Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

S

Saatbeizmittel

Zum vorbeugenden Schutz (Beizung) des Saatgutes vor allem von Getreide-, Rüben- und Gemüsesamen vor pilzlichen Erkrankungen (Fungizide) und tierischen Schädlingen eingesetzte chemische Mittel.

Wirksam, aber ökotoxikologisch bedenklich sind die quecksilberorganischen Verbindungen (Quecksilber), wie z.B. Phenylquecksilberacetat. Saatgut, das mit Saatbeizmitteln behandelt wurde, darf nicht als Futter- oder Lebensmittel verwendet werden.

Saatbett

Bezeichnung für den zur Saat vorbereiteten Acker- oder Gartenboden. Das Saatbett soll so beschaffen sein, dass es eine gleichmäßige Tiefenlage des Saatgutes und beste Keimbedingungen bietet; es ist also unterschiedlich für die verschiedenen Pflanzenarten und Saatgutgrößen und Sämethoden herzurichten.

Einerseits soll das „Saatkorn“ auf einer genügend festen kapillarwirksamen Ackerkrume liegen, andererseits aber von einer leicht erwärmbaren und gut durchlüfteten Lockerschicht bedeckt sein. Besondere Aufmerksamkeit erfordert hierbei die Saat von Lichtkeimern – zu feine Krümelung kann zur Verwehung oder Verschlämmung des Bodens führen, zu flache Saat führt leicht zu Vogelfraß.

Üblicherweise wird durch Pflügen einer Saatfurche der Boden gewendet und gemischt sowie oberirdische Pflanzenreste der Vorkultur untergearbeitet. Diese Arbeit kann nur auf einem genügend abgetrockneten Acker durchgeführt werden, um anschließend die erwünschte rückverfestigte, aber feinkrümelige Bodenstruktur mit anderen landwirtschaftlichen Geräten wie zum Beispiel Packern, Eggen oder Saatbettkombinationen zu erzielen.

Um durch Bodenerosion gefährdete Ackerflächen (z. B. Starkregen, Hangneigung) zu schützen oder die Bodenstruktur zu erhalten, wird auch vermehrt das Direktsaatverfahren eingesetzt. Hier ist das Saatbett die ungepflügte Erntefläche der vorangegangenen Ackerfrucht.

In einem optimal vorbereiteten Saatbett sind folgende Zonen gut erkennbar:

Im Gartenbau kommt für kleine Beete vereinzelt auch der Begriff Saatbeet vor. Wegen der hier verbreiteten Handsaat und Steuerungsmöglichkeit von Feuchtigkeit und Wärme können die speziellen Anforderungen des jeweiligen Saatgutes leichter erfüllt werden. Auch bringt man im Gartenbau meist humusreiche Erden in das Saatbett ein.

Werden Pflanzen nicht gesät sondern gesetzt, spricht man von einem Pflanzbett.

Saatgut

Auch Saatkorn oder Saatfrucht; Bezeichnung für trockene, ruhende, generative Fortpflanzungsorgane wie Samen, Früchte, Scheinfrüchte, Fruchtstände oder Teile davon. Sie enthalten die vollständige, durch Befruchtung entstandene Keimanlage der Pflanzen. Bei trockener und kühler Lagerung behält Saatgut über viele Jahre die Keim- und Triebkraft.

Dagegen bezeichnet man vegetative Vermehrungsorgane wie Rhizome, Knollen, Zwiebeln, Stecklinge als Pflanzgut. Diese Pflanzenteile sind regenerationsfähig, aber in der Regel nur über wenige Vegetationsperioden haltbar.

Die Größe und das Gewicht von Saatgut der verschiedenen Pflanzenarten ist sehr unterschiedlich. Beispielsweise beträgt das Tausendkornmasse (TKM) von Rotklee 1,75–2,25 Gramm, Getreide 28–55 Gramm, Mais 200–450 Gramm und Ackerbohnen 300–700 Gramm.

Beim Saatgut spielen Gesundheit, Sortenreinheit, Keimfähigkeit und Triebkraft eine herausragende Rolle, sie haben große Auswirkungen auf die Ernte und damit auch auf die Nahrungsverfügbarkeit bzw. -sicherheit.

Durch die übliche Beizung des landwirtschaftlichen Saatguts wird dieses und die Jungpflanze bei und nach der Keimung im Feld vor Pilzen und Schädlingen geschützt. Durch Züchtung wird Saatgut verbessert.

Traditionell erfolgt(e) Saatgutgewinnung durch die Bauern selbst, indem sie Samen oder anderes reproduktive Material (z. B. Stecklinge, Wurzelknollen) aufbewahren und zur Saat oder zum Anpflanzen weiter verwenden. Bei diesem "informellen Saatgutsystem" findet eine Selektion auf der Basis von wünschenswerten phänotypischen Eigenschaften statt. Das Saatgut wird entweder im Nachbau selbst weiter verwendet oder im Umfeld ausgetauscht. Durch diese Praxis entstanden vielfältige Landrassen mit an die jeweiligen klimatischen und edaphischen Bedingungen angepassten Eigenschaften. Obwohl die Mehrheit der Bauern weltweit noch seed saving betreibt, ist die Praxis stark rückläufig, in Industrieländern, aber immer mehr auch in Entwicklungsländern.

Das "formelle Saatgutsystem" besteht aus der professionellen, auf genetischen Erkenntnissen beruhenden Zucht von neuen Varietäten und deren Verbreitung durch die öffentliche Hand und private Unternehmen. Seit den 1980er Jahren geht die Führungsrolle bei der Saatgutentwicklung und -verbreitung im formellen Sektor verstärkt an private, global agierende Unternehmen über, auch wenn die Rolle des Staates als Regulator bei der Zulassung von registriertem Saatgut i.d.R. bestehen blieb.

Saatgut und Patente auf Leben

Der weltweite Umgang mit Saatgut, der Grundlage unserer Ernährung, ist ein Brennglas der Privatisierung landwirtschaftlichen Wissens. Der Weltagrar- bericht beschreibt die Entwicklung der vergangenen hundert Jahre in offensichtlicher Sorge um die Zukunft und die allgemeine Zugänglichkeit und Vielfalt der genetischen Ressourcen unserer Kulturpflanzen.
Über Jahrtausende hinweg zunächst von Landwirten als gemeinsames Erbe erhalten, ausgetauscht und fortentwickelt, war Saatgut zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein öffentliches Gut, das von der Wissenschaft nach neueren Erkenntnissen der Genetik, v.a. der gerade wiederentdeckten Mendel’schen Gesetze, verbessert und von staatlichen Stellen systematisch erfasst und Landwirten zur Verfügung gestellt wurde.

Während die ersten großen staatlichen Saatgutsammlungen nach modernen Erkenntnissen unter anderem von Nikolai Vavilov in Leningrad eingerichtet wurden, machten private Züchter in den 30er und 40er Jahren erstmals geistige Eigentumsrechte an neu entwickelten Sorten geltend. Sie achteten jedoch auch in dem 1961 vereinbarten internationalen Sortenschutzabkommen UPOV darauf, dass das genetische Material selbst für weitere Züchtung frei verfügbar blieb (Züchtervorbehalt) und Landwirte aus eigener Ernte gewonnenes Saatgut anbauen konnten (Landwirteprivileg). Zu einem privatwirtschaftlich interessanten Geschäft wurde Saatzucht erst mit der Einführung von Hybridsaatgut in den 20er Jahren durch die Firma Pioneer Hi-Bred. Weil die ertragreicheren Hybridsorten in der folgenden Generation keine Samen von einheitlicher Qualität mehr hervorbringen, wirken sie wie ein „biologischer Sortenschutz“.

Seit den 40er Jahren entwickelten internationale Pflanzenzuchtzentren, v.a. mit Mitteln der Rockefeller und Ford Foundation, gezielt neue Hochleistungs- sorten, die zur Steigerung der Getreideproduktion und zur Bekämpfung des Hungers in den 60er und 70er Jahren einen wichtigen Beitrag leisteten. Hierbei handelte es sich um öffentliche, nicht-gewerbliche Programme. Sie gingen allerdings mit einem rapiden globalen Anstieg des kommerziellen Einsatzes von Pestiziden und Dünger einher. In den 80er Jahren begannen einige Firmen, systematisch in die Gentechnik zu investieren. Exklusive Patente auf gentechnische Veränderungen und isolierte Erbinformationen ermöglichten erstmals, anderen die Nutzung bestimmter genetischer Eigenschaften in der Züchtung zu untersagen. Seit der Jahrtausendwende bemühen sich Unternehmen zudem mit wachsendem Erfolg, sogar Patente auf die Ergebnisse herkömmlicher Züchtung, z.B. den Gehalt bestimmter Inhaltsstoffe oder schiere Hochwüchsigkeit wie bei Monsantos „geköpftem Brokkoli“, durchzusetzen. Parallel dazu wurde auch das Sortenschutzrecht verschärft. Die Version des UPOV- Übereinkommens von 1991 verbietet Landwirten den Tausch oder Verkauf von geschütztem Saatgut und schränkt auch dessen Nachbau ein.

In den 90er Jahren setzte ein bis heute anhaltender Konzentrationsprozess der Saatgutbranche in den Händen einer Handvoll internationaler Chemie- unternehmen ein. Die Firmen Monsanto, DuPont, Syngenta, Dow, BASF und Bayer beherrschen zugleich das weltweite Pestizidgeschäft. Klagte der Weltagrarbericht 2008 noch, dass die 10 größten Unternehmen über 50% des globalen Handels mit geschützten Sorten beherrschen, sind es fünf Jahre später noch drei Unternehmen, die 53% des Marktes kontrollieren.
Sie konzentrieren sich dabei auf wenige, lukrative Pflanzenarten, die von zahlungskräftigen Landwirten auf großen Flächen angebaut werden und auf Regionen, die eine entsprechende Infrastruktur und Rechtsschutz für ihre Ansprüche aufweisen. Der Weltagrarbericht bezweifelt deshalb den Nutzen von Patenten und geistigen Eigentumsrechten für Innovation, Forschung und Wissensverbreitung im Saatgutbereich. Hoffnungen, durch vereintes Auftreten öffentlicher Universitäten und Forschungseinrichtungen gegenüber der Privatwirtschaft weiterhin Zugang zu patentiertem Saatgut zu behalten, haben sich in den letzten Jahren zerschlagen. Ebenso die Hoffnung, das Internationale Abkommen über pflanzengenetische Ressourcen (ITPGRFA) werde einen fairen, am Gemeinwohl ausgerichteten Austausch von Zuchtmaterial zwischen privaten und öffentlichen Züchtern aufrechterhalten.

Die Unternehmen horten Patente auf Pflanzen, Tiere, genetische Informationen und auf Verfahren und verkomplizieren so die Forschung, Entwicklung und vor allem Vermarktung bei ihrer Konkurrenz und in der öffentlich finanzierten Forschung. Ihre Verwertungsstrategie für den neuen „Rohstoff Wissen”, einschließlich der anwachsenden Berge an Genom-Daten, bestehe allzu oft nur darin, anderen deren unabhängige Nutzung und Fortentwicklung zu verwehren. Meist reicht dafür schon die Drohung mit einem langjährigen Rechtsstreit ungewissen Ausgangs. [...]

Quelle: Weltagrarbericht

Pflanzenzüchtung ist heute Spitzentechnologie. Branchenweit werden im Schnitt 15,1 Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Damit ist die Pflanzenzüchtung forschungsintensiver als die Pharmaindustrie. Die deutsche Züchterlandschaft zeichnet sich durch Vielfältigkeit und Heterogenität aus. Der starke Wettbewerb unter den Züchtern führt zu einem stetigen Fortschritt und gibt Anreiz, den Markt mit verbesserten Sorten zu versorgen.

Da die meisten Eigenschaften, die für die Leistungsfähigkeit des Saatgutes bestimmend sind, beim Kauf nicht unmittelbar beurteilt werden können, wurden mit dem Saatgutverkehrsgesetz (SaatG) Regelungen erlassen.

Das SaatG definiert Saatgut als

  1. Samen, der zur Erzeugung von Pflanzen bestimmt ist; ausgenommen sind Samen von Obst und Zierpflanzen,
  2. Pflanzgut von Kartoffel,
  3. Pflanzgut von Rebe einschließlich Ruten und Rutenteilen.

Dazu treten die als Vermehrungsmaterial bezeichneten Pflanzen und Pflanzenteile von Gemüse, Obst oder Zierpflanzen, die für die Erzeugung von Pflanzen und Pflanzenteilen oder sonst zum Anbau bestimmt sind. Das Saatgut wird nach dem SaatG nach verschiedenen Kategorien (Basissaatgut, Zertifiziertes Saatgut, Standardsaatgut u.w.) unterschieden, wobei entsprechende Begriffe für das Pflanzgut bestehen.

Pflanzenzüchtung zur Erzeugung von Saat- und Pflanzgut für Landwirtschaft und Gartenbau wird in Deutschland von etwa 130 vorwiegend mittelständisch organisierten Unternehmen betrieben. 58 Firmen mit eigenem Zuchtprogramm und 30 Vertriebsfirmen bewirtschaften zusammen ca. 3.500 ha Zuchtgärten und 225.000 m² Gewächshausfläche. Insgesamt sind 5.800 feste Mitarbeiter (darunter viele Wissenschaftler) und zusätzlich Saisonarbeitskräfte in der Branche tätig.

Anzahl aktiver Pflanzenzüchtungsunternehmen in den verschiedenen Kulturarten in Deutschland*
Anzahl aktiver Pflanzenzüchtungsunternehmen in den verschiedenen Kulturarten in Deutschland

Quelle: BDP

Die private Pflanzenzüchtung konzentriert sich auch in Deutschland weitgehend auf die Bearbeitung der wirtschaftlich wichtigen Ackerkulturen (Getreide, Mais, Raps, Zuckerrübe, Kartoffel, Futterpflanzen). Die Züchtung seltener, meist wirtschaftlich weniger bedeutender Arten sowie von Dauer- und Sonderkulturen wird weitgehend von staatlichen und universitären Institutionen getragen. Auch die Gemüsezüchtung wird nur noch von wenigen Züchtern abgedeckt. Die weltweite Arbeitsteilung und der internationale Handel haben für die deutsche Züchtungswirtschaft zu einer starken Konkurrenz aus dem Ausland geführt. Voraussetzung für einen Sortenschutz ist, dass eine Sorte neu, unterscheidbar, homogen und beständig ist. Dies wird in mehrjährigen Verfahren durch das Bundessortenamt überprüft. Die Vermehrung von Saatgut erfolgt in ausgewählten landwirtschaftlichen Betrieben.

Der Ankauf von Saat- und Pflanzgut ist für die meisten landwirtschaftlichen Betriebe heute die Regel. Ihnen fehlen gewöhnlich die Möglichkeiten zur eigenen Saatgutaufbereitung. Die Qualität des eigenen Ernteproduktes ist zudem zu gering und zu heterogen. Nachbau erhöht ferner die Gefahr von Krankheiten. Dennoch hat in den letzten Jahren meist aus Kostengründen das aus eigenem Erntegut gewonnene Saat- und Pflanzgut vor allem bei den Selbstbefruchtern an Bedeutung gewonnen. Im Gemüsebau ist ein Nachbau von Saatgut deutlich seltener. Zum einen werden die Arten in den meisten Fällen im vegetativen Zustand geerntet. Zum anderen sind viele Gemüsesorten Hybride, deren Nachbau deutliche Ertrags- und Homogenitätseinbußen erbringt.

Struktur der Saatgutindustrie 1996 - 2018

In den letzten Jahren haben sich die "Big 6" Agrochemie-/Saatgutfirmen zu den Big 4 zusammengeschlossen:

  • Dow und DuPont fusionierten in einem Deal im Wert von 130 Milliarden Dollar (2015 angekündigt) und teilten sich dann in drei Unternehmen auf, darunter eine auf die Landwirtschaft ausgerichtete Firma namens Corteva.
  • Chemchina erwarb Syngenta für USD 43 Milliarden.
  • Bayer erwarb Monsanto für 63 Milliarden Dollar.
  • Die Saatgut-Abteilungen von Bayer (einschließlich der Marken Stoneville, Nunhems, FiberMax, Credenz und InVigor) wurden für 7 Milliarden Dollar an die BASF verkauft, um die Kartellbehörden zufrieden zu stellen (2018).

Diese vier Firmen kontrollieren nun schätzungsweise über 60% der weltweiten Verkäufe von firmeneigenem Saatgut. Eine Reihe von Marken, die bei früheren Übernahmen erworben wurden, sind nicht mehr aktiv.

Quelle: Phil Howard

(s. a. Landwirteprivileg)

Weitere Informationen:

Saatgutbehandlung

Vorbeugende Behandlung v.a. von Getreide-, Rüben- und Gemüsesamen zum Schutz gegen Schädlinge (Pilze, Tiere), gegen Fraß von Vögeln oder Kleintieren (Vergällungsmittel)

Man unterscheidet physikalische und chemische Beiz- und Entseuchungsverfahren und gentechnische Saatgutbehandlung. Nach Einführung systemischer Fungizide spielen die physikalischen Verfahren (z.B. Heißwasserbeizung) nur noch eine untergeordnete Rolle bzw. werden noch im ökologischen Landbau eingesetzt. Dabei ist die physikalische Saatgutbehandlung mit niederenergetischen Elektronen ein sehr effektives und nachhaltiges Verfahren und hinterlässt im Gegensatz zur chemischen Saatgutbehandlung keine Rückstände.

Chemische Beizung

Die Beizung von Saatgut ist die sparsamste und umweltschonendste Methode, um Saatkorn und Keimling vor pilzlichen Erregern zu schützen.
Optimale Beizung besteht in einer exakten, der Zulassung entsprechenden und gleichmäßigen Verteilung des Mittels auf die Saatkörner. Um dies zu erreichen, muss - neben einer guten Rohware - gewährleistet sein, dass in den Beizstellen die Förderwege für Saatgut ausgelegt und bei Sortenwechsel gereinigt werden. Die notwendige gute Sortierung des Korns erfordert ein Sortiment an gründlich gereinigten Sieben in allen erforderlichen Größen.

In den Beizanlagen darf es nicht zu Staub und Abrieb kommen, die das Beizmittel binden und zu Verlusten auf dem Saatgut führen. Positiv wirkt sich eine Verdünnung des Beizmittels aus, da das Korn durch Zugabe von Wasser besser umhüllt wird. Flüssigbeizen haben prinzipiell den Vorteil, dass sie besser am Saatkorn haften und keinen Staub entwickeln.

Physikalische Beizung

Für die Erzeugung und Erhaltung gesunden Saatgutes steht im ökologischen Landbau eine Reihe von Methoden zur Verfügung. Die Verwendung gesunden Saatgutes ist im ökologischen Landbau von besonderer Bedeutung. Lückenhafte Bestände als Folge schlechter Saatgutqualität können während der Vegetationszeit kaum ausgeglichen werden. Auch lassen sich Krankheiten, die ihren Ursprung am Saatgut haben, im Ökolandbau nicht durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln bekämpfen. Mit dem klassischen Verfahren der Heißwasserbehandlung können die wichtigsten Krankheiten sowohl im Getreide- als auch im Gemüsebau unter Kontrolle gehalten werden. Auch moderne Verfahren wie die Elektronenbeizung sind anwendbar.

Gentechnische Saatgutbehandlung

Gentechnisch manipulierte Agrarprodukte werden in der Landwirtschaft eingesetzt, um den Zwang zu schaffen, Koppelprodukte zu kaufen. Dies ist bereits heute in der Landwirtschaft der Fall, wo bestimmtes gentechnisch manipuliertes Saatgut ganz bestimmte Pflanzenschutzmittel erfordert, damit die Ernten erfolgreich werden. Die Landwirte geraten damit in die Abhängigkeit einiger weniger großer Agrarchemieunternehmen. HybriTech Europe und Monsantos European Centre for Crop Research (ECCR) in Louvain-la-Neuve arbeiten beispielsweise an der qualitativen und quantitativen Verbesserung des Weizenertrages durch genetische und chemische Forschung. Krankheitsresistenzen, Züchtung von ertragreicheren Sorten und Hybriden sowie innovativer Saatgutschutz, soll es ermöglichen, chemische Pflanzenschutzmittel in geringeren Mengen auszubringen.

(s. a. Beizmittel, Saatbeizmittel)

Sachsengänger

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. aufgekommene Bezeichnung für saisonale (April - November) Kolonnen von Wanderarbeitern, die nach der Aufnahme von Hackfrüchten in die Fruchtfolge zur Deckung des zusätzlichen Arbeitskräftebedarfs vor allem in die Zuckerrübenanbaugebiete zogen. Die Sachsengänger entstammten meist kleinbäuerlichen Betrieben aus dem Netze-, Warthe- und Odergebiet, Schlesien, dem Eichsfeld u.a. Gebieten.

(s. a. Hollandgänger, Schwabenkinder)

Sackgassendorf

Geschlossenes Dorf, das gekennzeichnet ist durch die Reduzierung des Wegenetzes auf eine oder mehrere blind endende Gassen, auf die - im Gegensatz zum Rundling - das Hofreitengefüge jedoch nicht streng ausgerichtet ist.

Saftfutter

Futterstoffe, die einen hohen Gehalt an Wasser haben. Zum Saftfutter zählen Grünfutter, Gärfutter und Hackfrüchte. Auch bei der Silage handelt es sich um Saftfutter weil sie im Gegensatz beispielsweise zu Heu einen relativ hohen Wassergehalt hat. 

Sahel

Von arabisch ساحل „Küste“ oder „Ufer der Wüste“; regionalgeographische Bezeichnung für den Südrand der Wüste Sahara. Charakteristisch für dieses Gebiet sind die sehr unregelmäßigen Niederschläge zwischen 100 und 500 mm pro Jahr. Der unausgeglichene Wasserhaushalt verhindert die vollständige Entwicklung der Böden und begünstigt die Ausbildung einer Dorn- und Sukkulentensavanne. Die sogenannte Sahelzone zieht sich vom Westrand der Sahara bis hin zum Nil. Sie ist der Prototyp eines Lebensraumes am Rande der warm-ariden Ökumene, der von einem hohen Risiko für das Eintreten von Naturkatastrophen, vor allem langen Dürreperioden, geprägt wird. Der Begriff 'sahelisch' wird daher für alle Trockenräume der Erde mit damit vergleichbaren Bedingungen verwendet. Dies sind darüber hinaus die Hauptverbreitungsgebiete der Desertifikation.

Nutzung

Traditionell sind die meisten Menschen in der Sahelzone Halbnomaden, die Ackerbau und Viehzucht in einem System der Transhumanz betreiben, was wahrscheinlich die nachhaltigste Art ist, die Sahelzone zu nutzen. Der Unterschied zwischen dem trockenen Norden mit höheren Nährstoffgehalten im Boden und dem feuchteren Süden mit mehr Vegetation wird genutzt, indem die Herden in der Regenzeit im Norden auf hochwertigem Futter grasen und in der Trockenzeit mehrere hundert Kilometer in den Süden wandern, um dort auf reichhaltigerem, aber weniger nahrhaftem Futter zu grasen.

Die Ackerbauern im Sahel betreiben vorwiegend Hirseanbau. Aber auch Maniok, Yams und Bataten werden für Subsistenzwirtschaft angebaut. Mit den Jahren verlagerten sie ihre Ackerflächen wegen der enormen Bevölkerungszunahme zunehmend in den Norden, wobei sie die Agronomische Trockengrenze überschritten und nun eine Bewässerung der Felder nötig ist. Ein verbreitetes System zur Wiederinstandsetzung degradierter Trockengebiete und Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit ist das Zaï. In verschiedenen Dörfern wird versucht, oft mit Hilfe von Entwicklungshilfeorganisationen, der weit verbreiteten Mangelernährung durch Gartenbau in Bewässerungstechnik zu begegnen, allerdings kommt es auf Grund von Wassermangel immer wieder zu Rückschlägen. Nachhaltig sind nur sehr ausgeklügelte Systeme des Pflanzenbaus, die den Wasserbedarf minimieren.

Der zweite wichtige Agrarzweig in der Sahelzone ist die Viehhaltung. Die Menschen vergrößern im Zuge des enormen Bevölkerungswachstums ihre Rinder- und Ziegenherden. Hinzu kommt, dass ihnen Quantität wichtiger ist als Qualität. Dadurch kommt es dazu, dass die vielen Tiere die Pflanzen samt der Wurzel fressen und der ohnehin schon harte, trockene Boden von den Tieren festgetreten und verdichtet wird. Dies verstärkt die Desertifikation der Böden. Außerdem stellten die Bauern auf Grund von niederschlagsreichen Perioden, Brunnenbau und Entwicklungshilfe die Weidewanderungen ein, d. h., dass man nicht mehr mit dem Niederschlag mitwanderte. All diese Faktoren führen letztendlich zu einer starken Überweidung, wodurch sich Pflanzen, weil sie immerzu abgefressen werden, nicht mehr regenerieren können, der Boden durch den Urin und Kot der Tiere versauert und immer mehr Bäume absterben, weil die Ziegen deren Rinde anknabbern.

Boden als knappe Ressource

Vor allem im West-Sahel sind Acker- und Weideflächen in den letzten 30 Jahren zu einer hochgradig umkämpften Ressource geworden – erkennbar unter anderem an den stark gesunkenen Brachezeiten. 

Die wichtigste Ursache dafür dürfte der demographische Faktor sein, also der Umstand, dass sich die Bevölkerungszahlen zwischen 1960 und 2020 mehr als vervierfacht haben – in Mali, Burkina Faso und Niger von 13,4 Mio. auf 61,8 Mio. Menschen. 

Weitere Ursachen für die Verknappung von Land sind "Landgrabbing" und Desertifikation. Bei Landgrabbing sind vor allem zwei Formen zu unterscheiden: Zum einen die Verpachtung riesiger Acker- und Weideflächen an agrarindustrielle Investoren oder Rohstoffunternehmen, zum anderen die Konfiszierung von Land durch staatliche Stellen oder (korrupte) Politiker, Beamte und Geschäftsleute. Die Desertifikation immer größerer Landstriche hat seit Ende der 1960 Jahre extreme Ausmaße angenommen: Seitdem ist die Ackerbaugrenze im Sahel zwischen 30 und 150 Kilometer nach Süden gewandert, nicht nur wegen fehlender Niederschläge, sondern auch als Folge falscher Landnutzung. Neben der Überbeanspruchung durch Ackerbau sind v.a. die Überweidung durch ständig größer werdende Viehherden und die Abholzung infolge des wachsenden Bedarfs an Brennholz bzw. Holzkohle zu nennen.

Die wohl fatalste Konsequenz von Bodenknappheit und Klimawandel dürfte darin bestehen, dass sich Land- und Weidekonkurrenzen zwischen halbnomadischen Viehhirten und sesshaften Ackerbauern massiv zugespitzt haben. Eigentlich wirtschaften die beiden Gruppen bereits seit langem komplementär: Erstens, indem die Tiere auf den abgeernteten Feldern die übrig gebliebenen Halme fressen können, zweitens, indem die dabei anfallenden Ausscheidungen die Felder düngen und drittens, indem Viehhirten und Ackerbauern Milch- und Getreideprodukte austauschen. Dieses Gleichgewicht ist jedoch unter Druck geraten: Immer mehr Weideland wird in Ackerland umgewandelt, während umgekehrt Viehherden regelmäßig auf noch nicht abgeerntete Felder geraten und dort beträchtliche Schäden anrichten.
Hinzu kommt, dass nicht nur die Durchzugswege für die riesigen Herden, sondern auch die Zugänge zu Wasserstellen immer öfter durch neu angelegte Felder blockiert werden. Ergebnis ist eine massive, mitunter auch tödliche Zuspitzung der Verteilungskonflikte. (BpB 2021)

Sahel-Syndrom

Bündel von Formen der Bodendegradation und deren Ursachen bei der landwirtschaftlichen Inanspruchnahme marginaler Standorte. Der Begriff ist Teil einer Klassifikation von Syndromen der Bodendegradation.

Das Sahel-Syndrom umfasst die Überweidung und Übernutzung arider und semiarider Grasländer und die Erschließung steiler, strukturschwacher, erosionsanfälliger Böden.

Ein weiterentwickeltes Konzept des Sahel-Syndroms berücksichtigt nicht nur bodenzentrierte Krankheitsbilder, sondern auch alle Elemente von Natur- und Anthroposphäre gleichzeitig.

Die Brennpunkte der Übernutzung solcher Agrarstandorte und damit die Überschreitung ökologischer Tragfähigkeit liegen neben der Sahelzone im Maghreb, in Ostafrika, Westarabien, Teilen Ost- und Zentralasiens, Indien, Mittelamerika, und Teilen Ostbrasiliens.

Unangepaßter Feldbau, Feuer und Überweidung bedingen eine verminderte Produktivität und besondere Anfälligkeit des Naturraums. Zusammen mit den oftmals stark fluktuierenden jährlichen Niederschlägen in ariden Gebieten führt dies zu einer Degradation von Steppen oder Savannen hin zu wüstenähnlichen Landschaften.

Die Symptome dieser Desertifikation sind:

Als eine Hauptursache ist die Landnutzungsänderung, von der Subsistenzwirtschaft hin zu kapitalintensivem Monokulturanbau von cash crops anzusehen. Dadurch ist die ländliche Bevölkerung verstärkt gezwungen, auf marginale Standorte auszuweichen. In Verbindung mit dem Bevölkerungswachstum führt das zu einer Ausdehnung der landwirtschaftlich genutzten Flächen und zur Intensivierung der Nutzung. Hinzu kommt die Brennholznutzung bei immer knapper werdenden Holzvorräten.

Weitere Ursachen und ihre Folgen:

Saisonarbeitskraft

Als Saisonarbeitskraft (auch Saisonarbeiter, Saisonier, Saisonniers oder befristete Beschäftigte) bezeichnet man Personen, die nur für einen vorübergehenden Zeitraum, die Saison, eine Erwerbstätigkeit ausüben, z. B. während der Ernte in agrarischen Wirtschaftszweigen. Dort ebenso wie im Tourismus führt dies in befristeten Zeiträumen zu Arbeitsspitzen und erhöhtem Arbeitskräftebedarf.

Global betrachtet erfolgt saisonale Beschäftigung erfolgt oft unter schlechten arbeitsrechtlichen Bedingungen hinsichtlich Entlohnung (Tagelohn) oder Unterkunft, mit befristeten Aufenthaltsgenehmigungen oder auch illegal als Schwarzarbeit.

In den Ländern der Europäischen Union sind Saisoniers und Erntehelfer zum größten Teil Migranten aus Osteuropa und Afrika, teilweise auch aus Asien oder Südamerika.

In der deutschen Landwirtschaft arbeiten ca. 1.000.000 Arbeitskräfte (Quelle: Stat. Bundesamt 2014). Etwa die Hälfte sind Familienarbeitskräfte (einschließlich Betriebsleiter). Von den 515.000 familienfremden Arbeitskräften sind ca. 61 Prozent Saisonarbeitskräfte. Davon sind rund 95 Prozent nichtdeutscher Herkunft. Die Anzahl der Arbeitskräfte aus Polen ist in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen, die Anzahl der Arbeitskräfte aus Rumänien hingegen deutlich gestiegen. Aus Rumänien dürften 2016 rund 180.000 Erntehelfer gekommen sein, aus Polen rund 100.000. Die übrigen rund 20.000 ausländischen Saisonarbeitskräfte kommen vornehmlich aus Bulgarien, Tschechien, der Slowakei sowie Kroatien.

Saisonarbeitskräfte1-Einheiten je 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche 2010 in einem Raster mit 5 km Weite
Saisonarbeitskräfte1-Einheiten je 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche 2010 in einem Raster mit 5 km Weite

1Nicht ständig beschäftigte Arbeitskräfte mit einem auf weniger als sechs Monate befristeten Arbeitsvertrag.
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder

Saisonsiedlung

Jahreszeitlich bewohnte oder saisonal an unterschiedlichen Wohnplätzen errichtete Einzel- oder Gruppensiedlung. Die Behausungen können bodenfest oder bodenvag sein oder sie bilden eine Kombination aus bodenfestem Sockel und transportabler Bedachung. Saisonsiedlungen treten auf beim Feldbau, der Viehhaltung, der Fischerei sowie als Fremdenverkehrssiedlung oder Freizeitsiedlung.

Sakia

Auch Sakije oder Saqiya; ein von Zugtieren angetriebenes Schöpfwerk, mit dem Wasser aus einem Teich oder Brunnenschacht, seltener aus einem Kanal oder Fluss zu einer höher gelegenen Bewässerungsrinne gehoben wird. Es wurde hauptsächlich zur Bewässerung von Feldern eingesetzt bzw. wird im Indischen Subkontinent in modernisierter Form immer noch eingesetzt.

Eine Sakia besteht aus einer senkrechten, auf einer Kreisfläche stehenden hölzernen Welle, deren Kopf in einem auf seitlichen Stützmauern befestigten Querbalken gelagert ist. Dieser muss so hoch sein, dass das Zugtier unter ihm hindurch gehen kann. Die Welle wird durch das Zugtier (Ochse, Wasserbüffel, Maultier, Kamel etc.), das an einer in der Welle steckenden langen Stange angeschirrt ist, gedreht. Das Tier läuft dabei im Kreis um die Welle. In geeigneter Höhe über dem Boden ist an der Welle ein Zahnrad angebracht, ursprünglich eine hölzerne Scheibe mit kräftigen Pflöcken an ihrem Rand, das in das Zahnrad einer waagerechten, im Boden eingebauten Welle eingreift. Am anderen Ende dieser zweiten Welle sitzt das die eigentliche Arbeit verrichtende Rad, das die Sakia in zwei Typen unterscheidet:

Seit dem ausgehenden 13. Jahrhundert wurde die Technik der Sakia in Mitteleuropa insbesondere im Bergbau unter dem Begriff Göpel eingesetzt.

(s. a. Noria)

Salat

Begriff, der zum einen eine Speise bezeichnet, zum anderen als Salatpflanze eine Kulturpflanze meint, die geerntet und verarbeitet meist als kalte, ungekochte, rohe, marinierte Beilage zu Hauptgängen gegessen wird. Dabei ist „Salatpflanze“ weder ein systematischer Begriff des Gartenbaus noch der Botanik; es ist vielmehr eine ernährungs- und küchentechnische Einordnung anhand der Zubereitung.
Salatpflanzen im klassischen Sinne sind Blattgemüse, daneben gibt es aber auch etliche Pflanzenprodukte, die ganz typisch zur Salatmischung gehören, wie die Tomate, oder die Karotte, von der sowohl Blatt- und Wurzelanteile genutzt werden, Zwiebelgemüse (bei Lauch etwa auch Blattanteile), oder Soja (Keimlinge einer Pflanze) und anderes, sowie etliche Wildpflanzen, die im Zuge der biologischen Küche „wiederentdeckt“ wurden, im weitesten Sinne sogar manche Obstarten, Getreide (etwa Mais), Pilzstände und Nüsse. (Salate: Sortiment)

Botanische Merkmale

Die meisten Salate – bis auf den Pflücksalat – bilden mehr oder weniger deutliche Blattrosetten aus. Lediglich der Blütenstand ragt aus dieser Rosette oder aus dem ursprünglichen Kopf heraus. Zu den Salaten gehören unter anderem die Gartensalate, Endiviensalat, Feldsalat, Rucola und Chinakohl.

Marktbedeutung

In Deutschland werden viele verschiedene Salatpflanzen erzeugt und verkauft. Bei rund 103 Kilogramm lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Gemüse 2017/2018 in Deutschland. Davon entfielen 5,7 Kilogramm auf Salat. Lediglich der Eissalat, der den Kopfsalat in der Beliebtheit schon lange überholt hat, schaffte es dabei unter die Top Ten der meistverkauften Gemüsearten.

Auch hinsichtlich der Anbaufläche und Erntemenge nimmt der Eissalat in Deutschland eine Spitzenposition ein. 2018 wurden auf 3.807 Hektar gut 134.000 Tonnen Eissalat geerntet.

Die Inlandserzeugung reicht für den Bedarf nicht aus, große Mengen müssen importiert werden. Die meisten Importsalate stammen aus EU-Ländern, insbesondere aus Spanien und Italien.

Für die meisten Salatsorten gelten EU-Vermarktungsnormen. Sie regeln Mindesteigenschaften und Klasseneinteilungen.

Anbau

Salat ist hierzulande eine typische Freilandkultur. So wachsen Radicchio und Chicorée ausschließlich auf dem Feld, während Kopfsalat, Feldsalat und Salatrauke eher unter begehbaren Schutzabdeckungen und Gewächshäusern erzeugt werden. Bei Chicorée wachsen auf dem Feld lediglich die Wurzeln, aus denen später in abgedunkelten Räumen die Sprosse für den Verzehr getrieben werden.

Zunehmende Bedeutung hat das Pflanzen auf Mulchfolien, da sie den Boden bedecken und so positiv auf Bodenwärme und Bodenfeuchte wirken, was letztlich den Ertrag steigert und unerwünschte Beikräuter unterdrückt. Vor dem Pflanzen ist das gründliche Entfernen unerwünschter Beikräuter erforderlich. Wird nicht gemulcht, müssen die Produzenten je nach Beikrautbewuchs die Ackerflächen während der Kultur mit speziellen Schlepper-Anbaugeräten oder von Hand hacken.

Hauptsaison für die meisten Sorten ist der Sommer. Andere, zum Beispiel Kopfsalat, Lollo Rosso oder Eichblatt, erreichen dagegen schon ab April Erntereife, Feldsalat und Chicorée gelten als typische Wintersalate. Geerntet wird per Hand und noch vor Ort prüfen die Bauern die Salate auf vorgegebene Qualitätsparameter, wie die Freiheit von Schädlingen oder die optimale Reife – denn nicht alle Köpfe reifen gleichzeitig.

Lagerung und Verarbeitung

Die leichte Verderblichkeit von Salatpflanzen erfordern eine gute Organisation von Ernte und Vermarktung.

Heimische Ware liefern die Landwirte nach Sortierung auf dem Feld teilweise unverpackt und in luftdurchlässigen, abgedeckten Steigen an ihre Auftraggeber. Das spart einerseits Verpackungsmaterial, andererseits bildet sich kein Schwitzwasser, das schnell zu matschigen Blättern führen würde.

Insbesondere Köpfe von Eissalat werden aber einzeln mit Folie umhüllt, Salatherzen und Romana in einer Packstation in Folienbeutel verpackt. Feldsalat und Rucola werden entweder in Kisten oder in folierte Kunststoffschalen gepackt.

Für industrielle Weiterverarbeitung bringen spezielle Kühltransporter die Salate bei einer Solltemperatur von 4 °C binnen eines Tages ins Werk. Auch in den Verarbeitungsbetrieben wird darauf geachtet, die Kühlkette nicht zu unterbrechen. Dafür sorgen Luftzirkulation oder Vakuumkühlung mit verdampftem Wasser. Bei vier Grad Celsius fällt der Salat in eine Art "Winterschlaf". Pflanzenatmung und Abbauvorgänge verlaufen langsamer, sodass die Salate nicht so schnell welken und Mikroorganismen den Salat nicht so rasch verderben können.

Die Salate werden gereinigt, zerkleinert und gemischt. Auf diese Weise entstehen die Mischsalate, die im Lebensmitteleinzelhandel in Salatbars oder verpackt im Kühlregal als frisches Convenienceprodukt angeboten werden.

Weitere Informationen:

Salzstress

Salzstress ist eine außergewöhnliche Belastung, die durch eine erhöhte Salzkonzentration im Boden ausgelöst wird und bei Pflanzen zu Stressreaktionen, wie Wachstumshemmungen, führt. Einige Pflanzen haben jedoch Mechanismen zur Anpassung an hohen Bodensalzgehalt entwickelt. Gelingt die Anpassung an die ungünstigen Umweltbedingungen, spricht man von salzresistenten Pflanzen. Das Ausscheiden von Salz über die Blätter stellt beispielsweise eine Anpassungsmöglichkeit an Salzstress dar.

In der Landwirtschaft führen versalzte Böden zu Ertragseinbußen, oder machen die Felder gar unnutzbar. Die Pflanzenzüchtung ist daher daran interessiert, salzresistente Nutzpflanzen zu züchten, die trotz hohem Salzgehalt ertragreich sind.

(s. a. Resistenz, Trockenstress)

Salzwiese

Regional auch als Heller, Inge oder Groden bezeichnet; natürliches, beweidetes oder (seltener) gemähtes, tidenbeeinflusstes Grünland am Wattenrand, landwärts an das Quellerwatt angrenzend. Salzwiesen gedeihen auf gezeitengeprägten alluvialen Weichsubstratböden (Schwemmböden). Nach deutscher Kartieranleitung werden diese dem semiterrestrischen Bodentyp der Rohmarsch zugeordnet. Die Salzwiesenvegetation liefert die Streu für den Aufbau einer Humusanreicherung (Ah). Bei Sturmfluten werden die Areale der Rohmarsch unterschiedlich oft überspült und mit frischem Sediment bedeckt. Mit geringerer Wassersättigung verstärkt sich die Sackung und Gefügebildung.

Pflanzen und Tiere der Salzwiesen sind an die Salzgehalte von Wasser und Boden angepasst und verfügen oft über Mechanismen zur Salzregulation.

Die krautigen Pflanzenlandschaften der Salzwiesen bilden eine natürliche Barriere zwischen dem Meer und dem Land/Deich. Sie sind als Wellenbrecher nützlich und ermöglichen die Ansiedlung von besonderen Pflanzen- und Tierarten.

Aber auch im Binnenland – an solchen Binnensalzstellen, an denen zutagetretendes salzhaltiges Grundwasser feuchte bis wechselfeuchte Standorte bildet – können sich Salzwiesen ausbilden (Lebensraumtyp „Salzwiesen im Binnenland“ nach FFH-Richtlinie).

Samen

Im Inneren der Frucht befindet sich der Samen der Pflanze. In ihm ist der Pflanzenembryo eingeschlossen, nebst einem Nährgewebe, das den Embryo versorgen soll, sobald er mit der Keimung beginnt. Das Nährgewebe entsteht entweder aus dem Embryosack, der bei der Befruchtung das zweite Spermatozoid erhält (doppelte Befruchtung), es wird dann Endosperm genannt. Oder es bildet sich aus dem dem Gewebe der Samenanlagen (Nucellus) und wird Perisperm genannt. Bei manchen Pflanzenfamilien kommen beide Nährgewebe vor (Seerose, Nymphaea alba), bei vielen nur jeweils eins.

Der Samen wird von einer Samenschale (Testa) eingeschlossen, die aus den Hüllschichten (Integumenten) der Samenanlage besteht und als Schutz gegen äußere Einflüsse sowie Wasserverlust dient.

Ausbreitung

Einer der wichtigsten Faktoren für den Fortbestand von Pflanzenarten ist die Ausbreitung der Samen. Wichtig ist hierbei, dass die Samen in einen Bereich kommen, wo sie günstige Bedingungen zum Keimen und später zum Existieren vorfinden. Ein weiterer Faktor ist die ’Eroberung’ neuen Territoriums, wo die Pflanzen sich ungehindert ausbreiten können.

Bei den Ausbreitungsmechanismen unterscheidet man solche, die von der Pflanze allein ausgeführt werden (autochor) und solche, bei denen ’Hilfsmittel’ wie Wind, Wasser, Tiere benötigt werden (allochor).

Bei der autochoren Verbreitung werden die Samen entweder bis zu mehreren Metern weit weg geschleudert (Drüsiges Springkraut, Impatiens glandulifera) oder die getrocknete Frucht öffnet sich und die Samen fallen heraus (Klatschmohn, Papaver rhoeas).

Allochore Verbreitung findet beispielsweise statt, wenn ein Tier eine Frucht mitsamt dem Samen frisst und diesen dann wieder ausscheidet (Vogelbeere, Sorbus aucuparia) oder wenn die Früchte oder Samen sich an das Fell von Tieren (oder die Socken von Menschen) heften (Klettenlabkraut, Galium aparine). Diese Form der Verbreitung nennt man Zoochorie.

Verbreitung durch den Wind (Anemochorie) ist eine der gebräuchlichsten Formen der Samenverbreitung. Es werden entweder ganze Früchte verbreitet (Linde, Tilia spec.) oder nur die Samen (Löwenzahn, Taraxacum officinale). Die Früchte/Samen haben entweder eine Flugvorrichtung (Ahorn, Acer pseudoplatanus) oder sie sind sehr leicht (Birke, Betula pendula). Oft wird eine große Menge an Samen produziert, weil das die Chance, dass ein Same sein Ziel erreicht und zu keimen beginnt, deutlich erhöht. Windausbreitung findet man daher auch oft bei sogenannten ’Pionierpflanzen’ wie der Birke, die auch unwirtliches Gebiet besiedeln können und damit ihr Territorium erweitern. Keimende Birken findet man gelegentlich in Dachrinnen, stillgelegten Schornsteinen, auf Mauern.

Wasserverbreitung (Hydrochorie) findet man bei den Angiospermen eher selten. Hier werden die Samen vom Wasser transportiert, bis sie an einer geeigneten Stelle landen und keimen. Bekanntes Beispiel ist hier die Kokosnuss (Cocos nucifera).

Keimung

Um keimen zu können, müssen verschiedene Voraussetzungen gegeben sein. Die wichtigsten sind Wärme, Wasser, Licht (oder Abwesenheit von Licht) und Sauerstoff. Wärme stellt sicher, dass außerhalb des Keimungsmilieus bereits die richtigen Temperaturen herrschen, die der Keimling zu seiner weiteren Entwicklung braucht. Die Samen vieler Pflanzenarten sind nach der Ausbreitung noch nicht keimungsfähig (sogenannte Keimruhe oder Dormanz), sondern ’warten’ auf bestimmte Umweltreize, die erst die Keimung ermöglichen. Dazu gehören zum Beispiel Kältereize (Vernalisation, die Temperatur darf über einen bestimmten Zeitraum eine bestimmte Höhe nicht überschreiten), die sicherstellen, dass die Keimung erst in einer günstigen Jahreszeit (nach dem Winter) einsetzt.

Manche Pflanzen lassen sich nach den benötigten Lichtbedingungen einteilen. Sogenannte Lichtkeimer haben meist kleine Samen, sie haben daher nicht genug Energie, um eine dichte Bodenschicht zu durchdringen und brauchen das Licht bzw. die Wärme, um zu keimen. Beispiele sind, z. B Basilikum (Ocimum basilicum) und Gräser wie der Roggen (Secale cereale). Dunkelkeimer keimen dagegen bei Licht nicht, sie benötigen vollkommene Dunkelheit. Beispiele sind Mais (Zea mays) und Eisenhut (Aconitum napellus).

Wasser ist eine weitere unerlässliche Voraussetzung für die Keimung: Viele Samen sind sehr wasserarm (Überdauerungszustand) und müssen zunächst eine ganze Menge an Wasser aufnehmen (quellen), um anschließend mit der Keimung zu beginnen.

Sauerstoff wird für den Pflanzenstoffwechsel benötigt. Der Abbau der Reservestoffe (und damit der Gewinn der für die Keimung benötigten Energie) geschieht über dissimilative Prozesse. Hier wird Sauerstoff als Elektronenakzeptor benötigt.

Aufbau des Keimlings

Der Pflanzenembryo oder Keimling besteht aus

Am Beginn der Keimung bricht als erstes die Wurzelanlage (Radicula) durch die Samenschale. Sie beginnt sofort mit der Wurzelbildung. Das ist wichtig für die weitere Wasserversorgung, außerdem verankert sie den Keimling im Boden. Danach beginnt die Streckung der Sprossachse. Man unterscheidet hierbei zwei Formen: Die epigäische (oberirdische) Keimung und die hypogäische (unterirdische) Keimung. Bei der epigäischen Keimung streckt sich das Hypokotyl und durchstößt in Hakenform die Erdoberfläche. Damit drückt er die Keimblätter nach oben, die sich zu entfalten beginnen. Beispiel: Buche (Fagus sylvatica).

Bei der hypogäischen Keimung bleiben die Keimblätter unterhalb der Erdoberfläche. Hier streckt sich das Epikotyl (der Bereich der Sprossachse zwischen den Keim- und den ersten Laubblättern (auch Primärblätter genannt). Das erste, was aus der Erde auftaucht, sind also die Primärblätter, die auch sofort photosynthetisch aktiv sind. Beispiel: Stieleiche (Quercus robur).

Die Keimblätter haben in erster Linie die Funktion, den Keimling zu ernähren, solange er noch keine Photosynthese betreiben kann. Dazu werden aus Speicherstoffen die benötigten Nährstoffe gebildet. Bei der epigäischen Keimung betreiben sie auch selbst Photosynthese (erkennbar an der grünen Farbe). Sie ernähren den Keimling so lange, bis die Primärblätter ihre Arbeit aufgenommen haben. Sind sie voll entwickelt, sterben die Keimblätter ab.

Nach der Entwicklung der ersten Blätter beginnt das Streckungswachstum der Internodien (der Bereiche zwischen den Knoten, an denen sich die Blattansätze befinden), die Pflanze wächst in die Länge. Gleichzeitig beginnt die Ausbildung von Blättern, während in der Erde die Wurzel sich verzweigt, um weitere Nährstoffe aus dem Boden zu gewinnen. Der Keimling hat sich zu einer vollständigen Pflanze entwickelt. Je nach Pflanzenart kann es aber noch einige Jahre dauern, bis sie zum ersten Mal Blüten ansetzt und damit ’erwachsen’ ist.

