Lexikon des Agrarraums

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Dammfräsen

Maßnahme beim Anbau von Kartoffeln, Spargel, Erdbeeren, Waldbeeren und anderen Kulturen. Beispielsweise um die Ausbildung der Kartoffelknollen in lockerer, klutenfreier und gut erwärmter Erde zu fördern und gleichzeitig auch die Ernte zu erleichtern, werden auf Kartoffelfeldern ca. 20 -30 cm hohe Dämme angelegt, in die dann die Pflanzkartoffeln gesetzt werden. Diese haben einen Abstand von jeweils 75 cm. Während des Wachstums werden die Dämme dann ein- oder mehrfach mit Fräsen oder Häufelgeräten nachgeformt.

Mittlerweile wird im Kartoffelbau häufig die Bodenbearbeitung, das Legen und die Dammformung in einer Maschine kombiniert (all-in-one-Verfahren). Diese Kombination reduziert den Bodendruck, den Arbeitsaufwand und den Energieverbrauch. Ebenso wird das bodenverfügbare Wasser geschont. Weiterhin wird durch die stetig mittige Ablage der Kartoffel im Damm der Grünanteil im Erntegut auf ein Minimum reduziert.

Auch in Spargelanlagen erfolgt das Anhäufeln der Spargeldämme im Frühjahr ausschließlich maschinell. Der Winterdamm wird mittels einer Frontfräse gelockert, bevor die Spargel-Dammfräse im gleichen Arbeitsgang des Traktors den typischen Spargeldamm formt.

Nach dem Anhäufeln werden die Spargeldämme mit Folie abgedeckt. Die Folie, bestehend aus einer weißen und einer schwarzen Seite hat den Zweck, dass zum Einen der Spargel nicht violett wird, sobald er durch den Damm gewachsen ist und zum anderen, dass der Boden nicht austrocknet und somit das Ernten erschwert wird.

Die weiße Seite der Folie hat eine kühlende Funktion. Somit werden Erntespitzen etwas gebremst. Die schwarze Seite wirkt Temperatur erhöhend auf den Damm. Somit kann die Ernte etwas vorverlegt werden.

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Dammkultur

Auch Dammsaat; Anbaumethode bei Nässestau im Boden. Durch entsprechendes Pflügen werden in Richtung des natürlichen Gefälles Furchen und Dämme angelegt. Auf den trockeneren Dämmen kann dann gepflanzt werden. Bei Kartoffelkulturen erfolgt die Dammkultur unabhängig von Fragen der Wasserversorgung zur Erleichterung der Ernte.

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Darre

Beheizter Raum zum Trocknen von Erntegut, z.B. Hopfen.

Dauergrünland

Grünlandflächen, die dauerhaft keiner anderen Nutzung (z.B. als Ackerland) zugeführt werden und zur Futter- oder Streugewinnung bzw. zum Abweiden bestimmt sind. Dauergrünlandflächen sind dementsprechend Wiesen, Mähweiden, Weiden sowie Hutungen und Streuwiesen. Nicht hierzu zählen der Grasanbau auf dem Ackerland sowie Grünlandflächen mit Obstbäumen, bei denen das Obst die Hauptnutzung darstellt. Hingegen gehören Grünlandflächen mit Obstbäumen als Nebennutzung und Gras- oder Heugewinnung als Hauptnutzung (z. B. Streuobstwiesen) hierzu, ebenso wie die vorübergehend aus der landwirtschaftlichen Erzeugung genommenen Grünlandflächen, für die ein Beihilfe-/Prämienanspruch besteht.

Ferner zählen zum Dauergrünland  Flächen, die durch Einsaat oder auf natürliche Weise (Selbstaussaat)
entstanden sind, zum Anbau von Gras oder anderen Grünfutterpflanzen genutzt werden und seit mindestens fünf Jahren nicht Bestandteil der Fruchtfolge des landwirtschaftlichen Betriebs sind.
Als Dauergrünland gelten auch Flächen, die abgeweidet werden können und einen Teil der etablierten lokalen Praktiken darstellen, wo Gras und andere Grünfutterpflanzen traditionell nicht in Weidegebieten vorherrschen (zum Beispiel Heide).

Die Dauerweiden und -wiesen haben weltweit mit etwa 3 Mrd. ha einen Anteil von ca. 2/3 an der für das Futterpotential verfügbaren Fläche. Auf diesen Flächen werden über 60 % der als Futtermittel verfügbaren Pflanzenmasse erzeugt.

Das Dauergrünland ist größtenteils anthropogen, im Gefolge von Waldrodungen entstanden. Gleichermaßen ist seine Erhaltung und die Vermeidung von Verbuschung auf menschlichen Eingriff angewiesen, und zwar durch Weidegang oder Mahd.

Dauerhumus

Die Gesamtheit aller sich im Boden durch Humifizierung akkumulierenden, nur sehr schwer abbaubaren Huminstoffe. Der Dauerhumus ist ein wichtiger Bodenbestandteil, weil sein Vermögen zur Wasserbindung und zur Nährstoffionensorption sowie seine gefügebildenden Eigenschaften Bedeutung im Stoffhaushalt haben.

(s. a. Humus, Nährhumus)

Dauerkultur

Im Agrarsektor ein Pflanzenbestand außerhalb der Fruchtfolge, der über mindestens fünf Jahre hinweg genutzt wird, und der wiederkehrende Erträge erbringt. Dauergrünland und Dauerweideland zählen gewöhnlich nicht dazu. Dazu gehören in Deutschland Obst- und Rebanlagen, Hopfengärten, mehrjährige Beerenanlagen, Spargelfelder, Korbweiden- und Pappelanlagen, Baumschulen und Weihnachtsbaumkulturen außerhalb des Waldes. Für den Mittelmeerbereich sind u.a. zu nennen die Flächen für Mandelbäume, Zitruskulturen, Nussbäume, Haselsträucher und Ölbäume. In tropischen Gebieten gehören dazu Kaffeepflanzungen, Teekulturen, Kautschukplantagen, Kakaobäume, Zimtbaumkulturen, Pflanzungen mit Gewürznelkenbäumen, Muskatnussbäumen, Cashewenussbäumen, Öl- und Kokosnussbäumen, tropische Fruchtbäume (u. a. Bananen) usw.

Dauerkulturen unterscheiden sich betriebswirtschaftlich gesehen von einjährigen Kulturen dadurch, daß zu ihrer Erstellung hohe Ausgaben (Arbeit, Kapital) nötig sind, und daß das investierte Kapital für längere Zeit festgelegt ist. Der Wert des Kapitals wächst zwar bis zur vollen Ertragsfähigkeit der Anlagen, was aber erst nach mehreren Jahren erreicht ist. Dauerkulturen stellen fast immer besondere Standortansprüche. Ihre Erzeugnisse sind meist hochwertig, jedoch schwanken Erträge und Preise oft stärker als bei einjährigen Kulturpflanzen.

Die Produkte der Dauerkulturen eignen sich gewöhnlich nicht für die Grundversorgung der Familien (als Ausnahme gilt Öl aus der Ölpalme). Für die Eigenversorgung tragen Dauerkulturen i.d.R. – wenn überhaupt – nur zusätzlich bei (z.B. bei Obst, Ölbaum, Tee oder Kaffee). Die meisten Produkte erfordern eine Verarbeitung, um das konsumreife Endprodukt zu erzeugen.

Eine Zwischenstellung zwischen Dauerkulturen und einjährigen Kulturpflanzen nehmen mehrjährige Pflanzen ein, wie beispielsweise Zuckerrohr oder Sisalagaven. Eine Zwischenstellung kann auch dem mehrjährigen Anbau von selbstverträglichem Mais und Reis zugesprochen werden.

Typische Dauerkultursysteme sind Plantagen, bei denen es sich im ursprünglichen Sinn um großflächige landwirtschaftliche Betriebe in den Tropen und Subtropen handelt, in denen pflanzliche Produkte meist für den Weltmarkt angebaut werden.

Merkmale von Dauerkulturen im Unterschied zu Ackerkulturen:

Die Definition des Begriffes Dauerkultur und die Einbeziehung einzelner Kulturen kann in einzelnen Statistiksystemen variieren. Beispielsweise definiert die EU-Agrarpolitik: "Kulturen, die nicht in die Fruchtfolge einbezogen sind, die für die Dauer von mindestens fünf Jahren auf den Flächen verbleiben und wiederkehrende Erträge liefern. Baumschulen, Niederwald mit Kurzumtrieb und Weihnachtsbaumkulturen gehören unabhängig von der Dauer des Verbleibs auf der Fläche zu den Dauerkulturen.
Nicht zu den Dauerkulturen (und damit Bestandteil des Ackerlandes bzw. der beihilfefähigen Flächen) zählen die Anbauflächen folgender mehrjähriger Kulturen: Artischocken, Spargel, Rhabarber, Himbeeren, Brombeeren, Maulbeeren, Loganbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Preiselbeeren, Heidelbeeren und andere Früchte der Gattung Vaccinium sowie Baumschulen solcher mehrjähriger Kulturen."

Eine umfassendere Definition hat das bundeseigene Julius-Kühn-Institut, das Wald, Obstgehölze, Reben, aber auch Dauergrünland, Spargel und Hopfen zu den Dauerkulturen rechnet.

Dauerweide

Dauerhaft als Weide genutztes Grünland, erkennbar beispielsweise an der stabilen Umzäunung und an den hohen Gräsern an Stellen mit Kuhmist.

Dauerweidewirtschaft

Typ der Weidewirtschaft mit vielen regionalen Variationen und Größenordnungen, bei dem Betriebe hinreichend Weideflächen besitzen, um den gesamten Viehbestand auf diesen Weideflächen ernähren zu können. Ganzjähriger Weidegang am Standort des Betriebes setzt ganzjährig gemäßigte oder ozeanisch-milde Temperaturen voraus sowie ausreichend Niederschlag ohne lange Trockenzeiten. Diese Bedingungen finden sich optimal in einigen mild-ozeanischen Regionen Irlands, Großbritanniens und der französischen Westküste (Großvieh und Schafe) sowie in Teilen Neuseelands, in den Höhenlagen der zentralamerikanischen und südamerikanischen Kordilleren (Großvieh). Ferner ist in Ostpatagonien eine ganzjährige Schafweidewirtschaft möglich.
Um die Fleischqualität zur erhalten wird in Regionen mit Trockenzeit vereinzelt ein Teil der Nutzflächen zur Gewinnung von hochwertigem Futter bewässert.

