Lexikon des Agrarraums

N

Nachbau

1. Der Anbau von Kulturpflanzen in der Fruchtfolge im Anschluss an agrartechnische oder chemische Maßnahmen.

2. Der Anbau von Saat- oder Pflanzgut aus betriebseigener Vermehrung von zertifizierten Sorten.

Während es in der Vergangenheit gestattet war, kostenfrei nachzubauen, ist dem Züchter (Sortenschutzinhaber) mit einer Novellierung des deutschen Sortenschutzgesetzes ab der Herbstaussaat 1997 die Möglichkeit eingeräumt, vom Landwirt Nachbaugebühren zu verlangen, die auf der Basis von Vereinbarungen zwischen den Wirtschaftsverbänden der Züchter und Landwirte erhoben werden können. Kleinerzeuger (Landwirte mit < 16 ha Getreide- und/oder < 5 ha Kartoffelanbaufläche) müssen keine Gebühren bezahlen. Die Regelung soll die steigenden Aufwendungen für Forschung und Entwicklung der vorwiegend mittelständischen deutschen Pflanzenzüchter besser honorieren und deren internationale Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

Das Thema „Nachbau von Saatgut“ wird seit Jahren kontrovers diskutiert: Organisationen, welche die Interessen der nicht-industriellen Landwirtschaft vertreten, etwa die ABL, sprechen sich regelmäßig dagegen aus, das Recht der Landwirte auf einen „freien Nachbau“ der von ihnen bereits verwendeten Sorten einzuschränken. Sollte es zu einer großflächigen Freisetzung von gentechnisch veränderten Sorten von Kulturpflanzen wie Raps oder Wintergetreide kommen, dann werde, so sagen auch Vertreter des Deutschen Bauernverbandes, ein eigener Nachbau aus patentrechtlichen Gründen nicht mehr möglich sein, wodurch es zu erheblichen zusätzlichen Belastungen für die Betriebe kommen würde. Nachbau wird nicht nur über Sorten- und Patentschutz durch Gebühren erschwert, sondern auch durch genetische Mechanismen bei Pflanzenzüchtungen der großen Saatgutkonzerne: „Hybridsorten“, die mittels Kreuzung von Inzuchtlinien erzeugt werden, sind nicht samenfest, die gleiche Hybridsorte kann nur durch die erneute Kreuzung der Inzuchtlinien erzeugt werden. Um Sortenschutz und Patentrechte zu umgehen, können „freie“ Sorten verwendet werden: Als „freie Sorten“ oder auch „freies Saatgut“ werden Pflanzensamen und die hieraus wachsenden Pflanzen bezeichnet, die gemäß den Bestrebungen verschiedener Initiativen für jeden Menschen bedingungslos zu jedweder möglichen Nutzung freigegeben sind.

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nachhaltige Entwicklung

Ein von der UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung im Jahre 1987 mit dem sogenannten Brundtland-Bericht "Unsere gemeinsame Zukunft" eingeführter und danach weiterentwickelter Begriff (engl. sustainable development) für eine auf Dauer sich selbst tragende Wirtschaft. Die Wirtschaft sollte so beschaffen sein, daß sie die Bedürfnisse der Gegenwart erfüllt, ohne daß die Möglichkeiten künftiger Generationen, ihre Bedürfnisse nach einer menschenwürdigen Existenz zu befriedigen, beeinträchtigt werden. Dazu gehört u.a. daß die Freisetzung von Stoffen und Energie nicht größer sein darf als es die Tragfähigkeit der Umweltmedien bzw. ihre Assimilationsfähigkeit zulassen. Eine unter dem Umweltaspekt nachhaltige Wirtschaft erhält den natürlichen Kapitalvorrat - eben das Naturvermögen - intakt und macht damit einen Raum zukunftsfähig.

Sustainable development ist ein nicht endgültig gefaßter Begriff, für den es verschiedene Definitionen, Übersetzungen und Interpretationen gibt. Kontrapunktisch gegenüber stehen sich beispielsweise die Auffassung von der Natur als alleinig normativer Instanz und die Deutung, die das Leitbild der "nachhaltigen Entwicklung" primär auf die Systemgesetze der Wirtschaft bezieht und es als tragendes Prinzip zur Rechtfertigung ökonomischer Wachstumsprozesse in Anspruch nimmt.

Durch die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung im Juni 1992 in Rio de Janeiro ist die umfassende politische Zielbestimmung der sustainable development als wegweisende Programmatik für die Bewältigung der gemeinsamen Zukunft der Menschheit für die internationale Völkergemeinschaft verbindlich geworden. Mit diesem Leitbegriff wird kenntlich gemacht, daß ökonomische, soziale und ökologische Entwicklung notwendig als eine innere Einheit zu sehen sind. Die drei Elemente dürfen nicht voneinander abgespalten und gegeneinander ausgespielt werden. Soziale Not kann einem verantwortungslosen Umgang mit den Ressourcen der Natur ebenso Vorschub leisten, wie rücksichtsloses wirtschaftliches Wachstumsdenken oder ein Fortschritt, der gegen grundlegende Bedingungen der Natur verläuft. Als Fortschritt kann nur bezeichnet werden, was von den Bedingungen der Natur mitgetragen wird. Dauerhafte Entwicklung schließt sonach eine umweltgerechte, an der Tragfähigkeit der ökologischen Systeme ausgerichtete Koordination der ökonomischen Prozesse ebenso ein, wie entsprechende soziale Ausgleichsprozesse zwischen den in ihrer Leistungskraft immer weiter divergierenden Volkswirtschaften.

Ein sustainability-Konzept sollte nach einer Studie des Wuppertal-Instituts eine zweifache Verantwortungskomponente beinhalten: Verantwortung für künftige Generationen und Verantwortung für die Dritte Welt. Diese Verantwortung läßt sich in einem doppelten Gleichheitsgrundsatz ausdrücken: 1. Die künftigen Generationen sollen gleiche Rechte auf eine intakte Natur erheben dürfen. 2. Jeder Mensch hat das gleiche Recht, global zugängliche Ressourcen in Anspruch zu nehmen, solange die Umwelt nicht übernutzt wird.
Gefordert ist nach Auffassung des Umweltrates die Einbindung der Zivilisationssysteme in das sie tragende Netzwerk der Natur, und damit die dauerhafte Ausrichtung der sich fortschreitend entwickelnden Ökonomien an der Tragekapazität der ökologischen Systeme. Die hier maßgebliche ethische Kategorie heißt "Gesamtvernetzung" (Retinitätsprinzip, lat. "rete", das Netz). Das Konzept der sustainable development stellt mit seiner auf die innere Einheit der wirtschaftlichen, der sozialen und der ökologischen Entwicklung gerichteten Grundoption die notwendige und konsequente Operationalisierung des Retinitätsprinzips dar.

Soll die Wirtschaft zukunftsfähig sein, muß sie als zirkuläre Ökonomie so ausgelegt werden, daß die Produktionsprozesse von Anfang an in die natürlichen Kreisläufe eingebunden bleiben. Eine nicht umweltverträgliche Form des Wirtschaftens handelt letztlich ihrer eigenen Vernunft zuwider, indem sie das zerstört, wovon sie lebt. Vorrangig geht es also darum, die Umweltfunktionen zu erhalten. Das Naturkapital muß soweit geschont werden, wie es für die dauerhafte Aufrechterhaltung dieser Umweltfunktionen notwendig ist. Der Kapitalstock an natürlichen Ressourcen muß soweit erhalten bleiben, daß das Wohlfahrtsniveau zukünftiger Generationen mindestens dem Wohlfahrtsniveau der gegenwärtigen Generation entsprechen kann.

Daraus ergeben sich folgende Managementregeln der Nachhaltigkeit:

  1. Regeneration: Erneuerbare Naturgüter wie z.B. Holz oder Fischbestände dürfen auf Dauer nur im Rahmen ihrer Regenerationsfähigkeit genutzt werden, andernfalls gingen sie zukünftigen Generationen verloren.
  2. Substitution: Nicht-erneuerbare Naturgüter wie z.B. Mineralien und fossile Energieträger dürfen auf Dauer nur in dem Maße genutzt werden, wie ihre Funktionen durch andere Materialien oder durch andere Energieträger ersetzt werden können.
  3. Anpassungsfähigkeit: Die Freisetzung von Stoffen oder Energie darf auf Dauer nicht größer sein als die Anpassungsfähigkeit der Ökosysteme - z.B. des Klimas, der Böden oder der Wälder.

Eine auf nachhaltige Entwicklung zielende Politik benötigt eine Meßgröße, die das gesamtgesellschaftliche Nutzenniveau abbildet. Die Modifikation des herkömmlichen Konzepts zur Wohlfahrtsmessung in Richtung eines "nachhaltigen Nettoinlandsprodukts" ist nach dem Urteil der Ökonomen allerdings noch nicht praxisreif.

nachhaltige Intensivierung

Im englischen Sprachraum entwickeltes Konzept „Sustainable Intensification“ (Royal Soc. London, 2009), das die Multifunktionalität der Landnutzung nach den Effizienzkriterien der Produktions-, Biodiversitäts-, Wasserschutz- und Klimaschutzfunktion erfüllt. Das übergeordnete Ziel ist die Steigerung der weltweiten Nahrungsmittelproduktion unter Einhaltung von Ökoeffizienzparametern wie z. B. die Minimierung des Flächenverbrauchs, die Vermeidung von indirekten Landnutzungsänderungen (ILUC), die Verhinderung der Eutrophierung von Gewässern, die Reduzierung von Treibhausgasemissionen oder der Bodenschutz, also die Reduzierung des Humusabbaus und der Erosion sowie der Erhalt der Biodiversität. Die nachhaltige Intensivierung ist als Konzept zu verstehen, das wissenschaftsbasiert in einem diskursiven Ansatz unter Beteiligung aller Interessengruppen Kriterien für eine optimierte Landnutzung formuliert und umsetzt. Damit stellt die nachhaltige Intensivierung eine Erweiterung des Konzepts der „differenzierten Landnutzung“ um Ökoeffizienzkriterien dar.

nachhaltige Landbewirtschaftung

Von der Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre" (1994) des Deutschen Bundestages wird folgende Definition für eine künftige, weltweit nachhaltige und damit auch gleichermaßen klima- und umweltverträgliche Landbewirtschaftung empfohlen:

"Eine dauerhaft umweltverträgliche Landbewirtschaftung arbeitet weitgehend in Kreisläufen bei Schonung und dauerhaftem Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen (Boden, Wasser, Luft, Artenvielfalt) und der knappen Ressourcen (fossile Energieträger, mineralische Rohstoffe). Voraussetzung hierfür ist die Wiederherstellung der natürlichen ökosystemaren Regelsysteme und Stoffkreisläufe und die Einbindung und Anpassung der Landbewirtschaftungsmethoden in den Naturhaushalt. Der Energiebedarf in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum ist weitgehend mit Hilfe regenerativer Energiequellen zu decken. Ziele der Landbewirtschaftung sind sowohl eine auf die Region ausgerichtete Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Nahrungsmitteln und Rohstoffen als auch gleichermaßen die Schaffung bzw. Wiederherstellung und der Erhalt einer abwechslungsreichen, vielfältig strukturierten, arten- und biotopreichen Kulturlandschaft und die Sicherung und Entwicklung des ländlichen Raumes. Im Sinne einer Kreislaufwirtschaft ist außerdem die möglichst vollständige Rückführung unbedenklicher biogener Abfälle und Reststoffe und deren Verwertung innerhalb der Landwirtschaft anzustreben."

