Lexikon des Agrarraums

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Pacht

Der Pachtvertrag ist ein schuldrechtlicher gegenseitiger Vertrag, durch den sich der Verpächter gegen Zahlung des vereinbarten Pachtzinses verpflichtet, dem Pächter den Gebrauch des verpachteten Gegenstands (z.B. landwirtschaftlichen Betriebes oder Grundstückes) und den Genuß der bei ordnungsmäßiger Wirtschaft anfallenden Früchte zu gewähren. Auch die Überlassung eines Rechtes (z.B. Jagdrecht) kann Gegenstand eines Pachtvertrages sein. Von der Miete unterscheidet sich die Pacht dadurch, daß sie nicht allein den Gebrauch, sondern auch die Nutzung gewährt (z.B. Ernteertrag eines verpachteten Hofes). Pachtlandanteile sind vor allem in Gebieten mit Realteilung stark vertreten.

Nach der Art des Gegenstandes unterscheidet man z.B. Hofpacht, Parzellenpacht, Viehpacht sowie einzelne Nutzungsrechte (an Obstbäumen, die Schafhut an abgeernteten Feldern, das Jagdrecht) und nach der Art der Gegenleistung z.B. Geldpacht und Naturalpacht. Die Pacht kann vererbt (Erbpacht) werden oder zeitlich begrenzt (Zeitpacht) sein. Neben der direkten Pacht gibt es vor allem im Orient Formen der Unterverpachtung. Durch sie entstehen hohe Belastungen für den Endpächter, da er Abgaben sowohl an den Eigentümer, wie auch an einen oder mehrere Zwischenpächter entrichten muß. Bei der Teilpacht (métayage, mezzadria) ist der Zins nicht fest, sondern er wird als eine vereinbarte Quote vom Rohertrag erhoben. Diese kann zwischen 20 und 80 % variieren, je nachdem, welche Produktionsfaktoren der Verpächter zur Verfügung stellt. Sie ist heute noch in den romanischen Ländern Europas und ihren ehemaligen Kolonialgebieten sowie im Orient verbreitet. Die Arbeitspacht, bei der der Zins durch festgelegte Arbeitsleistungen auf dem Hof des Verpächters abgeleistet wird, ist weltweit verbreitet. In Westfalen und Oldenburg war bis in die jüngste Vergangenheit das Heuerlingswesen anzutreffen.

In den alten Bundesländern gab es 1997 rund 5,573 Mio ha, 1991 rund 4,993 Mio. ha, 1989 rund 4,489 Mio. ha und 1979 rund 3,654 Mio. ha gepachtete landwirtschaftlich genutzte Fläche in den landwirtschaftlichen Betrieben. Das entsprach einem Anteil an der gesamten LF von 48,2 % (1997), 42,5 % (1991), 38,1 % (1989) und 30,4 % (1979). Der größte Teil der Betriebe bewirtschaftete sowohl eigene als auch zugepachtete Flächen.

Im Jahr 2013 wurde der Boden als Eigentums- oder Pachtfläche im Verhältnis von 38,4 Prozent Eigentums- zu 60,0 Prozent Pachtflächen genutzt. Die übrigen 1,6 Prozent der Fläche haben die Landwirte nach zuletzt verfügbaren Ergebnissen aus der Agrarstrukturerhebung 2013 unentgeltlich zur Bewirtschaftung erhalten. Aufgrund der agrarstrukturellen Entwicklung gibt es regionale Unterschiede.

Im früheren Bundesgebiet befanden sich 2013 55 Prozent der LF in Pacht und 44 Prozent in Eigentum. In den neuen Bundesländern waren dagegen 71 Prozent in Pacht und 28 Prozent in Eigentum. Die in der Bewirtschaftung befindlichen Eigenflächen sind zwischen 2010 und 2013 in den neuen Bundesländern um 3,0 Prozentpunkte angestiegen. Anders in den alten Bundesländern. Hier ging Eigentumsanteil zugunsten des Pachtanteils um 1,8 Prozentpunkte zurück. Für Deutschland insgesamt ist der Pachtflächenanteil mit 60 Prozent gegenüber 2010 nahezu unverändert geblieben.

Die Pachtpreise sind in den letzten Jahren ebenfalls gestiegen, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Die durchschnittlich gezahlten Preise für Neupachten lagen in den neuen Ländern nach zuletzt für 2013 vorliegenden Angaben mit 206 Euro je Hektar bei etwa knapp der Hälfte des Pachtpreisniveaus im Westen Deutschlands von 442 Euro je Hektar.

Die folgende Tabelle informiert über die Situation im Jahr 2013.

Pachtflächen und Pachtentgelte in landwirtschaftlichen Betrieben 2013

Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2016

Etwa 43 % der Agrarflächen in der EU sind gepachtet. Besonders hoch sind die Pachtflächenanteile in der Slowakei und in Frankreich mit nahezu 80 %. Aber auch in Deutschland liegt der Pachtflächenanteil (60 %) deutlich über dem EU-Durchschnitt. In den letzten Jahren ist der Pachtflächenanteil in vielen Ländern weiter angestiegen.

Paludikultur

Paludikultur („palus“ – lat. „Sumpf, Morast“) ist die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser Hoch- und Niedermoore. Ein traditionelles Beispiel dafür ist der Anbau von Schilf für Dachreet. Neue innovative und nachhaltige Nutzungen sind etwa die energetische Verwertung von Niedermoor-Biomasse, die Nutzung von Röhrichten für neue Baustoffe oder die Kultivierung von Torfmoosen als Torfersatz in Substraten für den Gartenbau.

Bis heute werden Moore großflächig für Land- und Forstwirtschaft sowie Torfabbau entwässert. Dadurch werden die über Jahrtausende gebildeten Torfe belüftet und von Mikroben zersetzt. Die Folgen sind Bodendegradierung, Moorsackung, Verlust von Biodiversität, Verlust der Wasserfilter-, Wasserspeicher- und Rückhaltefunktion und die Belastung von Grund- und Oberflächenwasser. Vor allem aber setzen entwässerte Moorböden enorme Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid frei, mit 2 Gigatonnen CO2 jährlich insgesamt 4 % aller vom Menschen verursachten Emissionen.

Die nasse Bewirtschaftung von Moorböden bringt Klimaschutz durch Minderung des CO2-Ausstoßes und durch Verdunstungskühlung. Sie liefert Alternativen für fossile Rohstoffe ohne in Konkurrenz um Flächen zur Nahrungsmittelproduktion zu treten. Paludikultur fördert Biodiversität und weitere Ökosystemdienstleistungen von Mooren. Sie bietet Perspektiven für Landwirtschaft und Tourismus in schwach entwickelten Regionen. (s. a. GMC)

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Pampa

Südamerikanische außertropische Graslandschaft (Steppe) mit mächtigen Schwarzerdeböden, die nur noch in ihrem Westteil ihre natürliche Vegetation aufweist, im Ostteil dagegen in ein Weizenanbaugebiet umgewandelt wurde und dort einer starken Bodendegradation unterliegt. Die Niederschläge reichen von 500 - 1.000 mm, gleichzeitig besteht eine starke Verdunstung, bewirkt durch ein semiarides Klima mit negativer Wasserbilanz.

Parzelle

Als Einheit vermessener Teil der Erdoberfläche, der im Grundbuch durch Nummern gekennzeich­net wird. Eine oder mehrere solcher Katasterparzellen bilden eine Besitzparzelle. Die Parzelle ist so die kleinste Besitzeinheit in der Flur. Das gegenwärtige parzellare Gefüge einer Flur ist in Katasterkarten niedergelegt und auf Katasterämtern einzusehen. Diese Erfassung besteht nicht weltweit, insbesondere dort nicht, wo unter anderen Rechtsvorstellungen und kulturellen Traditionen ein Privateigentum an Grund und Boden nicht existiert.

Als wesentliche Formen der Parzellen unterscheidet man Blöcke und Streifen. Parzellen ähnlicher Form und Lage bilden innerhalb einer Flur häufig Verbände (Blockverbände, Streifenverbände, Streifengemengeverbände) und Komplexe (z.B. von Streifengemengeverbänden).

Von den Besitzparzellen können die Betriebsparzellen (Nutzungs-, Wirtschaftsparzellen) unterschieden werden, die ihrerseits die kleinste Nutzungseinheit in der Flur bezeichnen.

(s. a. Flurform)

Parzellierung

Die Aufteilung eines vormals zusammenhängenden Grundstückes in mehrere Parzellen. Dieser Vorgang hat sich vor allem in Gebieten mit Realteilung vollzogen oder bei der Umwandlung von LF in Bauland.

Patio

Im mittelalterlichen Garten der Garten für Topfpflanzen; im spanischen Wohnhaus der Binnenhof mit Springbrunnen und Topfpflanzen.

(s. a. Hortus holerorum, Hortus sanitatis, Pomarium)

Pellets

Produkt der Verpressung von Erzeugnissen aus der Land- und Forstwirtschaft mit Hilfe von Matrizenpressen. Bei der Pelletierung entstehen kleine Körper aus verdichtetem Material in Kugel- oder Zylinderform.

Anwendung der Pelletierung:

Vorteile der Pelletierung:

Pensionsvieh

Vieh, vornehmlich Jungrinder, die auf einer (fremden) Pensionsweide (teilweise eingestallt) gegen Entgelt (Pension) gehalten werden. Pensionsviehhaltung dient insbesondere dem regionalen Futterausgleich zwischen futterknappen Herkunftsbetrieben, z.B. grünlandschwachen Ackerbaubetrieben oder Weidewirtschaften mit Futterengpässen während der Trockenzeit, und futterreichen Bestimmungsbetrieben, d.h. Betrieben mit zeitweiliger Futterschwemme, beispielsweise in niederschlagsreichen Mittel- und Hochgebirgen (Almwirtschaft) oder in Marschen.

Fremdvieh wird entweder als Mitläufer zeitweilig in die eigene Herde integriert, oder die Übernahme von Fremdvieh eröffnet als arbeitsextensive Bewirtschaftungsform für Betreuer neue Möglichkeiten, freifallende Grünlandflächen in landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieben zu nutzen.

(s. a. Fremdtierhaltung)

Periferer Raum

Nach einer Definition des Deutschen Rates für Landespflege ein Gebiet, in dem unter den aktuellen ökonomischen Bedingungen für die Mehrzahl landwirtschaftlicher Betriebe eine Bewirtschaftung unrentabel ist, somit ein landwirtschaftlicher Grenzstandort. In einem solchen Gebiet ist am ehesten mit Nutzungsänderungen oder Nutzungsaufgaben zu rechnen.
Für diesen Strukturwandel sind verschiedene Faktoren entscheidend, die einzeln oder kombiniert auftreten:

Gleichzeitig sind dies Gebiete mit hoher Bedeutung für den Naturschutz, d.h. sie sind reich an vom Verschwinden bedrohten artenreichen Kulturbiotopen (z.B. Magerwiesen, Feucht- und Naßwiesen, flachgründige Kalkäcker usw.) und enthalten große Potentiale für die Entwicklung natürlicher und naturnaher Biotope.
Mit Hilfe verschiedenster Kriterien und Indikatoren lassen sich in einer groben bundesweiten Übersicht folgende periphere Räume benennen:

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Perkolation

Bewegung des der Schwerkraft folgenden Sickerwassers in Grobporen durch den Boden hindurch bis zum Grund- oder Stauwasser. Es ist der Bewegungsvorgang, der sich in vertikaler, manchmal auch lateraler Richtung an die Infiltration anschließt.