DDT

Abkürzung für Dichlordiphenyltrichlorethan. Die chemische Summenformel dieses Kohlenwasserstoffes lautet: C14H9Cl5. In der Natur kommt DDT nicht vor. Die Verbindung wird als hochwirksames Insektizid verwendet. In Deutschland, wie in den meisten westlichen Industrieländern ist die Anwendung und auch die Herstellung (außer zu Forschungszwecken) seit den 1970er Jahren verboten.

Als Folge des auch in den Tropen reduzierten Einsatzes kam es zu einer deutlichen Zunahme von Malaria-Fällen. In Ländern, die das Stockholmer Übereinkommen aus dem Jahr 2004 ratifiziert haben, ist die Herstellung und Verwendung von DDT nur noch zur Bekämpfung von krankheitsübertragenden Insekten, insbesondere den Überträgern der Malaria, zulässig.

Die Verbindung gilt als sehr schwer abbaubar und bleibt daher sehr lange in der Umwelt, auch in Form verschiedener Umwandlungsprodukte. Im Boden und in Nahrungsketten (Vögel, Fledermäuse usw.) sind weiterhin auch in Deutschland DDT-Rückstände aus früheren Anwendungen zu beobachten, wobei diese sich v.a. in fettreichem Gewebe finden. Eine Erbgutveränderung wurde nicht, Krebsauslösung nur bei Labortieren beobachtet.

Deckfrucht

Eine Hauptfrucht (Deckfrucht), z.B. Getreide, unter der eine weitere Frucht (Untersaat) gesät wird. So wird z.B. häufig Klee in ('unter') den bereits wachsenden Winterroggen gesät. Dies bietet den Vorteil, dass nach der Ernte der Deckfrucht weiterhin eine gut ausgebildete Vegetationsdecke vorhanden ist. Der Boden ist so in feuchten Jahren tragfähiger und weniger anfällig für Verdichtung. Darüber hinaus wird durch Klee als Leguminose Luftstickstoff gebunden und dem Boden zugeführt. Die Untersaat kann außerdem als Viehfutter genutzt werden und dient als Unkrautunterdrückung sowie in hängigen Lagen als Erosionsschutz.

deficiency payments

In der amerikanischen Agrarpolitik der Begriff für Subventionen, die Landwirten bezahlt wurden, wenn die erzielten Preise unter einem jährlich nach bestimmten Kriterien festgelegten Richtpreis ("target price") lagen. Die Deficiency Payments sind wie die Flächenbeihilfen der Reform der GAP vom Subventionsabbau im GATT ausgenommen. Allerdings wurden die Deficiency Payments durch das neue Landwirtschaftsgesetz von 1996 (Farm Bill) außer Kraft gesetzt. Die Far Bil von 2002 führte die Deficiency Payments als antizyklische Zahlungen mit geänderten Zahlungsberechnungen wieder ein.

Nach der Farm Bill von 2014 betragen die Mittel für die Agrarpolitik in den USA in den kommenden fünf Jahren insgesamt 956,4 Milliarden Dollar (708 Milliarden Euro). Das Gesetz beendet die jahrzehntealte Praxis, dass Landwirte unabhängig vom erwirtschafteten Ertrag Subventionen erhalten. Stattdessen sollen die Farmer künftig für ihre Versicherungen gegen Ernteverluste Geld vom Staat bekommen. Damit verabschieden sich die USA von dem Instrument der Direktzahlungen, das die EU-Staaten bei ihrer gemeinsamen Agrarpolitik anwenden.

Deckungsbeitrag

Anteil am Betriebsergebnis durch jedes einzelne Produkt, d. h. Anteil, der im Gesamtbetrieb pro Jahr für eine angebaute Frucht oder pro Hektar erzielt wurde bzw. Erlös aus Tierzucht oder Tiermast. Bei der Kostenrechnung werden zuvor die Aufwendungen für Betriebsmittel, z.B. Saatgut, Düngemittel oder Futtermittel, abgezogen. Dagegen bleiben die Festkosten wie die Abschreibung von Maschinen unberücksichtigt. Mit zunehmender Spezialisierung wird stärker mit dem Deckungsbeitrag in der Kostenrechnung gearbeitet, um die Rentabilität bestimmter Zweige eines Betriebes festzustellen.

Deichschäferei

Standortgebundene Betriebsform der Schafproduktion an Küsten. Der tiefe Biss der Schafe fördert die Bestockung der Böschungsbepflanzung. Zusätzlich zur Trittverdichtung trägt dies zu einer erhöhten Standfestigkeit der Deiche bei.

Delou

Auch Aghrour, Naora, Tirest; traditionelles Verfahren der Grundwasserförderung in Oasen. Dabei fördert ein Tier, das auf einer schiefen Laufstrecke hin- und hergeführt wird und dabei ein Doppelseil zieht, Brunnenwasser mit Hilfe eines am Ende des Seils befestigten Behältnisses (Ledersack). Delous können Wasser bis aus einer Tiefe von 50 - 60 m fördern. In der traditionellen Technik mit Zugtier ist das Verfahren nur noch vereinzelt anzutreffen.

Denaturierung

Verschiedene Verfahren zur Unbrauchbarmachung von Nahrungsmittelüberschüssen für den menschlichen Konsum. Sie werden nicht auf dem Weltmarkt abgesetzt, sondern als Viehfutter verwertet und dazu vorher "denaturiert". Dies geschieht z.B. durch Einfärbung, Beimengung von Fischmehl, Knoblauchpulver oder Eisenoxid.

Denitrifikation

Freisetzung von gasförmigen Stickstoffverbindungen (N2, NH3, NOx) aus den gebundenen Stickstoff-Formen des Bodens (Nitrite, Nitrate) durch Bodenbakterien bei Luftmangel.
Diese Bakterien siedeln - neben zahllosen anderen - auf Bodenteilchen und Steinen sowohl in der Sickerwasserzone als auch im Aquifer. Ihr Stoffwechsel ist darauf eingerichtet, den im Nitrat (NO3) gebundenen Sauerstoff zu veratmen. Sie denitrifizieren das Wasser und heißen deshalb auch Denitrifikanten. Die meisten Denitrifikanten verbrauchen dabei außerdem organische Substanz, beispielsweise Humusstoffe, die mit dem Sickerwasser aus dem Oberboden herausgelöst werden. Andere sind neben Nitrat auf Pyrit angewiesen, eine Verbindung von Schwefel und Eisen. In beiden Fällen ändert sich die Zusammensetzung der im Wasser gelösten Stoffe.
Alle Denitrifikanten haben gemeinsam, daß sie nur dann Nitrat abbauen, wenn das Wasser weitgehend frei von Sauerstoff ist. Da jedes Sickerwasser Sauerstoff enthält, muß der zunächst ebenfalls mikrobiell verbraucht werden, bevor Denitrifikation einsetzt. Nach derzeitigen Erkenntnissen werden so in leichten (Sand-)Böden pro Hektar und Jahr 10 bis 20, in schweren (Lehm-)Böden sogar 25 bis 35 Kilogramm Nitratstickstoff umgewandelt. Diese Denitrifikation vorausgesetzt, dürfen aus dem Oberboden dann noch jährlich 40 bis 45 Kilogramm Nitratstickstoff ausgewaschen werden, ohne daß der Nitratgehalt im neugebildeten Grundwasser 50 mg/l übersteigt.

Die Denitrifikation ist für den Pflanzenwuchs ungünstig, da den Pflanzen notwendige Nitrate entzogen werden. Stickstoffverluste durch Denitrifikation schwanken stark je nach Boden- und Klimabedingungen.

(s. a. Nitrifikation, Stickstoffkreislauf)

Deputat

Früher u.a. in der Landwirtschaft übliche, zum Entgelt gehörende Sachleistung, wie z.B. der Naturallohn oder zur eigenen Nutzung überlassene Bodenflächen.

Aktuell umfasst der Begriff Sachbezüge von Arbeitnehmern der Land- und Forstwirtschaft. Diese Sachbezüge gehören wie Sachbezüge in anderen Wirtschaftszweigen zum steuerpflichtigen Arbeitslohn. Es wird jedoch ein Bewertungsabschlag von 4 Prozent und ein Rabattfreibetrag gewährt. Der Rabattfreibetrag beträgt 1.224 € im Jahr.

Desertifikation

Die Gefahr und der Vorgang der Wüstenausbreitung, bzw. -bildung, d.h. der Prozess der Zerstörung von (potentiellen) Nutzflächen in ariden, semiariden und trockeneren subhumiden Zonen durch vermutlich irreversible Reduktion des ökologischen Potentials.
Desertifikation bewirkt eine Degradation von Steppen oder Savannen hin zu wüstenähnlichen Landschaften. Meist ist dieser Vorgang nicht ein ständiges Voranschreiten der Wüstenfront, sondern eine Degradation von einzelnen oft unzusammenhängenden Savannen- oder Steppenflächen.

Desertifikationsindikatoren sind Veränderungen im Landschaftsbild, die - nach uneinheitlicher Definition - ganz oder überwiegend aus anthropogenen Einflüssen resultieren und anzeigen, wo entsprechende Prozesse beginnen oder bereits stattgefunden haben. Dadurch kann im Gelände der jeweilige Desertifikationsgrad festgestellt werden.

Indikatoren der Desertifikation:

Die Ursachen und Verbreitung sind von Kontinent zu Kontinent verschieden. Anthropogene und natürliche Faktoren überlagern und verstärken sich dabei. Beispielsweise werden die Tropfen der im Sahel sehr intensiven Regen bei abnehmender Vegetationsbedeckung nicht mehr gebremst, zerstören die Bodenaggregate, und nachfolgend werden Bodenporen mit Feinmaterial aufgefüllt. Verstärkt durch Krustenbildung bei anschließender Austrocknung wird damit die Bodenoberfläche zunehmend versiegelt, die Infiltration vermindert. Der so verstärkte Oberflächenabfluss besitzt eine höhere erosive Wirkung.