Zielvorgaben für eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft (nach Linckh 1997)

1. Ökologisch ausgerichtete Zielvorgaben für eine schonende und effiziente Nutzung der natürlichen Ressourcen:

2. Ökonomische und soziale Zielvorgaben, die für die Erreichung der ökologischen Zielvorgaben dienlich sein können:

Diese Ziele können einzeln nicht angestrebt werden, ohne andere Ziele zu verletzen. Für Zielkonflikte müssen noch Kompromisse gefunden werden oder auch neue Wege erprobt werden, auf denen durch ökologische, ökonomische und politische Maßnahmen ein Optimum für Land- und Forstwirtschaft, für die Umwelt und für die Gesellschaft als Ganzes erreicht werden kann.

Die zentrale Rolle der Land- und Forstwirtschaft bei allen Überlegungen zur Nachhaltigkeit ist auffallend. Sie erklärt sich zum wenigsten aus deren ökonomischer Rolle als vielmehr aus ihrer Bedeutung für die natürlichen Ressourcen, insbesondere für Wasser und Boden.

nachhaltige Landwirtschaft

Begriff mit einer Vielzahl von Definitionen unterschiedlicher Qualität und Provenienz für Konzepte von zukunftsfähiger Landwirtschaft. Beispielsweise gilt Agrarproduktion dann als nachhaltig, wenn durch sie der Bestand an Ressourcen (Hydrosphäre, Pedosphäre, Atmosphäre, Biosphäre) nach Menge und Qualität nicht verringert wird.

Dem Begriff wird nur dann volle Berechtigung zugeschrieben, wenn alle Gesichtspunkte der Nachhaltigkeit (ökologische, ökonomische und soziale) berücksichtigt sind.

Danach umfasst nachhaltige Landwirtschaft in ganzheitlichem Sinne folgende Komponenten:

Die Messung der Nachhaltigkeit als komplexer Größe bereitet noch Probleme. Es gilt aus einer Vielzahl von Parametern diejenigen herauszufinden, die mit vertretbarem finanziellen und organisatorischen Aufwand geeignete Indikatoren zur Beurteilung einer nachhaltigen Landwirtschaft darstellen.

Dazu können gehören:
Maschineneinsatz, Betriebsgröße, Einsatz von Agrarchemikalien, Nutzungsänderungen, Nährstoffbilanzen, Stoffflüsse, Bodenerosion, Wasserbilanzen, Hecken- und Feldrainstrukturen, Lebensqualität der Landbevölkerung u.a.

Ungelöst ist bislang das Problem der Gewichtung der verschiedenen, z.T. miteinander im Konflikt stehenden Ziele.
Nach Auffassung des Umweltbundesamtes (1998) entspricht der Ökologische Landbau nach den Rahmenrichtlinien der AGÖL am ehesten dem Leitbild einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion.

Den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung im Bereich der Landwirtschaft dienen (auf noch unvollkommene Weise) eine Reihe von Rechtsvorschriften auf europäischer und deutscher Ebene.

Auf globaler Ebene ist vor allem der Landwirtschaftsteil des UN-Aktionsprogramms für nachhaltige Entwicklung Agenda 21 von 1992 zu erwähnen. Die Agenda 21 besitzt allerdings einen nur schwachen völkerrechtlichen Status. Eine internationale Bodenschutzkonvention ist in Erarbeitung.

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Nachhaltigkeit

Dynamischer und trotz oder wegen zahlreicher Definitionsversuche nicht eindeutig fassbarer Begriff, der die umsichtige Verwendung von Gütern um den Fortbestand einer wirtschaftlichen oder ökologischen Einheit beinhaltet.

Bei der Betrachtung von Definitionsansätzen können vielfach Überschneidungen festgestellt werden. Am häufigsten fällt dabei auf, dass:

Zusammengefasst kann Nachhaltigkeit somit als eine Form des ökologischen und ökonomischen Handelns verstanden werden, die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen vergleichbare oder bessere Lebensbedingungen sichern soll, indem das dazu notwendige Element sorgsame Anwendung findet und entsprechend geschützt wird. Im Zentrum der Nachhaltigkeit stehen Umwelt, wirtschaftliche und soziale Aspekte.

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Nachsiedler

(Teil)agrarisch tätige Bevölkerungsgruppe, die nicht mit den vollen Rechten der Bauern ausgestattet waren und meist eine unzureichende Besitzgröße aufwiesen. Beispielsweise waren die seit dem späten Mittelalter in den Anerbengebieten Süddeutschlands auftretenden Seldner und Köbler durch geminderte Allmendrechte benachteiligt. Es war ihnen nur Teilselbstversorgung möglich, der Haupterwerb erwuchs aus Arbeit in bäuerlichen Betrieben, herrschaftlichen oder adligen Gütern, aus Dorfhandwerk oder gewerblicher Betätigung. Die Ländereien lagen zu einem großen Teil in den Fluren ausgegangener Ortschaften.

nachsorgender Umweltschutz

Bezeichnung für Umweltschutzmaßnahmen, die nach der Entstehung von Emissionen im weitesten Sinne (Abluft, Abwasser, Abfälle, usw.) ansetzen.
Eine Alternative ist der produktionsintegrierte Umweltschutz, bei dem durch Wahl der Einsatzstoffe und der Technologie Umweltbelastungen vermieden oder minimiert werden. Für die Landwirtschaft bedeutet dies beispielsweise den Einsatz von Injektoren bei der Gülleausbringung, von Tunnelspritzgeräten bei der Applikation von Pestiziden im Obstbau, die Reduzierung des Pestizid- und Düngemitteleinsatzes u.w.

nachwachsende Rohstoffe

Nachwachsende Rohstoffe (NR; NaWaRo) sind solche Produkte pflanzlicher Herkunft, die nicht als Nahrungs- und Futtermittel dienen, sondern als Energierohstoffe, Chemierohstoffe und Rohstoffe für technische Zwecke verwendet werden oder verwendet werden können. Auch NR tierischer Herkunft werden häufig dazugerechnet.

Bei der Produktion und der Nutzung von NR verfolgt man in Deutschland das Prinzip, nach dem ihr Anbau nicht zu Lasten der globalen Nahrungsmittelversorgung gehen darf. Daher zählen für das Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) nachhaltige Konzepte: Möglichst viele Bestandteile einer Pflanze verarbeiten, biobasierte Produkte mehrfach und in Kaskaden nutzen, erst danach zur Energiegewinnung einsetzen.

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NAFTA

Abk. für North American Free Trade Agreement; ein 1994 rechtskräftig gewordenes Abkommen zwischen Kanada, den USA und Mexiko zur Schaffung einer Freihandelszone in Nord- und Mittelamerika mit ca. 370 Mio. Bewohnern und einem BIP von 6,5 Bio. US $. Der Agrarhandel zwischen den beteiligten Staaten erfuhr seit 1993 eine bedeutende Ausweitung. Beispielsweise erhöhte sich der amerikanische Import von Agrargütern aus Kanada und Mexiko von 25,6 % (1992) auf 38,4 % (1995) des Gesamtimportes.

Nährhumus

Die mikrobiell leicht abbaubare organische Substanz im und auf dem Boden, deren Inhaltsstoffe, soweit sie Nährelemente betreffen, durch Mineralisierung der Pflanzenernährung dienen.

(s. a. Dauerhumus, Humus)

Nährstoff

Nährstoffe im weiteren Sinne sind lebensnotwendige Nährsalze für autotrophe Pflanzen und als solche ein Wachstumsfaktor. Jede Kulturpflanze hat eine ererbte Veranlagung, bestimmte Erträge, Nährwerte und Qualitäten zu bilden. Dieses Vermögen kann nur bei günstigem Wirken aller Wachstumsfaktoren voll ausgeschöpft werden. Den Faktor Nährstoff bezieht die Pflanze hauptsächlich aus Bodenvorräten mineralischer und organischer Art sowie aus mineralischen und organischen Düngern. Die Nährstoffe müssen in Ionenform aufgenommen werden, was i.d.R. über die Wurzeln aus der Bodenlösung erfolgt.

Man unterscheidet die Makronährstoffe (Kationen: K+, Ca2+, Mg2+, NH4+, und Anionen: NO3-, PO43-, SO42-) und die Mikronährstoffe (Kationen: Fe2+, Mn2+, Zn2+ , Cu2+ und Anionen: MoO42- , H2BO3-, Cl-). Gemeinsam stellen sie die essentiellen, d.h. lebensnotwendigen Elemente dar. Sie dienen entweder als Bausteine der organischen Substanz oder werden für bestimmte physiologische Prozesse benötigt. Weitere Elemente wie z. B. Natrium (Na), Selen (Se), Kobalt (Co) und Nickel (Ni) sind zumindest für manche Pflanzenarten als Spurenelemente von Bedeutung.

