Lexikon des Agrarraums

E

EAGFL

Siehe Europäischer Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft

Ecofarming

Konzept der kleinbäuerlichen Landbewirtschaftung in den wechselfeuchten und immerfeuchten Tropen, das durch Rückbesinnung auf gelungene traditionelle Agrarkulturen unter weitgehendem Verzicht auf zugekaufte Hilfsmittel die Bodenproduktivität durch standortangepaßte, umweltschonende Bewirtschaftungsmethoden zu steigern und langfristig zu erhalten sucht. Das Ecofarming orientiert sich am Mangel in Entwicklungsländern und ist als Alternative zur Technologie der Grünen Revolution entwickelt worden.
Aus vielen tropischen Gebieten liegen Untersuchungen über standortgerechte Wirtschaftsformen vor. Die vielgestaltige naturräumliche Gliederung verbietet es aber, die Ergebnisse zu verallgemeinern und auf andersgeartete Räume zu übertragen. Bereits die autochthonen Intensivsysteme haben eine nachhaltige Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit bei Besiedelungsdichten häufig bis zu dreihundert, in einigen Fällen bis fünfhundert Menschen pro km² geleistet. In diesen Beispielen ist es der lokalen Bevölkerung gelungen, durch einen ökologisch sinnvollen Methodenwandel den Schritt vom Wanderfeldbau zur permanenten Landnutzung zu vollziehen. Dabei ergeben sich erstaunliche methodische Ähnlichkeiten trotz klimatischer und ethnischer Vielfalt:

Egger (1989) empfiehlt, daß jedes Ecofarming-Konzept an diesen Methoden ansetzen und von ihnen das grundsätzliche "Ecodesign" ableiten solle. Eine notwendige standortbezogene Entwicklung in den Tropen stellt den ökologischen Landbau in Kontrast zur Grünen Revolution mit ihrem Technologietransfer aus den Industrieländern. Sinnvoll ist die langsame Methodenentwicklung im Dialog mit lokalen Partnern. Moderne technische Hilfsmittel sollen nur moderat zur Stützung des gewünschten Agrarökosystems eingesetzt werden.

Ziele und Merkmale der tropischen Ökolandwirtschaft:

Standortgerechte Nutzungsformen für die Ungunsträume der immerfeuchten Tropen sind bislang erst unzureichend erprobt. Hier muß die Bodennutzung der natürlichen Vegetation (Tropischer Regenwald) möglichst nahekommen, wenn eine langfristige Ertragssicherung auf den nährstoffarmen Böden erreicht werden soll. Agroforstwirtschaftssysteme kommen dieser Forderung entgegen. Überzeugende Realisationen sind bislang aber weniger aus dem Tieflands-Regenwald bekannt, sondern vielmehr aus Bergwäldern Ostafrikas oder Kameruns. Ein Durchbruch des Eco-Farming-Konzeptes ist bislang nicht erfolgt. Insbesondere ist eine frustrierende Phase des Durchhaltens zu überbrücken, da die Wirkungen des ökologischen Anbaus auf die bäuerlichen Einkommen erst mittelfristig eintreten.

Ecological Engineering

Unter Ecological Engineering versteht man in der Ökologie das Designen oder die gezielte Änderung eines Ökosystems, um das natürliche Gleichgewicht in einer bestimmten Richtung zu lenken bzw. nachhaltig wiederherzustellen. Bei der Methode ist unabdingbar, dass bei der Verfolgung von den erwünschten Zielen keine Nebenwirkungen für das Ökosystem entstehen. Beispiele von Ecological Engineering sind der Abbau von Umweltschadstoffen durch Pflanzen oder Mikroorganismen (die sogenannte Bioremediation oder biologische Sanierung) oder auch der Eingriff in der Rhizosphäre mit dem Ziel, das Pflanzenwachstum zu fördern. Das Ecological Engineering wird sowohl in terrestrischen als auch in aquatische Ökosystemen benutzt. Der Begriff Ecological Engineering wurde erstmals 1962 vom amerikanischen Ökologen Howard Odum verwendet.

ECU

ECU (m./w.), Abkürzung für European Currency Unit (= Europäische Währungseinheit, EWE), auch abgeleitet von der Bezeichnung für ein französisches Zahlungsmittel im Mittelalter (Écu). Der Ecu war als Vorläufer des Euro von 1979 bis 1998 die Rechnungseinheit der Europäischen Gemeinschaften (EG), später Europäischen Union (EU) und bestand aus einem Währungskorb, in dem die Währungen der Mitgliedsländer eine feste Gewichtung hatten.

Der ECU war zentraler Bestandteil des Europäischen Währungssystems (EWS) und einer der wichtigsten Bausteine auf dem Weg zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU). Der europäische Agrarhandel vollzog sich fast vollständig auf ECU-Basis. Die ECU war mit Beginn der Währungsunion abgeschafft. Ein ECU entsprach dann dem Wert eines Euro.

(s. a. agrimonetäres System)

Edaphon

Sammelbezeichnung für die ständig oder zeitweise in den luft- oder wassergefüllten Hohlräumen des Bodens lebenden Organismen (Bakterien, Actinomyceten, Algen, Pilze, Tiere, z.B. Nematoden, Regenwürmer, Wühlmäuse).

EFA

Abk. für Europäische Föderation der Agrarischen Gewerkschaften in der Union; der Zusammenschluß der nationalen Landarbeiterverbände auf EU-Ebene. Seine Ursprünge gehen in das Jahr 1958 zurück.

(s. a. COGECA, COPA)

Effizienz-Verordnung

Eine Verordnung auf EU-Ebene, die die Einführung von spezifischen Beihilferegelungen in Gebieten gestattet, in denen die Einführung oder Erhaltung bestimmter landwirtschaftlicher Erzeugungspraktiken zum Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen sowie zur Erhaltung des natürlichen Lebensraumes und der Landschaft erforderlich sind.

EFTA

1. European Free Trade Association, siehe Europäische Freihandelsvereinigung

2. European Fair Trade Association, Zusammenschluss europäischer Alternativer Handelsorganisationen mit folgenden Zielsetzungen:

Handelsgüter sind Agrarprodukte wie Kaffee, Kakao, Zucker, Gewürze aber auch Handwerksprodukte. Die Arbeit der EFTA ist zu verstehen vor dem Hintergrund eines umfassenden Konzeptes einer Nachhaltigen Landwirtschaft, das u.a. auch Armutsbekämpfung und Partizipation neben die ökologische Komponente setzt.

Einziges deutsches EFTA-Mitglied ist die GEPA.

Weitere Informationen:

EG

Siehe Europäische Gemeinschaft

EG-Agrarreform

Siehe Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik

Egart(en)wirtschaft

Heute seltene Form des Grünlandes im Wechsel mit Ackerbau in Süddeutschland und im deutschsprachigen Alpenraum mit der Unterscheidung in Naturegart und Kunstegart. Der wesentliche Bestimmungsgrund für die Egartwirtschaft wird in der Selbstversorgung gesehen.

(s. a. Feld-Gras-Wechselwirtschaft)

Egge

Vielgestaltiger Gerätetyp zur Feinbearbeitung der Ackerkrume mit den Aufgaben, die groben Schollen zu zerkleinern, die Oberfläche einzuebnen, Stoppeln umzubrechen, das Saatbett zu bereiten, Unkraut zu vernichten oder verdunstungshemmend Kapillaren zu zerstören (z.B. beim dry farming).

Haupttypen:

EG-Nitratrichtlinie

Richtlinie (91/676/EWG ) zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen durch Nitrate aus landwirtschaftlichen Quellen. Zu diesem Zweck werden Normen für die Verwendung von Stickstoffverbindungen auf landwirtschaftlichen Flächen und für bestimmte landwirtschaftliche Produktionsverfahren aufgestellt. U.a. wird ein Grenzwert für organischen Dünger-Stickstoff von 170 kg pro Hektar festgesetzt, der nur unter bestimmten Umständen überschritten werden darf.

Die Nitratrichtlinie ist eines der Schlüsselinstrumente für den Schutz der Gewässer vor der Nitratbelastung durch die Landwirtschaft.

Weitere Informationen:

Eigentum

Rechtsbegriff, der das umfassende Herrschaftsrecht einer natürlichen oder juristischen Person an einer Sache, wie z.B. den Boden, beschreibt. Die Bodeneigentumsrechte stehen allerdings unter öffentlicher Kontrolle, wobei die Nutzungsrechte über die Sozialpflichtigkeit des Eigentums mehreren Beschränkungen unterliegen können. So gibt es z.B. wasserrechtliche, naturschutz-, straßen-, wegerechtliche und andere Restriktionen, welche die Eigentumsfreiheit des Grunds und Bodens begrenzen können.

(s. a. Besitz)

Einfeldwirtschaft

Landwirtschaftliches Bodennutzungssystem, bei dem nur eine Frucht - in Mitteleuropa meist Roggen - über Jahre auf demselben Feld angebaut wurde ("ewiger Roggenanbau"). Es ist eine typische Landnutzung, die im Hochmittelalter entwickelt wurde. Sie war vor allem auf Eschfluren verbreitet, während auf Gewannfluren die ertragreichere Dreifelderwirtschaft Anwendung fand.

Die Einfeldwirtschaft, die in Nordwestdeutschland, Holland und im Osten bis zur Elbe verbreitet war, ist eine Anpassung an die landwirtschaftlichen Randbedingungen. In diesen Regionen waren viele Flächen für Ackerbau zu grundfeucht. Sie wurden als Allmende kooperativ bewirtschaftetes Grünland genutzt. Die wenigen geeigneten Ackeranbauflächen mussten mit Getreide bestellt werden. Die Einfeldwirtschaft ging damit meist mit einer Plaggendüngung einher, bei der die humus- und nährstoffreichen oberen Bodenschichten der als Weide genutzten Flächen abgestochen und zur Düngung auf den Ackerbauflächen aufgebracht wurden. Dies führte auf den Weideflächen zu einer gravierenden Bodendegradierung. Auf diesen bildeten sich aufgrund des regenreichen ozeanischen Klimas und des sandigen Untergrundes meist Heiden. Die Einfeldwirtschaft stellt daher eine sehr intensive Landnutzungsform dar. Extensiv bewirtschaftet wurde dagegen das Grünland.

Ein Großteil der Plaggenesche bestand vom Hochmittelalter bis in das 19. Jahrhundert, als durch die Einführung des künstlichen Düngers die Plaggendüngung beendet wurde.

Einfirsthof

Auch Einhaus, Einhof, Eindachhof, Einheitshaus/ -hof, Einfirstanlage; Hof, der alle wesentlichen Zwecke des bäuerlichen Betriebes unter einem geradlinigen Dach vereinigt. Einfirsthöfe finden sich in Mitteleuropa häufig in mittleren bis höheren Lagen der Gebirge. Ein weiteres Lagemerkmal ist ein relativ ozeanisches Klima mit entsprechend günstigen Bedingungen für die Grünlandwirtschaft.

Einfuhrabgabe

Abgabe bei der Einfuhr der Hauptgetreidearten Hartweizen, Weichweizen, Gerste, Roggen, Mais und Sorghum in das Gebiet der EU. Sie errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Interventionspreis (Einfuhrschwelle) und dem repräsentativen Einfuhrpreis cif Rotterdam. Ist der Weltmarktpreis höher als die Einfuhrschwelle, können diese Getreidearten ohne Einfuhrabgabe in die EU importiert werden.

Eingriffe In Natur und Landschaft

Nach § 8 des Bundesnaturschutzgesetzes Bezeichnung für Veränderungen der Gestalt oder Nutzung von Grundflächen, die die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts oder das Landschaftsbild erheblich oder nachhaltig beeinträchtigen können.

Einheiten

Zu den wichtigsten Maßeinheiten im Bereich der Landwirtschaft gehören:

Umrechnungsschlüssel für internationale Maße (Agrargüter)

Quelle: ADM

Weitere Einheiten siehe als entsprechende Stichworte.

Einheitshof/-haus

Auch Einhof/-haus; landwirtschaftliches Gebäude, das die Wohn- und Wirtschaftsfunktionen unter einem Dach vereint. Gewöhnlich bestehen jedoch kleinere Nebengebäude, wie Geräteschuppen, Ställe, Altenteilerhaus u.ä. Verbreitungsgebiete des Einheitshofes in Mitteleuropa sind Süddeutschland, Norddeutschland, Lothringen, Schweizer Jura und Engadin. Im übrigen Europa findet sich der Einheitshof auf den Britischen Inseln, in Dänemark und in NW-Spanien.
Je nach der Art der Raumerschließung unterscheidet man Längseinheitshof, Quereinheitshof und Zentralbau. In Süddeutschland herrscht der quergeteilte Einheitshof vor, bei dem Wohn- und Wirtschaftsgebäude quer zur Firstlinie nebeneinander angeordnet sind, mit Türen und Toren gewöhnlich zur Traufseite. Beispiele sind das Schwarzwaldhaus und das Alpenvorlandhaus.

In Norddeutschland dominieren das längsaufgeschlossene Einheitshaus in den Typen des sogenannten Niedersachsenhauses und des Gulf(ein)hauses, beide auch als Niederdeutsches Hallenhaus gekennzeichnet. Besonders bekannter Typ des Gulfhauses ist der Eiderstedter Haubarg. (s. a. Hofformen)

Einhufer

Hierzu zählen Pferde, Ponys, Esel und Maultiere.