Anthropogene Faktoren:

Natürliche Faktoren:

Mehr als ein Drittel (ca. 5,2 Mrd. ha) der eisfreien Landoberflächen gelten als Trockenzonen. Zwei Drittel (ca. 3,6 Mrd. ha) dieser Trockengebiete sind bereits durch Desertifikation in Mitleidenschaft gezogen oder verwüstet. Auf 2,6 Mrd. ha ist die Vegetation degradiert (ohne bisher nachweisbare Bodendegradation) und auf etwa 1 Mrd. ha sind auch die Böden degradiert. Jahr für Jahr werden weitere 6 Mio. ha landwirtschaftliche Nutzfläche vollständig und irreversibel verwüstet. 21 Mio. ha LN/Jahr werden zumindest so stark geschädigt, daß eine weitere ökonomische Landbewirtschaftung nicht mehr möglich ist. Mehr als 850 Mio. Menschen leben in Trockengebieten, 250 Mio. Menschen davon gelten als von der Wüstenausdehnung direkt oder indirekt betroffen.

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Designerpflanzen

Gruppe von Pflanzen, die vor allem durch gentechnische Eingriffe speziell auf die Bedürfnisse beispielsweise der chemischen Industrie zugeschnitten werden. In den Industrieländern sollen Designerpflanzen durch ihren Einsatz als nachwachsende Rohstoffe helfen, die Nahrungsmittel-Überproduktion zu mindern. Zum Einsatz kommen voraussichtlich Raps (erhöhter Laurylsäuregehalt), Sonnenblumen, Soja und Leinsamen.

Destruenten

Eine Art von Zersetzern, welche die abgestorbene organische Substanz zerkleinern. Diese Abfallfresser (Würmer, Insekten u.a.) leisten die erste Stufe bei der Wiederverfügbarmachung von Nährstoffen für die höhere Vegetation.

deutsche Hochmoorkultur

Kultivierungsform norddeutscher Hochmoore, bei der Höfe und Äcker auf dem entwässerten, mehrere Meter mächtigen Moorkörper angelegt wurden. Die Nährstoffarmut als der wesentliche ertragsbegrenzende Faktor bei der Hochmoorkultivierung wird durch hohe Düngergaben ausgeglichen. Nach der Entwässerung werden die oberen 20 cm des Torfbodens durch Fräsen aufgelockert, durch Zufuhr von Kalk (bis auf pH 4) neutralisiert und mit Kali, Phosphat und Spurennährstoffen angereichert.
Bei Grünlandnutzung gehen jährlich ca. 0,5 cm der Hochmoorsubstanz durch biochemischen Abbau verloren, bei Beackerung liegen die Verluste gefördert durch Entwässerung, Kalkung und Düngung bei 1 - 2 cm. Dieser Torfschwund wirkt zusätzlich zur entwässerungsbedingten Sackung. Neu einsetzende Vernässung hat intensivere Entwässerung zur Folge.
Torfstich gab es nur auf einem Teil des Besitzes, um den Eigenbedarf zu befriedigen und geringe Mengen auf einem schmalen Kanal oder auf der Straße aus dem Moor hinaus zu befördern.

Die Konzepte der Deutschen Hochmoorkultur und der Deutschen Sandmischkultur entsprangen Forschungsarbeiten der 1877 gegründeten Preußischen Moorversuchsstation in Bremen.

deutsche Sandmischkultur

Verbreitete Hochmoorkultur, die bei teilabgetorften Hochmooren oder Hochmoorböden mit weniger als 1,30 m Mächtigkeit anzutreffen ist. Auf tiefgreifendes Pflügen folgen Planieren und Meliorationsdüngung. Die guten Eigenschaften machen den Boden zu einem bevorzugten Ackerbau- und Waldbaustandort.

Deutscher Bauernverband (DBV)

1948 als Arbeitsgemeinschaft der vordem zerstrittenen deutschen Bauernverbände gegründeter Dachverband deutscher Agrarproduzenten mit nahezu monopolartiger Stellung. Diese berufsständische Vertretung sollte als parteipolitisch und konfessionell unabhängiger Einheitsverband alle Produktionsrichtungen, Betriebsgrößen und Besitzformen auf freiwilliger und demokratischer Grundlage repräsentieren. Mit diesem Konzept vermied man eine Zersplitterung des landwirtschaftlichen Verbandswesens wie in der Zeit vor 1933. Die Ökologische Landwirtschaft vertritt mit dem BÖLW als Dachverband von landwirtschaftlichen Erzeugern, Verarbeitern und Händlern ökologischer Lebensmittel seine Interessen außerhalb des DBV.

Der DBV vertritt als ordentliche Mitglieder die 18 Landesbauernverbände, den Bund der Deutschen Landjugend, den Deutschen Raiffeisenverband und den Bundesverband der Landwirtschaftlichen Fachschulabsolventen sowie als assoziierte Mitglieder 43 Verbände und Organisationen. Letztere reichen von der Messe Berlin GmbH über den Bundesverband Deutscher Saatguterzeuger e.V., die Vereinigte Hagelversicherung VVaG bis zum Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter e.V. Insgesamt sind mehr als 90 % aller Bauern über ihre Kreis- und Landesverbände dem DBV freiwillig angeschlossen, dies sind 300.000 Landwirte und ihre Familien.

Ferner ist der Deutsche Bauernverband selbst Mitglied in verschiedenen Einrichtungen der Agrarwirtschaft und Träger von Organisationen mit vielfältigen Aufgaben.

Im Zentralverband der Deutschen Landwirtschaft kooperiert der DBV mit dem Deutschen Raiffeisenverband, der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft und dem Verband der Landwirtschaftskammern. Daneben ist der DBV in Gremien der zentralen genossenschaftlichen Einrichtungen - Banken und Versicherungen - vertreten sowie der landwirtschaftlichen Sozialversicherungen, der Ernährungswirtschaft, Wissenschaft und Entwicklungshilfe.

Der DBV hat laut Satzung die Aufgabe "die agrar-, wirtschafts-, rechts-, steuer-, sozial-, bildungs- und gesellschaftspolitischen Interessen" der Land- und Forstwirtschaft in ihrer Gesamtheit zu vertreten und "die Tätigkeit der Mitgliedsorganisationen in allen wesentlichen Angelegenheiten zu koordinieren". Die Verfolgung der Ziele des DBV geschieht über die Beratung der Mitglieder und die Einwirkung auf politische Organe u.a. durch die Mitarbeit in verschiedenen Gremien.

Einmal jährlich gibt der Deutsche Bauernverband den „Situationsbericht – Trends und Fakten zur Landwirtschaft“ heraus. Er weist repräsentativ die wirtschaftliche Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe aus. Der Analyse zur wirtschaftlichen Lage der deutschen Landwirtschaft liegen über 2.000 Jahresabschlüsse von landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben sowie Personengesellschaften und Agrargenossenschaften zu Grunde. Herausgeber ist der Deutsche Bauernverband in Zusammenarbeit mit der Land-Data GmbH (Softwarehersteller für landwirtschaftliche Buchführungsabschlüsse), der ZMP GmbH und der information.medien.agrar e. V. (i.m.a) sowie der Unterstützung der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

Der Bericht erschien seit etwa 1988in unterschiedlicher Form und soll ein Gegenstück zum Agrarbericht der Bundesregierung bilden.

Zur wirksamen Vertretung der Interessen der deutschen Landwirtschaft auf europäischer und internationaler Ebene arbeitet der DBV eng mit internationalen Gremien und Partnern zusammen. Der DBV unterhält mit weiteren Partnern der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft ein Büro in Brüssel. Vertreter des DBV bringen ihre Expertise bei den EU-Institutionen, beim europäischen Bauernverband COPA (Comité des Organisations Professionelles Agricoles de l'UE) und in die WFO (World Farmers’ Organisation) ein.

Im DBV zeigt sich im Hinblick auf die innerlandwirtschaftlichen Machtverhältnisse eine auffallende Beharrungstendenz zugunsten der kleinen Gruppe von großen Landwirten, auch wenn er sich nach eigenem Bekunden nie als Vertretung landwirtschaftlicher Eliten verstand. Die Inhaber von Führungspositionen entstammen häufig großen umsatzstarken Betrieben, die gleichzeitig am meisten von der propagierten Preisstützungspolitik profitieren und auch über hinreichende Zeit, Kenntnisse und finanzielle Mittel verfügen, um sich mit der komplexen Materie der Agrarpolitik zu beschäftigen (Henrichsmeyer/Witzke 1994). Eine bedeutende Rolle spielt auch ihre institutionelle Verflechtung mit angrenzenden Wirtschaftsbereichen, politischen Parteien und staatlichen Bürokratien, sowie die hohe Organisationseffizienz und die Fähigkeit, Partialinteressen als Allgemeininteressen auszugeben. Ferner kann sich die Verbandspolitik auf weit verbreitete solidarisierende Gruppenideologien stützen: Der mit dem Strukturwandel einhergehende Verlust an Einkommen und sozialem Status ließ in weiten Kreisen der Landwirtschaft ein Gefühl der Benachteiligung und existentiellen Bedrohung und als Folge ein ausgeprägtes solidarisches Verhalten entstehen.

Historisch gesehen hat aber das landwirtschaftliche Establishment im Gesellschaftsgefüge seit der Gründung des Kaiserreiches an gesellschaftlichem Status, Prestige und Machtchancen eingebüßt.

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Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV)

1972 gegründete Spitzenorganisation des deutschen Genossenschaftswesens mit drei fachbezogenen Bundesverbänden (Bereiche "Banken", "gewerbliche Ware", "ländliche Warengenossenschaften") mit Hauptsitz in Berlin. Er vertritt die gemeinsamen, übergeordneten Interessen von 5.700 Genossenschaften (2017) mit 19,5 Mio. Genossenschaftsmitgliedern im politischen Willensbildungsprozess.

Der DGRV ist aus dem Zusammenschluss der beiden damaligen genossenschaftlichen Spitzenverbände Deutscher Raiffeisenverband e. V. (alt) und Deutscher Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch) e. V. hervorgegangen. Seither ist der DGRV für alle übergreifenden Themen der genossenschaftlichen Gruppe zuständig.

Weitere Informationen:

Deutscher Raiffeisenverband (DRV)

In seiner jetzigen Form 1948 entstandener Dachverband aller Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft.

Der DRV engagiert sich für die Interessen der 2.250 Mitgliedsunternehmen aus den Bereichen Agrarhandel sowie Verarbeitung tierischer und pflanzlicher Erzeugnisse, die zusammen im Jahr 2015 einen addierten Umsatz von mehr als 61,7 Mrd. Euro erzielten. Die genossenschaftlichen Unternehmen sind fester Bestandteil der deutschen Agrarwirtschaft: Nahezu jeder Landwirt, Gärtner und Winzer ist Mitglied und damit Eigentümer einer Genossenschaft.