Wenn alle essentiellen Nährstoffe in der benötigten Menge pflanzenverfügbar sind, entwickelt sich die Pflanze normal. Sobald sie jedoch mit einem dieser Element unterversorgt ist, kommt es zu Mangelerscheinungen und Wachstumseinbrüchen. (Gesetz des Minimums)

Fasst man den Begriff noch weiter, so ist auch das Wasser sowie das atmosphärische CO2 dazuzurechnen, aus dem im Prozess der Photosynthese Zucker entsteht, der seinerseits eine der Grundsubstanzen des organischen Lebens darstellt. Mit 0,035 % ist dieses Gas jedoch nicht in optimaler Konzentration in der Luft enthalten. Vergrößert sich der CO2-Anteil am Gasgemisch Luft, so nimmt das Wachstum der meisten Pflanzen zu.
Im engeren Sinn versteht man in der Landwirtschaft unter Nährstoff oft nur die Elemente N und P (bzw. ihre Verbindungen), da sie in den meisten Ökosystemen die wachstumsbegrenzenden Elemente darstellen und da eine Zufuhr zu erhöhtem Pflanzenwachstum führt.

Wichtige Nährstoffe und ihre Rolle im System Boden - Pflanze
Folgende Elemente werden in sehr geringen Mengen benötigt. Das Angebot im Boden genügt fast immer

Quelle: nach Frei u. Peyer 1990; geringfügig verändert

Unter natürlichen Bedingungen stehen Nährstoffe im Boden den Pflanzen mit unterschiedlicher Mobilität zur Verfügung. Nur ca. 2 % der Nährstoffe sind in der Bodenlösung oder an Austauschern (Tonminerale, Humus) mobil verfügbar. Etwa 98 % liegen als Reservenährstoffe in Mineralien oder Humus fest und sind nur allmählich durch Verwitterung und Humusabbau verfügbar. Die Mobilisierungsrate beträgt in gemäßigten Regionen etwa 0,1 % der Reserve pro Jahr, in tropischen Zonen 0,4 %.

Die Nährstoffaufnahme der Pflanzen vollzieht sich über die nur wenige mm langen und etwa 10 mm dicken Saug- und Haarwurzeln. Diese nehmen Wasser und die darin gelösten Nährstoffe aus dem Boden auf. Ein möglichst großes Wurzelsystem ist notwendig, um die ausreichende Ernährung der Pflanzen zu sichern. Die Beziehungen zwischen dem Boden und den Haarwurzeln spielen sich in einem sehr kleinen Radius ab. Der Kontakt zwischen der Haarwurzel und der Wasserhülle der Bodenteilchen wird durch von der Haarwurzel erzeugte Schleimstoffe ermöglicht. Diese Verbindung ist für den Austausch von Stoffen zwischen Boden und Wurzel nötig. Der osmotische Zelldruck (bis etwa 15 bar) erzeugt ein Wassertensionsgefälle zum feuchten Boden. Das Kapillarwasser in der nächsten Umgebung der Haarwurzel fließt nun auf diese zu und tritt in die Zelle ein. Ein Diffusionsgefälle für jedes Nährelement sorgt für eine selektive Ionenaufnahme. Die Aufnahme von zu großen Mineralstoffmengen oder von Giften bleibt jedoch möglich.

Die Nährstoffeffizienz setzt die in Agrarprodukten enthaltenen Nährstoffmengen ins Verhältnis zu den zur Produktion dieser Erzeugnisse notwendigen Nährstoffmengen. Für die gesamte Landwirtschaft hat man zu Beginn der neunziger Jahre eine N-Effizienz von rund 30 % und eine P-Effizienz von rund 50 % ermittelt. Somit werden während des Produktionsprozesses ca. 70 % der eingesetzten N-Mengen sowie die Hälfte der eingesetzten P-Mengen nicht in den Produkten festgelegt. Die geringe Nährstoffeffizienz ist verantwortlich für die Nährstoffausträge aus der Landwirtschaft. Vor allem das zeitlich und mengenmäßig nicht an den Bedarf der Pflanzen angepaßte Düngen (vorwiegend mit Wirtschaftsdüngern) führt zu den suboptimalen Nährstoffeffizienzen.

(s. a. Dünger, Düngung)

Nahrungskette

Von Primärproduzenten (Pflanzen, Phytoplankton) gespeicherte Sonnenenergie wird in Nahrungsketten über Pflanzen, Fleischfresser und Zersetzer weitergegeben. Durch Atmung und Bestandesabfall entstehen auf jeder Stufe relativ hohe Verluste, so daß nur rund 10 % der Energie die jeweils nächste Stufe erreichen. Je mehr Glieder eine Nahrungskette besitzt, um so weniger Energie ist am Ende verfügbar. Im Verlauf der Nahrungskette aufgenommene Schadstoffe können sich beim Übergang zu folgenden Stufe anreichern und toxische Qualität erreichen.

Nahrungsketten der menschlichen Ernährung:

Sonne ⇒ Phytoplankton ⇒ Zooplankton ⇒ Friedfisch ⇒ Raubfisch ⇒ Mensch
Sonne ⇒ Gras ⇒ Rind ⇒ Mensch
Sonne ⇒ Getreide ⇒ Mensch

Als Pflanzenfresser bzw. Fleischfresser erreichen den Menschen ein Tausendstel, bzw. ein Zehntausendstel der auf die Anbaufläche eingestrahlten Sonnenenergie.

(s. a. Tragfähigkeit)

Nahrungsmittelproduktion

Jene landwirtschaftliche Produktionsleistung, die nach Abzug der landwirtschaftlichen Vorleistungen (Futter, Saatgut) und der Verluste für die menschliche Ernährung, industrielle Verarbeitung, Lagerhaltung und Ausfuhren zur Verfügung steht. Die physische Aggregation der Produkte erfolgt über den Getreideeinheiten-Schlüssel.

Nahrungspflanze

Kulturpflanze, die ganz oder in Teilen direkt (Weintraube, Tomate) oder in veredelter Form (Wein, Tomatenmark) für die menschliche Ernährung verwendet wird, wobei der Umweg über die tierische Veredelung ausgeschlossen ist. Manche Pflanzen zählen je nach Verwendung sowohl zu den Nahrungs-, wie zu den Futterpflanzen oder auch zu den nachwachsenden Rohstoffen, z.B. die Kartoffel.

Die 30 weltweit wichtigsten Nahrungspflanzen

Die Nahrungsbasis der Menschheit ist schmal. Mehr als 90 % des menschlichen Nahrungsangebots stammt von weniger als einem Dutzend Kulturpflanzen, den sogenannten "Säulen" der Welternährung.

Nassfeldbau

Vor allem in Monsungebieten vorkommende Form des Bewässerungsfeldbaus. Dabei wird Wasser mit Hilfe von Terrassen und Dämmen aufgestaut, was bei ganzjähriger Vegetationszeit mehre Ernten pro Jahr erlaubt. (Nassreis(an)bau)

Nassreis(an)bau

Ausgehend vom Wasserregime läßt sich Nassreisanbau folgendermaßen klassifizieren:

Die Expansion des Nassreisanbaus erbrachte eine Verstärkung des Treibhauseffektes auf Grund der hohen CH4-Abgabe der Nassreisfelder (90 % davon über die Reispflanze).

Nasswiese

Durch einen hohen Anteil von Seggen, Binsen, Pfeifengras und anderen Feuchtezeigern gekennzeichnetes, gemähtes, beweidetes oder aufgelassenes Grünland.

Nationalpark

Ein Nationalpark (NP) ist ein großräumiges Naturschutzgebiet, das meistens nur der natürlichen Entwicklung unterliegt und durch spezielle Maßnahmen vor nicht gewollten menschlichen Eingriffen und vor Umweltbelastungen geschützt wird. In der Regel sind dies Gebiete, die ökologisch besonders wertvoll oder von herausragendem landschaftlichem Reiz sind und im Auftrag einer Regierung verwaltet werden. Sie werden oft auch als Erholungsgebiete und für den sanften Tourismus genutzt. Die Definition eines Nationalparks ist nicht in allen Staaten gleich. Dennoch gibt es eine gemeinsame Idee: die Erhaltung großer, nicht durch menschliche Eingriffe veränderter Naturgebiete für die Nachwelt und als Symbol des nationalen Stolzes.

In Deutschland ist der Begriff Nationalpark nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 24 BNatSchG) die Bezeichnung für rechtsverbindlich festgesetzte einheitlich zu schützende Gebiete, die

  1. großräumig und von besonderer Eigenart sind,
  2. im überwiegenden Teil ihres Gebietes die Voraussetzungen eines Naturschutzgebietes erfüllen,
  3. sich in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflußten Zustand befinden und
  4. vornehmlich der Erhaltung eines möglichst artenreichen heimischen Tier- und Pflanzenbestandes dienen.

Nationalparke sollen im Prinzip wie Naturschutzgebiete geschützt und wenn möglich der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.

Probleme der 16 (2017) deutschen Nationalparke sind die im internationalen Vergleich relativ kleinen zusammenhängenden Flächen sowie die Freizeit- und Wirtschaftsnutzungen. Die 16 deutschen Nationalparks umfassen – ohne Nord- und Ostseeflächen – rd. 2145 km². Das sind 0,6 % der deutschen Landfläche. Mit den Meeresflächen sind es rd. 10.478 km².

Weitere Informationen:

Natura 2000

Im Bundesnaturschutzgesetz (§ 19 a - 19 f BNatSchG) verankerte Bezeichnung für das im Aufbau befindliche europäische ökologische Netz gleichen Namens. Es dient insbesondere dem Schutz der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung und der europäischen Vogelschutzgebiete.

Naturallohn

Bei betriebswirtschaftlichen Berechnungen die Zusammenfassung der Aufwendungen für die Beköstigung der fremden Arbeitskräfte und der entlohnten Familienangehörigen aus wirtschaftseigenen Erzeugnissen, die Lieferungen des Betriebes für Deputatzwecke sowie die Leistungen für freie Wohnung, für Viehhaltung und Deputatland. Der Naturallohn existiert in der Landwirtschaft nach wie vor neben dem Barlohn, wenn auch mit rückläufiger Tendenz.