Einkommensalternativen

Zusätzliche Einkommensquellen für landwirtschaftliche Betriebe vornehmlich im Nebenerwerb und Zuerwerb, als Ausgleich für die unzureichenden Einkommen aus der Erzeugung von Nahrungsmitteln im Gefolge der agrarpolitischen Gesamtsituation und des anhaltenden Strukturwandels. Bei der Entwicklung von Einkommensalternativen verfügen bäuerliche Betriebe über ein besonderes Potential, nämlich ihre Flächenausstattung und ihre Betriebsgebäude, die beide für nicht-landwirtschaftliche Zwecke nutzbar sind.
Zu den eingeführten Einkommensalternativen zählen:

Neue Einkommensalternativen sind:

Eine finanzielle Förderung erfährt die Entwicklung von Einkommensalternativen z.B. durch das Ziel 5b-Programm der EU, EU-Gemeinschaftsinitiativen oder durch Programme der Bundesländer.
Mit den meisten der oben stehenden Betätigungsfeldern tritt der Landwirt unmittelbar in Konkurrenz zu gewerblichen Bereichen, wie z.B. dem Garten- und Landschaftsbau, dem Einzelhandel oder dem Gaststättengewerbe. Aus Gründen der Steuergerechtigkeit müssen die aus diesen Tätigkeiten resultierenden Einkünfte und Umsätze steuerlich korrekt abgegrenzt werden.

Einödblockflur

Flurformentyp mit geschlossener Besitzlage und blockförmigen Flurumrissen. Die Mehrzahl der heutigen Einödblockfluren in Mitteleuropa entstand aufgrund von rechtlich-sozialer Differenzierung und von Rationalisierungsbestrebungen der Neuzeit. Mittelalterliche Einödblockfluren entwickelten sich überwiegend zu Gemengefluren.

Einödflur

Flur, die im Gegensatz zur Gemengeflur durch geschlossene (arrondierte) Lage des Besitzes der einzelnen Betriebe gekennzeichnet ist. Die Parzellen liegen meist als Blöcke vor. Daneben gibt es aber auch Reihensiedlungen mit Streifeneinödflur.

(s. a. Einödstreifenflur)

Einödhof

Siehe Einzelhof

Einödstreifenflur

Flurformentyp mit geschlossener Besitzlage und streifenförmigen Parzellenumrissen. Dieser Formentyp entstand vor allem bei gelenkten Rodungen in Wald-, Marschen- und Moorgebieten.

(s. a. Waldhufensiedlung, Marschhufensiedlung, Moorhufensiedlung, Hagenhufensiedlung)

Einstreu

Streumaterial in Ställen, vornehmlich zur Aufnahme flüssiger und feuchter Darmausscheidungen. Einstreu wird auch heute noch bei allen Festmistverfahren benötigt. Vorwiegend wird Stroh als Streumaterial verwendet, wobei lang- oder kurzgehäckseltes Stroh von Wintergetreide eine gute Saugfähigkeit besitzt und damit den Zweck erfüllt, die Liegeplätze der Tiere trocken und sauber zu halten. Außerdem dient Einstreu auch zum Warmhalten der Liegeplätze.

Einzelhof

Darunter wird weltweit ein von anderen Einzel- und Gruppensiedlungen abgesondert gelegener landwirtschaftlicher Betrieb verstanden. Er besteht aus dem Grundstück und den darauf gelegenen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden mit Stallungen, Scheunen, Schuppen u.ä.
In Europa war und ist der Einzelhof als Siedlungstyp in vielen Teilen verbreitet und wird oft synonym zu Einzelsiedlung verwendet. In anderen Sprachen werden Einzelhöfe "ferme isolée" (frz.), "isolated" bzw. "single farm" (engl.), "enkeltgård" (dän.), "einbölt tun" (norw.), "ensamgård" (schwed.) und "casa sparsa" (ital.) genannt. Im Süden des deutschen Sprachraums wird der Einzelhof auch als Einödhof (von ahd. einoti = Einsamkeit) bezeichnet.
Der Begriff Einzelhof beinhaltet keine Aussage zur Lage und Form der landwirtschaftlichen Besitzflächen. In Mittel-, West- und Nordeuropa ist mit dem Einzelhof gewöhnlich eine geschlossene Wirtschaftsfläche (Einödflur) verbunden. Sie ist aus betriebswirtschaftlichen und topographischen Gründen oft in mehrere, zumeist größere, blockförmige Wirtschaftsparzellen gegliedert. Im Mittelmeerraum findet sich häufig trotz Einzelsiedlung eine Gemengelage des Besitzes.
Typische Einzelhofgebiete und Streusiedlungsgebiete (Einzelhöfe in Mischung mit kleinen Hofgruppen) in Mitteleuropa sind das Allgäu, Teile des mittleren Schwarzwalds, Teile Westfalens und der nordwestdeutschen Marschen.
Ältere Theorien erklärten das Auftreten von Einzelhöfen mit ethnischen Gründen. Als entscheidende Faktoren werden seit einiger Zeit Einwirkungen der Obrigkeit, Wirtschaftsform, Betriebsform, Viehhaltungssystem sowie Besitz- und Nutzungsrechte angesehen.
Im Gegensatz zur Alten Welt sind Einzelhofgebiete in vielen Teilen der Neuen Welt - besonders im Gefolge der europäischen Kolonisation - vorherrschend.

Einzelsiedlung

Oft synonym für Einzelhof gebrauchter Begriff für eine isolierte Wohn- und Wirtschaftseinheit. Teilweise werden auch in direkter Nachbarschaft liegende "Paarhöfe", "Zwiehöfe", "Hofpaare" oder "Doppelhöfe", die oft aus der Teilung eines Urhofes entstanden sind und eine mit entsprechenden Teilungsmerkmalen versehene Flur nutzen, aber keine gemeinsame Wohnplatzgestaltung besitzen, dazugerechnet.
Einzelsiedlungen standen oft am Anfang von Entwicklungen zu Gruppensiedlungen. Ausschlaggebend für derartige Entwicklungen dürften hauptsächlich ein zunächst vorhandener Mangel an Siedlern und die folgende Zunahme der Bevölkerung gewesen sein. Andererseits sind Einzelsiedlungen auch sekundär durch das Zusammenlegen aller Betriebe von Gruppensiedlungen entstanden.

Ursachen für die Bildung von Einzelsiedlungen:

Nach Born (1977) bildet der Typ Einzelsiedlung in Mitteleuropa keine besonders häufige Form ländlicher Siedlung. Sie steht vor allem im Zusammenhang mit Ausnahmesituationen, wie sie bei Landnahme oder nach Wüstungsvorgängen gegeben sein können, durch bestimmte Naturausstattungen hervorgerufen werden, aus rechtlicher Benachteiligung erwachsen oder sich im Durchsetzen rechtlicher Vorrangstellungen äußern.

(s. a. Streusiedlung, Gruppensiedlung, ländliche Siedlung, ländliche Siedlungsform)

Eiweißfutter

Eiweiß (Protein) ist für alle Tiere lebenswichtig. Nutztiere nehmen es mit dem Futter (Körner, Gräser, Silage) auf. Damit bei den Tieren keine Mangelerscheinungen auftreten und Fleisch, Milch und Eier guter Qualität erzeugt werden können, muss das betriebseigene Futter in der Regel durch eiweißhaltige Futtermittel ergänzt werden. Als Eiweißfutter wird zumeist Soja- oder Rapsschrot verfüttert, das in den Ölmühlen aus Sojabohnen (Eiweißanteil 35 %) und Raps (Eiweißanteil 21 %) neben dem Öl gewonnen wird.

Ejido

Kollektivistische Organisationsform in Mexiko nach dem Vorbild traditioneller indianischer Dorfgemeinschaften (communidades indígenas). Ejidos entstanden im Gefolge von Bodenreformen, in denen Mexiko ab 1915 versuchte, Latifundienstrukturen zu zerschlagen und kleinbäuerliche Produzenten zu stärken. Es sind zwei Formen von Ejidos zu unterscheiden:
Individuelle Ejidos: Landeigentümer ist die Ejido-Gemeinschaft. Bauernfamilien haben Nutzungsrechte am Boden und bewirtschaften ihre Parzellen in individual-wirtschaftlicher Form. Betriebsflächen können vererbt, aber nicht verkauft oder verpfändet werden. Mehr als zwei Jahre nicht bewirtschaftetes Gelände kann von der Gemeinschaft zurückgefordert und neu vergeben werden.
Kollektive Ejidos: Das Land gehört der Gemeinschaft und wird kollektiv bewirtschaftet.

Trotz des großen Umfangs hat die mexikanische Agrarreform die gesetzten Ziele nicht erreicht. Noch immer hat Mexiko eine dualistische Agrarsozialstruktur: Offiziell besitzen 2,3 % der Agrarbetriebe rund 45 % der Fläche, wobei die tatsächliche Besitzkonzentration noch höher ist, da viele Großbetriebe, die zulässige Flächenobergrenzen überschreiten, pro forma in mehrere Einheiten aufgeteilt und unter dem Namen von Familienmitgliedern oder Strohmännern registriert wurden.

El Niño und La Niña

El Niño bezeichnet die unterschiedlich stark ausgeprägte, großskalige Erwärmung des Oberflächenwassers, die im gesamten äquatorialen Bereich des zentralen und des östlichen Pazifik vor der peruanischen Küste stattfindet (ca. ¼ des Erdumfangs), und die die atmosphärische Zirkulation weltweit beeinflusst. El Niño erreicht gewöhnlich seinen Höhepunkt um die Weihnachtszeit. Dieser saisonale Anstieg der Meeresoberflächentemperatur markiert das Ende der Fischfangsaison und peruanische Küstenfischer belegten zunächst dieses jahreszeitliche Signal mit dem Wort El Niño (spanisch für 'Christkind'). Die Erwärmung ist in einigen Jahren allerdings besonders stark und die Fische kehren auch nicht wie üblich am Ende des Frühjahrs wieder. Diese besonders starken Erwärmungen (>5 °C) dauern typischerweise etwa ein Jahr lang an. Heute werden nur noch diese außergewöhnlichen Erwärmungen mit El Niño bezeichnet.
Eine mit El Niño verbundene Erscheinung ist die Southern Oscillation, eine in Ost-West-Richtung hin- und herpendelnde Bewegung von Luftmassen zwischen dem Pazifik und den indo-australischen Gebieten.
Diese Erscheinung ist grob synchronisiert mit typischen Windströmungen (z.B. schwächere SE-Passate) und mit El Niño und wird mit dem Southern Oscillation Index (SOI) dargestellt. El Niño ist dabei die ozeanische Komponente, Southern Oscillation die atmosphärische. Diese Kombination führte zu dem Akronym ENSO. Ausgeprägt negative Werte des SOI sind mit warmen Ereignissen verbunden.
Im Durchschnitt tritt El Niño alle 3 bis 7 Jahre auf, und ist mit dieser mehr oder weniger stabilen Regelmäßigkeit wie die meisten atmosphärischen Erscheinungen als ein normales Phänomen anzusehen.
El Niño verursacht besonders im Ostpazifik eine drastische Reduzierung der ozeanischen Primärproduktion, auf der der dortige Fischreichtum (Anchovis) basiert, und beeinträchtigt so die Meeresfischerei erheblich, z.T. bis zum völligen Zusammenbruch (1972). Dies erklärt sich aus der anomal schwachen Ausprägung der SE-Passate, die es nicht vermögen, die küstennahen warmen Deckschichten seewärts zu verfrachten und es folglich nicht zu einem Aufströmen von kaltem und nährstoffreichem Tiefenwasser kommt.
El Niño hat in verschiedenen Teilen der Erde unterschiedliche Auswirkungen, teils nutzbringende (vermutlich wird die Entstehung von Hurrikanen im Atlantik unterdrückt), teils negative (Trockenheit im südöstlichen Afrika, süd-östlichen Inselasien und im nördlichen bis nord-östlichen Lateinamerika, sintflutartige Regenfälle über dem westlichen Südamerika).
Auswirkungen auf die Volkswirtschaften und die Gesundheitssysteme als Folge dieser Klimaextreme sind nur zu einsichtig, dazu gehören beispielsweise:

Zu den Anpassungsmaßnahmen an El Niño-Episoden gehören der Anbau von Trockenheits-resistenten Pflanzen, Änderungen der Fruchtfolge oder der Aufbau von Beratungs- und Notfallstrukturen, beispielsweise durch die FAO.

El Niño-Ereignisse sind Teil eines Zyklus, dessen zweites wesentliches Element Phasen sind, in denen die atmosphärisch-ozeanischen Prozesse mit genau umgekehrten Vorzeichen ablaufen. Diese Phasen wurden mit der Bezeichnung La Niña versehen. Unter La Niña-Bedingungen verschärft sich der Temperaturkontrast im Pazifik längs des Äquators, und es bildet sich eine weit nach Westen reichende Kaltwasserzunge aus. Die Folgen sind erhöhte Niederschläge über dem westlichen Pazifik und Teilen Südostasiens, im westlichen Südamerika jedoch ungewöhnlich trockene Verhältnisse. Europa wird von beiden Ausprägungen des Zyklus nur schwach und statistisch unauffällig berührt.
Der El Niño-La Niña-Zyklus besitzt keine strenge Periodizität, doch lassen sich die Oberflächentemperaturen mit einem gekoppelten Ozean-Atmosphäre-Modell für den Zeitraum bis zu einem Jahr recht zuverlässig vorhersagen.