Die Raiffeisen-Genossenschaften sind mit ihren 82.000 Beschäftigten Marktpartner von Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Lebensmittelhandel. Ihre Zahl ist über die Jahre deutlich rückläufig und vor allem dem Fusions- und Kooperationsbestreben der Unternehmen geschuldet.

Umsatzstärkste Sparten waren 2015mit 36,1 Milliarden Euro die Warenwirtschaft, die Milchwirtschaft mit 12,4 Milliarden Euro und die Vieh- und Fleischwirtschaft mit 6,2 Milliarden Euro. Ausgehend von rund 280.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland und rund 513.000 Mitgliedschaften von Landwirten, Winzern und Gärtnern ist statistisch betrachtet jeder Betrieb an nahezu zwei Genossenschaften beteiligt.

Die einzelnen Mitgliedsgenossenschaften des DRV sind wirtschaftlich und rechtlich selbständige Gesellschaften, die dem genossenschaftlichen Förderauftrag ("Förderung des Erwerbs oder der Wirtschaft der Mitglieder durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb" §1 GenG) und den drei genossenschaftlichen Grundprinzipien verpflichtet sind:

Aufgaben des DRV sind – zusammen mit den Regionalverbänden und den regionalen Zentralen – Förderung, Betreuung und Vertretung der ländlichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften. Besondere Bedeutung kommt der Interessenvertretung in wirtschafts-, rechts-, steuer- und umweltpolitischen Fragen auf nationaler und internationaler Ebene zu, besonders auf marktpolitischem Gebiet in der Europäischen Union (EU).

Der Deutsche Raiffeisenverband gehört seit 1971 dem Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) ebenso an wie der Deutsche Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch) und der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. Dem Dachverband obliegt u.a. die Prüfung der ihm angeschlossenen Zentralen und Verbände sowie die Aus- und Fortbildung des genossenschaftlichen Nachwuchses.

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Diele

Breiter Wirtschaftsraum, in dem früher gedroschen wurde, der z.T. aber auch als Wohnraum (mit Herdfeuer) diente.

(s. a. Tenne, Flur, Ern)

Diemen

Meist um einen Pfahl herum zylinder- bis kegelförmig oder auch mit eckigem Grundriß gestapeltes Erntegut (meist Heu, auch Stroh).

Digitalisierung der Landwirtschaft

Die Digitalisierung der Landwirtschaft beschreibt die Anwendung neuer Informationstechnologien für die landwirtschaftliche Wertschöpfung. Stichwörter wie „Landwirtschaft 4.0“, „Präzisionslandschaft“ oder „Precision Farming“, „Prescription Farming“, „Smart Farming“, „Digital Farming“, „Agrarinformatik“, „High-Tech-Landwirtschaft“ oder „automatisierte Acker“ werden hierfür oft als Synonyme benutzt. Drei überlappende Teilgebiete sind Charakteristika dieser Entwicklung:

Im Hintergrund der Digitalisierung der Landwirtschaft steht die Optimierung landwirtschaftlicher Prozesse (Steigerung der Erträge und Minimierung von Verbrauch und Verschwendung).
Modellrechnungen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zufolge ist das Potential der „Landwirtschaft 4.0“ sehr groß. Im Vergleich zum konventionellen Landbau spart der Landwirt bei einem digitalisierten Acker 12 % der Arbeitszeit und bis zu 10 % des Betriebsmitteleinsatzes sowie 10 % der notwendigen Menge an Pflanzenschutzmittel; der gesamte Energieverbrauch vermindert sich um 20 bis 60 %.
Zurzeit (Stand: Februar 2016) benutzen nur 30 % der deutschen Landwirte automatisierte Prozesssysteme (im Vergleich: für Großbetriebe in den USA liegt der Wert bei 70 %). Herausforderungen für die Zukunft sind der Breitbandausbau in ländlichen Gebieten, die Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette, die Akzeptanz der Bauern gegenüber den neuen Technologien und die rechtliche Lage in Bezug auf Datensicherheit, -schutz und -eigentum.

Deutschlands Landwirtschaft ist von großen und kleinen Betrieben, Vollzeit- und Nebenerwerbslandwirten geprägt – und dies vorwiegend in ländlichen Regionen. Um digitale Technologien stärker zu verbreiten, sind nachfolgende Voraussetzungen zu erfüllen:

Experten gehen davon aus, dass allgemein durch den Einsatz neuer Technologien angestammte Arbeitsplätze verloren gehen könnten, dafür aber neue Beschäftigungsfelder entstehen. Wissenschaftler vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim fanden heraus, dass in Deutschland 42 Prozent der Beschäftigten eine Arbeit ausüben, die in etwa 20 Jahren digitalisiert oder automatisiert werden könnte. Für die landwirtschaftlichen Unternehmen stellt sich die Frage, ob eine Digitalisierung Auswirkungen auf die Betriebsstrukturen oder auf den Arbeitsplatz "Landwirt" hat. Ob kleine und mittlere Betriebe davon profitieren, wird unterschiedlich eingeschätzt. Insbesondere durch digitale überbetriebliche Ansätze können auch kleinere Betriebe an der Digitalisierung teilhaben.

Die Landwirtschaft war Vorreiter bei der Nutzung von GPS-Daten im zivilen Bereich. Durch GPS-Steuerung verbunden mit geeigneten Computerprogrammen konnten für den Traktor und selbstfahrende Erntefahrzeuge der Fahrweg optimiert und Treibstoff eingespart werden. Wetter-Apps, Drohnen und anderen Datenmanagementsystemen helfen, Boden- und Ernteverfahren zu optimieren. Cloudlösungen, beispielsweise für die Grund- und Stickstoff-Düngung, ermöglichen, Pflanzen besser und effizienter zu versorgen. Komplexe Prozessabläufe, wie beispielsweise die Silomais-oder Zuckerrübenernte, können in Echtzeit überwacht und gemeinschaftlich organisiert werden. Und Futterroboter, Messeinrichtungen zur Milchinhaltsstoffbestimmung oder Klimaführungssysteme leisten einen wesentlichen Beitrag zum Tierwohl, der Umwelt und dienen der Arbeitserleichterung. Durch neue Entwicklungen in der Sensortechnik kann das Tierverhalten ermittelt und bewertet werden.

Die Landwirtschaft nutzt schon seit etwa zwei Jahrzehnten alle Möglichkeiten, um die Prozesse entsprechend der fachlichen guten Praxis möglichst optimal und präzise zu gestalten (Precision Farming) und durch intelligente Steuerung weiter zu optimieren (Smart Farming). Hard- und Software werden weiter optimiert und erlauben, das Gespann von Traktor und Anbaugerät besser aufeinander abzustimmen und den Bereich der Logistik einzubinden. Denn die Landwirtschaft nutzt Betriebsmittel (zum Beispiel Saatgut, Düngemittel, Pflanzenschutzmittel) und erzeugt Produkte, die transportiert und weiterverarbeitet werden, bis sie schließlich beim Verbraucher ankommen.
Diese Stoff- und Transportströme digital abzubilden und abzustimmen, davon erwarten viele einen Effizienz- und Transparenzgewinn sowie Arbeitserleichterungen. Auch werden positive Effekte für die Umwelt durch einen nachhaltigen Ressourceneinsatz und bedarfsgerechte Behandlung in Ackerbau und Tierhaltung mit der Digitalisierung der Landwirtschaft verbunden.

Weitere Informationen:

Direktbeihilfe

Auch Direktzahlungen; unmittelbare Zahlungen des Staates an die Landwirte im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik. Direktbeihilfen erhalten heute praktisch alle Landwirte als Ausgleich für die unzureichenden Erlöse beim Verkauf von Agrarprodukten, und zwar über die Ausgleichszahlungen.

Die Direktzahlungen in Deutschland verringern sich aufgrund der auf EU-Ebene beschlossenen Haushaltskürzungen, der Umverteilungen zugunsten der neuen Mitgliedstaaten sowie der in Deutschland vorgesehenen Umschichtung von Direktzahlungsmitteln in die zweite Säule schrittweise auf gut 4,7 Milliarden Euro in 2019. Das neue Direktzahlungssystem besteht aus einer Basisprämie, einer Greening-Zahlung, einer Junglandwirteförderung sowie einer zusätzlichen Zahlung für die ersten Hektare. Dabei werden die Direktzahlungen im Laufe der Förderperiode deutschlandweit angeglichen. Derzeit noch bestehende regionale Unterschiede bei der Basisprämie werden ab 2017 bis zum Jahr 2019 in drei Schritten abgebaut. Die Greening-Zahlung, die die Landwirte für zusätzliche Umweltleistungen bekommen, ist bereits von Beginn an in ganz Deutschland gleich hoch, ebenso die Junglandwirteförderung sowie die Zusatzprämie für die ersten Hektare. Insgesamt werden für dieses Greening rund 30 Prozent der Direktzahlungen verwendet.

Wenn alle Umstellungsprozesse abgeschlossen sind, erhalten die Landwirte ab 2019 im Durchschnitt rund 281 Euro an Direktzahlungen pro Hektar. Darin berücksichtigt ist der Abzug von rund 1 Prozent der Mittel für den Krisenfonds. Sollten diese Mittel in einzelnen Jahren nicht benötigt werden, sind die Direktzahlungen geringfügig höher. Bei den Durchschnittswerten ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der speziellen Fördermaßnahmen für die ersten Hektare und Junglandwirte junge Betriebsleiter und kleinere Betriebe deutlich mehr als 281 Euro pro Hektar erhalten, größere Betriebe entsprechend weniger.

Weitere Informationen:

Direktsaat

Verfahren zur maschinellen Saatgutablage ohne jegliche Bodenbearbeitung (engl. zero-tillage). Dennoch besteht auch der Begriff "pfluglose Bodenbearbeitung". Damit entfallen auch Saatbettbereitung und mechanische Unkratbekämpfung. Es werden lediglich Saatschlitze geöffnet, in die das Saatgut abgelegt wird. Zum Anlegen der Saatschlitze dienen je nach Gerätetyp meißelartige Werkzeuge oder ein bis zwei groß dimensionierte Scheiben (Drillmaschine). Zur Unkrautbekämpfung werden Herbizide (z.T. teuere Spezialpräparate) eingesetzt. Das System führt zu Kosten-, vor allem aber zu Arbeitszeiteinsparungen. In Deutschland wird es jedoch nicht in großem Umfang eingesetzt, weil viele Böden eine herkömmliche Bearbeitung benötigen, damit die Pflanzenreste eingearbeitet werden und ein gutes Saatbett hergestellt werden kann. In anderen Ländern gehört die Direktsaat zu den Techniken, die man als Maßnahmen des Erosionsschutzes einsetzt, sowie zur Erhaltung von Bodenfeuchte und zur Vermehrung der organischen Bodenbestandteile.

