Lexikon des Agrarraums

G

Galtvieh

Alpenländischer Ausdruck für Jungrinder und Ochsen. (s. a. Alm)

Galt(zeit)

In Süddeutschland, der Schweiz und Österreich übliche Bezeichnung für die Phase von Milchkühen zwischen der vorangegangenen Laktation und der Geburt des folgenden Kalbes. Die Kühe werden in dieser Zeit als Trockensteher bezeichnet. In dieser Zeit kann sich der Organismus der Milchkuh regenerieren. In der Regel beträgt die Trockenstehphase rund sechs bis acht Wochen.

game ranching

Auch game farming; die nachhaltige Nutzung von Wildtieren in deren natürlichem Habitat, die gleichzeitig der gezielten Bestandessicherung und der Bestandeslenkung dient. Betroffen davon sind beispielsweise Savannentiere wie Antilopen, Büffel, Strauße, Känguruhs und Elefanten oder Iguanas (pflanzenfressende Echsen) in Panama und Costa Rica. Die Flächenerträge einer solchen extensiven Nutzung von Wildtieren sind höher als die einer vergleichsweise aufwendigeren Haustierhaltung, da die einheimischen Tiere ihre natürlichen Lebensräume adäquat nutzen, also auch langfristig schonen. Das Hauptproblem des game ranching liegt in der Akzeptanz der Produkte und damit in der Vermarktung. Regelmäßig wird z.B. Antilopenfleisch als Rindfleisch deklariert und nach Europa exportiert oder aber Känguruhfleisch zu Hundefutter verarbeitet.

Die beispielsweise in Deutschland verschiedentlich anzutreffende nutztierartige Haltung von einigen Wildtierarten in Gehegen kann nicht unter diesen Begriff fallen.

GAP

Siehe Gemeinsame Agrarpolitik

Garantiemengenregelung

Im Wirtschaftsjahr 1984/85 in die Marktorganisation für Milch und Milcherzeugnisse innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik eingeführte Maßnahme zur Drosselung der Milchmenge auf ein Niveau, das den Finanzierungs- und Absatzmöglichkeiten entspricht. Kern der Garantiemengenregelung ist, daß nur eine bestimmte Menge vom Staat zum festgesetzten Mindestpreis abgenommen wird. In Deutschland wurden den einzelnen milcherzeugenden Betrieben Quoten zugeteilt. Überschreitungen der Quoten wurden mit einer Abgabe von 115 % des Richtpreises für Milch sanktioniert.

Zum 1. April 2015 lief die Garantiemengenregelung aus und Milcherzeuger können unabhängig von einer Quote Milch erzeugen und anliefern.

(s. a. Quotenregelung)

garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.)

Das EU-Gütezeichen "g.t.S." bezieht sich nicht auf einen geographischen Ursprung, sondern hebt die traditionelle Zusammensetzung des Produkts oder ein traditionelles Herstellungs- und/oder Verarbeitungsverfahren hervor. Der Produktionsprozess ist an kein Gebiet gebunden, entscheidend ist allein, dass dem traditionellen Rezept oder Herstellungsverfahren gefolgt wird. Zu dieser Kategorie gehören beispielsweise der Mozzarella oder der Serrano-Schinken. Bisher gibt es keine deutschen Produkte, die in dieser Kategorie Schutz genießen.

(s. a. geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) und geschützte geografische Angabe (g.g.A.))

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Gare

Siehe Bodengare

Gärfutter

Auch Silage; ein unter Luftabschluß durch Milchsäuregärung aus Futterpflanzen haltbar gemachtes Viehfutter. Für die Gärfutterbereitung werden hauptsächlich Gras, Kleegras, Grüngetreide, Klee und Luzerne, Mais, Rübenblatt, Erbs-Wick-Gemenge, Raps, Rübsen und Markstammkohl verwendet. Beim Silieren von Pflanzen mit einem Wassergehalt über 70 % entsteht auch Gärsaft (Sickersaft).
Die Gärfutterbereitung erfolgt in verschiedenen Formen von Silos (Hoch- und Tiefsilos, Flachsilos, Folien- und Folienschlauchsilos sowie Preßballensilos). Silos müssen so angelegt und betrieben werden, dass Schädigungen oberirdischer Gewässer oder des Grundwassers ausgeschlossen sind.

Gärrest

Der flüssige oder feste Rückstand, der bei der Vergärung von Biomasse in einer Biogasanlage zurückbleibt. Gärreste enthalten erhebliche Mengen an leicht pflanzenverfügbarem Stickstoff, zudem Phosphor, Kalium, Schwefel und Spurenelemente. Unbelastete Gärreste sind damit als hochwertiger organischer Dünger anzusehen. Die Nährstoffzusammensetzung des Gärrests kann stark schwanken, abhängig von den verwendeten Substraten.

Auch die Bezeichnung Biogasgülle oder Gärprodukt wird verwendet. Für die Gärreste der Ethanolherstellung aus Getreide wird hingegen meistens die Bezeichnung Schlempe verwendet.

Nach Düngung mit Gärresten wird die mikrobielle Aktivität des Bodens für ca. 9 bis 10 Wochen erhöht. Regenwürmer dagegen meiden einen mit hohen Mengen Gärrückständen gedüngten Boden. Positiv bewertet wird die im Vergleich zu Gülle geringe Viskosität des Gärrests, die ein schnelleres Eindringen in den Boden und somit verringerte Emissionen bedeutet.

Als Dünger im Ackerbau können Gärreste Mineraldünger je nach Kultur weitgehend ersetzen (z. B. bei Sommerweizen) oder ergänzen (z. B. Mais), die Düngewirkung liegt in Bezug auf Stickstoff - je nach Kultur - meist deutlich über 70 % der entsprechenden Menge eines Mineraldüngers. Die Nährstoffzusammensetzung kann je nach Ausgangssubstraten stark schwanken.

Die Zufuhr Organischer Substanz durch die Düngung mit Gärresten ist nur gering, der Humusbedarf der Böden kann durch Gärrestdüngung nicht gedeckt werden. Die Schwermetallgehalte von Gärprodukten sind so gering, dass sie für die landwirtschaftliche Verwertung kein Problem darstellen. Der Salmonellen-Befall von Gärprodukten aus NawaRo-Anlagen liegt auf einem niedrigen, kaum bedenklichen Niveau, die Clostridienbelastung gleicht der unbehandelter Gülle. Von der Übertragung von Pflanzenkrankheiten durch Gärreste wird nicht ausgegangen.

Für die Gärrestlagerung müssen geeignete wasserdichte Behälter verwendet werden. Aufgrund von Ammoniak- und weiteren klimarelevanten Emissionen ist eine gasdichte Abdeckung inzwischen gesetzlich vorgeschrieben.

Die Ausbringung des flüssigen Gärrestes erfolgt mit Güllefässern, fester Gärrest wird mit Miststreuern auf landwirtschaftlichen Flächen verteilt. Meist werden die Gärreste auf den Anbauflächen für das Substrat der Biogasanlage bzw. den Futteranbauflächen der Gülle liefernden Viehhaltung ausgebracht. Dieses Rückführen sorgt für einen geschlossenen Nährstoffkreislauf. Der Gärrest ist deutlich geruchsärmer und weniger aggresiv als ausgebrachte Gülle.

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Gärsaft

Die bei der Bereitung von Gärfutter durch Zellaufschluß oder Preßdruck entstehende säurehaltige Flüssigkeit. Der Gärsaftanfall hängt hauptsächlich vom Trockensubstanzgehalt des zu vergärenden Siliergutes ab. Gärsaft enthält einen hohen Gehalt an Nährstoffen und sauerstoffzehrenden Substanzen. Er enthält außerdem unangenehme Geruchs- und Geschmacksstoffe. Sie machen Trinkwasser ungenießbar, selbst wenn sie nur in Spuren enthalten sind. Krankheitserreger sind nicht enthalten. Diese Stoffe dürfen deshalb weder in oberirdische Gewässer noch in das Grundwasser gelangen. Eine Einleitung von Gärsaft in die Kanalisation ist verboten. Unter Beachtung bestimmter Vorschriften kann er zur Düngung ausgebracht werden. Eine Verfütterung ist trotz des hohen Nährstoffgehaltes nur in Ausnahmefällen möglich, da der Gärsaft eine hohe Säurekonzentration aufweist und an der Luft schnell verdirbt.

Mögliche Auswirkungen von Gärsaft auf Oberflächengewässer:

Mögliche Auswirkungen von Gärsaft auf das Grundwasser:

Mögliche Auswirkungen von Gärsaft auf Abwasseranlagen:

Garten

Abgegrenztes Stück Land, in dem Pflanzen unter intensiver Pflege angebaut oder Tiere gehalten werden. Im Gegensatz zu Parks werden Gärten meist privat genutzt. Gärten werden nicht nur angelegt, um einen direkten Ertrag zu ernten (Nutzgarten), sondern auch um einem künstlerischen, spirituellen oder therapeutischen Zweck zu dienen, oder auch der Freizeitgestaltung und Erholung, wie Ziergärten und Kleingärten.

Aus landwirtschaftlicher Perspektive sind Gärten ein intensiv bewirtschafteter Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche, der heute überwiegend der Selbstversorgung einer bäuerlichen oder auch landwirtschaftsfremden Familie mit Gemüse, Obst, aber auch mit Blumen dient. In vergangenen Jahrhunderten gehörten wegen des Flurzwangs u.a. auch Gespinstpflanzen (Flachs, Hanf) und Farbpflanzen (Waid, Krapp), die prinzipiell auch ackerbaulich hätten kultiviert werden können, zu den typischen Gartenpflanzen. Der Name rührt von der früheren Abtrennung des i.d.R. hofnahen Gartens von der Ackerfläche mit Hilfe von Stöcken, d.h. Gerten. Diese eigenversorgungs-orientierte Gartenfläche wird in Mitteleuropa traditionell nur individualwirtschaftlich genutzt.

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Gartenbau

Auch Hortikultur; ursprünglich der Anbau von Kulturpflanzen auf einem oftmals eingefriedeten Gelände, dem Garten. Dieses Merkmal entfällt heute häufig (vgl. Insel Reichenau). Kennzeichen des modernen Gartenbaus ist seine Arbeits- und häufig auch seine Kapitalintensität. Letztere gilt vor allem, wenn der Gartenbau als Glaskultur auf verbrauchernahem teurem Boden betrieben wird. Der Gartenbau bietet seinen Kulturpflanzen häufig künstliche Bodensubstrate sowie auch eine künstliche atmosphärische Umwelt (Folien, Frühbeete, Treib- und Gewächshäuser). Trockenheitsbedingten Ertragsausfällen wird nahezu immer mit Bewässerungsmöglichkeiten vorgebeugt.

Das Produktionsspektrum des Gartenbaus umfasst u.a. Gemüse, Blumen, Obst, Beeren, Obst- und Ziergehölze (Baumschulen), Heil- und Gewürzpflanzen, Samen und Jungpflanzen.

Die Grenzen zwischen Gartenbau, landwirtschaftlicher Obstproduktion und Feldgemüseanbau sind häufig fließend. Nach der amtlichen Statistik werden in Deutschland solche landwirtschaftlichen Betriebe und Forstbetriebe dem Gartenbau zugerechnet, die in ihrem Produktionsbereich Gartenbau einen Standarddeckungsbeitrag erwirtschaften, der 75 % und mehr des Standarddeckungsbeitrages des Betriebes ist. Der Produktionsbereich Gartenbau umfaßt die Produktionszweige Freilandgemüse, Unterglasgemüse, Freilandzierpflanzen, Unterglaszierpflanzen und Baumschulen.

In Handelsgärtnereien tritt zur Produktions- noch die Verkaufsfunktion. Oft bestehen für Gärtnereien Anbau-, Pflege- und Lieferverträge (Landschaftsgärtnereien, Friedhofsgärtnereien) oder sie erfüllen den Gestaltungsauftrag einer Institution (Stadtgärtnereien, Schloßgärtnereien, Klostergärtnereien).

Gärtner

1. Agrarsoziale Gruppe von Nachsiedlern in Gebieten der deutschen Ostsiedlung, die in etwa den nordwestdeutschen Köttern entsprach.

2. Im Gartenbau tätiger Arbeitnehmer oder Betriebseigner.

Gasölverbilligung

Erstattung eines Teils der für Dieselkraftstoff entrichteten Mineralölsteuer an die Landwirte. Zielsetzung dieser Subvention war bei ihrer Einführung die Förderung der Motorisierung und der Rationalisierung in der Landwirtschaft. Zur Rechtfertigung ihres Fortbestehens wird genannt, daß die in Land- und Forstwirtschaft eingesetzten Fahrzeuge nur zu einem geringen Teil (ca. 10 %) auf öffentlichen Wegen verkehren und die Mineralölsteuer eine zu deren Bau und Erhalt überwiegend zweckgebundene Steuer sei. Zudem werden Wettbewerbsverzerrungen gegenüber ausländischen Landwirten angeführt.

Denn die Besteuerung von Diesel sowie die Rückvergütung für den in der Landwirtschaft verbrauchten Dieselkraftstoff ("Agrardiesel") wird in den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU unterschiedlich geregelt. Ein Landwirt in Deutschland zahlt mit rund 26 Cent pro Liter deutlich mehr Steuern für Diesel, als Landwirte in anderen EU-Staaten.

Als Kritik an der Gasölverbilligung angeführt, dass durch die Verbilligung des Energieeinsatzes in der Landwirtschaft nicht nur die Luftbelastung, sondern auch die stoffliche Belastung von Böden und Gewässern und die mechanische Belastung des Bodens mit der Folge zunehmender Bodenverdichtung, Gefügezerstörung und Störung des Wasserhaushalts erhöht wird. Gleichzeitig werden fortschrittliche Entwicklungen zur Kraftstoffeinsparung und von emissionsärmeren Antriebsarten behindert.

Mögliche Folge des Wegfalls der Gasölbeihilfe könnte die Stillegung ökologisch wertvoller Grenzertragsstandorte sein. Ebenso wird bei einer Reduktion der Überfahrten ein gewisser Anreiz zu verstärktem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln anstelle von mechanischer Unkrautbekämpfung gegeben.

U.a. Der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen tritt für eine Streichung der Gasölverbilligung ein und gleichzeitig für eine Kompensation ohne negative ökologische Nebenwirkungen.

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Gassendorf

Kleines Dorf mit wenig ausgeprägter Straße, die im Falle des Sackgassendorfes blind endet.

GATT

Engl. Abk. für General Agreement on Tariffs and Trade, dt. Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen. Zwar war das GATT nur ein multilaterales Handelsabkommen, faktisch war es aber anderen internationalen Organisationen gleichgesetzt und galt als die bedeutendste zwischenstaatliche Organisation für die Zusammenarbeit in der Handelspolitik bis zu seiner Ablösung durch die neugegründete WTO im Jahre 1995. Ursprünglich ein 1947 gegründetes Provisorium mit zunächst 23 Staaten als Vertragsparteien, wurde das GATT schließlich eine Dauereinrichtung mit 108 Mitgliedsstaaten und umfasste damit 90 Prozent des Welthandels. Es gehörte zu den Sonderorganisationen der UN.

Alle Mitglieder der Welthandelsorganisation (WTO) sind auch Vertragspartner des GATT. Sitz des GATT-Sekretariats war, bis zu seiner Ablösung durch die WTO 1995, Genf. Das Abkommen blieb jedoch als ein wichtiges Vertragswerk für den internationalen Handel innerhalb der WTO bestehen und wird seitdem weiterentwickelt. Die WTO als Dachorganisation des GATT hat auch heute noch ihren Hauptsitz in Genf.

Das Hauptziel des GATT war es, den Welthandel zu liberalisieren. Dazu sollten Handelshemmnisse abgebaut werden. Ausnahmen galten für Landwirtschafts- und Fischereiprodukte; hier bestanden Einfuhrkontingente. Die Bestimmungen des GATT wurden schließlich durch die WTO übernommen, ergänzt und von neuen Mechanismen für ihre Durchsetzung flankiert.
Die Vertragsparteien konferierten ein- bis zweimal jährlich. Acht Verhandlungsrunden haben stattgefunden. Bis zur vorletzten haben sich die Schwerpunkte von reinen Zollsenkungsbestrebungen auf den Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse verlagert. Auch die Interessen der Entwicklungsländer rückten mehr in den Mittelpunkt (Lomé-Abkommen).
Wiederholt spielten Agrarhandelsprobleme eine wesentliche Rolle bei GATT-Verhandlungen, so der "Hähnchen-Krieg" und der Getreidepreis-Konflikt zwischen der EWG und den USA in den sechziger Jahren. Die dabei harte Haltung der USA erklärt sich aus der Tatsache, daß die Agrarwirtschaft für die USA seit Jahrzehnten ein wichtiger Devisenbringer ist (Handelsüberschuß bei Agrargütern von 26 Mrd. $ in 1996).
Im Mittelpunkt der GATT-Verhandlungen der frühen neunziger Jahre (Teil der Uruguay-Runde 1986-1994) stand das System des subventionierten Agrarexports. Insbesondere die USA und einige Entwicklungsländer (Cairns-Gruppe) setzten sich für einen Abbau des Agrarprotektionismus der EU ein. Im Kompromiß von 1992 wurden vier Bereiche geregelt:

Die Wirkungen, die von den Übereinkünften der Uruguay-Runde ausgehen werden, werden unterschiedlich eingeschätzt:

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Gäu

Auch "Gau"; altbesiedelter, durch Löß begünstigter Kulturlandschaftstyp in Süddeutschland, der den nördlichen Börden entspricht. Hierzu gehören Korngäu, Strohgäu, Kraichgau, Ochsenfurter Gau, Gollach-Gau, Gäuflächen im Maindreieck, Schweinfurter Becken, Grabfeld, Nördlinger Ries und Niederbayerisches Gäu. Ähnlich wie die Börden weisen die Gäulandschaften ein breites Spektrum landwirtschaftlicher Produkte auf und zählen zu den Kornkammern unseres Landes. Gäue werden fast ausnahmslos zum Altsiedelraum gerechnet.

Geest

Eine von der nordischen Vereisung und seinen Schmelzwässern geschaffene, wenig fruchtbare Landschaft aus Altmoränen, Beckensedimenten der Saale-Kaltzeit sowie aus sandreichen Aufschüttungsebenen und -fächern (Sander) in Norddeutschland, die entsprechend ihrer Entstehung mit den Elementen der glazialen Serie eine reiche Gliederung aufweist. Vereinfacht ausgedrückt wird die Geest von den fruchtbaren Landschaften der Marschen und Jungmoränengebiete einerseits und den Börden andererseits eingerahmt.

Sie können Decken aus Geschiebelehm sowie spätglazialen bis holozänen Flugsanden tragen, was im ersteren Fall zur Bildung von Parabraunerden, im zweiten zur Bildung von Podsolen führte. Die wegen der überwiegend unfruchtbaren Böden einst städtearme und wenig geachtete Geest hat seit der sogenannten Heidebauernzeit vor rund 200 Jahren eine starke Aufwertung erfahren. Große gemeinschaftlich genutzte Heideflächen (Allmenden) wurden aufgeteilt und privatisiert, Felder in Streulage wurden Verkoppelungen zugeführt. Heidegebiete wurden zu Grünland oder Ackerland umgebrochen oder aufgeforstet. Neue Düngungs- und Landbautechniken, Züchtungserfolge beim Getreide und Vieh haben zu bedeutenden Ertragssteigerungen geführt, die die Geest zu einem agrarwirtschaftlichen Überschußgebiet machten. Als Folge sind die Ertragsunterschiede zwischen Geest und Börde heute weit geringer als noch im vorigen Jahrhundert.

Geflügel

Oberbegriff für alle Vogelarten, die als Nutztiere oder Haustiere gezüchtet werden und zum menschlichen Verzehr geeignet sind. Teilweise wird der Begriff synonym für Haus- oder Nutzgeflügel verwendet, manchmal schließt er auch Federwild, Wildvögel, die gezielt zum Verzehr gejagt werden, mit ein. Je nach Nutzung werden Vögel auch in Wirtschaftsgeflügel, Rassegeflügel und Ziergeflügel oder Fettgeflügel, Magergeflügel und Wildgeflügel unterschieden.

