Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

I

IARC

Engl. Abk. für International Agricultural Research Center; es existieren z. Z. 16 von Weltbank und 41 Staaten finanzierte internationale Agrarforschungszentren. Die IARCs sollen durch Nutzung der neuesten agrarwissenschaftlichen Erkenntnisse und Problemlösungsstrategien in Entwicklungsländern eine nachhaltige Landwirtschaft unter dem Aspekt der Nahrungssicherheit fördern. Die Ergebnisse ihrer strategischen und angewandten Forschung stellen sie den nationalen Agrarforschungssystemen kostenlos zur Verfügung.

iLUC-Effekt

Das Akronym iLUC steht für engl. indirect land use change, zu dt. indirekte Landnutzungsänderung. Deren Effekte werden als Verdrängungseffekte verstanden, die durch eine zusätzliche Nachfrage (beispielsweise nach Bioenergieträgern) ausgelöst werden. Wegen der zusätzlichen Rohstoffnachfrage wird die vorangegangene Produktion (zum Beispiel von Nahrungsmitteln) auf andere Flächen verdrängt, wenn die Nachfrage nach den zuvor angebauten Produkten bestehen bleibt. Dies führt andernorts zur Erschließung neuer Anbauflächen, die im iLUC-Konzept der „neuen“ Nachfrage zugerechnet werden. Da die Umwandlung natürlicher Ökosysteme in Ackerflächen unter anderem mit zusätzlichen Treibhausgasemissionen verbunden ist, muss eine vollständige Treibhausgasbilanz diese indirekten Emissionen einbeziehen.

Es ist weitgehend anerkannt, dass der iLUC-Effekt ein bedeutender Faktor für die Ökobilanz von Biokraftstoffen ist. Allerdings ist seine genaue Bestimmung seiner Größenordnung und die damit zusammenhängenden Emissionen nur über komplexe Modellrechnungen möglich, deren Methodik kontrovers diskutiert wird.

Imkerei

Haltung und Züchtung von Honigbienen (Apis mellifera) zur Gewinnung von Honig und Wachs oder zur Produktion von Zuchtköniginnen zum Verkauf. Man unterscheidet gewerbliche Imkerei, Liebhaberimkerei und bäuerliche Bienenhaltung, die durch die Bestäubungsarbeit der Bienen zur Ertragssteigerung bestimmter Kulturpflanzen beiträgt (Raps, Sonnenblumen, Klee, Luzerne, Obstbäume u.a.).

87 von 115 weltweit führenden Nahrungspflanzen sind auf die tierische Bestäubung angewiesen. Durch die Insektenbestäubung werden sowohl die Anzahl der Früchte und Samen als auch deren Qualität verbessert. Dies ist insbesondere im Obst- und Gemüsebau, aber
auch in der Saatguterzeugung von Bedeutung.

Dem Imkereisektor kommt speziell wegen der Honigbienenbestäubung im bestäubungsabhängigen Pflanzenbau eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung zu. Für Deutschland wird die Wertschöpfung der Honigbienenbestäubung im Nahrungspflanzenanbau mit maximal 1,6 Milliarden Euro auf das bis zu 13-fache der berechneten Wertschöpfung für Honig und Wachs (ca. 0,12 Milliarden Euro) geschätzt.

Die Honigbiene ist, bezogen auf den volkswirtschaftlichen Nutzen, nach Rind und Schwein vermutlich das drittwichtigste Nutztier in Deutschland. Während die Anzahl der von Imkern gehaltenen Bienenvölker weltweit steigt, sind in einigen europäischen Ländern gegenläufige Entwicklungen zu beobachten. So sank in Deutschland die Bienenvölkerzahl in den letzten Jahren vorübergehend. Während in den 1990er Jahren noch etwa eine Million Bienenvölker gehalten wurden, waren es im Jahr 2014 nur noch 700.000 Völker, die von etwa 100.000 Imkern betreut wurden. Im Jahr 2020 waren die Zahlen wieder auf 160.000 Imker mit insgesamt etwa 1.100.000 Bienenvölkern gestiegen.

