Lexikon des Agrarraums

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Zeigerpflanzen

Pflanzen, die aufgrund ihres standorttypischen Vorkommens Aussagen über die Beschaffenheit und den Zustand des Bodens erlauben. In der folgenden Tabelle sind für einige Wiesentypen und für Waldlichtungen entsprechende Pflanzen aufgelistet.

Zeigerpflanzen für Wiesentypen und Waldlichtungen
Stickstoffliebende Schlagpflanzen
  • Wald-Weidenröschen
  • Wald-Geiskraut
  • Große Brennessel
  • Hain-Klette
  • Tollkirsche
  • Himbeere
  • Schwarzer Hollunder
  • Trauben-Hollunder u.a.
Fettwiesen (regelmäßig gedüngt, zweimal jährlich gemäht, hoher Stickstoffgehalt)
  • Wiesen-Fuchsschwanz
  • Englisches Raygras
  • Wiesen-Glockenblume
  • Glatthafer
  • Wiesenlieschgras
  • Wiesen-Schaumkraut
  • Weiche Trespe
  • Goldhafer
  • Wiesen-Pippau
  • Wiesen-Schwingel
  • Wiesen-Kerbel
  • Bärenklau
Feuchte Fettwiesen (sie enthalten zusätzlich folgende Pflanzen)
  • Wolliges Honiggras
  • Sumpf-Kratzdistel
  • Wald-Storchschnabel
  • Engelwurz
  • Bach-Nelkenwurz
  • Kuckuckslichtnelke
  • Sumpfdotterblume
  • Blutweiderich
  • Wiesen-Knöterich
  • Kohldistel
  • Acker-Schachtelhalm
  • Scharbockskraut
Trockene Fettwiesen
  • Aufrechte Trespe
  • Echtes Labkraut
  • Wiesen-Salbei
  • Taubenskabiose
Magerwiesen (ohne regelmäßige Düngung, jährlich nur einmal gemäht)
  • Wiesen-Hafer
  • Wundklee
  • Fiederzwenke
  • Große Brunelle
  • Warzenwolfsmilch
  • Sparriger Alant
  • Berg-Leinblatt
  • Akelei
  • Ochsenauge
  • Knollige Spierstaude
  • Weiden-Alant
  • Berg-Klee
  • Berg-Segge
  • Berg-Aster
  • Sichelblättriges Hasenohr
  • Gewöhnliche Kugelblume
  • Purgier-Lein
  • Blassgelber Klee
  • Küchenschelle
  • Betonie
  • Doldige Wucherblume
  • Hufeisenklee
  • Kleiner Wiesenkopf
  • Großer Ehrenpreis u.a.

Zeilendorf

Ländliche Siedlungsform, bei der die Gehöfte linear angeordnet sind. Die Siedlung besteht nur aus einer Zeile, die sich entlang eines Weges oder eines Gewässers erstreckt. Ein Zeilendorf wirkt wie ein in der Längsrichtung halbiertes Angerdorf oder Straßendorf. Ein Synonym ist Reihendorf. Wird eine Differenzierung zwischen Reihendorf und Zeilendorf vorgenommen, so ist das Unterscheidungsmerkmal die dichte Anordnung der Hofreiten bei den Zeilendörfern, die bis zu Bauweisen mit geschlossenen Fassaden führen kann und die lockere Verteilung der Gehöfte bei den Reihendörfern. Als Gemeinsamkeit wird von manchen Autoren bei beiden Formen eine ein- oder zweizeilige Anordnung angegeben.

(s. a. Straßendorf)

Zelge

Der oberdeutsche Ausdruck für einen Komplex von Ackerparzellen in Gemengelage, der nach einem durch die Nutzungsberechtigten vereinbarten Modus (Flurzwang) einheitlich bewirtschaftet wird, genauer: wurde. Eine Zelge umfasste meist mehrere Gewanne. Kennzeichnend ist der einheitliche Anbau innerhalb einer Zelge, der im Rahmen der Fruchtfolge wechselt. Bei der früher weit verbreiteten Dreifelderwirtschaft war eine Unterteilung der Feldflur in drei Zelgen die Regel, Zwei-, Vier- und Mehrzelgenwirtschaften waren auch möglich.