Vegetative Fortpflanzung

Im Gegensatz zur geschlechtlichen Fortpflanzung wird bei der vegetativen Vermehrung kein neues Erbmaterial zugeführt. Die Fortpflanzung beruht hier ausschließlich auf Zellteilung (Mitose). Nachteilig ist, dass die Pflanze sich hierbei nicht an veränderte Umwelteinflüsse anpassen kann, weil das Erbgut identisch bleibt. Samenpflanzen nutzen die vegetative Vermehrung oftmals, um sich an einem günstigen Standort auszubreiten. Die flexiblere geschlechtliche Fortpflanzung wird dagegen oftmals benutzt, um neue Standorte zu erschließen. Typische Formen der vegetativen Fortpflanzung sind die Bildung von Ausläufern (Stolonen), Brutknospen, Knollen oder Absenkern. (Pflanzenforschung.de)

(s. a. Befruchtung, Blüte, Bestäubung, Frucht, Samen)

Samenobst

Sammelbegriff für eine Gruppe von Obstarten, bei denen Samen oder Teile des Samens den essbaren Anteil darstellen. Die Samen können dabei von nacktsamigen Pflanzen stammen oder auch aus Früchten von bedecktsamigen Pflanzen, deren Fruchtwand (Pericarp) verholzt (Nüsse) oder aus anderen Gründen ungenießbar ist.

Von Nacktsamern stammen beispielsweise Pinienkerne oder die Samen verschiedener Araucaria-Arten. Beispiele für Samen, die von Bedecksamern stammen und gegessen werden, sind Paranuss, Mandel, Walnuss, Pistazie oder Haselnuss. Obwohl es sich bei der Verbreitungseinheit dieser Arten jeweils um Früchte handelt, essen wir nur die Samen, während die äußeren Teile, die Fruchtwände, nicht verwendet werden.

Weiterhin gibt es Früchte mit essbarer Samenschale (z. B. Granatapfel) oder essbarem Samenmantel (z. B. Passionsfrucht, Litchi, Mangostane), die jedoch als eigenständige Gruppe aufgefasst und vom Samenobst differenziert werden.

Sanddeckkultur

Moorkulturform, bei der geringmächtige (<1 m) Niedermoortorfe über Talsand mit einer 15 - 30 cm mächtigen Sanddecke ohne Einmischung versehen werden. Die nicht oder nur wenig untergemischten Sandschichten erhöhen die Tragfähigkeit der Moorböden auch bei höheren Grundwasserständen und konservieren die Torfe im Untergrund, da sie nur beschränkt mineralisiert und bei Austrocknung nicht ausgeweht werden können.

Von der eigentlichen Niedermoor-Sanddeckkultur wird die Tiefpflug-Sanddeckkultur unterschieden, bei der durch eine besondere Pflugtechnik der Niedermoortorf unter der Sanddecke in eine Schicht aus steil gestellten Sand- und Torfbalken (-schollen) verwandelt und der darüber liegende Sand nicht mit dem Torf vermischt wird.

Sandmischkultur

Kultivierungsform bei geringmächtigen Hochmooren, bei der durch Tiefpflügen bis 1,8 m Tiefe Sand- und Torflagen überkippt werden und in einer schrägen Wechselschichtung vorliegen. Die als Folge entstehenden Böden sind wegen ihrer Durchlässigkeit, Wasserhaltefähigkeit, guten Durchwurzelbarkeit und Tiefgründigkeit für den Ackerbau geeignet.

Auch bei Niedermooren wurde die Sandmischkultur angewandt.

Säterwirtschaft

Weidewirtschaft auf den Gebirgsflächen Skandinaviens, die der alpinen Almwirtschaft vergleichbar ist.

Saumbiotop

Saumbiotope sind linienhafte Kleinstrukturen, die keinen oder nur eingeschränkte Kulturmaßnahmen unterliegen und an landwirtschaftliche Flächen angegrenzen. Hecken, Raine und andere Saumbiotope in der Kulturlandschaft entstanden als Begleit-, Hilfs- oder Folgestrukturen der Landbewirtschaftung. Sie finden sich meist auf Grenzlinien der Agrarfläche untereinander und zwischen Feldern und anderen Strukturen wie Bächen und Straßen. Saumbiotope werden nach ihrem Bewuchs oder nach den begleitenden Strukturen benannt.

Wichtige Typen von Saumbiotopen
Hecken

Ein- bis mehrreihige Gehözpflanzungen aus Sträuchern bzw. einer Kobination aus Bäumen und Sträuchern, die einer mehr oder weniger regelmäßigen Pflege unterliegen. Hecken werden im Idealfall noch von mehrjährigen Gras- und Kratsäumen begleitet.

Waldrand

Bis zu 40 m breite Übergangszone vom Trauf (Bäume erster Ordnung wie Eiche und Buche, Bäume zweiter Ordnung wie Birke, Eberesche und Weide) über den Waldmantel (Sträucher) zum Waldsaum (grasige und krautige Pflanzen). Der Waldrand wird als getrennte waldbauliche Einheit behandelt und in Form einer Dauerbestockung behutsam gepflegt un niemals kahlgeschlagen.

Feld-, Wiesen- und Wegraine

In der Regel schmale, durch Landbewirtschaftung mehr oder weniger beeinflusste (Abdrift von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln), linienhafte Gras- und Krautsäume zwischen den Agrarflächen oder entlang von Wirtschaftswegen, die einem mehr oder weniger regelmäßigen Pflegeschnitt unterliegen. Sie können auch mit Baumreihen kombiniert sein.

Verkehrswegeränder

Linienhafte Gras- und Krautsäume, die einem mehr oder weniger regelmäßigen Pflegeschnitt unterliegen. Je nach Ausbaugrad der Verkehrswege (Straßen und Gleisanlagen) sind sie unterschiedlich breit (2 bis 8 m an zweispurigen Straßen, 4 bis 20 m an Autobahnen). Sie werden einerseits durch den Straßenverkehr (Streusalz, Schwermetalle), andererseits durch die Landbewirtschaftung (Abdrift von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln) beeinflusst. Sind Straßenränder mit Baumreihen ohne Strauchschicht ausgestattet, werden sie als Alleen bezeichnet.

Uferränder

Unterschiedlich breite Uferrandzone, die durch die erhöhte Standortfeuchte geprägt ist (Gräben mit dauerhafter oder periodischer Wasserführung, Bäche, Flüsse, See). Uferränder können mit ufertypischen Gehölzen oder Gras- und Staudensäumen (Feuchtwiesenstauden-Typ) bewachsen sein.

Gräben mit gelegentlicher Wasserführung

Künstlich angelegte oder natürliche Bodenvertiefungen, die nur gelegentlich Wasser führen. Gräben sind mit mehrjährigen Gras- und Krautsäumen bewachsen oder können von Gehölzen begleitet werden.

Lesesteinriegel

Bezeichnung für linienförmige Ansammlungen von Lesesteinen am Rande von Feldern oder ehemaligen Feldern. Sie können je nach Alter mit mehrjährigen Gras- und Krautbeständen oder auch Hecken bewachsen sein. Steinrücken oder Steinwälle werden gezielt zur Bodenbefestigung bzw. als Windschutz aufgeschichtet. Trocken- oder Natursteinmauern stellen eine besondere Form dar. Sie sind unverfugt oder in Spalten mit Boden verfüllt.

Ackerrandstreifen, Ackerschonstreifen Sonderform aus dem Vertragsnaturschutz für Ackerwildkräuter im Acker. Drei bis acht Meter breite Randstreifen innerhalb des Kulturpflanzenbestandes (in der Regel Getreide), auf denen keine Pflanzenschutzmittel angewendet werden sowie teilweise keine Düngung vorgenommen wird, so dass sich Bestände einjähriger Ackerwildkräuter im Getreide entwickeln können.

Quelle: BLE 2018

Die Saumbiotope waren früher weder „unnütze“ noch „ungenutzte“ Flächen. Bis in unsere Zeit wurden die Hecken zur Holzgewinnung genutzt und ihre Wildfrüchte gesammelt. Die Bewirtschaftung der Raine bestand in ihrer Mahd und/oder Beweidung. Auch das Laub der Hecken diente in Notzeiten als „Laubheu“ für das Vieh. Die Wanderschäferei nutzte die Raine als gute und billige Futterquelle.

Holzgewinnung

Einzelne Bäume in Hecken wurden gezielt beim Auf-den-Stock-setzen als „Überhälter“ ausgespart, um wertvolles Bauholz zu gewinnen. Aber auch für das schwächere Holz gab es eine vielfältige Nutzung:

Wildfrüchte

Die Früchte vieler Heckensträucher sind essbar. Insbesondere die Früchte der Wildrosen, Weißdorn, Holunder, Himbeeren und Brombeeren wurden früher systematisch gesammelt und zu Marmeladen und Säften verarbeitet oder getrocknet.
Besonders begehrt war die Haselnuss. Problemlos zu lagern, konnte aus ihr Speiseöl hergestellt werden; gelegentlich wurde sie sogar zu Seife verarbeitet.

Mahd oder Beweidung

Die Raine der Felder und Wege dienten als Weide für das Kleinvieh und zur Futter- und Streugewinnung. Gemäht wurde in der Regel einmal pro Jahr – nach der Heuernte im Juli/August -, bei guter Qualität auch zweimal.
Das Heu diente zumeist als Zusatzfutter, vor allem für Kühe, die ehemals sowohl wichtige Milch- und Fleischlieferanten waren, als auch als Zugtiere eingesetzt wurden. Breitere Raine wurden vom Kleinvieh (Schafe, Ziegen, z.T. auch Gänse) beweidet.
Die gemeindeeigenen Raine waren oft die einzige Quelle der Futtergewinnung für ärmere Kleinbauern und/oder Tagelöhner.

Heilpflanzen

Unter den Wildkräutern der Raine gibt es viele Heilpflanzen. Insbesondere Heilpflanzen, die keiner besonderen Weiterverarbeitung bedurften, sondern deren Zubereitung z.B. zu Kräutertees einfach möglich ist, wurden gesammelt, um als Hausapotheke jederzeit zur Verfügung zu stehen. Dieses Heilmittelangebot war besonders wichtig für alle, die sich weder Arzt noch Medikamente leisten konnten.

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Savanne

Vegetationsformation der sommerfeuchten Tropen mit geschlossenem Graswuchs und mit in mehr oder weniger großem Abstand voneinander wachsenden Holzgewächsen. Die Savannen (von span. sabana, etwa „weite Ebene“) liegen zonal zwischen den tropischen Regenwäldern und den tropisch- / subtropischen Wüsten.

Savannen nehmen weltweit rund 16 Mio. km² ein; das entspricht etwa einem Achtel der Landoberfläche der Erde.

Savannen sind aufgrund der sommerlichen Regenzeit sommergrüne trockenkahle Pflanzengesellschaften. Der die Vegetation beherrschende Faktor ist hier der jahreszeitliche Wassermangel. Typische Werte liegen zwischen 500 und 1500 mm. Die Vegetation zeigt eine ausgesprochene Aktivitätsperiode im Sommer. Die Produktivität steigt mit der Länge der Regenzeit von 7 Tonnen pro Hektar und Jahr in wüstennahen Regionen auf bis zu 20 Tonnen pro Hektar und Jahr in den äquatornahen teil-immergrünen Wäldern.

Feuer, die oft vom Menschen verursacht werden, sind wichtig im Ökosystem von Savannen. Sie führen zum Sterben von jungen Bäumen und begünstigen Gräser. Durch die Brände werden tote Pflanzenteile entfernt und Teile der Nährstoffe über die Asche dem Kreislauf zurückgegeben (Remineralisierung). Andere Nährstoffe (vor allem Stickstoff und Schwefel) werden jedoch mit dem Rauch aus dem Ökosystem entfernt. Außerdem führt der Brand zu einer Verringerung des Streueintrags in den Boden. Ferner ist nach dem Brand die Sonneneinstrahlung auf den Boden verstärkt, was eine Temperaturerhöhung im Oberboden und damit eine erhöhte Mineralisierungsrate zur Folge hat. Beide Effekte zusammen (weniger Kohlenstoffeintrag, mehr Kohlenstoffaustrag) bewirken eine Verringerung der Humusvorräte im Boden.

Das ökologische Gleichgewicht wird durch menschliche Aktivität schwer belastet. Hier sind insbesondere die Überweidung und die Zerstörung der Grasnarbe durch Tritte zu nennen, die der Erosion Vorschub leisten. Hinzu kommt die Brennholzgewinnung und die Schneitelung zur Tierfuttergewinnung. Diese Aktivität wird verstärkt durch den Bevölkerungszuwachs. Eine Abtragung des humosen Oberbodens wird forciert, Entwaldung setzt ein und Wüste breitet sich aus (Desertifikation).

Große Teile der Savannen sind heute Ackerland. Baumwolle, Erdnüsse und Hirse sind wichtige Anbaupflanzen. In trockeneren Gebieten ist Ackerbau nur mit künstlicher Bewässerung möglich. Hier wird auch Viehhaltung betrieben, wobei sehr oft die Gefahr der Überweidung besteht.

Aufgrund unterschiedlich hoher Niederschlagsmengen spricht man von Feuchtsavanne (Hochgrassavanne), Trockensavanne (Niedriggrassavanne) und Dornstrauchsavanne (auch Dornsavanne), die bereits den Übergang zur Halbwüste bildet. Die Übergänge zwischen diesen einzelnen Typen sind fließend.

Feuchtsavanne Trockensavanne Dornstrauchsavanne
Lage Afrika, Asien, Australien, Indien, Südamerika Afrika, Asien, Australien Afrika, Asien, Mexiko, Südamerika
Klima 7–8 humide Monate 4,5–7 humide Monate 2–4 humide Monate
Ø Jahresniederschlag 1000–1500 mm 500–1000 mm 250–500 mm
Vegetation bis zu 6 m hohe immergrüne Gräser, leicht geschlossener Feuchtsavannenwald, Galeriewälder an Flüssen, Regenfeldbau brusthohe Gräser, leichter Baumbestand bis zu 30 cm hohe Gräser, Dornwald

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Sawahkultur

Hochentwickelte, intensive Form des Naßreisbaus verbunden mit Pflugbau und Viehhaltung. Ihre Verbreitung hat sie vornehmlich auf Java und Bali sowie auf den Hochebenen Sumatras.

Schadschwelle

Auch wirtschaftliche Schad(ens)schwelle; Schwellenwert, bei dessen Überschreitung aufgrund der Zunahme von Schadorganismen unter Berücksichtigung der Kosten von Pflanzenschutzmaßnahmen ein wirtschaftlicher Schaden auftritt. Erst bei Überschreiten dieser Schwelle sind Behandlungsmaßnahmen sinnvoll. Solche Schadschwellen sind für viele potentielle Schaderreger wissenschaftlich berechnet worden: z.B. die Anzahl von Blattläusen je Weizenähre oder Rübenpflanze oder der Grad des Mehltaubefalls im Getreide je Bezugseinheit. Die Anwendung des Schadschwellenprinzips hängt von vielen wirtschaftlichen und biologisch-technischen Variablen ab: Auf der Schadensseite spielt der Preis für die Agrarprodukte eine wesentliche Rolle: Sinkt er, so erhöht sich die wirtschaftliche Schadschwelle, steigt er, so erniedrigt sie sich. Ferner setzt das Konzept ein gutes Prognosewesen voraus: Stellt sich feuchtwarme Witterung ein, kann sich Mehltau explosiv ausbreiten, wird es trockenwarm, wird die Blattlausvermehrung exponentiell erfolgen. Risiken durch Herbizidanwendungen spielen ebenso eine Rolle wie hohe Kosten für die Reinigung als Folge von Verunkrautung, ferner Art des Unkrauts, Getreideart, Düngung, Fruchtfolge u.w.

Die Schadschwellenmethode kann zwar Bekämpfungsmaßnahmen einschränken, wirkt aber nicht selektiv. Mit den Unkräutern werden auch erwünschte seltene Arten vernichtet. Die Ausnutzung der wirtschaftlichen Schadschwelle ist ein wichtiges Merkmal des Integrierten Pflanzenschutzes.

Schadstoff

Stoff, der von einer bestimmten Konzentration an die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze gefährden oder die Nutzungs- und Leistungsfähigkeit von Boden, Wasser und Luft beeinträchtigen kann.

Viele dieser Substanzen sind lebensnotwendig für den Organismus, eine zu geringe Aufnahme führt zu Mangelerscheinungen. Treten sie aber in zu hohen Konzentrationen auf, werden sie zum Schadstoff. Andere Substanzen wirken schon in geringen Konzentrationen toxisch, ohne daß positive physiologische Effekte bekannt wären.

Schadstoffe im Boden lassen sich in folgende Gruppen einteilen:

  1. Säuren und Säurebildner (Verbindungen von N, S, F und Cl)
  2. Schwermetalle (Cd, Hg, Pb, Co, Cr, Cu, Mo, Ni, Zn)
  3. Radionuklide (90Sr, 137Cs)
  4. Organische Moleküle (polyzyklische Kohlenwasserstoffe, perchlorierte Kohlenwasserstoffe)
  5. weitere Schadstoffe (Verbindungen von Al, Sn, As, Se).

Das Auftreten von Schadstoffen im Boden kann verwitterungsbedingt sein, durch den Auftrag von Dünger oder Klärschlamm erfolgen sowie die Anwendung von Pestiziden oder atmosphärische Depositionen als Ursache haben.

Schaduf

Ägyptischer Schwing- oder Hebelbrunnen. Zwei nebeneinanderliegende Säulen aus Lehm oder anderem Material tragen einen am kürzeren Ende durch einen Stein beschwerten Brunnenhebel. Am längeren Hebel ist der Eimer befestigt, der mit menschlicher Kraft in das Flußwasser oder in den Brunnen gesenkt wird. Durch das Gegengewicht am kürzeren Hebelende ist die Förderung des Eimers relativ leicht. Das Prinzip ist global verbreitet und besitzt u.a. auch die Bezeichnungen Khottara (ar. hattara = hin und her schwingen) und Gounima-Brunnen.

(s. a. Bewässerung, Bewässerungswirtschaft)

Schaf

Wiederkäuender, z.T. Hörner tragender Paarhufer, in der Landwirtschaft wegen Wolle, Fleisch und Milch gehalten. Das Hausschaf stammt vom Wildschaf ab und ist schon vor über 10.000 Jahren in Kurdistan gehalten worden. In Deutschland ist heute das Fleisch der Schafe mehr gefragt als deren Wolle. Milch hat für die Herstellung von Käse Bedeutung. Männliche Tiere werden Bock oder Widder, wenn sie kastriert sind Hammel oder Schöps, genannt. Für Mutterschafe gibt es auch den Ausdruck Zibbe oder Zippe. Die Jungtiere bezeichnet man als Lamm. Ausgewachsene Tiere wiegen zwischen 75 und 200 kg. Die Tragzeit beträgt etwa 150 Tage. Meist werden ein bis zwei Lämmer geboren. Schafe können bis zu 20 Jahre alt werden und sind sehr genügsam. In Deutschland wird im Frühjahr (April bis Juni) die Schur der Schafe durchgeführt. Die geschorenen Tiere sind sehr empfindlich. Aus diesem Grunde werden Kälteeinbrüche im Juni auch „Schafskälte“ genannt. Für die Landschaftspflege spielen Schafe eine große Rolle, so die Heidschnucken in der Lüneburger Heide, weil sie das Aufwachsen von Bäumen verhindern. Auch die Grasnarbe auf den Deichen wird durch das Beweiden mit Schafen (Deichschafe, Deichlämmer) gestärkt (Festtreten des Bodens, Kurzhaltung des Bewuchses).

Schafhaltung in Deutschland

Auch, wenn sie zahlenmäßig weit hinter den Rindern und Schweinen liegen, sind die Schafe, insbesondere im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Wolfs in Deutschland, in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt. Die Entwicklung der Schafhaltung in den vergangenen zehn Jahren zeigt im Gegensatz zu den anderen Nutztieren ein überraschend einheitliches Bild. Deutschlandweit wurden am 1. März 2020 insgesamt 1,8 Mio. Schafe in knapp 19 900 landwirtschaftlichen Betrieben gehalten. Seit 2010 sank damit sowohl die Anzahl der schafhaltenden Betriebe als auch die Anzahl der Schafe in einem ähnlichen Umfang (minus elf bzw. minus 13 Prozent).

Ohne Betrachtung der Stadtstaaten gab es dabei die höchsten Rückgänge der Bestände im Saarland (minus 39 Prozent) und Sachsen-Anhalt (minus 31 Prozent), während für Nordrhein-Westfalen sogar eine Zunahme verzeichnet wurde (plus 21 Prozent). Anders als bei den Rindern und Schweinen liegen die Hochburgen der Schafhaltung mit gut 312 600 Tieren (Bayern) und rund 241 000 Tieren (Baden-Württemberg) in Süddeutschland. Gleich danach folgt Norddeutschland; in Schleswig-Holstein (ca. 213 500 Schafe) und Niedersachsen (ca. 179 900 Schafe) nutzen und pflegen viele dieser Wiederkäuer die Deichflächen. Zusammen werden in diesen vier Bundesländern 52 Prozent aller Schafe Deutschlands gehalten.

In Deutschland werden hauptsächlich Mutterschafe und Schafe von unter einem Jahr gehalten (zusammen 97 Prozent aller Schafe). Von den Mutterschafen sind lediglich 1,4 Prozent Milchschafe.

Auch in Bezug auf die Bestandsdichte dominieren bei den Schafen die Bundesländer mit den höchsten absoluten Werten. Neben den Kreisen in Baden-Württemberg (Esslingen, Calw, Zollernalbkreis und Reutlingen), Schleswig-Holstein (Dithmarschen und Nordfriesland) und Bayern (Aschaffenburg) finden sich in den TOP 10 der Bestandsdichten auch ein Kreis in Hessen (Lahn-Dill-Kreis) und zwei Kreise in Thüringen (Sonneberg und Schmalkalden-Meiningen).

Entwicklung der schafhaltenden Betriebe und Schafbestände in Deutschland
2010 bis 2020
Entwicklung der schafhaltenden Betriebe und Schafbestände in Deutschland 2010 bis 2020

Quelle: Destatis 2021

Weitere Informationen:

Schaftriften

Gelände, das infolge geringer landwirtschaftlich verwertbarer Produktivität ausschließlich zur extensiven Schafweide genutzt wird. Oft handelt es sich um Halbtrocken- und Trockenrasen auf Kalkböden. Sie stehen heute aufgrund ihres botanischen und zoologischen Artenreichtums meist unter Naturschutz.

(s. a. Triften)

Schafwolle

Schafwolle ist ein Eiweißfaserstoff und zählt zu den Naturfasern und den nachwachsenden Rohstoffen. Weltweit werden pro Jahr 1,5 Millionen Tonnen Schafwolle geschoren und weiterverarbeitet. Das entspricht mehr als 96 Prozent aller produzierten Tierhaare. Die restlichen vier Prozent verteilen sich auf Mohair, Angora, Cashmere, Lama oder Kamelhaar.

Aufbau

Die Wollfaser in ihrer Oberhaut (Cuticula) besteht aus feinen Schuppen, die ähnlich wie ein Schieferdach um die Faser herum angeordnet sind. Die Schuppen werden von einer dünnen Haut, der Epicuticula überdeckt. Unter den Schuppen liegt die Rindenschicht, Cortex, welche den Hauptbestandteil der Faser ausmacht. Chemisch besteht die Wolle im Wesentlichen aus Proteinen; die chemische Zusammensetzung kann mit etwa 50 Prozent  Kohlenstoff, 25 Prozent Sauerstoff und 15 Prozent Stickstoff sowie Wasserstoff und Schwefel angegeben werden.

Eigenschaften

Naturfasern sind luftdurchlässig, atmungsaktiv und unterstützen ein gesundes Körperklima. Die hautfreundlichen Eigenschaften bleiben bei einer natürlichen Verarbeitung und bei einem Verzicht auf chemische Ausrüstung erhalten.

Feinheit

Die Feinheit der Wolle ist die wichtigste Eigenschaft und bestimmt im Wesentlichen deren Wert und Verwendungsmöglichkeit. Unter dem Begriff Feinheit wird im Allgemeinen der mittlere Durchmesser von Fasern bezeichnet, die in einem Faserverbund vorkommen. Sowohl im Vlies als auch im späteren Produkt in dem Vliese enthalten sind kommen Fasern mit unterschiedlichen Durchmessern vor. Je feiner eine Wolle ist, desto weiter kann sie ausgesponnen werden.

Elastizität
Mit Elastizität wird die Fähigkeit der Wollfaser bezeichnet, nach einer Beanspruchung, in die ursprüngliche Form zurückzukehren. Feinere Wollen sind elastischer als gröbere. Aufgrund der Elastizität ist Wolle sehr formbeständig; sie besitzt unter allen Naturfasern die beste Knitterresistenz.

Farbe und Glanz
Die Brechung des Lichtes verursacht bei gesunder Wolle einen seidenartigen Glanz, der erst nach der Wäsche richtig zur Geltung kommt. Dieser Glanz ist wichtig für die spätere Brillanz der Farben.

Feuchtigkeitsverhalten
Wollfasern können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, ohne sich
chemisch mit ihr zu verbinden - sie sind hygroskopisch. Wolle fühlt sich selbst bei 33 prozentiger Wassersaufnahme nicht feucht an.

Schwerentflammbarkeit
Aufgrund des hohen Stickstoff und Feuchtigkeitsgehaltes schmilzt Schurwolle nicht und entzündet sich erst bei einer Temperatur von 560°C.

Filzfähigkeit
Schafwolle filzt als einziges Tierhaar von Natur aus; andere Haare müssen zuvor gebeizt werden. Unter Einwirkung von Feuchtigkeit, Wärme, Druck und Bewegung verbinden sich die Fasern zu einem dichten Stoff. Die Zugabe von Seife kann das Filzen begünstigen. Mit dem Filzen ist eine Schrumpfung verbunden.
Um das Verfilzen der Wolle zu verhindern rüsten einige Hersteller die Wolle mit Kunstharzen aus. Dabei wird die Schuppenoberfläche „maskiert“, so dass sich die Schuppen nicht mehr verhaken können. Bei diesem Verfahren geht jedoch neben der Filzfähigkeit auch der natürliche Wollcharakter verloren.

Kleine Wollkunde

Mit dem Begriff Wolle wird in erster Linie Schafwolle bezeichnet. Der Begriff "Wolle" weist lediglich darauf hin, dass der Artikel aus reiner Wolle ist; er sagt jedoch nichts über die Qualität der Wolle aus.
Als Reine Schurwolle darf nur die Wolle vom gesunden, lebenden Schaf bezeichnet werden. Sie ist besonders atmungsaktiv und temperaturausgleichend.

Rhönwolle wird vom Rhönschaf gewonnen, eines der ältesten Nutztierrassen Deutschlands. Es lebt in der Mittelgebirgslage der hessischen, bayrischen und Thüringer Rhön. Die gewonnene Schurwolle ist besonders robust, strapazierfähig, wirkt stark wasserabweisend und ist widerstandsfähig gegen Knötchenbildung und Verfilzungen.

Reißwolle ist aus Abfällen und Lumpen wiederaufarbeitete Wolle. Im Vergleich zur Schurwolle besitzt sie kürzere Faserlängen und ist qualitativ minderwertig.

Als Schutz gegen das raue nordische Klima entwickeln isländische Schafe ein besonders dichtes Wollhaar, das Islandwolle bezeichnet wird. Es ist sehr warm, robust, fest und wasserabweisend. Das Unterhaar zeichnet sich durch eine sehr weiche, flauschige Qualität aus.

Als Lambswool wird die Wolle von jungen Lämmern bezeichnet, die höchstens ein halbes Jahr alt sind und die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschoren wurden. Lambswool ist sehr fein und außergewöhnlich weich.

Man unterteilt die Schafrassen nach dem Charakter der Wolle. Die feine Merinowolle, die mittelfeine bis kräftige Cheviotwolle und die Crossbredwolle, welche eine Kreuzung zwischen Merino- und Cheviotwolle ist. Merinowolle ist aufgrund ihrer Feinheit und Weichheit die feinste Schafwollqualität. Sie zeichnet sich durch besondere Gleichmäßigkeit, Elastizität und Leichtigkeit aus.

Als Shetlandwolle werden Wollsorten bezeichnet, die von auf den Shetlandinseln lebenden Schafen stammen. Oft ist die Oberfläche leicht gewalkt.

Schalenobst

Handelsübliche Bezeichnung für Früchte, deren Samen von einer harten, meist holzigen Schale umgeben sind. Es handelt sich um Nüsse und Kerne, die für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Ihre Fruchtwand – die Schale bzw. das Perikarp – ist dagegen nicht zum Verzehr geeignet.

Zum Schalenobst zählen Erdnüsse, Haselnüsse, Kokosnüsse, Macadamianüsse, Mandeln, Paranüsse, Pinienkerne, Pistazien, Walnüsse sowie Cashewkerne, die aber nur als Samen angeboten werden. Areka-(Betel-)-Nüsse, Kolanüsse, Aprikosenkerne und Kokosraspel rechnet man dazu sowie Esskastanien, die eigentlich ein Samengemüse sind, weil sie vor dem Verzehr gekocht oder geröstet werden müssen.
Obwohl viele Schalenobstarten landläufig als „Nüsse“ bezeichnet werden, handelt es sich botanisch gesehen nur bei Haselnuss, Walnuss, Erdnuss und Esskastanie um „echte“ Nüsse, also Nussfrüchte, bei denen alle drei Perikarpschichten zu einer harten Schale verholzen.

Scheuer

Auch Scheune, Schopf, Stadel; separater Bau zum erdlastigen Stapeln der Getreide- und/oder Heuernte.

Schichtholzhecken

In den vergangenen Jahren neu aufgekommene Art der Heckenanlage, bei der verschieden gestaltete Wälle aus Totholz und Reisig die Grundlage bilden.

Bei den meisten Schichtholzhecken werden Bäume und Sträucher zwischen das Totholz gepflanzt. Das Totholz bildet eine eigene Struktur, die von vielen Tieren sofort genutzt werden kann. Gleichzeitig schützt das Totholz die Pflanzung vor Austrocknung, Wind und z.T. auch vor Wildverbiss.

Schiffelwirtschaft

Der Haubergwirtschaft ähnliche Wirtschaftsform vor allem in der Eifel als Wechselwirtschaft zwischen Heide (hier offenes, waldfreies Allmendland) und Ackerland.

Schlag

1. Ein größeres Feld, bei der Schlagflur eine von der Größe her gleiche Abfolge des Besitzgemenges, u.U. eine Zelge oder das Außenfeld (Außenschläge) einer Flur. Bei der Fruchtwechselwirtschaft wird z.B. nach Getreideschlag oder Kartoffelschlag unterschieden.

2. Fruchtfolgeschlag, ein Ackerstück, das fruchtfolgemäßig einheitlich oder annähernd einheitlich behandelt bzw. bebaut wird. Es weicht oft von der Parzelle als Eigentumsfläche ab.

Die Schlaggröße sollte 5 ha möglichst nicht überschreiten. Bei Größen oberhalb von 10 ha ergeben sich nur noch geringe Einsparungen im Arbeits- und Maschinenzeitbedarf. Großschläge von 100 ha und mehr, wie sie in den neuen Bundesländern, bzw. bereits in der DDR geschaffen wurden, sind aus wirtschaftlichen Gründen nachteilig. Selbst große Erntemaschinen müssen über die Schlaglänge mehrfach entleert und damit die Erntegüter unnötigerweise mit schweren Fahrzeugen über die Fläche transportiert werden. Beim Ausbringen von Gülle und Stallmist wird der Boden mehrfach befahren, weil die Fahrzeuge nach einem Teil der Schlaglänge schon entleert sind. Derartige Großflächenbewirtschaftung erhöht zusätzlich die Gefahr von Bodenerosion und hat gleichzeitig zur Folge, daß der Anteil an ökologisch wichtigen Landschaftselementen, wie Hecken, Feldgehölzen, Feldrainen und Wegen, abnimmt. Mit zunehmender Schlaggröße können die ausgleichenden Wirkungen dieser Flächen hinsichtlich Erosionsschutz, Artenvielfalt und Nützlingsförderung immer weniger wirksam werden.

3. Im Kontext der EU-Agrarpolitik ist ein Schlag ist eine zusammenhängende Fläche, die grundsätzlich einheitlich mit einer Kultur bebaut und von einer antragstellenden Person bewirtschaftet wird. Ein Schlag kann jedoch auch eine zusammenhängende Fläche sein, die mit verschiedenen Kulturen bebaut ist, wenn diese Kulturen einen gemeinsamen Nutzungscode (NC) zugeordnet werden können (z.B. NC 610 Gemüse).

Schlagflur

Spezieller Typ von Gewannflur, der meist nach 1700 in Mitteldeutschland durch Rodung, Umlegung oder Separation von Gutsland entstand. Die Parzellenstreifen waren in mehrere gleiche Abfolgen des Besitzgemenges (Schlag) untergliedert. Der Parzellierungsgrad wurde dabei durch die Gehöftzahl bestimmt.

Schlagkartei

Eine auf den einzelnen Acker- oder Grünlandschlag bezogene, systematische und geordnete Aufzeichnung über produktionstechnische Maßnahmen und Ergebnisse in der Pflanzenproduktion. Sie bietet Planungs- und Entscheidungshilfen für den zukünftigen Anbau. Die Aufzeichnungen können auf Karteikarten oder mit Hilfe von EDV erfolgen.

Schlagwirtschaft

Fruchtwechselwirtschaft, die sich unter dieser Bezeichnung auf den einstigen Mecklenburgischen Großbetrieben entwickelte. Charakteristisch ist die Aussonderung der Ackerweide aus der normalen Fruchtfolgerotation. Koppeln werden dadurch überflüssig. Im Landschaftsbild stehen ausgedehnten Ackerfluren lediglich kleinere, eingefriedete Graskoppeln in den Niederungen gegenüber.

Schlempen

Nebenprodukte der Alkoholgewinnung aus Melasse, Obst etc., die z.T. als Futtermittel, in Biogasanlagen oder als Dünger verwendet werden können, sowohl getrocknet oder noch flüssig. Es sind Destillationsrückstände der unter Hefezusatz vergorenen Maischen.

Charakteristika von Schlempen:

Bedeutung als Futtermittel haben nur Schlempen von Getreide, Kartoffeln, Mais, Milo oder Maniok.

(s. a. nachwachsende Rohstoffe)

Schluff

Geologisch auch Silt; Bezeichnung für Feinböden unterschiedlicher Herkunft sowie unverfestigte klastische Sedimente, deren mineralische Bestandteile überwiegend (>50 %) eine Korngröße von 2 bis 63 µm aufweisen. Schluff und Silt sind als eine der Hauptbodenarten zugleich auch die Bezeichnungen für das entsprechende Korngrößenintervall, das eine Mittelstellung zwischen dem gröberen Sand und dem feineren Ton einnimmt. Partikel in Schluffgröße sind in hohem Maße in den bindigen Böden bzw. Sedimenten enthalten, die als Lehm bezeichnet werden. Als Kurzbezeichnung für die Korngröße Schluff dient ein großes „U“.

Schluff ist wesentlicher Bestandteil von sogenannten bindigen Böden, d.h. Lehm. Reiner Schluffboden kommt auf der Erde selten vor. Das Wasser wird aufgrund der Korngröße gut festgehalten. Die Kapillarkräfte in ihren mittelgroßen Poren sind noch schwach genug, um eine relativ leichte Aufnahme durch die Pflanzenwurzeln zu gewährleisten. Aus der Sicht des Wasserhaushalts bieten daher schluffreiche Böden die günstigsten Standortsbedingungen für Pflanzen.

Schluffreiche, tiefgründige Böden, wie sie z. B. in der Hildesheimer und der Magdeburger Börde vorkommen, wurden daher schon vor vielen Jahrhunderten durch Rodung waldfrei gemacht und werden seither intensiv für den Ackerbau genutzt.

Schmalstreifenflur

Flurform, bei der sich aufgrund häufiger Teilungen die ursprüngliche Parzellenbreite nicht mehr erkennen läßt oder bei der durch bewußt schmal gehaltene Streifen eine stärkere Gemengelage des Besitzes im Streifensystem angestrebt wird. In Mittel- und Westeuropa liegt die Grenze zur Breitstreifenflur bei ca. 40 m.

Schneitelung

Auch Schneiteln; Futter- und Streugewinnung durch Rückschnitt von Bäumen (z. B. Esche, Weiden) in der Schneitelwirtschaft zur Gewinnung der Triebe oder Blätter als Tierfutter (Laubheu als Raufutter) und Einstreu. Gleichzeitig wird die Beschattung der nebenliegenden Flächen reduziert. Die Verwendung der abgeschnittenen Triebe bzw. Blätter als Futter erfolgt seit dem Neolithikum.
Die periodische Stockschneitelung von Bäumen initiiert eine Regeneration durch die Wurzelstöcke. Die traditionelle Betriebsweise der Schneitelung ist eng mit der bäuerlichen Wirtschaftweise verknüpft. So stellen Waldweide und Schneitelwirtschaft eine optimale weidewirtschaftliche Kombination dar. Am besten ertragen Baumarten mit großem Ausschlagvermögen diesen drastischen Eingriff, wie z.B. Esche, Hainbuche, Ulme, Ahorn, Eiche, Hasel und Birke.

Dazu werden möglichst junge Zweige und Äste mit geringerem Anteil an schwer verdaulicher Rohfaser und Lignin vom lebenden Baum abgeschnitten, um vor allem Laub, das sog. "Laubheu", aber auch Nadeln (bevorzugt in den Alpen) als Futter und Einstreu zu erhalten. Dabei entspricht der Nährwert von Futterlaub bei früher Schneitelung in etwa dem von Heu mittlerer Qualität, von später Schneitelung dem von Stroh. Das getrocknete Laub kann sowohl gelagert und im Winter verfüttert oder aber direkt portionsweise entnommen und dann unmittelbar verfüttert werden. Wie entsprechende Futterwertanalysen von Schneitelfutter aus NW-Benin belegen, ist letzteres Verfahren sehr viel produktiver. Denn der Futterwert verschlechtert sich in kürzester Zeit. Aus dieser Erkenntnis heraus erntet die Ethnie der Peulh nur jeweils einen kleinen Teil der jungen Triebe und des Laubs trotz der dadurch drastisch ansteigenden Kletterbelastung. Während die Bedeutung des Schneitelns in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgegangen ist, besitzt diese Nutzungsform in den meisten Ländern der Dritten Welt – wie z.B. Indien, Pakistan, Nepal, Bolivien – auch heute noch einen erheblichen Stellenwert. Negative Aspekte des Schneitelns sind zu kurze Nutzungszeiträume und damit Übernutzung der geschneitelten Bäume, möglicher Pilzbefall, Nährstoffentzug, Verminderung der Holzqualität bis hin zur fehlenden Verjüngung und somit mittelfristig ein Zusammenbruch der Schneitelbäume.

Schneitelwirtschaft

Auch Schnaitelwirtschaft; in Europa überwiegend obsolete Futter- und Streugewinnung in Laubwäldern durch Abschneiden von Ästen. Durch Anbau, Hege und das regelmäßige Schneiteln der Futterbäume entsteht die für diese Wirtschaftsform typische, ökologisch wertvolle Kulturlandschaft. Die Schneitelwirtschaft wurde im Mitteleuropa erstmals von den neolithischen Bauern, den Bandkeramikern betrieben.

Bei der Schneitelung wurden dünne vollbelaubte Zweige im mehrjährigen Turnus zur Brenn- und Flechtholzgewinnung mit Messern abgeschnitten oder mit der Hand abgeknickt. Bei der Laubheugewinnung wurden die Blätter von den Zweigen abgestreift (gerupft) und für den Winterfutterbedarf getrocknet: Die lateinischen Namen der Esche (Fraxinus, lat. frangere = brechen) und der Hainbuche (Carpinus, lat. carpere = rupfen) weisen auf die Nutzungstechniken.

Schneitelung entweder dicht am Boden (Niederwald) oder als Kopfschneitelung (Kopfbäume); Kopfhöhe sollte verhindern, dass Wild und Vieh die empfindlichen Triebe erreichen

Im Alpenraum wurde vorwiegend die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) zum Schneiteln genutzt. Des Weiteren wurden auch die Linde, die Ulme, der Ahorn, die Eiche, sowie Obstbäume genutzt. In rauen Lagen wurden auch Nadelgehölze genutzt.

Durch die Entvölkerung des südlichen Alpenraums im frühen 20. Jahrhundert ist diese Form der Bewirtschaftung stark zurückgegangen. Die heute noch anzutreffenden typischen Schneitelbestände (ehemals Hecken und lichte Wälder) sind deshalb vielerorts verwaldet.

Die Schneitelwirtschaft hielt sich bis ins 18. Jahrhundert in allen Laubwaldgebieten Europas. Vereinzelt ist sie noch in Südosteuropa und in den Pyrenäen anzutreffen. Heute wird das Schneiteln in Westeuropa so gut wie nicht mehr praktiziert, in Teilen von Afrika oder Südasien (Indien, Pakistan, Nepal) und auch in Bolivien ist es noch heute eine häufige Form der Bewirtschaftung.

Schopf

Auch Schuppen; Unterstellraum für Wagen usw., oder Stapelraum für Torf usw.; kann ans Haus angebaut sein. Regional auch synonym mit Scheune gebraucht.

Schrebergarten

Bezeichnung für Kleingärten, die auf den Leipziger Arzt Daniel Schreber (1808-1861) zurückgeht, der in seinem Einsatz für die Volksgesundheit gymnastische Erziehung, die Errichtung öffentlicher Spielplätze und auch die Einrichtung von Kleingärten propagierte. Die konkrete Umsetzung erfolgte aber durch seinen Schwiegersohn E.J. Hauschild, der nach 1864 von der Stadt Leipzig Gelände pachtete, um Kinderbeete anzulegen. Daraus entwickelten sich Familiengärten. Die Entwicklung griff nach einigen Jahren auf andere Städte über. Neben dem Leipziger Ansatz gab es auch weitere Keimzellen der Kleingartenbewegung, z.B. im Ruhrgebiet, wo für Hüttenarbeiter und Bergleute Industrie- und Werksgärten geschaffen wurden.

Schrot

Bezeichnung für zerkleinerte Getreidekörner und das bei der Verarbeitung von Ölfrüchten gewonnene Eiweißfutter. Aus Ölfrüchten werden in Ölmühlen Öl und Schrote oder Ölkuchen gewonnen Ölschrote werden wegen ihres Eiweißgehaltes verfüttert. Weltweit hat Soja bei den Ölschroten die größte Bedeutung, gefolgt von Baumwolle, Raps und Sonnenblumen. Die Leistungssteigerung bei Nutztieren ist auch auf die Verfütterung der Ölschrote als Eiweißfutter zurückzuführen.

Schutzabdeckungen

Präziser: "hohe begehbare Schutzabdeckungen"; zu den Anbauflächen unter hohen begehbaren Schutzabdeckungen zählt die deutsche Statistik jene Kulturen, die für die ganze oder den überwiegenden Teil der Anbauzeit unter festen oder beweglichen Gewächshäusern oder anderen hohen Schutzeinrichtungen (Glas, fester Kunststoff ) angebaut werden. Hierzu zählen auch alle begehbaren Folientunnel.

Flächen unter Hagelschutznetzen und/oder Foliendächern zählen nicht zu den Anlagen unter hohen begehbaren Schutzabdeckungen.

Schutzgut

Allgemein die Bezeichnung für alles, was aufgrund seines materiellen oder ideellen Wertes vor einem Schaden geschützt werden soll. Die konkrete Bestimmung von Schutzgütern hängt immer vom Kontext der Ereignisse und von den Auswirkungen ab, vor denen ein Schutz erfolgen soll. Der Zivilschutz umfasst beispielsweise den Schutz der Gesundheit, der öffentlichen Infrastruktur oder auch den Schutz von Kulturgütern.

Nach dem im Umweltrecht geltenden Vorsorgeprinzip werden Schutzgüter wie beispielsweise der Boden und seine Funktion im Naturhaushalt durch die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung erfasst und bewertet, um konkurrierende Bodennutzungen fachgerecht untereinander und gegeneinander abwägen zu können und Beeinträchtigungen zu kompensieren.

Im Rahmen der Umweltvorsorge erfolgt eine Konkretisierung von Schutzgütern in Bezug auf Auswirkungen von öffentlichen und privaten Vorhaben und Plänen im Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP). Dieses definiert die in der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und Strategischen Umweltprüfung (SUP) zu betrachtenden Schutzgüter:

Eine umweltfreundliche Landwirtschaft beachtet Schutzgüter

Die Landwirtschaft ist für den Erhalt und Schutz unserer natürlichen Ressourcen von großer Bedeutung. Ziel einer umweltfreundlich gestalteten Landwirtschaft muss es sein, negative Auswirkungen auf die Schutzgüter Boden, Luft, Wasser und Biodiversität zu vermeiden, Kulturlandschaften zu erhalten und gleichzeitig die regionale Entwicklung zu fördern. Voraussetzung dafür sind ausreichende rechtliche Grundlagen und eine umweltfreundliche Ausgestaltung der Agrarpolitik.

Das Ordnungsrecht und die Ausgestaltung der europäischen und nationalen Agrarpolitik bieten Möglichkeiten, Umweltbelastungen durch die Landwirtschaft zu verhindern und eine umweltschonende Bewirtschaftung der Flächen zu gewährleisten. Dies kann einerseits über gesetzliche Vorschriften und deren Bindung an die EU-Direktzahlungen und andererseits über attraktive Anreize zur Erbringung höherer Umweltleistungen gelingen.

Landwirte, die über die obligatorischen Anforderungen hinaus zusätzliche Güter und Dienstleistungen bereitstellen und sich freiwillig zum Schutz der Umwelt und zum Erhalt der Landschaften verpflichten, werden dafür bei der Teilnahme an Agrarumweltmaßnahmen finanziell unterstützt. Hierzu gehören beispielsweise Anbauverfahren und Techniken, die den Boden verbessern und Erosion vermindern, Produktionsweisen, die dem Schutz der Biodiversität und dem Klima dienen (z. B. extensiver Grünlanderhalt) sowie der Ökologische Landbau.

Schwabenkinder

Bezeichnung für jene Gruppen von Kindern aus Westtirol, Vorarlberg und Graubünden, die in vorindustrieller Zeit (belegt seit dem ersten Drittel des 17. Jh.) aus wirtschaftlicher Not von ihren Eltern nach Schwaben, vor allem ins Allgäu geschickt wurden, um sich dort saisonal als Hütekinder zu verdingen.

Die Herkunftsräume waren übervölkerte Realteilungsgebiete mit unzureichender Ackernahrung. Die übliche Dauer der jährlichen Migration währte von März bis Ende Oktober. Nach etwa einwöchiger Fußreise wurden die Kinder auf den Gesindemärkten, z.B. in Kempten, Ravensburg, Weingarten und Tettnang einzeln von Bauern in Dienst genommen. Um 1830 wird von fast 5.000 solchen Wanderarbeitern pro Jahr berichtet. (s. a. Hollandgänger)

Weitere Informationen:

Schwad(e)

Das reihenförmig zusammengerechte bzw. abgelegte (geschwadete) Erntegut bei der Ernte von insbesondere Gras oder Getreide, aber auch von anderen Feldfrüchten, zum Beispiel bei Nutzung von Zuckerrübenblättern als Futtermittel.

Bei der Grünlandnutzung wird das zur Erzeugung von Heu oder Silage gemähte Gras vor der Bergung mit Ballenpresse, Feldhäcksler oder Ladewagen mit einem Schwader "auf Schwad gelegt". Hierzu wird mit einem Seitenschwader meist einmal längs und dann wieder zurück gegengeschwadet. Alternativ wird der Schwad direkt in der Mitte abgelegt. Auf diese Art wird das Mähgut reihenförmig zusammengerecht, um es danach arbeitssparender bergen zu können. Entsprechendes gilt für das bei der Getreideernte anfallende Stroh, soweit es nicht bereits vom Mähdrescher in Schwaden abgelegt wurde oder aufgrund Regens vor der Strohbergung zur besseren Trocknung gezettet werden musste. Ferner legen auch Schwadmäher das Erntegut nach dem Schnitt sogleich auf Schwad ab. Bei der Heutrocknung wird das zu trocknende Gras zudem in der Regel abends wieder auf Schwad gelegt, damit es durch Regen oder nächtlichen Tau nicht so stark wieder durchfeuchtet wird. Ein solcher Nachtschwad kann nicht nur mit der Spezialmaschine Schwader, sondern mit reduzierter Kreiseldrehzahl auch mit einem Kreiselzettwender angelegt werden.

Schwaige

Von ahd. Sweiga = Rinderherde, Weideplatz; im Alpenvorland und im gesamten Alpenraum auftretende Einzelhöfe, teils in Mischung mit Weilern. Es waren Dauersiedlungen, mit dem Zweck, die Grundherrschaft mit den Produkten der Viehwirtschaft zu beliefern.

