Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

K

Kaffee

Von arab. qahwa = Kaffee als Getränk; schwarzes, psychotropes, koffeinhaltiges Heißgetränk, das aus gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen, den Samen aus den Früchten der Kaffeepflanze, und heißem Wasser hergestellt wird. Röst- und Mahlgrad variieren je nach Zubereitungsart. Kaffee enthält das Vitamin Niacin. Je nach Sorte und Anbauort gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen. Kaffee wird heute in über 50 Ländern weltweit angebaut. Kaffee ist ein Genussmittel.

Die Bezeichnung Bohnenkaffee dient der Unterscheidung von sogenanntem Ersatzkaffee (aus Zichorien, Gerstenmalz usw.).

Pflanze

Die Kaffeebohnen werden aus den dunkelroten, kirschenähnlichen Steinfrüchten verschiedener Pflanzenarten (Kaffeestrauch, Kaffeebaum, Kaffeepflanze, Coffea) aus der Familie der Rubiaceae (Krappgewächse) gewonnen. Es gibt ca. 40 im tropischen Afrika und Asien heimische Arten. Die wirtschaftlich wichtigsten Arten der Kaffeepflanze sind Coffea arabica (Arabica-Kaffee) aus Äthiopien und Coffea canephora (Robusta-Kaffee) aus dem tropischen Afrika mit vielen Sorten/Varietäten, sowie - in weit geringerem Maße - der Liberia-Kaffee (Coffea liberica) aus dem tropischen Westafrika. Erste Erträge liefern 3 bis 4 Jahre alte Sträucher, ab einem Alter von etwa 20 Jahren geht der Ertrag je Strauch zurück.

In kälteren Regionen läßt sich der dekorative, im Freiland bis zu 5 m hohe Kaffeestrauch auch als etwa 1 m hohe Zimmerpflanze kultivieren. Eine Zwergform blüht und fruchtet bereits mit rund 50 cm Höhe.

Geschichte

Die Kultivierung des aus dem zentralafrikanischen Hochland stammenden tetraploiden Arabischen Kaffees begann bereits 1000 n.Chr. an der Küste des Roten Meeres durch die Araber. Die Sitte des Kaffeetrinkens wurde dann von den Türken übernommen (im 16. Jh.) und gelangte schließlich im 17. Jh. nach Europa. Infolge rasch wachsender Beliebtheit entstanden schon im 18. Jh., insbesondere durch die Holländer, ausgedehnte Kaffeeplantagen sowohl in Südostasien, in Indien und auf Ceylon (heute Sri Lanka). Von diesen Plantagen gelangten 1710 mehrere Exemplare nach Europa und wurden hier in verschiedenen botanischen Gärten kultiviert, zum Beispiel in Amsterdam, wo erstmals ein Kaffeestrauch auf europäischem Boden gezogen wurde.

1718 brachten die Holländer den Kaffee nach Surinam, die Franzosen 1725 nach Cayenne, 1720/1723 nach Martinique, 1730 nach Guadeloupe, und durch die Portugiesen gelangten 1727 die ersten Kaffeepflanzen nach Brasilien, wo wie überall in der lateinamerikanischen Plantagenwirtschaft afrikanische Sklaven arbeiten mussten. Erst später begann der Kaffeeanbau auch im tropischen Afrika.

Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Kaffee zu den am weitesten verbreiteten Kulturpflanzen in den Tropen. Dies ist auch auf die Ausbreitung der europäischen Kolonien zurückzuführen, ohne die die heutige weltweite Verbreitung des Kaffees nicht zu verstehen ist.

Schließlich exportierten die Europäer den aus den Überseekolonien bezogenen Kaffee sogar in das Osmanische Reich, von wo aus er ursprünglich seinen Siegeszug um die Welt angetreten hatte; dementsprechend ging dort der Anteil jemenitischen Kaffees zurück.

Anbau

Kaffee-Sträucher (oder -Bäume) benötigen ein ausgeglichenes Klima ohne Temperaturextreme, ohne zu viel Sonnenschein und Hitze. Die Durchschnittstemperaturen sollen zwischen 18 und 25 °C liegen, die Temperatur soll 30 °C nicht überschreiten und darf 13 °C nicht häufig unterschreiten, die Pflanzen vertragen keine Temperatur unter 0 °C. Der Wasserbedarf beträgt 250 bis 300 mm/Monat, weshalb die jährliche Niederschlagsmenge 1500 bis 2000 mm betragen muss, bei unter 1000 mm/a wird bewässert, bei unter 800 mm/a wird Kaffee nicht angebaut. Robusta-Kaffee benötigt höhere Niederschlagsmengen als Arabica-Kaffee. Viel Wind und Sonnenschein schaden, Hecken und Schattenbäume schaffen diesbezüglich bessere Bedingungen. Der Boden muss tiefgründig, locker und durchlässig (gut „durchlüftet“), oben humos sowie neutral bis leicht sauer sein.

Die Anbaugebiete liegen entsprechend den Ansprüchen zwischen den Wendekreisen, bei Arabica-Kaffee in Höhen von etwa 600 bis 1200 m NN, bei Robusta-Kaffee zwischen 300 und 800 m NN. Hochlandkaffees (Arabica) haben eine besonders hohe Qualität.

Der Anbau von Kaffee erfolgt auf kleinen Feldern oder kommerziellen Pflanzungen mit oder ohne Beschattung, manchmal noch in Wäldern, mit oder ohne Mischkultur (intercropping), mit oder ohne Bewässerung. Nach Einschätzung der International Coffee Organization produzieren etwa 25 Mio. Kleinbauern und ihre Familien etwa 70 % der Weltkaffee-Ernte, der Rest wird von größeren Einheiten, meist Plantagen, erzeugt.

Kaffee wird vorwiegend durch Samen vermehrt, aber auch durch Stecklinge oder durch Pfropfen. Die Samen (Kaffeebohnen) haben 8 Wochen nach der Fruchtreife die höchste Keimfähigkeit, sie nimmt danach ab. Sie werden vom Pergamenthäutchen befreit und in Keimbetten ausgesät. Die zwei ersten Blätter des Keimlings erscheinen nach 5 bis 6 Wochen. Dann werden die Jungpflänzchen in Behälter umgepflanzt und in Pflanzschulbeeten weiter kultiviert. Im Alter von 8 Monaten werden sie gepflanzt, je nach Sorte in Abständen von ein bis vier Metern. Sie werden beim weiteren Wachstum in der Höhe beschnitten, je nach Bedarf auf 1,5 bis 3 m. Im Alter von 3 bis 5 Jahren ist der Ertrag optimal und bleibt 10 bis 20 Jahre maximal, danach sinkt er.

Einmal im Jahr wird geerntet, in einigen Anbaugebieten auch zweimal. Nördlich des Äquators liegt die Ernte in der Zeit von Juli bis Dezember, südlich des Äquators in der Zeit von April bis August. In der Nähe des Äquators kann die Ernte in allen Jahreszeiten erfolgen. Die Ernte dauert bis zu 10 oder sogar 12 Wochen, weil die Früchte auch am selben Strauch unterschiedlich lange für die Reifung benötigen. Wird mit der Hand so gepflückt, so dass nur die jeweils reifen Früchte geerntet werden, erzielt man bessere Qualität. Besonders Arabica-Kaffee wird selektiv handgepflückt ("Picking-Methode"). Geringere Qualität muss in Kauf genommen werden, wenn jeweils alle Früchte unabhängig von ihrem Reifegrad mit der Hand oder mit Maschinen abgestreift werden ("Stripping-Methode"), um Arbeit zu sparen. Nachsortieren verbessert jedoch dabei die Qualität. Strip-Ernte wird bei Robusta-Kaffee angewendet und bei Arabica-Kaffee in Brasilien und Äthiopien, der danach trocken aufbereitet wird. Auf großen Plantagen in Brasilien werden Erntemaschinen angewendet.

Der Rohkaffee-Ertrag beträgt im Weltdurchschnitt etwa 680 kg/ha, in Angola 33 kg/ha, in Costa Rica 1620 kg/ha, neue Plantagen in Brasilien ergeben 4200 kg/ha. Um einen Sack mit 60 kg Rohkaffee zu erhalten, ist die Ernte von 100 gut tragenden Arabica-Bäumen erforderlich.

Von der Art Arabica-Kaffee (Coffea arabica) existierten 2005 weltweit zirka zehn Milliarden, von der Art Robusta (Coffea canephora) zirka vier Milliarden Pflanzen. Zusammen liefern diese beiden Arten 98 % des weltweit erzeugten Rohkaffees. Robusta-Kaffee stammt meist aus Westafrika, Uganda, Indonesien und Vietnam, aber auch aus Brasilien und Indien. Arabica-Kaffee wird vor allem in den Ländern Lateinamerikas, in Ostafrika, Indien und Papua-Neuguinea angebaut. 70 % des Kaffees stammt aus kleinbäuerlichen Betrieben.

Aufbereitung

Die Gewinnung des Rohkaffees (Endosperm) erfolgt durch trockene oder nasse Aufbereitung. Beim erstgenannten Verfahren werden die reifen Früchte zunächst in der Sonne getrocknet, bevor Fruchtfleisch, Hornschale und Silberhaut maschinell abgeschält werden. Beim zweiten Verfahren wird ein Teil des Fruchtfleisches gleich nach der Ernte, der Rest durch 1–3 Tage lange Gärung in wassergefüllten Fermentationsbecken und anschließendes Waschen entfernt. Der so erhaltene „Hornschalen-Kaffee“ wird vor dem Schälen zunächst getrocknet und nach Größe, Form und Qualität sortiert. Früchte mit nur einem rundlichen Samen liefern hierbei den sog. „Perlkaffee“. Der in den Handel kommende graugrüne Rohkaffee erhält sein charakteristisches Aroma und seine braune Farbe erst durch das Rösten (bei ca. 220° C), bei dem er an Volumen zunimmt und den größten Teil seines Wassers verliert.

Handel

Rohkaffee ist heute eines der wichtigsten Welthandelsprodukte. Dabei entfallen rund 75% der Produktion auf Coffea arabica und ca. 25% auf Coffea canephora. Die Hauptanbaugebiete liegen in Süd- und Mittelamerika sowie in Westafrika und Indonesien. Insgesamt wurden 2016 weltweit 9,22 Mio. t Rohkaffee geerntet mit Brasilien, Vietnam und Kolumbien als wichtigsten Produzenten. Neben nachträglich entcoffeiniertem Kaffee könnten bald auch coffeinfreie Kaffeesorten in den Handel kommen. Kaffee wird zumeist als Getränk genossen, dient aber auch zum Aromatisieren von Konfekt, Spirituosen, Eis oder Konditoreiprodukten.

Die bedeutendsten Abnehmerländer sind die USA, Deutschland, Frankreich, Japan und Italien.

Die Internationale Kaffeeorganisation (International Coffee Organization, ICO) ist die wichtigste Internationale Organisation im Bereich des Handels mit Kaffee. Die ICO wurde 1962 unter Federführung der Vereinten Nationen gegründet. Sie hat ihren Sitz in London. Ihr gehören 77 Staaten an, darunter 45 Kaffee-Exporteure und 32 Importländer. In ihrem Rahmen wurden bislang sechs so genannte internationale Kaffeeabkommen (International Coffee Agreements, ICA) getroffen. Auch Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören der ICO als Importländer an.

Weitere Informationen:

Kahlfrost

Auch Barfrost, Blachfrost; Frost in Erdbodennähe bei Fehlen einer dämmenden Schneedecke. Er wirkt direkt auf die oberste Bodenschicht und Pflanzen ein und kann hier bei strengen Frösten wegen des Auffrierens des Bodens und damit verbundenem Zerreissen der Wurzeln zu Schäden an Winterkulturen und Gehölzen unter anderem in Landwirtschaft und Gartenbau führen.

Kakao

Im Allgemeinen Bezeichnung für die Trockenmasse, die nach Fermentieren und Rösten der Samen des Kakaobaumes neben der Kakaobutter anfällt. Der Kakaobaum trägt Spaltkapsel-Früchte mit Samen, umgangssprachlich wird die Kapsel und der Samen als Kakaobohne bezeichnet. Ebenfalls als Kakao bezeichnet wird das aus Kakaopulver zubereitete Getränk, das oft unter Zugabe von Milch- und Zucker-Produkten hergestellt wird. Kakao ist ein wichtiges Exportprodukt zahlreicher Entwicklungsländer und der Grundstoff bei der Herstellung von Schokolade.

Das Wort Kakao stammt aus dem Mixe-Zoque und ist über die Mayasprachen ins Aztekische und von dort ins Spanische gelangt, von wo es wiederum seinen Weg in die anderen europäischen Sprachen genommen hat.

Weitere Informationen:

Kakaobaum

Der Kakaobaum (Theobroma cacao) gehört zur Gattung Theobroma in der Familie der Malvengewächse. Diese Gattung umfasst rund 20 Arten: immergrüne Büsche und kleine Bäume, die im Unterholz der Regenwälder Lateinamerikas wachsen. Der Kakaobaum verdankt seinen botanischen Namen dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné, der ihm den Namen Theobroma cacao gab (aus griech. θεός theos ‚Gott‘ und βρῶμα broma ‚Speise‘).

Historisches

Bereits den Ureinwohnern Mittelamerikas galten die fermentierten und daher dunkelbraun verfärbten und anschließend getrockneten Samen der Kakaopflanze als Medizin sowie stärkende Verpflegung ihrer Krieger. Darüber hinaus waren sie für die Maya und Azteken, ziemlich sicher schon für die Olmeken, die erste Hochkultur in dieser Region, noch erheblich mehr. Man benutzte sie als Zahlungsmittel, gab sie den Toten mit auf die Reise ins Jenseits. Mit Wasser verflüssigt und weiteren Zutaten wie Chilipfeffer, Honig oder Achiote angereichert, trank die Oberschicht das kalte, lauwarm oder heiß servierte Gemisch bei ihren Festen.

Belege für die Einfuhr von Kakaobohnen nach Europa finden sich erst im 16. Jahrhundert. Erst mit der Anwendung von Rohrzucker begann der Kakao als Getränk sich zum Luxusgut zu entwickeln und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in den Adelskreisen Spaniens durchzusetzen. Es folgten Portugal, Italien und Frankreich. Bis Kakao und Schokolade zum Konsumartikel für breite Massen wurden, dauerte es weitere gut zweihundert Jahre.

Beschreibung

Ein Baum kann tausende von Blüten hervorbringen, aber nur bei 0,5 bis 5 % der Blüten ist die Bestäubung erfolgreich. Bestäubt werden die Blüten nicht wie bei Kaffee und anderen Nutzpflanzen von Bienen, sondern von kleinen Mücken. Von den sich entwickelnden Früchten verkümmern darüber hinaus bis zu 75 %. Weitere Früchte können in einem frühen Stadium durch Insekten, Pilze und Stramenopile verloren gehen. Nur wenige Früchte erreichen die Reife.

Die länglich, ellipsoiden und längsrilligen Steinfrüchte haben eine dicke, ledrige, harte Schale, sind gelb bis rot, 15 bis 20 Zentimeter lang und wiegen bis zu 500 Gramm. Unter der Schale (Exo-, Meso- und Endocarp) befinden sich in fünf Reihen angeordnet 30 bis 60 bräunliche, abgeflachte Samen, die von einem weißen, süßen und schleimigen, sehr schmackhaften Fruchtfleisch (Pulpa) umgeben sind. Die Samen sind etwa 2,5 × 1,5 Zentimeter groß.

Ansprüche und Anbau

Der Kakaobaum lässt sich nur unter bestimmten klimatischen Bedingungen kultivieren. Er trägt außerhalb 20° nördlicher und 20° südlicher Breite keine Früchte, braucht guten Boden und ausreichend Wasser; zudem verträgt er keine Temperaturen unter 16 °C und ist anfällig für Krankheiten und Pilze. Da er zur Bestäubung auf Mücken und kleine Fliegen angewiesen ist, liebt er Schatten und verrottendes Laub. Der für den optimalen Wuchs benötigte Schatten wird durch den Einsatz sogenannter Kakaomütter gewährleistet. Teilweise wird diese noch aus dem amazonischen Regenwald stammende Eigenheit beim plantagenmäßigen Anbau durch eine Mischbepflanzung mit beispielsweise Kokospalmen, Bananenstauden, Kautschuk, Avocado oder Mango berücksichtigt. Zum Teil eignen sich aber auch einheimische Waldbäume für den Zwischenstand. Damit wird ferner ein gewisser Windschutz erreicht, der Wuchs durch die Schattenlage und Schnitt auf etwa vier bis sechs Meter Höhe begrenzt und die Ernte durch die geringere Höhe erleichtert. Ohne diese Maßnahme kann ein Kakaobaum bis zu 15 Meter hoch werden.

In Plantagen wird Kakao zweimal im Jahr geerntet: das erste Mal zum Ende der Regenzeit bis zum Beginn der Trockenzeit, das zweite Mal zu Beginn der nächsten Regenzeit; dabei gilt die erste Ernte als hochwertiger.

Die Hauptanbaugebiete haben sich inzwischen von Mittelamerika nach Afrika verlagert. Führend im Anbau sind die Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) und Ghana. Auf sie entfallen mehr als die Hälfte der weltweiten Kakao-Produktion (4,7 Millionen Tonnen 2016/17). Weitere wichtige Anbauländer sind Indonesien und Ecuador. Die zehn größten Produktionsländer ernteten zusammen etwa 93,0 % der Welternte. Die Gesamtproduktion betrug in jenem Jahr 4,5 Millionen Tonnen.

Herstellung

Zur Kakaogewinnung werden die Früchte mit speziellen Messern geerntet, aufgeschnitten und die mit Fruchtfleisch umgebenen Samen herausgelöst. Nach einem bis zu zehn Tage langen Gärungsprozess (Fermentation) unter Bananenblättern oder in Körben und Fässern werden die Bohnen etwa zwei Wochen lang getrocknet. Danach werden sie auf dem Seeweg in die Hauptabnehmerländer (Europa und Nordamerika) transportiert. Nach einer Reinigung werden die Kakaobohnen bei ca. 100 bis 140 °C geröstet – je nach gewünschtem Bräunungsgrad und Kakaosorte. Anschließend werden die Kakaobohnen durch Walzen in kleine Stücke gebrochen (Kakaokernbruch), von Schalenteilen befreit und schließlich zu der dickflüssigen und sehr fetthaltigen, braunen Kakaomasse zermahlen.

Zur Herstellung von Kakaopulver wird die Masse häufig einer sogenannten Alkalisierung unterzogen, was eine leichtere Abtrennung der Kakaobutter bewirkt. Danach wird die Masse auf 80 °C bis 90 °C erhitzt und in hydraulischen Pressen unter hohem Druck (> 900 bar) zusammengepresst. Dadurch wird über die Hälfte der Kakaobutter herausgepresst, die u. a. zur Herstellung von Schokolade verwendet wird. Der zurückbleibende und je nach Pressdruck mehr oder weniger stark entölte Kakaopresskuchen wird zu Kakaopulver weiterverarbeitet.

Verwendung

Aus den Samen, den Kakaobohnen, wird nach einem mehrstufigen Umwandlungsprozess Kakaomasse, Kakaopulver und Kakaobutter zur Herstellung von Schokolade gewonnen. Aus dem Fruchtfleisch (Pulpa) wird in Brasilien frischer Saft (suco de cacao) gewonnen, der in Restaurants bestellt werden kann, er schmeckt süß und fruchtig.

Probleme

Der Kakaoanbau ist mit verschiedenen Problemen verbunden, die aufgrund der großen Nachfrage lange nicht entschlossen angegangen wurden: In Westafrika ist ein beträchtlicher Teil der Bäume überaltert und dadurch besonders anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Hinzu kommen veränderte Anbauformen. Während Kakaobäume früher den Bedürfnissen der Pflanze entsprechend, mehrstöckig mit anderen Pflanzen angebaut wurden, sind seit Jahren immer mehr einstöckige Monokulturpflanzungen ohne Beschattung angelegt worden.

Im Schwarzbuch Markenfirmen gehört der Kakaoanbau zu den stark umstrittenen Aktivitäten globaler Unternehmen. Im Jahr 2007 veröffentlichte die Menschenrechtsorganisation Global Witness einen Bericht, dem zufolge Regierung wie Rebellen den Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste mit Einkünften aus dem Kakaohandel finanziert haben. Die Löhne von Kleinbauern und Landarbeitern sind kaum existenzsichernd, Ausbeutung und Kinderarbeit (bis hin zu Kinderhandel und Sklaverei in Westafrika) sind verbreitet.

Zudem ist die Flächenkonkurrenz durch andere cash crops (Palmöl und Kautschuk) gewachsen, die insbesondere jüngeren Bauern finanziell attraktiver erscheinen.

Weitere Informationen:

Kalb

Bezeichnung für Jungtiere vieler Herdentiere, zum Beispiel bei Rindern, Hirschen, aber auch Elefanten, Giraffen. Beim Rind wird das Junge bis zur Geschlechtsreife Kalb genannt, in der Regel also ein junges Rind beiderlei Geschlechts bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres. Ein nur mit Milch aufgezogenes Jungtier des Rindes wird bis zum Gewicht von 150 kg als Milchkalb bezeichnet und ein Tier über 300 kg, das aber noch nicht geschlechtsreif ist, als Jungrind. Weibliche Jungtiere sind ab dann bis zur ersten Kalbung Färsen.

Milchkühe müssen regelmäßig kalben, weil sie nur danach Milch geben können. Die Besamung erfolgt meist künstlich. Dabei spielen züchterische Gesichtspunkte – z.B. hohe Milchleistung – eine Rolle. 9 Monate und 9 Tage nach der Besamung kommen die Kälber zur Welt. Im Regelfall sind es Einzelgeburten. Kälber ernähren sich zunächst von der Milch der Mutter, ehe sie auf eine Tränke aus Milchpulver mit warmem Wasser umgestellt und von der Mutterkuh getrennt werden. Nach einigen Wochen erhalten sie Magermilch, danach auch Kraftfutter und Heu. Weibliche Kälber werden in der Regel zu Milchkühen großgezogen, Bullenkälber bis zu einem Gewicht von etwa 160 bis 180 Kilogramm gemästet. Nach der Schlachtung liefern sie Kalbfleisch. Bullenkälber werden auch zu Mastbullen mit einem Gewicht von 500 bis 600 Kilogramm weitergemästet. Die Kälber von Fleischrindern (Rind) werden sowohl zur Weiterzucht als zur Mast gehalten.

Die überwiegend praktizierte Trennung von Mutterkuh und Kalb erfolgt, da die Milch wird vom Landwirt gemolken und in der Molkerei zu Trinkmilch, Butter, Käse oder anderen Milchprodukten verarbeitet wird. Die tiergerechtere Haltung kann dagegen die gemeinsame Haltung von Kühen mit ihren Kälbern (Mutterkuhhaltung) sein. Sie wird meist nur praktiziert, wenn die Fleischproduktion im Vordergrund steht.

Kalidünger

Der Pflanzennährstoff Kalium ist bei Kalidünger in wasserlöslichen Salzen enthalten. Kalidünger wird überwiegend im Herbst, z.T. auch im Frühjahr ausgebracht. Die Kalisalze stammen aus Meeresablagerungen, werden durch Bergbau gewonnen und oft mit Chlor oder Schwefel – je nach Einsatz – vermischt.

Kalkdünger

Eigentlich Calciumdünger. Chemische Formel: CaCO3. Kalkdünger wird aus Naturkalken oder Kalkrückständen, die z.B. bei der Zuckergewinnung oder Eisenerzeugung entstehen, gewonnen. Mit der Kalkversorgung des Bodens wird sein Säuregrad (pH-Wert) reguliert, zugleich die Bodenstruktur verbessert und damit die Fruchtbarkeit erhöht. In den letzten Jahren ist die Kalkdüngung immer wichtiger geworden, um Niederschläge mit Säureanteilen (Saurer Regen) zu neutralisieren.

Weitere Informationen:

Kalkmarsch

Kalkmarschen sind kalkhaltige, tidebeeinflusste Grundwasserböden aus marinen Ablagerungen (kalkreicher Schlick). Unter einem in der Regel gepflügten, humosen Oberboden mit lockerem Krümelgefüge folgt ein mehr oder weniger stark rostfleckiger Horizont im Schwankungsbereich des Grundwassers. Der darunter folgende, ständig mit Wasser gesättigte Bereich ist durch Eisensulfide dunkelgrau bis schwarz gefärbt. Der Unterboden ist in der Regel deutlich geschichtet.

Entstehung und Verbreitung

Im Bereich durch Gezeiten geprägter Küsten wird die Landoberfläche regelmäßig von Meerwasser überflutet. Im Verlauf der Zeit führt dies in der dortigen Wattlandschaft zur Ablagerung von salzhaltigen Sedimenten mit stickstoffreicher organischer Substanz aus abgestorbenen Organismen dem Ausgangsmaterial der Bodenbildung. Wächst das Watt auf eine Höhe, welche vom Tidenhub nicht mehr regelmäßig erreicht wird, beginnt die Bodenbildung der Marsch.

Durch den Bau von Schutzdeichen wurden diese Gebiete häufig der Überflutung entzogen, Köge oder Polder entstanden. Grüppen-, Graben- und heute auch Rohrentwässerung führen zur Belüftung dieser Böden und zur Bildung von Rostausfällungen. Durch die nach der Eindeichung durchgeführte Entwässerung, die zur Nutzbarmachung notwendig ist, kommt es zur Sackungsverdichtung, so dass die Landoberfläche in der Regel unter dem Niveau des Tidehochwassers liegt und dauernder, aktiver Entwässerung bedarf.

Mit dem Sickerwasser wird aus diesen marinen Ablagerungen das Salz ausgewaschen, so dass kalkhaltige (Carbonatgehalte bis 9 %), häufig schluffige Böden, die so genannten Kalkmarschen, entstehen. In diesen Böden siedeln sich bevorzugt Regenwürmer an (bis zu 500 pro m² ), die ein lockeres Krümelgefüge bilden und ebenso wie die Bodenbearbeitung die Sedimentschichten im Laufe der Zeit vermischen. Säuren der Wurzelatmung, Mikroorganismen und Schwefeldynamik verursachen eine Entkalkung dieser Böden, die allmählich vom Oberboden in den Unterboden fortschreitet, so dass sich Kalkmarschen zu Kleimarschen entwickeln.

Kalkmarschen weisen ein maximales Alter von etwa 300 Jahren auf, bevor sie zur Kleimarsch werden. Dieser Bodentyp verdankt große Teile seiner Fläche in Deutschland der aktiven Landgewinnung der Küstenbewohner in den letzten Jahrhunderten. Aus Kosten- wie aus Naturschutzgründen – die Rohmarschen mit ihrer typischen Vegetation (Salzwiese) stehen unter strengem Naturschutz – wird seit den 1980er Jahren kein Deichbau mehr betrieben.

Kalkmarschen treten weltweit in von Gezeiten geprägten Küstenbereichen der Meere und der Flussmündungen auf, die erst in den letzten Jahrhunderten eingedeicht wurden. Diese Flächen werden als Köge oder Polder bezeichnet. Die globalen Flächengrößen des Marschlands sind eher gering. Eines der größten zusammenhängenden Gebiete erstreckt sich in Mitteleuropa entlang der Nordseeküste von Dänemark bis Belgien und auch an der südöstlichen Küste der Britischen Inseln.

Nutzung und Funktionen

In frisch eingedeichten Kögen wird die Jungmarsch noch als Weideland genutzt. Dieser Zustand wurde aber in der Vergangenheit wegen der extrem hohen Bodenfruchtbarkeit möglichst schnell durch Drainagen und Eindeichung verändert. Eine Entwässerung kann durch Gräben stattfinden, heute werden Rohrentwässerungen genutzt. Sobald der Boden stark genug entwässert ist, wird die Nutzbarkeit erhöht.

Kalkmarschen gehören weltweit zu den produktivsten Ackerstandorten. Die Kalkmarschen an der Nordseeküste weisen höchste Bodenzahlen bis über 100 auf, ähnlich hoch wie die der Schwarzerden in den Bördelandschaften. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei etwa 85 Bodenpunkten.

Hohe Nährstoffreserven der im Sediment enthaltenen organischen Substanz, gute Durchwurzelbarkeit, die gering verwitterten Minerale, sowie das hohe Speichervermögen für Wasser, verbunden mit einem vom Menschen regulierten Grundwasserhaushalt, ermöglichen Erträge von über 10 t Weizen und 4 t Raps pro Hektar. Das gilt für trockene und nasse Jahre gleichermaßen. In Dithmarschen, im Südwesten Schleswig-Holsteins gelegen, und in Niedersachsen dienen die Kalkmarschen wegen ihrer sehr guten Standorteigenschaften traditionell vor allem dem Kartoffel- und Kohlanbau.

Wald siedelt sich nicht an, da verbreitete Baumarten salzempfindlich sind.

Wie alle Böden erfüllen Kalkmarschen auch Archivfunktionen, die Rückschlüsse auf frühere Nutzung unter anderen Klimabedingungen zulassen.

Probleme

Kalkmarschen bedürfen einer sorgfältigen Regulierung des Grundwassers durch Entwässerung und Ableitung des Überschusswassers über Siele in die Vorflut oder in das Meer. Besonders schluff- bis tonreiche Kalkmarschen sind druckempfindlich, so dass schwere Landmaschinen leicht Sauerstoffmangel durch Verdichtung verursachen können. Schluffreiche Kalkmarschen neigen bei unsachgemäßer Nutzung zur Verschlämmung. Durch Ammoniakausgasung aus dem Boden können Stickstoffverluste auftreten.

Weitere Informationen:

Kalkpaternia

Die Kalkpaternia oder Auenpararendzina ist ein Bodentyp der Klasse Auenböden. Sie entwickelt sich in carbobathaltigen bis carbonatreichen jungen Flusssedimenten. Die typische Kalkpaternia weist ein aAh/aelC/aG-Profil auf. Ein Subtyp ist die Gley-Kalkpaternia mit aAh/aelC/aelC-aGo-Profil. Eine sehr humusreiche Varietät der Kalkpaternia, die Borowina, wird seit 2005 zur Kalkpaternia gestellt. Der Name der Kalkpaternia stammt vom spanischen Fluss Río Paternia.

Kalkpaternia
Kalkpaternia

Kalkpaternia der Schotterfluren im Wimbachtal, Berchtesgadener Land (Nördliche Kalkalpen).
Quelle: Alexander Stahr

Eigenschaften und Verbreitung

Die Kalkpaternia findet sich z. B. im Mittellauf von Flüssen, auf den Schotterfluren der Alpenflüsse (z. B. Lech) sowie im Bereich glazialer Sedimente im Alpenvorland. Episodische Überschwemmungen charakterisieren diese Standorte, wodurch ein wiederholter Nährstoffeintrag bewirkt wird. Darunter insbesondere Kalk, Magnesium und Stickstoff. Kalkpaternien sind meist humos bis stark humos, sehr gut durchlüftet, erwärmen sich rasch, haben aber eine nur geringe nutzbare Feldkapazität. Der Gehalt an Spurenelementen ist in der Regel gering.

Nutzung

Kalkpaternien besitzen eine nur geringe Wasserspeicherfähigkeit und hohe Wasserdurchlässigkeit, was je nach Region durch höhere Niederschlagsmengen jedoch kompensiert werden kann. Daher kann dieser Boden ackerbaulich, als Grünland oder forstlich genutzt werden. Für die Ackernutzung spricht auch die in vielen Fällen leichte Bearbeitbarkeit des Bodens. Es kann jedoch Spurenelementmangel auftreten und es besteht eine hohe Nährstoffauswaschungsgefahr, so dass Vorsicht bei der Düngung geboten ist. Um der Nährstoffauswaschung entgegenzuwirken, sollte der Landwirt bei ackerbaulicher Nutzung Zwischenfrüchte mit anschließender Mulchsaat anbauen. Kalk- und Magnesiumdünger sind durch episodische Überschwemmungen entbehrlich. Je nach Region und Witterung kann zeitweise Wassermangel herrschen. (ahabc.demod.)

Kältegrenze

Grenzsaum, in dem infolge Wärmemangels bestimmte Nutzungen und Lebensbedingungen polwärts und höhenwärts ihre Verbreitungsgrenze finden. Wichtig sind: Waldgrenze (Vorkommen geschlossener Waldgebiete), Baumgrenze (Vorkommen einzelner Bäume bzw. Baumgruppen) und Schneegrenze (Unterscheidung nach klimatischer, orographischer, temporärer Schneegrenze). Kältegrenzen sind für die Landwirtschaft von besonderer Bedeutung.

(s. a. Landnutzung, Grenzen der)

Kamele

Einzige rezente Familie (Camelidae) der zu den Paarhufern rechnenden Schwielensohler (Unterordnung Tylopoda). Die passgehenden Tiere treten mit den Sohlenflächen des letzten und vorletzten Glieds ihrer mittleren Finger und Zehen auf; diese sind durch dicke, federnde Schwielen gepolstert. Kamele sind Wiederkäuer mit einem vierteiligen Magen. Die Nasenlöcher der Kamele sind verschließbar; ihre Oberlippe ist gespalten.

Hervorragend sind ihre Anpassungen an Wassermangel und Temperaturschwankungen (Dromedar). Ursprüngliche Heimat der Schwielensohler war Nordamerika. Die Vorfahren der Großkamele sind gegen Ende des Tertiärs (vor ca. 2 Millionen Jahren) über die heutige Beringstraße nach Eurasien gelangt. Die Lamas kamen erst im Pleistozän über die mittelamerikanische Landbrücke nach Südamerika. Die heute lebenden 6 Kamel-Arten (s. Tabelle) sind auf Asien, Nordafrika und Südamerika beschränkt.

Kamel-Arten
Großkamele (Altweltkamele) Kleinkamele (Neuweltkamele)
Trampeltier oder Zweihöckriges Kamel
(Camelus bactrianus)
Guanako
(Lama guanicoë)
Dromedar oder Einhöckriges Kamel
(Camelus dromedarius)
Lama
(Lama glama)
  Alpaka
(Lama pacos)
  Vikunja
(Vicugna vicugna)

Sowohl Altwelt- als auch Neuweltkamele sind bereits im letzten vorchristlichen Jahrtausend domestiziert worden. Sie wurden vorrangig als Last- und Zugtiere, daneben aber auch als Woll-, Milch- und Fleischlieferanten (Kamelfleisch) verwendet und werden vielfach bis heute zu diesen Zwecken gehalten. Die militärische Nutzung von Kamelen ist zumindest seit dem 9. Jahrhundert v. Chr. belegt. Seitdem werden die Tiere bis heute für diesen Zweck eingesetzt. Lama und Alpaka sind Zuchtformen, die aus dem Guanako und möglicherweise dem Vikunja entstanden. Das Dromedar existiert nur mehr als domestizierte Art – die Wildform ist vermutlich seit 2000 Jahren erloschen. Vom freilebenden Trampeltier gibt es nur noch Restbestände in China und der Mongolei. Mit der Zucht befasst sich das Camel Reproduction Centre Dubai.

Kamp

Durch einen Zaun, eine Mauer oder einen (evtl. bepflanzten) Erdwall eingehegte blockförmige Parzelle. Der Begriff ist vor allem in N- und NW-Deutschland gebräuchlich.

Kampflur

Kleinblockflur aus eingehegten Blockparzellen in Einöd- oder Gemengelage.

Kanat

Siehe Qanat

Kapitularien

Der Begriff Kapitularien (Einzahl: das Kapitular(e) oder Kapitularium), lateinisch Capitularia, bezeichnet in der Rechtsgeschichte hoheitliche Anordnungen im Sinne von Gesetzen vor allem in der Zeit der Karolinger, insbesondere unter Karl dem Großen. Ihre Einteilung in verschiedene Kapitel (lat. capitula) gab ihnen den Namen.

Sie hatten maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der (west-)europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte und regelten u. a. auch die Anbautechnik von Nutzpflanzen. Zu den bekanntesten Kapitularien gehören die Admonitio generalis von 789, die das Reformprogramm Karls des Großen zusammenfasst, und das so genannte Capitulare de villis aus dem Jahre 795, das die Reform der Krongüter in Aquitanien, evtl. sogar im gesamten Frankenreich regelte und sich mit deren Verwaltung und Bewirtschaftung befasst.

Die Kapitularien sind oft nach dem Ort ihrer Verkündung benannt, so zum Beispiel das Kapitular von Herstal (779) oder das Diedenhofener Kapitular (805).

Karez

Unterirdischer Brunnen- und Bewässerungskanalsystem in ariden Regionen Asiens.

