Lexikon des Agrarraums

B

Bacillus thuringiensis (Bt)

Bodenbakterium, das ein für Fraßinsekten giftiges Kristallprotein bildet; wird als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt.
Das wirksame Protein wird von den Bt-Bakterien in einer ungiftigen Form (Protoxin) gebildet. Erst im Darm bestimmter Fraßinsekten wird es in eine giftige Variante (Delta-Endotoxin) umgewandelt, die über spezifische Rezeptoren an die Darmwand der Insekten bindet und diese zerstört.
Mit Bacillus thuringiensis-Präparaten werden seit langem viele Schadinsektenarten bekämpft. Man geht davon aus, dass sie – im Gegensatz zu vielen chemischen Insektiziden – für den Menschen harmlos sind. Deshalb sind sie auch im ökologischen Landbau zugelassen.
Mit Hilfe gentechnischer Verfahren können die aus Bt-Bakterien isolierten Wirkstoff-Gene (Bt-Protein) auf Pflanzen übertragen werden. Diese produzieren nun in ihren Zellen den für Fraßinsekten giftigen Wirkstoff. Auf diese Weise sind bei verschiedenen Kulturpflanzen gentechnisch vermittelte Insektenresistenzen erzeugt worden. Weltweit werden in mehreren Ländern Bt-Mais und Bt-Baumwolle angebaut.

Basen

Alkalisch wirkende Verbindungen von Calcium und Magnesium, die Säuren im Boden neutralisieren.

Basisprämie

Form der Direktzahlung im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. Sie basiert auf einem System von Zahlungsansprüchen. Diese Zahlungsansprüche werden den Betriebsinhabern im Jahr 2015 neu zugewiesen. Die alten Zahlungsansprüche haben am 31. Dezember 2014 ihre Gültigkeit verloren.

Anstelle der bisherigen einheitlichen Betriebsprämie gibt es seit 2015 bis zu vier verschiedene Prämienelemente in der ersten Säule der GAP. Die Gewährung der Basisprämie ist mit der Greening-Prämie verbunden. Mit der Umverteilungsprämie werden die ersten Hektare eines Betriebes bessergestellt. Landwirte bis 40 Jahre erhalten eine Junglandwirteprämie. Die Zahlungen sind an die Einhaltung von Standards gebunden (Cross Compliance).

Wie die Betriebsprämienregelung wird auch die Basisprämienregelung in Deutschland zunächst auf regionaler Ebene angewendet, und zwar von 2015 bis 2018.
Zwischen 2017 und 2019 werden die Wertunterschiede der Zahlungsansprüche zwischen den Regionen schrittweise abgebaut, so dass ab 2019 alle Zahlungsansprüche in Deutschland einen einheitlich hohen Wert haben.

Bau- und Raumordnungsgesetz

Abk. BauROG; Bundesgesetz vom 18.8.1997, das den Rahmen für die Raumordnung in Deutschland absteckt. Es folgt dabei der Leitvorstellung einer "nachhaltigen Raumentwicklung, die die sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche an den Raum mit seinen ökologischen Funktionen in Einklang bringt und zu einer dauerhaften, großräumig ausgewogenen Ordnung führt" (§ 1 Abs. 2).
Für die ländlichen Räume sowie die Land- und Forstwirtschaft besitzt das BauROG mit seinen Grundsatzformulierungen der Raumordnung u.a. folgende wichtigen Bezüge:

Erhaltung der gewachsenen Kulturlandschaften in ihren prägenden Merkmalen sowie mit ihren Kultur- und Naturdenkmälern (§ 2 Abs. 13).

Bauer

In der Landwirtschaft tätiger Unternehmer mit einem ausgeprägtem Bewusstsein gegenüber seinem Berufsstand, seinen Betriebsmitteln und seinem Heimatraum. Mit der heute gebräuchlichen Bedeutung wird der Begriff (auch Hofbauer) seit dem Hochmittelalter verwandt.

Weitere Kennzeichen des Bauerntums:

Die Attribute des Begriffes Bauer werden häufig denen des Farmers (traditionslos, geringe Bodenverbundenheit, ausschließlich marktorientiert, unternehmerisches und geldorientiertes Denken) der angelsächsischen Neusiedlungsländer gegenübergestellt. Inzwischen haben sich beide Typen in ihren Verhaltensmustern stark angenähert.

(s. a. bäuerlicher Familienbetrieb, Farm, Landwirt)

bäuerliche Landwirtschaft

Agrarsoziologischer und agrarpolitischer Begriff, der darauf abzielt, dass die Grundbesitzverhältnisse Auswirkungen auf die ländliche Sozialstruktur, auf die Agrarökonomie und auf die Ökologie haben. Vielfach wird der bäuerliche Familienbetrieb als Gegenmodell zur industriellen Landwirtschaft beschrieben. Nur ein Landwirt, der eigenes Land bewirtschaftet, ist demnach ein Bauer. Einer solchen „bäuerlichen Landwirtschaft“ werden im Vergleich zur „Agrarfabrik“ eine Reihe von positiven Eigenschaften zugeschrieben, darunter vor allem ökologische und soziale Nachhaltigkeit, die auf die Verbindung von Eigentum und Arbeit zurückgeführt werden. Der Agrarindustrie werden dagegen extreme Arbeitsteilung, Arbeitsplatzreduzierung und kapitalintensive Rationalisierung zugeschrieben. Dass die Industrialisierung der Landwirtschaft starke Produktivitätserfolge vorweisen kann und sich die globale Agrarproduktion deutlich gesteigert hat, wird dabei nicht bestritten. Die ökologischen und sozialen Kosten dafür seien aber zu hoch.

Kritiker dieser Sichtweise betonen dagegen, dass nicht automatisch davon ausgegangen werden könne, dass „bäuerliche Landwirtschaft“ ökologisch oder sozial nachhaltiger sei, als andere Organisationsformen der Landwirtschaft.

Weitere Informationen:

bäuerlicher Familienbetrieb

In der Landwirtschaft werden unter dem Begriff bäuerlicher Familienbetrieb im allgemeinen jene Betriebe verstanden, in denen

Der Familienbetrieb wird nicht durch den Umfang der Nutzfläche, sondern nur durch die Arbeits- und Verdienstmöglichkeit charakterisiert, die er einer normalen bäuerlichen Familie zu bieten vermag. Während "Familienbetriebe" durch das Überwiegen der familiären Arbeitsleistung klar abgrenzbar sind, wird der Begriff "bäuerlich" je nach Standort und Zeitpunkt unterschiedlich definiert, entsprechend auch die Kombination beider Worte mit ihrem Leitbildcharakter. Von diesem Leitbild unterscheidet Gottschewski (1994) folgende Ausprägungen:

Seit 1958 ist es erklärtes Ziel der EWG, den landwirtschaftlichen Familienbetrieb zu erhalten und zu fördern.
Von der Politik wird der Begriff dynamisch gesehen, als einer, der sich der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung, dem steigenden Lebensstandard, den wachsenden Einkommenserwartungen und den technischen Entwicklungen anpaßt. Insofern beinhaltet er auch Aufstockungen. In Deutschland rückt man ab dem Agrarbericht 1988 schrittweise von einer "strukturellen" Leitbildinterpretation ab, so daß "die Betriebe unabhängig von Betriebsgröße, Organisationsform, Arbeitsverfassung und Betriebssystem grundsätzlich gleichrangig zu behandeln sind" (Agrarbericht 1993). Formulierungen in den Agrarberichten kennzeichnen die teilweise Abkehr vom bäuerlichen Attribut und seine flexible Deutung in der Politik. Die fast beliebige Verwendung der hier politischen Vokabel macht ihren Gebrauch in diesem Rahmen fragwürdig.
Teilweise wird das von Regierungen und Bauernverbänden hochgehaltene Leitbild des bäuerlichen Familienbetriebs oder auch das der US-amerikanischen family farm als Mythos kritisiert, da die Realität des ablaufenden Strukturwandels nicht im Einklang mit dem Leitbild steht. Erklärt wird die Persistenz dieses Mythos u.a. mit der breiten Zustimmung, die die Vorstellung eines naturverbundenen, auf eigener Scholle mit Familienarbeitskräften wirtschaftenden Bauern findet, ebenso wie mit der Zustimmung zu dem Jeffersonian ideal, das die Idee des Farmers als Rückgrat der Demokratie und des ländlichen Lebens sowie als Basis einer beständigen Regierung enthält.
In Deutschland ist das Leitbild vor allem deshalb fragwürdig geworden, weil es den realen Verhältnissen zumindest in Ostdeutschland nicht entspricht, auch wenn manche LPG-Nachfolgeunternehmen als Familienbetriebe geführt werden.
Als Argumente für die Erhaltung bäuerlicher Familienbetriebe werden u.a. folgende Argumente angeführt:

Bauernbefreiung

Die Bauernbefreiung war eine wesentliche Reform in der Landwirtschaft im 18. und 19. Jahrhundert mit dem Ziel, die grundherrschaftlichen Bedingungen abzuschaffen. Daneben wendete sie sich auch gegen Erbuntertänigkeit, Frondienste und Grundherrschaft sowie gegen ständische Gerichtsbarkeit und Polizeigewalt. Sie begann mit der Aufhebung der Leibeigen­schaft 1781 in Österreich und erfuhr eine Beschleunigung durch die Französische Revolution. In Preußen erfolgte sie v.a. durch die Reformen des Freiherrn vom Stein (1807) und des Staatskanzlers von Hardenberg (1811 und 1816). Die Bauernbefreiung war 100 Jahre nach ihrem Beginn zuletzt in Rußland abgeschlossen. Mit der Aufhebung der genannten Bindungen an den Grundherrn unterstanden von nun an die Bauern dem allgemeinen Recht. Allerdings wurden Eigentumsrechte an Land nur an "spannfähige" Bauern vergeben. Es entstand damit eine Landarbeiterschicht, gleichzeitig wurde der Großgrundbesitz vermehrt, da an die Grundherren bei Übernahme des Landes durch die Bauern Land als Entschädigung abgegeben werden mußte.

In Deutschland wurde die Bauernbefreiung durch Staat und Bürgertum getragen, der Adel versuchte sie zu verhindern, die ländliche Bevölkerung einzelner Gebiete gab ihr durch Unruhen oder Revolten nur indirekt Impulse. Ein wichtiges Motiv für die Bauernbefreiung war die Vorstellung, daß freies Eigentum die wirtschaftliche Aktivität steigert; von einem freien Tagelöhner erwartete man die 3 - 5fache Arbeitsleistung eines Formbaren. Tatsächlich äußerte sich die Befreiung vor allem in Gebieten mit Gutswirtschaft in intensiverer Bodennutzung. Hemmend für diese Entwicklung wirkte sich der Ablösemodus für Zinsen und Dienste aus. Der Gutsherr wurde zum Gutsbesitzer, seine Ländereien konnte er durch den Landzuwachs im Zuge der Ablösung beträchtlich vergrößern, Geldabfindungen wurden in Beteiligungen an Bergbau, Industrie und Eisenbahnen oder für den Ankauf von Gütern investiert. Die Zahlung von Ablösungsrenten für Zehnten, Zinsen und Frondienste verursachten eine wachsende Verschuldung des bäuerlichen Grundeigentums. Daraus folgende Zwangsverkäufe kamen vornehmlich den Gutsbesitzern zugute.

Bauernlegen

Zerschlagung bäuerlicher Familienbetriebe und Einziehung der Hofstelle durch den Grund- oder Gutsherrn mit den Mitteln der Vertreibung oder des Aufkaufs. Das Bauernlegen wurde insbesondere in England im 15./16. Jh. und in Mittel- und Ostdeutschland im 17./18. Jh. durchgeführt, um in größeren Gutsbetrieben rentabler wirtschaften zu können. Diese bauernfeindliche Vorgehensweise des Adels setzte vor allem dann ein, als der Landbedarf nicht mehr durch Wüstungen oder extensiv genutzte Areale gedeckt werden konnte. Eine häufig gebrauchte Vorstufe zum Bauernlegen bildete das Zerschlagen von Hufengütern in Nachsiedlerbetriebe, wie z.B. Gärtner- oder Kossätenstellen. Beispielsweise wurden 1621 in Mecklenburg diejenigen Bauern, die kein erbliches Leiherecht an ihren Hufen nachweisen konnten, zu Zeitpächtern erklärt und damit künftigem Bauernlegen schutzlos überlassen.

Neben dem Adel waren es in Altdeutschland seit dem 12. und 13. Jahrhundert Klöster (vor allem Zisterzienser, in geringerem Maße Prämonstratenser u.a. sowie Ritterorden), die durch Bauernlegen neue Gutswirtschaften anlegten. Ein Widerspruchsrecht bestand für die Bauern nicht. Die neu entstandenen oder die vergrößerten Gutshöfe hießen Grangien. Sie wurden i.d.R. von Laienbrüdern, sog. Konversen (von der Welt bekehrte, aber nicht zu Geistlichen werdende Personen) bewirtschaftet. (s. a. Vergüterung)

Weitere Informationen:

Bauernmarkt

Form der Direktvermarktung, bei der die Bauern ihre eigenen Erzeugnisse unter Umgehung des Einzelhandels auf Wochenmärkten oder täglich beschickten Märkten direkt an die Verbraucher verkaufen.

In der früheren UdSSR spielten Bauernmärkte (Kolchosmärkte) eine bedeutende Rolle bei der Versorgung der städtischen Bevölkerung. Die Mitglieder von Kolchosen verkauften dort die Erzeugnisse ihres privaten Hoflandes.

Bauernregeln

Gereimte Wetterregeln aus den regionalen Erfahrungen vieler Jahrhunderte; sie stützen sich meist auf feste Lostage. Die Regeln lassen sich nicht auf jeden beliebigen Ort anwenden, oft sind Ursprungsort und Ursprungszeit heute nicht mehr bekannt. Gereimte Bauernregeln liegen bereits aus babylonischer Zeit vor. Sie wurden von den Griechen und Arabern zu einem System astrologischer Wetterregeln erweitert.

Bauernregeln sind meist älter als der gegenwärtige gregorianische Kalender. Statistische Untersuchungen, welche die Eintrittswahrscheinlichkeit solcher Prognosen überprüfen, müssen daher die Kalenderreformen berücksichtigen, insbesondere in Mitteleuropa den Wechsel vom julianischen zum gregorianischen Kalender, der 1582 in den katholischen Ländern und in den folgenden 170 Jahren allmählich in den evangelischen Ländern eingeführt wurde. Dabei mussten 1582 10 Tage und um 1700 11 Tage übersprungen werden. In der langen parallelen Geltungsdauer beider Kalender gab es zeitgleich unterschiedliche Datumssysteme mit der Folge einer Verunsicherung der landwirtschaftlichen Bevölkerung bezüglich der Lostage und der Anwendung von Wetterregeln. Berücksichtigt man diese Datumsverschiebung bei der Auswertung von Bauernregeln, so ergeben sich teilweise Zusammenhänge mit überzufälligen Wahrscheinlichkeiten.

Als Ergebnis langjähriger Wetterbeobachtungen haben sie oft einen wahren Kern. Bekannt ist z.B. die "Siebenschläferregel". Nimmt man sie wörtlich: "So wie das Wetter am Siebenschläfer (27.6.) ist, so wird es sieben Wochen sein", so hat sie meteorologisch überhaupt keine Aussagekraft. Das liegt nicht daran, dass aufgrund einer Kalenderreform der Siebenschläfer eigentlich Anfang Juli ist, sondern dass man an einem einzelnen Tag nicht das Wetter der nächsten 7 Wochen festmachen kann. Betrachtet man allerdings die Witterung Ende Juni/Anfang Juli, so hat man herausgefunden, dass sich in Süddeutschland in bis zu 70 % der Fälle diese Witterung bis Anfang August fortsetzt.

Mit in diese Thematik fallende Begriffe sind z.B. die Eisheiligen, die Schafskälte, die Hundstage, der Altweibersommer und das Weihnachtstauwetter. Der Witterungsregelfall der Kaltlufteinbrüche zu den Eisheiligen weist allerdings eine abnehmende Tendenz auf. Die meisten Bauernregeln basieren auf der Erhaltensregel der Witterung als einer ihrer verlässlichsten Eigenschaften und erlangen dadurch eine über 50% liegende Wahrscheinlichkeit. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Bauernregeln nicht so zuverlässig sind, um damit offizielle Wettervorhersagen machen zu können. Aber wie das Beispiel der "Siebenschläferregel" zeigt, kann man manchmal daraus einen ersten Trend abschätzen.

Hingegen ist der 100-jährige Kalender, der ja fälschlicherweise den Planeten einen entscheidenden Wettereinfluss zuschreibt, naturwissenschaftlich nicht haltbar und für eine Wetter- bzw. Witterungsvorhersage unbrauchbar.

Weitere Informationen:

Bauernwald

Der um 1800 nach einer scharfen Trennung zwischen öffentlichem Wald und reinem Privatwald entstandene klein- und großbäuerliche Waldbesitz. Gegen Ende des 18. und Anfang des 19. Jh. wurde durch Aufteilung von Allmenden Bauernwald im großen Stil geschaffen, wodurch jedoch eine starke Parzellierung mit häufig schlecht strukturiertem Waldbesitz entstand, oft noch verstärkt durch die Realteilung. Hierin liegen heutige Maßnahmen zur Strukturverbesserung im Bauernwald durch forstwirtschaftliche Zusammen­schlüsse und forstliche Flurbereinigung begründet. Bauernwald bildet eine z.T. wesentliche Ergänzungsfläche für bäuerliche Betriebe, vor allem in waldreichen Regionen, wo aufgrund natürlicher Ungunstfaktoren die Agrarnutzung zurücktritt (z.B. Mittel- und Nordfinnland).

Bauerschaft

Im niedersächsisch-westfälischen Sprachraum eine ländliche Siedlungsform mit bescheidenen zentralen Funktionen, die häufig nur aus wenigen, verstreut gelegenen Bauernhöfen besteht; es gibt Ähnlichkeiten mit der Siedlungsform eines Weilers. Es bezeichnet gleichzeitig eine bestimmte mittelalterliche Organisationsform, ähnlich den rheinischen Honnschaften, bäuerlichen Gilden oder Nachbarschaften, teils auf lokaler, teils auf regionaler Ebene.

Die Verwendung von Bauerschaft im Sinne einer Ansiedlung geht zurück auf die Bezeichnung Bauer-Schaft (ohne „n“): Das niederdeutsche burschap oder buerschap und die latinisierte Form burscapium sind abgeleitet von bur = Haus und bedeuteten im Mittelalter ursprünglich etwa „Höfeverband“ oder kleiner Siedlungskomplex.

Bis in die 1970er Jahre waren einzelne Bauerschaften in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auch eigenständige Gemeinden. Häufiger allerdings waren mehrere Bauerschaften zu einer Gemeinde (z. B. unter der Bezeichnung Kirchspiel, wie in Dülmen), zusammengefasst. Der große Teil der Bauerschaften war politisch nie selbständig, sondern immer Teil einer Gemeinde. Seit den Kommunalreformen der 1960er und 1970er Jahre gibt es keine Bauerschaften als eigenständige Gemeinden mehr.

Vor allem in Nordwestdeutschland findet der Begriff häufig noch offizielle Verwendung, obwohl diese Siedlungen längst über ein paar Höfe hinaus angewachsen sind (z. B. Isernhagen). Im Münsterland haben sich die Bauerschaften als Straßennamen erhalten

Baujahre

In Feldgraswirtschaften die Periode der einjährigen Nutzpflanzen; im Gegensatz zu den Grasjahren als der Periode der mehrjährigen Futterpflanzen.

Baumobst

Bezeichnung für an Bäumen wachsende und für den Menschen roh genießbare, meist wasserhaltigen Früchte.

In der deutschen Statistik wird die Gesamtfläche des Baumobstanbaus für die Obstarten Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Zwetschen sowie Mirabellen und Renekloden erhoben. Des Weiteren werden die Betriebszahlen und die Verwendung (Tafelobst/Verwertungsobst) für die jeweiligen Obstarten ermittelt. Für Tafeläpfel und Tafelbirnen werden auch noch die bedeutendsten Sorten veröffentlicht. Die Erntemengen werden durch Angaben aus der Ernte- und Betriebserstattung Baumobst berechnet.

Baumschulen

Flächen mit jungen verholzenden Pflanzen (Holzpflanzen) im Freiland, die zum Auspflanzen bestimmt sind. Hierzu gehören Flächen mit Rebschulen und Rebschnittgärten für Unterlagen, Obstgehölze, Ziergehölze, Forstpflanzen (ohne forstliche Pflanzgärten innerhalb des Waldes für den Eigenbedarf des Betriebes) sowie Flächen mit Bäumen und Sträuchern für die Bepflanzung von Gärten, Parks, Straßen und Böschungen, z.B. Heckenpflanzen, Rosen und sonstige Ziersträucher, Zierkoniferen, jeweils einschließlich Unterlagen und Jungpflanzen.

Die Baumschule ist eine Untergruppierung des Gartenbaus und gehört nicht zur klassischen Feldwirtschaft oder der Forstwirtschaft.

Beetpflug

Scharpflug, der den Erdbalken nur in einer Richtung wendet.

(s. a. Kehrpflug, Pflug)

Begleitkultur

In einem landwirtschaftlichen Betrieb angebaute Kulturpflanze, die deutlich hinter der Leitkultur zurücktritt. (s. a. Bodennutzungssystem)

Begrenzungsfaktoren (für Pflanzenerträge)

Zu den Begrenzungsfaktoren für die Pflanzenerträge der Landwirtschaft zählen:

  1. Niedrige Temperaturen - Der wichtigste begrenzende Faktor für die Landwirtschaft in den gemäßigten Breiten. Die Vegetationsperiode, deren mittlere Tagestemperaturen ständig über dem Schwellenwert von 5, nach manchen Quellen von 6 °C liegen, variiert in den gemäßigten Breiten zwischen fünf und neun Monaten.
  2. Wassermangel - Weltweit gesehen ist Wasser wahrscheinlich der wichtigste Einzelfaktor, der Pflanzenerträge begrenzt. Maximale Photosynthese findet statt, wenn die Stomata der Pflanze weit geöffnet sind. Dies setzt ständige Wasserversorgung voraus, um die Aufrechterhaltung des Turgordruckes in den Schließzellen zu gewährleisten. Die Effizienz der Wassernutzung von Pflanzen variiert mit den anderen Umweltbedingungen, welche den Ertrag beeinflussen. Allerdings sind die C4-Pflanzen diesbezüglich i.a. doppelt so effizient wie C3-Pflanzen.
  3. Nährstoffmangel - In vielen Entwicklungsländern sind geringe Ernteerträge teilweise auf Phosphor- und Stickstoffmängel zurückzuführen. Besonders in alten, stark verwitterten und ausgelaugten Böden, die sich auf saurem Eruptivgestein oder Sandsteinen formiert haben. In den Industrieländern werden optimale Nährstoffniveaus landwirtschaftlicher Böden durch stete Zufuhren von Düngern aufrechterhalten, vor allem durch Stickstoffdünger. In vielen dieser Böden sind die Kalium- und Phosphatgehalte annähernd stabil und meist ausreichend.
  4. Bodenfruchtbarkeit - Die für Pflanzen verfügbare Menge an Nährstoffen und Wasser hängt von der physikalischen Beschaffenheit des Bodens ab, vor allem von seiner Kationenaustauschkapazität und seinem Wasserhaltevermögen.
  5. Unkräuter - Die erfolgreichsten Unkrautarten, welche die größten Ernteverluste verursachen, sind besonders gut adaptierte Pflanzenspezies. Sie profitieren von landwirtschaftlichen Lebensräumen, die der Mensch geschaffen hat und gedeihen dort vitaler als irgendwo sonst. Unkräuter besitzen ein hohes Fortpflanzungspotential, schnelles Wachstum, ein hohes Durchsetzungsvermögen, viele eine ausgeprägte "Mimikry" gegenüber den mit ihnen assoziierten Kulturpflanzen und eine große Toleranz gegenüber Veränderungen der physikalischen Umwelt.
  6. Schädlinge und Krankheitserreger - Die größte Gruppe der Schädlinge bilden Insekten und Milben, von denen die meisten Pflanzenfresser sind. Eine weitere große Gruppe besteht aus Nematoden (oftmals winzige, unsegmentierte Fadenwürmer). Weitere Schädlinge sind Schnecken und manche Wirbeltiere - vor allem Kleinsäuger (Nagetiere) und Vögel.
    Pathogene sind krankheitsauslösende Mikroorganismen; dazu gehören Pilze (verantwortlich für die größte Anzahl und Diversität von Pflanzenkrankheiten), Bakterien und Viren.
  7. Wetterungunst - Die Erträge variieren auch in Abhängigkeit von den Wetterbedingungen bei jeder Wachstumsphase der betreffenden Kulturpflanze, einschließlich der Reifeperiode des Ernteorgans, und insbesondere im Laufe von spezifisch kritischen Phasen (bei Getreide kurz vor und während der Blütenbildung). In den gemäßigten Breiten besteht insbesondere die Gefahr früher oder später Fröste.

Behausung

Oberbegriff für alle Formen überdachter menschlicher Unterkünfte einschließlich der eng damit verbundenen Wirtschaftsbauten.

Beihilfen

Beihilfen im Agrarbereich sind staatliche Transferzahlungen zur Unterstützung der einheimischen Landwirtschaft. Mit ihnen werden vielfältige politische und agrarpolitische Ziele (Einkommen, Standortsicherung, Kulturlandschaftserhalt, Ernährungssicherung, Absatzförderung etc.) verfolgt.

Neben den direkten Mengeneingriffen auf den Binnenmarkt (Intervention) werden auch auf die Preise unmittelbar und nur indirekt auf die Mengen wirkende Beihilfen eingesetzt. Hierbei handelt es sich um Erzeugerbeihilfen, Verarbeiterbeihilfen, Beihilfen für die Absatzförderung und die private Lagerhaltung.

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung ist zuständig für die Gewährung von Beihilfen zur Absatzförderung und privaten Lagerhaltung verschiedener Produkte.

Weitere Informationen:

Beimpfung

Im Darm vieler Bodentiere erfolgt eine verstärkte Vermischung und Besiedlung der aufgenommenen Nahrung mit Mikroorganismen. Die abgegebenen Exkremente infizieren weitere Pflanzen- und Tierreste.

Beizen

Aufbringen von Beizmitteln (Pflanzenschutzmitteln) in fester oder flüssiger Form auf das Saatgut bzw. Pflanzgut vor der Aussaat, dem Pflanzen oder Setzen. Durch das Beizen soll verhindert werden, dass das Saatgut durch Pilze oder tierische Schädlinge verletzt wird oder sich Pflanzenkrankheiten ausbreiten können.