Ein Beispiel für Naturallohn innerhalb einer Misch-Entlohnung bieten saisonale Arbeitsverhältnisse von ausländischen Arbeitskräften während der Obsternte am Bodensee. Bei einem Stundenlohn von DM 10,50 (1998) und entsprechenden Versicherungsleistungen werden gleichzeitig freie Unterkunft, Getränke sowie punktuell die Benutzung eines Autos zur Erledigung von Einkäufen geboten.

Naturalpacht

Überlassung von Boden zur Nutzung auf Zeit gegen Zahlung eines bestimmten Bruchteils des Ernteertrags.

(s. a. Pacht)

Naturdenkmal

Nach der Definition im Bundesnaturschutzgesetz (§ 17 BNatSchG) eine rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfung der Natur, deren besonderer Schutz aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit erforderlich ist. Die Festsetzung kann auch die für den Schutz des Naturdenkmals notwendige Umgebung einbeziehen.

Naturdünger

Aus organischen Substanzen bestehender Dünger. Er dient vorrangig dem Ersatz oder der Anreicherung von Humus.

(s. a. Mineraldünger)

Naturegart

Alpenländischer Typ von Wechselgrünland mit Naturbegrasung. Im Unterschied zum Kunstegart ist die ackerbauliche Nutzung kurz, weil diese Flächen häufig zu einer starken Verunkrautung neigen. Im Anschluß an die einjährige ackerbauliche Nutzung des Naturegarts folgt eine vier- bis sechsjährige Grünlandnutzung.

(s. a. Egartwirtschaft, Feldgraswirtschaft, Kunstegart)

Naturlandschaft

Vom Menschen unbeeinflußter Landschaftstyp, der sich durch folgende Merkmale auszeichnet:

Die ehemalige Naturlandschaft, die anstelle einer gegenwärtigen Kulturlandschaft ursprünglich vorhanden war, nennt man Urlandschaft. Die theoretisch vorstellbare Naturlandschaft, die sich anstelle einer Kulturlandschaft einstellen würde, wenn kein menschlicher Einfluß mehr wirksam wäre, nennt man potentielle Naturlandschaft.
Als besonders schützens- und erhaltenswert betrachtet man folgende national bedeutsame natürliche und naturnahe Ökosysteme:

National bedeutsame natürliche und naturnahe Ökosysteme

(s. a. Industrielandschaft, Landschaft)

natürliche Ressourcen

Die von der Natur bereitgestellten Güter zur direkten oder indirekten Erfüllung menschlicher Bedürfnisse. Hierzu zählen zum einen die Rohstoffressourcen (z.B. Erdöl), zum anderen die Umweltgüter Wasser, Boden, Luft, Landschaft sowie Tier- und Pflanzenarten. Umweltgüter galten lange Zeit als sogenannte freie Güter. Demzufolge hatten sie auch keinen Preis.

(s. a. externe Effekte)

Naturpark

Bezeichnung für großräumige Gebiete besonderen Charakters in Deutschland. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 27 BNatSchG) ist Naturpark (1) die Bezeichnung für "einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die

  1. großräumig sind,
  2. überwiegend Landschaftsschutzgebiete oder Naturschutzgebiete sind,
  3. sich wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen für die Erholung besonders eignen und in denen ein nachhaltiger Tourismus angestrebt wird,
  4. nach den Erfordernissen der Raumordnung für Erholung vorgesehen sind,
  5. der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und ihrer Arten- und Biotopvielfalt dienen und in denen zu diesem Zweck eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung angestrebt wird und
  6. besonders dazu geeignet sind, eine nachhaltige Regionalentwicklung zu fördern."

Naturparke sollen entsprechend ihren in Absatz 1 beschriebenen Zwecken unter Beachtung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege geplant, gegliedert, erschlossen und weiterentwickelt werden.
Die Naturparke dürfen weder mit den Nationalparken noch mit den Naturschutzgebieten verwechselt werden. In Deutschland bestehen 104 Naturparke (2017), die etwa 25 % der Landesflächen einnehmen. Sie stellen einen wichtigen Baustein im Naturschutz dar und helfen, die landschaftlichen Schönheiten, Kulturlandschaften und seltenen Arten und Biotope zu erhalten und auch späteren Generationen zugänglich zu machen. Eine komplette Aufstellung der Gebiete mit Kurzbeschreibung befindet sich in der Liste der Naturparks in Deutschland.

Naturschutz

Alle Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der natürlichen Lebensgrundlagen (Naturgüter), von Pflanzen und Tieren wildlebender Arten und ihrer Lebensgemeinschaften, sowie zur Sicherung von Landschaften in ihrer Vielfalt und Eigenart. Naturschutz und Landschaftspflege sind in Deutschland durch Stagnation, teilweise auch durch deutliche Verschlechterung gekennzeichnet.
Die unterschiedliche Zielsetzung von Naturschutz und Landwirtschaft - wissenschaftliche, ethische und ästhetische Ziele einerseits, ökonomische Ziele andererseits - führen insbesondere durch die konventionelle Intensivlandwirtschaft zu bisher unauflösbaren Konflikten.

Bei der Verwirklichung von Naturschutzzielen kann räumlich einer integrativen oder einer segregativen Strategie gefolgt werden. Der Tendenz der Landnutzung der letzten Jahrzehnte liegt eindeutig das Segregationsmodell zugrunde, d.h. jeder Fläche wird eine einzelne Nutzungsfunktion zugewiesen. Die multifunktionale Sichtweise von Natur und Landschaft geht aus der Sicht der Nutzer immer stärker verloren.

Räumliche Konzepte für das Verhältnis von Naturschutz und Landwirtschaft

Quelle: Erdmann u. Kastenholz 1995 (verändert)

Succow (1995) nennt zwölf Grundsätze für den Handlungsbedarf im Spannungsfeld Landnutzung und Naturschutz (leicht verändert):

In Deutschland wurde dem Bund die Rahmenkompetenz für Naturschutz und Landschaftspflege zugewiesen, die 1976 durch das Bundesnaturschutzgesetz ausgefüllt wurde. Für die Ausfüllung des gesetzten Rahmens haben die Länder eigene Naturschutzgesetze erlassen. Sie sind für den Vollzug und die Finanzierung des Naturschutzes im wesentlichen zuständig. Ferner nehmen auch die Landkreise und Kommunen Naturschutzaufgaben wahr.
Zu den Instrumenten der Naturschutzplanung gehören: Landschaftsplan, landschaftspflegerischer Begleitplan, Umweltverträglichkeitsprüfung, Biotopverbundplanung, Flurbereinigung, Teile der Regionalplanung.

Weitere Informationen:

Naturschutzgebiet

Gebiet in dem Flora und Fauna wegen ihres wissenschaftlichen Wertes, ihrer Seltenheit und/oder Schönheit zusammen mit ihrer unbelebten Umwelt in der Regel nicht verändert werden dürfen. In manchen Naturschutzgebieten (NSG) sind allerdings Eingriffe des Menschen (Pflegemaßnahmen) zur Erhaltung der als schützenswert erachteten Eigenschaft notwendig, z.B. in Heiden oder Halbtrockenrasen (z.B. Mähen, Beweidung). Naturschutzgebiete kennt man in Deutschland seit 1836. Im Bundesnaturschutzgesetz (§ 23 BNatSchG) sind Naturschutzgebiete definiert als rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder in einzelnen Teilen

  1. zur Erhaltung von Lebensgemeinschaften oder Biotopen bestimmter wildlebender Tier- und Pflanzenarten,
  2. aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder
  3. wegen ihrer Seltenheit, besonderen Eigenart oder hervorragenden Schönheit erforderlich ist.

Naturschutzgebiete haben zusammen mit den Nationalparken rechtlich den relativ strengsten Schutzstatus unter den nach dem Naturschutzrecht geschützten Flächen.
Naturschutzgebiete können der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden, soweit es der Schutzzweck erlaubt. Alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Gebietes oder seiner Bestandteile führen, sind verboten.
Ende 2008 existierten in Deutschland 8413 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 1.271.582 Hektar. Das entspricht 3,6 % der Fläche Deutschlands.

Weitere Informationen:

Naturweide

Natürliche Vegetationsformation, z.B. Savanne oder Steppe, die durch extensive Weidewirtschaft genutzt wird.

Nebenerwerbsbetrieb

Ein Betrieb, in dem das Einkommen des Betriebsinhabers (und ggf. seines Ehegatten) aus außerbetrieblichen Quellen höher ist als das Einkommen aus betrieblichen Quellen. Das Gegenstück ist der Haupterwerbsbetrieb. Die Typisierung in Haupt- und Nebenerwerb erfolgt nur für Betriebe in der Rechtsform eines Einzelunternehmens.
Bis 2007 spielte neben der Relation von betrieblichen und außerbetrieblichen Einkommen die Arbeitsleistung (ausgedrückt in Arbeitskraft-Einheiten) je Betrieb eine Rolle.
Danach galten als Nebenerwerbsbetriebe solche Betriebe, in denen

Nematizid

Biozid gegen Fadenwürmer

Neobiota

Unter Neobiota versteht man Organismen, die direkt oder indirekt durch den Menschen in ein für die Art nicht heimisches Gebiet gelangt ist. Die Art muss sich darüber hinaus in dem jeweiligen Gebiet etablieren d. h. über einen längeren Zeitraum (min. 25 Jahre) dort wild leben oder sich über mindestens drei Generationen fortpflanzen. Der gesamte Prozess der erfolgreichen Etablierung von Neobiota wird auch Bioinvasion genannt.

Neolithische Revolution

Übergang von der Lebensweise der Wildbeuter oder dem Jäger und Sammler-Dasein (Aneignungswirtschaft) zur sesshaften Lebensweise mit Ackerbau und Viehhaltung (Produktionswirtschaft). Der Übergang fand in den verschiedenen Kulturkreisen zu unterschiedlichen Zeiten statt, im Fruchtbaren Halbmond vor ca. 10.000 Jahren.