Perlite

Als Substrate oder Substratbestandteile verwendete Silikate, die vulkanischen Ursprungs sind bzw. die durch starke Erhitzung gewonnen werden. Es sind poröse Materialien mit hoher Wasser- und Luftkapazität und mit sehr geringem Volumengewicht (40 bis 65 g/l). Perlite besitzen ein geringes Sorptionsvermögen und sind frei von Mikroorganismentätigkeit. Sie werden häufig als Vermehrungssubstrat im Gartenbau verwendet.

Permakultur

Permakultur ist eine Kultur, in der nachhaltige Lebensformen und Lebensräume unterstützt, entworfen und aufgebaut werden. Diese sollen für die Natur und die Menschen eine dauerhafte Lebensgrundlage sichern: ökologisch, ökonomisch und sozial. In den 1970er Jahren entwickelten die Australier Bill Mollison (Alternativer Nobelpreis 1981) und David Holmgren das Konzept der Permakultur. Ursprünglich bedeutet der Begriff„permaculture" (engl. aus „permanent" und „agriculture"), soviel wie permanente, nachhaltige Landwirtschaft. Daraus entwickelten sich Ansätze der Permakultur, die in vielfältigen Lebensbereichen angewendet werden können: z.B. ökonomische Konzepte, Gemeinschaftsbildung, Regional- und Freiraumplanung aber natürlich auch Gärtnern, Selbstversorgung, Energieversorgung und Hausbau.

Das Konzept zielt auf die Schaffung von dauerhaft funktionierenden nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen.

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permanenter Welkepunkt

Abk. PWP; der PWP ist der Wassergehalt des Bodens, bei dem die meisten Pflanzen (außer Trocken- und Salzpflanzen) permanent und irreversibel welken. Am PWP sind nur noch die Feinporen (Ø<0,2 µm) mit Wasser gefüllt, das nicht pflanzenverfügbar ist.

(s. a. Feldkapazität)

Persistenz

1. Starke oder dauerhafte Widerstandsfähigkeit von Stoffen gegen chemischen und biologischen Abbau; persistente Stoffe reichern sich im Boden bzw. in den Nahrungsketten an. Zu den schwer abbaubaren Stoffen gehören z.B. die Chlorpestizide, wie das DDT und die polychlorierten Biphenyle (PCB). Die Persistenz kann mit der Halbwertzeit quantifiziert werden. Zu den nicht abbaubaren Stoffen rechnen die Schwermetalle, insbesondere Blei, Quecksilber und Cadmium sowie radioaktive Stoffe, z.B. Strontium (90Sr) und Cäsium (137Cs).

2. Im wirtschaftsgeographischen Sinne das Beharrungsvermögen einer Produktion(srichtung) oder eines Betriebes am einmal gewählten günstigen Standort trotz zwischenzeitlich eingetretener Ungunst. Persistenz kann bei Dauerkulturen ausschlaggebend sein wegen deren räumlicher Immobilität, oder sie ist entscheidend, wenn es an attraktiven beruflichen Alternativen im primären, sekundären und tertiären Sektor mangelt.

persönliche Hauswirtschaft

In der DDR Bezeichnung für die 0,5 ha Landwirtschaftliche Nutzfläche (LN), die jeder Landwirt, nachdem er einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) beigetreten war, weiter selbst auf eigene Kosten und eigenen Nutzen bewirtschaften durfte. In den Statuten zur Gründung der LPGs war festgelegt, dass man seine gesamte Fläche einbringen musste mit der Ausnahme von 0,5 ha, auf denen auch eine bestimmte Anzahl Tiere gehalten werden durfte.

Bei einer LPG Typ III waren dies höchstens zwei Kühe, zwei Mutterschweine, maximal fünf Schafe und eine unbegrenzte Zahl Kleinvieh. Nach der Zwangskollektivierung 1960 wurde von vielen unfreiwilligen Genossenschaftsbauern die Arbeitsenergie für diese kleinen eigenen Flächen verwendet und in den LPGen gab es eine „Arbeite-langsam-Ideologie“.

Die Hauswirtschaften, die anders als in den sowjetischen Kolchosen von Anfang an vorgesehen waren, hatten ursprünglich der Existenz- und Ernährungssicherung der Landbevölkerung gegolten. Nachdem 1977 die Beschränkungen der Tierhaltung für Privatpersonen entfielen, waren sie eine hervorragende Einnahmequelle für die LPG-Mitarbeiter, die zu rund zwei Dritteln davon Gebrauch machten.

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Pestizide

Aus dem englischen Sprachgebrauch übernommene Bezeichnung für industriell gefertigte, nicht in der Natur vorkommende organische Verbindungen, die gegen schädliche oder unerwünschte Mikroorganismen, Pflanzen, Pflanzenteile oder Tiere angewendet werden und die das Keimen bzw. Wachstum von Pflanzen oder Pflanzenteilen regeln oder Pflanzen pflegen (ausgenommen Düngemittel). Damit umfasst der Begriff alle Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel sowie Wachstumsregler, einschließlich der Zusatzstoffe.

Vereinzelt wurde der Begriff auf Stoffe übertragen, die von Pflanzen erzeugt werden (z. B. Solanin als Fraßschutz).

Der Begriff „Pestizide“ wird häufig als Synonym für Pflanzenschutzmittel verwendet. Der Oberbegriff Pestizide umfasst jedoch auch Produkte wie Biozide, die nicht zur direkten Anwendung an Pflanzen, sondern zur Bekämpfung von Schädlingen und Krankheitsüberträgern wie Insekten, Ratten und Mäusen bestimmt sind. Die EU-Richtlinie 2009/128/EG enthält eine Begriffsbestimmung für „Pestizid“, nach der sowohl Pflanzenschutzmittel im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 als auch Biozid-Produkte im Sinne der Richtlinie 98/8/EG über das Inverkehrbringen von Biozid-Produkten darunter fallen.

Wenn in der öffentlichen Diskussion von „Pestizid-Rückständen“ die Rede ist, liegt der Schwerpunkt meist auf der Belastung von Lebensmitteln mit Pflanzenschutzmittel-Rückständen.

In den Gesetzestexten der deutschsprachigen Staaten und den deutschen Fassungen der einschlägigen EU-Bestimmungen wird der Begriff „Pestizid“ nur selten verwendet. Die Genehmigung von Wirkstoffen und deren Höchstmengen bei den Zulassungen von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden sind in separaten Vorschriften geregelt. Ein bestimmter Wirkstoff kann sowohl in verschiedenen Pflanzenschutzmitteln als auch Bioziden vorhanden sein. Durch unterschiedliche Ausbringungsmethoden und auch Aufwandmengen kann sich die Wirkung auf die Umwelt oder eine mögliche Gefährdung des Menschen unterscheiden.

Pestizid-Gruppen nach ihrer spezifischen Wirkung
auf bestimmte Zielorganismen

Zur Beurteilung des Pestizid-Einsatzes:

Inlandsabsatz von Pflanzenschutzmitteln (Zubereitungen) 2015

Quelle: BVL

In Deutschland befasst sich das BfR mit der gesundheitlichen Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln und Biozid-Produkten, die nach der Strukturanpassung unter dem Oberbegriff Pestizide zusammengefasst werden, entsprechend den Vorgaben der Richtlinie (EG) Nr. 2009/128/EG über einen Aktionsrahmen der Gemeinschaft für die nachhaltige Verwendung von Pestiziden.

(s. a. Pflanzenschutz, Pflanzenschutzmittel, Umweltwirkungen)

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Pferch

Einhegung, eingezäunte Fläche. (Feed Lot)

Pferd

Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts wichtigstes Zugtier in der Landwirtschaft, heute fast vollständig durch Traktoren abgelöst. Nur in Wäldern, die für schweres Gerät unzugänglich sind, werden noch „Rückepferde“ eingesetzt. Pferde werden in Deutschland heute fast ausschließlich für den Reitsport gehalten.

Pflanzenbau

Der systematische Anbau von Pflanzen zum Zwecke der direkten oder indirekten (Veredelung) Erzeugung von Nahrung für den Menschen, von nachwachsenden Rohstoffen und von biogenen Energieträgern. Der Anbau erfolgt durch die Anpassung der Kulturpflanzen an die Standortbedingungen, durch Auswahl bestimmter Pflanzenarten und durch den Einsatz der pflanzenbaulichen Produktionstechnik, die in die Umweltfaktoren eingreift und so die Prozesse der Ertragsbildung beeinflusst.
In den letzten Jahren ist die Flächenkonkurrenz verschiedener Nutzungsformen des Pflanzenbaus weltweit in den gesellschaftlichen Diskurs geraten. Insbesondere die Bioenergie- und Nahrungsmittelerzeugung stehen in einem harten Wettbewerb zueinander, der zu massiven Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel führen kann. Die Knappheit des Produktionsfaktors Boden bestimmt diese Konkurrenz.

pflanzengenetische Ressourcen

Generativ oder vegetativ vermehrungsfähiges Material von Pflanzen mit aktuellem oder potentiellem Wert für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einschließlich Landsorten, verwandten Wildarten und -formen und speziellem genetischem Material der Kulturpflanzen.

Eigentlich hätten wir eine riesige Auswahl, denn weltweit gibt es etwa 400.000 verschiedene Pflanzenarten. Tatsächlich nutzen wir aber nur etwa 20.000 davon als Nahrungs-, Heil- und Genussmittel oder auch für technische Zwecke. Kultiviert hat die Menschheit bisher etwa 500 verschiedene Pflanzenarten, von denen lediglich sieben als Grundnahrungsmittel die ganze Weltbevölkerung ernähren.

Bei den Nahrungspflanzen haben ertragreiche, widerstandsfähige Hochleistungssorten alte Landsorten bereits vielerorts verdrängt. Doch damit gehen nicht nur geschmackliche Varianten, sondern auch wertvolle genetische Informationen verloren.

Auch bei Arzneimitteln profitieren wir von pflanzlicher Vielfalt. Denn mehr als die Hälfte aller in Deutschland hergestellten Arzneien basieren auf Heilpflanzen oder deren Inhaltsstoffe. Nicht alle können kultiviert werden und werden noch immer in freier Wildbahn gesammelt. Doch viele dieser Pflanzen sind bereits vom Aussterben bedroht und besonders schützenswert, denn auf ihre Inhaltsstoffe können wir nur schwer verzichten.

Pflanzenhilfsmittel

Nach dem Düngemittelgesetz sind dies „Stoffe ohne wesentlichen Nährstoffgehalt, die dazu bestimmt sind, auf die Pflanzen einzuwirken oder die Aufbereitung organischer Stoffe zu beeinflussen“.