Weitere Vorteile der Direktsaat

Für Entwicklungsländer wurden spezielle Sägeräte für Handbetrieb und tierische oder motorisierte Zugkraft entwickelt. Dabei entspricht das Verfahren im Prinzip herkömmlichen Methoden der tropischen Kleinlandwirtschaft, bei der nach der Brandrodung mit Hilfe eines Pflanzstocks ausgesät wird. Zentrales Element der Direktsaat in Entwicklungsländern ist die Unkrautbekämpfung. Gründüngung, Mulchen und geeignete Fruchtfolgen helfen, den Unkrautwuchs zu unterdrücken. Lediglich in mechanisierten Betrieben werden Herbizide eingesetzt.

(s. a. Minimal-Bestelltechnik)

Direktvermarktung

Landwirtschaftliche Direktvermarktung ist der Verkauf von Erzeugnissen unmittelbar an den Konsumenten ohne Zwischenschaltung von Handels- und Verarbeitungsbetrieben. Direktvermarktung bedeutet umgekehrt die Wiedereingliederung zahlreicher Funktionen in den landwirtschaftlichen Betrieb (Verarbeitung, Transport, Lagerung, Werbung, Verkauf).
Diese Vermarktungsform findet in den vergangenen Jahren verstärkt Bedeutung.

Gründe dafür sind:

Wandel in den Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung mit bewußter Ernährung als Form der Freizeitgestaltung

Passende Vermarktungsformen in Abhängigkeit vom Standort des Betriebes
Standort Vermarktungsform
Ortsnähe und Stadtrand


  • Ab-Hof-Verkauf, Einrichtung von Hofläden
  • Frei-Haus-Verkauf
  • Selbstpflückanlage
Befahrene Straße


  • Ab-Hof-Verkauf
  • Selbstpflückanlage
  • Stand am Straßenrand
Mit PKW erreichbare Stadt oder Siedlung




  • Marktstand
  • Rollender Verkaufsstand
  • Frei-Haus-Verkauf
  • Belieferung von Großkunden, z.B. Restaurants
  • speziell eingerichtete Bauernmärkte
Tourismus- und Freizeitanlagen in der Nähe
  • Stände auf Campingplätzen, an Badeseen und Ausflugszielen
Marktferne

  • Versand
  • Verkauf an Händler

Häufig besitzen Vermarktungsformen kooperativen Charakter oder sind Element einer Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft. Letztere beinhaltet den Gedanken, daß die erhöhten organisatorischen Aufgaben, die mit der direkten Vermarktung von Produkten verbunden sind, nicht von den Bauern allein bewältigt werden müssen, sondern engagierte Verbraucher einen Teil dieser Arbeit übernehmen. Deren Tätigkeit erfolgt überwiegend ehrenamtlich und setzt ein hohes Maß an Idealismus voraus.

Zu den direktvermarktungsüblichen Produkten gehören:

Landwirtschaftliche Betriebe, die lediglich eine Verkaufsstelle auf ihrem Hof unterhalten, betreiben nach rechtlichen Kriterien kein Handelsgeschäft. Werden dagegen bestimmte Grenzwerte dauernd und nachhaltig überschritten, kann dies zum Übergang vom landwirtschaftlichen zum gewerblichen Unternehmen führen mit Konsequenzen für die steuerliche Behandlung des Betriebes.
Die Direktvermarktung und die Integration von der Erzeugung nachgelagerter Funktionen bewirken in der Regel eine Erhöhung der Wertschöpfung innerhalb eines Betriebes. Diese Tätigkeiten haben damit eine Bedeutung für die ökonomische Stabilisierung eines Teils der landwirtschaftlichen Betriebe.

Distickstoffoxid

N2O, auch Lachgas, klimarelevantes Spurengas, das zum zusätzlichen Treibhauseffekt beiträgt und als Mitverursacher des saisonalen Ozonabbaus in der Stratosphäre gilt. Die Emission von Lachgas durch die Landwirtschaft hat ihre Ursache in der (weiterhin zunehmenden) Stickstoffdüngung. Bei einer für die kommenden Jahrzehnte erwarteten Verdoppelung der Emissionen wird das Ozon-Zerstörungspotential des N2O dem der FCKW entsprechen.
Die wichtigste Quelle für N2O sind mikrobielle Umsetzungen von Stickstoffverbindungen in Böden (Nitrifikation, Denitrifikation). Diese erfolgen sowohl unter natürlichen Bedingungen als auch infolge der Stickstoffdüngung in der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft trägt so rd. 34 % der gesamten anthropogenen N2O-Emissionen in Deutschland bei, global sind es ca. 60 % aller anthropogenen N2O-Emissionen. Die Beiträge der N2O-Emissionen aus Böden als Folge mikrobielle umgesetzter Stickstoffüberschüsse aus der Stickstoffdüngung sind bisher besonders unzureichend erforscht. Bekannt ist aber, daß insbesondere bei schweren Böden mit geringen Versickerungsraten und langen Verweilzeiten des Bodenwassers der überwiegende Teil der Stickstoffüberschüsse im Boden (80 - 95 %) nach Umsetzungen in die Luft emittiert wird. Weiterhin von Bedeutung sind Prozesse in der chemischen Industrie sowie in geringem Umfang Verbrennungsprozesse. N2O entsteht auch bei der katalytischen Reinigung von Kfz-Abgasen.
Der Abbau des N2O erfolgt im Wesentlichen auf photochemischem Wege in der Stratosphäre. Es ist so Mitverursacher des saisonalen Ozonabbaus in der Stratosphäre.

(s. a. Umweltwirkungen)

Diversifizierung

Auch Diversifikation; Steigerung der Produktvielfalt, d.h. die Ausrichtung eines Betriebes auf eine größere Zahl verschiedener landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Häufig werden unter dem Begriff auch die fünf alternativen Erwerbszweige Tourismus, Freizeit und Erholung, Weiterverarbeitung konventioneller Produkte, unkonventionelle Produktionszweige und die Umnutzung von Land und Gebäuden verstanden.

Domestikation

Auch Domestizierung; durch Zuchtauslese erreichte Umwandlung von Wildpflanzen in Kulturpflanzen und Wildtieren in Haustiere.
Dadurch und durch die weitere Züchtung wird eine Nutzung durch den Menschen oft erst möglich oder die Nutzbarkeit kann enorm verbessert werden (siehe Nutztier und Nutzpflanze).
Nachfolgend geht es um die Domestikation von Tieren. Zur Domestikation von Pflanzen siehe Pflanzenzüchtung.
Die erste Domestizierung von Wildtieren erfolgte in denselben Regionen, und von denselben menschlichen Populationen, die auch die ersten Pflanzen anbauten und daraus Kulturpflanzen entwickelten, die also als erste Landwirtschaft betrieben.
Einzige Ausnahme ist, soweit bekannt, der Hund, der schon von nomadisierenden Wildbeutern und Sammlern Jahrtausende vor der Sesshaftwerdung durch Züchtung aus dem Wolf domestiziert wurde. Die Schätzungen schwanken dabei zwischen 15.000 und 100.000 Jahren vor heute.
Später wurden aus dem Ur-Rind die Milchkuh, aus dem Wildpferd das Reit- und Zugpferd, aus dem Wildschwein das Hausschwein, aus dem asiatischen Bankiva-Huhn die heutigen Hühnerrassen gezüchtet. Bei den oben genannten Tieren, wie auch bei Schaf, Ziege, Gans oder Esel kam es immer darauf an, durch gezielte Züchtungen Tiere zu erhalten, die für die vorgesehenen Aufgaben oder Zwecke möglichst gut geeignet waren.
Für die meisten der frühen Haustiere sind drei unabhängige Zentren der frühesten Domestizierung bekannt, die gleichzeitig unabhängige Regionen bei der Erfindung der Landwirtschaft waren: der Fruchtbare Halbmond in Vorderasien vor etwa 10.500 bis 10.000 Jahren, gleichzeitig, oder wenig später, Zentral-China, und, deutlich später, die südamerikanischen Anden. Sobald Menschen in anderen Regionen ebenfalls begannen, sesshaft zu werden und Landwirtschaft zu treiben, oder erste Bauern aus den frühen Zentren in neue Regionen einwanderten, folgte die Domestizierung weiterer geeigneter Arten in den neuen Regionen.
Die moderne Tierzucht, die die Haustiere unter völliger Kontrolle hält und jeden Kontakt mit Wildtieren zu vermeiden sucht, ist eine vergleichsweise junge Erfindung und wurde erst Jahrtausende nach der ersten Domestizierung üblich.

Doppelhof

1. Zwei wirtschaftlich selbständige Agrarbetriebs- und Wohneinheiten unter einem Dach oder in relativer räumlicher Nachbarschaft. Der Doppelhof ist eine Übergangsform vom Einzelhof zur Gruppensiedlung.

2. Teilungshof, der vom zugehörigen zweiten Hof durch räumliche Entfernungen von über 1.000 m getrennt sein kann, jedoch Nachbarschaft der Fluren und gleiche Namensgebung aufweist.

Doppelhöfe finden sich häufig in Westfalen und in der Lüneburger Heide.

Dorf

Nach geographischer Definition eine ländliche Gruppensiedlung mit geringer Arbeitsteilung ab einer Größe von ca. 100 Einwohnern bzw. 20 Hausstätten. Sie ist durch eine - zumindest ursprünglich - landwirtschaftlich geprägte Siedlungs-, Wirtschafts- und Sozialstruktur gekennzeichnet.

Das Dorf unterscheidet sich vom kleineren Weiler nicht allein durch seine Größe, sondern auch durch eine Differenzierung in der Ausstattung mit einem Mindestmaß an Dienstleistungsangeboten, die teils der Versorgung mit spezifischen Bedarfsgütern der im primären Sektor tätigen Bevölkerung, teils mit ihrem universellen Charakter auch der Versorgung der Nicht-Agrarbevölkerung dienen. Dazu gehören u.a. Kirche, Schule, Post, Gasthof, Laden und Bürgermeisteramt.

