Lexikon des Agrarraums

Q

Qanat

Bezeichnung für die schon im Altertum im persischen und arabischen Raum angewandte Technik von Sickerstollen, mit denen in ariden bis semiariden Gebieten Grundwasser in Gebirgsregionen erschlossen und zu Bewässerungsflächen und Siedlungsgebieten geleitet wird.
Ein Qanat besteht aus einem bis zum Grundwasser reichender Mutterbrunnen, mehreren vertikalen Zugangsschächten und dem Qanat-Kanal. Der Qanat-Kanal ist ein Stollen, der mit geringem Gefälle vom Mutterbrunnen über die Zugangsschächte bis zum Qanat-Austritt führt.

In den bis 1,8 Meter hohen und 0,6-2,4 Meter breiten Stollen wird Grund- und Sickerwasser mit einem Gefälle von 0,2-0,5 Promille, entsprechend den Geländeverhältnissen an der Oberfläche geführt. Der Stollen geht meist vom Fuß eines Berges aus und endet in einem Oasendorf oder in einer Stadt. Ein Qanat ist kein unterirdischer Flusslauf, und er wird auch oft nicht von einer "Quelle" gespeist. Er wirkt vielmehr wie eine Drainage und zieht die Bodenfeuchtigkeit der Tiefe an sich. Durch die Qanatbauweise wird das Grundwasser angezapft und ohne Anwendung von menschlicher, tierischer oder mechanischer Kraft zu Tage gefördert.

An der Oberfläche kann man die unterirdischen Qanat-Systeme an den perlschnurartig aufgereihten Arbeits- und Belüftungsschächten erkennen, die wie Maulwurfshügel dem Materialaushub beim Bau und bei der Unterhaltung dienen. Die regelmäßige Abfolge der kraterähnlichen Schachtöffnungen schwankt je nach anstehendem Material und Tiefe des Ableitungsstollens zwischen 20 und 200 Metern. Mit einfachsten technischen Mitteln – Fußwinde, Hanfseil, Ledersack, Kurzhacke, Handschaufel, Kerzen und einfachen Nivelliergeräten – wurden die unterirdischen Stollen von speziellen Berufsgruppen geschaffen.

Qanate kann man in fast allen Ländern am Persisch-Arabischen Golf sowie in Afghanistan, Pakistan, Syrien, Libyen, am Rande der Taklamakan und im gesamten Maghreb sowie auf den Kanarischen Inseln oder auch im Harz finden. Daher gibt es viele verschiedene Bezeichnungen für sie. Auf Persisch heißen sie Kariz bzw. Karez. Im Oman werden sie Faladsch genannt, in Nord-Afrika, im Maghreb, lautet die Bezeichnung Foggara, was so viel wie „unterirdischer Stollen“ bedeutet. In Marokko sind auch die Bezeichnungen Rhetara, Khettara, Hattaras oder Käris gebräuchlich.

Der Ursprung der Qanat-Wassergewinnung liegt vermutlich vor über 2000 v. Chr. im Raum des heutigen Iran. Vor allem am Rande der Wüsten Lut und Kavir wird heute noch auf diese Art Wasser gewonnen. Als eines der frühesten Qanate kann jenes von Zavareh gelten, das über 5000 Jahre alt ist. Ein anderes Beispiel ist das Qanat von Gonabad, mit einem Mutterbrunnen von 350 m Tiefe und einem Alter von über 2500 Jahren.

Von Iran aus verbreitete sich die Technik der unterirdischen Bewässerungskanäle vor allem über die Seidenstraße in der antiken Welt und erreichte nach der ersten persischen Eroberung im Jahr 525 v. Chr. Ägypten. Später breitete sich diese Technik auch in das Römische Reich aus, wo jedoch die Technik der Aquädukte maßgebender war. Ein Beispiel für eine römische Qanat-Leitung wurde in Brey am Rhein entdeckt, noch weiter nördlich, im Kreis Düren liegt mit 1660 m das längste Wassertunnelbauwerk nördlich der Alpen, das auf diese Weise gebaut wurde: der Drover-Berg-Tunnel.

Die Technik breitete sich auch bis in das nördliche Indien aus, ebenso nach China. Mit den Arabern erfuhren die Qanate eine Ausbreitung nach Algerien, Marokko, Sizilien (z. B. die Qanate von Palermo), schließlich Spanien und von hier nach Südamerika.

Die Gründe für die Entwicklung und Ausbreitung der Qanattechnik liegen wohl primär im Fehlen größerer Flüsse der betreffenden Gebiete und auch an der Nähe der Siedlungen zu einem vergleichsweise niederschlagsreichen Berg oder Gebirge. Auch das aride Klima mit seinen extrem hohen Verdunstungsraten ist hierfür mitverantwortlich, da Quellen schnell austrocknen und eine oberflächliche Leitung des Wassers über lange Distanzen zu hohe Verluste bedingen würde.