Schwaighof

Auf reine Viehwirtschaft spezialisierte Betriebsform im Alpenvorland und im Alpenraum innerhalb einer Grundherrschaft, vor allem von Klöstern eingerichtet. Für die Schwaighöfe bestand eine Lieferverpflichtung (Käse, Lebendvieh) an den Grundherrn, der seinerseits die Versorgung mit Getreide, Stroh usw. garantierte. In den Urkunden hießen diese Höfe auch vaccariae (lat. vacca = Kuh) oder armentariae (lat. armentum = Acker- und Pflugvieh, insbesondere Ochsen). Schwaighöfe bestanden vom 12. Jahrhundert bis zum Beginn des Eisenbahnzeitalters.

Schwand(t)wirtschaft

Regionale Bezeichnung der Feldwald(wechsel)wirtschaft.

(s. a. Haubergwirtschaft, Reutbergwirtschaft)

Schwarmsiedlung

Lockeres Dorf mit flächenhafter und nicht linearer Weitständigkeit von Gebäuden und Hofreiten. Die Abstände zwischen den Hofstellen betragen ca. 100 - 300 m.

Schwarzbrache

1. Typ der Brache, bei dem das Feld mehrfach umgepflügt wird, um das Erdreich zu durchlüften, die kapillare Verdunstung (Staubmulch) zu brechen und den Unkrautwuchs zu bekämpfen. In semihumiden Räumen (seit Jahrhunderten im Mittelmeerraum) versucht man mit der Schwarzbrache auch eine Anreicherung von Niederschlagsfeuchtigkeit zu erreichen. Dies wird durch die fehlenden Transpirationsabgaben durch Feldkulturen oder einer sonstigen Pflanzendecke erreicht. Die eingesparten Wassermengen sind allerdings gering. Messungen in den nördlichen Prärien der USA zeigen, daß von den 57,7 cm Niederschlag der 21monatigen Bracheperiode zehn bis 19 cm zurückgehalten wurden. Zudem kann Wasser nur unterhalb einer Tiefe von 20 cm gespeichert werden, da es direkt unter der Bodenoberfläche größtenteils durch Verdunstung verlorengeht. Die Schwarzbrache hat ihre Verbreitung in nicht-tropischen, halbariden Gebieten, wo nicht bewässert werden kann, z.B. mediterrane Länder, kontinentale Gebiete Nordamerikas und Osteuropas. Die absolute Schwarzbrache hat sich nicht bewährt.

2. Nach der Methodologie der EU-Strukturerhebungen jene bearbeitete oder nicht bearbeitete Flächen, die in der Fruchtfolge stehen, aber während des ganzen Wirtschaftsjahres keine Ernte erbringen. Schwarzbrache kann in folgenden Formen vorkommen:

Schwarzbrache ist nicht mit Zwischenfruchtbau und nicht mit aus der landwirtschaftlichen Erzeugung ausgeschiedenen Flächen zu verwechseln. Wesentliches Merkmal der Schwarzbrache ist, daß die Flächen i.a. für eine Vegetationsperiode ruhen, um sie zu verbessern.

(s. a. dry farming)

Schwarzerde

Bodentyp ( auch: Tschernosem von gleichbedeutend russ. чернозём), der sich unter bestimmten Bedingungen auf mineral- und kalkreichen Lockermaterialien wie Löß bildet. Namensgebend ist der mächtige, von Humus schwarz gefärbte Oberboden.

Horizontaufbau

Zur Klasse der Schwarzerden gehört neben dem Tschernosem (Schwarzerde) noch der Kalktschernosem. Unter dem Begriff „Schwarzerden“ werden Böden zusammengefasst, die auf Grund der Anreicherung von hochwertigen Humusstoffen bis zu einer Tiefe von 60 bis 80 Zentimetern dunkelbraun bis schwarz gefärbt sind. Die typische Schwarzerde oder das Normtschernosem hat ein Axh/Axh+lC(c)/C(kc,c)-Profil (x = biogen gemixt, c = Sekundärcarbonat, k = konkretioniert, Zusatzsymbol in Klammern kann fehlen, Komma = alternativ, + = Verzahnungshorizont). Diese Böden werden auch mit dem russischen Namen „Tschernosem“ bezeichnet, weil sie häufig in den weiten Steppen Asiens anzutreffen sind. 

Hildesheimer Schwarzerde
Hildesheimer Schwarzerde

Lackprofil einer Pseudogley-Schwarzerde mit Erläuterung der Bodenhorizonte
Alte Tongrube Asel (Hildesheimer Börde).
Quelle: BGR / LBEG, E. Gehrt

Eigenschaften und Entstehung

Das Ausgangsgestein der Schwarzerden besteht oftmals aus mineral- und kalkreichem Löß. Der hohe Anteil an Kalk sorgt für einen günstigen pH-Bereich mit hoher Nährstoffverfügbarkeit. Gräser und Kräuter liefern im Frühling und Frühsommer ausreichend zersetzbares organisches Material, dessen Zersetzung und Mineralisierung allerdings während der heißen und trockenen Sommer und der langen, kalten und niederschlagsarmen Winter deutlich verlangsamt wird.

In den übrigen Zeiten sorgt das reiche Bodenleben aber für eine umfassende Humusbildung (insbesondere von Mull), der durch wühlende Tiere, wie Ziesel und Hamster, tiefgründig eingearbeitet wird. Der Ah-Horizont kann eine Mächtigkeit von bis zu 80 cm erreichen. Die A-Horizonte besitzen Tongehalte von ca. 25 bis 30 % und sind damit tonreicher als die darunter folgenden Horizonte. Dies liegt an einer stärkeren Verwitterung der Lösse. Die stabilen Ton-Humus-Komplexe und das semihumide Klima verhindern Tonverlagerungen, aber auch Salzanreicherungen im Oberboden.

Wegen ihrer guten Pufferung, ihres hohen Tongehalts (15-40 %), ihrer hohen Austauschkapazität, ihres umfangreichen Nährstoffnachschubs aus dem leicht verwitternden Löss, ihres hohen Porenvolumens und des damit einhergehend günstigen Luft- und Wasserhaushalts bilden die Schwarzerden die fruchtbarsten Böden der Außertropen. Sie gehören zu den wichtigsten Weizenböden der Erde. Außerdem erfüllt die Schwarzerde aufgrund des hohen Alters von 3.000 bis 7.000 Jahren vor heute eine wichtige Funktion als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte.

Zur Entstehung der Schwarzerde gibt es inzwischen neuere Hypothesen:

Nach der bisherigen Lehrmeinung entwickelt sich die Schwarzerde in kontinentalen Steppen mit warmen Sommern und kalten Wintern. Durch die intensive Tätigkeit von Bodentieren wie z. B. dem Regenwurm werden die Humusstoffe in den Boden eingearbeitet. Diese Theorie der Entstehung wird teilweise stark in Zweifel gezogen:

Verbreitung

Die Schwarzerde (russ.:Tschernosem(e)) ist der dominante Boden im Steppengürtel der Nordhalbkugel (Steppen Russlands, der Ukraine und Kasachstans, sowie Prärien Nordamerikas) und gehört zu den weltweit fruchtbarsten Standorten. Vorkommen finden sich auch in Mitteleuropa, allerdings eher inselhaft. Sie kommt verbreitet auch in Deutschland in den Lößgebieten vor. So vor allem in der Magdeburger Börde, in den Harzvorländern, im Gebiet der Querfurter Platte, im Halleschen und Köthener Ackerland, im Thüringer Becken und in der Hildesheimer Börde.

Schwarzerde - Vorkommen in Deutschland

Schwarzerde - Vorkommen in Deutschland

Schwarzerden sind in Deutschland in den Lößgebieten der Magdeburger und Hildesheimer Börde, im Gebiet der Querfurter Platte, im Halleschen und Köthener Ackerland und im Thüringer Becken zu finden.

 Außerdem ist die Schwarzerde der typische Boden der kontinentalen russischen, ukrainischen und kasachischen Steppengebiete sowie der nordamerikanischen Prärien.

Quelle: © BGR Hannover

Nutzung

Durch ihre Eigenschaften bieten Schwarzerden Pflanzen gute Wachstumsbedingungen und sind gleichzeitig leicht zu bearbeiten. Ihre Ackerzahl liegt in Deutschland oft im Bereich deutlich über 90, wobei sich auf den Schwarzerden der Magdeburger Börde die ertragsstärksten Böden des Landes finden (100 von 100 möglichen Punkten). Sie sind auch im weltweiten Vergleich ertragreich und fruchtbar, weshalb Schwarzerden, sofern es die Niederschlagsverteilung zulässt, fast immer unter landwirtschaftlicher Nutzung stehen und einen wesentlichen Beitrag zur Ernährung der Weltbevölkerung erbringen (amerikanischer Corn Belt und Grain Belt, Weizenanbaugebiete zwischen der Ukraine, Russland und Kasachstan).

Es sind allerdings einige Einschränkungen zu nennen:

Weitere Informationen:

Schwarzkultur

Älteste Moorkulturform, bei der Niedermoore nach Entwässerung direkt als Acker oder Grünland genutzt werden (syn.: Niedermoor-Schwarzkultur); sie ist weltweit verbreitet. Wegen der Gefahr des 'Puffigwerdens' oder 'Vermullens' (Verlust der Wiederbenetzbarkeit nach starker Austrocknung) ist dieses Verfahren für Ackerland weniger geeignet.

Eine neuzeitliche Variante der Schwarzkultur ist bei Hochmooren die Deutsche Hochmoorkultur, bei der der (z.T. abgetorfte) Hochmoortorf nach Entwässerung durch Einmischung in die oberen 20 cm gedüngt wird.

Schwedenreuter

Gerüst zur Trocknung von Grasschnitt aus mehreren in einer Reihe angeordneten Pfählen, die durch 4 - 6 übereinander gespannte Drähte oder Schnüre verbunden sind.

Schwein

Nutztier zur Fleischerzeugung. Als Nebenprodukt wird Haut zu Leder verarbeitet. Schweine sind schnell wachsende Allesfresser. Domestizierte Wildschweine wurden im Laufe der Jahrhunderte zu den heute üblichen Hausschweinen gezüchtet. Das frühere Landschwein, dessen Mastendgewicht sich auf 150 kg und mehr belief, ist von fettärmeren und schnellwüchsigeren Schweinen abgelöst worden. Diese „modernen“ Schweine haben vier Rippen mehr und liefern daher mehr Koteletts. Muttersauen in Ferkelerzeugerbetrieben werfen nach 3 Monaten 3 Wochen und 3 Tagen 10 bis 14 Ferkel. Die nach 3 bis 6 Wochen von der Muttersau „abgesetzten“ Ferkel werden als „Läufer“ in Gruppen großgezogen und kommen dann in Mastbetriebe.

Haltungsverfahren in Deutschland

Betrachtet man die Haupthaltungsverfahren bei Schweinen, wird deutlich; mit großem Abstand dominiert der Spaltenboden. Dabei wird unterschieden zwischen Voll-undTeilspaltenboden,in beiden Fällen werden Kot und Harn durch schmale Schlitze im Boden abgeführt. Weiterhin wird nach planbefestigtem Boden ohne Schlitze mit Einstreu und regelmäßiger Entmistung, Tiefstreu und anderen Haltungsverfahren unterschieden.

Insbesondere die Haltung auf Vollspaltenboden wird von den Betrieben bevorzugt und machte durchschnittlich etwas mehr als zwei Drittel aller Haltungsplätze aus. Im Bundesdurchschnitt lag der Anteil der Haltungsplätze auf Teil- und Vollspaltenböden insgesamt bei rund 96 Prozent. Im Verlauf der letzten zehn Jahre ist kein Trend zu einer anderen Haltungsform zu beobachten.

In den Ländern Saarland, Hessen und Rheinland-Pfalz erreichte der Anteil der Haltungsplätze auf planbefestigtem Boden, Tiefstreu und anderen Haltungsverfahren zusammen zwischen neun und 34 Prozent.

In allen Bundesländern hat der starke Rückgang der schweinehaltenden Betriebe in den letzten Jahren den Strukturwandel beschleunigt. Bei nur geringfügig kleineren Schweinezahlen verteilen sich die Tiere auf weniger Betriebe bei somit gleichzeitig gestiegenen Bestandsgrößen.

Anteile der Haltungsformen bei Schweinen in Deutschland 2020 in Prozent (ohne Stadtstaaten)
Anteile der Haltungsformen bei Schweinen in Deutschland 2020 in Prozent (ohne Stadtstaaten)

Quelle: Destatis 2021

Ferkelkastration mit Betäubung

Dies ist ein großer Fortschritt in Sachen Tierwohl und eine große Umstellung für Ferkelerzeugerinnen und -erzeuger. Denn in der Schweinezucht werden in der Regel alle männlichen Ferkel kastriert. Dies war bislang bis zum siebten Lebenstag ohne Betäubung erlaubt.

Der Grund, warum Ferkel überhaupt kastriert werden, ist: Bei einem geringen Anteil des Jungeberfleisches kann es beim Erhitzen zu einem sehr unangenehmen Geruch kommen - dem "Ebergeruch". Er sorgt dafür, dass das Fleisch nicht vermarktbar ist. Kastriert man männliche Ferkel, wachsen sie nicht zu Jungebern heran, sondern bleiben sogenannte "Börge".

Tierschützerinnen und Tierschützer kritisieren die Praxis der betäubungslosen Kastration seit langem. Der Bundestag hatte 2013 eine Änderung des Tierschutzgesetzes beschlossen, derzufolge ab 2019 die Ferkelkastration in Deutschland nur noch unter Betäubung zulässig ist. Diese Frist wurde Ende 2018 um zwei Jahre verlängert und ist jetzt endgültig ausgelaufen. (BLE 2021)

Spezialisierung

Die heutige moderne Schweinehaltung ist nicht nur durch stark gewachsene Tierzahlen, sondern auch durch eine fortschreitende Spezialisierung gekennzeichnet. Viele Betriebe spezialisieren sich auf nur eine oder zwei Produktionsrichtungen.

Bei der Schweinehaltung werden unterschieden:

Die Mast beträgt ca. 5 Monate. Mit einem Lebendgewicht von 100 bis 110 kg werden die Schweine verkauft. Die Mast erfolgt mit Getreide und Mais sowie Eiweißfutter und Mineralfutter. Die Menge und Mischung wird dem jeweiligen Entwicklungsstand der Tiere angepasst ist.

Ökologische Schweinehaltung

Die ökologische Schweinehaltung ist für Landwirtinnen und Landwirte sehr aufwändig und teuer und lohnt sich nur, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sind, entsprechend höhere Preise zu bezahlen. Auch das Management stellt, vor allem in Bezug auf die Tiergesundheit und die Fütterung, höchste Anforderungen an Öko-Schweinehalterinnen und -halter.

Die wichtigsten Unterschiede zur konventionellen Haltung sind:

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Hotspots der Schweinehaltung in Deutschland befanden sich 2020 in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Beide Bundesländer zusammen wiesen mit 16,8 Mio. Plätzen 60 Prozent der insgesamt 27,8 Mio. Haltungsplätze in Deutschland auf. Bayern und Baden-Württemberg befanden sich mit rund 3,1 Mio. bzw. 1,7 Mio. Plätzen auf Platz drei und vier. Die größten Betriebe, mit den durchschnittlich meisten Haltungsplätzen pro Betrieb, wirtschafteten jedoch in Sachsen-Anhalt (2 616 Plätze), Mecklenburg-Vorpommern (2 404 Plätze) und Brandenburg (2 045 Plätze). Die geringste Anzahl an Haltungsplätzen findet man im Saarland mit im Durchschnitt 45 Haltungsplätzen je Betrieb. Die Verteilung der Betriebsgrößen ergibt sich im Hinblick auf historische Gegebenheiten und Verfügbarkeit von Platz. Die Anzahl der Tiere pro Betrieb stieg in den letzten 10 Jahren um 82 Prozent, insgesamt gingen die Haltungsplätze in Deutschland jedoch um rund drei Prozent zurück. Schweineställe sind, wie auch andere Bereiche der Landwirtschaft, durch einen starken technischen Wandel geprägt. Neuerungen wie z. B. digitale Lüftungs- und Fütterungsanlagen lohnen sich eher für große Einheiten, auch dadurch steigt der Trend zu größeren Betrieben.

Durchschnittliche Anzahl der Schweinehaltungsplätze pro Betrieb in Deutschland 2020
(ohne Stadtstaaten)
Durchschnittliche Anzahl der Schweinehaltungsplätze pro Betrieb in Deutschland 2020 (ohne Stadtstaaten)

Quelle: Destatis 2021

Schweinefleisch war 2016 mit einem Pro-Kopf-Verzehr von 36,2 Kilogramm das bei den Deutschen beliebteste Fleisch. In 2017 betrug der Selbstversorgungsgrad 120 %.

Weltweit wurden 2011 insgesamt 108,95 Tonnen Schweinefleisch produziert. Die größten Produzenten waren China, die USA und Deutschland.

2019 war Deutschland mit einer Produktionsmenge von 5,22 Millionen Tonnen vor Spanien (4,64 Mio. t) und Frankreich (2,20 Mio. t) der größte Schweinefleischproduzent in Europa. Der Selbstversorgungsgrad der Europäer bei Schweinefleisch lag 2020 bei 136 Prozent. Gleichzeitig kletterte der Export von europäischem Schweinefleisch – insbesondere nach China – auf den neuen Rekordwert von 6,2 Millionen Tonnen. 

Welche besondere Bedeutung Schweinefleisch speziell für die deutsche Agrarwirtschaft hat, zeigen die Exportzahlen. Deutschland ist der größte Exporteur von Schweinefleisch: 2,5 Millionen Tonnen wurden 2016 weltweit ausgeführt. Das ist gut fünf Mal so viel wie bei Rindfleisch und drei Mal so viel wie bei Geflügelfleisch.

Weitere Informationen:

Schweinepest

Für Schweine gewöhnlich tödliche Viruserkrankung. Eine Bekämpfung der Schweinepest geschieht durch besondere Präventionsmaßnahmen im Hygienebereich, bei der weitestgehenden Unterbrechung von Übertragungswegen und bei akuten Ausbrüchen durch die komplette Vernichtung betroffener Bestände. Ausbrüche der Pest in EU-Ländern bedingten in den letzten Jahren die Keulung von mehreren Millionen Tieren mit der Elektrozange. Eine Impfung ist seit 1990 EU-weit wegen des Druckes von Importländern verboten. Denn Tiere können durch die Impfung zwar selbst nicht krank werden, die Krankheit aber übertragen. Das Virus ist für den Menschen harmlos.

Schweinezyklus

Schwankungen zwischen größeren Schweinebeständen bei niedrigen Preisen und geringen Schweinebeständen bei relativ hohen Erzeugerpreisen. Das Grundmodell: Auf günstige Schlachtschweinepreise reagieren Landwirte mit einer verstärkten Nachfrage nach Ferkeln. So erzielen auch diese hohe Preise. Darauf reagieren die Zuchtbetriebe und Ferkelerzeugerbetriebe mit erhöhtem Angebot. Zeitliche Verzögerungen treten durch Zeiten bis zur Deckung der Sauen, Tragzeit, Ferkel- und Läuferzeit ein. Nach einem guten Jahr steigt das Angebot an schlachtreifen Schweinen, deren Preise sinken. Das hat zur Folge hat, dass die Erzeugung gedrosselt wird. Nach einiger Zeit beginnt der Schweinezyklus aufs Neue. Die Preisschwankungen bei Schweinen hängen heute außerdem von Einfuhren und plötzlich auftretenden Seuchen (Schweinepest) ab.

Schweizer Bauernverband (SBV)

Der Schweizer Bauernverband (SBV, bis 2013 Schweizerischer Bauernverband; franz. Union suisse des paysans, ital. Unione Svizzera dei Contadini) vertritt die Interessen der Landwirtschaft in der Schweiz und gilt als eine der einflussreichsten Organisationen des Landes.

Zusammengesetzt ist der Verband aus Vertretern von 25 kantonalen Berufsorganisationen und von 60 Fachverbänden (22 aus dem Bereich tierische Produktion, 17 aus dem Bereich Pflanzenbau, 5 Genossenschaftsverbände und 16 aus sonstigen Bereichen; Stand Dezember 2003). Der Hauptsitz des SBV befindet sich in Brugg. Die angeschlossenen Teilverbände vertreten rund 55.000 Bauernbetriebe.

Der SBV setzt sich folgende Ziele:

Weitere Informationen:

Schwellenpreis

Mindestpreise, zu denen Agrarprodukte bis zur Tarifierung der Abschöpfungen in die EU importiert werden durften. Bei Einfuhren wurde der niedrigere Weltmarktpreis durch Abschöpfungen und/oder Zölle so stark verteuert, daß sie den Schwellenpreis erreichten. Der Schwellenpreis sicherte die Preisstabilität der Gemeinschaft und war so ein Schutz einheimischer Landwirte vor billiger produzierenden Bauern aus Drittländern. Die Schwellenpreise bildeten vielfach die Grundlage für die Abschöpfungen.

Bei Getreide entspricht heute die Einfuhrschwelle dem früheren Schwellenpreis.

(s. a. Gemeinsame Agrarpolitik, Marktordnung)

Schwemme

Meist am Ufer eines Gewässers gelegener Platz zum Waschen oder Tränken des Viehs (Spülkuhle), z.B. für Pferde (Pferdeschwemme) oder Schafe (Schafwäsche). Die Schwemme kann durch Pflasterung befestigt sein.

Schwendbau

Syn. Schwenden; engl. swidden, im engeren Sinne eine früher primär in Europa, aber auch im subsaharischen Afrika verbreitete Form des Feldbaus. Dabei wird potenzielles Ackerland (seltener Weideland) von Bewuchs (Bäumen, Sträuchern) befreit, wobei die Ausstockung (das Entfernen des Wurzelwerks) unterbleibt.

Im weiteren Sinne und im englischsprachigen Raum (engl. slash-and-burn); sowie in Schweden (schwed. Svedjebrug) wird auch der Brandfeldbau als Schwendbau bezeichnet.

Schwendung erfolgte durch Einkerben der Rinde (Ringelung), wodurch die Bäume abstarben und austrockneten. Das Roden der Stubben unterblieb, da die gewonnene Fläche für den Grabstockfeldbau nutzbar war und das verbliebene Wurzelwerk besonders in Hanglagen die Erosion verhinderte. Prähistorisch wurde der Schwendbau vermutlich durch Übernutzung der Wälder als Waldweiden und durch Brandrodung unterstützt.

Im Alpenraum umfasste der Schwendbau bis in die Neuzeit verbreitet auch die langsame Erweiterung und die Pflege des offenen Landes am Rain, auch im Almbetrieb (Sömmerung). Hierbei nutzte man eine Abfolge von Schwendung durch Ringeln (aber auch kleinflächigen Kahlhieb oder Entnahme von Einzelbäumen), dann Übergangsphase der Stockung (Niederwald) für Raufutter und Laubheu (Schneitelung) sowie Flechtmaterial für Zaunpflege, Korbware und anderes, dann Freilandgewinnung.

Eine letzte Form des Schwendbaus erhielt sich in der Siegerländer Haubergswirtschaft, wo auf dem geschwendeten Grund einjährig Roggen oder Buchweizen angebaut wurde, bevor der Bewuchs wieder zugelassen wurde.

Schwenden

Gezieltes Entfernen (Mähen, Ausgraben) von Weideunkräutern (z.B. Gelber Enzian, Germer), aufkommenden Zwergsträuchern und Fichten als wichtiger Teil der Almpflege.

Wird eine Freifläche weder gemäht noch geschwendet, verbuscht sie an den meisten Standorten in Mitteleuropa innerhalb weniger Jahre, ehe sie zu Wald wird. Schwenden ist heute ein wichtiger Teil der Almwirtschaft, dabei werden die Almweiden von Büschen, Latschenkiefern und Alpenrosen befreit, welche die Futterpflanzen verdrängen würden.

Die bis Mitte des 20. Jahrhunderts gängige Praxis, mit Latschenkiefer oder Alpenrose stark verbuschte Almwiesen und Hänge einfach anzuzünden (Brandrodung), ist in Europa heute untersagt. Der Pflanzenschutz dehnte sich dann auch auf die Alpenrose aus, bis sich zeigte, dass diese, weil vom Vieh gemieden, auf den Alpflächen als Unkraut gilt und Matten in wenigen Jahren großflächig überwuchert. Das den Almbauern und ihren Sennern zustehende Schwendrecht erlaubt in Deutschland auch die Beseitigung ansonsten streng geschützter Pflanzen wie der Almrose. Heutige Almbauern stehen vor dem Dilemma, dass Schwenden arbeitsaufwendig und teuer ist. Über mehrere Jahre nicht geschwendete Flächen mit aufkommendem Baumbewuchs werden von den zuständigen Forstämtern häufig zu Schutzwald erklärt und gehen damit als Weidefläche verloren.

Als typisches historisches Werkzeug ist die Schwendsense zu nennen, die ein kurzes, massives Sensenblatt und, ihm entgegengesetzt, eine kleine Hacke trägt. Das Schwenden erfolgt heute elektromechanisch mit Motorsense oder Motorsäge.

(s. a. Alm)

Schwermetalle

Als Schwermetalle bezeichnet man jene metallischen Elemente, welche eine Dichte von mehr als 5,6 g/cm³ aufweisen und die sich im Periodensystem als Übergangselemente in der 4. bis 6. Periode befinden. Ihre Verbreitung in der Erdkruste reicht von wenigen ppm (Cd, Hg, Mo) bis zu einigen Promillen (Mn, Ti, Fe). Für das pflanzliche Wachstum sind Fe, Zn, Mn, Cu, Mo, Co essentielle Spurenelemente, für den tierischen Organismus zusätzlich Cr, Sn und Ni. Von den übrigen Schwermetallen ist keine physiologische Notwendigkeit bekannt, manche wirken schon in sehr kleinen Konzentrationen toxisch, so vor allem Cd, Pb, Hg und Ti.

Jeder Boden enthält, entsprechend seinem Ausgangsgestein, von Natur aus einen bestimmten Gehalt an Schwermetallen, die bei der Verwitterung freigesetzt und teilweise pflanzenverfügbar werden. Wegen der globalen Verfrachtung von Industrie- und Verkehrsimmissionen gelangen heute nahezu überall zusätzliche Schwermetalle mit den Niederschlägen oder mit atmosphärischem Staub auf den Boden. An naturbelassenen Standorten ist der Schwermetallentzug des Bodens durch die Pflanzen nur vorübergehend, da der exportierte Anteil mit der Streu nahezu vollkommen wieder in den Boden zurückgelangt. Auf landwirtschaftlich genutzten Standorten kommt nur ein Teil in den Boden zurück, entweder direkt als Streu oder indirekt mit Wirtschaftsdüngern. Mit Klärschlamm und Kompost fließen beträchtliche Mengen zusätzlicher Schwermetalle aus verschiedensten Quellen in den Kreislauf ein. Schließlich enthalten auch Handelsdünger, vor allem verschiedene Phosphate Spuren von Schwermetallen.

In der Bodenmatrix können die Schwermetalle auf unterschiedliche Weise gebunden werden. Die Adsorptionskapazität der Sesquioxide (Eisen- und Aluminiumoxide und Hydroxide) für Kationen nimmt mit steigendem pH-Wert zu. Neben der reinen Adsorption können Sesquioxide die Schwermetalle auch in ihre Struktur einbauen. So gebundene Metalle sind nicht mehr pflanzenverfügbar. Die Bindung der Schwermetalle an Tonmineralen folgt den Gesetzen des Kationenaustausches an negativ geladenen Tauschern. Mit den Humusstoffen bilden die Schwermetalle Komplexe und Chelate. Die Stabilität der Komplexe und die Bindungskapazität sinken mit abnehmendem pH-Wert. In sauren Böden ist daher die relative Verfügbarkeit und die Mobilität der Schwermetalle größer als unter neutralen Bedingungen.
Die Aufnahme der Schadstoffe aus dem Boden und ihre Phytotoxizität hängen von Art und Konzentration des Schadstoffs, von pflanzenspezifischen Faktoren und von Bodeneigenschaften ab. In der Regel akkumulieren zweikeimblättrige Pflanzen mehr Schwermetalle und reagieren ertragsmäßig empfindlicher als einkeimblättrige. Wurzeln wirken als Filter und reichern viel mehr Schwermetalle an als Sproßorgane (z.B. Blätter) und diese mehr als reproduktive Organe (z.B. Samen, Früchte).

Hohe Konzentrationen von Schwermetallen hemmen viele wichtige Bodenlebewesen und Prozesse.

section

Im US-amerikanischen Landvermessungssystem der Land Ordinance ein Quadrat von 1 Meile Kantenlänge. 36 sections bilden eine township, 1 section ist selbst in 4 quarter sections unterteilt.

Segregation

Großräumige Funktionstrennung zwischen einer weiter intensivierten Landwirtschaft einerseits und davon durch Pufferzonen abgeschirmtem Umwelt- und Naturschutz auf 'stillgelegten' oder bislang agrarisch nicht genutzten Flächen andererseits. Im Hinblick auf den Erhalt bedrohter Arten sind solche Flächen in bestimmter Mindestgröße unerlässlich, um die für das langfristige Überleben nötigen Mindestpopulationsgrößen zu erreichen. Insgesamt können die Ziele des Naturschutzes nur mit einer Kombination aus Segregations- und Integrationskonzept erreicht werden.

(s. a. Insellandwirtschaft, Integration)

Seguia

Auch Targa; traditionelle Wasserzuführung in Oasen mit Hilfe eines kleinen Stauwehrs (Sedd, Ougoug) über einen Erdkanal, der Seguia. Souagi (pl.) werden zur Ableitung von Flußwasser eingesetzt, aber auch in Quelloasen oder Oasen mit artesisch gespanntem Wasser, das oberflächlich austritt.

(s. a. Bewässerung)

Seidenraupenzucht

Aufzucht des domestizierten Maulbeerspinners, vom Ei über die Metamorphosestadien der Raupen bis zum Kokon, dessen abspulfähiger Seidenfaden mit einer Länge von durchschnittlich 3.000 m das Rohmaterial für die Rohseidenerzeugung liefert.

Die Abhängigkeit der Seidenraupenzucht ist abhängig vom Gedeihen des Maulbeerbaumes, dessen frische Blätter das Futter der Seidenraupe bilden. Traditionell ist die Seidenraupenzucht eine gute Einnahmequelle ostasiatischer Kleinbauern.

Sekundärbodenbearbeitung

Syn. Saatbettbereitung; die Oberflächen-Nachbearbeitung nach der Primärbodenbearbeitung zur Schaffung eines Saatbettes für die Aufnahme von Saat- oder Pflanzgut in einem flachen Saathorizont.

In Gärtnereien, Landwirtschaft, Landschaftsbau und Wald ist die Vorgehensweise entsprechend der Geräteausstattung und den Anforderungen des Saatgutes sehr unterschiedlich. In jedem Fall ist das Saatbett von entscheidender Bedeutung für Keimung und Feldaufgang der Saat und des Jugendwachstums der Pflanzung, die als der empfindlichste Abschnitt der Pflanzenentwicklung (Ontogenese) angesehen wird. Eine optimale Saatbettbereitung erfordert einen standortgerechten Geräteeinsatz, der entsprechend der Kultur, Bodenart und Region sehr unterschiedlich ist.

Selbsterntefläche

Selbsternteflächen sind Anlagen, auf denen ein landwirtschaftlicher Betrieb (s. LWK NRW) oder ein kommunaler Landwirtschaftsbetrieb (z.B. Wien) die Pflanzung und Pflege der Kulturen übernimmt und die Kunden anschließend selbst ernten.

Auf einer ausgewiesenen Fläche werden kleinräumig verschiedene Obst- und/oder Gemüsesorten angepflanzt, die die Kunden dann selbst ausgraben, schneiden oder sammeln können. Bezahlt wird entweder bei einer aufgestellten Spardose auf Vertrauensbasis oder im Hofladen. Im Vordergrund steht hier das so genannte „Erlebnisernten“ ohne weitere Verpflichtungen für die Kunden. Diese Form der gemeinschaftlichen Produktion ist vermutlich die bekannteste und am weitesten verbreitet. Sehr häufig sind Selbsterntefelder für Erdbeeren und Blumen sowie Anlagen mit Beerenobst.

Erzeuger vermeiden mit diesem Konzept Arbeitsaufwand bei der Ernte und Nachernteverluste bei schneller Verderblichkeit. Kundinnen und Kunden schätzen die Frische, flexiblen Erntezeiten und den Spaß beim Suchen der reifen Früchte verbunden mit einer kleinen Kostprobe auf dem Feld. Weitere Pluspunkte für die Verbraucher sind: Sie genießen „ihren“ selbst geernteten Salat, brauchen sich aber nicht um die Produktion zu kümmern. Sie können sich die für sie passenden Produkte in Größe, Menge und Qualität heraussuchen. Viele Kunden möchten die Landwirtschaft unterstützen, haben aber wenig Zeit. Hier können sie das Gute mit dem Nützlichen verbinden.

Selbstfolge

Bezeichnung für den an mehreren aufeinander folgenden Jahren durchgeführten Anbau derselben Fruchtart. Bei zwei Jahren spricht man von einmaliger Selbstfolge. Drei- bis fünfmaliger Nacheinanderbau der gleichen Hauptfrucht ist eine mehrjährige Selbstfolge und mehr als fünfjähriger, meist langjähriger Nacheinanderbau gleicher Fruchtarten wird Monokultur genannt. Dies sollte allerdings im Ackerbau ausgeschlossen werden, weil es zu erheblichen Wachstums-, Ertrags- und Qualitätseinbußen führen kann sowie in der Regel höhere Produktionskosten verursacht. Es gibt aber auch Fruchtarten, die ohne größere Probleme in Selbstfolge angebaut werden können, z.B. Mais. Diese Erscheinung wird als Verträglichkeit bezeichnet.

Selbstversorgungsgrad

Maß, mit dem angegeben wird, wie viel Prozent der benötigten Agrarerzeugnisse im eigenen Land hergestellt werden. Es zeigt also, in welchem Umfang die Erzeugung der heimischen Landwirtschaft den Bedarf (Gesamtverbrauch) decken kann oder um welchen Prozentsatz die Produktion den inländischen Bedarf übersteigt. Der Selbstversorgungsgrad ist gleich der Inlandserzeugung in Prozent des Gesamtverbrauchs für Nahrung, Futter, industrielle Verwertung, Saatgut, Marktverluste. Bei einer Unterversorgung (unter 100 %) sind Importe notwendig.

Ein Landwirt erzeugte 1900 Nahrungsmittel in einem Umfang, um etwa 4 Personen ernähren zu können. 1950 ernährte ein Landwirt 10 und 2017 140 Personen (ohne Erzeugung aus Auslandsfuttermitteln). Trotz dieser starken Produktivitätssteigerung blieb Deutschland stets ein Nettoimportland an Agrar- und Ernährungsgütern. 1900 lag der Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln bei 87 Prozent. Am Anfang des 21. Jahrhunderts liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad bei starken jährlichen Schwankungen weiter deutlich unter 100 Prozent. Angesichts der Arbeitsteilung in einer globalisierten Wirtschaft und der vom Verbraucher gewünschten Vielfalt ist der Selbstversorgungsgrad allerdings kaum noch von gesellschaftspolitischer Relevanz.

Die landwirtschaftliche Erzeugung ist von natürlichen und wirtschaftlichen Bedingungen abhängig. So ist der Selbstversorgungsgrad bei den einzelnen Nahrungsmitteln in Deutschland höchst unterschiedlich.

Der Selbstversorgungsgrad betrug bei

Um von Schwankungen auf dem Weltmarkt unabhängig zu sein und die Versorgung zu angemessenen Preisen zu sichern, wird in der Europäischen Union (EU), verbunden mit den AKP-Staaten, versucht, einen hohen Selbstversorgungsgrad zu erreichen.

Die EU hat bei fast allen landwirtschaftlichen Produkten die Selbstversorgung erreicht bzw. überschritten und leitet daraus die Notwendigkeit zu Agrarexporten ab. Ein hoher Importbedarf besteht dagegen für pflanzliche Öle und Fette, eiweißreiche Futtermittel (Soja) und bestimmte Obstarten. Seit 2010/11 ist die EU zudem auf Zuckerimporte angewiesen, wobei sich der Selbstversorgungsgrad nach einem Zwischenhoch 2011/12 von 99 % 2012/13 wieder deutlich auf 92 % verringerte. Der Selbstversorgungsgrad mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist in den einzelnen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft sehr unterschiedlich. Traditionelle Überschussländer sind Frankreich, die Niederlande und Dänemark.

Trotz der hohen Selbstversorgungsquoten sind viele Industriestaaten auf Importe ernährungswirtschaftlicher Güter angewiesen. Ein gewisser nationaler Selbstversorgungsgrad der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln gehört aus wirtschaftlichen und politischen Gründen (u.a. Krisenvorsorge) zu den klassischen Anliegen der Agrarpolitik.

Selbstversorgungsgrad von Nahrungs- und Futtermitteln in der EU, in Deutschland
und in Baden-Württemberg
Selbstversorgungsgrad von Nahrungs- und Futtermitteln in der EU, in Deutschland und in Baden-Württemberg

Quelle: LEL nach EUROSTAT; BLE; BMEL; StaLa BW; Toepfer International; WVZ; AMI; LEL - Stand: 26.7.2017

Selbstverträglichkeit

Begriff aus der Fruchtfolge, der die Empfindlichkeit der einzelnen Arten von Kulturpflanzen gegenüber Fruchtfolgekrankheiten bezeichnet, welche aufgrund des kontinuierlichen Anbaus einer Art auf dem gleichen Schlag gehäuft auftreten können. Mögliche negative Veränderungen ergeben sich aus bodenbürtigen, auf die jeweilige Frucht spezialisierten Krankheitserregern (z.B. Nematoden), Veränderungen im Humusgehalt und in der Bodenstruktur sowie durch Wurzelausscheidungen. Weitgehend selbstverträglich sind in abnehmender Reihenfolge Roggen, Gerste, Mais und Kartoffeln; unterschiedliche aber geringere Selbstverträglichkeit weisen Weizen und Zuckerrüben auf; Hafer und Raps sind nur in geringem Umfang selbstverträglich, während Körnerleguminosen und Futterleguminose nicht selbstverträglich sind.

Seldner

In SW-Deutschland (z.B. Umkreis von Ulm) ehemals verbreitete Bezeichnung für landwirtschaftliche Kleinstellenbesitzer, die im späten Mittelalter vor allem in Gebieten mit Anerbenrecht als Nachsiedler auftraten. Seldner waren gegenüber den Bauern durch eingeschränkte Allmendrechte benachteiligt. Ihre kleinen Betriebe erlaubten nur eine teilweise Selbstversorgung. Das Haupteinkommen entstammte aus Arbeit in vollbäuerlichen Betrieben, herrschaftlichen oder adeligen Gütern, aus Dorfhandwerk oder aus gewerblicher Betätigung. Bezeichnungen mit ähnlicher Bedeutung sind Häusler, Köbler und Kötter.

Semisubhydrische und Subhydrische Böden

Abteilung der Deutschen Bodensystematik, in der alle Bodenklassen und Bodentypen vereint sind, die u. a. durch die Gezeiten des Meeres, dem Gezeitenrückstaubereich der Flüsse oder durch ein Unterwassermilieu geprägt sind. Zu dieser Abteilung gehören die Klassen der Semisubhydrischen Böden und der Subhydrischen Böden. Diese Bildungen werden von der Geologie als Sedimente betrachtet. In der Bodenkunde zählen sie zu den Böden, auch wenn sie zum Teil periodischen und episodischen Umlagerungen unterworfen sind. Semisubhydrische Böden finden sich zwischen dem mittleren Niedrigwasser (MNW) und dem mittleren Hochwasser (MHW) bzw. zwischen dem mittleren Niedrigwasser und dem Auftreten einer geschlossenen Pflanzendecke.

Subhydrische Böden bilden sich am Grund von Binnengewässern und sind völlig vom Wasser durchdrungen. Subhydrische Böden sind in der WRB-Klassifikation nicht vorgesehen.

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Semiterrestrische Böden

Abteilung der Deutschen Bodensystematik, in der alle Bodenklassen und Bodentypen vereint sind, die durch Grundwassereinfluss geprägt werden. Im Bereich des Grundwassers ist die Wasserbewegung überwiegend horizontal. Profilprägende Merkmale (Redoxprozesse) sind abhängig vom Grundwasserspiegel, dessen Schwankungen sowie von der Intensität kapillarer Prozesse. Zu dieser Abteilung gehören die Klassen der Auenböden (Vega), der Gleye, der Marschen und der Strandböden. In der Klasse der Auenböden werden Böden zusammengefasst, die sich aus holozänen fluviatilen Sedimenten in den Tälern von Flüssen und Bächen entwickelt haben. In den Klassen der Gleye und der Marschen muss der Grundwassereinfluss oberhalb von 4 dm unter der Geländeoberfläche auftreten. Unter Strandböden sind Böden aus Strandsedimenten (Sand) gemeint, die an der Nord- und Ostseeküste oberhalb des mittleren Hochwassers (MHW) episodisch und periodisch überflutet werden. Sie sind durch ständige Materialumlagerungen durch Wasser und Wind charakterisiert.

Auszug der Bodenssystematik in Deutschland
Auszug der Bodenssystematik in Deutschland

Quelle: Bodenkundliche Kartieranleitung KA5, nach UBA

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Senf

Senf ist ein scharfes Gewürz, das aus den Samenkörnern des Weißen, Braunen und des Schwarzen Senfs hergestellt wird. Das Wort Senf ist ein Lehnwort aus dem lateinischen sināpi, das dem gleichlautenden altgriechischen σίναπι entstammt, dessen weitere Wortherkunft allerdings unbekannt ist.

Die Senfpflanze gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Aus ihren Blüten reifen Schoten, welche die Samen, die sogenannten Senfkörner tragen. Man unterscheidet zwei Hauptgruppen. Der weiße Senf wird zur Gattung der Sinapis, der braune und schwarze Senf hingegen zur Gattung der Brassica gezählt.

Gebräuchlich sind sowohl reine Senfkörner (ganze Samen), Senfpulver (gemahlene Samen) und vor allem die aus den mehr oder weniger fein gemahlenen Samen und weiteren Zutaten bereitete Würzpaste, genannt „Tafelsenf“ oder „Mostrich(t)“.

Senfsamen bestehen zu 30-36% aus Öl und enthalten viel Eiweiß. Die Inhaltsstoffe wirken auf unseren Körper antioxidativ, antibakteriell, durchblutungsfördernd und desinfizierend. Zusätzlich unterstützen sie die Leber sowie die Magen- und Gallensekretionen und fördern die Fettverdauung.

Auch die Blätter sind essbar. In der Volksmedizin werden frisch gemahlene und zu einem Brei verrührte Samen äußerlich für Umschläge verwendet. Die grünen Pflanzen finden vor der Blüte Verwendung als Tierfutter.

Als schnellwachsende Pflanze wird weißer Senf (Sinapis alba) auch oft als Gründüngung angebaut. Seine weitverzweigten und tiefen Wurzeln hinterlassen einen feinkrümeligen Boden. Senf ist eine wichtige Zwischenfrucht zur Untersaat und Stoppelsaat, da sie noch spät ausgesät werden kann, Trockenheit verträgt und anspruchslos ist. Häufig wird Senf zu diesem Zweck in Mischungen ausgesät, z. B. zusammen mit Ölrettich.

Die weltweit größten Anbaugebiete finden sich in Kanada (186.400 t), Nepal (150.000 t), Ukraine (64.500 t), Myanmar (58.000 t) und Russland (36.000 t). In Deutschland hingegen werden im Jahr nur noch ca. 20.000 t angebaut. Da der schwarze Senf schwerer zu ernten ist, werden heutzutage überwiegend nur noch der weiße und braune Senf angebaut.

Sennalpe, -alm

Alm mit vorwiegender Milchviehhaltung und eigener Sennerei, in der die Milch zu Butter und Käse weiterverarbeitet wird.

Sennerei

1. Sommerliche Milchwirtschaft in den Alpen, Skandinavien und Island auf den Almen.

2. Bezeichnung für die Gebäude der Alm (Sennhütte), in der die Milch zu Milchprodukten verarbeitet wird, und die dem Almpersonal als Unterkunft dienen.

Sensorfütterung

Bei der Sensorfütterung (Abruf-Fütterung) steht den Tieren ein Futterautomat zur Verfügung. Die Tiere tragen ein elektronisches Erkennungsgerät, einen Transponder. Über einen zentralen Rechner, der die Tiere anhand des Transponders erkennt, wird ihnen täglich eine bestimmte Menge Kraftfutter (vor allem Eiweißfutter und Mineralfutter) zugeteilt. Die Ration kann von den Tieren in beliebig vielen Portionen über den ganzen Tag verteilt abgerufen werden. Jede verzehrte Teilmenge wird durch den Rechner registriert. Mehr als die vorgesehene Tagesration gibt der Computer nicht frei.

Separationen

An Vereinödung und Verkoppelung angelehnte Eingriffe in die Agrarstruktur in Mitteldeutschland, die schon weitgehend den heutigen Flurbereinigungen entsprachen: sie erbrachten die Aufhebung der Weidegerechtsame, die Zusammenlegung von Streubesitz, Entwässerung des Ackerlandes, Regulierung der Gewässer, Begradigung der Grenzen und Wege, Ablösung der Dreizelgenbrachwirtschaft durch freie Fruchtfolgen und eine Parzellierung in Blockgewanne.

Sequestrierung

Die Aufnahme (d. h. das Hinzufügen einer bestimmten Substanz zu einem Reservoir) von kohlenstoffhaltigen Substanzen, insbesondere Kohlendioxid (CO2) in terrestrische oder marine Reservoire. Biologische Sequestrierung schließt die direkte Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre durch Landnutzungsänderung, Aufforstung, Wiederaufforstung, Rekultivierung, Kohlenstoffspeicherung in Deponien und Verfahren zur Anreicherung von Bodenkohlenstoff in der Landwirtschaft (bei Bewirtschaftung von Ackerland und Weideland) ein. In der Literatur bezieht sich der Begriff (Kohlenstoff-)Sequestrierung teilweise auf Kohlendioxidabscheidung und ­speicherung (CCS).

Servitut

Siehe Dienstbarkeit

Sesam

Sesam (Sesamum indicum) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Sesamgewächse (Pedaliaceae). Er ist eine weit verbreitete Kulturpflanze und vermutlich eine der ältesten Ölpflanzen der Welt. Der kultivierte Sesam stammt von Wildpflanzen aus Südasien ab, besonders von der Malabarküste, dem nordwestlichen Indien und dem pakistanischen Punjab. Er wird seit Jahrtausenden in Vorderasien, Indien und China angebaut.

Beschreibung

Die krautige Pflanze ist 1jährig, bis 2 m hoch und meist unverzweigt. Sie besitzt gegenständige, lanzettliche bis eiförmige Blätter sowie einzeln oder zu mehreren in den Blattachseln stehende, 5zählige Blüten in weiß, rosa oder rosa mit dunkler Zeichnung.
Die flachen, eiförmigen Samen sind 2,5 bis 3 Millimeter lang und 1,5 Millimeter breit, farblich von schwarz, braun, gelblich bis weiß reichend.

Verwendung

Die Samen, das Öl und die Wurzel des Sesams werden für therapeutische und kulinarische Zwecke verwendet. Die ölreichen Samen werden durch Pressen und Extraktion zu dem ernährungsphysiologisch hochwertigen Sesamöl verarbeitet, das vor allem zum Kochen verwendet wird – aus gerösteten Samen gepresst auch als würzende Zutat. Der proteinreiche Preßkuchen ist ein wertvolles Viehfutter.

Die ganzen Samen dienen – oft geröstet – zur Verfeinerung von Backwaren, zur Herstellung von Pasten und Süßigkeiten und zum Würzen von Speisen.
Als Heilmittel dient das aus den reifen Samen durch Kaltpressung oder Extraktion und nachfolgende Raffination gewonnene fette Öl. Die Wirkstoffe sind 35–50 % Ölsäure und 35–50 % Linolsäure, daneben Palmitinsäure, Stearinsäure, Lignane, Sesamin, Sesamolin, Sterole und Vitamin E.
Pharmazeutisch nutzt man Sesamöl in Salben. Es erleichtert das Ablösen von Hautschorf und Krusten und hat allgemein pflegende Eigenschaften bei trockener Haut. In Injektionslösungen ist es als Lösungsmittel für fettlösliche Arzneimittel in Gebrauch. Das in Spuren enthaltene Sesamol besitzt zusammen mit Pyrethrum eine synergetische Wirkung in Insektenbekämpfungsmitteln.

Erzeugerländer

Die fünf wichtigsten Erzeugerländer waren 2014 Tansania (1.138.920 t), Indien (811.000 t), Sudan (721.000 t), VR China (629.900 t), Myanmar (519.400 t).