Vor der Mitte des 19. Jh. waren es in Mitteleuropa vor allem zwei Gründe, die einen geregelten, zelgengebundenen Anbau bedingten: die gemeinsame Weidenutzung und die unzulängliche Erschließung der Ackerfluren mit Feldwegen.

Synonyme Begriffe sind Feld, Ösch, Flur, Schlag. Die dem regionalen Sprachgebrauch entlehnten Begriffe sind jedoch mehrdeutig.

Zellenhaufendorf

Aus einer Sippensiedlung mit einzelnen Zellen durch Verdichtung hervorgegangenes Haufendorf mit Verbreitung in Bulgarien.

Zenturiatsflur

Zenturie ist die Bezeichnung für die Grundeinheit der römischen Flureinteilung (Zenturiation; von centum = 100), eine quadratische Fläche von 100 heredia (römische Maßeinheit; ca. 710 m) im Geviert.

(s. a. Land Ordinance)

zero tillage

Der Verzicht auf jegliche Bodenbearbeitung, eingeführt im nordamerikanischen Trockenfeldbau. Sie ist verbunden mit dem Einsatz eines Breitbandherbizids.

Kennzeichen dieses Verfahrens sind:

Ziege

Paarhufer, vor knapp 2.000 Jahren im vorderen Orient domestiziert. Ziegen sind Hörner tragende Wiederkäuer und kommen mit geringwertigem Futter aus. Sie werden hauptsächlich zur Fleisch- und Milchproduktion gehalten. Die Haut wird zu Ziegenleder gegerbt. Die Hörner der Männchen (Böcke) sind meist länger als die der Weibchen (Geißen). Die Trächtigkeit dauert 22 Wochen. Die Ziegenhaltung ist hier zu Lande eher eine Randerscheinung und nur auf wenige Spezialbetriebe konzentriert. Die Milch der Geißen wird zur Herstellung von Ziegenkäse besonders geschätzt. Die Milchleistung kann bis 1.000 kg im Jahr erreichen. Die deutsche Landwirtschaft hat an der EU-Produktion von Ziegen- und Schaffleisch einen Anteil von 4 %.

Ziergarten

Garten, der im Gegensatz zum so genannten Nutzgarten nicht vorrangig dem Anbau und der Verwertung von Nutzpflanzen dient. In einem Ziergarten werden Pflanzen lediglich aufgrund gestalterischer und ästhetischer Aspekte in unterschiedlichen Kombinationen verwendet.

Neben der Funktion als Stätte der Erholung des Menschen kann er auch der Repräsentation oder der künstlerischen Selbstverwirklichung dienen. In der Malerei, der Literatur und im Film sind Ziergärten bzw. Gärten allgemein ein beliebtes Sujet.

Züchterprivileg

Das Züchterprivileg erlaubt Züchtern ohne Zustimmung des Sortenschutzinhabers und ohne Lizenzgebühren neue Sorten zu entwickeln. Patente auf Tiere und Pflanzen, die Monopole auf das genetische Material ermöglichen, lehnt der DBV deshalb grundsätzlich ab. Im deutschen Patentgesetz wurden zumindest ein Züchterprivileg und eine Haftungsfreistellung bei einem zufälligen Auskreuzen von patentgeschützten Pflanzen geschaffen. Dazu wurden Spielräume aus der Biopatentrichtlinie genutzt.

Eine geschützte Sorte darf uneingeschränkt (d.h. ohne Zustimmung des Züchters) als Ausgangsmaterial für die Schaffung einer weiteren Sorte verwendet werden, und diese Sorte darf auch ohne eine solche Zustimmung gewerbsmäßig vertrieben werden.

Zucker

Ein süß schmeckendes, kristallines Lebensmittel, das aus Pflanzen gewonnen wird und hauptsächlich aus Saccharose besteht.