Weitere Informationen:

Beizmittel

Ein Pflanzenschutzmittel, das die u.a. durch Saatgut übertragbaren Krankheitserreger (v.a. Pilzsporen) abtötet. Im intensiven Getreidebau beispielsweise ist das hohe Ertragsniveau ohne Saatgutbeizung nicht erreichbar. Das Getreidesaatgut wird von der Saat bis nach dem Auflaufen von samen- und bodenbürtigen Pilzkrankheiten, tierischen Schädlingen und Vogelfraß bedroht. So erscheint eine Saatgutbehandlung mit Fungiziden und Insektiziden und der Einsatz von Vergällungsmitteln gegen Vogelfraß unerläßlich. Wirksam, aber ökotoxikologisch bedenklich, sind die quecksilberorganischen Verbindungen. Sie sind seit 1982 verboten, nachdem die wirksamere Stoffklasse der Azolfungizide entwickelt war. Mit Beizmitteln behandeltes Saatgut darf nicht direkt als Lebensmittel oder Futtermittel verwendet werden.

Ein ökologisch vorteilhafteres und bei großtechnischem Einsatz billigeres physikalisches Verfahren steht vor der Markteinführung. Bei ihm wird Saatgut aus sogenannten Beizgeneratoren mit niederenergetischen Elektronen beschossen, welche die Krankheitserreger auf und in der Samenschale unschädlich machen.

Beregnung

Die regenartige Verteilung von Wasser über Kulturpflanzen, besonders im Garten- und Feldgemüsebau; Beregnungsanlagen können ortsfest und beweglich ausgeführt werden; das Druckwasser kann auch mit Düngern versetzt werden. Auch Beregnung als Frostschutz ist möglich. Durch Steuerung des Wuchsfaktors Wasser werden hohe und sichere Erträge erzielt.

Das Wasser wird über Rohre zu den Anlagen im Feld gepumpt. Je nach Bauart unterscheidet man: Beregnung mit ortsfesten, teilortsfesten und mobilen bzw. vollbeweglichen Komplettanlagen. Dabei lässt sich noch genauer zwischen Einzelberegnung, Kreisberegnung, Rollzugberegnung oder Rollender (selbstfahrender) Beregnung unterscheiden.

Die Beregnung stellt wenige Ansprüche an die Oberflächenbeschaffenheit der Anbaufläche. Dementsprechend lässt sich auch unebenes und hängiges Gelände beregnen, so dass unter Umständen aufwändige Planierungsarbeiten ebenso wie das Errichten von Gräben oder Dämmen entfallen.

Da bei der Beregnung das Wasser nicht direkt dem Boden zugeführt, sondern über den Bestand verregnet wird, ergibt sich durch hohe Verdunstungs- und Interzeptionsverluste eine relativ geringe Wassernutzungseffizienz von 65 bis 75 %. Weiters entsteht eine ungleichmäßige Wasserverteilung bei Wind und an den Rändern der Felder. Neben den hohen Anlagekosten machen Ersatzteillager, großer Energiebedarf und hohe Betriebs-, Wartungs- und Erneuerungskosten große Investitionen notwendig. Ebenso wird ein gewisser Ausbildungsgrad des bedienenden Personals für die Wartung und Instandsetzung der Beregnungsanlagen vorausgesetzt.

Die Beregnungstechnik gewinnt in tropischen und subtropischen Ländern stark an Bedeutung, breitet sich aber auch im gemäßigten Klima aus. Es überwiegt der Einsatz in humiden Klimabereichen. Wegen der vielen Vorteile breitet sich das Verfahren zunehmend auch in semiariden Gebieten aus und befindet sich dort, nach der Becken- und Furchenbewässerung, an dritter Stelle. Bei falscher Anwendung besteht in semiariden und ariden Regionen die Gefahr der Bodenversalzung.

Reihenregnerverfahren:

Bei den Reihenregnerverfahren werden mehrere Regner entweder direkt auf das Rohr aufgesetzt oder über Seitenschläuche mit der Regnerleitung verbunden. In der Praxis überwiegt die Rohrberegnung, die jedoch einen hohen Arbeitszeitbedarf beim Auf- und Abbau oder dem Umsetzen erfordert. Deshalb belassen viele Gartenbaubetriebe die Rohranlagen auf dem Feld solange die Kultur steht. Insofern ist die Rohrberegnung eine teilortsfeste Beregnungsanlage.

Teilmobile Beregnungsmaschinen:

Zu diesem Anlagentyp gehören z.B. die Linear- und Kreisberegnungsmaschinen. Sie sind im Betrieb beweglich, aber an einen Einsatzort gebunden. Die Maschinen sind dabei auf einem Feld aufgebaut und bewegen sich zur Beregnung linear oder im Kreis. Bei Bedarf können sie nach der Kulturphase auf ein anderes Feld umgesetzt werden. Der Einsatz dieser Verfahren setzt eine groß strukturierte Landbewirtschaftung mit Schlaggrößen ab 25 ha mit häufigen jährlichen Beregnungseinsätzen voraus. Die Wasserverteilung erfolgt über Düsen oder Regner mit einem Betriebsdruck von 2 bis 4 bar. Die durchschnittlichen Aufbaulängen betragen bei den Linearberegnungsmaschinen 400 m und bei den Kreisberegnungsmaschinen 400 m (Radius).

Mobile Beregnungsmaschinen:

Mobile Beregnungsmaschinen unterscheiden sich im Verfahrensablauf in mobile Beregnungsmaschinen mit Regnereinzug und in mobile Beregnungsmaschinen mit Maschinenvorschub, wobei die Maschinen mit wickelbaren PE-Rohren ausgerüstet sind.

(s. a. Bewässerung)

Bergbauernprogramm

Das Bergbauernprogramm war im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik ein EU-"Programm zur Förderung der Landwirtschaft in Berggebieten und benachteiligten Gebieten". Diese Richtlinie wurde 1977 vom EU-Ministerrat erlassen, um die Landbewirtschaftung und damit Erhaltung der Kulturlandschaft und ungünstigen Produktionsstandorten dauerhaft zu sichern. Nach diesem Bergbauernprogramm wurden in der damaligen Bundesrepublik folgende Gebiete abgegrenzt:

Nach der Wiedervereinigung wurden die Gebietsabgrenzungen von der EG neu festgelegt. Das Bergbauernprogramm gewährt Ausgleichszahlungen je ha Hauptfutterfläche und je Großvieheinheit in Berg- und Kerngebieten sowie in diesen und den anderen benachteiligten Gebieten erleichterte einzelbetriebliche Förderung und höhere Zinszuschüsse.

Aktuell wird in der EU den schwierigen Produktionsbedingungen in Bergregionen durch die sogenannte Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete Rechnung getragen. In Deutschland wird sie durch die EU, den Bund und die Bundesländer finanziert

Bergmähder

Mahdflächen in der alpinen und nivalen Höhenstufe mit regional unterschiedlichen Bezeichnungen (z.B. Wildheuberge in der Schweiz), die nicht beweidet werden, weil sie zu steil, zu trocken oder für das Vieh nicht erreichbar sind. Daneben waren in Tälern, in denen im Dauersiedlungsraum neben Äckern kaum Platz für Wiesen war, die besten Flächen im Almbereich für die Bergmähder vorbehalten, um genügend Winterfutter zu gewinnen (Mahdalm). In der traditionellen Landwirtschaft waren die Bergmähder besonders für Kleinbauern und Landlose unverzichtbar. Heute werden nur noch wenige Flächen gemäht (Prämienzahlungen). Als größtes Bergmähdergebiet der Alpen gilt die Seiser Alm in Südtirol.

Besatz

Auch Bestoß; die Gesamtheit des auf Weiden aufgetriebenen Viehs angegeben in Stück, Großvieheinheiten oder anderen Einheiten.

Besitz

Rechtsbegriff, der die tatsächliche Herrschaft einer Person über eine Sache bedeutet und dem Eigentum, bei dem kein tatsächliches, sondern ein rechtliches Verhältnis vorliegt, gegenübergestellt. Folglich ist Bodenbesitz im Bereich der Landwirtschaft gleichzusetzen mit Bodenbewirtschaftung. Der Unterschied zwischen Eigentum und Besitz wird beim Begriff Pacht am deutlichsten. Der Verpächter bleibt dabei Eigentümer, schränkt aber seine Verfügungsgewalt zugunsten des Pächters, also dem Bewirtschafter und Besitzer ein. Eine Ausnahme bildet hier lediglich die Zwischenpacht und der daraus abgeleitete Typ des Zwischenpächters, der zwar als Pächter Besitzer von Grund und Boden ist, diesen aber nicht selbst bewirtschaftet, sondern weiterverpachtet.

Besitzzersplitterung

Die Verteilung des Besitzes eines landwirtschaftlichen Betriebes auf viele kleine Parzellen, deren Anzahl im Verhältnis zur Größe des Betriebes sehr groß ist. Bewirtschaftungserschwernisse ergeben sich aus der Streulage, ungradlinigen Begrenzungen, zu langen oder zu schmalen Grundrissen oder nicht isohypsenparallel verlaufender Längsachse bei Hangparzellen. Die Besitzzersplitterung tritt gewöhnlich als Folge der Realteilung auf.

Bestandesabfall

Reste abgestorbener Pflanzen und Tiere (organische Abfälle).

Bestandsdichte

Die Zahl der Ähren tragenden Halme oder der Einzelpflanzen bezogen auf die Fläche (m² oder ha). Für den Anbau jeder Pflanzenart gibt es eine optimale Bestandsdichte. Ist die Bestandsdichte zu hoch, steigt das Risiko von Blatt- oder Halmkrankheiten, auch wird die Standfestigkeit gefährdet. Bei einer zu geringen Bestandsdichte steigt die Verunkrautung. Jede Abweichung von der optimalen Bestandsdichte führt zu Ertragsminderungen.

Generell ist die anzustrebende Bestandesdichte von den Standortverhältnissen, der Witterung und vom Sortentyp abhängig. Auf Sandböden oder Standorten mit geringen Niederschlägen, wie zum Beispiel im Mitteldeutschen Trockengebiet, sollte z.B. beim Weizen eine geringere Bestandesdichte von 400 bis 550 Ähren tragenden Halmen/m² angestrebt werden, um bei Trockenphasen ein Zusammenbrechen der Bestände zu verhindern. Auf Standorten mit ausreichender Wasserversorgung auf guten Böden kann eine Bestandesdichte von 550 bis zu 700 Ähren/m² angestrebt werden, sofern die Standfestigkeit gut abgesichert wird bzw. Sorten mit einer guten Standfestigkeit angebaut werden.

Bestäubung

Die Übertragung von Blütenstaub (Pollen) von den männlichen auf die weiblichen Teile einer anderen Blüte oder Pflanze. Der Pollentransport erfolgt durch Insekten oder den Wind. Erst nach einer Bestäubung bilden sich Früchte und Samen, die entweder geerntet oder zur Erzeugung neuer Pflanzen eingesetzt werden.

Betrieb

Siehe landwirtschaftlicher Betrieb

Betriebseinkommen

Wichtiges Maß für den finanziellen Erfolg eines Betriebes. Es bezieht es sich auf ein Wirtschaftsjahr und wird in Euro ausgedrückt. Berechnungen des Betriebseinkommens erfordern eine Buchführung, die sich mittlerweile in der landwirtschaftlichen Praxis durchgesetzt hat und vielfach auch für die staatliche Förderung (Subventionen) Voraussetzung ist. Das Betriebseinkommen enthält die Löhne der beschäftigten Arbeitskräfte (einschließlich der Beiträge für Sozial- und Unfallversicherung), den Zinsertrag des im Betrieb eingesetzten Kapitals sowie die Entlohnung für die unternehmerische Tätigkeit aus dem landwirtschaftlichen Betrieb. Im alle vier Jahre erscheinenden Agrarbericht der Bundesregierung werden die durchschnittlichen Betriebseinkommen nach Betriebstypen – Haupt- und Nebenerwerb – veröffentlicht.

Betriebsfläche

Begriff aus der Landwirtschaftsstatistik; die Betriebsfläche der landwirtschaftlichen Betriebe umfasst die gesamte selbstbewirtschaftete Fläche, d.h. eigenes und zugepachtetes Land, Altenteiler- und Deputatenland, Forstflächen, Gebäude- und Hofflächen, Wege, Gewässer, Gräben, Kies-, Sand- und Torfgruben, Steinbrüche, Ödland sowie Unland abzüglich evtl. verpachteter Fläche.(Eigenland und Pachtland). Damit ist sie umfassender als die landwirtschaftliche Nutzfläche oder auch die landwirtschaftlich genutzte Fläche, da sie auch forstwirtschaftliche Flächen und Brachen umfasst.

Folgende Untergliederungen lassen sich vornehmen:

Begriffssystematik der Flächennutzung landwirtschaftlicher Betriebe

Quelle: Eckart 1998

Betriebsform

1. Die Gesamterscheinung eines Betriebes, die sich aus der Kombination folgender Merkmale ergibt:

Aus den unterschiedlichen Merkmalskombinationen ergeben sich beispielsweise folgende Betriebsformen: bäuerliche Familienbetriebe, Farmen, Güter, Plantagen, Produktionsgenossenschaften, Staatsgüter wie Domänen, Gestüte oder Sowchosen.

2. Nach Andreae (1983) die auf bestimmte Produktionsbedingungen und Wirtschaftsziele ausgerichtete Ausprägung der einzelbetrieblichen Organisationsform in der Landwirtschaft.

3. Die offizielle Agrarstatistik Deutschlands teilt die landwirtschaftlichen Betriebe produktionsorientiert nach dem Anteil der Standarddeckungsbeiträge für die Betriebszweige in fünf verschiedene Betriebsformen ein. Bei allen Betrieben der Landwirtschaft müssen mehr als 75 % des Standarddeckungsbeitrages des Betriebes aus der Landwirtschaft stammen. In den

Neben diesen Typen des Betriebsbereichs "Landwirtschaft" stehen die "Übrigen Betriebsbereiche" Gartenbau, Forstwirtschaft und die Kombinationsbetriebe. Der Betriebsbereich "Gartenbau" ist seinerseits untergliedert in die Bereiche "Gemüse", "Zierpflanzen", "Baumschulen" und "Gartenbauliche Gemischtbetriebe".

4. Gewöhnlich wird der Begriff gleichbedeutend mit Betriebstyp und häufig auch mit Betriebssystem verwendet; verschiedentlich bezeichnet "Betriebsform" als Unterscheidung zum Begriff "Betriebstyp" alleine die Eigentumsverhältnisse an den Produktionsmitteln.

Betriebsgemeinschaft

Horizontale Kooperationsform, bei der alle oder ein Teil der betrieblichen Funktionen (einzelne Betriebszweige) gemeinsam durchgeführt werden. Vorteile sind Senkung der Produktionskosten, Erhöhung der Einkommen und Arbeitserleichterung.

Betriebsgröße

Üblicherweise wird die Betriebsgröße nach dem Umfang der bewirtschafteten Fläche angegeben, weil sie ein quantitativ eindeutiges Maß darstellt und weltweit statistisch erfaßt ist. Allerdings besteht in der landwirtschaftlichen Betriebslehre kein allgemeingültiger Begriffsinhalt für die Betriebsgröße. Es ist vielmehr erforderlich in Abhängigkeit von der Art des zu lösenden Problems einen geeigneten Maßstab zur Größenmessung festzulegen. Als optimale Größe eines Betriebes gilt aus betriebswirtschaftlichem Blickwinkel jene, bei der der Gewinn (bzw. die Gewinnkapazität) des betreffenden Betriebes den maximalen Umfang erlangt hat.

Mögliche quantitative Kriterien zur Messung der Betriebsgröße
  • Mengeneinsatz von Produktionsfaktoren wie z.B.
    - Umfang der landwirtschaftlich genutzten Fläche
    - Anzahl der gehaltenen Nutztiere
    - Anzahl der beschäftigten Arbeitskräfte
  • Werte der eingesetzten Produktionsfaktoren wie z.B.
    - Einheitswert des landwirtschaftlichen Betriebes
    - Aktivvermögen
    - Summe des Betriebsaufwandes
  • Ertragskennwerte und Erfolgskennwerte wie z.B.
    - Betriebsertrag
    - Bereinigter Betriebsertrag
    - Gewinn
 

Eine geringe Aussagekraft für die Größe eines landwirtschaftlichen Betriebes besitzt der jeweilige Arbeitskräftebesatz. Würde man die Betriebsgröße an der Zahl der eingesetzten Arbeitskräfte messen, so müßten beispielsweise die heute in den USA realisierten durchschnittlichen Betriebsgrößen als relativ klein bezeichnet werden.

Der Nutzflächenumfang als Maßstab des Mengeneinsatzes von Produktionsfaktoren in einem landwirtschaftlichen Betrieb ist ebenfalls problematisch geworden, seit sich die Abhängigkeit zwischen der Flächenausstattung und der Ausstattung mit anderen Produktionsfaktoren im Verlaufe des wirtschaftlichen Wachstums, der Spezialisierung und der technologischen Entwicklungen zunehmend gelockert hat.

1995 lag die Durchschnittsgröße der landwirtschaftlichen Betriebe auf der Fläche des früheren Bundesgebietes bei 22,3 ha. Dies entspricht einer Aufstockung um 34,7 % gegenüber 1985. Die mittlere Betriebsgröße variiert regional stark, bedingt durch Unterschiede im Erbrecht, in der Topographie und Geschichte. So liegt sie im Süden und Südwesten zwischen 13 und 18 ha, im Nordwesten zwischen 20 und 40 ha und in den neuen Bundesländern zwischen 190 und 360 ha. Im unteren Bereich gibt es zwischen Ost und West kaum Unterschiede. Generell wirtschaften rd. 45 % der Agrarbetriebe mit einer Flächenausstattung unter 10 ha LF. Hingegen gibt es in der Größenklasse über 100 ha LF im früheren Bundesgebiet rd. 9.800 Betriebe, die insgesamt jedoch nur über 12,5 % der LF verfügen. In den neuen Ländern dagegen werden über 90 % der LF von den rd. 6.500 Betrieben dieser Größenklasse genutzt.

Während sich in den alten Bundesländern ein stabiler Trend zur allmählichen Vergrößerung der Betriebseinheiten durchsetzt (1949: 8,1 ha; 1970 11,7 ha; 1990: 18,7 ha; 1995: 22,3 ha), nimmt die Durchschnittsgröße je Betrieb in den neuen Bundesländern noch von Jahr zu Jahr ab (1989: 2.000, 1991: 284,5 ha; 1993: 208,7 ha; 1995: 182,1 ha).

Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland und ihre Flächen nach Größenklassen1)

Quelle: BMEL

Die Bestimmung einer optimalen Betriebsgröße für Mitteleuropa ist angesichts der Vielgestaltigkeit des Agrarraums und in Ermangelung eines eindeutigen ökonomischen und ökologischen Optimums zumindest bislang nicht möglich. Noch weniger macht sie Sinn in einem globalen Bezug. Ein Optimum ist nur dann zu definieren, wenn man eine Zielhierarchie unter bestimmten Bedingungen und für einen bestimmten Raum vorgibt. So ist die Aussagekraft einer universellen Betriebsgrößen-Klassifizierung in mehrfacher Hinsicht eingeschränkt:

In den Ländern der EU schwankt die durchschnittliche Betriebsgröße zwischen 4 ha in Griechenland und 64 ha in Großbritannien. Zieht man den Kuhbesatz als Kriterium heran, so reicht die Spannbreite von 4 Kühen je Betrieb in Griechenland über 200 Kühe in den neuen Bundesländern zu 865 Kühen im Vereinigten Königreich.
In den USA wird eine Betriebsgrößenklassifizierung nicht nach der Flächenausstattung sondern nach dem Verkaufserlös (annual sales) für Agrarprodukte vorgenommen. Die wesentlich früher und in stärkerem Maße einsetzende Marktorientierung der amerikanischen Farmer und die bessere Vergleichbarkeit der Daten legte eine solche Klassifizierung nahe.

Größenklassen US-amerikanischer Farmen (Studie des U.S. Department of Agriculture)

Quelle: Windhorst, 1987

Betriebsmittel

In der Landwirtschaft jene betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren, einschließlich der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, die als Ausgangsstoffe in die Erzeugnisse des landwirtschaftlichen Betriebes eingehen oder die für deren Herstellung nötig sind. Dazu zählen Handelsdünger, Komposte und Substrate, Futtermittel und Futtermittelzusatzstoffe, Saatgut, Nutz- und Zuchtvieh, Pflanzenschutz- und Pflanzenstärkungsmittel, Treib- und Brennstoffe, Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Stallfliegenbekämpfungsmittel, Maschinen und Wirtschaftsgebäude.

(s. a. Vorleistungen)

Betriebsprämie

Die Betriebsprämie ist der wichtigste Teil der 2003 beschlossenen Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).

Alle vorherigen Direktzahlungen wurden zur Betriebsprämie zusammengefasst und von der Produktion entkoppelt. Dazu gehörten alle Tierprämien und ein großer Teil der Flächenprämien. Die Betriebsprämie, die einem Betrieb zusteht, wurde über einen Referenzbetrag ermittelt und von der jeweiligen Landesbehörde festgesetzt. Hauptzweck dieser Zahlung ist es, den Landwirten ein stabileres Einkommen zu sichern. Sie können frei entscheiden, was sie erzeugen wollen, ohne die Beihilfen zu verlieren. Die Betriebsprämie  ist  mit einer Verknüpfung zu den Standards für Umwelt- und Tierschutz, Lebens- und Futtermittelsicherheit (Cross Compliance) verbunden. 

Die Betriebsprämienregelung bleibt bis Ende 2014 in Kraft. Ab dem Jahr 2015 wird sie durch eine neue Basisprämienregelung ersetzt, die ebenfalls auf Zahlungsansprüchen beruht. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen die Mitgliedstaaten den aktuellen Wert der Zahlungsansprüche in das neue System übertragen. Die im Rahmen der Betriebsprämienregelung vorgenommene Berechnung der Zahlungsansprüche kann sich somit bis 2021 auf künftige Zahlungen an Betriebsinhaber auswirken.

Seit dem Jahr 2015 sind in Deutschland folgende Zahlungen an die Stelle der bisherigen Betriebsprämie getreten:

Weitere Informationen:

Betriebsspiegel

Zusammenstellung aller wesentlichen Strukturdaten eines landwirtschaftlichen Betriebes. Dazu gehören z.B. geographische Lage, klimatische Bedingungen, landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF), Bodenart, Bodennutzung, Erträge/Leistungen, Viehbestand, Maschinenpark, Arbeitskräftebesatz und Vermarktungswege.

Betriebssystem

Uneinheitlich, aber häufig synonym zu Betriebsform gebrauchter Begriff zur Klassifikation von Agrarbetrieben. Die Verwendung des Terminus 'System' stellt heraus, daß es sich bei einem landwirtschaftlichen Betrieb um eine komplexe, in ihren Bestandteilen wechselwirkende Einheit handelt, bei der jede Änderung eines Elements Änderungen anderer nach sich zieht. Der Systemcharakter der meisten Agrarbetriebe ist nach Andreae (1993) vorwiegend darauf zurückzuführen, daß es sich bei der Agrarproduktion i.d.R. um Verbundproduktion handelt.
Art und Anzahl der herangezogenen Merkmale für Betriebssystem-Klassifikationen unterscheiden sich stark:

  1. Unterscheidung nach der Diversifizierung des betrieblichen Produktionsprogramms unter Berücksichtigung des Bodennutzungssystems und der Vermarktungsform (Marktfrucht-, Futterbau-, Veredelungs-, Dauerkultur- und Gemischtbetriebe)
  2. Weitere Klassifikationsmerkmale können die Produktionszweige und deren Verbund sowie die Faktorenkombination sein.
  3. Die weltweite Grobsystematik von Andreae (1983) unterscheidet folgende Betriebssysteme bzw. -formen:
    - Sammelwirtschaften
    - Graslandsysteme (Weidenomadismus, Ranchwirtschaften, intensive Grünlandwirtschaften)
    - Dauerkultursysteme (Pflanzungen, Plantagen)
    - Ackerbausysteme (Wanderfeldbau, Feldgraswirtschaften, Körnerbauwirtschaften, Hackfruchtbauwirtschaften)

Betriebstyp

1. Meist weitgehend identisch mit Betriebsform gebraucht, demnach Bezeichnung für landwirtschaftliche Betriebe mit vergleichbaren natürlichen, ökonomischen und produktionsstrukturellen Merkmalen.

2. Abstrahierender Begriff zur Zusammenfassung vieler ähnlicher Einzelformen landwirtschaftlicher Betriebe, der für die Charakterisierung eines kleineren oder auch größeren Agrargebietes herangezogen werden kann. Über die Auswahl von einzelnen Merkmalen kommt man beispielsweise zu den Typen des Kleinbauern-, Gartenbau-, Bewässerungs- oder Weidebetriebes. Die Kombination mehrerer Merkmale führt z.B. zu den Typen des großbäuerlichen Zuckerrüben-Weizen-Milchviehbetriebes oder des kleinbäuerlichen Reisbaubetriebes mit Bewässerung.

3. Planck/Ziche (1979) betonen die Bedeutung von sozialen Merkmalen bei der Einstufung von Betrieben in Betriebstypen (z.B. Nebenerwerbsbetrieb, Genossenschaftsbetrieb, Familienbetrieb).

Bewässerung

Die Bewässerung dient zum Ausgleich der für die Bodennutzung jahreszeitlich oder ganzjährig fehlenden Niederschläge, häufig auch zur Düngung durch mitgeführte Nährstoffe. Sie ermöglicht den Anbau jenseits der Grenze des Regenfeldbaus, die je nach Temperatur bzw. Verdunstung, Kulturart und Bodenstruktur zwischen 250 und 1.000 mm/a liegt. Zudem wird durch die reichlichere und gleichmäßigere Verfügbarkeit von Wasser eine höhere Flächenproduktivität erzielt, eventuell mit mehreren Ernten pro Jahr. Auch bei geringen Besitzgrößen kann durch Bewässerung die Existenz einer Familie gesichert werden (Ackernahrung).

Die Profiltiefe eines bewässerungswürdigen Bodens soll etwa 120 bis 200 cm betragen. Damit ist eine genügende Durchwurzelung und eine normale Feuchtigkeitsreserve gewährleistet. Die Wasserdurchlässigkeit und die Infiltrationsgeschwindigkeit sollten in der Größenordnung von 10-3 cm/s sein.

Der Salzgehalt des Bewässerungswassers kann den Pflanzen schaden. Daher darf die elektrische Leitfähigkeit des Wassers 250 Mikrosiemens nicht überschreiten (ca. 1,5 g Salz pro Liter). Gutes Bewässerungswasser enthält möglichst wenig Natrium, weil dieses das Bodengefüge zerstört.