Produkte und Nutzen der Bienenhaltung
Produkt Kurzbeschreibung
Honig

Über Jahrtausende einziges Süßungsmittel, erfährt Honig schon in der Antike hohe Wertschätzung. Honig ist dem Gesetz nach ein Lebensmittel. Darüber hinaus versucht man auf dem Gebiet der Apitherapie die medizinische Bedeutung von Honig und weiteren Bienenprodukten zu erforschen. Honig besitzt antibakterielle Eigenschaften aufgrund seiner Zusammensetzung als gesättigte Zuckerlösung, seines sauren pH-Wertes und Inhibinen (die Entwicklung von Bakterien hemmende Stoffe, z.B. Flavenoide). Um den Erhalt der Naturbelassenheit des Honigs zu überprüfen, wird bei Honiguntersuchungen die Enzymaktivität, speziell Invertase, als Qualitätskriterium verwendet.

Medizinischer Honig auf der Basis von Manukahonig wird erfolgreich bei der Wundheilung eingesetzt. Dieser ist dafür allerdings speziell aufgereinigt und hat auch die notwendige Apothekenzulassung.

Wachs

Wachs wird in den Wachsdrüsen von Arbeitsbienen produziert und ist das Material des Wabenbaues. Hauptbestandteil dieses Gemisches verschiedener Substanzen ist ein Palmitinsäureester des Myrizilalkohols. Das spezifische Gewicht beträgt 0,96, der Schmelzpunkt liegt bei 64 °C. Es ist unverdaulich, außer für die Larven der Wachsmotten. Chemisch wenig angreifbar, ist es in Benzin und Terpentinöl löslich. Wachs wird durch Ausschmelzen von Waben gewonnen. Von den Bienen frisch produziertes Wachs ist weiß, durch die Einlagerung von Pollen und die Entwicklung der Bienenlarven in den Zellen ist ausgeschmolzenes Wachs gelb bis braun .

Wachs wurde schon im Altertum intensiv genutzt. So wurden in Wachs- oder in wachsüberzogene Holztafeln Schriftzeichen geritzt. Wachs diente zum Versiegeln von Briefen und Flaschen. Sehr hohen Bedarf an Kerzen hatten Kirchen und Klöster, so dass die Imker zu Wachsabgaben verpflichtet waren. Bis in die heutige Zeit ist Bienenwachs gefragt für wertvolle, duftende Kerzen sowie für Figuren, die in vielfältige Formen gegossen werden. Trotz zahlreicher Ersatzstoffe findet Bienenwachs nach wie vor in verschiedenen Industriezweigen, z. B. der Pharmazie, Lebensmittelindustrie und Kosmetik Verwendung.

Bienengift Es wird in der Giftdrüse der Biene erzeugt und ist eine wasserklare Flüssigkeit. Hauptwirkstoffe sind Proteine. Es wird auf elektrischem Wege mit Hilfe von Geräten gewonnen, durch welche die Bienen zum Stechen veranlasst werden. Bienengift ist ein anerkanntes Arzneimittel und wird u.a. in der Rheumatherapie eingesetzt.
Pollen Blütenstaub wird von den Bienen in Form von kleinen Ballen, den "Höschen" an den Hinterbeinen in den Stock transportiert. Es ist die Eiweißnahrung des Bienenvolkes. Je nach pflanzlicher Herkunft können Pollenhöschen verschiedenartig von hellgrau, gelb, rot, grün, blau bis schwarzgrau gefärbt sein. Die Gewinnung von Pollen wird an den Fluglöchern mit Hilfe von Pollenfallen vorgenommen. Den heimkehrenden Sammlerinnen werden die Pollenladungen dabei abgestreift. 
Weiselfuttersaft (Gelee Royal)

Er ist ein Drüsenprodukt der Ammenbienen und dient der Königin sowie den jüngsten Arbeiterinnenlarven als Nahrung. Der weißliche, cremige, säuerlich schmeckende Weiselfuttersaft wird durch Absaugen aus den Zellen junger Königinnenlarven - in manchen Ländern in industriemäßig großem Umfang - gewonnen. Der Futtersaft von etwa 5 Weiselzellen ergibt 1 Gramm. 

Gelee Royal findet Anwendung in der Apitherapie und wird auch in der Industrie bei kosmetischen Produkten eingesetzt.