Geflügel im Sinne der EU–Statistik sind Haustiere der Arten

Vögel, die zu Jagdzwecken in Gehegen gehalten werden und nicht der Fleischerzeugung dienen, fallen jedoch nicht darunter.

Geflügelhaltung

Zweig der Nutztierhaltung mit dem Produktionsziel Fleisch, Eier und Federn als Nebenprodukt bei einigen Tierarten. Man unterscheidet:

Die vielfältigen Betriebsformen und Betriebssysteme der Geflügelhaltung reichen von den kleinen Beständen bäuerlicher Betriebe bis zur Massentierhaltung in horizontal und vertikal integrierten agrarindustriellen Unternehmen. Hinsichtlich der Masse erzeugter Hähnchen und Eier herrschen weltweit vollintensive Haltungsformen (Batteriehaltung) vor. Diese sind aus ethischen, tiermedizinischen, seuchenhygienischen und ökologischen Gründen umstritten.

Gehöft

1. Bauernhaustyp aus mehreren Gebäuden und entsprechend getrennten Funktionen als zweiter Grundtyp der Hofformen neben dem Ein(heits)haus; in diesem Sinne synonym zu Mehrbauhof.

2. Oft synonym zu Hof.

Geilstelle

Auch Geilhaufen; Teilbereich der Weide, in dem das Gras üppiger (geil) wächst. Er entsteht durch Kuhfladen oder Pferdeäpfel, wodurch der Bereich zunächst durch das Weidevieh gemieden wird. Geregelte Beweidung verringert Geilstellen auf den Weiden, da das Mehrgras durch Mähen entfernt wird.

Gemarkung

Vom Wort Markung = Grenze; das Gemeindegebiet oder das Gebiet eines Siedlungsverbandes ohne ausmärkische Besitzungen. Sie umfaßt Flur, Allmende mit Gewässern, Wald, Öd- und Unland, die Siedlungsfläche sowie Wege und Gewässer.

In der Vergangenheit war die Gemarkung mit ihrer gesamten Wohnfunktion und Wirtschaftsfläche meist identisch mit der Fläche der Gemeinde. Durch die Gebietsreformen der 60er und 70er Jahre ist in Deutschland diese Identität häufig verlorengegangen, da die politischen Gemeinden heute in der Regel mehrere Siedlungen und damit mehrere Alt-Gemarkungen umschließen.

Gemeine Mark

Siehe Allmende

Gemeinheitsteilung

Die Teilung von vormals, im altrechtlichen Sinne gemeinschaftlich genutzten land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken (Gemeinheiten), sowie die Ablösung land- und forstwirtschaftlicher Nutzungsrechte nach altem Herkommen.

Sie erfolgte zunächst auf freiwilliger, später auf gesetzlicher Grundlage (Gemeinheitsteilungsordnung 1821 in Preußen, 1832 in Sachsen, nach 1848 in Thüringen, Bayern und Baden). Die Gemeinheitsteilung ist eine Form der Bodenordnung nach Landesrecht, die den modernen Verfahren der Flurbereinigung ähnelt.

Die sogenannten offenen, stark parzellierten Felder (open-field-System) aus der Zeit vor den Gemeinheitsteilungen wurden sowohl individuell als auch genossenschaftlich genutzt. Das gemeinschaftliche Eigentum und die unterschiedlichen Nutzungsberechtigungen erschwerten eine intensivere Bewirtschaftung. Die teilweise extrem schmalen Flurstücke setzten Absprachen zwischen den Bauern voraus. Triftrechte und Weiderechte verhinderten ebenfalls eine weitgehend individuelle Nutzung des Landes.

Gemeinheitsteilungen und damit häufig einhergehende Verkoppelungen standen in Europa am Ende eines langen Prozesses, in dessen Verlauf zuvor gemeinschaftlich bewirtschafteter Boden einer individuellen Nutzung zugeführt wurde. Vom Spätmittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein erfolgten solche Privatisierungen überwiegend in kleinen Schritten, indem Kolonisten, altansässige Bauern oder Gutsherren sich einzelne Parzellen aus den Gemeindeländereien aneigneten. Dieser Prozess erfolgte aber nicht linear, sondern unterlag oft auch gegenläufigen Entwicklungen.

Neben dieser langsamen, die Frühneuzeit durchziehenden Entwicklung hin zu einer individualisierten Landwirtschaft lassen sich für einzelne Räume auch radikale Brüche mit den gemeinschaftlichen Bewirtschaftungsformen feststellen. Einige dieser regionalen Sonderentwicklungen ragen heraus, so vor allem die frühen enclosures in Teilen Englands im 17. und 18. Jahrhundert, aber auch die Vereinödungen im Allgäu oder die Einschlagsbewegung in Teilen der Schweiz. Vor allem die englischen Erfahrungen dienten zum Vorbild, als seit den 1760er Jahren staatliche Behörden überall in Europa die durchgreifende und endgültige Aufteilung aller Gemeinheiten anordneten.

Die fehlenden individuellen Nutzungsmöglichkeiten, die dadurch eingeschränkte Verfügungsfreiheit über das Land und die durch die starke Parzellierung weiten Wege bei der Feldbestellung führten nunmehr zu verstärkten Versuchen, die Parzellen durch Zusammenlegungen zu verringern und eine individuelle Nutzung zu ermöglichen.

Individuelle Nutzungen waren bei den Gemeinheitsflächen (engl. commons) dagegen von vornherein weitgehend ausgeschlossen; alle Gemeindebewohner nutzten die gemeinsamen Flächen, wobei die Nutzungsrechte nach Hofklassen meist differenziert waren. Kennzeichnend für die Gemeinheiten war das Auseinanderklaffen von Nutzungsrechten und tatsächlicher Nutzung: viele landlose Dorfbewohner waren auf die Gemeinweiden angewiesen. Übernutzung in Folge der Bevölkerungszunahme im 18. Jahrhundert und Konflikte um die Nutzungsrechte (auch zwischen mehreren, an den Gemeinheiten beteiligten Gemeinden) prägten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunehmend das Bild und förderten Bestrebungen zur Aufhebung der individuellen Nutzung. (Schneider 2002)

In Deutschland gab es noch Anfang des 19. Jahrhunderts vielfältigen Allgemeinbesitz und Nutzungsberechtigungen an landwirtschaftlichen Flächen. Allgemeinbesitz war die Mark (Feldmark) oder auch Allmende (ahdt. algimeinida). Gewöhnlich wurde die Mark als Wald oder Weide, auch Waldweide genutzt, viele Flächen waren Ödland oder Moor. Nutzungsberechtigt waren die ansässigen Bauern als Markgenossen, aber auch adelige Betriebe der Gemarkung. Das gemeinschaftliche Eigentum und die unterschiedlichen Nutzungsberechtigungen erschwerten eine intensivere Bewirtschaftung. Mit der Privatisierung wurden Produktivitätssteigerungen erzielt, die entsprechende Aufteilungsmaßnahmen in den deutschen Ländern gegen Ende des 18. Jahrhunderts auslösten. Eine umfassende Aufteilung begann jedoch erst im 19. Jahrhundert nach der Zeit Napoleons.
Neben diesem gemeinschaftlichen Eigentum gab es auch Nutzungsberechtigungen, die auf dem Grundeigentum lasteten.

Hierzu zählten Nutzungsberechtigungen

Die Gemeinheitsteilung, unerlässliche Ergänzung der Bauernbefreiung, führte notwendigerweise auch zur Flurbereinigung, zur Aufhebung der Gemengelage und zur Auflösung der mittelalterlichen Feldgemeinschaft. Das gemeinschaftliche Eigentum wurde bei der Gemeinheitsteilung auf die Berechtigten aufgeteilt oder die Berechtigten wurden mit Geld entschädigt. Dadurch entstanden auch kleine Splittergrundstücke, die nach Möglichkeit zusammengelegt wurden. In Hannover, Schleswig-Holstein und Oldenburg wurde diese Zusammenlegung Verkopp(e)lung genannt, in Bayern wurde sie zuerst Flurbereinigung genannt. Bei Reallasten (Nutzungsberechtigungen am Grundstück) musste der Grundstückseigentümer den Berechtigten für die Ablösung entschädigen.

Bei diesen Verfahren wurden die von den Bauern individuell genutzten, aber stark parzellierten Flächen neu verteilt, so dass größere Parzellen und ein neues Wegesystem geschaffen wurde. Durch die Arrondierung wurde die Produktivität der Betriebe gefördert, da sich Wege verkürzten, weniger Zugvieh nötig wurde und die eigenen Flächen besser in Aufsicht standen. Allerdings unterblieben in Deutschland weitgehend Aussiedlungen von Höfen, so dass die alten Dorfstrukturen erhalten blieben.

Die Gemeinheitsteilung veränderte entscheidend das dörfliche Gefüge in sozialer, rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht und trug auch wesentlich zur Bildung eines ländlichen Proletariats bei, indem viele landarme und landlose Bauern ohne Entschädigung Nutzungsrechte verloren und dadurch der Grundlage für eine bescheidene Viehhaltung beraubt wurden.

Mit der Gemeinheitsteilung wurde die Voraussetzung einer raschen kapitalistischen Entwicklung der Landwirtschaft geschaffen. Ende des 19. Jh. war die Gemeinheitsteilung im Wesentlichen abgeschlossen.

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Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)

Die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union ist eine sektorale Wirtschaftspolitik, die sich durch eine hohe Eingriffsintensität auszeichnet und als Folge die Entwicklung der Landwirtschaft in starkem Maße bestimmt. Sie bedeutet die Einbindung der nationalen Agrarpolitik in zwingende Vorschriften der EU. Die GAP ist im Laufe ihres Bestehens wiederholt reformiert worden

Die "alte" GAP

Ziel der EU-Agrarpolitik nach Artikel 39 des EWG-Vertrags von 1957 ist es,

Die Gestaltung der GAP vollzog sich vor dem historischen Hintergrund, nach dem in den fünfziger Jahren die Gründerstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft die Versorgung der Bevölkerung mit Agrarprodukten (Selbstversorgungsrate 1962: ca. 80 %) kaum gewährleisten konnten, eine starke Importabhängigkeit bestand und die Erinnerung an die Entbehrungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre noch frisch war.

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Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes"

In Deutschland ist die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) ein wesentliches Element der Nationalen Strategie für die Entwicklung ländlicher Räume. Die GAK ist das wichtigste nationale Förderinstrument für eine leistungsfähige, auf künftige Anforderungen ausgerichtete und wettbewerbsfähige Land- und Forstwirtschaft, den Küstenschutz sowie vitale ländliche Räume. Sie enthält eine breite Palette von Agrarstruktur- und Infrastrukturmaßnahmen und deckt damit in weiten Teilen den Anwendungsbereich der ELER-Verordnung ab. Zusammen mit den Ländermitteln betragen die Gesamtmittel der GAK über 1 Milliarde Euro pro Jahr.

Durch die Aufnahme von Artikel 91a in das Grundgesetz wurde 1969 die Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes zur Gemeinschaftsaufgabe erklärt. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe, deren Durchführung den Ländern obliegt, wirkt der Bund mit, weil die Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes für die Gesamtheit der Lebensverhältnisse in Deutschland bedeutsam ist. Die gemeinsame Verantwortung von Bund und Ländern dokumentiert sich in einer gemeinsamen Planung und Finanzierung der Maßnahmen.

Zur Erfüllung der Gemeinschaftsaufgabe wird für den Zeitraum einer vierjährigen Finanzplanung ein gemeinsamer Rahmenplan von Bund und Ländern aufgestellt. Der GAK-Rahmenplan bezeichnet die Maßnahmen einschließlich der mit ihnen verbundenen Zielstellungen, er beschreibt die Fördergrundsätze, Fördervoraussetzungen sowie die Art und die Höhe der Förderungen.

Beschlossen wird der Rahmenplan durch den Planungsausschuss für Agrarstruktur und Küstenschutz (PLANAK), in dem die Agrarminister von Bund und Ländern sowie der Bundesminister der Finanzen zusammenkommen.

Einzelheiten zu den Grundsätzen, Zielen und Verfahrensfragen sind im Gesetz über die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK-Gesetz - GAKG) geregelt.

Weitere Informationen:

Gemeinschaftspräferenz

Einer der drei Grundsätze zur Organisation der gemeinsamen Agrarmärkte, nach dem ein Vorrang für EU-Produkte besteht („Gemeinschaftspräferenz“). Auf dieser Grundlage werden aus der EU stammenden Agrarerzeugnissen gegenüber Importprodukten Vorrang und Preisvorteile eingeräumt. Der Binnenmarkt sollte vor Niedrigpreisprodukten aus Drittländern und vor größeren Schwankungen des Weltmarktes geschützt werden.

Die Gemeinschaftspräferenz findet sich bereits in der Entschließung der Stresa-Konferenz von 1958. Der EuGH bekräftigte diesen Grundsatz 1967 in Bezugnahme auf Art. 44 Abs. 2 EWGVtr. Umgesetzt wurde das Prinzip durch Gebühren auf Importe. Außerdem wurden für importierte Waren höhere Preise vorgeschrieben, als der Schwellenpreis für heimische Waren war.

Gemengeflur

Flurformentyp mit vorherrschender Gemengelage der Besitzparzellen. Bei Gemengefluren unterscheidet man die Kleinblockfluren von den streifenförmigen Gewannfluren. Kleinparzellierte Gemengefluren bilden die am stärksten verbreitete Flurformengruppe in Mitteleuropa. Es handelt sich um neuzeitliche Sekundärformen, aber auch um Primärformen des Mittelalters und der Neuzeit.

Die für Einödfluren charakteristische Bindung an Gebiete des Anerbenrechtes gilt zu einem großen Teil auch für Kleinblockfluren, aber nicht für Gewannfluren.

(s. a. Flurform)

Gemengelage

Die gestreute, mit dem Besitz anderer Betriebe vermengte Lage des Besitzes. Entsprechend fehlt in der Regel der Hofanschluß zur Flur oder er besteht nur teilweise, d.h. von einer Parzelle. Die Aufsplitterung konnte in Regionen Südwestdeutschlands bis zu über 100 Parzellen betreffen. In den Zeiten der Ochsen- und Pferdegespanne wurden für die Zurücklegung der Wegstrecken zwischen 25 und 35 % der gesamten Arbeitszeit benötigt.
Die Streuung der Parzellen stellte und stellt andererseits einen gewissen Risikoausgleich dar, etwa bei Mäusefraß und Schädlingsbefall oder bei ungleich verteilten Witterungsunbilden. Oft gehört zu dieser Variante der Parzellenlage eine Haufensiedlung.

(s. a. Arrondierung)

Gemüse

Pflanzen, die ganz oder in Teilen vorwiegend der menschlichen Ernährung dienen. Sie werden in Gärtnereien und Kleingärten, aber auch von Bauern als Sonderkultur (Feldgemüse) angebaut.

Gemüse(an)bau

Anbau von Gemüsegewächsen als übliche Kultur des Gartenbaus oder als Sonderkultur des bäuerlichen Feldbaus. Gemüseanbau kann in Streulage - oft nur der Eigenversorgung, aber beim Feldgemüsebau auch der Marktbeschickung dienend - oder in zusammenhängenden größeren Gebieten auftreten. Der Standort solcher Agglomerationen kann bedingt sein durch Marktnähe, Klimagunst, Transportgunst, Agglomerationsvorteile (Vermarktungsstrukturen) u.w.

Marktorientierter Gemüseanbau ist oftmals eingebunden in horizontale und vertikale Integration. Häufig bestehen Anbauvereinbarungen zwischen gemüseverarbeitender Industrie und Gemüseproduzenten.

(s. a. Vertragslandwirtschaft)

Genbank

1. In der Gentechnik: Bezeichnung für eine Sammlung (Bibliothek) von DNA-Abschnitten, die Teile oder gar das gesamte Erbgut eines Lebewesens repräsentieren.

2. In der Züchtung: Sammlung von Samen-, Pollen- und Gewebemustern von Wild- und Kulturvarietäten züchterisch interessanter Pflanzenarten. Genbanken dienen der (ex situ-) Sammlung, Erhaltung und Erforschung von Material der Formenmannigfaltigkeit der Kulturpflanzen, insbesondere ihrer Landsorten und Primitivformen sowie der mit ihnen verwandten Wildarten. Für landwirtschaftliche und gartenbauliche Kulturpflanzen bestehen große Genbanken am Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben und an der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig.

Gene flow

Engl. für "Genfluss"; die (unbeabsichtigte) Übertragung genetischen Materials von Kulturpflanzen in verwandte Wildformen ("Auskreuzen") oder auch z.B. in Bodenbakterien. Gerade die "genetic novelties", wie die gentechnisch erzielten Insektenresistenzen oder Toleranzen gegen abiotische Faktoren, können Wildkräuter zu größerer Fitness und damit unter den bestehenden Umweltbedingungen zu einem Selektionsvorteil verhelfen, was eine Einengung der Biodiversität nach sich ziehen würde.

Genossenschaften

Vereinigungen von gleichgesinnten und gleich interessierten Personen mit meist wirt­schaftlichen Zielen. Sie bezwecken vornehmlich die Förderung des Erwerbs oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder mittels gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebes, der bestimmte Funktionen, die aus dem Verantwortungsbereich der Mitgliederwirtschaften ausgegliedert worden war, übernahm. Dabei sollen synergetische Effekte genutzt und die Marktschwäche der einzeln Schwachen überwunden werden. Die einzelnen Mitglieder sind gleichzeitig Kunden und Eigentümer.
Genossenschaften entstanden als Selbsthilfeorganisationen wirtschaftlich schwacher Individuen ab Mitte des 19. Jh. und sind praktisch in der ganzen Welt mit dem Namen Raiffeisen (ländliche G.) und Schulze-Delitsch (handwerklich-gewerbliche G.) engstens verbunden. Nach den Prinzipien dieses freien Genossenschaftswesens arbeiten heute weltweit in über 100 Ländern 900.000 Genossenschaften für über 500 Mio. Mitglieder.
In Ziel und Arbeitsweise unterscheiden sich diese Genossenschaften deutlich von den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der früheren DDR. Eigentliche Produktionsgenossenschaften auf freiwilliger Basis (z.B. Kibbuzim in Israel) gibt es in Deutschland nicht, es sei denn als Maschinenringe.
Ideengeschichtlich stehen hinter dem Begriff "Genossenschaft" Vorstellungen von Herrschaftsfreiheit, Wirtschaftsdemokratie und sozialem Fortschritt. Tatsächlich sind die Genossenschaften im Laufe der Zeit zu einflußreichen Wirtschaftsunternehmen geworden, deren Geschäftspolitik praktisch recht autonom vom Vorstand und/oder Geschäftsführer bestimmt wird. Sie produzieren vornehmlich Dienstleistungen im vor- bzw. nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft.

2015 waren in Deutschland 2.250 landwirtschaftliche Primärgenossenschaften unter dem Dach des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV) zusammengeschlossen. Sie erzielten zusammen im Jahr 2015 einen addierten Umsatz von mehr als 61,7 Mrd. Euro. Während die Anzahl der Primärgenossenschaften aufgrund von Fusionen bzw. Rationalisierung rückläufig ist, sind die Mitgliederzahlen und Umsätze stark gestiegen. Daher wird den Genossenschaften häufig eine gewisse Marktmacht im Wettbewerb mit privaten Unternehmen des Landhandels und sogar gegenüber den eigenen Mitgliedern unterstellt. Die Mitgliedsunternehmen sind verantwortlich für:

Auf europäischer Ebene wurde am 6. September 1958 die erste europäische repräsentative Bauernorganisation, COPA (Ausschuss der berufsständischen landwirtschaftlichen Organisationen) gebildet. Kurz danach, d.h. am 24. September 1959 schufen die nationalen Organisationen landwirtschaftlicher Genossenschaften ihren europäischen Dachverband COGECA (Allgemeiner Ausschuss des ländlichen Genossenschaftswesens der Europäischen Union), der die Fischereigenossenschaften mit umfasste. Das Sekretariat von COGECA wurde am 1. Dezember 1962 mit dem Sekretariat von COPA zusammengelegt. Gemeinsam bilden sie die stärkste repräsentative Interessenvertretung der europäischen Landwirtschaft. Die Anzahl der bei COPA und COGECA angeschlossenen Organisationen aus den EU-Mitgliedstaaten ist inzwischen auf insgesamt 76 angewachsen.