Ein besonders starker El Niño fand 2015/16 statt. Jedoch waren die Auswirkungen auf die Agrarerzeugung nicht so stark wie ursprünglich befürchtet. Bei gleichzeitig guten Ernten auf der Nordhalbkugel, insbesondere USA, und Nachfrageschwäche in vielen Schwellenländern blieben die Marktauswirkungen des neuerlichen El Niño begrenzt. Erst nach seinem meteorologischen Höhepunkt zum Jahreswechsel 2015/16 machte sich El Niño auf globalen Märkten für Soja, Mais und Zucker über kräftige Preisanstiege stärker bemerkbar. Ursache waren die extremen Witterungsverhältnisse in Südamerika, gekennzeichnet durch massive Regenfälle in Argentinien und durch Hitze und Trockenheit in Brasilien sowie in Südostasien.

Weitere Informationen:

Electronic Marketing

Auch electronic commerce; Sammelbegriff für alle marketingrelevanten Bereiche, in denen elektronische Komponenten und Systeme der Informations- und Kommunikationstechnologie zur Anwendung gelangen. Dem (End)Konsumenten von Agrarprodukten kann dieses Marketing-Konzept beispielsweise im Internet (Online Marketing) begegnen mit den Elementen electronic shopping (ein regionaler Verbund von Produzenten des Ökologischen Landbaus bietet z.B. online seine Produkte zur Hausanlieferung an), Öffentlichkeitsarbeit (CMA), Werbung (Ländlicher Tourismus) usw.

elektronische Tierkennzeichnung

Bisherige, seit 20 Jahren praktizierte elektronische Tierkennzeichnung bei Rindern geschah mit Hilfe von an Halsbändern befestigten Transpondern und Respondern. Sie ermöglichen, eine individuelle Tierversorgung bei gleichzeitiger Gruppenhaltung in Laufställen und sie vereinfachen die individuelle Datenerfassung.

Neue Anforderungen aus dem Bereich der Qualitätssicherung, die eine zweifelsfreie Identifizierung von Tierindividuen verlangt sowie Probleme mit Tierverlusten und Betrug beförderten die Entwicklung von neuen Transponder-Typen, die äußerlich unsichtbar im Tierkörper (im Pansen oder unter dem Schildknorpel) angebracht werden, und die als sehr fälschungssicher gelten.

ELER

Siehe Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums

Embryosplitting

Züchtungsmethode, bei der sich durch eine hormonell induzierte Superovulation, nachfolgende Besamung und Ausspülung Embryonen gewinnen lassen, die im Labor durch mechanische Mikromanipulation in Einzelzellen aufgeteilt werden können. Die Zellen können in einem geeigneten Nährmedium zu einem Vielzeller heranwachsen und auf andere Tiere übertragen werden.

Embryotransfer

Implantation der Embryonen von Spendertieren oder von Embryonen, die durch In-vitro-Befruchtung entstanden sind, in den Uterus des Empfängertieres.
Die Generationenfolge bei den großen Nutztieren ist relativ langsam, was die Zahl der Nachkommen von weiblichen Hochleistungstieren beschränkt. Der große Vorrat an Eiern in den Ovarien wird im Normalfall nicht ausgenutzt. Durch das Proteohormon Gonadotropin kann die gleichzeitige Reifung mehrerer Eier stimuliert werden, welche sich nach der Befruchtung aus dem Uterus herausspülen und in andere, hormonell zur Ei-Aufnahme vorbereitete Tiere überführen lassen. Auch die Aufbewahrung der Embryonen bei tiefen Temperaturen und ihre spätere Implantation ist mit gutem Erfolg (44 %) heutige Routine.
Das Verfahren ermöglicht das Sortieren von männlichen und weiblichen Embryonen und den rationellen Transfer des besten Zuchtmaterials.
Im Vergleich zur künstlichen Besamung ist der Embryotransfer noch von geringer Bedeutung. Lediglich für die Züchtung von Hochleistungstieren ist er heute eine gängige Methode. In günstigen Fällen können ausgehend von einer Kuh innerhalb eines Jahres bis zu 50 Kälber entstehen.

Mit dieser Technik wird als weiteres Element des Strukturwandels auch die Erneuerung und Vermehrung des Tierbestandes aus der Landwirtschaft ausgelagert und der Kontrolle der Bauern weitgehend entzogen.

Emission

Abgabe von Stoffen aus Industrie, Landwirtschaft, Siedlung und Verkehr an die Umwelt. (s. a. Umweltwirkungen)

Enclosure

Engl. Einhegung; in England im 15. Jh. beginnende und bis ins 19. Jh. reichende Flurneuordnung. Dabei wurden Gruppensiedlungen größtenteils aufgelöst, die Fluren mit Hecken eingehegt, Grundstücke wurden zusammengelegt und aus dem Flurzwangsystem einer genossenschaftlich organisierten Feldgemeinschaft herausgelöst. Es entstand eine Agrarlandschaft mit Einzelhöfen. Teilweise wurde während dieser von verschiedenen Typen von Obrigkeit betriebenen enclosure-Bewegung auch die bäuerliche Bevölkerung verdrängt.

Im Prinzip ging es beim Prozeß der enclosure um die Ablösung des älteren "open-field-Systems", das mit seinem Flurzwang, der gemeinsamen Viehweide in der Dorfherde dem mitteleuropäischen Zelgensystem entspricht. Individuelle Bewirtschaftungssysteme lösten die open-field-Wirtschaft ab. Das konnten sowohl Viehwirtschaftssysteme (z.B. Schafhaltung) als auch Ackerbausysteme mit betriebsindividueller Fruchtfolge sein.

Energieeinsatz

Beim Energieeinsatz in der Landwirtschaft ist zwischen direkter und indirekter Energie zu unterscheiden. In den alten deutschen Bundesländern betrug der Gesamtenergieeinsatz 1990/91 412,3 PJ (Petajoule = 1015 Joule).

Für Gesamtdeutschland ist die Land- und Forstwirtschaft mit 2,6 % am Primärenergieverbrauch beteiligt.
Die Produktivität des Energieeinsatzes in der Landwirtschaft hat sich in der Vergangenheit trotz gestiegener Erträge wesentlich verschlechtert. Zwischen 1905 und 1975 verringerte sich das Verhältnis zwischen eingesetzter und "geernteter" Energiemenge um 55 %. 1905 wurden pro eingesetzter Energieeinheit noch 4 Einheiten an Nahrungsenergie erzeugt, 1950 etwa 2,7 Einheiten und 1975 lediglich 1,8 Einheiten an Nahrungsenergie. Die energetische Input-Output-Relation sank beispielsweise im Maisanbau von 1:3,7 (1945) auf 1:2,5 (1970). Sowohl die Erträge (in absoluten Zahlen) als auch die Arbeits- und Flächenproduktivität sind im gleichen Zeitraum dagegen deutlich gestiegen.
Der ökologische Landbau benötigt etwa 6,8 GJ Energieinput pro Hektar und Jahr, die konventionelle Variante etwa 21,6 GJ/ha pro Jahr. Dieser Mehraufwand wird hauptsächlich von dem intensiven Einsatz chemischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie vom höheren Zukauf von Fremdfuttermitteln verursacht. Für die gesamte bewirtschaftete Fläche ergibt sich ein Bruttogesamtaufwand an direkter und indirekter Energie von 1,6 PJ pro Jahr im ökologischen Landbau beziehungsweise 410,3 PJ pro Jahr in der konventionellen Bewirtschaftung.

Die CO2-Emissionen sind beim konventionellen Landbau um den Faktor 2,9 höher als beim ökologischen Landbau.

Energiepflanzen

Landwirtschaftliche Nutzpflanzen, die mit dem Hauptziel einer Energiegewinnung angebaut werden, in Abgrenzung zu Pflanzen zur Nahrungsmittelerzeugung, Futterpflanzen und Industriepflanzen.

Beispiele für Energiepflanzen sind Miscanthus (Miscanthus sinensis), Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea), Riesenweizengras/Szarvasi-Gras (Agropyron elongatum), Sachalin-Staudenknöterich/Igniscum (Fallopia sachalinensis) und Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum. Als Energiepflanzen werden ferner Rüben sowie Hanf und auch Ölsaaten wie z.B. Raps und Sonnenblumen, sowie außerhalb Deutschlands Ölpalmen und Soja genutzt.

Wild wachsende Pflanzen, die z. B. als Brennholz energetisch genutzt werden, werden nicht zu den Energiepflanzen gezählt. Forstpflanzen, die auf landwirtschaftlichen Flächen zur Energienutzung angebaut werden (beispielsweise in Kurzumtriebsplantagen mit Pappeln und Weiden) werden in der Regel mit erfasst.

Ob eine Kulturpflanze als Energiepflanze genutzt wird, entscheidet sich möglicherweise erst nach der Ernte, da die meisten der in Deutschland angebauten Energiepflanzen gleichzeitig auch als Futtermittel, Nahrungsmittel oder als Rohstoff für die stoffliche Nutzung z.B. in der chemischen Industrie in Frage kommen.

Teilweise wird nur bei einer energetischen Nutzung der ganzen Pflanze von Energiepflanzen gesprochen. Entscheidend ist also die Nutzung der Pflanze. So kann z. B. Mais sowohl als Zuckermais zur menschlichen Ernährung als auch als Futtermais (Maissilage) zur Tierfütterung oder als Energiemais zur Biogaserzeugung kultiviert werden. Je nach Nutzungsrichtung unterscheiden sich die verwendeten Sorten und Anbauverfahren für Energiepflanzen teilweise von den bei Nahrungs- und Futtermitteln genutzten.

Die Bioenergie wird üblicherweise thermisch, also durch Verbrennung, aus festen, flüssigen oder gasförmigen Pflanzenprodukten (Biogener Brennstoff) gewonnen.

Weitere Informationen:

energy farming

Die Gewinnung nachwachsender Energieträger aus Biomasse. Der Ertragsfaktor gibt dabei das Verhältnis der Nutzenergie des Brennstoffs zum Energieaufwand an. In Industrieländern mit intensiver Landwirtschaft ist er häufig kleiner als 1, dagegen in Entwicklungsländern, so im Alkohol-Programm in Brasilien größer als 1.

Engel'sches Gesetz

Nach dem Statistiker Engel (1857) bezeichnete Gesetzmäßigkeit, die besagt, daß der relative Anteil der Nahrungsmittelausgaben an den gesamten Verbrauchsausgaben sinkt, wenn das Einkommen steigt. Das Engel'sche Gesetz gilt als eine Erklärung für die Auseinanderentwicklung von landwirtschaftlichen und außerlandwirtschaftlichen Einkommen (Einkommensdisparität).

Entagrarisierung

Die Reduktion der Agrarbevölkerung in Richtung auf eine industrielle und schließlich tertiäre Bevölkerung hin als Teil eines gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses. Auch die Abnahme des ökonomischen Stellenwertes der Landwirtschaft innerhalb des Bruttosozialproduktes und der Rückgang der Hofstellen im Rahmen des agraren Strukturwandels können als Element dieses Prozesses gesehen werden.

Entkalkung

Wichtiger Verlagerungsprozeß bei der Verwitterung carbonathaltiger Muttergesteine bzw. carbonathaltiger Böden des humiden Klimas. Sie besteht in der Lösung (Hydrolyse und Säureangriff) der Carbonate (CaCO3, CaMg(CO3)2 u.a.) unter Mitwirkung von Wasser und Kohlensäure (im belebten Boden mit starker CO2-Produktion besonders hoch) und dem Transport als Hydrogenkarbonat mit dem perkolierenden Sickerwasser (Perkolation). Dabei besteht die Möglichkeit der Ausfällung im Unterboden (Bildung eines Cc-Horizontes) oder der Verlagerung bis ins Grundwasser.

Entkoppelung

Bezeichnung für die Trennung der Direktbeihilfen für Betriebsinhaber von der Erzeugung im Rahmen der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU im Jahr 2003.

Das heißt, Preisausgleichszahlungen für Ackerfrüchte, Tiere und künftig auch Ausgleichszahlungen für Milch werden von der bisherigen Bemessungsgrundlage entsprechend der Produktion (Tierprämien, Pflanzenprämien) entkoppelt. Stattdessen werden betriebsbezogene Zahlung - unabhängig von der Produktionsmenge - gewährt. So gibt es seit 2005  im Rahmen der GAP keine Zahlungen mehr zur Marktstützung, sondern stattdessen Direktzahlungen.

Die Entkoppelung und die Einführung der Betriebsprämienregelung waren grundlegende Elemente der Reform der GAP. Das Hauptziel der Betriebsprämienregelung bestand darin, die Ausrichtung der GAP von der Marktstützung auf entkoppelte Einkommensstützung für Inhaber landwirtschaftlicher Betriebe zu verlagern und damit die Marktorientierung der Betriebsinhaber zu verstärken, die Preise an die Weltmarktpreise heranzuführen und mehr Dezentralisierung zu erreichen.

Die volle Auszahlung der Prämie ist abhängig von der Einhaltung von Tier-, Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen.