Dauerhaft funktionierende Bewässerung setzt voraus:

Weniger als zehn Prozent der Weltanbaufläche sind vollständig auf Bewässerung angewiesen, insgesamt könnte man schätzungsweise nicht mehr als 20 Prozent bewässern.
Vom International Irrigation Management Institute wird geschätzt, daß die Verluste an Bewässerungsflächen (Absinken des Grundwasserspiegels, Umleitung des Wassers in Städte) die Flächengewinne durch neue Projekte z. Z. übersteigen.
Bewässerung war bei den antiken Hochkulturen schon vor über 5.000 Jahren verbreitet. Mit Hilfe der aus feuchteren Gebirgen stammenden Flüsse Indus, Euphrat, Tigris und Nil wurden die umgebenden Trockengebiete in Wert gesetzt. Um die Zeitenwende wurden in China mehrere 100.000 ha Ackerland bewässert. In Europa, vornehmlich in Spanien, erfuhren die Bewässerungskulturen einen starken Aufschwung, als die Mauren ihre Wasserbautechnik einführten. Auch im vorkolumbianischen Amerika gab es Bewässerung, z.B. in der peruanischen Küstenwüste. Diese Gebiete liegen in den wechselfeuchten Subtropen und Tropen, auf die auch heute der größte Teil der bewässerten Flächen entfällt.

Bewässerungskulturen waren wegen erheblicher technischer und organisatorischer Schwierigkeiten nur in straff organisierten Gemeinwesen möglich. Der Zerfall solcher gefestigten Strukturen führte meist auch zum Verfall der Bewässerungskulturen.

Eine effizientere Nutzung von Bewässerungswasser setzt bei den Verlustgrößen an, zunächst bei der Reduzierung der Bodenverdunstung (Evaporation), der Versickerungsrate und des oberflächlichen Abflusses durch geeignete Verfahren und schließlich bei der Transpiration der Pflanzen (Entwicklung neuer Sorten, Einsatz von Transpirationshemmern).

(s. a. Bewässerungswirtschaft)

Erschlossene Bewässerungsfläche (Mio. ha) pro Weltregion in den Jahren 2005 bis 2009
Region Fläche Mio. ha Region Fläche Mio. ha
Nordafrika 6,4 Osteuropa 4,9
Afrika südlich der Sahara 7,2 Mittlerer Osten 23,6
Nordamerika 35,5 Zentralasien 14,7
Mittelamerika und Karibik 1,9 Süd- und Ostasien 173,6
Südamerika 11,6 Australien und Neuseeland 4,0
West- und Mitteleuropa 17,8 Andere pazifische Inseln 0,0
Welt 300,9    

Quelle: Rickmann / Sourell (2014)

Traditionelle Bewässerung in Europa

Die historische Bewässerung in Europa ist nicht vergleichbar mit den großen Bewässerungs-Zivilisationen. Aber auch sie war eine Grundlage erfolgreicher Landbewirtschaftung, und zwar seit dem Neolithikum. Bewässerung war und ist unverzichtbarer Teil landwirtschaftlicher Bodennutzung in Europa. Sie prägte über viele Jahrhunderte ländliche Arbeitsweisen, Sozialgefüge und Alltagskultur.

Die Bedeutung traditioneller Bewässerung in Europa wird heute häufig unterschätzt. Leibundgut/Vonderstrass (2016) belegen dies mit zwei Beispielen: In Frankreich betrugen die bewässerungsfähigen Flächen 1966 ca. 560.000 ha. Erstaunlich ist dabei, dass 365.000 ha über traditionelle Bewässerung betrieben wurden und 195.000 ha über Sprinklerbewässerung. Da anfangs des 20. Jahrhunderts 1.000.000 ha bewässert waren, muss der Anteil der traditionellen Bewässerung noch höher gewesen sein. Die französischen Hauptverbreitungsgebiete lagen in den Alpen, den Pyrenäen, den Vogesen und dem Zentralmassiv. Ein zweites Beispiel liefert Russland. Dort sollen in der europäischen Bewässerungszone mit Schwerpunkt zwischen Wolga und Ural einst fast 5 Mio. ha Land bewässert worden sein.

Im Mittelmeerraum war und ist die Bewässerung Voraussetzung für eine ertragreiche Landwirtschaft. Partiell ist dort Land ohne Bewässerung überhaupt nicht kultivierbar. Bewässerung ist in diesen semiariden und subhumiden Trockengebieten, wie auch in den intramontanen Trockeninseln, vorwiegend Feldbewässerung. In den feuchteren Gebieten Europas, meist nördlich der Alpen, dient die Bewässerung der Intensivierung der Landwirtschaft. Sie ist eine Zusatzbewässerung und war früher meist Wiesenbewässerung. Sie hat besonders in Mitteleuropa über Jahrhunderte des Charakter ganzer Regionen geprägt. Ertragssicherung, Ertragssteigerung und Verbesserung der Futterqualität standen im Vordergrund. Die Funktionen Anfeuchtung, Düngung und Kolmatierung waren die Pfeiler der traditionellen Bewässerung. Seit der Antike ist sie schriftlich belegt, dann folgte das politische Chaos des großen Umbruchs im Frühmittelalter, und ab dem beginnenenden Hochmittelalter liegen wieder Schriftdokumente in zunehmend größerem Umfang vor.

Weitere Informationen:

Bewässerungsfeldbau

Form der landwirtschaftlichen Bodennutzung, bei der den Kulturpflanzen in niederschlagsfreien oder -armen Zeiten der Vegetationsperiode durch technische Maßnahmen ausreichende Wassermengen zugeführt werden. Heute werden rund 19 % der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche bewässert. Auf diesen 19 % Fläche werden 40 % der globalen Nahrungsmittel erzeugt. Global liegen die Erträge aus den bewässerten Flächen 2,7 mal höher als jene aus dem Regenfeldbau. Dieses Verhältnis ist ein deutlicher Beleg für die Bedeutung der Bewässerung für die Nahrungsgüterversorgung. Die weltweite Gesamtfläche der Bewässerung betrug um 1970 170 Mio. ha, im Jahre 2008 bereits 304 Mio. ha (UNESCO 2012).

Die regionale Verteilung der Anteile bewässerungsfähiger Flächen am gesamten Kulturland schwankt beträchtlich. Eigentliche Bewässerungskulturen finden sich vor allem in Asien. Die Länder im Nahen und Mittleren Osten weisen zwar einen sehr hohen Anteil an bewässerter Fläche am Kulturland auf, sie sind jedoch im Vergleich zur Gesamtfläche der Länder verschwindend klein.

Die Landwirtschaft beansprucht 70 % der weltweiten Wasserentnahme. Typischerweise benötigt man 3.000 bis 5.000 l Wasser um 1 kg Reis zuerzeugen, 2.000 l für 1 kg Soja, 900 l für 1 kg Weizen und 500 l für 1 kg Kartoffeln.

Bewässerungsoase

Oase, deren Wasser als Quellwasser, Grundwasser oder Wasser eines Fremdlingsflusses zur Bewässerung von Kulturland eingesetzt wird.

Bewässerungswirtschaft

Auf der künstlichen Zufuhr von Wasser beruhende Wirtschaftsweise, die aufwendiger, aber auch flächenproduktiver als Landwirtschaft auf Regenbasis ist. Sie ist oft mit besonderen Agrarsozialstrukturen verbunden (Aufbau von Kooperations- und Organisationsstrukturen) und von starker Prägekraft für das Erscheinungsbild der Agrarlandschaft. Künstliche Bewässerung ist in nahezu allen Klimazonen der Ökumene anzutreffen, weltweit auf einer Fläche von ca. 300 Mio. ha.
Ein Drittel der weltweit produzierten Nahrungsmittel stammt aus der Bewässerungslandwirtschaft, obwohl der Anteil an der bewässerten Fläche an der gesamtwirtschaftlichen Nutzfläche nur bei ca. 16 % liegt.
Zur Überwindung der Frühjahrstrockenheit erfolgt im norwegischen Gudbrandstal Feldberieselung, ebenso im Wallis und in Südtirol, wo Wiesen und Sonderkulturen bewässert werden. Hauptgebiet der Bewässerungswirtschaft sind aber die Subtropen, wo Wasser der Minimumfaktor ist. Auf diese Trockenräume entfallen zwei Drittel der globalen Bewässerungsflächen.
Die größten Bewässerungsflächen der Erde (62 %) liegen in Asien, vornehmlich am Huanghe, Jangtsekiang und Hsikiang in China, ferner in der Ganges- und der Industiefebene in Pakistan und Indien. Außerhalb Asiens sind bedeutend Mexiko, Ägypten, Brasilien und Sudan. Auch der Mittelmeerraum ist ein Zentrum der Bewässerungswirtschaft.

Weiterlesen ►

Beweidung

Im Gegensatz zur Wiesennutzung Nutzungsvorgang im Rahmen der Viehwirtschaft, bei dem das Vieh auf der Weide vorkommende Gräser, Kleearten und Kräuter als Futter aufnimmt. Die Beweidung ist meist eine der extensivsten Formen der Bodennutzung. An der landwirtschaftlichen Nutzfläche nimmt sie anteilsmäßig dort zu, wo sich die natürlichen Ertragsbedingungen der Landwirtschaft verschlechtern und die als Weide genutzten Flächen (jenseits der Anbaugrenzen) keine andere wirtschaftliche Nutzung mehr erlauben.

(s. a. Almwirtschaft, Transhumanz, Weidewirtschaft)

Bewirtschaftungsintensität

Die Höhe der Aufwendungen, die bis zur Ernte eines Kulturpflanzenbestandes eingesetzt wurden.

(s. a. Intensität)

Bifang

Agrarhistorischer Begriff für ein gewölbtes Ackerbeet mit 2 - 6 Wechselfurchen. Im Unterschied zum Wölbacker wechselten Rücken und Furchen jährlich. 30 Bifänge bildeten früher eine Hufe. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit dem gleichlautenden Terminus aus der Siedlungsgeographie, der für zugerodete Gewanne (sog. Neubruch) verwendet wird.

Binnenfischerei

Die Fischerei in stehenden Gewässern, also in natürlichen oder künstlich angelegten Seen, wie z.B. Stauseen, und die Fischerei in Fließgewässern. Steuerrechtlich zählt die Binnenfischerei zur sonstigen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung.

Bioaugmentation

Eine Strategie der Renaturierungsökologie, sie bezeichnet das Einbringen von Mikroorganismen als Starterkulturen in Bodenmaterial. Dabei fungieren die Bakterien und anderen Organismen als Grundlage zum Aufziehen eines Kulturmediums. Ziel ist es, einen unbelebten Boden mittels eines Spülmittels und dem Medium Wasser zum Stoffwechsel anzuregen. Eingesetzt wird der Prozess bei der Sanierung und Reinigung von Böden. Die Verunreinigungen können verschiedener toxischer Natur sein.

(s. a. Phytosanierung)

Biodiesel

Biodiesel ist der in Deutschland am weitesten verbreitete Biokraftstoff. Biodiesel wird mittels eines chemischen Prozesses, der Umesterung, aus Pflanzenöl von Ölpflanzen unter Einsatz von Alkohol gewonnen. In Deutschland kommt hauptsächlich Raps zum Einsatz. Auch Sonnenblumenöl, Soja- und Palmöl können verarbeitet werden, wenn Produzenten nachweislich bestimmte ökologische Mindestkriterien einhalten. Neben der Nutzung von Pflanzenölen zur Kraftstoffherstellung können auch Reststoffe wie Frittier- oder Bratfett für die Biodieselproduktion genutzt werden. Nebenprodukt der Produktion von Biodiesel ist Glycerin, das in der chemischen Industrie zum Einsatz kommt. Rapsschrot, ein weiteres Koppelprodukt der Biodieselproduktion, dient als Futtermittel. Biodiesel kann sowohl als Reinkraftstoff getankt werden oder fossilem Dieselkraftstoff in Deutschland bis zu einem Anteil von 7 Prozent beigemischt werden.

Biodiversität

1. Auch Biologische Vielfalt, ein Begriff, der die Anzahl und Variabilität aller lebenden Organismen sowohl innerhalb einer Art (genetische Diversität) als auch zwischen den Arten und Ökosystemen umfaßt. Wie die Geodiversität mit ihren abiotischen Bestandteilen stellt die Biodiversität ein Teilmodell der Landschaftsdiversität dar.
2. In der Ökologie wird Diversität vorrangig als Artenvielfalt in einem Ökosystem verstanden.
Die biologische Vielfalt hat einen Eigenwert, stellt aber zugleich durch ihre verschiedenen ökonomischen Werte eine umfangreiche, durch den Menschen nutzbare Ressource dar.

Werte der biologischen Vielfalt
Eigenwert (intrinsischer Wert)

Wert ergibt sich aus der Forderung nach einem Eigenrecht der biologischen Vielfalt auf Existenz.

Direkte Nutzwerte  

Konsumwerte



  • Der noch zu monetarisierende Wert von direkt genutzten Naturprodukten für die Selbstversorgung vor allem in Entwicklungsländern
  • Freizeit- und Erholungswerte
  • Soziokulturelle, wissenschaftliche, ästhetische und spirituelle Werte

Produktionswerte


  • Wert als Grundstoff für die weiterverarbeitende Produktion (vor allem land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse)
  • Werte für die Ernährungssicherheit und für medizinische oder andere industrielle Zwecke aufgrund der Vielfalt an Genen und biochemischen Produkten aus naturnahen Ökosystemen
Indirekte Nutzungswerte



Werte aus den Funktionen (Leistungen) der Ökosysteme wie Erosionsschutz, Regulierung der biogeochemischen Kreisläufe (z.B. Wasser- und Kohlenstoffkreislauf), photosynthetische Fixierung von Sonnenenergie, Aufrechterhaltung von Nahrungsnetzen und evolutiven Prozessen, die Regulation von regionalem und lokalem Klima, die Aufnahme und der Abbau von Schadstoffen

Optionswerte

Wert der Offenhaltung einer Option auf eine spätere Nutzung (Genpool), auch im Interesse künftiger Generationen (intergenerative Verteilung)

Existenzwerte

Werte aus einer ethischen Dimension, die dem Gefühl der Verantwortung und Fürsorge des Menschen gegenüber seiner lebenden Umwelt entspringt

Der besorgniserregende Trend des raschen Rückgangs der biologischen Vielfalt führte zu der 1993 in Kraft getretenen Biodiversitätskonvention unter der Ägide der UNEP (United Nations Environmental Programme). Rote Listen - Auflistungen der ausgestorbenen und als gefährdet geltenden Arten - belegen z.B. für Deutschland eine Gefährdung von rund einem Drittel der Farn- und Blütenpflanzen.
In der Konvention ist u.a. vorgesehen, den Export von lebenden modifizierten Organismen vom Einverständnis des Importlandes abhängig zu machen. Informationen über etwaige Umweltrisiken z.B. durch gentechnisch veränderte Organismen werden zu den Pflichten des Exporteurs gehören.

Mögliche Umsetzungsstrategien der Konventionsziele in Deutschland:

Als Entsprechung zur Biodiversität wurde der Begriff "Agro(bio)diversität" geprägt. Das Wissen über das entsprechende natürliche Potential ist noch gering. Von Hunderttausenden von Pflanzenarten hat der Mensch bisher kaum einige Tausend genutzt, einige Hundert kultiviert, und ein knappes Dutzend dient als Haupternährungsquelle der gegenwärtigen Menschheit und deren Nutztiere. Wie bei der biologischen Vielfalt allgemein, weisen die Länder des Südens (insbesondere die mit Tropenwäldern) auch bei den Kultur- und Nutzpflanzen eine außerordentliche Formenvielfalt auf.
Weltweit betreffen die Gefährdung und der Verlust von Biodiversität der Kulturpflanzen und Nutztiere sowohl das Artenspektrum als auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten. Im Zuge der Intensivierung der Landwirtschaft sind viele Kulturpflanzenarten und -sorten sowie Nutztierrassen verschwunden oder auf Restbestände zurückgegangen. Diese Arten, Sorten und Rassen weisen wichtige regionaltypische Anpassungen auf, deren Verlust in mehrfacher Hinsicht zu Lasten der Umwelt und des verfügbaren Genpotentials für Züchtungen geht. Insofern sind wesentliche Grundlage für die Ernährungssicherheit der Weltbevölkerung gefährdet. Überdies ist Pflanzenvielfalt der Rohstoff der Biotechnologie-Wirtschaft. Nach Schätzungen der FAO (1998) stirbt weltweit jede Woche eine Nutztierrasse aus. Etwa 30 % aller Nutztiere seien bedroht.
Die Erhaltung und Pflege tiergenetischer Ressourcen in der Landwirtschaft kann durch die Lebenderhaltung, die Kryokonservierung von Sperma und Embryonen oder mit Hilfe von DNA-Banken erfolgen.

Ein wesentlicher Beitrag zur Erhaltung der Pflanzenvielfalt stellt die Erhaltung "on farm" (in situ) dar. Die Erhaltung von genetischem Material in Genbanken (ex situ) stellt lediglich eine zusätzliche Möglichkeit dar. Von Nichtregierungsorganisationen wird als weitere Strategie die Erhaltung und Stärkung der Rechte von Bauern und bäuerlichen Gemeinschaften verfolgt, Saatgut aus der eigenen Ernte zurückzubehalten, weiterzuverwenden, zu züchten und zu vermarkten. Patentmonopole auf Saatgut hätten nicht nur zu Uniformität im Angebot der industriellen Pflanzenzüchter geführt, sondern auch zu Monokulturen auf den Feldern.

Weitere Informationen:

Biodiversitätsprodukt

Bezeichnung für Agrarerzeugnisse, die von lokalen Nutzpflanzen und -tieren stammen, welche sehr gut an die örtlichen Bedingungen angepasst sind, traditionelles Wissen bei der Entwicklung oder Verarbeitung widerspiegeln und Teil der lokalen Kultur sind. Ihre besonderen Eigenschaften und ihre kulturelle Anbindung eignen sich hauptsächlich für Nischenmärkte.

Weitere Informationen:

Biodiversitätswandel in Wald und Forst (Mitteleuropa)

Mitteleuropa ist Waldland. Außerhalb der Alpen stellen Wälder fast überall die potentielle natürliche Vegetation dar. Nicht-Waldökosysteme sind natürlicherweise entweder auf azonale Sonderstandorte beschränkt (z.B. Hochmoore, Flussauen, Küstenmarschen, Felsen und Blockhalden) oder sie sind die Folgen menschlicher Landnutzung. Seit Jahrtausenden sind die Wälder durch den Landwirtschaft betreibenden Menschen mit beeinflusst (Waldweide).
Heute bedecken Wälder nur noch ca. 30 % der Gesamtfläche der Bundesrepublik Deutschland. Es gibt aber auch Regionen, in denen der Mensch das Wachstum von Wäldern erst möglich gemacht hat, vor allem durch das Trockenlegen von Mooren in Norddeutschland und im Alpenvorland.
Wälder stellen komplexe terrestrische Ökosysteme dar. Intensive biotische Interaktionen erklären die Bereitstellung vielfältiger biotisch vermittelter ökologischer Nischen. Global gesehen entfällt ein großer Teil der biologischen Vielfalt auf Wälder. Selbst in den vergleichsweise strukturarmen Waldökosystemen unserer Breiten werden hohe Artenzahlen erreicht, z.B. 930 Käferarten in Eichenwäldern des norddeutschen Tieflandes.
Die heutigen Eigenschaften der mitteleuropäischen Wälder sind nur vor ihrer wechselhaften historischen Entwicklung mit Zeitskalen von mehreren hunderttausend Jahren zu verstehen. Im Pleistozän war der überwiegende Teil des heutigen Deutschlands während der vorherrschenden Kaltzeiten (Glaziale) von periglazialer Steppen-Tundren-Vegetation bedeckt. Sie wurden unterbrochen von relativ kurzen Warmzeiten (Interglaziale). In einer solchen Warmzeit leben wir gegenwärtig. Mit jeder Interglazialzeit kamen weniger Baumarten aus ihren südlichen Rückzugsräumen nach Mitteleuropa zurück, sodass dessen Baumflora mit jeder Kaltzeit an Vielfalt verlor. Und möglicherweise haben viele Baumarten auch nach 11.000 Jahren mit mildem und warmem Klima noch nicht ihr klimatisch mögliches Ausbreitungsgebiet ausgeschöpft.
Seit der Ausbreitung des Ackerbaus in Mitteleuropa vor ca. 700 Jahren beeinflusst der Mensch zunehmend die Wälder. Schon in der Steinzeit wurden lokal große Flächen entwaldet, weil die extrem ineffiziente damalige Landwirtschaft einen hohen Flächenbedarf hatte. In der Bronzezeit stieg der Bedarf nach Holz zusätzlich durch die Erzgewinnung und Verhüttung und seit Beginn der Eisenzeit (ca. 800 v. Chr.) durch weitere Industrien, z.B. die Salzproduktion oder später die Glasherstellung. Waldweide und die Nutzung von Laub- und Nadelstreu als Strohersatz im Stall und für die Bodenverbesserung auf Äckern entzogen den Wäldern zusätzlich Nährstoffe. Wahrscheinlich war der überwiegende Teil Deutschlands seit dem 14. Jahrhundert entwaldet und besaß auf weiten Flächen einen parkähnlichen Charakter. In dieser vom Menschen geprägten Kulturlandschaft mit ihrer differenzierten Flächennutzung (Streu- und Harznutzung, Plaggenwirtschaft, Brandwirtschaft, vielfältige Formen der Nieder- und Mittelwaldnutzungen, Hutewälder u. w.) hat eine Ausweitung des vorhandenen Spektrums der Standorte und Ökosystemtypen stattgefunden. Waldökosysteme mit für Hochwald typischen Ökosystemeigenschaften waren bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts in dicht besiedelten Gegenden selten. Auch die natürlichen Wälder vor dem Eingriff des Menschen waren aufgrund vielfältiger Störungen, wie z.B. Brände und Überschwemmungen, unter Umständen offener als viele unserer heutigen Nutzwälder. Vor allem im 19.Jahrhundert erfolgte eine massive Überführung der Nieder- und Mittelwälder in die heute vorherrschenden Hochwälder. Auch Reut- und Weidfelder, die beispielsweise im Schwarzwald verbreitet vorkamen, waren schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur noch in unbedeutenden Resten vorhanden. Dieser historische Biodiversitätswandel wird künftig weitere Änderungen durch den Klimawandel erfahren. (Mosbrugger et al., 2012)

Weitere Informationen:

Bioenergie

Energie, die aus Biomasse gewonnen wird. Dabei werden verschiedene Energieformen wie Wärme, elektrische Energie oder auch Kraftstoff für Verbrennungsmotoren eingeschlossen. Häufig wird auch Biomasse, in der die Energie chemisch gespeichert ist, als Bioenergie bezeichnet.

Der Begriff umfasst unterschiedlichste Rohstoffe, Technikpfade und Anwendungsbereiche. So kann Bioenergie zum Beispiel gewonnen werden aus

Die Rohstoffe können regionaler Herkunft sein oder über globale Handelsströme zu uns gelangen.

Die Vielfalt der Rohstoffe und Umwandlungstechniken ermöglicht einen Einsatz der Bioenergie in allen energierelevanten Sektoren: als Treibstoff im Verkehr (für Benzin, Diesel, Gas und Elektrofahrzeuge), zur Erzeugung von Heizwärme in Haushalten (z.B. aus Scheitholz, Holzhackschnitzel und -pellets oder Strohpellets), von Prozesswärme in der Industrie und zur Stromerzeugung, wobei die Strom- und Wärmeproduktion gekoppelt erfolgen kann.

Bioenergie stellte 2015 57 Prozent der Erneuerbaren Energien in Deutschland bereit, weitere 8 Prozent stammen aus biogenen Abfällen. Landwirtschaftliche Nutzpflanzen zur Energiegewinnung nehmen in Deutschland etwa 2,2 Mio. Hektar ein. Knapp zwei Drittel der Erneuerbaren Energien stammen aus Biomasse. 2015 betrug der Anteil der Bioenergie am Endenergieverbrauch Deutschlands etwa 8 Prozent.

Quelle: AEE

Aus Biomasse wurden im Jahr 2016 etwa 51,6 TWh Strom bereitgestellt. Gegenüber 2015 entspricht dies einem Anstieg um 1,3 TWh (+2,5%). Maßgeblich für die Stromerzeugung aus Biomasse sind vor allem Biogas (32,4 TWh, +3,5% gegenüber dem Vorjahr), feste Biomasse (11 TWh, -0,3% gegenüber dem Vorjahr), und der biogene Anteil des Abfalls (6 TWh, +4,0% gegenüber dem Vorjahr).

Im Jahr 2016 hatte die feste Biomasse mit 114,5 TWh den bedeutendsten Anteil an der erneuerbaren Wärmebereitstellung, gefolgt von Biogas mit 17,4 TWh und biogenem Abfall mit 11,8 TWh. Besonders effizient ist die so genannte Kraft-Wärme-Kopplung, bei der aus den biogenen Energieträgern gleichzeitig Strom und Wärme gewonnen werden.

Quelle: AEE

Weitere Informationen:

Bioethanol

Bioethanol bezeichnet Ethanol (C2H5OH) welches ausschließlich aus Biomasse (nachwachsende Kohlenstoffträger) oder den biologisch abbaubaren Anteilen von Abfällen hergestellt wurde und für die Verwendung als Biokraftstoff bestimmt ist.
Wie herkömmlicher Alkohol wird Bioethanol durch alkoholische Gärung aus Zucker mit Hilfe von Mikroorganismen gewonnen und anschließend durch thermische Trennverfahren gereinigt. Bioethanol ist weltweit der führende Biokraftstoff. Dieser kann als Reinkraftstoff oder als Mischungskomponente zu konventionellem Benzin zu einem wesentlichen Baustein nachhaltiger Mobilität werden.

Bei Ottomotoren kommt statt Biodiesel Bioethanol zum Einsatz. Bioethanol kann sowohl als Reinkraftstoff (sog. E85) getankt werden oder fossilem Ottokraftstoff in Deutschland bis zu einem Anteil von 10 Prozent (E10) beigemischt werden.

Als Rohstoffe für die Herstellung von Bioethanol eignen sich stark zucker- und stärkehaltige Pflanzen wie Zuckerrüben, Zuckerrohr, Roggen, Weizen, Mais und Kartoffeln. In Deutschland kommen hauptsächlich Getreide und Zuckerrüben zum Einsatz.