Propolis Propolis oder Kittharz ist durch die Bienen von Blütenknospen gesammeltes Baumharz und wie Pollen in den Körbchen der Hinterbeine eingetragen. Es dient im Bienenstock zum Verkitten, Abdichten, Isolieren und Konservieren. Kittharz wirkt wie die meisten Bienenprodukte antimikrobiell und wird ebenfalls in der Apitherapie eingesetzt. Die Gewinnung erfolgt durch Abkratzen von Rähmchen und Beutenteilen, in größerem Umfang auch mit Hilfe von eigens zum Verkitten ins Bienenvolk verbrachten Vorrichtungen.
Bestäubungsleistung

Der indirekte Nutzen der Honigbienen besteht in der Übertragung des Blütenstaubes durch die Nektar- und Pollensammeltätigkeit bei den insektenbestäubten Pflanzen. Dazu gehören nicht nur zahlreiche Nutzpflanzen der Landwirtschaft und des Gartenbaues, z. B. Ölfrucht- und Futterpflanzen sowie Obstgewächse, Zier-, Heil- und Gewürzpflanzen sowie viele Gehölze, sondern ein Großteil von Wildpflanzen in Feld, Wald und Wiese. So tragen die Bienen auch zur Vielfalt der Natur bei. Der indirekte Nutzen der Bienen ist um ein Vielfaches höher als ihre direkten Leistungen.

In Deutschland steckt die professionelle Bestäubungsimkerei noch in den Anfängen. Dabei gilt das Hauptaugenmerk nicht der Honigproduktion, sondern dem Vermieten der Bienenvölker gegen Entgelt für Bestäubungsleistungen. Denn von der Bestäubungsleistung profitiert jeder, der bestäubungsbedürftige Nutzpflanzen anbaut, bezahlt wird sie jedoch nur selten.

Erfreulicherweise steigt seit vielen Jahren die Anzahl der Imkerinnen und Imker – 2019 gab es in Deutschland etwa 150.000 Imkerinnen und Imker – und seit einigen Jahren auch die Anzahl der Bienenvölker. Im Ausland hat sich Bestäubungsimkerei bereits etabliert. So wird die Bestäubungsimkerei beispielsweise in den USA - mit durchschnittlich 140 Dollar Bestäubungsprämie pro Bienenvolk - zur Erzeugung von Mandeln, Obst, Luzerne und in Skandinavien für Rotklee betrieben. Mit dieser indirekten Nutzung der Bienen erwirtschaften manche Imker im Ausland bereits ihr Haupteinkommen. 

Honig-, Wildbienen und andere Insekten sorgen nicht nur für gesicherte Bestäubung und Mehrertrag, sondern auch Qualitätsmerkmale wie Form, Zucker- und Säuregehalt, Keimfähigkeit sowie Lagerfähigkeit der Früchte, werden durch die Bestäubung gesteigert. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung ist enorm und übersteigt den Wert der Honigproduktion um ein vielfaches.

Weitere Informationen:

Immerfeuchte Subtropen

Die Zone der Immerfeuchten Subtropen ist eine der neun weltumspannenden Ökozonen nach J. Schultz (2016). Sie nimmt heute etwa 4 % der irdischen Landoberfläche ein. Nach der vorherrschenden Vegetation kann sie in die Landschaftstypen Lorbeerwald und Subtropischer Regenwald untergliedert werden.

Die Verbreitung der Immerfeuchten Subtropen ist ähnlich fragmentiert wie diejenige der Winterfeuchten Subtropen. Die einzelnen Vorkommen verteilen sich ebenfalls auf fünf Kontinente, liegen dort aber mit einer Breitenlage von 25 bis 35° etwas äquatornäher. Der markantere Unterschied ist allerdings ihre Lage auf den Ostseiten der Festlandsmassen.

Äquatorwärts grenzen die Immerfeuchten Subtropen an die Immerfeuchten oder an die Sommerfeuchten Tropen, polwärts an die feuchten Mittelbreiten. In beiden Richtungen können thermische Kriterien zur Abgrenzung dienen. Als Schwellenwert gegenüber den Immerfeuchten und den Sommerfeuchten Tropen gilt die absolute Frostgrenze oder die 18 °C-Isotherme des kältesten Monats, jeweils im Tiefland.

Zu Anfang des 21. Jahrhunderts sind von der Zone noch etwa 12 % in einem weitgehend naturnahen Zustand. Durch die dichte Besiedelung und hohe wirtschaftliche Entwicklung ist die natürliche Vegetation in den meisten Teilgebieten der Immerfeuchten Tropen stark zurückgedrängt.

Klimatische und pedologische Merkmale

Die Regenmengen an den Ostseiten der Kontinente sind in diesen Breiten ganzjährig hoch. Hier könen daher in einer Breitenzone Regenwälder gedeihen, in der sonst nur Savannen, Wüsten oder - an den Westseiten der Kontinente - Hartlaubformationen vorkommen.