Das Wort „Zucker“ stammt aus dem Sanskrit-Wort शर्करा (śarkarā) für „Grieß, Geröll, Kies; Sandzucker“, das als sukkar ( سكر , verb: sakkara) ins Arabische entlehnt wurde und von dort in den europäischen Sprachraum gelangte.

Der Jahresverbrauch von Zucker lag 2012/2013 in Deutschland bei 32,1 kg pro Person. Sein physiologischer Brennwert beträgt 16,8 kJ oder 4,0 kcal pro Gramm (zum Vergleich: Alkohol liefert 29,8 kJ pro Gramm, Fette etwa 39 kJ pro Gramm), mit einer Dichte von 1,6 g/cm³ ist er schwerer als Wasser (1 g/cm³). Bei 20 °C sind 203,9 g Zucker in 100 ml Wasser löslich, bei 100 °C 487,2 g in 100 ml.

Hauptquellen sind Zuckerrohr, Zuckerrübe und die transgene Zuckerrübe H7-1 (USA). 2012 wurden weltweit knapp 270 Mio. Tonnen Zuckerrüben und 1,7 Mrd. Tonnen Zuckerrohr produziert.

Die drei weltweit bedeutendsten Zuckerproduzenten sind Brasilien, Indien und die Volksrepublik China, die wichtigsten Herstellerländer in Europa sind Frankreich, Deutschland und Polen. Im Jahr 2012 wurden weltweit etwa 175 Millionen Tonnen Zucker hergestellt. Indien weist den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Zucker auf, China steht an 2. Stelle, gefolgt von Brasilien, allerdings wird hier mehr als die Hälfte (52 Prozent) des Zuckers in Form von Bioethanol als Treibstoff verbraucht, mit steigender Tendenz.

In der Europäischen Union wurde der Zuckerpreis bisher (Stand August 2017) möglichst konstant gehalten. Der Weltmarktpreis liegt normalerweise deutlich unter dem EU-Preis. Nur im Jahr 2011 lag der Weltmarktpreis kurzzeitig darüber. Mit Ende September 2017 fällt – nach der Milchquotenregelung – auch die europäische Quotenregelung für Zucker. Bisher war festgelegt, dass mindestens 85 % des in der EU vermarkteten Zucker in der EU erzeugt sein müssen, und dass die europaweite Produktion mit 13,5 Mio. Tonnen pro Jahr begrenzt ist. Ferner mussten Zuckerproduzenten ihren zuliefernden Landwirten laut EU-Recht pro Tonne Zuckerrüben einen gewissen Mindestpreis zahlen. Es wird erwartet, dass die Preise für abgelieferte Rüben und Zucker ab Fabrik niedriger werden.

(s. a. Zuckerrohr, Zuckerrübe)

Zuckerrohr

Pflanze aus der Familie der Süßgräser (Poaceae), dort wird sie der Unterfamilie Panicoideae mit etwa 3270 weiteren Arten zugeordnet. Die wichtigste Art ist das Zuckerrohr i.e.S. (Saccharum officinarum).

Es ist einkeimblättrig und besitzt das für Poaceae typische, grasartige Erscheinungsbild. Die langen, rohrartigen Halme haben einen Durchmesser von 20 bis 45 mm und erreichen eine Höhe von 3 bis 6 Metern. Das Zuckerrohr besitzt Rhizome. Die rispenförmigen Blütenstände werden 40 bis 60 cm lang. Die Früchte sind klein und nur etwa 1,5 mm lang. Die Pflanze ist der wichtigste Rohstofflieferant für die Herstellung von Haushaltszucker (Saccharose) und in wachsendem Maße auch für die Herstellung von Bioethanol.

Herkunft und Verbreitung

Ihr Ursprung liegt wahrscheinlich in der polynesisch-melanesischen Inselwelt, wo man den ältesten Anbau von Zuckerrohr auf ca. 8.000 v. Chr. datieren konnte. Möglicherweise bildete Zucker in Melanesien aber schon vor 15.000 Jahren einen energiereichen Proviant bei Bootsfahrten zu fernen Inseln in der Südsee. Durch Handel gelangte die Pflanze allmählich in den Vorderen Orient. Über die arabisch-muslimische Welt kam das Zuckerrohr in den Mittelmeerraum und so auch nach Spanien.