Erbrecht

Hier die Gesamtheit der Rechtsnormen, durch die Vermögensrechte und -pflichten aus Anlaß des Todes eines Landwirtes auf eine andere Person übergehen sowie die Summe der Berechtigungen des Erben, der in die Rechte und Pflichten des Erblassers eintritt. Die Vererbung des landwirtschaftlichen Grundeigentums erfolgt häufig nach festen Regeln, die durch Sitte oder geschriebenes Recht festgelegt sind. In vielen Teilen Europas wird die Betriebsübergabe bereits zu Lebzeiten des Betriebsleiters durch Hofübergabevertrag vorgenommen. Seit dem WK II haben sich auch Formen einer vorbereitenden Hofübergabe entwickelt, die sogenannte gleitende Hofübergabe, bei der beispielsweise im Rahmen von Pacht- und Gesellschaftsverträgen sowohl der alte Landwirt als auch sein Nachfolger an der Betriebsleitung und/oder am Betriebsvermögen beteiligt sind. Verschiedentlich kommen in einzelnen Regionen Europas noch Familiengemeinschaften vor, wodurch eine Teilung des Hofes vermieden werden kann.
Im westlichen Teil Europas ist zwischen Ländern zu unterscheiden, die kein besonderes landwirtschaftliches Erbrecht kennen, in denen sich also ein landwirtschaftlicher Betrieb nach den Regeln des bürgerlichen Erbrechts vererbt, und solchen Ländern mit einem besonderen landwirtschaftlichen Erbrecht. Ganz allgemein läßt sich aber in der Gesetzgebung der europäischen Länder eine Tendenz zur Einführung eines landwirtschaftlichen Erbrechts feststellen. Nachdem ursprünglich ein solches Recht auf die deutschsprachigen Länder Mitteleuropas, auf Dänemark und Norwegen beschränkt gewesen ist, haben beginnend mit Frankreich auch weitere romanische Länder Sondererbrechte eingeführt.
Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) der Bundesrepublik Deutschland geht in seinem Erbrecht nur an wenigen Stellen auf die besonderen Bedürfnisse der Landwirtschaft ein. Die Bundesländer besitzen die Befugnis zur Gesetzgebung, solange nicht der Bundesgesetzgeber die Materie regelt. So gibt es abweichend vom BGB für manche Regionen die Sonderregelung der geschlossenen Vererbung (Anerbenrecht, auch Höferecht), die grundsätzlich von der geteilten Vererbung (Realteilung) zu unterscheiden ist. Dazwischen bestehen Übergangsformen, etwa dergestalt, daß der Hauptteil des Betriebes geschlossen, besonders attraktive Grundstücke mit Bauerwartungswert aber geteilt vererbt werden, oder daß die Erbteilung zwar vorgenommen, die Felder jedoch von den weichenden Geschwistern einem Erben zur geschlossenen Bewirtschaftung als Pachtland zu günstigen Bedingungen überlassen werden.
Beim Stockerbenrecht der Eifel erhält der übernehmende Erbe das Gehöft und jenen Bestand an Grundstücken, den schon der Erblasser einst übernommen hatte, während später durch Heirat, Kauf o.ä. hinzugekommene Äcker unter die übrigen Erben aufgeteilt werden. Bei der Realerbteilung gibt es neben der völligen Gleichstellung aller Erben recht häufig eine Bevorzugung der Söhne gegenüber den Töchtern. Diese Art der Erbfolge ist u.a. im islamischen Orient weit verbreitet. Ein weiteres Beispiel einer Zwischenform ist das patrilineare Erbrecht, wie es u.a. im Dukagjin (nordalbanische Alpen) praktiziert wird. Dort gehört der Grundbesitz unveräußerlich der männlichen Abstammungslinie. Eine Tochter kann den Besitz selbst dann nicht übernehmen, wenn sie das einzige Kind einer Familie ist.
Die Art der Vererbung prägt die Größe, Wirtschaftskraft, Betriebsausrichtung und Sozialstruktur der Betriebe, des weiteren die Größe, Verteilung und Mobilität der Besitzparzellen in der Flur und nicht zuletzt die Dichte und Art der Bebauung in den ländlichen Siedlungen. Ferner wird durch die Vererbungskonvention die Entwicklung des ländlichen Gewerbe- und Kulturlebens beeinflusst.

Die Verbreitung der landwirtschaftlichen Erbsitten in Europa:

Ursachen für die unterschiedliche regionale Verbreitung der Erbsitten:

In den alten Bundesländern sind die regionalen Unterschiede zwischen den Gebieten mit vorherrschender Realteilung und vorherrschender geschlossener Vererbung seit dem 19. Jahrhundert bis heute deutlich erkennbar geblieben. Grundsätzlich ist aber ein Rückgang der Realteilung zu beobachten. Industrialisierung und betriebliche Entwicklung in der Landwirtschaft haben diese Tendenz gefördert. Das Reichserbhofgesetz von 1933 versuchte eine rigide Anerbenregelung für das ganze Reich durchzusetzen, es wurde nach dem 2. Weltkrieg aufgehoben. Die neuen Höfeordnungen einzelner Bundesländer respektieren wieder die älteren Erbregelungen, führten den Grundsatz der Freiwilligkeit ein, fördern jedoch den Gedanken der geschlossenen Vererbung. Eine bundeseinheitliche Regelung des Erbrechts für landwirtschaftliches Grundeigentum gibt es in Deutschland bislang nicht.

Bewertung der Vererbungssitten
Anerbensitte Realteilung
  • erhält landwirtschaftlich leistungsfähige Höfe
  • paßt in den aktuellen Trend zur Betriebsvergrößerung
  • lässt weniger landwirtschaftliche Existenzen zu
  • bedeutete früher eine Bevorzugung des Anerben (heute bietet ein außerlandwirtschaftlicher Beruf oft eine bessere Existenzgrundlage)
  • führt zu Betriebsverkleinerung und zu Zersplitterung der Fluren (Behinderung mechanischer Bewirtschaftungsmethoden)
  • Betriebe häufig nicht als Vollerwerbsbetriebe führbar
  • bei Sonderkulturen nicht besonders nachteilig
  • größere Erbgerechtigkeit

Erbsen

Hülsenfrucht (Körnerleguminosen). Erbsen – ursprünglich aus dem Orient stammend – werden für die menschliche Ernährung und als Futter für Tiere angebaut. Erbsen werden mit Sämaschinen in den Boden eingebracht. Spezialmaschinen ernten die eiweißhaltigen Körner oder die ganzen Pflanzen, die bei Verwendung als Futter zu Silage verarbeitet werden. Erbsen sind ein natürlicher Stickstoffdünger, weil sie Stickstoff aus der Luft binden und dem Boden zuführen können. Dadurch wird das Bodenleben gefördert. Deshalb werden Erbsen gerne als Vorfrüchte für Getreide und Kartoffeln gewählt. Die weißblühende Speiseerbse wird für die menschliche Ernährung, die rosa- bis violett-blühende Felderbse als Viehfutter und zur Bodenverbesserung angebaut.

erdelose Kulturverfahren

Der Anbau von Pflanzen außerhalb des gewachsenen Bodens unter Verwendung von mehr oder weniger sterilen Substraten oder in reiner Nährlösung vor allem im Gartenbau.

Mögliche Gründe für den Einsatz von erdelosen Kulturverfahren:

Gegen erdelose Kulturen sprechen folgende Risiken und Nachteile:

Erden

Mischungen aus meist betriebseigenen Komposten und Zusätzen wie Torf oder mineralischem Boden, z.T. angereichert mit Nährstoffen, die vor allem im Gartenbau ihren Einsatz finden.

Einheitserde besteht aus kalkfreiem Ton (Montmorillonit), Weißtorf und Mineraldüngerzusätzen in Form eines wasserlöslichen Mehrnährstoffdüngers (14 % N, 16 % P2O5, 18 % K2O, 2 % MgO und Spurenelementen) und/oder Langzeitdüngern.

Ergänzungsfuttermittel

Mischfuttermittel, die dazu bestimmt sind, in Ergänzung anderer Futtermittel den Nahrungsbedarf der Tiere zu decken. Dazu gehören beispielsweise:

Ern

Mitteldeutsche Bezeichnung für Hausflur (ursprünglich für den Herdraum), der quer zum First liegt.

Ernährungsgewerbe

Gewerbliche Ernährungswirtschaft, die sich in Ernährungsindustrie, Ernährungshandwerk, Ernährungshandel und Gastgewerbe gliedert.

(s. a. vertikale Integration)

Ernährungshandel

In Groß- und Einzelhandel gegliederter Sektor des Ernährungsgewerbes, der den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage besorgt. Er umfaßt auch Import und Export von Agrargütern sowie von Nahrungs- und Genußmitteln.

(s. a. vertikale Integration)

Ernährungshandwerk

Relativ eng mit der heimischen Landwirtschaft verbundener Sektor des Ernährungsgewerbes. Dazu zählen Fleischer, Bäcker, Konditoren, Müller, Mälzer, Brauer und Weinküfer.

(s. a. vertikale Integration)

Ernährungsindustrie

Ernährungsindustrie, Ernährungshandwerk, Ernährungshandel und Gastgewerbe bilden zusammen die Ernährungswirtschaft oder das Ernährungsgewerbe (Agribusiness). Die Ernährungsindustrie ist eine der Landwirtschaft nachgelagerte Branche, in der rund 75 % der Agrarprodukte in rund 6.000 Betrieben mit 517.000 Beschäftigten verarbeitet werden, z. B. in Molkereien, Wurstfabriken, Backwarenunternehmen und Zuckerfabriken. Betriebe weniger als 20 Beschäftigten gehören in der Regel zum Ernährungshandwerk (Lebensmittelherstellenden Gewerbe).

Die Ernährungsindustrie ist der drittgrößte Industriezweig Deutschlands mit einem Umsatz von rund 169 Milliarden Euro in 2015. In diesem Industriezweig waren 2015 gut 570.000 Menschen in 5.800 Betrieben beschäftigt.

Die Branche ist trotz der Präsenz zum Teil sehr großer internationaler Branchenunternehmen besonders stark durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt, 95 Prozent haben weniger als 250 Beschäftigte. Darunter finden sich viele traditionsreiche Familienunternehmen und international erfolgreiche Hersteller deutscher Spezialitäten, die eng mit ihrem Standort verbunden sind. Wichtige Teilbranchen der Ernährungsindustrie sind die Fleisch- und Fleischwarenindustrie, die Milchindustrie, die Süß- und Backwarenindustrie, die Herstellung von nicht-alkoholischen und alkoholischen Getränken oder auch die Verarbeitung von Obst- und Gemüse.

Der deutsche Ernährungsbranche gegenüber steht ein hoch konzentrierter Lebensmitteleinzelhandel als beherrschendes Glied der Food-Value-Chain, der inzwischen die nationalen Grenzen übersprungen hat und global denkt und handelt. Die Unternehmenskonzentration in der Ernährungsindustrie ist bisher noch relativ gering. Die Top 10 der Branche vereinen lediglich 13,7 % des Umsatzes auf sich. Der hohe Kostendruck zwingt aber auch in der Ernährungsindustrie immer mehr Unternehmen zu Fusionen, Akquisitionen und Unternehmensverkäufen, um Synergieeffekte und Rationalisierungspotenziale zu heben. Insbesondere in den Bereichen Fleisch und Backwaren kann ein deutlicher Trend zu größeren Einheiten in den nächsten Jahren erwartet werden.

Aber auch die Verpflegung außer Haus gewinnt an Bedeutung für die Ernährunsgbranche und hat sich als zweitwichtigster Absatzmarkt etabliert.

(s. a. vertikale Integration)

Anteile der Branchen am Gesamtumsatz der Ernährungsindustrie

Quelle: BVE

Weitere Informationen:

Ernährungswirtschaft

Sektor des Ernährungsgewerbes und umsatzmäßig drittwichtigster Industriezweig Deutschlands. Er verarbeitet ca. 75 % der landwirtschaftlichen Produktion.

(s. a. vertikale Integration)

erneuerbare Energien

Als erneuerbare Energien (regenerative Energien) werden, im Gegensatz zu den fossilen Energieträgern wie Öl, Kohle und Gas, Energieformen bezeichnet, die nicht auf endliche Ressourcen zurückgreifen, und die im Rahmen des menschlichen Zeithorizonts praktisch unerschöpflich zur Verfügung stehen oder sich verhältnismäßig schnell erneuern. Der Ausbau der erneuerbaren Energien trägt neben höherer Energieeffizienz im Wesentlichen zur Nachhaltigkeit bei. So kann durch die Nutzung von Sonnen-, Wind-, Wasser-, Bioenergie oder Geothermie den Ausstoß von CO2 verringert und zugleich die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringert werden. In Deutschland werden regelmäßig Gesetze verabschiedet (z.B. Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), EEWärmeG, EnEV), um die Nutzung erneuerbaren Energien sowie die Steigerung der Energieeffizienz zu fördern.

Weitere Informationen:

Erntefläche

In der Buchführung die Summe der Ernteflächen von Ackerpflanzen und Grünlandnutzung. Die Erntefläche kann durch Doppelnutzung größer sein als die landwirtschaftlich genutzte Fläche, ansonsten ist sie identisch mit der landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Ernterisiko

Das Risiko von Ernteverlusten durch die Ausweitung des Anbaus einer Kulturpflanze über deren ökologische Grenzen hinaus sowie durch Schädlingsbefall, Krankheiten, Unkräuter u.ä.

Ernterückstände

Pflanzenteile, die nach dem Abernten auf den Äckern zurückbleiben (Halme, Blätter, Wurzelstöcke, Stoppeln). Sie werden beim Pflügen in den Boden eingearbeitet und anschließend größtenteils abgebaut. Die Ernterückstände sind wichtig für die Ausbildung der humusstoffhaltigen Ackerkrume.

Erstattung

Beihilfen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik zur Förderung von Exporten (Ausfuhrerstattung), wobei der Unterschied zwischen dem (höheren) EU-Marktpreis und dem (niedrigeren) Weltmarktpreis ausgeglichen wird. Daneben bestehen Produktionserstattungen, die EG-Erzeugern der Verarbeitungsindustrie gewährt werden, wenn sie EG-Vorprodukte verwenden trotz der Konkurrenz billiger Importe. Nutznießer beider Erstattungsformen sind vorwiegend Exporteure, Händler, Transportunternehmen, Lagerhausbesitzer und Ernährungsindustrie.