Sesamum indicum benötigt zum Gedeihen hohe Temperaturen sowie mäßige Niederschläge. Die Ernte erfolgt etwa 3 Monate nach der Aussaat. In Afrika werden auch die Arten Sesamum radiatum und Sesamum capense als Ölpflanzen angebaut.

shifting cultivation

Auch wandernde Brandrodewirtschaft, oder slash-and-burn Methode; Oberbegriff für eine Vielfalt von Formen tropischen Feldbaus mit Flächenwechsel. Es bestehen auch die Begriffe Anbauflächenwechsel oder Urwechselwirtschaft, letzterer weil shifting cultivation die älteste Form der Landnutzung darstellt. Sie ist heute noch in den feuchten südamerikanischen, südostasiatischen (starker Rückgang) und vor allem afrikanischen Tropen und Subtropen verbreitet. Die Abgrenzung ist nicht eindeutig, da sie mit den anderen Betriebsformen der Tropen vermischt auftritt.

Die Nutzung beruht auf dem Wechsel zwischen mehrjährigem Anbau von Feldfrüchten und langdauernder Brache mit Sekundärvegetation, weshalb Shifting cultivation oft auch als sequentielles Agroforstsystem bezeichnet wird. Somit dehnen sich die Nutzflächen nicht geschlossen aus, sondern verstreut im Übergang zwischen Regenwald und Feuchtsavanne oder inselförmig innerhalb des Waldes. Verstärkt wird in der englischsprachigen Literatur shifting cultivation strikt im Sinne von Wanderfeldbau verwendet und damit von dem Begriff bush fallow (Landwechselwirtschaft) abgegrenzt.

Die Erschließung erfolgt durch Abbrennen der natürlichen Vegetation (Brandrodung). Der meist mit der Hacke auf kleinen Parzellen betriebene Anbau umfaßt Mischkulturen mit Mais, Hirse, Batate, Yams, Taro, Bergreis, Maniok (Cassava), Bananen usw. und dient vorwiegend der Selbstversorgung. In feuchten Gebieten dominieren Knollenfrüchte, in trockeneren Körnerfrüchte. Baumwolle, Erdnüsse, Tabak u.w. gelangen auch zum Verkauf. Zur Bodenbearbeitung werden Pflanzstock, Grabstock und Hacke eingesetzt. Fruchtwechsel und künstliche Düngung fehlen gewöhnlich. Die Nutzfläche zeigt häufig eine ringförmige Anordnung mit intensiv und dauernd bestellten, z.T. auch gedüngten Innenfeldern und extensiv im Wechsel genutzten Außenfeldern. Diese werden jährlich neu verteilt und sind von sekundärem Wald, Busch oder Grasland durchsetzt. Nach zwei bis vier Jahren lässt der Ertrag nach. Erschöpfung und häufig auch Abschwemmungen des Bodens zwingen zur Verlagerung der Anbaufläche und zur Neurodung benachbarter Gebiete.

Der Anbauflächenwechsel kann mit einer Verlegung der Siedlung verbunden sein und wird dann Wanderfeldbau genannt. Bei der Landwechselwirtschaft bleiben die Siedlungen stationär, und nur die Anbauflächen wandern in ihrem Umkreis. Shifting cultivation ist mit Streusiedlung verbunden, da für größere Dörfer der Landvorrat in einer angemessenen Entfernung nicht ausreicht.

Bei genügender Dauer der Brache erbringt die shifting cultivation relativ hohe und sichere Erträge. Sie ist gut geeignet für dünnbesiedelte, kapitalarme Länder mit niedrigem Anspruchsniveau der Bevölkerung. Mit vorwiegender Selbstversorgungswirtschaft liegt die agrare Tragfähigkeit je nach Bodenqualität bei ca. 20-40 Personen/km². Übersteigt die Bevölkerungsdichte diesen Wert oder wird versucht, verstärkt marktorientiert und mit größerer Intensität zu wirtschaften, so gerät das System aus dem Gleichgewicht, die Erträge nehmen ab. Diese Situation einer unangepassten Nutzung ist erreicht im Stadium der Landwechselwirtschaft, die man als eine deformierte Form des Wanderfeldbaus ansehen kann.

Diese Art der Bewirtschaftung ist eine Anpassung an die humus- und nährstoffarmen Böden der Tropen und ermöglicht dem Landwirt regelmäßig auskömmliche Erträge zu erwirtschaften.

Die unterschiedlichen Wachstumsperioden haben den Vorteil, dass die Konkurrenz zwischen Ackerkultur und Gehölzen minimal ist, was sich vor allem positiv auf das Wachstum der jeweilig angebauten Kultur auswirkt. Darüber hinaus kann die Brache durch den gezielten Anbau von besonders geeigneten, den Boden regenerierenden Baumarten verkürzt werden.

Auch unter ökologischen Gesichtspunkten ist die traditionelle shifting cultivation eine angepasste und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wirtschaftsweise. Dies trifft zu trotz ihres hohen Flächenaufwandes und ihrer verschwenderischen Anbauweise, bei der 300 t Biomasse geopfert werden um 1 t Getreide zu erzeugen. Demgegenüber läßt die Pflanzstocktechnik den empfindlichen Oberboden weitgehend unversehrt, die im Erdboden verbleibenden Baumstümpfe reduzieren die Bodenerosion und gewährleisten durch Stockausschlag einen raschen Wiederaufwuchs eines Sekundärwaldes.

Angaben über die aktuelle Verbreitung der shifting cultivation streuen stark. Sie reichen von der Auffassung als "absolut dominierender Wirtschaftsform in den lateinamerikanischen und afrikanischen Tropen" (Weischet/Caviedes) bis zur Angabe "der Anteil der Wanderfeldbauern an der gesamten Tropenbevölkerung der Erde dürfte somit maximal fünf bis zehn Prozent betragen" (Brauns/Scholz).

Sickerwasser

Wasser, das sich durch den Vorgang der Perkolation, der Schwerkraft folgend, in Grobporen bis zum Grund- oder Stauwasser bewegt.

sidewalk farming

Auch suitcase farming oder im dt. gelegentlich Stadt-Landwirtschaft; Bezeichnung für Landwirtschaft, bei der der Landwirt in der Stadt wohnt und mit dem Auto nur zu bestimmten Zeiten, etwa zur Bestellung der Felder und zur Ernte auf das Land fährt. An die Stelle eines Wirtschaftshofes mit Viehhaltung tritt ein bloßer Maschinenpark, so z.B. in Zuckerrübenanbaugebieten.

Siedlungsart

Oberbegriff für Wohnart, Benutzungsart und Bewohnungsweise einer Siedlung. Wohnart ist die Verbindung der Behausung mit dem Untergrund, bodenfest oder nicht bodenfest (= bodenvage). Die Benutzungsart beschreibt die Funktion einer Siedlung als Hauptsiedlung oder Nebensiedlung. Die Bewohnungsweise ergibt sich aus der Benutzungsdauer und der Benutzungsfolge. Nach der Benutzungsdauer werden die Siedlungen klassifiziert als permanent, semipermanent oder temporär (entweder ephemer = kurzfristig oder längerfristig). Die Benutzungsfolge unterscheidet zwischen episodisch (ohne erkennbaren Rhythmus) und periodisch (mit erkennbarem Rhythmus).

Siedlungsform

Siehe ländliche Siedlungsform

Siedlungsgrundriss

Der Siedlungsgrundriss setzt sich zusammen aus der Verkehrsfläche und der bebauten Fläche. Er beinhaltet das Liniengefüge von Straßen, Plätzen, Häusern und Hofstellen in ihrem Verlauf und ihrer Zuordnung. Der Siedlungsgrundriß gilt als das zentrale Kriterium ländlicher Siedlungsformen.

Silage

Durch Gärung konserviertes hochwertiges Grünfutter für Nutztiere. Gräser, Mais, kleeartige Futterpflanzen, Ackerbohnen, Hafer, Rübenblätter und andere Früchte werden verdichtet und unter Luftabschluss in Silos oder Mieten eingelagert. Dadurch vermehren sich die Milchsäurebakterien, vergären den Zuckeranteil der Pflanzenmasse und bilden Milchsäure (Methode der Sauerkrautherstellung). So erhält das Gemisch einen säuerlichen Geruch und Geschmack. Dieser Prozess verändert den ph-Wert der Grünmasse und verhindert das Aufkommen von Colibakterien, Buttersäure- und Essigsäurebildnern, Fäulniserregern, Schimmelpilzen, Hefen u.a.verhindert. Nachdem die Gärung zum Stillstand gekommen ist, bleibt das silierte Futter für lange Zeit haltbar.

Bei der Entnahme von Silage ist Vorsicht geboten, damit nicht zu viel Sauerstoff eindringt, der die Konservierung unterbrechen würde. Siliert wird heute überwiegend in Flach- oder Fahrsilos. Silieren hat zum Teil die früher für das Winterfutter üblichen Mieten bzw. die Haltbarmachung von Gras und Kräutern als Heu verdrängt. Gründe hierfür sind die größere Witterungsabhängigkeit der Heuproduktion und die bei ungünstiger Witterung wesentlich höheren Nährstoffverluste und schlechteren Qualitäten.

(s. a. Gärfutter)

Silo

Behälter bzw. Fläche zur Herstellung und Lagerung von Silage. Heute überwiegen Flach- oder Fahrsilos, bei denen das Futter mit einem Traktor auf einer Betonfläche festgewalzt wird und mit einer Folie abgedeckt wird. Die runden Hochsilos, die oft noch zu sehen sind, werden i.d.R. aus arbeitswirtschaftlichen Gründen nicht mehr benutzt.

Silomais

Der Tiermast und als nachwachsender Rohstoff dienender Mais, bei dem die gesamte Pflanze noch vor der Körnerreife mit einem Fahrhäcksler in etwa bohnengroße Stücke zerhackt werden, die unter Luftabschluss in säulenförmigen Hochsilos oder in flachen, mit Kunststoffolie bedeckten Fahrsilos durch Milchsäurebakterien vergoren werden. Das Silagematerial wird durch Bakterien aufgeschlossen, durch von ihnen ausgeschiedene Säuren konserviert und mit (Bakterien-)Eiweiß angereichert. Verglichen mit dem Körnermais hat der Silomais etwas geringere Wärmeansprüche.

Beim Corn-Cob-Mix wird nur der Maiskolben mit Spindel und Körnern siliert.

Silomais nimmt im Anbaujahr 2019 eine Fläche von 2,2 Millionen Hektar ein, davon entfallen etwa 0,9 Millionen Hektar auf Energiemais. Der deutlich überwiegende Teil dient der Fütterung des Viehs. Mais zählt zu den ertragsstärksten Energiepflanzen für die Biogasproduktion.

(s. a. Silage, Silo)

silvoarable Agroforstsysteme

Silvoarable Agroforstsysteme sind durch den meist gleichzeitigen, teils auch sequentiellen Anbau von Gehölzen und annuellen landwirtschaftlichen oder gartenbaulichen Kulturen gekennzeichnet. Eine Vielzahl verschiedener Typen wird unterschieden, sowohl in historischer, aktueller und räumlicher Hinsicht. Das neudeutsche Adjektiv 'silvoarable' leitet sich von lat. silva (Wald) und engl./lat. arable/arabilis (kultivierbar, Acker-) ab.

Bekannte aktuelle Varianten silvoarabler Systeme

Alley Cropping

Mit dem Begriff Alley Cropping beschreibt man die Kombination von zueinander parallel ausgerichteten Gehölz- oder Baumreihen auf Ackerland und den Anbau konventioneller Ackerkulturen auf den Feldstreifen dazwischen.

Produkte: Wertholz, Kirschen, Nüsse, Pflegerestholz, sonstige Ackerfrüchte
Verbreitung: weltweit

 

Kurzumtriebs-Alley-Cropping Systeme

Kurzumtriebs-Alley-Cropping-Systeme sind eine Variante von Alley-Cropping und wie diese gekennzeichnet durch parallel zueinander angelegte Gehölzstreifen. Im Unterschied zu typischen Alley-Cropping-Systemen, bestehen die Gehölzstreifen jedoch aus ein- oder mehreren Reihen schnellwachsender Baumarten wie Pappel, Weide oder Robinie. Zwischen den Gehölzstreifen wird, wie bei Alley-Cropping üblich, konventionelle Landwirtschaft betrieben.

 

Produkte: Hackschnitzel, sonstige Ackerfrüchte
Verbreitung: Deutschland

 

Windschutzhecken

Windschutzhecken dienen vorrangig dem Schutz von Acker- oder Hortikulturen (z.B. Obstanbau) vor zu starken, schädigenden Winden. Zu diesem Zweck werden sie zumeist als vernetzte Heckensysteme überwiegend quer zur Hauptwindrichtung angelegt. Da die Ausdehnung des windgeschützten Bereichs, der mehr als einhundert Meter betragen kann, insbesondere vom Aufbau und der Bewirtschaftung der Hecken abhängt (v.a. Höhe und Porosität der Hecken sind für Windschutz ausschlaggebend), haben sich je nach Anwendungszweck eine Vielzahl unterschiedlich strukturierter Heckentypen entwickelt. Diese reichen von einzeiligen Baumreihen bis hin zu mehrreihigen Hecken, bestehend aus hintereinander gestaffelten Gehölzen unterschiedlicher Größen und Kronenformen.

Produkte: Grünschnitt, Viehfutter, Ackerfrüchte
Verbreitung: Europa, USA, Kanada

 

Wallhecken, Knicks oder Lese(stein)hecken

Wallhecken sind Baum- und Heckenreihen, die auf einem zumeist künstlich errichteten Wall aus Erde, Steinen und/oder anderen Materialien (z.B. Torf) wachsen. Sie wurden und werden zumeist als Grenzmarkierung/-sicherung oder Einfriedung angelegt und sind als solche in manchen Regionen über Jahrhunderte gewachsene, integrale und manchmal auch namensgebende Bestandteile der Kulturlandschaft (Pott, 1989). Die regionale Bezeichnung der Wallhecken ist dabei unterschiedlich. Die in Norddeutschland verbreitete Bezeichnung „Knick“ leitet sich beispielsweise von der Tätigkeit des „Knickens“ ab, dem Umbiegen junger Triebe, mit dem Ziel die Hecken dichter und (z.B. für Vieh) undurchdringlich zu machen (Pott, 1989). Demgegenüber sind Lesehecken, Gehölzstrukturen, die sich auf Haufen oder Wällen von „Lesesteinen“ (größere Steine, die die Bodenbearbeitung von Ackerland erschweren und daher im Laufe der Jahrhunderte „aufgelesen“ und zur Seite auf Haufen gelegt wurden) entwickelt haben.

Produkte: Brennholz, Grünfutter, Streumaterial
Verbreitung: Mitteleuropa, Norddeutschland

 

Gewässerschutzstreifen (Riparian forest buffers)

Bei den vor allem in Europa und Nordamerika eingerichteten Gewässerschutzstreifen (im agroforstlichen Sinne) handelt es sich um gezielte und geplante Anpflanzungen von Bäumen, Sträuchern und Stauden an Ufern von Gewässern, wie Seen oder Flüssen, mit dem Ziel, für das Gewässer schädliche Auswirkungen von Landnutzung abzumildern.

Sachgemäß bewirtschaftete Gewässerschutzstreifen verbessern und schützen die Gewässerqualität, stabilisieren erodierende Ufer-Bereiche, bieten wertvolle Habitate für Land- und Wassertiere und bieten Landnutzern die Möglichkeit zur Ertragsdiversifizierung durch im Schutzstreifen erzeugte Agroforst-Produkte.

Produkte: Wert- und Brennholz, Beeren, Nüsse, Grünfutter, Wild (v.a. Niederwild)
Verbreitung: Europa, Nordamerika

 

Forest Farming

Forest farming bezeichnet den Anbau hochwertiger Sonderkulturen in einem hierfür gezielt bewirtschafteten Wald. Die Art-Zusammensetzung, Struktur und Wuchsdichte des natürlichen oder angepflanzten Baumbestandes wird dabei so modifiziert, dass den Ansprüchen der Unterkultur, z.B. hinsichtlich Beschattung, Nährstoffangebot, Wuchssubstrat, Feuchtigkeit oder Temperatur, so gut wie möglich entsprochen wird.

Produkte: Brennholz, Bauholz, Heilpflanzen, Pilze, Beeren
Verbreitung: USA, Kanada

 
Shifting Cultivation

Die Shifting cultivation (oder auch slash-and-burn Methode), wird vor allem in tropischen Gebieten häufig praktiziert und ist eine der ältesten agrarwirtschaftlichen Methoden der Welt. Bei diesem System wird ein direkter, periodischer Wechsel zwischen Anbau von Feldfrüchten und Bäumen vollzogen, weshalb shifting cultivation oft auch als „sequentielles Agroforstsystem“ bezeichnet wird.

Die shifting cultivation folgt dabei einem einfachen Kreislauf, bei dem zunächst die Waldvegetation verbrannt wird und im Anschluss daran auf der gleichen Fläche Feldfrüchte angebaut werden. Diese nehmen die vorhandenen Nährstoffe u.a. aus der Asche auf und nutzen sie zum Wachstum. Lassen die Erträge nach einigen Jahren nach, wird die Ackerfläche zur Erholung brach liegen gelassen (ca. 15-30 Jahre).

Produkte: Brennholz, Bauholz, Nahrungsmittel
Verbreitung: Tropen

Quelle: BTU Cottbus-Senftenberg

(s. a. Agroforstwirtschaft, Agropastoralismus, shifting cultivation, Waldbrandwirtschaft, Waldgarten, Waldweide)

Weitere Informationen:

Silvopastoralismus

In silvopastoralen Agroforstsystemen werden Gehölze mit Weide-Flächen und Tierhaltung kombiniert. Einige häufige Typen sind hier aufgeführt. Das neudeutsche Wort 'Silvopastoralismus' leitet sich von lat. silva (Wald) und lat. pastoralis (Hirten-) ab.

Häufige Varianten silvopastoraler Systeme

Halboffene Weidelandschaft

Halboffene Weidelandschaften zählen zu den ältesten Formen der Landnutzung und sind seit neolithischer Zeit (4000 v.Ch.) bekannt (Luick 2009; Nerlich et al. 2013; Zehlius-Eckert 2010). Die Gehölze sind kleinflächig einzeln oder in kleinen Gruppen auf der Weidefläche oder zwischen den landwirtschaftlichen Kulturen verteilt, wobei die landwirtschaftliche Nutzung nur zwischen den Gehölzflächen stattfindet. Durch die kontinuierlich Beweidung werden die Weideflächen offen gehalten und eine Verbuschung verhindert.

Produkte: Tierprodukte, Brennholz, Beeren, Pilze, Einstreu, Tierfutter
Verbreitung: weltweit

 

Streuobstwiese

Die Streuobstwiese ist eine traditionell bäuerliche Form des Obstanbaus. Charakteristisch für dieses Agroforstsystem ist die Kultivierung hochstämmiger Obstbäume auf Grün- bzw. Weideland („Streuobstwiese“) oder manchmal auch auf Ackerland („Streuobstacker“). Die Bäume unterscheiden sich in der Regel hinsichtlich ihres Alters, der verwendeten Arten und Sorten.

Produkte: Tierprodukte, Heu/Grünfutter, Obst (v.a. Äpfel, Birnen, Kirschen)
Verbreitung: Mitteleuropa, Schweiz, Österreich

 

Waldweide

Als Waldweide bezeichnet man die in Mitteleuropa bis ins 19. Jh. hinein weit verbreitete landwirtschaftliche Praxis, Haustiere, wie Schweine, Rinder oder Ziegen, in den Wald zu treiben, damit sich die Tiere dort an Eicheln, Bucheckern, Kastanien oder Grünfutter satt fraßen.

Produkte: Wertholz, Brennholz, Tierprodukte
Verbreitung: Mitteleuropa

Quelle: BTU Cottbus-Senftenberg

Silvopastorale Systeme können als Sonderform der Agroforstwirtschaft betrachtet werden. Das Farm Woodland Forum spricht daher von silvopastoraler Agroforstwirtschaft.

Eine ausführliche Definition gibt die FAO: Silvopastorale Systeme, auch als Waldweidewirtschaft bezeichnet, verbinden Bäume mit der Produktion von Viehfutter. Bäume dienen nicht nur der Gewinnung von hochwertigem Stammholz, sondern auch als Schattenspender und Unterschlupf für das Vieh. In diesem System liefern bewirtschaftete Weiden zusätzliche Erzeugnisse und Einkünfte. Die dafür ausgewählten Nutztiere sind im Allgemeinen grasende Tiere wie Schafe oder Ziegen, die eher Bäume verbeißen, oder große Weidetiere wie Rinder, die Baumschösslinge niedertrampeln. Die Kombination von Bäumen, Viehfutter und Nutztieren schaff ein Landnutzungssystem, das marktfähige Produkte erzeugen und dabei die Produktivität auf lange Sicht erhalten kann. Zudem können silvopastorale Systeme die Biodiversität, die Gewässergüte, die Bodenfruchtbarkeit und die physikalischen Eigenschaften des Bodens verbessern, indem sie den Boden vor Wind- und Wassererosion schützen. (FAO, 2003)

(s. a. Agroforstwirtschaft, Agropastoralismus, shifting cultivation, Waldbrandwirtschaft, Waldgarten, Waldweide)

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Sisal

Aus den Blättern einiger Agaven, insbesondere der Sisalagave (Agave sisalana) gewonnene, gelblich glänzende Fasern, die besonders zur Herstellung von Schnüren, Seilen, Läufern und Teppichen verwendet werden.

Die Pflanze

Die Sisalagave gehört zur Gattung der Agavengewächse und ist möglicherweise in der mexikansichen Provinz Chiapas beheimatet. Der Name der Faser stammt von der mexikanischen Hafenstadt Sisal auf der Halbinsel Yucatán ab, von der aus die Sisalfasern ursprünglich exportiert wurden. Im Mittelmeergebiet ist sie als Zierpflanze sehr häufig.
Die mächtigen, fleischigen Blattrosetten haben an den Blättern Seitendornen und einen Enddorn. Die schwertförmigen Blätter werden 60 bis 150 cm lang und 2,5 bis 5 (selten bis 9) cm breit. Der bis zu 7 m hohe Blütenschaft besitzt kronleuchterartig angeordnete Zweige, die röhrenförmige, aufrechte, gelbliche Blüten tragen. Die Pflanzen blühen nur einmal und sterben anschließend nach der Fruchtbildung ab. Die Sisal-Agave wird 6–12 Jahre alt.

Fasereigenschaften

Sisalfasern sind mehrzellige, gerade Fasern. Die einzelnen Bündel umfassen zwischen 100 und 200 Zellen. Die einzelnen Zellen sind mit durchschnittlich 2,282 Millimeter Länge und 20,32 Mikrometer Durchmesser relativ kurz und dick und lassen sich daher nicht spinnen (notwendige Mindestlänge: 25 Millimeter). Verarbeitet werden daher Faserbündel. Deren Länge ist abhängig von der Blattlänge und den Bedingungen bei der Fasergewinnung, in der Regel liegt sie zwischen 50 und 120 Millimeter, im Mittel liegt sie bei 90,84 Millimeter. Der Gehalt der Fasern an Cellulose liegt zwischen 55 und 65 %, ergänzt um 10 bis 15 % Hemicellulose. Der Ligningehalt liegt zwischen 10 und 20 %, der Pektinanteil zwischen 2 und 4 %. Durch diese Werte ist Sisal – typisch für eine Blattfaser – härter und grober als Bastfasern. Sisal ist ausgesprochen zäh (57,2 cN/Tex) und zugfest (1830,12 cN/Tex), insbesondere jedoch zeichnet es seine im Vergleich zu anderen Fasern ungewöhnliche Steifigkeit aus.

Nutzung

Sisal ist eine relativ junge Naturfaser, ihr Gebrauch begann erst im 19. Jahrhundert und erreichte seine Blüte im frühen 20. Jahrhundert. Trotz eines Rückgangs ihrer Verwendung stellt sie bis heute eine der weltweit wichtigsten Naturfasern dar.

Sisal wird klassisch zur Produktion von Tauen, Seilen, Kordeln und groben Garnen verwendet, die teilweise als Ausgangsmaterial für Auslegewaren sowie kunsthandwerkliche Erzeugnisse dienen. Aufgrund seiner hohen Strapazierfähigkeit wird Kratzspielzeug für Katzen häufig mit Sisal-Seil bespannt. Neuere Einsatzgebiete sind die Verwendung als Füllstoff zum Beispiel für Matratzen oder als Geotextilie und Gewebe aus Sisal für Polierscheiben für technische Zwecke. Ebenso findet die Faser Verwendung in der Bauindustrie (Dämmstoffe, Faserplatten, Strukturmaterial für Gipsbauteile und Dachziegel).

Auch wird es zur Herstellung von Strohhüten verwendet. Noch nicht über das Stadium der Erforschung und Erprobung hinaus ist der Gebrauch von Sisal als Teil von Faser-Kunststoff-Verbund-Werkstoffen, in Brasilien wird zusätzlich ein Verbundwerkstoff aus Sisal und Zement erprobt, der Asbest in Fertigbauteilen ersetzen soll.Die Sisal-Faser wird auch zur Herstellung von Dart-Boards verwendet. Dadurch wird eine wesentlich höhere Lebensdauer der Boards erreicht als zum Beispiel bei der Verwendung von Papier oder Kork, da sich die Löcher nach dem Herausziehen der Dart-Pfeile wieder schließen. Als Textilfaser ist Sisal nicht geeignet. Darüber hinaus ist Sisal wegen seiner besonderen Eigenschaften ein interessanter Zusatzstoff in der Zellstoffherstellung für Spezialpapiere.

Aus Agave atrovirens wird in Mexiko das Nationalgetränk Pulque hergestellt; der nach Entfernen des Blütenschafts fließende Wundsaft hat einen Rohzuckeranteil zwischen 9 und 12%; pro Tag können von einer Pflanze 4–5 l Saft erhalten werden. Die alkoholischen Getränke Mescal und Tequila werden aus den "Schnapsagaven", z. B. Agave sequilana, gewonnen.

Anbau und Verbreitung

In Ostafrika erfolgt der Anbau überwiegend in großen Plantagen, in NO-Brasilien vor allem durch Kleinbauern.

Nach 2–4 Jahren werden jährlich 15–20 Blätter geschnitten und die 1–2 m langen Faserbündel, die den Leitbündeln anliegen, maschinell entfernt; anschließend werden sie gewaschen und getrocknet; durch Schlagen und Bürsten erhalten die glänzend gelben Fasern ihre ursprüngliche Geschmeidigkeit zurück.

Die Pflanzen können üblicherweise einmal jährlich beerntet werden, unter günstigen Bedingungen sind jedoch auch bis zu drei Ernten im Jahr möglich. Der Zeitpunkt der Ernte im Jahr ist beliebig, das ermöglicht eine hohe Flexibilität bei der Auswahl des Erntezeitpunktes. Rund 13 der 1,5 bis 2 (selten bis zu 3) Meter langen und 500 bis 1500 g schweren Blätter bilden je einen Ring um den Stamm. Bei einer Ernte werden rund 50 bis 65 Blätter, also 4 bis 5 Ringe, abgeerntet.

Die Blätter werden am Ansatz abgeschnitten, die stachelige Spitze wird gekappt und die Blätter werden gebündelt, bevor sie zum Faseraufschluss kommen.

Nach dem Faseraufschluss werden die Fasern gebündelt und 8 bis 12 Stunden in Wasser eingeweicht, um Pektin und Chlorophyll auszuwaschen (Wasserröste), anschließend werden sie 8 bis 10 Stunden an der Sonne getrocknet. Um restliches Parenchymgewebe und Kurzfasern zu entfernen, werden die Fasern danach noch maschinell ausgekämmt oder ausgeschlagen.

Umweltauswirkungen

Der Sisalanbau verursachte zunächst eine Umweltzerstörung, da die Sisalplantagen die einheimischen Wälder ersetzten, er gilt aber immer noch als weniger schädlich als viele Arten der Landwirtschaft. Bei der Sisalproduktion werden keine chemischen Düngemittel verwendet, und obwohl gelegentlich Herbizide eingesetzt werden, kann sogar diese Praxis weiter reduziert werden, da das Unkrautjäten größtenteils von Hand erfolgt. Das Abwasser aus dem Schälvorgang verursacht eine ernsthafte Verschmutzung, wenn es in die Wasserläufe fließt. In Tansania gibt es Pläne, den getrockneten Abfall als Biobrennstoff zu verwenden.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Weltproduktion an Sisalfasern erreichte Anfang der Sechziger Jahre einen Höchststand von fast 2,5 Mio. t. Zu Beginn der Siebziger Jahre lag die Erzeugung noch bei rund 800.000 t. Danach brach der Markt auf Grund der damals aufkommenden synthetischen Fasern zusammen. Hauptanbauländer wie Tansania verringerten ihre Erzeugung um bis zu 80 %. Nach der Jahrtausendwende wuchs die globale Produktion aber wieder auf über 200.000 t an.

Nach Tonnen ist Sisal die fünftwichtigste Faserpflanze weltweit. Im Jahr 2013 belief sich die Weltproduktion auf rund 281.000 Tonnen. Haupterzeugerländer sind Brasilien mit knapp der Hälfte der Weltproduktion (150.584 t), Tansania (34.875 t), Kenia (28.000 t), Madagaskar (18.950 t), VR China (16.500 t) und Mexiko (12.000 t).

Künftige Entwicklungen zielen u. a. darauf ab, die Pflanze insgesamt besser zu nutzen. Die Faser macht 4 % der ganzen Pflanze aus. Die restlichen 96 % sollen zukünftig beispielsweise zur Erzeugung von Biogas genutzt werden. Denkbar ist auch die Extraktion von Agavenwirkstoffen für die pharmazeutische Industrie, obendrein kann man aus dem Agavensaft Schnaps brennen.

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Smart Farming

Smart Farming steht für die Vernetzung der einzelnen Betriebsbereiche (Pflanzenbau, Tierhaltung, Betriebsführung) eines landwirtschaftlichen Betriebs, sowie für die Vernetzung der aus intelligenter Landtechnik bestehenden Komponenten mit innerhalb eines Betriebszweigs miteinander und den Landwirt bei seinen Entscheidungen unterstützen.

Angestrebt wird auch eine herstellerübergreifende Vernetzung von Maschinen z.B. im landwirtschaftlichen Pflanzenbau mithilfe einer Serviceplattform. Auch die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit kann durch Informations- und Kommunikationstechnologien optimiert und der Mensch in seinen Entscheidungen unterstützt werden.

Mit Smart Farming kann ein effizientes und optimales Verhältnis von Input und Output durch intelligentes und zielorientiertes Analysieren, Planen und Beobachten geschaffen werden. Die verfügbaren Ressourcen sollen dabei optimal und den individuellen Ansprüchen entsprechend bearbeitet werden. Um diese Ziele zu erreichen werden essentielle Daten gesammelt und miteinander verknüpft, um eine optimierte Prozesskette zu generieren.

Die benötigten Daten werden durch ausgeklügelte Sensortechniken gesammelt und analysiert, umfassende Agrarmanagementsysteme helfen gleichzeitig bei der Leitung des Gesamtbetriebs.

Diese Kopplung von Landtechnik und Datenverarbeitung wird häufig auch als Landwirtschaft 4.0 bezeichnet. Einige Quellen nennen dies auch die „Dritte Grüne Revolution“.

Nach der Pflanzenzüchtung und der Gentechnik beeinflusst diese “Dritte Grüne Revolution” die landwirtschaftliche Welt über die Kombination von ICT Lösungen, das „Internet der Dinge“ (IoT), Sensoren und Aktoren, Geo-Positionierungssysteme, Big Data, unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs), Drohnen, Robotik, etc.

Das Ziel von Smart Farming ist es, die Leistung eines landwirtschaftlichen Betriebs zu steigern, bei gleichzeitigem Einsparen von Ressourcen. Durch die Vernetzung eines Betriebs können, vereinfacht gesagt, die einzelnen Stellschrauben besser aufeinander abgestimmt und die Effizienz somit erhöht werden. Mit Smart Farming können Kapazitäten gezielt eingesetzt werden. Das trägt zu einer nachhaltigen Landwirtschaft unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten bei.

Zukünftige Familienbetriebe - klein und smart
Zukünftige Familienbetriebe - klein und smart

Quelle: Nesta

Während in den USA 20-80 % der Landwirte SFT (Smart Farming Tools) nutzen, sind es in Europa lediglich 0 – 24 %. Aus Sicht der Landwirte soll Smart Farming einen Zusatznutzen in Form von Entscheidungsunterstützung oder der Optimierung von Prozessen bieten.

Demnach ist Smart Farming eng mit drei Technologiebereichen verbunden:

Anwendungen des Smart Farming haben nicht nur konventionell wirtschaftende Großbetriebe im Blick, sondern haben auch das Potential, Familienbetriebe (kleinräumig, Spezialkulturen, Erhalt von seltenen Sorten/Arten) und den Ökologischen Landbau zu unterstützen. Weiterhin ermöglicht es eine akzeptierte und transparente Produktion im Sinne des europäischen Verbrauchers.

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Soja

Die Sojabohne (Glycine max) gehört zu den Hülsenfrüchtlern (Fabacea). Sie ist eine einjährige krautige Pflanze mit bräunlicher Behaarung. Da es sehr viele Varietäten gibt, sind auch die morphologischen Merkmale sehr unterschiedlich. Am häufigsten sind aufrecht wachsende Sorten von 20 bis 80 Zentimeter Wuchshöhe. Hochwüchsige Sorten erreichen bis zwei Meter Höhe. Es gibt allerdings auch Sorten, die windend bis zwei Meter lang werden. Die zwei bis zehn Zentimeter langen Hülsenfrüchte sind strohgelb bis dunkelgrau und enthalten etwa fünf gelbe, braune oder schwarzviolette Samen, die Sojabohnen.

Heute wird die Sojabohne auf etwa 6% der globalen landwirtschaftlichen Nutzfläche angebaut. Sie ist die wichtigste Öl- und Eiweißpflanze weltweit. Ihr Anbau ist auf großen Flächen möglich und erfordert wenig Arbeitsaufwand. Wie alle Leguminosen nehmen Sojabohnen Luftstickstoff auf und benötigen daher keine Nitratdüngung. Die Hauptanbaugebiete liegen in warmgemäßigten und subtropischen Klimaregionen. Führende Anbauländer sind die USA, Brasilien, Argentinien, China, Indien und China.

2019 wurden weltweit 120,1 Millionen Hektar Sojabohnen angebaut. Der Anteil an gv-Sojabohnen beträgt 76 Prozent.

Herkunft und Ansprüche

Soja stammt aus Asien und Afrika und wurde zunächst in China und Japan kultiviert. Der Anbau der Sojabohne ist seit einer Zeit zwischen 1700 und 1100 v. Chr. in Nordostchina als Nahrungspflanze nachgewiesen. Der Siegeszug von Soja begann mit dem Anbau in den USA und der Möglichkeit, Sojaschrot als Universal-Eiweißfutter in der Tierproduktion einzusetzen. In Deutschland wird etwa die Hälfte der verfütterten Ölschrote aus Soja gewonnen.

Ihre Hauptanbaugebiete liegen in warmgemäßigten und subtropischen Klimaregionen. Die Sojabohne ist eine Kurztagspflanze. Beim Anbau unter Langtagbedingungen verlängert sich die Wachstumszeit durch Verzögerungen bei der Blütenanlage und Abreife der Samen.

Wie Soja die Fleischlieferkette durchläuft

Soja stammt von Farmen in Lateinamerika und endet u.a. als Fastfood, das auf der ganzen Welt konsumiert wird. Ein bedeutender Akteur in diesem Prozess ist der amerikanische Agrarkonzern Cargill, der von der Umweltorganisation Mighty Earth als übelste Firma der Erde bezeichnet wird.

Der Bericht "The Ultimate Mystery Meat" aus dem Jahr 2017 untersuchte 28 verschiedene Standorte, die Soja in Brasilien und Bolivien produzieren. Es zeigte sich, dass Cargill einer der beiden größten Nutzer von Abholzungen im industriellen Maßstab war. Zusätzlich zu seiner Rolle bei der Schaffung eines Marktes für auf Abholzung basierendes Soja fand Mighty Earth heraus, dass Cargill Landrodungen tief im Urwald finanziert, Silos und Straßen baut und dann Getreide kauft und in die USA, nach China und Europa verschickt, um Hühner, Schweine und Kühe zu füttern.

Quelle: Mighty Earth 2019

Nutzung und wirtschaftliche Bedeutung

Sojabohnen enthalten 20 Prozent Öl und 37% Eiweiß. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kulturpflanzen ist die Eiweißqualität mit dem von tierischem Eiweiß vergleichbar. Die Sojabohne ist außerdem reich an sogenannten Phytoöstrogenen – pflanzlichen Verbindungen mit hormonähnlicher Wirkung. Deren Hauptvertreter sind die Isoflavone Genistein und Daidzein.

Die Verdaulichkeit von Sojabohnen ist durch den relativ hohen Gehalt an Stachyose und Raffinose erschwert. Stachyose ist ein Mehrfachzucker, der vom Menschen nicht verdaut wird, vielmehr wird die Stachyose im Dickdarm durch Bakterien abgebaut, wobei Gase entstehen. Es wird daher versucht, den Gehalt an Stachyose und Raffinose durch Genveränderungen zu vermindern. Allerdings gibt es auch natürliche Sojasorten mit geringerem Stachyosegehalt. Die frischen, grünen Hülsen („Schoten“) dienen außerdem direkt der menschlichen Ernährung.

Trotz der wertvollen Inhaltsstoffe werden weltweit schätzungsweise nur 2 - 6 Prozent (Angaben schwankend) aller Sojabohnen direkt verzehrt – als ganze Bohnen oder weiterverarbeitet zu Tofu.

Der überwiegende Anteil der Sojaernte wird zur Sojaölgewinnung eingesetzt. Das verbleibende Sojaschrot (rund 80 Prozent der Masse) wird aufgrund des hohen Eiweißgehalts zu 98 Prozent in der Tierproduktion verfüttert.

Das gewonnene Sojaöl wird zum größten Teil als Speiseöl genutzt und zahlreichen Fertigprodukten beigemengt. Sojaschrot kann beispielsweise zu Bratlingen weiterverarbeitet werden. Sojalecithin (E322), ein fettähnlicher Stoff, ist als Emulgator in zahlreichen Lebensmitteln, etwa in Schokoladenprodukten, enthalten.

Weitere verbreitete Produkte sind: Tofu, Sojasauce, Sojamilch und Sojajoghurt. In fermentierter Form sind besonders verbreitet: Miso, Tempeh, Nattō oder Yuba und dessen Variante Bambus (engl.: bamboo).

Auch in Kosmetika, Lacken und Farben verbirgt sich Sojaöl. Und es dient als Rohstoff für Biodiesel. Ob in der Küche, im Bad, in der Werkstatt oder beim Autofahren, die Bohne begleitet uns – meist unbemerkt –  auf Schritt und Tritt.  In rund 30.000 industriell erzeugten Produkten ist sie enthalten.

Handelsströme von Sojabohnen, Sojaöl und Sojaschrot 2019
Handelsströme von Sojabohnen, Sojaöl und Sojaschrot 2019

Quelle: OVID 2020

Als Nachwachsender Rohstoff ist Sojaöl Grundstoff etwa für Lacke, Farben, Wasch- und Putzmittel, Schmierstoffe, Weichmacher, kosmetische Produkte. Aus Sojaöl können auch Biokraftstoffe gewonnen werden (vor allem in den USA).

Die Produktion von Soja erfolgt in den USA und Südamerika vorwiegend in großen industrialisierten Betrieben, in Asien und Afrika eher in Kleinbetrieben.

Anders als bei Palmöl und Zuckerrohr konzentrieren sich die großen Sojaproduzenten weitgehend auf den Anbau und nicht auch um seine Verarbeitung. Der argentinische Konzern El Tejar kontrolliert in Brasilien, Argentinien, Paraguay, Bolivien und Uruguay 700.000 Hektar, zu weiten Teilen über Pachtverträge und Vertragsanbau. Der wichtigste Konzern ist Amaggi. Er produziert auf 220.000 Hektar eigener Fläche Soja. Sein Chef Blairo Maggi ist zugleich Gouverneur des brasilianischen Staates Mato Grosso.

Um die Kontrolle der Verarbeitung von Ölsaaten zu Futter und Agrodiesel kämpfen brasilianische Konzerne - die staatliche Petrobras und die privaten Vanguarda Agro und Granol - mit westlichen Rohstoffhändlern (etwa Archer Daniels Midland und Cargill) sowie mit chinesischen Importeuren wie der staatlichen Jiusan- oder der privaten Shandong-Chenxi-Gruppe aus dem wichtigsten Importland China. (Heinrich-Böll-Stiftung u. a. 2017)

Weltweit ist Soja die mit Abstand dominierende Ölsaat. Deren Erzeugung hat sich in den vergangenen Jahren fast linear erhöht und liefert über 65 % der hergestellten Ölnebenerzeugnisse. Die für das Wirtschaftsjahr 2019/20 geschätzte Welt-Sojabohnenernte liegt bei 336,6 Millionen Tonnen.

Der weltgrößte Erzeuger von Sojabohnen ist in 2019/20 Brasilien mit geschätzten 123,0 Millionen Tonnen, gefolgt von den USA mit 96,6 Millionen Tonnen und Argentinien mit 53,0 Millionen Tonnen. In Deutschland gewinnt die Rolle des Sojaanbaus weiter an Bedeutung. Der US-Agrarkonzern ADM betreibt in Straubing eine der größten Ölmühlen Deutschlands. Hier wird Raps und Soja verarbeitet, das aus der gesamten Donauregion bis von Rumänien per Schiff, Bahn und LKW angeliefert wird.

Weltweit bedeutendster Importeur von Sojabohnen ist China mit 85,0 Millionen Tonnen, mit weitem Abstand gefolgt von der EU mit 15,2 Millionen Tonnen. Deutschlands Importmenge für 2020 liegt bei 3,92 Mio. t.

Soja-Importe nach Deutschland, 2017v in %

Beinahe genauso bedeutend wie Raps als Importgut sind Sojabohnen, welche in Deutschland zu Öl und Schrot oder zu einem geringeren Teil als ganze Bohne im Mischfutter verarbeitet werden. Die mit Abstand wichtigsten zwei Handelspartner waren 2017 die USA mit 60 % (2016: 48 %) und Brasilien mit 31 % (2016: 31 %) Anteil an den Einfuhren.

Anm.: Werte in Klammern stellen die Anteile des Vorjahres dar.

Quelle: BLE

Konfliktfeld Gentechnik

Soja ist aus zwei Gründen seit Längerem in die politische Diskussion gekommen: Zum einen wird Soja großflächig in Südamerika angebaut, oft verbunden mit der Vernichtung von tropischem Regenwald. Zum anderen werden beispielsweise in den USA gentechnisch veränderte Sojabohnen angebaut, die resistent gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel (Glyphosat) sind. Diese Bohnen kommen undeklariert nach Europa (Gentechnik). Daher können Lebensmittelzutaten auf Sojabasis zu bestimmten Anteilen aus gentechnisch veränderten Sojabohnen hergestellt sein.

International gehandelte Soja-Rohstoffe stammen im Regelfall ganz oder anteilig aus gentechnisch veränderten Pflanzen. Gv-Sojabohnen werden in Brasilien, Argentinien und den USA großflächig angebaut. Aus diesen Ländern bezieht die EU einen großen Teil der Soja-Rohstoffe. Zutaten aus gentechnisch veränderten Pflanzen (Sojabohnen) sind kennzeichnungspflichtig. Zufällige, technisch unvermeidbare GVO-Beimischungen in den Soja-Rohstoffen bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent sind von der Kennzeichnung ausgenommen.

Einige Lebensmittelunternehmen verarbeiten ausschließlich herkömmliche Soja-Rohstoffe. Eine absolute, sich über alle Verarbeitungsstufen erstreckende Trennung zwischen konventionellen und gv-Sojabohnen ist jedoch technisch nicht möglich. Auch als „gentechnikfrei“ deklarierte Rohstoffe enthalten daher geringe GVO-Anteile. Diese können bis zu 0,9 Prozent betragen.

Die negativen Umweltauswirkungen beim Anbau in Südamerika sowie die starken Vorbehalte deutscher Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber der Gentechnik sind zwei gewichtige Gründe, verstärkt Soja auch in Deutschland anzubauen, um unabhängiger von Importen zu werden.

Dieses Ziel verfolgt auch die Bundesregierung, die im Rahmen der Eiweißpflanzenstrategie seit einigen Jahren unter anderem den Sojaanbau fördert. Tatsächlich ist die Sojaanbaufläche in Deutschland rasant gewachsen: von 1.000 Hektar im Jahr 2008 auf über 29.000 Hektar im Jahr 2019. Gemessen am enormen Futterverbrauch fällt das jedoch nach wie vor kaum ins Gewicht: die in Deutschland geernteten Sojabohnen decken gerade einmal zwei Prozent des hiesigen Bedarfs.

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Sojaschrot

Sojabohnen gehören zu den Ölsaaten. Bei ihrer Verarbeitung zu Öl entsteht als Nebenprodukt Sojaschrot. Dazu werden die Sojabohnen zerkleinert, erhitzt und das Öl herausgepresst. Es entsteht der sogenannte Presskuchen (Sojakuchen). Durch Zugabe eines Lösungsmittels wird auch das restliche Öl extrahiert und es entsteht Sojaextraktionsschrot (SES).

Die Verwendung von unbehandeltem Sojaschrot in Lebensmitteln ist sehr gering.

Sowohl Sojakuchen als auch Sojaextraktionsschrot sind als eiweißhaltiges Futtermittel nutzbar. Die rohe Sojabohne lässt sich hingegen nur sehr beschränkt einsetzen. Nur Rinder als Wiederkäuer sind in der Lage das Eiweiß aufzuschließen.

Im Vergleich mit anderen Ölschroten etwa aus Raps enthält Sojaschrot besonders viel Rohprotein (Eiweiß). Wenn die Sojabohnen vor der Verarbeitung geschält wurden, ist der Proteingehalt noch höher. Ein weiterer Vorteil ist auch die Zusammensetzung der essentiellen Aminosäuren, die für die Verdaulichkeit bei Schweinen und Geflügel notwendig sind.

Die wichtigsten Anbauländer für Sojabohnen sind Nord- und Südamerika. Führend sind die USA mit 125 Mio. Tonnen und Brasilien mit 121 Mio. Tonnen (2018/19). 95 bis 100 Prozent der in den Erzeugerländern geernteten Sojabohnen sind gentechnisch verändert.
Die EU führt jährlich etwa 15 Mio. Tonnen Sojabohnen und 20 Mio. Tonnen Sojaschrot ein. Sojaschrot kommt fast ausschließlich aus Südamerika, vor allem Brasilien. Aus den USA und Kanada werden Sojabohnen importiert.
Der Anbau von Sojabohnen in der EU ist mit nur 2,7 Mio. Tonnen (FAO, 2017) vergleichsweise gering.

solidarische Landwirtschaft

Als Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi, auch: Gemeinschaftshof, Landwirtschaftsgemeinschaft, Versorgungsgemeinschaft, v. a. in der Schweiz regionale Vertragslandwirtschaft, engl. Community Supported Agriculture, CSA) wird eine innovative Form der Vertragslandwirtschaft bezeichnet, bei der eine Gruppe von Verbrauchern auf lokaler Ebene mit einem Partner-Landwirt kooperiert. Viele solidarische Landwirtschaften folgen ökologischen Anbaumethoden.

Nach gemeinsam festgelegten Grundsätzen teilen sie die Kosten sowie die Produkte aber auch die Verantwortung und die Risiken, die aus der landwirtschaftlichen Produktion entstehen. Von der engen Verbindung von Produktion und Konsum werden positive Effekte auf die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit agrarischer System erwartet.

Die Verbraucher geben eine Abnahmegarantie (für 6 Monate oder ein Jahr) für die Produktion des Landwirtes und erhalten im Gegenzug Einblick und Einfluss auf die Produktion. In einigen Fällen geben die Verbraucher dem Landwirt auch ein zinsgünstiges Darlehen, um zum Beispiel den Aufbau des Hofes oder die Umstellung auf ökologische Produktion zu ermöglichen. Diese Partnerschaft unterstützt eine lokale Produktion und eine lokale Ernährung.

Die Lebensmittel der Landwirtschaft werden dabei nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen ein in einen eigenen, von Teilnehmerseite mit organisierten und finanzierten, durchschaubaren Wirtschaftskreislauf. Aufgrund des gemeinsamen Erfolgs und ebenfalls Risiko, erleben sowohl die ErzeugerInnen als auch die KonsumentInnen die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen und marktunabhängigen Landwirtschaft.

Eine CSA kann – als Ergänzung der bestehenden Betriebszweige oder als umfassendes, neues Betriebskonzept – für bestimmte Betriebe einen Ausweg aus dem Dilemma des „Wachsen oder Weichen“ bieten. Insbesondere Betriebe, die im Einzugsgebiet von Universitäts- oder Großstädten angesiedelt sind, können das Interesse der urbanen Bevölkerung an der Lebensmittelproduktion nutzen und sich durch die Integration der gesellschaftlichen Ansprüche an die Landwirtschaft in die tägliche Praxis einen Nischenmarkt erschließen, der eine zahlungsbereite und -kräftige Zielgruppe anspricht.