Diese West-Ost-Asymmetrie hängt mit monsunalen Effekten zusammen. Im Sommer der jeweiligen Halbkugel bauen sich über den Kontinenten Hitzetiefs (Monsuntiefs) auf, die ozeanische wasserdampfhaltige Luftmassen von Osten her landeinwärts ziehen. Konvektive Vorgänge über dem Festland lassen dann kräftige Schauerregen entstehen und führen zu dem typischen Sommermaximum der Niederschläge. Die winterlichen Niederschläge treten im Zusammenhang mit Kaltlufteinbrüchen auf, die auf der Nordhalbkugel aus den sich über Zentralasien und dem mittleren Nordamerika aufbauenden Kältehochs stammen. Beim Einfließen kontinental-arktischer Kaltluft sinken die Temperaturen kurzfristig stärker ab als zur gleichen Zeit auf den Westseiten der Kontinente. Daher ist die winterliche Einschränkung des Pflanzenwachstums augeprägter als in den Winterfeuchten Subtropen, doch kommt es für die meisten Arten nicht zu einer vollständigen Vegetationsruhe nennenswerter Dauer. Die Sommer sind andererseits heiß, vergleichbar den Immerfeuchten Tropen und den Sommerfeuchten Tropen zur selben Zeit.

Die für die Immerfeuchten Subtropen charkteristischen zonalen Bodentypen gehören zu den gewöhnlich rotfarbenen Acrisolen. Für diese ist eine Lessivierung typisch, die zu einem Tonanreicherungshorizont geführt hat, allerdings mit einer gleichzeitig niedrigen KAK und niedrigen Basensättigung. Die niedrigen Werte sind Folge einer langanhaltenden (fortgeschrittenen) Bodenentwicklung unter feuchtwarmem Klima. Der Bodenname (lat. acer = sauer) bezieht sich auf die damit einhergehende starke Versauerung (pH-Werte ≤ 5).

Ferrallitisierung und Desilifizierung haben allgemein zu einer Dominanz von Tonen niedriger Aktivität (v.a. Kaolinit) geführt, auch wenn teilweise (im Gegensatz zu Ferralsolen) höherwertige Illite vorhanden sein können.

Natürliche Vegetation in Stichworten

Landnutzung

Die meisten Teilgebiete der Immerfeuchten Subtropen gehören zu den dicht besiedelten und wirtschaftlich hoch entwickelten Räumen der Erde. Entsprechend stark ist die natürliche Vegetation zurückgedrängt und von einer vielseitigen Kulturlandschaft ersetzt worden.

Die besondere Gunst für die agrare Nutzung liegt darin, dass während des Sommers tropische Temperaturen vorherrschen, die den Anbau vieler wärmeliebender Nutzpflanzen erlauben und zugleich ausreichende Niederschlage für einen Regenfeldbau fallen (im Kontrast zu den Winterfeuchten Subtropen an den Westseiten). Die meisten Gebiete haben milde Winter mit nur gelegentlichen, leichten Frösten.

Unter diesen Bedingungen gedeihen auch mehrjährige wärmeliebende Nutzpflanzen, soweit sie mäßigen Frösten widerstehen, wie z.B. Zitruspflanzen und Tee. Zu den häufigen annuellen wärmeliebenden Nutzpflanzen gehören Sorghum, Mais, Erdnuss, Reis, Soja, Sesam, Bataten, Baumwolle und Tabak. Teilweise werden im Winter zusätzlich Arten mittlerer Breiten angebaut. Dies erlaubt dann zwei, gelegentlich auch drei Ernten pro Jahr.

Überall dort, wo die Landnutzung auf europäische Kolonisation zurückgeht, erfolgt der Anbau (seltener Rinderhaltung) gewöhnlich in modern geführten mittelgroßen Betrieben, die jeweils nur eine Marktfrucht (bzw. tierisches Produkt) erzeugen. Nur im südöstlichen China überwiegt ein traditionsverhafteter, eher kleinbetrieblicher Nassreisbau.

Für die modernen Betriebe ist kennzeichnend, dass mit niedrigem Arbeits- und hohem Maschineneinsatz gewirtschaftet wird. Die natürliche Nährstoffarmut der Böden, wenngleich nicht so extrem wie in den Ferralsolen, bildet i.A. kein Hemmnis für die pflanzenbauliche Nutzung, sofern eine entsprechende Bodenpflege betrieben wird (z.B. Erhalt der organischen Substanz im Oberboden, Düngung, Anhebung der niedrigen pH-Werte).