Westeuropa lernte den Zucker als Genussmittel im Gefolge der Kreuzzüge kennen. Die Kreuzritter übernahmen in den von ihnen eroberten und besetzten Gebieten die Kontrolle über den Anbau des Zuckerrohrs. Venezianische Kaufleute begannen bald darauf, Zuckerunternehmungen in der Nähe von Tyrus, auf Kreta und Zypern zu installieren.

Bereits auf seiner zweiten Reise im Jahr 1493 brachte Christoph Kolumbus Zuckerrohrstecklinge auf die Karibikinsel Hispaniola (Dominikanische Republik und Haiti). Aus diesen geringen Anfängen entwickelte sich in "Westindien" ein Weltwirtschaftszentrum für Zuckerrohranbau, das 300 Jahre lang seine Vormachtstellung behaupten sollte. Die Portugiesen brachten es auch nach Westafrika in die Bucht von Benin. Wegen der schwierigen Verarbeitung war Zucker um diese Zeit aber noch immer sehr rar und für den normalen Bürger nicht erschwinglich. Bis zur Züchtung der Zuckerrübe aus der Runkelrübe Mitte des 18. Jahrhunderts blieb das Zuckerrohr die einzige Rohstoffquelle zur Zuckergewinnung.

Standortansprüche

Als Pflanze der Tropen und Subtropen liebt Zuckerrohr hohe Temperaturen und viel Niederschlag. Ideal sind 25 bis 30 Grad Celsius und möglichst mehr als 1500 mm pro Jahr. Das sind typische Regenwaldstandorte, in der Konsequenz müssen für die ertragreiche Kultur nach wie vor tropische Wälder weichen.

Anbau und Ernte

Die größten Zuckerrohrflächen gibt es mit 10,2 Millionen Hektar in Brasilien. Mit deutlichem Abstand dahinter folgen Indien (5,1 Mio. Hektar), China (1,8 Mio. Hektar) und Pakistan mit insgesamt 1,3 Millionen Hektar (Quelle: FAO, 2013).

Die Anpflanzung des Zuckerrohrs geschieht über Stecklinge. Halmstücke aus dem unteren Bereich der „Zuckerrohrhalme“, die zwei bis vier Knoten aufweisen, werden verwendet. Je nach Technisierungsgrad werden sie entweder manuell oder maschinell reihenweise dicht hintereinander in den Boden gelegt und angehäufelt, sodass die Halmstücke leicht mit Boden bedeckt sind. Der Reihenabstand beträgt 1,2 bis 1,5 m. Innerhalb der Reihe wird der Abstand so gewählt, dass letztlich 15.000–20.000 Stecklinge pro Hektar gesetzt werden. Nach ein bis zwei Wochen treiben die Stecklinge aus, das heißt, sie bilden Wurzeln und treiben an den Augen (Knospe) neue Halme (Rohre) aus. Rund 3 bis 6 Monate Wachstumszeit benötigt der Bestand bis zum Reihenschluss.

Durch gezielte Düngung und Pflanzenschutz sichern die Anbauer die Erträge ab. Wichtig ist die Kontrolle des Unkrauts, das mit dem Süßgras um Licht, Nährstoffe und Wasser konkurriert. Schadinsekten müssen ebenso beachtet werden, dazu zählt vor allem der Zuckerrohrbohrer.

Die erste Ernte, das Schneiden des Rohrs, kann 9 bis 24 Monate nach dem Auspflanzen erfolgen. Der Erntezeitpunkt richtet sich nach Zuckergehalt und Reifegrad. Die Halme werden direkt über dem Boden abgeschnitten und am oberen Ende der zuckerlose Blattapparat entfernt.