Weitere Informationen:

Solifluktion

Syn. Erdfließen, Bodenfließen; Bezeichnung langsame Massenbewegungen wassergesättigten Materials hangabwärts. Solifluktion tritt als langsame, großflächige Fließbewegung von lockerem Gesteinsmaterial im Oberboden auf und steht in Zusammenhang mit periglazialen Prozessen (Wechsel von Frost und Auftauen). Solifluktion ist für periglaziale Gebiete charakteristisch und hier der wichtigste Abtragungs- und Transportprozess, jedoch nicht auf diese beschränkt.

Ursache ist das Auftauen von Oberbodenschichten bis etwa einem Meter Tiefe (in Ausnahmen bis zu zwei Meter) bei einer gewissen Neigung des Reliefs. Die Auftauschicht (der active layer: „aktive Schicht“) des Bodens ist meist wassergesättigt, da insbesondere der Permafrost – in wärmeren Klimaten das Gestein oder bestimmte Böden im Untergrund – ein Versickern des Wassers verhindern. Die Wassersättigung setzt die Reibung im Bodenmaterial herab, was die hangabwärtsgerichtete Fließbewegung ermöglicht. Solifluktion wirkt schon bei sehr flachen Hängen ab ca. 2° Neigung, ist jedoch typisch für Neigungswinkel von 17 bis 27°.

Man unterscheidet zwischen gebundener Solifluktion bei vegetationsbedeckter Oberfläche und ungebundener Solifluktion bei weitgehend vegetationsloser Oberfläche. Typische Formen der gebundenen Solifluktion sind Solifluktionsloben (wulstförmige Zungen) und Solifluktionsterrassen, die durch die Behinderung der Massenbewegung durch Vegetation entstehen (Rasenwälzen). Die Formen ungebundener Solifluktion kann man in geregelte und ungeregelte Solifluktionsformen unterteilen. Ungeregelte Solifluktion verursacht die Bildung von so genannten amorphen Solifluktionsschuttdecken, wie sie für das Periglazial Mitteleuropas typisch sind. Während Schuttloben und Blockzungen aufgrund ansatzweiser Sortierung (Konzentration von Grobmaterial im Stirnbereich) als Übergangsstadium anzusehen sind, sind die Formen geregelter Solifluktion durch Zusammenwirken von Solifluktion und Frostsortierung entstanden (Frostmusterboden). Nichtsortierte Streifen sind Vegetationsstreifen mit zwischen geschalteten vegetationsfreiem Feinmaterial. Sortierte Streifen bestehen aus Streifen von Fein- und Grobmaterial, welche sich abwechseln. Die Streifen sind dabei immer gefälleparallel.

Da Prozesse der Solifluktion außerhalb der subpolaren Gebiete vor allem zwischen der Wald- und Schneegrenze der Hochgebirge auftreten, wurde hierfür der geomorphologische Begriff der Solifluktionsstufe gebildet.

Soll

Pl. Sölle, auch Toteisloch; Bezeichnung für kleinräumige, abflusslose Hohlformen von wenigen Metern bis maximal einigen hundert Metern Durchmesser im Bereich der jungpleistozänen Grundmoräne, z. B. im nordostdeutschen Tiefland, aber auch im Alpenvorland. Sie sind meist wassergefüllt, später auch vermoort oder verlandet und geben Hinweise auf die ehemalige Vergletscherung einer Landschaft.
Sölle sind in der Regel kreisrund oder oval und finden sich in meist offener Landschaft. Sie zählen zu den Stillgewässern und besitzen für gewöhnlich keinen oberflächlichen Zu- und Abfluss. Zwischenzeitliches Trockenfallen, vor allem in den Sommermonaten, ist für viele Sölle typisch.

Entstehung

Wenn ein Gletscher niederschmilzt, geschieht dies nicht überall gleich schnell. Ein Gletscherkörper zerfällt in mehrere Blöcke, die sich wiederum in kleinere Eiskörper teilen. Daher ist es möglich, dass sich Eis bildet, das mit dem eigentlichen Gletscher nicht mehr verbunden ist. Man spricht dann von Toteis. Dieses kann durch fluvioglaziale Sedimente überlagert werden und dadurch noch für längere Zeit, auch wenn die Verhältnisse zur Eisbildung nicht mehr gegeben sind, weiterhin existieren. Steigen die Temperaturen weiter an, beginnt jedoch auch dieses Eis zu schmelzen, die Sedimentüberdeckung in den Bereich des ehemaligen Eisvolumens sackt nach und es entstehen Mulden, die Sölle genannt werden. Sölle kommen in aller Regel vergesellschaftet vor.

Gefährdung und Schutz

Da jungpleistozäne Landschaften, beispielsweise in Nordostdeutschland, aufgrund ihrer fruchtbaren Böden intensiv ackerbaulich bewirtschaftet werden, sind Sölle in ihrem Fortbestand als Biotop und Geotop oft stark gefährdet. Ackernutzung findet meist ohne einen abpuffernden Schutzstreifen bis an den Rand der Hohlform statt. Das überreiche Nährstoffangebot der intensiven Landwirtschaft verändert die Zusammensetzung der Pflanzenwelt innerhalb des Solls. Nährstoffliebende, biomassereiche Arten der Röhrichte und Hochstaudenfluren (Rohrkolben, Brennnesseln u. a.) breiten sich zu Lasten konkurrenzschwächerer Pflanzen aus. Oft sind starke Verlandungs- und Verschlammungserscheinungen aufgrund der Eutrophierung zu beobachten. Algenblüten führen zur Sauerstoffzehrung und zum „Umkippen“ des Gewässerchemismus.
In Unkenntnis wurden früher Sölle sogar im Zuge von „Meliorationsmaßnahmen“ und Flurbereinigungen komplett eingeebnet und umgepflügt, was aber oft nicht gelang. Wegen des verdichteten Untergrundes neigen solche Stellen weiterhin zur Vernässung und erlauben keinen geregelten Ackerbau.
Sölle gehören in Landesnaturschutzgesetzen (z. B. Brandenburgs) zu den per se geschützten Biotoptypen (§ 32 Abs. 1 Nr. 1 BbgNatSchG) in der Gruppe der Kleingewässer, wenn sie nicht größer als ein Hektar einschließlich der Ufervegetation sind und ständig Wasser führen.

Solonchak

Solonchaks (von russ. sol=Salz) sind trockene, zum Teil periodisch überflutete Salzböden mit lockerer Struktur und hohem Gehalt an wasserlöslichen Salzen sowie entsprechend hoher elektrischer Leitfähigkeit.

Der hohe Salzgehalt entsteht durch aszendente Salzzufuhr aus dem oberflächennahen Grundwasser oder in Küstennähe durch Einwehung bzw. Einspülung durch Schichtfluten. Solonchaks sind typische Böden heißer, semiarider bis arider Klimate mit salzreichem Grundwasser in geringer Tiefe, die hauptsächlich in Senken und Depressionen sowie entlang der Meeresküsten vorkommen.

Als natürliche Vegetation kommen nur salztolerante Pflanzen (Halophyten) vor.

Auf Solonchaken ist eine pflanzenbauliche Nutzung nach Auswaschung der Salze möglich. Bei Bewässerung wird allerdings häufig neues Salz zugeführt. Eine Ausspülung mit Frischwasser kann dort erfolgreich sein, wo der Untergrund durchlässig ist und der Grundwasserspiegel tief liegt oder ein Kanalsystem für die Ableitung von Überschusswasser verfügbar ist.

Sommerfeldbau

Bezeichnung für den Jahreszeitenfeldbau der gemäßigten Zone mit Beschränkung auf die N-Halbkugel. Ausnahmen sind kleine Gebiete in SO-Australien, Tasmanien, Neuseeland, Südafrika und Südchile. Dem Sommerfeldbau vergleichbar sind die Winterregenfeldbaugebiete der Subtropen und die Sommerregenfeldbaugebiete der äußeren Zenitalregenzone.

Sommerfeuchte Tropen

Die Zone der Sommerfeuchten Tropen, auch Wechselfeuchte Tropen genannt, ist eine der neun weltumspannenden Ökozonen nach J. Schultz (2016). Nach der vorherrschenden Vegetation kann diese Ökozone in die Landschaftstypen Feuchtsavanne, Trockensavanne, Dorn(strauch)savanne (Schultz bezieht diese Zone aus hygrischen Gründen nicht mit ein), Tropischer Trockenwald und Monsunwald untergliedert werden. Sie erstreckt sich zwischen den Regenwäldern am Äquator und den Tropisch/subtropische Trockengebieten, und sie nimmt heute etwa 16,4 % der irdischen Landoberfläche ein.

Anfang des 21. Jahrhunderts sind davon noch etwa 20 % in einem weitgehend naturnahen Zustand.

Die Grenzen der Sommerfeuchten Tropen sind in der Realität fließend, so dass eine exakte Ausdehnung nicht festgelegt werden kann. Jedenfalls decken sie jenen Teil der tropischen Klimazone ab, welcher durch eine starke Niederschlagsvariabilität gekennzeichnet ist. Flächenmäßig ist dies der weitaus größte Teil der Tropen. Die Regenzeiten und Trockenzeiten sind bedingt durch das jahreszeitliche Pendeln der innertropischen Konvergenzzone zwischen dem nördlichen und südlichen Wendekreis.

Klimatische und pedologische Bedingungen in Stichworten

Vegetation in Stichworten

Landnutzung

Das natürliche Agrarpotential ist größer als in den polwärts und äquatorwärts benachbarten Ökozonen. Entsprechend sind die Sommerfeuchten Tropen die am dichtesten bediedelten und bevorzugt agrarisch genutzten Räume der Tropen (abgesehen von SO-Asien, wo auch einige der vormals mit Regenwald bedeckten Gebiete hohe Bevölkerungsdichten aufweisen).

Die agrare Nutzung profitiert von relativ hohen Niederschlägen (im Vergleich zu den Tropisch/subtropischen Trockengebieten) sowie fruchtbareren Böden und höherer Sonnenscheindauer (gegenüber den Immerfeuchten Tropen).

Länge und Ergiebigkeit der Regenzeit reichen überall in den Sommerfeuchten Tropen (einzelne Jahre ausgenommen) für einen Regenfeldbau zahlreicher Nutzpflanzenarten aus, z.B. für Mais, Sorghum, mehrere kleinkörnige Hirsearten (millets), Baumwolle, Erdnüsse, Reis, verschiedene Bohnenarten und Süßkartoffeln (Bataten). Andererseits können wegen der saisonalen Trockenzeiten von mindestens dreimonatiger Dauer nur annuelle Arten angebaut werden, sofern nicht ergänzend bewässert wird (wie durchweg beim Zuckerrohr) oder relativ trockenresistente Arten verwendet werden (z.B. Cassava/Maniok und Sisal). Dauerkulturen von feuchteanspruchsvolleren Nutzpflanzen, z.B. Kaffee und Tee, gedeihen nur in den Höhengebieten, die von orographisch bedingten Steigungsregen oder von Nebelbildungen während der Trockenzeiten profitieren.

Kleine Betriebe mit hoher Anbauvielfalt und Tierhaltung herrschen im Allgemeinen vor, wobei die Integration von Pflanzenbau und Viehhaltung traditionell schwach ist. Erst in jüngeren Jahren hat sich dies mit der zunehmenden Verwendung tierischer Zugkraft für das Pflügen und des Dungs zur Bodenverbesserung verbessert. Ein Futterbau fehlt noch weithin. Allerdings nutzt das Vieh gewöhnlich die Ernterückstände und die Bracheflächen als Weide. Ansonsten werden die Rinder, Schafe und Ziegen in pflanzenbaulich ungenutzte und dann allgemein zur Weidenutzung verfügbare Savannenareale getrieben.

Der Ackerbau wird weithin noch heute in der traditionellen Form einer Landwechselwirtschaft betrieben. Hierbei werden die Felder nach mehrjähriger Nutzung für eine mehr oder weniger lange Zeit aufgelassen oder in einer mehr oder weniger geregelten Weise als Viehweide genutzt (Wechselweidewirtschaft, ley farming), damit sie die Bodenfruchtbarkeit regenerieren kann.

Innerhalb der traditionell durch Regen- oder Bewässerungsfeldbau genutzten Savannengebiete sind vielerorts - meist inselhaft oder entlang moderner Verkehrswege - kommerzialisierte Betriebe entstanden, die sich als spezialisierte Acker- oder Dauerkulturwirtschaften dem relativ großflächigen Anbau jeweils einer einzelnen oder von wenigen Nutzpflanzen (u.a. Mais, Sorghum, Tabak, Erdnüsse, Baumwolle, Weizen, Kaffee, Tee, Sisal) widmen oder auch einer mehr oder weniger intensiven Mast- oder Milchrinderwirtschaft.

In Savannengebieten, in denen große unbesiedelte Räume verfügbar waren, wie z.B. in Nordaustralien, mehreren lateinamerikanischen Ländern (Brasilien, Paraguay, Venezuela, Kolumbien, Mexiko) und Afrika (Kenia, Angola) konnten sich extensive Weidesysteme in Form des Ranching mit Rindern etablieren. Verschiedentlich gibt es Versuche mit einer Wildbewirtschaftung (game ranching), z.B. in Afrika mit Elenantilopen (Eland), in Australien mit Kängurus und in Südamerika mit Capybaras (Wasserschweine).

Sommergetreide

Getreideformen (z.B. Hafer), die ohne einen Kältereiz schossen (Beginn des Höhenwachstums) und somit im Frühjahr gesät werden. Sie sind in unseren Breiten den relativ früh einsetzenden Langtagbedingungen ausgesetzt, wodurch ihre vegetative Entwicklung, besonders die Bestockung (Fähigkeit von Gräsern und Getreidepflanzen, mehrere Seitensprosse - Halme - hervorzubringen), stark verkürzt wird. Die dadurch bedingte Ertragsminderung muß über eine erhöhte Saatmenge ausgeglichen werden. Außerdem sollte Sommergetreide möglichst früh ausgesät werden, um eine möglichst lange Vegetationsperiode zu erreichen.

Die Tendenz geht wegen der höheren Erträge dahin, Wintergetreide anzubauen.

(s. a. Getreide).

Sommerung/Sömmerung

1. Auch Almbestoßung bzw. schweizerisch Alpbestossung; der sommerliche Weidegang von Nutztieren (Schafe, Ziegen, Kühe, Rinder, Pferde) auf einer Alm/Alp bezeichnet. Diese Phase der Almwirtschaft wird zu den Formen der extensiven Viehwirtschaft gezählt.

Die Bestoßung der meist im Kollektiveigentum (Allmenden) befindlichen und als Genossenschaften organisierten Alpen ist seit Jahrhunderten in Alpordnungen geregelt und wird vom Alpvogt kontrolliert, um eine gerechte Nutzung zu gewährleisten und eine Übernutzung zu vermeiden.

Die Abwesenheit der Tiere ermöglicht dem Talbetrieb den Vorrat für den Winter zu schaffen. Der Alpaufzug und -abzug erfolgt vielfach in Etappen (Dreistufenform), im Frühling und Herbst in tieferen Lagen (Maiensäss) und im Sommer auf den höheren Lagen (Oberstaffel).

Das Sömmerungsgebiet ist ein bedeutender Teil der Kulturlandschaft und befindet sich in den Alpen, Voralpen und im Jura. Schutz und Pflege der Weiden im Sömmerungsgebiet helfen Naturkatastrophen (Lawinen, Erdrutsche, Erosion) zu verhüten und dienen dem Tourismus. In der Schweiz werden die Bauern dafür durch staatliche Direktbeiträge (Sömmerungsbeitrag) entschädigt.

2. In der Landwirtschaft gebräuchliche Bezeichnung für die im Frühjahr ausgebrachte Saat von Sommergetreide. (Gegensatz: Winterung).

3. Eine mit Sommergetreide bestellte Zelge.

(s. a. Almwirtschaft)

Sonderkultur

Gruppe von Früchten, denen gemeinsam ist, daß sie in die übrige Einteilung des Bodennutzungssystems "Hackfrüchte", "Getreide", "Futterpflanzen" nicht hineinpassen, mit besonders großer Sorgfalt und häufig mit großem Arbeitsaufwand kultiviert werden sowie zum großen Teil außerhalb der sonst üblichen Fruchtfolge stehen. Zumeist handelt es sich um Dauerkulturen wie Obst, Wein, Hopfen, Dauer-Gemüsekulturen (Rhabarber, Spargel), Tabak, Farb-, Arznei-, Gewürz- und Aromapflanzen. Oft wird auch der Feldgemüseanbau dazugerechnet.

Beispiele für Sonderkulturgebiete in Deutschland sind u.a.:

Kennzeichnend für Sonderkulturen ist häufig ihre hohe räumliche Dichte und ihr hoher Arbeits- und Kapitaleinsatz. Sonderkulturen können in den Kernbereichen der Sonderkulturgebiete Anteile von nahezu 90 % der LN erreichen, während sie im Bundesdurchschnitt nur wenige Prozent der LN in Anspruch nehmen. Beim Obstanbau rechnet man beispielsweise mit einem Kapitalaufwand von 250.000 bis 400.000 DM pro Arbeitskraft, einem Wert, der durchaus im industriellen Maßstab liegt. Der durchschnittliche Arbeitskräftebesatz beträgt für Gemüsebau 0,9, Obstbau 0,25, Baumschulen um 1, Zierpflanzen 1,4 AK pro ha LN. Die gesamte Agrarwirtschaft benötigt im Schnitt 0,042 AK/ha LN.
Zur Erklärung der Standorte von Sonderkultur-Agglomerationen ist wie im sekundären Sektor zu unterscheiden nach den standortbestimmenden Faktoren der Entstehungsphase und jenen der aktuellen Situation. In der Regel wird ein unterschiedlich gemischtes Faktorenbündel für konkrete Standorte verantwortlich sein. Physisch-geographische Faktoren sind dabei nur gelegentlich dominant.

Zu den Einflussgrößen auf Standorte von Sonderkulturen gehören unter anderen:

(s. a. Standortfaktoren in der Agrarwirtschaft)

Weitere Informationen:

Sonnenblume

Landwirtschaftliche Nutzpflanze zur Ölgewinnung (Ölfrüchte). Sonnenblumenschrot wird auch als Viehfutter verwendet. Die Anbaufläche betrug 2020 in Deutschland 28.000 ha (entspricht ca. 0,2 % der Ackerfläche).

Herkunft

Die wilde Sonnenblume war ursprünglich von Nord- bis Mittelamerika verbreitet. Archäologische Ergebnisse zeigen, dass die Sonnenblume etwa 2500 v. Chr. in der Region des Mississippi und auch in Mexiko-Stadt angebaut wurde. Die fettreichen Samen dienten der Ernährung. Samen der Sonnenblume wurden 1552 von spanischen Seefahrern aus Amerika nach Europa gebracht, wo sie zunächst als Zierpflanze angebaut wurde. Im 17. Jahrhundert verwendete man die Kerne in Backwaren. Erst seit dem 19. Jahrhundert wird sie auch als Ölfrucht genutzt.

Merkmale

Die Sonnenblume ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Sonnenblumen (Helianthus) in der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Die Größe dieser einjährigen, krautigen Pflanze variiert sehr stark, sie erreicht bis zu 5 m Höhe. Sie bildet keine Knollen. Der Stängel ist rau behaart. Der mächtige Blütenstand besitzt 1.000–2.000 Einzelblüten. Die nickenden Blütenkörbe weisen einen Durchmesser von 10 bis 40 Zentimetern auf. Sie setzen sich aus Zungen- und Röhrenblüten zusammen. Die intensiv gelben Zungenblüten am Rande sind steril, während die inneren blassgelben Röhrenblüten die Samen liefern. Sonnenblumen sind überwiegend Fremdbefruchter, Insektenflug ist daher wichtig. Interessant ist, dass sich die Blütenknospen und Blätter der Sonnenblume dem Tageslauf der Sonne anpassen, sie drehen sich der Sonne entgegen (Heliotropismus). So nimmt die Sonnenblume mehr Sonnenlicht auf und steigert ihre Photosyntheseleistung um 10 %. Der Samen der Sonnenblume ist eine Achäne, eine besondere Form der Nuss. Die Farbe der Sonnenblume kann stark variieren. Bei landwirtschaftlich genutzten Sonnenblumen liegt der Ölgehalt der Frucht zwischen 48 und 52 %, der Gehalt an Rohprotein bei 19 %.

Die Sonnenblumen lassen sich in vier Typen unterteilen:
Der Öltyp weist besonders viele Röhrchenblüten auf. Die Sonnenblumenkerne besitzen einen sehr geringen Schalenanteil. Für einen Liter Öl werden die Kerne von rund 60 Sonnenblumen benötigt.
Der Futtertyp bildet besonders viel Blattsubstanz aus und findet Verwendung als Futterpflanze sowie zur Gründüngung.
Der Ziertyp wächst in Gärten und besitzt oft mehrere Blüten pro Pflanze.
Der Speisetyp zeichnet sich durch große und locker sitzende Kerne aus.

Zu erwähnen sind auch neue transgene Sorten, die gegen einige Krankheiten immun sind.

Anbau

Voraussetzung zum erfolgreichen Anbau zu Nutzzwecken ist ein tiefgründiger, humus- und nährstoffreicher Boden (insbesondere Kalium und Bor, Stickstoffdüngung ca. 100 kg N/ha) mit ausreichender Wasserversorgung (Wasserbedarf 400 bis 500 ml) und einer Wärmesumme während der Vegetationszeit der Sonnenblume von April bis September von mindestens 14 °C (bezogen auf eine Bezugstemperatur von 6 °C, wenigstens jedoch 5 °C). Die Aussaat erfolgt bei 7 bis 8 °C Bodentemperatur Anfang April mit einem Reihenabstand von 75 cm und einem Abstand in der Reihe von 45 cm.

Allerdings reagieren die Pflanzen von Beginn der Knospenbildung bis zum Abschluss der Blüte sehr empfindlich auf Wassermangel. Fehlt in dieser Phase Wasser, ist mit deutlichen Ertragsrückgängen zu rechnen.

Wichtig sind zudem trockene Bedingungen während der Ausreife, die in der Regel im September erfolgt. Stärkere Niederschläge in dieser Phase begünstigen Infektionen durch Pilze oder Bakterien und können zum unerwünschten Abknicken von Körben und Stängeln führen.

Bei einer Saatdichte von 6 bis 7 Pflanzen/Quadratmeter wachsen pro Hektar 60.000 bis 70.000 Sonnenblumen. Der Erntezeitpunkt ist meist Anfang September erreicht. Die Ernte erfolgt mit auf die speziellen Anforderungen des Sonnenblumendrusches umgerüsteten Mähdreschern.

Sonnenblumen sind gut geeignet zur Auflockerung der Fruchtfolge und verfügen über einen hohen Vorfruchtwert, der etwa dem von Hackfrüchten entspricht.

Nutzung

Ab dem 17. Jahrhundert verwendete man die Kerne für Backwaren oder geröstet als Ersatz für Kaffee und Trinkschokolade. In Russland und auf dem Balkan werden geröstete Sonnenblumenkerne als sogenannte „Semetschki“ gegessen. Ein ähnliches Produkt, die „pipas de girasol“, ist in Spanien sehr beliebt und in der Türkei ist das Produkt unter dem Namen „Çekirdek“ bekannt. Die gerösteten Sonnenblumenkerne sind abgepackt in Tüten zu kaufen und werden unterwegs zerbissen und gegessen, die Schalen werden ausgespuckt.

Sonnenblumenkerne werden auch zur Keimung verwendet und entfalten dabei umso mehr ihre Inhaltsstoffe. Daneben spielt die Verwendung als Vogelfutter eine große Rolle. Hauptanbauländer waren 2017 die Ukraine, Russland und Argentinien.

Vielfach werden Sonnenblumenkerne in gerösteter, geschälter Form in Back- und Süßwaren verarbeitet und sind Bestandteil vieler Müslimischungen.

Die wichtigste Verwendungsform der Sonnenblumenkerne liegt in der Herstellung von Sonnenblumenöl. Sonnenblumenöl eignet sich hervorragend für Salate und findet ausgiebige Verwendung beim Backen, Kochen und Dünsten. Aufgrund des hohen Anteils an essenzieller Linolsäure ist das Öl für die menschliche Ernährung sehr wertvoll.

Sonnenblumenschrot das bei der Ölgewinnung in Ölmühlen anfällt wird  als Viehfutter verwendet.

Für technische Zwecke ist hingegen ein hoher Ölsäuregehalt wichtig. So genannte Hoch-Ölsäure-Sonnenblumen enthalten 80-90 % Ölsäure, während die übrigen Sorten nur 25 % aufweisen. Technische Ölsäure ist in der chemischen Industrie ein wichtiges Ausgangsprodukt für zahlreiche Erzeugnisse.

Wirtschaftliche Bedeutung

Weltweit wurden 2018 Sonnenblumen auf 26,7 Mio. ha angebaut. Die Sonnenblume ist damit die Ölpflanze, die weltweit die drittgrößte Anbaufläche einnimmt, nach Sojabohnen (124,9 Mio. ha) und Raps (37,6 Mio. ha) und vor Ölpalmen und Olivenbäumen. In Deutschland betrug die Anbaufläche 28.100 ha im Jahr 2020. Gleichwohl bleibt die Sonnenblume damit eine Seltenheit unter den Kulturpflanzen und ist ähnlich häufig vertreten wie Süßlupine (21.900 ha Anbaufläche) oder Sojabohne (32.900 ha).

Laut der FAO wurden im Jahr 2018 weltweit 51.954.779 Tonnen Sonnenblumenkerne geerntet. Die zehn größten Produzenten brachten 84,7 % der Welternte ein.

Die weltgrößten Produzenten waren 2018 die Ukraine (14.165.170 t), Russland (12.755.725 t), Argentinien (3.537.545 t), Deutschlna lag auf Position 37 mit 31.000 t.

Sonderkulturbetrieb

Landwirtschaftlicher Betrieb, der auf mindestens 10 % seiner LF Sonderkulturen anbaut.

Sorghumhirse

Bezeichnung für die Arten der Gattung Sorghum aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) bezeichnet. Die wirtschaftlich bedeutendste Art ist die Mohrenhirse (Sorghum bicolor), die das wichtigste Getreide in Afrika (insbes. Sahelzone) ist und auch in Südeuropa, Zentralamerika und Südasien angebaut wird. Es wird vornehmlich für die Produktion von Mehl und als Futter für Vieh verwendet.

2016 wies dies Sorghumhirse die fünftgrößte Anbaufläche weltweit auf – nach Weizen, Mais, Reis und Gerste. Sie stammt ursprünglich aus Ostafrika und ist an heißes und trockenes Klima angepasst.

Eine weitere bekannte Art ist das vor allem als Futterpflanze, aber auch als Energiepflanze eingesetzte Sudangras (S. sudanense). Als Vogelfutter wird ebenfalls die Mohrenhirse verwendet.

Zunehmende Bedeutung haben Sorghumhirsen als nachwachsende Rohstoffe. In den USA wird aus Zuckerhirse Bioethanol hergestellt. Eine parallele Nutzung der Fasern (Faserhirse) ist möglich, z. B. zur Produktion von Faserplatten. In Deutschland wird die Nutzbarkeit von Zuckerhirse und Sudangras als Gärsubstrat zur Erzeugung von Biogas intensiv untersucht.

(s. a. Hirse)

Weitere Informationen:

Sorption

Auch Adsorption oder Sorptionskraft; Fähigkeit des Bodens, Pflanzennährstoffe an die Oberfläche der festen Teilchen (Tonminerale und Humus) zu binden (Adsorption) und wieder abzugeben (Desorption).

Sorptionskomplex

Verbindung von Ton und Humus in stabilen Feinkrümeln, die Nährstoffe binden und wieder an die Bodenlösung und Pflanzenwurzeln abgeben.

Sorptionsträger

Tonminerale und Huminstoffe, die als Bodenpartikel in der Lage sind, Nähstoffe an ihrer Oberfläche zu binden und wieder abzugeben.

(s. a. Sorption)

Sorte

Gruppe von Pflanzen einer Art, die sich untereinander sehr ähnlich sind, und die man von anderen Pflanzen der gleichen Zier- oder Nutzpflanzenart unterscheiden kann. Notwendige Unterscheidungsmerkmale gegenüber anderen Sorten der gleichen Art sind: Größe, Farbe, Menge und Musterung. Das Äquivalent des Begriffs in der Tierzucht ist die Rasse.

Nach der Definition des Internationalen Codes der Nomenklatur der Kulturpflanzen (2009) ist ein Cultivar (Kulturpflanzensorte) eine Menge (assemblage) von Pflanzen, die a) wegen einer Eigenschaft oder einer Kombination mehrerer Eigenschaften selektiert wurde, b) bezüglich dieser Eigenschaften [von anderen Pflanzen] verschieden, einheitlich und stabil ist und c) diese Eigenschaften bei zweckmäßiger Vermehrung beibehält (Artikel 2.3). Dabei kommt es nicht auf eine bestimmte Entstehungs- und Vermehrungsart an (Artikel 2.4).
Viele Pflanzensorten entsprechen solchen Cultivaren. Es gibt aber auch nicht wenige Pflanzensorten, die keine Cultivare sind, insbesondere die heute ökonomisch sehr bedeutsamen Hybridsorten gehören nicht dazu.

Die Stammform unserer Kultursorten sind in der Regel andere Kultursorten, die letztlich auf ein oder (seltener) mehrere Domestizierungs-Ereignisse zurückgehen, bei der Wildpflanzen erstmals in Kultur genommen worden sind. Daraus entstehen durch - bewusste oder unbewusste - züchterische Auslese zunächst sogenannte Landsorten. Man unterscheidet in Gartenbau, Feldbau, Weinbau und Waldbau nach Kultursorte bzw. Edelsorte, Wildsorte, Wildlinge.

Kultursorten

Kultursorten sind reinerbige oder veredelte Sorten, die der Mensch in der langen Geschichte der Pflanzenzüchtung aus vorgefundenen Wildsorten kultiviert hat. In neuester Zeit aber gibt es auch gentechnisch veränderte Organismen im Sinne einer Kultursorte, die sich in der Praxis aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten noch immer eng an eine „natürliche“ Pflanze anlehnen. Praktisch gesehen sind alle Kultursorten vom Menschen in ihrer genetischen Ausprägung (Genotyp) verändert, wenn auch mit rein züchterischen Methoden.
Saatgut einer Kultursorte wird einer Prüfung der Merkmale unterzogen, erhält eine Sortenzulassung, wird in eine – nationale sowie EU-weite – Sortenliste eingetragen, um angebaut bzw. gehandelt werden zu dürfen und erhält dann auch Sortenschutz. Dieser Einschränkung unterliegen nicht Sorten von Zierpflanzen (Blumen, Ziergehölze).

Bei Obst und Gemüse spielt die Vielfalt der Obst- und Gemüsesorten besonders bei Apfel und Kartoffel eine große Rolle. Ebenso bei Salatsorten, weil unter dem Sammelbegriff „Salat“ verschiedene Salatpflanzen zusammengefasst werden, z. B. Gartensalat (Lactuca), Feldsalat (Valerianella) und viele andere.

Wildsorten

Wildsorten sind Sorten von in der Natur frei vorkommenden Wildpflanzen. Sie bilden die Stammform der heute kultivierten Obstsorten.
Beispiele:

Viele Probleme des modernen Obstbaus lassen sich zurückführen auf die durch die lange Zuchtgeschichte entstandene genetische Armut der modernen Zuchtsorten, etwa mangelnde Anpassungsfähigkeit an veränderte Lebensumstände oder Schädlinge. Die ursprünglichen Stammformen ausfindig zu machen, um wieder zu einer Bereicherung des Genpools zu kommen, ist Gegenstand modernster Forschung. Typische Beispiele hierfür sind die Suche nach den Wildformen von Tomate, Mais und Kartoffel in den Hochlandgebieten der Anden. Auch hier kommt erschwerend dazu, dass meist nicht bekannt ist, ob die Wildsorte nicht schon ausgestorben ist, wie auch die für viele Weltgegenden noch sehr unvollständige taxonomische Aufnahme.

Wildlinge

Wildlinge sind wieder verwilderte Formen von Kulturpflanzen, sowohl als Einzelexemplar als auch als Wildpflanze, die eine stabile Population aufbaut und dabei meist auf das robustere Erscheinungsbild der ursprünglichen Stammform zurückverfällt, aber auch eine eigene stabile Unterart ausbildet.

Beispiele:

Sortenschutz

Der Sortenschutz regelt die Frage des geistigen Eigentums an einer Sorte. Dem Eigentümer steht bei einer Nutzung dieser Sorte eine Lizenzgebühr zu.

In Deutschland wird mit Sortenschutz ein im Sortenschutzgesetz rechtlich gesicherter Eigentumsanspruch auf Pflanzenzüchtungen bezeichnet. Dieser kann von jedem Ursprungszüchter oder Entdecker einer Sorte beantragt werden, welcher die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt (§ 15 SortSchG). Der Antrag muss beim Bundessortenamt gestellt und bearbeitet werden. Der Antragssteller wird nach Genehmigung durch das Bundessortenamt dann als „Sortenschutzinhaber“ bezeichnet (§ 16 SortSchG); er kann sein Recht auf jeden deutschen Staatsbürger übertragen (§ 11 SortSchG).

Wirkung des Sortenschutzes

Das Vermehrungsmaterial (also das Saatgut, Edelreiser oder Steckhölzer) der geschützten Sorte darf allein vom Sortenschutzinhaber der geschützten Sorte erzeugt, aufbereitet, in Verkehr gebracht, ein- oder ausgeführt werden (§ 10 SortSchG). Dieser Grundsatz gilt auch, wenn eine Sorte sich von der geschützten Sorte nicht deutlich unterscheiden lässt, oder deren Erzeugung die fortlaufende Verwendung der geschützten Sorte erfordert (z. B. Hybridsorten), des Weiteren wenn eine Sorte von der geschützten Sorte (Ausgangssorte) im Wesentlichen abgeleitet worden ist. Die Ausfuhr von Material einer geschützten Sorte, zum Zwecke der Vermehrung der Sorte in ein Land, das Sorten der Art, zu der die geschützte Sorte gehört, nicht schützt, ist ebenfalls nicht erlaubt.

Beschränkungen der Wirkung des Sortenschutzes

Alle genannten Einschränkungen gelten nicht für private nichtgewerbliche Zwecke und auch nicht für Versuchszwecke (§ 10a SortSchG). Dadurch ist zum Beispiel die Gewinnung von Saatgut einer geschützten Sorte für die Verwendung im eigenen Garten erlaubt. Ferner gilt der Sortenschutz nicht, wenn der Sortenschutzinhaber das Material selbst in Verkehr gebracht hat, oder dem In-Verkehr-bringen durch andere zugestimmt hat. Dies berechtigt aber nicht, nach dem Kauf selbst Saatgut einer geschützten Sorte zu züchten, um es anschließend weiterzuverkaufen. Auch bei der Ausfuhr einer geschützten Sorte in ein Land, das Sorten wie die der geschützten Sorte nicht schützt, zum Zwecke des Anbaus der Sorte (also nicht zu deren Zucht oder Weiterzucht) besteht kein Sortenschutz (§ 10b SortSchG).

Der Sortenschutz dauert 25 Jahre, bei Hopfen, Kartoffel, Rebe und Baumarten 30 Jahre von der Genehmigung des Schutzes an (§ 13 SortSchG).

Der internationale Sortenschutz (UPOV-Abkommen), der auch in der EU und in Deutschland in geltendes Recht umgesetzt wurde, eröffnet den Vertragsstaaten die Möglichkeit, in angemessenem Rahmen und unter Wahrung der berechtigten Interessen des Züchters das Züchterrecht in Bezug auf jede Sorte einschränken, um es den Landwirten zu gestatten, Erntegut, das sie aus dem Anbau im eigenen Betrieb gewonnen haben, im eigenen Betrieb zum Zwecke der Vermehrung zu verwenden. Dies kommt auch und gerade mittelständischen Züchtern zugute. Damit trägt der Sortenschutz auch zum Züchtungsfortschritt und zur Ernährungssicherung in weniger entwickelten Ländern bei. Der Umfang dieses „Landwirteprivilegs“ war vor allem in Deutschland und Frankreich umstritten.

Generell wirft der Sortenschutz auch ethische Fragen auf, da hier „geistiges Eigentum“ an biologischen Organismen beansprucht wird.

Der Sortenschutz steht – wie der Patentschutz – in einem Spannungsverhältnis zu dem Interesse der unmittelbar betroffenen Nutzer wie jenen traditionellen Pflanzenzüchtern und Bauernverbänden, welche für einen freien Zugang zu den vorhandenen Ressourcen, deren Erhaltung („Landsorten“; Aufrechterhaltung der Sortenzulassung nach Schutzablauf) und zum Nachbau vor allem in der Landwirtschaft einstehen einerseits und dem Interesse der Saatgut-Industrie und der auf Grüne Gentechnik spezialisierten Forschungsinstituten andererseits.

Im Verhältnis zu Entwicklungsländern wird nicht nur in Bezug auf Patente, sondern auch auf Sortenschutzrechte der Vorwurf der Biopiraterie erhoben. Zu den Auswirkungen des gewerblichen Rechtsschutzes auf die genetische Vielfalt ist vor allem die rechtlich nicht bindende Verpflichtung der FAO zu Pflanzengenetischen Ressourcen aus dem Jahr 1983 mit dem »Common Heritage«-Grundsatz von Belang. Den Sortenschutz allenfalls am Rand berührt die Problematik der Freisetzung genetisch manipulierten Materials.

Als freie Sorten oder auch freies Saatgut, werden Pflanzensamen und die hieraus wachsenden Pflanzen bezeichnet die für jeden Menschen bedingungslos zur jedweder möglicher Nutzung frei gegeben sind. Diese Idee wird von verschiedenen Initiativen vertreten, welche das Konzept des Sortenschutzes und des Patentrechtes in Frage stellen und einen Gegenpol zu Eigentum und Exklusivrecht setzen wollen. In Anlehnung an den im Softwarebereich verbreiteten Begriff Open Source wird dieses Saatgut teilweise auch als Open Source Saatgut bezeichnet.

Weitere Informationen:

Sowchose

Von der russischen Bezeichnung für Sowjetwirtschaft - sovetskoe chozjajstvo; eine von drei landwirtschaftlichen Betriebsformen (neben den Kolchosen und den sog. individuellen Nebenwirtschaften) der früheren UdSSR, die z. T. noch heute weiterbestehen, allerdings in anderer Rechtsform. Die Sowchose ist ein juristisch selbständiges, jedoch mit allen Produktionsmitteln in Staatsbesitz befindliches Unternehmen. Die Beschäftigten der Sowchose waren Lohnarbeiter, im Gegensatz zu den Genossenschaftsbauern der Kolchose. Die Sowchosen erreichten teilweise über 100.000 ha. Ca. 60% der landwirtschaftlich genutzten Fläche wurden durch Sowchosen bewirtschaftet.

(s. a. Volkseigenes Gut)

Sozialbrache

Unter Sozialbrache versteht man eine längerfristig nicht genutzte landwirtschaftliche Nutzfläche, die keiner anderen Verwendung zugeführt wurde wie etwa einer Bebauung. Die Bezeichnung Sozialbrache für solche Brache besagt, daß die Aufgabe der Flächennutzung aus gesamtwirtschaftlichen und sozialen Gründen wegen Wirtschaftswandel erfolgte, wenn z.B. Flächen ungenutzt bleiben, weil der Besitzer seine wirtschaftliche Lage durch eine außer-landwirtschaftliche Beschäftigung aufbessert. Entsprechend der Bezeichnung finden die vom früheren Bewirtschafter aufgelassenen Flächen nicht sofort einen Nachnutzer. Die Sozialbrache gilt als Übergangserscheinung, die prinzipiell nichts mit agrarökonomischer Unrentabilität einer Flächennutzung zu tun hat, wie dies bei der Aufgabe von Grenzertragsboden zutrifft. Sozialbrache ist auch keine Flächenstillegung.

Nicht selten verbirgt sich hinter einer Sozialbrache die Spekulation auf Verkaufsmöglichkeit als Bauland.
Verbreitet ist die Sozialbrache in Gebieten mit Realteilung (besonders im Stadtumland) und damit zusammenhängender Kleinbetriebsstruktur und Besitzzersplitterung.

Die Sozialbrache kennzeichnet ein landschaftlich sichtbar werdendes Stadium innerhalb einer Kausalkette sozialer Umschichtungsprozesse. Sie gibt einen sicheren Hinweis auf das Vorliegen von sozialen Entmischungsvorgängen.
Die Sozialbrache ist begleitet von einer wirklichen oder scheinbaren Hebung des Lebensstandards der früheren Bewirtschafter der betroffenen Flächen und ist keinesfalls durch eine Verminderung der Bevölkerungszahl bedingt. Insofern ist die Sozialbrache keinesfalls vergleichbar mit den spätmittelalterlichen Wüstungen von Siedlungen und Fluren.

Soziologie des ländlichen Raums

Spezialgebiet der Sozialwissenschaften, das sich mit Struktur und Veränderungen des ländlichen Raumes beschäftigt und viele Überschneidungen mit der Agrarsoziologie besitzt.

Der ländliche Raum hat sich in den letzten 200 Jahren grundlegend verändert, besonders jedoch in den letzten Jahrzehnten. Deutschland war bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Agrargesellschaft. Landwirtschaft war der wichtigste Wirtschaftszweig. Bis zu 80 % der Bevölkerung lebten und arbeiteten dort. 1900 waren es nur noch etwas über 38 %. Vor 200 Jahren konnten 10 Landwirte nur etwa zwei weitere Menschen mit Nahrung versorgen, 1950 waren es 10. 2013 konnte ein Landwirt 145 Menschen - unter Berücksichtigung eingeführten Futters sogar 155 Menschen - ernähren. 2015 waren nur noch 633.000 Menschen, also um 1,5 % der Erwerbstätigen, in der Landwirtschaft tätig. Die Dörfer in Westdeutschland haben sich von Bauerndörfern zu Wohnsiedlungen entwickelt. In der DDR versuchte man für die Landbewohner städtische Verhältnisse zu erreichen, sodass heute noch Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland zu bemerken sind.
Die Zahlen der (Selbst)versorgung schwanken von Jahr zu Jahr, vor allem witterungsbedingt.

(s. a. Agrarstruktur)

Spargel

Pflanzengattung innerhalb der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Spargel ist in Eurasien und Afrika weit verbreitet. Es gibt einige Arten und Kulturformen, die als Zierpflanzen verwendet werden. Die wirtschaftlich wichtigste Art der Gattung ist der Gemüsespargel (Asparagus officinalis). Officinalis heißt übersetzt „heilkräftig“ und verweist auf die Nutzung als Heilpflanze. Bereits Hippokrates empfahl Spargel gegen Zahnweh und bei Insektenstichen. Erst die Römer nahmen ihn in Kultur.

Verbreitung

Die Gattung Asparagus besitzt ein weites Verbreitungsgebiet in Eurasien und Afrika. Spargelpflanzen gedeihen von gemäßigten bis tropischen Gebieten. Das Zentrum der Artenvielfalt liegt an der Südspitze Afrikas im Florenreich der Capensis. In China kommen etwa 31 Arten, davon 15 nur dort vor, etwa 15 Arten davon kommen in Europa vor.

Beschreibung

Asparagus-Arten wachsen als ausdauernde, krautige Pflanzen oder Halbsträucher. Das Speicherorgan des Spargels liegt unter der Erde und bildet bis zu 3 Meter lange Wurzeln. Die aufrechten oder oft kletternden Stängel sind verzweigt; in den Achseln der Stängel und Verzweigungen werden laubblattähnliche, grüne Sprossachsen gebildet. Die Stangen werden umso kräftiger, je mehr Kohlenhydrate die grünen oberirdischen Pflanzenteile im Sommer mithilfe der Photosynthese produzieren und einlagern können. Denn die Sprosse treiben bereits vor der Ausbildung von neuem Spargelgrün aus.
Von Natur aus blüht Spargel ab Mitte Mai sechs Wochen lang. Im Spargelanbau verzögert sich die Blüte bis die Ernte am 24. Juni abgeschlossen ist. Setzt die Pflanze Beeren zu ihrer Vermehrung an, so reifen diese bis August/September rot aus und enthalten dann jeweils ein bis zwei Samen.
Der Spargel enthält 93 bis 94 Prozent Wasser, 1,95 Prozent Stickstoffsubstanzen, 0,14 Prozent Fett, 0,37 Prozent Zucker und 2,03 Prozent sonstige verdauliche Kohlenhydrate. Neben 92 Prozent Wasser und viel Ballaststoffen enthalten die Spargelstangen Vitamin C, die Blutbildung fördernde Folsäure, Mineralstoffe und Asparaginsäure. Eine Portion Spargel (500 Gramm) deckt rund 80 Prozent des Tagesbedarfs an Vitamin C und E. Vor allem der Eiweißbaustein Asparaginsäure verleiht dem Spargel entwässernde und die Nieren anregende Wirkung.
Außer dem Gemüsespargel als nahezu weltweit anzutreffende Nutzpflanze, wird im Mittelmeerraum seit Jahrhunderten eine weitere, dort wildwachsende Spargelart zu Speisezwecken genutzt: der Asparagus acutifolius. Seine Triebe werden ebenfalls im Frühjahr geerntet.

Grünspargel und Bleichspargel gehören zur selben Pflanzenart Asparagus officinalis. Da Bleichspargel aber unter Sonnenabschluss in Erddämmen angebaut wird, bleibt er weiß. Der Grünspargel wächst oberirdisch und bildet mit dem Austrieb Blattgrün aus.
Spargel wird nicht gentechnisch verändert. Gründe hierfür sind zum Beispiel die hohen Kosten und die Ablehnung der Verbraucher. Außerdem ist es gar nicht erforderlich: Die Züchtungsziele lassen sich durch geschickte Kreuzung erreichen.
Für den professionellen Spargelanbau werden inzwischen bevorzugt männliche Sorten verwendet. Sorten aus dem Profianbau werden zunehmend auch im Freizeitgartenbau genutzt.

Nutzung und Eigenschaften

Die frisch austreibenden Stängel des Gemüsespargels (Asparagus officinalis L.) sind ein geschätztes Gemüse. Einige Arten und Kulturformen werden in Gärten, auf Balkonen und in Räumen als Zierpflanzen verwendet.
Der Vitamin C-Gehalt von grünem Spargel ist höher als von weißem; dasselbe gilt für den Folsäuregehalt. Der geringe Fettgehalt und die gute Sättigungseigenschaft machen Spargel zu einem gesunden Gemüse. Die Ballaststoffe fördern eine gesunde Darmfunktion und der Eiweißbaustein Asparagin regt die Nierentätigkeit an. Zudem besitzt er ein kräftigeres Aroma, man braucht ihn kaum zu schälen und er wird schneller gar als die weiße Variante.

Standortbedingungen und Anbau

Spargel ist eine kapital- und arbeitsintensive Dauerkultur, die bis zu zehn Jahre bewirtschaftet wird, besondere Fachkenntnisse voraussetzt und spezifische Anforderungen an die Standortbedingungen stellt. Der Anbau ist an leichte, steinfreie Böden gebunden, die sich relativ leicht erwärmen und ein gutes Aufwachsen der Spargeltriebe in den eigens angehäuften Spargeldämmen erlauben. Die Anlage einer Spargelkultur setzt eine gute Vorbereitung des Bodens voraus. Dies dauert je nach Zustand des Bodens ein bis drei Jahre. Die Vorbereitung erfolgt durch Gründüngung und bei längerer Dauer auch mit Stallmist und Gülle. Der Boden sollte insgesamt eher leicht, also sandig sein. Dadurch erwärmt er sich besser, lässt den Wurzeln ausreichend Luft, und die Spargelstangen verformen sich nicht so schnell. Grünspargel gedeiht auch auf lehmigeren Böden. Mildes Klima ist dem Spargel förderlich, Spätfrostlagen und hoher Grundwasserstand sollten vermieden werden.

Immer weiter verbesserte Anbautechniken erleichtern die Kontrolle der Wachstumsbedingungen, die jedoch trotz allem unter erheblichen Witterungseinflüssen stehen, wie sich an den typischen Schwankungen der Saisonzeiten, Erntespitzen und Preise erkennen lässt. Diese besonderen Anforderungen an natürliche Standortbedingungen und Fachkenntnisse haben zur Ausprägung räumlicher Schwerpunkte des Anbaus geführt (vgl. Karte unten).