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist jedoch der Begriff "Dorf" zu einer Art Synonym für "ländliche Siedlung" geworden, der damit auch ländliche Einzelsiedlungen und kleinere Gruppensiedlungen umfasst.

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Dorferneuerung

Maßnahmen zur Verbesserung der Produktions- und Arbeitsbedingungen in der Land- und Forstwirtschaft, im ländlichen Gewerbe sowie der Lebensverhältnisse der dörflichen Bevölkerung, zur Weiterentwicklung ländlich geprägter Dörfer in ihrer wirtschaftlichen, ökologischen und kulturellen Bedeutung und zur Erhaltung der Vielfalt ländlicher Räume. Die Dorferneuerung hat die Siedlungseinheit als unverwechselbares Ganzes im Blick und berücksichtigt die strukturellen und funktionalen Verflechtungen des Dorfes mit seiner Umgebung.

An der Dorferneuerung sind neben der Flurbereinigung Fachplanungen bzw. Fachbehörden der Landwirtschaft, des Heimatschutzes und der Denkmalpflege sowie des sog. Städtebaus beteiligt. Sie wird so als integrale politische Aufgabe verstanden. Grundlage für die Dorferneuerung bildet der Dorferneuerungsplan. Er muß in Text und Karte eine Bestandsaufnahme, eine Bestandsbewertung und Entwicklungsprognose sowie ein Planungskonzept mit Maßnahmenkatalog und zu veranschlagenden Kosten enthalten.

Dorfentwicklung und Dorfsanierung sind dem Begriff Dorferneuerung untergeordnete Begriffe, die sich auf die Orte selbst beziehen. Die Maßnahme der Dorfsanierung hat sich von einer Modernisierung und teilweisen Beseitigung des Dorfkerns in eine Erhaltungsmaßnahme gewandelt. Diese mündet idealerweise in eine Dorfentwicklung, die darauf abzielt, den alten Dorfkern mit den Neubaugebieten zu verbinden und aus beiden eine ländliche Siedlung mit eigenem Gepräge zu formen.

Bund und Länder fördern seit 1984 im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) gemeinsam Maßnahmen zur Dorferneuerung, zusätzlich auch mit Hilfe von Wettbewerben wie "Unser Dorf soll schöner werden". Die von den Landwirtschaftsministerien betreuten Programme nach der GAK sind noch stark an landwirtschaftlichen Problemstellungen orientiert.

Fördermaßnahmen sollen

Weitere Informationen:

Drainage

Drainage ist ein Entwässerungsverfahren (Melioration) für grundwasservernäßte Böden bei Acker- und Grünland mit dem Ziel, den Grundwasserspiegel auf eine Tiefe abzusenken, die optimales Pflanzenwachstum gewährleistet.
Die Rohrdränung ist das gebräuchlichste Verfahren. Bei den heute üblichen gewellten Kunststoffrohren dringt das Wasser durch Schlitze ins Innere.
Üblicherweise schwankt die Tiefe, bis zu der Gräben gezogen oder Dränrohre gelegt werden, zwischen 70 und 120 cm. Die Zwischenräume beeinflussen die Rate, mit welcher der Grundwasserspiegel steigt oder fällt, sie variieren zwischen fünf und 40 Metern.

Vorteile der Dränung:

Negative Auswirkungen von Drainagen:

Dreibockreuter

Gerüst aus drei pyramidenförmig angeordneten Pfählen mit Querholmen zur Lufttrocknung von Grasschnitt.

Dreifelderwirtschaft

Auch Dreizelgenwirtschaft; im Mittelalter (Anfänge werden schon auf den Zeitraum 100 n.Chr. datiert, sichere Belege aus dem 8. Jh. aus dem Raum St. Gallen) entwickeltes Fruchtwechselsystem mit einer gemeinsamen und geplanten Verlagerung der einzelnen Elemente. Die Dreifelderwirtschaft löste die Zweifelderwirtschaft ab, die noch auf die Römerzeit zurückging. "Feld" steht dabei nicht für den Acker des einzelnen Bauern, sondern die Gesamtheit aller Äcker einer einheitlich bewirtschafteten Zelge. Jedes Mitglied der dörflichen Gemeinschaft hatte Anteil an jedem Feld und war andererseits bei der Bewirtschaftung engen Grenzen unterworfen (Flurzwang).
Es sind zu unterscheiden:

a) Die Alte Dreifelderwirtschaft (8./9. - 18. Jh.)

mit der Fruchtfolge Brache - Winterung - Sommerung. Auf dem Bracheschlag wuchsen Ausfallgetreide und Unkraut, die ein dürftiges (Weide-)Futter boten. Diese eingeschobene Rotationsbrache diente zum einen der Bodenerholung (Düngung durch Exkremente der Weidetiere, Mineralisierung), zum anderen war sie aus arbeitswirtschaftlichen Gründen nötig: die geringen Anspannkräfte erlaubten nicht die Bewirtschaftung der gesamten Ackerflächen.
Die im Herbst bestellte Winterung waren in der Regel Roggen, häufig auch Dinkel, Spelz oder Weizen. In der im Frühjahr bestellten Sommerung standen meist Hafer oder Gerste u.U. gemischt mit ehemaligen Ackerunkräutern Erbsen und Ackerbohnen. Dieses Bodennutzungssystem ging einher mit einer feudal geprägten Landverfassung. Deren Kennzeichen waren die personenrechtliche Bindung des Bauern an den Grundherrn mit beschränkter Freizügigkeit und der Verpflichtung zu Arbeits- und Naturalleistungen sowie die Nutzung des Ackerlandes in verbindlichen Felderfolgen und die gemeinschaftliche Weidenutzung der Allmende, und des Bracheschlages der Äcker, die zu den sogenannten "Gemeinheiten", d.h. den von der ganzen Dorfgemeinschaft genutzten Flächen, gehörten. Auch die Felder wurden nach der Ernte durch Beweidung genutzt.

Weitere Merkmale der Alten Dreifelderwirtschaft waren:

Dieses mittelalterliche Agrarsystem umfaßte auch den Wald, der im 13. Jh. auf eine weit geringere Fläche als heute zurückgedrängt war. Waldweide und vielseitige andere Nutzungen führten zu lichten Waldbeständen, Bodendegradation, Verheidung und Nährstoffverarmung.

b) Die Verbesserte Dreifelderwirtschaft

mit der Fruchtfolge Blattfrucht und/oder Hackfrucht - Wintergetreide - Sommergetreide.
Die Einführung von stickstoffanreichernden Pflanzen (Luzerne seit 1720, Rotklee seit 1750, Lupinen ab 1780) auf die Ackerbrache wird als größte "grüne Revolution" im Ackerbau West- und Mitteleuropas angesehen. Die Eigenschaft von Rotklee, in Symbiose mit Bakterien atmosphärischen Stickstoff zu binden, war in einer Zeit, zu der Stickstoff der am meisten defizitäre Nährstoff war, von höchster Bedeutung. Die Auswirkungen des Rotklees im Zuge der Überwindung der Alten Dreifelderwirtschaft umfassen ferner folgende Punkte:

Neben den Leguminosen, die zur Gründüngung oder als Viehfutter genutzt wurden, diente der Anbau von Hackfrüchten (Topinambur, Runkelrüben ab 1700, Kartoffeln seit dem späten 18. Jh.) direkt der menschlichen Ernährung. Aus einer reinen Getreidewirtschaft war eine Fruchtfolge Getreide-Blattfrucht geworden.

Neu aus Amerika eingeführte Pflanzen (z.B. Kartoffeln), Verbesserungen in der Bodenbearbeitung und planmäßige Düngeranwendung (Mergel, Kalk) ermöglichten diese Veränderungen.

Die Dreifelderwirtschaft besaß neben der Düngerknappheit ein strukturelle Problem. Es bestand darin, dass jeder Bauer in jeder Flur ein oder mehrere Parzellen besitzen musste. Durch Erbteilung wurden die Parzellen immer kleiner und in der Folge die Bewirtschaftung schwieriger. Erst die Agrarreformen der Neuzeit beendete diesen Zustand.

Die Weiterentwicklung der Verbesserten Dreifelderwirtschaft konnte zu einer Mehrfelderwirtschaft führen, in der neben Kartoffeln und Rüben beispielsweise auch Lein und Luzerne auftraten.

Nachdem ab der Mitte des 20. Jahrhunderts verstärkt Verfahren mit hohem Rationalisierungseffekt eingeführt werden mußten, reduzierten sich die Fruchtarten in den relativ kleinen westdeutschen Betrieben. Es entstanden Neue Dreifelderwirtschaften und Neue Zweifelderwirtschaften mit nur wenigen Fruchtarten, die je nach Region und Betriebsausrichtung kombiniert werden.

Dreikanthof

Von drei rechtwinklig zusammenhängenden Gebäuden gebildeter Hof mit durchlaufender Firstlinie. Er ist entweder eine Sonderform des geschlossenen Dreiseithofes oder eine erweiterte Form des Winkelhofes.

Dreiseithof

Von drei mehr oder minder freistehenden Gebäuden gebildeter Hof ohne durchlaufende Firstlinie. Der Dreiseithof wurde früher auch als fränkisches Gehöft bezeichnet. Mittlerweile ist erwiesen, daß eine Stammesbindung nicht besteht. Seine Verbreitung betrifft weite Teile Deutschlands mit einer Dominanz im mittel- und südwestdeutschen Bereich. Südbayern, der Südschwarzwald und Ostfriesland sind Räume mit fehlender oder nur sehr geringer Verbreitung.

Dreizelgen(brach)wirtschaft

Die Dreizelgen(brach)wirtschaft ist eine Dreifelderwirtschaft, bei der jeweils eine Zelge mehrere Gewanne umfassen kann. Die Einteilung der Felder in Bezirke gleichartiger Frucht (Winterung, Sommerung, Brache) schließt den Flurzwang mit ein.

Drieschwirtschaft

Im Westen und Südwesten Deutschlands vorkommende Bezeichnung für die Feldgraswirtschaft. Das Drieschland war das zeitweise ruhende, zur Selbstberasung (Weide) sich überlassene Ackerland.

Drillmaschine

Gerät zum gleichmäßigen Einbringen der verschiedenartigen Saatgutformen und unterschiedlichen Saatmengen in den Boden. Die Bedeutung der Drillsaat liegt vor allem in der Saatguteinsparung, der Verbesserung der Arbeitsqualität sowie einer höheren Flächenleistung gegenüber der Handsaat.