Die Rohrernte erfolgte früher ausschließlich per Handarbeit. Arbeiter trennten die fünf Zentimeter dicken und bis zu fünf Meter langen Stangen mit einer Machete ab und luden sie auf Transportfahrzeuge. Heute erledigen zunehmend Zuckerrohrerntemaschinen diese schwere Arbeit. Um die Ernte zu erleichtern, wurden und werden die Felder kontrolliert angezündet. Trockene Blätter und Unkraut verbrennen, die zuckerreichen Stängel bleiben übrig. Moderne Vollernter machen das Abbrennen überflüssig.

Die „Halmstümpfe“ schlagen wieder aus und nach weiteren 12 Monaten kann die nächste Ernte geschnitten werden. Ein Zuckerrohrbestand kann bis zu acht Mal beerntet werden. In Indien beträgt die Nutzungsdauer z. B. zwei Schnitte, in Brasilien dagegen fünf Schnitte. Eine Zuckerrohrpflanze kann bis zu 20 Jahre alt werden.

Das Zuckerrohr sollte nach der Ernte möglichst schnell verarbeitet werden, weil im tropischen Klima der Zuckerabbau schnell einsetzt. Aus Presssaft kristallisiert der Zucker, der anschließend in mehreren Schritten gereinigt wird. Der Fachmann spricht von Raffination. Übrig bleiben die Fasern des Rohrs, die sogenannte Bagasse. Sie dient als Energieträger in der Zuckerfabrik, aber auch als Viehfutter oder zur Herstellung von Faserplatten und Tür-Innenverkleidungen.

Die Arbeitsbedingungen auf den Zuckerrohrfeldern sind teilweise problematisch. Häufig werden Kinder als Arbeitskräfte eingesetzt; geringe Bezahlung ist in den Regionen des Zuckerrohranbaus ohnehin an der Tagesordnung. Brasilianische Plantagenarbeiter bekommen etwa 1,4 Reais (ca. 60 Eurocents – Stand Juni 2007) pro gehackter Tonne Zuckerrohr. Die Tagesleistung liegt bei guten Arbeitern bei circa 15–20 Tonnen. Im Mittel bringt Zuckerrohr in Brasilien einen Hektar-Ertrag von rund 75 Tonnen mit 10 bis 20 Prozent Gewichtsanteilen Zucker (Quelle: FAO, 2013). Das machen 7,5 bis 15 Tonnen Zucker pro Hektar.

In Brasilien kontrollieren sieben Joint Ventures aus brasilianischem Kapital und westlichen Rohstoffkonzernen über 50 % der Zuckermühlen. Die brasilianische Seite bilden meist Zusammenschlüsse von Familienunternehmen, deren Reichtum auf Großgrundbesitz basiert.
So kontrolliert Copersucar, das sich 2014 mit dem US-Agrarkonzern Cargill zusammenschloss, 47 eigene Zuckermühlen und 50 weitere über Verträge. Raízen ist ein Zusammenschluss des brasilianischen Cosan-Konzerns mit dem Mineralöl-Multi Shell, und Biosev von Santelisa Vale mit dem Cargill-Konkurrenten Louis Dreyfus Company. Zwar expandieren Zuckerrohrplantagen in vielen Teilen der Welt, doch nirgendwo so rasant wie in Brasilien. Dort hat sich die Anbaufläche zwischen 2005 und 2013 von fünf auf zehn Millionen Hektar verdoppelt. Diese Expansion hat erhebliche soziale und ökologische Folgen. (Heinrich-Böll-Stiftung u. a. 2017)

Verwendung

Zuckerrohr wird hauptsächlich für die Gewinnung von Zucker genutzt. Momentan (2016) deckt Zuckerrohr rund 80 Prozent des Weltzuckermarkts ab.