Die Pflanzung der Spargeljungpflanzen erfolgt mit Spezialmaschinen. Je nach Wuchsstärke der Sorte pflanzt man circa 3-4 Stück pro Meter. Der Reihenabstand beträgt beim Bleichspargel rund 180 cm, beim Grünspargel circa 150 cm. Im Sommer wird der Spargel gewässert, von Unkraut befreit und gedüngt, im Winter wird das Spargellaub abgeschnitten und entfernt. Das Wachstum des Spargels wird durch gezielte Düngergaben unterstützt. Im April des zweiten Standjahres wird die Bleichspargelanlage mit Spezialmaschinen aufgedämmt, beim Grünspargel entfällt diese Arbeit. Zwischen Mitte und Ende Mai ist eine erste, kurze Ernte möglich. Die weitere Pflege der Anlage erfolgt wie im ersten Jahr.
Ab dem dritten Standjahr der Anlage, werden die Dämme nach dem Errichten mit schwarz-weißer Folie abgedeckt, je nach Klima und Region in Kombination mit einem Tunnel. Mithilfe der Folie kann die Temperatur des Bodens und damit das Wachstum des Spargels gesteuert werden: Unter der schwarzen Seite der Folie erwärmt sich der Boden schneller und regt so einen früheren Austrieb des Spargels an. Dieser frühe Spargel kann zu besseren Erzeugerpreisen vermarktet werden. Die weiße Seite bewirkt, dass die Bodentemperatur unter der Umgebungstemperatur bleibt und verzögert somit das Wachstum. Auf diese Weise kann der Spargelanbauer Erntespitzen abbauen und für eine kontinuierliche Ernte sorgen. Die Spargelernte endet jährlich am 24. Juni, dem Johannistag, um den Spargelpflanzen bis zum Herbst ausreichend Ruhe für Wachstum und Anlage neuer Spargeltriebe zu geben.
Die genannten Arbeitsgänge wiederholen sich alljährlich, bis eine Anlage nach rund zehn Jahren im Ertrag deutlich nachlässt. Dann gilt sie als abgetragen und wird aufgelöst. Dabei werden die Spargelwurzeln mit einem speziellen Wurzelroder weitestgehend aus dem Boden entfernt. In den folgenden 10 bis 15 Jahren ist Spargelanbau an gleicher Stelle nicht möglich. Lange Zeit wurde über diese „Wiederanbaukrankheit“ gerätselt. Heute weiß man, dass sich im Ackerboden von Anbaujahr zu Anbaujahr immer mehr Pilzsporen ansammeln, die die Spargelwurzeln angreifen. Eine wirksame Bekämpfung gibt es bisher nicht.
Zu den negativen Begleiterscheinungen des Spargelanbaus gehört die zunehmende Landschaftsverschandelung mit Folien aller Art. Da sind zum einen die durchscheinenden Antitau- oder Thermofolien. Mit ihnen kann der Erntebeginn beschleunigt werden - und jeder Tag, den der Spargel früher auf den Markt kommt, ist bares Geld wert. Die schwarzen Folien wiederum sollen verhindern, dass die Spitzen durchbrechender Stängel Sonnenlicht abbekommen und sich so sofort violett verfärben. Anders als etwa in Frankreich gilt die Violettfärbung bei uns als Qualitätsmangel. Je Hektar werden im Schnitt sieben laufende Kilometer Folie verwendet.

Bedeutende Spargelanbaugebiete in Deutschland

Bedeutende Spargelanbaugebiete in Deutschland

Ein Blick auf die aktuelle Verbreitung der Spargelanbaugebiete in Deutschland zeigt die Gebundenheit an Standorte mit leichten Böden in den Altmoränenlandschaften des Norddeutschen Tieflands, am Niederrhein und im Oberrheingraben. Viele von Natur aus eher nährstoffarme und weniger ertragreiche Standorte für die Landwirtschaft konnten dank des Spargelanbaus aufgewertet werden. In Mittelgebirgsregionen ist Spargelanbau kaum vorzufinden und auf kleine Gunststandorte in Beckenlagen beschränkt. Eine kleinräumige Verbreitung des Anbaus ist darüber hinaus in Bayern zu finden, wo Spargel als regionale Spezialität geschätzt und mit geschützten geographischen Angaben der EU gekennzeichnet wird. Spargel aus bestimmten Herkunftsgebieten hat einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt, wie z.B. der Nienburger Spargel (Landkreis Nienburg in Niedersachsen) oder der Füchtorfer Spargel in der Münsterländer Bucht (Nordrhein-Westfalen).

Quelle: Nationalatlas aktuell (IfL)

Ernte

Überall dort, wo Spargelköpfe durch den Boden brechen, legen die Erntehelfer die Spargelstange frei und stechen sie mit einem speziellen Spargelstecher auf eine Länge von circa 22 Zentimetern ab. Der Spargel wird in Körben gesammelt, das Erdloch geschlossen und der Damm mit einer Kelle wieder geglättet. Die Körbe werden in Kisten entleert, die dann zum Waschen der Stangen, zur Sortierung nach Größe und Qualität sowie zur Vermarktung auf den Spargelhof gefahren werden. Bei warmem "Spargelwetter" muss am Nachmittag mitunter ein weiterer Erntegang erfolgen.
Weiße Spargelstangen – auch Bleichspargel genannt – werden geerntet, sobald sie den Boden durchstoßen, Grünspargel entwickelt seine charakteristisch gefärbten Spargelstangen dagegen oberirdisch.
Aufgrund der Ernteverfrühungsmaßnahmen beginnt die Spargelernte in Deutschland witterungsabhängig etwa im April. Pro Hektar werden drei bis vier Erntehelfer benötigt. Die Erntekosten machen rund 40 % der Erzeugerkosten aus.
Am Johannistag, dem 24. Juni, endet die Spargelernte. Danach wachsen die Pflanzen bis zum Ende der Vegetationsperiode ungehindert und betreiben Photosynthese. Die hierbei gewonnene Energie benötigt die Pflanze zum Wachstum und zur Anlage kräftiger Stangen für den Austrieb im Folgejahr.

Pflanzenschutz bei Spargel

Im Erwerbsanbau kontrollieren die Erzeuger ihre Anlagen regelmäßig, um einen Befall mit Schaderregern oder tierischen Schädlingen frühzeitig zu erkennen und entsprechend eingreifen zu können. An Spargel können zum Beispiel die Grauschimmelfäule Botrytis oder Rost auftreten, beides verursacht durch Pilze. Auch ein Befall mit Schadinsekten kann zu Ertragseinbußen führen. Hierzu gehören die Spargelfliege, das Spargelhähnchen und der Spargelkäfer. Ferner schadet Unkraut, das in Konkurrenz zum Spargel wächst, den Erträgen. Das kann durch mechanische Maßnahmen wie Hacken erfolgen. Auch das Abflämmen oder der Einsatz von Herbiziden ist möglich.
Bio-Spargelanbauer verzichten auf den Einsatz von Herbiziden und befreien ihre Felder von unerwünschtem Bewuchs durch mechanische Bodenbearbeitung wie Hacken und Grubbern. Tierische Schädlinge werden durch vorbeugende Maßnahmen oder mit natürlichen Pflanzenschutzmitteln reguliert. Gegen Pilzerkrankungen helfen, wenn nicht anders möglich, Kupferpräparate. Um einem Pilzbefall beim Spargellaub vorzubeugen, erweitern Bio-Landwirte den Reihenabstand in den Beständen. Sie verzichten damit zugunsten vorbeugender Pflanzengesundheit auf einen Teil ihres Flächenertrags, haben dadurch aber auch geringere Pflanzenschutzmittelkosten.

Wirtschaftliche Bedeutung

Spargel ist die Gemüseart mit der größten Anbaufläche in Deutschland. 2013 wurde auf rund 24.100 ha Spargel angebaut, davon standen 19.600 ha im Ertrag. Das entspricht einem Anteil von über 20 % der bundesdeutschen Anbaufläche von Gemüse im Freiland. Die wichtigsten Anbaugebiete sind Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. 2014 wurde in Deutschland mit 114.500 t Spargel eine Rekordmenge geerntet; der Flächenertrag betrug 5,6 t/ha.
Im Jahr 2016 wurden in Deutschland ca. 1.820 spargelanbauende Betriebe gezählt - davon besonders viele in den Bundesländern Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Hinsichtlich der Erntemenge von Spargel lag Niedersachsen auf dem ersten Rang - hier wurden im vergangenen Jahr mehr als 30.000 Tonnen des beliebten Gemüses geerntet.
Frischer Spargel ist von April bis Juni das begehrteste Saisongemüse. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch pendelt seit Jahren um 1,5 kg (Quelle: Statista, 2016).
Das mit Abstand bedeutendste Einfuhrland für Spargel ist Griechenland mit 42 % der Spargelimporte. Weitere wichtige Einfuhrländer sind Spanien, Niederlande und Peru (Quelle: Statistisches Bundesamt, BMEL, 2014).
Der Anbau von Spargel im ökologischen Gemüsebau hat in den letzten Jahren in Deutschland stark zugenommen. Im Jahr 2013 standen in Deutschland auf rund 1.200 ha Öko-Spargel im Freiland im Ertrag – das entspricht 6,1 % der gesamten im Ertrag befindlichen Spargelfläche in Deutschland. Zum Vergleich: 2009 waren es noch circa 800 ha. Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland mit der größten Öko-Spargelfläche mit 638 ha (Quelle: Statistisches Bundesamt, 2014).
In Deutschland wird fast ausschließlich so genannter Bleichspargel produziert und konsumiert. Unsere Nachbarländer haben andere Vorlieben, da ist grüner Spargel Favorit.
Im Jahr 2016 wurden weltweit rund 8,7 Millionen Tonnen Spargel geerntet. Während Deutschland mit 103.107 t der größte Erzeuger in Europa und viertgrößter der Welt ist, ist die Volksrepublik China (7.000.000 t) der mit Abstand größte Produzent der Welt, gefolgt von Peru (383.144 t) und Mexiko (126.421 t). Auf den weiteren Plätzen (5 bis 15) folgen Thailand, Spanien, USA, Japan, Italien, Iran, Frankreich, die Niederlande, Chile, Australien und Argentinien.

Woher kommt der in Deutschland angebotene Spargel?

Woher kommt der in Deutschland angebotene Spargel?
(Angaben für 2020 in 1.000 t)

Spargel ist die Gemüseart mit der größten Anbaufläche in Deutschland: 2020 wurde auf 25.880 Hektar Spargel angebaut. Das reicht jedoch nicht, um die Nachfrage in Deutschland komplett decken zu können.

Gerade außerhalb der deutschen Spargelsaison, die von Mitte April bis zum 24. Juni geht, kommt auch ausländischer Spargel auf den Tisch. Gut ein Fünftel des hierzulande verbrauchten frischen Spargels wird importiert. Die wichtigsten Lieferländer für Spargel sind Spanien und Griechenland, auf die zusammen rund 60 Prozent der Spargelimporte entfallen.

Der Inlandsverbrauch von Spargel ist 2020 deutlich zurückgegangen – gegenüber 2019 um rund 9 Prozent . Ein wichtiger Faktor war hier die Corona-Krise. Die deutsche Eigenproduktion fiel aufgrund von Schwierigkeiten bei der Ernte deutlich geringer aus. Zudem waren auch Importe aus manchen Lieferländern aufgrund von Einschränkungen im internationalen Warentransport nur in geringerem Maße möglich.

Quelle: BLE

Weitere Informationen:

Spätfrost

Auch Frühjahrsfrost; ein Frostereignis, das nach Beginn der Vegetationsperiode auftritt. Spätfrostgefahr besteht in vielen Regionen Deutschlands bis Mitte Mai (Eisheilige).

Durch vorangegangene Perioden relativer Wärme kann die Kälteresistenz von Pflanzen bereits wieder reduziert sein, sodass es zu Kälteschäden kommt. Diese zeigen sich im Zurückfrieren jüngerer Sprossabschnitte, erhöhte Schädlingsanfälligkeit, Blühausfall, insbesondere im Obst-, Gemüse- und Weinbau. Kälteschäden können auch an bereits aus der Winterruhe entlassenen Winterknospen entstehen, die ihre Frosthärte und den Schutz vor Dehydratation durch die derben Knospenschuppen verloren haben. Spätfrostgefährdet sind vor allem Pflanzen wärmerer Wuchsgebiete, die an der Grenze oder jenseits ihres natürlichen Verbreitungsgebietes wachsen.

Spätfrost kann auch zu verschiedenen Schäden an Waldbäumen führen. Am häufigsten erfrieren frische Triebe von Verjüngungspflanzen.

Spätfröste treten oft nur lagenweise auf, vorzugsweise in klaren (Strahlungs-)Nächten, in denen sich in Wind geschützten Mulden und Senken die schwere bodennahe Kaltluft sammeln kann.

Gängige Maßnahmen zur Frostbekämpfung sind Frostschutzberegnung (Obst- und Gemüsebau), Heizen mit Frostkerzen, Fackeln o.ä. (wird zusätzlich im Weinbau eingesetzt) und Abdeckung mit Vlies (Erdbeeren). Seit 2011 werden im Weinbau vermehrt auch Windmaschinen oder Hubschrauber eingesetzt, die bei einer ausgeprägten bodennahen Inversion vermeintlich wärmere Luftmassen aus 10 bis 20 m Höhe mit der bodennahen Kaltluft vermischen. Dieses Verfahren funktioniert nur bei einer ausgeprägten Inversionslage.

Spätsiedler

In der frühen Neuzeit in Anerbengebieten auftretende Gruppe der Agrarbevölkerung mit stark eingeschränkten Rechten und Entwicklungsmöglichkeiten. Im Unterschied zu den Nachsiedlern besaßen sie nur wenig oder kein Land, lediglich Haus und Garten. Allmendnutzung wurde ihnen weitgehend verweigert. Häufig wurde Pachtland bewirtschaftet, wobei durch Arbeitsleistung bei den Besitzern der Pachtzins erbracht werden musste.

Speicher

Oft kunstvoll gestaltetes kleines Nebengebäude für die brand- und rauch- sowie überschwemmungssichere Aufbewahrung von Saatgut und anderer wertvoller Habe.

Speisefette, -öle

In Deutschland die Bezeichnung von für die menschliche Ernährung geeigneten Fette mit neutralem bis arteigenem Geruch und Geschmack. Speisefette und Speiseöle bestehen fast ausschließlich aus den Triglyceriden von Fettsäuren und sind praktisch wasserfrei. Sie können geringe Mengen anderer Stoffe aus dem Ausgangsmaterial wie Phosphatide, Wachse, unverseifbare Bestandteile, Mono- und Diglyceride und freie Fettsäuren enthalten.

Man unterscheidet:

Speisefette und -öle werden allein oder in Mischungen mit anderen Speisefetten oder Speiseölen in Verkehr gebracht. Bei Fetten und Ölen aus einem einzigen Rohstoff werden diese nach ihm benannt z. B. Kokosfett, Erdnussöl und Rindertalg.

Butter, Milchfett-, Margarine- und Mischfetterzeugnisse sowie Olivenöl und Kakaobutter gehören nach den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuches (DLMB) definitionsgemäß nicht zu den Speisefetten und Speiseölen.

Spelzen

Spelzen sind die Hüll-, Deck- und Vorblätter im Ährchen der Süß- (Poaceae) und Sauergräser. Bei den Süßgräsern wird jede Einzelblüte von zwei Spelzen eingehüllt, die dem Deck- bzw. Vorblatt des Blütenstiels entsprechen (Deckspelze bzw. Vorspelze). Bei den Sauergräsern dagegen nur von einer Spelze, dem Deckblatt. Am äußeren Ende der Spelzen beginnen die Grannen. Blütenlose Spelzen am Ährchengrund heißen Hüllspelzen.

Getreidekerne wachsen zwischen diesen feinen Hüllen an der Ähre. Spelzen sind nicht für die menschliche Ernährung geeignet. Während manche Getreidearten wie zum Beispiel Roggen, die meisten Weizenarten sowie Nackthafer ihre Spelze beim Dreschen verlieren, umschließt die Spelze bei den so genannten „Spelzgetreiden“ das Korn auch noch nach dem Drusch. Dies ist zum Beispiel bei Gerste, Dinkel und Hafer der Fall. Bei diesen Getreidearten muss die Spelze im Zuge der Verarbeitung in einer Schälmühle entfernt werden. Die Spelze wird dann zum Beispiel als Zutat für Futter in der Nutztierhaltung verwendet.
Die Spelzen bilden zusammen mit Hülsen, Grannen, Samenhüllen und Stängelteilen die Spreu.

Spezialisierung

1. Die Reduktion der Produktionsvielfalt in einem Agrarbetrieb bzw. in einer Agrarregion.

2. Die Funktionsausgliederung von Produktions- und Verwaltungsbereichen an Dritte zur Vereinfachung der Betriebsorganisation und zur Kostensenkung. Dazu gehören der Lohnunternehmereinsatz, die Ausgliederung von Verwaltungsaufgaben (Buchführung), die Beteiligung an Erzeugergemeinschaften (Ein- und Verkauf) und die Verkürzung der übernommenen Produktionsabschnitte und Aufteilung der Erzeugung auf mehrere Betriebe (im Gartenbau z.B. Jungpflanzen - Halbfertigpflanzen - Rohware - Treiberei). Häufig erfolgen 1. und 2. gemeinsam.

3. Die innerbetriebliche Spezialisierung der einzelnen Arbeitskräfte auf bestimmte Aufgaben oder Kulturen (nur in Großbetrieben konsequent durchführbar).

Gründe für eine Spezialisierung von Unternehmen:

  1. Standortvorteile für bestimmte Produktionsverfahren, die eine bessere Konkurrenzfähigkeit für das jeweilige Verfahren garantieren, z.B.
    - gute Ackerbaustandorte (Zuckerrüben, Weizen)
    - Klimaverhältnisse (Weinbau, Tabak etc.)
    - Bezugs- und Absatzmärkte - Verarbeiter (Gemüse etc.)
    - Lieferanten für Vorleistungen (Schweinemast)
    - örtliche Personalqualifikation - Neigungen, Fähigkeiten
  2. Kostendegressionseffekte, z.B.
    - stark sinkende Investitionskosten bei größeren Einheiten führen zu geringerer Festkostenbelastung und   konkurrieren mit steigenden Umweltauflagen
    - im Ein- und Verkauf helfen große Liefermengen die Dispositions- und Transportkosten senken
    - wesentliche Vereinfachung von Management und Verwaltung bei sinkenden Kosten
    - möglicher Einsatz leistungsfähiger Technik zur Senkung der Arbeitskosten
    - hohe Auslastung von Spezialmaschinen und moderner Technik
  3. Verbesserung der Marktsituation
    - größere Angebotsmengen einheitlicher Qualität
    - mehr Anbieter für Vorleistungen
    - geringere Lagerhaltungskosten bezogen auf den Umsatz
  4. Fachliche Spezialisierung und Qualifikation der Betriebsleitung
    - der Weiterbildungsaufwand für die Betriebsleitung sinkt stark und ist im nötigen Umfang realisierbar
    - besserer Überblick und Kontrolle durch mehr Nähe des Unternehmers zum Produktionsverfahren
    - die Bewältigung der Informationsflut und die Umsetzung neuer Informationen ist eher möglich
    - Entscheidungen werden sachgerechter und zeitnäher getroffen
  5. Geringerer Organisations- und Verwaltungsaufwand
    - einfachere Betriebsführung durch geringeren Dispositions- und Abstimmungsaufwand
    - weniger Reibungsverluste durch Abstimmung und Interessenausgleich zwischen unterschiedlichen Bereichen
    - Überblick des Betriebsleiters ohne großen Hilfsmitteleinsatz
    - keine konkurrierenden Ziele zwischen mehreren Betriebszweigen im Unternehmen

Mögliche Nachteile einer hohen Spezialisierung

(s. a. Agrarökosystem, Agrarstruktur, Landwirtschaft, Spezialisierungsgrad)

Spezialisierungsgrad

Das Ausmaß der Produktionsvielfalt (Diversifizierung) und der organisatorischen Verknüpfung verschiedener Produktionsrichtungen im Agrarbetrieb. Der Spezialisierungsgrad kann durch folgende Begriffe und Kriterien bestimmt werden:

SPS-Übereinkommen

Den internationalen Handel betreffendes Übereinkommen über die Anwendung von sanitären und phytosanitären Maßnahmen im Rahmen der WTO. Es setzt Fairnessregeln für eine internationale Standardsetzung bezüglich Lebensmittelsicherheit. Damit befasst es sich mit den von den Regierungen im Bereich der Lebensmittelsicherheit sowie zum Schutz der Gesundheit von Pflanzen und Tieren ergriffenen Maßnahmen. Sein Ziel ist es, die Hoheitsrechte jeder Regierung zu wahren, den von ihr für angemessen erachteten Grad an Gesundheitsschutz zu bieten, aber andererseits zu gewährleisten, daß diese Hoheitsrechte nicht zu protektionistischen Zwecken missbraucht werden und zu unnötigen Hemmnissen im internationalen Handel führen. Falls eine Regierung aufgrund ihrer nationalen Anforderungen größere Handelsbeschränkungen herbeiführt, kann von ihr verlangt werden, eine wissenschaftliche Begründung vorzubringen, aus der hervorgeht, daß der betreffende internationale Standard nicht in dem Maß zu gesundheitlichem Schutz führen würde, wie er von dem Land für angemessen erachtet wird. Im Streitfall wird ein - bei Bedarf wissenschaftlich beratenes - Schlichtungspanel eingesetzt, das seine Empfehlung dem entscheidungsbefugten Streitbeilegungsgremium der WTO unterbreitet.

Im Sinne des Übereinkommens versteht man unter sanitären und phytosanitären Maßnahmen solche, die angewandt werden,

Einbezogen sind die Maßnahmen, die ergriffen werden, um die Gesundheit der Fische und der Wildfauna sowie der Wälder und der Wildflora zu schützen.

Die technischen Instanzen, die dieMaßnahmen bei den Standards setzen sollen sind laut SPS-Abkommen drei existierende internationale staatliche Organisationen:

Die Beschlüsse dieser sog. Drei Schwestern sind Empfehlungen an die Mitgliedstaaten zur Übernahme in nationales Recht. Sie sollen als der internationale Standard eines Sachverhalts gelten.

Vom Konstrukt her ist der SPS-Vertrag darauf abgestellt, den internationalen Handel vor überhöhten Gesundheitsschutzinteressen von Ländern zu schützen und nicht umgekehrt den nationalen Gesundheitsschutz über den internationalen Handel zu stellen.

Die Entwicklungsländer haben große Schwierigkeiten, das System für sich zu nutzen und von ihren verankerten Sonderrechten Gebrauch zu machen. Trotz aller Kritik und Schwächen am SPS-System ist es jedoch die einzige multilaterale Plattform, die Mitbestimmung vorsieht. (Buntzel/Marí 2016)

(s. a. TBT-Übereinkommen)

Spurennährstoffe

Auch Spurenelemente oder Mikronährstoffe; Nährstoffe, die von den Pflanzen nur in geringen Mengen benötigt werden, aber für den normalen Ablauf von Lebensvorgängen unentbehrlich sind. Dazu gehören Bor, Mangan, Kupfer, Eisen, Molybdän und Zink. Bei Bormangel z.B. entsteht die Herz- und Trockenfäule der Rüben, bei Kupfermangel die Dörrfleckenkrankheit des Hafers. Spurennährstoffe besitzen einen höheren Wirkungs- und Schädigungsgrad als die Makronährstoffe Stickstoff, Phosphat, Kali, Magnesium und Kalk. Überdosierungen sind daher ebenso schädlich wie Mangel.

Squatter

Kolonist, der, ohne einen Besitztitel zu haben, staatliches oder privates Land kultiviert und dieses im Hinblick auf die geleistete Inwertsetzung als Eigentum beansprucht oder Vorkaufsrecht verlangt. Squatter treten häufig in Gruppen auf, um ihre Eigentumsansprüche leichter durchsetzen zu können. Squatter waren beispielsweise bei der Erschließung des nordamerikanischen Binnenraumes weit verbreitet. Um ihre Zahl einzuschränken, verbot ein Gesetz des Jahres 1807, sich auf nicht vermessenen Staatsländereien (public domain) niederzulassen.

Generell sind diese wilden Siedler eng an Großgrund- (Latifundien-) und Staatseigentum gebunden, im weitesten Sinne an ausgedehnte bisher ungenutzte Flächen, die von den Eigentümern nicht mehr überschaut und wirkungsvoll kontrolliert werden (können). Folgende mit Squatter synonyme Begriffe werden im besonders betroffenen lateinamerikanischen Raum häufig gebraucht: Posseiro, Intruso (Brasilien), Tolerado (Bolivien), Ocupante (Brasilien, Venezuela, Costa Rica, Guatemala, Honduras), Precario (Chile), Conuquero (Venezuela), Colono (Kolumbien).

In Afrika werden wilde Siedler am Stadtrand ebenfalls als Squatter bezeichnet.

Stadtdorf

Agrarsiedlung mit städtischem Aussehen und einer Größe zwischen 2.000 und 15.000 Einwohnern, z.T. deutlich darüber. Ihre Bewohner sind vorwiegend als ländliche Tagelöhner oder als Kleinbauern tätig. Das Auftreten von Stadtdörfern ist besonders an die Verbreitung von Latifundien gebunden. Der Begriff wird aber auch für große, ehemals befestigte Rebbausiedlungen Mittel- und Westeuropas, sowie für befestigte, große Oasensiedlungen Nordafrikas verwendet.

städtische Landwirtschaft

Innerhalb (intra-urban) oder am Rande (peri-urban) eines Stadtgebietes betriebene Landwirtschaft, gewöhnlich zur Nahrungsmittelproduktion. Derartige Produktion wird in Hinterhöfen, auf Dächern, in Gemeinschaftsgärten und auf ansonsten ungenutzten oder öffentlichen Flächen betrieben. Sie umfasst neben der häufigeren kleinstrukturierten Selbstversorgung auch marktorientierten Anbau, z.B. in Gewächshäusern.

Städtische Landwirtschaft, die eine lange Tradition vor allem in Europa und Asien aufweist, tritt heute sowohl in entwickelten wie auch in Entwicklungsländern auf. Befürworter der städtischen Landwirtschaft sehen in ihr einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Städten vor allem in Entwicklungsländern und zu einer nachhaltigen Lebensweise.

Die Integration der agrarischen Produktion in nachhaltige (post-)moderne Städte ist vielerorts verknüpft mit einer Renaissance der Kleingärten (allotment gardens), der Ausbreitung von Gemeinschaftsgärten (community gardens), die von einer Gruppe von Personen kollektiv bewirtschaftet werden, sowie der subversiven Nutzung öffentlichen Raums in Form von guerilla gardens, bei denen auf Grünflächen/Brachflächen als Form des politischen Protests Pflanzen ausgesät werden. Zu Schaffung von "essbaren Städten" tragen Freiräume auf Balkonen (square foot gardening), an Mauern (green walls) und auf Dächern (roof-top farms) bei. In größerem Stil sollen in Zukunft - wie bereits in Newark bei New York - leerstehende Industriegebäude, aber auch speziell entworfene Gebäudekomplexe wie in Dubai oder Singapur - in übereinander angeordneten Ebenen (vertical farms) zur Produktion von Obst, Gemüse, Sprossen, Pilzen, z. T. aber auch von Fisch und Algen beitragen.

Trotz des Einsatzes von modernsten Technologien (Hydroponik, Aeroponik oder Luft-Dynaponik) bleibt die traditionelle städtische Imkerei von zentraler Bedeutung, da Bienen nicht nur für die Bestäubung von Nutzpflanzen, sondern für das Funktionieren der gesamten städtischen Ökosysteme unverzichtbar sind. so werden in Paris Dächer von öffentlichen Gebäuden zur Zucht von Bienen genutzt, die sich - im Gegensatz zu ihren ländlichen Artgenossen, die unter dem starken Einsatz von Agrarchemikalien leiden - als sehr überlebensfähig erwiesen haben. (Schmied 2018)

Urban agriculture pioneers taking action in their communities
Urban agriculture pioneers taking action in their communities

Quelle: Douglas Gayeton (USDA)

Weitere Informationen:

Staffelanbau

Auch relay cropping; Methode des zeitlich versetzten Anbaus von (verschiedenartigen) Feldfrüchten zur Aufrechterhaltung eines ständigen Pflanzenwuchses, z.B. im Rahmen des tropischen Ecofarming.

Stagnogley

Der Stagnogley ist ein Stauwasserboden, dessen Nassphase im Vergleich zum Pseudogley deutlich länger andauert, oft mehrere Monate lang. Man könnte diesen Boden auch als „extremen Pseudogley“ bezeichnen. Seine Dynamik ähnelt stark dem Gley.

Eigenschaften

Der Normstagnogley weist ein Sw-Ah/S(e)rw/IISrd-Profil auf (e von eluvial = nassgebleicht, r von reduziert, II = geologische Schichtgrenze). Charakteristisch sind seine Luftarmut, eine starke Entbasung, seine starke Bleichung im Srw-Horizont und Rostfleckung (Marmorierung) im Srd- bzw. IISrd- Horizont sowie die geringe biologische Aktivität und Nährstoffarmut. Feuchtrohhumus ist demzufolge häufig als organische Auflage anzutreffen. Durch die länger anhaltenden reduzierenden Verhältnisse (S-Horizonte beginnen weniger als vier Dezimeter unter der Geländeoberfläche) bei kühl-feuchtem (humiden) Klima erfolgt eine seitliche Verlagerung von gelöstem Eisen oder z. B. Mangan, was die auffällige Nassbleichung im Srw-Horizont bewirkt.

Stagnogley

Stagnogley

Stagnogley aus flachem Hochmoortorf (Holozän) über lössreichem, grusführendem Schluff (Hauptlage) über grusführendem Lehm (Basislage) mit Sandstein (Hardegsen-
Folge) mit einem Ah/Srw/IISrd/IIilCv-Profil.

Stagnogleye kommen in Mitteleuropa bevorzugt auf hochgelegenen Verebnungen der Mittelgebirge vor, in diesem Fall im Reinhardswald, westlich der Weser (Nordhessen).

Quelle: HLUG / Alexander Stahr

Verbreitung

Stagnogley entsteht vorwiegend unter kühl-feuchten Klimabedingungen aus sandreichem Material über dichtem sandig-lehmigem bis schluffig-tonigem Untergrund. Stagnogleye treten in hochgelegenen Verebnungen mitteleuropäischer Mittelgebirge (Schwarzwald, Erzgebirge und Eifel) auf und sind dort mit weniger vernässten Braunerden oder Pseudogleyen vergesellschaftet.

Der Stagnogley wird im Volksmund auch Molkenboden, Molkenpodsol (wegen der Bleichung des Srw-Horizontes) oder Missenboden genannt (Misse oder auch Müsse ist eine im Nordschwarzwald gebräuchliche Bezeichnung für kleinräumige, flachgründige Moore). Den Namen Molkenboden hat der Stagnogley von dem Umstand, dass aus dem gebleichten Srw-Horizont austretendes Wasser den Farbton von Molke hat. In den Hochlagen der Mittelgebirge kann die Humusauflage unter Umständen auf über 30 cm Mächtigkeit anwachsen.

Nutzung

Der nährstoffarme, oft stark versauerte Boden ist luftarm und eignet sich auf Grund von geringer Wuchsleistung der angebauten Früchte nicht für eine landwirtschaftliche Nutzung. Dass Stagnogleye landwirtschaftlich als Weide zumindest in historischer Zeit genutzt wurden (Waldweide), zeigt an manch einem Standort eine durch Viehtritt induzierte Verwürgung oder Verwühlung des humosen Oberbodens (Sw-jAh-Horizont, j für anthropogen umgelagertes Substrat), die taschenartig in den Srw-Horizont hineinreicht.

Als Waldstandort sind Stagnogleye geeignet, sofern Baumarten gewählt werden, die mit den extremen Standortbedingungen zurechtkommen. So etwa die Stieleiche (Quercus robur), die wegen ihrer sehr guten Anpassungsfähigkeit auch auf wechselfeuchten bis nassen Böden gedeihen kann.

Stalldüngerwirtschaft

Betriebstyp, der zur Agrarproduktion den bei der Stallhaltung des Viehs anfallenden Stallmist als Dünger einsetzt.

Stallhaltung

Die zeitweise (saisonale) oder ständige Haltung von Nutztieren in überdachten Stallungen. Die Stallhaltung hängt ab von den Möglichkeiten bzw. den klimatischen Bedingungen eines Weidegangs, ferner vom vorliegenden Betriebssystem.

Stallmist

Wichtiger Wirtschaftsdünger, der durch Verrotten von Einstreu (z.B. Stroh) und Exkrementen der Haustiere entsteht. Seine Zusammensetzung ist abhängig von der Art der Tiere, die ihn liefern, ihrem Futter und dem verwendeten Einstreumaterial. Stallmist verbessert die Bodenstruktur, und bei häufiger Anwendung erhöht er den Gehalt des Bodens an organischem Material. Einseitige Stallmistdüngung erschöpft den Boden rasch, was Mangelerscheinungen, Krankheiten und Mindererträge zur Folge hat, wenn nicht mit ausgewogener Mineraldüngung abgeholfen wird.

Standardbetriebseinkommen

Das StBE ist ein kalkuliertes Betriebseinkommen, von dem das tatsächlich erzielte abweichen kann. Es gibt an, welches Betriebseinkommen bei ordnungsgemäßer und standortgerechter Bewirtschaftung erzielt werden kann, und gilt als Kennziffer für die wirtschaftliche Größe eines Betriebes. Das StBE wird aus Flächenkapazität, Nutzungsart und Umfang der Viehhaltung mittels Standarddeckungsbeiträgen und Fixkosten berechnet.

Standarddeckungsbeitrag (StDB)

Der StDB ist eine Maßzahl für wirtschaftliche Größe und bezieht sich auf eine Flächen- oder Tiereinheit. Unter Verwendung statistischer Quellen gibt er Auskunft über die geldliche Bruttoleistung der einzelnen Betriebszweige (z.B. Zuckerrübenanbau oder Milchkuhhaltung) abzüglich der entsprechenden variablen Spezialkosten (z.B. der Ausgaben für Saatgut, Agrarchemikalien). Der StDB eines Betriebes ist die Grundlage zur Berechnung des Standardbetriebseinkommens und zur Einstufung der Betriebe nach Betriebsformen.

Standarddeckungsbeiträge werden vom KTBL regionalisiert nach 38 Regionen (Regierungsbezirke) für 40 Produktionszweige der Bodennutzung und für 30 Tierhaltungsmerkmale ermittelt.

Standardoutput (SO)

Standardoutput ist die standardisierte Rechengröße, die den durchschnittlichen Geldwert (in Euro) der Bruttoagrarerzeugung eines landwirtschaftlichen Betriebes beschreibt. Er wird in der amtlichen Statistik für die Eingruppierung der landwirtschaftlichen Betriebe nach ihrer betriebswirtschaftlichen Ausrichtung genutzt.

Der Standardoutput wird je Flächeneinheit einer Fruchtart bzw. je Tiereinheit einer Viehart aus erzeugter Menge mal zugehörigem "Ab-Hof-Preis" als geldliche Bruttoleistung ermittelt. Dabei werden durchschnittliche Erträge und Preise angesetzt, die für einen Bezugszeitraum von fünf Wirtschaftsjahren berechnet werden.

Die Summe der Standardoutputs im landwirtschaftlichen Betrieb beschreibt seine betriebswirtschaftliche Größe.

Standards in Land- und Ernährungswirtschaft

Ein Standard ist ein gefordertes Kriterium, mit dem man das Ergebnis eines Produktionsprozesses oder einer Leistung beschreiben kann, wie das technische oder physische Charakteristikum eines Produktes, oder die Bedingungen oder Methoden, unter denen es erzeugt oder übertragen wurde. (Humphrey 2005)

Ein Standard kann die unterschiedlichsten juristischen Formen annehmen: als technische Anleitung, Norm, Gesetz, Kodex, Vereinbarung, Vertrag, Abkommen, Regulierung, Siegel, Zertifikat usw. Standards sind wie ein Pass, mit dem Produkte in einen bestimmten Markt gelangen. Sie bestimmen die Identität eines Produkts.

Bei der Entwicklung der Welternährungswirtschaft in den vergangenen zwei Dekaden spielt die Debatte um Standards eine zentrale Rolle. Standards sind gewissermaßen der „Kitt“, der die Globalisierung in der Landwirtschaft und im Lebensmittelbereich prägt und zusammenhält.
Differenzierend kann man unterscheiden:

Die Codex-Alimentarius-Kommission (CAC) - 1963 von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegründet - sieht sich als die weltweit führende Organisation für die Vereinbarung internationaler Lebensmittel-Standards, die dem Schutz der Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher und der Sicherstellung fairer Handelspraktiken im internationalen Handel mit Lebensmitteln dienen. Die Standards des Codex Alimentarius sind nicht rechtlich verbindlich.

Die Standards des Codex Alimentarius erfuhren aber durch die Gründung der Welthandelsorganisation (WTO) bzw. insbesondere durch das Inkrafttreten des Übereinkommens über die Anwendung von gesundheitspolizeilichen und pflanzenschutzrechtlichen Maßnahmen (SPS-Abkommen) eine starke Aufwertung. Das SPS-Abkommen ist eines von 13 multilateralen Übereinkommen der sogenannten Uruguay-Runde im Anhang zum Übereinkommen zur Errichtung der WTO, das am 1. Januar 1995 in Kraft getreten ist.

Das SPS-Übereinkommen setzt die Regeln, denen WTO-Mitglieder folgen müssen, wenn sie Vorschriften im Hinblick auf Lebensmittelsicherheit, Tier- und Pflanzengesundheit erlassen. Dieses für die Landwirtschaft bedeutende Abkommen gibt den Mitgliedern das Recht, zum Schutz des Lebens und der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen, Einfuhrbeschränkungen zu treffen, sofern daraus weder eine ungerechtfertigte Diskriminierung noch ein verstecktes Handelshemmnis entsteht.

Wenn das Exportland nachweist, dass seine Maßnahmen denen des Importlandes entsprechen, ist ihre Gleichwertigkeit vom einführenden Staat anzuerkennen. Jeder Staat kann das ihm geeignet erscheinende Schutzniveau für sich festlegen. Höhere Normen als die der entsprechenden internationalen Organisationen sind nur bei wissenschaftlicher Begründung und nach einer objektiven Risikoanalyse zulässig. Nicht derart begründbare Vorsichtsmaßnahmen sind nur befristet erlaubt.

Gemeinsame internationale Standards im Lebensmittelrecht zu entwickeln, ist schwierig, weil die gesellschaftlichen und kulturellen Unterschiede zwischen den reichen und den armen Ländern gerade in diesem Bereich groß sind. Zusätzlich verfügen die reichen Staaten und ihre Wirtschaft über die Machtstrukturen und die Wissenschaftskapazitäten, um sie durchzusetzen.

Bei der Herstellung von Lebensmitteln geht es oft um sehr sensible Sachverhalte, verbunden mit einem gewissen Gefahrenpotenzial für die menschliche (tierische oder pflanzliche) Gesundheit. Dabei ergibt sich die Frage, wer mit welchen wissenschaftlichen Nachweismethoden das Gefahrenpotenzial bestimmt.

Dass selbst über vermeintlich gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zwischen Gesellschaften große Divergenzen hinsichtlich der Bewertung bestehen können, zeigen die Streitthemen zwischen den USA und der EU über gentechnisch veränderte Nahrungsmittel, die Anwendung von Hormonen in der Tierhaltung, Klonfleisch oder auch Behandlungsmethoden von Lebensmitteln wie Bestrahlung oder die Chlorbehandlung von Fleisch. Diese Technologien sind in der EU wegen Gesundheitsbedenken nicht zugelassen, in den USA hingegen gängige Praxis.

Auch das Gütesiegel zur regionalen Herkunftsbezeichnung ist wiederholt ein Streitanlass. Die in einem staatlich geführten Register haben eine gesetzlich geschützte Herkunftsbezeichnung. Sie dienen dazu, die Identität von traditionellen Lebensmitteln mit einer spezifischen Qualitätseigenschaft und einer klaren regionalen Herkunft (z. B. Parmaschinken) zu bewahren. Damit schafft diese Gütesiegel einen besonderen Nischenmarkt.

Alle Standards schützen gesellschaftliche Anliegen, sind jedoch zugleich auch Handelsbarrieren, denn sie gehen mit strikten Auflagen einher, die kostenintensiv sind und weltweit nicht von allen Erzeugern gleichermaßen erfüllt werden können.

Zu den staatlich gesetzten Standards kam im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit eine große Zahl privater Standardinitiativen unterschiedlichster Art hinzu. Diese verfolgen zumeist singuläre ethische Anliegen. Hier ist zum einen zu unterscheiden zwischen Standards, die auf dem Endprodukt ausgewiesen werden, damit sie bei den Verbrauchern Vertrauen erzeugen. Solche Standards werden unter dem Begriff Business to Consumers (B2C) geführt. Das ist z. B. der Fall bei der Kennzeichnung von Produkten des organischen Landbaus (div. Biosiegel) oder des Fairen Handels (z.B. Transfair in Dtld.). Auch die weniger strikten Nachhaltigkeitsstandards wie Rainforest Alliance/Sustainable Agriculture Initiative (RFA/SAI), Marine Stewardship Council (MST) oder UTZ-Kapah (für Kaffee, Tee, Kakao) werden am Produkt ausgewiesen. Weitere globale B2C-Standards sind die 4C-Association (Common Code for the Coffee Community), Fair Flowers Fair Plants (FFP), Better Cotton Initiative (CI), Bonsucro, Ethical Tea Partnership (ETP), Fair for Life. Mit ihrer deutlichen Etikettierung zielen sie darauf ab, dass die Verbraucher zu den gekennzeichneten ‚höherwertigen‘ Waren greifen und bereit sind, dafür auch mehr zu zahlen.

Hiervon zu unterscheiden sind Standards, die nur unter Firmen gelten und reine Busines-to-Business-(B2B-)Standards sind. Für den Verbraucher unsichtbar, sichern sie die einzelnen Stufen der Wertschöpfungskette bei Frischeprodukten und weiterverarbeiteten Lebensmittel gegenüber Qualitäts- und Sicherheitsrisiken und anderen rufschädigen Praktiken von Zulieferern ab. Die B2B-Standards bewegen sich im Bereich der konventionellen Landwirtschaft und orientieren sich an den Bedürfnissen der Verbraucher, die in den Supermarktketten der Industrieländer einkaufen. Sie konzentrieren sich auf die gute fachliche Praxis, bzw. auf die globale Nachhaltigkeit, wie das UN Forum on Sustainability Standards (UNFSS) es nennt.

Die privaten Standards sind nicht an die Verfahren der WTO-Verträge gebunden. (Buntzel/Marí 2016)

(s. a. TBT-Übereinkommen)

Weitere Informationen:

Standortfaktoren in der Agrarwirtschaft

Standortfaktoren in der Agrarwirtschaft sind die Kräfte, die für den konkreten Standort eines landwirtschaftlichen Betriebes oder für das Entstehen unterschiedlicher Erzeugungs- und Absatzgebiete bestimmend sind. Durch ihre ausgeprägte Flächenbindung ist die Landwirtschaft stark mit Standortfragen verbunden. Agrarbezogene Standortfaktoren lassen sich unterscheiden in physische (u.a. Klima, Boden, Exposition, Morphologie, Wasserdargebot) und in anthropogene Faktoren (u.a. Markt, Infrastruktur, Agglomerationsvorteile, Know-How, Kapital, Mentalität, politisch-rechtlicher Rahmen, Elemente der Agrarverfassung). Während die ersteren weitgehend stabil sind, unterliegen die meisten anthropogenen Faktoren der Veränderung, manche sind nicht quantifizierbar, und es ist von Bedeutung, dass die anthropogenen Faktoren von der Länge des Betrachtungszeitraumes abhängt.

Bei ökonomischer Betrachtung sind landwirtschaftliche Standortfaktoren jene Faktoren, die die Produktion an einem Ort günstiger als an einem anderen gestalten, damit eine räumliche Differenzierung der Erlöse und/oder Kosten herbeiführen, jedem Produkt also optimale Standorte realtiver Vorzüglichkeit und entsprechender Grenzertragslagen zuweisen. Aufgrund komparativer Vorteile ergibt sich eine Konzentration der Erzeugung bestimmter Produkte auf Gebiete, die bezüglich ihrer naturgeographischen und/oder anthropogenen Voraussetzungen dafür am besten geeignet sind.

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Standortregister

Ein Standortregister informiert über die Freisetzung und den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und die genaue Lage der Flächen. Ziel ist ein verbessertes Monitoring möglicher unerwünschter Auswirkungen auf die Umwelt sowie die menschliche und tierische Gesundheit. Gleichzeitig soll die Öffentlichkeit informiert werden, um Transparenz und Koexistenz zu gewährleisten.

Standweide

Nutzungsform traditioneller Weidegebiete hauptsächlich im wintermilden, durch lange Vegetationsperioden gekennzeichneten Klima küstennaher Niederungen oder Talauen, auf nährstoffreichen Böden hohen Nährstoffnachlieferungsvermögens und zumeist günstiger, vorwiegend aus Grundwasser gespeister Wasserversorgung. Standweiden sind typisch für ein reichliches Flächenangebot.

Die Tiere befinden sich bei diesem Weideverfahren während der gesamten Weidezeit auf einer Fläche. Die zu beweidende Fläche wird in wenige (ein bis drei) Koppeln eingeteilt. Es findet ein ständiger Verbiss der Grasnarbe statt. Der Viehbesatz ist gering, die Düngung extensiv. Trotzdem wächst soviel Gras auf, dass es von den Tieren nicht vollständig gefressen werden kann. Es wird daher überständig und alt, so dass es mehr und mehr verschmäht wird. Gleichzeitig werden die Stellen mit jungem Gras scharf verbissen. Beides führt auf Dauer zu einer Verunkrautung.

(s. a. Portionsweide, Umtriebsweide, Weide)

Stängelgemüse

Verschiedene Gemüsearten, bei denen Stängel oder Sprossen als Gemüse verwendet werden. Beim Stängelgemüse wächst der Stiel meist über der Erde und trägt die Knospen, Blüten und Blätter. Die Blattstiele sind fleischig verdickt.

Vertreter dieser Gruppe sind beispielsweise Spargel, Stangensellerie, Stielmus, Rhabarber und Gemüsefenchel.

Stärke

Stärke (lat. Amylum) ist ein Mehrfachzucker (Polysaccharid) mit der Formel (C6H10O5)n und einer der wichtigsten Speicher- und Reservestoffe pflanzlicher Zellen. In Pflanzen fungiert Stärke als Kohlenhydratspeicher und liegt in Form von Stärkekörnern vor.

Die Stärke ist ein Assimilationsprodukt des Calvin-Zyklus, bei der die Pflanzen Kohlenstoff aus CO2 gewinnt. Stärkemoleküle bestehen aus D-Glucose-Einheiten, die über glykosidische Bindungen miteinander verknüpft sind.

Stärke wurde in Europa früher meistens aus Kartoffeln oder Getreide gewonnen, heute ist Mais der dominierende Stärkeproduzent. 1979 entfielen bei einer Weltproduktion von 13 Mio. Tonnen 76 % auf Mais, 15 % auf Kartoffeln, 4 % auf Maniok und 3 % auf Weizen.

International bedeutsam sind noch Reis (Bruchreis aus den Reisschälfabriken) und Maniok (Tapioka) als Stärke liefernde Pflanzen. In der japanischen Küche kommt zudem Kudzu (Kuzuko) und Japanischer Hundszahn (Katakuriko) zum Einsatz. Bei der industriellen Stärkegewinnung werden je nach Rohstoff verschiedene Technologien eingesetzt. Die Aufarbeitung des angelieferten Rohstoffes beginnt mit der Reinigung, setzt sich fort mit der Zerkleinerung und Auftrennung der Bestandteile (Stärke, Eiweiß und Fasern) und endet mit der Reinigung, Entwässerung und Trocknung der Stärke.

Stärkeverzuckerung

Umwandlung pflanzlicher Stärke in verschiedene Zucker.

Alle Pflanzen bestehen zu einem mehr oder weniger großen Anteil aus Stärke, die aus verschiedenen, chemisch miteinander verbundenen Zuckern (Saccharide) zusammengesetzt sind. Werden die diese Bindungen gelöst, zerfällt die in die einzelnen Zucker-Bausteine. Auf diese Weise kann Zucker nicht nur aus Zuckerrohr und Zuckerrüben, sondern auch aus pflanzlicher Stärke gewonnen werden. Dies geschieht heute großtechnisch im Prozess der Stärkeverzuckerung. Die wichtigsten pflanzlichen Stärkelieferanten dafür sind Mais, Kartoffeln und Weizen.

Wurden früher starke Säuren eingesetzt, um die Stärke in einzelne Zucker aufzutrennen, nutzt man heute fast nur noch Enzyme. Enzyme wirken hochspezifisch und können die verzweigten Stärkemoleküle an ganz bestimmten Stellen aufschließen. Dadurch lässt sich der Verzuckerungsprozess gezielt steuern.

Heute werden - bis auf wenige Ausnahmen - fast alle in der Stärkeverzuckerung eingesetzten Enzyme mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen gewonnen.

Stauwasser

Das die Bodenhohlräume ausfüllende, der Schwerkraft folgende Wasser, das sich über einem undurchlässigen oder wenig durchlässigen Staukörper (dichte geologische Schicht oder verdichteter Bodenhorizont) ansammelt und in diesem Stauraum nicht ganzjährig angetroffen wird. Unter mitteleuropäischen Klimabedingungen ist das dann der Fall, wenn der Stauraum 1,3 m Mächtigkeit nicht überschreitet.