Immerfeuchte Tropen

Bezeichnung für eine der neun weltumspannenden Ökozonen nach J. Schultz (2016). Die Immerfeuchten Tropen sind Teil der tropischen Klimazone und liegt fast ausschließlich im Bereich des Äquators. Sie reichen aber dort, wo "winterliche" Passatregen oder monsunale Niederschläge (beide häufig orographisch unterstützt) in Ergänzung zu den sommerlichen Zenitalregen fallen, weiter polwärts, im Extrem sogar über 20° N und 20° S hinaus.

Die im wechselfeuchten Bereich anschließende Zone der Feuchtsavannen in den Sommerfeuchten Tropen hat mit den Immerfeuchten Tropen einige gemeinsame Merkmale, so bei den Böden, der Reliefbildung, der Vegetation und der Landnutzung. Darauf basiert die geläufige Zusammenfassung von Regenwald- und Feuchtsavannenklimaten zur räumlichen Einheit der Feuchten Tropen.

Die Zone nimmt heute mit 12,5 Mio. km² etwa 8,4 % der irdischen Landoberfläche ein. Anfang des 21. Jahrhunderts sind davon noch etwa 50 % in einem weitgehend naturnahen Zustand.

Klimatische und pedologische Bedingungen in Stichworten

Vegetation in Stichworten

Landnutzung

Die Immerfeuchten Tropen bilden zusammen mit der Borealen Zone die letzten großen Waldregionen unserer Erde, wo die agrare Nutzung teilweise erst die Randsäume erfasst hat und im Inneren eher nur inselhaft vertreten ist. Allerdings werden diese Rodungsflächen in vielen Waldgebieten rasch größer. Die Rodungen werden sowohl zur Holzgewinnung vorgenommen, als auch zur Anlage von agraren Nutzflächen, dann häufig verbunden mit Brandrodungen.

Man sieht einen der Gründe für die geringe Erschließung und dünne Besiedlung in den hohen Flächenanteilen von relativ unfruchtbaren Böden. Mit traditionellen Mitteln der Bodennutzung lässt sich daher weithin nur (sofern nicht wie in SO-Asien Bewässerungsreisbau besteht) ein extrem flächenextensiver Brandrodungs-Wanderfeldbau (shifting cultivation) betreiben. Die Verlegung der Felder nach kurzer Nutzungsdauer ist unumgänglich, da die Ertragsleistungen rasch nachlassen.

Neuere Untersuchungen legen allerdings nahe, dass die Beibehaltung des Brandrodungs-Wanderfeldbaus aus mehreren Gründen nicht nötig sei. So soll der Versorgungszustand der Böden mit Pflanzennährstoffen vielfach gar nicht so schlecht sein. Durch künstliche Zufuhr von organischer Substanz (z.B. durch Mulchen) und Anhebung des pH-Wertes (durch Kalkung) lässt sich die KAK erheblich steigern, toxisches Al beseitigen und die Verfügbarkeit von Phosphor erhöhen.

Gute Chancen bestehen für Dauerkulturwirtschaften, deren Anteile an den pflanzenbaulich genutzten Flächen höher liegen als in jeder anderen Ökozone. Sie befinden sich teils in den Händen von kleinen und mittelgroßen Familienbetrieben, wo sie gewöhnlich einen unter mehreren Betriebszweigen einnehmen. Doch kommen auch großbetriebliche Plantagen in großer Zahl vor.

Zu den Baum-, Strauch- und Lianenarten, die in feuchtropischen Dauerkulturwirtschaften Verwendung finden, gehören Kautschukbaum, Ölpalme, Kokospalme, Kakaobaum, Gewürzpflanzen wie Pfeffer, Zimt, Vanille, Muskat, Nelken und Piment, sowie Kaffee und Tee.

Ananas, Bananen, Soja und Zuckerrohr sind Beispiele für dauerhafte Feldkulturen von Plantagen; Cassava, Yams und Taro sind typisch für bäuerliche Kleinbetriebe. Reis findet sich in beiden Betriebsformen.

In den vergangenen Jahrzehnten ist in vielen ehemaligen Waldgebieten, insbesondere von Südamerika, eine großbetriebliche, extensiv betriebene Weidewirtschaft mit Rindern zu einem flächenmäßig wichtigen Nutzungszweig geworden.