Der Übergang zum Ackerbauerntum war wohl ein langsam fortschreitender Prozess, der eher den Charakter einer Entwicklung, einer Evolution hatte. Es wird die Erfahrung von Jahrhunderten gebraucht haben, bis sich das Säen und Ernten von Gras, Getreide und Feldfrüchten, die Domestikation von Wildtieren, das Lernen von Bodenbearbeitung, der richtigen Anbau- und Erntezeiten in weiten Gebieten durchgesetzt hatte. Dennoch ist angesichts der Tragweite dieses Umbaus der Begriff 'Revolution' gerechtfertigt.

(s. a. Agrargeschichte)

Neophyten

Neueinwanderer-Pflanzenarten, die ca. seit dem Jahr 1500 (z. T. wird das Jahr 1492 – Entdeckung Amerikas – zur Abgrenzung genutzt) in eine geographisch definierte Region eingewandert sind. Seither hat die Überseeschifffahrt - zunächst nach Amerika - stark zugenommen.

Neozoen

Nichteinheimische Tierarten, die direkt oder indirekt durch die Wirkung des Menschen in eine geographischen Region eingeführt worden oder eingewandert sind und sich dort fest etabliert haben. Der Begriff wurde in Anlehnung an die Bezeichnung Neophyten kreiert, welche sich in Mitteleuropa auf Pflanzen bezieht, die nach ca. 1500 n.Chr. eingeführt oder eingeschleppt worden sind. Eine solch scharfe Definition liegt bei der Anwendung des Terminus "Neozoen" nicht zugrunde.

Einschleppungen und Einwanderungen sowie Aussetzungen von Arten aus fernen Regionen finden schon seit Jahrtausenden statt und wurden in Mitteleuropa stark durch Veränderungen der Umwelt (z.B. Entwaldungen im Mittelalter) gefördert. Erst dadurch kam es zu der uns heute vertraut wirkenden Besiedlung durch Kaninchen von der Iberischen Halbinsel oder verschiedene Arten von Mäusen und Ratten aus östlichen Regionen. Allein in Mitteleuropa sind in den letzten 2000 Jahren mindestens 400 Neozoen etabliert worden, wobei deren direkte Auswirkung auf die einheimische Tierwelt schwer zu beurteilen ist, da auch andere Umweltveränderungen parallel einhergingen.

In Deutschland gehören beispielsweise Nandus zu den Hunderten Neozoen. Bekannt sind die Flamingos im Zwillbrocker Venn (NRW), ferner Papageien, Ochsenfrösche, Bisamratten, Marderhunde oder Waschbären. Wirtschaftliche Schäden in großer Höhe werden z. B. durch Reblaus und Schiffsbohrmuschel verursacht.

Ein besonders starker Verdrängungseffekt auf endemische Arten ist in der Vergangenheit sicher auf manchen ozeanischen Inseln von Neozoen ausgegangen, wo die Einführung von Katzen, Ratten, Füchsen, Ziegen, Schafen und Hunden einheimische Tier- und auch Pflanzenarten (oft zusammen mit intensiver Jagd und anderen Belastungsformen) zum Aussterben brachten.

Bis heute ist die Gesamtauswirkung des Auftretens von Neozoen nicht klärbar, etwa, in welchem Ausmaß eingeschleppte Arten, inklusive deren jeweiliger Parasiten und anderweitig vergesellschafteten Arten wirklich einheimische Arten zum Aussterben bringen. Es wird auch unterschiedlich bewertet, ob die heutzutage zunehmenden globalen Vernetzungs- und Austauschprozesse (über Schiffe, Flugzeuge, Kleider, Nahrungsmittel, Kanalsysteme usw.) gleichsam als gegeben hingenommen werden sollen und "natürlich" sind, oder ob zum Zwecke der zumindest längerfristigen Erhaltung der geographisch differenzierten Lebensgemeinschaften und zum Schutz endemischer Formen der Neueinbürgerung möglichst effektiv Einhalt geboten werden soll.

Nettoeinkommen

Die Entlohnung des Eigenkapitals und der Familienarbeitskräfte. Das Nettoeinkommen errechnet sich nach Abzug des Lohnaufwandes für Fremdarbeitskräfte, der Zinsen für investiertes Fremdkapital und des Pachtaufwandes aus der Nettowertschöpfung. Der volkswirtschaftliche Begriff Nettoeinkommen kommt einzelbetrieblich dem Begriff Unternehmensgewinn nahe.

Nettowertschöpfung

Die Nettowertschöpfung stellt die Entlohnung der Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital dar. Sie ist damit betriebswirtschaftlich gesehen vergleichbar mit dem Betriebseinkommen.

(s. a. Bruttowertschöpfung)

Neubauernstelle

Auf dem Gebiet der neuen Bundesländer in den Jahren 1945/46 im Rahmen einer Bodenreform geschaffenen landwirtschaftliche Kleinbetriebe. Die Eigentümer sollten persönlich wirtschaftende Besitzer sein. Um dies zu gewährleisten, bestanden hinsichtlich der Grundstücke vielfältige Beschränkungen. Diese durften weder verkauft noch verpachtet werden und auch nicht vererbt werden. Es handelte sich um ein (bewirtschaftungspflichtiges) Arbeitseigentum, das mit einem Eigentum im Sinne der bundesdeutschen Rechtsordnung nicht vergleichbar war.
Im Zuge der "Wende" wurden durch ein DDR-Gesetz die genannten Verfügungsbeschränkungen aufgehoben. Die Bodenreformgrundstücke sollten persönliches Volleigentum werden, das verkauft, beliehen und vererbt werden konnte. Diese Regelung wurde im Rahmen des Einigungsvertrages Bundesrecht.
Dennoch kam es häufig zu unklaren Eigentumsverhältnissen bedingt u.a. durch unterschiedliche Rechtspraxis in DDR und Bundesrepublik, Mißachtung von Vorschriften beim Besitzwechsel schon zu DDR-Zeiten und unterlassene Eintragungen ins Grundbuch.

Neueinrichter

Landwirt der nach der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern einen landwirtschaftlichen Betrieb aufgebaut hat, ohne daß er dort vorher Landflächen oder Wirtschaftsgebäude besaß. Neueinrichter nutzten dabei einen freien Flächenmarkt, der in gewissem Umfang in Ostdeutschland unmittelbar nach den Wendeereignissen bestand, dazu auch Kaufmöglichkeiten bei staatlichen (VEG) kommunalen oder kirchlichen Ländereien. Neueinrichter kamen überwiegend aus den alten Bundesländern, aber auch aus den Niederlanden, den USA, Dänemark und anderen Staaten. In der Regel bauten sie in kurzer Zeit und mit erheblichem Kapitaleinsatz moderne Agrarbetriebe auf (Kapital- und know how-Transfer), teils auch in Kooperation mit ostdeutschen Pächtern, Filialleitern usw.

In der ersten Phase prägte die einheimische Bevölkerung für viele von ihnen den abwertend gemeinten Begriff des "Autobahnbauern" oder des "Tiefladerbauern", weil sie als "reisende Manager" bzw. "fernsteuernde Bewirtschafter" zunächst wenig Ortsbindung in Ostdeutschland erkennen ließen. Die Einpassung in die regionale Wirtschaftsstruktur erfolgt noch immer langsam. Manche Betriebe realisieren fast ihren gesamten Bezugs- und Absatzbedarf gewohnheitsmäßig in den alten Bundesländern und operieren z.T. auch mit mitgebrachten Arbeitskräften

Neulandgewinnung

Siehe Landgewinnung

Niederstammkultur

Pflanzung von Kern- und Steinobstbäumen in schmalen, heckenartigen Fruchtwänden. Kleine rundkronige Bäume stehen so dicht in der Reihe, dass sie nach wenigen Jahren eine lockere Wand bilden (Superspindel, Schlanke Spindel). Das Baumgerüst besteht nur noch aus dem Stamm. Alle Seitenachsen sind Fruchtriebe oder Fruchtäste. Typisch für die modernen Dichtpflanzungen ist nicht allein die größere Zahl von Bäumen je Hektar. Wesentlicher ist, dass damit eine höhere Intensitätsstufe der Obstproduktion erreicht wird. Schon nach kurzer Standzeit werden hohe und regelmäßige Erträge in bester Fruchtqualität erzeugt, die Arbeitsproduktivität steigt und die Kosten je Dezitonne Obst sinken. Viele Pflegearbeiten können maschinell erfolgen. Auch der Pflanzenschutz ist in den maximal 2,5 Meter hohen Apfelanlagen einfacher geworden: Spritzmittel können dort, wo sie letztlich unentbehrlich sind, sehr gezielt eingesetzt werden. Um den steigenden Qualitätsanforderungen gerecht zu werden, können die Obstbauern solche Bäume zudem besser mit Hagelnetzen schützen. Bäume aus Niederstammkulturen liefern regelmäßigere Erträge als Hochstämme, welche häufig der Alternanz (von Jahr zu Jahr starke Ernteschwankungen) unterliegen.

Weitere Informationen:

Nitrate

NO3, Salze der Salpetersäure. Nitrate gehören zu den Hauptnährstoffen im Boden (Bildung durch Mikroorganismen aus dem Luftstickstoff oder aus stickstoffhaltigen organischen Stoffen). Das von den Pflanzen aufgenommene Nitrat wird überwiegend zu Eiweiß und anderen organischen Stickstoffverbindungen umgewandelt. Ein mehr oder weniger großer Teil des Nitrats wird aber auch in Pflanzen gespeichert.
Nitrate kommen u.a. in Grünpflanzen vor. Nitrate finden sich auch in stickstoffhaltigen Düngemitteln. Bei unsachgemäßer Anwendung in der Landwirtschaft können Nitrate mit dem Niederschlagswasser in das Grundwasser bzw. in Oberflächengewässer gelangen und dessen Nitratbelastung erhöhen. In Deutschland verursacht die Landwirtschaft zu 82 % (1994) die flächenhaften Einträge von Nitrat ins Grundwasser. Sehr hohe Nitratkonzentrationen sind oft in Gebieten mit Sonderkulturen (Wein, Gemüse, Obst) nachzuweisen. Punktuelle Einträge von Nitrat aus der Landwirtschaft und anderen Verursacherbereichen sind bei lokaler Relevanz insgesamt von untergeordneter Bedeutung.