(s. a. Biomasseenergie, nachwachsende Rohstoffe)

Biofertilizer

Auch Biodünger; Mikroorganismen, die Luftstickstoff so fixieren, daß er pflanzenverfügbar wird. Die hierbei verwendeten Hauptorganismen sind die sogenannten Knöllchenbakterien der Gattung Rhizobium (die in Symbiose mit Hülsenfrüchten leben), die ebenfalls Knöllchen bildenden Frankia (vorrangig bei Bäumen und Sträuchern der pazifischen Pflanzenfamilie Casuarinae) sowie bestimmte Blaualgen. Freilebende Bakterien können Samen, Schößlingen oder dem Boden zugefügt werden, eine Technik, die als Inokulation ("Beimpfung") bezeichnet wird. Biodünger ist besonders für Entwicklungsländer sehr attraktiv, weil er mit einfacher Fermentertechnik billig herzustellen ist. Die Blaualge Azolla beispielsweise wird auf mindestens 2 % der Weltanbaufläche für Reis genutzt, Brasilien hat im Sojaanbau fast vollständig auf Biodünger umgestellt.

Biogas

Auch Faulgas,

1. natürlich auftretendes Gasgemisch, das meist Sumpfgas oder Faulgas genannt wird und v.a. in Zusammenhang mit Faulschlamm in Gewässern auftritt (65 - 80 % Methan).

2. Technisch durch anaerobe Zersetzung von Energiepflanzen (z.B. Mais, Getreide), aber auch von Stallmist und anderen landwirtschaftlichen Abfällen (Erntereste, Stroh) sowie von Abfällen aus der Nahrungsmittelindustrie durch Methanbakterien in einem Gärbehälter (Fermenter) entstehendes Gasgemisch aus

Methan (CH4) Wasserstoff (H2) Kohlendioxid (CO2) Stickstoff (N2)
50 - 70 % 1,0 - 10 % 30 - 45 % 0,5 - 3 %

und sehr geringen Mengen Kohlenmonoxid (CO), Sauerstoff (O2) und Schwefelwasserstoff (H2S). Der Energiegehalt von Biogas beträgt ca. 25.000 kJ/m³.

Um die Bakterienpopulationen möglichst wenig zu stören, darf das Substrat möglichst keine hemmenden oder toxischen Stoffe enthalten wie chlorierte Kohlenwasserstoffe, Bakterizide, Pestizide, Tenside, Schwermetalle oder hohe Salzkonzentrationen.

Biogas ist verwendbar als Heizgas, zum Antrieb von Gasmotoren oder zur Gewinnung elektrischer Energie mittels Brennstoffzellen. Wird Biogas aufbereitet und gereinigt (sog. Biomethan), kann es auch direkt in bestehende Erdgasnetze eingespeist und fossilem Erdgas beigemischt oder in Fahrzeugen mit Gasmotor als Kraftstoff genutzt werden.

Das ausgefaulte Substrat ist weitgehend steril und geruchsarm und kann als Dünger weiterverwendet werden.

(s. a. Biomasseenergie, nachwachsende Rohstoffe)

Schema einer landwirtschaftliche Biogasanlage

In landwirtschaftlichen Biogasanlagen werden in der Regel Gülle oder Mist und nachwachsende Rohstoffe, wie z.B. Mais, Gras, Getreide oder Zuckerrüben, vergoren.
Das in Fermenter und Nachgärer produzierte Biogas wird entweder als aufbereitetes Biomethan ins Erdgasnetz eingespeist oder wie vom Großteil der Anlagen in Deutschland in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Der Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist und die anfallende Wärme wird für die Beheizung der Wohn- und Wirtschaftgebäude genutzt oder auch über Wärmenetze an private, kommunale und gewerbliche Nutzer verteilt.
Nach Abschluss des Gärprozesses kann dann der angefallene Gärrest als wertvoller organischer Dünger auf den Feldern der Landwirte genutzt werden.
Hiermit wird der Stoffkreislauf einer landwirtschaftlichen Biogasanlage geschlossen.

Quelle: FNR

Weitere Informationen:

biogene Brennstoffe

Regenerative Brennstoffe aus Biomasse und damit aus Sonnenenergie in chemisch gebundener Form. Biogene Brennstoffe liefern eine bedarfsgerecht nutzbare Energie im Gegensatz zu anderen regenerativen Quellen wie der Windkraft und der Photovoltaik mit nicht nur beschränkt kalkulierbarer Verfügbarkeit.

Systematik biogener Brennstoffe
1. Feste Brennstoffe
  a) sogenannte Energiepflanzen in Form von
 
  • einjährigen Kulturen, z.B. Weizen, Roggen, Gerste, Triticale etc.
  • mehrjährigen Kulturen, z.B. Schilfgräser wie Miscanthus oder schnellwachsende Gehölze wie Weiden oder Pappeln
  b) Reststoffe in Form von
 
  • Koppelprodukten wie Stroh und Rinde
  • Schwachholz (Durchforstungsholz) und Resthölzer aus der forstwirtschaftlichen Nutzung
  • Resthölzer aus der industriellen und gewerblichen Be- und Verarbeitung von Holz
  c) Landschaftspflegematerial in Form von
 
  • Baum- und Strauchschnitt
  • Grünschnitt
2. Flüssige Brennstoffe
  Alkohole und Pflanzenöle
3. Gasförmige Brennstoffe
 
  • Biogas
  • Pyrolyse- oder Schwachgas

Biogene Brennstoffe haben bislang einen äußerst unterschiedlichen Grad an Marktreife erlangt. Der mengenmäßige Schwerpunkt bei ihrem Einsatz liegt derzeit eindeutig bei den Festbrennstoffen mit Holz in einer dominierenden Rolle.

Energiegewinnung aus biogenen Rohstoffen

Quelle: Benz und Ortmaier 1997

Biokraftstoff

Aus Biomasse gewonnener, flüssiger oder gasförmiger Kraftstoff für den Betrieb von Verbrennungsmotoren (z.B. in Fahrzeugen oder Blockheizkraftwerken) oder Heizungen. Zu den Biokraftstoffen zählt man Biodiesel, Rapsöl, Bioethanol, Methan aus Biogas oder die in der Entwicklung befindlichen Synthese- oder BTL-Kraftstoffe (von engl.: biomass-to-liquid). Sie kommen für den Betrieb von Verbrennungsmotoren in mobilen und stationären Anwendungen zum Einsatz. Ausgangsstoffe der Biokraftstoffe sind nachwachsende Rohstoffe wie Ölpflanzen, Getreide, Zuckerrüben oder -rohr, Wald- und Restholz, Holz aus Schnellwuchsplantagen, spezielle Energiepflanzen und tierische Abfälle. Das Präfix Bio weist hier nicht auf eine Herkunft aus ökologischer Landwirtschaft hin, sondern auf den pflanzlichen (biologischen) Ursprung. Die Klimaneutralität und ökologische Vorteilhaftigkeit von Biokraftstoffen ist umstritten.

Weitere Informationen:

Bio-Lebensmittel

"Bio-Lebensmittel" sind Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft, deren englisches Pendant als "organic food" bezeichnet wird. Der Begriff "Bio-Lebensmittel" ist jedoch in der EU gesetzlich definiert und unterliegt bestimmten gesetzlichen Auflagen: Demnach müssen Bio-Produkte aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen, dürfen nicht gentechnisch verändert sein und werden ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Kunstdüngern oder Klärschlamm angebaut. Tierische Bio-Produkte müssen von Tieren abstammen, die artgerecht gemäß EG-Öko-Verordnung und in der Regel nicht mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt werden. Hinzu kommt, dass die Bio-Produkte nicht ionisierend bestrahlt sein dürfen und ebenfalls weniger Lebensmittelzusatzstoffe als konventionelle Lebensmittel enthalten. Insgesamt dürfen diese aber bis zu 5 % nicht ökologisch erzeugte Zutaten enthalten.

In Deutschland wie auch in anderen Ländern gibt es eine Reihe von ökologischen Anbauverbänden, deren Richtlinien zum Teil deutlich strenger sind, als von der EG-Öko-Verordnung vorgeschrieben.

biologisch-dynamischer Landbau

Wirtschaftsweise mit sogenannten biologisch-dynamischen Präparaten (u.a. Hornmist) mit dynamischen Wirkungskräften auf Boden und Pflanzen sowie Verwendung von Naturdünger (kompostierter Stallmist und Pflanzenabfälle). Produkte dieses Landbaus werden mit dem Markenzeichen "Demeter" gehandelt.

(s. a. ökologischer Landbau)

biologische Schädlingsbekämpfung

Biologische Schädlingsbekämpfung ist eine Form der Bekämpfung unerwünschter Organismen unter Ausnutzung biologisch-populationsökologischer Prinzipien.

Formen der Bekämpfung:

Die biologische Schädlingsbekämpfung wirkt im Idealfall artspezifisch. Sie führt gewöhnlich nicht zur völligen Ausmerzung der unerwünschten Art. Bei einer Kombination mit chemischer Schädlingsbekämpfung spricht man von integrierter Schädlingsbekämpfung.

(s. a. integrierter Pflanzenschutz)

Weitere Informationen:

biologische Vielfalt

Siehe Biodiversität

Biomagnifikation

Anreicherung von Stoffen im Organismus und deren Weitergabe auf dem Wege über die Nahrungskette. Da Organismen häufig nicht zwischen lebensnotwendigen Aufbaustoffen und Schadstoffen unterscheiden können, kann die Biomagnifikation, insbesondere in höheren Trophiestufen, zu lebensbedrohenden Schadstoffkonzentrationen in Organismen führen.

Biomasse

1. Im Verständnis der Ökologie die Gesamtmasse einzelner Organismen, Organismengruppen oder der zu einem bestimmten Zeitpunkt vorhandenen Lebewesen je Flächen- oder Volumeneinheit eines Lebensraums in Gramm Frisch- oder Trockengewicht. Etwa 99 % der gesamten in der Biosphäre vorhandenen Biomasse entfallen auf die Phytomasse der autotrophen Pflanzen. Den heterotrophen Pflanzen werden weitere 0,9 % zugeordnet, der Zoomasse nur 0,1 %.
Ökologische Biomasse-Begriffe sind uneinheitlich und vielfältig. Ein Grund ist, dass Biomasse sich verändert, während Lebewesen untereinander und mit ihrer unbelebten Umwelt wechselwirken.

2. Energietechnische Biomasse-Begriffe umfassen ausschließlich solche biotischen Stoffe, die als Energiequellen genutzt werden können. Die diversen energietechnischen Biomasse-Begriffe unterscheiden sich voneinander lediglich in Nuancen.

Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der Europäischen Union enthält folgende Definition::

"Biomasse ist der biologisch abbaubare Teil von Erzeugnissen, Abfällen und Reststoffen der Landwirtschaft mit biologischem Ursprung (einschließlich tierischer und pflanzlicher Stoffe), der Forstwirtschaft und damit verbundener Wirtschaftszweige einschließlich der Fischerei und der Aquakultur. Auch der biologisch abbaubare Teil von Abfällen aus Industrie und Haushalten zählt nach dieser Definition zur Biomasse.

Biomasse ist damit also u. a.:

Nicht als Biomasse gelten biogene fossile Brennstoffe wie Erdöl, Kohle, Erdgas und Torf, da diese sich nicht in überschaubaren Zeiträumen regenerieren und damit nicht die Kriterien der Erneuerbarkeit erfüllen." (FNR)

Eine weitere Definition von Biomasse enthält die am 28.6.2001 in Kraft getretene Biomasseverordnung. Sie klärt für den Anwendungsbereich der Vergütungsregeln des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die Frage, welche Stoffe als Biomasse gelten, welche technischen Verfahren zur Anwendung kommen und welche Umweltanforderungen bei der Stromerzeugung aus Biomasse einzuhalten sind.

Biomasseenergie

Aus Biomasse gewonnene Energie zur Wärme- und Stromgewinnung. Zu den wichtigsten, energetisch nutzbaren organischen Rest- und Abfallstoffen und Energiepflanzen gehören

  1. die gasförmigen Biobrennstoffe (z.B. Biogas aus Gülle-, Klärschlamm- und Bioabfallvergärungsanlagen),
  2. die flüssigen Biobrennstoffe (z.B. Rapsöl oder Ethanol),
  3. das bei der Be- und Verarbeitung von Holz anfallende Industrierestholz,
  4. die land- und forstwirtschaftlichen Reststoffe (z.B. Stroh und Waldrestholz),
  5. die Rückstände aus der Landschaftspflege (z.B. Pflegeheu) und
  6. die gezielt angebauten Festbrennstoff-Pflanzen (z.B. Miscanthus und schnellwachsende Baumarten).

Der Anteil der Biomasseenergie in Deutschland liegt gegenwärtig unter 1 %, bezogen auf den Primärenergiebedarf. Eine Ausdehnung der Erzeugung von Energiepflanzen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen, die nicht zur Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln benötigt werden, könnte langfristig (2030) zu einem Biomasseenergieanteil von rd. 6 % bis 13 % am Primärenergieverbrauch führen. Eine verstärkte Nutzung von Biomasseenergie könnte einen nennenswerten Beitrag zur Verringerung der anthropogen freigesetzten CO2-Emissionen leisten.

(s. a. nachwachsende Rohstoffe)

Biomasse-Nachhaltigkeitsverordnungen

Um die nachhaltige Gewinnung und Nutzung von Biomasse zu gewährleisten, gibt es seit 2009 die Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung (BioSt-NachV) und die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung (Biokraft-NachV). Sie legen fest, wie flüssige Biomasse, insbesondere Pflanzenöl wie Palm-, Soja- und Rapsöl, hergestellt und verwendet werden muss. Im Interesse des Umwelt-, Klima- und Naturschutzes darf der Anbau der Pflanzen keine naturschutzfachlich besonders schützenswerten Flächen (z.B. Regenwälder) oder Flächen mit hohem Kohlenstoffbestand (z.B. Feuchtgebiete, Torfmoore) zerstören, und ihr Einsatz zur Energieversorgung muss zu einer Treibhausgasminderung um mindestens 35 Prozent führen im Vergleich zu fossilen Energieträgern. Auch die sozialen Bedingungen beim Anbau werden berücksichtigt.

Weitere Informationen:

Biomasse-Reststoffe

Biogene Reststoffe werden im Gegensatz zu Energiepflanzen nicht eigens für die energetische Nutzung angebaut, sondern fallen bei anderen wirtschaftlichen Aktivitäten an. Ein typisches Beispiel sind Sägespäne aus Sägewerken. Was auf den ersten Blick als überflüssiger Abfall erscheint, ist ein wertvoller Reststoff, der energetisch genutzt werden kann. Für die Energiegewinnung aus Biomasse werden zum großen Teil biogene Reststoffe wie Erntereste, Biomüll, Stroh sowie tierische Exkremente (z.B. Gülle, Mist) genutzt.

Bioökonomie

Auch biobasierte Wirtschaft; die wissensbasierte Erzeugung und Nutzung nachwachsender Ressourcen, um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren im Rahmen eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems bereitzustellen. Das Konzept der Bioökonomie umfasst danach alle Wirtschaftssektoren und ihre zugehörigen Dienstleistungsbereiche, die nachwachsende Rohstoffe – wie Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen und deren Produkte – erzeugen, be- und verarbeiten, nutzen oder damit handeln.

Somit berührt die Bioökonomie folgende Branchen: Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, Fischerei und Aquakulturen, Pflanzenzüchtung, Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie sowie die Holz-, Papier-, Leder-, Textil-, Chemie- und Pharmaindustrie und neue bio-basierte Industriesektoren wie Bio-Energie, Bio-Materialien und Umwelttechnologie. 

Die Bundesregierung unterstützt mit der Politikstrategie Bioökonomie den Wandel zu einer auf erneuerbaren Ressourcen beruhenden rohstoffeffizienten Wirtschaft, die weniger auf fossilen Rohstoffen basiert.

Weitere Informationen:

Biopestizide

Viren und Mikroorganismen oder deren Produkte, die zur Kontrolle von Pflanzenkrankheiten und Schädlingsbefall eingesetzt werden. 90 % des gesamten Biopestizidmarktes werden durch den Bacillus thuringiensis - einem Bakterium, das v.a. gegen Schmetterlingsraupen wirksam ist - abgedeckt. Der US-amerikanische Markt für Biopestizide beläuft sich auf ca. 3 % des gesamten Pestizidumsatzes. Die Kosten sind bislang höher als für konventionelle Pestizide. Jedoch können durch einen gezielteren Einsatz der Biopestizide sowie aufgrund der Möglichkeit ihrer Herstellung durch die Landwirte selbst Kosten gespart werden. Die Übertragung des Bacillus-thuringiensis-Toxins in Nutzpflanzen (gewissermaßen als "eingebautes Pestizid") ist eine der fortgeschrittensten Gentechnikanwendungen in der Landwirtschaft, die bei Mais von CIBA und Sandoz bis zur Sortenreife geführt wurde. Daneben weisen auch Entwicklungsländer erfolgreiche Entwicklungen auf, z.B. Peru mit Viren gegen Kartoffelkäfer, Kamerun mit Bakterien gegen Mücken oder Brasilien mit Viren gegen den Cassava-Hornwurm. Humantoxische Eigenschaften der verwendeten Biopestizide wurden bislang nicht gefunden. Aus ökowissenschaftlicher Sicht wird die Effizienz einiger Biopestizide skeptisch betrachtet. Eingekreuzte Resistenzen können - erregerspezifisch unterschiedlich - verhältnismäßig schnell durch die Anpassung des Schädlings durchbrochen werden.

(s. a. Biozide, Pestizide)

Biopharming

Die Erzeugung von für die Humanmedizin wichtigen Pharmazeutika und von transplantationsgeeigneten Organen mit Hilfe von transgenen Tieren. Insbesondere ist geplant, menschliche Proteine aus der Milch von Schafen, Ziegen oder Kühen zu gewinnen. Bei Schweinen wird angestrebt, Eigenschaften so zu verändern, daß man deren Organe für Transplantationen (Xenotransplantation) beim Menschen verwenden kann, ohne hyperakute Abstoßungsreaktionen des menschlichen Immun- und Abwehrsystems befürchten zu müssen. (s. a. Gentechnologie)

Weitere Informationen:

Biosphärenreservat

Großflächiger und in geeigneter Weise geschützter Ausschnitt aus Natur- und Kulturlandschaft, der aufgrund seiner Naturausstattung besondere Bedeutung für die weltweit vergleichende angewandte Ökosystemforschung hat. Solche Schutzgebiete werden von der UNESCO seit 1976 zu Biosphärenreservaten erklärt und erfüllen damit eine bestimmte Funktion in dem internationalen Beobachtungs- und Forschungsprogramm "Man and Biosphere". In der neuen Fassung des Bundesnaturschutzgesetzes vom 24. April 1998 ist das Biosphärenreservat als neue großflächige Schutzkategorie eingeführt. Damit werden Rechtstraditionen der neuen Bundesländer aufgegriffen, die überwiegend - in Anlehnung an eine entsprechende Regelung im Naturschutzrecht der ehemaligen DDR - eine solche Kategorie in ihre Landesnaturschutzgesetze aufgenommen haben.
Biosphärenreservate gelten als repräsentative Modellandschaften für eine nachhaltige Regionalentwicklung mit dem Ziel, die natürlichen Lebensgrundlagen zum Wohl künftiger Generationen dauerhaft-umweltgerecht zu entwickeln. Die Landnutzung soll sich an den gebietstypischen, traditionellen Formen orientieren. Die Entwicklung einer umwelt- und sozialverträglichen Erholungs- und Gewerbenutzung sowie die Erzeugung, Veredelung und Vermarktung naturfreundlich erzeugter Rohstoffe und Nahrungsmittel werden angestrebt, regionale Wirtschaftskreisläufe sollen wiederbelebt werden. Gemeinsam mit den hier lebenden und wirtschaftenden Menschen sind hierfür beispielhafte Konzepte zu erarbeiten, erproben und umzusetzen.

Im Einzelnen heißt das:

Biosphärenreservate dienen zugleich der Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen, der ökologischen Umweltbeobachtung und der Umweltbildung.

Biosphärenreservate gliedern sich abgestuft nach dem Einfluß menschlicher Tätigkeit in Kernzone, Pflegezone und Entwicklungszone. Im März 2016 gab es 669 Biosphärenreservate in 120 Ländern. Die Gesamtfläche der 17 Biosphärenreservate in Deutschland (2017) beträgt 1.994.273 ha, abzüglich der Wasser- und Wattflächen der Nord- und Ostsee (666.046 ha) entspricht dies 3,7 % der terrestrischen Fläche Deutschlands. In Deutschland hat die UNESCO bislang 15 der insgesamt 17 Biosphärenreservate anerkannt.

Weitere Informationen:

Biotechnik

Die technische Nutzbarmachung biologischer Vorgänge (z.B. Gärungsvorgänge im Molkereiwesen und Braugewerbe) sowie von Mikroorganismen (z.B. in der Abwasserreinigung). Der Begriff charakterisiert demnach die praktischen Verfahrensweisen im Unterschied zur Biotechnologie, die als Wissenschaft zu verstehen ist.

In jüngster Zeit entwickelte die Biotechnologie eine große Anzahl neuer Methoden. Neben der Verfeinerung der Biotechnik durch den Einsatz z. B. von Mikroorganismen gibt es die neuen Verfahren der Gentechnik. Während die „rote Gentechnik“ im medizinischen Bereich in der Gesellschaft unumstritten ist, stößt die „grüne Gentechnik“ der Land- und Ernährungswirtschaft in der Bevölkerung auf große Skepsis. Während in der Tierproduktion die Gentechnik noch keine große Rolle spielt, wurden 2005 vor allem in anderen Länder Mais, Raps, Soja und Baumwolle in gentechnisch veränderten Sorten angebaut (in den USA Soja und Baumwolle zu etwa 100 %, Mais mit mehr als 50 %). Die meisten Nahrungsmittel enthalten heute schon gentechnisch veränderte Bestandteile wie Enzyme, Hefen, Vitamine, Aromen. 60 bis 70 % aller Lebensmittel in Deutschland kommen irgendwie mit Gentechnik in Berührung. So stammen mehr als 70 % des in der EU als Viehfutter verwendeten Sojas aus gentechnisch veränderten Sojapflanzen. Am 11. September 2003 trat das Cartagena-Protokoll in Kraft. Künftig dürfen Einfuhren von GVO (gentechnisch veränderte Organismen) nur mit Zustimmung des importierenden Landes erfolgen. Seit Mitte 2003 gilt in der EU: Jede direkte Anwendung eines GVO im Verlauf der Herstellung oder Erzeugung von Lebens- oder Futtermitteln ist kennzeichnungspflichtig. Als tolerierbar gilt ein Schwellenwert von 0,9 % GVO – Beimischungen. Ein Bundesgesetz ist (2006) geplant, das das Neben- und Miteinander von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik erleichtern soll. Um einen Verstoß gegen EU-Recht zu vermeiden wird das Gesetz von 2005, das den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen streng reglementiert, in Kraft gesetzt.

Häufig wird der Begriff Biotechnik in dem der Biotechnologie integriert verwendet.

Biotechnologie

Die Lehre und Wissenschaft von den Methoden und den Verfahren, die im Bereich der Biotechnik angewandt werden. Häufig findet keine Differenzierung zwischen den Begriffen Biotechnik und Biotechnologie statt. Keinesfalls ist Biotechnologie gleichzusetzen mit Gentechnik/Gentechnologie, die als Teilgebiete der Biotechnologie gelten.
Gegenstand der Biotechnologie ist somit auch das ganze Spektrum von Techniken und Methoden, die die technische Steuerung und Nutzung biologischer Materialien zur Herstellung von Stoffen und Leistungen zum Ziel haben. Es handelt sich um eine integrierte Anwendung von Biochemie, Molekularbiologie, Mikrobiologie, Züchtung, Chemie, Physik, Informatik und Verfahrenstechnik zur Nutzung des Potentials von Mikroorganismen und Zell- und Gewebekulturen bzw. Teilen von diesen. Anwendung findet die Biotechnologie in Pharmazeutik, Chemie, Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Lebensmitteltechnologie, Rohstoffgewinnung, Abwasserreinigung u.w. Die Biotechnologie besitzt eine hohe Innovationsdynamik, die u.a. daraus resultiert, daß sich aus den Ergebnissen der Grundlagenforschung oft unmittelbar die Möglichkeit praktischer Anwendungen ergibt.

Weiterlesen ►

biotische Umweltfaktoren

Als biotisch werden in der Ökologie Umweltfaktoren zusammengefasst, an denen Lebewesen erkennbar beteiligt sind. Sie ergeben sich aus den Wechselwirkungen zwischen einzelnen Arten innerhalb eines Ökosystems. Beispiele sind Nahrungspflanzen, Beutetiere, Konkurrenten, Feinde, Artgenossen, Parasiten, Symbionten, Krankheitserreger usw. Weitergehend wird unterschieden zwischen inter- und intraspezifische Faktoren, je nachdem, ob der Einfluss von Individuen der eigenen Art oder einer anderen Art ausgeht.
Im Gegensatz dazu stehen abiotische Faktoren, die unbelebte Interaktionspartner darstellen.

Biotop

Charakteristischer und gegenüber seiner Umgebung abgrenzbarer Lebensraum einer Gemeinschaft von Pflanzen und Tieren (Biozönose), die den standörtlichen Bedingungen gut angepaßt sind (z.B. Feuchtwiese, Trockenhang, Almwiese). In Deutschland werden 750 verschiedene Biotoptypen unterschieden. Natürliche Lebensräume bzw. Lebensgemeinschaften kommen hier nur noch auf relativ kleinen Flächen vor, z.B. manche Quellen, Felsen, Hochmoore, das Wattenmeer, einige Wälder, hochalpine Bereiche, die aber auch durch stoffliche Belastungen beeinträchtigt werden. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz unterliegen bestimmte Biotope, die sich durch ihre Seltenheit und auch durch ihren ökologischen Wert auszeichnen, einem gesetzlichen Schutz.

Biotopverbund

1. Summe der flächenbezogenen Kontakte zwischen Biotopen.

2. Räumliche Verbindung von Biotopen, die den auf diese Lebensräume angewiesenen Lebensgemeinschaften Ausbreitung, bzw. Austausch ermöglicht. Sie ist unmittelbar, wenn eine gemeinsame Grenze bzw. Übergangszone vorliegt, oder mittelbar, wenn lediglich funktionelle Beziehungen bestehen.

Biotopverbundsystem

Räumliche Vernetzung von Biotopen. Im Naturschutz werden Biotop-Verbundsysteme modellhaft eingesetzt, die den Effekten der zunehmenden Flächenreduktion und Verinselung naturnaher Lebensräume (z.B. Abnahme der Artenzahlen, genetische Effekte der Isolation von Populationen) entgegenwirken sollen.