Auch in den USA spielen Farmer-Genossenschaften seit vielen Jahrzehnten eine bedeutende Rolle. Eine marktbeherrschende Rolle haben die Genossenschaften mit über 80 % Marktanteil bei der Milchvermarktung inne. Im Bereich der tierischen Produkte einschließlich des Geflügelsektors wurde eine vergleichbare Marktstellung aber nicht erreicht. Seit den 1990er Jahren hat sich in den USA und in Kanada mit den New Generation Cooperatives (NGC) ein modifizierter Typ von Farmer-Genossenschaften ausgebreitet. Sie verfolgen das Ziel, anstelle der von den Farmern angelieferten Rohprodukte weiterverarbeitete Erzeugnisse auf dem Markt anzubieten und damit eine größere Wertschöpfung zu erzielen (Klohn und Voth 2010).

(s. a. Deutscher Bauernverband, Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband)

Gentechnik

Die Summe aller praktischen Methoden zur Isolierung, Charakterisierung, gezielten Veränderung und Übertragung von Erbgut eines Lebewesens als Teil der auch die theoretischen Aspekte umfassenden Gentechnologie. Allen dabei angewandten Verfahren gleich ist das vorangehende Entschlüsseln des Genotyps.

In der öffentlichen Diskussion liegt der Fokus meist auf der so genannten Grünen Gentechnik. Darunter fällt der Anbau von Pflanzen, deren Erbgut genetisch so verändert wurde, wie es über klassische Züchtungsmethoden (Kreuzen oder Rekombination) nicht möglich wäre. Diesen Pflanzen wird zum Beispiel ein Gen eines anderen Organismus eingesetzt, um sie resistent gegen Insekten oder bestimmte Pflanzenschutzmittel zu machen. Solche Pflanzen können sowohl als Lebensmittel wie auch als Futtermittel verwendet werden.

Häufiger spielt bei Lebensmitteln die so genannte Weiße Gentechnik eine Rolle. Darunter sind biotechnologische Verfahren in der industriellen Produktion zu verstehen, bei denen durch gentechnisch veränderte Mikroorganismen – etwa Pilze oder Bakterien – organische Chemikalien hergestellt werden. Mit Hilfe der Weißen Gentechnik werden viele Lebens- und Futtermittelzusatzstoffe wie zum Beispiel Vitamine, Aminosäuren, Aromen oder Chymosin hergestellt.

Als Rote Gentechnik wird der Einsatz gentechnischer Methoden zu medizinischen Zwecken bezeichnet. Eine wichtige Anwendung ist die inzwischen weit verbreitete gentechnische Herstellung von Medikamenten und Impfstoffen. Diese können sowohl bei Menschen als auch bei Nutztieren eingesetzt werden.

Ziele

Mit gentechnischen Verfahren können bestimmte gewünschte Eigenschaften statt durch züchterische Auslese, die über den Phänotyp stattfindet, direkt im Genom eingebaut oder auch neue Eigenschaften hinzugefügt werden.

Sie werden vor allem eingesetzt, um bei Pflanzen Resistenz gegen verschiedene Krankheiten oder Schädlinge zu erreichen, die Erträge zu steigern oder die Anpassung an die gegebenen Verhältnisse (Wasserknappheit, Nährstoffmangel) herzustellen.

Vorteile und Nachteile

Der Vorteil ist die deutlich kürzere Zeit zum Erreichen eines Zuchtziels. Ebenso eröffnet die Gentechnik die Möglichkeit, den Pflanzen Eigenschaften zu verleihen, die man auf herkömmlichem Weg nicht erreichen kann.

Der Nachteil ist der hohe technische Aufwand sowie die möglicherweise unkontrollierbaren Folgen bei einer ungewollten Freisetzung.

Tiergenetik

Die ersten gentechnisch veränderten Säugetiere entstanden noch vor den ersten Gentechnikpflanzen. 1974 wurde zum ersten Mal über erfolgreiche Versuche mit Mäusen berichtet. 1985 gab es erste Meldungen zu Schafen und Schweinen. Während sich solche Mäuse und Ratten inzwischen massenhaft in den Laboren finden, sind die meisten Projekte im Bereich Landwirtschaft gescheitert.

Gründe sind fehlende Akzeptanz, Tierschutz- und auch technische Probleme. Nur ein Projekt wurde bislang (2017) bis zur Marktreife entwickelt: Lachs, der aufgrund einer Genmanipulation besonders schnell wächst und 2015 in den USA sowie 2016 in Kanada zum Verkehr zugelassen wurde. Allerdings wird der Fisch noch nicht vermarktet.

Inzwischen unternehmen verschiedene Firmen (u. a. Intrexon, Recombinetics) einen neuen Anlauf, gentechnisch veränderte Tiere zur Marktreife zu entwickeln. Im Mittelpunkt der Forschung steht das Gen-Editing, bei dem die Erbsubstanz DNA im Labor neu zusamengesetzt und mithilfe von sogenannten DNA-Scheren (Nukleasen) an bestimmten Stellen im Erbgut eingebaut werden. Bisherige Versuche sind allerdings mit erheblichen gesundheitlichen Problemen für die Tiere verbunden.

Weitere Informationen:

Gentechnikgesetz

Das 2015 novellierte deutsche Gentechnik-Gesetz (GenTG) regelt Arbeiten in gentechnischen Anlagen, die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen und das Inverkehrbringen von Produkten, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten; es schreibt Risikoanalysen vor, die von den zuständigen Behörden im Rahmen von Kontrollen und von Anmelde- und Genehmigungsverfahren überprüft werden. Für nationale Anträge auf Freisetzung ist das Robert-Koch-Institut (ehemals ein Teil des Bundesgesundheitsamtes) Genehmigungsbehörde.

Ein weiteres Hauptanliegen des Gentechnikgesetzes besteht darin, die gentechnikfreie konventionelle und ökologische Landwirtschaft vor Auskreuzungen, Beimischungen und sonstigen Einträgen von gentechnisch veränderten Organismen zu schützen.Hierzu wurden Mindestabstände zwischen Feldern mit gentechnisch verändertem Mais und Feldern mit konventionellem Mais im Jahr 2008 gesetzlich eingeführt. Das gleichberechtigte Nebeneinander verschiedener Anbaumethoden wird als Koexistenz bezeichnet. Die Aufklärung der Öffentlichkeit geschieht über ein Standortregister, in dem jede Forschungsfreisetzung und jeder Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in Deutschland eingetragen werden müssen.

Weitere Informationen:

gentechnisch veränderte Organismen (GVO)

Gentechnisch veränderte Organismen sind entsprechend der Richtlinie 2001/18/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 12. März 2001 (Freisetzungsrichtlinie) definiert. Danach handelt es sich um biologische Einheiten (Einzeller, Tiere oder Pflanzen) mit Ausnahme des Menschen, deren genetisches Material so verändert wurde, wie es auf natürliche Weise durch Kreuzen und/oder natürliche Rekombination nicht möglich wäre.

Die genetischen Veränderungen kann man mit verschiedenen Techniken herbeiführen: durch gezieltes Abschalten einzelner Gene oder durch den Einbau von arteigenen oder artfremden Genen. Letzteres ist mit DNS-Rekombinationstechniken möglich oder durch direktes Einführen von Erbgut fremder Arten, Zellfusion oder Hybridisierungsverfahren. Der Vorgang der Veränderung wird auch als genetic engineering bezeichnet.

Bei gentechnisch veränderten Organismen, mit denen der Verbraucher in Berührung kommt, handelt es sich ausschließlich um Pflanzen, die genetisch verändert wurden, um sie entweder toleranter gegenüber Pflanzenschutzmitteln oder widerstandsfähiger gegen Schadinsekten zu machen. Lebens- und Futtermittel, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten oder aus ihnen hergestellt wurden, sind nach EU-Recht zu kennzeichnen.

Zum Nachweis gentechnisch veränderter Organismen in Lebens- und Futtermitteln gibt es verschiedene zugelassene Methoden, die in der Regel auf dem molekularbiologischen Prinzip der Polymerasekettenreaktion (PCR) beruhen.

Transgene Nutzpflanzen haben seit ihrer Erstzulassung im Jahr 1996 weltweit rapide an Bedeutung gewonnen und wurden 2009 in 25 Ländern auf 134 Millionen Hektar (ca. 9 % der globalen Landwirtschaftsfläche) angebaut. Dabei handelt es sich insbesondere um Pflanzen, die aufgrund von gentechnischen Veränderungen tolerant gegenüber Pflanzenschutzmitteln oder giftig für bestimmte Schadinsekten sind.

Gentechnisch veränderte Zierpflanzen wie die blaue Rose haben einen geringen Marktanteil.

Gentechnisch veränderte Pflanzen: Anbauflächen weltweit 1996-2015 in Mio. Hektar

Quelle: transGEN

Transgene Tiere wurden zunächst für Forschungsarbeiten hergestellt, um die Funktion von Genen zu untersuchen. Hierbei wurden verschiedene Tierarten eingesetzt, die sich für die Analyse biologischer Prozesse besonders eignen. So werden zum Beispiel niedere Organismen wie die Hydra als Modellorganismus eingesetzt, da viele der Gene, die auch im menschlichen Körper für die Entwicklung und auch zur Abwehr von Krankheiten wichtig sind, bei diesem Organismus vorkommen. Transgene Hydren erlauben daher Funktionsuntersuchungen, die in komplizierten Organismen und auch beim Menschen nicht so leicht möglich sind.

Basierend auf diesen Grundlagenforschungen wurden in der Folge auch Genveränderungen an Nutztieren vorgenommen, um deren Eigenschaften für eine bessere Nutzung zu erhöhen.

Gentechnisch veränderte Pflanzen 2015: Anbauflächen gehen leicht auf 179 Mio. Hektar zurück

Quelle: transGEN

Seit der ersten Aussaat 1996 sind die mit gentechnisch veränderten Nutzpflanzen bewirtschafteten Flächen kontinuierlich gestiegen. Nach dem Rekordjahr 2014 gingen sie leicht auf nunmehr fast 180 Millionen Hektar zurück – mehr als das Vierfache der Gesamtfläche Deutschlands.

Trotz der gewaltigen Flächen, die heute mit gv-Pflanzen bewirtschaftet werden, ist ihr Anbau bis heute auf wenige Länder beschränkt, in erster Linie auf die großen agrar-exportierenden Länder in Nord- und Südamerika. Hinzu kommen Indien und China, die sich bisher jedoch auf eine Kulturart – Baumwolle – beschränken sowie zahlreiche Länder mit sehr viel kleineren Flächen.

Auch die Kulturarten, bei denen gv-Sorten ausgesät werden, sind die gleichen geblieben: Sojabohnen, Mais, Baumwolle und Raps. Inzwischen sind – mit großen Abstand – noch Zuckerrüben und Alfalfa (Luzerne) hinzugekommen. Einige der frühen Entwicklungen wie die berühmte Anti-Matsch-Tomate oder die ersten gv-Kartoffeln sind längst wieder vom Markt verschwunden, fortgeschrittene Entwicklungsprojekte etwa bei Weizen, Weintrauben oder Pflaumen wurden bereits vor einer möglichen Markteinführung eingestellt. Allein die Papayas auf Hawaii, deren Anbau ohne die Möglichkeiten der Gentechnik wohl dem PR-Virus zum Opfer gefallen wäre, sind eine Ausnahme.

Bei den gentechnisch neu eingeführten Eigenschaften ist es im Wesentlichen bei zwei Merkmalen geblieben: Resistenz gegen Schadinsekten (Bt-Pflanzen) sowie Toleranz gegenüber Herbiziden, wenn auch in verschiedenen Varianten und Kombinationen. Andere Merkmale - etwa Gene für Virusresistenzen, Trockentoleranz, veränderte Inhaltsstoffe und Produkteigenschaften – sind inzwischen zwar auch erfolgreich übertragen worden, doch die Flächen mit diesen gv-Pflanzen fallen bisher im Vergleich zu denen der großen Cash Crops kaum ins Gewicht. (transGEN)

Seit 1996 in den USA die weltweit ersten gv-Nutzpflanzen zugelassen wurden, blieb es auch das das Land mit der größten Anbaufläche für solche Pflanzen.

Die Landwirte in den USA haben durch gentechnisch veränderte Nutzpflanzen wirtschaftlich profitiert, obwohl sie deutlich mehr für das Saatgut zahlen müssen als zu Beginn der 2000er Jahre. Der Verbrauch von Insektiziden vor allem bei Mais und Baumwolle ist seitdem stark zurück gegangen. Dagegen nimmt der Einsatz von Herbiziden wieder zu, weil viele Unkräuter inzwischen resistent geworden sind. Das geht aus einem 2014 veröffentlichten Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) hervor, für den die Erfahrungen mit gv-Pflanzen ausgewertet wurden.

Weltweit konzentriert sich die landwirtschaftliche Nutzung der Gentechnik auf fünf Kulturarten: Sojabohnen, Mais, Baumwolle, Raps und Zuckerrüben. Darüber hinaus gibt es in geringerem Umfang z. B. den Anbau von Kartoffeln, Papaya, Kürbissen und Luzerne. Die wichtigsten Erzeuger sind die USA, Argentinien, Brasilien, Indien, China und Kanada.

In der EU dürfen gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel nicht ohne Zulassung in Verkehr gebracht werden. Deshalb ist die Einfuhr aus Drittstaaten in die EU nur für die gentechnisch veränderten Nutzpflanzen erlaubt, für die es eine der derzeit rund 50 Zulassungen gibt. Dabei handelt es sich um verschiedene Mais-, Baumwolle-, Soja- und Rapssorten sowie eine Zuckerrübensorte. Teilweise erfolgt die Zulassung mit Einschränkungen im Hinblick auf die Verwendung, einige der Pflanzen dürfen zum Beispiel nur in Form von Öl, Stärke oder Glukose in Verkehr gebracht werden.

Weitere Informationen:

gentechnisches Freilandexperiment

Der (erste) Anbau einer genetisch gezielt veränderten Kulturpflanze außerhalb von Labors und Gewächshäusern unter landwirtschaftlichen Bedingungen. Gentechnische Freilandexperimente und das Inverkehrbringen gentechnisch veränderter Organismen müssen seit Juli 1990 nach dem Gentechnikgesetz vom Robert-Koch-Institut (eine Nachfolgebehörde des Bundesgesundheitsamtes) genehmigt werden. Ebenso wirken die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft bzw. die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere bei den Genehmigungsverfahren mit. Freisetzungsversuche sind stets zeitlich und räumlich begrenzt und mit Auflagen verbunden. Dadurch soll die Verbreitung lebensfähiger, gentechnisch veränderter Organismen weitestgehend eingeschränkt bzw. verhindert werden.

Weltweit sind bis 1996 ca. 6.000 Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Organismen durchgeführt worden, davon rd. 2.500 in den USA. In der EU wurden insgesamt rd. 600 Freisetzungen notifiziert, davon 42 in Deutschland. Es handelt sich dabei durchweg um landwirtschaftliche Kulturpflanzen, auf die Krankheits-, Schadinsekten- und Herbizidresistenzen, Veränderungen bezüglich der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe sowie männliche Sterilität (bedeutsam für die Erzeugung von Hybridsaatgut) übertragen wurden.

In der EU sind bis Mitte 1995 zwei gentechnisch veränderte Lebendimpfstoffe für Tiere sowie gentechnisch hergestellte herbizidresistente Tabakpflanzen für das Inverkehrbringen zugelassen worden. In den USA haben seit Mitte 1994 eine gentechnisch veränderte Tomatensorte (Flavr-Savr) und 1995 weitere gentechnisch veränderte pflanzliche Produkte (drei weitere Tomatenlinien, Kürbis-, Baumwoll-, Kartoffel- und Sojabohnensorten) die Marktzulassung erreicht. Für das Jahr 1998 rechnet man mit einem 40 %-igen Anteil von Sojabohnen aus gentechnischem Saatgut an der gesamten US-amerikanischen Sojabohnenernte.

Freisetzungen gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland

Quelle: transGEN

Zwischen 1990 und 2015 wurden etwa 200 Freisetzungsanträge vom heutigen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit genehmigt. Die Antragsteller waren zur Hälfte öffentliche Forschungsinstitutionen und Universitäten. Tatsächlich durchgeführt wurden in den 25 Jahren an die 1200 Freisetzungen. Beantragt und genehmigt wurden noch sehr viel mehr. Es betraf fast 300 verschiedene Standorte. Nur etwa ein Viertel der genehmigten Freisetzungen wurde auch tatsächlich durchgeführt. Das liegt vor allem daran, dass die Unternehmen oft sehr viele Standorte vorsorglich nachgemeldet haben, um gv-Pflanzen unter verschiedenen klimatischen Bedingungen zu testen und die für das Zulassungsverfahren erforderlichen Daten zu ermitteln.

Weitere Informationen:

Gentechnologie

Die Gesamtheit von theoretischen und praktischen Aspekten der Anwendung biologischer, molekularbiologischer, chemischer und physikalischer Methoden, die der Analyse, Veränderung und Neukombination von Nukleinsäuren (genetischem Material) dienen sowie des Einbringens und Vermehrens des neukombinierten Erbmaterials in lebenden Zellen. Der Begriff wird häufig synonym zu Gentechnik verwendet.
Gentechnologie kann großen Nutzen u.a. in den Bereichen Landwirtschaft oder der biologischen Bodensanierung bedeuten.

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Genter

Auch Gängar, Dörre; ein Trockengestell, das wie eine breite Leiter vor der Hauswand angebracht ist (früher besonders im Allgäu).

Geodaten

Geodaten sind raumbezogene Daten der Erdoberfläche, der Lithosphäre und Atmosphäre bis hin zu fachthematischen Sachverhalten aus Wirtschaft, Recht, Verwaltung u.ä. Sie beschreiben Objekte der Realität durch geometrische und inhaltliche Attribute.

Sie lassen sich z.B. mit Geographischen Informationssystemen erfassen, speichern und weiterverarbeiten. Wichtigstes Kriterium von Geodaten ist der Raumbezug, der i.d.R. auf zwei- oder dreidimensionalen Koordinaten beruht. Grundlage für Geodaten ist in Deutschland u.a. das Amtliche Topographisch-Kartographische Informationsssystem (ATKIS).

Geodaten lassen sich über den Raumbezug miteinander verknüpfen, woraus insbesondere unter Nutzung von GIS-Funktionalitäten wiederum neue Informationen abgeleitet werden können.
Auf und mit ihnen lassen sich Abfragen, Analysen und Auswertungen für bestimmte Fragestellungen durchführen. Geodaten sind als Ware im Geodatenmarkt anzusehen. Sie lassen sich in zwei große Teilkomplexe aufteilen:

Man differenziert ferner in:

Das GeoZG erläutert auch den Begriff "Geodatendienste", es versteht darunter vernetzbare Anwendungen, welche Geodaten und Metadaten in strukturierter Form zugänglich machen. Dies sind im Einzelnen:

  1. Suchdienste, die es ermöglichen, auf der Grundlage des Inhalts entsprechender Metadaten nach Geodaten und Geodatendiensten zu suchen und den Inhalt der Metadaten anzuzeigen,
  2. Darstellungsdienste, die es zumindest ermöglichen, darstellbare Geodaten anzuzeigen, in ihnen zu navigieren, sie zu vergrößern oder zu verkleinern, zu verschieben, Daten zu überlagern sowie Informationen aus Legenden und sonstige relevante Inhalte von Metadaten anzuzeigen,
  3. Dienste, die das Herunterladen und, wenn durchführbar, den direkten Zugriff auf Kopien von Geodaten ermöglichen (Downloaddienste),
  4. Transformationsdienste zur geodätischen Umwandlung von Geodaten.

Als Geodateninfrastruktur bezeichnet das Gesetz eine Infrastruktur bestehend aus Geodaten, Metadaten und Geodatendiensten, Netzdiensten und -technologien, Vereinbarungen über gemeinsame Nutzung, über Zugang und Verwendung sowie Koordinierungs- und Überwachungsmechanismen, -prozesse und -verfahren mit dem Ziel, Geodaten verschiedener Herkunft interoperabel verfügbar zu machen.