Beim Sävorgang gelangt das Getreide aus dem Saatgut-Vorratsbehälter zum Sämechanismus und von dort über die Saatleitungen und die Drillschare in den Boden. Die Drillschare öffnen im Boden einen Saatschlitz, in welchen das Saatgut abgelegt wird. Drillscharen können meißelartigen Charakter unterschiedlicher Form haben oder aus ein bzw. zwei rollierend-schneidenden Scheiben bestehen.

Drittland

Staaten, die nicht Mitglied der EU sind, werden von den EU-Ländern als Drittländer bezeichnet.

Drubbel

Kleine Gruppensiedlung von 3-15 Höfen am Rande von Altackerland (Eschen). Der Drubbel wird auch als Eschdorf bezeichnet. Verbreitungsgebiet des Drubbels ist vornehmlich NW-Deutschland.

Drusch-Saat-Verfahren

Verfahren bei dem eine Frucht (z.B. Winterweizen) mit dem Mähdrescherteil einer Kombinationsmaschine geerntet und eine Nachfrucht (z.B. Raps) mit dessen Sägerät ausgebracht wird. Die Maschine kann das Saatgut mit dem Strohteppich abdecken. Derartige Geräte befinden sich noch in der Erprobungsphase.

dry farming

Auch Trockenfarmsystem oder Trockenfeldbau; dabei wird in den Grenzgebieten des Regenfeldbaus der mittleren Breiten durch Einschub von Schwarzbrache in die Fruchtfolge Wasser gespart (z.B. 1. Brache - 2. Weizen - 3. Weizen). Vor einem Regenfall wird der Boden grobschollig gepflügt, um durch die vergrößerte Bodenoberfläche die Niederschlagsaufnahme zu erleichtern und den Abfluß zu verhindern. Nach dem Regen verringern Eggen und Walzen die Verdunstungsoberfläche und hemmen die Kapillarverdunstung, so daß die Feuchtigkeit länger im Boden bleibt. Gleichzeitig wird durch diesen Bearbeitungsschritt die Verunkrautung bekämpft.
Das Dry-farming-System ist besonders im niederschlagsarmen mittleren Westen der USA verbreitet und ermöglicht dort den Ackerbau noch bei 200-300 mm/a. Dry farming erfordert große Agrarbetriebe (mehrere hundert ha), da jeweils nur ein Teil der Betriebsfläche effektiv genutzt werden kann. Auch sind die Getreideerträge niedrig (bis ca. 500 kg Weizen je ha). Die Grenze des Trockenfarmsystems führt entlang der agronomischen Trockengrenze (=Grenze des Regenfeldbaus), die bei rund 300 mm Jahresniederschlag liegt.
Dry farming und das Ranch-System sind als Ergebnisse der ökonomischen und technologischen Entwicklungen des 19 Jh. zu sehen:

Beide Systeme fanden weltweit besonders zwischen 1850 und 1930 Verbreitung, danach ist lediglich noch in der ehemaligen UdSSR das dry farming stark ausgeweitet worden. Trotz einer noch großen Bedeutung befinden sich in den übrigen Gebieten beide Systeme heute auf dem Rückzug.

Dual Economy

Auf den Agrarraum bezogen das Neben- und Miteinander (Dualismus) der traditionellen Subsistenzwirtschaft und des modernen, stärker marktwirtschaftlich orientierten Sektors insbesondere in den Tropen. Beide Sektoren lassen sich wie folgt charakterisieren:
Traditioneller Sektor: reichliche Ausstattung mit dem Produktionsfaktor Arbeit, bei geringer Kapitalverfügbarkeit; meist arbeitsintensive Betriebe; Betonung der Produktion für den Eigenbedarf.
Moderner Sektor: Agrarische Großbetriebe (Plantagen oder größere bäuerliche Betriebe); angewiesen auf den kommerziellen, meist weltmarktorientierten Absatz von Exportfrüchten und Rohstoffen (z.B. Kautschuk); Einsatz von Fremdkapital (transnationale Unternehmen); kapitalintensive Produktionsverfahren mit starkem Einsatz von technologischem Know-how.

Heute erscheint ein solcher Ansatz zu vereinfachend. Neuere Konzepte, wie die "strukturelle Heterogenität" oder der "Verflechtungsansatz" beschreiben die agrarischen Strukturen in den Tropen zutreffender. Insbesondere ist der zwischen traditionellem und modernem Sektor als "Schattenwirtschaft" gekennzeichnete "Informelle Sektor" nicht erfasst.

Dumping

Den Verkauf von Waren an das Ausland zu Preisen unter dem Inlands- oder dem Produktionsko­stenniveau bezeichnet man als Dumping. Es stellt eine Wettbewerbsstörung dar. Mit Dumping ist beabsichtigt, neue Märkte zu erobern und/oder Mitbewerber zu verdrängen. Wirtschaftspolitisches Dumping wird durch staatliche Wirtschafts-, Währungs- oder Handelspolitik zur Senkung der Exportpreise verursacht.

Düngegesetz

Das Düngegesetz ist aus der Reform des Düngemittelgesetzes aus dem Jahre 1977 hervorgegangen und umfasst 18 Paragraphen. Das seit 6. Februar 2009 geltende Düngegesetz regelt nun nicht mehr nur das Inverkehrbringen von Düngemitteln, sondern auch das Düngen selbst. Aus diesem Grund wurde der Name des Gesetzes geändert. Eine entscheidende Neuerung ist die Formulierung der Bodenfruchtbarkeit als ein wesentliches Ziel der Düngung. Im Düngemittelgesetz wurde Düngung als Pflanzenernährung definiert.

Am 16. Februar 2017 beschloss der Deutsche Bundestag eine weitere Reform des Düngegesetzes. Der Bundesrat hat am 10. März 2017 zugestimmt. Das Gesetz regelt unter anderem die Ausbringung von Gülle auf landwirtschaftlichen Flächen. Durch die Reform soll die EG-Nitratrichtlinie 91/676/EWG in nationales Recht übernommen werden und als Grundlage zur Überarbeitung der Düngeverordnung dienen. Ziel der Richtlinie ist es, dass der Nitratsalzbelastung der Böden und des Grundwassers durch die Landwirtschaft infolge von Überdüngung vorgebeugt werden soll. In einem nächsten Schritt wird auch die Düngeverordnung an die EU-Vorgaben angepasst.

Künftig soll Gülle zielgenauer, nachhaltiger und umweltschonender eingesetzt werden, um einerseits den Nährstoffbedarf der Pflanzen zu decken, andererseits aber das Grundwasser vor zu hoher Nitratbelastung zu verschonen. Zum Ausgleich der Belastungen für Landwirte sind unterstützende Maßnahmen im Rahmen der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes – GAK“ vorgesehen. Eine so genannte Stoffstrombilanzierung soll die Kontrolle über die Nährstoffmenge auf Äckern ermöglichen und den Behörden die notwendigen Daten zur Überprüfung geben. Die Bundesländer sind verpflichtet, in belasteten Regionen zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen.

Weitere Informationen:

Düngemittel

Düngemittel sind nach dem Düngegesetz (DünG 2009) "Stoffe, ausgenommen Kohlendioxid und Wasser, die dazu bestimmt sind,
a) Nutzpflanzen Nährstoffe zuzuführen, um ihr Wachstum zu fördern, ihren Ertrag zu erhöhen oder ihre Qualität zu verbessern, oder
b) die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten oder zu verbessern;"

Zur Minderung klimarelevanter Spurenstoffe soll die Düngeverordnung beitragen. In einer vielfach geforderten zusätzlichen EU-weiten Düngemittelabgabe, flankiert von einer Gülleabgabe, wird ein probates Mittel gesehen, die Nährstoffüberschüsse stark zurückzuführen. Aus sozial- und einkommenspolitischen Gründen erscheint es den Befürwortern gleichzeitig sinnvoll, die Einnahmen zum überwiegenden Teil wieder direkt an die Landwirte in Form von Flächenbeihilfen zurückzuführen. (s. a. Dünger, Düngung)

Weitere Informationen:

Düngemittelgesetz

Das 1989 novellierte deutsche Düngemittelgesetz von 1977 regelte bis zum Februar 2009 die Zulassung von Düngemitteltypen sowie die Anwendung von Düngemitteln, die nur nach "guter fachlicher Praxis" erfolgen darf. Eine Voraussetzung für die Zulassung von Düngemitteltypen ist, dass sie keine schädlichen Auswirkungen auf den Naturhaushalt haben.

Das Düngemittelgesetz diente mit seinen Durchführungsverordnungen vorrangig einer Angleichung der in der Bundesrepublik Deutschland gültigen Vorschriften an einschlägige EU-Vorschriften. Es ist vom Düngegesetz vom 9. Januar 2009 abgelöst worden.

(s. a. Düngeverordnung)

Dünger

Ein anorganisches oder organisches Produkt, das der Düngung dient. Man kann unterscheiden:

Der durchschnittliche Düngerverbrauch pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche in Deutschland lag 1990 etwa bei 125 kg N (Stickstoff), 50 kg P2O5 (Phosphat), 67 kg K2O (Kali), 120 kg CaO (Kalk). Seither hat sich der Gesamteinsatz an Dünger in der deutschen Landwirtschaft deutlich verringert.

Düngeverordnung

Die Düngeverordnung regelt die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis beim Düngen. Sie ergänzt damit die Düngemittelverordnung für die Zulassung und das Düngegesetz (bis 2009 Düngemittelgesetz) für den Vertrieb.

Eine Verschärfung von Düngegesetz und -verordnung wurde im Februar 2017 im Bundestag verabschiedet und vom Bundesrat im März 2017 bestätigt.

Ein Manko der bisherigen Düngeverordnung ist u.a., daß für die Ausbringung von Gülle eine moderne emissionsmindernde Technik (Schleppschlauch, Schleppschuh, Injektions- und Schlitzgeräte) und die sofortige Einarbeitung in den Boden nicht verbindlich vorgeschrieben ist. Entsprechendes gilt für die Lagerungstechnik. Immerhin trägt die Landwirtschaft etwa zu 90 % zu den deutschen Ammoniakemissionen bei. Ferner wird zugelassen, daß auch auf Böden mit hoher Phosphorversorgung die Ausbringung von Wirtschaftsdünger zugelassen wird, praktisch als Entsorgungsmethode. Kritiker wie das AgrarBündnis bezeichnen die Düngeverordnung als Rechtfertigung einer ganzjährigen Gülleentsorgung in der intensiven Massentierhaltung.