Im Zuge der Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU wurden die Ausfuhrerstattungen für landwirtschaftliche Produkte bis zum Jahr 2014 vollständig abgeschafft.

Ertrag

Bezeichnung für das Ergebnis der wirtschaftlichen Leistung, also bei Bodenbewirtschaftung die Ernteeinfuhr pro Flächeneinheit ( Flächenertrag). Der Getreideertrag wird dabei z.B. in dt/ha gemessen. In Norddeutschland liegen erwartbare Erträge bei Winterweizen bei etwa 90 dt/ha, dies bedeutet: von einem Hektar wurden 90 dt = 9 t Weizen geerntet. Da die Sommerformen der Getreidearten weniger Zeit für ihre Entwicklung haben, liegen deren Erträge unter denen der Winterkulturen. Das höhere Ertragsniveau begründet auch den überwiegenden Anbau von Wintergetreide. Die Erträge schwanken, bei Pflanzen in Abhängigkeit von Witterung, Saatzeitpunkt, Sortenwahl, Schädlingsbefall, Unkrautbesatz und Bodengüte.

Bei tierischer Produktion sind die Schwankungen meist niedriger. Angegeben wird beispielsweise der Milchertrag in kg/Jahr.

Ertragsgesetze

Als Ertragsgesetze werden die Gesetze bezeichnet, in denen Erkenntnisse der modernen Pflanzen­produktion, also die Bedeutung und Wirkung von Pflanzennährstoffen, formuliert worden sind. Justus von Liebig (1803-1873) war 1855 einer der ersten, der erkannte, daß zum Erlangen von gutem Pflanzenwachstum und Ertrag kein Wachstumsfaktor (Wasser, Luft, Temperatur, Licht etc.) oder Nährelement fehlen darf, da der Mangel eines Faktors nicht durch andere ausgeglichen werden kann. Dies faßte er im Gesetz vom Minimum zusammen: Wachstum und Ertrag einer Pflanze werden von demjenigen Nährelement oder Wachstumsfaktor bestimmt, der ihr in geringster Menge (Minimum) zur Verfügung steht. Anders formuliert: Der Ertrag steigt solange proportional mit dem Minimumfaktor an, bis der theoretische Höchstertrag erreicht ist. Das Minimum wird häufig durch die "Minimumtonne" veranschaulicht, bei der die niedrigste Daube den Wasserspiegel begrenzt.

Das Minimumgesetz muß nach heutigen Erkenntnissen im Zusammenhang mit dem Gesetz vom abnehmen­den Ertragszuwachs (1768 von Turgot formuliert) gesehen werden. Mitscherlich belegte es mit Versuchsreihen und äußert: „Das Pflanzenwachstum und der Ertrag richten sich in erster Linie nach dem im Minimum vorhandenen Nährstoff oder Wachstumsfaktor, doch sind an der Ertragshöhe gleichzeitig noch andere Nährstoffe oder Wachstumsfaktoren mitbeteiligt.“

Mit zunehmendem Aufwand der Produktionsfaktoren steigt der Rohertrag zwar zunächst rasch, dann aber nur noch langsam an und läßt sich nicht mehr erhöhen, geht u.U. sogar zurück (z.B. durch Überdüngung oder übermäßigem Einsatz von teuren Maschinen und Arbeitskräften). Dies bedeutet, daß der Reinertrag (Landrente), der nach Abzug aller Aufwandskosten vom Rohertrag bleibt, nur bis zu einem bestimmten Punkt steigt, dann aber sinkt und sogar in Verlust übergeht. Dieser Entwicklung kann nur durch steigende Marktpreise, durch Subventionen oder durch die Umstellung auf eine andere Produktionsrichtung mit günstigeren Ertrags-Kosten-Verhältnissen begegnet werden.

Ökonomisch entscheidend ist nicht so sehr die Nutzungsintensität (= Höhe des Rohertrages), sondern die Landrente (= Reinertrag).

Ertragsmesszahl (EMZ)

Die Ertragsmesszahl ist eine Kennzahl aus der Einheitsbewertung und drückt die natürliche Ertragsfähigkeit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche bei ortsüblicher Bewirtschaftung aus. Sie ist das Produkt der Fläche in Ar (100 m²) und der Acker- oder Grünlandzahl (Bewertungszahl für die Qualität von Acker oder Grünland). Bestehen innerhalb einer Fläche mehrere Teilflächen mit verschiedenen Acker- oder Grünlandzahlen, so bildet die Summe der Produkte der einzelnen Teilflächen in Ar und der jeweiligen Wertzahl die Ertragsmesszahl der Gesamtfläche. Die EMZ beruht auf der Bodenschätzung und kann bis auf wenige Ausnahmefälle Werte zwischen 7 und 100 einnehmen. Der beste Boden erhielt die Wertzahl 100.

Über die Ertragsmesszahl wird die Grundsteuer pro Flächeneinheit erhoben. Man beachte aber, dass es sich bei der EMZ nur um eine Vergleichszahl und nicht um einen reellen Wert handelt.

Beispiel:
Flächeninhalt: 2000 m² (= 20 Ar)
Ackerzahl: 32
→ EMZ: 640

Demnach werden also 2000 m² landwirtschaftlicher Nutzfläche mit der Wertzahl 32 genau so besteuert wie 640 m² mit der Wertzahl 100.

Ertragspotential

1. Die genetisch vorgegebene Leistung (Ertrag), die eine Pflanze erbringen kann. Zur Ausschöpfung dieses Potentials sind allerdings optimale Bedingungen (Boden, Witterung, Versorgung mit Wasser und Nährstoffen, Pflanzenschutz usw.) notwendig. Im Regelfalle kann dieses Potential sehr selten vollständig ausgeschöpft werden.

2. Mit dem Müncheberger „Soil Quality Rating“ liegt ein Verfahren zur Bewertung der Eignung von Böden für die landwirtschaftliche Nutzung und zur Abschätzung des Ertragspotentials im globalen Maßstab vor. Es bietet in seiner Originalversion separate Bewertungsschemata für die Nutzung eines Standorts als Acker- oder Grünland.

(s. a. BGR)

Ertragsverluste

Ertragsverluste entstehen durch Krankheiten, Schädlinge, Unkräuter, ungünstige Witterungsbedingungen und Bewirtschaftungsfehler in landwirtschaftlichen Kulturen. So können die Wahl einer falschen, d.h. an den Standort nicht angepassten Sorte, Fehler bei Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz oder Düngung und ungünstiges Wetter zu hohen Ertragsverlusten führen. Die modernen Sorten können ihr hohes Ertragspotential nur dann ausschöpfen, wenn alle Bewirtschaftungsmaßnahmen aufeinander sowie auf den jeweiligen Standort und (soweit wie möglich) auf die Witterung abgestimmt sind.

Erwerbscharakter

Abgrenzung der einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe nach sozial-ökonomischen Kriterien. Aufgrund des Verhältnisses von betrieblichem Einkommen und dem Einkommen aus außerbetrieblichen Quellen erfolgt die Zuordnung.

1997 wurde vom Bundeslandwirtschaftsministerium eine neue Abgrenzung von Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben eingeführt, die sowohl in der allgemeinen Agrarstatistik als auch in der Testbetriebsbuchführung angewendet wird. In der Testbetriebsbuchführung entfällt die zusätzliche Unterscheidung der Haupterwerbsbetriebe nach Voll- und Zuerwerbsbetrieben. Die Neudefinition ist nicht kompatibel mit entsprechenden Definitionen der EU.

Nach dieser Definition sind 52 Prozent der Einzelunternehmen im Nebenerwerb und 48 Prozent im Haupterwerb geführt. In Baden-Württemberg, Hessen, Saarland und Sachsen liegt der Anteil der Einzelunternehmen im Nebenerwerb bei rund zwei Drittel. Im Vergleich zu 2010 ist der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe im Jahr 2013 deutlich angestiegen. Diese Entwicklung geht einher mit der relativ stark abnehmenden Zahl Vieh haltender Betriebe.

Landwirtschaftliche Betriebe der Rechtsform Einzelunternehmen und ihre Flächen nach Erwerbscharakter und Größenklassen (2013)

Erwerbskombination

Gleichzeitige Ausübung von landwirtschaftsbezogenen und außerlandwirtschaftlichen Beschäftigungen. Für die Landwirte kommt es angesichts des fortschreitenden Strukturwandels in vielen Teilen des ländlichen Raumes verstärkt darauf an, die Möglichkeiten der Erwerbskombination beziehungsweise der Mehrfachbeschäftigung konsequent zu nutzen. Dazu bieten sich unter anderem an:

Die Mehrfachbeschäftigung von Landwirten soll zum einen zur Stabilisierung ihrer Einkommen und zum anderen zur Versorgung von ländlichen Gebieten mit Dienstleistungen und Infrastruktur beitragen.

Erzeugerbeihilfe

Jene Ausgleichszahlungen, die zum Ausgleich der für die mit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik erfolgten Senkung der Stützungspreise für Getreide, Ölsaaten, Eiweißpflanzen und Öllein gezahlt werden. Weitere Erzeugerbeihilfen sind Zahlungen im Rahmen der quasi obligatorischen Flächenstillegung, die Ausgleichszulage, Beihilfen bei der Produktion von z.B. Hopfen, Flachs und Hanf sowie von Saatgut bestimmter Pflanzen, die Bullenprämie, die Mutterkuhprämie und die Mutterschafprämie.

Erzeugergemeinschaft

Nach dem Marktstrukturgesetz ein Zusammenschluss von Inhabern landwirtschaftlicher oder fischwirtschaftlicher Betriebe zu einem horizontalen Verbund, die gemeinsam den Zweck verfolgen, die Erzeugung und den Absatz ihrer Produkte nach Menge, Qualität und Zeitpunkt der Anlieferung den Erfordernissen des Marktes anzupassen (Gruppenmarketing). Erzeugergemeinschaften für Qualitätsgetreide, für Wein und für Schlachtvieh besitzen die größte Bedeutung.
Eine anerkannte Erzeugergemeinschaft muß eine juristische Person des Privatrechts sein; somit kommen die Rechtsformen der Genossenschaft als häufigster Fall, der GmbH, der AG und der KGaA in Betracht. Die Merkmale der Genossenschaft gleichen den Anforderungen an die Erzeugergemeinschaft. Für die Wahl der Genossenschaft als Rechtsform bestehen Steuervorteile. Daneben können anerkannte Erzeugergemeinschaften in den ersten fünf Jahren nach der Anerkennung staatliche Beihilfen erhalten.

Viele Landwirte, Winzer, Fleischerzeuger und Biobauern die ihre Selbständigkeit erhalten wollen, haben sich in Erzeugergemeinschaften zusammengeschlossen. Durch den kostengünstigen gemeinsamen Einkauf von Futtermitteln, Saatgut, landwirtschaftliche Geräte etc. und die gemeinsame Vermarktung ihrer Produkte bleiben sie noch konkurrenzfähig.

Normalerweise sind die Mengen, die sie produzieren, zu gering, um damit größere Abnehmer beliefern zu können. Dadurch ist der Kreis der potentiellen Kunden eingeschränkt und der einzelne Erzeuger, sei es von Gemüse, Wein oder auch Fleisch und Geflügel steht in direkter Konkurrenz zu seinen Kollegen. Enormer Preisdruck und wirtschaftliche Unsicherheit können die Folge sein.

Die Mitglieder der Erzeugergemeinschaften sind allerdings durch das ausschließliche Vermarktungsgebot ihrer Produkte durch die Erzeugergemeinschaften wirtschaftlich stark an diese gebunden. Da sich die Aufgaben einer Erzeugergemeinschaft auf die Vermarktung aber nur eines Produktes oder einer homogenen Produktgruppe beschränken, besteht nur eine hierauf bezogene wirtschaftliche Bindung des Landwirts. Angesichts der Größe von Erzeugergemeinschaften, die häufig mehr als 50 Landwirte umfassen, hat ein einzelner Landwirt nur geringe Einflussmöglichkeiten auf die Konzeption des gemeinsamen Marketings. Erzeugergemeinschaften unterscheiden sich damit in der Praxis für den einzelnen Landwirt häufig nur wenig von der Vertragsproduktion für gewerbliche Abnehmer.

Weitere Informationen:

Erzeugerorganisation

Zusammenschluss von Gemüse oder Obst produzierenden landwirtschaftlichen Betrieben zu einem horizontalen Verbund. Sie hat die Aufgabe, die Konzentration des Angebotes zu fördern, die Erzeugerpreise zu regulieren, den Erzeugern geeignete technische Hilfsmittel zur Aufmachung und Vermarktung der Obst- und Gemüseerzeugnisse bereitzustellen. Dadurch sollen Erzeugerorganisationen die wirtschaftliche Position der Erzeuger gegenüber den großen Handelsketten und der Verarbeitungsindustrie stärken. Der Betriebsfonds der Erzeugerorganisationen setzt sich je hälftig aus Zuschüssen der EU sowie aus den Mitgliedsbeiträgen der angeschlossenen Landwirte zusammen. Deutschland handelt es sich i.a. um Absatzgenossenschaften, die die Anforderungen der Marktorganisation für frisches Obst und Gemüse erfüllen. Sie sind auch für Interventionen zuständig. Die dafür nötigen Finanzmittel erhalten sie von der EU. Eine Erzeugerorganisation muß von den nationalen Behörden anerkannt und überwacht werden.