(s. a. Foggara, Qanat)

Weitere Informationen:

Karotte

Die Karotte (Daucus carota subsp. sativus) - auch Möhre, Mohrrübe, Gelbrübe, Gelbe Rübe, Rüebli, Riebli oder Wurzel - ist eine nur in Kultur bekannte Form der Möhre (Daucus carota) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) mit ca. 20 in Europa, Zentralasien, dem tropischen Afrika und Australien heimischen Arten. Von dieser Gemüsepflanze wird fast ausschließlich die Pfahlwurzel genutzt.

Merkmale

Die Karotte ist eine zweijährige krautige Pflanze, wird aber - außer zur Samengewinnung - nur einjährig kultiviert. Im ersten Jahr bildet sie eine grundständige Blattrosette aus doppelt bis dreifach gefiederten Laubblättern und eine Pfahlwurzel aus.

In der Pfahlwurzel werden Reservestoffe gespeichert. Die Pfahlwurzel besteht aus der Krone (Kopf), der Rinde (Bast), der Korkschicht, dem im Innern gelegenen Mark (dem „Holzteil“) und von ihr gehen Adventivwurzeln aus.

Die Rübe kann je nach Sorte lang, halblang, kurz, zylindrisch, kreisel- oder kegelförmig mit je spitzen oder stumpfen Enden sein. Farbvarianten sind hell- oder dunkelrot, orangefarben, weiß und violett. Die Färbung hängt von der Sorte, den Kulturbedingungen und der Witterung ab. Die Färbung geht auf Carotinoide, Anthocyane und Chlorophyll zurück.

Im zweiten Jahr entwickelt sich der reich verzweigte Stängel, der die Blütenstände trägt und Wuchshöhen von bis zu 150 cm erreicht. Die Blütezeit beginnt im Juni. Im doppeldoldigen Blütenstand befinden sich viele cremefarbene Blüten. Es überwiegt Fremdbestäubung, die durch Insekten erfolgt. Die Bildung der Blütenstände kann auch bereits im ersten Jahr durch einen Kältereiz (Vernalisation) von 1 bis 10 °C nach der Jugendphase ausgelöst werden.

Die Teilfrüchte sind länglich oval. Außen sind sie mit feinen Härchen besetzt. In Mitteleuropa reifen sie zwischen August und September. Das Tausendkorngewicht beträgt 0,8 bis 1,8 g.

Inhaltsstoffe

Die meisten Inhaltsstoffe befinden sich in der Rinde der Pfahlwurzel. In der Züchtung wird daher seit jeher auf einen hohen Rindenanteil und einen kleinen, zarten „Holzteil“ hingearbeitet. Im Mark, dem Zentralzylinder, befindet sich weniger Carotin, weshalb es heller als die Rinde ist, der Saccharose-Gehalt ist niedriger, der Nitrat-Gehalt höher.

Ernährungsphysiologisch hervorzuheben ist der hohe Gehalt von Carotin, Vitamin C, Kalium und Eisen. Bedeutung hat die Karotte besonders in der Ernährung von Kleinst- und Kleinkindern sowie in der Diätküche.

Anbau

Am besten wachsen Karotten in tiefgründigen, steinfreien Sandböden oder sandigen Lehmböden sowie auf Löß mit durchlässigem Untergrund. Der pH-Wert liegt optimalerweise zwischen 6,5 und 7,5. Der Anbau erfolgt von der gemäßigten Zone bis in subtropische Gebiete, die besten Erträge werden allerdings in kühleren Gebieten mit Tagesdurchschnittstemperaturen zwischen 16 und 18 °C erzielt. In der Fruchtfolge ist ein dreijähriger Abstand zu anderen Doldenblütlern zu beachten, bei Befall mit Nematoden auch länger.

Als Vorfrüchte sind solche geeignet, die mit Stallmist gedüngt werden. Grund dafür ist, dass Ertrag wie Ertragssicherheit der Karotte wie auch der Inhaltsstoffgehalt besser sind, je höher der Gehalt an organischer Substanz im Boden ist. Gute Kombinationen in der Fruchtfolge ergeben sich mit Feldfutterpflanzen (mit Ausnahme von Luzerne und Rot-Klee als Wirte für Wurzelgallenälchen), mit Leguminosen und Kohl-Arten. Hinsichtlich des Nitratgehaltes ist Getreide eine gute Vorfrucht.

Der Bedarf der Karotte an Stickstoff ist im Vergleich zu anderen Gemüsen sehr gering. Sie ist allerdings stark Kalium-bedürftig, gegen Kalkgaben ist sie empfindlich. Wichtige Mikronährstoffe sind Magnesium, Bor, Kupfer und Molybdän.

Je nach der Entwicklungsdauer der Karotten und dem Erntetermin wird zwischen mehreren Anbauformen unterschieden:

Bei Frischmöhren überwiegt der Beetanbau. In Gebieten mit hohem Grundwasserstand wie in den Niederlanden werden die Karotten auf Dämmen angebaut.

Nach ihrem Verwendungszweck wird unterschieden zwischen Karotten ohne Laub für den Frischverzehr, zur Lagerung und als Industrieware und Karotten mit Laub, die als Bundware dem Frischverzehr dienen. Übliche Bezeichnungen sind daher auch Industriemöhren, Lagermöhren, Wasch- und Bündelmöhren für den Frischmarkt. Sowohl Industriemöhren wie Möhren für den Frischverzehr werden heute in großflächigem Anbau erzeugt, der einen hohen Grad an Mechanisierung aufweist. Zur mechanisierten Ernte können zum Beispiel Siebkettenroder Verwendung finden, wie sie auch zur Kartoffelernte eingesetzt werden.

Die Karotte wird seit etwa 1900 intensiv züchterisch bearbeitet. Es gibt EU-weit rund 300 Sorten. Mithilfe der Hybridzüchtung konnte ein Heterosis-Effekt genutzt werden, um besonders die Ausgeglichenheit der Wurzelform, -färbung und -größe zu erreichen, das Verhältnis von Mark zu Rinde zu vergrößern sowie den Zucker- und Carotingehalt zu erhöhen. Bauern und Gärtner können solches Hybridsaatgut nicht selbst ernten, sondern müssen es für jede Aussaat von internationalen Saatgutherstellern kaufen.

Möhren werden weltweit in gemäßigten und subtropischen Klimaregionen angebaut. Hauptanbauländer sind China, Russland und die USA. In Europa werden Möhren hauptsächlich in Polen, England, Italien und Deutschland angebaut.

In der EU sind die Karotten nach Tomaten das mengenmäßig bedeutendste Gemüse mit einem Anteil von 8,2 % an der Gemüseproduktion (2006). Auch in der Schweiz sind Karotten das meistkonsumierte Gemüse; 2017 wurden pro Kopf 7,9 Kilo davon gegessen. Die größten Anbauländer in der EU sind Polen, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Italien, Deutschland und die Niederlande. Die weltweit wichtigsten Anbauländer sind China (8,4 Mio. Tonnen 2005), Russland (1,7 Mio. Tonnen), die USA (1,6 Mio. Tonnen) und Polen (0,94 Mio. Tonnen). In der Schweiz werden auf rund 1.900 Hektar Karotten angebaut, davon knapp 350 Hektar in ökologischer Landwirtschaft.

Die Masse der geernteten Karotten liegt etwa gleichauf mit der der geernteten Küchenzwiebeln und damit an zweiter Stelle hinter der Masse der geernteten Tomaten.

Nutzung

Die Rübe der Karottenpflanze wird roh, gekocht, als Saft oder konserviert verzehrt, die Konservierung erfolgt dabei als Nass-, Gefrier- oder Sauerkonserve oder als Trockenprodukt. Besonders in den USA wird auch das Carotin extrahiert, das zur Anfärbung von Margarine und zur Gewinnung von Vitamin A dient. Das Laub der Karotte kann auch gegessen werden oder als Futtermittel für Tiere verwertet werden, insbesondere Kaninchen fressen es sehr gerne.

Weitere Informationen:

Karst

Bezeichnung für den unter- und oberirdischen Formenschatz sowie für (hydrologische) Phänomene in Landschaften mit chemisch angreifbaren ('löslichen') Gesteinen, vor allem von Kalken.

Hier überwiegt - infolge starker Versickerung der Niederschlags- und weitgehender Versinkung vorhandener Oberflächenwässer - die unterirdische Entwässerung bei weitem gegenüber der oberirdischen. Aufdiese Weise resultiert die typische Karsthydrographie: oberirdisch oft ein Netz von Trockentälern, unterirdisch eines aus Spalten- und Höhlenwässern. Dieses Karstwasser tritt angünstigen Stellen als meist stark schüttende Karstquelle zutage.

Die durch das Wasser hervorgerufenen Korrosionserscheinungen kennzeichnen das morphologische Bild der Karsttopographie mit Formen wie Dolinen, geologische Orgeln, Schlotten, Karren, Poljen, Uvalas usw.

Es kann zwischen dem durch eine Verwitterungsdecke überzogenen, in Mitteleuropa oft auftretenden bedeckten Karst und dem vor allem im Hochgebirge erscheinenden nackten Karst unterschieden werden.

Eine Sonderform der Tropen und der sommerfeuchten, tropennahen Gebiete ist der Turm- oder Kegelkarst.

Nutzung von Karstlandschaften

Durch Wasserarmut und das (im außertropischen Bereich) Fehlen von tiefgründigen großflächigen Ackerböden gehören viele Karstgebiete zur Subökumene. Traditionell ist im mediterranen Karst eine extensive Bewirtschaftung kleiner fruchtbarer Dolinenböden und gegebenenfalls in intensiver Form in Poljen möglich, was durch den Maisanbau erst neuzeitlich zu agrarökonomischer Veränderung geführt hat. Fernweidewirtschaft und Nomadismus waren bis dahin an die spezielle Naturraumausstattung auch die jahrhundertelang angepassteste Form der Naturraumnutzung im mediterranen Holokarst.

Tropische Karstregionen bieten demgegenüber oft ertragreiche und großflächigere Ackerflächen für den Reisanbau und kennen keine Beweidung von Karsthochflächen. Da insbesondere die Karstlandschaften des klassischen dinarischen Karstes durch die ökologischen Grundvoraussetzungen wie häufige winterliche Orkanstürme teilweise völlig vegetationslos sind, wird hier auch vom „Nackten Karst“ (Karst ohne Humusdecke und vegetationslos) gesprochen. Die Wald- und Vegetationslosigkeit des Dinarischen Karstes erfolgt aber nicht primär durch die Verkarstung, sondern ist insbesondere durch die Bora-Winde indiziert.

Kartoffel

Nutzpflanze, die ihren Ursprung in Peru und Ecuador hat. Nach der Entdeckung Amerikas kam die Kartoffelpflanze zunächst als Zierpflanze nach Europa. Erst Mitte des 18. Jh. wurde sie, u.a. in Preußen von Friedrich dem Großen, unter Zwang als Kulturpflanze eingeführt. Sie entwickelte sich sehr schnell zu einer der wichtigsten Nutzpflanzen.

Das Wort Kartoffel ist aus dem italienischen Wort „tartuffo“ = Trüffel abgeleitet. In Teilen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz wird die Kartoffel auch als Erdapfel (Herdöpfel), Erdbirne oder Grundbirne (Grumbeer) bezeichnet, im restlichen deutschsprachigen Raum unter verschiedenen Regionalnamen bekannt.

Meistens wird von den Kartoffeln (Plural von Kartoffel) gesprochen. Hierunter werden zumeist die im Boden heranwachsenden Knollen verstanden, mit denen die Pflanze sich vegetativ vermehrt.

Botanisch gehört die Kartoffel (Solanum tuberosum) zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Das oberirdische Kraut trägt weiße oder lilafarbene Blüten, die Kartoffelknollen wachsen unter der Erde. Aus einer Mutterknolle wachsen Ausläufer, die botanisch gesehen Sprosse sind. Die unterirdischen Sprosse schwellen an und es entstehen neue Kartoffeln. Zum Schutz bildet die Pflanze eine Art Korkgewebe, das wir als Schale kennen. Die Knolle ist das Speicherorgan der Pflanze. Aus den sogenannten Augen der Knollen wachsen nach einer Ruhephase wieder Keime, die sich von der Stärke in den Knollen ernähren.

Die Kartoffel gehört zu den Hackfrüchten, weil sie unkrautanfällig ist und daher früher gehackt werden musste. Die heutigen Sorten sind so gezüchtet worden, dass sie gegen einige Krankheiten resistent sind. Dennoch bedrohen auch heute noch bestimmte Pilzkrankheiten wie Kraut- und Knollenfäule die Bestände. Oft hilft nur eine Behandlung mit Fungiziden.

Nach dem Verwendungszweck können Kartoffeln in zwei Kategorien eingeteilt werden: Speisekartoffeln und Kartoffeln für die Industrie (Wirtschaftssorten). Für die industrielle Verarbeitung sind die Inhaltsstoffe, aber auch die Form der Kartoffel wichtig: Industriekartoffeln haben meist einen höheren Stärkegehalt als Speisekartoffeln. Für lange Pommes frites, braucht man große Knollen, beim industriellen Schälen ist eine glatte Oberfläche wichtig.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist eher die Unterscheidung in festkochende, vorwiegend festkochende und mehligkochende Sorten wichtig – je nach Verwendungszweck von Kartoffelsalat bis Kartoffelpüree. Zudem unterscheidet man die Kartoffelsorten nach der Reifezeit.

Kartoffelanbau und Ernte

Kartoffeln kommen mit einer Kartoffel-Legemaschine im April oder Mai in die Erde, wenn der Boden nicht mehr zu nass ist. Bei Bodentemperaturen von 8 bis 10 °C keimen sie am besten. Um eine lange Vegetationsperiode bis zur Ernte zu erreichen, müssen die Kartoffeln möglichst früh im Jahr in die Erde. Damit ist aber auch die Gefahr für Frostschäden am größten.

Auf einem Hektar wachsen rund 40.000 Pflanzen für Speisekartoffeln, bei Industriekartoffeln sind es 37.000. Hier pflanzt man weniger, damit die Kartoffeln mehr Platz haben und dicker werden können.
Für Kartoffeln hat sich der Anbau in Dämmen durchgesetzt. So erwärmt sich die Erde leicht, was den wärmeliebenden Kartoffeln guttut, und die meiste Arbeit können Maschinen erledigen. Geerntet wird, wenn die Knollen ausgereift und schalenfest sind. Eine Ausnahme bilden Frühkartoffeln: Sie können grundsätzlich auch mit grünem Laub geerntet werden. Da die Schale dann noch nicht fest ist, sind sie nur kurz lagerfähig.

Geerntet werden Kartoffeln heute mit Rodern, die bis zu vier Kartoffeldämme auf einmal ernten. Dazu wird der gesamte Damm mit Erde, Knollen und Kraut von der Maschine aufgenommen. Die Knollen werden herausgesiebt, Erdkluten, Steine und Kraut aussortiert. Das geschieht meist maschinell, zum Teil aber auch per Hand.

Um mit einer frühen Ernte höhere Preise am Markt zu erzielen, schützen manche Landwirtinnen und Landwirte ihre Kartoffeläcker mit Folie. Das bedeutet viel Handarbeit. Auch das Vorkeimen ist eine Methode, mit der der Erntetermin vorverlegt werden kann. Hierbei versucht man, die Knollen schon im Januar oder Februar durch gezielte Veränderungen von Temperatur und Lichtverhältnissen zum Keimen zu bringen. In der Regel bilden sich pro Knolle vier bis sechs kräftige Keime. Diese Keime geben den Kartoffeln einen Vorsprung von ein bis zwei Wochen bis zur Ernte.

Nach der Ernte gelangen Kartoffeln direkt in den Handel, werden gelagert oder weiterverarbeitet. Dafür werden sie zunächst in einer Sortieranlage der Größe nach sortiert. Meist erfolgt dies mittels einer Rüttelmaschine.

Die Einkellerung von Kartoffeln ist zu einer Seltenheit geworden, weil den meisten Haushalten ein entsprechender durchgehend kühler Lagerraum fehlt.

Wirtschaftliche Aspekte

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland auf rund 243.000 Hektar Kartoffeln angebaut. Der Anbauschwerpunkt liegt in Niedersachsen, gefolgt von Bayern und Nordrhein-Westfalen. Die Erntemenge schwankt von Jahr zu Jahr; zum einen wegen der abnehmenden Anbaufläche, zum anderen, weil das Wetter während der Vegetationsperiode einen wesentlichen Einfluss auf das Ernteergebnis hat. Im mehrjährigen Durchschnitt (2010 bis 2015) wurden 435,7 Dezitonnen Kartoffeln je Hektar geerntet. Der allergrößte Teil entfällt auf Speisekartoffeln und ein geringer Teil auf Industriekartoffeln (Stärke- und Alkoholherstellung).

In Deutschland isst heute jeder Bundesbürger im Durchschnitt rund 57 Kilogramm Kartoffeln pro Jahr. Im Jahr 2000 waren es noch rund 70 Kilogramm, 1950 sogar 202 Kilogramm.

Seit dem 2. Weltkrieg hat sich der Kartoffelanbau in Deutschland stark gewandelt, die Anbaufläche ist drastisch zurückgegangen, was nur zum Teil durch steigende Erträge aufgefangen wird. Der Rückgang der Anbaufläche hat viele Ursachen. Seit den 1970er Jahren füttert man Schweine aus Kostengründen mit Getreide und nicht mehr mit Kartoffeln. Auch in der Ernährung nimmt die Bedeutung der Kartoffel ab und Importe tragen ebenfalls zum Sinken der Anbaufläche bei. (BLE)

Die Kartoffel ist nach Reis und Weizen (evtl. auch Mais) die dritt- (oder viert-)wichtigste Nahrungspflanze der Welt. Von der Gesamtproduktion dienten 2013) etwa zwei Drittel direkt als menschliche Nahrung, der Rest wird als Viehfutter oder zur Stärkeproduktion verwendet. Als Grundnahrungsmittel ist die Kartoffel für eine wachsende Bevölkerung besonders gut geeignet. Weltweit beträgt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch 33 kg/Jahr.

Die Schwerpunkte des Anbaus lagen in der Vergangenheit in den nördlichen temperierten Breiten zwischen 45° und 57° N, wo die Kartoffel als Sommerfrucht sowie in den subtropischen, tief gelegenen Gebieten zwischen 23° und 34° N, wo die Kartoffel als Winterfrucht kultiviert wird. Seit den frühen 1990er Jahren hat der Anbau in Europa, Nordamerika und den GUS abgenommen, während die Kartoffelproduktion in den Entwicklungs- und Schwellenländern deutlich gesteigert wurde, sodass sie dort mitlerweile bedeutender ist als in den Industrieländern.

Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO betrug im Jahr 2019 die Weltproduktion 370,4 Millionen Tonnen Kartoffeln. Die gesamte Anbaufläche betrug 17,3 Millionen Hektar. Die bedeutendsten Produzenten sind die VR China mit 91.818.950 t/a, dann folgen Indien (50.190.000 t) und Russland (22.074.874 t), Deutschland folgt an 6. Stelle mit 10.602.200 t., Österreich auf Platz 50 mit 751.260 t und die Schweiz auf Platz 69 mit 414.337 t/a.

Seit 2016 haben Landwirtinnen und Landwirte die Kartoffelanbaufläche in Deutschland kontinuierlich erweitert: Wurden 2016 noch auf rund 243.000 Hektar Kartoffeln angebaut, betrug 2020 die Anbaufläche rund 273.500 Hektar. Damit liegt Deutschland in der EU flächenmäßig zwar weiterhin hinter Polen, mengenmäßig bleibt es aber der größte EU-Kartoffelerzeuger.

Nach Schätzungen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) wurden 2020 auf rund 10.200 Hektar (3,7 Prozent) der Kartoffelanbaufläche Bio-Kartoffeln angebaut. Die meisten werden als Frischkartoffeln angeboten. Auf 15 Prozent der ökologisch bewirtschafteten Fläche werden Kartoffeln angebaut, die zu Kartoffelprodukten und -stärke weiterverarbeitet werden.

Weitere Informationen:

Kartoffelkäfer

Schadinsekt für Kartoffelkulturen. Der Kartoffelkäfer stammt ursprünglich aus dem westlichen Nordamerika und wird deshalb auch Colorado-Käfer genannt. In Deutschland wurde der Kartoffelkäfer in der Mitte des 20. Jh. zu einer Plage, im Extremfall kam es zum „Kahlfraß“ ganzer Kartoffelanbaugebiete. Der Käfer ist etwa 15 Millimeter lang und durch gelb-schwarze Streifen auf seinem Rücken gut zu identifizieren. Heute ist er durch Insektizide gut zu bekämpfen.

Käse

Nahrungsmittel, das aus Milch von Kühen, Ziegen, Schafen, Büffeln u.a. hergestellt wird. Es gibt eine große Vielfalt an Käsesorten (bis zu 4-5.000, Angaben schwankend), die nach sehr unterschiedlichen Methoden produziert werden und sich daher auch im Geschmack erheblich unterscheiden. Außerdem definiert die deutsche Käseverordnung sieben Standardsorten, die sich anhand dieser Merkmale sowie weiterer Vorgaben, etwa zum Mindestalter, Aussehen, Geruch und Geschmack, unterscheiden: Hartkäse, Schnittkäse, halbfeste Schnittkäse, Weichkäse, Frischkäse, Sauermilchkäse und Pasta Filata Käse.

Käsesorten müssen nicht unbedingt einer Standardsorte zugeordnet werden können. Es gibt auch so genannte „freie Sorten“, deren Zusammensetzung und Herstellungsweise vom Raster der Standardsorten abweichen, etwa in Bezug auf den Fett- oder Trockenmassegehalt oder die verwendete Milchart. Freie Käsesorten dürfen nicht mit Angaben in den Verkehr gebracht werden, die auf eine Standardsorte hinweisen.

Käse wird überwiegend aus Kuhmilch hergestellt, es gibt aber nach wie vor auch Käse aus Schaf- und ZiegenmilchMozzarella wurde ursprünglich nur aus Büffelmilch hergestellt, für die heutige Massenproduktion verwendet man allerdings oft die günstigere Kuhmilch.[14] Exotische Käseprodukte sind in Asien, speziell Nepal, Käse aus der Milch von Yaks, in Skandinavien, speziell der Juustoleipa in Finnland, der auch aus Milch von Rentieren hergestellt wird. In Serbien wird Pule aus Eselsmilch und in Afghanistan Kadchgall aus Schaf- oder Kamelmilch zubereitet.

Wird Käse aus einer anderen Milch als Kuhmilch hergestellt, dann muss auf die Tierart hingewiesen werden, beispielsweise bei Schaf-, Ziegen- oder Büffelmilch. Die Bezeichnung „Käse“ ist per Gesetz Produkten aus Milch vorbehalten und darf nur verwendet werden, wenn die strengen Vorgaben der Käseverordnung erfüllt sind. Ist das nicht der Fall, ist der Begriff „Käse“ selbst als Wortteil einer Produktbezeichnung tabu. Vegane Ersatzprodukte für Käse, die anstelle von Milchfett und -eiweiß pflanzliche Alternativen enthalten, dürfen daher beispielsweise nicht als „veganer Käse“ oder „Käseersatz“ bezeichnet werden.

Prinzipiell muss zur Käseherstellung die Milch zunächst zum Gerinnen gebracht werden, was häufig durch Zusatz von Milchsäurebakterien oder Lab (aus Kälbermägen gewonnene Substanz, inzwischen auch gentechnisch hergestellt) erreicht wird. Aus der so gewonnenen dicken Milch lässt man die Molke abtropfen. Der so erhaltene Käsebruch wird anschließend häufig geimpft, d.h. mit Kleinpilzen versehen. Danach muss er „reifen“, was an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Temperaturen bei unterschiedlicher Feuchtigkeit geschieht, sodass sich jeweils typische Geschmacksstoffe entwickeln. Die Gase, die sich dabei zum Teil bilden, erzeugen Blasen in der Masse, die „Löcher im Käse“. Je nach Festigkeit und Fettgehalt unterscheidet man Hart- und Weichkäse, Rahm-, Fett-, Halbfett- oder Magerkäse. Zu Frischkäse gehören Quark und Schichtkäse. Zu den bekanntesten Käsesorten gehören Gouda, Tilsiter, Emmentaler und Edamer.

Wirtschaftliche Bedeutung

Milcherzeugnisse zählen in Europa, Nordamerika und Australien zu den Grundnahrungsmitteln. Käse ist besonders im westlichen Kulturkreis verbreitet. Man geht von bis zu 5000 Käsesorten aus, wobei sich auch Käse gleicher Sortenbezeichnung von Käserei zu Käserei unterscheiden. Das Land mit der größten Käseproduktion weltweit sind die USA. 2014 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO weltweit etwa 19 Mio. t Käse (aus Kuhmilch) produziert. Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die 20 größten Produzenten von Kuhmilchkäse weltweit, die insgesamt 86,3 % produzierten.

Die größten Käseproduzenten im Jahr 2014 waren die USA mit 5.221.857 t, gefolgt von Deutschland (1.890.996 t), Frankreich (1.778.365 t), Italien (1.176.020 t), die Schweiz rangierte auf Platz 17 mit 185.336 t.

2018 produzierte die deutsche Molkereiwirtschaft 2,53 Mio. t Käse, der Verbrauch lag bei ca. 2 Mio. t. Dies entspricht einem pro Kopf-Verbrauch in Deutschland von rund 24,2 kg Käse. Der Selbstversorgungsgrad bei Käse lag 2018 bei 126 %.

Dementsprechend wird deutscher Käse zum Teil exportiert, selbst in größeren Mengen in das „Käseland“ Frankreich. Umgekehrt werden auch im deutschen Lebensmittelhandel viele ausländische Käsespezialitäten angeboten. Anders wäre das umfangreiche Angebot an den Käsetheken nicht möglich.

Nutzung

In der Küche findet der Käse in vielen Speisen und Zubereitungsarten Verwendung, am bekanntesten sind heute wohl das Käsefondue und das Raclette sowie die Käsespätzle. Zu jeder gepflegten Tafelrunde gehört als Dessertgang eine Auswahl guter Käsesorten, wobei man richtig mit den milden Käsesorten beginnt und sich – oft in Verbindung mit passenden Weinen – zu den geschmacksintensiveren „weiterkostet“.

Weitere Informationen:

Kaskadennutzung

Kaskadennutzung, auch Mehrfachnutzung, beschreibt die Strategie, Rohstoffe oder daraus hergestellte Produkte über mehrere Stufen im Wirtschaftssystem zu nutzen. Dabei werden Nutzungskaskaden durchlaufen, die vom hohen Wertschöpfungsniveau schrittweise in tiefere Niveaus münden.

Auf diese Weise soll eine besonders nachhaltige und effektive Nutzung sowie eine Einsparung beim Rohstoffeinsatz von Rohstoffen erreicht werden, Rohstoffe oder daraus hergestellte Produkte werden so lange wie möglich im Wirtschaftssystem genutzt und die Wertschöpfung insgesamt erhöht, sowie die Umweltwirkung weiter verbessert.

Im Regelfall umfasst eine Nutzungskaskade dabei eine einfache bis mehrfache stoffliche Nutzung mit abnehmender Wertschöpfung sowie eine abschließende energetische Nutzung oder eine Kompostierung des Rohstoffs. Durch eine Kaskadennutzung können sowohl ökologische wie ökonomische Vorteile wie eine geringere Belastung der Umwelt, Einsparung von Treibhausgasen, geringere Kosten und höhere Wertschöpfungen erreicht werden.

Die Kaskadennutzung wird sowohl bei etablierter Rohstoffbasis in der Petrochemie wie auch bei der Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen diskutiert. Beispiele für Kaskadennutzung sind etablierte und neuartige Recyclingketten oder die Nutzung von Ersatzbrennstoffen zur Energiegewinnung. Im Bereich der nachwachsenden Rohstoffen ist z.B. zunächst eine stoffliche Nutzung von Holz oder Biokunststoffen als Industrierohstoff und anschließend in der Energieerzeugung möglich.

Die Kaskadennutzung wird unterschieden von der Koppelnutzung, die neben der Nutzung eines Hauptrohstoffs bzw. -produkts auch die Nutzung von Nebenprodukten vorsieht.

Weitere Informationen:

Kate

1. Grundstück, dessen Besitzer nicht ausschließlich von der Landwirtschaft leben konnte, sondern auf andere Erwerbszweige, auf Seefahrt und Fischerei, auf Handwerke und Tagelöhnerarbeiten angewiesen war.

2. Kleines niedriges Haus (im Gegensatz zum Bauernhaus).

Kationenaustauschkapazität (KAK)

Ein Maß für die Menge der Kationen (positiv geladene Ionen), die ein Stoff mit überwiegend negativer Ladung (z.B. Tonminerale, Humus) adsorbieren und gegen in Lösung befindliche Kationen wieder austauschen kann. Die KAK eines Bodens kennzeichnet so die austauschbare Kationenmenge (cmol+) bezogen auf eine bestimmte Bodenmasse (kg Boden).

Böden können Anionen und Kationen mehr oder weniger reversibel an feste, immobile Oberflächen binden (adsorbieren) und so deren Auswaschung verzögern oder verhindern. In Böden überwiegen Partikel mit negativ geladenen Oberflächen, die als Kationenaustauscher wirken. Kationenaustauscher dienen als Reservoir für Pflanzennährstoffe, die durch Ionenaustauschvorgänge nach und nach an die Bodenlösung abgegeben (Desorption) und von den Wurzeln aufgenommen werden können. Diese Kationenaustauschkapazität hängt ab von der Art und der Menge der Tonminerale, vom Gehalt an organischer Substanz und ihrer Zusammensetzung sowie untergeordnet vom Schluffgehalt und vom Anteil pedogener Oxide.

Die Fähigkeit, Kationen zu adsorbieren hängt bei pedogenen Oxiden und der organischen Substanz vom pH-Wert ab, sie steigt mit steigendem pH-Wert. Mit dem pH-Wert ändert sich auch die Belegung der Kationenaustauscher. So überwiegen in basischen bis schwach sauren Böden die Kationen Ca2+, Mg2+, K+ und Na+ am Kationenbelag der Austauscher; in stark sauren Böden herrschen Al3+ und Al3+ vor. Auch potentielle Schadstoffe wie z.B. Pb, Cd, Hg, Cr, Sr, u.a. können, soweit sie als Kationen im Sickerwasser vorliegen, adsorbiert und ausgetauscht werden.

Bei der Kationenaustauschkapazität handelt es sich um eine Potentialgröße. Je höher die KAK eines Bodens, desto größer ist seine Möglichkeit, Nährstoffkationen zu binden. Je höher die Werte also, desto besser, da die potenzielle Menge an den pflanzenverfügbaren Nährstoffen Calcium, Magnesium und Kalium steigt.

Tonminerale und besonders Fulvo- und Huminsäuren bilden als sogenannte Ton-Humus-Komplexe bedeutende Nährstoffträger. Als wichtigste Kationenaustauscher gelten die Huminstoffe. Bei den silikatischen Tonmineralen stehen die dreischichtigen Smectite und Vermiculite an der Spitze der Sorptionsträger, gefolgt von dem ebenfalls dreischichtigen Tonmineral Illit. Eine extrem niedrige Austauschkapazität besitzen die als Sesquioxide zusammengefassten Oxide und Hydroxide von Eisen und Aluminium (z.B. Goethit, Hämatit, Gibbsit).

Dementsprechend haben z.B. Vertisole, in deren Tonfraktion Smectite dominieren, eine hohe KAK. Hingegen besitzen tropisch/subtropische Lixisole, Acrisole und Nitisole, bei denen Kaolinite vorherrschen, eine niedrige KAK. Extrem niedrig ist sie in Böden, in denen neben Kaolinit hohe Anteile an Sesquioxiden vorliegen, wie z.B. in manchen Ferralsolen.

Man unterscheidet die effektive Kationenaustauschkapazität und potentielle Kationenaustauschkapazität. Die effektive bzw. aktuelle, KAK ist die KAK des Bodens bei dessen jeweiligem pH-Wert; die potentielle bzw. maximale KAK gibt die austauschbaren Kationen bei einem pH-Wert zwischen 7 und 7,5 an.
Der prozentuale Anteil der austauschbaren Kationen an der KAK wird als Basensättigung bezeichnet.

Bedeutung

Austauschbare Kationen können innerhalb des Bodens verschoben, in benachbarte Ökosysteme (z. B. Gewässer) verlagert oder von Pflanzenwurzeln aufgenommen werden. Sie betreffen damit unmittelbar die Nährstoffversorgung der Pflanzen und den Stoffhaushalt von Landschaften. Darüber hinaus beeinflussen die austauschbaren Kationen wichtige Bodeneigenschaften wie das Gefüge, den Wasser- und Lufthaushalt, die Bodenreaktion und nicht zuletzt die biologische Aktivität. Die Kationenaustauschkapazität eines Bodens kann daher als ein Bodenbewertungsmaß angesehen werden (z. B. für landwirtschaftliche Bodenschätzkarten).

Weitere Informationen:

Kautschukbaum

Auch Parakautschukbaum (Hevea brasiliensis), engl. Pará rubber tree, franz. l’hévéa; eine aus Südamerika stammende Pflanzenart aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), die den Naturkautschuk, einen gummiartiger Stoff in ihrem Milchsaft (Latex) liefert.

Merkmale und Eigenschaften

Der Kautschukbaum erreicht Wuchshöhen von etwa 20 bis 40 m und in Plantagen Stammdurchmesser von ungefähr 35 cm. Das Kern- und das Splintholz ist gelblich und riecht in frischem Zustand unangenehm. Die Borke ist hellgrau. Im weichen Bast des Stammes verlaufen Milchröhren (Milchsaftgefäße), durch die der Milchsaft fließt. Dieser besteht zu 55–70 % aus Wasser und 30–40 % aus Kautschuk. Die restlichen Stoffe sind Zucker, Eiweiße, Harze und Wachse, die jeweils nur 0,5–2 % ausmachen.

Geschichte

Ursprünglich war das Vorkommen auf das tropische Amazonasbecken beschränkt. Die Indianer nannten die Pflanze auch „ca-hu-chu“, was so viel wie „weinendes Holz“ bedeutet. Im 15. Jahrhundert berichteten die Portugiesen als erste von Latex und erkannten die positiven Eigenschaften, wie zum Beispiel die Möglichkeit, wasserdichte Kleidung durch Beschichtung mit dem dickflüssigen Saft herzustellen, ähnlich dem Tapa-Rindenbaststoff aus Polynesien.

Nach der Entdeckung des Herstellungsverfahrens von Gummi (durch Vulkanisation des Kautschuks) im Jahr 1839 erhöhte sich die Nachfrage enorm und führte in der Amazonasregion um Manaus und Belém zu einem Kautschukboom. Brasilien hielt das Weltmonopol über Jahrzehnte, auch nachdem in den afrikanischen Tropen Naturkautschuk gewonnen wurde. Nach mehreren missglückten Versuchen anderer gelang es 1876 dem Abenteurer Henry Wickham im Auftrag des britischen India Office und der Royal Botanic Gardens, Kew (bei London), Kautschukbaumsamen außer Landes zu bringen. In den ostasiatischen Gebieten der Straits Settlements (malayische Halbinsel) entstanden nach verschiedenen Rückschlägen in den 1890er Jahren die ersten Plantagen, die ihre Produkte ab 1905 auf den Weltmarkt brachten. Bald verdrängte britischer Kautschuk aus Malaya den brasilianischen vom Weltmarkt, und Großbritannien übte eine Monopolstellung über den weltweiten Kautschukhandel aus.

Ansprüche

Der Kautschukbaum gedeiht bestens auf gut drainierten Böden, d. h. bevorzugt auf Hügeln und an Berghängen. Feuchte oder sumpfige Böden sind für ihn ungeeignet. An Flachküsten, Flüssen und Seen ist er daher selten verbreitet.

Im feuchten Äquatorialklima entwickeln sich ganzjährig neue Blätter, so dass der Baum sehr anfällig für Infektionen ist. In durch Jahreszeiten geprägten Regionen hat der Pilz dagegen weniger Möglichkeiten für einen Befall. Dies ist z. B. in dem durch kühlere und trockenere Winter geprägten Bundesstaat São Paulo der Fall, so dass heute etwa 60 % des brasilianischen Kautschuks dort produziert wird.

Anbau

Aktuell wird der Baum vor allem im sogenannten Kautschukgürtel (ungefähr 30° nördlicher Breite bis 30° südlicher Breite) mit Schwerpunkt SO-Asien angepflanzt.

Nach etwa fünf bis sechs Jahren ist die Nutzpflanze alt genug für die Gewinnung des Milchsafts. Über eine Nutzungsdauer von ca. 30 Jahren schneidet man dazu mit einem Messer in die Rinde ein. Die Milchröhren laufen entgegen dem Uhrzeigersinn in einem Winkel von 3,5° zur vertikalen Richtung. Daher erfolgt der Zapfschnitt spiralig mit einem speziellen Messer von links oben nach rechts unten in einem Winkel von 30° zur horizontalen Richtung. Die Methoden sind unterschiedlich.