Stein-Hardenbergische Reformen

Zusammenfassende Bezeichnung für die unter den preußischen Staatsmännern Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein und Karl August Fürst v. Hardenberg zwischen 1807 und 1812 durchgeführten bzw. begonnenen wirtschaftlichen und sozialen Reformen. Deren Ziel war es , dem preußischen Staat nach der Niederlage gegen Napoleon in der Schlacht bei Jena und Auerstedt ( 1806) eine reformierte Staats- und Wirtschaftsverfassung zu geben, die den in Aufklärung und Liberalismus wurzelnden Freiheitsansprüchen zum Durchbruch verhelfen sollte.

Wichtig sind besonders das Oktoberedikt vom 9.10.1807, das die Bauernbefreiung einleitet, das Edikt vom 2.11.1810 mit der Einführung der Gewerbefreiheit und das Regulierungsedikt vom 14.9.1811 zur Fortführung der Agrarreform. Hinzu kommen die Städteordnung vom 19.11.1808 als Grundstein der kommunalen Selbstverwaltung, das Standesunterschiede aufhebende Offiziersreglement vom 6.8.1808 und die Neuregelung der Staatsverwaltung vom 24.11.1808 mit der Errichtung von Fachministerien. Wenn auch die 1815 einsetzende Restaurationspolitik einer Weiterentwicklung dieser Reformen hinderlich war, schufen sie doch wichtige Grundlagen für die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Entwicklung im 19. Jahrhundert. Bis 1807 waren die Bauern durch die Erbuntertänigkeit leibeigen. Sie wurden durch Frondienste und Abgaben belastet.

Das Oktoberedikt stand zeitlich am Beginn der Reformpolitik in Preußen. Es hob alle bislang bestehenden Berufsschranken auf, beseitigte die Erbuntertänigkeit der Bauern und gab den Güterverkehr frei. Die Bauern waren seither persönlich frei. Auch ihre Freizügigkeit wurde durch die Abschaffung der Loskaufsgelder und des Gesindezwangsdienstes hergestellt. Damit eng verbunden waren das Recht auf freien Eigentumserwerb und die Freiheit der Berufswahl für alle preußischen Bürger. Damit konnten Bauern in die Stadt abwandern, Bürger konnten Landgüter erwerben, und Adeligen, die zuvor nur standesgemäßen Tätigkeiten nachgehen konnten, war es nun möglich, bürgerliche Berufe zu ergreifen. Mit der persönlichen Freiheit der Landbevölkerung entfiel auch die bisherige Pflicht, vom Gutsherren einen Ehekonsens zu erwirken. Die Freiheit der Eheschließung führte zu einer Erhöhung der Geburtenziffer und letztlich zum Wachstum besonders der ländlichen Bevölkerung.

Die Reform brachte durch die Art ihrer Umsetzung für die Landbevölkerung aber auch gravierende Nachteile. Der freie Güterverkehr beseitigte die bisherigen Einschränkungen des Bauernlegens. Nunmehr konnten die Gutsbesitzer Bauernland, wenn auch staatlich kontrolliert, einziehen. Außerdem entfiel die Pflicht der Gutsherren, für Unterkunft bei Invalidität oder Alter der ehemals gutsuntertänigen Personen aufzukommen. Die Herstellung des völligen Eigentums an den bewirtschafteten Flächen und die Abschaffung feudaler Dienstpflichten ging allerdings mit Entschädigungen einher. Anstelle einer meist unmöglichen Ablösung in Geld wurden die Bauern verpflichtet, die ehemaligen Gutsherren zu entschädigen und die Höfe abzulösen. Sie mussten zwischen der Hälfte und einem Drittel des genutzten Landes abtreten. Um von vornherein das Entstehen von Besitzungen zu verhindern, die nicht genug zum Überleben abwarfen, wurde 1816 die Ablösung im anfänglichen Umfang auf größere Höfe eingeschränkt. Die kleineren Besitzungen blieben von den Abtretungen ausgeschlossen. Andere mit der Gutsuntertänigkeit verbundene Lasten wie der Zwangsgesindedienst, Heiratserlaubnisgebühren und Ähnliches wurden ohne Gegenleistung abgeschafft. Anders verhielt es sich mit den Fron- und Naturaldiensten. Deren Wert wurde ermittelt, und die Bauern hatten das Fünfundzwanzigfache in Raten an den Gutsherrn zu zahlen, um auch diese Pflichten abzulösen.

Im Jahr 1821 folgte dann eine weitere Regelung für die Ablösung des grundherrschaftlichen Eigentums, das in den neupreußischen Gebieten verbreitet war. Allein die 12.000 Rittergüter in Preußen vergrößerten durch die Abtretungen ihren Besitz zusammen um anderthalb Millionen Morgen. Hinzu kam ein Großteil der Allmende, also das bislang von allen nutzbare Land eines Dorfes. Von diesem fiel nur 14 % an die Bauern, der Rest ging ebenfalls in den Besitz der Gutsbesitzer über. In der Folge verloren viele Kleinbauern ihre Existenzgrundlage und mussten ihr überschuldetes Land an die Grundherren verkaufen. Diese vergrößerten so weiter ihren Besitz, während die ehemaligen Bauern meist Landarbeiter wurden. Die Zahl der je nach Region und Rechten unterschiedlich bezeichneten Landarbeiter (Instleute, Gesinde, Tagelöhner) stieg um das Zweieinhalbfache. Die Zahl der Kleinbesitzer, regional Kätner genannt, nahm um das Drei- bis Vierfache zu. Viele waren auf einen handwerklichen oder sonstigen Nebenerwerb angewiesen.

Einen gewissen Ausgleich für die Bauern bot die Nutzbarmachung brachliegender Flächen, allerdings bedeutete dies die Abdrängung auf schlechtere Böden. Für die fiskalischen Interessen des Staates, die letztlich hinter der Bauernpolitik standen, waren die Maßnahmen äußerst erfolgreich. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche wurde bis 1848 von 7,3 Millionen auf 12,46 Millionen Hektar vergrößert, und die Produktion erhöhte sich um vierzig Prozent. Obwohl die Reformer mit diesem Edikt hauptsächlich für mehr Freiheit sorgen wollten, vergrößerte sich in der Folgezeit die besitzlose ländliche Unterschicht. Letztlich profitierten außer einem begrenzten bäuerlichen Mittelstand die Großgrundbesitzer und adligen Junker von der Reform, die auf diese Weise ihren Landbesitz mehren konnten.

Steinobst

Bezeichnung für Pflanzenarten, deren Früchte als Steinfrüchte ausgebildet sind. In ihrem Inneren sitzt ein den Samen umschließender Steinkern, der von dem fleischigen oder faserigen Fruchtfleisch mit einer häutigen oder ledrigen Hülle umgeben ist. Der „Stein“ unterscheidet diese Früchte von Beeren, die fleischige äußere Fruchtwand, das Fruchtfleisch, von Nüssen. Beim Steinobst entwickelt sich nur eine Samenanlage pro Fruchtknoten weiter.

Steinfrüchte zählen hauptsächlich zu den Obstarten (mehr oder weniger süße Früchte), deswegen die übliche Bezeichnung Steinobst, obwohl auch Früchte, die nicht typischerweise zum Obst zählen (z.B. Kokosnuss), zu den Gewächsen mit Steinfrüchten gehören.

In unseren Breiten zählen dazu die Gruppe der Pflaumen (mit Zwetschgen, Rundpflaumen, Mirabellen und Renekloden), die Aprikosen, Pfirsiche/Nektarinen sowie Süß- und Sauerkirschen.

Während Aprikosen und Pfirsiche/Nektarinen in Deutschland nur in besonders günstigen Klimazonen angebaut werden können, hat der Pflaumen- und Kirschenanbau hierzulande eine recht große Bedeutung.

Steppe

Steppen (von russisch степь step) sind offene (weithin baumlose) Pflanzenformationen der außertropischen Trockengebiete (Mittelbreiten und Subtropen), in denen Gräser, Kräuter oder - seltener (wie in Wüstensteppen) - kleinwüchsige Gehölze dominieren.

Typische Merkmale sind kontinentales Klima mit Winterkälte und sommerlicher Trockenheit, geringe Jahresniederschläge (400–600 mm), feinerdige Böden (oft Löss) und einförmiger Bewuchs. Steppen sind demnach von den andersartig funktionierenden Ökosystemen der tropischen Savannen zu trennen.

Steppen entstehen dort, wo die Vegetationszeit aufgrund von sommerlicher Trockenheit und winterlicher Kälte kürzer als 120 Tage ist und sich deshalb kein Wald entwickeln kann. In Steppen ist die intensive Bodendurchmischung (Bioturbation) durch Wühler (z.B. Ziesel) charakteristisch, die im Winter und Hochsommer die tiefen, im Frühjahr und Herbst die oberen Bodenlagen durchmischen (Tschernosem). Im Frühsommer und im Frühherbst kommt es aufgrund des hohen Nährstoffumsatzes zu einer sehr hohen Primärproduktion im Steppen-Ökosystem.

Die Bezeichnung ist ursprünglich für die großen eurasiatischen Steppen geprägt worden, als Prototyp gelten die frostreichen baumfreien Grasfluren des südlichen Russlands. Ansonsten wird die Bezeichnung auch auf entsprechende Vegetationsformen in Nord- und Süd-Afrika oder in Australien angewandt. Die entsprechende Formation wird in Nordamerika als Prärie, in Argentinien als Pampa bezeichnet. Die subtropischen Steppen in Kleinasien gelten als Herkunftsgebiet der Getreidearten (Getreide) und daraus resultierend als einer der ältesten Kulturräume (Fruchtbarer Halbmond). Weltweit wird in Steppengebieten Getreideanbau und Großviehhaltung betrieben. Wegen der kurzen Vegetationszeit werden überwiegend Mais und Weizen angebaut. Große Teile der Weltweizenproduktion stammen aus den Steppen Nordamerikas und Eurasiens. Je arider das Klima der Steppe wird, desto unsicherer werden die Erträge.

Die teilweise sehr intensive Nutzung führte vielerorts zu massiven Umweltproblemen (z.B. erhöhte Bodenerosion, Verarmung der ursprünglich reichen Großtierfauna). Wo die Wasserverhältnisse nur eine extensive Landwirtschaft zulassen, dominiert die mobile Tierhaltung. Nutztiere sind z. B. Büffel, Rind, Pferd, Schaf, Ziege, Kamel und Yak. Zudem findet sich in einigen Bereichen der eurasischen Steppe noch traditionell nomadische Viehhaltung.

Eine allmähliche "Verwaldung" wurde durch die Naturweide von Mega-Herbivoren (Pferd, Wisent bzw. Bison) und durch Flächenbrände stetig behindert und kommt in der Alten Welt seit Einwirken des Nomadismus bzw. in der Neuen Welt durch dry farming gänzlich zum Erliegen. Dennoch bilden Steppen anders als die meisten tropischen Savannen natürliche Grasfluren, die auf die Trockenheit in den Zentren der Kontinente der Nordhalbkugel bzw. in Leelagen meridionaler Gebirgszüge zurückgehen (Südinsel von Neuseeland, Patagonien). Im Übergang zu den temperierten Halbwüsten und Vollwüsten werden sie von Strauchsteppen abgelöst, die in Eurasien und Nordamerika von Wermutsträuchern und dann verstärkt von Meldengewächsen geprägt werden.

Eine Abfolge verdeutlicht eine klimaökologische Unterteilung, in der die zugewiesene Anzahl der ariden Monate (in Klammern) von edaphischen Faktoren überlagert wird: Waldsteppe (4-7), Langgrassteppe (5-8), Mischgrassteppe (6-9), Kurzgrassteppe (7-10), Strauchsteppe (8-11), temperierte Halbwüste (9-12). Bei den Waldsteppen handelt es sich um staudenreiche Fluren mit Waldinseln aus vorrangig Eichen und Kiefern.

Umgangssprachlich wird der Begriff Steppe auch für andere Landschaftstypen mit offenem, baumfreiem Charakter verwendet (z.B. Kältesteppe, Gebirgssteppe). Intensiv ackerbaulich genutzte, ausgeräumte Landschaften in Mitteleuropa werden als Kultursteppe bezeichnet.

Steppenheide

Ein strauch- und baumarmer Trockenrasen an niederschlagsarmen, oft kalkreichen Standorten Mitteleuropas, z.B. auf der Schwäbischen Alb.

Stickstoffdünger

Stickstoff ist ein unverzichtbarer Pflanzennährstoff, weil ohne Stickstoff die Pflanze kein Eiweiß bilden kann. Stickstoff kann den Pflanzen als Handelsdünger oder Wirtschaftsdünger zugeführt werden. Stickstoffverbindungen sind gut wasserlöslich. So kann Stickstoff von Feldern ins Grundwasser oder in Oberflächengewässer gespült werden und so in das Trinkwasser gelangen. Eine dem Bedarf der Pflanzen angepasste Düngung beugt Verunreinigungen der Gewässer vor.

Stickstoffbelastung der Böden in der EU (2010)

Stickstoffbelastung der Böden in der EU (2010)

Der in Düngemitteln enthaltene Stickstoff dringt tief in den Boden ein, wenn zu viel gedüngt wird, und gelangt unter ungünstigen Standortbedingungen als Nitrat ins Grundwasser.

Das optimale Düngen hängt stark vom Zeitpunkt und vom gewählten Verfahren ab. So verringern sich die gasförmigen Verluste von Stickstoff – die Ammoniakemissionen in die Luft –, wenn Mistlager im Freien abgedeckt sind oder die Gülle nach ihrer Ausbringung sofort in den Boden eingearbeitet wird. In stehenden Pflanzenbeständen soll dies möglichst per Bodeninjektion geschehen, anstatt sie breit oberflächlich zu verteilen. Mit der richtigen Technik können die Betriebe ihre Verluste deutlich verringern.

Die EU-Nitratrichtlinie gibt derzeit einen Trinkwassergrenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter vor. Doch trotz der EU-rechtlichen Obergrenze für Wirtschaftsdünger von 170 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr wird in Deutschland an vielen Messstellen der 50-Milligramm-Grenzwert bereits seit Jahren überschritten.

Quelle: Fleischatlas 2018

Weitere Informationen:

Stickstoffdynamik

Umsetzungsvorgänge zwischen den gebundenen und pflanzenverfügbaren Stickstoffverbindungen im Stoffkreislauf des Bodens.

Stickstoffkreislauf

Stickstoff ist in Biomolekülen wie DNA, RNA sowie in Proteinen enthalten, die bei allen Organismen lebenswichtige Funktionen übernehmen. Wichtigste Stickstoffquelle ist die Atmosphäre (78 Vol% in trockener Luft). Von dort ist er nicht direkt für die Pflanzen verwertbar. Dazu ist der Umweg über den Boden als "Stickstofflabor" vonnöten.

Der atmosphärische Stickstoff wird im Boden auf zweierlei Weise gebunden: durch freilebende Cyano-Bakterien und durch Knöllchenbakterien, die mit Schmetterlingsblütlern in Symbiose zusammenarbeiten. Auch die Chemieindustrie verwendet Luftstickstoff zur Düngerproduktion, erreicht aber nur rund 25 % der weltweiten N-Bindung.

Im Stickstoffkreislauf werden die Überreste der Ernährung von Tier und Mensch zusammen mit Ernterückständen und den Resten der Nicht-Nutzpflanzen von den Bodenlebewesen wieder für die Pflanzen aufbereitet. Auch der Stickstoffeintrag aus der Luft darf nicht unberücksichtigt bleiben; er stammt vor allem aus den Abgasen der Industrie, des Hausbrandes und des Verkehrs. Je Hektar und Jahr erreicht er durchschnittlich 25 kg N. Zusätzliche Fixierung von pflanzenverfügbarem Stickstoff ergibt sich aus Blitzschlag und Vulkaneruption.

Veränderungen der Bilanzelemente 1990 – 2010
(Gesamtbilanz Deutschland)
Veränderungen der Bilanzelemente 1990 – 2010 (Gesamtbilanz Deutschland)

Quelle: Inst. für Pflanzen und Bodenkunde, Julius Kühn Institut
und Inst. für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement (ILR), Universität Gießen (2014)

Der Stickstoffkreislauf besteht eigentlich aus zahlreichen Einzelkreisläufen. Einige davon spielen sich im Boden ab: Bakterien zerlegen Eiweiß und andere organische Abfälle zu Ammoniak, das andere Bakterien zu Nitrit und Nitrat umbauen. Wieder andere Mikroorganismen machen durch die Denitrifikation einen Teil der Arbeit zunichte: Sie bauen die Produkte ihrer Nachbarn zu gasförmigem Stickstoff ab oder zu Stickoxiden (darunter weltweit viele Millionen Tonnen des treibhauswirksamen N2O, dem Lachgas) um, die in die Atmosphäre emittiert werden. Ein Teil des Stickstoffdüngers - und auch der bakteriell erzeugten Pflanzennährstoffe - wird ausgewaschen und gelangt in Gewässer. Hier setzen denitrifizierende Bakterien Stickstoff frei, und der Kreislauf beginnt von neuem.

Die bevorzugten Formen der Stickstoffaufnahme bei Pflanzen und Mikroorganismen stellen das Nitrat und das Ammoniak dar. Die meisten Mikroorganismen - in geringerem Umfang auch die höheren Pflanzen - können neben N-Salzen auch organische Stickstoffverbindungen wie Eiweiße und Aminosäuren aufnehmen. Für die meisten der im Boden lebenden Pilze und Bakterien ist die Aufnahme bestimmter N-Verbindungen wie Aminosäuren und Vitamine lebenswichtig für das Wachstum, da sie diese Verbindungen nicht selbst synthetisieren können.

Stickstoffbilanz im Bodenbereich
Stickstoffbilanz im Bodenbereich

Quelle: Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre" 1994

Die Differenz zwischen der Stickstoffzuführung durch Düngung und dem Stickstoffentzug durch das Erntegut ergibt die Stickstoffbilanz landwirtschaftlicher Flächen. Für Deutschland ergaben sich Anfang der neunziger Jahre durchschnittliche Bilanzüberschüsse von gut 100 kg N/ha bewirtschafteter Fläche. Hohe Bilanzüberschüsse treten vor allem in den alten Bundesländern in Gebieten mit konzentrierter Veredlungswirtschaft (z.B. im Weser-Ems-Gebiet und in Westfalen), bei Sonderkulturen wie Hopfen, Gemüse, Obst, Wein (z.B. am Kaiserstuhl, im Alten Land und in der Goldenen Aue) sowie in den neuen Bundesländern in Regionen mit intensivem Ackerbau (z.B. in der Leipziger Tieflandsbucht) auf.
Daraus ergeben sich drei ökologische Teilprobleme:

(s. a. Umweltwirkungen, Überdüngung, Treibhauseffekt)

Weitere Informationen:

Stockwerkkultur

Intensive landwirtschaftliche Bodennutzung, bei der verschiedene Kulturpflanzen unterschiedlicher Wuchshöhe in unmittelbarer räumlicher Nähe angebaut werden.

(s. a. coltura mista, Mischkultur)

Straßendorf

Lineare Ortsform aus zwei relativ dichten Zeilen, bei der sich der überwiegende Teil der Hofreiten auf eine breite Gasse orientiert. Mit dem Begriff "Straße" ist bei Straßendörfern zumindest historisch kein überörtlicher Verkehrsweg gemeint. Die "Straße" geht oder ging an den Ortsausgängen oft in Feldwege über.

Strauchbeeren

Unter den Strauchbeeren werden alle Beerenarten verstanden, die auf Sträuchern wachsen. Dazu zählen neben den bekannten Johannisbeeren, Stachelbeeren und Himbeeren auch exotische Vertreter wie die Kiwi oder Goji-Beere. Erdbeeren hingegen gehören nicht dazu. Strauchbeeren sind vitaminreiche Früchte mit vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten.

Das reicht vom „fingerfood“ bis zur industriellen Verarbeitung zu Saft und Konfitüren. Ein Nachteil, besonders bei der Frischvermarktung, stellt die begrenzte Lagerfähigkeit der Früchte dar.

In Deutschland wird jährlich eine Erhebung durchgeführt bzgl. Anbau und Ernte von Strauchbeerenobst, die Strauchbeerenarten im Freiland und unter hohen begehbaren Schutzabdeckungen einschließlich Gewächshäusern, die ökologische Wirtschaftsweise und alle drei Jahre die Verwendung der Ernte.

Danach zählt man folgende Pflanzen zu den Strauchbeeren:

Im Jahr 2017 (DESTATIS) wurden in Deutschland auf einer Anbaufläche von 8.900 Hektar rund 40.100 Tonnen Strauchbeeren geerntet. Damit stieg die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 5 % und die Erntemenge um 11 %. Die Anbaufläche für Strauchbeeren wurde in den letzten fünf Jahren kontinuierlich ausgeweitet. Sie hat sich gegenüber 2012 um 30 % vergrößert.

Die Kulturheidelbeere ist mit einem Anteil von 34 % der gesamten Strauchbeerenernte weiterhin die mit Abstand bedeutendste Strauchbeerenart in Deutschland. Im Jahr 2017 wurden auf einer Anbaufläche von gut 2.800 Hektar rund 13.800 Tonnen Kulturheidelbeeren geerntet, 29 % mehr als im Jahr 2016. Danach folgten Rote und Weiße Johannisbeeren mit knapp 6.900 Tonnen (-5 %), Himbeeren mit knapp 6.400 Tonnen (+13 %) und Schwarze Johannisbeeren mit gut 5.600 Tonnen (-17 %).

Strauchbeeren werden in Deutschland mit fast 29 % der Anbaufläche zu einem sehr hohen Anteil ökologisch erzeugt. In Betrieben mit vollständig ökologischer Erzeugung wurden auf einer Anbaufläche von 2.600 Hektar 5.200 Tonnen Strauchbeeren geerntet. Im Vergleich zum Vorjahr vergrößerte sich die vollständig ökologische Anbaufläche um 9 %, während die Erntemenge um 16 % stieg.

10 % der Strauchbeerenernte stammten 2017 aus dem Anbau unter hohen begehbaren Schutzabdeckungen. Mit rund 3.600 Tonnen hatten die Himbeeren dabei den bei Weitem größten Anteil von 86 %. Erstmalig wurden 2017 mehr Himbeeren unter hohen begehbaren Schutzabdeckungen geerntet als im Freiland.

Die größten Strauchbeerenanbauflächen befanden sich in Niedersachsen (2.200 Hektar), Baden-Württemberg (1.600 Hektar) und Bayern (1.200 Hektar).

Strauchbeerenanbauflächen und Anzahl der Betriebe mit Strauchbeerenanbau nach Bundesländern

Der Strauchbeerenanbau hat zwischen 2006 und 2017 kräftig zugelegt (+ 51,6 %), während sich die Zahl der Betriebe, die Strauchbeeren anbauen, mehr als halbiert hat (- 55,9 %). Der starke Zuwachs des Strauchbeerenanbaus ist vor allem auf den Anstieg des Heidelbeeranbaus, aber auch von Sanddorn, Aroniabeeren, Stachelbeeren, Brombeeren und Holunder zurückzuführen. Zu den Strauchbeeren gehören u.a. auch Himbeeren sowie Schwarze, Rote und Weiße Johannisbeeren. Die Erdbeerflächen sind im Zehnjahresvergleich tendenziell weiter gestiegen, während die Zahl der Erdbeeranbauer um fast ein Drittel geschrumpft ist.
Groß sind die Strukturunterschiede im Obstbau. Im Norden und besonders im Osten Deutschlands sind Obstbaubetriebe deutlich größer als im Süden Deutschlands.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Thünen-Institut nach DBV Situationsbericht 2018/19

(s. a. Baumobst, Beerenobst)

Streichblechpflug

Die heute überwiegend verwendete Pflugbauform. Der Pflugkörper schneidet einen rechteckigen Erdbalken aus dem Boden. Das Verhältnis von Breite : Arbeitstiefe beträgt etwa 1,2 : 1. Durch die Vorwärtsbewegung wird der Erdbalken über das Streichblech geschoben und dabei zur Seite transportiert (Furchenräumung), gewendet (normal ca. 135°), in sich verschoben und gebröckelt.

(s. a. Pflug)

Streifenanbau

Kulturtechnische Erosionsschutzmaßnahme, bei der sich im Abstand von 15 bis 100 m Streifen von unterschiedlich hoch wachsenden Kulturpflanzen abwechseln. Die Streifen sind quer zur vorherrschenden Windrichtung bzw. hangparallel angeordnet. Streifenanbau läßt keine großen ungeschützten Flächen entstehen, und er unterbricht den Oberflächenabfluß bzw. den Luftstrom.

(s. a. Bodenerosion, Konturpflügen)

Streifenflur

Flurform, die von einem oder mehreren parallelen Liniensystemen der Parzellenlängsgrenzen geprägt wird. Das Breiten-Längen-Verhältnis der Parzellen geht über 1 : 2,5 hinaus, liegt meist über 1 : 10 und erreicht oft sogar über 1 : 50 oder mehr. Die Länge der einzelnen Streifen beträgt zwischen 50 und 2.000 m. Extremfälle erreichen über 10 km Länge. Charakteristisch ist das gruppenweise parallele Nebeneinander der Streifen. Bei der Typisierung von Streifenfluren in Lang-, Kurz-, Breit- und Schmalstreifen sollten relative Einstufungen vorgenommen werden. Den Verlauf der Streifen im Gelände erläutern Zusätze wie "hangsenkrecht" oder "hangparallel".

(s. a. Breitstreifenflur, Gewannflur, Kurzstreifenflur, Langstreifenflur, Schmalstreifenflur)

Streifengemengeflur

Streifenflur mit Gemengelage der Besitzparzellen. Einem breiten Spektrum der Streifengemengefluren (auch außereuropäischer) steht ein ebenso breites von Erklärungsansätzen gegenüber: genossenschaftliche Organisation, Messverfahren (Umverteilung, Prinzip der einfachen Breitenmessung), Landwirtschaftstechnik (Bewässerung), Mittel der Bodenbearbeitung (schollenwendender Scharpflug), Gleichverteilung der Parzellen auf die unterschiedlichen Bodenqualitäten (Gerechtigkeitsprinzip) bzw. auf verschiedene Abschnitte der Flur (Zelgenwirtschaft) und Erbrecht (Realteilung).

Streifengewannflur

Aus Schmalstreifen-Parzellenverbänden bestehender Flurformentyp, dessen Parzellen in der Längsrichtung parallel zueinander verlaufen.

Streu

Abgestorbene Pflanzenreste, auch Reste tierischer Bodenlebewesen auf der Bodenoberfläche, die nicht oder nur schwach zersetzt sind und deren Gewebestruktur großenteils noch morphologisch sichtbar sind. Besonders deutlich kommt Streu auf Waldböden vor. Im Bodenprofil bildet Streu eine L-Lage, von engl. litter (Streu). In biologisch aktiven Böden wird die Streu sehr rasch abgebaut. Je nach Herkunft werden verschiedene Streuarten unterschieden (Halm-, Blatt-, Nadel-, Laub-Streu usw.). Die Streuart ist wegen ihrer unterschiedlichen Abbaubarkeit für die Ausbildung der Humusformen mitbestimmend.

Streunutzung

Obsolete bäuerliche Bewirtschaftungsmaßnahme zu Lasten der Waldökosysteme Mitteleuropas. Sie bestand in der jährlichen oder periodischen Entnahme der Bodenvegetation, der Humusauflage und von Teilen des Mineralbodens für Einstreuzwecke; sie entstand beim Übergang zur Stallhaltung des Viehs um etwa 1750 und dauerte z.T. bis nach dem 2. WK an. Streunutzung bedeutete einen gravierenden Nährstoff- und Humusexport aus dem Walde.

Streuobst

Streuobst beschreibt den Bewuchs einer Fläche mit (hochstämmigen) Obstbäumen. Im ATKIS Basis-DLM wird dabei zwischen Streuobstwiese und Streuobstacker (eher historisch) unterschieden. Die Zuordnung erfolgt grundsätzlich zur Landwirtschaftsfläche und damit zum Freiraum.

Streuobstwiesen

Streuobstwiesen sind in Mitteleuropa, Schweiz und Österreich traditionelle, bis in die römische Zeit zurückreichende Formen des Obstanbaus mit starkwüchsigen und großkronigen Bäumen (überwiegend Hochstämme) unterschiedlicher Obstarten auf Grünland, die wie zufällig über die Wiese oder Weide "verstreut" wirken. Gelegentlich sind sie auch auf Ackerland zu finden (Streuobstacker). Dabei kann es durchaus auch zu Block- oder Reihenpflanzungen kommen. Die Bäume unterscheiden sich in der Regel hinsichtlich ihres Alters, der verwendeten Arten und Sorten. Die Bestände werden extensiv bewirtschaftet, d.h. nicht regelmäßig nach Spritz- Dünge- und Schnittplänen behandelt. Als Stockwerkbau spart diese Bewirtschaftungsweise Platz, lässt aber keine intensive Nutzung zu. Häufig finden sich die Bestände an Steillagen, wo kein Ackerbau betrieben werden kann. Von den geschlossenen Blöcken moderner Niederstamm-Dichtpflanzungen unterscheiden sich die Streuobstwiesen alleine schon physiognomisch. Streuobstwiesen liefern Tierprodukte, Heu/Grünfutter sowie Obst (v.a. Äpfel, Birnen, Kirschen, auch Pflaumen und Walnüsse) oder dienen als Weide.

Die Bezeichnung hat nichts mit den für Obstbäume meist viel zu feuchten Streuwiesen zu tun, bei denen der Name mit dem von ihnen gewonnenen Mähgut zusammenhängt, das wegen seiner schlechten Futterqualität nur zur Einstreu verwendet werden konnte.

Streuobstanbau geht bis in die Römische Zeit zurück (Herzog 1998). Früher ergänzte die Obstproduktion die magere Nahrungsmittelversorgung, stellte aber auch die Basis für die kommerzielle Obstproduktion dar, weshalb ökonomische Gründe für die Entwicklung des Systems entscheidend waren (Nerlich et al. 2013).

Im 18. und 19. Jh. wurde die Ausdehnung der Obstbaumbestände durch Landesherren gefördert, so beispielsweise in Württemberg (Weller 1996). Diese erließen Vorschriften über die Zahl der von ansässigen Bürgern auf Allmenden und an Straßenrändern zu pflanzenden und zu pflegenden Obstbäume. Für diese Entwicklung waren natürlich nicht landschaftsästhetische, sondern vorrangig wirtschaftliche Überlegungen ausschlaggebend ("Auf jeden Raum pflanz' einen Baum, und pflege sein, er trägt's Dir ein").

Die Baumpflanzungen wurden allmählich in größerem Umfang auch auf die landbaulich wertvolleren Grundstücke ausgedehnt. Eine besondere Massierung erfolgte im Bereich ehemaliger Weinberge. In der Regel erfolgte die Umstellung nicht direkt zu den Streuobstwiesen, sondern es entstanden Baumäcker mit wechselnden Unterkulturen. Später wurden sie aufgrund ihrer meist beschwerlichen Nutzung durch Hanglage oder schwere Böden in Baumwiesen umgewandelt.

Die Ablösung der Hochstammkulturen begann in den überwiegend kleinbäuerlichen Betrieben Südwestdeutschlands ansatzweise erst in den 30er Jahren. Demgegenüber leiteten einige Spezialbetriebe die Ablösung des Hochstammes durch niedrige Baumformen im Rheinland schon ab 1900, im Magdeburger, Berliner und Dresdner Raum nach dem 1. WK ein. Viele Quellen weisen aber darauf hin, daß noch bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg ein Höhepunkt in der Ausdehnung von Streuobst erreicht wurde, andere Quellen sprechen sogar von einem Maximum kurz nach dem 2. WK.

Als sich diese alten Strukturen als unwirtschaftlich zu erweisen begannen (u.a. aufgrund moderner Obstproduktionsverfahren), kam es ab Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jh. zu Rodungen dort, wo moderne Niederstamm-Dichtpflanzungen oder andere Intensivnutzungen möglich waren. Gefördert wurden die Rodungen durch EG-Prämien auf der Grundlage des Generalobstbauplans von 1957. Im Alten Land bei Hamburg waren noch 1965 über die Hälfte der Apfel- und Birnbäume hoch- oder halbstämmige Bäume. Heute sind es nur noch etwa 5 %.
Neben den aus Landesmitteln und EG-Zuschüssen finanzierten Rodungen wurden Flurbereinigungsverfahren zum Anlass genommen, die Beseitigung hochstämmiger Obstwiesen voranzutreiben. Mit gleicher Wirkung folgenreich war auch die rege Bautätigkeit der letzten Jahrzehnte.

Die Erlöse aus den Streuobstwiesen reichen für ihren Erhalt nicht aus, auch weil die Erträge zu stark schwanken. Beispielsweise wurden 1999 in Baden-Württemberg 600 000 Tonnen Streu- und Gartenobst geerntet, im darauf folgenden Jahr 1,3 Mio. Tonnen, aber 2001 nur 450 000 Tonnen. So wurden mit staatlicher Unterstützung allein in Baden-Württemberg, der wichtigsten Region für den Apfelanbau, 15 700 Hektar Streuobstwiesen gerodet. Inzwischen werden Streuobstwiesen staatlich gefördert, da sie das Landschaftsbild bereichern und einer großen Zahl von Tieren und Pflanzen Lebensraum bieten.

Merkmale von Streuobstwiesen:

Der stetige Rückgang der Streuobstwiesen führt zu einer Verknappung von aromatischem, säurereichem Mostobst, für das die Fruchtsaftindustrie neuerdings wieder steigendes Interesse zeigt. Für die Verwertungsindustrie insgesamt bildet der Streuobstbau mit Abstand die wichtigste Produktionsgrundlage.

Für den Erhalt der Streuobstwiesen sind aufwendige Pflegemaßnahmen durch die Grundeigentümer unerläßlich. Vereinzelt helfen Naturschutzverbände durch den Verkauf von Obstsäften aus ungespritzten Streuobstanlagen, dieses kulturlandschaftliche Element zu erhalten und leisten damit gleichzeitig eine on farm-Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen.

2021 ist der Streuobstanbau auf Antrag des Vereins Hochstamm Deutschland e.V. mit Unterstützung des NABU, weiterer Verbände und rund 500.000 Unterschriften als Immaterielles Weltkulturerbe von der UNESCO anerkannt worden.

Weitere Informationen:

Streurecht

Altüberkommenes Recht zur Entnahme von Streu aus grundherrschaftlichen bzw. staatlichen Wäldern.

Streusiedlung

Von einer Streusiedlung wird gesprochen, wenn Einzelsiedlungen und kleine Gruppensiedlungen vermischt auftreten (Born, 1977). Die Einzelhöfe einer Streusiedlung unterscheiden sich kaum hinsichtlich der Wohnplatzanordnung, dagegen aber als Wirtschafts- und Rechtsverband von der eigentlichen Einzelsiedlung. Streusiedlung mit gemeinsamer Flurnutzung finden sich besonders bei nordwestdeutschen Eschsiedlungen. Hierher gehören die Drubbel, nach Müller-Wille (1944), Gruppen von 3-15 Hofstellen am Rande von Eschen.

Streuwiesen

Streuwiesen sind eine besondere Nutzungsform des Grünlandes. Im Gegensatz zu Futterwiesen werden sie nicht für die Futtergewinnung gemäht, sondern wegen ihrer schlechten Futterqualität für die Gewinnung von Stalleinstreu. Die Mahd erfolgt im Spätjahr, wenn die oberirdischen Teile der Pflanzen abgestorben und dadurch saugfähiger geworden sind. Deshalb wurden sie in manchen Gegenden auch "Herbstwiesen" genannt.

Da die Pflanzen der Streuwiesen stehend absterben und bis in den Winter hinein aufrecht stehen bleiben, erfordert die Ernte trockener Streu auch im Spätherbst nur wenige Stunden Sonnenschein. Die Ernte erfolgte früher durch Rupfen mit der Hand, durch Abhacken mit der Sensenhacke, bei Ernte im Frühjahr durch Abbrechen der dann liegenden Streu. Heute werden die wenigen verbliebenen Streuwiesen meist mit dem Kreiselmäher oder einem Doppelmesserbalkenmäher gemäht.

Der Höhepunkt der Streukultur war in den zwanziger und dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts erreicht. Heute hat die Landwirtschaft aber seit langem auf Ställe mit Spaltenböden und Güllebereitung umgestellt. Durch die modernen strohlosen Aufstallungsformen ist das Mähen der Einstreu nicht mehr nötig. Allenfalls für den Jungviehstall besteht gelegentlich noch Bedarf an Einstreu, der aber leicht mit Stroh gedeckt werden kann.

Meliorationen, unter anderem im Rahmen des Reichsarbeitsdienstes, Mechanisierung und Arbeitskräftemangel taten ein übriges, daß die Streuwiesen aus dem Betriebsablauf ausgegliedert wurden.

Als Streuwiesen wurden und werden vor allem wechselfeuchte bis staunasse Standorte bewirtschaftet, da deren Pflanzenaufwuchs wegen seiner Zusammensetzung nicht als Futter geeignet ist. Zu den Standorten gehören sowohl mineralische Feucht- und Naßböden (z.B. Aueböden, Grundwasserböden, Stauwasserböden) wie auch die organischen Nieder- und Hochmoorböden. Die heute noch verbliebenen Streuwiesen haben nährstoffarme Standorte. Sie wurden nie gedüngt, da für solche Flächen kein Dünger übrig war. Nährstoffzufuhr bekamen sie nur durch gelegentliche Überschwemmungen, wenn die Wiese in Bachnähe lag. Auch sonst wurden und werden Streuwiesen nur sehr extensiv gepflegt, wenn überhaupt. Auf sehr nassen Standorten wurden gelegentlich spatentiefe Entwässerungsgräben auf der Parzellengrenze zur Verbesserung der Befahrbarkeit gezogen.

Streuwiesen sind für den Naturschutz sehr bedeutungsvoll, da sie ausgesprochen artenreich sind (Orchideen, Schwertlilien, Mehlprimeln, Enzianarten, Falterarten wie Heufalter, Dukatenfalter, Vogelarten wie Sumpfohreule, Wiesenweihe). Bleibt die jährliche Mahd aus, verbuschen die Streuwiesen. Durch den damit verbundenen Lichtmangel werden die niedrig wachsenden Pflanzenarten verdrängt und eine Artenverarmung ist die Folge.

Die Verwertung oder Verwendung des anfallenden Mähguts bereitet heute große Probleme, da der ursprüngliche Verwendungszweck i.d.R. nicht mehr gegeben ist. Alle bisherigen Lösungen (Einstreu in der Pferdehaltung, Abdeckmaterial im Gemüsebau, Mieten- und Flächenkompostierung mit Ausbringen des Kompostes auf Ackerland) sind allenfalls lokal umsetzbar. Eine neue Lösung scheint die staubfeine Zermahlung der Streu mit Hilfe von Strohmühlen zu sein. Das dabei gewonnene Streu-Mehl kann als Einstreu auch in Ställen mit Spaltenböden und Güllebereitung verwendet werden, da die Gülle trotz der Beimengung des Streumehls noch pumpfähig ist. Eine widersinnige Alternative stellt die Deponierung dar.

strip farming

Auch Streifenanbau, Streifenkultur; der streifenförmiger Anbau von Kulturpflanzen unterschiedlichen Nährstoffbedarfs, unterschiedlicher Wuchshöhe und Erntezeit. Um Winderosion zu vermeiden, werden die Streifen quer zur Hauptwindrichtung angelegt. In hängigem Gelände soll hangparalleles Strip Farming Bodenerosion verhindern. Es stellt ferner eine Gegenmaßnahme zur Monokultur dar.

Stroh

Ausgedroschene und getrocknete Getreidehalme, die nach der Ernte übrig bleiben. Stroh wird u.a. als Einstreu in der Viehhaltung und als Bau- und Energierohstoff verwertet, früher häufig für Strohhalme zum Trinken. Betriebe, die keine Viehhaltung betreiben, häckseln das Stroh bei der Getreideernte und lassen es auf dem Acker zurück, um die Humusbildung im Boden anzuregen.

Strukturfonds

Die Europäischen Struktur- und Investitionsfonds (ESI-Fonds) sind die wichtigsten Förderinstrumente der EU, sie machen heute (2017) den zweitgrößten Haushaltsposten im EU-Haushalt aus. Beim wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt der EU-Länder, der Kohäsion, sollen sie das Ziel verwirklichen helfen "..., die Unterschiede im Entwicklungsstand der verschiedenen Regionen und den Rückstand der am stärksten benachteiligten Gebiete einschließlich ländlicher Gebiete, zu verringern" (Art. 158, ex-Art. 130 a EWG-Vertrag).

Die ESI-Fonds tragen zur Stärkung des wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalts der Union bei und fördern Wachstum und Beschäftigung. Für die laufende Förderperiode von 2014 – 2020 stehen dafür aus diesen Fonds europaweit rund 454 Milliarden Euro zur Verfügung, von denen Deutschland knapp 30 Milliarden Euro erhält. Oder anders ausgedrückt: Jeden Tag fließen zwölf Millionen Euro Fördermittel aus den Fonds nach Deutschland.
Durch dieses Geld sollen die Regionen und Städte wettbewerbs fähiger werden, neue Arbeitsplätze entstehen, eine nach haltige Entwicklung unterstützt und die Verbesserung der Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger gefördert werden.

Dazu tragen die fünf ESI-Fonds bei:

Der Europäische Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL) zählte bis Ende 2006 bzw. bis zur Reform der Europäischen Agrarpolitik auch dazu.

Weitere Informationen:

Strukturwandel

Im Kontext der Landwirtschaft die Bezeichnung für Änderungen der Agrarstruktur eines landschaftlichen (z.B. Schwarzwald), politischen oder wirtschaftlichen (z.B. EU) Bezugsraumes aufgrund sich ändernder ökonomischer, historischer, politischer, technologischer oder ökologischer Einflußgrößen. Agrarstrukturentwicklungen und -anpassungen innerhalb der EU vollziehen sich - z. T. sogar durch agrarpolitische Maßnahmen gedämpft - vergleichsweise langsam. In den sogenannten Transformationsländern des ehemaligen Ostblocks erfolgen diese Änderungen abrupt.

Der Strukturwandel betrifft u.a. folgende Größen:

Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft

Die Landwirtschaft in Deutschland wandelt sich stark. Weniger Betriebe bewirtschaften zunehmend größere Flächen und Viehbestände mit deutlich höherem Kapitaleinsatz, weniger festen Arbeitskräften und mehr Lohnarbeitern und Lohnarbeiterinnen. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist die Zahl der Betriebe in Deutschland um die Hälfte zurückgegangen. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich zwischen den Jahren 2013 und 2016 um rund 3,4 % (etwa 9 600 Betriebe) verringert. Zwischen der Agrarstrukturerhebung 2013 und der Landwirtschaftszählung 2010 hatte es noch einen deutlicheren Rückgang von knapp 4,7 % (- 14 100 Betriebe) gegeben. Im Jahr 2016 bewirtschafteten in Deutschland 275 400 landwirtschaftliche Betriebe insgesamt rund 16,7 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche. Die Größe der Fläche hat sich damit gegenüber den Jahren 2013 und 2010 kaum verändert.

Die Zahl der Arbeitskräfte sank seit Mitte der 1990er-Jahre um ein Drittel. Mit einem Kapitaleinsatz von 536.000 Euro pro Erwerbstätigem liegt die Landwirtschaft deutlich über dem Durchschnitt der deutschen Wirtschaft mit 408.000 Euro pro Erwerbstätigem, worin sich die große Investitionsbereitschaft zur Senkung von Arbeitskosten zeigt. Während in den ostdeutschen Bundesländern große Betriebe die Regel sind, gab es 2016 in Westdeutschland bereits 47 Betriebe mit mehr als 1.000 Hektar, die meisten davon in Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Erhöhte Leistungsfähigkeit

Immer mehr Menschen werden von einem Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche ernährt. Der Hektarertrag für Weizen zum Beispiel lag vor 120 Jahren bei 18,5 Dezitonnen. Heute (Durchschnitt 2014 bis 2019) liegt der Hektarertrag mit 76,9 Dezitonnen mehr als viermal so hoch.

Hektarerträge im Jahrhundertvergleich
Hektarerträge im Jahrhundertvergleich

Quelle: DBV

Auch die aus den heute 13,3 Millionen Großvieheinheiten resultierende Gesamterzeugung liegt gegenüber dem weitaus flächengrößeren Deutschland in den Grenzen von 1900 um ein mehrfaches höher.

Tierische Leistungen im Jahrhundertvergleich
Tierische Leistungen im Jahrhundertvergleich

Quelle: DBV

Um das Jahr 1900 erzeugte ein Landwirt Nahrungsmittel in einer Menge, um etwa vier Personen ernähren zu können. 1950 ernährte ein Landwirt zehn und 2018 sogar 134 Personen (ohne Erzeugung aus Auslandsfuttermitteln). Trotz dieser starken Produktivitätssteigerung blieb Deutschland stets ein Nettoimportland an Agrar- und Ernährungsgütern. 1900 lag der Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln bei 87 Prozent. Am Anfang des 21. Jahrhunderts liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad unter 100 Prozent, bei starken jährlichen Schwankungen. Angesichts der Arbeitsteilung in einer globalisierten Wirtschaft und der vom Verbraucher gewünschten Vielfalt ist der Selbstversorgungsgrad bis vor der Corona-Krise allerdings kaum noch von gesellschaftspolitischer Relevanz.

Die Rolle der Landwirtschaft

In Geld gemessen, ist die Landwirtschaft in Deutschland nur noch wenig bedeutend. Gemeinsam mit Fischerei und Forstwirtschaft macht sie weniger als ein Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus und beschäftigt gerade einmal 1,5 Prozent der Erwerbstätigen. Die Tierhaltung ist ihr wichtigster Produktionszweig. Von den über 50 Milliarden Euro, die die deutschen Landwirte und Landwirtinnen erwirtschaften, entfallen etwa 11 Milliarden Euro auf die Milcherzeugung, 7,5 Milliarden Euro auf Schweinefleisch, 4 Milliarden Euro auf Rind- und Kalbfleisch und etwa 2,3 Milliarden Euro auf Geflügelfleisch. Die Erzeugung von Geflügel- und Schweinefleisch ist in den letzten zehn Jahren stark angestiegen.

Versorgungsleistung der Landwirtschaft - So viele Menschen ernährt ein Landwirt
Versorgungsleistung der Landwirtschaft - So viele Menschen ernährt ein Landwirt

Quelle: BZL

Die Position der Landwirtschaft innerhalb der Wirtschaftssektoren

Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts lag der Anteil der in der Landwirtschaft Erwerbstätigen bei 38 Prozent. Mit zunehmender Industrialisierung und mit der Entwicklung des Dienstleistungssektors sank der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil fast kontinuierlich und betrug Anfang der 1950er Jahre 24 Prozent und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts nur noch knapp 2 Prozent.

Ursachen des Strukturwandels

In den letzten Jahren haben der Wettbewerb auf den nationalen und internationalen Agrarmärkten, die Herstellung der staatlichen Einheit Deutschlands, verschiedene Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik sowie der Ablauf und Abschluss der Verhandlungen im Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) und im Rahmen der WTO den Strukturwandel geprägt und werden die künftige Entwicklung auch weiterhin beeinflussen.

Heute bestimmen immer mehr Informations- und Kommunikationstechniken die Arbeitsabläufe in der Landwirtschaft. Sie ermöglichen es, punktgenau zu säen, zu düngen und zu ernten. Damit einher gehen qualitative Verbesserungen bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen sowie Minderungen von negativen Umweltauswirkungen.

Ferner konnte man in den vergangenen 50 Jahren einen beachtlichen Produktionszuwachs in der Landwirtschaft beobachten, der nicht allein auf die Mechanisierung und Spezialisierung zurückzuführen ist. Neue Saatgutsorten, Dünge- oder Pflanzenschutzmittel führten zu steigenden Erträgen der Nutzpflanzen. In der Tierproduktion wurden deutliche Leistungssteigerungen durch Zuchtfortschritte, erhöhten Kraftfuttereinsatz, optimierte Fütterung und Haltung sowie intensive veterinärmedizinische Betreuung erzielt. Die Tiere wurden in kürzerer Zeit auf ihr Schlachtgewicht gemästet, legten mehr Eier oder gaben mehr Milch im vergleichbaren Zeitraum. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Betriebe, die nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus wirtschaften und beispielsweise auf synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel verzichten.

Heute bestimmen immer mehr Informations- und Kommunikationstechniken die Arbeitsabläufe in der Landwirtschaft. Sie ermöglichen es, punktgenau zu säen, zu düngen und zu ernten. Damit einher gehen qualitative Verbesserungen bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen sowie Minderungen von negativen Umweltauswirkungen.

Der wirtschaftliche Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Abwanderung vieler bäuerlicher Arbeitskräfte zur Folge. Der Produktionsfaktor „Arbeit“ wurde gegenüber den Produktionsfaktoren „Boden“ und „Kapital“ immer teurer. Als Folge wurden Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt, körperlich anstrengende Tätigkeiten durch technische Hilfsmittel erleichtert, es kam zu einer intensiven Mechanisierung in der Landwirtschaft. Umgekehrt stiegen die Anforderungen an die Managementfähigkeiten der Unternehmer. Ein einzelner Landwirt konnte im Laufe der Zeit immer mehr Boden bewirtschaften und Tiere halten. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche je Betrieb stieg stetig an, dabei sank die Anzahl der Beschäftigten und der Betriebe.

