu kreieren. Sie verstärkt dabei auch die negativen Effekte des "food-design" und bringt zusätzlich das Risiko mit sich, daß die gegenseitige in evolutionären Zeiträumen entstandene Anpassung zwischen natürlichen Mikrofloren und Menschen aufs Spiel gesetzt wird.

Die Ernährung wird durch die moderne Lebensmittelindustrie und durch die Entwicklung von Novel Food von deren Grundlage Landwirtschaft getrennt. Ernährung und Landwirtschaft ist nicht mehr ein System, wo der regionale Bedarf oder die Notwendigkeit nach Vielfältigkeit in der Ernährung zur regionalen und kleinräumigen Vielfältigkeit in der Landwirtschaft Anlaß gibt oder diese Vielfältigkeit sich wechselseitig bedingt, was auch dem ökologischen Standpunkt entgegenkommt, sondern die vielfältige Ernährung ist nur mehr ein Transport- und Industrieproblem, während die Landwirtschaft lediglich ein Rohstofflieferant ist, der möglichst spezialisiert oder monokulturell, Nahrungsmittelgrundstoffe bereitstellt.

Am 31. Dezember 2015 ist die neue europäische Novel Food-Verordnung in Kraft getreten und wird ab 1. Januar 2018 verbindlich. Die Verordnung (EU) 2015/2283 löst die bisher geltende Verordnung (EG) Nr. 258/97 ab. Die Begriffsbestimmung für Novel Food wird in der Verordnung präzisiert. Damit werden Unklarheiten im Hinblick auf den Anwendungsbereich der bisher geltenden Novel Food-Verordnung beseitigt. Unter anderem sind ganze Tiere wie Insekten, Lebensmittel aus Zell- oder Gewebekulturen sowie Erzeugnisse mineralischen Ursprungs nunmehr Teil der Begriffsbestimmung und damit eindeutig im Anwendungsbereich der Verordnung. Zudem wird klargestellt, dass technisch hergestellte Nanomaterialien neuartige Lebensmittel sind und damit der Bewertungs- und Zulassungspflicht unterliegen, sofern dafür nicht - wie beispielsweise bei Lebensmittelzusatzstoffen - bereits in anderen EU-Vorschriften eigene Regelungen, einschließlich einer Zulassungspflicht, bestehen.

(s. a. BMEL)

Weitere Informationen:

NPK-Dünger

Bezeichnung für Dünger, welche die Hauptnährelemente Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) enthalten.

Nüsse

Auch Hartschalenobst; im botanischen Sinne Schließfrüchte mit harter, holzartig entwickelter Fruchtknotenwand (z. B. Haselnüsse, aber auch Getreidekörner, Samen der Erdbeere); im allgemeinen Sprachgebrauch und nach handelsüblicher Auffassung dagegen von einer festen Schale umgebene Samen, die botanisch nicht unbedingt Nüsse darstellen müssen. Die Erdnuss ist z. B. botanisch eine Hülsenfrucht, Kokos-, Walnuss und Mandel sind Steinfrüchte.

Als Nuss ohne zusätzliche Bezeichnung dürfen nach dem Lebensmittelrecht nur Hasel- und Walnuss genannt werden, alle anderen Nüsse müssen mit ihrem vollständigen Namen bezeichnet werden. Die bedeutendsten Vertreter der Schalenfrüchte sind Erdnuss, Haselnuss, Kokosnuss, Walnuss, Cashewnuss, Mandel, Macadamianuss, Paranuss, Pekannuss, Pistazie und Marone (Esskastanie). Die Saison für ungeschälte Nüsse beschränkt sich im Wesentlichen auf das letzte Jahresviertel, bei Erdnüssen ist die Saison länger. Geschälte Nüsse sind das ganze Jahr über erhältlich. Eine gemeinsame Eigenschaft aller Schalenfrüchte (Ausnahme: Marone) ist der hohe Fettgehalt und damit Energiegehalt. (spektrum.de)

Nüsse werden roh verzehrt, zur Herstellung von Knabbererzeugnissen vielfach auch geröstet und gesalzen. Sie finden weiterhin häufig als Zutat für die Herstellung von Müsli, Back- und Süßwaren Verwendung. Außerdem dienen Nüsse zur Gewinnung von Speisefetten und Speiseölen sowie als Rohstoffe zur Kosmetikherstellung.