Erzeugerring

Erzeugerringe sind horizontale (d.h. auf gleicher Produktionsstufe) und freiwillige Zusammenschlüsse von Erzeugern landwirtschaftlicher Produkte mit dem Ziel, Qualität und Wirtschaftlichkeit der Erzeugnisse zu fördern. Durch z.B. gleiche Sortenwahl und Düngung oder gleiches Tiermaterial und gleiche Fütterung sollen die Produktion ver­einheitlicht und die Produktionskosten gesenkt werden.

Esch

Nach Martiny (1926) eine einst isoliert in der Wildnis gelegene, der Bodenbeschaffenheit nach begrenzte, häufig sich etwa 1 - 2 km im Durchmesser ausdehnende Feldfläche oft von elliptischer Form. Auf den relativ trockenen Fluren der Esche hatten die verschiedenen Altbauern ihren Anteil, meist mit Langstreifen in Gemengelage der Parzellen. Auch ein hofnahes Auftreten war möglich. Der Esch unterlag früher dem Flurzwang, so dass er von allen Besitzern gleichzeitig bestellt und abgeerntet werden mußte und nach der Ernte als gemeinsame Wiese diente. Daher durften die einzelnen Anteile nicht in der Art des Kamps durch Gräben, Hecken oder Zäune eingefriedigt werden. Der Esch stellt in der weiteren Flurentwicklung die Kernflur dar und wird von jüngeren Flurerweiterungen umgeben. Die sandigen Geestrücken des nordwestdeutschen Flachlandes sind das Hauptverbreitungsgebiet. Auf den Eschfluren kam es häufig zu "ewigem Roggenbau", der mit einer intensiven Plaggendüngung verbunden war, was zu einer Erhöhung um 1 - 2 m gegenüber der Umgebung führte.

Die zugehörige Siedlungsform wird nach Müller-Wille (1944) als Drubbel bezeichnet. Möglicherweise ist er aber in vormittelalterlicher Zeit nicht die primäre Siedlungsform, ebensowenig wie der streifenförmig parzellierte Esch die älteste Flurform darstellt. Vielmehr sollen zu dieser Zeit zunächst locker verteilte Höfe mit blockförmigen Ackerlandparzellen vorhanden gewesen sein, die später in Streusiedlungen mit streifenförmigem Esch übergingen.

(s. a. Plaggenesch)

Esch-Driesch-Wirtschaft

Mittelalterliche Feldgraswirtschaft auf Wechselland in Nordwestdeutschland. Dabei bedeutete "Esch" nützendes, "Driesch" ruhendes Land. Die Esch-Driesch-Wirtschaft wurde häufig durch Einfelderwirtschaft mit Plaggendüngung, besonders den "ewigen Roggenbau" abgelöst.

Eschflur

Eine mit alten Flurnamen behaftete, oft ortsnahe Gemengeflur in Nordwestdeutschland und in den östlichen Niederlanden, die dem Getreidebau dient. Eschfluren sind typisch für Regionen, bei denen ein Teil der Gemarkung agrarökologische Sonderstandorte aufwiesen. Lediglich die Esch war für Ackerbau geeignet, der nicht beackerte Teil der Gemarkung war in der Regel grundwasserfeucht und deswegen für Getreideanbau nicht geeignet. Häufig wurde auf der Esch Einfeldwirtschaft betrieben, wobei über Jahre nur Roggen angebaut wurde. Typisch für Eschfluren waren Allmenden, die von der Dorfgemeinschaft gemeinsam als Weidegrund genutzt wurden. Als Gemeinschaftsgut wurde die Allmende regelmäßig vernachlässigt. Zum Teil wurde den Allmenden durch Plaggenhieb noch zusätzlich der humus- und nährstoffreiche Oberboden entzogen, um damit die Ackerbauflächen mit Nährstoffen zu versorgen. Dieses Vorgehen führte zu verarmten Weideflächen, auf denen schließlich Heidekraut bestandsbildend wurde. Die Weideflächen boten letztendlich nur noch Schaf- und Ziegenherden ausreichend Nahrung. Die Äcker wurden vor Wildverbiss und vor Vertritt durch das Weidevieh mit Hecken geschützt. Eschfluren, die typisch für das Münsterland und weite Teile Nordwestdeutschlands sind, weisen daher ein breites Spektrum an Landschaftselementen mit sehr unterschiedlichem Nutzungsgrad auf. Neben Hecken und Heiden sind dies Gräben, Feuchtflächen und Ufergehölze.

Estancia

Großer Betrieb mit Weidewirtschaft (Rinder, Pferde oder Schafe) in Südamerika, vor allem in den venezolanischen Llanos (Halbwüsten) und besonders in den Pampas Argentiniens, mit einer Flächenausstattung bis über 100.000 ha. Produktionsziel ist vorwiegend die Fleischerzeugung. Der Erschließungsgrad des Weidelandes ist abhängig von den vorhandenen Wasserstellen und der Stärke der Verbuschung. Neben extensiven Formen auf natürlichem Grasland treten auch hochspezialisierte Aufzucht- und Mastbetriebe mit Kunstweiden meist in Großstadtnähe auf.

Etter

Zaun, der in der Zeit vom Spätmittelalter bis ins 19. Jh. das Dorf von der Flur trennte. Der Etter war u.a. im Rahmen der Dreifelderwirtschaft und der Zelgenwirtschaft mit Gewannflur bedeutsam.

Etterdorf

Haufendorf, durch den Etter genannten Zaun gekennzeichnet, der den bebauten Dorfraum von der Flur trennt. Etterdörfer waren vor allem in Süddeutschland verbreitet.

Euro

Der Euro ist die Währung der Europäischen Währungsunion und zählt neben dem US-Dollar, dem Yen und dem Renminbi zu den Wichtigsten im Weltwährungssystem. Als gemeinsame offizielle Währung wurde das Euro-Bargeld am 1. Januar 2002 in 12 europäischen Staaten (Einführung im Rahmen der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion) in Umlauf gebracht. Die Ausgabe des Euro wird von der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main, die für die Durchführung der Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet zuständig ist, genehmigt.

Im Rahmen der Europäischen Einigung entschieden sich einige Staaten der Europäischen Gemeinschaft für die Einführung einer gemeinsamen Währung, dem Euro. Die Voraussetzungen für eine gemeinsame Geld- und Währungspolitik mussten geschaffen werden. Am 1. Juni 1998 wurden die EZB und das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) eingerichtet. Das ESZB, dessen vorrangiges Ziel die Gewährleistung der Preisstabilität ist, umfasst die EZB und die nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedstaaten, unabhängig davon ob sie den Euro eingeführt haben oder nicht. Mit dem Übergang der Zuständigkeit für die Geldpolitik von den nationalen Zentralbanken von elf EU-Mitgliedstaaten auf die EZB entstand am 1. Januar 1999 das Euro-Währungsgebiet. 

Der Euro wurde 1999 zunächst nur als Buchgeld eingeführt. Die Ausgabe als Bargeld an die Endverbraucher begann am 1. Januar 2002. Die ehemaligen Landeswährungen sind keine gültigen gesetzlichen Zahlungsmittel mehr. Die meisten Währungen können jedoch noch bei den jeweiligen nationalen Zentralbanken gegen Euro eingetauscht werden, in Deutschland bei den Filialen der Deutschen Bundesbank (ehemals Landeszentralbanken). 

Europäische Freihandelsvereinigung

Abk. EFTA für European Free Trade Association; 1960 als Gegenmodell zur EWG von sieben Staaten gegründete und heute eine Island, Liechtenstein, Norwegen, und die Schweiz umfassende Staatengruppe. Sie bildet - mit Ausnahme der Schweiz - seit 1994 mit der EU den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Innerhalb der EFTA sind praktisch alle Zölle und Kontingente für die Einfuhr von Waren aus den Partnerstaaten beseitigt. Die Agrarerzeugnisse wurden jedoch nicht in diesen Freihandel einbezogen. Im Gegensatz zur Europäischen Gemeinschaft hat die EFTA keine gemeinsamen Außenzölle.

Weitere Informationen:

Europäische Gemeinschaften

Gemeinsame Bezeichnung für die Europäische Gemeinschaft (EG), die bis zur Vertragsänderung vom 1. 11. 1993 (Maastrichter Vertrag) Europäische Wirtschaftsgemeinschaft hieß, die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl und die Europäische Atomgemeinschaft. Die für alle drei Gemeinschaften oftmals anzutreffende Bezeichnung »Europäische Gemeinschaft« stammt aus dem politischen Bereich; durch ihre Einbürgerung und Verwendung sollte die politische Einheit der in den EG zusammengeschlossenen Staaten betont werden. Während formalrechtlich die drei EG selbstständig nebeneinander, mit eigener Rechtspersönlichkeit und eigenen Zuständigkeiten bestanden, waren sie durch gemeinsame Organe, gemeinsame vertragliche Bestimmungen und die durch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes anerkannten allgemeinen Rechtsgrundsätze miteinander verbunden. Mit dem Lissabonner Vertrag hat die Europäische Union eine eigene Rechtspersönlichkeit bekommen und damit als Rechtsnachfolgerin die EG abgelöst.

Europäische Kommission

Das ausführende Organ (Exekutive) der Europäischen Union. Zu ihren Kompetenzen gehören: Initiativrecht, d.h. das Recht, Vorschläge für "Gemeinschafts-Gesetze" vorzulegen (nur sie ist dazu bislang berechtigt), Kontrolle über die Anwendung des Gemeinschaftsrechts, Durchführungskompetenzen, Beteiligung an der Rechtsetzung, Sprecherin der Gemeinschaft nach außen. Die Kommission setzt sich zusammen aus einem von den Mitgliedstaaten im gegenseitigen Einvernehmen benannten Präsidenten und 20 von den Mitgliedstaaten vorgeschlagenen Kommissionsmitgliedern, die sich als Kollegium der Zustimmung des Parlaments stellen und anschließend von den Mitgliedstaaten einvernehmlich ernannt werden.Die Amtszeit der Kommission beträgt fünf Jahre. Jedes Kommissionsmitglied ist in bestimmten Sachgebieten federführend, die Beschlüsse werden jedoch von der Kommission als Kollegium gefasst. Die Mitglieder der Kommission sind von den Regierungen der einzelnen Partnerstaaten unabhängig und dürfen von ihnen keine Weisungen entgegennehmen. Nur das Parlament kann der Kommission das Mißtrauen aussprechen.

Weitere Informationen:

Europäische Union (EU)

Ein Verbund von selbständigen Staaten, die vertraglich den Grad ihrer Zusammenarbeit auf verschiedenen Feldern der Politik geregelt haben, und die der EU bestimmte Souveränitätsrechte übertragen haben. Die EU ist gleichzeitig ein Prozess, sowohl hinsichtlich ihrer Mitgliederzahl, wie auch in bezug auf ihre Ausgestaltung. Somit ist die EU kein fertiges oder in sich geschlossenes Gebilde. Ihre Rechtsgrundlage setzt sich aus vier völkerrechtlichen Verträgen zusammen: EU-Vertrag, EG-Vertrag, EGKS-Vertrag und EURATOM-Vertrag.

War die politische Integration bis 1991 eher ein Ergebnis der wirtschaftlichen Integration der EG, so hat sich die Gemeinschaft mit der Vertragsreform von Maastricht zu einer politischen Union fortentwickelt. Ihr Kern bildet die in den kommenden Jahren fortzuführende bzw. zu schaffende Wirtschafts- und Währungsunion.

Im Gegensatz zur EG hat die EU keine Rechtspersönlichkeit, sie kann also mit Drittländern keine völkerrechtlichen Verträge schließen. Abkommen mit Drittstaaten bedürfen der Ratifizierung in allen beteiligten Staaten.
Als wichtigstes und auch haushaltstechnisch umfassendstes Arbeitsfeld gilt gegenwärtig die Gemeinsame Agrarpolitik.

Heute gehören 28 Staaten zur EU (2017). Sie haben insgesamt über 500 Millionen Einwohner/innen. Dies sind die Mitglieder der EU: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, die Slowakische Republik, Slowenien, Spanien, die Tschechische Republik, Ungarn, das Vereinigte Königreich (Großbritannien) und der griechische Teil Zyperns.

Weitere Informationen:

Europäische Wirtschafts- und Währungsunion

Mit dem Vertrag von Maastricht völkerrechtlich verbindlich beschlossener Baustein der Europäischen Union, der als wesentliche Elemente die Einführung des Europäischen Binnenmarktes, der gemeinsamen Währung (Euro) mit hoher Preisniveaustabilität und die Schaffung der Europäischen Zentralbank umfasst, ergänzt durch eine vollständige Liberalisierung des Kapitalverkehrs.

Landwirtschaftsbezogene Auswirkungen der EWWU:

Größeres Gewicht der Europäer im Außenhandel und bei den Verhandlungen über Wirtschaftsfragen auf Weltebene (z.B. WTO)

Weitere Informationen:

Europäische Wirtschaftsgemeinschaft

Siehe Europäische Gemeinschaften

Europäischer Agrarfonds

Siehe Europäischer Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL)

Europäischer Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL)

Der EAGFL war bis zum Ende des Jahres 2006 ein Fonds zur Finanzierung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. 2007 wurde der EAGFL durch die Verordnung (EG) Nr. 1290/2005 aufgespalten in EGFL und ELER. Der EAGFL machte als bedeutendster Strukturfonds zuletzt rund die Hälfte des Haushaltes der Europäischen Union aus.