Maßnahmen innerhalb des Biotopverbundsystems sind:

In der praktischen Umsetzung treten allerdings zahlreiche Probleme auf:

Biotopvernetzung

1. Summe der Beziehungen von Organismen innerhalb und zwischen Lebensräumen.

2. Planungsinstrument zur Herstellung von Vernetzungsstrukturen für Lebensräume auf Gemeindeebene, letztlich aber für den gesamten ländlichen Raum.
Ziel der Biotopvernetzung ist die Erhaltung und Entwicklung einer vielfältig strukturierten Kultur- und Erholungslandschaft. Durch die vielfältige Vernetzung und Verknüpfung vorhandener Landschaftselemente schafft sie eine Grundlage für die Bestandssicherung und für die Entwicklung der wildlebenden Tiere und Pflanzen. Es entsteht ein tragfähiges Netz naturnaher Ausgleichsflächen in enger Verzahnung mit der landwirtschaftlich genutzten Fläche.
Die Konzeption des Maßnahmenkatalogs für die Umsetzung (Freiwilligkeitsbasis) wird in enger Zusammenarbeit mit den Landwirten, Bürgern, Gemeinden, Verbänden und Behörden erarbeitet und aus den jeweiligen landschaftlichen Gegebenheiten heraus entwickelt.
Besonders Gebiete mit guten ackerbaulichen Voraussetzungen, die in der Vergangenheit vielfach an Strukturvielfalt verloren haben, bedürfen einer Aufwertung im Sinne der Biotopvernetzung. Es werden dabei die Anpflanzungen von Hecken, Feldgehölzen, Streuobst, Umwandlung von Acker- in Grünland, Umbruchverzicht, Anlage von Feuchtgebieten, Acker- und Gewässerrandstreifen sowie die Extensivierung oder der Nutzungsverzicht auf landwirtschaftlichen Flächen und die Aufforstung auf geeigneten Flächen gefördert.
Auf vielen Grenzertragsstandorten, insbesondere in waldreichen Gebieten, wird zunehmend die landwirtschaftliche Nutzung eingestellt. Folglich stehen dort im wesentlichen Bemühungen zur Offenhaltung der Landschaft und zur Erhaltung traditioneller Bewirtschaftungsformen im Vordergrund.

Bio-Village

Bezeichnung für drei Versuchsdörfer in Madras, Indien, in denen die Biotechnologie eine zentrale Rolle spielt. Hier wird der Versuch einer Innovation des Produktionssystems unter Beachtung bestehender Strukturen unternommen. Das Programm mit noch ungewissem Ausgang stellt neben dem Zugang zu den Technologien und nötigen Produktionsmitteln auch Beratung über Technologien und Märkte sowie Kredite sicher.

Biozid

Biozide sind chemische Bekämpfungsmittel zur Vernichtung von unerwünschten Organismen. Von der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig sind derzeit gut 300 Wirkstoffe mit etwa 1500 Formulierungen (Präparaten) zugelassen, darunter 108 Herbizide (Biozide gegen unerwünschten Pflanzenwuchs), 76 Fungizide (Biozide gegen parasitäre Pilze und nicht erwünschte Mikroorganismen), 83 Insektizide, 41 Akarizide (Biozide gegen Milben) und 17 Wachstumsregler. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 28.000 t Biozide ausgebracht, wovon 80 % in Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau und 20 % bei der Haushaltshygiene und auf Nichtkulturland eingesetzt werden.

Weitgehend identisch ist der Begriff Pestizid.

Biozönose

Gemeinschaft der in einem Biotop regelmäßig vorkommenden pflanzlichen und tierischen Lebewesen verschiedener Arten, die untereinander und mit ihrer abiotischen Umwelt in Wechselbeziehungen stehen.

Blaike

Auch Plaike; eine Erosionsform in stark geneigtem bergigem Gelände mit vegetationslosen oder nur schütter bewachsenen Bodenschäden. Der Begriff beschreibt eine besonders auf Almen häufige Form der Erosion, die sich im Abrutschen großer Wiesenflächen mitsamt dem Wurzelhorizont zeigt, insbesondere nach langen Regenperioden. Doch auch auf anderen alpinen Steilhängen tritt sie bei labilen Untergrundschichten auf. Eine Blaike kann Ausmaße von wenigen Metern bis zu etwa 100 Metern haben. Die abgerutschten Teile stauen sich häufig am unteren Ende und bilden wellige Grasschichten oder eine Art Sackung.

Blaiken entwickeln sich oft als Trittblaiken aus Viehtritten, die den Hang treppenartig überformen. Werden diese Mikroformen bei feuchter Witterung vom Vieh begangen, kommt es nicht selten zu Verletzungen der Bodendecke durch Lostreten einzelner Narbenstücke, die wiederum Ansatzpunkte für Erosion und Schneeschurf bilden.

Nicht nur die Überbestoßung von Weiden, sondern auch die Konzentration weniger unbeaufsichtigter Tiere auf Hangpartien mit bevorzugten Futterpflanzen bei hirtenloser Sömmerung sind als wesentliche Ursache des Massenschurfs und von Trittblaiken zu sehen. Früher trieben die Hirten das Vieh bei einsetzendem Regen von den Steilhängen in flachere Almbereiche.

Vergleichbare Abtragungsflächen als Folge nicht angepasster Beweidung finden sich im Himalaya ebenso wie in den Anden und in anderen Hochgebirgen.

Blatt- und Stengelgemüse

Kulturpflanzen, deren junge Blätter und Stengel genutzt werden können. Ihr hoher Cellulose- und Fasergehalt schränkt ihre Verwendung als Nahrung ein, doch sind sie wichtige Quellen von Vitaminen und Mineralien sowie anderer Inhaltsstoffe wie Nikotin, Tannin und Koffein.

Blattfrüchte

Gruppe von Kulturpflanzen (u.a. Hackfrüchte, Ackerfutter, Hülsenfrüchte, Öl- und Faserpflanzen) im Gegensatz zu den Halmfrüchten als den Getreidearten. Blattfrüchte besitzen eine gute Beschattungswirkung auf Grund einer üppigen vegetativen Entwicklung und einer meistens längeren Vegetationszeit. In der Systematik für Felderfruchtfolgen werden sie als tragende Kulturen eingeordnet, denen andere, sogenannte abtragende Kulturen folgen. Hinsichtlich ihrer pflanzenbaulich-biologischen Wirkung auf den Bodenzustand werden sie untergliedert in:
Extensivblattfrüchte: Pflanzenarten, die sich ähnlich wie eine Brachevegetation positiv auf die Ertragsfähigkeit des Bodens auswirken, den Gehalt an organischer Substanz im Boden erhöhen und einen vergleichsweise geringeren Arbeits- und Düngeraufwand erfordern. Dazu gehören alle Feldfutterpflanzen und Körnerleguminosen.
Intensivblattfrüchte: Pflanzenarten, die den Gehalt an organischer Substanz im Boden belasten, sich nachteilig auf seine Ertragsfähigkeit auswirken können und einen hohen Arbeits- und Düngeraufwand erfordern. Dazu gehören Hackfrüchte, Tabak, Gemüse, Öl-/Faserpflanzen, Gras- und Gemüsesamenbau.

Blockflur

Flurformentyp, bei dem der Parzellenverband überwiegend aus Blöcken besteht. Das Breiten-Längen-Verhältnis liegt dabei unter 1 : 2,5. Blockfluren erhalten eine regelhafte, geometrische Parzellierung durch parallelen Verlauf der Längs- oder Breitengrenzen ihrer Einzelparzellen (Rechteck, Quadrat, Trapez). Schematisch ist die Flureinteilung bei gleicher Größe und Ausrichtung der Blöcke. Regellosen Blockfluren kann eine geradlinige Parzellierung fehlen, die Einzelparzellen weisen oft rundliche oder amorphe Grundrißgestalt auf. Bei einer Differenzierung der Blöcke nach der Größe ergeben sich Groß- und Kleinblockfluren (z.B. Großblöcke von adligen Gütern > bäuerliche Blockparzellen > Kampfluren nordwestdeutscher Markkötter). Neben den (in der Literatur unterschiedlichen) absoluten Abgrenzungsgrößen, sind oftmals relative Angaben im konkreten Fall sinnvoller.
Genetisch stellen Blockfluren eine verbreitete alteuropäische Altflur dar. Historische Beispiele für schachbrettartige Flurformen, die sich noch heute in der Flureinteilung durchpausen, sind die römischen Zenturiatsfluren und die Fluren nach dem japanischen Jo-Ri-System.

Jüngere Blockflurtypen sind die Gutsflur, die Genossenschafts-(Kolchose-)flur und deren Nachfolgefluren, die Plantagenflur und die Großblockfluren im Gefolge der amerikanischen land ordinance.

Großblockfluren sind heute typisch für flurbereinigte Gebiete. Noch bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts war diese Flurform zwar in ganz Mitteleuropa zu finden, jedoch beschränkt auf große Gutshöfe. Typischer waren Kleinblockfluren, die im klein- und mittelbäuerlich geprägten Deutschland nach den Gewannfluren die häufigste Flurform darstellten. Kennzeichnend für diese Gemarkungen war ein unruhiges Bodenrelief, so dass die für den Ackerbau genutzten Flächen immer wieder von agrarökologischen Sonderstandorten unterbrochen war. Kleinräumige Restflächen, die als Grenzertragsflächen weniger intensiv genutzt wurden, konnten felsige Geländeteile, steile Hänge oder Tümpel sein. Aufgrund der relativ geringen Besiedlungsdichte in diesen Regionen war auch der Nutzungsdruck auf die einzelnen Parzellen geringer, sodass Landschaften mit einem sehr unregelmäßigen Lagemuster entstanden. Ähnlich wie bei den Gewannen wurde hier überwiegend eine Dreifelderwirtschaft praktiziert, die aber in der Regel nicht zelgengebunden war.

Blockgemengeflur

Eine Gemengelage von Nutzungsparzellen, bei der manche Flurblöcke ungeteilt, andere in kleinere Blöcke und weitere in Blockgewanne zerlegt worden sind. Zur Bildung von Blockgemengefluren kam es z.B. im Bergischen Land und im Siegerland.

(s. a. Flurform, Flurformentyp)

Blockgewannflur

Flurformentyp, bei dem blockartige Urfluren durch Erbteilung zu Blockgewannen (Kurzgewanne) werden.

(s. a. Gewannflur)

Blue Box

Etwa: Blaue Kategorie; innerhalb von GATT/WTO ein Katalog von Subventionsleistungen, die in der Höhe vom Produktionsvolumen abhängig sind und deren Wettbewerbsneutralität von den Handelspartnern bezweifelt wird und die die strengen Kriterien der Green Box nicht ganz erfüllen. Derartige Zahlungen haben nach GATT vorläufigen Charakter und sind bis 2003 von weiteren Kürzungen ausgenommen. Im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik sind die flächen- und tierbezogenen Preisausgleichszahlungen der blue box zuzuordnen sowie die deficiency payments der USA.

Bocage-Landschaft

Regionaltyp der westeuropäischen Heckenlandschaft. Er ist in den Streusiedlungsgebieten Nordwestfrankreichs (bretonisch-normannische Bocage), aber auch in weiten Teilen des Zentralmassivs verbreitet. Außerhalb Frankreichs treten solche geschlossenen Landschaftsstrukturen in Europa u.a. in Galizien, Großbritannien, Irland, Flandern, den Niederlanden, Schleswig-Holstein, im westlichen Dänemark und auf der skandinavischen Halbinsel auf.

(s. a. Knick)

Boden

1. In den Geowissenschaften synonym mit Pedosphäre. Danach ist Boden die an der Erdoberfläche entstandene, von Luft, Wasser und Lebewesen durchdrungene Verwitterungsschicht der Lithosphäre (Gesteinshülle) aus mineralischen und organischen Substanzen, welche sich unter Einwirkung aller Umweltfaktoren gebildet hat und die den Pflanzen als Standort und zur Ernährung dient. Boden existiert also im Durchdringungsbereich aller übrigen Sphären. Die Grenze zwischen Boden und Gestein ist meist unscharf. In Abhängigkeit vom jeweiligen Gestein, Relief, Klima und Alter der Landschaft bilden sich bestimmte Horizontkombinationen (Bodenprofile) aus. Boden ist als komplexes kybernetisches System mit ständig ablaufenden dynamischen Prozessen zu verstehen, die ihrerseits den Boden verändern.
Die Böden Mitteleuropas haben sich in den letzten 10.000 Jahren nach dem Ende der letzten Kaltzeit entwickelt. Sie haben eine mittlere Mächtigkeit von 80 cm, d.h. das Bodenprofil hat sich im Durchschnitt um 0,08 mm pro Jahr vertieft.

2. In den Wirtschaftswissenschaften ein Produktionsfaktor neben Arbeit und Kapital. Er ist Standort für wirtschaftliche Aktivitäten und Nutzungen der Landfläche sowie Träger von Rohstoffen. Hinsichtlich der optimalen Allokation seiner Nutzung (Welche Flächen sind für welche Funktionen am besten geeignet?) und hinsichtlich der Preisbildung nimmt Boden eine Sonderstellung unter den Produktionsfaktoren ein, die sich aus seiner Immobilität, seiner limitierten Vermehrbarkeit (Landgewinnung, Meliorationen, Baulanderschließung), seiner steuerlichen Sonderstellung gegenüber anderen Vermögenswerten sowie seiner qualitativen Eigenschaften und geographischen Lagemerkmale ergibt.
Der Boden ist nach G. Flemming wie die Arbeit ein originärer oder ursprünglicher Produktionsfaktor, im Gegensatz zu dem abgeleiteten Produktionsfaktor Kapital.

3. In der Landwirtschaft umfaßt der Produktionsfaktor Boden die Betriebsfläche des landwirtschaftlichen Betriebes. Dazu gehören die Hof- oder Gehöftflächen, die landwirtschaftlichen Nutzflächen, die Gewässer, der Wald und gegebenenfalls Anteile an der Allmende. Gleichzeitig ist Boden für die Landwirtschaft Produktionsstandort.
Wesentliches Charakteristikum von Boden im weiteren Sinne ist seine Multifunktionalität. Diese Aufgaben lassen sich in drei Gruppen einteilen:

  1. Ökologische Funktionen. Der Boden ist der Lebensraum für eine Vielzahl von Organismen, die Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen, ein effizientes Filter-, Puffer- und Speichersystem sowie ein biologisch-chemischer Reaktor (Abbau und Umsetzung von Streu- und Abfallsubstanzen, Transformation von Schmutz- und Schadstoffen, von organischen Bioziden, Freisetzung und Bindung von Nährstoffen und Bioelementen).
  2. Sozioökonomische Funktionen. Der Boden dient dem Menschen als Produktionsgrundlage für Nahrungs- und Futtermittel sowie pflanzliche Rohstoffe (Fasern, Öle, Heilmittel, Bau- und Brennstoffe). Im weiteren ist er eine Fläche für Siedlung, Produktion, Verkehr, eine Lagerstätte für Bodenschätze und Energiequellen, aber auch für Abfälle; er stellt auch eine Sachwertanlage dar.
  3. Immaterielle Funktionen. Der Boden ist ein prägendes Landschaftselement und trägt als solches zum Erlebnis- und Erholungswert der Landschaft bei; er stellt ferner ein Archiv der Natur- und Kulturgeschichte dar.
Flächennutzung Deutschland - Bodenfläche nach Nutzungsarten

1 Summe aus den Nutzungsarten: Gebäude- und Freifläche, Betriebsfläche (ohne Abbauland), Erholungsfläche, Verkehrsfläche und Friedhof.
Quelle: DESTATIS

Weitere Informationen:

Bodenansprüche

In einzelne Parameter differenzierbare Bedürfnisse der Kulturpflanzen an den Boden als Teilaspekt des gesamten für das Pflanzenwachstum wichtigen Naturpotentials.

Bodenansprüche1 verschiedener Kulturpflanzen

Quelle: nach Francke 1995

Bodenart

Oft synonym gebraucht zu: Bodentextur, Korngrößenzusammensetzung, Körnung; unter Bodenart versteht man die charakteristische Korngrößenverteilung von Gesteinsresten, Mineralen und Mineralneubildungen. Sie ist ein relativ konstantes Kriterium der Bodenbewertung. Man unterscheidet Feinboden (Teilchen < 2 mm) und Grobboden, das Bodenskelett (Teilchen > 2 mm). Der Feinboden wird in die Korngrößenfraktionen Sand, Schluff und Ton untergliedert.

Bodenbearbeitung

Gesamtheit der Maßnahmen zur Vorbereitung des Bodens für seine Funktion als Pflanzenstandort und dabei Schaffung von günstigen Wachstumsbedingungen von der Keimung bis zur Reife.

Ackerböden werden mechanisch bearbeitet. Das verbessert die Wachstumsbedingungen für Kulturpflanzen und die Fruchtbarkeit. Die Ertragsfähigkeit des Bodens wird erhalten und maximiert. Die intensivere landwirtschaftliche Produktion und der technische Fortschritt führen dazu, dass heute hochspezialisierte, leistungsstarke und schwere Maschinen (bis zu 60 Tonnen), Geräte und Transportfahrzeuge zum Einsatz kommen. Die landwirtschaftliche Bodenbearbeitung untergliedert sich allgemein in die Primär- beziehungsweise Grundbodenbearbeitung und in die Sekundärbodenbearbeitung. Bei der konventionellen Grundbodenbearbeitung wird der Boden krumentief (also die oberen 30 Zentimeter) gewendet, gelockert und durchmischt. Unkräuter und Pflanzenreste werden in den Boden eingearbeitet und Düngemittel gleichmäßig in der Ackerkrume verteilt. Die Sekundärbodenbearbeitung umfasst die Nachbearbeitung der obersten zehn Zentimeter und dient der Saatbettbereitung für die Kulturpflanzen in einem flachen Saathorizont.

Weiterlesen ►

Bodenbelastungen

Die hohe Besiedlungs- und Industriedichte z.B. in der Bundesrepublik Deutschland ist mit einer intensiven Beanspruchung des Bodens verbunden. Der Boden wird heute punktuell und flächenhaft, u.a. durch ehemalige Deponien und aufgegebene Produktionsanlagen (Altlasten), durch Luftschadstoffe und durch intensive Landwirtschaftsnutzung belastet und in seiner multifunktionalen Nutzbarkeit beeinträchtigt. Die Sanierung von zerstörten Bodenflächen und der vorbeugende Schutz des Bodens sind daher wichtige Aufgabenbereiche der Bundesregierung.
Während Altlasten eher punktuelle Bodenbelastungen darstellen, können flächenhafte Bodenbelastungen durch den Lufteintrag verschiedener Nutzungsbereiche (Industrie, Verkehr, Landwirtschaft), die direkte landwirtschaftliche Nutzung und durch die Flächeninanspruchnahme für Wohnen, Industrie, Gewerbe, Verkehr und sonstige Infrastruktur verursacht werden.
Durch die Landwirtschaft können Boden- und damit auch Grundwasserbelastungen insbesondere bei nicht fachgerechter Anwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie bei der Aufbringung von Siedlungsabfällen auftreten. Nährstoffüberschüsse und damit verbundene Gefahren zu hoher Nährstoffeinträge in Böden und Gewässer treten vor allem in Regionen mit einer hohen Viehdichte auf.
Die folgende Tabelle belegt für die letzten Jahre in einigen Bereichen eine Trendwende in der Nachfrage nach Agrarchemikalien.

Handelsdünger- und Pflanzenschutzmittelverbrauch in Deutschland

Quelle: LFL/LEL

Nicht-stoffliche Bodenbelastungen sind das Überbauen, Versiegeln, Zerschneiden oder Abtragen von Flächen in der Folge verkehrlicher und siedlungswirtschaftlicher Nutzung. Die für Wohnen, Industrie und Gewerbe, Verkehr und sonstige Infrastruktur beanspruchten Flächen betragen zwar nur 11,2 % der Gesamtfläche des Bundesgebietes, können aber örtlich 70 % und mehr erreichen.
Weitere nicht-stoffliche Bodenbelastungen sind Bodenverdichtung, Bodenerosion und Humusabbau infolge standortunangepaßter landwirtschaftlicher Bodennutzung. Auch die touristische Übernutzung von ökologisch empfindlichen Landschaften (z.B. der Alpen) kann zu Erosion und Bodenverdichtung führen.

Stoffliche Bodenbelastungen und ihre Wirkungen

Quelle: ARUM: Raumordnung und Extensivierung, i.A. des Bundesministeriums für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Bonn 1990

Anders als bei den Umweltmedien Wasser und Luft hat der Boden erst 1985 mit der Bodenschutzkonzeption der Bundesregierung, dem anschließenden "Bericht der Bundesregierung an den Deutschen Bundestag über Maßnahmen zum Bodenschutz" und das Bundesbodenschutzgesetz von 1998 die Bedeutung und Schutzwürdigkeit als eigenes Umweltmedium erhalten. Inzwischen wurden von der Bundesregierung Maßnahmen zum Bodenschutz in eine Reihe von Rechtsnormen integriert, u.a. in die Klärschlammverordnung von 1992, die entscheidende Verschärfungen der Standards von Klärschlämmen enthält.
Auch wenn der Boden als eigenständig zu schützendes Gut anerkannt ist, so wurden doch durch die sogenannten Beschleunigungsgesetze neue Verhältnisse geschaffen, die mit den Zielen der Bodenschutzkonzeption nicht ohne weiteres vereinbar sind.
Zwar sind Böden durch ihre Leistungen und Nutzungen Ressourcen, die dazu beitragen, das Überleben der Menschheit zu sichern und Böden sind somit im ökonomischen Sinne Güter von globaler Bedeutung. Aber noch immer stehen für die Stellung der Böden in einer umweltökonomischen Gesamtrechnung keine fertigen Konzepte zur Verfügung. Auch fehlt eine Definition des bodenökonomischen Gesamtwertes.

Bodenbesitzreform

Siehe Bodenreform

Bodenbewertung

In Deutschland wurde 1934 ein "Gesetz über die Schätzung des Kulturbodens" verabschiedet und 1965 in den alten Bundesländern durch das "Bewertungsänderungsgesetz" ergänzt. Es ist Grundlage für eine gerechtere Besteuerung der Landwirtschaft, sinnvolle Bodennutzungsplanung, für eine gerechte Bewertung im Rahmen von Beleihungen, Grundstückskäufen, Enteignungen, Entschädigungen bei Nutzungsausfällen von naturschutzwürdigen und daher extensiv zu bewirtschaftenden Flächen u.ä.
Die Bodenschätzung erfolgte im gesamten Reichsgebiet bei Geländebegehungen mit 1 m-Bohrungen im 50 m-Abstand und Aufgrabungen im Beisein ortskundiger Landwirte durch amtlich bestellte Bodenschätzer nach einem relativ einfachen Bewertungsschlüssel.
Während die Bodenschätzung in den alten Bundesländern durch vom Finanzamt bestellte Bodenschätzer bis heute fortgeführt wurde, liegt sie in den neuen Bundesländern teilweise mehr als 50 Jahre zurück.
Nach heutigem Verfahren werden die Bodeneigenschaften eines Ackerstandortes durch die Bodenzahl bewertet, eine zusätzliche Berücksichtigung von Klima und Relief ergibt die Ackerzahl.
Zur Bestimmung der Bodenzahl werden folgende Faktoren herangezogen:

Je nach diesen drei Faktoren haben die Böden im Ackerschätzungsrahmen bestimmte Wertzahlen - eben die Bodenzahlen - mit mehr oder weniger großen Spannen erhalten. Die Bodenzahlen sind Verhältniszahlen, sie reichen von 7 - 100 (das Optimum liegt bei einigen Schwarzerden der Magdeburger Börde). Das heißt, die jedem Grundstück zugewiesenen Bodenzahlen geben an, in welchem Verhältnis der Reinertrag des geschätzten Grundstückes zum Reinertrag des Bodens mit der Wertzahl 100 liegt. Als Bezugsgrößen wurden die folgenden Klima- und Geländeverhältnisse sowie betriebswirtschaftlichen Bedingungen festgelegt: 8 °C mittlere Jahrestemperatur, 600 mm Niederschlag, ebene bis schwach geneigte Lage, annähernd optimaler Grundwasserstand, weiterhin die betriebswirtschaftlichen Verhältnisse mittelbäuerlicher Betriebe Mitteldeutschlands.
Weichen die Klima- und Geländeverhältnisse von den angeführten Bezugsgrößen ab, so werden an den Bodenzahlen Zu- oder Abschläge vorgenommen. Auf diese Weise erhält man die Ackerzahl als Maßstab für die durch Ertragsfähigkeit und natürliche Ertragsfaktoren bedingte Ertragsleistung.

Beispiel für das gesamte Schätzungsergebnis eines Bodens
L4Al65/70 = Lehmboden, Zustandsstufe 4, Alluvium, Bodenzahl 65, Ackerzahl 70

Bei der Bewertung des Grünlandes wird die Beurteilung nach Bodenart und Zustandsstufe beibehalten, jedoch weniger differenziert, das Ergebnis ist die Grünlandzahl.
Aus dem Verhältnis der Anteile des landwirtschaftlichen Betriebes an verschieden wertigem Acker- und Grünland ergibt sich die Ertragsmeßzahl (EMZ) des Betriebes. Dabei werden die einzelnen bewerteten Parzellen für den gesamten landwirtschaftlichen Betrieb in Ar (a) mit der Acker- bzw. Grünlandzahl multipliziert.
Die Ergebnisse der Bodenschätzung liegen für das gesamte Bundesgebiet in Schätzungsbüchern und Schätzungskarten unterschiedlicher Maßstäbe bei den zuständigen Finanzämtern vor.
Die ermittelte Bodenbewertung muß nicht notwendigerweise mit den erwirtschafteten Erträgen korrelieren. So kann auf einem sandigen, also "schlechten" Boden beim Anbau von Spargel ein hoher Erlös erzielt werden. Auch muß für eine optimale Nutzungsplanung zum Schätzungsergebnis noch die Profilbeschreibung sowie eine Analyse der weiteren Standortfaktoren (Durchwurzelbarkeit, Wasser-, Luft-, Wärme- und Nährstoffverhältnisse) kommen.
Für Obststandorte besteht ein Bewertungsschema, das auf Bodenansprachen (Gründigkeit, Bodenart, Kalkgehalt) und Aufnahme der Wildflora fußt und außerdem Exposition und Inklination sowie Wärme und Spätfrostgefährdung berücksichtigt. Zur Beurteilung von Rebstandorten dienen 8 Standortstufen mit den Kriterien Ausgangsgestein, Bodenart, Stein- und Kalkgehalt, nutzbare Feldkapazität, (auch Klima- und Reliefparameter berücksichtigender) ökologisch wirksamer Feuchtegrad und Wärmeverhältnisse.