Beim Schnitt darf das unter den Milchröhren gelegene Kambium auf keinen Fall zerstört werden, da sonst keine Regeneration der Rinde und damit der Milchröhren möglich ist. Der Milchsaft tritt aus und wird in kleinen Eimern aufgefangen. Der Schnitt erfolgt nur über die Hälfte des Baumumfanges, damit ein Lebendstreifen die Wasser- und Nährstoffversorgung sichert.

Der Anbau von Kautschukbäumen findet überwiegend in kleinbäuerlicher Produktion statt. Der Kautschukbaum speichert vergleichsweise viel des klimawirksamen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) und wird Naturkautschuk nachhaltig angebaut, schafft der Anbau nicht nur technologischen und wirtschaftlichen Fortschritt und Arbeitsplätze, sondern auch Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Dennoch ist der Kautschukanbau mit verschiedenen sozialen und ökologischen Auswirkungen verbunden.

Wirtschaftliche Bedeutung

Kautschuk und Ölpalmen sind heute die bei Weitem wichtigsten Plantagenkulturen, die auch von Kleinbauern in großem Umfang angebaut werden.

Der Kautschukbaum hat eine große wirtschaftliche Bedeutung, da sein als Naturkautschuk (Kautschuk) oder Naturlatex (Latex) bezeichneter Milchsaft die wichtigste natürliche Quelle dieses nachwachsenden Rohstoffs für die Gummiherstellung ist. Durch diese intensive Nutzung wurde der Kautschukbaum weit verbreitet und wird vor allem in Plantagen in Asien und anderen Bereichen des sogenannten Kautschukgürtels angebaut. Gleichzeitig wird ein großer Teil des Bedarfs durch petrochemisch erzeugten Synthesekautschuk gedeckt. Seit etwa 1900 gibt es diesen Synthesekautschuk, der heute etwas mehr als die Hälfte des weltweiten Kautschukbedarfs deckt. Trotzdem spielt Naturkautschuk aufgrund der speziellen Eigenschaften vor allem in puncto Elastizität bis heute eine entscheidende Rolle in der Industrie, und man rechnet mit einer Zunahme des Bedarfs nach Naturkautschuk. Daher ist mit einer deutlichen Ausweitung der Anbauflächen zu rechnen.

Die drei größten Produktionsländer waren im Jahr 2005 Thailand (3.030.000 t), Indonesien (1792.000 t) und Malaysia (1.000.000 t). Auch in Afrika weiten sich die Anbaugebiete aus. Die brasilianischen Bestände sind dagegen aktuell stark von der Südamerikanischen Blattfallkrankheit bedroht, deren Auslöser der parasitären Pilz Microcyclus ulei ist.

Nutzung

Rund 70 Prozent des Naturkautschuks gehen an die Automobilindustrie zur Produktion von Autoreifen. Bindemittel sind ein weiteres wichtiges Produktfeld. Weitere Produkte sind:  Dichtungsringe, Schwämme, Matratzen, Porengummi, Kühlschläuche, Scheibenwischer, Dachisolierung, Latexkleidung, Handschuhe, Kondome und Luftballons.

Im Alter von etwa 25 Jahren stellt der Baum die Produktion von Latex ein, so dass er in der Plantagenwirtschaft gefällt und durch neue Pflanzen ersetzt wird. Das dabei anfallende Holz, sogenanntes Rubberwood, ca. 50 Mio. m³ pro Jahr, liegt mit seinem hellen, warmen Farbton im Trend und wird dank seiner hohen Härte von ca. 6,2 nach der Brinell-Härteprüfung, und damit deutlich härter als zum Beispiel Buche (ca. 4,1), Ahorn (ca. 4,7) oder Eiche (ca. 4,3) und seiner Unempfindlichkeit gegen Feuchtigkeitsschwankungen mehr und mehr auch für den Möbelbau eingesetzt. Die in Monokultur angebauten Pflanzen machen in manchen Ländern, wie zum Beispiel Malaysia, schon einen Großteil des Möbelholzes aus. Auch in Europa wird es vermehrt für den Innenausbau eingesetzt. Das Holz wird auch zu Spielzeug verarbeitet und findet außerdem im Musikinstrumentenbau Verwendung.

Weitere Informationen:

Kazike

Unter einem Kaziken (span.: cacique) versteht man in Spanien einen Patron des Caciquismo genannten oligarchisch organisierten Klientelsystems (Klientelismus). Dieses Patronatssystem wurde systematisch insbesondere während des alfonsinischen Zeitalters (Herrschaft von Alfons XII. und Alfons XIII. 1874–1931) und vor allem im ländlichen Raum angewandt.

Der Kazike ist bzw. war eine sozial höhergestellte Persönlichkeit – zumeist ein Großgrundbesitzer, es konnte sich aber auch z. B. um den örtlichen Pfarrer oder einen Rechtsanwalt handeln. Das Wort stammt ursprünglich aus der in der Karibik verbreiteten Sprache der Taíno.

Die spanischen „Entdecker“, Konquistadoren und Chronisten übernahmen den Begriff auch in einem geographisch weiter gefassten Kontext. Beispielsweise ließ auf den Philippinen während der spanischen Kolonialzeit die Umwandlung von Gemeinschaftsland in Privatbesitz und die Einführung der Hazienda-Wirtschaft eine Oberschicht von einheimischen Großgrundbesitzern (Kaziken) entstehen, deren Nachfahren zum Teil auch heute noch die lokalen Machtstrukturen dominieren.

In Südamerika bezeichnet der Begriff häufig einen Dorfvorsteher, besonders bei indigenen Gemeinden.

Kehrpflug

Scharpflug, der den Erdbalken links oder rechts wenden kann. Die gebräuchlichste Form des Kehrpflugs ist der Volldrehpflug, der beim Wechseln der Wenderichtung 180° um seine Längsachse gedreht wird.

(s. a. Beetpflug, Pflug)

Keimruhe / Dormanz

Bezeichnung für eine Form der Entwicklungsverzögerung bei Pflanzen, die das vorzeitige Keimen der Samen unter ungünstigen Bedingungen verhindert.

Durch diesen Mechanismus werden die ausgereiften Samen vor ungünstigen klimatischen Bedingungen geschützt. Die Keimung der Samen erfolgt verzögert, also erst in einer günstigen Jahreszeit, so dass der Keimling optimale Wachstumsbedingungen vorfindet.

Die Keimruhe ist bei Wildpflanzen der Regelfall. Bei landwirtschaftlich optimierten Kulturpflanzen wurde diese Eigenschaft größtenteils weggezüchtet, da hier die Samen alle zur gleichen Zeit geerntet und wieder aufs Feld ausgebracht werden. Eine Samenruhe würde sich negativ auf die Erträge auswirken.

Werden Nutzpflanzen stark auf das Merkmal Dormanz selektiert, kann es zum sogenannten „pre-harvesting sprouting“ kommen. Dabei keimen die Samen schon an der Mutterpflanze. Dies hat Produktivitätseinbußen zur Folge.

Kernobst

Sammelbegriff für Früchte aus der Familie der Rosengewächse (bot. Rosaceae), die ein Kerngehäuse besitzen. Dazu gehören Äpfel, Birnen, Quitten, Mispeln, Speierling und Eberesche. Die Samen (ugs. „Kerne“) dieser Früchte sitzen in meist fünf miteinander verwachsenen Bälgen, die vom fleischig aufgewölbten Blütenboden, den die Verbraucher als Frucht genießen, fest umwachsen sind.

Die Früchte des Kernobstes gehören zu den beliebtesten Nahrungsmitteln und können durch entsprechende Lagerverfahren über Monate in fast unveränderter Qualität erhalten werden. Die weichen Samenkerne der Rosengewächse besitzen im Gegensatz zu den verholzten Steinobstkernen keine fest umschließende und weitgehend verholzte Kapsel, sondern ein bastartig elastisches Samengehäuse, in dem sie stecken.

Khammessat

Traditionelle Agrarverfassung mit lokalen Varianten im gesamten nordafrikanischen und vorderasiatischen Raum. Grundüberlegung ist, daß die landwirtschaftliche Produktion von fünf Faktoren (ar. Khamsa = fünf) getragen wird, nämlich Boden, Wasser, Saatgut, Arbeitsgerät/Zugtiere und der menschlichen Arbeitskraft. Üblicherweise ergibt sich eine Symbiose aus dem Grundeigentümer, der die vier ersten Faktoren einbringt und dem niedrigen sozialen Schichten entstammenden Khammes, der seine Arbeitskraft zur Verfügung stellt. Entsprechend dem Fünftel, das er beisteuert, wird er mit einem Fünftel der Ernte entlohnt. Je höher der Arbeitseinsatz der Khammes ist, umso höher ist auch sein Ernteanteil. So ergibt sich ein recht stabiles System, da die Interessen des Grundeigentümers durch den Einsatz des Khammes automatisch mit gewahrt werden. Andererseits kommt es bei den bescheidenen Löhnen häufig zu Verschuldungen der Khammes. An einer Modernisierung des traditionellen Agrarsektors hat der Grundeigentümer kaum Interesse. Auch die Khammes wenden sich häufig gegen eine Mechanisierung, da sie eine Verringerung ihrer Ernteanteile befürchten. Dieser Hemmeffekt führte in manchen Staaten zu einem Verbot dieser Pachtform.

Kibbuz

(Mz. Kibbuzim), von hebr. Siedlung; Form landwirtschaftlicher Genossenschaftsbetriebe in Israel mit unterschiedlich starkem Vergesellschaftungsgrad, die aus der Verbindung des jüdischen Geschichtsbewußtseins (Errichtung einer Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina) und der sozialistischen Zukunftsvision von Gleichheit entstand. Alles Eigentum, mit Ausnahme des persönlichen Besitzes, ist Gemeingut. Das Kollektiv tritt als Gesellschaft des öffentlichen Rechts auf und nimmt alle Pflichten und Rechte einer Kommune wahr (Schul- und Gesundheitswesen etc.), wobei die Mitglieder systemkonform keine Kommunalsteuern zahlen. Die Arbeit wird auf kollektiver Basis organisiert. Jedes Mitglied ist verpflichtet, im Rahmen seiner Fähigkeiten und nach Anordnungen der gewählten Gremien für die Kommune zu arbeiten. Umgekehrt ist die Kommune verpflichtet, für sämtliche Bedürfnisse ihrer Mitglieder (Wohnung, Möbel, Kleidung, Essen, Erholung) gemäß ihrer finanziellen Möglichkeiten aufzukommen. Entsprechend ist auch die Verwaltung unmittelbar-demokratisch. Es existiert keine sozial privilegierte Funktionärskaste. Die Ideale des auf freiwilliger Basis beruhenden Gemeinschaftslebens werden konsequent gepflegt (gemeinsame Essenseinnahme, Sozialisation der Kinder vornehmlich in ihrer Altersgruppe). Jedes Mitglied hat jederzeit das Recht, das Kollektiv zu verlassen. Die Unterschiede zu realsozialistischen Kommunetypen, etwa der Kolchose, werden damit überdeutlich.

Die mittlere Größe eines Kibbuz schwankt zwischen 400 und 1200 Einwohnern. Als Wohnort stellt er eine ausgezeichnete Kombination von städtischer Lebensform und ländlicher Umgebung dar. Von der gesamten jüdischen Bevölkerung leben lediglich ca. 3 % in Kibbuzim, was sich wohl aus dem starken Bedarf an ideologischer Motivierung erklärt, die nötig ist, um auf einen großen Teil seiner individuellen Freiheiten zu verzichten.

Wirtschaftlich stellt jeder Kibbuz einen landwirtschaftlichen Großbetrieb dar mit zahlreichen Zweigen, deren Leitung in den Händen von Agronomen mit Hochschulausbildung oder langjähriger Erfahrung liegt. Konsequenterweise sind die Kibbuzim Träger landwirtschaftlichen Fortschritts sowohl hinsichtlich der Produkte, als auch der Produktionsverfahren und -techniken.

Neben der Landwirtschaft werden in jüngerer Zeit verstärkt industrielle Betriebe aufgebaut, z.T. auch Tourismusangebote gemacht, um der nachfolgenden Generation, den im Gefolge der Mechanisierung freiwerdenden Fachkräften bzw. den Frauen Arbeitsplätze zu sichern und eine Krisenanfälligkeit zu vermeiden.

Kibbuzim wurden häufig als Neusiedlungen von Einwanderern gegründet, oft als Grenzsiedlungen mit Wehrfunktion. Im Kibbuz, dessen erste Realisierung 1909 in Deganya am Kinneretsee erfolgte, drückt sich die Haltung der Neueinwanderer und Siedler aus: Offenheit gegenüber technologischen wie organisatorischen Neuerungen, Freiheit von Traditionszwängen, starke nationale und soziale Motivierung, sozialistische Tendenzen.

Es gab 2014 noch 272 dieser Siedlungen mit einer Größe von bis zu 2000 Einwohnern. Zu Neugründungen kommt es seit 1999 kaum mehr. Zur Zeit der Gründung des Staates Israel lebten etwa 8 % der Israelis in einem Kibbuz, heute (2014) sind es etwa 1,8 %. Es gab bereits seit den 1990er Jahren Abwanderungen, besonders der Jugend, die nur teilweise durch Zuwanderung aus dem Ausland, beispielsweise aus den USA, Kanada und Europa, aufgefangen werden konnten. Der allgemeine Abwärtstrend setzt sich daher auch seit 2010 fort, da die meisten Jugendlichen spätestens nach Absolvierung ihres Militärdienstes den Mittelpunkt ihrer Lebensinteressen außerhalb der Kibbuzim wahrnehmen und nicht mehr zurückkehren.

Eine Abspaltung der Kibbuzbewegung hatte 1920 zur Einführung einer neuen Siedlungsform, dem Moshav (Mz. Moshavim) geführt. Er besitzt heute eine größere zahlenmäßige Bedeutung.

(s. a. agrarsoziale Systeme)

Kinderarbeit

Von Kindern zu Erwerbszwecken verrichtete Arbeit, für die sie zu jung sind oder die gefährlich oder ausbeuterisch sind, die ihre körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die sie vom Schulbesuch abhalten. Kinderarbeit ist meist verbunden mit überlangen Arbeitszeiten und Niedrigstlöhnen. Sie beraubt Kinder ihrer Kindheit und verstößt gegen die weltweit gültigen Kinderrechte.

Zu unterscheiden ist zwischen normalen Aufgaben zum Beispiel im Haushalt, zwischen legaler Beschäftigung von Jugendlichen und zwischen Ausbeutung von Kindern. Für legale Beschäftigung haben die meisten Staaten per Gesetz ein Mindestalter zwischen 14 und 16 Jahren festgelegt. In Deutschland ist das Mindestalter 15 Jahre mit einigen Ausnahmen für leichte Tätigkeiten.

Zu den „schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ zählen die Vereinten Nationen (ILO-Konvention Nr. 182 von 1999): Sklaverei und sklavenähnliche Abhängigkeiten, Zwangsarbeit einschließlich des Einsatzes von Kindersoldaten, Kinderprostitution und Kinderpornographie, kriminelle Tätigkeiten wie den Missbrauch von Kindern als Drogenkuriere sowie andere Formen der Arbeit, die die Sicherheit und Gesundheit der Kinder gefährden können. Fast alle Staaten der Welt haben sich auf das Ziel geeinigt, jegliche Form der Kinderarbeit, angefangen mit der gerade beschriebenen schlimmsten Form, bis zum Jahr 2025 vollständig abzuschaffen.

Die UN-Kinderrechtskonvention (KRK) definiert Kinderarbeit als Tätigkeiten von unter 18-jährigen, die ihnen schaden oder sie am Schulbesuch hindern (KRK, Artikel 32).

Die Antwort auf die Frage, was als ausbeuterische und was als unproblematische Kinderarbeit gilt, hat sich im Laufe der Geschichte stark gewandelt; sie wird heute noch regional unterschiedlich beantwortet. Insbesondere die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) befürwortet ein generelles weltweites Verbot von Kinderarbeit, von dem es nur in engen Grenzen Ausnahmen geben solle. Gegen diese Haltung wird seit einiger Zeit eingewandt, dass sie die konkreten Interessen betroffener Kinder und ihrer Eltern nicht ernst genug nehme.

Die meisten Kinder müssen arbeiten, weil sie für ihre eigene bzw. die Existenzsicherung ihrer Familie sorgen müssen. Als Folge einer hoffnungslosen sozioökonomischen Situation werden viele Kinder von ihren Familien an einen Arbeitgeber verkauft.

Child Labour in Agriculture
Child Labour in Agriculture

Nearly 70% of all child labourers work in agriculture nearly 100 million boys & girls! In this infographic two very different stories are told: The typical story of a child labourer in agriculture, increasingly involved in work and obliged to leave school too early. The typical story of a child living and learning in a rural area, whose rights are respected thanks to what FAO promotes
Quelle: FAO

Kinderarbeit in der Landwirtschaft

Nach Angaben von UNICEF arbeiten heute 190,7 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren, zwei Drittel davon in der Landwirtschaft. Sie arbeiten als Baumwollpflücker in Ägypten, Indien, Pakistan oder Usbekistan, auf den Plantagen in Ecuador und Argentinien und bei der Teeernte in Nepal, China, Indien, Sri Lanka und Kenia oder als Schuldknecht bei der Kakaoernte an der Elfenbeinküste, Nigeria und Gabun.

Manche Kinder helfen ihren Eltern bei unterschiedlichen Arbeiten. Sie hüten Tiere, holen Wasser, helfen bei der Aussaat und Ernte.
Andere arbeiten mit ihren Eltern zusammen oder allein auf Plantagen für Exportwaren, zum Teil als Saisonarbeiter. Dabei sind die Arbeitszeiten extrem lang, sodass es für Kinder unmöglich ist zur Schule zu gehen.
Die Kinder erhalten in der Regel ein Drittel bis zur Hälfte des Lohnes der Erwachsenen. Auf Plantagen werden die Kinder wie die Erwachsenen nach Leistung bezahlt.

In den letzten Jahren hat die Zahl arbeitender Kinder in der Landwirtschaft zugenommen. Nach einer zuvor rückläufigen Entwicklung hat sich die Zahl arbeitender Kinder in der Landwirtschaft seit 2012 global wieder erhöht: Um 10 Millionen auf insgesamt 108 Millionen im Jahr 2016. Dies erklärte die FAO vergangene Woche in Rom anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit.

Aktuell seien fast 71 % aller Kinderarbeiter in der Agrarbranche tätig, meist als unbezahlte Familienarbeiter. Bei den Kindern in der Altersklasse von fünf bis 14 Jahren seien es sogar 78 %, in der Altersklasse von 15 bis 17 Jahren rund 49 %. Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es laut FAO nicht. Allerdings seien deutliche regionale Unterschiede festzustellen.

Besonders in Afrika und Zentralasien sind die Probleme groß. Kinderarbeit in der Landwirtschaft werde vielfach auch dadurch gefördert, dass es infolge politischer Konflikte und klimabedingter Katastrophen zu Fluchtbewegungen komme. Kinder müssten dann oft zum wirtschaftlichen Überleben der Flüchtlingsfamilien beitragen.

Die FAO verweist auf aktuelle Risiken durch die Kinderarbeit. Es bestehen Gefahren für die körperliche und psychische Gesundheit der Jungen und Mädchen. Dabei ist dieser Sektor einer der gefährlichsten bezüglich der Anzahl der arbeitsbedingten Todesfälle, Unfälle sowie Berufskrankheiten und Verletzungen.

Zudem bestehen langfristige Probleme, da die Kinder anstatt in die Schule zu gehen, arbeiten. Dadurch hätten die Kinder später keine Chance auf einen gut bezahlten Arbeitsplatz.

Historisch kann als Beispiel für die seit langem bestehende Erscheinung der Kinderarbeit auf Süddeutschland, Österreich und die Schweiz hingewiesen werden. In der Schweiz konnten zwischen 1800 und 1950 Bauern von den Behörden Verdingkinder, d. h. Waisen- und Scheidungskinder, auf einem Verdingmarkt ersteigern. Solche Kinder wurden meistens zu Zwangsarbeit eingesetzt.

Vor allem im 19. Jahrhundert bis hinein in die 1920er Jahre zogen jährlich Kinder aus Tirol, Südtirol, Vorarlberg und der Schweiz zu Fuß über die Alpen nach Oberschwaben, um dort den Sommer über vor allem in der Landwirtschaft zu arbeiten (Schwabenkinder).

Weitere Informationen:

Kippenboden

Kippenböden sind junge Böden, die sich innerhalb von Jahrzehnten in Bergbaufolgelandschaften entwickelt haben. Sie entstehen aus verkipptem Abraum. In der deutschen Bodenklassifikation zählen diese Böden zur Klasse der Terrestrischen Rohböden und zur Klasse der Ah/C-Böden. Die verbreiteten Kipp-Regosole sind aus carbonatfreiem bis carbonatarmem Lockermaterial hervorgegangen. International (WRB) sind sie den Regosols zugeordnet, oder wenn stark sandig, den Arenosols.

Entwicklung und Eigenschaften

Im Rheinischen Revier zwischen den Städten Köln, Aachen und Mönchengladbach steht ausreichend kulturfreundliches Bodenmaterial als Deckschicht der geplanten Tagebaue an. Löss, Sand und Kies werden für die Rekultivierungsböden je nach Nutzungsziel als oberste Bodenschicht mit großen Absetzern rippenförmig abgekippt und im Anschluss planiert. Für eine landwirtschaftliche Folgenutzung wird mindestens 2 Meter kalkhaltiger Löss über wasserdurchlässigem Sand und Kies aufgetragen. Dies Flächen werden mehrere Jahre mit tiefwurzelnden Pflanzen wie Luzerne schonend bewirtschaftet, um die Böden mit Humus anzureichern, mit Mikroorganismen zu beleben, allmählich ein Bodengefüge aufzubauen und mit ausreichend Pflanzennährstoffen auszustatten.

Für eine forstliche Folgenutzung wird bereits beim Abräumen der Deckschicht in den Tagebauen des Rheinlandes eine Mischung aus Löss, Sand und Kies entnommen und anschließend verkippt. Das lockere Bodenmaterial kann ausreichend Wasser speichern und wird – häufig ohne weitere Vorbereitung – gleich im Anschluss mit einer Mischung aus geeigneten Laubbaumarten bepflanzt.

Die standortkundliche Gunst des Kippmaterials ist in der Lausitz deutlich geringer als im Rheinischen und auch im Mitteldeutschen Revier. Neben nährstoffarmen, sandigen Kippsubstraten aus Ablagerungen der Eiszeiten werden häufig stark saure Kippsubstrate aus dem tertiärzeitlichen Deckgebirge verkippt. Dies führt zu Schwierigkeiten vor allem bei der Herrichtung für eine landwirtschaftliche Nutzung.

Ein nachhaltiger Erfolg der forstlichen Rekultivierung erfordert zunächst eine zielgerichtete, tiefgründige Melioration der Kippsubstrate. Dazu werden Kalk- und Nährstoffgaben in den Boden eingearbeitet. Da häufig stark saure Kippsubstrate an der Oberfläche vorliegen, sind mitunter sehr hohe Kalkgaben als kohlesaurer Kalk bis 100 cm Tiefe erforderlich. Diese werden mit der Tiefspatenfräse eingearbeitet. Die verabreichten Hauptnährstoffe werden bis 30 cm tief eingefräst.

Frisch aufgetragenes Bodenmaterial für eine landwirtschaftliche oder forstliche Folgenutzung oder auch für eine naturbelassene Besiedlung durch Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen beginnt als Rohboden, als Lockersyrosem mit initialer Humusbildung. Erstes abgestorbenes Pflanzenmaterial oder auch zugeführte organische Düngung wird zerkleinert, zersetzt, humifiziert und mineralisiert. Dabei entstehen Humus und Pflanzennährstoffe, die Voraussetzungen für das Wachstum höherer Pflanzen. Allmählich entwickelt sich ein durchgehender humoser Oberboden, bei landwirtschaftlicher Nutzung eine Ackerkrume. Aus dem rohen Lockersyrosem entsteht bei kalkfreiem Bodenmaterial ein Kipp-Regosol und bei kalkhaltigem Kippmaterial eine Kipp-Pararendzina. Erst im Verlauf von Jahrhunderten entwickeln sich diese Böden durch Entkalkung, Verwitterung und Gefügebildung in unserem atlantischen bis subkontinentalen Klima zu Braunerden, Parabraunerde oder unter Kiefer auf stark saurem Substrat zu Podsolen.

Nutzung

Die chemischen und physikalischen Eigenschaften der verkippten Substrate entscheiden über die Nutzungsmöglichkeiten der daraus entstehenden Böden.

Auf Rekultivierungsflächen mit bindigen (lehmigen) und nährstoffreichen Kipp-Substraten ist eine dauerhafte landwirtschaftliche Folgenutzung möglich. Im Mitteldeutschen und auch im Rheinischen Braunkohlenrevier prägen daher landwirtschaftliche Nutzungsformen die Bergbaufolgelandschaften.

Sandige, wasser- und nährstoffärmere Kipp-Regosole werden nach entsprechender Melioration zumeist forstwirtschaftlich genutzt. In der Lausitz dominiert die forstliche Rekultivierung mit der anspruchslosen Gemeinen Kiefer. Dazu kommen verschiedene Laubbaumarten, insbesondere Trauben- und Stieleiche, Gemeine Birke, Winterlinde oder Roteiche.

Ziel der Rekultivierung zur landwirtschaftlichen Nutzung sollten abwechslungsreich strukturierte Folgelandschaften mit nicht zu groß dimensionierten Ackerflächen sein, die sowohl der landwirtschaftlichen Nutzung als auch der biologischen Vielfalt Rechnung tragen und so einem Rückgang an Insekten, Vögeln und Pflanzen entgegenwirken können.

Auf ausgedehnten Flächen sind in der Bergbaufolgelandschaft der Lausitz und Mitteldeutschlands aber auch in der Ville zwischen Köln und Grevenbroich im Rheinland Areale entstanden, auf denen sich Kippsubstrate kleinflächig stark unterscheiden und die meist trocken und nährstoffarm sind, mitunter auch kohle- und schwefelhaltig oder vernässt. Sie werden nicht oder nur geringfügig melioriert und bleiben meist sich selbst überlassen. Solche Flächen eignen sich kaum für eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung. Sie bieten aber für Pflanzen und Tiere ein Mosaik unterschiedlichster ökologischer Nischen, die in unserer stark genutzten Kulturlandschaft kaum mehr zu finden sind. Sie können für den Arten- und Biotopschutz wertvoll sein.

Verbreitung

Große Flächen mit Kippenböden kommen vor allem in Bergbaufolgelandschaften der Braunkohletagebaue im Bereich der Lausitz, im Mitteldeutschen Revier, im Rheinland sowie in Hessen und Bayern vor. Als typische Rekultivierungsböden der Tagebaue nehmen sie eine Gesamtfläche von ca. 1.550 km² in Deutschland ein. Das entspricht der Gesamtfläche der Städte Berlin, Köln und Chemnitz. Bis zur Beendigung der Braunkohlengewinnung in Deutschland werden diese Flächen noch deutlich zunehmen. Deutlich kleinflächiger sind weitere Kippenböden in ganz Deutschland verbreitet. Sie entstehen überall dort, wo humusarmes Unterbodenmaterial an der Erdoberfläche verkippt wird und erneut einer Bodenentwicklung unterliegt.

Weitere Informationen:

Klärschlamm

Schlammiges Konzentrat aus Feststoffen die beim Klärprozess im Klärwerk aus dem Abwasser ausgeschieden werden. Je nach Herkunft des Abwassers (Industriebetriebe, Haushalte) ist auch die Zusammensetzung des Klärschlamms unterschiedlich. Im Regelfalle enthält er zum Teil sehr wertvolle Bestandteile, aber auch zum Teil sehr schädliche oder gefährliche Stoffe.

Pro Tonne Trockensubstanz enthält Klärschlamm durchschnittlich 70 kg Ca, 40 kg N, 35 kg P, 5 kg Mg, nur sehr wenig K (2 kg); zusätzlich etwa 2 kg Zn, 400 g Cu, 300 g Mn, 40 g B und 10 g Mo. Klärschlamm kann je nach Abwasserart und Behandlungsverfahren umwelt-, bzw. gesundheitsgefährdende Stoffe wie Krankheitskeime und Schwermetalle (z.B. Cadmium, Blei, Quecksilber) enthalten.

Bezeichnung für den ausgefaulten bzw. auf sonstige Weise stabilisierten Schlamm aus Kläranlagen. Klärschlamm aus häuslichen Abwässern enthält viele Nähr- und Humusstoffe und kann unter bestimmten Voraussetzungen als Düngemittel verwendet werden.

Die bisher geltende Klärschlammverordnung vom 15. April 1992 regelt ergänzend zu den Vorgaben der Düngemittelverordnung (DüMV) insbesondere schadstoffseitige Anforderungen an die Verwertung von Klärschlämmen zu Düngezwecken auf landwirtschaftlich genutzten Böden. Um den Zielen eines nachhaltigen Umwelt- und Ressourcenschutzes stärker als bisher gerecht zu werden, werden mit der Verordnung zur Neuordnung der Klärschlammverwertung die bisher geltenden Anforderungen an die bodenbezogene Klärschlammverwertung verschärft sowie der Anwendungsbereich der Verordnung auch auf Maßnahmen des Landschaftsbaus ausgedehnt. Die Verordnung ist am 3. Oktober 2017 in Kraft getreten.

In Deutschland fielen 2019 rund 1,74 Mio. Tonnen Klärschlammtrockenmasse in der biologischen öffentlichen Abwasserbehandlung an.

Die Verwendung von Klärschlämmen in der Landwirtschaft entwickelt sich seit Jahren rückläufig. Ab 2029 dürfen nur noch Klärschlämme von Anlagen mit bis zu 100.000 Einwohnerwerten und am 2032 nur noch bis zu 50.000 Einwohnerwerten als Düngemittel verwendet werden. Klärschlämme mit einem Phosphorgehalt von mindestens 20 Gramm Phosphor je Kilogramm Trockenmasse müssen dann einer Phosphorrückgewinnung unterzogen werden.

2019 wurden rund 287.000 t Klärschlammtrockenmasse in der Landwirtschaft eingesetzt. Das entspricht rund 17 Prozent des angefallenen Klärschlamms. Weitere 3 Prozent (59 Tausend Tonnen) wurden in landschaftsbaulichen Maßnahmen als Dünger verwertet. Ein Großteil des anfallenden Klärschlamms wird thermisch verwertet, also verbrannt. 2019 wurden 1,3 Mio. t Klärschlammtrockenmasse verbrannt, das entspricht rund 74 Prozent. Zusammen 101.000 t Klärschlammtrockenmasse wurden 2019 sonstiger stofflicher Verwertung zugeführt oder direkt entsorgt.

Verbleib von Klärschlamm (in 1.000 Tonnen Trockenmasse)

In Deutschland vielen 2019 rund 1,74 Millionen Tonnen Klärschlammtrockenmasse in der biologischen öffentlichen Abwasserbehandlung an. Aufgrund seines relativ hohen Stickstoff- und Phosphorgehalts wird Klärschlamm als Düngemittel eingesetzt, sofern er nur eine geringe Schadstoffbelastung aufweist.

Trotzdem kann es in Böden mit der Zeit zu einer Schadstoffanreicherung kommen, weshalb die Nutzung von Klärschlämmen als Düngemittel mit der Novellierung der Klärschlammverordnung zukünftig stärker eingeschränkt wird.

Quelle: BZL 2021

Weitere Informationen:

Klärschlammkompostierung

Biologische Methode zur Behandlung von Klärschlämmen, die in Deutschland zur Zeit in etwa 30 Anlagen praktiziert wird. Die Verrottung (aerobe Zersetzung fester organischer Stoffe) kann in Mieten oder in Behältern (sogenannte Bioreaktoren) bei Temperaturen von etwa 65 °C ablaufen. Neben einer Belüftung ist eine Beimengung organischer Kohlenstoffe erforderlich. Der entstehende Kompost ist hygienisch einwandfrei.

Klärschlammverordnung

Die Verordnung (AbfKlärV) vom 1.7.1992 regelt das Aufbringen von Klärschlamm aus Abwasserreinigungsanlagen auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzte Flächen. Es dürfen nur solche Schlämme verwertet werden, die die Anforderungen der AbfKlärV erfüllen. Die Verordnung bestimmt, daß der Klärschlamm vorher entkeimt sein muß und setzt für sieben Schwermetalle (Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber, Zink) Höchstmengen fest. Die Verordnung regelt weiterhin die Zeitabstände, in denen der Klärschlamm aufgebracht werden kann und begrenzt die jährliche Menge. Das Aufbringen von Klärschlamm auf Gemüse- und Obstanbauflächen sowie auf Dauergrünland und forstwirtschaftlich genutzte Böden ist verboten.

Um die wertgebenden Bestandteile des Klärschlamms (Phosphor) umfassender als bisher mit der bodenbezogenen Klärschlammverwertung praktiziert wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen und gleichzeitig die herkömmliche bodenbezogene Klärschlammverwertung zum Zweck einer weiteren Verringerung des Schadstoffeintrags in den Boden deutlich einzuschränken, wurde die Klärschlammverordnung von 1992 novelliert. Die Verordnung zur Neuordnung der Klärschlammverwertung vom 27. September 2017 ist am 3. Oktober 2017 in Kraft getreten.

Die EU-weite bodenbezogene Klärschlammverwertung erfolgt auf der Grundlage der Richtlinie des Rates vom 12. Juni 1986 über den Schutz der Umwelt und insbesondere der Böden bei der Verwendung von Klärschlamm in der Landwirtschaft (86/278/EWG).

Eine Neufassung der Klärschlammverordnung wurde im Januar 2017 vom Bundeskabinett beschlossen.

Klärschlammverwertung

Derzeit wird noch rund ein Drittel der insgesamt circa 1,8 Millionen Tonnen kommunalen Klärschlämme (Trockenmasse) in der Landwirtschaft und im Landschaftsbau zu Düngezwecken eingesetzt. Die verbleibende Restmenge wird unter anderem als Sekundärbrennstoff in Kraftwerken und Zementwerken eingesetzt oder auf Deponien gelagert, wobei die wertgebenden Inhaltsstoffe des Klärschlamms, insbesondere Phosphor, in der Regel verloren gehen. Die Deponierung von Klärschlämmen ist seit dem 1. Juni 2005 nur nach der Vorbehandlung in einer Verbrennungsanlage oder nach einer mechanisch-biologischen Behandlung zulässig. Die Verwertung der Klärschlämme in der Landwirtschaft erfolgt auf der Grundlage der Klärschlammverordnung, die ergänzend zu den Vorgaben des Düngerechts insbesondere Grenzwerte für die Belastung des Klärschlamms und des für eine Klärschlammaufbringung vorgesehenen Bodens mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen enthält.

Diese Regelungen und strenge Vorgaben auf der Grundlage des Wasserrechts und des Chemikalienrechts haben dazu geführt, dass der Schadstoffgehalt in kommunalen Klärschlämmen in den letzten Jahren zum Teil um über 90 Prozent zurückgegangen ist. Neueste Zahlen aus dem Jahr 2015 belegen die Fortsetzung dieses Trends für die Mehrzahl der untersuchten Schwermetalle. Dies gilt auch für eine Reihe von organischen Schadstoffen. Bei einzelnen organischen Schadstoffen dagegen ist zwischenzeitlich eine Belastungsstagnation eingetreten.

(s. a. Klärschlammverordnung)

kleeartige Futterpflanzen

Leguminosen, vor allem Kleearten und Luzerne. Kleeartige Futterpflanzen können zu Silage verarbeitet, zu Heu getrocknet oder auf entsprechenden Flächen als Weide genutzt werden. In der Fruchtfolge dienen sie als Gründüngung und begünstigen durch die Stickstoff-Anreicherung die Bodenfruchtbarkeit.

Klee

Klee (Trifolium) zählt zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae). Klee ist eine 243 Arten umfassende Pflanzengattung.
Charakteristische Merkmale der Gattung sind dreifiedrige Blätter und vielblütige, kopfige Blütenstände. Klee ist auf allen Kontinenten, mit Ausnahme Australiens und Antarktikas, natürlich verbreitet.

In der Landwirtschaft werden 16 verschiedene Kleearten als Futterpflanzen verwendet. Kleeanbau ist sowohl in Europa als auch in Nordamerika von ökonomischer Bedeutung. In Europa wurde Wiesen-Klee (Trifolium pratense) schon ab dem 4. Jahrhundert nach Christus angebaut.