Pflanzenkläranlage

Künstliche Feuchtgebiete, in denen das Zusammenspiel von biotischen und abiotischen Kräften zur dauerhaften Reinigung von (z.B. landwirtschaftlichen) Abwässern genutzt wird. Natürliche Ökosysteme wie das Röhricht (Schilf, Rohrkolben, Binsen, Seggen u.a. Sumpfpflanzen) auf Naßwiesen, an Gräben und an Ufersäumen sind das Vorbild für den planmäßigen Aufbau und Einsatz von Pflanzenkläranlagen.

Folgende Prozesse tragen zur Reinigungswirkung bei:

Unter Ausnutzung des Sonnenlichts stellen Pflanzenkläranlagen ein in den Betriebskosten minimiertes, nahezu wartungsfreies, selbständiges und damit dezentrales System dar. Mit der Ernte der Röhrichtbestände, die jährlich bis zu 40 t Biomasse pro Hektar produzieren, erscheint langfristig eine Verwertung als Baustoff und Biofestbrennstoff möglich.

Während Pflanzenkläranlagen zur Behandlung kommunaler Abwässer weite Verbreitung gefunden haben, liegen Erfahrungen mit der Behandlung stark belasteter, landwirtschaftlicher Abwässer (z.B. Melkhaus-, Käsereiabwasser) erst in Ansätzen vor. Ausgereift werden sich Pflanzenkläranlagen wahrscheinlich durch ihre ökologischen, wie auch ökonomischen Vorzüge auszeichnen.

Pflanzenschutz

1. Die Gesamtheit der Maßnahmen zur Erhaltung von Wildpflanzen und ihren Biotopen. Im deutschsprachigen Raum wird dieser Aspekt als pflanzlicher Artenschutz bezeichnet.

2. Die Gesamtheit der Maßnahmen, die Schäden an Kulturpflanzen durch Krankheitserreger und andere "Schädlinge" niedrig halten oder verhindern sowie Beeinträchtigungen durch die unbelebte Umwelt abwehren. Zum Pflanzenschutz gehören sowohl vorbeugende Maßnahmen (Pflanzenhygiene), v.a. zum Schutz von Kulturpflanzen vor Schadorganismen und vor abiotischen Schäden (z.B. Witterungseinflüsse), wie auch Bekämpfungsmaßnahmen mit Pflanzenschutzmitteln und die biologische Schädlingsbekämpfung. Ferner zählt zum Pflanzenschutz auch der Vorratsschutz der Ernteerzeugnisse.

Man kann unterscheiden:

Agrarexperten gehen davon aus, daß weltweit mehr als ein Drittel der Pflanzenerträge durch Schädlinge, Krankheiten, Unkräuter sowie während Transport und Lagerung unbrauchbar werden. Dies entspricht der gesamten pflanzlichen Agrarproduktion der USA. Ohne wirksame Pflanzenschutzmittel würden die weltweiten Pflanzenerträge durchschnittlich um 30 bis 60 % sinken. Gleichfalls käme es zu großen Mengenschwankungen.

Weitere Informationen:

Pflanzenschutzgesetz

Im Februar 2012 novelliertes Bundesgesetz. Neben dem Schutz von Pflanzenerzeugnissen vor Schadorganismen und nichtparasitären Beeinträchtigungen, bezweckt das PflSchG Deutschlands in erster Linie die Abwehr von Gefahren, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln oder durch andere Maßnahmen des Pflanzenschutzes, insbesondere für die Gesundheit von Mensch und Tier und für den Naturhaushalt, entstehen können.

Das Pflanzenschutzgesetz und die dazugehörigen Verordnungen enthalten auch Regelungen, die den Schutz der Gewässer vor Pflanzenschutzmitteleinträgen sicher stellen sollen. Eine Zulassung von Pflanzenschutzmitteln darf nur erteilt werden, wenn bei bestimmungsgemäßer Anwendung der relativ strenge Grenzwert der Trinkwasserverordnung in Höhe von 0,1 µg/l im Grundwasser eingehalten wird. Andernfalls ist eine Zulassung zu verwehren, bzw. müssen, wie im Fall Atrazin, Anwendung und Verkauf verboten werden.

Das Gesetz regelt auch die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln.

Neben allgemeinen Aussagen zum Pflanzenschutz enthält das Gesetz Vorschriften zu Anwendung und Verkehr mit Pflanzenschutzmitteln, Pflanzenschutzgeräte und Pflanzenstärkungsmittel. Zudem werden die behördliche Überwachung und Auskunftspflichten geregelt.

Die Notwendigkeit der Novellierung des Pflanzenschutzgesetzes (PFLSchG) ergibt sich aus der Änderung des europäischen Pflanzenschutzrechtes, besonders wegen der in 2009 verabschiedeten EU-Pflanzenschutz-Zulassungsverordnung (EG / 1107 / 2009) und der EU-Pflanzenschutz-Anwendungsrichtlinie (2009 / 128 / EG).

Die Novelle enthält erhebliche Erweiterungen im Bereich der guten fachlichen Praxis.

Weitere Informationen:

Pflanzenschutzmittel

Stoffe, die dazu bestimmt sind, Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse wie z.B. Früchte und Samen vor Schadorganismen (Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen) zu schützen oder die Lebensvorgänge von Pflanzen zu beeinflussen (Wachstumsregler) ohne ihrer Ernährung zu dienen. Hierzu zählen Herbizide, Fungizide, Insektizide, Akarizide, Pflanzenwachstumsregulatoren und Repellentien (Abwehr- oder Vergrämungsmittel). Als Pflanzenschutzmittel (PSM) im Sinne des Pflanzenschutzmittelgesetzes (PflSchG) gelten auch Stoffe, die dazu bestimmt sind, Flächen von Pflanzenwuchs freizumachen oder freizuhalten.

Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln ist ein zweistufiges Verfahren. Die Wirkstoffe für Pflanzenschutzmittel werden von der EU-Kommission genehmigt. Pflanzenschutzmittel mit diesen Wirkstoffen werden national zugelassen. Zulassungsstelle in Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Im Zulassungsverfahren arbeitet das (BVL gemäß Pflanzenschutzgesetz mit drei Bewertungsbehörden zusammen:

Zahl zugelassener Pflanzenschutzmittel und Wirkstoffe

Quelle: UBA

1995 waren in Deutschland ca. 1.000 PSM mit gut 200 Wirkstoffen zugelassen. Etwa 200 dieser PSM dürfen auch in Haus und Garten verwendet werden. Etwa 30.000 t PSM werden jährlich offiziell in Deutschland verkauft. Daten über die ausgebrachte Menge liegen im Gegensatz beispielsweise zu den USA nicht vor. In der Tatsache, daß in der EU außerhalb Deutschlands ca. 700 Wirkstoffe zugelassen sind, wird ein Wettbewerbsnachteil für die deutsche Landwirtschaft gesehen.

Im Jahr 2015 waren 766 Mittel (ohne ruhende Zulassungen) mit 1.490 Handelsnamen (Mittel können als „Vertriebserweiterungen“ unter mehreren Handelsnamen vertrieben werden) zugelassen. Die Zahl eingesetzter Wirkstoffe in den zugelassenen PSM ist seit 2000 (276 Wirkstoffe) annähernd konstant geblieben. Im Jahr 2015 wurden insgesamt 277 Wirkstoffe eingesetzt.

Der Weltmarkt für PSM betrug im Jahr 2014 42,7 Mrd. Euro und verteilt sich zu 28,5 % auf Lateinamerika, 25,9 % auf Asien inkl. Japan und Ozeanien, 24,5 % auf die Europäische Union und 17,3 % auf die USA, Kanada und Mexiko. Der Umsatz in Deutschland betrug 1,6 Mrd. €.Die zehn umsatzstärksten Hersteller von PSM waren Syngenta (10,3 Mrd. Dollar), Bayer CropScience (9,5), BASF (6,0), Dow AgroSciences (5,0), Monsanto (3,7), DuPont (3,2), Makhteshim Agan (2,6), Nufarm (2,3), Sumitomo Chemical (2,0) und FMC (1,8). In Deutschland liegt der Absatz jährlich bei ca. 40.000 t, 2011 wurden 43.000 t verkauft.

Ökologische Bewertung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Aus Sicht des Umweltschutzes sind weniger die ausgebrachten Mengen entscheidend für eine Bewertung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes, als vielmehr die Wirkungsintensität oder die Wirkungsäquivalente. So können moderne hochwirksame PSM aus ökotoxikologischer Sicht trotz geringerer Dosierung das gleiche Gefährdungspotenzial wie ältere Mittel in hoher Dosierung aufweisen. Deshalb ist die alleinige Festsetzung von mengenbezogenen Minderungszielen für alle PSM nicht ausreichend. Sinnvoll wäre die Ermittlung von Trends und die Definition von Reduktionszielen mit Bezug auf die angewandte Menge des jeweiligen Wirkstoffs jedoch für solche Wirkstoffe, die aus Umweltsicht als kritisch anzusehen sind, allerdings nicht die Kriterien für einen Rückruf der Zulassung erfüllen.

Schwer abbaubare, bioakkumulierende (sich in Tieren und Pflanzen anreichernde) und umweltgiftige Wirkstoffe sollen grundsätzlich verboten werden. Beispiele sind die persistenten organischen Schadstoffe (POPs), aber auch krebsauslösende oder über Änderungen im Hormonhaushalt oder im Erbgut schädlich wirkende Stoffe. Beispielsweise wird noch immer über den Einsatz des Wirkstoffes Glyphosat diskutiert, weil dieser Wirkstoff in Verdacht steht, Krebs beim Menschen auszulösen.

Die Ausweitung der Anbauflächen und die Intensivierung der Bewirtschaftung haben die Rahmenbedingungen für die Anwendung von PSM in Deutschland drastisch verändert. Der immer intensivere und umfangreichere Einsatz hochwirksamer Breitband-Herbizide und -Insektizide führt in vielen Fällen nicht nur zur gewollten Minimierung der sogenannten Unkräuter und Schadinsekten. Er führt zwangsläufig auch dazu, dass die Ackerbegleitflora verarmt und vielen Vogel-, Säugetier- und anderen Tierarten der Agrarlandschaft die Nahrungsgrundlage entzogen wird. In zahlreichen wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass PSM über die Nahrungskette indirekt eine der Hauptursachen für Bestandsrückgänge bei verschiedenen Feldvogelarten, wie zum Beispiel der Feldlerche, der Goldammer oder des Rebhuhns sind. Auch der weltweit beobachtete Rückgang von Blütenbestäubern wird in einen Zusammenhang mit dem Rückgang von Blütenpflanzen gestellt. Nicht zuletzt können unerwünschte Nebenwirkungen des Pflanzenschutzmitteleinsatzes auch für die behandelten landwirtschaftlichen Flächen selbst ein Problem darstellen, etwa über Beeinträchtigungen der Bodenfruchtbarkeit durch Schädigung wichtiger Bodenorganismen.

Häufigkeitsverteilung von Pflanzenschutzmittelfunden in oberflächennahen Grundwassermessstellen*

Quelle: UBA

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass PSM ins Grundwasser versickern und somit über das Trinkwasser und/oder über landwirtschaftliche Produkte in Lebensmittel gelangen könnten. Für die Zulassung eines Pflanzenschutzmittels ist daher eine wichtige Voraussetzung, dass weder sein Wirkstoff noch dessen Abbauprodukte bestimmte Grenzwerte überschreiten und somit gesundheitliche Schäden verursachen können. Die zu erwartenden Konzentrationen in einzelnen Umwelthabitaten je nach Aufwandmenge und Art der Anwendung des jeweiligen Präparates werden mit Rechenprogrammen und durch experimentelle Daten im Voraus bestimmt.

PSM dürfen nicht ins Grund- und Trinkwasser gelangen. Die dennoch auftretenden Belastungen des Grundwassers werden im wesentlichen durch Herbizide und Wirkstoffe gegen bodenlebende Fadenwürmer (Nematizide) verursacht. Die Ursachen liegen nicht bei Anwendungsfehlern der Landwirte (punktförmige Einträge), sondern in der flächenhaften Ausbringung im Rahmen einer "ordnungsgemäßen Anwendung".

In den letzten Jahren gingen die Funde von Pflanzenschutzmitteln im Grundwasser kontinuierlich zurück, wie die Abbildung oben zeigt. Zwischen 2009 und 2012 (letzte vorliegende Daten) überschritten noch etwa 4,6 Prozent (%) der Proben im oberflächennahen Grundwasser den jeweiligen gesetzlichen Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter (µg/l) bei mindestens einem Wirkstoff. Der Rückgang der Grundwasserbelastungen ist dabei wesentlich auf abnehmende Fundhäufigkeiten von Atrazin, Desethylatrazin und einigen wenigen anderen Wirkstoffen sowie deren Metaboliten (Abbauprodukte) zurückzuführen, deren Anwendung bereits seit Jahren oder sogar Jahrzehnten verboten ist (“Wasserwirtschaft in Deutschland, Teil 2“). Hier zeigt sich eine Verzögerung der ökologischen Prozesse, die die strenge Zulassung in Deutschland rechtfertigt. Moderne Pflanzenschutzmittel treten deutlich seltener im Grundwasser auf als ältere.

Für Oberflächengewässer wird die Belastung mit Pflanzenschutzmitteln derzeit nur im Gewässermonitoring zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie systematisch erhoben. Da dazu nur größere Gewässer herangezogen werden, sind die Daten nicht dazu geeignet, um die Belastung der zahlreichen Kleingewässer in der Agrarlandschaft mit Pflanzenschutzmitteln abzuschätzen.

Weitere Informationen:

Pflanzenstärkungsmittel

Nach dem Pflanzenschutzgesetz "Stoffe, die ausschließlich dazu bestimmt sind, die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen gegen Schadorganismen zu erhöhen, ohne daß diese Stoffe schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier oder auf den Naturhaushalt haben."

Pflanzenzüchtung

Die genetische Veränderung von Pflanzenpopulationen zur Verbesserung biologischer und ökonomischer Eigenschaften. Sie beruht auf Pflanzenauslese, Saatgutbehandlung oder Kreuzung mit nachfolgender Auslese von Tochterpflanzen für den nächsten Züchtungszyklus oder der anschließenden Vermehrung als Saatgut einer neuen Pflanzensorte (Saatzucht).

Geschichte

Der Beginn des Anbaus von Pflanzen und somit auch der Pflanzenzüchtung begann vor rund 12.000 Jahren in Mesopotamien (heute größtenteils Irak) mit Gerste (Hordeum vulgare) sowie Emmer (Triticum dicoccum) und Einkorn (Triticum monococcum), den Urformen des Weizens (Triticum aestivum), später auch Roggen (Secale cereale). Hier wurden erstmals gezielt Pflanzen der genannten Arten ausgewählt und unter kontrollierten Bedingungen angebaut.

Seit etwa 5.500 vor Chr. ist der Anbau von Getreide auch in Mitteleuropa bekannt. Mittels Auslese (Selektion) der ertragreichsten Individuen und Einkreuzung von weiteren Wildgrasarten entwickelten sich nach und nach die bekannten Getreidesorten. Um den Ertrag weiter zu verbessern, wurden Anbaumaßnahmen wie Düngung, Bewässerung und Beseitigung von Unkraut eingesetzt. Trotzdem gab es immer wieder Ernteausfälle durch Trockenheit, Schädlingsbefall oder Pflanzenkrankheiten und in der Folge schwere Hungersnöte (z. B. die Kartoffelfäule im 19. Jahrhundert in Irland durch den Pilz Phytophtora infestans, in deren Folge bis zu eine Million Menschen verhungerten).

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden im Zuge der Aufklärung sowie des Beginns der modernen Naturwissenschaften Institute gegründet, die sich der Zucht und dem Anbau von Nutzpflanzen (also Pflanzen, die der Ernährung, der Rohstoffgewinnung, der Gesundheit oder als Zierpflanzen dienen) widmete. Die Pflanzenzucht war zu der Zeit noch ein Teilgebiet des Pflanzenbaus, bis sie sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts abspaltete. 

Im Laufe der Fünfziger Jahre entwickelte sich die sogenannte Grüne Revolution. Mit den modernen Methoden der Pflanzenzüchtung (Bezeichnung seit den 50ern: Pflanzenproduktion) wurden die ersten Hochertragssorten erzeugt (u. a. Reis, Mais, Hirsen, Kartoffeln, Soja), die bei geringerem Düngereinsatz gute Erträge brachten. Ab den Sechzigern wurden diese Sorten in den Entwicklungsländern erfolgreich angebaut, so dass man heute davon ausgeht, dass durch den höheren Ertrag zum einen die Ernährungssituation deutlich verbessert und die Kindersterblichkeit gesenkt werden konnte, zum anderen auch weniger Anbaufläche benötigt wird. Als Nachteile der Grünen Revolution nennen Kritiker eine vermehrte Auslaugung und Versalzung des Bodens sowie eine Absenkung des Grundwassers infolge erhöhten Wassereinsatzes.

Die nächste Revolution in der Pflanzenzüchtung gab es im Laufe der Achtziger Jahre: Die Grüne Biotechnologie verwendet Erkenntnisse und Methoden aus verschiedenen Biowissenschaften, um über Pflanzen Wirkstoffe zu produzieren oder Enzyme zu gewinnen. Der bekannteste Bereich ist die Grüne Gentechnik, bei der mit Labormethoden in das Erbgut von Pflanzen eingegriffen wird, um deren Eigenschaften zu verbessern. Ihr Einsatz ist vor allem in Europa umstritten, weil unkontrollierbare Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen befürchtet werden.

Ziele

Gezüchtet wird generell, um möglichst viele Individuen einer Art mit einem weitgehend einheitlichen Genom zu bekommen, das die gewünschten Eigenschaften enthält.

Diese Eigenschaften sind in der Pflanzenzüchtung klassischerweise ein hoher Ertrag, eine gute Qualität, ein guter Geschmack, eine gewisse Genügsamkeit in Bezug auf Wasser, Nährstoffe und sonstige Standortansprüche sowie Resistenz gegenüber Krankheiten und Schädlingen.

Die Pflanzenzüchtung verfolgt folgende Ziele:

Züchtungsmethoden

Dabei geht es nicht um eine evolutive Anpassung, sondern darum, die Eigenschaften der Pflanze den Wünschen der Menschen anzupassen.

Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es verschiedene Vorgehensweisen: 

Weitere Informationen:

Pflanzgut

Vegetative Teile von Pflanzen (Kartoffelknollen, Obststecklinge) oder aus Saatgut erzeugte Jungpflanzen, die der Vermehrung einer bestimmten Art oder Sorte dienen.

Pflanzstockbau

In den Tropen noch von Naturvölkern betriebene einfache Form des Ackerbaus. Der Pflanzstock, ein einfaches Handgerät, kann bis zu 2 m lang sein und ist von allen Seiten her zugespitzt. Mit dem kräftigen Stück Holz wird in den nicht umgebrochenen Boden das Pflanzloch gebohrt.

Der Pflanzstockbau wird häufig in Zusammenhang mit Brandrodung betrieben. Wichtigste Kulturen sind Knollenfrüchte (u.a. Maniok, Jams, Pfeilwurz), auch Getreide, Bananen und Gewürze.

(s. a. shifting cultivation, Wanderfeldbau)

Pflanzung

Landwirtschaftlicher Betrieb mit (Binnen-)Marktorientierung, der i.d.R. vom Besitzer und seiner Familie selbst geleitet wird. Es erfolgt ein Anbau von mehrjährigen Kulturpflanzen (bzw. Dauerkulturen). Pflanzungen sind in den Außertropen (Wein, Äpfel, Hopfen), den Subtropen (Olive, Mandel) und den Tropen (Banane, Kaffee) anzutreffen und sie sind im Gegensatz zur Plantage in allen Betriebsgrößenklassen vertreten. Auch schließt sich anders als in der Plantage keine größere Aufbereitung oder Verarbeitung der Produkte an. Entsprechend besitzen Pflanzungen eine geringere technische und kapitalmäßige Ausstattung. Insbesondere Kleinbetriebe weisen eine Vielfalt von Arten und Altersstufen der Fruchtbäume und Sträucher auf. Schwankungen der Nachfrage und der Marktpreise machen die gleichzeitige Beibehaltung eines Selbstversorgungsanbaus nötig.

Pflegemaßnahmen

Pflegemaßnahmen sind Eingriffe des Menschen in die natürlichen Abläufe in einem Gebiet zur Erhaltung eines geschützten Ökosystems. Pflegemaßnahmen konzentrieren sich auf relativ wenige Ökosystemtypen, v. a. Magerwiesen, Heiden und Feuchtgebiete. Häufig angewandte Pflegemaßnahmen sind Mahd, Entbuschung, Gehölzschnitt und Beweidung (meist durch Schafe). In Ausnahmefällen kann auch der gezielte Einsatz von Feuer eine Pflegemaßnahme darstellen.

Pflug

Ackerbearbeitungsgerät, das je nach Ausgestaltung zum Lockern und/oder Wenden und/oder Mischen des Bodens, zum Unterarbeiten von Ernterückständen und organischen Düngern sowie zum Vernichten von Unkräutern dient. Folgende Untertypen lassen sich anführen:

Moderne Pflüge lassen sich grundsätzlich nach folgenden Gesichtspunkten einteilen:

Pflugbau

Hochentwickelte Form der Bodenbearbeitung mit Hilfe des Pflugs. Der Pflugbau tritt sehr häufig in Verbindung mit der Großviehhaltung auf. Vor dem Maschinenzeitalter wurden Pferde und Rinder als Zugtiere eingesetzt. Der Pflugbau gehört zu den kultivierenden Formen der Bodennutzung. Er erfordert pflugfähigen und damit gerodeten Boden.
Pflugähnliche Geräte finden sich bereits bei den Babyloniern. Bei den Römern fand der von Rindern gezogene Hakenpflug Einsatz. Die verbreitetste Pflugform ist der Schar-Pflug. Eine moderne Form ist der am Traktor befestigte Volldreh-Pflug.

Pflugsohle

Durch Druck von schweren Maschinen (früher durch Tritt von Zugtieren) und durch das Schleifen der Pflugschar im feuchten, schluff- und tonreichen Boden unmittelbar unter der bearbeiteten Krume von Ackerböden erzeugte Verdichtungszone, die die Gründigkeit mechanisch einschränkt, das Wurzeltiefenwachstum behindert, die Bildung von Stau- und Oberflächenwasser und damit in Hanglagen die Bodenerosion durch Wasser begünstigt. Je nach Bearbeitungsart und Bodenverhältnissen liegt die Pflugsohle in 15 - 35 cm Tiefe und tritt oft als scharfe Horizontgrenze zwischen dem humushaltigen Oberboden und dem Unterboden in Erscheinung. Das Ausmaß der Bodenverdichtung ist abhängig von Radlast, Flächendruck, Schlupf, Bodenart, Bodentyp, Bodenfeuchte und vom Anteil an organischer Substanz.

Phänologie

Teilgebiet der Klimatologie, das sich mit den Entwicklungsphasen der wildwachsenden Pflanzen, der Kulturpflanzen (z.B. Blattentfaltung, Blühverlauf, Fruchtreife, Laubverfärbung), aber auch von Tieren (Paarungszeiten, Entwicklungszyklen von Insekten, Termine von Winterschlaf und Vogelzug) in Abhängigkeit von Witterung und Klima befaßt.
Phänologische Beobachtungen werden in Deutschland von ca. 2.500 Beobachtern durchgeführt. Der phänologische Meldebogen enthält folgende Gruppen von Beobachtungsobjekten:

Die gewonnenen Daten (d.h. Feststellung des Datums, zu dem die verschiedenen phänologischen Phasen an einem bestimmten Ort eintreten) lassen sich in phänologischen Karten darstellen, aus denen sich beispielsweise regionale Wärmestufen ableiten lassen. Die Linien gleichen Phasenbeginns (Isophanen) markieren die vom Klima begünstigten oder benachteiligten Gebiete.

(s. a. Agrarmeteorologie)

Pheromone

Pheromone sind chemische Informationsträger, die zwischen Individuen der gleichen Art wirken, also z.B. Sexuallockstoffe oder Alarmstoffe bei Insekten. In der Schädlingsbekämpfung können Pheromone eingesetzt werden, um Insektenmännchen zu irritieren und am Kopulieren zu hindern oder um sie in Fallen zu locken.

Phosphatdünger

Typischer Handelsdünger, hergestellt entweder aus Ablagerungen von Meerestieren oder aus einem bei der Stahlgewinnung anfallenden Nebenprodukt (Thomasmehl). Rohphosphate sind kaum wasserlöslich und müssen deshalb so verarbeitet werden, dass sie für Pflanzen als Nährstoff verfügbar sind. Häufig findet eine Verbindung mit Calcium statt. Phosphat wird im Boden rasch gebunden und daher in der Regel kaum ins Grundwasser ausgewaschen.

pH-Wert

Potentia hydrogenii (lat.) - Potenz des Wasserstoffs; Maß für die Wasserstoffionenkonzentration und damit für die Säurekonzentration in wäßrigen Lösungen (eine Säure ist ein Stoff, der in wäßriger Lösung Wasserstoffionen zu bilden vermag). Der pH-Wert ist der negative dekadische Logarithmus der Wasserstoffionenkonzentration, die als mol H+/l (identisch H+/l) berechnet wird. Je kleiner der pH-Wert, um so saurer ist die Lösung. Die pH-Wert-Skala reicht von 0 - 14. Der Neutralpunkt liegt bei 7. Demnach zeigt ein Absinken um einen Punktwert z.B. von 5 auf 4 an, daß die Flüssigkeit um ein Zehnfaches saurer geworden ist. Der durchschnittliche Säuregehalt des Regenwassers mit pH 4 ist also 1000 mal saurer als neutrales Wasser.

Die Schadwirkung vieler Stoffe ist oft abhängig von ihrem pH-Wert. Die Toleranz von Wasser- und Bodenlebewesen, wie auch von Pflanzen gegenüber pH-Schwankungen ist unterschiedlich ausgeprägt.

Der pH-Wert einer Lösung kontrolliert in entscheidender Weise die Ausfällung von Hydroxiden. Besonders bedeutsam ist das pH für die Beweglichkeit von Aluminium und Silizium in der Bodenlösung und die anschließende Wiederausfällung. Bei einem pH kleiner 4 geht Al leicht in Lösung und wird weggeführt. Andererseits steigt mit zunehmender Alkalität die Löslichkeit des Siliziums, was durch das verbleibende Al zu Laterit- und Bauxitbildung führt.

Gemessen wird der pH-Wert mittels pH-Farbindikatoren oder elektrischem pH-Meter. Der pH-Wert im Boden kann zeitlichen Schwankungen unterworfen sein. Oxidationsvorgänge und die Zersetzung organischen Materials sowie auch die Mineralstoffaufnahme durch die Wurzeln senken den pH-Wert. Reduktionsvorgänge, Mineralisierung organischer Substanzen sowie Düngung heben den pH-Wert an.

Die meisten landwirtschaftlichen Kulturen gedeihen gut bei pH 6 bis 7. Ein zu hoher Säuregrad wird mit berechneten Mengen Kalziumkarbonat in fein pulverisierter Mahlung neutralisiert. Einzelne Pflanzenarten, z.B. die Kartoffel, bevorzugen besonders saure, andere gedeihen besser in neutralen bis schwach alkalischen Böden.

(s. a. Bodenreaktion, Bodenversauerung)

Physiokratismus

Auf dem Modell des Nationalökonomen und Naturrechtsphilosophen François Quesnay (1694-1774) basierende französische Schule der Volkswirtschaftslehre. In dieses Modell eines natürlichen Wirtschaftskreislaufs waren drei soziale Klassen eingebunden (Grundeigentümer, Landwirte, Handel- und Gewerbetreibende). Grund und Boden und dessen Bewirtschaftung wurden als die Hauptquellen des Nationalreichtums angesehen. Nur die Landwirte galten als produktive Klasse. Zu den Forderungen der Physiokraten gehörte u.a. die Schaffung von landwirtschaftlichen Großbetrieben nach englischem Vorbild. Der Physiokratismus war nur in der 2. Hälfte des 18. Jhdts. von Bedeutung. Er wurde durch die von Adam Smith begründete klassische Schule der Nationalökonomie verdrängt.

Phytodegradation

Verfahren der Phytosanierung, bei der die (meist organischen) Schadstoffe, die die Pflanze aufnimmt, nicht akkumuliert, wie bei der Phytoextraktion, sondern chemisch verändert und somit inaktiviert werden. Ebenso zählen Verfahren, bei der die Schadstoffe nicht von der Pflanze aufgenommen werden, sondern die Pflanzen nur den Abbau der Schadstoffe durch Mikroorganismen stimulieren, zur Phytodegradation. Diese Stimulierung erfolgt einerseits durch die bessere Assimilatversorgung der Mikroorganismen aufgrund der Durchwurzelung des Bodens (Rhizodeposition) und andererseits auch durch bestimmte Stoffe, die von den Pflanzenwurzeln ausgeschieden werden.

Phytoextraktion

Verfahren der Phytosanierung, bei dem Pflanzenkultivare eingesetzt werden, die Schadstoffe aus dem Boden verstärkt aufnehmen und in ihrer Biomasse in hohen Konzentrationen anreichern (sogenannte Hyperakkumulatoren). Die Schadstoffe können dabei sowohl in den Wurzeln als auch in der oberirdischen Biomasse gespeichert werden. Diese Pflanzenteile werden dann bei der Ernte nach der Vegetationsperiode entfernt (d. h. je nachdem auch unter Entfernung der Wurzeln) und je nach Belastung einer geeigneten Entsorgung zugeführt; die Verbrennung ist neben anderen Verfahren nur eines der möglichen Entsorgungsverfahren. Der größte Vorteil der Phytoextraktion liegt gegenüber v. a. dem Bodenaustausch (Ausräumung) mit Ablagerung in einer Deponie sowie Säurewaschung, dass die Bodenfunktionen erhalten bleiben. Dies ist besonders für die Sanierung von Ackerland (z. B. bei Verunreinigung mit Schwermetallen durch Klärschlamm) von großer Bedeutung.

Problematisch war bis dahin allerdings, dass viele untersuchte Hyperakkumulatoren wie z. B. die Ackerschmalwand in Mitteleuropa sehr klein sind bzw. sehr langsam wachsen. Dies wurde in neueren bereits mehrjährigen Versuchsreihen z. B. auf zinkbelasteten und nicht allzu sauren Flächen dadurch umgangen, dass besonders selektierte Kultivare von mitteleuropäischen Kulturpflanzen (wie Tabak und Sonnenblumen) mit hoher Biomasse, wenn auch nur mittelstarker Schwermetall-Anreicherung eingesetzt wurden. Gesamthaft extrahieren diese Kultivare dann netto mehr als Hyper-Akkumulatoren mit relativ geringer Biomasse. Außerdem ist so auch die umweltgerechte Entsorgung sehr viel einfacher, insbesondere wenn es sich bei den extrahierten Stoffen um essentielle Stoffe bei Tieren und Mensch (wie z. B. Zink) handelt.

Phytomining

Die Gewinnung von Metallen mit Hilfe von Pflanzen. Im Gegensatz zur Phytoextraktion bezieht sich dieses Verfahren nur auf Metalle. Diese Metalle können so etwa aus Verbrennungsrückständen wiedergewonnen werden. Bisher eignet sich dieses Verfahren nur, um die Kosten der Phytosanierung (oder Phytoremediation) durch den Gewinn der extrahierten Metalle etwas zu senken. Es wird aber – etwa an der Modellpflanze Hallersche Schaumkresse – daran geforscht, Phytomining auch zum Erzabbau einzusetzen – etwa zur Gewinnung seltener Erden.

Weitere Informationen:

Phytosanierung

Auch Phytoremediation; die Reinigung von schadstoffbelastetem Boden (auch Wasser oder Luft) mit Hilfe von Pflanzen, z. B. bei Verunreinigung mit Schwermetallen durch Klärschlamm. Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes In-situ-Verfahren, da die Behandlung des Bodens oder Wassers vor Ort stattfindet und das belastete Medium nicht teuer ausgetauscht wird.

Zurzeit befindet sich die Phytosanierung in der Entwicklungsphase.

Viele Pflanzen haben die Fähigkeit, in schadstoffbelasteten Medien (Boden, Wasser, Luft) zu wachsen. Sie nehmen die Schadstoffe zwar mit dem Wasser oder der Luft auf, haben aber Mechanismen entwickelt, sich vor der giftigen Wirkung der Schadstoffe zu schützen. So speichern sie diese in bestimmten Zellräumen von Wurzel, Stängel oder Blatt oder wandeln sie in unschädliche Substanzen um. Bei den Schadstoffen handelt es sich z.B. um Schwermetalle, Halbmetalle (Arsen), Pestizide, Sprengstoffe, Lösungsmittel, Salze oder Öle. Durch die Ernte entfernt man die in den Pflanzen angereicherten Schadstoffe. Häufig ist ein wiederholtes Anbauen und Ernten der Pflanzen nötig, um die Schadstoffe vollständig aus dem Boden zu entfernen.

Pflanzen, die sich beispielsweise zur Beseitigung von Schwermetallbelastungen eignen sind Raps, Senf, Sonnenblumen, Gerste und verschiedene Grasarten.

Um Pflanzen die Fähigkeit zu vermitteln, Schadstoffe aufzunehmen und in unschädliche Substanzen umzuwandeln, werden auch gentechnische Methoden angewandt. So wurden Pappeln gentechnisch so verändert, dass sie einen erhöhten Glutathion-Gehalt aufweisen. Glutathion wird in den Zellen benötigt um Schwermetalle zu binden, so dass diese ihre toxische Wirkung verlieren. Pappeln lagern die so unschädlich gemachten Schwermetalle in ihren Blättern ab.

Verfahren der Phytosanierung:

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Phytostabilisierung

Phytostabilisierung ist kein eigentliches Verfahren der Phytosanierung, sondern dient nur der Sicherung des Bodens. Allgemein wird die Mobilität von Schadstoffen verringert. Eine dichte Grasdecke schützt den Boden vor Erosion. Der oberflächliche Abtrag von Schadstoffen durch den Wind sowie den Regen wird somit verhindert. An den Feinwurzeln können Schadstoffe adsorbieren, sie werden somit im Boden gehalten und ihre Auswaschung ins Grundwasser wird reduziert. Durch die Transpiration der Pflanzen kommt es zu einem größtenteils nach oben gerichteten Wasserstrom, dies kann ebenfalls Auswaschungen der Schadstoffe ins Grundwasser verhindern. Außerdem können bestimmte Stoffe, die von den Pflanzenwurzeln ausgeschieden werden, zu einer Immobilisierung der Schadstoffe (z. B. Ausfällung von Schwermetallen) führen.

Phytovolatilisation

Verfahren der Phytosanierung, bei dem die Pflanze die Schadstoffe mit den Wurzeln aufnimmt und durch ihre oberirdischen Organe in die Luft wieder abgibt. Hierbei kann es in der Pflanze zu biochemischen Umwandlungen in flüchtige Formen der Schadstoffe kommen. Im Falle von Quecksilber geschieht dies durch Methylierung des Quecksilbers zu Methylquecksilber durch die Pflanze. Methylquecksilber ist flüchtig und kann daher von der Pflanze in die Luft abgegeben werden.

Plaggen

Ziegelartig ausgestochener mineralbodenhaltiger Humus mit Heide- oder Grasbewuchs aus dem Allmendland ("Gemeinheiten"), der im Stall als Einstreu verwendet wurde und nach der Anreicherung mit Kot und Harn auf eine dorfnahe Feldflur (Esch) zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit ausgebracht wurde (in NW-Deutschland, den Niederlanden, Irland). Die Plaggen können auch zusammen mit Viehmist kompostiert worden sein. Dort, wo die Plaggen gestochen wurden, verarmte der Boden. Handelte es sich um Heidegebiete wie z.T. in Norddeutschland, wurde der Sand bloßgelegt und vom Wind zu Dünen zusammengeweht. Plaggendüngung wird seit vielen Jahrzehnten nicht mehr angewendet. Die durch sie geschaffenen Böden haben sich jedoch in ihren wesentlichen Merkmalen erhalten.

(s. a. Plaggenesch)

Plaggenesch

Anthropogener Auftragsboden der mittelalterlichen bis neuzeitlichen, ortsnahen Eschfluren NW-Deutschlands (bes. Emsland, Westfalen). Hier wurden arme Sandböden (oft Podsole) im Laufe der Zeit durch wiederholtes Aufbringen von Gras- und Heidesoden (Plaggen = Soden) sowie Stallmist verbessert, so daß sich heute ein oft 1 m mächtiger E-Horizont über dem ursprünglichen Boden befindet, der in starkem Maße einem Ah-Horizont ähnelt. Die Plaggenschicht kann 30-120 cm mächtig sein und zeigt je nach Art der Plaggen (Gras- oder Heideplaggen) unterschiedliche Gehalte an Ton, Eisen, organischer Substanz und an Nährstoffen. Da die Eschfluren ohnehin bereits auf natürlichen Bodenwellen lagen, verstärkte der zusätzliche Plaggendungauftrag das vorhandene Feinrelief.

Um einen Hektar Ackerland mit genügend Dünger zu versorgen, waren je nach den Bodenverhältnissen zwischen 2 und 8 Hektar, z.T. noch deutlich mehr Heideflächen nötig. Die Regenerationszeit der abgeplaggten Heideflächen betrug je nach Tiefe und Häufigkeit des Plaggenhiebs 4 - 40 Jahre. Da sich Qualität und Menge der Plaggen bei jedem Zyklus verringerte, lag in ungünstigen Fällen der Flächenbedarf bei einem Vielfachen der genannten Zahlen. Die Folge war eine beträchtliche Vergrößerung der Heideflächen, vor allem auf Kosten des Waldes.

Die Zufuhr von organischem Material war nötig, da man "ewigen Roggenbau", meist auch ohne Brache praktizierte und es noch keinen Mineraldünger gab. Das Einfeldsystem des ewigen Roggenbaus ist als mehrjährige, ununterbrochene Aufeinanderfolge von Winterroggen zu verstehen, die im Extrem bis über 20 Jahre erreichen konnte. Seit etwa 50 - 100 Jahren wird keine Plaggendüngung mehr durchgeführt.
Geplaggte Böden treten in Europa ferner in Irland und in den Niederlanden auf.

(s. a. Esch)

Plangewann

Primär entstandene Gewanne, die mit ihren rechteckigen Gewannumrissen oder ihren gleichen Parzellenzahlen ein typisches Beispiel frühneuzeitlicher Landvergabe darstellen. Bei der Anlage von Plangewannfluren wurde meist eine den Bedürfnissen der Dreizelgenbrachwirtschaft entsprechende Gemengelage berücksichtigt. Sie bot eine übersichtliche, gerechte und nach früherem Empfinden ästhetische Landschaftsgliederung.

Plantage

Großbetriebliche, arbeitsteilig organisierte Pflanzung von Baum- und Strauchkulturen mit Lohnarbeitsverfassung, die häufig auch über eigene Aufbereitungsanlagen für ihre Ernteprodukte verfügt (Rohrzucker-, Sisal-, Teefabrik usw.). Die erzeugten pflanzlichen Produkte sind für den Binnen- und den Weltmarkt bestimmt. Eine Plantage wird mit hohem Kapitaleinsatz und zahlreichen Arbeitskräften betrieben und hebt sich von bäuerlichen Betrieben ab durch starke Rationalisierung, Technisierung und Spezialisierung. Die Zielsetzung ist in der Regel die Maximierung der Kapitalrendite und des Unternehmergewinns. Die Flexibilität der Entscheidungen über die Produktionsrichtung ist ein wichtiges Merkmal von Plantagen. Von gleicher Bedeutung kann die erforderliche oder vorhandene Verarbeitungsindustrie sein. Ausmaß der vertikalen Integration (agrares Rohprodukt, Verarbeitung, Verpackung) sowie die Dauer der Investitionsperiode erlauben eine Differenzierung in verschiedene Plantagen-Betriebssysteme.

Plantagen waren wesentliche Komponenten der Kolonialwirtschaft. Große, oft an Börsen notierte und als "Töchter" transnationaler Lebensmittelkonzerne geführte Plantagen waren mächtige Faktoren des wirtschaftlichen und politischen Systems. In den später unabhängigen Staaten wurden die Plantagen wie z.B. in Indonesien und Malaysia überwiegend nationalisiert, d. h. einheimischen Gesellschaften übertragen oder insbesondere in den sozialistischen Ländern Vietnam, Laos und Burma verstaatlicht.

Die Plantage ist nicht an einen bestimmten Landschaftsgürtel gebunden, kommt aber vorwiegend in den Subtropen und Tropen vor. Hafennähe, aber Marktferne sind auch heute noch charakteristisch für die meisten Plantagen bzw. Plantagengebiete.

Obwohl gelegentlich schon Pflanzungen ab 100 ha zu den Plantagen gerechnet werden, sieht man als Minimum für eine rentable Aufbereitung 7.500 ha Zulieferfläche bei Ölpalmen, 6.000 ha bei Naturkautschuk und 600 ha bei Tee an.

Rein ökonomisch sprechen folgende Punkte für diese Anbauform:

Risiken der spezialisierten und häufig monokulturellen Plantagenwirtschaft bestehen in Marktunsicherheiten, Pflanzenkrankheiten und Bodenerschöpfung. Verstärkt wird mit Mischkulturen das Risiko gemindert. Nachteilig ist auch das Herausreißen vieler Lohnarbeiter aus ihren traditionellen Lebensformen, die Trennung der männlichen Arbeiter von ihren Familien, die Vernachlässigung der eigenen Nahrungsproduktion und die verstärkte Abhängigkeit vom monetären Einkommen bei gleichzeitig unzureichendem sozialen Netz. Teilweise beherrschen gewisse Plantagenbetriebe in bestimmten Ländern unter Verantwortung multinationaler Unternehmen weite Felder der jeweiligen Volkswirtschaft. Plantagenwirtschaft kann zu sozialer Differenzierung und damit einhergehenden Spannungen führen.
Die Alternative zu einer international organisierten Plantagenwirtschaft und einer erfolgreichen gemeinschaftlichen Organisation für die Aufbereitung und Vermarktung der betreffenden Produkte ist eine Ökonomie der Selbstversorgung und der Bündelung unzähliger agrarischer Kleinbetriebe.

Wichtige Produkte und Verbreitungsgebiete der Plantagenwirtschaft sind:

Die meisten Plantagengebiete liegen transportgünstig in Küstennähe und besitzen eine gute Verkehrs- und Umschlagsinfrastruktur.

Historisch lassen sich folgende Etappen bis zur heutigen Situation aufzeigen:

Platzdorf

Gruppensiedlung mit polarer Anordnung der Hausstätten um eine Freifläche, durch die die Grundrißgestalt des Wohnplatzes bestimmt wird. Die Freiflächen der Platzdörfer befinden sich i.d.R. in Gemeindebesitz. Ihre ursprünglichen Funktionen können wirtschaftlicher (Nachtweide, Teich), politisch-sozialer (Versammlungsplatz, Rechtsprechung) Natur gewesen sein oder eine übersichtlich-repräsentative Ortsgestaltung bezweckt haben. Platzdörfer besitzen fast immer nur relativ kleine Gehöftzahlen. Man unterscheidet Rechteckformen und Rundformen.

(s. a. Fortadorf, ländliche Siedlungsform, Rundling)

PLENUM

PLENUM steht für "Projekt des Landes zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt". Es ist ein Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg, durch das in derzeit fünf Projektgebieten Naturschutz- und Umweltziele durch eine naturschutzorientierte Regionalentwicklung nicht von „oben nach unten“, sondern auf freiwilliger Basis durch die Bevölkerung „von unten nach oben“ umgesetzt werden sollen. Ziel ist es darüber hinaus, nach dem Motto „Schützen durch Nützen“ modellhafte Vorgehensweisen in der Verknüpfung von Naturschutz mit wirtschaftlichen Entwicklungen zu erproben. Handlungsfelder können dabei in der naturverträglichen Land- oder Forstwirtschaft, der Vermarktung von regionalen Produkten, dem sanften Tourismus, dem direkten Naturschutz, der Umweltbildung oder im Bereich der erneuerbaren Energien beziehungsweise der Förderung umweltschonender Wirtschaftsweisen liegen.In den ausgewählten Projektgebieten können Projekte, die zur Unterstützung und Umsetzung dieser Ziele beitragen sowie bestimmten ökologischen Kriterien entsprechen, finanziell gefördert werden.

PLENUM entspricht in einigen Punkten dem EU-Förderprogramm LEADER, nur dass es auf Landesebene angesiedelt ist. Inzwischen gilt das Förderprogramm bundesweit als Vorreiter im Bereich Partizipation und Naturschutzökonomie.

Weitere Informationen:

Polargrenze

Die Polargrenzen sind Anbaugrenzen, die aufgrund eines unzureichenden Wärmeangebots die polwärtige Verbreitung des Anbaus markieren. Primärer Minimumfaktor ist die Wärme, ihr Defizit kann durch die erhöhte Einstrahlung während des langen Polartags nur bedingt ersetzt werden. Pionierpflanzen sind Gerste, Hafer und Kartoffeln.

Die Polargrenze des Getreidebaus wird auf der Südhalbkugel nur in Südamerika, und zwar bei etwa 43° S, erreicht. In Nordamerika endet der flächenhafte Anbau im westlichen Kanada bei etwa 55° N; weiter nördlich liegen einige Anbauinseln, deren Produktion wirtschaftlich unbedeutend ist. In der Alten Welt erreicht der großflächige Getreidebau in Norwegen seine Polargrenze bei 64°, geht aber sonst kaum über 60° hinaus - ausgenommen in Finnland, das als einziger Staat der Welt fast nur über Ackerflächen nördlich des 60. Breitengrades verfügt und aus Autarkiegründen seine Produktion trotz niedriger Erträge wenigstens teilweise aufrechtzuerhalten sucht.

Der folgende Vergleich von Hektarerträgen Finnlands mit denen Dänemarks ist ein Beleg für die Auswirkungen des Wärmemangels.

Ackerland in Deutschland nach Hauptfruchtgruppen in 1 000 Hektar

Quelle: FAO. Production Yearbook 1994

(s. a. Höhengrenze, Trockengrenze)

Polyptychon

Polyptychen nennt man die umfassenden Güterbeschreibungen von Grundherrschaften, die während des Frühmittelalters und besonders im 9. und 10. Jahrhundert angelegt wurden. Das Wort Polyptychon ist griechischer Herkunft und bezeichnet in der Spätantike die Register des Katasters. Wieviel die frühmittelalterlichen Polyptychen von diesen spätrömischen Katasterregistern übernommen haben ist weitgehend ungeklärt. Die Polyptychen der Karolingerzeit enthalten Angaben über die einzelnen Bestandteile einer Grundherrschaft, insbesondere die Zweiteilung der Villikationen in Fronhof und abhängige Hufen und mehr oder weniger umfangreiche Auskünfte über die Hufenbauern, ihren Stand und ihren Besitz, ferner Angaben über Abgaben und Frondienste, zu denen sie verpflichtet sind.

Pomarium

Im mittelalterlichen Garten der Obstgarten (Hortus holerorum, Hortus sanitatis, Patio)

Polykultur

Im Gegensatz zur Monokultur ein zeitlich und räumlich gemischter Anbau mit u.a. folgenden Charakteristika:

Portionsweide

Auch Rationsweide; eine Einzelkoppel wird mit einem Elektrozaun in Tagesportionsflächen unterteilt. Da die Tiere gezwungen sind, das Futter in sehr kurzer Zeit zu fressen (6 - 10 Stunden/Tag), wird eine bessere Ausnutzung erreicht, die Selektionsmöglichkeit ist geringer. Somit ist die Portionsweide eine Form der Umtriebsweide mit schärfster Futterzuteilung nach Zeit und Raum und findet vor allem in der Form der Mähweide ihre Vervollkommnung.

Die Portionsweide wird nur für Milchvieh betrieben. Sie setzt hofnahe Flächen voraus, denn sie ist arbeitsintensiv.

(s. a. Standweide, Weide)

postglazialer Biodiversitätswandel (Mitteleuropa)

Die nacheiszeitliche Faunen- und Vegetationsentwicklung ging einher mit dem wachsenden Einfluss des Menschen als Bestandteil und Gestalter seiner Umwelt und damit auch der Biodiversität.

Der entscheidende anthropogene Einfluss setzte ein, als vor ca. 5.000 Jahren der Übergang von der nomadischen Lebensweise zum Leben in mehr oder weniger permanenten Siedlungen begann. Dieser Prozess wurde durch den Übergang vom Sammeln und Jagen zur Landwirtschaft verursacht. Der entsprechende Zeitraum wird als neolithische Revolution bezeichnet. Zu dieser Zeit erfolgte eine gezielte Abholzung der Wälder, nicht nur zur Holzgewinnung, sondern auch zur Urbarmachung von Flächen für die Landwirtschaft. Mitteleuropa und damit auch Deutschland war damals zu über 90 % mit Wäldern bedeckt, lediglich der alpine Bereich und größere stark vernässte oder überschwemmte Flächen (z.B. Hochmoore, Flussauen, Küstenmarschen) waren waldfrei.

Der Hauptteil der angebauten Kulturpflanzen kam weitgehend aus Südeuropa und Kleinasien und stellte eine Bereicherung der lokalen Artenpools dar. Mit den Kulturpflanzen kamen auch viele Begleitpflanzen (z.B. Ackerwildkrautarten) und -tiere mit, die ganz erheblich die Artenvielfalt bereicherten. Zusätzlich passten sich einheimische Arten an die Ackernutzung an. Auch begannen viele Tierarten (Kulturfolger) diese neuen Lebensräume zu nutzen, beispielsweise Rebhuhn, Großtrappe, Feldhase, Kaninchen.

Obwohl große Waldflächen verschwanden, verringerte sich die Artenvielfalt nicht, da die bestehenden Wälder ausreichten, den Fortbestand typischer Waldarten zu sichern.

Generell führte das Aufkommen der Landwirtschaft zu einer Erhöhung der Biodiversität in Mitteleuropa. Dies änderte sich bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht entscheidend.

Mit der Entdeckung Amerikas und der Zunahme des Handels und Verkehrs konnten sich in Mitteleuropa immer mehr neue Arten in Mitteleuropa etablieren. Dieser Prozess verstärkte sich mit der industriellen Revolution. Die sich rasch entwickelnde Industrie war nicht nur für die vielen neuen Verkehrswege verantwortlich, sondern führte auch zu einer schnellen Ausweitung städtischer Siedlungen zu Lasten agrarisch genutzter Flächen. Damit verbunden war aber auch die Ausweitung der Gärten und städtischen Parks sowie die Nutzung und Kultivierung zahlreicher neuer Kultur- und Zierpflanzen und von vielen neuen Haustieren. Betrachtet man nur die Flora Deutschlands, so sind heute rund 18 % aller Arten nach 1500 eingewandert (Neophyten).

Mit der weiteren Ausdehnung der Industrie, der Entwicklung industrieller Technologien in der Landwirtschaft und der zunehmenden Urbanisierung veränderte sich die Situation im 20. Jahrhundert ganz entscheidend. Lokal und regional begann ein bis dahin nicht gekannter Artenrückgang. Ganz wesentlich trug hierzu die moderne industrielle Landwirtschaft bei. Dieser Prozess verschärfte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entscheidend. Landwirtschaftliche Nutzflächen wurden immer stärker für die Energieproduktion bzw. zur Herstellung von industriellen Rohstoffen eingesetzt. Damit einhergehend wurden wertvolle Biotope in der Landschaft beseitigt, Lebensräume wurden isoliert und die Stickstoffeinträge stiegen.

Landnutzungswandel, Eutrophierung, Klimawandel, zunehmende Fragmentierung der Landschaft und Isolation von Biotopen und Populationen, Zunahme fremdländischer Arten sind die entscheidenden Faktoren des aktuellen und kommenden Biodiversitätswandels insgesamt, aber vor allem des Biodiversitätsverlustes.

Vom Artenschwund sind am stärksten die Agrarlandschaften betroffen. Die Betrachtung dieser Landschaften ist deshalb von großer Bedeutung, weil sie noch immer mehr als 50 % der Landesfläche Deutschlands ausmachen und gegenwärtig neuen Ansprüchen ausgesetzt sind. Noch im 19. Jahrhundert bildeten reich strukturierte Landschaften, die geprägt waren durch unterschiedliche Landnutzungsformen und einen hohen Anteil an naturnahen Habitaten, die Grundlage für einen hohen Artenreichtum in Mitteleuropa. Im vergangenen Jahrhundert führten jedoch die genannten Einflüsse zu wenig strukturierten und homogenisierten Landschaften mit geringem Artenreichtum. (Mosbrugger et al., 2012)

Prärie

Steppenlandschaft Nordamerikas, die sich von Kanada (ca. 55°N) bis zum Golf von Mexiko (ca. 30°N) erstreckt. Zu unterscheiden sind Langgrasprärie, gemischte Prärie und Kurzgrasprärie, die entsprechend der abnehmenden Niederschläge von Osten nach Westen aufeinander folgen.

Precision Farming

Auch Precision Agriculture oder Präzisionslandwirtschaft; landwirtschaftliche Bestell- und Bearbeitungstechnik, bei der mit Hilfe von GPS und Ackerschlagdateien eine teilflächenspezifische Aussaat sowie bedarfsorientierte Pestizidanwendung und Düngung punktgenau ermöglicht wird. Das Verfahren trägt den schlaginternen Variationen von Wachstumsbedingungen und Erträgen der Kulturpflanzen Rechnung. Beispielsweise ermittelt der Landwirt mit Hilfe von Bodenproben (Rasterbeprobung) und einem GPS-Empfänger den differenzierten Nährstoffbedarf der unterschiedlichen Pedons (homogene Bodenkörper) eines Ackerschlages, speichert die geocodierten Werte auf einer Chip-Karte und überträgt sie auf dem Hofcomputer in eine digitale Nährstoffkarte. Dies geschieht mit Hilfe einer GIS-Software, die die Meßdaten in Schlagdateien ablegt. Ein GIS führt die notwendigen räumlichen Verknüpfungen und geostatistischen Bewertungen durch. So errechnet es die individuellen Düngermengen, die auf jeder Teilfläche des Schlages ausgebracht werden müssen, um überall die gleiche Nährstoffmenge zu erreichen. Ein ebenfalls mit GPS-Empfänger und EDV ausgestatteter Traktor mit (Mehrkammer-) Düngerstreuer übernimmt den praktischen Teil. Die nötigen Informationen für eine bedarfsgenaue kleinräumige Düngung erhält der Traktor mit seinem Leitrechner vom Hofcomputer und gibt sie an den Düngerstreuer weiter. Bei der Ernte registriert der mit GPS-Technik bestückte Mähdrescher über Durchflußmeßgeräte, wieviel Getreide jede Teilfläche des Ackers erbringt. Gleichzeitig kann der Feuchtegehalt des Druschgutes ermittelt werden. Zur Auswertung werden mit den Rohdaten (Bodenart, Nährstoffgehalte, Feuchtigkeit, pH-Wert, Ernteertrag) Äquifertile erstellt, die in der Schlagdatenbank gespeichert und in der Ertragskarte dargestellt werden können. Die gewonnenen Daten dienen als Grundlage für die Düngung im kommenden Jahr.

Ferner können Feldauffälligkeiten aufgezeichnet und in einer Boniturkarte dokumentiert werden, z.B. Unkrautnester (Luftbilder, Feldbegehung), räumliche Häufungen von Schadorganismen und Krankheiten oder Hindernisse wie Brunnen, Felsen oder große Steine. Weitere mögliche Applikationskarten können so den Pflanzenschutz (Spritzplan) oder die Aussaat beinhalten mit Informationen zur differenzierten Durchführung dieser Arbeitsgänge. Das terrestrische Monitoring von Agrarflächen kann mit Fernerkundung durch Flugzeuge und Satelliten ergänzt werden, deren Bilder ebenfalls in einem GIS räumlich definierbar sind. Beispielsweise helfen Luftaufnahmen zu erkennen, wo Trassen alter Wege oder ehemaliger Feldgrenzen verlaufen, wo Scheunen, Dungstätten, Brunnen oder Bäume standen, die das Ergebnis von Bodenproben extrem verfälschen können.

GPS-Technologie kann zusätzlich zur Überwachung und Steuerung des Maschinenparks von agraren Großbetrieben oder Lohnunternehmen bei Überlandfahrten eingesetzt werden.

Als Grundlage der thematischen Karten (Overlay-Technik) werden digitalisierte Rasterkarten verwendet, und zwar in Deutschland von drei verschiedenen Kartentypen:

Die Karten können zusätzlich mit einem Digitalen Höhenmodell hinterlegt werden.
Mit dem Precision Farming, also dem räumlich gezielten Einsatz von bestimmten pflanzenbaulichen Arbeitsgängen, erwartet man u.a. die folgenden Effekte:

Eine Weiterentwicklung des Systems zielt zunächst auf eine Ausdehnung der lokalen Ertragsermittlung auf die Ernte weiterer Feldfrüchte (Zuckerrüben und Kartoffeln, Häckselgut wie Silomais, Halmgut wie Heu und Grassilage sowie bedeutende Sonderkulturen wie Baumwolle und Zuckerrohr), um damit die Ertragsverhältnisse ganzer Fruchtfolgen aufzeichnen und analysieren zu können. Weiter entfernt liegt noch der Einsatz von Robotern, die unbemannt und vollautomatisch die Felder bearbeiten. Teilweise wird Precision Farming bereits jetzt eine agrarhistorische Bedeutung vom Range der Einführung von Mechanisierung und Kunstdünger zugeschrieben.

(s. a. lokales Ressourcenmanagement)

Produktionsfaktoren

Die Stoffe und Kräfte, welche Gütererzeugung bewirken.

Die wichtigsten Produktionsfaktoren der Landwirtschaft

Die zur Produktion erforderlichen und an Bedeutung zunehmenden unternehmerischen Fähigkeiten werden entweder dem Faktor "Arbeit" zugerechnet oder als eigenständiger, vierter Produktionsfaktor mit unterschiedlichen Bezeichnungen und Abgrenzungen (volkswirtschaftliche Begriffe wie "Dispositiver Faktor", "Humankapital") gewertet.

Zum Faktor Boden gehört die landwirtschaftliche Nutzfläche und damit vor allem deren natürliche Qualität, die durch Relief, Klima, Bodenart, Bonität u.ä. bestimmt wird. Die Boden- oder Flächenintensität wird in der Regel durch den Mengenertrag je Hektar ausgedrückt. Der Boden nimmt unter den drei Faktoren eine Sonderstellung ein, da er überhaupt erst die Voraussetzung für den Einsatz von Kapital und Arbeit schafft. Der Faktor Arbeit umfasst den körperlichen und geistigen Einsatz des Menschen im Produktionsprozess. Die aufgewendeten Arbeitsstunden je Hektar kennzeichnen den Grad der Arbeitsintensität. Zum Produktionsfaktor Kapital gehören alle baulichen und technischen Betriebsmittel wie Gebäude, Maschinen, Vieh, Dünger, Geld u.a. Durch Kapital wird einmal die Bodenproduktivität verbessert und vor allem die menschliche Arbeit ersetzt. Dies führte in den Industrieländern zu einer hohen Kapitalintensität innerhalb der Landwirtschaft.

Einzelne Klimazonen sind durch unterschiedliche Kombinationen von Produktionsfaktoren gekennzeichnet, z.B. sind in ariden Regionen Arbeitskraft und Kapital teuer, der Boden demgegenüber billig. In gemäßigten Klimaten ist der Boden und die Arbeitskraft teuer, mit der Folge kleiner Betriebe, dem Ersatz von Arbeitskraft durch Kapital und höchster Flächenproduktivität.

Produktionsgemeinschaft

Kooperationsform mit zwei Typen: Bei Betriebszweiggemeinschaften werden die Produktion sowie vor- und nachgelagerte Funktionen landwirtschaftlicher Unternehmen ganz oder teilweise zusammengeführt. Notwendige Investitionen werden gemeinsam getätigt; neben die alten individuellen Einheiten, die (teilweise) fortbestehen, tritt ein neuer selbständiger Gemeinschaftsbetrieb.

Eine Betriebsgemeinschaft/-fusion beinhaltet demgegenüber den Zusammenschluß von Wirtschaftseinheiten unter vollständiger Aufgabe der Selbständigkeit; die ursprünglichen Wirtschaftseinheiten werden dabei aufgelöst.

Produktionsintensität

Höhe von Arbeits- und Sachaufwand plus Zinsanspruch je Hektar.

(s. a. Intensität, Produktivität)

Produktionstechnik

Landwirtschaftliche Produktionstechnik ist der geplante Einsatz von Maßnahmen der Bodenbearbeitung, der Fruchtarten- und Sortenwahl, der Aussaat, der organischen und mineralischen Düngung und des Einsatzes von mechanischen, biologischen und chemischen Pflegemaßnahmen im Acker- und Pflanzenbau mit dem Ziel,

Die Produktionstechnik wird durch den Boden, die Witterung und die Zielsetzungen des Landwirts bestimmt.

Produktionswert

Der Produktionswert (in EG-Veröffentlichungen auch Endproduktion genannt) der Landwirtschaft umfaßt alle mit durchschnittlichen Verkaufspreisen bewerteten Verkäufe von landwirtschaftlichen Erzeugnissen an andere Wirtschaftsbereiche, den Eigenverbrauch, die Vorratsveränderungen bei pflanzlichen und tierischen Produkten, die selbsterstellten Anlagen (z.B. zur Viehhaltung) und die Dienstleistungen auf der landwirtschaftlichen Erzeugerstufe (u.a. Neuanpflanzungen von Dauerkulturen). Die Warenströme innerhalb der Landwirtschaft (z.B. Futtermittel, Saatgetreide) werden nur dann als Verkäufe im Produktionswert bzw. als Zukäufe in den Vorleistungen berücksichtigt, wenn eine außerlandwirtschaftliche Stufe (z.B. Zwischenhandel, Mischfutterindustrie) eingeschaltet ist. Nicht enthalten sind die Ausgleichszahlungen im Rahmen der EG-Agrarreform. Diese werden in der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung unter den Subventionen verbucht.

In der Forstwirtschaft werden als Produktionswert der Rohholzeinschlag, Nebenprodukte und die Dienstleistungen auf der forstwirtschaftlichen Erzeugerstufe bewertet.

Der Produktionswert der deutschen Landwirtschaft wird für 2016 auf 50,0 Milliarden Euro geschätzt.

Produktivität

Eine Maßgröße für die Ergiebigkeit der in der Produktion eingesetzten Produktionsfaktoren. Sie wird ausgedrückt im Verhältnis zwischen Produktionsertrag (Output) und einem Produktionsfaktor (Input). (Intensität)

Man unterscheidet folgende Produktivitäten:

Die deutsche Landwirtschaft hat es in den letzten Jahren geschafft, ihre Produktivität deutlich zu steigern; allein von 1991 bis 2011 stieg die Arbeitsproduktivität um 123 %. Vor 100 Jahren galt Deutschland noch als Agrarstaat. In der Landwirtschaft arbeiteten rund 38 Prozent aller Erwerbstätigen und erwirtschafteten so einen Anteil von knapp 30 Prozent an der gesamten Bruttowertschöpfung des Staates. Ein Landwirt erzeugte um 1900 mit seiner Arbeit aber nur Nahrungsmittel für etwa vier Menschen.

1950 konnte ein Bauer bereits zehn und nur weitere zehn Jahre später bereits 17 Menschen mit seiner Arbeit "satt machen". In den darauffolgenden Jahren nahm die Produktivität in der Landwirtschaft immer weiter zu. 1980 konnte ein Landwirt bereits so viele Nahrungsmittel produzieren, dass er 47 Personen ernähren konnte. Bis zum Jahr 2000 stieg diese Zahl auf 127. Heute kann ein Landwirt rein rechnerisch sogar 133 Personen ernähren.

Die enorme Leistungssteigerung wurde vor allem durch verbesserte Produktionsmethoden wie leistungsstärkere Landmaschinen, effektive Pflanzenschutzmittel und neue Getreidesorten möglich. So wurden innerhalb der vergangenen 100 Jahre Zugtiere durch motorisierte Maschinen ersetzt, Fütterungsprozesse konnten automatisiert und präzisiert werden. Seit einigen Jahren bestimmt darüber hinaus immer mehr die moderne EDV den Technikeinsatz in der Landwirtschaft.

Produktivitäten dürfen nicht mit Kennziffern der Rentabilität (z.B. Ertrag/Aufwand, Leistung/Kosten) verwechselt werden, die die monetäre Effizienz des Faktoreinsatzes, d.h. die Wirtschaftlichkeit charakterisieren sollen.

Protektionismus

Maßnahmenkomplex, mit dem ein Staat inländische Produzenten vor der ausländischen Konkurrenz schützt oder sie begünstigt. Protektionistische Instrumente sind Zölle und mengenmäßige Einfuhrbeschränkungen, außerdem Vorschriften, die ausländische Wettbewerber diskriminieren und behindern oder die Subventionierung der eigenen Produzenten. Mit der Einführung des Gemeinsamen Marktes geht unter Drittländern die Befürchtung einher, daß die Europäische Union als "Festung Europa" den Freihandel zugunsten der eigenen Produzenten beschränken wird. Häufiger Gegenstand des Protektionismusvorwurfs ist die Gemeinsame Agrarpolitik.

(s. a. GATT, WTO)

Pufferung

Fähigkeit des Bodens, Stoffe zu binden und wieder abzugeben. Säuren und Basen werden ausgeglichen (neutralisiert) und führen nicht zu schnellen Änderungen des pH-Wertes.

Pufferzone

Fläche, die Areale mit besonderer Schutzwürdigkeit bzw. Schutzbedürftigkeit vor einer Gefährdung durch umgebende Nutzungen und den davon ausgehenden Belastungen schützen soll. Pufferzonen unterliegen meist bestimmten Nutzungsbeschränkungen.