Bodenbewirtschaftungsreform

Eine Vielzahl von Maßnahmen, die die Nutzungsmethoden im Rahmen der Landwirtschaft ändern sollen. Wesentliches Ziel ist, durch Beratung und Ausbildung den Landwirten neue Wege zu öffnen, ihre Betriebe zu reorganisieren oder zumindest die Bodennutzung zu verändern, um eine höhere Produktivität zu erreichen. Entsprechende Maßnahmen sind u.a.:

(s. a. Agrarreform, Bodenreform)

Bodendegradation

Auch Bodendegradierung genannte dauerhafte oder irreversible Veränderung der Strukturen und Funktionen von Böden oder deren Verlust, die durch physikalische und chemische oder biotische Belastungen durch den Menschen entstehen und die Belastbarkeit der jeweiligen Systeme überschreiten.
Solche negativen Eingriffe äußern sich in bestimmten "Krankheitsbildern" oder "Syndromen", welche sich aus Symptomen wie Winderosion u.a. zusammensetzen (vgl. Tabelle unten Prozesse ...). Vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen werden plakativ zwölf anthropogene "Bodenkrankheiten" zusammengestellt, die sich an einem ausgewählten geographischen Brennpunkt oder einer markanten Begleiterscheinung orientieren.

Zwölf Syndrome der Bodendegradation:

  1. Wandel in der traditionellen Nutzung fruchtbarer Böden: "Huang-He-Syndrom"
  2. Bodendegradation durch industrielle Landwirtschaft: "Dust-Bowl-Syndrom"
  3. Überbeanspruchung marginaler Standorte: "Sahel-Syndrom"
  4. Konversion bzw. Übernutzung von Wäldern und anderen Ökosystemen: "Sarawak-Syndrom"
  5. Fehlplanung landwirtschaftlicher Großprojekte: "Aralsee-Syndrom"
  6. Ferntransport von Nähr- und Schadstoffen: "Saurer-Regen-Syndrom"
  7. Lokale Kontamination, Abfallakkumulation und Altlasten: "Bitterfeld-Syndrom"
  8. Ungeregelte Urbanisierung: "São-Paulo-Syndrom"
  9. Zersiedelung und Ausweitung von Infrastruktur: "Los-Angeles-Syndrom"
  10. Bergbau und Prospektion: "Katanga-Syndrom"
  11. Bodendegradation durch Tourismus: "Alpen-Syndrom"
  12. Bodendegradation infolge militärischer Einrichtungen: "Verbrannte-Erde-Syndrom"

Die ursachenbezogene Aufgliederung des Gesamtphänomens "Bodendegradation" in global oder regional verbreitete Komponenten ist nicht vollkommen scharf, gewisse Syndrome treten stellenweise gemeinsam auf.

Prozesse der Bodendegradierung

Quelle: Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre", 1994 (ergänzt)

Die Erde verfügt nur noch über wenige (bisher nicht genutzte) zusätzliche Flächen; praktisch alle fruchtbaren oder wenigstens durch extensive Weidewirtschaft nutzbaren Areale der Erde werden bereits vom Menschen bewirtschaftet (insgesamt 1,3 Mrd. Hektar). Nachdem Ertragssteigerungen durch Düngung und Einsatz von Pestiziden ökologische Grenzen gesetzt sind, erlauben künftig nur neue Züchtungen und eine nachhaltige Bodenbewirtschaftung eine höhere Nutzung der Böden.
Punktuell können sich als Folge von Bodendegradation und Desertifikation soziokulturelle Konflikte (z.B. Viehhalter vs. Ackerbauern) verschärfen und zu innen- und außenpolitischen Problemen führen.
Die Bodendegradation als wichtiger Bestandteil des "globalen Wandels" ist bislang (1996) weder in Industrie- noch in Entwicklungsländern ausreichend bewußt geworden. Immerhin gehen jährlich fünf bis acht Millionen Hektar kultiviertes Land alleine durch Versalzungs- und Erosionsprozesse verloren. In der Agenda 21 findet sich die Thematik Bodenschutz nur verstreut in mehreren Kapiteln, nicht in gebündelter Form.

Typologie der Ursachen anthropogener Bodendegradation in Mio. ha

Quelle: Oldeman 1992

(s. a. Landdegradation, Wüstenkonvention)

Bodenerosion

Bodenerosion ist ein an vielen Stellen der Erde auftretender natürlicher Vorgang, unter dem man den Abtrag von Bodenmaterial auf der Erdoberfläche durch Wind oder Wasser versteht. Dieser Prozess tendiert daraufhin, Unterschiede im Schwerkraftpotential der Bodenkörner durch Einebnung des Reliefs auszugleichen. Trotz der Bedeutung der Schwerkraft wird erodiertes Material oft über beträchtliche horizontale Distanzen verfrachtet, insbesondere bei der Winderosion.

Durch verschiedene Formen der Landnutzung können Erosionsprozesse verstärkt oder durch diese an bestimmten Standorten erst ausgelöst werden. In der Kulturlandschaft ist Erosion unerwünscht, da sie den Oberboden und damit den fruchtbarsten Teil des Bodens erfasst. Ein Boden ist um so erosionslabiler, je geringer seine Kohäsion und je feiner seine Körnung ist. Besonders erosionsgefährdet sind daher unverkittete Schluff- und Feinsandböden.

Weiterlesen ►

Bodenfruchtbarkeit

Teilweise auch Ertragsfähigkeit oder Bodenproduktivität; wissenschaftlich unklarer Begriff, unter dem man üblicherweise die Fähigkeit des Bodens versteht, die Pflanzen kontinuierlich und ausreichend mit Wasser, Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen, ihnen eine gute Durchwurzelbarkeit zu bieten und so optimale Erträge bei geringen Ertragsschwankungen zu bedingen. Als Maß für die Bodenfruchtbarkeit dient gewöhnlich der Ertrag unter festgelegten Rahmenbedingungen. Da jedoch der Ertrag nicht alleine vom Boden bestimmt wird, sondern vom Zusammenwirken aller Standortfaktoren mit dem jeweiligen Bewirtschaftungssystem, kann ein Experiment niemals die Fruchtbarkeit eines Bodens an sich bestimmen, sondern je nach Gestaltung nur einzelne, die Bodenfruchtbarkeit bestimmende Faktoren oder Prozesse.
Aus der Sicht des Bodenschutzes sind heute nicht mehr allein die Merkmale "Fruchtbarkeit und Produktivität" ausschlaggebend, sondern es sind auch die ökologischen Aufgaben des Bodens in ihrer Bedeutung für den Kreislauf der Natur zu berücksichtigen.
Die natürliche Bodenfruchtbarkeit ist das Ergebnis sehr unterschiedlicher Gegebenheiten und Abläufe. Von Natur aus haben sich fruchtbare und weniger fruchtbare Böden entwickelt - abhängig vom Ausgangsgestein, dem Klima, der Verwitterungszeit und der Vegetation.

Die wichtigsten Merkmale fruchtbarer Böden sind:

Der Wissenschaft ist es gegenwärtig noch nicht möglich, die Wirkung der Bodenfruchtbarkeit auf die Pflanzenproduktion und auf die Umwelt so zu beschreiben, daß verläßliche Voraussagen und daraus sichere Anweisungen für praktisches Handeln möglich wären.

Bodengare

Bei Kulturböden verwendete Bezeichnung für den für das Pflanzenwachstum günstigsten Zustand des Bodens. Die Gare wird bedingt durch hohe biologische Aktivität der Bodenlebewesen und die Krümelstruktur des Bodens. Voraussetzungen sind: krümelfähiger Boden, z.B. Lehm, ausreichender Humusgehalt von ca. 2 %, neutrale Bodenreaktion, optimales Porenvolumen, ausreichende Wasserversorgung, möglichst ganzjährige Pflanzenbedeckung. Als bestes Beispiel für garen Boden gilt ein frischer Maulwurfshügel im Grünland.

Bodengefüge

Bezeichnung für den inneren räumlichen Bau des Bodens. Der Begriff ist teilweise identisch mit dem früher gebräuchlicheren Begriff Bodenstruktur. Das Bodengefüge ist eine der wichtigsten fruchtbarkeitsbestimmenden Bodeneigenschaften. Man unterscheidet nach der Art der räumlichen Anordnung der festen Bodenbestandteile, die zwischen sich einen unterschiedlich großen Porenraum einschließen, zwischen dem mit dem Mikroskop erkennbaren Mikrogefüge und dem mit dem bloßen Auge zu beurteilenden Makrogefüge.
Im Bereich des Makrogefüges unterscheidet man nach dem Grad des Zusammenhalts der Bodenpartikel und nach der Art der Verklebung und/oder Absonderung:

Das Krümelgefüge, ein Untertyp des Aggregatgefüges, gilt als das erstrebte Gefüge des Saatbettes und der Ackerkrume. Es gewährleistet einen für höhere Pflanzen und Bodenlebewesen günstigen Wasser- und Lufthaushalt. Die Pflanzenwurzeln können sich ungehindert entfalten und die Nährstoffaufnahme sicherstellen. Diese Funktionen kann das Krümelgefüge besonders gut ausüben, wenn Krümel aller Größen vorliegen und dadurch ein günstiges Hohlraumsystem gegeben ist, und ferner, wenn die einzelnen Krümel stark porös und stabil gegen Regenaufschlag sind. Dadurch wird der Regen rasch aufgenommen und Verschlämmung sowie Bodenabtrag weitgehend verhindert. Eine ähnlich positive Wirkung besitzt das Wurmlosungsgefüge, ebenfalls ein Untertyp des Aggregatgefüges.
Der wesentliche Baustoff für die Krümel ist der Humus. Er wirkt direkt durch Verklebung der gröberen Bodenteilchen und indirekt durch die von ihm lebenden Mikroorganismen, welche die Bodenmasse ebenfalls verkleben. Austauschstarke Tonsubstanz mit großer spezifischer Oberfläche fördert die krümelige Aggregierung stärker als austauschschwache.
In der Natur liegt ein Gefüge, das der Forderung nach genügend Grobporen für ausreichende Belüftung in Zeiten des Wasserüberschusses und genügend Mittelporen zur Erhaltung eines großen Wasservorrates entspricht, am häufigsten in Lößböden vor. Das ist vor allem in Schwarzerden aus Löß der Fall und ist einer der wesentlichsten Gründe für deren hohen Bodenzahlen von 90 - 100 in der Reichsbodenschätzung.

Verschlechterungen des Bodengefüges treten insbesondere im Ackerbau durch die mechanischen Eingriffe der Bodenbearbeitung und Befahrung auf. Die lockernde Bodenbearbeitung führt zu einer Unterbrechung der wasserführenden Poren und setzt die Tragfähigkeit des Bodens herab. Die Befahrung kann je nach Bodenzustand, Witterungsverhältnissen und Bodendruck, der von Reifenart und Radlast abhängig ist, zu erheblichen Bodenverdichtungen führen. Beides zusammen, Unterbrechung der wasserführenden Poren und Verdichtungen, vermindern die Infiltrationsrate und das Porenvolumen des Bodens. Die Folgen sind neben verminderter Bodenfruchtbarkeit eine erheblich höhere Erosionsgefahr, insbesondere bei Böden mit hohem Schluffgehalt, die zu Verschlämmungen neigen.

Bodenhilfsstoffe

Nach dem Düngemittelgesetz sind Bodenhilfsstoffe "Stoffe ohne wesentlichen Nährstoffgehalt, die den Boden biotisch, chemisch oder physikalisch beeinflussen, um seinen Zustand oder die Wirksamkeit von Düngemitteln zu verbessern, insbesondere Bodenimpfmittel, Bodenkrümler, Bodenstabilisatoren, Gesteinsmehle".
Synthetische Gefügebildner beispielsweise können durch ihre netzartige Verklebung ein bereits vorhandenes Bodengefüge stabilisieren oder so fixierte Bodenoberflächen vor Wind- und Wassererosion schützen.

Styromull und Hygromull sind weitere synthetische Produkte, die keine Verbindung mit dem Boden eingehen, wohl aber als Flocken in den Boden eingemischt sein Filtergerüst verbessern. Während Styromull weitgehend abbauresistent zur Bodenauflockerung eingesetzt wird, ist Hygromull mikrobiell langsam abbaubar. In gärtnerischen Kultursubstraten, im Landschafts- und Kulturbau, zur Bodenauflockerung und als Filterstoffe werden diese Produkte eingesetzt.

Bodenhorizonte

Meist oberflächenparallel verlaufende, durch bodenbildende Prozesse entstandene, einheitliche Merkmale aufweisende Bereiche im Boden, wie sie dem Betrachter bei der Anlage eines Bodenprofils auffallen: sie sind streng von "Schichten" im geologischen Sinne zu unterscheiden.
Es wird nach folgenden Haupthorizonten differenziert:

Über dem A-Horizont findet sich häufig ein Auflagehorizont (O) mit einem hohen Anteil organischen Materials und darüber eine Streuauflage (L) aus wenig zersetzter Pflanzensubstanz.

Bodenkolloide

Bodenkolloide sind alle mineralischen (Tonminerale, pedogene Oxide und Hydroxide) und organischen (vorwiegend Huminstoffe) Bodenpartikel < 2mm. Kolloide bilden keine in sich geschlossene, chemisch definierte Stoffgruppe. Die Bodenkolloide sind bodenchemisch sehr aktiv und verfügen über eine im Verhältnis zum Volumen große Oberfläche. Sie sind in der Regel negativ geladen und übernehmen die Funktion von Austauschern, was für die Nährstoffspeicherung von hoher Bedeutung ist. Kolloide spielen auch bei der Verlagerung von Stoffen mit dem Sickerwasser eine wichtige Rolle, weil sie in feinste Teilchen peptisieren können, aber bei einer Änderung des pH-Wertes mit der Tiefe auch sofort wieder ausflocken und sich so in tieferen Bodenhorizonten anreichern.

Bodenlebewesen

Die Gesamtheit der im Boden lebenden Organismen wird als Edaphon bezeichnet und in Bodenflora (Bakterien, Pilze, Algen, unterirdische Pflanzenorgane) und Bodenfauna (Protozoen, Nematoden, Mollusken, Anneliden, Arthropoden) unterteilt. Eine grobe Einteilung des Edaphons in Mikroflora, Mikro-, Meso- und Makrofauna ist aufgrund der Körpergröße der Organismen möglich. Mikroflora und Mikrofauna bilden zusammen die Gruppe der Mikroorganismen. Die oberirdischen Pflanzenteile stellen aufgrund ihrer Syntheseleistung die Produzenten von organischem Material dar, während viele Bodentiere die ersten Konsumenten (Destruenten) der Pflanzenmasse sind. Bakterien und Pilze wandeln als Reduzenten im letzten Glied dieser Nahrungskette den organischen "Abfall" schließlich zu anorganischen Endprodukten um. Die Stellung jeder Organismengruppe in dieser Abfolge wird als trophische Stufe bezeichnet. Im Stoffkreislauf baut jede Organismengruppe das Substrat weiter ab und gewinnt dabei Energie und Baustoffe für die Produktion ihres Körpers.

Leistungen der Bodenlebewesen:

Unter den zahlreichen im Boden vorkommenden Tieren haben die grabenden edaphischen Arten die stärkste Wirkung auf das Bodengefüge.
Durch die Grabtätigkeit von Regenwürmern und einigen Insektenlarven entstehen im Boden Röhren und Hohlräume. Diese führen dem Boden Luft zu, leiten Oberflächenwasser ab und helfen mit, die Erosion zu verringern. Die Röhren sind auch vorzügliche Wurzelräume und schließen den Unterboden für die Pflanzen auf. Wegen ihrer langjährigen Stabilität in gut belebten Böden können bis zu 400 Regenwurmröhren pro Quadratmeter ausgezählt werden, die Tiefen von 50 bis 70 cm, z.T. auch von einem Meter und mehr erreichen können. Die durch Regenwürmer alljährlich an die Oberflächen von Grasland gebrachten Bodenmengen werden auf 1 kg/m² beziffert. Dazu kommen nahezu 25 kg/m² Wurmkot im Bodeninneren. In alten Grünlandböden können die oberen Zentimeter fast ausschließlich aus Wurmkot bestehen.
Viele Tierarten können nicht selbst im Boden graben, sie besiedeln verlassene Regenwurmröhren und Hohlräume, die bei der Bodenbearbeitung entstanden sind. Dort ernähren sie sich von eingebrachten Pflanzen- und Tierresten, Kot, Algen, Pilzen und Bakterien. Sie kleiden die Hohlräume mit einer stabilen, krümeligen und porösen Schicht aus Kot und eingemengten Mineralbodenteilchen aus. Hier finden die Wurzeln Nährstoffe und Wasser.
Die wichtigsten Gruppen von Bodenlebewesen sind in extrem hohen Populationsdichten und in einer großen Artenvielfalt anzutreffen. Da in Ackerböden der Gehalt an organischer Substanz geringer ist als in der Krume von Wiesenböden, ist die Besiedlungsdichte von Bodenorganismen auf Grünland entsprechend höher.

Die Biomasse aller Bodenorganismen macht im Durchschnitt bei unseren landwirtschaftlich genutzten Böden etwa fünf Prozent der organischen Substanz aus. Das Gesamtgewicht des Bodenlebens pro Quadratmeter und 30 cm Tiefe beträgt auf Wiesenböden demnach etwa 1 kg. Übertragen auf einen Hektar entspricht dies dem Gewicht von 20 Großvieheinheiten.

Individuenanzahl und Biomasse der Lebewesen auf einem Quadratmeter Wiesenboden

1 mit bloßem Auge nicht sichtbar
2 mit bloßem Auge sichtbar
Quelle: LBP: Bodenfruchtbarkeit erhalten - Das Bodenleben schonen, 1992

Bodenlösung

Bodenwasser mit darin gelösten Substanzen. Art und Konzentration ist vom Niederschlagswasser, Ionenaustauschvorgängen mit der Bodenmatrix und Wurzeln sowie von Auswaschung abhängig.

Bodenluft

Bodenluft ist Voraussetzung für die Atmung der Pflanzenwurzeln und der Kleinstlebewesen. Sie ist als Wachstumsfaktor so wichtig wie das Wasser. Die Zusammensetzung der Bodenluft weicht wegen der Atmung von derjenigen der Atmosphäre (20,95 Vol% O2, 0,03 Vol% CO2) deutlich ab. Sie enthält durchschnittlich etwa 20 Vol% O2 und 0,2 bis 0,7 Vol% CO2. Mit einer Verlangsamung des Pflanzenwachtums ist zu rechnen, wenn der O2-Gehalt unter 10 % sinkt oder der CO2Gehalt über 5 % steigt. Das bei der Atmung der Pflanzenwurzeln und der Bodenlebewesen ausgeschiedene Kohlendioxid muß also aus dem Boden heraus- und sauerstoffreiche Luft für deren Bedürfnisse hineinströmen können. Dieser Gasaustausch zwischen Boden und Atmosphäre, die sogenannte Bodenatmung, funktioniert nur bei durchlässigen, nicht aber bei verdichteten Böden.

Bodenmelioration

Siehe Melioration

Bodenmüdigkeit

Bodenmüdigkeit beschreibt den Zustand des Bodens bei der Kultivierung von Pflanzen, wenn das Wachstum bzw. die Erträge im Laufe der Zeit zurückgehen, wobei auch allgemeine Düngemaßnahmen nicht Abhilfe schaffen. So gilt Bodenmüdigkeit als Ausdruck verminderter Bodenfruchtbarkeit.

Die Bodenmüdigkeit ist in der Regel das Ergebnis verminderter Anteile der Spurenelemente infolge ununterbrochener (insbesondere monokultureller) Anbaunutzung desselben Standortes, einer Zunahme von Krankheitserregern und schädlicher pflanzlicher Stoffwechselprodukte (z.B. Wurzelausscheidungen) oder Veränderungen in der Zusammensetzung der Bodenlebewesen.

Sie tritt im Ackerbau, im Gemüseanbau und auch bei der Anzucht von Zierpflanzen, Sträuchern und im Obstanbau auf. So wachsen alle möglichen Pflanzen an einem Standort, aber die gewünschten, die früher an der Stelle gut wuchsen, gedeihen kaum noch oder verkümmern; es gibt beispielsweise den Begriff Rosenmüdigkeit, Kartoffelmüdigkeit bzw. „rosenmüder Boden“, der dieses Phänomen treffend beschreibt.

Bodennutzungserhebung

In Deutschland die regelmäßige, unter Aufsicht des zuständigen Bundesministeriums durchgeführte Repräsentativerhebung über die Art der Bodennutzung im land- und forstwirtschaftlichen Bereich.

Bodennutzungssystem

Einteilungsschema zur Kennzeichnung der gesamten, langfristig angelegten Bodennutzung eines landwirtschaftlichen Betriebes, einer Gemeinde oder eines Agrargebietes nach dem Anteil der einzelnen Nutzpflanzen bzw. Kulturarten an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. In den gemäßigten Zonen werden alle vorkommenden Kulturpflanzen einschließlich des Dauergrünlandes in eine der vier Gruppen Futterbau (Dauergrünland und Feldfutter), Getreide, Hackfrüchte (Hackfrüchte, Feldgemüse) und Sonderkulturen (meist Dauerkulturen) eingereiht. Die Bestimmung des Bodennutzungssystems erfolgt dann nach der Leitkultur und der Begleitkultur.

Auch besondere Formen dieser Nutzungsarten sind als Bodennutzungssystem zu verstehen: Dreifelderwirtschaft, Fruchtwechselwirtschaft, Extensivweide usw.

Ein Bodennutzungssystem entsteht als Folge der Gesamtheit aller Eingriffe und Maßnahmen, die zum Zwecke der Pflanzenproduktion vorgenommen werden.

Jedes Bodennutzungssystem ist damit ein vom Menschen modifiziertes Ökosystem. Es wird von natürlichen, ökonomischen, technologischen und soziokulturellen Faktoren bestimmt und sollte produktiv, ertragsstabil und nachhaltig sein. Im Vordergrund steht die Nutzung und Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Eine Wertung ist gegenwärtig nur für Teilbereiche möglich: Dazu gehören agrochemische Kennziffern wie Humus- und Nährstoffgehalt, pH-Wert sowie agrophysikalische Parameter wie Lagerungsdichte und Infiltrationsvermögen.

Mitteleuropäische Bodennutzungssysteme mit ackerbaulicher Komponente
in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Quelle: Becker 1998

Bodenorganismen

Siehe Bodenlebewesen

Bodenprofil

Senkrechter Schnitt durch die Bodenschicht von der Oberfläche bis zum anstehenden Gestein. Das Bodenprofil ist i.d.R. nur nach Aufgrabung einer Profilgrube oder Auffrischung einer Profilwand (Steinbruch, Kiesgrube, Weganschnitt) sichtbar. Es zeigt die Abfolge der durch bodengenetische Prozesse hervorgegangenen Bodenhorizonte und erlaubt die Bestimmung von Bodentyp und weiterer Bodenparameter.

Bodenprofil einer Parabraunerde aus Löß
Horizont-
Bezeichnung
Beschreibung
Ap

Pflughorizont/Ackerkrume: durch ständige Bearbeitung homogenisierter Oberbodenhorizont; häufig mit eingepflügten Teilen des darunter liegenden Horizonts; oft scharfe Untergrenze durch die "Pflugsohle" (p von Pflughorizont)
Al Fahl-/Tonauswaschungs-/Eluvial-/Lessivierungshorizont (l von lessiver = auswaschen)
Bt Brauner Tonhäutchenhorizont, Tonausfällungs-/Illuvialhorizont (t von Ton)
Bvt Verbraunungs-/Braunhorizont (v von verwittern), braune Farbe durch Verwitterung; mit Ton angereichert
Cv schwach verwitterter Übergangshorizont zum mineralischen Unterboden (v von verwittern)

Bodenreaktion

Die Bodenreaktion ist die im pH-Wert ausgedrückte aktuelle Wasserstoffionen-Konzentration in der Bodenlösung. Sie beeinflußt Vorkommen und Ausmaß bodenbildender Prozesse, die Verfügbarkeit von Pflanzennährstoffen, die biotische Aktivität, die Gefügebildung u.a. Bodeneigenschaften. Die zur Entstehung des jeweiligen Säuregrades führenden H-Ionen haben folgende Quellen und Ursachen:

(s. a. Bodenversauerung)

Bodenreform

Eine Reform der Agrarsozialstruktur unter Einschluß einer Änderung der Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden. Maßnahmen zur Veränderung der Besitzstruktur können durch Enteignungen, freiwilligen Landverkauf oder Landschenkung erzielt werden. Unterscheidbar sind einerseits Reformen, die von unten durch Maßnahmen, die von Bauerngruppen, z.B. durch Besetzung von Flächen, erreicht werden und andererseits die Reformen von oben, bei denen durch revolutionäre Veränderungen, z.B. Regierungswechsel, oder durch geplante Maßnahmen von Regierungen neue Agrarstrukturen geschaffen werden.
Bodenreformen lassen sich auf drei Grundtypen zurückführen, die als Reinform oder als Mischform auftreten können:

  1. Schaffung individualwirtschaftlicher Familienbetriebe, oft gekoppelt mit dem Versuch, Bauern zu freiwilligem Zusammenschluß in Genossenschaften zu bewegen.
    Es werden Besitzgrößen angestrebt, die einer Familie ein "ausreichendes" Einkommen aus der Landwirtschaft sichern. Dieses kann sich z.T. an relativ hohen Einkommensmaßstäben (Lateinamerika) orientieren oder auch am Existenzminimum (afrikanische und asiatische Entwicklungsländer).
    Bodenreformen dieses Typs, die nennenswerte Flächenanteile des privaten Landbesitzes betrafen und größere Bevölkerungsanteile begünstigten, wurden nur in Japan (ab 1946), Südkorea (ab 1945), Taiwan (1949-53) und in Ägypten (ab 1952) durchgeführt.
  2. Zusammenschluß der Landbevölkerung zu Produktionsgenossenschaften (kollektiver Landbesitz und gemeinsame Landbewirtschaftung) sowie Anlage großer Staatsbetriebe mit Lohnarbeitsverfassung.
    Die Einführung sozialistischer Agrarsozialreformen - wenn auch in weiten Teilen der Erde bereits wieder Historie - begann mit der Umgestaltung der Landwirtschaft in der früheren UdSSR (ab 1928). Es folgten Mongolei (ab Anfang 30er Jahre), Ostdeutschland und östliches Europa (ab 1945), Nordkorea (ab 1946), China (ab 1949), Nordvietnam (ab 1954), Kuba (1959), Algerien (ab 1972), Kambodscha-Laos (ab 1975), Äthiopien (ab 1975), Südjemen (ab 1978). Produktivitätshemmende Effekte von unflexibler Planung, Überbürokratisierung und Unterdrückung bäuerlicher Privatinitiative waren und sind (Kuba, Nordkorea) überdeutlich.
  3. Kollektivistische Reformen in Anlehnung an traditionelle Agrarverfassungen.
    Dieser Typ ist vor allem in Mexiko (ab 1917; Schaffung von Ejidos) und Tansania (ab 1967; Ujamaa-Konzept) verwirklicht.

Mischformen der Bodenreform sind besonders in Peru realisiert, wo die 1969 begonnene Agrarreform versuchte, individualwirtschaftliche, sozialistische und traditionell-kollektivwirtschaftliche Elemente zu verbinden.
Die im Herbst 1945 einsetzende Bodenreform auf dem Gebiet der sowjetisch besetzten Zone (SBZ) hatte sowohl ideologische Gründe wie auch Ursachen, die in der Notlage der Bevölkerung (Einheimische und Flüchtlinge) und der darniederliegenden Nahrungsmittelproduktion lagen. Unter der Losung "Junkerland in Bauernhand" wurden alle Eigentümer von Betrieben über 100 ha Größe und der Grundbesitz von "aktiven Nazis und Kriegsverbrechern" entschädigungslos enteignet. Dabei mußten alle Besitzer ihre Höfe und Heimatkreise in oftmals kürzester Zeit verlassen, die Räumung erfolgte häufig mit großer Brutalität.
Zum Abschluß der Bodenreform waren 3,3 Mio. ha Land (einschl. 1 Mio. ha Wald) dem staatlichen Bodenfonds zugeführt worden. Damit waren über 50 % der landwirtschaftlichen Nutzflächen, und das stark konzentriert in den nördlichen Ländern, in die Bodenreform einbezogen worden.

Anteile des Bodenreformlandes an der land- und forstwirtschaftlichen Gesamtfläche nach Ländern
Mecklenburg-Vorpommern 54 % Brandenburg 41 % Sachsen-Anhalt 35 %
Sachsen 24 % Thüringen 15 %

Aus dem Bodenfonds gingen die späteren Volkseigenen Güter (VEG) mit ca. 1,1 Mio. ha Land hervor. Die weitere Aufteilung kann der folgenden Tabelle entnommen werden.

Die Empfänger von Land aus dem staatlichen Bodenfonds der Sowjetisch Besetzten Zone
(Stand 1.1.1949)

Quelle: Merkel und Schuhans 1963

Bei Preisen von 200 RM für einen Sack Kartoffel oder 100 RM für ein Brot konnten die Neubauern zunächst überleben, auf längere Sicht waren die Betriebe mit durchschnittlich 8 ha zu klein ausgelegt. Die Mehrzahl konnte später wegen der schwachen wirtschaftlichen Basis um so leichter in die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften gezwungen werden.
Demgegenüber gab es auf dem Gebiet der früheren Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg lediglich Ansätze zu einer Bodenreform, die Betriebe mit über 100 ha betraf.

(s. a. Agrarpolitik)

Bodenschutz

Sämtliche Maßnahmen, die den Boden als Fläche, in seiner Substanz, seiner Produktivität und seinen (ökologischen) Funktionen erhalten, Bodenbelastungen vermindern oder verhindern und eine ökologisch schonende Bodennutzung fördern. (Bundesbodenschutzgesetz)

1999 empfahl die Enquete Kommission „Nachhaltiges Deutschland“ den täglichen Flächenverbrauch auf 30 ha im Jahr 2020 zu begrenzen. Flächenverbrauch  bedeutet die Inanspruchnahme oder Überbauung von Böden durch Siedlung und Verkehr. Zu diesem Ziel bekennt sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag. Doch die seit 2008 von über 100 ha je Tag abnehmende Tendenz sinkt nicht deutlich genug, um das Ziel zu erreichen. 2014 lag der tägliche Flächenverbrauch bei 70 ha je Tag.

Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche*

Quelle: UBA

Bodentyp

Zusammenfassung von Böden gleichen Entwicklungszustandes, bei denen unter einer bestimmten Konstellation der bodenbildenden Faktoren die bodenbildenden Prozesse übereinstimmende Merkmale und damit ähnliche Kombinationen von Bodenhorizonten erzeugt haben.
Die Benennung der Bodentypen erfolgt in Deutschland nach einer auffälligen Farbe (z.B. Braunerde) oder nach der Zugehörigkeit zu einer Landschaft (z.B. Marsch oder Moor). Vielfach werden auch ausländische Namen wie Rendzina (poln.), Gley (russ.) oder Dy (schwed.) oder Kunstnamen (z.B. Pelosol) verwendet. International besteht ein unbefriedigendes Nebeneinander mehrerer Boden-Klassifikationssysteme.

bodenunabhängige Viehhaltung

Konzept, bei dem "industrielle" Tiermäster in den sechziger Jahren in Europa damit begannen, die Viehhaltung in den Ställen von den umliegenden Äckern zu trennen. An die Stelle der relativ naturnahen Kreislaufwirtschaft des alten Bauernhofes, bei der die Äcker und das Grünland das Futter und das Vieh den Dung lieferten, traten die Massentierhaltung einerseits und der hochspezialisierte Getreidebetrieb andererseits. Dazwischen entwickelte sich als Teil eines komplexen Agribusiness eine mächtige, importorientierte Futtermittelindustrie. Die Spezialisierung der landwirtschaftlichen Betriebe in der Bundesrepublik (alt) war u.a. eine Folge räumlicher und betriebsgrößenbedingter Standortvorteile. Die räumliche Konzentration z.B. der Tierhaltung, insbesondere in der Nähe von Importhäfen, bzw. Binnenschiffahrtswegen, ist auf die Nichteinbeziehung von Importfuttermitteln (Getreidesubstitute und Eiweißfutter) in das System der Abschöpfungen der Marktordnungen zurückzuführen. Gleichzeitig hat die Arbeitsteilung zwischen den Betrieben mit dem Ziel der Ausnutzung größenbedingter Kostenvorteile beträchtlich zugenommen, was die Ausbreitung von einseitigen Fruchtfolgen begünstigt hat.
Betriebswirtschaftlich bestehen durch die Spezialisierung und Konzentration Risiken durch Krankheiten, Preisverfall, Fäkalienbeseitigung, Zwang zu Aussiedlung wegen Immissionen u.w.
Nur bis zu einer Bestandsdichte von 1,5 GVE/ha (1 Großvieheinheit entspricht einem Tierbesatz von 500 kg Lebendgewicht) ist die Tierernährung auf betriebseigener Futtergrundlage ohne zusätzlichen Zukauf/Import von Futtermitteln möglich. Gleichzeitig ist sichergestellt, daß die Wirtschaftsdünger sinnvoll verwertet werden können, ohne daß die Gülleausbringung zu einer Abfallbeseitigung verkommt.

Ökologische Folgen der bodenunabhängigen Viehhaltung:

In der EU gab es 1995 rund 10.000 schweinehaltende Betrieb ohne landwirtschaftliche Flächen (0,9 % aller schweinehaltenden Betriebe). In diesen Betrieben wurden mit rund 6,7 Mio. Schweinen etwa 6 % aller Schweine gehalten.

Bodenverbesserung

Siehe Melioration

Bodenverdichtung

Bei der Bodenverdichtung, einer Verringerung des Gesamtvolumens des Bodens, ist das Bodengefüge (Bodenstruktur) und die Porung verändert. Sie besteht insbesondere in der Abnahme des Grobporenanteils und besitzt folgende nachteilige Wirkungen:

Die genannten Veränderungen bedingen auch andere, dem Pflanzenwachstum abträgliche chemische Prozesse. Beispielsweise führt die verdichtungsbedingte Zunahme der Reduktionsprozesse zu Mangan- und Eisentoxizität. Aufgrund dieser Qualitätsveränderungen wird neuerdings der Begriff "Bodenschadverdichtung" vorgeschlagen.
In der Landwirtschaft können je nach Ausprägungsgrad technogener Schadverdichtungen Ertragsausfälle von 5 - 40 % entstehen.
Auf natürliche Weise kann Bodenverdichtung auftreten nach Entkalkung bei Böden aus Lockergesteinen (Sackungsverdichtung), durch Humusverluste, durch die schlagende Wirkung großer Regentropfen (Verschlämmung) und durch Tonverlagerung (Einlagerungsverdichtung bei der Parabraunerde mit nachfolgender Bildung von Stauwasser und Pseudovergleyung oder beim Solonetz). Meist aber ist sie durch Schwermaschineneinsatz (Kontaktflächendruck, Radlast, Überrollhäufigkeit, Schlupf, Geschwindigkeit) in Land- und Forstwirtschaft bedingt und erfaßt sowohl den Unter- (Bildung der Pflugsohle) als auch den Oberboden und erfordert Maßnahmen der Bodenbearbeitung und Melioration. Abgesehen von den genannten Einflußgrößen können auch einseitige Fruchtfolgen, z.B. mit hohem Silomaisanteil, die Gefahr von Bodenverdichtungen erhöhen.
Bis vor wenigen Jahrzehnten konnte eine Zusammenpressung des Bodens im Verlauf landwirtschaftlicher Nutzung durch das Pflügen vor jedem Kulturbeginn weitgehend behoben werden. Heute wirkt sich die Last der Maschinen bis in Tiefen im Boden aus, die durch die normale Bearbeitung durch Pflug oder Kultivator nicht mehr erreicht werden.
Bodenverdichtungen lassen sich nicht immer vermeiden. Ökonomische Zwänge, wie beispielsweise Erntetermine und Maschinenauslastung, zwingen den Landwirt, auch bei ungünstigen Bodenverhältnissen (Feuchtigkeit) Feldarbeiten durchzuführen.

Maßnahmen zur Vermeidung und Behebung von Bodenverdichtungen:

Lockerungsarbeiten durch den Landwirt können ähnlich wie der vorangegangene Verdichtungsvorgang die Bodenfauna in Mitleidenschaft ziehen. Nicht nur werden Regenwürmer und andere Tiere zerschnitten, es wird auch die gesamte ursprüngliche Schichtung der Bodenlebewesen durchmischt, d.h. die sauerstoffbedürftigen Organismen nahe der Oberfläche gelangen z.T. in größere Tiefe, anaerob lebende Mikroorganismen werden viel stärker dem Luftsauerstoff ausgesetzt.

Weitere Informationen:

Bodenversalzung

Anreicherung von Salzen in oberen Bodenhorizonten oder an der Oberfläche vornehmlich in ariden oder semiariden Gebieten. In humiden Klimaten erfolgt eine temporäre Versalzung der Böden bei Bewässerung mit natriumreichen Abwässern und durch den Einsatz von Streusalzen (Straßenränder).
Zu unterscheiden sind die

Gehalt an gelöstem Salz in Flüssen semiarider Gebiete
Fluss Gelöste Feststoffe [ppm]
Indus 250 - 300
Colorado 795
Weißer Nil 174
Euphrat und Tigris 200 - 400
Niger < 60 - 80

Quelle: Goudie 1994

Der Salinitätszustand eines Bodens wird für landwirtschaftliche Zwecke normalerweise als elektrische Leitfähigkeit in Millisiemens pro Zentimeter Bodenlösung angegeben. Die elektrische Leitfähigkeit ist sowohl der Salzkonzentration als auch dem osmotischen Druck einer Lösung proportional. Ein Boden wird als salin bezeichnet, wenn die elektrische Leitfähigkeit mehr als vier Millisiemens pro Zentimeter beträgt.
Auf durch Salzanreicherung belasteten Flächen lassen sich vielfach salzempfindliche Kulturpflanzen nicht mehr anbauen und es muß ein Wechsel hin zu salztoleranten Pflanzen erfolgen oder die Nutzung der Flächen ganz eingestellt werden.

Die negativen Auswirkungen von Bodenversalzung:

Als Gegen- oder Vorbeugungsmaßnahme muß für eine abwärts gerichtete Bodenwasserbewegung gesorgt und die Salze damit fortgewaschen werden. Zu diesem Zweck ist eine größere Menge Wassers aufzubringen als die Pflanzen aufnehmen. Um ein Ansteigen des Grundwasserspiegels zu verhindern, muß das Überschußwasser im Untergrund durch Drainage abgeführt werden. Derartige Entsalzung des Bodens erfolgt vor der Feldbestellung, damit die empfindlichen Keimpflanzen gut wachsen können.
Eine weniger eingreifende Grundbehandlung ist eine biologische Bekämpfung der Versalzung durch das Absammeln Salz akkumulierender Pflanzen wie zum Beispiel der Sode Suaeda fructicosa, eines Gänsefußgewächses.
Eine Umwandlung der Salze geschieht unter Einsatz chemischer Methoden, mit denen man schädliche Salze in weniger schädigende verwandelt. Beispielsweise setzt man natriumhaltigen Böden oft Gips zu, um das ätzende alkalische Carbonat in lösliches Natriumsulfat und das relativ harmlose Calciumcarbonat umzuwandeln.
Zu den wirkungsvollsten Möglichkeiten, die Versalzungsgefahr zu mindern, gehören die verschiedensten regulierenden Maßnahmen, wie etwa weniger verschwenderischer und nachlässiger Gebrauch von Wasser durch die Benutzung von Sprinklern anstelle traditioneller Bewässerungsmethoden, die Auskleidung von Kanälen, um Verluste durch Sickerwasser zu vermindern, die verbesserte Trassierung von Kanälen durch weniger permeable Böden und die Verwendung von Pflanzen mit höherer Salztoleranz.
Versalzung erfolgt kaum bei Unterflurbewässerung und in Verbindung mit einer Folienabdeckung, welche die Verdunstung unterbindet oder reduziert.

Salztoleranz ausgewählter Anbaufrüchte
Salztoleranz Anbaufrucht
sehr gering Karotte, Erdbeere, Avokados, Pflaume, Mandel, Aprikose, Zitrusfrüchte, Pfirsich, Grapefruit
gering Brokkoli, Gurke, Weintraube, Salat, Kartoffel, Tomate
mittel Sojabohne, Weizen
hoch Zuckerrübe, Baumwolle

Anthropogene Versalzungsprobleme wie rezent z.B. im Industal sind eine alte Erscheinung. Schon vor über 4.000 Jahren gab es entsprechende Berichte aus Mesopotamien. Wahrscheinlich spielte Versalzung eine wichtige Rolle beim Zusammenbruch der sumerischen Kultur.

Bodenversauerung

Vorgang der allmählichen Erhöhung der H-Ionen-Konzentration in der Bodenlösung. Die Bodenversauerung kann unter natürlichen Bedingungen in humiden Klimaten erfolgen durch die Auswaschung basischer Stoffe (Na, K, Ca, Mg), durch Kohlendioxidabgabe der Pflanzenwurzeln und Bodenlebewesen (Bildung von H2C2), durch H-Ionen-Abgabe von Pflanzenwurzeln im Austausch mit Nährstoffionen, durch Säureausscheidungen von Mikroorganismen und Pilzen oder durch Oxidation reduzierter Schwefel- und Stickstoffverbindungen.
Eine (zusätzliche) anthropogene Bodenversauerung kommt zustande durch

Bei guten Puffereigenschaften des Bodens gegenüber Säuren, also bei nennenswerten Carbonatgehalten, spielt die Bodenversauerung keine Rolle, wohl aber bei Böden mit niedriger Basensättigung und niedriger Kationen-Austauschkapazität.
Stärkere Kalkverluste des Bodens durch starke Säureneinträge bewirken strukturelle Veränderungen. Besonders in Böden mit hohem Tongehalt verlieren die aus feinsten Teilchen gebildeten gröberen Bodenpartikel (Ton-Humus-Kolloide) ihre Stabilität. Sie zerfallen in kleinere Partikel, die die noch vorhandenen, gröberen Poren verstopfen. Der Boden verschlämmt, wird dichter, luftärmer, wasserundurchlässiger und kann dadurch schneller der Erosion anheimfallen.
In kalkfreien Böden besetzen die von Säuren freigesetzten Protonen die Bindungsorte für Metallionen an Tonmineralen und an Humuspartikeln. Die Sorptions- und Austauschkapazität ist nicht mehr gegeben. Durch Düngung zugeführte Nährstoffe können nicht mehr festgehalten werden.
Durch das gestörte Ionenmilieu im Boden kann es zu Fehlversorgungen der Pflanzen mit Nährstoffen und zu Störungen im Wasserhaushalt kommen.
Starke Säuren lösen aus Silikaten Metallionen heraus, die Silikate verwittern. Bei pH-Werten unter 4 werden auch Al-Ionen freigesetzt, die gegenüber Pflanzenwurzeln und Bodentieren hochtoxisch sind. Schwermetalle (Zn, Mn, Ni, Co) können bei diesem ph-Wert verstärkt ausgewaschen werden und das Trinkwasser belasten.

Hauptwirkungen der Bodenversauerung auf Pflanzen

Wo die ökologischen Belastungsgrenzen liegen, kann mit den Konzepten der "critical loads" (Kritische Eintragsraten) und "critical levels" (Kritische Konzentrationen) abgeschätzt werden. In der Luftreinhaltepolitik sollen die critical loads/levels dabei helfen festzulegen, wie weit die Schadstoffemissionen reduziert werden müssen.
Die Bodenversauerung als Folge atmosphärischen Säureeintrags gilt als ein wichtiger Faktor für die Entstehung der neuartigen Waldschäden. Vergleichbare Bodenschäden sind im Landbau bislang nicht bekannt geworden, weil der hier zum Teil geringere Säureeintrag und die bedeutsamere systeminterne Säureproduktion durch Kalkung bzw. physiologisch-alkalische Düngung ausgeglichen wird.

Systeminterne H+-Produktion und externe H+-Deposition in landwirtschaftlich genutzten Böden

1 H+-Deposition über die Säurevorstufen SOx, NOx, Cl und CO2
Quelle: Weigel 1993

Ein weiterer Schadensaspekt der immissionsbedingten Bodenversauerung betrifft die Archäologie. Korrosionsschäden an metallischen und Strukturschäden an keramischen Bodenfunden haben in den letzten Jahrzehnten drastisch zugenommen.

Bodenversiegelung

Überbauen, Betonieren, Asphaltieren und Befestigen von Bodenflächen.

Bodenverwertungs- und -verwaltungsgsellschaft (BVVG)

Eine Nachfolgeorganisation der Treuhandanstalt und hundertprozentige Tochter der BVS (Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben) mit dem Auftrag, ehemals volkseigene land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen, Gebäude und bauliche Anlagen in den neuen Bundesländern zu verwalten und zu verwerten. Sie ist beauftragt, die unternehmerische Tätigkeit des Staates so weit wie möglich zurückzuführen und die Wettbewerbsfähigkeit möglichst vieler Unternehmen herzustellen, um Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen.

Berechtigt zum Erwerb von landwirtschaftlichen Flächen sind Wieder- und Neueinrichter, Agrargesellschaften, deren Gesellschafter sowie unter bestimmten Bedingungen auch nicht selbst wirtschaftende Alteigentümer.

Weitere Informationen:

Bodenwasser

Bodenwasser entstammt den Niederschlägen, der Kondensation von Wasserdampf aus der Atmosphäre sowie dem Grundwasser. Der Wassergehalt eines Bodens ist derjenige, der bei einer Trocknung von 105 °C entfernt werden kann. Das Bodenwasser hat für den Boden, die bodenbildenden Prozesse und die Bodennutzung entscheidende Bedeutung. Zur Produktion von 1 kg Pflanzensubstanz "verbrauchen" die Pflanzen 200 - 800 kg Wasser. Das Bodenwasser ist Träger der mineralischen Nährstoffe, die die Pflanzenwurzeln nur in gelöster Form aufnehmen können. In niederschlagsarmen Zeiten ist es wichtig, daß der Boden Wasser im Wurzelraum gespeichert hat, um auch in trockenen Zeiten die Pflanze versorgen zu können. Gute Humuswirtschaft hat ein gutes Wasserspeicherungsvermögen des Bodens zur Folge und ermöglicht die optimale Filterung des in den Boden eingespeicherten Wassers.
Nur ein Teil des Bodenwassers (nutzbare Feldkapazität) ist pflanzenverfügbar. Das Sickerwasser folgt der Schwerkraft, es füllt die großen, nicht kapillaren Poren und Hohlräume und ist im Wurzelbereich frei verfügbar. Sein Eindringen in größere Tiefen und damit sein Beitrag zum Grundwasser hängt von der Wasserdurchlässigkeit und damit von der Bodenart ab. Trifft das versickernde Wasser auf Schichten geringer Permeabilität (Durchlässigkeit), dann kommt es darüber zur vollständigen Auffüllung der Porenräume, zu Staunässe.
Die entgegen der Schwerkraft vom Boden noch gebundene Wassermenge bezeichnet man als Haftwasser. Ein großer Teil davon steht den Pflanzen zur Verfügung und gelangt über die Transpiration wieder in die Atmosphäre oder verdunstet unproduktiv von der Bodenoberfläche (Evaporation). Das Haftwasser setzt sich zusammen aus Adsorptions- und Kapillarwasser.
Das Adsorptionswasser wird durch starke Ladungskräfte an die Oberfläche der Bodenteilchen gebunden und kann deshalb von den Pflanzen nicht genutzt werden. Das Kapillarwasser wird dagegen in den Kapillaren des Bodens (Porendurchmesser 0,0002 mm) durch Adhäsion und Kohäsion festgehalten. Auch derjenige Anteil des Kapillar- und Adsorptionswassers, der mit Bindungskräften gehalten wird, die unterhalb der artspezifischen Saugkraft der Wurzeln liegen, ist pflanzenverfügbar.
Der Anteil des Bodenwassers, der mit höherer Saugspannung vom Boden gebunden wird als die Pflanzen entfalten können, wird als Totwasser oder Welkefeuchte bezeichnet. Enthält der Boden nur noch diesen Wasseranteil, so welken die Pflanzen; deshalb gilt dieser Wasserzustand des Bodens als Welkepunkt.
Der Totwasseranteil am Bodenwasser steigt i.d.R. mit dem Tongehalt der Böden. In den Trockenperioden kann das Haftwasser durch kapillaren Aufstieg von Wasser aus dem Grundwasser ergänzt werden.

Wasserüberschuß im Boden vermindert die Anbaumöglichkeiten und die Qualität der Produkte. Für den Einzelfall müssen die adäquaten Maßnahmen ermittelt werden: Grundwasserabsenkung, Vorflutkorrektion, Hangwasserfassung, offene Drainagegräben, Röhrendrainage, Steinpackungen, Einpolderung, Untergrundlockerung u.w.

Bodenzahl

Die Bodenzahl bewertet die Bodeneigenschaften eines Ackerstandortes als ungefähres Maß der Ertragsfähigkeit. Diese Maßzahl gibt an, welcher Reinertrag auf einem Boden zu erzielen ist. Sie ergibt sich in Prozent des Reinertrages auf dem fruchtbarsten Boden in Deutschland (den Schwarzerdeböden der Magdeburger Börde), der gleich 100 gesetzt wird.

Als Bezugsgrößen bei der Aufstellung des Schätzungsrahmens wurden die folgenden Klima- und Geländeverhältnisse sowie betriebswirtschaftlichen Bedingungen festgelegt: 8 °C mittlere Jahrestemperatur, 600 mm Jahresniederschlag, ebene bis schwach geneigte Lage, annähernd optimaler Grundwasserstand und die betriebswirtschaftlichen Verhältnisse mittelbäuerlicher Betriebe Mitteldeutschlands.

Die Bewertung der Acker- und Grünlandböden in Deutschland geht zurück auf die Bodenschätzung des Deutschen Reiches 1934. (s. a. Bodenbewertung)

Weitere Informationen:

Bonitierung

Feststellung des Bodenwertes als steuerliche Bemessungsgrundlage.

(s. a. Bodenbewertung)

Börde

Niederdeutsche Bezeichnung einer fruchtbaren Ackerbaulandschaft, besonders im Lößgürtel zwischen Geest und Mittelgebirgsrand. Dieser Kulturlandschaftstyp ist flach bis hügelig und erstreckt sich von Flandern bis in den Südteil der Schlesischen Bucht und in anschließende Gebirgsrandbuchten und Talungen. Aus dem Löß haben sich für die Landwirtschaft wertvolle Parabraunerden, z.T. Schwarzerden (reliktisch) entwickelt. Börden sind Gebiete mit höchsten Bodenzahlen (Magdeburger Börde). Die Palette der landwirtschaftlichen Nutzung in den Börden ist wie in ihrer süddeutschen Entsprechung, den Gäuen sehr vielfältig. Hackfruchtbau (vor allem Zuckerrübe) und Getreidebau (vornehmlich Weizen sind aber landschaftsbestimmend. Der Name kommt von "boren", "bören" (= tragen, hervorbringen), im Gegensatz zu Geest, abgeleitet von "gust", "güst" (= unfruchtbar bei Land und Tier).

Börden sind inzwischen Beispiele für ausgeräumte Landschaften. Eine von Natur aus dichtbewaldete Landschaft wurde in eine eintönige Kulturlandschaft umgestaltet, die gelegentlich mit dem unpräzisen Begriff Kultursteppe belegt wird.

Borstgrasrasen

Ungedüngte, gras- oder zwergstrauchreiche Magerrasen auf trockenen bis staufeuchten, sauren und rohhumusreichen Böden, überwiegend durch jahrhundertelange Beweidung oder einschürige Mahd entstanden, teils artenarm, teils buntblumig und artenreich.

Die Borstgrasrasen waren früher als extensives Grünland vom norddeutschen Flachland bis in die subalpine Stufe der Alpen verbreitet. Sie sind inzwischen sehr selten geworden.

Brache

Die aus der Agrarproduktion längerfristig ausgeschiedenen landwirtschaftlichen Nutzflächen, die keiner anderen Verwendung zugeführt wurden. Nach den Ursachen des Brachfallens unterscheidet man zwi­schen "Sozialbrache", "Grenzertragsbrache", "Rotationsbrache", "Buntbrache" und "Stillegungsbrache".

Während bei der Grenzertragsbrache die Nutzungsaufgabe wegen zu geringer Ertragskraft des Bodens oder zu hohen Arbeitsaufwandes bei der Bearbeitung erfolgt, ist die Sozialbrache auf außerlandwirtschaftliche Faktoren zurückzuführen. Bei der Sozialbrache veranlassen gesamtwirtschaftliche und soziale Faktoren, die sich aus gesellschaftlichen Umschichtungen infolge wirtschaftlicher Wandlungen ergeben, die bisherigen Bewirtschafter dieser Flächen, einer außerlandwirtschaftlichen Tätigkeit nachzugehen, um ihre wirtschaftliche und soziale Lage zu verbessern.

Bei der "Rotationsbrache" oder "Schwarzbrache" handelt es sich um planmäßig und vorübergehend unbebautes Land innerhalb einer geregelten Nutzung (z.B. Dreifelderwirtschaft). Wird der Anbau auf einem Feld mehrjährig unterbrochen, handelt es sich um eine "Dauerbrache". Wenn sich bei Dauerbrache die natürliche Vegetation ungestört entwickeln kann, spricht man von "Sukzessionsbrache".
Die Buntbrache dient dem ökologischen Ausgleich. Bei der Grünbrache wird systematisch begrünt.

Stillegungsbrache erfolgt im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik, wenn zur Minderung von Überproduktion Flächenstillegungen über Prämien gefördert werden.