Durch die Fähigkeit, in Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobiaceae) an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft zu binden, ist Klee auch für die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bedeutend.

Das Kleeblatt fand in die Symbolik vieler Kulturen Eingang. Es repräsentiert stets die Dreiheit, wie zum Beispiel im Christentum als Symbol der Dreifaltigkeit. Weiterhin steht Klee für den Sommer oder symbolisiert die Liebe. Das vierblättrige Kleeblatt gilt als Glücksbringer.

Kleegraswirtschaft

Intensivform der Feldgraswirtschaft mit nur zwei- bis dreijähriger Nutzungsdauer des Feldfutterbaus.

Klei

Bezeichnung für entwässerten Schlick, ein extrem feines, marines Sediment, dessen Körnung bis in den tonigen Bereich reichen kann. Das Wort Klei stammt aus dem Mittelniederdeutschen und leitet sich von kleben ab, da Kleiboden dazu neigt, hartnäckig an den Schuhen zu haften. An der Küste ist der Ursprung des Kleibodens die Sedimentation von Schlickwatt oder Mischwatt, in den Ästuaren kann Klei auch durch Schlickfall und nachfolgende Entwässerung des Sediments entstehen. Teilweise fielen Wattflächen natürlich oder durch Eindeichung trocken, so dass sie heute im Inland als Marschböden vorliegen. Der Bodenart setzt sich aus höchstens 50 % Sand zusammen, die Bodenart ist demnach tonig bis schluffig. Stark bindige Böden der Marsch werden in Norddeutschland als Kleimarsch, Knickmarsch oder Dwogmarsch bezeichnet. In manchen Gegenden bezeichnet man auch bindige Böden anderer Herkunft als Klei.

Nutzung

Die Kleiböden der Marschen sind generell relativ fruchtbar. Die Bodenzahlen einer Kleimarsch liegen zwischen 65 und 70. Sie sind aber auch Stundenböden, die nur kurze Bearbeitungszeiträume im Jahr zulassen.

Wegen seiner hohen Bindigkeit wird Kleiboden traditionell im Deichbau genutzt, ebenso beim Bau von Warften. Bestanden Deiche früher ausschließlich aus Klei, so ist dies heute bei den wesentlich höher und breiter ausgeführten Seedeichen an Nordsee, Unterelbe und Unterweser nicht mehr möglich, weil Kleiboden nur in begrenzter Menge zur Verfügung steht. Moderne Deiche bestehen stattdessen aus einem Sandkern, auf den lediglich eine ein bis zwei Meter dicke Kleischicht aufgetragen wird. Sie ist nicht wasserdicht, verlangsamt aber die landeinwärts gerichtete Wasserströmung so weit, dass das Wasser nur noch sickert, ohne dabei erosiv zu wirken. Das Sickerwasser wird landseitig über Drainagen abgeleitet.

Als Baugrund eignet Kleiboden sich schlecht, da er sich wegen seiner feinen Textur unter Wassereinwirkung verformt und die Gebäude einsacken.

Kleimarsch

Bodentyp der Jungmarschen aus holozänen, maritimen Ablagerungen. Die Kleimarsch erhielt ihren Namen von ihrem typischen Bodenmaterial, dem Klei. Es handelt sich um mindestens 40 cm tief entkalkte Marschböden, die durch Entkalkung aus der Kalkmarsch hervorgegangen sind. Entwässert bringen sie gute Erträge.

Entstehung und Verbreitung

Die Entstehung einer Kleimarsch folgt den gleichen Schritten wie die der Kalkmarsch: Aus dem periodisch vom Tidenhub überschwemmten Watt gehen nur noch episodisch überflutete Rohmarschen hervor. Sobald diese endgültig, z. B. durch Eindeichung, aus dem Gezeitenbereich herauswachsen, entwickeln sie sich zur Kalkmarsch.

Wenn diese durch beständige Niederschläge und chemische Verwitterung tiefgründig entkalkt ist, spricht man vom Bodentyp der Kleimarsch. Mit weiterer Versauerung setzen auch Silikatverwitterung, Verbraunung und gelegentlich Tonverlagerung verstärkt ein.

Da die Kleimarschen stärker entkalkt sind als Kalkmarschen, sind sie älter als diese (ca. 300 bis 600 Jahre). Sie zählen allerdings noch zu den Jungmarschen.

Wie fast alle Jungmarschen sind auch Kleimarschen vor allem auf die Landgewinnung zurückzuführen. Während Kalkmarschen immer direkt hinter den Deichen liegen, befinden sich die Kleimarschen auf älteren Landgewinnungen und somit hinter historischen Deichlinien, die teilweise weit im Hinterland liegen können.

Im globalen Maßstab ist der Anteil an Marschlandflächen eher gering. Eines der größten zusammenhängenden Gebiete erstreckt sich in Mittel- und Westeuropa entlang der Nordseeküste im Abschnitt von Süddänemark bis Westflandern. Daneben besteht beispielsweise auch die Ostküste von England teilweise aus Marsch, zum Beispiel am Gezeitenbecken des Ästuars The Wash.

Nutzung

Da Kleimarschen sehr fruchtbar sind, waren die Höfe und die sie bewohnenden Bauern im Normalfall vergleichsweise reich. Kleimarschen werden, wann immer es möglich ist, intensiv ackerbaulich genutzt. Die Bodenzahlen einer Kleimarsch liegen zwischen 65 und 70. Sie sind aber auch Stundenböden, die nur kurze Bearbeitungszeiträume im Jahr zulassen.

Kleinbauer

Landwirt mit einer geringen Ausstattung an Produktionsfaktoren, insbesondere mit geringem Landbesitz, teilweise als Folge von Realteilung und die verstärkte Landnahme von Agrarkonzernen. Sein Einkommen liegt wegen der minimalen Produktion von Nahrung und anderen Produkten in der Nähe des Existenzminimums. Ein Kleinbauer ist häufig auf Zupacht und hoffremde Arbeit angewiesen.

Der Begriff ist oft nicht genau definiert und variiert mit der Bezugsregion. Die Begriffe family farmers, smallholders oder peasants werden teilweise synonym verwendet, Kleinbetriebe können aber auch als Untergruppe der Familienbetriebe aufgefasst werden. Auch ihre Abgrenzung bzw. Definition ist schwierig. In der Regel wird als Kriterium die bearbeitete Fläche herangezogen, wobei dies nur bedingt aussagekräftig ist, da die Bedeutung von Betriebsgrößen vom jeweiligen agro-ökologischen Kontext (Bodenqualität, Niederschlag u. w.) sowie dem Produktionsprogramm abhängig ist.

Nach Angaben der FAO bewirtschaften 72 % der Agrarbetriebe weltweit weniger als 1 ha Land und damit nur 8 % des Agrarlandes, Betriebe mit 1 bis 2 ha (12 % aller) nur 4 %. Zusammengenommen bearbeiten Kleinbauern, die 84 % aller Betriebe ausmachen, also nur 12 % des Landes. In Kleinbetrieben ist die Ressource Arbeitskraft meist ausreichend oder sogar überschüssig, die übrigen Ressourcen Land Vieh und Kapital sind hingegen knapp.

Bei geringen externen Inputs versuchen Kleinbauern in vielen Fällen, die Produktivität des Landes durch eine sehr arbeitsintensive Nutzung (z.B. Bewässerung, Terrassierung) zu steigern, ohne sie zu gefährden.

Kleinbauern haben außerdem i. d. R. starke Probleme mit dem Zugang zu Krediten sowie Infrastruktur- und Vermarktungsprobleme. Ferner fehlen Kleinbauern Skaleneffekte, sie haben folglich Schwierigkeiten, an den agrarischen Wertschöpfungsketten teilzuhaben, da sie nur geringe Mengen auf dem Markt anbieten können und so eine schlechte Verhandlungsposition gegenüber Aufkäufern/Auftraggebern haben. Bei vielen kleinbäuerlichen Betrieben sind Produktion und Konsumption von Nahrung sehr eng miteinander verbunden (Subsistenzwirtschaft).

Weltweit sehen sich ca. 500 Mio Kleinbauern mit landwirtschaftlichen Flächen von jeweils unter 2 ha einer großen Konzentration von Marktmacht und Fähigkeit zu politischer Einflussnahme gegenüber, die von internationalen Konzernen des Agribusiness repräsentiert wird. Im Gegensatz zum Wachstumstrend global aktiver Großunternehmen nimmt die Durchschnittsgröße landwirtschaftlicher Betriebe in vielen Ländern des Globalen Südens seit Jahrzehnten ab.

Nach Angaben der UN (2004) lebten etwa 1,5 Milliarden Menschen weltweit in kleinbäuerlichen Haushalten (WDR 2008). Ein Teil der Kleinbauern verkauft Überschüsse auf Märkten. Ein Großteil der Kleinbauern betreibt aufgrund unzureichender Produktionsfaktoren (insbes. Boden, Landtechnik, Saatgut, Agrarchemikalien), sowie anderer Nachteile lediglich Subsistenzwirtschaft.

Kleinbäuerliche Landwirtschaft ist wegen der meist niedrigen Produktivität eng verknüpft mit Armut. So sind 50 % aller weltweit hungernden Menschen Kleinbauern. Aus Mangel an Alternativen ist sie in vielen Entwicklungsländern für einen Großteil der Bevölkerung die wichtigste Erwerbsquelle, insbesondere in Subsahara-Afrika und in Teilen Asiens.

Family Farmers: Feeding the world, caring for the earth
Family Farmers: Feeding the world, caring for the earth

Quelle: FAO

Weitere Informationen:

Klein(eigentums)landwirt

Agrarsoziale Gruppe, die sich in zwei Gruppen unterteilen läßt, nämlich in die Kleinlandwirte mit mittelgroßem Bodeneigentum und mehr oder weniger angemessener Ackernahrung (Vollerwerbslandwirte, Farmer) sowie in die Kleinlandwirte mit geringem Bodeneigentum und einer unter der Ackernahrung liegenden Bodenverfügbarkeit.

(s. a. Großeigentumslandwirt, Kleinbauer)

Kleinerzeuger

Kategorie von landwirtschaftlichen Betrieben, die von der Pflicht zur Flächenstilllegung im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik befreit sind. Auf ihrer Anbaufläche dürfen höchstens 92 t Getreide geerntet werden. Kleinerzeuger erhalten für den Anbau von Getreide, Ölsaaten, Eiweißpflanzen oder Öllein nur eine einheitliche (geringere) von Getreide abgeleitete Ausgleichszahlung.

Kleingarten

Gewöhnlich zusammenhängend, aber getrennt vom städtischen Wohnumfeld auftretende Gärten, die von Pächtern aus Liebhaberei oder nebenerwerbsmäßig genutzt werden. Sie dienen hauptsächlich zur Gewinnung von Obst und Gemüse und zur Erholung. Ihre Fläche soll 400 m² nicht überschreiten. Ihre häufige Bezeichnung als Schrebergarten geht auf den Arzt D. Schreber zurück. Nicht zu den Kleingärten werden gerechnet Eigentümer-, Wohnungs- und Arbeitnehmergärten.

(s. a. Kleingartenanlage)

Kleingartenanlage

Auch Kleingarten- oder Laubenkolonie; Konzentration mehrerer kleiner Gärten, die häufig von den Kommunen verpachtet werden, und die in zur Bebauung ungeeigneten städtischen Randlagen auftreten. Die Nutzung als Ziergarten ergänzt heute die traditionelle Wirtschafts- und Erholungsfunktion. Kleingartenanlagen sind häufig durch Vereine organisiert, die sich auch um den Erhalt bzw. Ausbau der Infrastruktur bzw. um die Bereitstellung billigen Saat- und Pflanzgutes oder Gartenchemikalien kümmern. Die Anlagen weisen häufig Gemeinschaftseinrichtungen wie Wege, Spielflächen und Vereinsgebäude auf. Dauer-Kleingärten sind im Bebauungsplan ausgewiesen.

(s. a. Kleingarten, Schrebergarten)

Klima

Klima im engeren Sinne ist normalerweise definiert als das durchschnittliche Wetter, oder genauer als die statistische Beschreibung in Form von Durchschnitt und Variabilität relevanter Größen über eine Zeitspanne im Bereich von Monaten bis zu Tausenden oder Millionen von Jahren. Der klassische Zeitraum zur Mittelung dieser Variablen sind 30 Jahre, wie von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) definiert. Die relevanten Größen sind zumeist Oberflächenvariablen wie Temperatur, Niederschlag und Wind bezogen auf eine bestimmte Region, aber auch die dort auftretende Ausprägung von Jahreszeiten. Klima im weiteren Sinne ist der Zustand, ein schließlich einer statistischen Beschreibung, des Klimasystems.

Deutschland liegt im Übergangsbereich von Kontinentalklima mit heißen Sommern und strengen Wintern und Seeklima mit mäßig warmen Sommern und milden Wintern in der gemäßigten Zone. Innerhalb Deutschlands gibt es verschiedene Klimazonen, außerdem ein unterschiedliches Kleinklima, das an jedem Ort u.a. von Bodenerhebungen und Wasserflächen abhängig ist. Das Klima entscheidet über die Vegetation und damit über die Bodenproduktion.

Von Züchtern werden Sorten entwickelt, die den unterschiedlichen klimatischen Bedingungen Rechnung tragen. Das Klima unterliegt langfristigen natürlichen Veränderungen. Der von den Menschen herbeigeführte erhöhte Ausstoß von Treibhausgasen führt weltweit zu einer Klimaänderung mit Temperaturanstieg und - z. B. durch Abschmelzen von Eis - zu einem Ansteigen des Meeresspiegels.

(s. a. Klimawandel)

klimasmarte Landwirtschaft

Auch klimaintelligente Landwirtschaft; das Konzept der klimasmarten Landwirtschaft wurde 2010 von der Welternährungsorganisation FAO geprägt, die darunter insbesondere die intelligente Verbindung von Ernährungssicherung und Klimaanpassung versteht. Vereinfacht formulierte basiert der Ansatz auf folgenden drei Säulen: 

Der Begriff wird von verschiedenen Seiten unterschiedlich interpretiert. Hinzu kommt, dass es seit 2014, vor allem vor dem Hintergrund der Global Alliance for Climate-Smart Agriculture (GACSA) der FAO, eine sehr kritische öffentliche Diskussion zur Auslegung gibt. Die GACSA, eine Plattform des Wissensmanagements, sammelt und unterstützt Technologien, Innovationen und „gute Praktiken“ aus dem gesamten Spektrum der Landwirtschaft, die hierzu beitragen.

Kritik am FAO-Konzept und der GACSA wird insbesondere von Seiten zahlreicher Nichtregierungsorganisationen (NROs) vorgetragen. Diese befürchten, dass unter dem wohlklingenden Namen letztlich sozial ungerechte und umweltzerstörende Technologien gefördert werden, die kurzfristig klimaschonend wirken, aber langfristig in eine ökologisch, ökonomisch und soziale Sackgasse führen können.
Insbesondere wollen die Kritiker verhindern, dass unter dem Deckmantel klimasmart eine Landwirtschaft propagiert wird, die z.B. Abhängigkeiten von resistenten Hochertragssorten, spezifischen Dünge- und Pflanzenschutzmittel sowie Maschinen schafft. Solche Ansätze, so die Kritiker, seien nicht nur unökologisch, sondern auch sehr kapitalintensiv und würden eine kleinbäuerliche Produktion mittel- bis längerfristig verdrängen – mit entsprechenden sozialen Konsequenzen für die Ärmsten.

Weitere Informationen:

Klimaszenario (Westeuropa) und Landwirtschaft

Die folgenden Aussagen des Bundesumweltministeriums über die Entwicklung des europäischen Klimas aufgrund der anthropogenen Einflüsse beruhen im wesentlichen auf den Ergebnissen der am Hamburger Max-Planck-Institut und am Hadley Centre in Bracknell, England, erstellten Klimaprognosen mit gekoppelten Ozean-Atmosphäre-Zirkulationsmodellen. Beide Szenarienrechnungen gehen von einer jährlichen Zunahme der CO2-Äquivalenz-Konzentrationen von 1 Prozent aus.

Temperatur:

Für Westeuropa wird eine Temperaturzunahme von ca. 0,2 °C pro Dekade prognostiziert. Gegenüber der heutigen Mitteltemperatur werden damit im Jahre 2030 die Temperaturmittelwerte um etwa 0,75 °C gestiegen sein. Es wird damit gerechnet, daß die Temperaturerhöhung in östlicher und nördlicher Richtung zunimmt und für Osteuropa +0,35 °C pro Dekade betragen wird. Die winterlichen Perioden extremer Kälte werden zurückgehen und die heißen Sommer häufiger werden. Die natürliche Variabilität der jährlichen Oberflächenmitteltemperatur von etwa 1 °C kann die anthropogene Erwärmung für Westeuropa etwa für 1 - 2 Dekaden verdecken.

Niederschläge:

In Nord- und Mitteleuropa werden die winterlichen Niederschläge um etwa 20 Prozent (max. 40 Prozent) zunehmen. Auf der Iberischen Halbinsel wird mit einem Niederschlagsrückgang gerechnet. Die Sommerniederschläge werden nach den gerechneten Modellen für die Gesamtregion zwischen Mittelmeer und Schottland abnehmen.
Insgesamt ist mit einer Zunahme konvektiver Niederschläge (Schauer) zu rechnen, deren stärkere Intensität zu einer Vergrößerung der Niederschlagsmenge bei gleichzeitiger Abnahme der "Tage mit Niederschlag" führen kann. Die natürliche Variabilität der Niederschläge beträgt für Westeuropa etwa 30 - 40 Prozent (max. 60 Prozent), so daß erst nach einigen Dekaden klimaänderungsbedingte Trendverschiebungen signifikant nachweisbar sind.

Bodenfeuchte:

Für das Winterhalbjahr wird für Westeuropa keine wesentliche Veränderung der Bodenfeuchte vorhergesagt. Nur auf der Iberischen Halbinsel muß wahrscheinlich mit zunehmender Bodenaustrocknung gerechnet werden. Im Sommer wird besonders in Südeuropa eine fortschreitende Austrocknung der Böden eintreten, wobei die nördliche Begrenzung dieser Austrocknungszone noch umstritten ist.

Landwirtschaft:

Steigende Temperaturen verlängern die Vegetationsperiode, so z.B. in Europa um schätzungsweise zehn Tage bei einem Temperaturanstieg um 1 °C. Soweit Licht, Wasser und Nährstoffe in entsprechender Menge vorhanden sind, kann sich dadurch die Produktivität eines Standortes erhöhen. Zugleich erweitern sich die Anbaumöglichkeiten besonde7rs wärmeliebender Arten und Sorten. Pflanzenspezifische Minimaltemperaturen für die Keimung, die Blütenbildung oder andere Stadien innerhalb der Pflanzenentwicklung werden auch in höheren Breiten eher erreicht bzw. überschritten. Pro Grad Celsius Temperaturerhöhung verlagern sich die Anbaugebiete um 200 bis 300 km polwärts bzw. im Bergland um 200 Meter höher. Weiter im Norden liegen jedoch häufig schlechter entwickelte und weniger fruchtbare Böden. Zudem schränkt die prognostizierte Zunahme extremer Wetterereignisse den erweiterten Spielraum möglicherweise ein, da häufiger Früh- und Spätfröste und andere Wetterextreme auftreten werden.
Durch einen Temperaturanstieg werden außerdem die Anbaumöglichkeiten in niederen Breiten zunehmend eingeschränkt oder zumindest die Erträge deutlich reduziert, da hier vielfach das pflanzenspezifische Temperaturoptimum bereits erreicht oder überschritten ist.
Die Situation höheren Winter- und geringeren Sommerniederschlags trifft auf die nur sehr mangelhafte Fähigkeit von Böden, fehlende Sommerniederschläge durch Speicherung der erhöhten Winterniederschläge auszugleichen. Selbst dort, wo die Niederschläge auch im Sommer ansteigen, wird durch die gleichzeitige Temperaturerhöhung die Verdunstung soweit zunehmen, daß die Niederschlagszunahme meist überkompensiert wird und die Bodenfeuchte abnimmt. Die Nährstoffaufnahme würde dadurch eingeschränkt. Möglicherweise müssen Standorte mit leichten Böden, die heute schon unter Wassermangel leiden, ganz aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen werden. Der Bewässerungsfeldbau wird als Folge bis in die gemäßigten Breiten hinein massiv zunehmen.
Für die Auswirkungen der zu erwartenden Klimaänderungen auf die Vegetation spielen neben direkten Wirkungen veränderter physikalischer Klimaparameter auch die indirekten Wirkungen einer veränderten stofflichen Zusammensetzung der Atmosphäre mit den daraus resultierenden Änderungen im Stoffaustausch zwischen Atmosphäre und Biosphäre eine mitentscheidende Rolle.
Klimaänderungen führen zu einem Selektionsdruck, dessen Resultat im Rahmen von Anpassungsprozessen wegen der vielfältigen Wechselwirkungen nicht vorhersagbar ist. Sicher ist aber, daß bei diesem Anpassungsprozeß die Stabilität des Ökosystemgefüges durch das Auftreten neuer konkurrierender Arten, neuer oder vermehrt auftretender Schädlinge, neuer oder aggressiverer Krankheitserreger, erhöhter Feuergefahr und Bodenerosion, beeinträchtigt werden kann. Mit zunehmendem Temperaturanstieg wird sich auch das Verbreitungsgebiet tropischer Krankheitserreger polwärts ausdehnen und die Zahl der bekannten Schädlinge in vielen Regionen zunehmen.
Von den direkten Wirkungen der stofflich veränderten Atmosphäre stehen die durch den veränderten CO2-Gehalt hervorgerufenen im Vordergrund.
Aufgrund seines hohen Anteils in der Atmosphäre und wegen seiner Schlüsselrolle in der pflanzlichen Photosynthese kommt dem CO2 eine besondere Bedeutung zu. In den vergangenen ca. 130 - 150 Jahren hat der CO2-Gehalt stetig von 280 auf 355 ppm zugenommen und steigt weiter an.
Da nahezu die gesamte Trockenmasse von Pflanzen aus der Reduktion des atmosphärischen CO2 zu Kohlehydraten während der Photosynthese stammt und die heutige, mittlere CO2-Konzentration der Troposphäre bei sonst optimalen Bedingungen limitierend auf die Photosynthese - zumindest von C3-Pflanzen wirkt - wird sich ein unmittelbarer Einfluß dieses CO2-Konzentrationsanstiegs auf das Pflanzenwachstum bzw. auf terrestrische Ökosysteme insgesamt bemerkbar machen.
Der oftmals vermutete "Düngungseffekt" einer erhöhten CO2-Konzentration ist umstritten. Gegenwärtig werden lediglich 10 Prozent der Erhöhung landwirtschaftlicher Pflanzenerträge auf diesen, nur C3-Pflanzen betreffenden Effekt zurückgeführt. Eine deutliche Steigerung wird teilweise erwartet.
Nahezu unbekannt ist die Reaktion mehrjähriger Kulturen (z.B. Dauergrünlandarten, Winterannuelle) auf hohe CO2-Gehalte der Atmosphäre. Die mehrfach nachgewiesene Stärke- bzw. Zuckerakkumulation im Pflanzengewebe könnte sich z. B. auf die Reservestoffgehalte in den Speicherorganen (Wurzeln, Stoppeln etc. auswirken und die Widerstandsfähigkeit gegen Stressperioden im Winter bzw. den Wiederaustrieb im Frühjahr verändern.
Erste Hinweise deuten zudem auf erhebliche Änderungen in der chemischen Zusammensetzung von Pflanzen (z. B. veränderte C/N-Verhältnisse) durch das hohe CO2-Angebot hin. Inwieweit dies neben einer Minderung der Qualität des Ernteguts bei Kulturpflanzen Konsequenzen hat für die Aktivität bzw. den Befall mit Fraßinsekten, für die Bodenlebewesen (aufgrund geänderter Zusammensetzung von Laubstreu und anderen Pflanzenresten) sowie für die Nährstoffumsätze im allgemeinen, ist noch wenig bekannt.
Auch der mit steigenden CO2-Konzentrationen einhergehende Anstieg der mittleren globalen Temperaturen wird zu Wechselwirkungen dieser beiden Wachtumsfaktoren führen.
Die Auswirkungen einer globalen Klimaveränderung auf die Trockenmassebildung von landwirtschaftlich genutzten Pflanzen sowie auf Wildpflanzen und damit auf die Dynamik der natürlichen Vegetation und auf die Rückkopplungseffekte zwischen der Kohlenstoffbilanz von Ökosystemen und der CO2-Konzentration der Atmosphäre können jedoch mit dem heutigen Kenntnisstand noch nicht quantitativ bewertet werden. Auch sind die Kombinationswirkungen veränderter Anteile von Luft- oder Strahlungskomponenten sowie qualitativ veränderten Klimaelementen noch unzureichend bekannt.
Es muß aber davon ausgegangen werden, daß die Geschwindigkeit der Klimaveränderung die Anpassungsfähigkeit landwirtschaftlicher und natürlicher Ökosysteme überfordert. Andererseits hält es das Bundeslandwirtschaftsministerium für möglich, die mitteleuropäische Landwirtschaft rein technisch an veränderte Klimabedingungen anzupassen, unklar ist jedoch, wie die damit verbundenen Anpassungsprobleme ökologisch, ökonomisch, strukturell, sozial und handelspolitisch zu bewältigen sind.

Lokale und regionale Ausweich- bzw. Anpassungsmöglichkeiten auf Klimaänderungen (nach Sauerbeck 1991):

Global gesehen wird bei allen Vorbehalten hinsichtlich aktueller Ertragsmodelle mit sinkenden Erträgen in den niederen Breiten gerechnet, mit regionalen Ertragszuwächsen in den mittleren und höheren Breiten. Insgesamt muß aber mit klimabedingten Ertragsverlusten in der Landwirtschaft gerechnet werden.

(s. a. Kohlendioxid, Treibhauseffekt)

Weitere Informationen:

Klimawandel

Auch Klimaänderung; der Begriff bezieht sich auf eine Änderung des Klimazustands, die aufgrund von Änderungen des Mittelwertes und/oder des Schwankungsbereiches seiner Eigenschaften identifiziert werden kann (z. B. mit Hilfe von statistischen Tests) und die über einen längeren Zeitraum anhält, typischerweise Jahrzehnte oder länger. Klimaänderung kann durch interne natürliche Prozesse oder durch äußere Antriebe wie Modulationen der Sonnenzyklen, Vulkanausbrüche sowie andauernde anthropogene Änderungen der Zusammensetzung der Atmosphäre oder der Landnutzung zustande kommen.

Die gegenwärtige, vor allem durch den Menschen verursachte (anthropogene) globale Erwärmung ist ein Beispiel für einen (noch nicht abgeschlossenen) Klimawandel. Hierfür wird der Begriff umgangssprachlich meist synonym gebraucht.

Es ist zu beachten, dass das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) in seinem Artikel 1 Klimaänderung definiert als: „Änderungen des Klimas, die unmittelbar oder mittelbar auf menschliche Tätigkeiten zurückzuführen sind, welche die Zusammensetzung der Erdatmosphäre verändern, und die zu den über vergleichbare Zeiträume beobachteten natürlichen Klimaschwankungen hinzukommen.“ Das UNFCCC unterscheidet demnach zwischen einerseits Klimawandel, der Aktivitäten des Menschen, die die Zusammensetzung der Atmosphäre verändern, zuzuordnen ist, und andererseits Klimavariabilität, die natürlichen Ursachen zuzuordnen ist.

Folgen des Klimawandels können vorteilhafte oder nachteilige Auswirkungen auf Lebensgrundlagen, Gesundheit und Wohlergehen, Ökosysteme und Arten, Dienstleistungen, Infrastrukturen sowie wirtschaftliche, soziale und kulturelle Güter haben.

Risiken und Chancen des Klimawandels

Der Klimawandel verändert das Temperaturgleichgewicht der Erde und hat weitreichende Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Im Zuge der globalen Erwärmung werden die Strahlungsbilanz und damit die Temperatur der Erde durch die erhöhten Treibhausgaskonzentrationen verändert.

Es ist wissenschaftlich inkorrekt und nicht möglich, einzelne Wetterereignisse dem aktuellen Klimawandel zuzuschreiben, jedoch kann statistisch nachgewiesen werden, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse erhöht.
Zu den direkten Folgen des anthropogenen (menschenverursachten) Klimawandels gehören:

Zu den indirekten Folgen des Klimawandels, die uns Menschen sowie unsere Umwelt direkt betreffen, gehören: 

Da es sich beim globalen Klima um ein stark vernetztes System handelt, welches von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird, ergeben sich durch die Folgen in der Regel positive oder negative Rückkopplungseffekte. Hierunter versteht man Entwicklungen, die durch das Eintreten bestimmter Bedingungen selbstverstärkend wirken. (myclimate.org)

Weitere Informationen:

Klimawandel und Landwirtschaft (Deutschland)

Wie kaum ein anderer Wirtschaftsbereich hängt die Landwirtschaft von Witterung und Klima ab. Die Änderungen wichtiger Klimakenngrößen wie Temperatur und Niederschlag sowie der Konzentration von Spurengasen in der Atmosphäre beeinflussen unmittelbar physiologische Prozesse in Kulturpflanzen und damit den Ertrag und die Qualität der Ernteprodukte. Zudem wirken sich Klimaänderungen auf die Pflanzenproduktion indirekt aus, indem sie strukturelle und funktionelle Eigenschaften von Agrarökosystemen verändern. Hierzu zählen z. B. Elemente der genutzten und assoziierten Biodiversität, physikalische, chemische und biologische Kenngrößen des Bodens oder das Auftreten von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen. Auch die Leistungsfähigkeit von Nutztieren hängt von Klima und Witterung ab.

Nach den für Deutschland mittelfristig projizierten klimatischen Änderungen sind bei differenzierter Betrachtung sowohl negative als auch positive Konsequenzen für die deutsche Landwirtschaft zu erwarten.
Auf der einen Seite werden extrem trockene und heiße Witterungsperioden, Starkregenereignisse oder auch Hagelschläge nachteilige Folgen für die Produktion haben. Auf der anderen Seite steigern ein moderater Temperaturanstieg und eine verlängerte Vegetationsperiode bei ausreichender Wasserversorgung das Ertragspotenzial. Außerdem können sich Bedingungen einstellen, die auch den Anbau von bisher nicht in unseren Breiten kultivierbaren Fruchtarten ermöglichen. Die Auswirkungen stellen sich in Abhängigkeit der jeweiligen Anbauschwerpunkte, der naturräumlichen Voraussetzungen und der sich tatsächlich vor Ort vollziehenden Klimaveränderungen allerdings regional sehr unterschiedlich dar. Daher sind bundesweite Durchschnittswerte stets mit Sorgfalt zu interpretieren. Neben der Pflanzenproduktion ist auch die Tierproduktion vom Klimawandel betroffen. Diskutiert werden Einbußen in der Fleisch-, Eier- und Milchproduktion infolge von Hitzewellen, erhöhte Risiken bei Tiertransporten und Beeinträchtigungen der Tiergesundheit. Wenn Tiere unter Hitzestress geraten, kann es zu einer Abnahme der Fruchtbarkeit oder zu Beeinträchtigungen der Eutergesundheit kommen, und wie der Mensch können auch Tiere von Infektionskrankheiten betroffen sein, die von wärmeliebenden Krankheitserregern übertragen werden. Bundesweit lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels auf die Tierproduktion allerdings derzeit nicht darstellen, da die hierfür erforderlichen Daten nicht bundesweit verfügbar sind.

Entscheidend dafür, wie die Effekte des Klimawandels ausfallen, sind zum einen die Art und Intensität der Klimaveränderungen selbst, zum anderen die Empfindlichkeit der jeweils betrachteten Produktionssysteme und die Implementierung von Anpassungsmaßnahmen, mit deren Hilfe sich die Folgen des Klimawandels nutzen, vermeiden oder mildern lassen. Während z. B. eine moderate durchschnittliche Erwärmung oder die kontinuierliche Zunahme der atmosphärischen CO2-Konzentration durchaus positive Wirkungen auf die deutsche Pflanzenproduktion haben können, wirken sich besonders extreme Wetterlagen – regional unterschiedlich – meist deutlich negativ auf einzelne Landnutzungs- oder Produktionssysteme aus.

Anpassungen an den Klimawandel sind im Zusammenhang mit der allgemeinen Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebs-, Landnutzungs- und Produktionsstrukturen zu betrachten und zu bewerten – Triebkräfte sind dabei in erster Linie der technische Fortschritt, die steigende Produktivität sowie ökonomische und politische Rahmenbedingungen, die sich vor allem in den vergangenen 10 Jahren stark geändert haben. Insbesondere die Entwicklungen auf den Agrarmärkten, die ihrerseits durch weltweite Klimaveränderungen beeinflusst werden, wirken sich auf die deutsche Landwirtschaft aus. Dieses Kapitel fasst den derzeitigen Stand der Erkenntnisse zu den möglichen Wirkungen des Klimawandels auf die deutsche Landwirtschaft sowie Anpassungsoptionen zusammen, mit einem Schwerpunkt auf der Pflanzenproduktion.

Die Auswirkungen der erwarteten Klimaveränderungen erscheinen für die deutsche Landwirtschaft in den nächsten 20–30 Jahren im Wesentlichen beherrschbar. Ihre Möglichkeiten, sich an den Klimawandel anzupassen, sind vergleichsweise breit gefächert. Vor allem bei einjährigen Kulturen lassen sich Anpassungsentscheidungen auch kurzfristig treffen. Anspruchsvoller ist es dagegen in Betrieben, die Dauerkulturen bewirtschaften oder in der Tierproduktion tätig sind, denn hier sind längerfristig wirksame Investitionsentscheidungen erforderlich.

Für die längerfristigen klimatischen Veränderungen sind die Anforderungen zur Anpassung der Landwirtschaft in Deutschland neu zu analysieren. Zunehmende extreme Wetterlagen wie Früh-, Spät- und Kahlfröste, extreme Hitze, Dürre, Hagel und Sturm könnten die Landwirtschaft herausfordern. Bislang gibt es nur wenige belastbare Erkenntnisse, wie sich künftige agrarrelevante Extremereignisse auswirken, sowie über die Möglichkeiten des Risikomanagements. Einerseits bestehen erhebliche Unsicherheiten bezüglich der Entwicklungen auf den Agrarmärkten, der zukünftigen politischen Rahmenbedingungen sowie der Klimaveränderungen in den nächsten 20–30 Jahren. Andererseits ist die Landwirtschaft sehr anpassungsfähig, weil landwirtschaftliche Produktionszyklen deutlich kürzer sind als die Zeithorizonte des Klimawandels und weil die Landwirtschaft sich rasch technologisch wie strukturell verändert. Zudem passen sich landwirtschaftliche Betriebe traditionell an neue Witterungs- und Klimaverhältnisse an.
Daher unterliegt die Landwirtschaft zwar einem latenten, jedoch keinem dringenden Anpassungsdruck an den Klimawandel. Dies spiegeln zurzeit auch die Strategien vieler Bundesländer zur Anpassung an den Klimawandel wider. Die meisten Maßnahmen der Länder liegen in den Bereichen Monitoring, Forschung und Beratung. (Brasseur et al. 2017)

Weitere Informationen:

Klimawandel und Landwirtschaft (global)

Der Fünfte Sachstandsbericht (AR5) des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (engl.: Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz: IPCC) kommt zu dem Schluss: Der Klimawandel ist eine eindeutige Tatsache. Menschliche Aktivitäten, insbesondere der Ausstoß von Kohlendioxid, sind mit mindestens 90-prozentiger Sicherheit die Hauptursache dafür. Klimaveränderungen machen sich bereits überall auf dem Planeten bemerkbar.

Zusammenfassung

Bereits heute wirkt sich der Klimawandel in verschiedenen Weltregionen auf Ernteerträge und Lebensmittelproduktion aus – negative Folgen sind dabei häufiger zu beobachten als positive. Wenn sich die Landwirtschaft nicht anpasst, werden bis 2050 bei lokalen Temperaturanstiegen um 2 °C oder mehr (gegenüber dem Stand am Ende des 20. Jahrhunderts) Produktionsrückgänge erwartet. Einzelne Standorte könnten aber auch profitieren. Nach 2050 nimmt das Risiko stärkerer Ernteeinbußen zu, ihr Ausmaß richtet sich nach der eintretenden Erwärmung. In Afrika und Asien wird der Klimawandel die landwirtschaftliche Produktion am stärksten treffen. Ein weltweiter Temperaturanstieg um 4 °C oder mehr) würde in Kombination mit der steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln die Ernährungssicherheit weltweit und regional stark gefährden.