Weitere Informationen:

Düngung

Unter Düngung versteht man die Zufuhr von mineralischen oder organischen Stoffen zu Boden und Pflanzen über das natürliche Angebot hinaus. Die Mineralstofftheorie von Carl Sprengel (1787-1859) und Justus von Liebig (1803-1873) besagt, daß sich die Pflanzen für ein gutes Wachstum nicht von Humus (Humustheorie von Aristoteles), sondern von Mineralstoffen ernähren.
Die meisten der wichtigen Pflanzennährstoffe (N, P, K) kommen im Boden oft nur in minimalen Konzentrationen vor und sind bei einer Bewirtschaftung rasch aufgebraucht. Da die Feldfrüchte mit Ausnahme der Ernterückstände (Streu, Stroh, Stauden) vom Acker entfernt werden, kann an Ort und Stelle kein Recycling und damit keine Nachbildung von Nährstoffen erfolgen. Deshalb müssen diese Mineralsalze durch Düngung immer wieder nachgeliefert werden.
Heute werden bei bestimmten Kulturpflanzen pro Flächeneinheit mehr als 10fach höhere Pflanzenerträge erzielt als zu Beginn des 19. Jahrhunderts; rund 50 - 60 % dieser Ertragssteigerungen werden durch die Düngung bewirkt. Andererseits erhöhten sich die Erträge nicht in gleichem Maße wie gesteigerte Düngerzufuhr (Ertragsgesetze).
Vom Wirkungsprinzip her können zwei grundsätzliche Möglichkeiten der Düngung unterschieden werden: Organische Düngung mit "Abfällen" aus der Landwirtschaft, Gartenbaubetrieben oder Haushalten und Düngung auf der Basis anorganischer Salze.
Mineralische Stoffe, die ursprünglich aus den Mineralen der Gesteine stammen, werden seit den Anfängen des Ackerbaus zur Verbesserung des Pflanzenwachstums als Dünger verwendet. So dienten z.B. Asche, Mergel oder Schlick zu einer Steigerung der niedrigen Durchschnitterträge, die jahrhundertelang nur bei knapp 10 dt/ha Getreide lag.
Der organische Dünger hat die gleiche Wirkung auf das Edaphon wie die bei natürlichem Bewuchs anfallenden Pflanzen- und Tierreste: Die Tätigkeit der Bodenlebewesen wird gefördert, diese tragen ihrerseits zur Schaffung und Erhaltung einer guten Bodengare bei. Die Mikroorganismen werden außerdem vermehrt, was sich in einer gesteigerten Bodenatmung zeigt. Die Mikroorganismen stellen durch Mineralisation den Pflanzen Nährstoffe zur Verfügung. Hierin unterscheiden sich organische und anorganische Dünger: Bei ersteren geht der Weg der Nährstoffe über die Bodenlebewesen, bis sie für die Pflanzen verfügbar sind, letzterer kann sofort von den Wurzeln aufgenommen werden. In manchen Fällen (Phosphat) muß auch bei mineralischer Düngung der Weg über die Mikroorganismen genommen werden.

Mit der Düngung werden folgende Ziele angestrebt:

Dabei sollten die Hauptziele (Pflanzenertrag und Bodenfruchtbarkeit) mit möglichst geringen Nährstoffverlusten und ohne nachhaltige, negative Auswirkungen auf die Umwelt erreicht werden.
Neben einer Versorgung der Pflanzen mit den notwendigen Nährstoffen bewirkt eine Düngung des Bodens auch eine Veränderung der physikalischen Bodeneigenschaften, der Bodenmikroflora und -fauna. Bei zu großen Düngergaben wächst die Gefahr der Überdüngung, d.h. daß neben den erwünschten Wirkungen auch Schäden durch überhöhte Zufuhr von Düngestoffen an Pflanzen und Ökosystemen entstehen. Dies gilt insbesondere bei einseitiger und unsachgemäßer Düngung. Als Schädigung oder Toxizität kann dabei sowohl die Verringerung an pflanzlicher Produktivität wie auch die Minderung der Qualität des Erntegutes angesehen werden. Weiterhin führt Überdüngung zu Erhöhungen von Pflanzennährstoffen, v.a. Nitrat, im Grundwasser. Auch die Oberflächengewässer können durch oberflächliche Abschwemmung direkt eutrophiert werden.

Der aktive Stickstoffeintrag auf Felder wurde noch Ende des letzten Jahrhunderts in Deutschland vorwiegend mit Stalldung durchgeführt und lag bei 1 - 2 g/m2 (10 - 20 kg/ha). Die insgesamt ausgebrachte Menge beträgt aber seit den 1980er Jahren rund 16 - 17 g/m2 (160 - 170 kg/ha).

(s. a. Gülle, Jauche, Kompost, Mineralsalze, Spurennährstoffe, Stallmist, Umweltwirkungen, Wirtschaftsdünger)

Durchwuchs

Durchwachsen einer vorjährigen Kultur durch die neue Einsaat. Durchwuchs entsteht vor allem durch keimfähige Samen, die auf dem Acker nach der Ernte verblieben sind.

Durchwurzelbarkeit

Standorteigenschaft, die die Möglichkeit der Erschließung des durch die Gründigkeit begrenzten Wurzelraumes meint und von Porenraum, Gefüge und Steingehalt abhängig ist sowie nach sehr gut, gut, mäßig und schlecht durchwurzelbar abgestuft wird.

Dürre

In allgemeinen Worten ist eine Dürre eine verlängerte Absenz von oder ein markanter Mangel an Niederschlägen, ein Mangel, der zu Wasserknappheit für gewisse Aktivitäten oder gewisse Gruppen führt, oder ein genügend langer Zeitabschnitt von außerordentlich trockenem Wetter, so dass der Niederschlagsmangel ein ernsthaftes hydrologisches Ungleichgewicht verursacht. Dürre wurde auf verschiedene Arten definiert. Landwirtschaftliche Dürren bezieht sich auf Feuchtigkeitsdefizite ungefähr im obersten Meter des Bodens (die Wurzelzone), der die Nutzpflanzen beeinflusst; meteorologische Dürren sind hauptsächlich anhaltende Niederschlagsdefizite; hydrologische Dürren beziehen sich auf unterdurchschnittlichen Abfluss, See- oder Grundwasserspiegel. Eine Megadürre ist eine sich lange hinziehende und verbreitete Dürre, die viel länger als normal dauert, üblicherweise ein Jahrzehnt oder mehr.

Dust Bowl

Bezeichnung für den semiariden Teil der Great Plains, der während periodisch auftretender Dürren als Folge unangepaßter Bodennutzung eine schwerwiegende Bodendegradation durch Winderosion erfuhr. Schwerpunkte lagen räumlich in den Staaten Oklahoma, Kansas und Nebraska, zeitlich in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts. Der Name nimmt Bezug auf die in den Plains während Dürreperioden auftretenden Staubstürme (black blizzards). Das vom Staat geförderte und vom Export ins kriegsgeschädigte Europa angetriebene sogenannte "Dry Farming Program" hatte dem Dust-Bowl-Phänomen in den USA den Boden bereitet: Unter massivem Maschineneinsatz wurden die Great Plains in eine monotone "Getreidefabrik" umgewandelt, deren umgebrochene Oberfläche einen signifikanten Teil des Jahres ungeschützt der Witterung ausgesetzt blieb. Windbrechende Strukturen fehlten in dieser Agrarlandschaft.
Dust-Bowl-Ereignisse waren keineswegs auf die dreißiger Jahre beschränkt. 1977 verursachte ein aus ähnlichen Gründen entstandener Sandsturm in der Gegend des San Joaquin Valley, eines Längstales in Kalifornien, ausgedehnte Schäden und Erosion in einem Gebiet von ca. 2.000 km². Über 25 Mio. t Boden wurden binnen 24 Stunden vom Weideland abgedeckt. Auch in der ehemaligen UdSSR nahm die Häufigkeit von Sand-/Staubstürmen nach der Durchführung der Neuland-Programme in den fünfziger Jahren zu.

Kombinations-Ursachen für die Entstehung von Dust-Bowl-Ereignissen:

Folgen von Dust-Bowl-Ereignissen:

Dust Bowl-Syndrom

Alle durch die industrielle Landwirtschaft hervorgerufenen Erscheinungen von Bodendegradation. Der Begriff ist Teil einer Klassifikation von Syndromen der Bodendegradation. Die namengebenden Dust Bowl-Erscheinungen sind nicht gesamthaft synonym mit den Symptomen und Ursachen des Dust Bowl-Syndroms.
In einem erweiterten Konzept wird mit dem Dust-Bowl-Syndrom jener Ursachenkomplex angesprochen, der Umweltschädigungen durch nicht-nachhaltige Nutzung von Boden oder Gewässern als Produktionsfaktor für Biomasse unter hohem Energie-, Kapital- und Technikeinsatz nach sich zieht.
Als Symptome des Syndroms lassen sich Bodenerosion und Bodenverdichtung, Verlust von biologischer Vielfalt sowie Kontamination von Luft und Wasser ausmachen. Die moderne Form der Landwirtschaft zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß sie auf den verfügbaren Flächen den größtmöglichen Gewinn zu erzielen sucht. Kennzeichnend ist zum einen die Minimierung des menschlichen Arbeitsaufwandes durch Einsatz einer Palette von Maschinen in großräumig bereinigten Fluren und in Tierfabriken. Ertrag und Leistung werden zu maximieren versucht durch:

Die Schwerpunkte dieses Landwirtschaftstyps mit seinen positiven und negativen Konsequenzen lagen ursprünglich im Bereich von Gunstböden, also in Mittel- und Osteuropa, USA, Kanada, Argentinien, Südafrika und Australien. Seit den 60er Jahren breitet sich die industrielle Landwirtschaft allerdings auch in Regionen der Welt aus, welche nicht über vergleichbare Gunstböden verfügen - in den Mittelmeerländern, in Lateinamerika, Ostafrika, im Nahen Osten und Südasien.
Das Dust-Bowl-Syndrom umfaßt auch die ähnlich motivierten Formen der Forstwirtschaft (z.B. Pflanzung und nachfolgend Kahlschlag schnellwachsender, geklonter Monokulturen ohne Rücksicht auf Verluste des Bodens oder der Biodiversität) oder der Aquakultur (Eutrophierung bzw. Zerstörung von Küstenökosystemen).