Für den Grundwasserreichtum sind vor allem die Steigungsregen der Berghänge verantwortlich, deren Wasser versickert und sich in den Poren eines Grundwasserleiters (Aquifer) über einer Grundwasser stauenden Schicht ansammelt. Von dort kann das Wasser über die Qanate abgeleitet werden.

(s. a. Foggara, Bewässerung, Bewässerungswirtschaft)

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Qualitätsmanagement

In nahezu alle Wirtschaftsbereiche eindringende kundenorientierte Unternehmensphilosophie mit einer konsequenten und systematischen Überwachung und Steuerung der Betriebsabläufe bzw. der Produktion (vorausschauende Fehlervermeidung). Qualität bedeutet in diesem Kontext nicht die Erfüllung extrem hoher Standards, sondern ergibt sich aus den zwischen Produzenten und Kunden abgestimmten Anforderungen an eine bestimmte Leistung.

Der Begriff Qualität (Qualitätssicherung und -management) sowie dessen Ableitungen werden im allgemeinen Sprachgebrauch und auf verschiedenen Wissensebenen (Verbraucher, Lebensmittelhersteller, Wissenschaft) unterschiedlich verwendet. Während diese Begriffe in der Produktion häufig im Sinne eines optimierten Einsatzes von produktionstechnischem Know-how genutzt werden, beziehen sie sich im Bereich Prozesssicherheit insbesondere auf die Steuerung des Informationsflusses (prozessbegleitend bzw. unternehmensintern) mit Hilfe von Dokumentation und Controlling.

Das Qualitätsmanagement tritt an die Stelle der Endproduktkontrolle und verhindert von vorneherein abfallende Qualitäten, kann exakte Anforderungen der Abnehmer und Verbraucher erfüllen und deckt Schwachstellen im Unternehmen auf. Eine Strategie zur Umsetzung des Qualitätsmanagements ist die Normenreihe DIN ISO EN 9000 ff. Spezielle Zertifizierungsstellen nehmen die auf freiwilliger Basis erfolgende Zertifizierung über sogenannte Audits (Befragung, Einsichtnahme in Unterlagen und Betrieb) vor, nachdem das Qualitätsmanagement in allen Ebenen des Unternehmens verstanden, verwirklicht und beständig aufrechterhalten wird. Zertifizierungen in der deutschen Landwirtschaft erfolgen noch zögerlich, werden aber als wichtige Voraussetzung für die künftige Sicherung und Erschließung von (Export-)Absatzmärkten angesehen und sind insbesondere im Rahmen der vertikalen Integration von Bedeutung. Im landwirtschaftlichen Umfeld sind bereits die meisten Abnehmer und Zulieferer zertifiziert, so Zuckerfabriken, Mühlen, Landhandelsbetriebe, Kartoffelverarbeiter sowie einige Betriebe im Landmaschinenhandel.
Naturgemäß sind in der Landwirtschaft viele Parameter vor der Ernte beeinflussbar, jedoch nicht beherrschbar, z.B. der Eiweißgehalt des Weizens oder der Zuckergehalt der Rübe. Insofern sind sie nicht normierungsfähig, können aber dokumentiert werden. Andere Parameter der landwirtschaftlichen Produktion sind auch schon vor der Ernte beherrschbar. Die Sorte, die Düngung und die eingesetzten oder nicht eingesetzten Pflanzenschutzmittel und manches andere Denkbare können in einem normierten Verfahren nachgewiesen und letztlich zertifiziert werden. Vom Zeitpunkt der Ernte an sind auch Parameter wie Eiweißgehalt, Feuchtigkeit u.ä. in dem Sinne beherrschbar, daß sie festgestellt und in dieser Qualität angeboten werden können.

Von der Qualitätssicherung in der landwirtschaftlichen Produktion werden auch positive Auswirkungen im Hinblick auf Umwelt und Bodenschutz erwartet.

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quarter section

160 acres (65 ha) große Fläche als Ergebnis der ursprünglich auf Th. Jefferson und sein Landvermessungssystem zurückgehenden Flurparzellierung in den USA. Die land ordinance von 1785 verlangte eine Vermessung der neuerworbenen Staatsländereien vor der Landvergabe. Die Vermessung erfolgte in einem quadratischen System mit den townships (6 Meilen = 9,656 km Seitenlänge) als größten Einheiten. Die townships gliedern sich in 36 Quadrate von einer Meile Seitenlänge, die sogenannten sections. Die sections wurden weiter in vier quadratische quarter sections unterteilt, deren Fläche der Größe einer homestead entspricht.