Im Jahr 2010 trug die Landwirtschaft mit 10 bis 12 % zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei. Der Agrarsektor ist die größte Quelle von Treibhausgasen jenseits des Kohlendioxids (z.B. Methan), 2005 verursachte er 56 % dieser Emissionen.

Sowohl über angebots-, als auch über nachfrageseitige Maßnahmen lässt sich der agrarbedingte Treibhausgasausstoß senken. Zu den Möglichkeiten auf der Angebotsseite (also bei der Landwirtschaft selbst) gehört die Senkung der Emissionen aus Landnutzungsänderungen, Bodenbewirtschaftung und Viehhaltung. Außerdem ließe sich die Menge an CO2 erhöhen, die von Böden und Biomasse aufgenommen und gebunden wird. Die Emissionen der Gesamtwirtschaft können sinken, wenn fossile Brennstoffe durch solche aus Biomasse ersetzt (und wenn bei deren Produktion bestimmte Bedingungen eingehalten) werden. Auch die Nachfrageseite kann an der Minderung agrarbedingter Emissionen mitwirken, etwa wenn weniger Lebensmittel weggeworfen und verschwendet oder wenn andere (mit niedrigerem Treibhausgasausstoß verbundene) Lebensmittel konsumiert werden, also etwa weniger Fleisch.

Es liegt im eigenen Interesse des Landwirtschaftssektors, ehrgeizige Maßnahmen zur Emissionsminderung zu ergreifen und mitzuhelfen, dass wichtige Schwellenwerte bei der Erderwärmung nicht überschritten werden. Ebenso wichtig ist es, sich auf den unvermeidlichen Temperaturanstieg und die damit verbundenen Klimaereignisse einzustellen. Zwar ist eine Anpassung an klimatische Auswirkungen grundsätzlich möglich (vor allem durch die Verbreitung bereits verfügbarer Techniken), doch es gibt Grenzen. Ein Anstieg der Erdmitteltemperatur um 3 °C oder mehr, wird Projektionen zufolge die Anpassungsfähigkeit insbesondere in äquatornahen Regionen überfordern.

Ernährungssicherheit

Die Kombination aus klimatischen Extremereignissen (etwa Hitzewellen, Dürren, Überflutungen und Waldbränden) und langfristigen Entwicklungen (steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster usw.) hat breite und tiefgreifende Folgen für den Agrarsektor und die weltweite Ernährungssicherheit. Der Klimawandel wird Ökosysteme beeinträchtigen oder gar zerstören, die vielfältige, für die landwirtschaftliche Produktion unerlässliche Dienstleistungen erbringen (beispielsweise Verbreitung von Samen, Abbau von Abfallstoffen, Bereitstellung von Nährstoffen). Nach dem Verlust von Lebensräumen ist der Klimawandel die weltweit größte Bedrohung für Bestäuberinsekten wie Bienen oder Hummeln.

Ernteerträge

Die während der vergangenen Jahrzehnte freigesetzten Treibhausgase beeinträchtigen bereits heute den Anbau von Reis, Weizen und Mais. Bei lokalen Temperatursteigerungen um 2 °C (die bei ungebremsten Emissionen an vielen Orten durchaus zu erwarten sind) ist mit weiter sinkenden Erträgen zu rechnen, wenn keine Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden. Die Folgen der Emissionen für die Ernten sind sehr komplex: Einerseits hat Kohlendioxid in den meisten Fällen eine stimulierende Wirkung auf das Pflanzenwachstum, andererseits werden Pflanzen durch bodennahes Ozon geschädigt, das im Zusammenhang mit menschlichen Emissionen entsteht. Erhöhte Ozonwerte haben die weltweiten Ernteerträge sehr wahrscheinlich bereits verringert, Schätzungen zufolge um zehn Prozent bei Weizen und Sojabohnen. Die grundsätzlich förderliche Wirkung eines höheren CO2-Niveaus auf die Photosynthese von Pflanzen dürfte zudem relativiert werden durch Veränderungen im Stickstoffkreislauf,
Temperaturextreme oder Wassermangel, die im Zuge des Klimawandels ebenfalls zu erwarten sind. Infolge der Erwärmung und anderer Faktoren werden wahrscheinlich jene Gebiete stark schrumpfen, die für den Anbau von Kaffee, Tee und Kakao geeignet sind – die Existenzgrundlage von Millionen Kleinbauern in mehr als 60 Ländern. Solchen Projektionen steht eine erwartete Zunahme der Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten um rund 14 % pro Jahrzehnt bis 2050 gegenüber.

Entwicklungsländer

In Entwicklungsländern sind die klimabedingten Risiken für die Landwirtschaft am größten. Den dortigen Bauern und Viehhaltern fehlt es an Ressourcen, die unverzichtbar sind zur Anpassung an die Erderwärmung (etwa Kapital, Technik und Wissen). Zudem treffen die Klimarisiken dort auf andere, bereits vorhandene Probleme ökologischer (zum Beispiel Bodenerosion, Wasserverschmutzung, schwindende Artenvielfalt), gesellschaftlicher (wie Ungleichheit, Armut, Geschlechterdiskriminierung) oder staatlicher Art (beispielsweise schwache Institutionen). Verschiedene Wechselwirkungen verschärfen die Risiken.

Wassersicherheit

Veränderte Niederschlagsmengen und -muster sowie der Rückgang von Schnee, Eis und Gletschern wirken sich in vielen Regionen auf die Wasserkreisläufe und damit auf Menge und Qualität des verfügbaren Wassers aus. Mit jedem weiteren Grad Celsius Erwärmung ist damit zu rechnen, dass für weitere sieben Prozent der Weltbevölkerung die erneuerbaren Wasserressourcen um mindestens 20 % abnehmen.

Preisschwankungen

Ein wichtiger Faktor bei den jüngsten Anstiegen der Lebensmittelpreise war, dass mehr Ackerland für den Anbau von Energiepflanzen genutzt wird. Doch dürften auch wetterbedingte Ertragsschwankungen eine Rolle gespielt haben, denn die Preisspitzen folgten oft auf klimatische Extreme in wichtigen Anbauländern. Wegen zunehmender Folgen der Erderwärmung werden bis 2050 Preissteigerungen für Mais um 55 %, für Reis um 37 % und für Weizen um 11 % erwartet. Eine größere Schwankungsbreite (”Volatilität“) der Preise hat negative wirtschaftliche Folgen, denn sie erhöht die Unsicherheit und möglicherweise auch die Produktionskosten und erschwert dadurch den Zugang zu lebenswichtigen Grunderzeugnissen. Arme Bevölkerungsgruppen werden durch klimabedingte Preissteigerungen überdurchschnittlich hart getroffen. Die Preisspitzen von 2010/2011 drückten schätzungsweise 44 Millionen Menschen in 28 Ländern unter die Armutsgrenze.

Lebensmittelqualität

Der Klimawandel wird wahrscheinlich die Qualität mancher Lebensmittel beeinträchtigen. Herrschen beim Anbau von Weizen, Reis, Gerste und Kartoffeln hohe CO2-Konzentrationen, verringert sich der Proteingehalt dieser Produkte um 10 - 14 %. Bei einigen Lebensmittelpflanzen könnte auch der Gehalt an Mineralien und Spurenelementen sinken.

Schädlinge und Krankheiten

In manchen Fällen lässt sich das Auftreten von Schädlingen auf den Klimawandel zurückführen. Steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster sowie häufigere und stärkere Hitzeextreme stören die natürliche Regulierung von Schädlingen und Krankheiten. Zugleich dehnen sich die Verbreitungsgebiete verschiedener Schädlinge aus. Hierdurch sind weitere Ernteeinbußen und Preisanstiege zu erwarten.

Viehhaltung

Zunehmender Hitzestress und häufigere Wetterextreme werden sich negativ auf die Viehbestände auswirken. Hochleistungsrassen sind besonders gefährdet. Die in Entwicklungsländern gehaltenen Züchtungen sind tendenziell widerstandsfähiger gegenüber Hitze und saisonaler Mangelernährung. Für Nutztiere gefährliche Krankheitserreger werden sich im Zuge des Klimawandels voraussichtlich ausbreiten.

Arbeit

Durch Hitzestress und Krankheiten, die beispielsweise von Insekten übertragen werden, wird eine Abnahme der Arbeitsproduktivität erwartet, vor allem für körperliche Arbeit in feuchtem Klima. Es liegt nahe, dass dies auch die Landwirtschaft treffen wird.

Lieferketten

Die Landwirtschaft ist nur ein Glied in den Lieferketten der Lebensmittelindustrie. Die Branche ist ebenso darauf angewiesen, dass Kühlung, Beförderung, Verarbeitung und Vertrieb funktionieren – und alle Glieder der Lieferketten sind klimatischen Risiken ausgesetzt, etwa Betriebsunterbrechungen. (nach klimafakten.de)

Weitere Informationen:

Klimawirkung der Landwirtschaft (Deutschland)

Die Landwirtschaft in Deutschland trägt maßgeblich zur Emission klimaschädlicher Gase bei. Dafür verantwortlich sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, das Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist) sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch).

Die wichtigsten Treibhausgase insgesamt, auch in landwirtschaftlich genutzten Ökosystemen, sind Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Wie die folgende Abbildung zeigt, treten diese bei der Landwirtschaft insbesondere in Zusammenhang mit der Wiederkäuerhaltung (Fermentation), Düngung und Nutzung organischer Böden auf. Die längerfristige Festlegung von Kohlenstoff findet sowohl im Boden als auch in der oberirdischen Biomasse (insbesondere Holz) sowie Holzprodukten statt. In Deutschland stellen die Wälder aufgrund dieser Festlegungsprozesse gegenwärtig eine Kohlenstoffsenke dar, obwohl es auf globaler Ebene aufgrund der Rodung von Wäldern Netto-THG-Emissionen aus dem Forstsektor gibt.

Wichtige Treibhausgase und Prozesse
land- und forstwirtschaftlich genutzter Ökosysteme

Die wichtigsten Treibhausgase insgesamt, auch in landwirtschaftlich genutzten Ökosystemen, sind Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Wie die Abbildung zeigt, treten diese bei der Landwirtschaft insbesondere in Zusammenhang mit der Wiederkäuerhaltung (Fermentation), Düngung und Nutzung organischer Böden auf.

Quelle: BMEL

Agrarprodukte, beispielsweise Lebensmittel verursachen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der landwirtschaftlichen Produktion einschließlich des vorgelagerten Bereichs über verschiedene Verarbeiter, Vermarkter und den Einzelhandel bis zum Endverbraucher Treibhausgasemissionen. Von diesen wird lediglich der Anteil, der nach dem Kauf des Lebensmittels entsteht, vom Verbraucher direkt verursacht. Betrachtet man den Konsum von Lebensmitteln mit dem Ziel, damit einhergehende Treibhausgasemissionen zu verringern, werden jedoch nicht nur diese direkt verursachten THG-Emissionen – z. B. bei der Erledigung der Einkaufswege, der Kühlung oder der Zubereitung der Lebensmittel im Haushalt – in den Blick genommen. Betrachtet werden zudem die vom Verbraucher indirekt verursachten Emissionen, also die, die aus der Produktion und Verarbeitung bis zur Ladentheke entstehen.

Emissionen aus der Landwirtschaft im Jahr 2014

 

Größenordnungen der THG-Emissionen, Substitutions- und Speicherleistungen aus Landwirtschaft, Ernährung sowie Forstwirtschaft und Holzverwendung (in Mio. t CO2-Äq/Jahr, unterschiedliche Jahre). Die Flächen der Ovale entsprechen dem Absolutwert der Differenz aus Emissionen und Substitutions- und Speicherleistung der betrachteten Sektoren.

Quelle: BMEL

2014 stammten rund 58 % der gesamten Methan (CH4)-Emissionen und 79 % der Lachgas (N2O)-Emissionen in Deutschland aus der Landwirtschaft.
Im Jahr 2014 war die deutsche Landwirtschaft für die Emission von rund 66 Millionen Tonnen (Mio. t) Kohlendioxid (CO2)-Äquivalenten verantwortlich. Das sind 7,3 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen dieses Jahres. Die Emissionen aus der Landwirtschaft sind damit nach den energiebedingten Emissionen aus der stationären und mobilen Verbrennung (84,5 %) und vor den prozessbedingten Emissionen der Industrie (6,8 %) der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen in Deutschland.

Klimagase aus der Viehhaltung

Das klimawirksame Spurengas Methan entsteht während des Verdauungsvorgangs (Fermentation) von Wiederkäuern (Rinder und Schafe) sowie bei der Lagerung von Wirtschaftsdüngern (Festmist, Gülle) und wird spätestens bei deren Ausbringung freigesetzt. Die Methan-Emissionen aus der Fermentation sind nahezu vollständig auf die Rinderhaltung zurückzuführen; darunter sind Milchkühe die bedeutendsten Emittenten. Der Anteil der Methan-Emissionen aus der Verdauung an der gesamten Methan-Emission aus der deutschen Landwirtschaft hat sich im Vergleich zu 1990 geringfügig verringert (1990: 81,1 %; 2014: 76,6 %) (UBA, 2016).
2014 machte das Wirtschaftsdüngermanagement (Lagern und Ausbringen von Gülle und Festmist) 19,2 % der gesamten Methan-Emissionen aus der deutschen Landwirtschaft aus. Der größte Anteil des Methans aus Wirtschaftsdünger geht auf die Exkremente von Rindern – und in geringerem Maße von Schweinen – zurück. Die anderen Tiergruppen (zum Beispiel Geflügel, Esel, Pferde) sind dagegen vernachlässigbar.
Deutliche Emissionsrückgänge zwischen 1990 und 2014 sind im Wesentlichen auf die Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung beschränkt und gehen auf die Verringerung der Tierbestände zurück. Seit 2006 stagnieren jedoch die Emissionen. Im Jahr 2014 lagen die Emissionen aus der Landwirtschaft bei etwa 1.300 Kilotonnen Methan pro Jahr.
Wirtschaftsdünger aus der Einstreuhaltung (Festmist) ist gleichzeitig auch Quelle des klimawirksamen Lachgases (Distickstoffoxid, N2O) und seiner Vorläufersubstanzen (Stickoxide, NOx und Stickstoff, N2). Die Emissionsentwicklung von Lachgas aus Wirtschaftsdünger folgte ebenfalls dem beschriebenen Trend.

Klimagase aus landwirtschaftlich genutzten Böden

Auch Böden sind Emissionsquellen von klimarelevanten Gasen. Neben der erhöhten Kohlendioxid (CO2)-Freisetzung infolge von Landnutzungsänderungen (Umbruch von Grünland- und Niedermoorstandorten) sowie der CO2-Freisetzung durch die Anwendung von Harnstoffdünger und der Kalkung von Böden handelt es sich hauptsächlich um Lachgas-Emissionen. Dabei werden direkte und indirekte Emissionen unterschieden: Die direkten Emissionen stickstoffhaltiger klimarelevanter Gase (Lachgas und Stickoxide) stammen überwiegend aus der Düngung mit mineralischen Stickstoffdüngern und Wirtschaftsdüngern, der Bewirtschaftung organischer Böden sowie von Ernterückständen im Boden. Des Weiteren fallen Emissionen zunehmend aus der Ausbringung und Lagerung von Gärresten aus Energiepflanzen, die für die Biogasproduktion eingesetzt werden, an.
Quellen für indirekte Lachgas-Emissionen sind die atmosphärische Deposition von reaktiven Stickstoffverbindungen aus landwirtschaftlichen Quellen sowie die Lachgas-Emissionen aus Oberflächenabfluss und Auswaschung von gedüngten Flächen. Indirekte Lachgas-Emissionen belasten vor allem natürliche oder naturnahe Ökosysteme, die nicht unter landwirtschaftlicher Nutzung stehen.

Maßnahmen in der Landwirtschaft zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen

Um die internationalen Klimaschutzziele zu erreichen und die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen, ist es Ziel der Bundesregierung, die gesamten Treibhausgas-Emissionen Deutschlands bis 2020 um 40 % gegenüber dem Niveau von 1990 zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, ist auch die Entwicklung, Anwendung und Ausweitung gezielter Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft erforderlich. Die Möglichkeiten zur Senkung der Emissionen sind vielfältig und werden in unterschiedlichen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion wirksam. Neben Maßnahmen zur Erhöhung der Stickstoffeffizienz (gleicher Ertrag mit weniger Einsatz) und der Erhaltung (ggf. Wiederherstellung) der Kohlenstoffspeicherfunktion der Böden bieten sich erhebliche Potenziale im Düngemanagement und in der Pflanzen- und Tierproduktion. (UBA)
Landwirtschaft produziert auf dem Großteil der Fläche Lebensmittel und damit Produkte, die nur eingeschränkt substituierbar sind. Die THG-Emissionen der Landwirtschaft sind daher auch in Relation zur jeweiligen Produktionsleistung zu bewerten. Unter den günstigen klimatischen Produktionsbedingungen in Deutschland und bei gleichzeitig weltweit absehbar knapper werdenden landwirtschaftlichen Flächen ist eine flächendeckende Verringerung der Produktionsintensität nicht zu empfehlen. Aussagekräftiger als die THG-Emissionen pro Flächeneinheit sind die THG-Emissionen je Produkteinheit. Die wichtigsten Empfehlungen im Bereich der Landwirtschaft lauten:

In der Diskussion um Minderungsmaßnahmen in der Landwirtschaft werden häufig auch die Maßnahmen Biokraftstoffproduktion, Ausdehnung des ökologischen Landbaus und Substitution von importierten Sojafuttermitteln durch im Inland erzeugte Körnerleguminosen vorgeschlagen. Wenn Klimaschutzmaßnahmen mit einer Reduktion der landwirtschaftlichen Erzeugung in Deutschland einhergehen und sich nicht gleichzeitig der Konsum von Lebensmitteln im Inland verändert, besteht die Gefahr, dass THG-Emissionen lediglich ins Ausland verlagert werden, da die Konsumnachfrage dann verstärkt über Importe gedeckt wird. Neben denjenigen Klimaschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft, die keine negative Auswirkung auf die Erzeugungsmengen haben, sind Konsumveränderungen für die Erreichung der Klimaschutzziele daher von großer Bedeutung. Allerdings ist der Konsum von Lebensmitteln ein existenzielles Grundbedürfnis. Im Vordergrund des ernährungsbezogenen Klimaschutzes steht daher nicht die Verringerung des Pro-Kopf-Verbrauchs, sondern die Verlagerung des Konsums auf klimafreundlichere Lebensmittel. Die wichtigsten Empfehlungen im Bereich des Konsums von Lebensmitteln sind:

Weitere Informationen:

Klon

Ein Klon ist ein durch ungeschlechtliche Vermehrung entstandenes neues Individuum, das genetisch mit dem Mutterindividuum identisch ist.

Klonen

Die Erzeugung eines oder mehrerer genetisch identischer Individuen von Lebewesen. Die Gesamtheit der genetisch identischen Nachkommenschaft wird bei ganzen Organismen wie auch bei Zellen als Klon bezeichnet.

Das Erzeugen von identischen Kopien einer DNA wird hingegen als Klonieren bezeichnet.

In der Landwirtschaft hat die ungeschlechtliche, d. h. vegetative Vermehrung, das Klonen von Kulturpflanzen, eine sehr lange Tradition. Damit soll erreicht werden, dass das Genom von Kulturpflanzen, die in der Regel durch Züchtung gewonnen wurden und bestimmte genetisch determinierte Eigenschaften besitzen, durch die Vermehrung nicht verändert wird. Zum Beispiel sind aus Knollen entstehende neue Kartoffelpflanzen Klone, genauso alle Zwiebelpflanzen. Auch der gesamte Weinanbau beruht auf Stecklingsvermehrung und Rebsorten sind im biologischen Sinne Klone. Das Gleiche gilt für alle Apfelsorten und die meisten anderen Obstsorten, die vegetativ durch Pflanzenveredelung vermehrt werden.

Bei ausdauernden Kulturpflanzen, etwa bei Reben, wird meist klonenreines Pflanzgut in Verkehr gebracht, d. h. alle Reben eines bestimmten Klones stammen von einer einzigen Mutterpflanze ab. Somit ist gewährleistet, dass der gesamte Bestand innerhalb einer Kultur, etwa eines Weinberges, größtmöglich homogen ist. Der klonenreine Anbau wird teilweise mit uniformen Weinen in Verbindung gebracht, daher pflanzen einige Winzer mittlerweile Klonengemische, also verschiedene Klonherkünfte etwa der Sorte Riesling, an.

Bei Säugetieren ist die ungeschlechtliche Fortpflanzung auf natürlichem Wege allerdings nicht möglich. Um ein Säugetier zu erzeugen, das mit einem anderen bereits geborenen Individuum genetisch identisch ist, braucht es ein aufwendiges biotechnologisches Verfahren.
Bei Säugetieren ist die ungeschlechtliche Fortpflanzung auf natürlichem Wege allerdings nicht möglich. Um ein Säugetier zu erzeugen, das mit einem anderen bereits geborenen Individuum genetisch identisch ist, braucht es ein aufwendiges biotechnologisches Verfahren.

Beispiele für erfolgreiches Klonen bei Tieren:

Heute werden vor allem Zuchtpferde mit hohen sportlichen Erfolgen bereits im größeren Umfang geklont. Im Jahr 2008 kamen in Südkorea sieben geklonte Drogenspürhunde zur Welt, die, so die Hoffnung der südkoreanischen Zollbehörde, ähnlich erfolgreich sein würden wie das Original, ein Golden Retriever namens „Chase“.

Die Ausbeute, also die Anzahl der tatsächlich entwickelten Organismen im Vergleich zu der Gesamtzahl an Zellen, die dem Nukleustransfer unterzogen worden sind, war zunächst sehr gering. Nur wenige Promille bis Prozent der so erzeugten Eizellen entwickelten sich zu Embryonen und Föten und wurden gesund geboren.

Die seit den 1990er-Jahren vom Menschen angewandte Technik des Klonens ermöglicht insbesondere die gleichförmige Vervielfachung von als nützlich erachteten kultivierten Pflanzen und Tieren, ohne die bei allen bisherigen Verfahren der Züchtung folgende Variation hinzunehmen.

Seit 2014 werden transgene Schweine als Versuchstiere für die Pharmaindustrie geklont. Bei diesen Tieren wurde die DNA so verändert, dass die Tiere besonders anfällig für bestimmte Krankheiten wie Alzheimer sind und für den Test von Medikamenten geeignet sind. Die Erfolgsrate beim Klonen beträgt 70–80 %.

Weitere Informationen:

Klostergarten

Der mittelalterliche Klostergarten war ursprünglich ein Nutzgarten zum Zweck monastischer Autarkie. Die Gestaltung war von christlicher Symbolik und Weltdeutung beeinflusst. Der Klostergarten spielte in der Entwicklung von Pflanzen- und Heilmittelkunde zu wissenschaftlichen Disziplinen eine wichtige Rolle. Die Klöster nahmen mit ihren Gärten maßgeblichen Einfluss auf den Anbau von Pflanzen, deren Verbreitung in der Natur- und Kulturlandschaft und deren Verwendung in Ernährung, Medizin, Kultus und Alltag.

In von einem Kreuzgang umschlossenen Raum gab es auch Ansätze eines zweckfreien Gartens. Dem religiös determinierten Typus des Hortus conclusus folgend entstanden ähnlich konzipierte reale Gärten, deren Verbreitung jedoch aufgrund des Lebensniveaus und der räumlichen Enge der Städte, Burgen und Klöster beschränkt war.

Heutige „mittelalterliche“ Klostergärten sind Rekonstruktionen anhand weniger schriftlicher und bildlicher Quellen und vereinzelter archäologischer Befunde.

Knick

Heckentyp, vor allem in Schleswig-Holstein. Knicks bilden ein Netz dichter Heckenreihen, die auf Erdwällen angepflanzt wurden. Die Höhe der Wälle betrug ca. 1,50 m, ihre Sohlenbreite ca. 2,50 m. Die Böschung wurde durch den Einbau von einzelnen Steinen gesichert. Anschließend deckte man sie mit Soden ab. Der Boden für den Wall wurde seitlich entnommen, wodurch Gräben entstanden. Die Oberfläche des Walls erhielt eine leichte Mulde. Im Abstand von ca. 50 cm wurde der Wall bepflanzt.
Der Name leitet sich vom Umknicken einzelner Zweige der Heckengehölze ab, die dann in die stehenden Gehölze eingeflochten wurden, daß eine Art lebender und dichter Zaun entstand. Die Gehölze wurden auch kurz über dem Boden geknickt, um das Wachstum in die Breite zu fördern. Auf besseren Böden dominieren Hainbuche, Hasel und Weißdorn, auf ärmeren Eiche, Birke und Espe. Seit dem 18. Jahrhundert wurden sie im Rahmen umfangreicher Agrarreformen (Aufhebung der Feldgemeinschaften) als Windschutz und zur Brennholzversorgung angelegt. Außerdem grenzen sie einzelne Besitzparzellen gegeneinander ab und hindern das Vieh am Übertreten der Flurstücksgrenzen. Zusätzlich bieten die Wallhecken eine Ablagemöglichkeit für Lesesteine. Verschiedentlich wird die Funktion der Grenzmarkierung als dominierende Funktion herausgestellt.
Jeder Bauer erhielt dabei seinen eigenen Grund und Boden zugewiesen, den er mit "lebendem Pathwerk" einzukoppeln hatte. Die vor der Agrarreform regellos verstreuten Waldelemente und Buschgruppen wurden nach der Verkoppelung durch das lineare Knicksystem landschaftsökologisch voll ersetzt. Einer reichhaltigen Pflanzenwelt in den Knicks entspricht eine ebenso reiche Tierwelt 1.600 - 1.800 Tierarten in einer einzelnen Wallhecke möglich. Ihre weitere Bedeutung besteht u.a. in den Punkten:

Auf der Negativseite stehen den positiven Wirkungen gegenüber:

Eine jahrzehntelange Rodung der Knicks ist in jüngerer Zeit gebremst, ihren positiven Funktionen wird stärker Beachtung geschenkt.
Entsprechungen zur Knick-Landschaft sind das enclosed country in England und die bocage-Landschaft in Frankreich.

(s. a. Hecken, Wallhecke)

Weitere Informationen:

Knöllchenbakterien

Knöllchenbakterien gehören zu den stickstoffbindenden Bakterien, d.h. sie können den Luftstickstoff in organische Bindungen überführen und somit für die Pflanzenernährung nutzbar machen. Dabei ist die Leistung der in einer Lebensgemeinschaft mit Leguminosen vorkommenden Knöllchenbakterien von beachtlicher wirtschaftlicher Bedeutung.

Knollenfrüchte

Feldfrüchte mit genießbaren, gewöhnlich sehr stärkereichen Speicherorganen, den Knollen. In Mitteleuropa zählen nur Kartoffel und Topinambur dazu, in tropischen Gebieten Maniok, Batate (Süßkartoffel), Yams, Taro und Pfeilwurz.

Köbler

Regionalbezeichnung für einen landwirtschaftlichen Kleinstellenbesitzer in Ostfranken.

(s. a. Kötter, Seldner)

Kohärenz

In der entwicklungspolitischen Diskussion wird das Wort Kohärenz (lat.: cohaerere = zusammenhängen) auch so verstanden, dass alle Politikbereiche eine Mitverantwortung für Entwicklung tragen. In diesem Sinne wird auch von Politikkohärenz für Entwicklung (engl.: Policy Coherence for Development, PCD) gesprochen. So soll beispielsweise die Agrarpolitik Maßnahmen vermeiden, die entwicklungspolitische Ziele beeinträchtigen würden. Wo möglich, soll sie die Ziele der Entwicklungspolitik ergänzen und unterstützen oder zumindest nicht negativ beeinflussen. Das gleiche gilt für alle Politikfelder, in denen das, was die Geberländer tun oder veranlassen, das Leben der Menschen in Entwicklungsländern beeinflusst. Politikkohärenz für Entwicklung ist wichtig, damit entwicklungspolitische Maßnahmen nachhaltig wirken können. Verbesserung der Kohärenz ist daher ein zentrales Ziel der Entwicklungspolitik.

Weitere Informationen:

Kohlendioxid

CO2 gilt als das wichtigste anthropogene Treibhausgas, das schätzungsweise zu 50 % zum anthropogenen Treibhauseffekt beiträgt. Die bedeutendsten anthropogenen Quellen für CO2 sind die Verbrennung fossiler Brennstoffe (seit Mitte dieses Jahrhunderts dominierend) sowie die großflächige Vernichtung von Wäldern. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre ist seit Beginn der Industrialisierung (ca. 1800) von 280 auf 360 ppm, d.h. um rund ein Viertel angestiegen. Ein Anstieg auf 550 ppm bis zum Jahr 2050 und auf ca. 700 ppm bis 2100 gilt bei unverminderter CO2-Freisetzung als gewiss.

Der auf den Landmassen, in Meeren und Atmosphäre vorkommende Kohlenstoff wird ständig ausgetauscht, wobei sich deren Reservoire hinsichtlich Größe, Komplexität und Verfügbarkeit sowie ihrer chemischen Zusammensetzung unterscheiden. Der Austausch der einzelnen Komponenten verläuft allerdings auf sehr unterschiedlichen Zeitskalen (Sekunden bis Jahrmillionen).

Der Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration wurde vor 1850 nahezu ausschließlich durch die Umwandlung von Waldflächen in landwirtschaftliche oder anderweitig genutzte Flächen hervorgerufen. Die gegenwärtig wichtigsten Quellen sind Landnutzungsänderungen (Abholzung von Primärwäldern und Umwidmung der Flächen für Landwirtschaft, Industrie und Besiedlung) und die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Die Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen erfolgte zunächst vor allem in Europa, den USA und Teilen Ostasiens. Innerhalb der letzten 100 Jahre sind vor allem die Tropen betroffen, wohingegen während der vergangenen Jahrzehnte die Waldflächen in den meisten Industrieländern wieder zunahmen.

Lange Messreihen ergeben ein zuverlässiges Maß für den globalen Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration. Dank ihrer Genauigkeit ermöglichen sie es, den Effekt der Verbrennung fossiler Brennstoffe von natürlichen Konzentrations-Schwankungen zu unterscheiden. Auf dieser Grundlage kann die langfristige Veränderung des Kohlendioxid-Vorrats in der Atmosphäre mit Klimamodellen genauer analysiert werden. Während in den 1950er-Jahren der jährliche Anstieg auf Mauna Loa im Mittel noch bei 0,55 ppm Kohlendioxid lag, stieg der Welttrend in den vergangenen 15 Jahren im Mittel auf 2,18 ppm/Jahr, in Mauna Loa auf 2,25 ppm/Jahr. Gegenüber den 1950er-Jahren wurde damit der globale Kohlendioxid-Anstieg annähernd vervierfacht.

Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre (Monatsmittel)
Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre (Monatsmittel)

Die Auswertung von Messungen der atmosphärischen Kohlendioxid-Konzentration an den Messstationen des Umweltbundesamtes Schauinsland (Südschwarzwald) und auf der Zugspitze für das Jahr 2015 hat gezeigt, dass in diesem Jahr die Konzentration an beiden Stationen im Jahresdurchschnitt erstmals über 400 ppm lag. Zum Vergleich: Die Kohlendioxid-Konzentration aus vorindustrieller Zeit lag bei etwa 280 ppm. Aktuell lag auf dem Schauinsland der Jahresmittelwert 2015 bei 402,5 ppm und auf der Zugspitze bei 400,4 ppm. Auf Deutschlands höchstem Gipfel sind die Messwerte besonders repräsentativ, weil er häufig in der unteren freien Troposphäre liegt. Im Jahr 2017 stieg der Jahresmittelwert auf der Zugspitze auf 406,7 ppm, auf dem Schauinsland lag er bei 408,0 ppm.
Quelle: UBA

Hinsichtlich der Senken bestehen noch Unsicherheiten, insbesondere gibt es Hinweise auf noch nicht identifizierte Senken. Gesichert scheint aber die Rolle der Ozeane als wichtigster Senke. In der Biosphäre werden durch die Photosynthese große Kohlenstoffmengen im Bereich von 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff jährlich aus der Atmosphäre aufgenommen, in Glukose und andere organische Verbindungen umgewandelt und von Pflanzen, Tieren und Zersetzern wieder zu CO2 in die Atmosphäre veratmet. Im Gleichgewicht (bei gleichbleibender Vegetation) sind beide Mengen gleich groß, so daß im Mittel keine Veränderung des CO2-Gehaltes der Atmosphäre eintritt.

Die jährlich emittierte CO2-Menge von ca. 6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff aus fossilen Quellen mag gegenüber den biologisch umgesetzten Mengen klein erscheinen, sie ist es jedoch, die zusammen mit der großflächigen Zerstörung der Wälder, eine Veränderung des atmosphärischen CO2-Gehaltes bewirkt, gewissermaßen den Überlauf des Reservoirs darstellt.

Während etwa 80 % der oberirdischen Vegetation in Wäldern festgelegt ist, entfallen auf die agrarisch genutzten Flächen nur 0,8 % des Gesamtbiomassevorrates der Erde. Der an 100 % fehlende Rest besteht aus der nicht verholzten natürlichen Vegetation (z.B. Savannen).
Die in der Landwirtschaft durch Pflanzen aufgenommenen und über Tiere bzw. Produktverwertung abgegebenen CO2-Mengen kompensieren einander weitgehend. So kann die Landwirtschaft wegen der kurzen Speicherungszeiträume für CO2 nur indirekt zur Minderung der Emission von CO2 aus fossilen Quellen beitragen.

Als landwirtschaftliche Quellen für CO2-Emissionen, die zum zusätzlichen Treibhauseffekt beitragen, können nur auf fossilen Energieträgern beruhende Energieanwendungen und Vorleistungen sowie Freisetzungen aus Kohlenstoffdepots (Humus, Torf) bei Boden- und Landnutzungsänderungen (Waldrodung) betrachtet werden.

So hat die Landwirtschaft in Deutschland im Vergleich zu anderen Verursachergruppen eine untergeordnete Bedeutung bei den CO2-Emissionen, die sich auf 2 - 4 % der deutschen CO2-Emissionen belaufen. Im Durchschnitt der Haupterwerbsbetriebe werden 1,4 t CO2/ha freigesetzt, Betriebe des ökologischen Landbaus emittieren im Schnitt nur 0,54 t CO2.

Gesamtemissionen an CO2 aus der holländischen Landwirtschaft und deren anteilige Herkunft aus den verschiedenen Produktionsbereichen
Gesamtemissionen an CO2 aus der holländischen Landwirtschaft und deren anteilige Herkunft aus den verschiedenen Produktionsbereichen

1 Energie für externe Vorleistungen
2 Energieeinsatz im Betrieb selbst
3 vorwiegend bei kultivierten Moorböden
Quelle: Sauerbeck 1994

Einige landwirtschaftliche Optionen für die Minderung von CO2-Emissionen (vgl. Treibhauseffekt):

Forstwirtschaft kann direkt und indirekt zur Entschärfung des CO2-Problems eingesetzt werden. Durch die Produktion von langlebiger Biomasse wird Kohlenstoff sowohl in den Bäumen wie auch nach deren Fällung im gewonnenen Nutzholz teilweise über längere Zeit festgelegt. Durch die Verbrennung von Schwachholz kann fossile Energie substituiert werden.

Durch ein Mehrangebot an CO2 in der Umgebungsluft wird für die meisten C3-Pflanzenarten (die Mehrheit aller Wild- und Kulturpflanzenarten) eine Stimulation der Photosyntheseleistung und daraus resultierend eine Förderung der Biomasseproduktion angenommen. Allerdings geht man davon aus, dass der Ertragszuwachs oberhalb von ca. 700 ppm CO2-Konzentration deutlich abflacht.
Modellrechnungen führen zu dem Schluß, daß bei einer CO2-Konzentration von 550 ppm und Temperatur- und Niederschlagsverhältnissen, die dem pliozänen Klimaoptimum entsprechen, die Produktivität von C3-Pflanzen (u.a. Weizen, Gerste, Hafer und Reis) um 30 - 65 % steigen kann. C4-Pflanzen wie Mais profitieren vom CO2-Anstieg indirekt vor allem unter wachstumslimitierender Trockenheit.

Nach einem paläoanalogen Szenarium werden die mittleren Breiten Eurasiens und Nordamerikas und die Weizengürtel von Australien und Argentinien die produktivsten Regionen werden bzw. bleiben. Die Übertragbarkeit von Versuchen unter Gewächshausbedingungen auf Freilandstandorte und auch die Langzeitwirkung einer erhöhten CO2-Konzentration sind noch sehr unsicher. Zudem belegen manche Studien, daß in erster Linie die vegetative Pflanzenmasse und nicht unbedingt auch der - ökonomisch viel wichtigere - Frucht- bzw. Samenertrag. Auch kann die Ertragsbildung erheblich gestört werden, wenn die Entwicklungsgeschwindigkeit der Pflanze steigt und die Abreife früher einsetzt. Nachgewiesen ist ferner eine nicht unbeträchtliche Veränderung der Gewebestruktur und der stofflichen Zusammensetzung der Pflanzen, vor allem durch die Zunahme der Kohlenhydrate zu Lasten der stickstoffhaltigen Eiweißverbindungen.