Problematisch können hohe Nitratgehalte in pflanzlichen Nahrungsmitteln (z.B. Spinat) aus überdüngten Kulturen oder aus belastetem Grundwasser für den menschlichen Organismus sein, da sich diese im Verdauungsbereich zu Nitriten umwandeln können und letztere mit den Aminen aus eiweißhaltigen Lebensmitteln die krebsverdächtigen Nitrosamine und Nitrosamide bilden. Zuviel Nitrat im Trinkwasser kann in seltenen Fällen für Säuglinge wegen der teilweisen Umwandlung des Nitrats in Nitrit im Körper gefährlich werden. Diese direkte toxische Wirkung des Nitrits beruht auf seiner Eigenschaft, den roten Blutfarbstoff, Hämoglobin, in Methämoglobin umzuwandeln. In dieser Form ist der Blutfarbstoff nicht mehr in der Lage, Sauerstoff zu transportieren. So kann Nitrit bei Babies bis zu einem Alter von 3 Monaten zur "Blausucht" (Methämoglobinämie) führen.

Der Grenzwert für Nitrat im Trinkwasser beträgt in der Trinkwasserverordnung 50 mg/l. Da Nitrat mit den üblichen Trinkwasseraufbereitungsmethoden kaum entfernt werden kann, ist Rohwasser mit einem höheren Gehalt an Nitrat für die Trinkwasserversorgung ungeeignet.

Im Hinblick auf die Nitratauswaschung sind die Wirtschaftsdünger Gülle, Jauche und Stallmist kritischer zu betrachten als die Mineraldünger, da sie sich nicht so gezielt zum optimalen Bedarfszeitpunkt der Pflanzen einsetzen lassen.

Stickstoffeintrag ins Grundwasser in Abhängigkeit von der Kulturart

Quelle: Ministerium für Umwelt Baden-Württemberg (Hrsg.): Nitrat im Grundwasser, 1991

Die Auffassung, daß es auf Grünland kein, zumindest aber eine viel geringeres Risiko der Nitratauswaschung gäbe als auf Ackerland, ist überholt. Sie ist lediglich für Wiesen zutreffend, nicht aber für Weiden (Weidetierexkremente). Wenn Grünland großflächig umgebrochen wird, kann sich im Grundwasserraum eine Welle hoher Nitratbelastung ausbilden. Nach einigen Jahren fallen die Nitratwerte wieder, bleiben aber als Folge der neuen Nutzung über dem ursprünglichen Niveau.

Nach dem Umbruch von Leguminosen vor der Winterruhe wird der organisch gebundene Stickstoff mineralisiert und kann dann in das Grundwasser ausgewaschen werden.
Bei der Drainierung und Ackernutzung von Moorböden wird die organische Torfsubstanz zunehmend abgebaut, was mit der Freisetzung des organisch gebundenen Stickstoffs und Phosphats verbunden ist.

Werden Sonderkulturen angelegt, so kann die Nitratbelastung selbst bei geringen Flächenanteilen dieser Kulturen auf ein erheblich höheres Niveau als zuvor ansteigen. Der Grund ist meist Überdüngung.

Die Düngermenge wird um so entscheidender, je mehr der Anbau einer Schwarzbrache ähnelt. Das gilt für viele Sonderkulturen, aber auch für die erste Wachstumsperiode von Mais und Hackfrüchten. Dort entscheidet auch der Düngezeitpunkt: je weniger die Pflanzen entwickelt sind und Nährstoffe aufnehmen können, desto größer ist die Gefahr der Auswaschung. Diese Gefahr verschärft sich, wenn der Anbau auf leichten Böden stattfindet. Sie vermögen nur wenig Wasser zu speichern, entsprechend schnell kommt es zur Versicherung.
Durch Anbau von Zwischenfrüchten im Winter, also in der Hauptsickerungsperiode, kann die Nitratauswaschung stark gesenkt werden.
Bis zur Grundwasseroberfläche wird Nitrat in nennenswertem Maße nur dann abgebaut, wenn die Böden schwer und sauerstoffarm sind und der Sickerwasserbereich genügend mächtig ist. Die Denitrifikation im Aquifer hängt vor allem davon ab, ob das Wasser sauerstoffarm ist und den Bakterien genügend organische Substanz zur Verfügung steht.

Zivilisatorisch unbeeinflusstes Wasser enthält nur bis zu 8 mg/l Nitrat. Die beispielsweise in Baden- Württemberg gewonnenen Durchschnittswerte einzelner Trinkwasserquellen und des Grundwassers größerer Einzugsgebiete liegen mit 20-30 mg/l Nitrat weit über dem Bereich natürlicher Schwankungen. Als Folge davon wurden im Zeitraum 1980-1989 etwa 20 % der Trinkwassergewinnungsanlagen in Baden-Württemberg stillgelegt.

Der Schwellenwert der Grundwasserverordnung von 50 mg/l wurde im Jahr 2015 an jeder zehnten Messstelle überschritten. Nach wie vor sind die höchsten Nitratkonzentrationen in der nördlichen und südlichen Oberrheinebene, in Teilen des Kraichgaus, im Neckarraum zwischen Stuttgart und Heilbronn sowie in der Region Oberschwaben zu finden. Dort sind die Gründe vor allem in einem hohen Anteil an Ackerflächen sowie in den dort gängigen Sonderkulturen wie Reben oder Gemüse zu suchen.

Zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen wurde im Dezember 1991 eine Richtlinie des Rates der Europäischen Gemeinschaft erlassen. Nach Artikel 1 hat diese Richtlinie zum Ziel,

Die Richtlinie schreibt u.a. Höchstmengen an Dung pro Hektar vor, und zwar bezogen auf die darin enthaltene Stickstoffmenge.

Bei Berücksichtigung der häufigsten Untersuchungsergebnisse lassen sich die Pflanzenarten hinsichtlich ihres Nitratgehaltes einteilen. Dabei spielen die zum Verzehr bestimmten Pflanzenteile eine besondere Rolle. Hohe Gehalte sind zu erwarten, wenn Blätter, Blattstiele und Hypokotylknollen verwendet werden. Im Gegensatz dazu sind alle Früchte (einschließlich Obst) und Samen nitratarm. Genetisch bedingte Unterschiede sind vorhanden. Die Züchter sind daher bemüht, nitratarme Sorten zu schaffen.

Weitere Informationen:

Nitrifikation

Auch Nitrifizierung genannte Umwandlung von aus Eiweißzersetzung stammendem Ammonium-Stickstoff (NH4+) in leicht aufnehmbaren Nitrat-Stickstoff (NO3-) durch Bodenbakterien. Dieser Oxidationsprozess erfolgt in zwei Schritten:

1)  4 NH4+ + 7 O2 → 4 NO2- + 4 H3O+ + 2 H2O
2)  2 NO2- + O2 → 2 NO3-

Zusammen mit der Denitrifikation ist die Nitrifikation für die gasförmigen N-Verluste aus Böden aber auch aus Gewässern verantwortlich und mithin für die Bildung von Distickstoffoxid (N2O) und Stickstoffoxiden (NOx). Die Nitrifikation führt zur Bodenversauerung.

(s. a. Stickstoffkreislauf)

Nitrite

Salze der salpetrigen Säure. Nitrite sind giftig, denn sie behindern den Sauerstofftransport des Blutes. Beim Menschen können als Folgen Übelkeit, Magenbeschwerden und Atemnot (Blausucht) eintreten. Gefährdet sind insbesondere Säuglinge (z.B. durch Verzehr von aufgewärmtem Gemüse aus intensiv gedüngten Kulturen, da das enthaltene Nitrat bakteriell zu Nitrit umgewandelt werden kann). Nitrite können sich unter Umständen im Magen-Darm-Trakt des Menschen mit Aminen der Nahrung zu Nitrosaminen umwandeln. Solche Verbindungen sind stark krebsverdächtig.

Nmin-Untersuchung

Labormethode zur Bestimmung des mineralisierten Stickstoffs im Boden als Grundlage für die Ermittlung des Stickstoffbedarfs der Pflanze und für die Verabreichung gezielter, dem Bedarf der Pflanze angepaßter Düngergaben.

Nomadismus

Wanderviehwirtschaft mit dem Nutzungssystem des Weideflächenwechsels. Es handelt sich um die am weitesten in die Randbereiche der Ökumene vorgeschobene agrarische Nutzform in enger Anpassung an die Naturgrundlagen (z.B. <100 mm N). Die Bevölkerung wandert mit den Herden und ihren Siedlungen (Zelte, Jurten, Hütten) zwischen den bis zu mehreren hundert Kilometern voneinander entfernten Weidegründen, deren Tragfähigkeit und auch Trinkwasserangebot mit dem Niederschlags- und Temperaturgang jahreszeitlich und von Jahr zu Jahr wechselt. Die Futterversorgung kann nur durch die Wanderung zwischen Winter- und Sommerregenzeit, Tiefland und Höhengebieten erfolgen, da keine Vorratshaltung besteht. Die Produktionsgrundlage der nomadischen Viehwirtschaft bildet stets die Naturweide, eine Weidepflege findet nicht statt. Transporttiere, die neben den Herdentieren gehalten werden, befördern den gesamten Hausrat während des mehrmals pro Jahr erfolgenden Weidewechsels. Ein weiterer Grund für das Wanderungsverhalten ist das Bemühen standortspezifischen Tierkrankheiten auszuweichen.