Ein Geoportal ist eine elektronische Kommunikations-, Transaktions- und Interaktionsplattform, die über Geodatendienste und weitere Netzdienste den Zugang zu den Geodaten ermöglicht.

Der international gestiegene Bedarf an öffentlichen Geodaten manifestiert sich heute u.a. durch Initiativen wie INSPIRE (INfrastructure for SPatial InfoRmation in Europe), Copernicus, GEOSS (Global Earth Observation System of Systems) und Galileo (europäisches ziviles Satellitennavigationssystem). Die Koordinierung des Bundes im Rahmen dieser Initiativen erfolgt in Deutschland durch den Interministeriellen Ausschuss für Geoinformationswesen (IMAGI).

Geodaten in der Landwirtschaft:

Die Landwirtschaft ist wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig vom jeweiligen Standort des Wirtschaftens abhängig. Aus der Kombination der verschiedenen, natürlichen Standortfaktoren Klima, Boden und Relief ergibt sich für jeden Standort ein individuelles Portfolio aus Ertragspotenzialen.

Elektronische Daten zu solchen Standortfaktoren, eben die beschriebenen Geodaten, finden längst einen breiten Einsatz in der landwirtschaftlichen Praxis, wie zum Beispiel im Bereich der Präzisionslandwirtschaft.
Aber nicht nur dort spielen Geoinformationen eine wichtige Rolle, auch die Wissenschaft im Agrar-, Umwelt- oder Meeresbereich greift bei ihren Untersuchungen immer häufiger auf Geoinformationstechnologien und -dienste zur Erkenntnisgewinnung und -absicherung zurück.

Neben in-situ Daten, die direkt am Boden, in der Luft oder im Gewässer mithilfe stationär angebrachter Sensoren aufgezeichnet werden, spielen zunehmend auch solche Daten eine wichtige Rolle, die basierend auf Satelliten- bzw. Luftbildern über Fernerkundungsmethoden flächendeckend ermittelt werden können. Mithilfe von Sensoren zur Aufnahme bestimmter Bandbreiten des elektromagnetischen Spektrums, kann das spezifische Rückstrahlverhalten der Erdoberfläche auf dem Bildmaterial festgehalten und daraus die gewünschten Parameter von zu analysierenden Objekten abgeleitet werden. Von besonderem Interesse sind dabei in der landwirtschaftlichen Praxis Parameter zum Zustand von Pflanzenbeständen (z. B. Nährstoffversorgung, Schädlingsbefall oder Vitalität) sowie von Böden (z. B. Feuchte, Temperatur oder Erosionsvorgänge).

Weitere Informationen:

Geoökosystem

Auch "landschaftliches Ökosystem"; ein Wirkungsgefüge aus Gruppen von Lebewesen und Pflanzen (Biosysteme) und deren anorganischer Umwelt (abiotische Geosysteme), das über eine bestimmte räumliche Ausdehnung verfügt. Als offene Systeme unterliegen Geoökosysteme zahlreichen externen Einflüssen. Die aktivste Wirkung übt dabei der wirtschaftende Mensch aus. Er nutzt die Produktivität von Geoökosystemen zur Nahrungsversorgung und zur Entnahme von organischen und anorganischen Stoffen. Die Nutzung steht im Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit (sustainability) und Raubbau, zwischen einer Bewahrung der Erneuerungsfähigkeit von Geoökosystemen und ihrer Überlastung, im Extrem ihrer dauerhaften Zerstörung. Für die aktuelle wie für die historische Entwicklung der Kulturlandschaft finden sich ausreichend Beispiele, daß die forstliche und agrarische Nutzung den geoökologischen Grundlagen oft mehr entnommen haben, als an Nährstoffen regeneriert wurde.

Geophyten

Mehrjährige krautige Pflanzen, die die ungünstige Jahreszeit (Winter, Lichtmangel, sommerliche Dürre) mit Hilfe unterirdischer Erneuerungsknospen (Überdauerungsorgane) überdauern. Man unterscheidet u.a. Rhizomgeophyten, Knollengeophyten und Zwiebelgeophyten sowie solche, bei denen die Erneuerungsknospen unterirdisch am Stengelgrund oder den Wurzeln sitzen.

Geoportal GDI-BMEL

Das Geoportal GDI-BMEL wird durch das in der BLE angesiedelte "Fachzentrum für Geoinformation und Fernerkundung für den Geschäftsbereich des BMEL" betrieben. Das BMEL stellt in diesem Zusammenhang über das Geoportal GDI-BMEL einen zentralen GDI-Knoten für die Einrichtungen des BMEL-Geschäftsbereiches zur Verfügung. Über den Geodatenkatalog der GDI-BMEL werden die Metadaten des BMEL-Geschäftsbereich an den Geodatenkatalog der GDI-DE weitergeleitet. Auf diese Weise ist die nationale Umsetzung der EU-INSPIRE-Richtlinie für das BMEL sichergestellt. Über den Geodatenviewer werden verschiedene Geodaten aus dem Geschäftsbereich des BMEL über voreingestellte Kartendienste bereitgestellt.

Auch für die landwirtschaftliche Praxis und Forschungstätigkeiten der Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften ist der Einsatz und die Verarbeitung von Geoinformationen von großer Bedeutung.

Die Seiten des Geoportals GDI-BMEL (Geodateninfrastruktur des Geschäftsbereichs des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft) bietet Informationen über ausgewählte Einsatzmöglichkeiten der Fernerkundung und die Bedeutung der Geoinformationen für die Bereiche der Land- und Forstwirtschaft. Darüber hinaus stellen sich einige Institute und Behörden des BMEL-Geschäftsbereichs mit ihren Fernerkundungs- und GIS-Schwerpunkten sowie ihren diesbezüglich durchgeführten Projekten vor.

Ausgehend von dieser Startseite bietet das Geoportal GDI-BMEL als Informationsplattform überdies einen raschen Überblick über aktuelle Nachrichten und Veranstaltungstermine sowie interessante Links zu den Themen Geoinformation und Fernerkundung in den Bereichen Ernährung und Landwirtschaft. Zudem wird über die Initiative INSPIRE aufgeklärt. In Zukunft stehen auch weiterführende Publikationen zum Download zur Verfügung.

Über einen Metadatenkatalog sind Informationen zu den in Behörden, Forschungsinstituten und sonstigen Einrichtungen des Geschäftsbereichs vorhandenen Geodaten recherchierbar. Durch die Anbindung an den Geodatenkatalog-DE können die Metadaten, sofern sie INSPIRE-relevant sind, auch über die INSPIRE-Infrastruktur gefunden werden. Einige ausgewählte WMS-Dienste sind im Geodatenviewer des Geoportal GDI-BMEL eingebunden, weitere werden folgen.

Der Geodatenkatalog-DE ist eine Komponente der "Geodateninfrastruktur Deutschland" (GDI-DE), welche zur besseren Suche und Nutzung der dezentral vorliegenden Geodaten von Bund, Ländern und Kommunen dient. Dieses Vorhaben unterstützt nicht nur die deutschlandweite Vernetzung von raumbezogenen Daten, sondern auch die im internationalen Umfeld und trägt dazu bei, die europäische Geodateninfrastruktur gemäß der INSPIRE-Richtlinie umzusetzen.

Gerüsttrocknung

In europäischen Mittelgebirgen und alpinen Grünlandgebieten seit dem Mittelalter verbreitete Methode der Heutrocknung mit Hilfe unterschiedlicher Gerüstarten, wie z.B. Heinzen, Heuhütten, Schwedenreutern, Schrägwänden oder Dreibockreutern. Bis Ende der 50er Jahre waren Gerüste die einzige Alternative zur Bodentrocknung mit größerer Unabhängigkeit vom Wetter und besseren Heuqualitäten. Heute sind sie weitgehend durch Belüftungsanlagen verdrängt.

Gesamtfutter

In der Landwirtschaft der Industrieländer üblicher Begriff für die Futterkombination aus Grundfutter und Kraftfutter.

geschützte geografische Angabe (g.g.A.)

Das Gütezeichen "g.g.A." soll eine Verbindung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse und Lebensmittel mit dem Herkunftsgebiet dokumentieren, wobei nur eine der Produktionsstufen – also Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung – im Herkunftsgebiet durchlaufen worden sein muss. Mindestens eine Phase des Produktionsprozesses muss in dem Gebiet erfolgen, während das für ihre Herstellung verwendete Rohmaterial aus einer anderen Region stammen kann. Mit "g.g.A." gekennzeichnete Produkte besitzen somit eine spezifische Eigenschaft oder ein Ansehen, die sie mit einer bestimmten Region verbinden.

Beispiel: Schwäbische Spätzle

Echte Schwäbische Spätzle dürfen seit März 2012 das europaweit gültige Qualitätssiegel für "geschützte geografische Angaben" (g.g.A.) tragen - wenn sie in Schwaben herstellt wurden und die Zutaten mit der bei der EU hinterlegten Rezeptur übereinstimmen. Dadurch soll eine gleichbleibend hohe Qualität sichergestellt werden.

(s. a. geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.), garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.))

Weitere Informationen:

geschützte Landschaftsbestandteile

Nach § 18 des Bundesnaturschutzgesetzes rechtsverbindlich festgesetzte Teile von Natur und Landschaft, deren besonderer Schutz zur Sicherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts, zur Belebung, Gliederung oder Pflege des Orts- und Landschaftsbildes oder zur Abwehr schädlicher Einwirkungen erforderlich ist. Sie ergänzen wie die Naturdenkmale die Flächenschutzkategorien des BNatSchG.

geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.)

Das EU-Gütezeichen "g.U." garantiert, dass die Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung eines Erzeugnisses in einem bestimmten geographischen Gebiet nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren erfolgt ist. Sämtliche Produktionsschritte müssen also in dem betreffenden Gebiet erfolgen. Die Produkte weisen dementsprechend Merkmale auf, die ausschließlich mit dem Gebiet und den Fähigkeiten der Erzeuger in der Herstellungsregion zusammenhängen. Zwischen den Merkmalen des Produkts und seiner geographischen Herkunft muss ein objektiver enger Zusammenhang bestehen.

Beispiel: Allgäuer Emmentaler g.U.

Nur Milch aus dem Allgäu darf zur Herstellung des "Allgäuer Emmentaler" verwendet werden. Die geologischen und klimatischen Verhältnisse des Allgäu beeinflussen wesentlich die Güte des Rohstoffs Milch und damit des Allgäuer Emmentaler. Hinzu kommt das in der langen Tradition der Käseherstellung gewonnene Know-how. Der Allgäuer Emmentaler weist dementsprechend Merkmale auf, die ausschließlich mit dem Gebiet und den Fähigkeiten der Erzeuger in der Herstellungsregion zusammenhängen.

(s. a. geschützte geografische Angabe (g.g.A.) und garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.))

Weitere Informationen:

gestelztes Ein(heits)haus

Dem quergeteilten Ein(heits)haus verwandter Grundtyp der Ein(heits)häuser, da ebenfalls eine Querteilung vorliegt. Seine Besonderheit besteht darin, daß der Wohnteil "gestelzt" ist, d.h. ganz oder überwiegend im ersten Stock untergebracht ist. Dieses sogenannte Wohnstallhaus ist seit dem 16. Jh. als Kümmerform aus Gehöften entstanden. Hauptverbreitungsgebiete sind die Baar, die südwestliche Schwäbische Alb und deren Vorland einschließlich des Neckarbeckens.

Getreide

Gruppe von annuellen Kulturpflanzen aus der Familie der Gräser (Gramineen), die fast überall in der Welt wegen ihrer stärkemehlhaltigen Samen für die menschliche wie tierische Ernährung angebaut werden. 2005 wurden in Deutschland 55 % des Getreides für die menschliche Ernährung, 45 %für die Industrie und als Viehfutter verwendet. Im Allgemeinen unterscheidet man acht Getreidearten: Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Mais, Triticale, Reis und Hirse. Der Kornkörper besteht aus der Frucht- und Samenschale, dem Keimling und dem Mehlkörper. Er enthält viel Eiweiß (Kleber) und Stärkekörner.

Schon in vorgeschichtlichen Siedlungen findet man Getreide an den Herdstellen. Auch auf Tongefäßen der Frühzeit finden sich Darstellungen von Ähren, ebenso ist aus den Funden von Mahlsteinen auf die Verwendung von Getreide zu schließen. Wahrscheinlich ist der Getreideanbau in Vorderasien entwickelt worden, über Kleinasien, die Donauländer oder die Iberische Halbinsel und Frankreich nach Mitteleuropa gekommen. Funde sprechen dafür, dass zunächst Brotweizen und Gerste, aber auch Hafer angebaut wurden. Roggen ist erst später, insbesondere wegen einer Klimaverschlechterung, in Mitteleuropa bedeutsam geworden.

Auch der Getreidehandel ist schon alt. Hirse und Mais sind erst später nach Europa gekommen. Neben den Körnern werden auch die Halme als Stroh – früher vor allen Dingen als Einstreu bei Viehhaltung – verwendet, heute vor allem zur Bodenverbesserung. Getreide wird in Deutschland fast ausschließlich mit dem Mähdrescher geerntet, die ausgedroschenen Körner kommen zunächst in den Korntank, werden dann lose auf Wagen umgeladen und gegebenenfalls getrocknet und eingelagert. Das Stroh wird entweder zu Ballen gepresst und abtransportiert oder gleich fein gehäckselt aufs Feld gestreut, um es in den Ackerboden einzuarbeiten.

Die Ernteerträge bei Getreide wurden in den letzten Jahrzehnten erheblich gesteigert. Neue Sorten, bessere Bodenbearbeitung, gezielte Düngung, Pflanzenschutzmittel, Mechanisierung und Spezialisierung der Betriebe sind die Ursache dafür. 1967 erntete ein Landwirt in Deutschland gerade einmal die Hälfte der heutigen Getreidemenge. So lag zum Beispiel der Durchschnittsertrag je Hektar Weizen in den Jahren 1964 bis 1969 bei rund 3,7 Tonnen, heute (2017) liegt er im Schnitt der vergangenen fünf Jahre bei acht Tonnen. Dagegen liegen die Getreideerträge in den afrikanischen und asiatischen Ländern mit 20 bis 30 dt/ha deutlich niedriger. Auch in Nordamerika liegen die Erträge deutlich hinter denen Deutschlands.

Weitere Informationen:

Getreideeinheit (GE)

Maßstab für die Berechnung der Gesamtproduktion eines landwirtschaftlichen Betriebes oder der Landwirtschaft eines Gebietes. Dabei dient das Getreide als Ausgangsbasis (1 GE entspricht 100 kg Futtergerste). Alle anderen pflanzlichen und tierischen Produkte werden nach einem Schlüssel in Getreideeinheiten umgerechnet, und zwar nicht nur unter Berücksichtigung des Nährstoffgehaltes, sondern auch nach Maßgabe der zu ihrer Erzeugung nötigen Nährstoffmengen (tierische Erzeugnisse) oder (bei Sonderkulturen) nach dem zu ihrer Erzeugung notwendigen Arbeitsaufwand im Verhältnis zum Getreide.

Getreideeinheitenschlüssel Pflanzliche Erzeugnisse (GE in dt)
Erzeugnis GE in dt Erzeugnis GE in dt Erzeugnis GE in dt
1 dt Weizen
1 dt Gerste
1 dt Roggen
1 dt Hafer
1 dt Mais
1 dt Hirse
1 dt Reis
1 dt Ackerbohnen
1 dt Bohnen
1 dt Erbsen
1 dt Kartoffeln
1 dt Zuckerrüben
1 dt Futterrüben
1 dt Körnerraps
1 dt Sonnenblumen
1,07
1,00
1,01
0,85
1,10
0,84
0,92
0,92
0,86
1,04
0,22
0,27
0,12
2,46
2,60
1 dt Sojabohnen
1 dt Faserlein
1 dt Hanf
1 dt Grassamen
1 dt Klee-/Luzernesamen
1 dt Gemüse allgemein
1 dt Weißkohl
1 dt Möhren
1 dt Spargel
1 dt Obst
1 dt Baumobst
1 dt Strauchobst
1 dt Erdbeeren
1 dt Hopfen
1 dt Tabak
2,60
1,00
1,00
4,38
5,80
0,57
0,25
0,38
2,00
0,86
0,81
1,59
1,50
7,38
2,66
1 dt Weinmost
1 dt Blumen
1 dt Ziergehölze
1 dt Grasland
1 dt Silomais
1 dt Sonstige Hauptfutterfrüchte
1 dt Zwischenfrüchte (Raps)
1 dt Gerstenstroh
1 dt Klee-, Luzerneheu
1 dt Futterrübenblatt
1 dt Zuckerrübenblatt
1 dt Zuckerrübenmelasse
1 dt Zuckerrübenschnitzel
1 dt Trockenschnitzel

1,29
135,00
135,00
0,43
0,18
0,60
0,11
0,49
0,68
0,11
0,13
0,80
0,98
0,98

Quelle: TLL

Sowohl bei der Berechnung der Bruttobodenproduktion als auch Nahrungsmittelproduktion ist über die Getreideeinheiten die Zusammenfassung der einzelnen Erzeugnisse zu einem Gesamtwert möglich. Die Brutto-Bodenproduktion stellt die Bodenleistung ohne Rücksicht auf die Art ihrer Verwertung dar. Alle landwirtschaftlich genutzten Flächen sind mit ihren ermittelten oder geschätzten Erträgen einbezogen. Die Nahrungsmittelproduktion umfasst alle pflanzlichen Erzeugnisse, die für die menschliche Ernährung direkt verwendet werden, zur Verarbeitung im Ernährungsgewerbe dienen oder für technische Zwecke genutzt werden als auch die tierischen Erzeugnisse. Darin enthalten sind auch die tierische Erzeugung aus eingeführten Futtermitteln sowie die Ausfuhren an Nutz- und Zuchtvieh. Berücksichtigt sind auch die Veränderungen des Viehbestandes, bereinigt um die Einfuhr von Nutz- und Zuchtvieh. Nicht der Nahrungsmittelproduktion zugerechnet werden dagegen die landwirtschaftlichen Vorleistungen (Futter, Saat- und Pflanzgut, Bruteier). Die Netto-Nahrungsmittelproduktion wird aus der Nahrungsmittelproduktion durch Abzug der Futtermitteleinfuhren errechnet. Sie stellt die Erzeugung aus heimischer Bodenleistung dar.

Getreideeinheitenschlüssel Tierische Erzeugnisse (Lebendgewicht)
Erzeugnis GE in dt Erzeugnis GE in dt Erzeugnis GE in dt
1 dt Rinder aller Altersklassen
1 dt Neugeborenes Kalb
1 dt Viermonatiges Kalb
1 dt 18monatige Färse
1 dt 27monatige Färse
1 dt Milchkuh
1 dt Mastbulle
1 dt Mastbulle (intensive Mast)
1 dt Mastbulle (Weidemast)
1 dt Mastochse
1 dt Mastfärse
1 dt Mastkalb
1 dt Schwein

5,90
4,10
3,60
5,80
7,10
6,70
5,10
4,80
5,20
6,40
6,00
2,70
3,50

1 dt Mastschwein
1 dt Muttersau
1 dt Schaf
1 dt Geflügel
1 dt Mastpute
1 dt Huhn
1 dt Masthuhn
1 dt Legehenne
1 dt Vollmilch
1 dt Vollmilch (zur Verfütterung)
1 dt Schaf- und Ziegenmilch
1 dt Eier
1 dt Schmutzwolle

3,50
3,30
8,40
2,70
2,96
2,65
2,32
4,94
0,86
0,24
0,70
2,57
1,90

1 dt Magermilch
1 dt Molke
1 dt Molkepulver
1 dt Magermilchpulver
1 dt Buttermilchpulver
1 dt Futterknochenschrot
1 dt Fleischfuttermehl
1 dt Tierkörpermehl
1 dt Fleischknochenmehl
1 dt Blutmehl
1 dt Fischmehl
1 dt Fischpreßsaft, getrocknet
1 dt Tierische Fette

0,11
0,07
1,04
1,09
1,10
0,45
1,18
1,03
0,76
0,80
1,09
0,89
2,42

Quelle: TLL

Getreidesubstitute

Kohlehydratreiche Kraftfuttermittel, die anstatt von Getreide zum Einsatz kommen. Die EU-Kommission hat insgesamt 14 Futtermittel zu Austauscherzeugnissen erklärt. Dazu gehören:

Da diese Substitute z.T. einen mehr oder weniger höheren Rohproteingehalt als Getreide aufweisen, konkurrieren sie aber auch mit eiweißhaltigen Futtermitteln (z.B. Ölkuchen). Substitute werden zu einem hohen Anteil in die EU importiert. Da es sich bei vielen Substituten um Nebenprodukte handelt, können diese leicht an sinkende Preise des konkurrierenden Getreides angepaßt werden. Ein Hauptlieferland der Substitute stellen die USA dar. Wichtigster Abnehmer in der EU sind die Niederlande, gefolgt von Deutschland. Die flächenunabhängige Veredelung basiert gerade in diesen beiden Ländern zu einem wesentlichen Teil auf den kostengünstigen Substituten.