Der CO2-Effekt darf grundsätzlich nicht isoliert, sondern nur im Zusammenspiel mit der Gunst oder Ungunst aller übrigen Wachstumsfaktoren betrachtet werden.
Die Konsequenzen für die landwirtschaftliche Produktion beinhalten demnach viele offene Fragen, z.B. zu folgenden Aspekten:

(s. a. Klimaszenario (Westeuropa) und Landwirtschaft)

Kohlenhydrate

Große Gruppe von biologisch und chemisch bedeutsamen organischen Verbindungen, die durch die Photosynthese in Pflanzen gebildet wird (andere Bezeichnung: Saccharide). Sie machen den größten Teil der Biomasse aus. Kohlenhydrate dienen Zellen und Organismen als Energiequelle, Reservestoff und Gerüstsubstanz. Sie kommen in allen Pflanzen vor und sind ein notwendiger Bestandteil der menschlichen Ernährung. Unverdauliche Kohlenhydrate werden als Ballaststoffe bezeichnet.

Kohlenhydrate ist der Oberbegriff für verschiedene Stoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften und Funktionen. Ihre Vielfalt ergibt sich aus einer großen Variationsbreite, sowohl bei den Zuckern als Grundbausteinen als auch aus der Art ihrer Verknüpfung zu komplexen Molekülen.

Die Monosaccharide (Einfachzucker, z. B. Traubenzucker, Fruchtzucker), Disaccharide (Zweifachzucker, z. B. Kristallzucker, Milchzucker, Malzzucker) und Oligosaccharide (Mehrfachzucker, z. B. Stachyose, Raffinose) sind wasserlöslich, haben einen süßen Geschmack und werden im engeren Sinne als Zucker bezeichnet. Die Polysaccharide (Vielfachzucker, z. B. Stärke, Cellulose, Chitin) sind hingegen oftmals schlecht oder gar nicht in Wasser löslich und geschmacksneutral.

Mono-, Di- und Polysaccharide (u. a. Stärke und Cellulose) stellen zusammen mit den Fetten und Proteinen den quantitativ größten verwertbaren und nicht-verwertbaren (Ballaststoffe) Anteil an der Nahrung. Neben ihrer zentralen Rolle als physiologischer Energieträger spielen sie als Stützsubstanz vor allem im Pflanzenreich und in biologischen Signal- und Erkennungsprozessen (z. B. Zell-Zell-Erkennung, Blutgruppen) eine wichtige Rolle.

Kohlenhydrate sind neben Fett und Eiweiß ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Nahrung. Wichtige Grundnahrungsmittel, die einen hohen Anteil an Kohlenhydraten aufweisen, sind die verschiedenen Getreidesorten, die zu Lebensmitteln verarbeitet werden (Reis, Weizen, Mais, Hirse, Roggen, Hafer) bzw. als Viehfutter genutzt werden (vor allem Gerste, Hafer, Mais, Triticale). Die stärkehaltigen Getreideprodukte sind u. a. Brot, Nudeln, Kuchen u. v. a. m. Die Wurzelknollen der Kartoffel, eines Nachtschattengewächses, und die zu den Hülsenfrüchten gehörenden Erbsen, Bohnen und Linsen weisen einen hohen Kohlenhydratanteil auf.

Pflanzenarten, die vor allem zur Kohlenhydrataufnahme in der Ernährung beitragen, sind in der Liste der Nutzpflanzen zusammengestellt.

Die in der Pflanzenwelt als Stützsubstanz in großen Mengen vorkommende Cellulose ist für den Menschen unverdaulich. Sie ist aber von den Wiederkäuern wie Rindern, Schafen und Ziegen verwertbar, da diese sich in ihren Vormägen (Pansen) den mikrobiellen Aufschluss zu Nutze machen.

Kohlgemüse

Zur Familie der Kreuzblütler (Cruciferae / Brassicaceae) gehörende Gemüsepflanzen der Gattung Brassica mit einer Vielzahl von wirtschaftlich bedeutsamen Sorten von unterschiedlichem Aussehen und Geschmack.
Zur Gattung Brassica gehören 39 Arten, darunter bekannte Vertreter wie Raps und Senf sowie Brassica oleracea, der Gemüsekohl. Zu dieser Art gehören beispielsweise Kohlrabi, Broccoli, Wirsing, Rosen-, Grün- und Blumenkohl und als wirtschaftlich am bedeutendsten Rot- und Weißkohl. Von den Kohlsorten werden verschiedene Pflanzenteile genutzt. Beispielsweise sind dies bei Broccoli und Blumenkohl die Blütenstände, bei Kohlrabi die verdickte Sprossachse, bei Weißkohl, Rotkohl bzw. Blaukraut, Grünkohl, Chinakohl die Blätter oder die Achselknospen bei Rosenkohl.
Einige Sorten dienen auch als Futterpflanzen (Kohlrübe).

Herkunft

Die verschiedenen Kohlvarietäten stammen vermutlich aus einer im Mittelmeerraum heimischen Wildform ab. Bereits in der Antike wurde der Kohl von Römern und Griechen angebaut. Schon Karl der Große ließ im Mittelalter auf seinen kaiserlichen Gütern Kohl per Verordnung anpflanzen. Vor allem im Norden Deutschlands fanden sich für den Kohl hervorragende Anbaubedingungen.

Anbau und Ernte

Das größte geschlossene Kohlanbaugebiet Europas findet sich in Schleswig-Holstein in der Dithmarschener Region, der Kohlkammer Deutschlands. Auf einer Fläche von etwa 3.000 Hektar wird hier seit über hundert Jahren Kohl angepflanzt und etwa ein Drittel der deutschen Gesamtproduktion erzeugt. Im Jahr 2017 betrug die Gesamtanbaufläche in Deutschland ca. 20.000 Hektar. Das entspricht etwa einem Sechstel der gesamten Anbaufläche für Freilandgemüse in Deutschland. Der Großteil der Kohlernte Deutschlands entfiel dabei mit 620.000 Tonnen auf Rot- und Weißkohl (2017). (Destatis)

Der meiste Weißkohl wurde 2016 mit knapp 174.000 Tonnen in Schleswig-Holstein geerntet, gefolgt von 75.000 Tonnen in Bayern und 67.000 Tonnen in Nordrhein-Westfalen.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Rot- und Weißkohl betrug 2014/2015 5,0 kg. Zusammen mit den anderen Kohlsorten ergab sich ein Gesamtverbrauch von knapp 10 kg.
Globale Haupterzeugerländer für Kohlgemüse sind Russland, China, Südkorea, Japan und Polen.

Kokosnuss

Die Kokosnuss ist die Frucht der Kokospalme; sie ist keine echte Nuss, sondern eine einsamige Steinfrucht und gehört zu den größten Früchten im Pflanzenreich. Die 20 bis 30 cm lange Frucht wiegt reif zwischen 900 und 2500 Gramm. Eine grüne Hülle umgibt die eiförmige, einsamige Frucht. Darunter liegt eine erst fleischige, dann faserige, mehrere Zentimeter dicke Schicht. Der Kern hat eine sehr harte, holzige Schale. Er ist hohl und im unreifen Zustand mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt, dem Kokoswasser. Während der Reifung wird die Flüssigkeit weniger und eine ein bis zwei Zentimeter dicke fleischige Schicht wächst im Steinkern. Es ist das feste und fasrige Fruchtfleisch der Kokosnuss, das roh verzehrt werden kann.

Das frische Fruchtfleisch enthält ungefähr 45 % Wasser, maximal etwa 50 %. Durch Trocknen wird der Wassergehalt des Fruchtfleisches auf 5 % reduziert. Man spricht dann von Kopra. Der Fettgehalt beträgt jetzt 63 bis 70 %. Eine einzelne Palme liefert zwischen 5 und 20 kg Kopra pro Jahr.

An den Küsten Indiens, Burmas, Indonesiens und den pazifischen Inseln stellt das Fruchtfleisch der Kokosnuss das zentrale Nahrungsmittel dar. In Süd- und Südostasien ist die Kokosmilch, ein aus frischem Endosperm hergestellter Presssaft, eine wichtige Zutat heimischer Gerichte. Auch zu Paste verarbeitet ist Kopra eine Kochzutat. Dort, wo Kokospalmen wachsen, werden auch die Endknospen junger Palmen als Gemüse (Palmkohl) genossen. Aus dem süßen Blutungssaft der Blütenstände („Toddy" mit 15% Zuckergehalt) lässt sich Palmzucker gewinnen oder Sirup, Palmwein bzw. Palmschnaps (Arrak) herstellen.

Das Auspressen von Kopra liefert das Kokosöl oder Kokosfett (Kokosbutter), das aus den Glycerinestern der sog. Kokosfettsäuren besteht. Durch Reinigung des wasserhaltigen, leicht verderblichen, rohen Kokosfetts erhält man weißes, bei Zimmertemperatur festes Kokosfett, das sich als Speisefett oder als Grundstoff für die Herstellung von Margarine, Kerzen, Salben, Seifen oder Shampoo eignet. Kopraraspel oder -flocken werden in der Süßwarenindustrie verwendet.

Der Pressrest voller Zucker, Eiweiß und Mineralien ist ein wertvolles Viehfutter.

Als Kokosfasern, auch bekannt als Coir, werden die Fasern bezeichnet, die aus der äußeren Umhüllung der noch unreifen Kokosnuss, dem Mesokarp, gewonnen werden. Aus diesen dauerhaften und elastischen Fasern werden nach einer Wasser-Röste u.a. Seile, Teppiche und Fußmatten hergestellt. Die Blattfiedern der vielseitig nutzbaren Kokospalme können zu Flechtwerk verarbeitet werden; der Stamm ist als Bau- und Möbelholz geeignet. Die Schalen der Steinfrucht schließlich dienen vor allem für die Kleinbauern als Heizmaterial oder zur Herstellung von Haushaltsgeräten (Trink- und Schöpfgeräte).

Kokosnüsse können wochenlang im Meer schwimmen ohne ihre Keimfähigkeit zu verlieren. So haben sie sich vermutlich auch von Insel zu Insel verbreitet. Da sie sehr gut zu lagern sind und außerdem reich an Vitamin C, Mineralstoffen, Fett und Eiweiß sind, wurden sie auf Seereisen mitgeführt und auf diese Weise durch den Menschen verbreitet.

Kokospalme

Die Kokospalme (Cocos nucifera) ist ein, vermutlich von den Südseeinseln stammendes tropisches Palmengewächs, an dem die Kokosnuss wächst. Es gibt verschiedene Sorten. Kokospalmen werden seit mindestens 3000 Jahren angebaut. Heute liefert die Kokospalme 8 Prozent des weltweiten Bedarfs an Pflanzenöl und bietet daneben noch weitere Nutzungsmöglichkeiten.

Das Wort Kokos geht über spanisch und portugiesisch coco zurück auf spätlateinisch coccus und letztlich auf altgriechisch κόκκος kókkos, was „Kern“ oder „Beere“ bedeutet.

Da die schwimmfähigen, gegen Salzwasser unempfindlichen Früchte der Kokospalme durch Meeresströmungen weit verbreitet werden, ohne dabei ihre Keimfähigkeit einzubüßen, findet man die Pflanze nicht nur an allen tropischen Küsten, sondern auch entlang der Flussläufe bis zu 150 km landeinwärts. Die weite Verbreitung ist aber auch anthropogen bedingt.

Die Kokospalme stellt hohe Wärmeansprüche und ist frostempfindlich. Sie ist eine Palme der feuchtwarmen Tropen und fruchtet nur zwischen dem 26. Grad südlicher beziehungsweise nördlicher Breite.

Das Hauptverbreitungsgebiet und die Hauptanbaugebiete liegen zwischen 15 Grad südlicher und 15 Grad nördlicher Breite und weisen eine mittlere Jahrestemperatur von 27 °C auf. Außerdem darf die Mitteltemperatur des kühlsten Monats nicht unter 20 Grad Celsius liegen. Die Palme ist sehr wasserbedürftig und gedeiht in Gebieten mit Niederschlagswerten von 1000 bis 5000 mm/a. Das Optimum, ablesbar an der Fruchtbildung, beträgt 1200 bis 2300 mm. Günstig ist eine gleichmäßige Verteilung der Niederschläge, wobei kürzere Trockenperioden ertragen werden. Erreichen diese aber 5–6 Monate, geht der Fruchtansatz auf Jahre zurück. Kokospalmen leiden unter sehr trockenen, warmen Winden. Kokospalmen sind lichtbedürftige Pflanzen, lediglich Jungpalmen vertragen Halbschatten. Bei der Aufzucht von Jungpalmen wird bewusst schattiert und bei Trockenheit gewässert.

Die Palme gedeiht besonders gut auf sandigen Lehmen an Küsten und Flussmündungen, überhaupt auf allen frischen, lockeren, nährstoffreichen und tiefgründigen Böden. Der pH-Wert ist nicht maßgebend (beispielsweise in Puerto Rico gedeiht sie auf Böden mit pH-Werten von 5 bis 8,0). Die Palme verträgt Salzwasser bis 0,638 % (in Indien gemessener Wert).

Ungeeignet sind zeitweise überflutete oder verfestigte Böden. Wenig geeignet sind trockene, leichte Sande. Diesen fehlt es an Nährstoffen und Wasser, derer die Kokospalme bedarf. Kalk ist vorteilhaft, die Kaliversorgung wichtig. Heute sind Palmenplantagen durch Düngung auch auf nährstoffarmen Böden möglich.

Beispielsweise ist die Kokospalme in den gesamten inneren Tropen Südostasiens, in denen der Anbau agrarökologisch möglich ist (d. h. bis zu einer Höhe von ca. 800 m), ein Charakterbaum aller bäuerlichen Hausgärten. Wie kein anderer Baum ist die Kokospalme hier in die Wirtschafts- und Lebenswelt der Bevölkerung integriert. Mit der seit dem 19. Jahrhundert möglichen Margarineproduktion wurden Kokospalmprodukte zu einem wichtigen Welthandelsgut, das zunehmend auch auf Plantagen erzeugt wurde. Auf vielen Inseln der Philippinen, wie insbesondere im südlichen Luzon und in Indonesien auf Sulawesi, Sumatra, den Molukken sowie in der besser erschlossenen nördlichen Küstenzone Papuas ist die Kokospalme heute eine bedeutende Plantagenkultur, obwohl sie ihre vormals dominante Rolle für die Margarineindustrie an die Ölpalme abgeben musste (Vorlaufer 2009).

Kokospalmen besitzen einen unverzweigten, schlanken und grauen Stamm. Es gibt hochwüchsige Kokospalmen, die 25 bis 30 Meter erreichen und bis zu hundert Jahre alt werden. An ihrer Spitze bilden bis zu 35 ca. 6 -7 m lange, gefiederte Blätter einen Schopf aus. Zwergwüchsige Varietäten werden nur etwa sechs Metern hoch und meist nicht älter als fünfzig Jahre.

Die verzweigten, aus den Blattachseln hervorgehenden Blütenstände bestehen aus einer Unzahl staminater und zahlreichen karpellaten Blüten, die durch Insekten oder Vögel bestäubt werden. Die Reifezeit der aus 10–15 kopfgroßen Steinfrüchten bestehenden Fruchtstände beträgt fast 1 Jahr.

Kokospalmen liefern ab der zwölften Ernte vollen Ertrag. Je älter und höher die Palmen, umso schwieriger und unrentabler wird die Ernte. Die Kokosnuss wird als grüne, relativ unreife, dreieckige, etwas mehr als kopfgroße Frucht geerntet. Die Ernte erfolgt hauptsächlich vom Boden durch Messer an mehrere Meter langen Stielen oder durch Hochklettern. In Thailand, Malaysia und Indonesien werden teilweise dressierte Makaken eingesetzt, die auf die Bäume klettern und über Zurufe dazu gebracht werden, die Nuss so lange um ihre eigene Achse zu drehen, bis sie von der Palme fällt.

Die außen weiß- oder grünlich, gelb oder orange gefärbte Frucht der Kokospalme (Kokosnuss) ist keine echte Nuss, sondern eine einsamige Steinfrucht. Der eigentliche Samen ist umhüllt von einer dicken Faserschicht aus einer ledrigen Außenschicht (Exokarp), einem zunächst fleischigen, dann faserreichen, lufthaltigen Mesokarp und einer sehr harten, 5 mm dicken inneren Schale (Endokarp). Der Hohlraum im Inneren wird zum Teil eingenommen von einem flüssigen, zunächst wässrig hellen, dann trüben Nährmedium, dem Kokoswasser, das oft fälschlich als „Kokosmilch" bezeichnet wird.

Das fasrige Mesokarp wird bei Exportfrüchten schon im Erzeugerland entfernt. Aus den dauerhaften, elastischen Kokosfasern, dem sog. Coir, werden nach einer Wasser-Röste u.a. Seile, Teppiche und Fußmatten hergestellt. Der Palmenstamm liefert Bau- und Nutzholz, Palmblätter werden für Dachbedeckungen genutzt.

Das Endosperm der etwa 1 kg schweren Kokosnuss wird durch Zerkleinern und Trocknen zu Kopra verarbeitet. Das Auspressen von Kopra liefert das Kokosöl oder Kokosfett (Kokosbutter), das aus den Glycerinestern der sogenannten Kokosfettsäuren besteht.

Weitere Informationen:

Kolchose

Von der russischen Bezeichnung für Kollektivwirtschaft kollektivnoe chozjajstvo; landwirtschaftliche Betriebsform in der früheren UdSSR und z.T. noch in heutigen GUS-Staaten, die formal eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft darstellt. Die Kolchosbevölkerung selbst tritt dabei als Unternehmer auf. Ihre Produktionsmittel sind, mit Ausnahme des nationalisierten Bodens, Eigentum der Gesamtheit ihrer Mitglieder.
Wie die Mitglieder von Sowchosen besaß die Kolchosbevölkerung eine persönliche Nebenerwerbslandwirtschaft, die eine erhebliche Bedeutung für die gesamtstaatliche Marktleistung aufweist.
Die russische Volkswirtschaft und damit auch der Agrarsektor befand sich in den letzten Dekaden in einem Transformationsprozess von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft. Die Entwicklung der Betriebsstruktur wird von der Privatisierungs- und Bodenpolitik beeinflusst sowie durch neue Preisstrukturen bestimmt. Die Privatisierung hat die Vielfalt der Betriebsformen erhöht und den Anteil des privaten Sektors anwachsen lassen. Der Kollektivsektor ist dagegen geschrumpft.

Trotz der Privatisierung war die Entwicklung eines freien Bodenmarktes Mitte der neunziger Jahre nicht abgeschlossen. Formal gilt die Umformung der früheren Kolchosen und Sowchosen in Unternehmens- und Rechtsformen westlichen Typs als weitgehend abgeschlossen. Seit Einführung der 1988 eingeleiteten Agrarreform sind aus 28.000 Kolchosen und Sowchosen mit einer Durchschnittsgröße von 7.500 ha LF etwa 300.000 privatbäuerliche Betriebe mit einer Durchschnittsgröße von ca. 36 ha und einem durchschnittlichen Besatz von 3 Arbeitskräften entstanden. Etwa 18.000 ehemalige Kolchosen und Sowchosen, die 1994 durchschnittlich noch 6.000 ha LF bewirtschafteten, existieren überwiegend als GmbHs und AGs geschlossenen Typs weiter. Einen bedeutenden und noch zunehmenden Anteil an der Agrarproduktion besitzen die ca. 39 Mio. persönlichen Selbstversorgungswirtschaften und kollektiven Gärten, die etwa 40 % der gesamten Tierproduktion abdecken und ca. 90 % der Kartoffeln und 67 % des Gemüses erzeugen, im Durchschnitt aber nur über 0,34 ha LF verfügen. Die privaten Erzeuger bedienen sich dabei in beträchtlichem Maße der Faktorausstattung der Großbetriebe.
Mittelfristig werden die ehemaligen Kolchosen und die Sowchosen die der Anzahl und dem Volumen nach dominierenden Produktionseinheiten bleiben. Der Formalvorgang der Privatisierung macht die Kollektivbetriebe zu de jure selbständig entscheidenden Produktionseinheiten, die unabhängig vom Staat geführt werden, de facto bleiben allerdings die Abhängigkeiten der Betriebe, insbesondere auf marginalen Standorten, erhalten. Gleichzeitig hat sich vor allem an der internen Entscheidungsstruktur in diesen Kollektivbetrieben in der Realität nur wenig geändert. Führungskräfte der neuen Rechtsform sind in der Regel ehemalige Direktoren und Vorsitzende.

(s. a. Kollektivierung)

Entwicklung der Betriebsstruktur im russischen Transformationsprozess
Entwicklung der Betriebsstruktur im russischen Transformationsprozess

1"LPH" ist die russische Abkürzung für kleine, privat bewirtschaftete Einheiten ("household plots") von Angestellten der Genossenschaftsbetriebe
2"Datscha" ist der russische Name für die von meist städtischen Haushalten bewirtschafteten Gärten
Quelle: tho Seeth und Wehrheim 1996, leicht verändert

Kollektivierung

Überführung von Privat- in Gemeinschaftseigentum, insbesondere bezüglich landwirtschaftlicher und gewerblicher bzw. industrieller Produktionsmittel in den meisten ehemals kommunistisch-sozialistischen Staaten.

Beispielsweise wurden in der früheren DDR die Agrarbetriebe in landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) überführt oder in vergleichbare Strukturen in anderen (ehemals) sozialistischen Staaten. Die Kollektivierung in der DDR bedeutete das weitgehende Ende der Besitzgemengefluren, die mit Ausnahme der kleinflächigen Areale der überwiegend in Ortsnähe gruppierten Persönlichen Hauswirtschaften zum kollektiven Großblock mit großparzellierten Wirtschaftsparzellen umgestaltet wurden. Da die Althöfe in den Dörfern hauptsächlich Wohnzwecken dienten und die Arbeit auf den Ländereien und in den LPG-Zentralen ausgeübt wurde, fehlt die für Verkoppelungen charakteristische Erscheinung der Aussiedlung.

Auch in Südostasien erfolgte ein massiver Umbruch der Agrarverfassung mit der kommunistischen Machtübernahme in Vietnam und Laos, eingeschränkter in Kambodscha. Recht radikal erfolgte mit dem Sieg der Kommunisten in Nordvietnam 1994 und in Südvietnam 1975 eine vollständige Beseitigung agrarischen Privatlandes. Die relativ großen und zahlreichen, auf den Nassreisanbau ausgerichteten Betriebe der (oft stadtsässigen und häufig chinesischen) Großgrundbesitzer im Mekong- und Rote-Fluss-Delta wurden zu Genossenschafts- oder Staatsbetrieb. Die in Südvietnam große Flächen einnehmenden (v.a. Kautschuk-)Plantagen mit überwiegend ausländischen, v.a. französischen Eignern wurden verstaatlicht.

In Laos wurde nach sowjetischem und vietnamesischem Vorbild eine Kollektivierung der Landwirtschaft durchgeführt, die v.a. Nassreisbauern in der Nähe der Städte betraf. In den Kollektiven, in die alle Bauern ihr Land einbringen und auch Landlose Mitglieder werden mussten, blieb die vormalige Subsistenzproduktion erhalten. Jedoch veränderte sich die soziale Organisation der Dörfer, die nun vom Staat gesteuert wurden und nach Planvorgaben für den Binnen- und Auslandsmarkt produzieren sollten, was aber scheiterte.

1986 wurden wie in Vietnam marktwirtschaftliche Reformen eingeleitet, die Kollektivierung wurde rückgängig gemacht. Viele Agrarflächen wurden wieder privatisiert oder den Bauern als Pachtflächen überlassen bzw. wurden ihnen langjährige Nutzungsrechte garantiert. Die marktwirtschaftliche Orientierung machte Vietnam in wenigen Jahren von einem Reisimportland zu einem bedeutenden Reisexporteur, allerdings bei gleichzeitig massiven Eingriffen in die Umwelt. (Vorlaufer 2009)

Kollektivwirtschaft

Gesamtheit der in überwiegend in sozialistischen Ländern (früher) üblichen Kooperationsformen. Es sind bzw. waren meist mehr aus staatsideologischen als aus wirtschaftlichen Gründen zusammengeschlossene, große Betriebseinheiten, deren Mitglieder sich zu Facharbeitern spezialisierten. Es lassen sich zwei (historische) Arten von Kollektivwirtschaften unterscheiden:

Daneben existier(t)en in nicht-sozialistischen Staaten unterschiedlichen Formen von Kollektivwirtschaften, z.B. indianische Kollektivwirtschaften oder religiöse Agrarkommunen. Zu letzteren zählen die Brüdergemeinden der Hutterer in Nordamerika, die der Idee der urchristlichen Gütergemeinschaft folgen. Die Kibbuz-Idee in Israel geht auf zionistisches wie auch sozialistisches Gedankengut zurück. Die Agrarproduktion in den Kibbuzim verliert inzwischen an Bedeutung.

(s. a. agrarsoziale Systeme)

Kolluvisol

Bodentyp aus verlagertem humosem Bodenmaterial, der in der Kulturlandschaft weit verbreitet auftritt. Kolluvisole sind vom Wasser oder Wind oder im Umfeld von Äckern und Wegebaumaßnahmen umgelagerte, humose Bodensedimente von über 40 cm Mächtigkeit. Sie können die verschiedensten Böden überlagern. Als umgelagerte Ackerböden sind sie oft mit Nährstoffen angereichert.

Kolluvisol

Kolluvisol

Die Abbildung zeigt einen Kolluvisol (Kolluvium über jungpleistozänem Solifluktionsschutt über Kalkglimmerschiefer) in den Hohen Tauern (Matreier Becken, Osttirol, Österreich). Profil: Ah/M/IIM/III lCv/IVmCn.

Quelle: Alexander Stahr

Kolluvisole finden sich oft in der Tiefenlinie von Runsen, im Bereich von Ackerbergen sowie an Wegböschungen (z. B. Aufschüttungen von Aushub im Zuge des Waldwegebaus) und bei historischen Ackerterrassen unter Wald. Häufiger sind kolluviale Überdeckungen bei erodierten Böden (z. B. Braunerden) infolge der historischen Waldnutzung in Mitteleuropa, ein Phänomen, das nicht nur am Fuß von Hängen oder in Unterhanglagen, sondern auch auf mehr oder weniger gestreckten Mittelhängen zu beobachten ist. Im Hochgebirge sind Kolluvisole aufgrund der großen Reliefenergie mit einhergehender Bodenabtragung durch Wassererosion, Rutschungen, Muren, Gleitschnee und Grundlawinen sehr häufig anzutreffen. 

Kolluvium

Bezeichnung für Bodenmaterial, das durch Erosion von Hängen abgetragen und am Hangfuß oder in Senken abgelagert wurde. Aus diesem Substrat können neue Böden, so genannte Kolluvialböden bzw. Kolluvisols, entstehen. Sie sind i.d.R. reich an Humus, Nährstoffen und Feinmaterial.

Kolmatierung

Auch Kolmation; ursprünglich wurde mit Kolmation, entsprechend der Herkunft vom italienischen colmata (dt.: Auflandung, Aufspülung), vor allem die Aufhöhung von tiefliegenden, durch Hochwasser bedrohten Landflächen durch natürliche oder künstliche Aufschwemmung mit Kies, Sand und Schlamm bezeichnet. Durch eine Zuführung von schlammreichem Wasser über künstliche Kanäle wurde versucht, Sumpfflächen oder Talauen so aufzuhöhen, dass sie für eine Besiedlung oder landwirtschaftliche Nutzung geeignet waren.

Das bekannteste Beispiel sind die jährlichen Nilüberschwemmungen und Bewässerungen mit schlickhaltigem Wasser im alten Ägypten. Aber auch aus Italien, Frankreich, der Schweiz (z.B. bei Martigny), Deutschland und England sind viele Kolmatierungswerke ausgeführt worden (Leibundgut/Vonderstrass 2016). Meist waren es Mehrzweckprojekte, die verschiedenen Zielen dienten, z.B. Hochwasserschutz, Landgewinnung, Entwässerung, Malariabekämpfung, Bewässerung.

Kolonisation

Die Ausweitung des Siedlungs- und Kulturlandes, je nach historischem Kontext auch verbunden mit der Gründung und Entwicklung von Kolonien (lat. colonia: Ansiedlung).

Kolonisation und die verwandten Begriffe haben in Bezug auf menschliche Gesellschaften ein weites Bedeutungsspektrum. Sie beziehen sich auf die Landnahme und die Besiedelung von Gebieten, sowie auf die Expansion einer Gesellschaft über ihren angestammten Lebensraum hinaus. Die Begriffe werden in Politik- und Geschichtswissenschaft sowohl für frühe Kulturen verwendet, als auch für neuzeitliche Entwicklungen. Die Kolonisation in der Neuzeit kann die Urbarmachung, Besiedelung und Entwicklung bisher ungenutzter Gebiete eines Staates bedeuten. In diesen Fällen wird auch von Binnenkolonisation (-kolonisierung) oder innerer Kolonisation gesprochen. Kolonisation kann aber auch expansive und aggressive Usurpation und anschließende Fremdherrschaft durch ein Volk aus einer anderen Kultur, durch eine fremde Staatsmacht, also Kolonialismus bedeuten.

Landnahme gab es bereits in der Steinzeit. Kolonisationen gibt es seit der Entstehung von Hochkulturen. Kolonisatoren konnten außer Staaten auch Gebietskörperschaften (Teilstaaten) oder Institutionen (Kaufleute, Orden, Freibeuter, Piraten) sein. Diese frühe Kolonisation ist nicht an den neuzeitlichen Begriff der Schaffung eines überseeischen Gebietes eines zentralistischen Staates gebunden, sondern war mit sehr unterschiedlichen Begleiterscheinungen verbunden. Kolonisation ist grundsätzlich von Kolonialismus als Herrschaftsprinzip zu unterscheiden. Die Kolonisation aus Expansionsstreben bezeichnet man als Imperialismus. Kolonisation hat, auch wenn offiziell andere Gründe genannt werden oder in der Diskussion sind, primär wirtschaftliche Gründe. Man sicherte sich z. B. den Zugriff auf Ressourcen (Menschen, Waren) in einem fremden Gebiet oder Staat.

Mit dem Begriff Innere Kolonisation wurde zeitgenössisch die Parzellierung und Aufsiedlung von Gütern in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere in den östlichen Provinzen Preußens, bezeichnet.

Sie war eine direkte politische Reaktion auf die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in diesen Gebieten zu beobachtende Landflucht. Die Befürworter der Siedlungsbewegung gaben der ihrer Meinung nach ungesunden Verteilung des Grundbesitzes, bei der sich ein Großteil – meist mehr als die Hälfte – des Grund und Bodens im Besitz von Großgrundbesitzern befand, die Schuld. Sie propagierten deshalb eine Verringerung des Anteils des Großgrundbesitzes und die gezielte Schaffung von bäuerlichen Familienbetrieben.

(s. a. Agrarkolonisation)

Kolumbus-Effekt

Auch Columbian Exchange (engl. für Kolumbianischer Austausch); der Begriff bezeichnet den umfangreichen und gegenseitigen Transfer von Pflanzen, Tieren, Kulturelementen, Menschen, Technologien und von Wissen zwischen der Neuen Welt (Nord- und Südamerika) und der Alten Welt, der sich im 15. und 16. Jahrhundert im Gefolge der Entdeckungsfahrt von Christoph Kolumbus (1492) und der europäischen Kolonisierung vollzog. Invasive Arten und ansteckende Krankheiten waren Nebenprodukte dieses Austausches.

Im Unterschied zu der lange Zeit in Anspruch nehmenden Revolution des Nahrungssystems im Neolithikum erfolgten die Veränderungen, die ein wichtiger Teil des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit waren, sehr rasch.

The Columbian Exchange
The Columbian Exchange

Quelle: MTViewMirror

Auswirkungen

Der Begriff "Columbian exchange" wurde 1972 von dem amerikanischen Historiker Alfred W. Crosby in seinem umwelthistorischen Werk The Columbian Exchange eingeführt und wurde inzwischen von anderen Historikern und Journalisten übernommen und zum Teil modifiziert.

Die hierdurch ins Bewusstsein gerückten Vorgänge bilden eine wichtige Grundlage für vielfältige, teils revolutionäre historische Entwicklungen der Neuzeit, die sich auch im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Kontext der Weltgeschichte seit Anfang des 16. Jahrhunderts niederschlugen.

Durch die nach der Entdeckung Amerikas folgenden Entdeckungs- und Handelsreisen kam es zum Aufbau von transkontinentalen Beziehungen mit Phänomenen wie Migration, Kolonisierung, veränderten Handels- und Finanzströmen, Austausch von Kultur, Wissen und Technik.

Der beschriebene Kontakt zwischen den beiden Gebieten bewirkte eine Bevölkerungszunahme in beiden Hemisphären, auch wenn Krankheiten anfänglich zu einem jähen Bevölkerungsrückgang der amerikanischen Ureinwohner führten.

Der für die Nahrungsgeschichte zentrale Austausch von Pflanzen und Tieren wandelte die europäischen, amerikanischen, aber auch die afrikanischen und asiatischen Lebensarten um. Nahrungsmittel, die einige Völker nie zuvor gesehen hatten, wurden unverzichtbar. Praktisch keine Gesellschaft auf der Erde konnte sich den Auswirkungen entziehen. Dies umfasst auch den Kulturbau der Neobiota. Die Alte und die Neue Welt gewannen beide.

Das Jahr 1492 wird als allgemeines Stichdatum gewählt, das jeweilige Einsetzen der Wirkungen ist nach Landstrich durchaus unterschiedlich: So waren beispielsweise Kartoffeln vor 1492 außerhalb Südamerikas unbekannt, jedoch im 18. Jahrhundert in Irland unverzichtbar. Der erste europäische Import, das Pferd, änderte die Lebensgewohnheiten vieler amerikanischer Ureinwohner auf den Prärien in einen nomadischen Lebensstil mit der Jagd auf Bisons zu Pferde. Die Tomatensauce, hergestellt aus Tomaten aus der Neuen Welt, wurde ein italienisches Warenzeichen, aber Kaffee und Zuckerrohr aus Asien bildeten die wichtigsten Anbaupflanzen Lateinamerikas. Vorher gab es keine Orangen in Florida, keine Bananen in Ecuador, keine Rinder und Milchprodukte in Argentinien, keine Kautschukbäume in Afrika, keine Viehwirtschaft in Texas und keine Schokolade in der Schweiz.

Für die Neue Welt waren auch die technologischen Veränderungen, denn die Einführung von Eisenwerkzeug und Rad revolutionierte die dortige Landwirtschaft.

Der Kolumbianische Austausch beschleunigte auch die Ausbreitung von Nutzpflanzen und Nutztieren innerhalb der Hemisphären. So wanderte z. B. der Kartoffelanbau von den Anden nach Norden.

Verbreitet verbesserte sich mit dem erweiterten Nahrungsspektrum auch die Nahrungsverfügbarkeit und -sicherheit.