Farmland in Kansas, aufgeteilt in Sections und Quarter Sections

Farmland in Kansas, aufgeteilt in Sections und Quarter Sections

Ein Satellitenbild von Anbaufeldern in Kansas (USA). Gesunde und wachsende Pflanzen sind grün. Mais bildet Ende Juni (als dieses Foto aufgenommen wurde) belaubte Stängel aus. Hirse sieht Mais ähnlich, wächst langsamer, ist viel kleiner und daher möglicherweise blasser. Weizen ist gold-leuchtend, wenn im Juni die Ernte beginnt. Braune Felder wurden vor kurzem abgeerntet und umgegraben oder liegen in diesem Jahr brach. Die kreisrunden Felder sind charakteristisch für eine Bewässerung durch Kreisberegnung. Die gezeigten Felder besitzen einen Durchmesser von 800 und 1.600 Metern (1/2 und 1 Meile). Das Bild ist bei etwa 37,5° n.Br. und 100,75° w.L. zentriert und deckt ein Gebiet von 37,2 x 38,8 km ab. Das 'Gitter', in dem die Felder angelegt sind, verläuft in Nord/Süd- und West/Ost-Richtung. Die schräge dunkle Linie ist die U.S Route 56. Das Bild ist an die Satellitenbahn ausgerichtet, die einen Winkel von 98 Grad aufweist. Norden befindet sich etwa 10 Grad gegen den Uhrzeigersinn gedreht. Das Bild zeigt eine Falschfarbendarstellung, die natürliche Farben simulieren soll. Die drei verwendeten Bänder befinden sich im Grün-, im Rot- und nahe dem Infrarotbereich des Spektrums. Das Radiometer ASTER besitzt keinen Blaukanal, und daher wurde die sichtbare blaue Farbe von den anderen Bändern erzeugt.

Quelle: NASA

quergeteiltes Einhaus

Am häufigsten vorkommender Grundtyp der Ein(heits)häuser/höfe. Es handelt sich um einen Langbau, bei dem die Wohnung und die Wirtschaftsteile durch senkrecht zur Firstlinie verlaufende Innenwände getrennt und jeweils von außen her durch eigene Zugänge zu erreichen sind. Verbreitungsgebiete sind das nördliche Schleswig-Holstein, große Teile des Rheinischen Schiefergebirges, der Kraichgau, der Mittel- und Südschwarzwald und das Alpenvorland.

(s. a. Gehöft, gestelztes Einhaus, Gulfhaus, Hofformen, längsgeteiltes Einhaus)

Quinoa

Quinoa (Chenopodium quinoa), dt. Reismelde, gehört zur Gattung der Gänsefüße in der Familie der Fuchsschwanzgewächse und wird wie Amarant auch als Pseudogetreide bezeichnet. Das bedeutet, dass es nicht wie Weizen oder Roggen zur Familie der Gräser gehört, aber ähnlich wie Getreide verwendet wird.

Die Pflanze wurde vor etwa 7000 Jahren in den Hochebenen der südamerikanischen Anden rund um den Titicaca-See kultiviert. Von dort aus breitete sich die Pflanze über große Teile des südamerikanischen Kontinents aus und entwickelte sich schnell zu einem Grundnahrungsmittel für die lokale Bevölkerung. In einigen Andengebieten ist die anpassungsfähige Quinoa die einzige Pflanze, die sich den widrigen Umweltbedingungen entgegenstellt.  

Aufgrund ihrer großen genomischen Diversität gedeiht sie im Flachland ebenso gut wie an hohen Bergflanken. Sie zieht sich Nährstoffe aus kargen Böden, trotzt Starkregen und Trockenheit und widersetzt sich Frost und Hitze.  

Ein weiterer Vorteil ist das gute Nährstoffprofil der Samen. Sie enthalten in etwa so viel Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett wie Haferflocken. Zudem sind sie reich an Mineralstoffen wie Magnesium, Eisen, Kalium oder Kalzium. Ein weiterer Pluspunkt: In Quinoa kommen alle essenziellen Aminosäuren vor.  

Der Großteil der hierzulande verkauften Körner stammt aus den Peru, Bolivien und Ecuador. Im Jahr 2015 produzierten diese drei Länder 94 Prozent der weltweiten Quinoa-Ernte. Dort ernten Bauern von einem Hektar Land etwa eine halbe Tonne Quinoa. Zum Vergleich: Weizen liefert pro Hektar bis zu 12 Tonnen Ertrag. Mehrere europäische Länder verfolgen Forschungsaktivitäten, um Quinoa auch hierzulande anzubauen.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärte das Jahr 2013 zum Jahr der Quinoa. Die Pflanze soll aufgrund ihrer spezifischen Vorteile helfen, den Hunger auf der Welt, gerade in Zeiten des Klimawandels, zu bekämpfen.