Dieser Vollnomadismus ist in seiner Reinform heute selten geworden. Er unterscheidet sich vom Halbnomadismus, bei dem die Viehhalter über einen festen Wohnsitz verfügen, in dessen Nähe i.d.R. Anbauwirtschaft betrieben wird. Zeitweise wandert die gesamte Familie des Herdenbesitzers oder ein Teil davon mit der Herde in entfernte Weidegebiete. Marktwirtschaftliche Verflechtungen sind gering, Selbstversorgung und regionaler Tauschhandel herrschen vor. Oft besteht eine symbiotische Beziehung zwischen Weidenomaden und seßhaften Oasenbauern. Daneben spielen andere Tätigkeiten und zusätzliche Einkommen aus dem Handel, aus Transport- oder Geleitschutz für den Handel, aus handwerklicher Arbeit (Lederbearbeitung oder Teppichknüpferei) oder aus dem Grundbesitz, den man durch Pächter oder hörige Bauern bewirtschaften läßt, eine bedeutsame Rolle.

Während sich der Vollnomadismus gut an die ökologischen Bedingungen anpasst, verschärft sich im Halbnomadismus häufig die Futtersituation. Sind die Tiere im Einzeleigentum der Familien und die Fläche ist Gemeineigentum, versucht jede Familie die Anzahl der Tiere hoch zu halten. Eine Überstockung kann dann zu Überweidung führen.

Die Produktivität der nomadischen Herden, gemessen am Fleischzuwachs und an der Milchleistung, ist gering. Wachstum und Milchleistung sind sehr stark vom Vegetationsrhythmus abhängig.

Nomadismus gibt es als altweltliche Wirtschaftsform vor allem in den Trockenräumen Afrikas, des Mittleren und Fernen Ostens. Der Nomadismus in der arktischen Tundrenzone mit Rentieren ist selten geworden. In der Neuen Welt hat es dagegen nie einen Nomadismus gegeben, da die Weidetiere nicht vorhanden waren. Stets ist der Nomadismus mit tribalistischen Gesellschaftsstrukturen verbunden.

Häufigste Nutzvieharten sind Schafe und Ziegen. Reinbestände einer Tierart sind selten, häufiger werden gemischte Herden gehalten (Verwertung verschiedener Pflanzen, Risikostreuung). Als Prestigetiere gelten in der Sahara und in der Arabischen Wüste das Kamel, in den Wüsten Turkestans und in der Mongolei das Pferd. Die Größe des Viehbestandes bestimmt den sozialen Rang und das Ansehen der Eigentümer der Gemeinschaft, so daß man sich nur selten zum Schlachten oder zum Verkauf eines Tieres entschließt. Aus der Wolle und dem Haar der Tiere werden Kleidungsstücke, Decken und Zeltplanen gefertigt.

Allen Nomaden gemeinsam ist, daß die Milch als Grundnahrungsmittel dient, wobei alle Tierarten gemolken werden: Kamele, Dromedare, Pferde, Esel, Kühe, Ziegen und Schafe.

Neben dem Grad der Mobilität dienen als weitere Differenzierungskriterien Futtergrundlage, Tierarten und Lebensformen wie Wüsten- oder Steppennomadismus.

Fehlende statistische Erhebungen erlauben nur vage numerische Aussagen über Bedeutung und Verbreitung des Nomadismus. Wahrscheinlich können z.Z. weniger als 10 Mio. Menschen als Nomaden bezeichnet werden. Als räumliche Schwerpunkte gelten vor allem der Sahel, Somalia, die ostafrikanischen Hochländer sowie die Hochländer Irans und Afghanistans. In Somalia machen die Nomaden z.B. noch 58 % der einheimischen Bevölkerung aus.

Generell ist aber seit langem von einem deutlichen Niedergang des Nomadismus auszugehen, auch wenn sich in ehemals sozialistischen Ländern eine gewisse Wiederbelebung anzubahnen scheint (Mongolei). Arnold (1997) trug folgende Hauptgründe dafür zusammen:

Noria

Im Nahen Osten, Indien und Spanien übliche Bezeichnung für ein von fließendem Wasser angetriebenes Schöpfrad zur Hebung von Wasser in ein kleines Aquädukt mit dem Ziel der Bewässerung oder der Versorgung von Siedlungen.

Das um eine horizontale Achse rotierende Schöpfrad ist mit Wasserkübeln besetzt und taucht mit einem Teil seines Umfangs in Wasser. Die Kübel füllen sich mit Wasser, wenn sie in den Fluss eintauchen. Im Bereich des höchsten Punktes des Rades entleert sich der Inhalt der Kübel dann in ein Auffangbecken, von wo aus es in einen Bewässerungskanal fließt.

Ähnliche Maschinen, allerdings mit externem Antrieb (z. B. Tierkraft) heißen Sakia bzw. Saqiya. Auf der Iberischen Halbinsel wird jedoch der dort von den Arabern übernommene Begriff Noria teilweise für beide Vorrichtungen verwendet.

Novel Food

Neuartige Lebensmittel, die aus Rohstoffen bestehen, die bislang in der menschlichen Ernährung nicht vorkommen oder die auf unkonventionelle Weise z.B. mit Hilfe der Gentechnologie hergestellt oder synthetisiert werden.
Nach der Novel Food-Verordnung der EU (seit Mitte Mai 1997 in Kraft) gelten folgende Lebensmittel und Lebensmittelzutaten als Novel Food:

Neuartig im Sinne der Verordnung sind nicht nur Gentechnik-Produkte. Auch andere bisher nicht bekannte Lebensmittel, beispielsweise Fleisch-Ersatz aus Einzeller- oder Algeneiweiß oder die sogenannten 'Designer-Lipide' (künstliche kalorienfreie Fette), fallen darunter.
Die Verordnung enthält unklare Formulierungen, insbesondere hinsichtlich der Umsetzung der in ihr enthaltenen Kennzeichnungspflicht. Nachweisverfahren, ohne die eine Überwachung der Kennzeichnung nicht durchführbar ist, werden gegenwärtig entwickelt. Derartige Verfahren lassen sich nur mit genauer Kenntnis der jeweiligen gentechnischen Änderung schaffen. Unbekannte Veränderungen sind nur in sehr eingeschränktem Maße nachweisbar. Die technischen Details zur Durchführung und Kontrolle der Kennzeichnung sind weitgehend unklar.
Von Bedeutung ist eine Kennzeichnung und eine Überprüfung im Rahmen des Verbraucherschutzes z.B. für Allergiker, die sich darauf verlassen müssen, daß ein Lebensmittel die mit der Gentechnik erzielte Allergen-Freiheit auch tatsächlich besitzt, da ansonsten lebensbedrohliche Situationen (anaphylaktischer Schock) eintreten können.
Lebensmittel müssen gekennzeichnet werden, wenn sie

Lebensmittel aus transgenen Pflanzen, die das veränderte Gen oder Genprodukt nicht enthalten (z.B. Zucker aus transgenen Zuckerrüben oder Sojaöl aus herbizidtoleranten Sojabohnen) entziehen sich prinzipiell einem Nachweis, folglich ist eine Kennzeichnung nicht vorgesehen. Demgegenüber muß z.B. Ketchup aus transgenen Tomaten gekennzeichnet werden, da es sich wissenschaftlich nachweisbar von gleichwertigen konventionellen Lebensmitteln unterscheidet.
Gentechnisch hergestellte Lebensmittelzusatzstoffe, Aromen, Enzyme u.a. fallen nicht unter die Novel Food-Verordnung. Auch bereits zugelassene Produkte wie Genmais, Gensoja und Genraps werden von der Verordnung ausgenommen, sollen aber nachträglich reguliert werden. Insgesamt sind rund 80 % der gentechnisch veränderten Lebensmittel von der Kennzeichnung befreit. Eine bewußte Verbraucherentscheidung für oder gegen Produkte, die auf gentechnischen Veränderungen beruhen, ist so nicht möglich.
Die Anwendung der Gentechnologie in der Nahrungsmittelverarbeitung erbringt einen Beschleunigungs- und Effizienzeffekt und ermöglicht, neue Nahrungsmittel, sogar auf molekulargenetischer Ebene definiert, zu kreieren. Sie verstärkt dabei auch die negativen Effekte des "food-design" und bringt zusätzlich das Risiko mit sich, daß die gegenseitige in evolutionären Zeiträumen entstandene Anpassung zwischen natürlichen Mikrofloren und Menschen aufs Spiel gesetzt wird.

Die Ernährung wird durch die moderne Lebensmittelindustrie und durch die Entwicklung von Novel Food von deren Grundlage Landwirtschaft getrennt. Ernährung und Landwirtschaft ist nicht mehr ein System, wo der regionale Bedarf oder die Notwendigkeit nach Vielfältigkeit in der Ernährung zur regionalen und kleinräumigen Vielfältigkeit in der Landwirtschaft Anlaß gibt oder diese Vielfältigkeit sich wechselseitig bedingt, was auch dem ökologischen Standpunkt entgegenkommt, sondern die vielfältige Ernährung ist nur mehr ein Transport- und Industrieproblem, während die Landwirtschaft lediglich ein Rohstofflieferant ist, der möglichst spezialisiert oder monokulturell, Nahrungsmittelgrundstoffe bereitstellt.

Am 31. Dezember 2015 ist die neue europäische Novel Food-Verordnung in Kraft getreten und wird ab 1. Januar 2018 verbindlich. Die Verordnung (EU) 2015/2283 löst die bisher geltende Verordnung (EG) Nr. 258/97 ab. Die Begriffsbestimmung für Novel Food wird in der Verordnung präzisiert. Damit werden Unklarheiten im Hinblick auf den Anwendungsbereich der bisher geltenden Novel Food-Verordnung beseitigt. Unter anderem sind ganze Tiere wie Insekten, Lebensmittel aus Zell- oder Gewebekulturen sowie Erzeugnisse mineralischen Ursprungs nunmehr Teil der Begriffsbestimmung und damit eindeutig im Anwendungsbereich der Verordnung. Zudem wird klargestellt, dass technisch hergestellte Nanomaterialien neuartige Lebensmittel sind und damit der Bewertungs- und Zulassungspflicht unterliegen, sofern dafür nicht - wie beispielsweise bei Lebensmittelzusatzstoffen - bereits in anderen EU-Vorschriften eigene Regelungen, einschließlich einer Zulassungspflicht, bestehen.