Der EAGFL war seit 1964 in zwei Abteilungen unterteilt, die Abteilung Garantie und die Abteilung Ausrichtung, für die unterschiedliche Vorschriften galten. Die sehr viel größere Abteilung Garantie diente der Finanzierung von Ausgaben, die sich aus der Anwendung der Markt- und Preispolitik ergeben. Diese sind schwer voraussehbar, da ihre Höhe von zahlreichen Variablen wie ungünstige Witterung, Probleme bei der Tiergesundheit, Entwicklung der Nachfrage, internationale Preise usw. abhängt und erfahren daher im Laufe des Haushaltsjahres Anpassungen. In der Vergangenheit erhielten die drei Bereiche Kulturpflanzen (Getreide, Ölsaaten und Eiweißpflanzen), Rindfleisch und Milchprodukte die meisten Mittel aus der Abteilung „Garantie“ des EAGFL. Die Abteilung Ausrichtung diente der Finanzierung von strukturpolitischen Maßnahmen und von Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raumes. Im Unterschied zur Abteilung Garantie basierte die Abteilung Ausrichtung des EAGFL auf dem Grundsatz der Kofinanzierung.

Europäischer Binnenmarkt

Der Binnenmarkt der Europäischen Union (EU) ist ein einheitlicher Markt, in dem der freie Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen gewährleistet ist und in dem die europäischen Bürgerinnen und Bürger ihren Wohnsitz frei wählen sowie ungehindert einer Arbeit, Ausbildung oder unternehmerischen Tätigkeit nachgehen können.

Seit seiner Schaffung im Jahr 1993 hat sich der Binnenmarkt immer stärker für den Wettbewerb geöffnet und zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zum Abbau zahlreicher Handelshemmnisse geführt.

Weitere Informationen:

Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung

Abk. EFRE; auch als Europäischer Regionalfonds bezeichnet. Er ist einer der Strukturfonds der EU. Aufgabe des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) ist es, durch die Beseitigung von Ungleichheiten zwischen den verschiedenen Regionen den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt in der Europäischen Union zu stärken.

Aus dem EFRE werden regionalpolitische Maßnahmen gefördert, insbesondere

Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)

Der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums, meist nur unter seiner Kurzbezeichnung ELER bekannt, fördert die Entwicklung des ländlichen Raums in der Europäischen Union. Er ist die sogenannte 2. Säule der gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) und soll die landwirtschaftlichen Direktzahlungen in der 1. Säule der GAP flankieren.

Der ELER wurde durch eine Verordnung des Rates der Europäischen Union vom 20. September 2005 eingerichtet und nahm seine Tätigkeit im Jahre 2007 auf. Er löste einen Teil des früheren Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL) ab. Für die Förderperiode 2007 bis 2013 verfügte der Fonds insgesamt über ein Volumen von ca. 96 Mrd. €, wovon für Deutschland ca. 8,1 Mrd. € zur Verfügung standen.

In der Förderperiode von 2014 bis 2020 verfolgt die ELER-Förderung folgende Ziele, die als „sechs Prioritäten“ bezeichnet werden:

  1. Förderung von Wissenstransfer und Innovation in der Land- und Forstwirtschaft und den ländlichen Gebieten
  2. Förderung der Wettbewerbsfähigkeit aller Arten von Landwirtschaft und des Generationswechsels in den landwirtschaftlichen Betrieben
  3. Förderung der Organisation der Nahrungsmittelkette und des Risikomanagements in der Landwirtschaft
  4. Wiederherstellung, Erhaltung und Verbesserung von Ökosystemen, die von der Land- und Forstwirtschaft abhängig sind
  5. Förderung der Ressourceneffizienz und Unterstützung des Agrar-, Ernährungs- und Forstsektors beim Übergang zu einer kohlenstoffarmen und klimaresistenten Wirtschaft
  6. Förderung der sozialen Eingliederung, der wirtschaftlichen Entwicklung und der Bekämpfung der Armut in den ländlichen Gebieten

Die Umsetzung erfolgt dezentral durch die Mitgliedstaaten auf der Grundlage gesamtstaatlicher Planungen. In Deutschland setzt jedes Bundesland ein eigenes sogenanntes „Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum“ um. Förderrichtlinien der Länder wie die Stallbauförderung (Agrarinvestitionsförderung), landwirtschaftliche Diversifizierung, Flurneuordnung und ländlicher Wegebau, forstliche Förderungen, die Dorferneuerung und Regionalentwicklung, die Förderung benachteiligter Gebiete, die Ökolandbauförderung, die Tierschutz-, Agrarumwelt- oder Vertragsnaturschutzprogramme werden in den meisten Bundesländern in den Entwicklungsprogrammen für den ländlichen Raum gebündelt und so mit einer EU-Kofinanzierung versehen (50-75 % der Mittel können dann von der EU aus dem ELER-Fonds kommen). Baden-Württemberg setzt beispielsweise die Landschaftspflegerichtlinie (LPR) im Rahmen des ELER um. Die gesamtstaatlichen wie die regionalen Planungen bedürfen der Genehmigung durch die Europäische Kommission.

Der ELER bündelt mehrere Fördermittelquellen

Quelle: dvs Netzwerk Ländliche Räume

Weitere Informationen:

Europäischer Wirtschaftsraum

Abk. EWR; mit Wirkung vom 1.1.1994 bestehender Wirtschaftsraum aus den EU- und EFTA-Ländern (Ausnahme Schweiz) mit insgesamt über 380 Mio. Verbrauchern. Ziel war, die EU-Bestimmungen über den Binnenmarkt auf die Länder der Europäischen Freihandelszone (EFTA) auszudehnen. So können sich in diesem Raum Waren, Dienstleistungen, Kapital und Arbeitskräfte wie in einem Binnenmarkt ohne Landesgrenzen bewegen. Er übertrifft an Bedeutung die Märkte NAFTA und Japan. Die gemeinsame Agrapolitik bleibt vom EWR ausgenommen.

Die EU und ihre EWR-Partner (Norwegen und Island) sind zudem durch verschiedene „nördliche Politikbereiche“ und Foren mit Schwerpunkt auf den sich schnell entwickelnden nördlichen Ausläufern Europas und der gesamten Arktis verbunden.

Weitere Informationen:

Europäisches Parlament

Das Europäische Parlament ist das einzige direkt gewählte Organ der drei Europäischen Gemeinschaften. Es hat in Abhängigkeit vom jeweiligen Politikbereich unterschiedliche Einflussmöglichkeiten im Rechtssetzungsprozess der EU.

Europäisches Währungssystem (EWS)

Das 1979 nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems errichtete EWS zählt zu den wichtigsten Integrationsleistungen seit Gründung der Gemeinschaft. Es bestand anfangs aus dem ECU als gemeinsamer Rechnungseinheit, dem Wechselkursmechanismus als Kern der Währungskursstabilisierung und dem Europäischen Währungsfonds als geplantem Finanzierungsinstrument. Das EWS entwickelte sich zu einem bewährten Ordnungsrahmen für Fragen währungspolitischer Zusammenarbeit.

Die Währungen der beteiligten Länder waren bis zur Währungsunion festgelegt in ihrem Wert zur europäischen Währungseinheit ECU, einer sogenannten Korbwährung: 1 ECU = 1,92573 DM = 2,16979 hfl (25.11.1996) usw. Damit ergaben sich Kursrelationen zwischen den einzelnen Währungen über den ECU-Wert. Die Währungen der EWS-Länder waren zudem durch feste Wechselkurse untereinander verbunden.

Mit dem Vertrag zur Europäischen Union vom 7.2.1992 hatte die EG eine konstitutive Neuschöpfung ins Auge gefasst: Das Europäische System der Zentralbanken mit einer eigenen Währungsbehörde (EZB). Es brachte zum 1.1.1999 die gemeinsame Währung Euro für eine europäische Stabilitätsgemeinschaft. Das EWS wurde damit jedoch nicht überflüssig, da nicht alle EU-Länder die Kriterien zum Eintritt in die Wirtschafts- und Währungsunion erfüllen können bzw. aus politischen Gründen vorerst nicht teilnehmen. Für diese Staaten und auch für jene, die als erfolgreiche Eurobeitrittskandidaten gelten, werden im Rahmen eines neu geschaffenen Wechselkursmechanismus (EWS II) die Leitkurse zwischen ihren Währungen und dem Euro festgesetzt.

Preise und Subventionen des EG-Agrarmarktes wurden in ECU festgelegt. Wechselkursänderungen wirkten sich auf die Einkünfte der Landwirte in den betroffenen Mitgliedstaaten aus. Beispielsweise erhielten bei einer der häufigen DM-Aufwertungen die deutschen Bauern bei unveränderten ECU-Preisen und Subventionen weniger D-Mark.

Mit der Einführung des Euro und der Errichtung der Europäischen Zentralbank ab dem 1. 1. 1999 wurde das Ziel der Schaffung einer Europäischen Währungsunion mit dem EWS erreicht. In dieser Währungsunion leistet das EWS II die Anbindung der Währungen der noch nicht an der Währungsunion teilnehmenden EU-Staaten an den Euro.

Erwartete Auswirkungen der Euro-Einführung auf den Landwirtschaftssektor:

eutroph

(gr. eu=gut, trophe=Ernährung, Nahrung) nährstoffreich, Kennzeichnung von Gewässern und Böden mit Reichtum an Pflanzennährstoffen.

Eutrophierung

Nährstoffübersättigung insbesondere von Gewässern durch häusliche, gewerbliche und industrielle Abwässer sowie durch den Austrag von Dünger aus landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Schätzungsweise stammen ca. 46 % der Gesamtbelastung an Stickstoffeinträgen (347.000 t) und 38 Prozent der Phosphoreinträge (34.000 t) in Fließgewässern der Bundesrepublik (alt) aus der Landwirtschaft. Der Stickstoff- und Phosphateintrag aus der Landwirtschaft in außerlandwirtschaftliche Ökosysteme erhöht auch dort die Freisetzung stickstoffhaltiger Spurengase. Daneben führt die Eutrophierung und zusätzlich die Versauerung der Böden durch die Verschiebung des Nährstoffgleichgewichtes, die verstärkte Auswaschung basisch wirkender Nährstoffionen, die Freisetzung von toxischen Schwermetallionen aufgrund der pH-Wert-Absenkung und die Schädigung der Feinwurzelsysteme und der Mykorrhiza zur Minderung der Vitalität und einer direkten Schädigung insbesondere natürlicher oder naturnaher Ökosysteme. Der einseitige Nährstoffüberschuss bewirkt die Förderung und Zunahme einzelner stickstoffliebender Arten und damit eine Änderung der Vegetationszusammensetzung, einer allgemeinen Reduktion der Artenvielfalt und die Destabilisierung nährstofflimitierter Ökosysteme.

(s. a. Umweltwirkungen)

Evapotranspiration

Der dampfförmige Wasserverbrauch einer mit Vegetation bedeckten Bodenfläche, bestehend aus der Verdunstung (Evaporation) von der feuchten Boden- und Pflanzenoberfläche, sowie hauptsächlich aus der Wasserabgabe der Pflanzen durch Transpiration. Wälder geben auf diese Weise ca. 50 % der Niederschlagssumme, Grasland ca. 40 %, Heide ca. 20 % an die Atmosphäre ab. Gemessen wird die Evapotranspiration in Litern Wasser pro Flächen- und Zeiteinheit, oder in mm Wasser pro Tag, evtl. pro Monat oder pro Vegetationsperiode.

Die potentielle Evapotranspiration setzt ein unbeschränktes Wasserangebot des Bodens voraus. Sie gibt an, wie hoch unter den gegebenen Klimabedingungen die jährliche Evapotranspiration an einem Standort wäre, wenn Wasser unbegrenzt zur Verfügung stünde.
Die physikalische Struktur der Pflanzendecke und das besondere physiologische Verhalten unterscheiden die potentielle Evapotranspiration von der Verdunstung der freien Wasseroberfläche.

Die aktuelle (tatsächliche) Evapotranspiration ist das Maß für die tatsächliche pro Jahr an die Atmosphäre abgegebene Wassermenge der Kultur, wie er in Großlysimetern gemessen werden kann.

Expeller

Futtermittel, die bei der Verarbeitung von ölreichen zerkleinerten Saaten bzw. fettreichen Rohstoffen in den Ölmühlen über Schneckenpressen gewonnen werden, und noch 4 - 7 % Rohfett enthalten. Im Unterschied zu Ölkuchen sind Expeller ca. 1 - 5 cm lange sowie etwa 1 cm dicke gepreßte Bruchstücke. Sie werden fast ausschließlich in der Rinderfütterung eingesetzt. Im Handel sind vorwiegend Kokos-, Palmkern-, Baumwollsaat-, Sonnenblumen- und Leinexpeller.

Exportabgabe

Einige Marktorganisationen für Agrarprodukte der EU enthalten die Möglichkeit, eine Exportabgabe bei der Ausfuhr in Drittländer zu erheben, wenn die Weltmarktpreise über dem EU-Preisniveau liegen. Diese Abgabe soll eine übermäßige Ausfuhr verhindern und die Versorgung des EU-Binnenmarktes sicherstellen.

(s. a. Ausfuhrerstattung)

Exporterstattung

In der EU die Bezeichnung für Exportsubventionen, also für staatliche Leistungen für Warenexporte, um sonst nicht konkurrenzfähige Waren auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu machen. Alternative Bezeichnungen sind Ausfuhrerstattung und Exportbeihilfe.

Exporteure werden mit diesem Außenhandelsinstrument in die Lage versetzt, gegenüber ihren Konkurrenten auf den Exportmärkten wettbewerbsfähiger aufzutreten. Derartige Zuschüsse sind oftmals mit dem wirtschaftspolitischen Ziel verbunden, im Inland Produktion und Beschäftigung anzuregen bzw. zu erhalten. Solche Subventionen verstoßen gegen die internationalen Wettbewerbsregeln des GATT.

Exporerstattungen für landwirtschaftliche Produkte waren Bestandteil der früheren Gemeinsamen Agrarpolitik der EU.

Seit Juli 2013 wird in der EU, und damit auch in Deutschland, die Ausfuhr von Agrarprodukten nicht mehr gestützt. Die so genannten Exporterstattungen wurden schrittweise auf null gesenkt. Nach der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik 2013 hätte das Instrument der Exporterstattungen allenfalls noch im Falle außergewöhnlicher Marktkrisen wieder eingeführt werden können.

In den Jahren zuvor waren die EU-Exporterstattungen aufgrund der stärkeren Marktorientierung der Gemeinsamen Agrarpolitik rapide gesunken: 1993 wurden bei damals 12 Mitgliedstaaten noch über 10 Milliarden Euro ausgezahlt, 2012 waren es nur noch rund 146 Millionen Euro bei 27 Mitgliedstaaten.

Auf der 10. WTO-Ministerkonferenz im Dezember 2015 in Nairobi wurde vereinbart, nach Ablauf bestimmter Übergangsfristen weltweit alle Exportsubventionen abzuschaffen. Zudem verständigte man sich, Exportkredite und Nahrungsmittelhilfen zu reglementieren sowie Staatshandelsunternehmen den gleichen Regeln zu unterwerfen. Die in Nairobi beschlossenen Maßnahmen werden global einen wesentlichen Beitrag zu einem chancengleichen und stärker regelbasierten Weltagrarhandelssystem leisten.

Entwicklung der EU-Exporterstattungen nach Produkten in Millionen Euro (1993 - 2013 )

1) Frische und verarbeitete Produkte.
2) Es sind nicht alle Erzeugnisse aufgeführt, für die Erstattungen gezahlt wurden. Deshalb ergibt die Summe der einzelnen Produkte nicht die Gesamtsumme an Erstattungszahlungen.
3) vorläufig
4) Schätzung (Haushaltsansatz, der voraussichtlich überschätzt ist)
Hinweis: Rundungsdifferenzen möglich; Angaben beziehen sich auf Haushaltsjahre.
Quelle: BMEL

Exportkultur

Kulturpflanze, deren vermarktbaren Teile für den Export bestimmt sind.

(s. a. Cash Crop, Plantage)

Ex Situ-Artenerhalt

Der Erhalt von Tier- oder Pflanzenarten außerhalb des ursprünglichen Lebensraumes bzw. Herkunftsortes. Beispielsweise kann dieser durch die Anlage und Pflege von Gendatenbanken (Erhalt genetischer Variabilität auf Populationsebene) oder botanischen Gärten umgesetzt werden. Der Ex Situ-Artenerhalt wird durch den globalen Wandel sowie den Klimawandel zunehmend an Bedeutung gewinnen. Er kann beispielsweise dazu dienen, gefährdete einheimischen Tier- oder Pflanzenarten, die an bestimmten Standorten durch invasive Tier- oder Pflanzenarten bedroht werden, zu erhalten. Aber auch im Hinblick auf Agrobiodiversität ist er bedeutend z. B. um landwirtschaftlich genutzte Pflanzen auch für nachfolgende Generationen bereit stellen zu können.

Extensivbetrieb

Landwirtschaftlicher Betrieb, der mit geringem Kapital- und Arbeitsaufwand wirtschaftet. Nachteilige Eigenschaften von Klima, Bodenqualität, Marktentfernung u.w. verhindern eine intensivere Bewirtschaftung.

(s. a. Produktionsfaktoren)

Extensivblattfrüchte

Druschleguminosen, Feldfutterpflanzen, Ölfrüchte; im Gegensatz zu den Intensivblattfrüchten (Hackfrüchte).

extensive Landwirtschaft

Extensive Landwirtschaft ist im Gegensatz zur intensiven Landwirtschaft gekennzeichnet durch einen im Verhältnis zur Fläche geringen Kapital- und Arbeitseinsatz (z. B. Düngemittel, Pestizide, Maschinen). Die pflanzlichen Erträge pro Flächeneinheit sind in der extensiven Landwirtschaft geringer als in der intensiven Landwirtschaft.

Extensive Landwirtschaft ist im Allgemeinen umweltverträglicher. Aufgrund des geringeren Düngemittel- und Pestizideinsatzes besteht eine geringere Gefahr, dass Nährstoffe und Pestizide in Oberflächen- und Grundwasser eingetragen werden. Allerdings hängen die tatsächlichen Auswirkungen des Einsatzes von Produktionsmitteln auf die Umwelt nicht allein von der Menge der eingesetzten Produktionsmittel ab, sondern auch davon, wie diese eingesetzt werden. Produktionsmittel wie z. B. Düngemittel werden auch benötigt, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten, wenn pflanzliche Erzeugnisse entnommen werden. Ein zu geringer Düngemitteleinsatz kann daher zu Umweltverschlechterung führen.

(s. a. eurostat)

Extensivfrüchte

In der deutschen Betriebssystematik die Bezeichnung für einen gleichnamigen Produktionszweig, der zusammen mit den Intensivfrüchten die Produktionsrichtung Marktfrüchte bildet.

Zu den Extensivfrüchten gehören:

Extensivierung

Die Reduzierung des ertragsfördernden Betriebsmitteleinsatzes und/oder Arbeit je Flächeneinheit. Dies kann verbunden sein mit gleichzeitiger Ausweitung der Produktion auf größerer Fläche.

Merkmale einer Extensivierung der landwirtschaftlichen Produktion:

Aufgrund der teilweise erheblichen Produktions- und Marktüberschüsse in der EU-Landwirtschaft wird im EU-Agrarsystem eine deutliche Senkung der Produktionsmengen mit dem Ziel der Marktentlastung angestrebt. In diesem Kontext bedeutet Extensivierung die weniger intensive Nutzung durch die Verringerung von Betriebsmittelimporten (insbesondere Stickstoffmineraldünger und Eiweißfuttermittel, letztere über den Dung zur Überlastung führend), ohne die Anbaufläche weiter auszudehnen.

Lösungsansätze zur Verringerung der Betriebsmittelimporte sind Beschränkungen wie flächenbezogene Bestandesobergrenzen, Agrarpreissenkungen oder die Verteuerung der Betriebsmittel. Um die Maßnahmen für Landwirte kostenneutral zu halten, wären gleichzeitig Ausgleichszahlungen vorzusehen. Zusätzlich werden zur Marktentlastung kurz-, mittel- oder langfristig Anteile der bewirtschafteten Fläche stillgelegt. Je nach Grad der Extensivierung könnte die ökonomisch und ökologisch fragwürdige Flächenstillegung vermieden und eine wünschenswerte, flächendeckende Bewirtschaftung aufrechterhalten werden.

Ein Modell mit flächendeckender umweltentlastender Extensivierung und zusätzlicher Zuordnung von Landschaftspflegefunktionen als Leitbild für die gesamtdeutsche Landwirtschaft wird in der Leitbilddiskussion der neunziger Jahre dem Konzept der Insellandwirtschaft gegenübergestellt.

(s. a. bodenunabhängige Viehhaltung, MEKA, Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik)

externe Effekte

Auch Externalitäten; (u.a. ökologische) Auswirkungen des Handelns eines Wirtschaftssubjekts (Unternehmen, Haushalte, landwirtschaftliche Betriebe usw.) auf ein anderes oder auf die Gesamtgesellschaft, die nicht durch eine Entschädigung oder Vergütung über den Markt ausgeglichen sind. Externe Effekte können negativen wie auch positiven Charakter haben.
Ein Mißverhältnis zwischen dem gesamtgesellschaftlichen Nutzen/Schaden und dem privaten Schaden/Nutzen besteht oft bei den sogenannten öffentlichen oder Kollektivgütern, wie den natürlichen Ressourcen, deren Vorzüge alle Wirtschaftssubjekte in Anspruch nehmen wollen, zu deren Bereitstellung jedoch nur eine geringe Bereitschaft in Form von materiellen und sonstigen Anstrengungen besteht. Es gibt bei Umweltgütern hinsichtlich der Inanspruchnahme knapper Ressourcen eine Verwendungskonkurrenz zwischen der gesellschaftlichen Nutzung einer reinen Umwelt (z.B. Trinkwasser, Schönheit der Landschaft, Artenvielfalt) und dem privaten Nutzen einer Beanspruchung der Umweltressourcen zur Produktion von Konsumgütern.
Bei negativen externen Effekten müssen Unbeteiligte die Nachteile der wirtschaftlichen Tätigkeit anderer entschädigungslos hinnehmen. Im Bereich der Landwirtschaft zählen zu den negativen externen Effekten Bodenbelastungen, Biotop- und Artengefährdung, negative Veränderungen des Landschaftsbildes, Gewässerbelastungen und Bodenerosion (Umweltwirkungen).
Demgegenüber bildet die Internalisierung ökologischer Folgekosten von Produktion und Konsum den wesentlichen Gehalt des Verursacherprinzips als Kostenrechnungsprinzip und ökonomisches Effizienzkriterium. Umweltnutzung - auch im landwirtschaftlichen Sektor - muß sich danach verstärkt in den Kosten und den Marktpreisen niederschlagen.
Zu den positiven externen Effekten (auch: externe Leistungen) der Landwirtschaft gehören u.a. die regulierende Klimafunktion, die verglichen mit Waldflächen höhere Grundwasserneubildung (zumindest in trockenen Gebieten) sowie die Gestaltung und Pflege einer vielfältigen Kulturlandschaft. Diese ökologischen Leistungen begründen sich u.a. auf sinnlichen Präferenzen der erholungssuchenden Bevölkerung für bestimmte Landschaften und Landschaftselemente wie z.B. Biotope, Hecken, Waldabschnitte oder auch vielseitige und vergleichsweise artenreiche Grünland- und Ackerlandschaften. Deren rekreativer Nutzen besteht im Ansprechen der Sinne (Sehen - Kulturlandschaft, Fühlen - Streichelzoo, Riechen - Heu, Hören - Kuhglocken, Schmecken - Birne). Daneben trägt die Familienbetriebsstruktur aktiv zu einem Wertesystem (Agrarkultur, Bäuerlichkeit, Identifikation etc.) bei. Ausgehend von einer Befragung ergibt sich eine Zahlungsbereitschaft der deutschen Bürger für den Erhalt einer intakten Kulturlandschaft von 2,2 Mrd. DM jährlich.
Bei Nichterfassung der externen Effekte wird die Wertschöpfung der Land- wie auch der Forstwirtschaft über- oder unterschätzt, je nachdem, ob die negativen oder positiven Effekte überwiegen.
Die Tatsache, daß ein landwirtschaftlicher Betrieb eine Umweltleistung erbringt, muß noch nicht zwingend bedeuten, daß diese auch honorierbar ist. Nur wenn eine Umweltressource (z.B. sauberes Wasser, Vielfalt der Arten) von einer Knappheit gekennzeichnet ist, bzw. eine Knappheit in Zukunft begründet zu befürchten ist, ist eine Veranlassung dafür gegeben, positive Beiträge zum Schutz dieser Ressourcen als honorierbar anzusehen. Als eine weitere Voraussetzung ist die Tatsache anzusehen, daß der Landwirt, um einen gesellschaftlich erwünschten Beitrag zum Ressourcenschutz zu leisten, auf die ökonomisch optimale Form der Landbewirtschaftung verzichtet. Die Umweltleistung darf also kein kostenloses Koppelprodukt der aus dem Gewinnstreben des Landwirtes heraus ohnedies durchgeführten Landbewirtschaftung sein.
Einer Honorierung ökologischer Leistungen steht auch die Auffassung von der "Sozialpflichtigkeit des Eigentums" gegenüber, das den Landwirten als Eigentümer oder Nutzer von Grund und Boden keine uneingeschränkten Verfügungsrechte über die Umweltressourcen einräumt.
Noch liegen keine gesicherten Erkenntnisse über das Verhältnis der beiden gegensätzlichen Effekte vor.

Umweltpolitische Instrumente zur Internalisierung externer Effekte

Bereitstellung von Umweltgütern durch den Staat (z.B. Kauf von Flächen für Natur- und Wasserschutzzwecke)

externe Kosten

Siehe externe Effekte

Extraktionsschrot

Bei der Gewinnung pflanzlicher Öle und Fette anfallende Rückstände unterschiedlicher Zusammensetzung. Ausgangsmaterial sind die Früchte und Samen von mehr als 40 Pflanzenarten. Das Öl wird in kontinuierlich arbeitenden Extraktionsapparaten mittels Fettlösungsmitteln herausgelöst. Extraktionsschrote enthalten meistens weniger als 2 % Fett. Sie werden in der Fütterung vorwiegend ihrer hohen Eiweißgehalte wegen eingesetzt.

(s. a. Ölkuchen, Expeller)

EXW

Engl. Abk. für ex works, plantation, warehouse usw.; Incoterm, das den Kosten- und Gefahrenübergang beim Weg der Ware vom Exporteur zum Importeur ab Fabrik, Plantage, Lagerhaus usw. festlegt.