Immissionen

Immissionen sind aus der Luft austretende Verunreinigungen, ferner Geräusche, Erschütterungen, Licht, Wärme, Strahlen und ähnliche Einwirkungen, die zu Gefahren (objektiven Schäden), erheblichen Nachteilen (vor allem Vermögenseinbußen) oder erheblichen Belästigungen (Störungen des menschlichen Wohlbefindens) für die Allgemeinheit oder für die Nachbarschaft (im juristischen Sinne) führen können. Unter Verunreinigung der Luft ist die Veränderung ihrer natürlichen Zusammensetzung zu verstehen, insbesondere durch Rauch, Ruß, Staub, Gase, Aerosole - Sprühstoffe - Dämpfe oder Geruchsstoffe.

Der Vorgang der Immission beschreibt demnach den Übertritt von luftverunreinigenden Stoffen aus der offenen Atmosphäre in einen Akzeptor (Empfänger).

Die Landwirtschaft ist sowohl Akzeptor wie auch Verursacher von Umweltbelastungen.

(s. a. Umweltwirkungen)

Incoterms

Engl. Abk. für International Commercial Terms; sie stellen eine Zusammenfassung der handelsüblichen, international einheitlich ausgelegten Lieferklauseln dar. Jede Klausel legt den Zeitpunkt des Gefahren- und Kostenübergangs auf dem Weg der Ware vom Exporteur zum Importeur fest. Beispiele sind EXW, FOB, CIF.

industrial farming

Siehe industrialisierte Landwirtschaft

industrialisierte Landwirtschaft

Syn. industrielle Landwirtschaft; Typ von Landwirtschaft mit großskaligen, industriespezifischen Produktionsweisen und folgender Verarmung an Biodiversität. Im Rahmen von Wertschöpfungsketten ist sie auf die Verarbeitung, den Verkauf sowie Export ausgerichtet.

Kennzeichen derartiger Betriebe:

Die Entwicklung zur industrialisierten Landwirtschaft betrifft nicht nur einige wenige, im Verlaufe dieses Prozesses entstandenen agrarindustrielle Unternehmen, sondern auch Betriebe, die sich z.B. in Familienbesitz befinden. In den USA ist dieser Prozess für die Mehrzahl der Betriebe vollzogen.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit zu unterscheiden zwischen der Industrialisierung des Produktionsprozesses und der Herausbildung von Betriebsformen, die industriellen Charakter haben, eben den agrarindustriellen Unternehmen.

Ursachen des Industrialisierungsprozesses:

Trotz einiger Unterschiede im zeitlichen Ablauf und der Wirkung einzelner Faktoren besteht eine große Übereinstimmung in der Steuerung des Industrialisierungsprozesses der Agrarwirtschaft in den USA und der Bundesrepublik.

In den marktwirtschaftlich organisierten Volkswirtschaften ist es in Verbindung mit der Industrialisierung der Agrarwirtschaft nicht zur Ausbildung von städtischen Agglomerationen gekommen, die für die Industrie charakteristisch sind. Der Pflanzenbau bietet selbst in Regionen amerikanischer Großbetriebe zu wenige Arbeitsplätze. In der Nutztierhaltung kommt es zumeist aus seuchenhygienischen Gründen bzw. wegen der Notwendigkeit der Beseitigung und Verwertung der tierischen Exkremente nicht zu entsprechenden Verdichtungen.

Demgegenüber ist bei der Bildung von Sowchosen aus ideologischen Gründen (Auflösung der Unterschiede zwischen Landwirtschaft und Industrie) gezielt die Anlage von Agrostädten betrieben worden.

Eine Auswirkung des Industrialisierungsprozesses, die bislang in der Agrarwirtschaft nicht von großer Bedeutung war, ist die Überproduktion. Sie trat in den USA früher auf als in der EG. Folgen sind länger anhaltende Krisen mit Betriebszusammenbrüchen, zunehmende Verschuldung und eine Reduzierung der Produktionseinheiten. Durch die technologische Entwicklung werden immer neue Produktionssteigerungen möglich, so daß sich die Agrarwirtschaft in einer overproduction trap befindet.