Der Anpassungsdruck an die technische Entwicklung führte auch zur verstärkten Auslagerung vor allem hoch technisierter Arbeiten (kapitalintensive Arbeitsmaschinen). Solche Tätigkeiten werden von Lohnunternehmen übernommen. Das führt zum Einsatz hochproduktiver Maschinen und besonders in der Feldwirtschaft zur Verringerung von Verlusten, aber wiederum auch zur Notwendigkeit, die zu bewirtschaftenden Flächen auszuweiten.

In den Betrieben wurden jedoch nicht nur immer mehr und modernere Maschinen eingesetzt, sondern die Betriebe spezialisierten sich auch. Die Ursachen dafür sind das leichtere betriebliche Wachstum bei begrenzter Fläche und begrenzten Arbeitskapazitäten, Kostenvorteile in Produktion und Vermarktung und Vorteile im Management und in der Arbeitserledigung. Nachteile durch höhere Erzeugungs- und Marktrisiken, schmalere Fruchtfolgen oder hoher Viehdichten wurden dagegen geringer gewertet oder mit entsprechenden Gegenmaßnahmen verringert. Vor allem in der Hühnerhaltung, der Rinder- und Schweinemast (den sogenannten Veredelungsbetrieben) haben sich hoch technisierte Betriebe mit einer inzwischen regional relativ großen Zahl von Tieren pro Flächeneinheit entwickelt.

Beitrag der Landwirtschaft zur Energieversorgung

Mit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, kurz EEG, im Jahr 2000 wurden in Deutschland die Rahmenbedingungen für eine betriebswirtschaftlich rentable Produktion von erneuerbaren Energien geschaffen. Landwirten eröffneten sich seitdem viele Wege, als sogenannte Energiewirte tätig zu werden. Sie stellen Flächen zur Errichtung von Windrädern oder Solaranlagen zur Verfügung, vor allem aber produzieren sie Biomasse: Dazu gehören Energiepflanzen wie Raps oder Mais, Reststoffe und Nebenprodukte wie Gülle oder Stroh – und natürlich auch Holz. In Biogas- bzw. Biokraftstoffanlagen oder Blockheizkraftwerken werden daraus Wärme, Strom und Kraftstoffe. Biomasse ist zurzeit der wichtigste erneuerbare Energieträger in Deutschland mit einem Anteil am gesamten Primär energieverbrauch von 7,1 Prozent im Jahr 2015. Damit trägt die Bioenergie ganz maßgeblich zur Einsparung von Treibhausgasen und so zum Klimaschutz bei. Immer wichtiger wird die sogenannte Kaskadennutzung. Dabei wird Biomasse mehrfach genutzt: Zum Beispiel wird Holz zunächst als Baustoff verwendet. Hat es in dieser Funktion ausgedient, kann das Holz zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt werden.

Weitere Entwicklungen

Durch die anhaltende Verschärfung der Wettbewerbssituation, sinkende Produktpreise und steigende Produktionsmittelpreise wird verstärkt bei den Produktionsmitteln gespart. Zum einen wird die Anwendung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln reduziert und optimiert (Extensivierung, Integrierter und Ökologischer Landbau). Zum anderen nehmen die Maschinengemeinschaften und gemeinschaftlichen Lagerkapazitäten zu. Die Verwendung von zertifiziertem Saat- und Pflanzgut nimmt seit längerer Zeit ab. Marginale Standorte (Trockenrasen, Feuchtgrünland, Steil- und Hochlagen) werden aus der Bewirtschaftung genommen. Diesem Trend wirken aber die zahlreichen Landschaftspflegeprogramme der Länder (z.B. MEKAT) entgegen.

Lieferverträge mit Firmen des verarbeitenden Sektors sollen dazu beitragen, qualitätsbezogene Preise für die landwirtschaftlichen Produkte zu erzielen (Vertragslandwirtschaft). Dies betrifft Lebensmittel ebenso wie nachwachsende Rohstoffe. Die zunehmende Gründung von Erzeugergemeinschaften dient dem Risikoausgleich der Vertragspartner.

Betriebe mit Direktvermarktung schalten den Zwischenhandel aus und können so höhere Gewinne für ihre Produkte erzielen oder zusätzliche Mengen absetzen. In vielen Fällen wirtschaften die Betriebe mit Direktvermarktung nach den Richtlinien eines der ökologischen Anbauverbände.

Im Gegensatz zu den meisten Agrarprodukten steht einer zunehmenden Nachfrage nach Gartenbauerzeugnissen eine abnehmende inländische Produktion gegenüber. Ein Trend zu umweltfreundlicheren Anbau- und Erzeugungsverfahren ist zu verzeichnen.

Entwicklung der Anzahl von Agrarbetrieben in Deutschland

Die Grafik illustriert die Entwicklung der Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe nach Bundesländern absolut und in Prozent, 2018 zu 2010

Quelle: Agraratlas 2019, CC BY 4.0

Betriebsstrukturen

Im früheren Bundesgebiet sank infolge des strukturellen Anpassungsprozesses die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft. Die Anzahl der Auszubildenden ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Viele Betriebe haben keinen Hofnachfolger. Dadurch erfährt das für eine effiziente Gesellschaft wichtige Element der Selbständigkeit eine deutliche Schwächung. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sank zwischen 1992 und 1997 um 3,2 % im jährlichen Durchschnitt. Gleichzeitig ist der Rückgang der Hofstellen in den alten Ländern verbunden mit einer Zunahme der durchschnittlichen Flächenausstattung sowie mit einem weiteren Anstieg des Anteils der Nebenerwerbsbetriebe. Für die Mitte des kommenden Jahrhunderts wird mit 200.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland gerechnet, davon sind mehr als die Hälfte Nebenerwerbsbetriebe.

Landwirtschaft Gestern und Heute

Quelle: AID

Der in den alten Bundesländern abgelaufene Strukturwandel vollzog sich im wesentlichen nur in den unteren Betriebsgrößenklassen. Die Zahl der Betriebe mit 20 ha LF ist seit 1949 um 56.000 Betriebe angestiegen, während die Zahl der Betriebe von 1 bis 20 ha LF um 1,221 Mio zurückging.

Zwischen Flächenausstattung und Entwicklung der Zahl der Betriebe im Zeitablauf besteht ein enger Zusammenhang. Wirtschaftlich stärkere Betriebe wechseln meist in eine höhere Größenklasse. Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt im früheren Bundesgebiet kontinuierlich. Lag sie 1970 noch bei 20 ha, 1980 bei 30 ha und 1990 bei 40 ha, so nahm 1996 nur noch die Zahl der Betriebe mit mehr als 50 ha zu. 2013 lag die Wachstumsschwelle bereits bei 100 ha.

Die Zahl der Agrarbetriebe mit mehr als 100 ha erhöhte sich im Zeitraum von 2007 bis 2014 bundesweit um 3.600 auf 35.400 Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften 57 % der LF in Deutschland. Aktuellen Erhebungen zufolge gab es 2012 im Bundesgebiet insgesamt nur noch 287.500 Höfe, nachdem innerhalb von fünf Jahren mehr als 34.000 Unternehmen oder 10,6 % ihre landwirtschaftliche Tätigkeit aufgegeben hatten.

Viele Familienbetriebe erreichen Produktionsvolumina vergleichbar mit mittelständigen Industrieunternehmen bis hin zu Konzernstrukturen. Auf diese Weise werden aus bäuerlichen Familienbetrieben lohnverfasste Familienunternehmen. Besonders ausgeprägt findet diese Entwicklung in der spezialisierten Tierhaltung statt.

Als eine Folge der erwarteten Fortsetzung der Markt- und Strukturentwicklung wird der typische Eigentümerbetrieb der Vergangenheit angehören. Dies ist nicht gleichbedeutend mit dem Ende des Familienbetriebes, aber es wird zu einem Vorherrschen des Pächterbetriebes kommen. Bereits heute bewirtschaftet der durchschnittliche Vollerwerbsbetrieb rd. 62 % seiner Flächen in Pacht.

Rückkehr vom Umweg der neuen Bundesländer

In den neuen Bundesländern waren die Umstrukturierungen am gravierendsten.

Die Ablösung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) und Volkseigenen Güter (VEG) erfolgte durch die nach 1991 generell verbindlichen Rechtsformen. Beide Betriebsformen verfügten 1989 zusammen über 99,2 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche der DDR. Bei der (Re-)Privatisierung standen diese Flächen zur Verfügung. Grundprinzipien waren die Auflösung der übergroßen Betriebseinheiten und die Wiederherstellung der bäuerlichen Mischwirtschaft.
Aus der verfügbaren Masse erhielten vier Interessengruppen Land:

Rund 90 % der ostdeutschen Agrarbetriebe gelten als "natürliche Personen", worunter vor allem bäuerliche und gärtnerische Familienbetriebe ("Einzelunternehmen") und sogenannte "Personengesellschaften" zu verstehen sind. Die andere große, oft pauschal als "LPG-Nachfolgeunternehmen" bezeichnete Gruppe sind die sogenannten privat- und öffentlich-rechtlichen "juristischen Personen" (z.B. eingetragene Genossenschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, seltener Aktiengesellschaften u.ä.).

Weniger als erwartet entstanden Einzelunternehmen (sogenannte Wiedereinrichter), mehr als die Hälfte der alten Betriebe wandelte sich in eingetragene Genossenschaften, 20 - 30 % in Kapitalgesellschaften um, in denen mehrere Landwirte kooperativ den größten Teil der Flächen und Viehbestände in den neuen Ländern bewirtschaften. Diese Betriebe erreichen bisher im früheren Bundesgebiet nicht gekannte Betriebsgrößen. Die durchschnittlichen Betriebsgrößen von rd. 48 ha in den landwirtschaftlichen Einzelunternehmen, von rd. 470 ha in den Personengesellschaften und von über 1.000 ha in den juristischen Personen läßt die Betriebsstruktur in den neuen Bundesländern auch im europäischen Vergleich als konkurrenzfähig erscheinen. Die tatsächliche Flächengröße der Unternehmen ist allerdings aus der amtlichen Agrarstatistik nicht zu entnehmen, da eine große Zahl von GmbH Tochterunternehmen anderer GmbH oder von e.G. oder AG sind!

Mit rund 90 % ist der größte Teil der landwirtschaftlich genutzten Flächen in den neuen Ländern Pachtland. Damit ist der Pachtlandanteil fast doppelt so hoch wie im früheren Bundesgebiet.

Die Zahl der Unternehmen hat durch Neugründungen und Unternehmensteilungen bislang stark zugenommen, von rd. 5.000 im Jahr 1990 auf rd. 31.000 im Jahr 1997.

In den ersten Jahren nach der Wende beeinflusste die Bewirtschaftung durch eine größere Anzahl von Landwirtschaftsbetrieben im Haupt- und Nebenerwerb und die dadurch bedingte Teilung der LPG-Schläge weder die von der Großflächenwirtschaft geprägte Physiognomie der Agrarlandschaft noch das Nutzflächenmosaik merklich. Dazu trug die Beschränkung auf wenige Fruchtarten wie auch das fortbestehende Fehlen eines angemessen dichten Wegenetzes und von ökologischen Strukturelementen des Agrarraums bei.

Im Zuge des Übergangs von einer auf Selbstversorgung ausgerichteten Planwirtschaft zur Marktwirtschaft erfolgte ein enormer Produktionsrückgang insbesondere im tierischen Bereich und damit verbunden ein nachhaltiger Abbau des überhöhten Arbeitskräftebesatzes in der Pflanzen- und Tierproduktion sowie bei den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen. Gleichzeitig änderten sich die Anbau- und Produktionsstrukturen. Flächen fielen aus der Produktion, Tierbestände wurden in erheblichem Umfang abgebaut, Futterflächen wurden frei für den Marktfruchtanbau, und die Nutzung spezifischer Standortfaktoren gewann an Bedeutung. In den neuen Ländern waren 1997 noch 150.000 Personen - gegenüber 850.000 Beschäftigten 1989 - in der Landwirtschaft tätig.

Die Abnahme landwirtschaftlich genutzter Flächen setzte sich auch im Osten fort. Die Umwidmung solcher Flächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen kam durch den erhöhten Nachholbedarf in einem stärkeren Umfang in den neuen Ländern zur Wirkung.
Die im Umstrukturierungs- und Anpassungsprozess in den neuen Ländern notwendige Konzentration der landwirtschaftlichen Betriebe auf ihre eigentlichen Funktionen stellte zugleich die Dörfer vor erhebliche raumordnerische Probleme. Durch die ehemaligen LPG wurden wichtige Investitionen und Tätigkeiten in infrastrukturellen, sozialen und kulturellen Bereichen der ländlichen Gemeinden wahrgenommen. Mit dem Wegfall dieser finanziellen und personellen Ressourcen erfolgten Störungen dörflicher Strukturen. Sie sind mit erheblichen wirtschaftlichen, demographischen, infrastrukturellen und sozialen Auswirkungen auf die peripher gelegenen ländlichen Räume verbunden.
Dabei gibt es einige Betriebe, die sich Flächengrößen von 5.000 oder 10.000 ha LF erhalten haben, wie auch solche, die ihr früheres Produktions- und Infrastrukturspektrum weiter betreiben.

Bei einer Umbildung der Betriebe erfolgte eine Entflechtung einerseits und eine Wiederzusammenführung der hochspezialisierten Pflanzen- und Tierproduktion andererseits. Die nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland entstandenen flächenstarken Agrarbetriebe sind zumeist vielzweigige Unternehmen, die bestehende Skaleneffekte in allen Betriebszweigen auszuschöpfen vermögen. Sie können Diversität, Konzentration und Spezialisierung gleichermaßen realisieren. Die Führung liegt hier zumeist in der Hand hochqualifizierter Landwirte bzw. Betriebswirte.

Die Ausgliederung häufig unwirtschaftlicher Betriebsteile wie Bauabteilungen, Werkstätten, aber auch Gärtnereien, Baumschulen usw. und der Kultur- und Sozialbereiche verringerte die Kosten in der Agrarwirtschaft erheblich, und die daraus entstandenen Betriebsneugründungen beleben gleichzeitig Handwerk und den Dienstleistungssektor im ländlichen Raum.

Spezifische Probleme beim Strukturwandel in den neuen Bundesländern:

Vergleich der Betriebsstrukturen in den Neuen und den Alten Bundesländern

Beispiel Ostdeutschland: Dort wirtschaftet nur rund ein Zehntel der bundesdeutschen Betriebe. Sie sind im Durchschnitt sehr viel größer als in Westdeutschland: 224 im Vergleich zu 47 Hektar. Sie werden deutlich häufiger als GmbH, Genossenschaft oder Aktiengesellschaft geführt – 15 Prozent im Vergleich zu 0,7 Prozent in Westdeutschland. Besonders in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt gibt es große Ackerbaubetriebe. Sie haben eher weniger Arbeitskräfte, nur 1,2 beziehungsweise 1,4 Beschäftigte pro 100 Hektar.

Hingegen finden sich z.B. in Süddeutschland kleinteiligere Strukturen, hier werden weniger Tiere pro Betrieb gehalten und häufiger Sonderkulturen wie Obst und Wein angebaut. Entsprechend der Produktionsausrichtung arbeiten dort auch mehr Menschen. Im Weinbau- und Gemüseland Rheinland-Pfalz sind es 4,7 Arbeitskräfte je 100 Hektar. Eine starke Konzentration der arbeitsintensiven Schweine- und Geflügelproduktion gibt es im Nordwesten Deutschlands in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Neue Funktionen

Ein Strukturwandel in Deutschland vollzieht sich in Ansätzen auch hinsichtlich der Funktionen von Land- und auch Forstwirtschaft. Die einseitige Ausrichtung auf die Produktionsfunktion scheint überholt. Vielfach wird angestrebt, die ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen und Aufgaben der Landbewirtschaftung im Kontext eines nachhaltigen Wirtschaftens als gleichberechtigt anzuerkennen und zu vergüten.

(s. a. Agrarpolitik, Agrarstruktur, Agrarstruktur in Deutschland, Multifunktionalität der Landwirtschaft)

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Stufenrain

1. Im Gefolge des Pflügens an Hängen ungewollte Begleitform der Bodenbearbeitung. Dabei wird durch dem Pflügen folgendes Abspülen der Bodenkrume dieses Bodenmaterial am unteren Ackerrain akkumuliert.
Der rechtwinklig zur Hangfalllinie verlaufende Rain verliert unterseitig Boden und nimmt oberseitig Erosionmaterial auf. Der damit einsetzende Verteilungsprozess kann rasch zu hohen Stufenrainen führen.

2. In Pflugrichtung verlaufende Begrenzung von terrassierten Ackerparzellen. Die Dichte der Stufenraine und natürlich auch die Breite der Ackerterrassen richten sich nach der Hangneigung. Eine Besitzparzelle kann demnach durch mehrere Stufenraine gegliedert sein.

Stundenböden

Bezeichnung für stark tonhaltige und damit bindige Ackerböden, die nur innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes bearbeitbar sind und oft Probleme bei der Kulturführung mit sich bringen.

Typische Stundenböden sind Tonschluffe. Stundenböden sind bei Wassergehalten, die höher als die Ausrollgrenze sind, zu nass zum Bearbeiten, verhärten jedoch an der Oberfläche nach Unterschreitung der Ausrollgrenze aufgrund von Verdunstung rasch. Bei sehr hoher Verdunstung tritt dieser Effekt bereits in einigen Stunden ein.

Zu nasse Böden sind schmierig und verkleben die Gerätschaften. Beim Graben mit dem Spaten bleiben die Bodenschollen am Spaten kleben. Beim Pflügen zeigen sich ähnliche Probleme. Das Ergebnis ist nicht die gewünschte, krümelige Scholle, die mit einer Egge zerkleinert und verteilt werden kann. Es entsteht vielmehr ein mehr oder weniger durchgehender Tonstrang. Bei zu hoher Nässe sind die Flächen außerdem nahezu unbefahrbar, da die Maschinen einsinken und Bodenverdichtungen entstehen. Nach längeren Trockenperioden sind die zu trockenen Böden stark verfestigt und verhärtet. Die Befahrbarkeit stellt unter diesen Bedingungen kein Problem dar. Eine Bearbeitung ist aber nahezu unmöglich, da der Pflug kaum in den Boden eindringt und nach oben ausschert.

Für die agrotechnische Bewirtschaftung muss daher ein ganz bestimmter Feuchtezustand vorliegen, der weder zu nass noch zu trocken ist. Das Zeitfenster zwischen diesen beiden Extremen ist eng und stark witterungsabhängig. Häufig beträgt es nur wenige Tage im gesamten Jahr und an diesen unter Umständen nur einige Stunden. Daher rührt auch die Bezeichnung Stundenboden. Eine übertriebene Bezeichnung für Böden mit einem derartigen Bearbeitungszeitfenster ist "Minutenboden".

Tonreiche Böden in Deutschland sind der Pelosol, die Terra fusca oder die Kleimarsch.

Sturz(wasser)bewässerung

In ariden und semiariden Regionen auftretende Form der Bewässerung, bei der oft flutartig abströmendes Regenwasser von einem größeren Einzugsgebiet oberflächlich aufgefangen und unmittelbar auf eine wesentlich kleinere Bewässerungsfläche geleitet wird. Das Flächenverhältnis liegt bei 25 : 1. Der schichtflutartige Abfluss hat seine Ursache vor allem in der dünnen Kruste tropischer Oberböden, welche die Wasserinfiltration reduzieren.

Es können mit diesem Verfahren auch in vollariden Gebieten hohe Erträge (bis zu 60 dt/ha Weizen) erzielt werden. Im Vergleich zur Bewässerung mit Fluss- oder Grundwasser ist die Sturzbewässerung wenig versalzungsanfällig, und für die Wasserbringung ist keine Energie notwendig.

Subökumene

Extensiv bewirtschafteter, sehr dünn und z.T. temporär bewohnte Randsaum der Ökumene. Er umfasst große Teile der Trockengebiete und der äußerst dünn von Jägern und Sammlern bewohnten tropischen und subpolaren Wälder. Als Grenze zwischen Vollökumene und Subökumene kann die agrare Siedlungsgrenze gelten, wobei "agrar" die planmäßige Bewirtschaftung des Bodens meint.

(s. a. Anökumene, Höhengrenze, Kältegrenze, Polargrenze, Trockengrenze)

Subsistenzwirtschaft

Wirtschaftsweise vorwiegend im Bereich der Landwirtschaft, deren Produktionsziel ganz oder nahezu ausschließlich die Selbstversorgung der Besitzer und deren Familien ist. Subsistenzwirtschaft umfasst auch die Erträge aus Jagen und Sammeln. Sie stellt ein geschlossenes, autarkes System dar, in dem ohne Marktorientierung und Gewinn produziert wird. Subsistenzwirtschaft ist nicht arbeitsteilig organisiert im Vergleich zum absatzorientierten, kommerzialisierten Betrieb. Reine Subsistenzwirtschaft findet sich heute höchstens noch in entlegenen Rückzugsgebieten der Gebirge, Regenwälder oder Trockenräume. Zu ihrem Rückgang trug zunächst das Aufkommen der Eisenbahnen bei, im Rahmen der Globalisierung verlor sie noch weiter an Bedeutung.

In einem weiteren Sinne wird auch bei einem Marktanteil bis zu 25 % des Rohertrages noch von Subsistenzwirtschaft gesprochen. So definiert ist sie in vielen Entwicklungsländern bis heute weit verbreitet und umfasst schätzungsweise in Lateinamerika noch 30 - 40 %, in Afrika über 50 %, in Äthiopien sogar 82 % der Agrarproduktion. Dort hat sie beim gleichzeitigen Fehlen sozialer Sicherungsnetze weiterhin eine große Bedeutung und auch Berechtigung. In Industrieländern ist der von den Produzenten selbst verbrauchte Anteil der Agrarproduktion sehr gering (Bundesrepublik 11 %, USA 3 %, UK 1 %).

Subsistenzwirtschaft kommt größtenteils in einer der drei folgenden Formen vor: shifting cultivation, intensive Subsistenzlandwirtschaft (s. u.), Weidewirtschaft. Da immer mehr Kleinbauern von der Subsistenz- und Tauschwirtschaft in die Schattenwirtschaft des informellen Sektors überwechseln, werden diese Bodennutzungs- und Viehhaltungssysteme allmählich aufgegeben oder modifiziert.

Mögliche weitere Kennzeichen der Subsistenzwirtschaft:

Intensive Subsistenzwirtschaft

Intensive Subsistenzwirtschaft ist charakterisiert durch hohen Arbeitseinsatz und die Verwendung von Düngemitteln auf relativ kleinen Landflächen. Die Kultivierung von Reisfeldern, die beständig Arbeit zum Aufbau und Unterhalt sowie präzises Bewässern zu ganz bestimmten Zeiten erfordert, gilt als das typischste Beispiel. Gut über eine Milliarde Menschen in Süd- und Südostasien sind in diese Wirtschaftweise eingebunden. Anders als das extensive System der shifting cultivation kann der Intensivanbau mit dem Ziel der Selbstversorgung die Existenz der Bevölkerung auch in diesen dichter besiedelten Räumen gewährleisten.

subspontane Hecken

Viele Heckengesellschaften in kontinentalen Gebieten mit überwiegendem Ackerbau und spärlicher Viehhaltung und auch in den Mittelgebirgen sind oftmals nicht gepflanzt, sondern haben sich spontan entwickelt. Die Gehölze siedelten sich dabei vor allem auf Lesesteinriegeln und Feldrainen an. Besonders die Hecken auf ehemaligen Feldrainen sind häufig jüngeren Datums. Erst mit nachlassender Nutzung (Mahd) und Pflege der Raine konnten sich hier Gehölze dauerhaft durchsetzen.

Substrat

Im Gegensatz zu (gärtnerischen) Erden bestehen Substrate überwiegend aus betriebsfremden Stoffen wie Ton, Torf, Schaumstoff (Flocken aus Harnstoff-Formaldehyd-Schaum) oder Perliten (durch Erhitzen aufgeschlossener und sterilisierter Magnesiumglimmer) aber auch Rinde, Holzfasern oder Komposten. Zu den Spezialsubstraten, die entweder rein oder in Mischung mit anderen Stoffen Verwendung finden, gehören u.a. Bimskies, Blähton, Steinwolle und Strohkomposte. Substrate finden vorwiegend im Gartenbau und in Bereichen der Intensivlandwirtschaft ihren Einsatz.

Wie die Erden erfüllen Substrate folgende Aufgaben in der Kultur:

Substratkultur

Pflanzenkulturen auf einem Bodenersatzstoff, häufig ein Geflecht aus hochporöser Basaltsteinwolle. Substratkulturen treten vornehmlich in der Intensivlandwirtschaft bzw. im Gartenbau in Kombination mit Glashausflächen auf. Das Substrat wird von Warmluft umströmt und ständig von Wasser und Nährlösung durchströmt. Treibhausgemüse aus Holland wuchs bereits Mitte der 80er Jahre zu rund zwei Dritteln auf Substratkulturflächen. Substratwolle erspart die Bodenbearbeitung, Unkraut und Ungeziefer können sich in ihr nicht festsetzen und die Wachstumsfaktoren lassen sich in ihr leichter beeinflussen. Die Zufuhr von Warmluft und der flüssigen Betriebsmittel, auch deren Mischungsverhältnis, lassen sich über EDV steuern. Die Wolle muß alle drei bis vier Jahre ausgewechselt werden, entsprechende Entsorgungsprobleme bestehen.

Neuere Entwicklungen gehen in Richtung einer Art Kanülenkultur, die ganz ohne stützendes Medium auskommt. Die Frucht bezieht das Wasser und die Nährstoffe direkt aus einer Kanüle - intravenös sozusagen.

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Subtropen

Die Subtropen sind die Übergangszone von den hohen Mittelbreiten zu den Tropen. Im jahreszeitlichen Wechsel bestimmen tropische, trockene und heiße Luftmassen im Sommer und milde und meist feuchte Luftmassen im Winter das Wettergeschehen. Die polwärtige Begrenzung der Subtropen bildet die winterliche Lage der Polarfront, ihre sommerliche Position ist die Grenze zum tropischen Raum. Auf der Nordhalbkugel ist die Zone der Subtropen breiter ausgebildet als auf der südlichen.

Zu den Subtropen gehören vier Klimaregionen: subtropisches Kontinentalklima, subtropische Sommerregengebiete, subtropische Winterregengebiete, subtropisch-randtropische Trockengebiete.

Subvention

Finanzhilfe oder Steuervergünstigung, die vorrangig auf die Unterstützung wirtschaftlicher Tätigkeiten ausgerichtet ist, und die eine lenkende, korrigierende und strukturumschichtende Wirkung hat. Sowohl Unternehmen auf der Produktions- als auch Haushalte auf der Konsumseite berücksichtigen die Subventionszahlungen bei ihren Produktions- und Konsumentscheidungen wie Änderungen der Marktpreise, so dass die Produktions-, Faktoreinsatz- oder Konsumstruktur beeinflusst wird. Subventionsleistungen können von Seiten des Bundes, der Länder, Gemeinden und der EU erfolgen. Der Subventionsbegriff wird von unterschiedlichen Gremien verschieden definiert.

Häufig wird vom Subventionsbegriff der die sozialen Leistungen umfassende Begriff der Transferzahlungen unterschieden.

Subventionen im Agrarsektor umfassen eine große Bandbreite von Politikinstrumenten im Landwirtschafts- und Ernährungssektor. Agrarsubventionen werden teilweise mit Marktversagen gerechtfertigt, zum anderen sollen sie gezielt den Interessen von bestimmten Landwirten, Unternehmen oder Verbrauchern dienen. Agrarsubventionen können verstanden werden als staatliche Eingriffe, welche landwirtschaftliche Preise, Unternehmensgewinne oder Haushaltseinkommen zugunsten bestimmter Gruppen verändern. Beispiele sind Handelsbarrieren, die Subventionierung landwirtschaftlicher Inputs, Einkommenstransfers an landwirtschaftliche Haushalte, monetäre Kompensation in Katastrophenfällen, oder die Verbilligung von Nahrungsmitteln für arme Verbraucher.

Empfänger der Subventionen sind nicht nur landwirtschaftliche Betriebe, sondern auch Exporteure von Agrarprodukten. Direkt und indirekt profitiert aber ebenso die vor- und nachgelagerte Industrie (zum Beispiel Agrarchemie, Futtermittelerzeuger, Lebensmittelverarbeitung).

Subventionen der Industriestaaten für ihre eigene Landwirtschaft machen es den Menschen in den Entwicklungsländern schwer, ihre Erzeugnisse wettbewerbsfähig auf dem Weltmarkt abzusetzen. Die Preise der Industrieländer liegen durch die Subventionen häufig weit unter den Produktionskosten. Faire Chancen für Entwicklungsländer sind auf dem Weltmarkt nur erreichbar, wenn die Industrieländer ihre Agrarexportsubventionen abbauen und Handelshemmnisse für den Import von Waren aus Entwicklungsländern beseitigen.

Die Regierungen der OECD-Länder haben ihre Landwirtschaft allein im Jahr 2011 mit etwa 250 Milliarden US-Dollar subventioniert. Zum Vergleich: Die öffentlichen Leistungen für Entwicklungszusammenarbeit (ODA) der Mitglieder des OECD-Entwicklungsausschusses (DAC) betrugen im gleichen Jahr rund 130 Milliarden US-Dollar.

(s. a. Agrarhaushalt)

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Subventionsbetrug

Erschleichung von öffentlichen Fördermitteln. Auf EU-Ebene wird die Verfolgung, Fahndung und Verfolgung von Betrug gemäß dem Subsidiaritätsprinzip von den einzelnen Mitgliedsstaaten vorgenommen. Allerdings gibt es den Straftatbestand des Subventionsbetrugs nur in Deutschland Italien und Portugal.

Die frühere Spezialeinheit der EU zur Betrugsbekämpfung (UCLAF) besaß nur beschränkte Kompetenzen. Insbesondere durfte sie in den Mitgliedstaaten nicht unangemeldet vor Ort kontrollieren.

Als Nachfolgerin wurde 1999 das Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF, Office Européen de Lutte Anti-Fraude) etabliert, das Ermittlungen über Korruption und Betrug in allen Organen der Europäischen Union durchführt. Das Amt arbeitet innerhalb der Europäischen Kommission operativ unabhängig.

Im Bereich der Landwirtschaft rechnet man mit Schäden durch Subventionsbetrug von knapp 1 % der EU-Agrarausgaben. Mafiose Strukturen sollen dabei keine wesentliche Rolle spielen.

Verschiedene neue und sicherere Technologien werden künftig die Kontrolleure unterstützen. Dazu gehört ein in den Rindermagen einzuführender Transponder, der die wesentlichen Daten über das Tier speichert und mit einem Lesegerät von außen abfragbar ist. Fernerkundungsmethoden mit EU-eigenen Satelliten werden z.B. die Kontrolle von Flächenstillegungen oder die Erfassung aller Olivenbäume erlauben.

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Südfrüchte

Handelsübliche Bezeichnung für Obstsorten, die vorwiegend in den Tropen oder gedeihen. Die Gruppe der Südfrüchte wird häufig weiter unterteilt in die Zitrusfrüchte und die exotischen Früchte (z. B. Ananas, Banane, Dattel, Mango). Die Südfrüchte dienen – wie auch das einheimische Obst – als wertvolle Nährstofflieferanten, wobei der Nährstoffgehalt große sortenabhängige Unterschiede aufweist.

Der Verbrauch an Südfrüchten war in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen, inzwischen stagniert er, bei Bananen und Zitrusfrüchten nimmt er sogar leicht ab. Der tägliche Verzehr von Südfrüchten lag 1998 bei ca. 60 g pro Kopf und Tag. Die Deckung der Nachfrage muss naturgemäß über Import erfolgen. 1998 wurden 1,18 Mio. t Bananen und 1,12 Mio. t Zitrusfüchte (davon 0,55 Mio. t Orangen) importiert. Die Gesamteinfuhr sonstiger Südfrüchte lag bei 174.000 t.

Suone

Suonen (Sg. Suon oder Suone), Suenen (Sg. Suen oder Suene), auch Bissen (Bisse) (von franz. le bisse), Wasserfuhren (Wasserfuhre) und Wasserleiten (Wasserleite) bzw. walliserdeutsch Wasserleite (Wasserleita) sind historische Wasserleitungen im Schweizer Kanton Wallis.

Im Innerwallis (insbesondere im innermontanen Trockental der Rhône und seinen Nebentälern) herrscht ein sehr trockenes Klima, weil die umliegenden Berge der Walliser und Berner Alpen die meisten Niederschläge vom Haupttal abhalten. Sie sind gleichzeitig mit ihrer Schneeschmelze im Frühjahr und der später einsetzenden Gletscherschmelze die Wasserlieferanten, wenn in den Tälern die trockenste Zeit und die Hauptzeit des Pflanzenwachstums beginnt. Die Gegend um Sion ist die trockenste Region des Rhônetales mit mittleren Jahresniederschlägen um 600 mm. An den südexponierten Hängen über Sion findet sich alpine Steppenvergetation, die ohne Bewässerung nur als Schaf- und Ziegenweide und zur Wildheugewinnung genutzt werden kann. In diesem Bereich liegt konsequenterweise auch die höchste Dichte an Suonen.

Die Suonen überwinden teilweise grössere Hindernisse wie Felswände oder Geröllhalden, wofür über die Jahrhunderte spezielle Techniken entwickelt wurden. In den Felswänden verlaufen die Suonen in Holzkanälen, die zusammen mit einem Laufsteg an Balken aufgehängt sind. Die Balken sind in Löchern verkeilt, die in den Fels geschlagen sind. Zur Überwachung des Wasserflusses werden teilweise kleine Wasserräder verwendet, die einen auf ein Holz schlagenden Hammer antreiben. Die Hammerschläge können über grosse Entfernungen wahrgenommen werden und bestätigen den Wasserfluss.

Die Suonen sind als Freispiegelkanäle ausgeführt und dienen hauptsächlich der Bewässerung landwirtschaftlich genutzter Flächen. An den trockenen Südhängen sind deshalb mehr Suonen angelegt worden als an den Nordhängen. Die meisten Suonen sind 500 m bis 2 km lang, die längste Suone ist die 32 km lange Bisse de Saxon. Die Rieselbewässerung kam auch der Bodenverbeserung auf den bewässerten Flächen zugute: Die vorwiegend geringmächtigen und kargen Böden wurden durch den reichlichen Eintrag von mineralreichem Schwebstoff (Gletschermilch) permanent versorgt.

Neben der Bewässerung wurden die Suonen auch als Trink- und Tränkewasserversorgung, zum Waschen und teilweise zum Ausbringen von Mist genutzt.

Man nimmt an, dass künstliche Bewässerungssysteme in den niederschlagsarmen Zonen im Wallis mindestens bis in die römische Zeit zurückreichen.Die ältesten nachweislichen Datierungen von Bewässerungssystemen im Wallis stammen von Urkunden aus dem 12. Jahrhundert. Datierungen der alten Holzkonstruktionen (Chännel) mittels Dendrochronologie reichen von 1270 bis in die Neuzeit.

Heute gelten die Suonen und Bisses als 'multifunktionale Objekte', die an einer Schnittstelle zwischen Landwirtschaft, Kulturerbe, Tourismus und Umwelt stehen. Viele Suonen und Bisses von einst sind heute in Rohre gelegt oder verschwunden. Es werden immer noch ca. 1750 km genutzt. Die Länge der offenen Suonen beträgt je nach Definition 760 km bis 2.000 km. Neben ihrer Leistung für die Bewässerung stehen sie heute auch im Mittelpunkt von Restaurationen. Sie sind zu Attraktionen des Wandertourismus und von Themenwegen geworden. (Leibundgut/Vonderstrass 2016)

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Superfood

Marketingbegriff, der Lebensmittel mit angeblichen Gesundheitsvorteilen beschreibt. Superfood ist inzwischen im gesamten Lebensmitteleinzel- und Online-Handel sowie Drogeriemärkten präsent. In der Regel beginnt ein Superfood seine Karriere nicht auf dem deutschen Markt, sondern in GB oder USA.

Teilweise beruhen die mit bestimmten Lebensmitteln in Verbindung gebrachten positiven gesundheitlichen Wirkungen auf wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhängen. Allerdings ist es fraglich, wie sich solche wissenschaftlichen Erkenntnisse, die etwa unter Laborbedingungen, mit Tierversuchen oder unter Verabreichung sehr hoher Dosen erlangt wurden, auf reale Ernährungsweisen übertragen lassen.

Superfoods sind schon seit einiger Zeit auf dem Markt. Dennoch gibt es bisher keine offizielle Definition oder gesetzliche Regelung. Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel (EUFIC) beschreibt Superfoods als „Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, die aufgrund ihres Nährstoffgehaltes einen höheren gesundheitlichen Nutzen als andere Lebensmittel haben“.

Bei der Bewerbung von Superfood ist neben den Vorschriften zum Schutz vor Täuschung des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuchs (LFGB) bzw. der Irreführungsverbote der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) vor allem die Health-Claims-Verordnung zu beachten.

Glaubt man den Aussagen in Gesundheits- und Ernährungsblogs, kann Superfood so ziemlich alles: Es soll rundum gesund sein, ideal für Sportler, beim Abnehmen helfen, die Verdauung ankurbeln und den Stoffwechsel beschleunigen, Stress reduzieren, vor Alzheimer schützen, Radikalfänger sein und damit Wächter gegen Krebs oder das Herz schützen und das Risiko von Schlaganfällen reduzieren. Und natürlich, „Superfood“ ist angeblich „superlecker“. Tatsächlich fehlen für derartige Aussagen derzeit robuste wissenschaftliche Studien und Nachweise.

Als "Superfoods" werden meist natürliche und exotische Lebensmittel mit größeren Mengen an Vitaminen und/oder Mineralstoffen sowie sekundären Pflanzenstoffen angeboten. Sie sind selten frisch, sondern meist getrocknet, als Püree oder Extrakt im Handel erhältich. Auch als Anreicherung in funktionellen Lebensmitteln (etwa Brötchen mit Chiasamen) oder in Kapsel- und Pulverform als Nahrungsergänzungsmittel sind sie auf dem Markt. Superfoods finden ferner Einsatz als Zutat für besonders "gesunde" Rezepte (zum Beispiel Müslis, Smoothies, Smoothie-Riegel).

Wichtiges in Kürze

  • Superfoods zeichnen sich meist durch einen hohen Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen aus. Ein gesundheitlicher Mehrwert im Vergleich mit der Vielzahl heimischer Gemüse und Früchte ist nicht gegeben.
  • Häufig sind Superfoods mit Schadstoffen belastet und im Vergleich zu heimischen Gemüse und Früchten sehr teuer.
  • "Exotische" Lebensmittel bergen immer ein gewisses Risiko Überempfindlichkeitsreaktionen bzw. Allergien auszulösen, auch Wechselwirkungen mit Medikamenten sind möglich.
  • Bei "Superfoods" in Kapselform ist Vorsicht geboten. Durch die Aufkonzentrierung bestimmter reizender oder toxischer Stoffe kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen.
  • Wer Superfoods ausprobieren möchte, sollte sich vorab vergewissern, ob es beim angepriesenen Produkt um die "echten" Früchte bzw. Samen geht, oder ob es sich lediglich um eine (meist nur in Kleinstmengen vorhandene) Zutat in einem Lebensmittel handelt. Oft waren zahlreiche Verarbeitungsschritte nötig, um das Superfood genießbar zu machen, etwa Extraktion, Trocknung, Zugabe von reichlich Zucker oder Aromen.

Quelle: Verbraucherzentrale u.w.

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Süßgras

Die Süßgräser (Poaceae = Gramineae) sind eine weltweit in allen Klimazonen verbreitete Pflanzenfamilie, gekennzeichnet durch eine typische grasartige Gestalt der einzelnen Arten. Alle Getreide, wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Hirse, Mais und Reis zählen dazu.
Süßgräser liefern einerseits Marktfrüchte bzw. Viehfutter als Basis für die Ernährung der Weltbevölkerung.

Auf der anderen Seite prägen sie als Gras- oder Grünland wie Wiesen und Weiden, Steppen und Savannen in weiten Teilen der Welt das Landschaftsbild.

Mit etwa 10.000 Arten in mehr als 650 Gattungen sind sie eine der größten Familien innerhalb der Blühpflanzen.

Süßkartoffel

Auch Batate, Weiße Kartoffel oder Knollenwinde; zu den Windengewächsen (Convolvulaceae) gehörende Nutzpflanze mit der botanischen Bezeichnung Ipomoea batatas. Die Süßkartoffel ist eine mehrjährige krautige Kletterpflanze, deren Stängel meist kriechend auf dem Boden aufliegen. Die 10–20 cm langen, spindelförmigen, weißlichen, gelblichen oder rötlichen, bis 3 kg schweren süßschmeckenden Knollen entstehen durch Verdickung der aus den Knoten des kriechenden Stengels hervorgehenden Adventivwurzeln.

Mit der Kartoffel, die zur Familie der Nachtschattengewächse zählt, ist die Süßkartoffel nur entfernt verwandt.

Herkunft und Ansprüche

Die Süßkartoffel stammt ursprünglich aus Südamerika, nach neuerer Forschung aus Asien. Die Batate wurde schon in vorkolumbianischer Zeit von Seefahrern auf den pazifischen Inseln verbreitet. Freigelassene afrikanische Sklaven brachten die Süßkartoffel von Amerika nach Afrika. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam sie nach England, wo auch die Bezeichnung "potato" entstand, die später auf die Kartoffel übertragen wurde.

Sie kann in fast allen wärmeren Ländern der Tropen, Subtropen und gemäßigten Zonen der Erde bei bestimmten Temperaturbedingungen unkompliziert angebaut werden. Die Süßkartoffel stellt nur geringe Ansprüche an die Bodenqualität und kann aufgrund ihrer kurzen Wachstumszeit relativ einfach in unterschiedliche Anbaukalender eingebaut werden. Optimale Kulturbedingungen: 26–30 °C, ca. 900 mm Niederschläge und ein wasserdurchlässiger, schwach saurer, sandig-lehmiger Boden. Bei Temperaturen unter 10 °C ist das Wachstum stark eingeschränkt, bei Frost sterben die Pflanzen ab. Auf Grenzertragsflächen liefert sie mehr vom Menschen direkt verwertbare Energie als jede andere wichtige Nahrungspflanze.

Anbau

Die Hauptanbaugebiete der Süßkartoffel liegen zwischen 40° N und 32° S. Am Äquator liegen die Anbaugebiete in Höhenlagen zwischen 0 und 3000 Metern.

Die Pflanzen werden als Stecklinge auf Erdhügeln oder in Erdwällen gepflanzt, um eine gute Durchlässigkeit des Bodens für Wasser zu gewährleisten. Erdhügel sollten dabei einen Durchmesser von etwa 60 cm haben und 90 bis 120 cm auseinander stehen, Erdwälle werden vor allem bei maschineller Bewirtschaftung genutzt, diese sind dann etwa 45 cm hoch und stehen in einem Abstand von 90 bis 120 cm, wobei die Pflanzen etwa alle 30 cm gesetzt werden können. Der Arbeitsaufwand und der Pestizidbedarf ist gering, die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen abiotischen und biotischen Stress dagegen hoch. Das macht die Süßkartoffel zu einer wertvollen Nahrungsquelle für Kleinbauern und auch zu einer famine relief crop in Notzeiten.

2016 wurden weltweit 105,2 Millionen Tonnen Süßkartoffeln von einer Anbaufläche von 8,6 Millionen Hektar geerntet. Der durchschnittliche Hektarertrag lag bei 122,3 Dezitonnen. Größter Produzent von Süßkartoffeln war die Volksrepublik China mit einer Jahresernte von etwa 70,6 Millionen Tonnen, gefolgt von Nigeria mit etwa 3,9 Millionen Tonnen und Tansania mit 3,8 Millionen Tonnen.

Mit einer Jahresernte von knapp 107 Millionen Tonnen (Stand: 2014) ist sie nach Kartoffeln (Solanum tuberosum) und Maniok (Manihot esculenta) auf dem dritten Platz der Weltproduktion von Wurzel- und Knollennahrungspflanzen.

Verwendung

Vor allem die stärkehaltigen unterirdischen Speicherwurzeln, teilweise die Laubblätter, werden als Nahrungsmittel genutzt. Die Süßkartoffeln sind für eine kohlehydrathaltige Pflanze außerdem eine gute Quelle von diversen Vitaminen, Mineralstoffen, Balaststoffen und Proteinen. Die nur begrenzt lagerfähigen Knollen dienen, wie die Kartoffel, auch zur Herstellung von Mehl, Stärke, alkoholischen Getränken und Viehfutter; außerdem werden sie zur Herstellung von Zuckersirup genutzt.

In Industrieländern (abgesehen von den USA) sind Süßkartoffeln kaum etabliert. Daher sind sie noch wenig kommerzialisiert und werden nur wenig international international gehandelt. Dies ist aber im Wandel begriffen, da zum einen die Verwendung als Viehfutter steigt (z. B. in China), zum anderen sieht die Industrie zunehmend der Wert der Pflanze im Nahrungsbereich u. a. für den Einsatz als Lebensmittelfarbstoff, die Herstellung von flüssiger Glucose, Stärke, Alkohol, Babynahrung, Kleingebäck und im Non-Food-Bereich u. a. zur Herstellung von Treibstoff, Textilien, Papier oder Kosmetik.

sustainable development

Siehe nachhaltige Entwicklung

Syrosem

Ein Syrosem ist ein Rohboden, gewöhnlich aus Festgestein. Die Bezeichnung stammt aus dem Russischen und bedeutet 'rohe Erde'. Syroseme haben ein Ai/mC-Profil (i von initial, m für massiv). Dieser Boden ist gewissermaßen der erste Schritt zu einem „ordentlichen“ Mineralboden, in dem noch keine nennenswerte chemische Verwitterung stattgefunden hat. Er ist auf erodierten Lagen der Bergregionen zu finden oder auch auf Lockergestein wie Löss oder Sanddünen siedeln sich meist schnell Gräser an. Im Gegensatz zum Fels können sich die Wurzeln in dem lockeren Material gut ausbreiten. Ebenso wird Wasser zwischen den Sandkörnern gespeichert, die das Pflanzenwachstum fördern.

Syrosem aus Solnhofener Plattenkalk (Region Altmühltal)<br> mit Ai/mC-Profil

Syrosem aus Solnhofener Plattenkalk (Region Altmühltal)
mit Ai/mC-Profil

Syrosem bedeutet auf russisch "rohe Erde". Oftmals wird er nicht als "richtiger" Boden wahrgenommen, weil das Gestein durch die lückenhafte, maximal 2 cm hohe Auflage nur wenig verdeckt wird.

Quelle: Alexander Stahr

Entwicklung

Oft beginnt die Entwicklung des Syrosems mit der Besiedelung von Felsen mit Flechten, Moosen und Gräsern. Hinzu kommt angewehtes organisches Material wie etwa Laub. In diesem Stadium der Bodenentwicklung kann man von einem Felshumusboden mit O/mC-Profil sprechen (O = organische Auflage, m für massives Gestein).

Durch Staubeinträge und fortschreitende Verwitterung nimmt der mineralische Anteil des Bodens über Festgestein allmählich zu, wodurch sich ein geringmächtiger Ai-Horizont bildet (mineralischer Oberboden < 2 cm mit über 70 Gew.-% mineralischen Anteilen). Syroseme finden sich z. B. auf Felsklippen, auf vom rückschmelzenden Gletschereis freiwerdenden Felsarealen, im Bereich von nicht mehr genutzten Steinbrüchen sowie an Erosionsstandorten im Hochgebirge.

Kennzeichnend für Syroseme ist, dass die Anreicherung von organischer Substanz die Mineralbodenbildung in dieser Phase der Bodenbildung dominiert. In erosionsgeschützten Lagen kann sich der Syrosem über längere Zeiträume hinweg zum Ah/C-Boden entwickeln. Je nach Ausgangsgestein der Bodenbildung zum Ranker (aus Silikatgestein), zur Rendzina (aus Kalkstein) oder zur Pararendzina (aus Mergel).

Eigenschaften und Nutzung

Die chemischen und physikalischen Eigenschaften des Oberbodens können unterschiedlich sein und ähneln noch sehr stark dem Ausgangsmaterial. So haben Syroseme auf Kalkstein einen sehr hohen pH-Wert, während solche auf Sandstein kaum Nährstoffe aufweisen. Wegen der Flachgründigkeit treten diese Eigenschaften aber stark in den Hintergrund, weshalb sie bei der Ansprache als Syrosem nicht berücksichtigt werden. Der sehr geringmächtige Boden (maximal 2 cm) kann kaum Wasser speichern, so dass er extrem wechseltrocken ist. Auch bietet er kaum Raum für eine Durchwurzelung. Deshalb ist eine agrarwirtschaftliche Nutzung unmöglich. Im Großen und Ganzen sind nur Pionier- und Gebirgspflanzen (z. B. Moose, Farne, Gräser) in der Lage, dort zu wachsen. In Gebirgen findet teilweise eine sehr extensive forstwirtschaftliche Nutzung mit extremen Flachwurzlern wie Arven oder Fichten statt.