Zur Zuckergewinnung wird der sehr saftreiche Halm, dessen weißes Mark 11–20 % Zucker enthält, geerntet, von den Blättern befreit und ausgepresst. Der frische Presssaft wird als Getränk genossen, zur Gewinnung von braunem Rohrzucker eingedampft bzw. zur Gewinnung weißen Zuckers gereinigt und konzentriert, bis sich der Zucker in Kristallform abscheidet. Die bei der Raffination als Restprodukt anfallende Melasse, eine dunkelbraune, zähflüssige, bittersüß schmeckende Masse mit ca. 50 % Zuckergehalt, wird Viehfutter beigemischt oder dient, in vergorenem Zustand, zur Destillation von Rum und Arrak. Die Pressrückstände (Bagasse) finden Verwendung als Brennstoff oder bei der Herstellung von Isoliermaterial, Zellstoff und Papier.

Aus Zuckerrohr kann ferner ein Wachs hergestellt werden, aus dem Policosanol in reiner Form gewonnen werden kann. Sowohl Zuckerrohrwachs als auch Policosanol werden industriell hergestellt.

Die Zuckerrohrfasern (Blätter) werden, als Alternative zu Holzfasern, zur Herstellung von Papier oder Faserformteilen (ähnlich wie Eierkartons) eingesetzt.

Eine stark wachsende Bedeutung hat Bioethanol aus Zuckerrohr als Kraftstoff bzw. Biokraftstoff. Dieser wird, wie die Zuckerrohrspirituosen, durch Fermentation von Zucker im Zuckerrohrsaft oder der Melasse zu Alkohol umgesetzt. Bei der anschließenden Destillation wird daraus fast reiner Alkohol gewonnen, der in bestimmten Verbrennungsmotoren (Flexible Fuel Vehicle) nutzbar ist. Beispielsweise werden in Brasilien jährlich ungefähr 16 Milliarden Liter Ethanol produziert und zum großen Teil als PKW-Kraftstoff, aber auch für Flugzeuge, wie dem propellerbetriebenen Agrarflugzeug Embraer EMB 202A, genutzt.

Weitere Informationen:

Zuckerrübe

Die Zuckerrübe (Beta vulgaris) gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Sie stammt wie andere Rüben von der Wild-Bete (Beta vulgaris subsp. maritima) ab. Die Zuckerrübe entstand gegen Mitte des 18. Jahrhunderts durch Züchtung aus der Futterrübe (Runkelrübe), weist jedoch im Gegensatz zu dieser einen viel kleineren Fruchtkörper auf. Primäres Selektionsziel war die Erhöhung des Zuckergehalts. Dieser konnte von 8 % auf 20 % bei heutigen modernen Zuckerrüben gesteigert werden. 

Erstmals wies der Chemiker Andreas Sigismund Marggraf 1747 den Zuckergehalt der Runkelrübe nach. Nach der erfolgreichen Selektion der weißen schlesischen Rübe, schuf Franz Carl Achard 1801 die Grundlagen der industriellen Zuckerproduktion. Die erste Rübenzuckerfabrik der Welt entstand in Cunern in Schlesien.

Heute stammt etwa ein Drittel des Zuckers weltweit aus Zuckerrüben. In Deutschland wachsen Zuckerrüben auf den besten Böden, die durchschnittliche Anbaufläche liegt bei rund 420.000 Hektar. Neben dem Zucker fallen in den Zuckerfabriken Melasse und Trockenschnitzel an, die als Futtermittel verwendet werden. Auch ihre Bedeutung als nachwachsender Rohstoff nimmt zu. Der Selbstversorgungsgrad beträgt 132 % (2003/4).

In Deutschland wurden im Wirtschaftsjahr 2016/17 in 28.509 landwirtschaftlichen Betrieben Zuckerrüben angebaut, die in 20 Zuckerfabriken zu Zucker verarbeitet wurden. Bei einer Anbaufläche von 299.692 ha – eine Steigerung von etwa 18 Prozent im Vergleich zu 2015/16 – wurden insgesamt 22,5 Millionen Tonnen Rüben verarbeitet. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg von ca. 24 Prozent. Die Zuckererzeugung 2016/17 betrug insgesamt 3,566 Millionen Tonnen – ein Anstieg von 21,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der durchschnittliche Zuckerertrag lag bei 11,9 Tonnen pro Hektar und war somit 2,9 Prozent höher als im Vorjahr. 