(s. a. BMEL)

Weitere Informationen:

Nutzartenverhältnis

Siehe Kulturartenverhältnis

nutzbare Feldkapazität (nFK)

Der pflanzenverfügbare Bodenwasservorrat. Für die Wasserversorgung von Pflanzen ist entscheidend, welche Wassermenge ein Boden einerseits gegen die Schwerkraft zurückhalten kann, andererseits aber nur so fest bindet, dass es für Pflanzen verfügbar bleibt. Als wichtige Substrateigenschaft ist hierbei die nutzbare Feldkapazität (nFK) definiert, die sich als Differenz von Feldkapazität und Welkepunktwasserkapazität errechnet:

nFK = FK – WWK

Entsprechend der Einteilung der Porengrößen in Böden bezeichnet man den Porenbereich von 0,2 mm bis 50 mm als die nutzbare Feldkapazität (nFK) eines Bodens, da das enthaltene Porenwasser pflanzenverfügbar ist. Das Wasser der Poren < 0,2 mm ist nicht mehr pflanzenverfügbar und wird deshalb als "Totwasser" bezeichnet. Der sog. permanente Welkepunkt (PWP) liegt dementsprechend bei pF 4,2.

Für verschiedene Bodenarten messbare Feldkapazitäten, nutzbare Feldkapazitäten und Totwasseranteile bei einer mittleren Trockenrohdichte
Bodenartenhauptgruppe Luftkapazität (%) Feldkapazität (%) nutzbare Feldkapazität (%) Totwasser (%)
Ton 2,5 - 5,0 36,0 - 42,0 9,0 - 15,0 21,0 - 31,0
Lehm 3,5 - 10,0 29,0 - 36,5 12,0 - 21,5 8,5 - 23,5
Schluff 4,5 - 7,0 33,5 - 36,5 16.0 - 26,0 8,0 - 19,5
Sand 8,0 - 21,5 15,5 - 31,0 11,0 - 24,5 4,5 - 8,5

Quelle: BOKUonline nach AG Boden, 1994

Wie Untersuchungen an einjährigen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen ergeben haben, kann man im Mittel davon ausgehen, dass bei Bodenwassergehalten im Wurzelraum, die unter 50 % der nFK liegen, mit Ertragseinbußen gerechnet werden muss. Da die Ertragsminderungen um so größer sind, je länger diese Grenze unterschritten wird, kann die Häufigkeit, mit der 50 % der nFK im langjährigen Mittel unterschritten wird, z.B. als theoretische Grundlage für die Beurteilung der Beregnungsbedürftigkeit eines Bodens dienen
Um die Wasserversorgung eines Standorts zu beurteilen, muss neben der Substrateigenschaft „nutzbare Feldkapazität“ auch die Durchwurzelungstiefe berücksichtigt werden. Dies führt zur Nutzbaren Feldkapazität des effektiven Wurzelraums (nFKWe).

Nutzgarten

Garten, der– im Gegensatz zum Ziergarten – hauptsächlich der Erzeugung von Nutzpflanzen dient, wie z. B. Kräutern, Obst und Gemüse als Nahrungsmittel. Zum Nutzgarten kann auch ein Gewächshaus gehören, um den Anbau kälteempfindlicher Pflanzen zu erleichtern oder überhaupt erst zu ermöglichen. Die Obst- und Gemüsegärten von herrschaftlichen Häusern wurden früher als Küchengärten bezeichnet.

Im heutigen Mitteleuropa mit seiner modernen Landwirtschaft ist dieser Gartentyp in den letzten Dekaden etwas in den Hintergrund getreten. Ein Grund ist darin zu suchen, dass finanzieller und zeitlicher Aufwand und erzielter Nutzen in keinem ökonomisch vertretbaren Verhältnis stehen. Für biologisch angebaute Erzeugnisse ist der Nutzgarten allerdings von großer Bedeutung. Eine Antwort auf wachsende Bevölkerungszahlen und zunehmende Verstädterung ist die Entwicklung von Gärten im Stadtbereich (Urbaner Gartenbau), z. B. Mietergärten und Kleingärten.

Eine recht aufwendig zu pflegende, jedoch auch ästhetisch ansprechende Form des Nutzgartens ist der Bauerngarten. Zu beachten ist bei Nutzgärten, die sich in Gemeinschaftsanlagen von Kleingärten befinden, dass es bestimmte Regularien für Gartenbau, Anbau bzw. „Nicht-Anbau“ bestimmter Pflanzen und Haltung von Kleintieren geben kann.

Nützlinge

Organismen, die Kulturschädlinge angreifen (Räuber) oder im Innern ihrer Wirtstiere leben (Parasiten).

Wichtige Nützlinge und Beispiele ihrer Beute

Quelle: LBP: Integrierter Pflanzenschutz - Natürliche Feinde von Kulturschädlingen, München 1992

Nutzpflanze

Pflanze ohne systematischen Anbau in natürlichen Beständen (Beeren, Pilze, Früchte, Farbstoffe, Fasern, Blumen, Zierpflanzen, Holz, Drogen, Gummi usw.) im Gegensatz zur Kulturpflanze. Ihre Nutzung erfolgt durch Sammeltätigkeit.

Früher ernährten sich die Menschen von mehreren tausend Nutzpflanzenarten. Heute sind es nur noch rund 150, beim Großteil der Weltbevölkerung sogar nur 12. Dabei hätten wir doch so viel Auswahl! Von den etwa 400.000 bekannten Pflanzenarten weltweit, sind rund 30.000 für den Menschen genießbar. Da wundert es, dass die Menschheit mit nur 30 Arten 95 Prozent ihres Kalorienbedarfes deckt. Die drei Haupternährer machen dabei Weizen, Reis und Mais aus. Sie decken die Hälfte des weltweiten Energiebedarfs aller Menschen.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges nahm die Anzahl der in Deutschland angebauten Kulturpflanzenarten stark ab, denn die Landwirte spezialisierten sich immer mehr auf bestimmte Arten und intensivierten deren Anbau. Heute wird in Deutschland nur noch ein Bruchteil aller theoretisch anbaubaren Arten genutzt. Dazu zählen etwa:

Knapp die Hälfte der Fläche Deutschlands steht den Bauern zur landwirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung. Über 60 Prozent dieser landwirtschaftlich genutzten Fläche bepflanzen die Bauern mit lediglich fünf verschiedenen Kulturarten. Im Anbau befinden sind vorwiegend moderne Zuchtsorten.

Weitere Informationen:

Nutztier

Tier, das als Nahrungsmittel, als Erzeuger von Nahrungsmitteln (z.B. Milch), als Trag- und Zugtier oder als Lieferant von Häuten, Fellen oder sonstwie verwertbarer Teile für die menschliche Wirtschaft und Kultur von Bedeutung ist.

Im Vergleich zu den Kulturpflanzen ist die Vielfalt der vollständig domestizierten landwirtschaftlichen Nutztiere relativ gering. Obwohl ihre Individuenzahl etwa so groß ist wie die der Menschen, konsumieren landwirtschaftliche Nutztiere die vierfache Menge an Pflanzenmaterial. Tierische Lebensmittel (Fische und Schalentiere eingeschlossen) decken nur ein Zehntel des weltweiten Kalorienbedarfs, doch machen sie ein Drittel der gesamten menschlichen Proteinaufnahme aus.

Der Mittlere Osten gilt als Ursprungszentrum der Domestikation aller nahrungsproduzierenden Nutztiere. Die Anfänge der Domestikation liegen einige Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung, und die Entstehung von Haustieren scheint der Entwicklung seßhafter, Landwirtschaft betreibender Gesellschaften sowie der Kultivierung von Nahrungspflanzen parallel verlaufen zu sein.

Aufgrund bestimmter physiologischer Eigenschaften und/oder Verhaltensmuster waren und sind manche Tiergruppen zur Domestikation besser geeignet als andere. Vorteilhaft waren anfangs Tiere, die nicht nur wirklich nützliche und nachhaltige Nahrungsquellen darstellten, sondern die sich leicht züchten ließen und zudem einen Herdentrieb aufwiesen, der ihre Kontrolle erleichterte. Tiere, deren soziales Verhalten auf einer Dominanzhierarchie basiert, ließen sich leichter vom Menschen beherrschen. Einige entwickelten ihm gegenüber ein hohes Kommunikationsniveau.

Wie bei den Kulturpflanzen ging die Domestikation von Tieren mit physiologischen Änderungen einher, die vor allem den ökonomischen, kulturellen oder ästhetischen Bedürfnissen des Menschen entsprachen.

Entwicklungen in der modernen Nutztierzucht führen zu einer ständigen Abnahme der Anzahl ökonomisch wichtiger Zuchtrassen. Lokale Zuchtlinien werden entweder durch Tiere ersetzt, die an einen speziellen Verwendungszweck angepaßt sind und aus einer vergleichsweise kleinen Zahl von Zentren stammen (z.B. Milchkühe), oder durch "maßgeschneiderte" Hybride (z.B. Schweine und Geflügel).

Die weltweit wichtigsten landwirtschaftlichen Nutztiere

Quelle: Tivy, 1993

Nutztierhaltung

Die Haltung von Tieren (meist Haustieren) aus ökonomischen Gründen (Nahrungsversorgung, Rohstoffquelle, Transport- und Fortbewegungsmittel).

Durch die gezielte Züchtung von Tieren werden sowohl die Tierleistungen als auch die Tiergesundheit langfristig aufrecht erhalten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Züchtung regionaler oder der Nachfrageentwicklung angepasster Rassen und deren Weiterentwicklung.

Neben den rechtlichen Vorschriften für den Tier- und den Umweltschutz haben auch ökonomische Rahmenbedingungen und die Verbrauchererwartungen großen Einfluss auf die Nutztierhaltung.

Übersicht über die verschiedenen Zweige der Nutztierhaltung:

Man unterscheidet bei der Viehhaltung

Weitere Informationen:

Nutztierhaltungsform

Art und Weise, in der Nutztiere in einem landwirtschaftlichen oder gewerblichen Tierhaltungsbetrieb gehalten werden.

Nutzungsparzelle

Kleinstes Flurstück einheitlicher Nutzung.

(s. a. Parzelle)