(s. a. Futtermittelimporte, Kraftfutter, Umweltwirkungen)

Gewann

Ein von linearen Längs- und Breitengrenzen begrenzter Verband gleichlaufender, streifenförmiger, gebündelter Besitzparzellen, deren Besitzer ihr Land in Gemengelage haben. Die in der Längsrichtung der Streifenparzellen, d.h. in der Pflugrichtung verlaufenden Außengrenzen werden als Raine bezeichnet. Senkrecht zur Pflugrichtung sind als Außengrenzen die Anwandgrenzen angeordnet; oft handelt es sich dabei um schmale, streifige Anwender-Parzellen, auf denen das Pfluggespann gewendet wird. Gewanne können blockförmig-kompakt oder streifig-langgestreckt sein und sich auch in der Größe beträchtlich voneinander unterscheiden.

Zur Vermeidung unterschiedlicher genetischer Befrachtungen des Begriffes "Gewann" und zur besseren Übertragbarkeit in andere Sprachen wurde der Begriff Streifengemengeverband als Ersatz vorgeschlagen.

Gewanndorf

Großes Haufendorf mit Gewannflur, verbreitet in Süddeutschland.

Gewannflur

Eher historische Flurform, die in eine größere Zahl von Gewannen mit überwiegend blockförmigem Umriss gegliedert ist. Gewannfluren sind gleichlaufend, wenn in der überwiegenden Zahl der Gewanne die Parzellen bzw. die Pflugrichtung einer Hauptrichtung folgen. In einer kreuzlaufenden Gewannflur weisen die Gewanne verschiedene, z.B. hangsenkrechte und hangparallele Parzellierung auf. Gewannfluren stehen gewissermaßen vermittelnd zwischen regellos gestalteten Blockfluren und Streifenfluren mit dem Dominieren von einzelnen oder mehreren Parzellenverbänden.

Genetisch sind die Gewannfluren zumindest in Mitteleuropa überwiegend durch die Parzellierung von großen Blöcken entstandene Sekundärformen. Als Primärform kann sie sich aus der Aufteilung von Allmendland gebildet haben. Gewannfluren finden sich in fast allen Landschaften Mitteleuropas, allerdings mit ungleicher Verbreitungsdichte. In Gebieten der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung waren sie selten, in den südwest- und westdeutschen Realteilungsgebieten wiesen sie eine fast geschlossene Verbreitung auf.

Eindeutige Belege für das Auftreten von Gewannfluren finden sich erst für das späte 13. Jahrhundert. Sie betreffen landwirtschaftliche Gunstzonen wie Elsass und Breisgau, Neckartal und Wetterau.

Die langen, schmalen Einzelfelder (Riemenparzellen) hatten unter anderen technologischen Vorzeichen durchaus Positives: Ein von Ochsen gezogener Pflug konnte ohne Wenden lange Strecken bearbeiten. Für die moderne Großtechnik ist die Schmalparzellierung hingegen sehr hinderlich.

Gewannfluren wiesen in der Regel nur wenig extensive Landnutzung auf, weil dies die typische Flurform für Lössböden mit ausgeglichenem Relief war. Da die Flächen damit für den Ackerbau überaus attraktiv waren, wurde jede mögliche Fläche unter Pflug genommen, um Getreide anzubauen. Gewannfluren, die beispielsweise für den Oberrheingraben, die Magdeburger Börde und das Neckarland typisch waren, waren deshalb weitgehend „ausgeräumte“ Landschaften.

Typisch für Gewannfluren war eine Dreifelderwirtschaft, bei der man im ersten Jahr Wintergetreide wie Roggen und Weizen anbaute, im darauf folgenden Jahr Dinkel, Hafer, Sommerweizen oder Gerste und dann das Feld ein Jahr lang brach liegen ließ. Auf Gewannfluren war wegen der geringen Größe der einzelnen Parzellen, von denen noch nicht einmal jede über eigene Zugangswege verfügte, die Bewirtschaftung zelgengebunden. Auf jeder Zelge, einer Einheit aus mehreren Parzellen, mussten alle Besitzer nicht nur dieselbe Frucht anbauen, sondern sich auch an gemeinsame Saat- und Erntezeiten halten.

Vieh wurde nur als Zugtiere und Düngerlieferanten gehalten. Die Fleischproduktion spielte dabei eine sehr geringe Rolle. Entsprechend selten waren auch Allmenden, die als gemeinschaftliche Weidefläche genutzt wurde. Beweidet wurden dagegen in einem komplizierten Turnus die Brachflächen, die wenigen Raine und nicht ackerbaulich genutzten Flächen sowie die Stoppelfelder. Mit der Einführung der verbesserten Dreifelderwirtschaft, bei der das Brachejahr entfiel und stattdessen auf diesen Flächen Klee, Esparsette und Luzerne als stickstoffbindende Gründüngung gesät wurde, begann man zunehmend, zur reinen Stallhaltung überzugehen. Auf den Kleinflächen, die nicht in den Ackerbau einbezogen wurden, ließ damit der Beweidungsdruck nach. Diese Flächen standen jetzt für Streuobstanbau zur Verfügung, oder es entstanden dort allmählich Feldgehölze, Gebüsche und Hecken.

Entsprechend dem Begriff "Streifengemengeverband" für "Gewann" wurde "Streifengemengeverbandsflur" für "Gewannflur" vorgeschlagen.

Gewässerbelastung

Gewerbliche und häusliche Abwässer erfahren zunehmend eine Reinigungsbehandlung. Als Folge verschiebt sich das Schwergewicht vieler Gewässerbelastungen auf die landwirtschaftlichen Anteile. Von den Nährstoffeinträgen stammen zurzeit etwa 50 - 55 % aller Stickstoff- und 40 - 45 % aller Phosphoreinträge in die Gewässer Deutschlands von den landwirtschaftlichen Nutzflächen. Für Pflanzenschutzmittel können bisher noch keine genauen Eintragungsangaben vorgelegt werden. Sie werden aber hauptsächlich für landwirtschaftliche Anwendungen in Verkehr gebracht. Während Pflanzenschutzmittel hauptsächlich durch oberirdischen Abfluß in die Fließgewässer gelangen, sind bei Nitrat Grund- und Dränwasser die Haupteintragspfade.
Die mengenmäßig größten Gewässerbelastungen aus der Landwirtschaft entstehen durch

Außerdem werden Gewässer belastet durch

Alleine für die Nitratbelastung der Nordsee ist die deutsche Landwirtschaft nach einer Studie des Umweltbundesamtes aus dem Jahre 1994 zu 50 % verantwortlich.
In Deutschland sind die Nitratgehalte des Trinkwassers im Verlaufe der letzten Jahrzehnte deutlich angestiegen, so überschreitet in Baden-Württemberg mittlerweile ein Drittel der Quellen den gegenwärtigen EG-Richtwert von 25 mg/l. Seit 1992 deutet sich, vor allem in Wasserschutzgebieten, eine Entspannung der Lage an.
Dieser Entwicklung zu begegnen, ist Aufgabe einer umwelt- und sozialverträglichen Landwirtschaft. Mit dem Wasserhaushaltsgesetz, dem Düngemittelgesetz und dem Pflanzenschutzgesetz sowie den EG-Richtlinien über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln und zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen (umgesetzt mit der Düngeverordnung) wurden bereits wesentliche rechtliche Regelungen für eine umweltverträgliche Landwirtschaft getroffen, die z.T. jedoch verbesserungs- und konkretisierungsbedürftig sind und vor allem vollzogen werden müssen. Beispielsweise ist auch die Erhebung einer europaweiten "Düngemittelsteuer" denkbar. Mit den Steuereinnahmen können Landwirte gefördert werden, die weniger Stickstoff einsetzen, also beispielsweise die Methoden des ökologischen Landbaus verfolgen.
Gewässerrandstreifen sollten vorrangig dort angelegt werden, wo intensive landwirtschaftliche Nutzungen naturnahe Gewässereigenschaften verdrängt haben und wo im Interesse des Gewässerschutzes der Schutz vor Bodenerosion geboten ist. Die Umwandlung von Ackerland in Grünland, schonende Bodenbearbeitung sowie gewässerbegleitende, standortgerechte Bepflanzung können diese Zielsetzung unterstützen. Die Verfahren des integrierten Landbaus mit ihren Möglichkeiten zum geringen Pflanzenschutzmitteleinsatz sind flächendeckend einzusetzen. Die Förderung des ökologischen Landbaus bietet sich aufgrund weitgehend geschlossener Stoffkreisläufe insbesondere in wasserwirtschaftlichen Problemgebieten an.

Wesentliche Einsparungspotentiale ergeben sich aus der Tierernährung. Beim Stickstoff wird eine Effizienz der eingesetzten Nährstoffe als Verhältnis von Aufwand zur Verwertung von nur 16 % erreicht und beim Phosphor von 32 %. Erhebliche Reduzierungen der Nährstoffausscheidungen sind durch Futterzusatzstoffe zu erzielen, wie z.B. den vermehrten Einsatz von reinen Aminosäuren und verwandten Verbindungen, sowie den Einsatz von Enzymen und schließlich durch optimierte Fütterungsmaßnahmen (z.B. bedarfsangepasste Rationen).

Weitere Informationen:

Gewässerrenaturierung

Die Wiederherstellung des Naturhaushaltes an Bächen, Flüssen, Seen und in Auen. Das deutsche Wasserhaushaltsgesetz in der Fassung vom 31. Juli 2009 fordert im § 1, die Gewässer durch eine nachhaltige Gewässerbewirtschaftung als Bestandteil des Naturhaushalts, als Lebensgrundlage des Menschen, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als nutzbares Gut zu schützen.

Die Gewässer des ländlichen Raumes befinden sich heute bundesweit nur noch zu 10 - 15 % in einem naturnahen und ökologisch voll funktionsfähigen Zustand. Die Gewässer sind bereits seit dem Mittelalter Gegenstand des landwirtschaftlichen Kultur- und Meliorationswasserbaus. Über Jahrhunderte war man bemüht, ursprünglich flache und krümmungsreiche Bäche kanalartig zu begradigen und zu vertiefen, um von Natur aus nasse und häufig überschwemmte Bachauen landwirtschaftlich besser nutzen zu können. Dies war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine der wenigen Möglichkeiten, um die geringe Produktivität der Landwirtschaft und die oft sehr bescheidenen Lebensgrundlagen der ländlichen Bevölkerung nachhaltig zu verbessern.
Als ökologische Funktionen naturnaher Bach-Aue-Systeme werden angesehen:

Die Gewässer können diese Funktionen nur dann umfassend erfüllen

In den Mittelgebirgs- und Hügellandschaften ist die landwirtschaftliche Nutzung der Bachauen aus heutiger Sicht nur unter folgenden Bedingungen standortgerecht und gewässerverträglich im Sinne des § 1a Wasserhaushaltsgesetz:

Zuständig für die Planung und Durchführung von Maßnahmen ist grundsätzlich der Gewässerunterhaltungspflichtige. Die Unterhaltungspflicht richtet sich im einzelnen nach den Wassergesetzen der Bundesländer. Sie obliegt in der Regel den Kommunen oder, wo vorhanden, Wasser- und Bodenverbänden. Auch die notwendigen Flächenbeschaffungen und Umstrukturierungen in der Aue sind in erster Linie Sache des Unterhaltspflichtigen.

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Gewässerschutzstreifen

Bei den vor allem in Europa und Nordamerika eingerichteten Gewässerschutzstreifen (im agroforstlichen Sinne) handelt es sich um gezielte und geplante Anpflanzungen von Bäumen, Sträuchern und Stauden an Ufern von Gewässern, wie Seen oder Flüssen, mit dem Ziel, für das Gewässer schädliche Auswirkungen von Landnutzung abzumildern.

Sachgemäß bewirtschaftete Gewässerschutzstreifen verbessern und schützen die Gewässerqualität, stabilisieren erodierende Ufer-Bereiche, bieten wertvolle Habitate für Land- und Wassertiere und bieten Landnutzern die Möglichkeit zur Ertragsdiversifizierung durch im Schutzstreifen erzeugte Agroforst-Produkte, wie Wert- und Brennholz, Beeren, Nüsse, Grünfutter, Wild (v.a. Niederwild).

In den USA bestehen Gewässerschutzstreifen entsprechend den Empfehlungen des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) typischerweise aus drei aneinander angrenzenden Zonen (UMCA, 2005):

Zone I: Gewässernahbereich, bewachsen mit einer Mischung einheimischer Bäume, Sträucher und Stauden, die an die hydrologischen Bedingungen in Überschwemmungsgebieten angepasst sind. Wichtige Funktion des Bewuchses in Zone I ist die Stabilisierung des Uferbereichs und die Erzeugung und Bereitstellung organischen Materials für auentypische, biologische Prozesse.

Zone II: Eine anschließende (i.d.R. breitere) Zone von schnellwachsenden Bäumen und Sträuchern, die gelegentliche Überflutung tolerieren. Wichtigste Funktion der Pflanzen in diesem Bereich ist die Aufnahme und das Rückhalten von im Sickerwasser gelösten Nähr- und Schadstoffen und somit Schutz des Gewässers vor zu viel düngenden oder auf andere Weise schädlichen Einträgen. Darüber hinaus können die Gehölze in Hochwassersituationen den Abfluss des Wassers verlangsamen. Dieser Bereich kann zur Gewinnung verschiedener „Agroforst-Produkte“ (z.B. Nüsse, Beeren oder Blumen) zusätzlich bewirtschaftet werden.

Zone III: Übergangsbereich zum Acker- oder Weideland, der typischerweise aus Stauden in Mischung mit Gräsern und Wildblumen besteht. In diesem Bereich versickert der Großteil oberflächlich abfließenden Niederschlagswassers, erodiertes Sediment wird zurückgehalten, das Sickerwasser wird durch die Sedimente und Pflanzenwurzeln gereinigt und Konzentrationsspitzen werden abgemildert.

Gewürze

Teile einer bestimmten Pflanzenart, die wegen ihres natürlichen Gehaltes an Geschmacks- und Geruchsstoffen als würzende oder geschmacksgebende Zutaten zu Lebensmitteln bestimmt sind.

Ghout

Auch Beurda; Form traditioneller Wasserzuführung in Oasen von Sandwüsten. Dabei erfolgt am Rande von Ergs mit ihren extrem flachlagernden Grundwasserkörpern anstelle einer Wasserzuführung zur Pflanze eine trichterartige Absenkung des Anbauniveaus, so dass das Grundwasser ohne Bewässerung pflanzenverfügbar ist.

GIS

Abk. für Geographisches Informationssystem; ein rechnergestütztes System, das für die Verarbeitung von großen Mengen geocodierter Raumdaten unterschiedlichster Herkunft konzipiert ist. Ein GIS soll entsprechend der Erfordernisse des Nutzers Daten erfassen, verarbeiten, speichern, analysieren, reorganisieren, verknüpfen und für Zwecke der Raumanalyse und -modellierung alphanumerisch oder (karto)graphisch darstellen. Eine GIS-Nutzung erfolgt u.a. im Natur-, Umwelt- und Bodenschutz, in der Wald- und Landwirtschaft, der Raumplanung, der Fernerkundung und der Biogeographie.
Kontinuierliche Raumbetrachtung und rastermässige Erfassung der verschiedenen Standortfaktoren und Ausprägungen der regionalen Wirtschaftsstruktur können Standort- und Anbauentscheidungen erleichtern. Aus GIS entwickelte Agrar-Umwelt-Informationssysteme vermögen künftig verlässlich Daten beispielsweise zu Fragen der Honorierung von landwirtschaftlichen Wohlfahrtsleistungen oder von Anbaubeschränkungen zu liefern.

Im Konzept des Lokalen Ressourcen Managements leistet ein GIS die notwendige räumliche Verknüpfung und geostationäre Bewertung von Datensätzen. Dies erlaubt zunächst das Erkennen von Wechselwirkungen zwischen den Ertragsdaten und den damit verbundenen bodenspezifischen und ackerbaulichen Variablen. Als Folge wird es möglich, wirkungsvolle Strategien für einen ökonomisch und ökologisch optimierten Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln zu entwickeln.

(s. a. GPS, Precision Farming)

Globaler Wandel und Agrarwirtschaft

Der Begriff 'Globaler Wandel' fasst verschiedene globale Veränderungsprozesse des Systems Erde zusammen, die sich zu einem erheblichen Teil gegenseitig beeinflussen. Der Wandel betrifft damit die Landmassen, die Ozeane, die Atmosphäre, die vor allem an den Polen konzentrierten Eisregionen, die natürlichen Kreisläufe des Planeten, die Prozesse im Erdinneren, alle Lebensformen auf der Erde und auch die menschliche Gesellschaft.

In einem umfassenden Verständnis gehören zum Globalen Wandel insbesondere

In diesem Rahmen bringt der globale Wandel für den Agrar- und Ernährungssektor insgesamt sowie speziell für die Agrarentwicklung und die Welternährung zahlreiche Herausforderungen mit sich. Hierzu gehören zum Beispiel die vielfältigen gesellschaftlichen Anforderungen an eine multifunktionale Landwirtschaft, die zunehmende Verknappung der Produktionsfaktoren Boden und Wasser, sich verändernde Preisrelationen zwischen Biomasse und fossilen Energieträgern, das persistierende, in den letzten Jahren sogar angestiegene globale Ausmaß der Unterernährung sowie die erwarteten Auswirkungen des Klimawandels. Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, bedarf es privatwirtschaftlicher Initiative, leistungsfähiger öffentlicher Institutionen sowie eines hohen zivilgesellschaftlichen Engagements und eines Umbaus der Agrar- und Ernährungspolitik.

Weitere Informationen:

GPS

Abk. für Global Positioning System oder Globales Positionierungs-System, ein satellitengestütztes System zur genauen Positionsbestimmung. In der Landwirtschaft hilft es im Rahmen des Precision Farming Betriebsmittel ökologisch und ökonomisch optimiert auszubringen. Das System beruht auf insgesamt 24 Ortungssatelliten in ca. 20.000 km Höhe, die auf ihren verschiedenen Bahnen um die Erde kreisen und dabei ständig hochpräzise, synchrone Zeitsignale und ihre jeweilige Orbitposition zur Erde senden. Da die Signale von den Satelliten zu einem bestimmten Punkt auf der Erde eine unterschiedlich lange Zeit benötigen, kann aus der Positionsangabe und der verbrauchten Zeit der Abstand zum Satelliten und über die Winkelrechnung die eigene Position bestimmt werden. Ein GPS-Empfänger auf dem Mähdrescher oder Schlepper kann diese Aufgabe leisten.
Das GPS-Navigationssystem (Navstar-GPS) ist Eigentum des amerikanischen Verteidigungsministeriums. Für die zivile Nutzung wurde ein Positionierungsfehler eingebaut. Damit liegt die Bestimmungsgenauigkeit der Position im Bereich von ca. 100 m und reicht für teilschlagbezogene Tätigkeiten nicht aus. Höhere Genauigkeiten von ca. 1 bis 5 m, also im Bereich einer Arbeitsbreite eines Schleppers oder Mähdreschers, werden mit Hilfe des sogenannten Differential Global Positioning Systems (DGPS) erreicht, zu dessen Einsatz eine fest installierte Referenzstation mit DGPS-Empfänger und mindestens drei Satelliten nötig sind. Zwischen dem mobilen Empfänger und der Referenzstation besteht über die Antennen Funkkontakt, dabei korrigiert die exakt ortspositionierte Referenzstation die 'unkorrekten' Funksignale der Satelliten. Ein PC oder Laptop berechnet dann aus den Signalen die jeweilige Position. Die gewonnenen Daten werden auf einer Chipkarte für eine spätere Auswertung am Computer gespeichert. Mit diesen Daten können die Parzellen genau bestimmt, vermessen und ein Lageplan angefertigt werden. Dieser Plan kann mit Informationen über Bodenqualität, Nährstoffgehalt, Ertrag u.ä. befüllt werden und damit die Grundlage für eine teilflächenspezifische Bearbeitung abgeben.
Schwierigkeiten erfährt eine Satellitenortung u.a. durch Signalabschattungen im Wald, an Waldrändern, an Hecken und Feldgehölzen. Für exakte Ortungs- und Navigationsaufgaben werden künftig Stützungssysteme wie Radarsensoren, Radsensoren oder Inertialsysteme (Erfassung der räumlichen Veränderung auf Kreiselbasis) unerläßlich sein.

Neben der teilschlagbezogenen Bewirtschaftung mit einer Navigation für Einzelfahrzeuge, z.B. zur Bodenbeprobung, besteht auch die Möglichkeit zur Nutzung von GPS beim Flottenmanagement eines größeren Fahrzeugparks im überbetrieblichen Maschineneinsatz. In weiterer Zukunft liegt die zielgerichtete Führung von fahrerlosen Feldrobotern.

Weitere Informationen:

Grabstockbau

Primitive Form des pfluglosen Ackerbaus. Der Grabstock als Werkzeug zur Bodenbearbeitung und Pflanzung ist in einem die ganze Erde umspannenden, vorwiegend tropischen Hackbaugürtel anzutreffen. Angebaut werden hauptsächlich Knollenfrüchte und Getreide. Der Grabstock wurde bereits von Sammlergesellschaften zum Ausgraben von Knollen und Wurzeln verwendet.

grandes cultures

Statistischer und verwaltungstechnischer Begriff zur Kennzeichnung der Produktgruppen Getreide, Ölsaaten und Hülsenfrüchte. Er ist vor allem relevant innerhalb der Beihilfe-Systeme der Gemeinsamen Agrarpolitik.

Grangie

Großer, zu einem Kloster gehörender Agrarbetrieb. Grangien entstanden z.T. in unerschlossenen Räumen, so gelten die Zisterzienser als Rodeorden. Andererseits war bei ihnen, wie auch bei Benediktinern und anderen das Bauernlegen nicht selten, wenn Grangien in bereits besiedelten Gebieten entstanden.
Von derartigen Vorwerken, auch solcher von Adelsherrschaften lassen sich in Mitteleuropa häufig große Einzelhöfe ableiten.

Der Name (lat. grangia, grangiae) rührt von granum = Korn; daher eigentlich Getreidescheune oder -speicher.

Grasjahre

Periode der mehrjährigen Futterpflanzen.

(s. a. Baujahre)

Green Belt Movement

The Green Belt Movement (dt. Die Grüngürtel-Bewegung) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation, die sich vor allem auf Umweltschutz und die Entwicklung von sozialen Gemeinschaften konzentriert. Sie wurde im Jahr 1977 von der Kenianerin Wangari Maathai gegründet.
Die Bewegung führte in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens Baumpflanzungsaktionen durch, um der Entwaldung und somit auch der Bodenerosion in Kenia entgegenzuwirken und um die Verfügbarkeit von Holz, der Hauptenergiequelle zum Kochen, sicherzustellen.
Die Grüngürtel-Bewegung achtet bei der Auswahl der Bäume auf deren größtmöglichen Nutzen für die Bevölkerung. Zu den sehr häufig gepflanzten Bäumen zählen Leberwurstbäume, Olivenbäume, Cordia africana und Tamarindenbäume.

Daneben steht die Entwicklung eines umweltbewussten Umgangs mit der Natur im Mittelpunkt der Aktivitäten. Seit 1977 wurden von der GBM über 30 Millionen Bäume gepflanzt und über 30.000 Frauen in Forstwirtschaft, Imkerei, Nahrungsmittelverarbeitung und anderen Möglichkeiten der Einkommenssicherung ausgebildet.

Maathai etablierte in der Bewegung auch den Einsatz für die Stärkung der Frauen in der Gesellschaft, Ökotourismus und wirtschaftliche Entwicklung. Für ihre Arbeit in der Grüngürtel-Bewegung wurde sie 2004 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Die Green Belt Movement setzt sich für die Baumpflanzung in unmittelbarer Umgebung der Wohnorte ein und fördert den Anbau von Obstbäumen, um eine energiesparende und gleichzeitig vitaminreiche Ernährung der Familien zu gewährleisten. Neben dem Feuerholz liefern Bäume auch düngendes Laub, Honig und Rohstoffe für den Hausbau, für Zäune und Gebrauchswaren. Weiterhin werden Kurse über ökologische und nachhaltige Landwirtschaft, Fruchtfolge und landwirtschaftliche Techniken gehalten und diese in Versuchsgärten demonstriert. Die Kleinbäuerinnen sollen sich so das nötige Wissen aneignen, um den Lebensmittelbedarf ihres Haushaltes selbst herzustellen und damit Ernährungssicherheit für ihre Familie zu erreichen.

Weitere Informationen:

Green Box

Etwa: Grüne Kategorie; ein Katalog mit Ausnahmen von der Abbaupflicht staatlicher Subventionen innerhalb der Vereinbarungen von GATT/WTO, bei denen angenommen wird, daß sie nur minimale Handelsauswirkungen und keine Auswirkungen auf die Preise haben. Dazu gehören u.a. Agrarforschung, phytosanitäre Maßnahmen (zum Pflanzenschutz bzw. zur Pflanzenbeschau), landwirtschaftliche Ausbildungs- und Beratungsdienste, Vermarktungshilfen und allgemeine ländliche Strukturmaßnahmen.

(s. a. Blue Box)

Greening

EU-rechtliche Regelung zur Förderung von Umweltleistungen über deren Bindung an Direktzahlungen aus dem EU-Haushalt. So hat dss Greening der Direktzahlungen in der ersten Säule zur Folge, dass Landwirte 30 Prozent ihrer Direktzahlungen, die so genannte Greening-Prämie, nur dann erhalten, wenn sie konkrete, zusätzliche Umweltleistungen erbringen. Nach einer Übergangszeit können bei sehr starken Verstößen gegen die Greening-Auflagen die Prämienkürzungen sogar deutlich über den Anteil von 30 Prozent der Direktzahlungen hinausgehen, der auf die Greeningprämie entfällt.

Das Greening umfasst den Erhalt von Dauergrünlandflächen (wie Wiesen und Weiden), eine verstärkte Anbaudiversifizierung (größere Vielfalt bei der Auswahl der angebauten Feldfrüchte) sowie die Bereitstellung sogenannter "ökologischer Vorrangflächen" auf Ackerland.

Das Greening ist verpflichtend für alle Landwirte, die Direktzahlungen beantragen. Ausgenommen vom Greening sind lediglich Betriebe, die unter die Kleinlandwirteregelung fallen, sowie Betriebe des ökologischen Landbaus. Nicht betroffen sind außerdem Betriebe mit ausschließlich Dauerkulturen (z.B. Wein, Obst und Hopfen), da es für Dauerkulturen keine spezielle Greening-Vorschrift gibt. Darüber hinaus gibt es weitere Sonderregelungen für kleinere Betriebe und Betriebe mit hohem Grünlandanteil.

Weitere Informationen:

Grenzausgleich

Eine Ausgleichsabgabe, die innerhalb der EU bei der Einfuhr bestimmter landwirtschaftlicher Erzeugnisse erhoben werden kann. Sie gleicht durch Wechselkursschwankungen verursachte Preisunterschiede innerhalb der Gemeinschaft aus und stabilisiert damit das gemeinsame Preisniveau.

Grenzbetrieb

Landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb, der unter wirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr rentabel gestaltet werden kann. In den meisten Fällen werden aus diesen Betrieben - wenn sie nicht ganz aufgegeben werden - Nebenerwerbsbetriebe.

Grenzertragsboden

Boden von geringer natürlicher Ertragskraft, auf dem durch Wirtschaftserschwer­nisse, insbesondere durch hohen Arbeitsaufwand, die Erträge so gering sind, daß sie die Produktionskosten nicht decken oder nur unwesentlich überschreiten. Dazu zählen sehr hängige, flachgründige und wasserdurchlässige oder feuchte Flächen oder zerstückelte Fluren.

Grenzertragsbrache

Nutzungsaufgabe von Flurteilen wegen zu geringer Ertragskraft des Bodens oder zu hohen Arbeitsaufwandes bei der Bearbeitung.

(s. a. Brache)

Grenzstandort

In der Landwirtschaft die Bezeichnung für Flächen, auf denen unter gegebenen produktionstechnischen, agrarpolitischen, makroökonomischen und rechtlichen Rahmenbedingungen durch kein landwirtschaftliches Landnutzungssystem, das der nachhaltigen Gewinnerwirtschaftung dient, eine positive Bodenrente erwirtschaftet werden kann.

Dabei ist zu beachten, dass ein Grenzstandort nur für einen gegebenen Stand technischen Wissens und einen gegebenen Satz ökonomischer Rahmenbedingungen definiert werden kann. Mit steigenden Produktionspreisen (oder sinkenden Faktorpreisen) erhöht sich ceteris paribus die Bodenrente und damit wird auch die landwirtschaftliche Fläche ausgedehnt und umgekehrt. Die gleiche Wirkung hat ceteris paribus die Einführung technischer Fortschritte.

Bei Grenzstandorten handelt es sich um Standorte mit flachgründigem Boden, bei denen das Pflügen durch Gesteinsschichten bis kurz unter die Oberfläche oder große Lesesteine verhindert wird. Dazu gehören auch hängige Flächen, die zu steil sind um eine ordnungsgemäße Bodenbearbeitung zu ermöglichen. Wo eine Nutzung und Düngung zu aufwendig ist, oft auch bedingt durch kleinstrukturierte Flächenzuschnitte, veröden solche Standorte. Sie finden sich beispielsweise in der Rhön, der Eifel, der Schwäbisch-Fränkischen Alb und dem Spessart. Oft werden sie nicht mehr genutzt und sich selbst überlassen. Ähnlich wie bei Sozialbrachen wurde es aus Gründen des Natur- und Artenschutzes auf vielen Flächen als problematisch angesehen, wenn sie verbuschen. Das oft kostenintensive Entbuschen gilt dann als optimierende Maßnahme in der Naturpflege.

Die Kriterien, die einen Grenzstandort ausmachen, sind in Deutschland von Region zu Region sehr unterschiedlich. Vielfach fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „leichte Standorte“, also Standorte mit einem hohen Sandanteil bzw. schlechtem Wasserspeichervermögen. Auch Standorte mit einem hohen Ton- oder Steingehalt im Oberboden (z. B. Verwitterungsstandorte) oder Höhenlagen werden oftmals als Grenzstandort definiert.

Groden

Von engl. to grow („wachsen“, „anwachsen“) abgeleiteter Begriff für deichreifes oder eingedeichtes und entwässertes Marschland, das landwirtschaftlich genutzt wird.

Diese Neulandgebiete bestehen aus feinen Sinkstoffen, die sich bei den Gezeitenwechseln von See her auf dem Watt ablagern. Nach Erreichen einer bestimmten Außengrodenhöhe erfolgt die Eindeichung. Eingedeichtes Land wird zum Innengroden. Durch Trockenlegung verdichtet sich der fruchtbare Boden und kann sich im Laufe der Zeit auf ein Niveau unterhalb des Meeresspiegels senken. Der ansteigende Meeresspiegel vor dem Deich und das Absacken der trockengelegten ehemaligen Meeresbereiche hinter dem Deich führen daher bei mehreren Eindeichungen zu einer immer höheren Lage der neu eingedeichten Marschflächen. Auf diese Weise entsteht eine so genannte Poldertreppe.
Der Namensbestandteil Groden findet sich beispielsweise in Wilhelmshaven in seinen Stadtteilen Altengroden, Neuengroden und Fedderwardergroden, den dortigen Heppenser, Voslapper und Rüstersieler Groden, sowie im Umland mit Cäciliengroden, Petersgroden und Adelheidsgroden. Alle diese Gebiete sind vor kürzerer (20. Jahrhundert) oder längerer Zeit durch Eindeichung und Aufspülung entstanden, wie es bei Poldern der Fall ist.

Großblockflur

Flurform, die geprägt ist durch die Dominanz von großen Blöcken als Parzellengestalt. Im Gegensatz zu den quadratischen Großblöcken der amerikanischen land ordinance, besitzen Großblöcke in Mitteleuropa eine meist regellose Gestalt. Die Wirtschaftsparzellen sind aber häufig regelmäßig aufgeteilt. Typisch für mitteleuropäische Großblöcke ist, daß zur landwirtschaftlichen Nutzfläche oft Wald oder ungenutztes Gelände tritt. Die Grenze zur Kleinblockflur liegt - mit regionalen Variationen - bei ca. 15 ha.

Groß(eigentums)landwirt

Agrarsoziale Gruppe von selbstwirtschaftenden oder verpachtenden Landwirten mit großem Bodeneigentum, das eindeutig über der Ackernahrung liegt. Zu ihnen gehören u.a. Großagrarier (Bodeneigentum > 100 ha, regional nach Intensität der Bewirtschaftung und Betriebsform variabel), Gutsbesitzer, Eigentümer von Latifundien oder Haciendas. (Klein(eigentums)landwirt)

Großgrundbesitz

Eigentlich Großgrundeigentum; Konzentration umfangreichen Landbesitzes auf einen einzigen Eigentümer bzw. eine einzige Familie. In den großen Agrargebieten Außereuropas (z.B. Argentinien, Australien) beginnt Großgrundbesitz in der Regel erst bei 1.000 ha, in Europa bereits ab 100 ha.

(s. a. Besitz)

Großvieheinheit (GVE)

Der Viehbestand eines Betriebes wird nicht immer nach Vieharten in Stück, sondern teilweise auch in Großvieheinheiten oder Vieheinheiten angegeben. Die Berechnung des GV-Umrechnungsschlüssels basiert auf dem Lebendgewicht der Tierarten nach Gewicht und Alter unterteilt, im Verhältnis zu einer Milchkuh mit 500 kg Lebendgewicht und ist auf den ganzjährig im Betrieb gehaltenen Durchschnittsbestand bezogen. Großvieheinheiten werden für die Berechnung der notwendigen Fläche eines Betriebes mit Tierbestand herangezogen, um z.B. eine Überdüngung der Felder auszuschließen.

1 GV entspricht dabei ca. 500 kg LG und ist auf den ganzjährig im Betrieb gehaltenen Durchschnittsbestand bezogen. Grundlage für die Umrechnung ist der Futterbedarf der Tierarten. VE=Vieheinheit.

Großvieheinheitenschlüssel
Tierart VE
Pferde unter 3 Jahren 0,70
Pferde 3 Jahre alt und älter 1,10
Kälber und Jungvieh unter 1 Jahr 0,30
Jungvieh 1 bis 2 Jahre alt 0,70
Zuchtbullen 1,20
Kühe, Färsen, Masttiere 1,00
Schafe unter 1 Jahr 0,05
Schafe 1 Jahr alt und älter 0,10
Ferkel (bis etwa 20 kg LG) 0,021)
Läufer (bis etwa 45 kg LG) aus zugekauften Ferkeln 0,041)
Läufer (bis etwa 45 kg) aus selbsterzeugten Ferkeln 0,061)
Mastschweine (> 45 kg LG) aus zugekauften Läufern 0,101)
Mastschweine (> 45 kg LG) aus selbsterzeugten Ferkeln 0,161)
Zuchtschweine 0,33
Legehennen einschließlich Aufzucht zur Bestandsergänzung 0,02
Legehennen aus zugekauften Junghennen 0,0183
Jungmasthühner (6 und weniger Durchgänge je Jahr - schwere Tiere) 0,00171)
Jungmasthühner (mehr als 6 Durchgänge je Jahr - leichte Tiere) 0,00131)
Junghennen 0,0017

1) Berechnung auf der Basis der erzeugten Tiere; in den übrigen Tiergruppen, Jahresdurchschnittsbestand.
Quelle: BMEL

Grubber

Nicht wendender Hack- oder Wühlpflug, ähnlich dem alten Hakenpflug. Im Ackerbau kommt ihm große Bedeutung zu, wenn es darum geht, die grobe Arbeit des Pfluges zu verfeinern oder in leichteren Böden den Pflug zu ersetzen. Unter optimalen Bedingungen lockert, krümelt, mischt und ebnet der Grubber in einem Arbeitsgang unter Erhaltung der natürlichen Bodenschichtung. Je nach Art der Grubberscharen ist die Arbeit bis 30 cm tief, gewöhnlich jedoch flacher.

Grünbrache

Ein- oder mehrjährige Unterbrechung des Anbaus von Kulturpflanzen auf dem Acker mit Förderung einer spontanen oder durch Aussaat herbeigeführten Begrünung. Zu Zeiten der Dreifelderwirtschaft mußte die Grünbrache als herbstliche Viehweide dienen, wenn Wiesen und Allmendflächen nicht ausreichten.

(s. a. Brache)

Grundbesitzverfassung

Sie beschreibt die Betriebsgrößen, die Art der Verfügungs- und Nutzungsbefugnisse der Agrarbevölkerung über den Boden sowie die Bodeneigentums- und Besitzformen.

Betriebsgrößen:

Hierbei ist eine Differenzierung nach verschiedenen Aspekten möglich, z.B. nach Fläche, Umsatz, Arbeitskräftebestand oder Herdengröße.

Art der Verfügungsgewalt über den Boden:

Individualwirtschaft (individuell-privatwirtschaftliche Verfügungsgewalt)

Kollektivwirtschaft (staatliche oder gemeinschaftliche Verfügungsgewalt)

Bodeneigentums- und Besitzformen:

Grundbodenbearbeitung

Syn. Primärbodenbearbeitung; in der Landwirtschaft und im Gartenbau für eine nicht nur oberflächlich lockernde, mischende und unter Umständen wendende (stürzende) Bearbeitung der oberen Bodenschichten. Gängige Werkzeuge für die Grundbodenbearbeitung sind der manuell betätigte Spaten, die Spatenmaschine, der Grubber, die Fräse oder der Pflug. Die Bearbeitung erfolgt in Krumentiefe, also im Bereich des sogenannten Bearbeitungshorizontes, üblich sind daher Bearbeitungstiefen zwischen 15 cm und 35 cm. Die Grundbodenbearbeitung geht der Sekundärbodenbearbeitung und der Aussaat voraus. Zuweilen werden Primär- und Sekundärbodenbearbeitung jedoch zur Zeit- und Kostenersparnis entweder durch eine eingesetzte Landmaschine zugleich (Beispiel: krumentiefes Fräsen) oder aber durch Kombination von mehreren Bodenbearbeitungsgeräten in einem Arbeitsgang erledigt.

Im konventionellen Landbau wie auch im ökologischen Landbau kommen bei der Grundbodenbearbeitung sowohl wendende als auch nichtwendende Maschinen zum Einsatz. Aus Gründen des Bodenschutzes spricht vieles für den Verzicht auf den Pflug: Beim Einsatz nichtwendender Maschinen bleibt der natürliche Schichtenaufbau des Bodens erhalten, was eine höhere bodenbiologische Aktivität bewirkt.

Alle Grundbodenbearbeitungsmaßnahmen haben das Ziel, eine optimale Bestandsgründung durch Schaffung günstiger Keim-, Feldaufgangs- und Wachstumsbedingungen für die Wurzeln und den Spross zu ermöglichen. Das Bodengefüge soll zudem stabilisiert werden, um Verschlämmung und Erosion zu vermeiden.

Weitere Informationen:

Grunddüngung

Ausbringung von Pflanzennährstoffen (Düngung, Düngemittel) wie Phosphat, Kalium und ggf. Stickstoff auf die Ackerfläche vor der Einsaat (Aussaat) im Herbst oder Frühjahr. Grunddüngung wird in der Regel mit dem Düngerstreuer ausgebracht und mit Egge oder Grubber gleichmäßig eingearbeitet. Die Grunddüngung richtet sich nach der Folgefrucht.

Grundentlastung

Zusammenfassende Bezeichnung für die seit dem Ende des 18. Jahrhunderts auf gesetzlichem Weg vorgenommene Umwandlung der aus dem Mittelalter stammenden, teils persönlich, teils dinglich begründeten Abhängigkeitsverhältnisse der Bauern von Grundlasten und Grundherren (Servituten) in den Rechtsverhältnissen der Zeit entsprechende Besitz- und Eigentumsformen. (Bauernbefreiung)

Grundfutter

Wirtschaftseigenes Futter, das sowohl wasserreiche Futterstoffe wie Grünfutter und anderes Saftfutter (z.B. Rüben und Silage) als auch trockenes Rauhfutter (z.B. Heu und Stroh) umfaßt. Grundfutter ist voluminös mit meist niedrigem Markt- und Futterwert und schlechter Transportfähigkeit. Daher wird es i.a. auf dem eigenen Betrieb erzeugt. Grundfutter muß mit Kraftfutter so kombiniert werden, daß bei optimaler Ausnutzung der Leistungsfähigkeit eines Tieres die Futterkosten je Leistungseinheit möglichst gering bleiben.

Gründigkeit des Bodens

Der Bereich des potentiellen Wurzeltiefganges, meist identisch mit der Mächtigkeit der Lockerdecke über dem festen Gestein oder einem Verdichtungshorizont. Auch können physiologische Ursachen (in Durchwurzelungsrichtung plötzlich veränderte chemische Bedingungen, z.B. Reduktionszone durch Grund- oder Stauwasser, Sprung im pH-Wert durch einsetzenden Carbonat- oder Salzgehalt) begrenzend wirken.

Grundstückverkehrsgesetz (GrdstVG)

Das Gesetz über Maßnahmen zur Verbesserung der Agrarstruktur und zur Sicherung land- und forstwirtschaftlicher Betriebe (Grundstückverkehrsgesetz – GrdstVG) vom 28.07.1961 (BGBl. I S. 1091, 1652, 2000), zuletzt geändert 2008, regelt das Genehmigungsverfahren zur rechtsgeschäftlichen Veräußerung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke und das gerichtliche Zuweisungsverfahren gemäß §§ 13 bis 17 GrdstVGt. Neben der Sicherung der Volksernährung (makroökonomische Aspekt) war und ist die Stärkung des Wirtschaftszweiges „Landwirtschaft“ erklärtes Ziel des Gesetzes, indem die Landwirtschaft vor dem Ausverkauf ihres Bodens geschützt wird (mikroökonomischer Aspekt). Besondere Betonung erfährt der Schutz von Natur und Umwelt durch die Erhaltung und Verbesserung der Agrarstruktur.

Hierzu hat der Gesetzgeber vor allem folgende Regelungen getroffen:

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Gründüngung

Gründüngung bedeutet das Einarbeiten von eigens - meist als Zwischenfrüchte - angebauten Pflanzen vor deren Samenreife in den Boden. Gemeinsam mit dem Einarbeiten von Ernterückständen (z.B. Stroh) dient die Gründüngung dem Bodenleben und der Bodenfruchtbarkeit. Sie erhöht im Boden den Gehalt an N (bes. Leguminosen) und Humus, verbessert u.a. durch Beschattung die Bodengare, die Bodenstruktur, insbesondere die Krümelstabilität, das Porenvolu­men und fördert durch starke Durchwurzelung auch das Bodenleben. Dadurch verhindert sie Bodenerosion, Nähr­stoffauswaschung oder auch Krankheiten.
In engen Getreidefruchtfolgen und stallmistfreien bzw. stallmistarmen Betrieben ist die Gründüngung unentbehrlich. Sie sichert einen Fruchtwechsel innerhalb eines Jahres.
Gründüngungspflanzen nehmen den im Herbst mineralisierten bodenbürtigen Stickstoff auf, legen ihn bis zu ihrer Zersetzung biologisch fest und können dadurch die N-Auswaschung während der Wintermonate vermindern. Dieser Effekt ist besonders groß, wenn die Gründüngung erst im Frühjahr eingearbeitet wird.
Gründüngungspflanzen werden entweder als Untersaat oder als Stoppelsaat angebaut.

Zur Gründüngung werden z.B. Stickstoffsammler (Leguminosen mit Knöllchenbakterien) wie Erbsen, Bohnen, Lupinen, Wicken und Serradella verwendet, allerdings ist ihr Anbau rückläufig. Statt dessen verwendet man vermehrt Raps, Winterrübsen, Senf, Ölrettich, Liho-nova, Lihoraps, Stoppelrüben und Sonnenblumen, da diese Pflanzen eine relativ späte Aussaat vertragen und den Boden gut durchwurzeln.

(s. a. Düngung)

Grundwasser

Unterirdisches Wasser, das Hohlräume der Erdrinde zusammenhängend ausfüllt und dessen Bewegung ausschließlich aus der Schwerkraft und den durch die Bewegung selbst ausgelösten Reibungskräften bestimmt wird. Der Grundwasserleiter (Aquifer, wasserführende Schicht) wird nach unten durch eine undurchlässige Schicht begrenzt (Sohlschicht). Mehrere solche Schichten bilden verschiedene Grundwasserstockwerke. Die obere Begrenzung des Grundwassers heißt Grundwasseroberfläche.
Das in den Boden eindringende Wasser wird von der Bodenmasse als Bodenwasser z.T. adsorbiert, ein Teil versickert, wird von einer dichten Gesteinsschicht, der Grundwassersohle, aufgehalten und sammelt sich über dieser in den Hohlräumen (Spalten, Poren) des Gesteins als Grundwasser. Je nach Gesteinsbeschaffenheit unterscheidet man Poren-, Kluft- oder Karstgrundwasserleiter. Mehrere wechselnde Abfolgen von Grundwasserleitern und Sohlschichten nennt man Grundwasserstockwerke.
Neben der Versickerung von Niederschlag ist für die Neubildung von Grundwasser die seitliche Zufuhr bei Wasserstandsschwankungen aus Seen und Flüssen (unechtes Grundwasser) von Bedeutung. Der dem Grundwasser zukommende Wasseranteil ist die Grundwasserspende. Dieses über der Grundwassersohle stehende, alle Hohlräume ausfüllende Wasser ist das Grundwasser, dessen Menge vom Gesamthohlraum des Gesteins abhängt (Sand und Kies 25 - 40 %, poröser Sandstein 10 - 20 %, fester Sandstein sowie Kalkstein 1 - 5 %, Granit 0,5 - 1 %). Dichte Gesteine mit sehr kleinen Poren enthalten kein Grundwasser, sondern lediglich kapillar festgehaltene Bergfeuchtigkeit.
Das Grundwasser unterliegt im Gegensatz zum adsorbierten Bodenwasser der Schwerkraft, es fließt auf einer geneigten Grundwassersohle zur tieferen Stelle wie das oberirdische Wasser, allerdings mit einer wesentlich geringeren Fließgeschwindigkeit, z.B. in feinen Sanden nur 4 - 5 m/Jahr, in groben Geröllen etwa 15 m/d.
Die Tiefe des Grundwassers hängt vom Gestein und Klima ab. Der Grundwasserspiegel liegt in Mitteleuropa einige Meter, teils einige Zehner Meter tief. Er schwankt in Mitteleuropa im Ablauf des Jahres um 0,5 - 1 m, teils auch mehr, und zwar haben wir im Winter und Frühjahr Hochstand und im Spätherbst Tiefstand.
In landwirtschaftlich genutzten Böden kann der Grundwasserstand unter der Oberfläche in Kies, Grobsand und Torfböden auf 50 bis 70 cm liegen. In Lehmböden sollte er auf 1,2 bis 1,5 m abgesenkt werden, falls Acker- oder Gemüsekulturen angebaut werden, bei Wiesen kann er höher liegen.
Grundwasser kann allerdings auch kapillar aufsteigen, weil das Kapillarwasser unter einer Saugspannung steht, während das Grundwasser tensionsfrei ist. Die kapillare Steighöhe über das Grundwasserniveau hängt von der Feinporigkeit des Bodens ab. In grobporigen Böden erreicht sie höchstens 0,5 m, in feinporigen bis zu 1,5 m. In letzteren ist die geförderte Wassermenge aber nur sehr gering.
Das Grundwasser garantiert den Niedrigwasserabfluß der Flüsse, sichert die Versorgung der Vegetation und wird vom Menschen in vielfältiger Weise genutzt. Im Unterschied zu anderen Lagerstätten ist Grundwasser ein Teilglied (Speicher) des Wasserkreislaufs, dessen Inhalt ständig erneuert wird. In dieser Eigenschaft liegen Vor- und Nachteile. Landwirtschaftliche Nutzung trägt i.d.R. zu stärkerer Grundwasser-Neubildung bei als Waldflächen. So führt beispielsweise in Norddeutschland die Ackernutzung im Schnitt zu einer um 100 mm höheren Grundwasserversickerungsrate als natürlicher Wald.
Die Deckschichten und auch der Grundwasserleiter bilden ein natürliches Filtersystem, das das Grundwasser vor Verunreinigungen weitgehend schützt. Die Filterwirkung ist wesentlich abhängig von der Kornzusammensetzung und -größe. Karst-Grundwasser ist i.d.R. erheblich verschmutzungsempfindlicher als Poren-Grundwasser. Naturbelassenes Grundwasser enthält keine pathogenen Keime oder Schadstoffe, so daß es bevorzugt der Trinkwasserversorgung dient.
Die natürliche Reinigungsleistung von Deckschichten und Grundwasserleiter reicht aber bei massiven anthropogenen Verunreinigungen oft nicht aus. Hinsichtlich der Reduktion von Belastungen aus der Landwirtschaft bietet sich für Wasserwerke die Zusammenarbeit mit extensiv oder mit Methoden des integrierten Landbaus wirtschaftenden Agrarbetrieben an. Als Beispiel gelten das nach der Wende auf ökologischen Landbau umgestellte Gut Canitz östlich von Leipzig, einer Tochter der städtischen Wasserwerke oder die Kooperationslösung zwischen Landwirten und kommunaler Wasserversorgung im hessischen Otzberg.
Grundwasser hat im Landschaftshaushalt eine systemverbindende ökologische Funktion. Grundwasser ist selbst ein Lebensraum. Voraussetzung dafür ist seine Bewegung. Hier finden sich arten- und formenreiche Lebensgemeinschaften, die durch ihren Stoffwechsel einen entscheidenden Beitrag zur qualitativen Grundwasserbeschaffenheit leisten.
In Deutschland nehmen nach der flächigen Verbreitung tertiäre und quartäre Lockersedimente mit rund 44 % Oberflächenanteil für die Grundwasserspeicherung eine hervorragende Stelle ein. Entsprechend den günstigen hydraulischen Eigenschaften von Sanden und Kiesen zählen zu den bekanntesten und wichtigsten Grundwasservorkommen in Deutschland die ausgedehnten Schotterablagerungen des Pleistozäns (z.B. Münchener Ebene, Urstromtäler Norddeutschlands, Ober- und Niederrheingebiet u.w.).
Die umweltpolitische Praxis und die Rechtsprechung betrachtet auf pragmatische Weise alles unterirdische Wasser als Grundwasser.

(s. a. Bewässerung, Bewässerungswirtschaft, Umweltwirkungen)

Grüne Revolution

Ein speziell für tropische Regionen entwickeltes Agrarkonzept (GR), das auf Ertragssteigerung von Nahrungspflanzen - vor allem von Weizen und Reis - durch kombinierten Einsatz ("package approach") von Hochertragssaatgut (High Yielding Varieties: HYV), Agrarchemikalien, modernen Bodenbearbeitungsmethoden und Bewässerung abzielt.

Nicht zuletzt durch die Grüne Revolution konnte die weltweite Nahrungsproduktion in den letzten Jahrzehnten vervielfacht werden – und dadurch das Bevölkerungswachstum übertreffen. Ohne Hochleistungssorten wäre die Nahrungsproduktion in den Entwicklungsländern heute um ein Viertel niedriger als sie es tatsächlich ist, und weltweit würde es an die 200 Millionen mehr Hungernde geben.

Der Begriff wurde vermutlich 1968 von W. Gaud eingeführt, um zu beschreiben, dass Änderungen in der Landwirtschaft von Entwicklungsländern revolutionären Charakter hatten und ein Wandel nicht mehr innerhalb eines üblichen Evolutionsprozesses stattfand.
Die Züchtung von HYV begann in den 30er Jahren in den USA. 1942 etablierten amerikanische Agrarwissenschaftler aus Mitteln der Rockefeller Foundation im Norden Mexikos ein Forschungs- und Ausbildungsprogramm für den landwirtschaftlichen Bereich, mit dem späteren Schwerpunkt Pflanzenzucht. Ziel war die Verschiebung der Biomasseanteile zugunsten des Kornertrags bei Mais- und Weizensorten (CIMMYT).

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Grüne-Revolution-Syndrom (GRS)

Umweltdegradation durch Verbreitung standortfremder landwirtschaftlicher Produktionsverfahren. Das GRS ist Teil eines Syndrom-Konzepts des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, das hilft, unerwünschte charakteristische Konstellationen von natürlichen und zivilisatorischen Trends und ihrer Wechselwirkungen geographisch zu identifizieren.
Symptome des GRS sind Verlust an Biodiversität, genetische Erosion, Grundwasserverschmutzung, Bodendegradation, Gefährdung der Welternährung, Gesundheitsgefährdung durch Pestizide, Marginalisierung, Landflucht, Reduktion kultureller Vielfalt, Verstärkung wirtschaftsräumlicher Disparitäten.

(s. a. Grüne Revolution)

Grünfutter

1. Die in frischem Zustand an das Vieh verfütterten Futterpflanzen.

2. Futterpflanzen, die vor Eintritt der physiologischen Reife geerntet werden. Es besteht somit stets aus stoffwechselaktivem Pflanzengewebe mit mehr oder weniger hohem Wassergehalt. Grünfutter ist deshalb leicht verderblich und nur sehr begrenzt lagerfähig und bedarf, soweit es nicht direkt verfüttert wird, der Konservierung. Zu den Grünfuttermitteln zählen Ernteprodukte des Grünlandes und des Ackerfutterbaues (z.B. Rotklee, Luzerne, Silomais, Grünroggen, Grünmais, Futterkohl).

Grünland

Mit Grünland werden sowohl Nutzflächen als auch die darauf stockenden Pflanzenbestände bezeichnet. Es besteht aus Pflanzengesellschaften mit ausdauernden Gräsern, Leguminosen und Kräuterarten. In Europa (EU-27) nimmt es 32,7 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche ein. Seine Nutzung ist daher nicht nur ein wichtiger landwirtschaftlicher Erwerbszweig, sondern ermöglicht auch wichtige ökologische Funktionen (Multifunktionalität).

Das Grünland erfüllt über die landwirtschaftliche Produktion hinaus vielfältige Funktionen in der Agrarlandschaft. Es bietet Möglichkeiten für Freizeit und Erholung und hat einen hohen ästhetischen Naturwert. Grünlandstandorte beherbergen über die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Tier- und Pflanzenarten und haben somit auch große Bedeutung für den Schutz und den Erhalt der Artenvielfalt (Biodiversität). Insbesondere extensiv bewirtschaftetes Grünland ist ein wichtiger Standort für Pflanzengesellschaften, die nährstoffarme Böden benötigen und daher in der Agrarlandschaft eher selten geworden sind. Gleiches gilt für an solche Standorte angepasste, zum Teil gefährdete Tierarten.

Der Flächenanteil des Grünlands hat in Deutschland jedoch über die Jahre abgenommen. Grünland wird häufig in Ackerland umgewandelt und intensiv bewirtschaftet, z. B. für neue Maisflächen zur Herstellung von Biogas. Dies hat negative Folgen für den Schutz des Bodens, der Gewässer, der Biodiversität und des Klimas.

Mit dem Beschluss der EU-Kommission, des Ministerrates und des Europäischen Parlamentes im Jahr 2013 für eine gemeinsame Agrarpolitik (GAP) 2014-2020 wird der Erhalt von Grünland im Rahmen des sogenannten „Greening“ geregelt.

Die Nutzflächen "Grünland" unterscheiden sich vom Ackerland durch das Fehlen einer jährlichen Bodenbearbeitungs- und Ansaatnotwendigkeit. Grünland wird durch mehr oder weniger regelmäßige Mahd und/oder Beweidung gehölzfrei gehalten. Synonym sind die Begriffe Dauergrünland, wobei eine Nutzungsdauer von mindestens 4 bis 6 Jahren anzusetzen ist, und Grasland, da Gräser neben geringen Anteilen an Leguminosen und Kräutern die Hauptbestandsbildner der Pflanzendecke des natürlichen Grünlandes sind. Ackerfutterflächen in Form von ein- und mehrjährigem Futterbau (Gras-Klee-Gemenge) sind kein Grünland in o.g. Sinne, sondern werden dem Ackerfutterbau zugerechnet.

Der Aufwuchs des Grünlands dient der Ernährung der Nutztiere, speziell der Rauhfutterfresser. Ein großer Teil des Aufwuchses wird nicht sofort verwertet, sondern muss für die Winterfütterung konserviert und gelagert werden. Da lediglich ein geringer Teil des Futteranfalls in konservierter Form (z.B. als Grünmehl) vermarktet wird, stellt die Masse des erzeugten Futters das erste Glied einer innerbetrieblichen Verwertungskette dar.

Die Pflanzenbestände des Grünlands bestehen aus meist längerlebigen Pflanzenarten aus Gräsern und Kräutern mit einem unterschiedlich hohen Futterwert. Die floristische Zusammensetzung ist u.a. abhängig von den Standortbedingungen, der Nutzungsart und -intensität.
Nach seinen natürlichen Standortbedingungen unterscheidet man natürliches, absolutes und fakultatives Grünland. Natürliches Grünland besteht auf jenen, in Mitteleuropa kleinräumigen Flächen, die ohne den Einfluß des Menschen eine Grünlandvegetation aufweisen. Solche Standorte finden sich am Küstensaum und in der Verlandungszone der übrigen Gewässer, auf nicht waldfähigen Flußauen und Mooren sowie im Gebirge oberhalb der Baum- und Strauchgrenze. Absolutes Grünland umfasst Flächen, die wegen hoher Grundwasserstände, Geländeunebenheiten, Substanz- und Strukturschwundes (Moorböden), Erosionsgefahr u.a. nicht ackerfähig sind. Fakultatives Grünland läßt vom Standort her Ackerbau zu, wird jedoch - meist aus betriebswirtschaftlichen Gründen - als Grünland genutzt.

Nach der Nutzung wird das Grünland in Wiesen, Mähweiden, Weiden, Wechselgrünland, Hutungen und Streuwiesen unterschieden.

Bei intensiver Grünlandbewirtschaftung wird mit verschiedenen Methoden versucht, die Quantität und Qualität des Futterertrags zu erhöhen. Dazu gehören: Bewässern, Walzen, Abbrennen, Kalken, Düngen mit Gülle oder Mineraldünger, Einsaat wertvoller Futtergräser und Kleearten. Im Falle der Neuansaat spricht man von Saatgrasland.

Unter extensiver Grünlandwirtschaft ist der bewusste Verzicht auf die Ausschöpfung des standortspezifischen Optimalertrages durch verminderten Einsatz von Betriebsmittel und Arbeit zu verstehen.

Ziele extensiver Grünlandwirtschaft sind:

Die enge Verzahnung der Grünlandnutzung mit der Tierhaltung führt in den reinen Grünlandgebieten zu einem weitgehend geschlossenen Nährstoffkreislauf. Der Nährstoffabfluss durch den Verkauf von tierischen Produkten wird allerdings durch eine Nährstoffzufuhr (Mineraldünger, Zukaufsfuttermittel) ausgeglichen. Übersteigt bei unangepasst hohem Tierbestand die Nährstoffzufuhr den Abfluss, entstehen auch beim Grünland Umweltbelastungen (bodenunabhängige Viehhaltung, Massentierhaltung, Umweltwirkungen).
Als im Idealfall (extensive Nutzung) naturnahe Nutzungsform leistet die Grünlandbewirtschaftung einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung und Bereicherung der offenen Kulturlandschaft.

Generell hat die Grasnarbe gegenüber dem Ackerbau ökologische Vorteile:

Weitere Informationen:

Grünlandschätzungsrahmen

Grundlage für die Bodenbewertung von Grünland durch Grünlandzahlen.

Für die Bewertung des Grünlandes ist ein besonderer Grünlandschätzungsrahmen maßgebend, der hinsichtlich der für die Wertfindung notwendigen Faktoren vom Ackerschätzungsrahmen abweicht. Für die Ertragsleistung des Grünlandes sind Temperatur und Wasserverhältnisse entscheidender als das Ausgangsmaterial. Die Bodenart und die Zustandsstufe – im Grünlandschätzungsrahmen als Bodenstufe bezeichnet – werden daher weniger differenziert als im Ackerschätzungsrahmen. Die Temperatur- und Wasserverhältnisse sind unmittelbar in den Grünlandschätzungsrahmen einbezogen.

Weitere Informationen:

Grünlandzahl

Bewertungszahl für die Ertragsfähigkeit von Grünlandflächen. (Bodenbewertung)

Bei der Ermittlung der Wertzahlen sind alle die natürliche Ertragsfähigkeit beeinflussenden Umstände, insbesondere beim Ackerland Bodenart, Zustandsstufe und Entstehung und beim Grünland Bodenart, Bodenstufe, Klima- und Wasserverhältnisse zu berücksichtigen.

Für das Grünland werden als Wertzahlen Grünlandgrundzahl und Grünlandzahl festgelegt. Die Grünlandgrundzahl bringt die durch Bodenbeschaffenheit, Klima- und Wasserverhältnisse bedingten Unterschiede der natürlichen Ertragsfähigkeit zum Ausdruck. Die Grünlandzahl berücksichtigt außerdem die Ertragsunterschiede, die auf Geländegestaltung und andere natürliche Ertragsbedingungen zurückzuführen sind, durch prozentuale Abrechnungen an der Grünlandgrundzahl. Bei der Schätzung von Grünland-Hutungen und Grünland-Streuwiesen werden nur die Grünlandzahlen festgelegt.

Weitere Informationen:

Grünmehl

Futtermittel, das durch energie- und technikintensive Heißlufttrocknung von jungen Futterpflanzen gewonnen wird, und dessen Enzyme, welche die Oxidation beschleunigen, durch die Trocknung praktisch unwirksam geworden sind. Beim Trocknungsvorgang treten kaum Nährstoff- bzw. Inhaltsstoffverluste auf, sodaß der Futterwert sehr hoch ist. Das Grünfutter wird direkt nach der Trocknung gemahlen und locker gelagert. Wird das Trockengut gepreßt, erhält man Preßlinge, die je nach Größe, Form und Dichte als Pellets, Cobs und Briketts bezeichnet werden.

Gruppenmarketing

Auch Verbundmarketing; die gemeinsame Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte durch eine Gruppe von Landwirten, z.B. im Rahmen von Erzeugergemeinschaften.

Gruppensiedlung

Eine Gruppensiedlung liegt vor, wenn mindestens zwei Wohn- und Wirtschaftseinheiten über einen Wohnplatz mit gemeinsamen Einrichtungen verfügen und eine Flur gemeinsam nutzen.

(s. a. Einzelsiedlung, ländliche Siedlung, ländliche Siedlungsform)

Guano

Als Dünger genutztes organisches Sediment aus Fäkalien von Seevögeln. Guano wird beispielsweise im wüstenhaften Küstenklima der Pazifikküste Südamerikas akkumuliert. Dort ermöglicht der kühle Humboldt-Strom mit seinem Plankton- und Fischreichtum riesige Populationen von Seevögeln, die vor allem auf den vorgelagerten Inseln nisten.

Gulf

Kubischer Ernte-Stapelraum im Mittelbereich des Gulfhauses.

Gulfhaus

Längsaufgeschlossenes, dreischiffiges Einheitshaus in Ostfriesland und südlich sowie östlich angrenzenden Gebieten mit einem zentralen, ebenerdigen, von vier Ständern getragenen Raum (Vierkant), der ohne Zwischendecke bis zum Dach reicht und als Lagerplatz für die Heu- und Getreideernte dient.

Gülle

Gülle, auch Flüssigmist genannt, bezeichnet ein bei der landwirtschaftlichen Viehhaltung anfallendes Gemisch von Kot, Harn und feinem Streumaterial, verdünnt mit dem Wasser, das zur Reinigung der Spaltenböden der Boxen von Rindern und Schweinen eingesetzt wird. Gülle kann als Wirtschaftsdünger benutzt werden.
Flüssigmistsysteme ersetzen aus arbeitswirtschaftlichen Gründen zunehmend die unter Emissionsgesichtspunkten (CH4) weitaus günstigeren Festmistsysteme.
In den viehhaltenden Betrieben Deutschlands fallen jährlich ca. 200 Mio. Tonnen Gülle an. Beim Rind betragen die täglichen Ausscheidungen ca. 8 - 9 % des Körpergewichtes, beim Schwein ca. 10 - 11 %. Kern der Gülleproblematik ist, daß die Güllemengen regional oder örtlich konzentriert anfallen.
Die Schaffung ausreichenden Lagerraums ist die Voraussetzung für Gülledüngung zu optimalen Zeitpunkten. Der Behälterraum soll mindestens für eine sechsmonatige Lagerung ausreichen, um Gülle gezielt während der Wachstumszeit ausbringen zu können. Unter ungünstigen Bedingungen (z.B. lange Winterperiode, hoher Maisanteil in der Fruchtfolge) ist mehr Lagerraum nötig. Die Lagertanks sollten wegen der Stickstoff- und Geruch-Emissionen generell geschlossen sein. Waldschäden um offene Gülletanks in Regionen mit intensiver und bodenunabhängiger Viehhaltung sind belegt. Als Abdeckungen bieten sich an Strohhäckseldecken und Pegülit-Schüttungen, ferner Schwimmfolien und als teuerste und wirksamste Lösung Zeltdächer.
Wieviel Gülle anfällt, hängt hauptsächlich von der Tierart und der zufließenden Wassermenge ab.

Mit Gülle wird viel schnellverfügbarer Stickstoff in Form von Ammonium (NH4) ausgebracht. Seine Wirkungsweise ist vergleichbar mit der mineralischer N-Dünger. Die Ausbringzeiten von Gülle zu den einzelnen Kulturpflanzen sind daher dieselben wie bei mineralischer N-Düngung. Der organisch gebundene Stickstoff der Gülle wirkt langsam. Dies führt langfristig zur Erhöhung der Stickstoffnachlieferung aus dem Boden. Es ist daher eine geringere mineralische N-Düngung in konventionell wirtschaftenden Betrieben erforderlich. Phosphat und Kali der Gülle wirken gleich wie Phosphat und Kali aus Mineraldünger.

Jeder Nährstoffverlust vermindert die Ertragswirksamkeit der Gülle und erhöht die Belastung der Umwelt. Hohe gasförmige Stickstoffverluste treten bei heißer, windiger Witterung und dickflüssiger Gülle hauptsächlich dann auf, wenn die Gülle nicht schnell in den Boden eindringen kann. Sofort nach der Ausbringung ist die Abgasung von Ammoniak am größten. Bereits nach wenigen Stunden kann bei ungünstigen Bedingungen der gesamte Ammonium-N verlorengehen. Abhilfe bringt vor allem die sofortige flache Einarbeitung. Ist diese nicht möglich, sollte die Ausbringung bei windstiller, kühler Witterung und bei offenem Boden erfolgen. Zugleich wird dadurch die Geruchsbelästigung beseitigt bzw. vermindert.

Vor allem hinsichtlich der Umwelt- und Düngeaspekte sind neuere Techniken der Gülle-Verteilung, wie Schleppschlauchverteiler, Schleppschuhgeräte oder Schlitzdrillmaschinen den konventionellen Breitverteilern (Prallbleche, Prallköpfe, Schwenkdüsen und Düsenbalken) oder gar der Gülleverregnung deutlich überlegen. Zudem erlaubt ihre Kombination mit Verfahren des Precision Farming eine räumlich gezielte Ausbringungsmenge in Abhängigkeit vom Nährstoffbedarf oder von der Bodenqualität. Die neuen, bodennahen Ausbringungstechniken sind gegenüber herkömmlichen Techniken mit zusätzlichen Kosten verbunden. Dazu kommen u. U. Nachteile wie Verstopfungsgefahr und der Einsatz schwerer Zugmaschinen.

Gülleüberschüsse einzelner Regionen können durch Güllebanken, -börsen und -aufbereitungsanlagen abgebaut und umverteilt werden. In den Niederlanden wurden bereits 1995 20 Mio. t Gülle umverteilt. Auch in Deutschland gibt es diese Praxis vereinzelt auf Kreisebene.

Gülleexport aus der Region Weser-Ems

In der Weser-Ems-Region liegt das Zentrum der niedersächsischen Fleischproduktion. Hier werden die meisten der fast 65 Millionen Masthühner und 9 Millionen Schweine gehalten. Für den Arbeitsmarkt ist die Tierhaltung besonders in den Kreisen Cloppenburg, Oldenburg und Emsland von erheblicher Bedeutung.
In Monokultur angebauter Mais ist wegen seines hohen Flächenertrags bei Futtermittelbetrieben beliebt. Zusätzlich verträgt sie eine großzügige Düngung mit Gülle, die es im Masttierland Niedersachsen im Überfluss gibt. Die starke Düngung mit Gülle belastet allerdings Böden und Gewässer. Monokulturen verringern die landschaftliche Vielfalt und damit auch den Lebensraum für Wildtiere.
Im Weser-Ems-Raum und insbesondere in den Landkreisen Cloppenburg, Emsland und Vechta fehlen nach dem Nährstoffbericht 2014 allein 65.000 Hektar, um den Phosphorüberschuss in Gülle und Gärresten fachgerecht auszubringen. Dies macht einen Export von Gülle in andere Gebiete nötig.

Quelle: Fleischatlas 2016

Weitere Informationen:

Güllehochlastflächen

Als Güllehochlastflächen werden solche Flächen bezeichnet, auf denen bei land- oder forstwirtschaftlicher Nutzung überdurchschnittlich hohe, den Nährstoffbedarf der Pflanzen wesentlich überschreitende Mengen an Flüssigmist über längere Zeit ausgebracht wurden. Güllehochlastflächen stehen in direktem Zusammenhang mit Tierproduktionsanlagen und sind durch überhöhte Gehalte an leicht löslichem Stickstoff und doppellaktatlöslichem Phosphat (d.h. extrahierbar mit einer durch Salzsäure auf pH 3,6 eingestellten Lösung von Calciumlactat) im Boden gekennzeichnet. Der Anteil von Güllehochlastflächen in den neuen Bundesländern wird auf ein bis zwei Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche, also 60.000 bis 120.000 Hektar geschätzt. Auch in den alten Bundesländern wird in Regionen hoher Viehdichte mit Güllehochlastflächen gerechnet.
Auf Güllehochlastflächen sind Böden, Grund- und Sickerwässer großflächig mit Pflanzennährstoffen kontaminiert: Akkumuliertes Phosphat und weitere Stoffe werden in benachbarte Ökosysteme über Erosionsprozesse eingetragen. Das Gefährdungspotential von Güllehochlastflächen bleibt auch nach der Einstellung intensiver Gülleausbringung über einen längeren Zeitraum bestehen. Die Kontamination der Grund- und Sickerwässer ist im Rahmen der ordnungsgemäßen Landbewirtschaftung nicht auszuräumen. Die Bewirtschaftung dieser Böden muß auf den Abbau der hohen Nährstoffkonzentrationen im Boden und im Sickerwasser ausgerichtet sein. Sanierungsmöglichkeiten sind begrenzt, wenn größere Mengen des zugeführten organischen Stickstoffs bereits aus dem durchwurzelten Raum ausgewaschen und in tiefere Schichten verlagert wurden. Auf besonders gefährdeten Standorten kann beispielsweise die Aufforstung mit tiefwurzelnden Baumarten ökologisch sinnvoll sein.

(s. a. Umweltwirkungen)

Gülleseen

Umgangssprachliche Bezeichnung für große Sammelbecken von Gülle, die aus Massentierhaltungen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR (z.B. in Knau, Ostthüringen) errichtet worden waren. Dieses Verfahren belastete Luft, Boden und Grundwasser durch Sauerstoffzehrung, H2S- sowie NH3-Bildung, Arznei- und Pestizidrückstände und Schwermetallanreicherung.

Weitere Informationen:

Gut

Größerer landwirtschaftlicher Besitz, in der Regel ein Hof mit dazugehörigen Ländereien, der mit Hilfe familienfremder Arbeitskräfte bewirtschaftet wird. Güter gehen häufig auf adeligen Grundbesitz zurück und werden oft als Pachtbetrieb geführt oder durch einen Verwalter bewirtschaftet.
Eine Gutsherrschaft entwickelte sich in Deutschland Ende des 15., insbesondere im 16. Jahrhundert. In Schleswig-Holstein, in der Lausitz, in Brandenburg, vor allem aber in Mecklenburg und Pommern kam es zu wesentlichen Veränderungen der Agrarsozialstruktur, die auch die ländliche Siedlung und Flur beeinflußten. Als Voraussetzung für die Gutsbildung wird das Zurückbleiben der Löhne hinter dem im 16. Jh. erfolgenden Anstieg der Getreidepreise, d.h. die Unterbezahlung der Arbeitskräfte angesehen.

Ausgangspunkte für die Gutswirtschaften waren:

Als Voraussetzungen für die Gutsbildung gelten vier Faktoren: Verkehrsgunst für die Entstehung von Gutswirtschaften, Kriegszerstörungen, die die traditionellen bäuerlichen Strukturen destabilisierten, Adelsherrschaft, die das Bauernlegen ermöglichte (vorrangig von der 2. Hälfte des 16. bis zum 18. Jh.) und "moderne" Landwirtschaft, wie sie z.B. in Form der Koppelwirtschaft betrieben wurde.
Parallel zum Aufkommen großer Betriebe entwickelte sich die Gutsherrschaft als rechtliche Institution. Die Schwäche landesherrlicher Gewalt führte dazu, daß Gerichtsherrschaft und Steuerrechte auf den Adel übergingen. Bis zur Bauernbefreiung erfolgte die Bearbeitung der Güter vor allem durch erbuntertänige Bauern der Gutsdörfer. Zum Frondienst der Bauern (Scharwerken), kamen die Handdienste der Kleinbesitzer und der Gesindezwangsdienst. Jeder erbuntertänige Bauer eines Gutes war danach verpflichtet, seine Kinder für eine bestimmte Zeit (i.d.R. 1 Jahr) der Herrschaft in den Gesindedienst zu geben.
Als Folge der Agrarreformen des frühen 19. Jh. wurde die herrschende Gutsstruktur östlich von Elbe und Saale noch verstärkt. Reformkonforme Gebietsabtretungen der Bauern an den bisherigen Grundherrn bei der Umwandlung ihrer Nutzflächen in Eigentum brachten den Bauern insgesamt einen Verlust von 1 Mio. ha Land, die in Gutsland umgewandelt wurden. Zahlreiche Bauernstellen mußten wegen zu kleiner Betriebsflächen oder wegen Kapitalmangel aufgegeben werden. Im östlichen Mitteleuropa und in Osteuropa bildeten die Gutsbesitzer bis zu den Kollektivierungen des 20. Jh. die schmale ländliche Oberschicht, ihre Betriebe prägten die ländliche Kulturlandschaft nachhaltig.
Heute kommen in den alten Bundesländern Gutsbetriebe in Streulage vor, lediglich im östlichen Holstein bilden sie die vorherrschende Betriebsart, auch heute noch überwiegend in Adelsbesitz. Eine Besonderheit sind Staatsgüter (Domänen), die oft als Träger der landwirtschaftlichen Forschung dienen.

gute fachliche Praxis

Vager Begriff zur Beschreibung praxisgerechten landwirtschaftlichen Anbaus, der insbesondere wichtig ist im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Schadorganismen und dabei oft euphemistischen Charakter annimmt. Er findet Verwendung im Düngemittel- und Pflanzenschutzgesetz sowie als Variante ("ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung") im bisherigen Bundesnaturschutzgesetz. Das interpretierungsbedürftige neue Bundesbodenschutzgesetz greift Vereinbarungen der Landwirtschaftsminister von Bund und Ländern aus den Jahren 1987 und 1993 auf. Nach dem BBodSchG gehört als Grundsatz zur guten fachlichen Praxis in der landwirtschaftlichen Bodennutzung die nachhaltige Sicherung der Bodenfruchtbarkeit und Leistungsfähigkeit des Bodens als natürlicher Ressource, sowie daß

  1. die Bodenbearbeitung unter Berücksichtigung der Witterung grundsätzlich standortangepaßt zu erfolgen hat,
  2. die Bodenstruktur erhalten oder verbessert wird,
  3. Bodenverdichtungen, insbesondere durch Berücksichtigung der Bodenart, Bodenfeuchtigkeit und des von den zur landwirtschaftlichen Bodennutzung eingesetzten Geräten verursachten Bodendrucks soweit wie möglich vermieden werden,
  4. Bodenabträge durch eine standortangepaßte Nutzung, insbesondere durch Berücksichtigung der Hangneigung, der Wasser- und Windverhältnisse sowie der Bodenbedeckung möglichst vermieden werden,
  5. die naturbetonten Strukturelemente der Feldflur, insbesondere Hecken, Feldgehölze, Feldraine und Ackerterrassen, die zum Schutz des Bodens notwendig sind, erhalten werden,
  6. die biologische Aktivität des Bodens durch entsprechende Fruchtfolgegestaltung erhalten oder gefördert werden und
  7. der standorttypische Humusgehalt des Bodens, insbesondere durch eine ausreichende Zufuhr an organischer Substanz oder durch Reduzierung der Bearbeitungsintensität, erhalten wird.

(s. a. Landwirtschaftsklauseln, ordnungsgemäße Landwirtschaft, Umweltwirkungen)

Weitere Informationen:

Gutshaus

Auch "Herrenhaus"; ein gewöhnlich architektonisch besonders gestaltetes, in "städtischem" Stil errichtetes Wohnhaus eines auf dem Land wohnenden Großgrundbesitzers, oft einer kleinen Residenz vergleichbar (Schloss, Palais, Villa). Das gilt für die vielfach befestigten Bauten der Großgrundbesitzer in den alten Kulturgebieten ebenso wie für die der jungen Kolonialgebiete, wo die Villen der Besitzer und Manager von Plantagen, Hacienden o.ä. ebenso städtischen Stil zeigen.

Gutsherrschaft

Ausdruck einer feudalen Agrarverfassung, bei der die Besitzer von Gütern und der Staat als Domäneneigner das Privileg besassen, Arbeitsrente und Produktionsrente (Naturalabgaben) zu beziehen. Dabei wird der Gutsbetrieb überwiegend mit Frondiensten bewirtschaftet, diese überwogen die Bedeutung der Naturalabgaben bei weitem. Mittelpunkt der Gutsherrschaften waren die eigenen Güter der Feudalherren. Diese standen zwar in Lehnsabhängigkeit von den Landesherren. Ihre Rechtsposition war aber weitgehend unangefochten und vor allem erblich. Der Gutsherr war zugleich Grundherr, Gerichtsherr, Leibherr, Inhaber der untersten Verwaltungshoheit, der sogenannten Polizeigewalt und häufig auch Inhaber der kirchlichen Patronatsgewalt.

Gutsherrschaft war vor allem in den ostelbischen Gebieten verbreitet. Hier war der überwiegende Teil der Bauern durch die Gutsherrschaft erheblich in ihrer Freizügigkeit beschränkt und mit großen Leistungspflichten belastet.

GVO

Siehe gentechnisch veränderte Organismen