Die Zuckerrübe ist eine zweijährige, fremdbefruchtete Pflanze. Im ersten Jahr entwickelt sie im vegetativen Entwicklungsstadium oberirdisch eine Blattrosette und eine zu einem weißen Rübenkörper verdickten Wurzel. Im zweiten Jahr bildet die Rübe einen Blütenstand und Samen.

Die Ernte erfolgt im ersten Vegetationsjahr. In diesem Zeitraum erfolgt die Speicherung von Reservestoffen. Der Zuckergehalt ist zum Ende der ersten Vegetationszeit am höchsten.

In der EU bestand seit 1968 die Europäische Zuckermarktordnung, ein Regelwerk aus Quoten, Zöllen und Subventionen zum Schutz der heimischen Produktion von Zucker in Form des Anbaus von Zuckerrüben. Dadurch entwickelte sich die Europäische Union, die bis dahin ein Nettoimporteur von Zucker gewesen ist, zu einem Exporteur von Zucker. Im Jahr 2005 setzte die Welthandelsorganisation (WTO) durch, dass der Export von Zucker aus der EU auf 1,4 Millionen Tonnen jährlich begrenzt wurde. Gleichzeitig wurde eine Importfreigabe für die ärmsten Exportländer von Zucker bestimmt, um diese bei ihrer Entwicklung zu unterstützen. Die Europäische Zuckermarktordnung lief am 30. September 2017 aus.

Weitere Informationen:

Zuerwerbsbetrieb

Landwirtschaftlicher Betrieb, der die wirtschaftliche Existenz der Familie aufgrund der aktuellen betrieblichen Verhältnisse grundsätzlich nicht voll gewährleisten und die deshalb einen außerbetrieblichen Zuerwerb erfordern. Die Betriebe stehen in der alten Gliederung zwischen den Vollerwerbsbetrieben und den Nebenerwerbsbetrieben.

Seit 1995 werden die Zuerwerbsbetriebe in der deutschen Agrarstatistik nicht mehr gesondert ausgewiesen, sondern erscheinen zusammen mit den Vollerwerbsbetrieben als Haupterwerbsbetriebe.

(s. a. Erwerbscharakter)

Zusatzfutterstoffe

Im Futtermittelrecht ist festgelegt, welche Stoffe in welchen Mengen und Formen dem Futter beigemischt werden dürfen. Dazu gehören beispielsweise in der Rinderzucht

Schließlich gelten noch synthetisch hergestellte Vitamine und Pro-Vitamine sowie z.B. Aluminiumsulfat, Schwefelblüte, Antioxidantien und weißer Ton zu den erlaubten Zusätzen.

Zweifelderwirtschaft

Bodennutzungssystem, das überwiegend in der antiken und frühmittelalterlichen Landwirtschaft in verschiedenen Regionen Europas angewendet wurde. Dabei wurde die Ackerfläche in zwei Felder eingeteilt, von denen eines mit Getreide bestellt wurde, während das andere brachlag. Dadurch lag im Vergleich zur Dreifelderwirtschaft stets die Hälfte statt eines Drittels der Nutzfläche brach. Alternativ konnte man das eine Feld mit Sommer- und das andere mit Wintergetreide bestellen, doch wurde der Boden dadurch stark in Anspruch genommen.

Zweifelderwirtschaft mit der alternierenden Folge von WinterungBracheSommerung – Brache wurde beispielsweise in einigen westdeutschen Landschaften (Mittelrhein, Moselgebiet, Bergstraße) im Spätmittelalter neben der Dreifelderwirtschaft (Winterung – Sommerung – Brache) betrieben. Dieses relativ extensive Bodennutzungssystem, bei dem die Ackerfläche nur in jedem zweiten Jahr bestellt wurde, wurde in Gegenden angewandt, in denen der Weinbau Arbeitszeit und Dünger derart in Anspruch nahm, dass für den Getreideanbau nur geringer Aufwand erbracht und somit geringer Ertrag erwartet werden konnte.