Während die Flächen, die durch Grün-, Schwarz- oder Stillegungsbrache zeitweise aus der Produktion genommen sind, zur LF zählen, bleiben die dauerhaft nicht mehr bewirtschafteten Nutzflächen (Sozial- und Grenzertragsbrache) ausgeklammert.

Branche

Eine Menge von strukturell einander sehr ähnlichen Wirtschaftseinheiten, die gleichartige Produkte hervorbringen und gegeneinander konkurrieren.

(s. a. Formation)

Brandrodungswirtschaft

Flächenextensive Landwechselwirtschaft in tropischen und subtropischen Waldgebieten, bei der durch Fällen und anschließendem Verbrennen der Bäume auf kleinen Flächen des Primärwaldes Boden für eine nur kurzfristige Nutzung (rasche Bodenerschöpfung) urbar gemacht wird. Die entstandene Asche sorgt für eine Nährstoffzufuhr und die Erhöhung des pH-Wertes im Oberboden, sodass vorübergehend günstige Anbaubedingungen für die oft subsistent wirtschaftende Bevölkerung vorhanden sind. In den immerfeuchten Tropen können solche Flächen aber kaum länger als ein bis zwei Jahre genutzt werden, da die Bodenfruchtbarkeit rasch nachlässt. Der Grund liegt in der Nährstoffauswaschung bzw. der Erosion bei starken Regenfällen. Vor einer erneuten landwirtschaftlichen Nutzung muss eine Brachezeit von rd. 20 Jahren eingeschaltet werden, während der sich ein Sekundärwald ausbildet. Dieser dient bei einer erneuten Brandrodung als Asche- und damit Nährstofflieferant. Die Vielfalt der in Feldbausystemen mit Brandrodung produzierten Kulturpflanzenarten ist relativ gering. Im Tiefland sind dies vor allem Trockenreis und Knollenpflanzen wie Maniok und Yam. Der Anbau von Süßkartoffel und Gemüse wie Kohl, Bohnen, Zwiebel, Paprika und Kürbisgewächsen findet sich meist in höheren Lagen.

Großflächige Brandrodungen dienen heutzutage zur Neuanlage von Plantagen mit Exportkulturen (z.B. Palmöl-, Papier-, Gummi- und Teak-Plantagen).

Breitstreifenflur

Flurform, die aufgrund der Orientierung nach einer bestimmten Breite eine geringe Parzellierung erfahren hat und durch Längsteilungen die ursprüngliche Streifenbreite nicht oder nur unwesentlich verändert wurde. Charakteristisch für Breitstreifen ist eine zwar nicht streng eingehaltene, aber doch in besonderem Maße gegebene Einödlage des Besitzes innerhalb des Streifensystems.

Typenbegriffe für Breitstreifenfluren mit Hofanschluß sind die Hufenflurbegriffe Waldhufenflur, Marschhufenflur, Hagenhufenflur, Moorhufenflur, Radialhufenflur u.w. Diese Flurformen verbinden sich mit Reihensiedlungen (Waldhufendorf, Marschhufendorf usw.), und ihre Entstehung geht immer mit planmäßiger Kolonisation einher. Hofanschließende Streifenfluren entstanden in vielen Teilen der Erde.

Brinksitzer

Auch Brinkkötter; Spätsiedler, die ihre Behausungen seit der zweiten Hälfte des 16. Jh. in den Brinken (Baumgärten am Rande der Gehöftgrundstücke nordwestdeutscher Eschsiedlungen) anlegen durften. Sie waren von den vollbäuerlichen Höfen abhängig und an sie durch verschiedene Dienste, vornehmlich handwerkliche Tätigkeiten, gebunden. Brinksitzer unterschieden sich von den Köttern durch ihren Ausschluß aus dem durch Rechte an der gemeinsamen Mark gekennzeichneten Wirtschaftsverband des Dorfes.

(s. a. Gärtner, Köbler, Seldner)

Bruttowertschöpfung

Die Bruttowertschöpfung zu Marktpreisen ergibt sich als Differenz aus Produktionswert und Vorleistungen. Aus der BWS ergibt sich nach Abzug der verbrauchsbedingten, zu Wiederbeschaffungspreisen bewerteten Abschreibungen und der Produktionssteuern sowie nach Addition der für die laufende Produktion gewährten Ausgleichszahlungen die Nettowertschöpfung zu Faktorkosten.

Der Beitrag der Land- und Forstwirtschaft zur volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung lag 2015 in der EU 28 bei 1,5 %. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der EU, steuert die Landwirtschaft etwa 0,6 % zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung bei. Deutlich höher ist dieser Anteil mit 1,7 bzw. 2,3 % in Frankreich und Italien. Am größten ist der Anteil der Landwirtschaft in Bulgarien (5,1 %), gefolgt von Rumänien (4,8 %) und Kroatien (4,3 %).

BSE

Abk. für Bovine Spongiforme Encephalopathie, 1985 erstmals im englischen Kent diagnostizierte Tierkrankheit, von der bis Mitte der neunziger Jahre rund 900.000 Kühe auf der Insel infiziert waren. Von diesen erkrankten im Vereinigten Königreich bis Ende 1996 ca. 165.000 Tiere an BSE, während die anderen Tiere vor dem Ausbruch der klinischen Erkrankung geschlachtet wurden. 30 % der britischen Höfe waren betroffen.

Die Seuche ist benannt nach den Symptomen, denn die Gehirne der betroffenen Rinder weisen im Endstadium ihres Siechtums die Form eines löchrigen Schwamms auf. Dies erklärt auch den englischen Ausdruck "mad cow disease". Der noch unbekannte Erreger ist über die Nahrungskette in die Rinderherden eingedrungen. Die Tiere waren mit Tiermehl gefüttert worden, wozu auch Schafskadaver verarbeitet wurden, die an der Traberkrankheit ("scrapie", 1730 bei Schafen und Ziegen erstmals beschrieben) verendet waren. Rationellere Verfahren mit reduzierten Verarbeitungstemperaturen bei der Fleischmehlproduktion begünstigten das Überleben der Erreger und damit ihre Verbreitung. Die Frage, ob der BSE-Erreger vom Scrapie-Erreger der Schafe und Ziegen abstammt oder ob er schon immer beim Rind auftrat, ist allerdings noch ungeklärt.

Durch die Verarbeitung der Kadaver von erkrankten Kühen zu Tiermehl ist ein eigentlicher Rinderzyklus des Erregers in Gang gesetzt worden. Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich vier bis fünf Jahre. Die Rinderkrankheit hatte sich in den frühen 90er Jahren in mehreren europäischen Ländern ausgebreitet, die Einschleppung durch Tiermehl britischen Ursprungs gilt als gesichert. Die Epidemie kann somit als Folge einer der Irrwege der Intensivlandwirtschaft angesehen werden. Es besteht mittlerweile ein Verbot in allen EU-Ländern, Tiermehl an Wiederkäuer zu verfüttern. Fleischmehl gelangt aber tonnenweise als Fischfutter in Fischteiche und andere Gewässer. Bei der Mast von Schweinen und Hühnern sind diese unnatürlichen Proteingaben auch in Deutschland übliche Praxis. Neuerdings besteht der Verdacht (Nature, Bd. 392, 1998), daß selbst Tierarten, die nicht an BSE erkranken, den Erreger an - BSE-empfängliche - Menschen und Tiere weitergeben.

Es besteht weitgehende Einigkeit, daß die Erreger von Scrapie (für den Menschen ungefährlich), der Nerz-Encephalopathie, BSE und beim Menschen der seltenen, aber stets tödlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD), des Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndroms (GSS) sowie die tödliche familiäre Schlaflosigkeit (FFI) eng verwandt sind. Die Symptome sprechen dafür. Die gemeinsame Bezeichnung Transmissible Spongiforme Encephalopathien (TSEs) läßt sich mit 'übertragbare schwammartige Gehirnerkrankungen' übersetzen.
Der BSE-Erreger überspringt anscheinend mühelos Artengrenzen. Katzen, Zooantilopen, Zuchtnerze und im Labor Mäuse, Ratten und Hamster wurden infiziert. Offen ist gegenwärtig, ob der BSE-Erreger von der Mutterkuh aufs Kalb übertragen wird, und welcher Erregertypus den Rinderwahn auslöst: Ein Virus oder - wahrscheinlicher - ein falsch gefaltetes Molekül eines im Körper natürlicherweise gebildeten Eiweißes, das sogenannte Prion-Protein (proteinaceous infectious agent). Es provoziert die intakten, baugleichen Membranproteine dazu, sich ebenfalls falsch zu falten. Nach und nach verklumpen die Eiweise, die Nervenzellen sterben ab. Übrig bleibt hochansteckendes Protein in einem schwammartig durchlöcherten Gehirn. Je ähnlicher die Prion-Proteine verschiedener Säugetierarten einander sind, umso niedriger ist auch die Artbarriere bei der Übertragung dieser Erreger.

Die Übertragung auf den Menschen gilt mittlerweile als sehr wahrscheinlich. Spongiforme Hirnleiden beim Menschen haben eine lange Inkubationszeit, bei der CJD beispielsweise von 5 bis 15 Jahren in manchen Formen bis 30 Jahren. Neuerdings sind Prion-Erkrankungen des Menschen aufgetreten, die sich deutlich von der klassischen CJD unterscheiden, vor allem deutlich jüngere Patienten betrafen (nvCJD) und im UK bis 1997) zu 21 Todesfällen führten.

Veterinärmediziner und Zoologen hatten schon vor dem Auftreten der BSE vor einer Übertragung von Krankheitskeimen durch den Zusatz von zermahlenen Tierkadavern zum Viehfutter gewarnt.

Bis Mitte 1994 waren insgesamt 5.193 Rinder - Zuchttiere - aus dem Vereinigten Königreich nach Deutschland eingeführt worden. 1993 importierte Deutschland offiziell 1800 Tonnen Rindfleisch von der Insel. Wieviel auf EG-Umwegen nach Deutschland gelangten, ist nicht bekannt. Bis Anfang 1997 sind in Deutschland 5 BSE-Fälle dokumentiert worden, alle bei aus England importierten Rindern.

Am 24. November 2000 wurde BSE erstmals bei einem in Deutschland geborenen Rind bestätigt. Bis heute wurden in Deutschland 414 Fälle von BSE bestätigt. Zuletzt wurde am 5. Februar 2014 bei einer elfjährigen Milchkuh ein atypischer BSE-Fall festgestellt. Bei älteren Tieren, wie dieser Kuh, kann in äußerst seltenen Fällen spontan die atypische BSE auftreten.

BSE-Fälle bis September 1997 nach Staaten;
Großbritannien 171.000 Schweiz 258 Irland 215 Portugal 65 Niederlande 2
Frankreich 26 Deutschland 5 Dänemark 1 Italien 1

Quellen: Deutscher Bauernverband 1997, Süddeutsche Zeitung, BML Ref. 333

95 % der BSE-Fälle traten bei Milchkühen auf, davon 90 Prozent Schwarzbunte. Extensivrassen, wie beispielsweise die zotteligen Galloways erkranken selten. Verbraucher können ihr nicht auszuschließendes Risiko durch den Kauf von Fleisch aus Betrieben, in denen kein Tiermehl verfüttert wird, deutlich senken.

Die zehn wichtigsten Abnehmerländer britischen Rindfleisches im Jahre 1994
Frankreich 81,502 t Irland 19,922 t Italien 18,681 t Niederlande 15,521 t
Südafrika 10,325 t Ungarn 6,951 t Spanien 5,394 t Mauritius 3,809 t
Belgien 3,134 t Irak 2,385 t

Quellen: The Observer 19.11.1995

Es wurde während des Höhepunkts der BSE-Krise nicht ausgeschlossen, dass auch Kosmetika und Medikamente infizierte Rinderbestandteile enthielten.

Weit über 200 Zoonosen, krankmachende Keime, die zwischen Tier und Mensch hin- und herpendeln, kennt die Wissenschaft. Fast immer geschieht die Ansteckung über die Nahrungskette. Die WHO sieht in nahrungsmittelbedingten Zoonosen ein erhebliches Gefahrenpotential.

Weitere Informationen:

BST

Rinderwachstumshormon (bovines Somatotropin), ein Eiweißhormon, das jedes gesunde Rind ausreichend in der Hypophyse produziert. Es reguliert bei Jungtieren die Muskelbildung und bei ausgewachsenen Kühen die Milchbildung.

Das "rBST" (rekombinantes bovines Somatotropin), ist mit Hilfe der Gentechnologie hergestellt zur Steigerung der Milchproduktion bei Kühen (sog. Turbokuh) um bis zu 25 % sowie zur Steigerung der Mastleistung. Es wirkt streng artspezifisch, d.h. es wirkt nur bei Rindern und nicht bei anderen Tieren oder beim Menschen. In den USA erhalten ca. 15 % der Kühe regelmäßig BST (1998). Hochleistungsbetriebe setzen es sogar fast ohne Ausnahme ein.

Der künftige Einsatz von BST ist in vielen Ländern noch ungewiß. Es wird bislang (1994) nur in folgenden Ländern eingesetzt: USA, Brasilien, Mexiko, Namibia, Zimbabwe, Südafrika, Bulgarien, Tschechische Republik, Slowakien, und GUS. Obwohl in der Anwendung in der EU verboten, wird es für den Export im UK und in Österreich hergestellt. Eine Bewilligung wird nicht aus humanmedizinischen Erwägungen (Wirkstoff wird wie andere Proteine im menschlichen Magen verdaut) verweigert, sondern der eventuelle Einsatz wirft grundsätzliche ökonomische (Überschüsse) und ethische Fragen auf. Kritiker befürchten, daß nur Großbetriebe von der Anwendung Nutzen ziehen und damit der Wettbewerb in der Landwirtschaft weiter verschärft wird. Ferner würden Kühe mit dem Spritzen von BST in ihrer Leistungsfähigkeit über ihr genetisches Potential hinausgeführt. Diese Überlastung der Tiere führt zu einem Rückgang der Nutzungsdauer und in der Folge zu einer höheren Remontierungsrate. Dadurch steigt der Anteil der Jungtiere an der Gesamttierzahl und damit die Futter- und Güllemenge pro Liter Milch. Eine höhere Krankheitsanfälligkeit ( häufige Euterentzündungen, Verdauungs- und Fruchtbarkeitsstörungen) und ein damit verbundener verstärkter Medikamenteneinsatz mit möglichen Rückständen in der Milch sind weitere befürchtete Folgen.

B.t.

Ein Protein, das vom Bodenbakterium Bacillus thuringiensis produziert, und das seit langem als biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt wird, daher auch die Bezeichnungen Bt-Protein, Bt-Toxin. Wenn es von bestimmten Raupen aufgenommen wird, entwickelt es eine für diese tödliche Toxizität.

Mit Hilfe gentechnischer Verfahren können die aus Bacillus thuringiensis isolierten Bt-Protein-Gene auf Pflanzen übertragen werden. Diese produzieren nun in ihren Zellen den für Fraßinsekten giftigen Wirkstoff. 

Es gibt verschiedene Bt-Proteine, die  spezifisch gegen einzelne Insektengruppen wirksam sind. Circa 170 natürlich vorkommende Bt-Proteine mit unterschiedlicher Wirkungsbreite sind bekannt. 

Um eine gentechnisch vermittelte Insektenresistenz zu erzeugen, werden verschiedene Varianten von Bt-Genen übertragen, bei Mais etwa Cry 1Ab, Cry 1Ac und Cry 9c. Diese unterscheiden sich sowohl in der Länge, als auch bei den verwendeten Promotoren. Je nach Bt-Gen-Variante differieren die transgenen Maissorten sowohl bei der Menge des Bt-Proteins als auch bei dessen Verteilung in der Pflanze. So produzieren einige Bt-Maissorten das Bt-Protein vor allem im Stängel, andere hingegen in allen Pflanzenteilen.

Weitere Informationen:

Bt-Mais

Bezeichnung für eine gentechnisch veränderte Maissorte. Bei transgenen Maissorten werden bestimmte Gene aus anderen Organismen in das Mais-Genom eingeschleust, bei Bt-Mais mit dem Ziel, die Bekämpfung von Schadinsekten zu verbessern.

Der Maiszünsler - eine Mottenart - verursacht hohe Ernteverluste beim Mais. Zu bekämpfen ist er mit dem im Boden vorkommenden Bacillus thuringiensis. Dessen spezielle Eiweiße, die Bt-Toxine, schädigen den Darm der Maiszünslerlarven und führen zu deren Tod. Bt-Präparate werden daher schon seit 1964 als biologisches Pflanzenschutzmittel verwandt, sie sind auch im Öko-Landbau zugelassen. Sie werden vor allem im Mais-, Kartoffel-, Obst- und Gemüseanbau eingesetzt.

In der Gentechnik ist es gelungen, das Gen für die Herstellung des Bt-Toxins auf den Mais ('Bt-Mais') zu übertragen. Bt-Mais produziert mit Hilfe des eingebauten Bt-Gens von sich aus das Bt-Toxin und kann dadurch eine Reihe von Schädlingen eigenständig abwehren, ohne zusätzliche Pflanzenschutzmittel von außen: eine Art eingebauter Pflanzenschutz. Unter günstigen Bedingungen kann bei Bt-Pflanzen auf zusätzliche chemische Pflanzenschutzmittel (Insektizide) ganz verzichtet werden. Die Aussaat des Bt-Mais ist umstritten und zurzeit in Deutschland nicht zugelassen. Die Diskussion hält an.

Buchweizen

Knöterichgewächs mit Früchten, die ähnlich aussehen wie Bucheckern – daher der Name. Aus Buchweizen werden Backwaren und auch Grütze hergestellt. Die Pflanze gedeiht auch auf Sandboden und wird als Sommerzwischenfrucht (Fruchtfolge) und zur Gründüngung verwendet.

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Bundesbehörde mit insgesamt rund 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ganz Deutschland und auf See. Der Dienstsitz der BLE befindet sich in Bonn-Rüngsdorf.

Die Bestimmungen der gemeinsamen EU-Agrar- und Fischereipolitik und die damit verbundenen Kontrollvorgaben prägen die Arbeit der BLE, die auch akkreditierte EU-Zahlstelle ist. In ihren Aufgabenfeldern stellen die Kontrolldienste der BLE und ihre Fischereischutzboote die Einhaltung der gesetzlichen Regeln sicher.

Vielfach agiert die BLE auch als bundesweite Zulassungsstelle für private Kontrolleinrichtungen, zum Beispiel bei der Überwachung von Bio-Betrieben oder der nachhaltigen Herstellung von Biokraftstoff und Biobrennstoff zur Strom- und Wärmeerzeugung.

Auch erhebt die BLE Daten und Preise rund um die Themen Landwirtschaft und Ernährung, die zur Information, für statistische Zwecke und auch zur politischen Entscheidungsfindung für das BMEL aufbereitet werden.

Als Projektträgerin für das BMEL betreut sie zahlreiche nationale und internationale Forschungsvorhaben in den Bereichen Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz.

Außerdem ist sie Verwaltungsdienstleisterin für das BMEL und die Behörden im Geschäftsbereich des BMEL.

In den Bereichen Agrarwirtschaft, Fischerei und Ernährung erfüllt die BLE vielfältige Aufgaben. Als zentrale Umsetzungsbehörde ist sie im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) angesiedelt.

Weitere Informationen:

Bundesbodenschutzgesetz

Abk. BBodSchG; Gesetz vom 17.3.1998, zuletzt geändert 2015. Es ist eine bundeseinheitliche rechtliche Grundlage zur Sicherung und Wiederherstellung der Funktionen des Bodens, entsprechend der Gesetze für die anderen Umweltmedien Luft und Wasser.

Das BBodSchG besteht aus fünf Teilen:

Die Pflichten des BBodSchG bedürfen noch der Präzisierung durch ein untergesetzliches Regelwerk.

Als wichtigste Kritik wird gegenüber dem Gesetz vorgebracht, daß das Vorsorge-Prinzip ungenügend verankert sei, sowie daß hinsichtlich der landwirtschaftlichen Nutzung die Beachtung der in § 17 verfügten Regelungen in das Belieben der Landwirte gestellt ist. Ferner wird eine Regelung über die Benutzung von Düngemitteln und von Pflanzenschutzmitteln und die verbindliche Anwendung der guten fachlichen Praxis in der Forstwirtschaft vermisst.

Weitere Informationen:

Bundesimmissionschutzgesetz

Abk. BImSchG; Gesetz von 1974, zuletzt geändert 2017. Zweck dieses Gesetzes ist zum einen der Schutz vor Luft-, Boden- und Wasserverschmutzungen, zum anderen der Schutz vor Lärmbelästigung. Betroffen sind im landwirtschaftlichen Betrieb die Viehhaltung, der Bereich der hierbei anfallenden Wirtschaftsdünger, der Einsatz von Pflanzenbehandlungsmitteln sowie alle Handlungen, die Lärm verursachen.

Landwirtschaftliche Betriebe, die nach dem Bundesimmissionsschutz-Gesetz genehmigungsbedürftig sind, werden i. d. R. auf schädliche Umwelteinwirkungen geprüft und ggfs. begutachtet.

Folgende landwirtschaftliche Betriebe, sind nach dem Bundesimmissionsschutz-Gesetz genehmigungspflichtig:

Im Genehmigungsverfahren werden i. d. R. nachfolgende, schädliche Umwelteinwirkungen geprüft:

Weitere Informationen:

Bundesnaturschutzgesetz

Abk. BNatSchG; (Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege); ein 1976 erlassenes und zuletzt 2017 geändertes Gesetz, mit dem der Bund seine vom Grundgesetz (Art. 75) zugewiesene Rahmenkompetenz ausfüllt. In diesem werden die Ziele und die Grundsätze des Naturschutzes und der Landschaftspflege festgelegt, die Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele umrissen, sowie die Aufgaben der Behörden und öffentlichen Stellen umschrieben. Die Vorschriften sind zugleich Rahmenvorschriften für die Landesgesetzgebung. Auch die Landkreise und Kommunen nehmen Naturschutzaufgaben wahr. Im Bundesnaturschutzgesetz sind u.a. die Begriffe Naturschutzgebiet, Nationalpark, Landschaftsschutzgebiet, Naturpark, Naturdenkmal und in der novellierten Fassung auch der Begriff Biosphärenreservat gesetzlich definiert. Auch die gesetzlichen Grundlagen des Artenschutzes sind hier festgelegt.
In § 1 BNatSchG ist die Zielsetzung festgehalten: "Natur und Landschaft sind im besiedelten und unbesiedelten Bereich so zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln, dass

  1. die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes,
  2. die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter,
  3. die Pflanzen- und Tierwelt sowie
  4. die Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft

als Lebensgrundlagen des Menschen und als Voraussetzung für seine Erholung in Natur und Landschaft nachhaltig gesichert sind."

Die Landwirtschaft ist derjenige Wirtschaftssektor, der am meisten in der Fläche wirkt, oft an naturbelassene Flächen angrenzt und naturnahe Flächen bearbeitet. Deswegen ist für die Verwirklichung der Ziele des Naturschutzes von großer Bedeutung, dass sie sich dessen Erfordernissen in gewissem Umfang anpasst. § 5 des Gesetzes macht das zur Pflicht, indem Grundsätze einer so genannten „guten fachlichen Praxis“ aufgestellt werden, d. h. naturschutzverträglicher landwirtschaftlicher Methoden. Diese Vorschrift ist erst 2003 nach langjährigen Auseinandersetzungen mit den landwirtschaftlichen Interessenverbänden erstritten worden, sie stellt einen für die Ziele des Naturschutzes bedeutenden Fortschritt dar.

Umstritten war die Implementierung von sogenannten Landwirtschaftsklauseln in das BNatSchG, die die Landwirtschaft in Teilen von der Zielsetzung des Gesetzes befreien (Ordnungsgemäße Landwirtschaft).

Für Nutzungsbeschränkungen in der Land- und Forstwirtschaft ist eine Ausgleichsregelung vorgesehen, mit der künftig solche Beschränkungen der ausgeübten Bodennutzung kompensiert werden, die nach bisher geltendem Recht im Rahmen der Sozialpflichtigkeit des Eigentums als verhältnismäßig und deshalb ohne Ausgleich hingenommen werden müssen. Diese Nutzungsbeschränkungen (z.B. Beschränkungen des Einsatzes von Pflanzenschutz- und Düngemitteln, Auflagen im Hinblick auf Mähzeiten, Beweidungsdichten und Bodenbearbeitung), die aufgrund von Rechtsvorschriften über Schutzgebiete oder aufgrund behördlicher Anordnungen ergehen können, müssen geeignet sein, die Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege zu verwirklichen und über das Maß der Anforderungen hinausgehen, die sich aus der guten fachlichen Praxis ergeben. (s. a. Massentierhaltung)

Weitere Informationen:

Bundessortenamt

Als Sortenamt eine selbständige deutsche Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Das 1953 gegründete Amt hat seinen Sitz in Hannover und unterhält 11 Prüfstellen in Deutschland. Das BSA verfügt über 580 ha Freiland-Anbaufläche und 7.000 m² Gewächshausfläche. Insgesamt wurden 2012/13 etwa 16.500 verschiedene Sorten angebaut. Das Bundessortenamt ist zuständig für die Erteilung von Sortenschutz und Sortenzulassung und unterstützt damit die vielfältigen Aktivitäten zur Förderung des Züchtungsfortschritts und der biologischen Vielfalt. Das Sortenschutzrecht schützt das geistige Eigentum an definierten Pflanzensorten und sichert so den Ertrag der züchterischen Arbeit durch Gewährung eines privaten Schutzrechtes. Sortenschutz kann für Sorten des gesamten Pflanzenbereichs – ausgenommen Mikroorganismen – beantragt werden. Voraussetzung für das Inverkehrbringen und den gewerblichen Vertrieb von Saat- und Pflanzgut landwirtschaftlicher Pflanzenarten, Rebe und Gemüsearten ist deren Zulassung. Diese gewährleistet Landwirtschaft, Wein- und Gartenbau und schließlich auch dem Verbraucher die Versorgung mit hochwertigen Saat- und Pflanzgut.

Weitere Informationen:

Bundeswaldgesetz (BWaldG)

Gesetz zur Erhaltung des Waldes und zur Förderung der Forstwirtschaft vom 2.5.1975, zuletzt geändert 2017. Durch das Gesetz wird der Schutz der Wälder und Forste durch Rahmenvorschriften geregelt. Speziell soll ihre Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion erhalten bleiben. Das Gesetz sieht eine Rahmenplanung sowie ein allgemeines Rodungsverbot, aber auch eine Bewirtschaftungsverpflichtung vor. Einzelne Bundesländer haben spezielle Ausführungsgesetze erlassen.

Weitere Informationen:

Buntbrache

Dem ökologischen Ausgleich speziell in Ackerbauregionen dienende Brache, bei der einheimische Wildkräuter eingesät werden und auf den Einsatz von Pestiziden und Düngemittel verzichtet wird.