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Quotenregelung

Eine rechnerische Vereinbarung, nach der ein Ganzes (z.B. eine Abliefermenge) auf verschiedene Einzelne (z.B. einzelne Länder, einzelne Landwirte) aufgeteilt wird.

Die Quotenregelung der Gemeinsame Agrarpolitik war eine spezielle Maßnahme der früheren EG-Marktorganisationen für Milch, Zuckerrüben, Agraralkohol, Kartoffelstärke sowie (nur in den alten Bundesländern) bei Mutterkühen und Schafen.

Mit ihrer Hilfe sollte verhindert werden, dass das Angebot die Nachfrage in der EG bei vorgegebenen, produktionskostenorientierten Preisen nicht in unangemessener Weise übersteigt. Nachdem beispielsweise der Milchmarkt beträchtliche (und teuer zu beseitigende) Überschüsse produzierte, wurde 1984 die Milch-Garantiemengen-Begrenzung (Milchkontingentierung) eingeführt. Ausgehend von den Produktionsmengen aus den früheren Jahren wurde für jeden Betrieb ein bestimmtes Kontingent festgelegt, das der Bauer an die jeweilige Molkerei verkaufen durfte. Sobald die Produktion die vereinbarte Garantiehöchstmenge (Stabilisator) überschreitet, wurden die Beihilfezahlungen an die Landwirte nicht nur für die die Garantiehöchstmenge überschreitende Menge, sondern für die gesamte Produktion automatisch gekürzt. Die Molkerei konnte die Milch und Milchprodukte auf dem freien Markt absetzen oder die Überschüsse - allerdings nur in Form von Butter und Milchpulver - an die frühere Bundesanstalt für Landwirtschaftliche Marktordnung zum Interventionspreis abgeben. Wirtschaftete die Molkerei gut, setzte sie also viele Milcherzeugnisse auf dem Markt ab, konnte sie den Bauern auch gute Preise für deren Milch zahlen. Musste dagegen eine große Menge Butter und Milchpulver an den Staat verkauft werden, war der Verdienst der Molkerei geringer, die sogenannten Milchauszahlungspreise an die Bauern rutschten ab. Die Quotenregelung war ein erster Schritt um den verhängnisvollen Kreislauf von Überschüssen und Subventionen im Rahmen der EG-Marktordnung zu stoppen.

Die EU-Milchquotenregelung ist zum 31. März 2015 ausgelaufen. Rückblickend scheint die Quotenregelung ihre Ziele (Beseitigung der starken Überproduktion, Sicherung der Einkommen der Milcherzeuger und des Fortbestands der Milchviehbetriebe) nicht erreicht zu haben: Sie hat weder zu stabilen Erzeugerpreisen geführt noch den Strukturwandel aufgehalten:

Ab 1. Oktober 2017 sind als wesentliche Elemente der EU-Zuckermarktregelung entfallen

Weitere Maßnahmen zur Begrenzung von Produktionsmengen sind bzw. waren Höchstmengenbegrenzungen, z.B. für Getreide, Raps, Sonnenblumen, Olivenöl, ferner Flächenstillegungen, die Extensivierung, also der Verzicht auf maximale Erträge. Bei Rindfleisch ist die Prämienvergabe an einen Besatzdichtefaktor gebunden, bei Qualitätswein gibt es eine Hektarertragsregelung.

Als Alternative zur Kontingentierung wird auch immer wieder ein radikal anderer Weg zur Beseitigung von Überflüssen vorgeschlagen. Dabei soll die Produktion an die Ansprüche von Umwelt und Tier gebunden werden. Dürfte jeder Landwirt nur so viele Tiere halten, wie sein Boden den anfallenden Wirtschaftsdünger ohne nachteilige Folgen vertragen kann, käme es zu einer raschen Reduzierung der Viehzahlen. Eine ernsthafte Anwendung des geltenden Tierschutzgesetzes könnte die wuchernde Produktion und intensive Haltung bei Rind, Schwein und Huhn so nachhaltig beschneiden, daß die Preise für tierisches Eiweiß wegen des knapper werdenden Angebots steigen würden. Abgeschottete Grenzen wären aber eine notwendige Begleitmaßnahme, Handelskonflikte die wahrscheinliche Folge. Eine Globalisierung solchen Verfahrens ist vorerst utopisch, eine Europäisierung wird dagegen für möglich und dringend geboten gehalten.