In der Schweiz war die Zweifelderwirtschaft in Gebieten mit nährstoffärmeren Böden und/oder trockenem Klima verbreitet, v.a. auf der Alpensüdseite (Wallis, Tessin). Sie kam aber auch dort vor, wo es eine starke Nachfrage nach Brotgetreide gab, z.B. in den ländlichen Genfer Gebieten. Dort konnte auf den Anbau von Hafer als Pferdefutter verzichtet werden, weil mit Ochsen- statt mit Pferdegespannen gepflügt wurde.

Zweiseitgehöft/-hof

Auch Hakenhof; geregelter Mehrbauhof dessen Hofplatz an zwei Seiten von Hofgebäuden umrahmt wird, und der häufig durch eine Torwand von der Straße abgeschlossen wird. Er stellt eine Ausprägung des mitteldeutschen Gehöftes dar.

Zwiehof

Auch Paarhof; Übergangsform vom Einzelhof zur Gruppensiedlung. In Teilen Mitteleuropas besteht der Zwiehof aus einem Viehhof und einem Wohnhof. Der Übergang zum Doppelhof ist fließend.

Zwischenfrüchte

Auch Zweitfrüchte; schnellwachsende Pflanzen, die, zwischen zwei Hauptfrüchten (Getreide, Kartoffeln, Rüben) angebaut, im gleichen Jahr kein marktfähiges Erzeugnis mehr liefern. Man unterscheidet zwischen Sommer- und Winterzwischenfrüchten.

Zwischenfrüchte dienen der Futtererzeugung und der Gründüngung (jeweils etwa zur Hälfte). Unter ökologischen Gesichtspunkten dienen sie dem Erosionsschutz. Insbesondere vor dem Anbau von Kulturen, die eine späte Bodenbedeckung erreichen wie Mais und Zuckerrübe, ist die vorherige Aussaat von abfrierenden Zwischenfrüchten angebracht. Zudem binden sie den durch die Vorfrucht nicht verbrauchten sowie den durch die Verrottungs- und Mineralisierungsprozesse im Boden freigesetzten Stickstoff und sie lockern einseitige Getreidefruchtfolgen auf und beugen dadurch Pflanzenkrankheiten vor. Durch ihren Wasserverbrauch vermindern sie auch die Sickerwassermenge.

Bei großen Mengen ausgebrachter Gülle auf den Betriebsflächen viehintensiver Betriebe dienen Zwischenfrüchte als Puffer. Sie legen den ausgebrachten oder durch Mineralisation freigesetzten Stickstoff organisch fest und stellen ihn langsam der Haupt- oder Folgefrucht zur Verfügung. Durch die Treibhausgasproblematik können Zwischenfrüchte auch als zusätzliche CO2-Senken angesehen werden.

Winterzwischenfrüchte werden im Spätsommer angebaut. Im Frühjahr werden die winterharten Pflanzen als Tierfutter geerntet, z. B. Futterroggen. Sommerzwischenfrüchte werden mit der Hauptfrucht als Untersaat oder als Stoppelsaat nach deren Ernte ausgebracht.  Sie werden im gleichen Jahr geerntet, beweidet oder als Gründüngung (Humusbildung) in den Boden eingearbeitet. Darüber hinaus können Sommerzwischenfrüchte auch auf der Fläche bleiben und im Winter abfrieren und als Mulchschicht die Fläche bedecken. Die anschließende Hauptfrucht wird dann im sogenannten Direktsaatverfahren ausgebracht.

Als Zwischenfrüchte kommen beispielsweise zum Einsatz: Phacelia, Senf, Alexandrinerklee, Weidelgras, Winterrübsen, Winterroggen.

(s. a. Mulchen)

Zwischenkultur

In Mischkulturen diejenigen, gewöhnlich einjährigen Kulturpflanzen, die zwischen weitständigen mehrjährigen Kulturen angebaut werden.