Ursprüngliche Heimat ausgewählter, dem Menschen nahestehender Lebewesen und Organismen
Lebewesen / Organismus Alte Welt Neue Welt
Tiere
  • Altweltkamele
  • Pferde
  • Esel
  • Schweine
  • Rinder
  • Ziegen
  • Schafe
  • Westliche Honigbiene
  • Truthuhn
  • Lamas
  • Alpakas
  • Meerschweinchen
Pflanzen
  • Reis
  • Weizen
  • Gerste
  • Hafer
  • Roggen
  • Rüben
  • Zwiebeln
  • Kohl
  • Kopfsalat
  • Pfirsiche
  • Birnen
  • Zuckerrohr
  • Weintraube
  • Speiserübe
  • Kaffee
  • Sojabohne
  • Orange
  • Banane
  • Mais
  • Kartoffeln
  • Erdnüsse
  • Tomaten
  • Kürbisse
  • Ananas
  • Papayas
  • Avocados
  • Phaseolus
  • Kakao
  • Paprika
  • Süßkartoffel
  • Tabak
  • Vanille
  • Chinarinde
  • Maniok
Krankheiten

Bakteriell:

  • Tuberkulose
  • Cholera
  • Beulenpest

Viral:

  • Pocken
  • Gelbfieber
  • Masern

Parasitär:

  • Malaria

Bakteriell:

  • Syphilis

Parasitär:

  • Chagas-Krankheit

Quelle: Wikipedia (weitere Beispiele in der englischen Version)

Kombihaltung

Begriff mit zumindest zweifacher Bedeutung und nicht genau umrissener Definition:

  1. Haltung von Kühen als Kombination von Anbindehaltung, Weidegang und Haltung im Laufstall.
    Die Kombihaltung/Kombinationshaltung von Rindern ist eine traditionelle und tiergerechte Art der Haltung. Sie hat sich über Jahrhunderte entwickelt und trägt so neben anderen Betriebszweigen zur Einkommenssicherung der bäuerlichen Familienbetriebe zum Beispiel im Alpenbogen und seinem Vorland bei. Die Kombihaltung charakterisiert sich durch sehr kleine Betriebsstrukturen mit fünf bis 35 Milchkühen pro Betrieb und den dazu nötigen Aufzuchttieren. Über das Jahr verteilt haben alle Tiere immer wieder freie Bewegungsmöglichkeiten und sind zu bestimmten Zeiten an Standplätzen mit Fress-, Tränke- und Liegemöglichkeit fixiert.
    Insbesondere die Frühjahrs- beziehungsweise Herbstweidehaltung ist bei der Kombihaltung sehr weit verbreitet. Diese findet im Zeitraum von April bis Juni und von September bis November statt und bietet eine optimale Futtergrundlage für die Milchproduktion sowie geeignete Temperaturen für die artgerechte Haltung im Freien. Diese findet im Zeitraum von April bis Juni und von September bis November statt und bietet eine optimale Futtergrundlage für die Milchproduktion sowie geeignete Temperaturen für die artgerechte Haltung im Freien. Meist werden die Tiere dabei nach der Morgenmelkung auf die Weide getrieben und kommen zur Abendmelkung wieder zurück in den Stall. Um die Kühe bestmöglich und ausgeglichen mit Nährstoffen zu versorgen, bekommen sie im Stall Grünfutter, Heu, Silofutter sowie mineralstoffreichen Getreideschrot zugefüttert.
    Die Almhaltung ist ein besonderes Kennzeichen der Kombinationshaltung in den Gebirgsregionen des Alpenraumes. In Kombination mit der Frühjahrs- und Herbstweidehaltung werden die Milchkühe sowie die Aufzuchttiere in den Sommermonaten auf Almen aufgetrieben und können dort aus dem besonders artenreichen Pflanzenbestand wertvolle Milch produzieren sowie vom Kalb zur Milch­kuh heranwachsen. Durch die Höhenluft, die wertvollen Pflanzen und die intensive Bewegung ist die Almhaltung für diese Tiere besonders geeignet.
    Abseits der Gebirgsregionen betreiben viele Landwirtinnen und Landwirte Weidehaltung während der gesamten Vegetationsperiode. Diese wird in den verschiedensten Formen wie Tagesweide, Halbtagesweide sowie Nachtweide praktiziert.
  2. Kombination der Tierhaltung mit anderen Nutzungssystemen zum Beispiel mit Naturschutz, dem Anbau von Pflanzen oder der Erzeugung erneuerbarer Energien:
    - Biotop-Pflege
    - Nutzung und Gestaltung halboffener Weidelandschaften (wilde Weiden)
    - Agroforstwirtschaft, z. B. Schweinemast in den Eichen- und Kastanienwäldern Südeuropas
    - Beweidung von Streuobstwiesen
    - Einsatz von Hühnern zur biologischen Schädlingsbekämpfung und zur Nährstoffversorgung u. a. in Nuss- und Obstanlagen
    - Beweidung von Photovoltaikanlgen mit Schafen

Weitere Informationen:

Kommerzialisierungsgrad

Der Anteil der Vermarktung am Rohertrag.

Die Unterscheidung von Betrieben nach ihrem Kommerzialisierungsgrad
Die Unterscheidung von Betrieben nach ihrem Kommerzialisierungsgrad

Eigenbedarfswirtschaft nur für die Familie oder die Kleingruppe gibt es nur noch in kleinerem Umfang. Der Wunsch nach Konsumgütern oder finanzielle Verpflichtungen führen auch in den meisten Entwicklungsländern dazu, dass mehr als 50 % der Agrarproduktion vermarktet werden.

Weitere Informationen:

Kompost

Kompost ist eine Mischung aus organischen, verrottenden Abfällen. Sie werden durch Kompostierung (aerobe Verrottung) im Laufe von 1 - 2 Jahren bei mehrmaligem Umsetzen und Beimengen von erdigen Bestandteilen sowie evtl. Jauche und Handelsdünger zu einem Humusdünger umgewandelt. Die an Kleinlebewesen besonders reiche Substanz dient der Belebung des Kulturbodens.

Es sind zu unterscheiden:

Eine der Klärschlammverordnung vergleichbare rechtliche Regelung für Komposte gibt es derzeit in Deutschland nicht.

Weitere Informationen:

konservierende Bodenbearbeitung

Bearbeitungs- und Bestellverfahren ohne wendende Pflugarbeit. Varianten sind z.B. die tieflockernde Bearbeitung mit dem Schwergrubber, die flachlockernde und mischende Bearbeitung mit Scheibenegge, Spatenrollegge, Fräse oder zapfwellengetriebenen Eggen, die ausschließliche Bearbeitung schmaler Saatstreifen, das Mulchsaatverfahren oder eine Bodenbearbeitung in Dammbauweise. Die extremste Form beschränkt sich auf das Ziehen einer Saatrille (Direktsaatverfahren).
Nichtwendende, schonende Lockerung hat ein stabiles tragfähiges Bodengefüge zum Ziel als vorbeugenden Schutz gegen Bodenverdichtung durch nachfolgendes Befahren sowie eine Reduzierung des Energieeinsatzes. Das Belassen von Pflanzenreststoffen der Vor- und/oder Zwischenfrucht nahe oder auf der Bodenoberfläche bewirkt eine (fast) ganzjährige Bodenbedeckung über einem intakten, "konservierten" Bodengefüge. Dadurch wird der Bodenerosion und Verschlämmung vorgebeugt.

(s. a. konventionelle Bodenbearbeitung)

Weitere Informationen:

Konservierungsstoffe

Im weiteren Sinne Stoffe, die natürlichen oder synthetischen Produkten zugesetzt werden, um die Haltbarkeit zu verlängern. Bei Lebensmitteln und Futtermitteln steht besonders ein Schutz vor Befall durch Mikroorganismen (und evtl. auch höheren Organismen) im Vordergrund.

Kontrollierter Anbau

Das Warenattribut "Aus kontrolliertem (Vertrags-)Anbau" bedeutet, daß eine Lebensmittel verarbeitende Firma ihre Rohstoffe von Landwirten bezieht, mit denen sie Verträge abschließt über garantierte Abnahmemengen, anzubauende Sorten, bestimmte Fruchtfolgen oder auch den Einsatz von Pestiziden und Düngern. Es besteht kein Bezug zu dem Attribut "kontrolliert biologischer Anbau", welches ökologischen Anbau garantiert.

Konturpflügen

Agrartechnische Erosionsschutzmaßnahme, bei der hangparallel gepflügt wird. Dadurch soll der Wasserabfluss unterbrochen und die Einsickerungszeit verlängert werden.

(s. a. Bodenerosion, Kontursaat)

Kontursaat

Bestellung des Ackers entsprechend dem Verlauf der Höhenlinien zur Verminderung der Bodenerosion. Die Wirkung der Kontursaat kann verstärkt werden durch die Anlage kleiner isohypsenparalleler Dämme.

(s. a. Furchensaat, Dammkultur, Konturpflügen)

konventionelle Bodenbearbeitung

Typisch für die konventionelle Bodenbearbeitung, auch wendende Bodenbearbeitung oder Umbruch genannt, ist der regelmäßige Einsatz des Pfluges. Das Pflügen bewirkt auf Krumentiefe eine Wendung, Lockerung, Krümelung und Durchlüftung des Oberbodens. Durch die Bearbeitung wird eine saubere, von Reststoffen freie Ackeroberfläche erreicht, da zugleich Dünger, Ernterückstände und Bewuchs (z. B. Unkraut) durch den Wendevorgang untergearbeitet werden. Der Umbruch des Ackers stellt somit auch einen wichtigen Beitrag zur Unkrautregulierung, Schädlings- und Krankheitsbekämpfung dar.

Dieser so genannte Grundbodenbearbeitung folgt die Saatbettbereitung, bei der das Bodenmaterial mit unterschiedlichen Geräten zerkleinert und eingeebnet wird. Auf der so vorbereiteten Fläche erfolgt die Aussaat.

Der starke Eingriff in den Boden durch das Pflügen hat aber auch nachteilige Auswirkungen, etwa durch Schädigung der Regenwürmer-Population. Ferner kann der Umbruch der Ackerfläche eine wesentliche Ursache für Bodenerosion sein und für Humusverluste. Im intensiven Ackerbau ist es das überwiegend angewandte Verfahren zur Vorbereitung der Saat der Hauptfrucht. Die Pflugtiefe betrug beim Einsatz von Zugtieren vor dem ein- oder zweispännigen Gespannpflug zu Anfang des 20. Jahrhunderts oft nur etwa 10-15 cm. Größere Arbeitstiefen, wie sie beispielsweise beim Anbau von Zuckerrüben erforderlich sind, erforderten den Einsatz von drei oder fünf kräftigen Zugtieren. Mit Aufkommen der Mähdrescher und dem Verbleib des Strohs auf dem Acker musste die Furchentiefe gesteigert werden, um eine ordentliche Sekundärbodenbearbeitung zu gewährleisten. Allerdings wird heutzutage die optimale Tiefe von meist ca. 25 cm vielfach überschritten. Die durch das Pflügen entstehenden Pflugsohlenverdichtungen sind nur schwierig durch Tiefenlockerung oder den Anbau tiefwurzelnder Pflanzen (vgl. Gründüngung) zu beseitigen.

(s. a. konservierende Bodenbearbeitung)

konventionelle Landwirtschaft

Bezeichnung für die heute vorherrschende, rationelle und durch den Einsatz wissenschaftlich-technischer Entwicklungen geprägte Form der Landbewirtschaftung. Oft werden die Begriffe konventioneller Landbau und konventionelle Landbewirtschaftung weitgehend synonym verwendet. In Deutschland wirtschaften  92 % (2012/13) aller Landwirte auf herkömmliche (konventionelle) Weise. Sie umfasst eine Vielfalt verschiedener Produktionsrichtungen und -intensitäten. Lediglich der ökologische Landbau ist hiervon aufgrund seiner exakten Definition und Bewirtschaftungsauflagen eindeutig abgrenzbar. Der konventionelle Landbau beinhaltet die gesamte Bandbreite von einer extensiven Bewirtschaftung in Grenzertragslagen bis hin zur intensivsten flächenunabhängigen Massentierhaltung, von einem integrierten Pflanzenbau bis hin zum intensiven Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatz in artenarmen Fruchtfolgen oder großflächigen Monokulturen.
Der konventionelle Landbau wird in Gesetzen und Verordnungen zumeist durch die Begriffe "gute fachliche Praxis" und "ordnungsgemäße Landbewirtschaftung/Landwirtschaft" näher gekennzeichnet, ohne jedoch in der Definition und Regelung der Produktionsweise wesentlich über Formulierungen wie "nach Stand des Wissens und der Technik" hinauszugehen. Da viele nach heutigem Stand des Wissens und der Technik vermeidbare Umweltbelastungen unter der Bezeichnung "ordnungsgemäß" dennoch stetig zugenommen haben, kann die Festschreibung dieser Bewirtschaftungsform in Gesetzestexten mit der Bezeichnung "ordnungsgemäß" als gesetzgeberische Fehlleistung angesehen werden.

Merkmale des konventionellen Landbaus sind:

Der konventionelle Landbau erfährt eine zunehmende Akzeptanzkrise. Für die nichtlandwirtschaftliche Bevölkerung wird immer weniger verständlich, daß die hohen Subventionen zu wachsenden ökologischen und sozialen Problemen führen (Arbeitskräftefreisetzung als Folge des Konzentrations- und Industrialisierungsprozesses).

(s. a. integrierter Landbau, ökologischer Landbau)

Weitere Informationen:

konventioneller Landbau

Siehe konventionelle Landwirtschaft

Konversionsfläche

Der Begriff Konversion beschreibt in der Stadtplanung die Wiedereingliederung von Brachflächen in den Wirtschafts- und Naturkreislauf. Der Begriff entstand im Zuge der Umnutzung ehemaliger militärischer Anlagen (Konversionsflächen) und wurde speziell für diese verwendet. Im Laufe der Jahre fand der Begriff auch bei anderen Entwicklungsflächen Anwendung. Häufig werden Konversionsflächen zum Bau von Photovoltaik-Freilandanlagen genutzt.

Koog

Ein Koog (Plural: Köge) ist an der Nordseeküste Dänemarks, Deutschlands, der Niederlande und Belgiens durch Deichbau und Entwässerung aus dem Meer gewonnenes flaches Marschland. Diese Form der Landgewinnung gibt es auch in angrenzenden Mündungsbereichen mit Gezeiteneinfluss. In der Regel wird ein Koog durch Eindeichung geschützt.

In den Niederlanden und in angrenzenden Teilen Ostfrieslands wird für das eingedeichte Land meist das Synonym Polder (plattdeutsch: Poller) gebraucht. Im östlichen Teil Ostfrieslands und im Oldenburger Land gibt es noch die Bezeichnung Groden.

Da ein Koog oft niedriger als der Wasserspiegel der angrenzenden Gewässer liegt, muss das Binnenland ständig entwässert werden. Die Aufgabe der Entwässerung übernehmen Vorfluter, Siele, Schöpfwerke und Wasserpumpen.

In heutiger Zeit arbeiten die Pumpen mit Motorkraft, in vorindustrieller Zeit bis teilweise zur Hochindustrialisierung wurden sie mit Windkraft betrieben (Windpumpe). Die Gruppen von Windmühlen auf den Deichen des Rheindeltas − ein Wahrzeichen der Niederlande − sind alte Wasserpumpen.

Neben der Gewinnung von Land aus dem Meer spricht man auch an Flüssen von Kögen oder Poldern. Meist handelt es sich um ehemalige Feuchtgebiete, die nun landwirtschaftlich genutzt werden. Dabei wird aus einer Flussaue oder einem Bruch ein ganz anderes Ökosystem, an dessen Ursprung nur noch der Name erinnert, wie an dem Beispiel des Oderbruchs zu sehen.

An Rhein, Elbe und Oder werden diese Flächen auch zum Hochwasserschutz mittels Fluten genutzt. Ist das Hochwasser ausreichend abgeflossen, pumpt man das Wasser wieder aus den Poldern und kann diese bis zum nächsten Hochwasser wieder landwirtschaftlich nutzen. Bis in die 1950er Jahre wurden Köge aus wirtschaftlichen Gründen zur Landgewinnung angelegt, seitdem steht der Küstenschutz im Vordergrund.

Kopfbaum

Weiden, Hainbuchen, Eschen und Linden, die regelmäßig auf 2-3 m Höhe geschnitten (geschneitelt) wurden, um Viehfutter, Stalleinstreu oder Flechtmaterial zu gewinnen, auch zur Landschaftsverschönerung.

Kennzeichen:

Weitere Informationen:

Koppel

Ein von Zäunen, Hecken oder Mauern eingehegtes Stück Weideland. Daneben wird das eingezäunte, im Rahmen der Koppelwirtschaft bzw. Feldgraswirtschaft genutzte Land als Koppel bezeichnet.

Koppelnutzung

Im Bereich nachwachsender Rohstoffe versteht man unter einer Koppelnutzung die parallele Erzeugung von Produkten und/oder Energie aus Biomasse. Hierzu gehören die gleichzeitige Verwertung von bei der Verarbeitung von Biomasse anfallenden Nebenprodukten sowie die Erzeugung von Prozessenergie aus den Prozessabfällen bei der Konversion von Biomasse zu Produkten. Auch das umfassendere und weiterentwickelte Konzept der Bioraffinerie, das ein integratives Gesamtkonzept zur möglichst vollständigen Ausnutzung der Biomasse ist, fällt darunter. Prinzipiell sind hier zwei Nutzungsstränge möglich, die ggf. auch gekoppelt realisiert werden können:

Das Ziel der Koppelnutzung besteht darin, eine Wertschöpfungssteigerung über einen gesamten Produktionsprozess durch eine multiple Nutzung aller Komponenten des Rohstoffs einschließlich anfallender Neben- und Koppelprodukte zu erreichen. Mittel- und langfristig sollen lineare Produktionsketten mit geringer Wechselwirkung durch systemisch vernetzte Produktionscluster ersetzt werden.

Koppelprodukt

Produkt, das bei der Erzeugung eines bestimmten Gutes zwangsläufig mitproduziert wird.

Beispiele für Haupt- und Koppelprodukte
Beispiele für Haupt- und Koppelprodukte

In der Kostenrechnung werden Haupt- und Koppelprodukte rechnerisch zu einer Produktionseinheit zusammengefasst und ökonomisch wie andere Einzelprodukte beurteilt.

Koppelprodukte fallen z. B. auch während der Produktion von Biokraftstoffen als Nebenprodukte an. Rund 40 Prozent der Bioenergie-Flächen dienen daher gleichzeitig auch der Produktion von Futtermitteln, da bei der Herstellung von Rapsöl und Bioethanol immer auch Futtermittel wie Rapsschrot und Trockenschlempe anfallen. Das ebenfalls im Produktionsprozess anfallende Glyzerin wird in der chemischen Industrie als Rohstoff eingesetzt.

Bei Getreide sind es diverse Schlempen und bei Rüben die Rübenschnitzel, die als hochwertige Futtermittel vor allem in der Rinder- und  Schweinehaltung genutzt werden. Der Bundesverband Bioenergie (BBE) spricht bei Raps pro Hektar Anbaufläche von einer Substitution der Sojaimporte auf 1,3 Hektar. Aber auch Düngemittel sind Koppelprodukte der Kraftstofferzeugung aus Biomasse.

Koppelweide

Weidenutzungsform, bei der die Gesamtweidefläche in vier bis sechs Teilflächen (Koppeln) mit Hilfe massiver Weidezäune unterteilt wird. Es erfolgt eine mehr oder weniger regelmäßig aufeinanderfolgende Beweidung der Teilflächen. Die Bewegungsfreiheit der Weidetiere ist gegenüber Stand-, Hutungs- oder Almweide deutlich begrenzt. Die Beweidungsintervalle sind in Abhängigkeit von Koppelzahl, Koppelgröße und Besatzstärke auf 1½ bis 2 Wochen herabgesetzt. Soweit keine Weidepflege erfolgt, kommt es häufig zu sehr starker Verunkrautung und Ausbreitung von vom Weidevieh gemiedener Grasarten.

Koppelwirtschaft

In Norddeutschland gebräuchliche Bezeichnung für die Feldgraswirtschaft. Bei der Koppelwirtschaft ist die LN eines Betriebes in Schläge eingeteilt, die im jeweils regelmäßigen Wechsel als Acker und als Weide genutzt werden. In Schleswig-Holstein ist die Einhegung der Schläge mit Wallhecken landschaftsprägend. Wesentliches Merkmal der Koppelwirtschaft ist die dauerhafte Parzellierung der Nutzfläche in Betriebsparzellen, die ausschließlich individuell bewirtschaftet werden.

Die Koppelwirtschaft ist wahrscheinlich in Holstein entstanden, und zwar als eine Neuerung, die sich im 16. Jahrhundert auf den holsteinischen Gutshöfen ausbreitete. Obwohl der Wechsel von Weidenutzung und Getreidebau zum Wesen der Koppelwirtschaft gehörte, stand die Viehhaltung im Mittelpunkt. Das feuchte Klima der Küstenzonen, das den Graswuchs begünstigt, hatte seit langem die nördlichen Küstengebiete, aber auch die Flussniederungen zur Viehhaltung prädestiniert. Im 16. Jahrhundert bildeten Ochsenmast und Pferdezucht die Haupteinnahmequelle vieler Gutswirtschaften. Im 17. und 18. Jahrhundert traten dann Rinderhaltung und Milchwirtschaft in den Vordergrund.

In Mecklenburg hat sich die Koppelwirtschaft vor allem im 18 Jahrhundert rasch ausgebreitet, zuerst auf den ritterschaftlichen Gütern und gegen Ende des Jahrhunderts auch auf den bäuerlichen Betrieben. Es bildeten sich verschiedene Modifikationen der mecklenburgischen Koppelwirtschaft heraus, die mit einer unterschiedlichen Anzahl von Korn- und Weidejahren kombiniert waren.
Diese Wirtschaftsweise wurde im ganzen Ostseeraum verbreitet.

(s. a. Verkoppelung)

Kopra

Die Kopra ist das getrocknete Kernfleisch von Kokosnüssen, aus dem Kokosöl gewonnen wird. Der Name stammt von dem Wort koppara aus Malayalam, was in dieser Sprache „getrocknete Kokosnuss“ heißt. Eine einzelne Palme liefert zwischen 5 und 20 kg Kopra pro Jahr.

Die Kopra-Gewinnung in den Kokosplantagen läuft in mehreren Schritten ab. Zuerst werden die Kokosnüsse geschält und gespalten. Die dabei anfallenden Kokosfasern werden unter anderem als Füllstoff für Matratzen verwendet. Das frische Fruchtfleisch enthält ungefähr 45 % Wasser, maximal etwa 50 %.

Die gespaltenen Kokosnusshälften werden nun für ca. 24 Stunden in einem Ofen oder beheizbaren Raum erhitzt, um dem Fruchtfleisch Feuchtigkeit zu entziehen. Dabei wird der Wassergehalt des Fruchtfleisches auf 5 % reduziert. Der Fettgehalt beträgt dann 63 bis 70 %. Auch eine Sonnentrocknung ist möglich.

Nach dem Erkalten löst sich das Fruchtfleisch, nun Kopra genannt, leicht von der Schale. Die Schalen werden beispielsweise zu Aktivkohle weiterverarbeitet oder zu Gebrauchsgegenständen, wie Gefäße, Knöpfe, Ringe oder Souvenirs. Die gewonnene Kopra wird zu Kokosraspeln verarbeitet oder angesichts ihres Ölgehalts von 70 % in einer Ölmühle ausgepresst. Das gewonnene Öl ist Ausgangsmaterial für die Margarineerzeugung. Kokosraspel wird weltweit für Gebäck, Kokosmilch für Speisen verwendet. Auch gewinnt man eine Paste, die zum Kochen verwendet wird.

Die Erzeugerländer exportieren zunehmend nicht mehr Kopra, sondern nehmen die Ölpressung im eigenen Lande vor. Kopra wird auch zur Herstellung u. a. von Seifen und Kosmetika verwendet, sowie der sog. Presskuchen (Rückstand aus der Ölpressung) als wertvolles Viehfutter mit hohem Gehalt an Zucker, Eiweiß und Mineralien.

Die Philippinen waren im Jahr 2010 mit einer Jahresmenge von 15,54 Mio. t weltweit größter Kokosöl-Lieferant (Exportanteil 85 %) und standen in einem harten Wettbewerb mit den Palmöl-Lieferanten Malaysia und Indonesien. Während zum Beispiel im Dezember 1998 Kokosöl mit 770 US-$/t FOB gehandelt wurde, lag der Preis für Palmöl bei 625 US-$/t FOB. Ende 2015 betrug der Preis für Palmöl etwa 500 US-$/t.

Körnerleguminosen

Hülsenfrüchte, die als Viehfutter und als Gemüse angebaut werden. Ackerbohnen, Erbsen, Wicken und Lupine gelten als eiweißreiches Futter, das direkt oder siliert verfüttert wird. Körnerleguminosen werden auch zur Gründüngung verwendet.

Jahrhundertelang gehörten die Leguminosen fest in den Anbauplan bäuerlicher Betriebe. Zum einen als Eiweißquelle für Mensch und Tier und zum anderen, weil ihr Anbau für den Boden und nachfolgende Feldfrüchte aus ackerbaulicher Sicht wichtig war. Doch mit zunehmender mineralischer Düngung und dem Erstarken des globalen Welthandels wurden sie immer weniger angebaut. Lediglich im Ökolandbau blieben sie immer fester Bestandteil der Fruchtfolgen.

Nachdem ihr Anbau in Deutschland in den letzten Jahrzehnten etwas in Vergessenheit geraten ist, rücken Körnererbsen, Ackerbohnen, Süßlupinen und Sojabohnen wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit.Getrieben von der Diskussion um gentechnikfreie und umweltschonende Futtermittel wird nach heimischen Alternativen für importiertes Soja gesucht. Neben dem vertrauten Raps finden Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen oder heimisches Soja zunehmend Platz in den Futtertrögen. Immer mehr Verbraucher suchen zudem nach Alternativen zum Fleischverzehr und finden Geschmack an pflanzlichen Eiweißprodukten. Ackerbaulich sind Leguminosen interessant, da sie Stickstoff fixieren, die Bodenstruktur positiv beeinflussen und gute Ergänzungen in Fruchtfolgen darstellen können.

So sind die großkörnigen Leguminosen oder eben Körnerleguminosen, zu denen Erbsen, Bohnen, Lupinen, Linsen oder Erdnüsse gehören, dank ihres hohen Eiweißgehaltes und der guten Ertragsleistungen beinahe überall auf der Welt wichtiger Bestandteil der menschlichen Ernährung. Darüber hinaus versorgen Sojabohne und Vertreter der sogenannten kleinkörnigen Leguminosen, wie Klee und Luzerne, Haus- und Nutztiere mit Protein und weiteren Nährstoffen.

Weitere Informationen:

Körnermais

Mais, bei dem ausschließlich die reifen Körner mit umgerüsteten Mähdreschern geerntet werden. Zur Lagerung müssen die Körner nach der Ernte getrocknet werden. Neben seiner Verwendung als frisches Futtermittel wird Körnermais auch zu Stärke für die menschliche Ernährung verarbeitet.

Kornfeuchte

Kornfeuchte ist die Menge Wasser, die sich in einem Getreidekorn, wenn es noch am Halm ist, befindet und wird in Prozent angegeben. Der Landwirt versucht sein Getreide nur dann zu ernten, wenn die Kornfeuchte weniger als 16 Prozent beträgt. Damit ist es gut lagerfähig. Ist die Kornfeuchte jedoch höher, muss eine kostenaufwendige Nachtrocknung erfolgen, da sonst bei der Lagerung Mikroorganismen das Getreide erheblich schädigen können.

Weitere Informationen:

Körnung

Eine der wichtigsten Eigenschaften der Mineralböden. Sie ist Ausdruck für die Zusammensetzung der festen anorganischen Bodensubstanz aus meist mehreren Kornfraktionen. Die Körnung des Ausgangsgesteins und der Verwitterungsgrad bestimmen ihre Ausprägung.
In Deutschland werden folgende Kornfraktionen nach ihrem kugelförmig gedachten Durchmesser unterschieden:
Blöcke und Geschiebe (>200 mm), Kies (gerundet) und Steine (eckig) (200 - 2 mm), Sand (S, 2 - 0,063 mm), Schluff (U, 0,063 - 0,002 mm) und Ton (T, <0,002 mm). Kies und Steine werden in 4, Sand, Schluff und Ton in jeweils noch 3 Unterfraktionen gegliedert. Sand, Schluff und Ton bilden zusammen den Feinboden.

Der Begriff Bodenart wird mit der Körnung oft synonym verwendet, ist aber ein Ausdruck für die Korngrößenklasse, die vom Prozent-Anteil der Fraktionen S, U und T am Feinboden bestimmt wird. Die Benennung der Bodenart erfolgt nach der dominierenden Fraktion; hinzu kommt die Bodenart Lehm (L), die eine Mittelstellung zwischen S, U und T einnimmt.

Kötter

Auch Kotter oder Köter; Regionalbezeichnung für einen landwirtschaftlichen Kleinstellenbesitzer, abgeleitet vom Begriff "Kotten". Die Bezeichnung ist in NW-Deutschland seit dem 15. Jh. üblich, nach manchen Angaben auch früher. Der entsprechende oberdeutsche Begriff ist Kleinhäusler. Die Kötter weisen eine geringe Landausstattung auf, so daß ein großer Teil von ihnen als Nebenerwerbslandwirte einzustufen sind. Weitere Bezeichnungen gleichen Inhalts sind Kätner und Gärtner. Als Nachsiedler (nichterbende Nachkommen von Altbauern, Landlose) standen alle im Gegensatz zu den Hufner, Erben, Anspänner u.ä. genannten Altbauern. Sie hatten i.d.R. verminderte Gemeinderechte (Nutzung der Allmende).

(s. a. Köbler, Seldner)

Kraftfutter(mittel)

Kraftfutter sind Futtermittel mit einem höheren Energiewert und höherer Nährstoffkonzentration als Grundfutter. Grundlagen für Kraftfutter sind vor allem Sojaschrot aus den Ölmühlen, Schrote und Ölkuchen aus Kokosnüssen, Palmkernen und Erdnüssen sowie Maniok-Schnitzel (Tapioka), Maiskleber (ein Abfallprodukt aus der Stärkeherstellung), Citruspellets als Rückstand aus der Orangensaftproduktion, Obsttrester, Nebenprodukte aus Brauereien und Brennereien, Getreide, Körnermais, Kleie, Futterreis, Kartoffelflocken, Melasse, Ackerbohnen, pflanzliche und tierische Fette, Tier- und Fleischknochenmehl, Fischmehl und fertige Industriemischungen. Kraftfutter sind gut lagerfähig und dadurch für den Handel geeignet. Sie sind zwar teuer, gleichen dies aber durch ihre hohe Nährstoffkonzentration wieder aus.

Kraftfutter und die dafür nötigen Futtermittelimporte sind zusammen mit der Hochleistungszucht und der rationalisierten Viehhaltung Bedingung für die Produktionsergebnisse der europäischen Viehhalter.

Kral

Auch Kraal; afrikanischer Rundplatzweiler, bei dem sich häufig aus Reisig gefertigte Kegeldachhütten um einen Innenraum gruppieren. Der Begriff wird sowohl für die Gesamtanlage, wie auch für den in seinem Innenraum liegenden Pferch gebraucht. Er stammt aus dem Portugiesischen (corral = eingepferchter Platz) und gelangte dann ins Niederländische.

Kräuter

Der Begriff 'Kräuter' besitzt keine verbindliche botanische Definition. Kräuter werden vielmehr über ihren Nutzwert definiert. Man unterscheidet zwischen Küchenkräutern, Gewürzkräutern und Heilkräutern. Küchen- und Gewürzkräuter dienen der Verbesserung des Geschmacks des Essens. Heilkräuter bilden die Grundlage für Arzneimittel oder sind selbst Arzneimittel. Im Zusammenhang mit Heilkräutern muss auch von Giftkräutern gesprochen werden, die für den menschlichen Organismus schädlich wirken. Die Übergänge zwischen Heil- und Giftkräutern sind im Allgemeinen fließend.

Auch der Übergang von Kräutern zum Gewürz oder Gemüse ist fließend. Als Grundregel kann man sagen, dass getrocknete Pflanzenteile als Gewürze bezeichnet werden können, während sie im frischen Zustand zu den Kräuter zählen. Allen als Kräuter verwendeten Pflanzen sind ihre ätherischen Öle gemein. Sie verleihen ihnen einen charakteristischen, unverwechselbaren Duft. Häufig befinden sich die aromatischen ätherischen Öle in speziellen Drüsenhaaren an der Oberfläche von Blättern und Stängeln.

Die Heimat vieler heute bei uns kultivierter Kräuter liegt im Mittelmeerraum. Die meisten Kräuter benötigen zum guten Gedeihen und zur Ausbildung der aromatischen Stoffe eine trockene Südlage in voller Sonne. Im heimischen Gartenbau können Hauswände oder Steine durch Rückstrahlung den Effekt der Besonnung verstärken. Zu den lichtschatten- bzw. halbschattenliebenden Kräutern zählen beispielsweise Petersilie, Melisse und Pfefferminze. Waldmeister gedeiht im Schatten von Laubbäumen und Brunnenkresse und Wasserminze am Wasserrand von Teichen und Bächen.

Weitere Informationen:

Kreislaufwirtschaft

In der Kreislaufwirtschaft werden die Stoffströme durch alle am Produktzyklus Beteiligten weitgehend so geführt, daß eine möglichst häufige und möglichst emissionsarme und ressourcenschonende Nutzung von Stoffen auf hohem Wertschöpfungsniveau stattfindet. Der Begriff ist insofern mißverständlich, als es aufgrund von thermodynamischen Gesetzmäßigkeiten und des Unterschiedes zwischen idealen und realen Prozessen "Kreisläufe" nur unter Energiezufuhr und Ein- und Ausschleußung von Stoffen geben kann, Kreisläufe also nicht geschlossen sind. Werden Produkte aus einer landwirtschaftlichen Betriebseinheit vermarktet, so ist damit die Kreislaufführung der Stoffe bereits teilweise unterbrochen.

Die polare Gegenüberstellung von Kreislaufwirtschaft und linearer Wirtschaftsform stellt die beiden Endpunkte der Beurteilung für das Ausmaß an Stoffkreislaufführung in einem landwirtschaftlichen Betrieb dar. In der landwirtschaftlichen Praxis sind hauptsächlich Übergangsformen zwischen diesen beiden Extremen vorzufinden. Beispiel für maximale Annäherung an die lineare Wirtschaftsform sind Betriebe mit bodenunabhängiger Viehhaltung, wo alle Bewirtschaftungsmittel zugekauft und alle Produkte verkauft werden, die tierischen Ausscheidungen hingegen als Abfall resultieren. Ein Beispiel für die maximale Annäherung an die Kreislaufwirtschaft ist ein gemischt wirtschaftender Selbstversorgerbetrieb, in dem keine Bewirtschaftungsmittel zugekauft und keine Produkte verkauft werden.

In der modernen Landwirtschaft wird das Prinzip einer Kreislaufwirtschaft am ausdrücklichsten vom ökologischen Landbau verfolgt.

Kreuzung

Verfahren zur Erzeugung von Nachkommen mit neuen Merkmalskombinationen durch Paarung zweier Elternorganismen oder durch künstliche Befruchtung.

Kreuzweg

Bezeichnung für einen der Via Dolorosa (‚schmerzensreiche Straße‘) in Jerusalem, dem Leidensweg Jesu Christi nachgebildeter Wallfahrtsweg, wie auch für eine Andachtsübung der römisch-katholischen Kirche, bei welcher die Betenden zur Osterzeit den einzelnen Stationen dieses Weges folgen.

Die Darstellung der einzelnen Kreuzwegstationen, zuweilen auch Fußfallstationen genannt, weil die Betenden an jeder Station niederknien, erfolgt meist als Bilderzyklus, seltener als Skulpturengruppe oder – in Form von Bildstöcken mit Bildern, Skulpturen oder Kapellen – im Großen als Kalvarienberg. Kreuzwege können als Freilandkreuzweg, meist an einem Hang, ausgebildet sein und entsprechen hinsichtlich Lage und Entfernung ihrer Stationen im Idealfall den Verhältnissen in Jerusalem. So bildet den Abschluss des Kreuzweges häufig eine Anhöhe (Kalvarienberg; lat. calvariae locus = Schädelstätte), auf dem eine Kirche als Abbild der Grabeskirche von Jerusalem oder die Kreuzigungsdarstellung aufgebaut war.

Krümelstruktur

Lockerer Bodenzustand. Die Krümelstruktur entsteht durch Ausflockung von Bodenkolloiden, die Tätigkeit der Mikroflora und die Aktivität der Bodentiere (Beimpfung; Verkittung und Vermischung von Huminstoffen, Bestandesabfall und Mineralbodenanteilen).

Küchenkräuter

Aus küchentechnischer Sicht sind (Küchen-)Kräuter nach den Leitsätzen des Deutschen Lebensmittelbuchs Pflanzenteile, die wegen ihres Gehaltes an natürlichen Inhaltsstoffen als geschmack- und / oder geruchgebende Zutaten zu Lebensmitteln bestimmt sind. Die Abgrenzung zum Gewürz erfolgt anhand der verwendeten Teile der Pflanze. Bei Kräutern werden die Blätter, Blüten, Sprosse bzw. Teile davon frisch oder getrocknet verwendet.

Küchenkräuter machen durch ihre pikanten Würzeigenschaften Speisen schmackhafter und sorgen für die besondere Note.

Viele Küchenkräuter stammen aus südlichen Ländern, lieben einen sonnigen, windgeschützten Standort, am besten vor einer weißen Wand, die die Wärme speichert. Dazu gehören z.B. Majoran, Portulak, Thymian, Rosmarin und Salbei. In der Regel bevorzugen diese Pflanzen durchlässige Böden. Einige benötigen kalkhaltige Standorte. Dill, Thymian, Dost, Salbei und Raute zählen zu dieser Gruppe. Für halbschattige Lagen sind einige wenige geeignet. Dazu zählen Petersilie, Liebstöckel und Sauerampfer. Kresse verträgt sogar Schatten. Frostempfindlich sind Lorbeer und Rosmarin.