Die mengenmäßig weltweit bedeutendsten Nüsse sind Erdnuss und Kokosnuss. Haupterzeugerländer sind China und Indien (Erdnuss) bzw. Indonesien, Philippinen und Indien (Kokosnuss).

Bei Nüssen gibt es hierzulande praktisch keinen Marktanbau. Haselnüsse spielen ebenso wie Mandeln in der Inlandserzeugung lediglich eine lokale Bedeutung auf Selbstvermarktungsebene. Während Haselnüsse im gesamten Bundesgebiet auf geeigneten Standorten gedeihen können, beschränkt sich der Anbau von Mandeln auf die Weinbauklimate besonders Rheinhessens, der Pfalz und des Oberrheins. Aufgrund der untergeordneten Bedeutung ihres Anbaus liegen statistische Zahlen zu Anbaumengen von Haselnüssen und Mandeln im Inland nicht vor.

Walnüsse hingegen werden in geringen Mengen auch im Inland erzeugt. Der Kaiserstuhl bei Freiburg ist das größte Walnussanbaugebiet in Deutschland. Die Walnussernte wird hierzulande allerdings ebenfalls statistisch nicht erfasst. Marktkenner gehen jedoch davon aus, dass in den letzten Jahren jeweils zwischen 21 und 50 t vermarktet wurden, mit abnehmender Tendenz. Im gesamten Erwerbsanbau werden jährlich kaum mehr als 300 t geerntet. Im Vergleich dazu importierte Deutschland in 2013 fast 17.000 t Walnusskerne und rund 10.500 Walnüsse in der Schale (Hauptexportland sind die USA).

Der Pro-Kopf-Verbrauch für alle Nüsse und Schalenfrüchte – zu denen auch Früchte wie Esskastanien, Pistazien, Kokosnüsse u. a. zählen – lag 2012/2013 bei 3,9 kg. (BZfE)

Nutzartenverhältnis

Siehe Kulturartenverhältnis

nutzbare Feldkapazität (nFK)

Der Anteil des Bodenwassers, der gegen die Schwerkraft vom Boden festgehalten wird (also nicht unproduktiv versickert) und von Pflanzen genutzt werden kann, wird als nutzbare Feldkapazität (nFK) bezeichnet. Dieser Anteil wird für die einzelnen Bodenhorizonte in % des Bodenvolumens angegeben. Dieser Prozentanteil multipliziert mit der Mächtigkeit des Horizontes in dm ergibt die nFK in mm oder l/m².

Die nutzbare Feldkapazität (nFK) lässt sich auch als Differenz von Feldkapazität und Welkepunktwasserkapazität errechnen:

nFK = FK – WWK

Entsprechend der Einteilung der Porengrößen in Böden bezeichnet man den Porenbereich von 0,2 µm bis 50 µm als die nutzbare Feldkapazität (nFK) eines Bodens, da das enthaltene Porenwasser pflanzenverfügbar ist. Das Wasser der Poren < 0,2 µm ist nicht mehr pflanzenverfügbar und wird deshalb als "Totwasser" bezeichnet. Der sog. permanente Welkepunkt (PWP) liegt dementsprechend bei pF 4,2.

Für verschiedene Bodenarten messbare Feldkapazitäten, nutzbare Feldkapazitäten und Totwasseranteile bei einer mittleren Trockenrohdichte
Bodenartenhauptgruppe Luftkapazität (%) Feldkapazität (%) nutzbare Feldkapazität (%) Totwasser (%)
Ton 2,5 - 5,0 36,0 - 42,0 9,0 - 15,0 21,0 - 31,0
Lehm 3,5 - 10,0 29,0 - 36,5 12,0 - 21,5 8,5 - 23,5
Schluff 4,5 - 7,0 33,5 - 36,5 16.0 - 26,0 8,0 - 19,5
Sand 8,0 - 21,5 15,5 - 31,0 11,0 - 24,5 4,5 - 8,5

Quelle: BOKUonline nach AG Boden, 1994

Wie Untersuchungen an einjährigen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen ergeben haben, kann man im Mittel davon ausgehen, dass bei Bodenwassergehalten im Wurzelraum, die unter 50 % der nFK liegen, mit Ertragseinbußen gerechnet werden muss. Da die Ertragsminderungen um so größer sind, je länger diese Grenze unterschritten wird, kann die Häufigkeit, mit der 50 % der nFK im langjährigen Mittel unterschritten wird, z.B. als theoretische Grundlage für die Beurteilung der Beregnungsbedürftigkeit eines Bodens dienen.

Um die Wasserversorgung eines Standorts zu beurteilen, muss neben der Substrateigenschaft „nutzbare Feldkapazität“ auch die Durchwurzelungstiefe berücksichtigt werden. Die nFK, bezogen auf die effektive Durchwurzelungstiefe (We), ist eine zentrale Kenngröße für die Ertragsfähigkeit und Ertragssicherheit eines Bodens. Sie wird durch Addition der horizontbezogenen nFK im durchwurzelbaren
Bodenprofil gebildet. Die effektive Durchwurzelungstiefe ist dabei die rechnerisch ermittelte Tiefe, bis zu der einjährige Pflanzen das pflanzenverfügbare Bodenwasser im Laufe einer Vegetationsperiode voll ausschöpfen. Böden mit geringer Feldkapazität werden umgangssprachlich als „trocken“ bezeichnet, wobei diese Bezeichnung mit der witterungsabhängigen, aktuellen Bodenfeuchte nichts zu tun hat. Sie speichern wenig Wasser und trocknen daher in niederschlagsarmen Perioden schnell aus.

Nutzgarten

Garten, der im Gegensatz zum Ziergarten hauptsächlich der Erzeugung von Nutzpflanzen dient, wie z. B. Kräutern, Obst und Gemüse als Nahrungsmittel. Zum Nutzgarten kann auch ein Gewächshaus gehören, um den Anbau kälteempfindlicher Pflanzen zu erleichtern oder überhaupt erst zu ermöglichen. Die Obst- und Gemüsegärten von herrschaftlichen Häusern wurden früher als Küchengärten bezeichnet.

Im heutigen Mitteleuropa mit seiner modernen Landwirtschaft ist dieser Gartentyp in den letzten Dekaden etwas in den Hintergrund getreten. Ein Grund ist darin zu suchen, dass finanzieller und zeitlicher Aufwand und erzielter Nutzen in keinem ökonomisch vertretbaren Verhältnis stehen. Für biologisch angebaute Erzeugnisse ist der Nutzgarten allerdings von großer Bedeutung. Eine Antwort auf wachsende Bevölkerungszahlen und zunehmende Verstädterung ist die Entwicklung von Gärten im Stadtbereich (Urbaner Gartenbau), z. B. Mietergärten und Kleingärten.

Eine recht aufwendig zu pflegende, jedoch auch ästhetisch ansprechende Form des Nutzgartens ist der Bauerngarten. Zu beachten ist bei Nutzgärten, die sich in Gemeinschaftsanlagen von Kleingärten befinden, dass es bestimmte Regularien für Gartenbau, Anbau bzw. Nicht-Anbau bestimmter Pflanzen und Haltung von Kleintieren geben kann.

Nützlinge

Organismen, die Kulturschädlinge angreifen (Räuber) oder im Innern ihrer Wirtstiere leben (Parasiten), ohne dabei selbst die Kulturpflanzen zu schädigen. Nützlinge sind zum Beispiel Marienkäfer, Schwebfliegen und Florfliegen, die Blattläuse fressen, Käferarten, die Schnecken oder Larven von Kohlfliegen fressen.

Marienkäfer und ihre Larven sind räuberisch: Sie fressen Blattläuse, Getreidehähnchen, Rapsglanzkäfer, Weiße Fliegen, Kartoffelkäfer und viele andere. Ein einzelner Marienkäfer kann circa 50 Blattläuse am Tag und bis zu 40.000 Blattläuse in seinem Leben vertilgen. Im Jahr 1888 wurde der australische Marienkäfer Rodolia cardinalis in Kalifornien eingeführt, um die Wollschildläuse zu bekämpfen. Der Anbau von Zitrusfrüchten in den USA konnte so gerettet werden.

Nützlinge werden im integrierten Pflanzenschutz geschont, gefördert oder aktiv als biologisches Pflanzenschutzmittel einmalig oder regelmäßig eingeführt.

Nützlinge entlang der Äcker auszubringen würde allein nicht ausreichen. Als Ausgangsbasis einer biologischen Bekämpfung von Schädlingen sind Feldraine, Blühstreifen, Hecken und weitere naturnahe Rückzugsräume unentbehrlich. Um eine möglichst große Vielfalt an Gegenspielern zu fördern, ist eine Mischung aus neu angelegten und schon seit Jahren vorhandenen Strukturen in der Landschaft nötig. Hilfreich sind außerdem wechselnde Fruchtfolgen und eine Bewirtschaftung, die den Lebenszyklus der Nützlinge berücksichtigt. Dazu gehört, Teilflächen als Rückzugsort nicht umzubrechen sowie den Boden schonend zu bearbeiten, da viele der Insekten im Boden überwintern. Um Nützlinge ausreichend zu fördern, empfehlen Ökologinnen und Ökologen, in allen Landschaften mindestens 20 Prozent naturnahe Lebensräume zu schaffen und zu vernetzen. (Insektenatlas 2020)

Wichtige Nützlinge und Beispiele ihrer Beute
Nützlinge Beutebeispiele
Schlupfwespen San-José-Schildlaus
Florfliegen Schildläuse, Spinnmilben, Blattsauger, Insekteneier, Fliegenlarven, Schmetterlingsraupen
Schwebfliegen

Blattläuse, Spinnmilben, Blutläuse, Blattsaugerlarven

Raupenfliegen Raupen, Kartoffelkäfer, Wanzen
Raubwanzen Spinnmilben, Blattläuse, Raupen
Kurzflügler Zwiebel- und Kohlfliege
Marienkäfer Blattläuse, Blattsauger, Blutläuse, Zikaden, Schildläuse
Weichkäfer Schnecken, Raupen, Blattläuse, Schmetterlingsraupen, Blattwespen, Fliegen
Gallmücken Blattläuse
Spinnen Blattsauger, Blattläuse, Zikaden, Fliegen, Mücken, Käfer, Schmetterlinge, Blattwespen
Laufkäfer Gehäuse- und Nacktschnecken, Wespen, Kartoffelkäfer, Drahtwürmer, Engerlinge, Fliegen, Asseln, Blattwanzen, Blattläuse u. a.

Quelle: LBP: Integrierter Pflanzenschutz - Natürliche Feinde von Kulturschädlingen, München 1992

Weitere Informationen:

Nutzpflanze

Pflanze ohne systematischen Anbau in natürlichen Beständen (Beeren, Pilze, Früchte, Farbstoffe, Fasern, Blumen, Zierpflanzen, Holz, Drogen, Gummi usw.) im Gegensatz zur Kulturpflanze. Ihre Nutzung erfolgt durch Sammeltätigkeit.

Nutzpflanzen finden als Nahrungs- oder Futterpflanzen sowie als nachwachsende Rohstoffe / Bioenergie Verwendung. Der Begriff Nutzpflanze setzt somit den Fokus auf den direkten Nutzen für den Menschen. Der ökologische Wert und der Wert einer Pflanze im Gesamtsystem Erde werden dabei nicht einbezogen.

Früher ernährten sich die Menschen von mehreren tausend Nutzpflanzenarten. Heute sind es nur noch rund 150, beim Großteil der Weltbevölkerung sogar nur 12. Dabei hätten wir doch so viel Auswahl! Von den etwa 400.000 bekannten Pflanzenarten weltweit, sind rund 30.000 für den Menschen genießbar. Da wundert es, dass die Menschheit mit nur 30 Arten 95 Prozent ihres Kalorienbedarfes deckt. Die drei Haupternährer machen dabei Weizen, Reis und Mais aus. Sie decken die Hälfte des weltweiten Energiebedarfs aller Menschen.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges nahm die Anzahl der in Deutschland angebauten Kulturpflanzenarten stark ab, denn die Landwirte spezialisierten sich immer mehr auf bestimmte Arten und intensivierten deren Anbau. Heute wird in Deutschland nur noch ein Bruchteil aller theoretisch anbaubaren Arten genutzt. Dazu zählen etwa:

Knapp die Hälfte der Fläche Deutschlands steht den Bauern zur landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung. Über 60 Prozent dieser landwirtschaftlich genutzten Fläche bepflanzen die Bauern mit lediglich fünf verschiedenen Kulturarten. Im Anbau befinden sind vorwiegend moderne Zuchtsorten.

Weitere Informationen:

Nutztier

Tier, das als Nahrungsmittel, als Erzeuger von Nahrungsmitteln (z.B. Milch), als Trag- und Zugtier oder als Lieferant von Häuten, Fellen oder sonstwie verwertbarer Teile für die menschliche Wirtschaft und Kultur von Bedeutung ist.

Im Vergleich zu den Kulturpflanzen ist die Vielfalt der vollständig domestizierten landwirtschaftlichen Nutztiere relativ gering. Obwohl ihre Individuenzahl etwa so groß ist wie die der Menschen, konsumieren landwirtschaftliche Nutztiere die vierfache Menge an Pflanzenmaterial. Tierische Lebensmittel (Fische und Schalentiere eingeschlossen) decken nur ein Zehntel des weltweiten Kalorienbedarfs, doch machen sie ein Drittel der gesamten menschlichen Proteinaufnahme aus.

Der Mittlere Osten gilt als Ursprungszentrum der Domestikation aller nahrungsproduzierenden Nutztiere. Die Anfänge der Domestikation liegen einige Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung, und die Entstehung von Haustieren scheint der Entwicklung seßhafter, Landwirtschaft betreibender Gesellschaften sowie der Kultivierung von Nahrungspflanzen parallel verlaufen zu sein.

Aufgrund bestimmter physiologischer Eigenschaften und/oder Verhaltensmuster waren und sind manche Tiergruppen zur Domestikation besser geeignet als andere. Vorteilhaft waren anfangs Tiere, die nicht nur wirklich nützliche und nachhaltige Nahrungsquellen darstellten, sondern die sich leicht züchten ließen und zudem einen Herdentrieb aufwiesen, der ihre Kontrolle erleichterte. Tiere, deren soziales Verhalten auf einer Dominanzhierarchie basiert, ließen sich leichter vom Menschen beherrschen. Einige entwickelten ihm gegenüber ein hohes Kommunikationsniveau.

Wie bei den Kulturpflanzen ging die Domestikation von Tieren mit physiologischen Änderungen einher, die vor allem den ökonomischen, kulturellen oder ästhetischen Bedürfnissen des Menschen entsprachen.

Entwicklungen in der modernen Nutztierzucht führen zu einer ständigen Abnahme der Anzahl ökonomisch wichtiger Zuchtrassen. Lokale Zuchtlinien werden entweder durch Tiere ersetzt, die an einen speziellen Verwendungszweck angepaßt sind und aus einer vergleichsweise kleinen Zahl von Zentren stammen (z.B. Milchkühe), oder durch "maßgeschneiderte" Hybride (z.B. Schweine und Geflügel).

Die weltweit wichtigsten landwirtschaftlichen Nutztiere
Die weltweit wichtigsten landwirtschaftlichen Nutztiere

Quelle: Tivy, 1993

Weitere Informationen:

Nutztierhaltung

Die Haltung von Tieren (meist Haustieren) aus ökonomischen Gründen (Nahrungsversorgung, Rohstoffquelle, Transport- und Fortbewegungsmittel).

Durch die gezielte Züchtung von Tieren werden sowohl die Tierleistungen als auch die Tiergesundheit langfristig aufrecht erhalten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Züchtung regionaler oder der Nachfrageentwicklung angepasster Rassen und deren Weiterentwicklung.

Neben den rechtlichen Vorschriften für den Tier- und den Umweltschutz haben auch ökonomische Rahmenbedingungen und die Verbrauchererwartungen großen Einfluss auf die Nutztierhaltung.

Nutztierhaltung in Deutschland

Die Nutztierhaltung hat in Deutschland über die letzten Jahrzehnte einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen. Vor allem die Zahl der Tiere, die durchschnittlich auf einem Betrieb gehalten werden, ist geradezu explodiert. Das liegt daran, dass die Zahl der Betriebe massiv zurückgegangen ist, gleichzeitig aber - zumindest bei Schweinen und Hühnern - die Zahl der in Deutschland gehaltenen Tiere rasant gestiegen ist. Hielt ein Betrieb 1958 im Durchschnitt noch sechs Schweine, sind es heute 1.181. Bei Hühnern muss man zeitlich gar nicht so weit zurückgehen: Hier hat sich allein zwischen 2003 und 2016 die Zahl der Tiere pro Betrieb beinahe verdreifacht.

Veränderung der Nutztierhaltung in Deutschland
Veränderung der Nutztierhaltung in Deutschland

Quelle: BLE

Übersicht über die verschiedenen Zweige der Nutztierhaltung:

Man unterscheidet bei der Viehhaltung

Weitere Informationen:

Nutztierhaltungsform

Art und Weise, in der Nutztiere in einem landwirtschaftlichen oder gewerblichen Tierhaltungsbetrieb gehalten werden.

(s. a. Nutztierhaltung)

Nutzungsparzelle

Kleinstes Flurstück einheitlicher Nutzung.

(s. a. Parzelle)