Lexikon des Agrarraums

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Jauche

Mit Jauche bezeichnet man das Zersetzungsprodukt des tierischen Harns und der Stallmist-Sickerbrühe (somit eine kotarme Gülle) nach dem Gärungsprozeß in der Jauche-Grube. Jauche wird wie Gülle und Stallmist als Wirtschaftsdünger zur Düngung im landwirtschaftlichen Betrieb eingesetzt. Auch wird Jauche zur Herstellung von Biogas verwendet.

Jauche enthält ca. 0,4 % Stickstoff, 0,8 % Kalium, 0,01 % Phosphorsäure. Die organischen Stickstoffverbindungen, vor allem der Harnstoff, werden durch Mikroorganismen rasch in Ammoniumcarbonat und leicht flüchtiges Ammoniak umgewandelt.

Im deutschen Sprachraum gibt es unterschiedliche Synonyme, so Odl/Odel (bairisch, österreichisch), Sudel (südmeißnisch), Puddel (südwestdeutsch), Gülle (alemannisch), Bschütti (berndeutsch). Auch gibt es in der deutschen Sprache landschaftliche Unterschiede für den Gebrauch des Wortes Jauche. Vor allem die Abgrenzung zur Gülle ist im Norden deutlicher als im Süden.

Im Gegensatz zur Jauche bezeichnet die Gülle ein Gemisch tierischer Exkremente (Kot und Harn) sowie Wasser und mitunter auch Einstreu wie Stroh.

Gülle und Jauche unterscheiden sich deutlich in ihrem Nährstoffgehalt. Die Jauche ist wesentlich reicher an Kalium und Stickstoff, welcher schneller für Pflanzen verfügbar ist. Gülle hat einen höheren Trockensubstanzanteil, da auch Kot enthalten ist und oft auch Stroh oder ähnliche Materialien beigefügt sind. Der Stickstoff ist hier organisch gebunden und steht den Pflanzen damit nicht unmittelbar zur Verfügung.

In der heutigen Landwirtschaft überwiegt die Gülle als wirtschaftseigener Dünger, da bei ihr die Nährstoffe durch Gärprozesse zum Teil mineralisiert werden, das heißt, sie sind in anorganische Formen überführt (Ammonium, Nitrat, Phosphat) und sind damit sofort für die Pflanzen verfügbar. Zudem ist ihre technische Handhabung einfacher.

Jauche darf nicht - auch nicht indirekt - über Kanalisationen und Kläranlagen in Gewässer eingeleitet werden. Die Ausbringung von Jauche auf landwirtschaftlich genutzte Flächen ist durch Rechtsverordnungen des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes geregelt.

Pflanzenjauche

Ebenfalls als Jauche bezeichnet wird eine Bereitung aus Wasser und Pflanzenteilen, die zu unterschiedlichen Zwecken im Gartenbau und der Landwirtschaft verwendet wird. Sie wird wie ein Kaltwasserauszug mit kaltem Wasser angesetzt, wird aber bis zu 14 Tagen vergoren, um einen möglichst großen Teil der in der verwendeten Pflanze enthaltenen Nähr- und Wirkstoffe zu extrahieren.

Häufig in Jauchen verwendete Pflanzen sind Brennnesseln (vor allem düngend durch hohen Gehalt an Stickstoff) oder Acker-Schachtelhalm (durch Kieselsäure pflanzenstärkend). Brennnesseljauche wird auch als natürliches Spritzmittel gegen Pflanzenparasiten verwendet.

Weitere Informationen:

Jausenstation

Begriff aus dem österreichisch-südtiroler Alpenraum für eine einfache Einkehrmöglichkeit auf Bergbauernhöfen oder Almen. In Österreich bietet sie eine bedeutende Möglichkeit zur Direktvermarktung hofeigener Erzeugnisse.

Jo-Ri-System

Schachbrettartige Flurform, die im Zuge einer Bodenreform zur gleichmäßigen Verteilung des Reislandes unter den Bauern vom japanischen Kaiser im 7. Jh. eingeführt wurde. Auch in der Dorfgestaltung hat sich eine Regelmäßigkeit z.T. bis heute erhalten. Ein quadratisches Ri hat 36 cho, vergleichbar der amerikanischen Township.

Jungsiedelraum

Als Jungsiedelräume bezeichnet man Gebiete in Mitteleuropa, die nach 1.000 n. Chr. erschlossen wurden. Dazu gehören Mittelgebirgsräume mit Kleindörfern, Weilern und Einzelhöfen, umgeben von unregelmäßigen Kleinblockfluren. Zu den planmäßigen Ansiedlungen gehören Waldhufensiedlungen in den Mittelgebirgen und auch Anger-, Straßendörfer und Rundlinge in Ostdeutschland im Gefolge der hochmittelalterlichen Ostkolonisation. Die in Mitteleuropa üblichen Haus- und Hofformen (Nieder-, Oberdeutsches Einhaus, Mitteldeutsches Gehöft) wurden von den Altsiedelräumen in die Jungsiedelräume übertragen.