Im Unterschied zu anderen Kulturpflanzen befinden sich die meisten Küchenkräuter noch im Stadium der Wildpflanze. Das führt dazu, dass in verschiedenen Ländern oder Regionen ganz unterschiedliche Formen verwendet werden, die sich nicht nur bezüglich ihres äußeren Erscheinungsbildes, sondern auch hinsichtlich ihrer würzenden Inhaltsstoffe unterscheiden können. So ist Basilikum nicht gleich Basilikum, Dill nicht gleich Dill und Oregano nicht gleich Oregano.

So sympathisch diese Vielfalt auch erscheinen mag und so nützlich sie für die Auswahl bestimmter Eigenschaften ist, so sehr verlangen die Verbraucher nach einer berechenbaren Qualität. Dies hat zur Folge, dass ähnlich wie im Obst- und Weinbau oder im Anbau von Kartoffeln und Getreide, auch für den Kräuteranbau Sorten entwickelt werden, die dem Qualitätsanspruch der Verbraucher Rechnung tragen. So kennt man inzwischen krause und glatte Petersilie, grünen und roten Basilikum, oder Minzen mit hohem oder niedrigem Mentholgehalt.
Die Qualitätszüchtung orientiert sich an äußeren Merkmalen, wie der Blattform oder der Blattfarbe, ebenso wie an inneren Merkmalen, etwa dem Wirkstoffgehalt oder der Resistenz gegenüber Schädlingen. Häufig sind mehrere Zuchtziele miteinander verknüpft. (JKI)

Weitere Informationen:

Kuh

Weibliches Rind nach dem ersten Kalben. In Deutschland werden Kühe als Zweinutzungsrinder gehalten, zur Fleisch- und Milchproduktion. Für die Milchproduktion ist es notwendig, dass Kühe kalben. Als „dritte“ Nutzung gilt der Einsatz des Kalbes zur Aufstockung des Kuhbestandes (Neuaufzucht). Früher wurden Kühe auch als Zugtiere verwendet.

Weitere Informationen:

kultiviertes Fleisch

Siehe In-vitro-Fleisch

Kultosol

Anthropogener Auftragsboden mit mineralischem E-Horizont, entstanden bei Kultivierungs- und Bodenverbesserungsmaßnahmen, entweder durch Aufspülen (Überschlickung von Sandböden, Aufspülen von Abraumlöß bei der Tagebau-Rekultivierung), Aufschütten (Übersandung von Mooren, Sanddeckkultur und bei Tiefbauarbeiten), Überschieben und Planieren (Flurbereinigung mit Neuterrassierung, z.B. in Lößlandschaften).

(s. a. Melioration)

Kulturart

Die Form der landwirtschaftlichen Bodennutzung in Abhängigkeit von naturgeographischen und sozioökonomischen Gegebenheiten. Dazu zählen z.B. Ackerland, Gärten, Wiesen, Weiden, Obstanlagen, Rebflächen.

Kulturartenverhältnis

Es gibt an, welche Prozentanteile Ackerland, Grünland und Dauerkulturen eines Betriebes, eines Dorfes oder eines sonstwie begrenzten Raumes haben.

(s. a. Kulturart)

Kulturbau

Gesamtheit der Maßnahmen, die der Herbeiführung und Erhaltung der Kulturlandschaft dienen und den Bodenertrag bei gleichzeitiger Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit zu optimieren versuchen.

Zum Kulturbau gehören:

Kulturchampignons

Vorbemerkung: Die Pilze bilden das dritte große Reich eukaryotischer Lebewesen neben den Tieren und den Pflanzen. Sie sind wie die Pflanzen, zu denen sie lange gerechnet wurden, sesshaft, können jedoch keine Photosynthese treiben. Daher müssen sie sich wie Tiere durch die Aufnahme organischer Substanzen ernähren (Heterotrophie), die sie jedoch in gelöster Form aus der Umgebung aufnehmen. Nach heutiger Kenntnis sind die Pilze näher mit den Tieren als mit den Pflanzen verwandt, entsprechend sind sie auch kein Gemüse.

Die Produktionsweise von Kulturchampignons unterscheidet sich auch sehr von Gemüsesorten. Die Kulturchampignons werden nicht auf Ackerland erzeugt, sondern in speziellen Gebäuden oder unterirdischen Räumen (wie Kellern oder Höhlen), die möglicherweise speziell für diesen Zweck errichtet oder angepasst wurden. Die Herstellung erfolgt in Schichtstrukturen und für einige Arten / Sorten sogar nicht auf ebenem Grund, sondern z. B. auf Baumstämmen.

Die sogenannte Pilzbrut wird dabei in einen geeigneten Nährboden geimpft, das Substrat. Unter diesen speziellen Wachstumsbedingungen bilden sich aus dem Pilzmycel im späteren Verlauf die Fruchtkörper. Sind die Kulturchampignons herangewachsen, werden sie sorgfältig durch vorsichtiges Abschneiden der Stiele geerntet, gekühlt, sauber verpackt und gelangen so auf kürzestem Weg in den Handel.

Die Zucht von Kulturchampignons findet meist auf einem Substrat statt, das sich aus Pferdemist, Hühnermist und Stroh zusammensetzt. Dieses Substrat wird je nach Anbautechnik mit sogenannten Zuschlagsstoffen wie beispielsweise Gips, Baumwollschrot oder Malz angereichert und fermentiert. Um unerwünschte Mikroorganismen abzutöten, wird das Substrat dann auf 50 bis 60 Grad erhitzt und der Ammoniakgehalt durch konstante Belüftung gesenkt. Befindet sich das Substrat in einem sterilen Zustand, wird es mit der Pilzbrut angeimpft und mit einer Schicht aus Torf und Deckerde abgedeckt.

Die Anbaufläche bezieht sich auf die effektive Anbaufläche (Beete, Säcke, Anbauregale oder ähnliche Flächen), die während des zwölfmonatigen Bezugszeitraums mindestens einmal genutzt werden. Bei mehrmaliger Verwendung wird die Fläche immer noch nur einmal gezählt. Bei Pilzen, die auf Stämmen im Freien gezüchtet werden, sollte der gesamte Bereich einschließlich der Abstände zwischen den Stämmen berücksichtigt werden.

Dazu gehören

Ausgeschlossen sind

Kulturboden

Sammelbezeichnung für Formen des Bodens, die der landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Nutzung dienen.

Für die Unterscheidung von Kulturböden ist die Korngrößenverteilung (Bodenart) der Bodenpartikel wichtig. Sandkörner sind relativ groß und ungefähr kugelförmig. Der Boden ist locker, mit viel Platz zwischen den Partikeln. So können sich Wurzeln leicht ausbreiten, aber das Wasser wird schlecht gespeichert. Die blättchenförmigen Tonpartikel von Tonböden sind im Gegensatz dazu weit kleiner. Der Boden ist kompakt und fest, mit wenig Zwischenraum für Wasser und Luft. Lehmböden sind in etwa dazwischen anzusiedeln.

Wichtige Kulturböden nach ihrer Bodenart - Eigenschaften und Nutzung

Sandboden: Diese Bodenart wird gut durchlüftet und erwärmt sich schnell; das Regenwasser wird gut aufgenommen; der Boden trocknet schnell ab und lässt sich leicht bearbeiten. Andererseits kühlt dieser Boden schnell aus, Wasser und Nährstoffe werden leicht in das Grundwasser ausgewaschen. Dieser Boden erfordert zur Bestandsführung Beregnungs- und Gießmöglichkeiten sowie Humuszufuhr und mehrere kleine Düngergaben. Günstige Kulturen: Erdbeeren, Spargel und Tabak.

Humoser Sandboden: Diese Bodenart erwärmt sich schnell, die Wärmespeicherung ist gut und hält an; auch die Wasser- und Nähstoffhaltekraft ist durch den Humusanteil deutlich verbessert. Mit diesen Eigenschaften zählt der humose Sandboden zu den besten Kulturböden. Zu den Nachteilen zählt, dass die Aushagerung bei Trockenheit möglich ist. Alle Kulturen sind möglich, die mit den Wetterbedingungen zurechtkommen.

Lehmiger Sandboden: Diese Bodenart ist ebenfalls für fast alle Kulturen verwendbar. Die Durchlüftung ist gut, Mineraldünger halten sich besser als in Sandboden, auch der Stalldünger wird besser genutzt. Er erwärmt sich langsamer als humoser Sandboden, aber die Feuchtigkeit wird nicht sehr lange gehalten.

Sandiger Lehmboden: Diese Bodenart ist für fast alle Kulturen verwendbar, die wasserhaltende und wassersteigende Kraft ist gut, die Durchlüftung ist ausreichend. Stalldünger wird gut ausgenutzt. Eine regelmäßige Humuszufuhr ist sinnvoll ebenso wie Kalkung mit Kalksteinmehl als Ätzkalk.

Lehmboden: Die wasserhaltende und wassersteigende Kraft ist sehr gut; Mineraldünger werden ausreichend festgehalten. Ausnutzung von Stalldünger ist sehr gut. Bei starker Humus-Zufuhr ist er einer der besten Kulturböden. Allerdings ist die Durchlüftung nicht besonders gut; die Erwärmung im Frühjahr erfolgt langsam und die Bearbeitung ist relativ schwer, da er viel Hackarbeit verlangt. Eine Bodenabdeckung (Mulch) verhindert das Verschlammen der Oberfläche bei Regen und Gießen. Pferdedünger eingraben und regelmäßiges Kalken mit Ätzkalk macht ihn besser durchlüftbar.

Tonboden: Diese Bodenart wird in der Landwirtschaft als Stundenboden bezeichnet, da nach langsamem Abtrocknen nach einem Regen oft nur wenig Zeit für die Bearbeitung bleibt. Nährsalze sind zwar vorhanden aber Nährstoffe und Wasser können schlecht von den Wurzeln aufgenommen werden, der Boden ist schlecht durchlüftet, hart und die Bearbeitung sehr schwer.

Moorboden: Der Moorboden kann das Wasser gut halten und ist besonders für Moorbeet- und Heidepflanzen geeignet; Mineraldünger werden sehr gut gehalten, Stalldünger ist nicht notwendig. Er ist schlecht durchlüftet und eher saurer Boden und oft sehr kalt sowie je nach Torfart nährstoffarm. Zwecks landwirtschaftlicher Nutzung ist je nach Schichtdicke tief rigolen (= Tiefenlockern, Umpflügen bis in 80 cm Tiefe) notwendig um einen durchlässigen Untergrund zu erhalten. Zusätzlich ist Kalk einzubringen und grober Sand in die obere Schicht einzuarbeiten. Heute sind Moore gefährdete Lebensräume, sodass Naturschutzaspekte beachtet werden müssen.

Entwicklung von Kulturböden durch menschliche Tätigkeit

Landwirtschaftliche Nutzung vermag in vielfältiger Weise die Bodenentwicklung zu beeinflussen. Die im Subatlantikum begonnene Rodung der mitteleuropäischen Wälder und der nachfolgende Felbau verminderte die Tranpiration und erhöhte damit die Sickerwasserrate, sodass gelöste Stoffe verstärkt ausgewaschen wurden. In Hanglage nahm dadurch der Oberflächenabfluss zu und lagerte dabei Bodenmaterial um. Durch Bodenerosion werden dabei natürliche Böden entweder teilweise abgetragen oder gänzlich beseitigt, während anderen Ortes, bevorzugt am Hangfuß, Kolluvien angehäuft werden und daraus Kolluvisole entstehen.

Ackerbau zerstört durch Pflugarbeit die ursprüngliche Horizontierung , schafft einen künstlichen Ap-Horizont, belüftet den Boden und beschleunigt damit den Abbau organischer Substanz. Dies verringert bei vielen Böden beträchtlich die Aggregatstabilität und erhöht die Verschlämmungs- und Erosionsneigung, was al Degradierung bezeichnet wird.

Düngung erhöht die Nährstoffgehalte der Böden, Kalkung die pH-Werte. Damit wird der natürlichen und anthropogenen Versauerung entgegengewirkt und Verwitterungsvorgänge verlangsamen sich.

Entwässerung grund- und stauwasserbeeinflusster Böden verbessert die Durchlüftung, sodass Pseudovergleyung und Vergleyung gehemmt werden und Grundwasserböden in Landböden überführt werde können.

Grundwassererhöhung, Bewässerung und Wasserüberstau (z.B. in Reiskulturen) haben bei Böden aller Art oft eine Vergleyung zur Folge, die in semiariden bis ariden Gebieten auch mit einer Versalzung verbunden sein kann.

Abgase von Industrie, Kraftwerken, Kfz-Verkehr und Hausbrand sowie aus der Intensivlandwirtschaft haben in Mitteleuropa zu einer Anreicherung der Atmosphäre mit SO2, NO3 und NH3 geführt, die als Säuren mit den Niederschlägen in die Böden gelangen und dort die Versauerung intensivieren.

Völlig neue, anthropogene Böden (Kultosole) entstehen auch nach Abtorfung von Hochmooren, Tiefumbruch von Podsolen, starker Zufuhr von Kompost oder Klärschlamm, Heideplaggen oder Lehm zu Sandböden, durch tiefess Rigolen, Terassierung usw. Bei solchen Kulturböden ist der ursprüngliche Bodentyp völlig verändert oder das gesamte Profil von Menschenhand geformt.

Solange die wesentlichen Merkmale der ehemaligen Böden aber noch erkennbar sind, wird den hierbei entstandenen Kulturböden, die meist einen durch Pflugarbeit hervorgebrachten Ap-Horizont besitzen, der Name des ursprünglichen Bodentyps gegeben.

Indirekter und nur partieller Einfluss auf die Böden findet über Veränderungen des Klimas (teils anthropogen bedingt), Reliefs, Gesteins, oder der Vegetation, des Wassers im Untergrund und in Gewässern statt.

Kulturland

Der von bestellten Feldflächen eingenommene Teil eines landwirtschaftlichen Betriebes oder einer Gruppensiedlung. Beim Kulturland wird nach Kulturarten unterschieden.

Kulturlandschaft

Die vom Menschen gestaltete Landschaft, die nach bestimmten, vom jeweiligen Betrachter ausgewählten Kriterien abgegrenzt und gegliedert werden kann. Durch die Inwertsetzung der Naturlandschaft verwandelte sie der Mensch seit dem mittleren Neolithikum in die Kulturlandschaft. In Mitteleuropa waren dies wegen der dominierenden Waldbedeckung vornehmlich Eingriffe in die natürlichen Wälder.

Kulturlandschaften bestehen aus einem komplexen Mosaik von Ökosystemen, die räumlich in einer ganz bestimmten Weise angeordnet sind und in unterschiedlichem Maße vom Menschen beeinflußt werden. Der Mensch schafft Formen, Strukturen und funktionale Zusammenhänge, die es ohne ihn nicht geben würde. Jede Kulturlandschaft ist das Ergebnis einer Auseinandersetzung von Menschen mit der gegebenen Landesnatur und mit historisch überlieferten anthropogenen Strukturen. Insofern sind Großstädte, Autobahnen, Industriegelände und ausgeräumte Agrarlandschaften ebenso "Kulturlandschaft" wie Gebiete mit kleinen Dörfern, Streuobstwiesen und alten Weinbergen. Wenn aber von Schutz der Kulturlandschaft gesprochen wird, sind i.d.R. letztere gemeint, reich strukturierte Landschaften mit meist extensiven landwirtschaftlichen Nutzungen, die als schön empfunden werden.

Insofern wird häufig die Industrielandschaft von der Natur- und Kulturlandschaft als eigenständiger Landschaftstyp abgehoben.
Von entscheidendem Einfluß auf die Bodennutzungsstruktur und damit auf die Landschaft war der Arbeitseinsatz und in neuerer Zeit der Einsatz fossiler Energie in der Landwirtschaft. Allgemein gilt, daß mit immer größerem Abstand der Bodennutzung von der Naturlandschaft ein immer höherer Energieaufwand erforderlich ist, um die Bodennutzung aufrecht zu erhalten.

Elemente der menschlichen Eingriffe in die Naturlandschaft sind u.a.:

Kennzeichen der Kulturlandschaft in Mitteleuropa sind u.a.:

Die Entwicklung von Kulturlandschaft vollzieht sich in Deutschland gegenwärtig ohne allgemein akzeptiertes Konzept. Es bestehen Leitbilder, deren Spannbreite von Inwertsetzung, Raubbau, Vermarktung, Sanierung, Anpassung an moderne Nutzungen auf der einen Seite zu Konservierung, Ressourcensicherung, Museumslandschaft, ökonomischer und ökologischer "Käseglocke" auf der anderen Seite reicht.
Die überlieferte Kulturlandschaft als (teilweises) Gestaltungsmuster zu verwenden, wird häufig mit dem Argument abgelehnt, Kulturlandschaft müsse immer Spiegelbild der aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse sein. Außer im Museum habe die materielle Hülle bzw. Hinterlassenschaft vergangener Lebensformen keine Existenzberechtigung. Demgegenüber stehen viele Argumente, die für eine Leitbildfunktion der überlieferten Kulturlandschaft bei der Gestaltung der Zukunft sprechen.

Gründe für eine (partielle) Leitbildfunktion der überlieferten Kulturlandschaft

Als schützens- und erhaltenswert gelten folgende national bedeutsame Kulturlandschaftstypen:
Strukturreiche / extensive Ackerbausysteme

Grünlandsysteme mit überwiegender Beweidung

Grünlandsysteme mit überwiegender Mahd

Waldökosysteme

Sonderform

Weitere Informationen:

Kulturpflanze

Eine Kulturpflanze ist eine Pflanze im systematischen Anbau. Sie wird demnach planmäßig gesät bzw. gepflanzt, gepflegt, geerntet und liefert Rohstoffe oder Nahrung. Ihre Leistungsfähigkeit ist gegenüber der Wildform durch Auslese und züchterische Bearbeitung oder genetische Eingriffe ständig gewachsen. Der Begriff sollte strikt unterschieden werden von dem der Nutzpflanze, die keinen systematischen Anbau aufweist (z.B. Beeren und Pilze als Sammelgüter). Meist erfolgt ein Massenanbau einer einzigen Kulturart, lediglich das Grünland besteht als Pflanzengesellschaft, allerdings mit einem gezielt zusammengesetzten Bestand.

Inkulturnahme von Pflanzen
Inkulturnahme von Pflanzen

Quelle: Keller 1997

Die Menschheit hat in den 10.000 Jahren, für die eine gezielte Landwirtschaft belegt sind, 200 - 300 Pflanzenarten kultiviert (Mengenangaben schwanken). Dieser Prozeß verteilte sich über viele Gebiete und erstreckte sich über Jahrtausende. Zudem verfügen wir heute bei den wichtigsten Kulturpflanzen über tausende Rassen und Sorten. Die Ursprungszentren vieler Kulturpflanzen lassen sich auch heute noch nachweisen und sind fast immer identisch mit den alten Kulturzentren der Menschheit.

Die 20 nach ihrer Anbaufläche1 weltweit wichtigsten Kulturpflanzen
Die 20 nach ihrer Anbaufläche weltweit wichtigsten Kulturpflanzen

1 Anbauflächenanteil [%]: Getreide 71,0; Ölfrüchte 7,2; Hackfrüchte 5,0; Hülsenfrüchte 4,9; Fasern 4,7; Obst und Gemüse 3,7; Zucker 1,5; Getränke 1,0; Kautschuk 0,4; Tabak 0,4
Quelle: Tivy 1993

Spezielle Formen der Nutzung dienen der Erzeugung von Duftstoffen, Farbstoffen, Gerbstoffen, Harzen, Insektiziden, Kautschuk, Saponin, Wachsen, Drogen, Vogelfutter und Treibstoff. Vereinzelt wird eine Kulturpflanzenart auch als Bienenweide angebaut. (u.a. Phazelie, Buchweizen).
Ein Großteil der heute in Mitteleuropa für die Ernährung wichtigen Fruchtarten wurde (gemeinsam mit den koadaptierten Beikrautarten) eingeführt. Ein Teil dieser Arten kam bereits als kultivierte Formen in der Frühzeit mit der Ausbreitung der bäuerlichen Wirtschaftsform vom Orient her nach Mitteleuropa. Roggen und Hafer waren vermutlich zunächst Ackerunkräuter und erlangten erst in der Bronzezeit Bedeutung als Kulturpflanzen. Im Altertum brachten die Römer die Weinrebe und einige kultivierte Obstarten. In der Neuzeit wurden nach den großen Entdeckungsreisen insbesondere aus Amerika weitere heute bedeutende Kulturpflanzen eingeführt. (Kulturpflanzen, Ursprungsgebiete der)

Anbaufläche wichtiger Kulturpflanzenarten in Deutschland 1994
Anbaufläche wichtiger Kulturpflanzenarten in Deutschland 1994

Quelle: Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: Die Vielfalt der Nutzpflanzen, Bonn 1997

Der Wert einer Kulturpflanze hängt davon ab, daß sie mehr nutzbares Material produzieren kann als ihr freilebender Vorfahr und leichter zu kultivieren ist. Ihr “Gigantismus“ ist einer der auffälligsten und beständigsten Unterschiede zur Wildpflanze. Er zeigt sich insbesondere an demjenigen Pflanzenteil der geerntet wird. Die Samenverbreitung der Kulturpflanzen hat sich als Folge gezielter Selektion verringert (z.B. nichtaufspringende Hülsen bei Erbse, Bohne, Pfeffer usw.). Die Form und die Zusammensetzung der zur Ernte bestimmten Organe hat sich verändert. Toxische Inhaltsstoffe und Bitterstoffe wurden abgeschwächt oder ganz eliminiert. Die relativen Anteile nützlicher Inhaltsstoffe wie Proteine, Öl, Zucker sowie Substanzen, die als Arzneimittel oder Aromastoffe Verwendung finden, wurden deutlich erhöht.

Universell anwendbare Einteilung der Kulturpflanzen mit den Ernteorganen als Kriterium
Universell anwendbare Einteilung der Kulturpflanzen mit den Ernteorganen als Kriterium

In Wechselwirkung mit den unterschiedlichen Standortbedingungen bildeten sich im Laufe der agrarhistorischen Entwicklung bei allen Fruchtarten regional adaptierte Landsorten heraus. Gemeinsam mit bewußt eingeführtem Genmaterial bildeten sie die Grundlage einer intensiven Pflanzenzüchtung wie sie in den vergangenen 150 Jahren entstanden ist.
In Anpassung an die Forderungen moderner Landwirtschaft führte die systematische Züchtung zu einer Verringerung der Zahl angebauter Nutzpflanzenarten und -sorten und zu einer Reduktion ihrer genetischen Vielfalt. Von den geschätzten 3.000 Pflanzenarten, die im Verlaufe der Geschichte den Menschen zur Ernährung dienten, werden heute nur durchschnittlich 30 verwendet. Mehr als 90 % des menschlichen Nahrungsangebots stammt von weniger als einem Dutzend Kulturpflanzen.
Von den weltweit ca. 6.000 bekannten Kulturpflanzen (ohne Zierpflanzen) sind in Deutschland etwa 2.000 Arten anbaubar. Davon werden heute ca. 200 Arten von Landwirtschaft und Gartenbau besonders genutzt. Während die Pflanzengesellschaften des Grünlandes überwiegend aus heimischen und sehr früh eingewanderten Arten zusammengesetzt sind, stammt ein Großteil der in Deutschland angebauten Fruchtarten aus anderen geographischen und klimatischen Regionen der Welt.

Klima-, Wasser- und Bodenansprüche ausgewählter Kulturpflanzen
Klima-, Wasser- und Bodenansprüche ausgewählter Kulturpflanzen

Quelle: Spielmann (1989), gekürzt

Kulturpflanzen, Ursprungsgebiete der

Die in der Pflanzenproduktion bedeutenden Kulturpflanzenarten sind - teilweise unabhängig voneinander an verschiedenen Stellen auf der Erde) meist mehrere tausend Jahre v. Chr. in Kultur genommen worden. Die folgende Übersicht zeigt die ursprünglichen Zuchtgebiete der wichtigsten Kulturpflanzen, deren heutige Verbreitung meistens weit darüber hinausgeht. Im wesentlichen waren diese Kulturpflanzenarten bereits ca. 1.000 bis 2.000 v. Chr. bekannt.

Herkunfts- und erste Domestikationsgebiete von Kulturpflanzen
Herkunfts- und erste Domestikationsgebiete von Kulturpflanzen

Quelle: Geisler, 1988; Nevers, 1991; Sick, 1993

Die Ausfuhr von Kulturpflanzen aus den Ursprungsländern ihrer Domestizierung brachte sie in eine neue Umwelt, an die sie sich anpassen mußten. So entstand eine Vielfalt von Landrassen, die an die örtlichen Bedingungen angepaßt waren und unterschiedlich auf Schädlinge, Krankheiten und Umweltveränderungen reagierten. Während dieses Prozesses wurden auch bestimmte Unkräuter zusammen mit den Kulturpflanzen verbreitet. Einige erwiesen sich als besonders geeignet für ein Wachstum in der neuen Umgebung und wurden deshalb weiter kultiviert. So wurden Roggen und Hafer als begleitende Unkräuter des Weizens eingeführt und erfuhren eine Aufwertung, als der Anbau von Weizen am rauhen Klima von Nordeuropa scheiterte.

(s. a. Vavilov-Zentren)

Kultursorte

Kultursorten sind reinerbige oder veredelte Sorten, die der Mensch in der langen Geschichte der Pflanzenzüchtung aus vorgefundenen Wildsorten kultiviert hat. In neuester Zeit aber gibt es auch gentechnisch veränderte Organismen im Sinne einer Kultursorte, die sich in der Praxis aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten noch immer eng an eine „natürliche“ Pflanze anlehnen. Praktisch gesehen sind alle Kultursorten vom Menschen in ihrer genetischen Ausprägung (Genotyp) verändert, wenn auch mit rein züchterischen Methoden.

Saatgut einer Kultursorte wird einer Prüfung der Merkmale unterzogen, erhält eine Sortenzulassung, wird in eine – nationale sowie EU-weite – Sortenliste eingetragen, um angebaut bzw. gehandelt werden zu dürfen und erhält dann auch Sortenschutz. Dieser Einschränkung unterliegen nicht Sorten von Zierpflanzen (Blumen, Ziergehölze).

Bei Obst und Gemüse spielt die Vielfalt der Obst- und Gemüsesorten besonders bei Apfel und Kartoffel eine große Rolle. Ebenso bei Salatsorten, weil unter dem Sammelbegriff „Salat“ verschiedene Salatpflanzen zusammengefasst werden, z. B. Gartensalat (Lactuca), Feldsalat (Valerianella) und viele andere.

Kultursteppe

1. Eine Steppenlandschaft (z.B. Pampa, Prärie), die durch intensive Landnutzung in eine Kulturlandschaft, hier eine Kultursteppe umgewandelt wurde.

2. Im übertragenen Sinn eine offene, baumlose und auch ansonsten strukturarme, in Monokultur genutzte Agrarlandschaft. Diese muss nicht wie eine natürliche Steppe semihumiden Charakter besitzen, andererseits auch nicht Waldgebiet gewesen sein. Sie weist jedoch mit ihrer durch menschliche Einwirkung bedingten Armut an Landschaftselementen (ausgeräumte Landschaft) Steppencharakter auf. Beeinträchtigungen des ökologischen Gleichgewichts sind häufige Folgen.
Die Analogie zur natürlichen Steppe ist insofern irreführend, als der Begriff "Steppe" mit dem Begriff der extensiven Weidenutzung verbunden ist, während es sich bei der Kultursteppe um intensiv genutztes Ackerland handelt.

Kultursubstrate

Nach dem Düngemittelgesetz sind Kultursubstrate "Pflanzenerden, Mischungen auf der Grundlage von Torf und andere Substrate, die den Pflanzen als Wurzelraum dienen, auch in flüssiger Form".

Unter anderen gehören folgende Substrate in diese Gruppe:

Alle heute bekannten Boden-Ersatzsubstrate eignen sich vorwiegend zur Anzucht kleiner Mengen von Pflanzen in geschlossenen Kulturgefäßen, denen Pflanzennährstoffe als Nährlösung zugeführt wird. Daneben werden durchaus erfolgreich Kulturpflanzen, wie Tomaten, Gurken u.a. in künstlichen Erdsubstraten angebaut. Diese Kulturen sind aber nur für Früchte lohnend, die einen hohen Marktpreis erzielen, da Nährlösungen teuerer sind als Düngemittel im Feldbau.

Weitere Informationen:

Kulturtechnik

Technische und ingenieurbiologische Maßnahmen zur Verbesserung landwirtschaftlich nutzbarer Böden mit Wirkung auf das Bodenprofil, die Bodenzusammensetzung, den Wasserhaushalt und die Vegetation. Die Kulturtechnik ist als Teil der Landeskultur zu sehen.

Kulturwechselstufe

Auch Kulturgrenzstufe; besonders auf Lößböden markant ausgebildete Geländestufe, die an den Grenzen zwischen Ackerland und Grünland oder Wald auftritt, und die aufgrund unterschiedlicher Abtragung oder Aufschüttung in den Nutzungsarealen entsteht.

Kunstdünger

Siehe Mineraldünger, Naturdünger

Kunstegart

Alpenländische Form des Wechselgrünlandes mit künstlicher Feldfutteransaat. Auf eine acht- bis zehnjährige Grünlandnutzung folgt eine ackerbauliche Zwischennutzung, der zumeist ein dreifeldriges Fruchtfolgeglied (Kartoffeln - Sommergerste - Sommerroggen) zugrunde liegt.

(s. a. Egartwirtschaft, Feldgraswirtschaft, Naturegart)

Kunstwiesenbau

Traditionelle Form der Anlage von Wässerwiesen mit vollständiger Umgestaltung der Oberfläche, die als Hänge oder Rücken (sog. künstlicher Rückenbau) modelliert wurden. Die vollkommensten Kunstwiesen existierten in der Lombardei (ab dem 11. Jh.) und im Siegerland (Blütezeit im 19. Jh.). Weitere Beispiele finden sich in vielen Teilen Europas, z. B. um Suderburg (Lüneburger Heide), um Schleusingen und Königsberg (Preußen), in Flandern oder in Südengland. Aus der Grafschaft Dorset ist 1649 erstmals die spezifisch englische Innovation der bedwork water meadow dokumentiert.

Der älteste Hinweis auf die Existenz des Kunstwiesenbaus im Siegerland findet sich in der Hospitalordnung der Stadt Siegen aus dem Jahre 1534, die den Spitalmeister anweist, die von ihm verwalteten Wiesen zu bewässern. Der Wortteil ‚Kunst‘ im Begriff ‚Kunstwiesenbau‘ geht auf die künstliche Umgestaltung der Wiesenoberflächen zurück.

Die Entwicklung des überregional bedeutenden Siegerländer Kunstwiesenbaus steht in engem Zusammenhang mit der Eisenerzgewinnung und -verhüttung im Siegerland. Dazu waren große Mengen an Holzkohle und entsprechende Waldflächen nötig, wodurch die nutzbaren Wiesen- und Weideflächen stark eingeschränkt wurden.

Ein Ausgleich durch intensive Wiesennutzung musste geschaffen werden um den Viehbestand nicht stark verringern zu müssen und um die Ernährung der als Bergleute tätigen Nebenerwerbsbauern zu sichern. Die notwendige Futtermenge wurde durch Leistungssteigerung mittels künstlicher Bewässerung ermöglicht.

Die Eisenindustrie mit ihrem großen Bedarf an Pferde- und Ochsengespannen hatte selbst ein großes Interesse an der Erhöhung des Heuertrags der Wiesen.

Daher bildeten sich im Laufe der Zeit zwei sehr verschiedene Methoden heraus:

Der großflächige Kunstwiesenbau hatte einst neue Landschaften geschaffen, heute sind die Bewässerungsflächen aus dem Landschaftsbild der Tiefländer verschwunden. Intensive agroindustrielle Bodennutzung und Energiewirtschaft beherrschen die weiten Ebenen.

Weitere Informationen:

Kurzgrassteppe

Form der Grassteppe (Steppe) auf besonders trockenen Standorten, die durch niedrige Horstgräser (20 - 40 cm) und Zwergsträucher geprägt ist. Abgesehen von Uferwäldern an Fremdlingsflüssen ist die Kurzgrassteppe völlig waldfrei.

Die Böden sind nur wenige Zentimeter oder gar nicht entkalkt. Andererseits findet man unter dem humosen Oberboden regelmäßig einen kalkangereicherten Unterboden. Der Oberboden ist krümelig, sehr humos und ca. 40 cm mächtig. Durch eine gegenüber der Langgrassteppe geringere Biomassenproduktion sind die Böden weniger dunkel, und besitzen die kastanienbraune Farbe der vorherrschenden Bodentypen der Kastanozeme.

Sieben bis zehn Monate sind arid oder zumindest semiarid. Als Vegetationsperiode gilt nur das Frühjahr. Die Böden werden weit verbreitet ackerbaulich genutzt. Sommergetreide bringt befriedigende Erträge. Allerdings befindet man sich bei der Nutzung dieses Bodens in einem Dilemma, da einerseits der Humus relativ rasch abgebaut wird und der Boden deshalb leicht der Wasser- und auch Winderosion anheim fällt, und andererseits bei Bewässerung zunächst sehr hohe Erträge erzielt werden, aber in deren Folge dann schnell verschlämmte und schlecht durchwurzelbare Oberböden entstehen.

Kurzgewann

Gewann, dessen Parzellen im Mittel unter 200 - 250 m Länge aufweist.

Kurzstreifenflur

Flur mit überwiegenden Kurzstreifen, die sich in Mitteleuropa nach Müller-Wille (1962) bei einem mittleren Grenzwert von 333 m von Langstreifen absetzen lassen. Bei Kurzstreifen erfaßt das Streifensystem zudem nicht den Gesamtbereich der Flur bzw. eines Flurteils (z. B. Zelge).

Kurzumtriebsplantage (KUP)

Auch Schnellwuchsplantage, Kurzumtriebskultur, Niederwald mit Kurzumtrieb; Pflanzung mit schnellwachsenden und stockausschlagfähigen Baumarten auf landwirtschaftlichen Flächen, die in relativ kurzen Intervallen abgeerntet wird. Die EG-Verordnung 1120/2009 trägt den Nationalstaaten die Erstellung einer Liste zulässiger Gehölzarten auf. In Deutschland wurden Weiden, Pappeln, Robinien, Birken, Erlen, die Gemeine Esche sowie Stiel-, Trauben- und Roteiche zugelassen.

Die erzeugte Biomasse kann stofflich verwertet werden, beispielsweise in der Papier-, Zellstoff- und Holzwerkstoffindustrie, meist wird sie aber als Holzhackschnitzel zur Energiegewinnung genutzt. Man spricht deshalb auch von Energiewäldern.

Der plantagenmäßige Anbau erleichtert die mechanische Holzernte. Aus den verbleibenden Stöcken und Wurzeln kommt der Neuaustrieb für die nächste Ernte oder es erfolgt eine Neuanlage der Pflanzung.

Rechtlich gesehen sind Kurzumtriebsplantagen mit einer Umtriebszeit von höchstens 20 Jahren kein Wald, sondern behalten den Status von landwirtschaftlichen Flächen. Kurzumtriebsplantagen stellen eine moderne Form der historischen Niederwaldnutzung dar. Sie werden über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren mehrmals abgeerntet. Die Umtriebszeiten, das heißt, die Zeit zwischen der ersten Aussaat/Anpflanzung der Bäume und der Ernte des Endprodukts, liegen in einem weiten Rahmen von zwei bis 20 Jahren. Nach der Ernte treiben die Wurzelstöcke im nächsten Frühjahr wieder aus, man arbeitet nach dem Prinzip "einmal pflanzen - mehrmals nutzen".

Diese offiziell als Niederwald mit Kurzumtrieb (Nutzcode 841) bezeichneten Pflanzungen zählen zu den Dauerkulturen. Für die Anerkennung der Direktzahlungen sind die Arten der Liste 4 zulässig. KUP werden im Rahmen des sogenannten Greenings als ökologische Vorrangfläche anerkannt und ab 2015 mit dem Faktor 0,3 gewichtet. Daraus können Kurzumtriebsplantagen auf betrieblicher Ebene ggf. weitere wirtschaftliche Vorteile zugerechnet werden. Allerdings dürfen auf ökologischen Vorrangflächen mit „Niederwald mit Kurzumtrieb“ keine mineralischen Düngemittel und keine Pflanzenschutzmittel verwendet werden.

(s. a. nachwachsende Rohstoffe)

Weitere Informationen: