Lexikon des Agrarraums

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Zeigerpflanzen

Pflanzen, die aufgrund ihres standorttypischen Vorkommens Aussagen über die Beschaffenheit und den Zustand des Bodens erlauben. In der folgenden Tabelle sind für einige Wiesentypen und für Waldlichtungen entsprechende Pflanzen aufgelistet.

Zeigerpflanzen für Wiesentypen und Waldlichtungen
Stickstoffliebende Schlagpflanzen
  • Wald-Weidenröschen
  • Wald-Geiskraut
  • Große Brennessel
  • Hain-Klette
  • Tollkirsche
  • Himbeere
  • Schwarzer Hollunder
  • Trauben-Hollunder u.a.
Fettwiesen (regelmäßig gedüngt, zweimal jährlich gemäht, hoher Stickstoffgehalt)
  • Wiesen-Fuchsschwanz
  • Englisches Raygras
  • Wiesen-Glockenblume
  • Glatthafer
  • Wiesenlieschgras
  • Wiesen-Schaumkraut
  • Weiche Trespe
  • Goldhafer
  • Wiesen-Pippau
  • Wiesen-Schwingel
  • Wiesen-Kerbel
  • Bärenklau
Feuchte Fettwiesen (sie enthalten zusätzlich folgende Pflanzen)
  • Wolliges Honiggras
  • Sumpf-Kratzdistel
  • Wald-Storchschnabel
  • Engelwurz
  • Bach-Nelkenwurz
  • Kuckuckslichtnelke
  • Sumpfdotterblume
  • Blutweiderich
  • Wiesen-Knöterich
  • Kohldistel
  • Acker-Schachtelhalm
  • Scharbockskraut
Trockene Fettwiesen
  • Aufrechte Trespe
  • Echtes Labkraut
  • Wiesen-Salbei
  • Taubenskabiose
Magerwiesen (ohne regelmäßige Düngung, jährlich nur einmal gemäht)
  • Wiesen-Hafer
  • Wundklee
  • Fiederzwenke
  • Große Brunelle
  • Warzenwolfsmilch
  • Sparriger Alant
  • Berg-Leinblatt
  • Akelei
  • Ochsenauge
  • Knollige Spierstaude
  • Weiden-Alant
  • Berg-Klee
  • Berg-Segge
  • Berg-Aster
  • Sichelblättriges Hasenohr
  • Gewöhnliche Kugelblume
  • Purgier-Lein
  • Blassgelber Klee
  • Küchenschelle
  • Betonie
  • Doldige Wucherblume
  • Hufeisenklee
  • Kleiner Wiesenkopf
  • Großer Ehrenpreis u.a.

Zeilendorf

Ländliche Siedlungsform, bei der die Gehöfte linear angeordnet sind. Die Siedlung besteht nur aus einer Zeile, die sich entlang eines Weges oder eines Gewässers erstreckt. Ein Zeilendorf wirkt wie ein in der Längsrichtung halbiertes Angerdorf oder Straßendorf. Ein Synonym ist Reihendorf. Wird eine Differenzierung zwischen Reihendorf und Zeilendorf vorgenommen, so ist das Unterscheidungsmerkmal die dichte Anordnung der Hofreiten bei den Zeilendörfern, die bis zu Bauweisen mit geschlossenen Fassaden führen kann und die lockere Verteilung der Gehöfte bei den Reihendörfern. Als Gemeinsamkeit wird von manchen Autoren bei beiden Formen eine ein- oder zweizeilige Anordnung angegeben.

(s. a. Straßendorf)

Zelge

Der oberdeutsche Ausdruck für einen Komplex von Ackerparzellen in Gemengelage, der nach einem durch die Nutzungsberechtigten vereinbarten Modus (Flurzwang) einheitlich bewirtschaftet wird, genauer: wurde. Eine Zelge umfasste meist mehrere Gewanne. Kennzeichnend ist der einheitliche Anbau innerhalb einer Zelge, der im Rahmen der Fruchtfolge wechselt. Bei der früher weit verbreiteten Dreifelderwirtschaft war eine Unterteilung der Feldflur in drei Zelgen die Regel, Zwei-, Vier- und Mehrzelgenwirtschaften waren auch möglich.

Vor der Mitte des 19. Jh. waren es in Mitteleuropa vor allem zwei Gründe, die einen geregelten, zelgengebundenen Anbau bedingten: die gemeinsame Weidenutzung und die unzulängliche Erschließung der Ackerfluren mit Feldwegen.

Synonyme Begriffe sind Feld, Ösch, Flur, Schlag. Die dem regionalen Sprachgebrauch entlehnten Begriffe sind jedoch mehrdeutig.

Zellenhaufendorf

Aus einer Sippensiedlung mit einzelnen Zellen durch Verdichtung hervorgegangenes Haufendorf mit Verbreitung in Bulgarien.

Zenturiatsflur

Zenturie ist die Bezeichnung für die Grundeinheit der römischen Flureinteilung (Zenturiation; von centum = 100), eine quadratische Fläche von 100 heredia (römische Maßeinheit; ca. 710 m) im Geviert.

(s. a. Land Ordinance)

zero tillage

Der Verzicht auf jegliche Bodenbearbeitung, eingeführt im nordamerikanischen Trockenfeldbau. Sie ist verbunden mit dem Einsatz eines Breitbandherbizids.

Kennzeichen dieses Verfahrens sind:

Ziege

Paarhufer, vor knapp 2.000 Jahren im vorderen Orient domestiziert. Ziegen sind Hörner tragende Wiederkäuer und kommen mit geringwertigem Futter aus. Sie werden hauptsächlich zur Fleisch- und Milchproduktion gehalten. Die Haut wird zu Ziegenleder gegerbt. Die Hörner der Männchen (Böcke) sind meist länger als die der Weibchen (Geißen). Die Trächtigkeit dauert 22 Wochen. Die Ziegenhaltung ist hier zu Lande eher eine Randerscheinung und nur auf wenige Spezialbetriebe konzentriert. Die Milch der Geißen wird zur Herstellung von Ziegenkäse besonders geschätzt. Die Milchleistung kann bis 1.000 kg im Jahr erreichen. Die deutsche Landwirtschaft hat an der EU-Produktion von Ziegen- und Schaffleisch einen Anteil von 4 %.

Ziergarten

Garten, der im Gegensatz zum so genannten Nutzgarten nicht vorrangig dem Anbau und der Verwertung von Nutzpflanzen dient. In einem Ziergarten werden Pflanzen lediglich aufgrund gestalterischer und ästhetischer Aspekte in unterschiedlichen Kombinationen verwendet.

Neben der Funktion als Stätte der Erholung des Menschen kann er auch der Repräsentation oder der künstlerischen Selbstverwirklichung dienen. In der Malerei, der Literatur und im Film sind Ziergärten bzw. Gärten allgemein ein beliebtes Sujet.

Züchterprivileg

Das Züchterprivileg erlaubt Züchtern ohne Zustimmung des Sortenschutzinhabers und ohne Lizenzgebühren neue Sorten zu entwickeln. Patente auf Tiere und Pflanzen, die Monopole auf das genetische Material ermöglichen, lehnt der DBV deshalb grundsätzlich ab. Im deutschen Patentgesetz wurden zumindest ein Züchterprivileg und eine Haftungsfreistellung bei einem zufälligen Auskreuzen von patentgeschützten Pflanzen geschaffen. Dazu wurden Spielräume aus der Biopatentrichtlinie genutzt.

Eine geschützte Sorte darf uneingeschränkt (d.h. ohne Zustimmung des Züchters) als Ausgangsmaterial für die Schaffung einer weiteren Sorte verwendet werden, und diese Sorte darf auch ohne eine solche Zustimmung gewerbsmäßig vertrieben werden.

Zuckerrüben

Die Zuckerrübe (Beta vulgaris) gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Sie stammt wie andere Rüben von der Wild-Bete (Beta vulgaris subsp. maritima) ab. Die Zuckerrübe entstand gegen Mitte des 18. Jahrhunderts durch Züchtung aus der Futterrübe (Runkelrübe), weist jedoch im Gegensatz zu dieser einen viel kleineren Fruchtkörper auf. Primäres Selektionsziel war die Erhöhung des Zuckergehalts. Dieser konnte von 8 % auf 20 % bei heutigen modernen Zuckerrüben gesteigert werden. 

Erstmals wies der Chemiker Andreas Sigismund Marggraf 1747 den Zuckergehalt der Runkelrübe nach. Nach der erfolgreichen Selektion der weißen schlesischen Rübe, schuf Franz Carl Achard 1801 die Grundlagen der industriellen Zuckerproduktion. Die erste Rübenzuckerfabrik der Welt entstand in Cunern in Schlesien.

Heute stammt etwa ein Drittel des Zuckers weltweit aus Zuckerrüben. In Deutschland wachsen Zuckerrüben auf den besten Böden, die durchschnittliche Anbaufläche liegt bei rund 420.000 Hektar. Neben dem Zucker fallen in den Zuckerfabriken Melasse und Trockenschnitzel an, die als Futtermittel verwendet werden. Auch ihre Bedeutung als nachwachsender Rohstoff nimmt zu. Der Selbstversorgungsgrad beträgt 132 % (2003/4).

Die Zuckerrübe ist eine zweijährige, fremdbefruchtete Pflanze. Im ersten Jahr entwickelt sie im vegetativen Entwicklungsstadium oberirdisch eine Blattrosette und eine zu einem weißen Rübenkörper verdickten Wurzel. Im zweiten Jahr bildet die Rübe einen Blütenstand und Samen.

Die Ernte erfolgt im ersten Vegetationsjahr. In diesem Zeitraum erfolgt die Speicherung von Reservestoffen. Der Zuckergehalt ist zum Ende der ersten Vegetationszeit am höchsten.

Die EU-Kommission hat eine Reform der Zuckermarktordnung eingeleitet. Die Europäische Zuckermarktordnung ist ein EU-Regelwerk aus Quoten, Zöllen und Subventionen zum Schutz der heimischen Produktion von Zucker in Form des Anbaus von Zuckerrüben. Sie soll am 30. September 2017 auslaufen.

Zuerwerbsbetrieb

Landwirtschaftlicher Betrieb, der die wirtschaftliche Existenz der Familie aufgrund der aktuellen betrieblichen Verhältnisse grundsätzlich nicht voll gewährleisten und die deshalb einen außerbetrieblichen Zuerwerb erfordern. Die Betriebe stehen in der alten Gliederung zwischen den Vollerwerbsbetrieben und den Nebenerwerbsbetrieben.

Seit 1995 werden die Zuerwerbsbetriebe in der deutschen Agrarstatistik nicht mehr gesondert ausgewiesen, sondern erscheinen zusammen mit den Vollerwerbsbetrieben als Haupterwerbsbetriebe.

(s. a. Erwerbscharakter)

Zusatzfutterstoffe

Im Futtermittelrecht ist festgelegt, welche Stoffe in welchen Mengen und Formen dem Futter beigemischt werden dürfen. Dazu gehören beispielsweise in der Rinderzucht

Schließlich gelten noch synthetisch hergestellte Vitamine und Pro-Vitamine sowie z.B. Aluminiumsulfat, Schwefelblüte, Antioxidantien und weißer Ton zu den erlaubten Zusätzen.

Zweifelderwirtschaft

Bodennutzungssystem, das überwiegend in der antiken und frühmittelalterlichen Landwirtschaft in verschiedenen Regionen Europas angewendet wurde. Dabei wurde die Ackerfläche in zwei Felder eingeteilt, von denen eines mit Getreide bestellt wurde, während das andere brachlag. Dadurch lag im Vergleich zur Dreifelderwirtschaft stets die Hälfte statt eines Drittels der Nutzfläche brach. Alternativ konnte man das eine Feld mit Sommer- und das andere mit Wintergetreide bestellen, doch wurde der Boden dadurch stark in Anspruch genommen.

Zweifelderwirtschaft mit der alternierenden Folge von WinterungBracheSommerung – Brache wurde beispielsweise in einigen westdeutschen Landschaften (Mittelrhein, Moselgebiet, Bergstraße) im Spätmittelalter neben der Dreifelderwirtschaft (Winterung – Sommerung – Brache) betrieben. Dieses relativ extensive Bodennutzungssystem, bei dem die Ackerfläche nur in jedem zweiten Jahr bestellt wurde, wurde in Gegenden angewandt, in denen der Weinbau Arbeitszeit und Dünger derart in Anspruch nahm, dass für den Getreideanbau nur geringer Aufwand erbracht und somit geringer Ertrag erwartet werden konnte.

In der Schweiz war die Zweifelderwirtschaft in Gebieten mit nährstoffärmeren Böden und/oder trockenem Klima verbreitet, v.a. auf der Alpensüdseite (Wallis, Tessin). Sie kam aber auch dort vor, wo es eine starke Nachfrage nach Brotgetreide gab, z.B. in den ländlichen Genfer Gebieten. Dort konnte auf den Anbau von Hafer als Pferdefutter verzichtet werden, weil mit Ochsen- statt mit Pferdegespannen gepflügt wurde.

Zweiseitgehöft/-hof

Auch Hakenhof; geregelter Mehrbauhof dessen Hofplatz an zwei Seiten von Hofgebäuden umrahmt wird, und der häufig durch eine Torwand von der Straße abgeschlossen wird. Er stellt eine Ausprägung des mitteldeutschen Gehöftes dar.

Zwiehof

Auch Paarhof; Übergangsform vom Einzelhof zur Gruppensiedlung. In Teilen Mitteleuropas besteht der Zwiehof aus einem Viehhof und einem Wohnhof. Der Übergang zum Doppelhof ist fließend.

Zwischenfrüchte

Auch Zweitfrüchte; schnellwachsende Pflanzen, die, zwischen zwei Hauptfrüchten (Getreide, Kartoffeln, Rüben) angebaut, im gleichen Jahr kein marktfähiges Erzeugnis mehr liefern. Man unterscheidet zwischen Sommer- und Winterzwischenfrüchten.

Zwischenfrüchte dienen der Futtererzeugung und der Gründüngung (jeweils etwa zur Hälfte). Unter ökologischen Gesichtspunkten dienen sie dem Erosionsschutz. Insbesondere vor dem Anbau von Kulturen, die eine späte Bodenbedeckung erreichen wie Mais und Zuckerrübe, ist die vorherige Aussaat von abfrierenden Zwischenfrüchten angebracht. Zudem binden sie den durch die Vorfrucht nicht verbrauchten sowie den durch die Verrottungs- und Mineralisierungsprozesse im Boden freigesetzten Stickstoff und sie lockern einseitige Getreidefruchtfolgen auf und beugen dadurch Pflanzenkrankheiten vor. Durch ihren Wasserverbrauch vermindern sie auch die Sickerwassermenge.

Bei großen Mengen ausgebrachter Gülle auf den Betriebsflächen viehintensiver Betriebe dienen Zwischenfrüchte als Puffer. Sie legen den ausgebrachten oder durch Mineralisation freigesetzten Stickstoff organisch fest und stellen ihn langsam der Haupt- oder Folgefrucht zur Verfügung. Durch die Treibhausgasproblematik können Zwischenfrüchte auch als zusätzliche CO2-Senken angesehen werden.

Winterzwischenfrüchte werden im Spätsommer angebaut. Im Frühjahr werden die winterharten Pflanzen als Tierfutter geerntet, z. B. Futterroggen. Sommerzwischenfrüchte werden mit der Hauptfrucht als Untersaat oder als Stoppelsaat nach deren Ernte ausgebracht.  Sie werden im gleichen Jahr geerntet, beweidet oder als Gründüngung (Humusbildung) in den Boden eingearbeitet. Darüber hinaus können Sommerzwischenfrüchte auch auf der Fläche bleiben und im Winter abfrieren und als Mulchschicht die Fläche bedecken. Die anschließende Hauptfrucht wird dann im sogenannten Direktsaatverfahren ausgebracht.

Als Zwischenfrüchte kommen beispielsweise zum Einsatz: Phacelia, Senf, Alexandrinerklee, Weidelgras, Winterrübsen, Winterroggen.

(s. a. Mulchen)

Zwischenkultur

In Mischkulturen diejenigen, gewöhnlich einjährigen Kulturpflanzen, die zwischen weitständigen mehrjährigen Kulturen angebaut werden.