Die beständige Reduzierung der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe als Folge des Industrialisierungsprozesses kann gravierende soziale und raumstrukturelle Folgen haben. Soziale Isolation der verbleibenden Landwirte, nahezu völlige Entleerung in manchen Gebieten, wachsende Marginalisierung der Produktionsräume und Identitätsverluste sind deutliche Entwicklungen in den USA. Vergleichbare Entwicklungen werden auch für Deutschland befürchtet.

Zu den ökologische Auswirkungen gehören in den USA vor allem Bodenerosion, Bodenversalzung sowie Einträge von Agrarchemikalien in das Grundwasser, in der Bundesrepublik vornehmlich Probleme mit der Verwendung tierischer Exkremente. Dazu treten ungelöste tierethische Fragen im Zusammenhang mit der Massentierhaltung.

Von Kritikern wird für die industrielle Landwirtschaft u. a. die Gefahr gesehen, daß landwirtschaftliche Produkte mit industriellen Werkstücken auf eine Stufe gestellt werden, die in einer Fabrik am Fließband oder mit Robotern zu jeder Zeit in gewünschter Menge hergestellt werden. Eine solche Auffassung führt zwangsläufig dazu, aus Rohstoffen, Ressourcen und Nutztieren das Äußerste herauszuholen. Die gleiche Befürchtung gilt für manche, nicht der Nachhaltigkeit verpflichtete Formen der internationalen Forstwirtschaft.

(s. a. Agribusiness)

Weitere Informationen:

Industrielandschaft

Durch die Entwicklung von Gewerbe und Industrie entstandener Landschaftstyp, der durch anthropogene Überprägungen der Naturlandschaft gegenübersteht und der teilweise als Untertyp der Kulturlandschaft betrachtet, gelegentlich auch eigenständig neben sie gesetzt wird.

Kennzeichen der Industrielandschaft sind:

(s. a. Agrarlandschaft, Umweltwirkungen)

Industriepflanzen

Kulturpflanzen und Nutzpflanzen, deren Kraut, Wurzeln, Rinde, Früchte oder Saft ganz oder überwiegend als Industrierohstoff Verwendung finden. Ihre Substanzen werden dabei in eine höhere Veredlungsstufe überführt. Industriepflanzen finden sich u.a. in der Gruppe der Faserpflanzen, der Ölfrüchte sowie der Gewürz- und Genußmittelpflanzen.

(s. a. nachwachsende Rohstoffe)

Infiltration

Bewegung des in den Boden (aus Niederschlägen, Beregnung oder Überstauung) eindringenden, der Schwerkraft oder den inneren Bindungskräften folgenden Wassers. Ein Teil des infiltrierenden Wassers durchdringt den Boden und erreicht als Sickerwasser den Grundwasserspiegel. Ein anderer Teil wird im Boden durch Kapillarwirkung und durch Bindung an Bodenteilchen als Haftwasser festgehalten. Die Feldkapazität gibt an, welche Wassermenge ein Boden bei ungehindertem Durchlauf maximal festhalten kann.

Die Infiltrationsrate kennzeichnet den Verlauf der Infiltration und gibt die Wassermenge (in mm oder cm Regenhöhe) an, die je Zeiteinheit in den Boden gelangt.

Insektenresistenz

Insektenresistenz ist nach Herbizidresistenz das zweithäufigste kommerziell genutzte Merkmal gentechnisch veränderter Kulturpflanzen.

Derzeit werden vor allem gentechnisch veränderte Mais- und Baumwollpflanzen mit Insektenresistenz angebaut. In allen Fällen leitet sich dieses Eigenschaft aus Bt-Proteinen ab, die infolge übertragener Gene in den Pflanzen gebildet werden.

Das Gen stammt aus einem Bodenbakterium (Bt, Bacillus thuringiensis), das diesen Wirkstoff natürlicherweise produziert. Bt-Präparate werden seit etwa fünfzig Jahren im biologischen Pflanzenschutz eingesetzt und sind auch im ökologischen Landbau zugelassen.

Weltweit wird daran gearbeitet, dieses Bt-Konzept auf verschiedene Pflanzenarten zu übertragen, etwa Reis oder Apfel.

In der Entwicklung befinden sich aber auch andere gentechnisch vermittelte Resistenzen gegen Schadinsekten.

Lektine: Diese Proteine werden natürlicherweise von vielen Pflanzen gebildet, um sich vor Fraßfeinden zu schützen. Solche Lektine kommen etwa in Schneeglöckchen vor.

Blockade von Verdauungsenzymen: Einige Pflanzen wehren sich gegen Fraßfeinde, indem sie Wirkstoffe bilden, die deren Verdauungsenzyme blockieren. So gibt es etwa Protease- oder Amylase-Inhibitoren. Dadurch sind die Verdauungsenzyme nicht mehr in der Lage, Eiweiße (Proteasen) oder Kohlenhydrate (Amylasen) aufzuspalten. Die Folge: Die Insekten können keine Nahrung mehr verwerten.

Die für die jeweiligen Wirkstoffe verantwortlichen Gene werden isoliert und auf Pflanzen übertragen. Bis damit ein zuverlässiger Schutz gegen Fraßinsekten erreicht wird, ist viel Entwicklungsaufwand erforderlich.

12 kurze Lektionen über Insekten, Landwirtschaft und die Welt

Versprechen, die nicht gehalten werden können

Gentechnisch veränderte (GV-)Pflanzen und resistente Insekten


Die Resistenz von Insekten gegen gentechnisch veränderte Pflanzen nimmt schneller zu als die Geschwindigkeit, mit der neue Wege dagegen gefunden werden.

„Insektenresistenz“ ist eine wichtige Eigenschaft gentechnischer Veränderung. Solche Mais- oder Baumwollpflanzen bilden ein Gift, das die wichtigsten Schädlinge der Nutzpflanzen sterben lässt. Welche Wirkung es auf Insekten hat, die ihnen nicht schaden, ist wissenschaftlich umstritten und zu wenig untersucht – auch das Ausmaß der Beeinträchtigungen und Verluste, sowohl bei den Bestäubern wie bei den Bodeninsekten.

Weitgehender Konsens herrscht in der Wissenschaft darüber, dass sich die Herbizidresistenz negativ auf Biodiversität und Insekten auswirkt.

Quelle: Insektenatlas

Insektenrückgang

Auch Insektensterben, Bezeichnung für den Rückgang der Zahl bzw. Biomasse der Insekten und/oder der Artenzahl von Insekten (Biodiversität) in einem Gebiet. Es ist Teil der Biodiversitätskrise, die seit der Ausbreitung des Menschen in allen Familien des Lebens festzustellen ist.

Insekten sind die artenreichste Gruppe aller Lebewesen und stellen gut 70 % der Tierarten weltweit. Sie sind damit ein wesentlicher Bestandteil der biologischen Vielfalt. Man findet Insekten in nahezu jedem Lebensraum.

Weltweiter Nutzen

Weltweiter Nutzen

Wert der Agrarproduktion, die durch Bestäuber ermöglicht wird, in US-Dollar pro Hektar

Die in Geld ausgedrückte Bestäubungsleistung von Tieren – überwiegend Insekten – zeigt, wie lohnend selbst teure Schutzmaßnahmen sein können.

Pflanzen sind untrennbar mit der Landwirtschaft verbunden. Die Bestäuber anderer Gewächse der gleichen Art leisten einen Beitrag zur genetischen Durchmischung und zum Samenansatz bei Wild- und Nutzpflanzen. Drei Viertel der weltweit wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturpflanzen profitieren in ihrem Ertrag von Bestäubern und garantieren damit rund ein Drittel der Produktion von Nahrungsmitteln. In Deutschland kann die Förderung der Wildbienen – meist sind sie wichtigere Bestäuber als die Honigbienen – den Ertrag an Erdbeeren und Kirschen verdoppeln

Quelle: Insektenatlas

Ein Rückgang der Zahl von Insekten wird in der Ökologie als besonders problematisch angesehen, da Insekten vielen anderen Arten als Nahrung dienen. Mitunter zahlreiche Amphibien, Vögel und Fledermäuse sind auf Insekten als Nahrung angewiesen. Ein Rückgang der Insekten gefährdet also auch viele andere Arten in ihrem Bestand. Zudem ist die Bestäubung durch Insekten für viele Pflanzen, darunter zahlreiche Nutzpflanzen, unverzichtbar. Insekten sind unter anderem auch als Destruenten von großer ökologischer Bedeutung. Beispielsweise sind für die Grünland-Bewirtschaftung insbesondere Dungkäfer von besonderer Bedeutung, weil nur sie die rasche Zersetzung des Kots der Nutztiere einleiten. Des Weiteren sind manche Insekten Zeigertiere und damit Bioindikatoren. Unter den Insekten finden sich aber auch Lästlinge, Schädlinge und einige Arten können als Krankheitsüberträger für den Menschen gefährlich werden (z. B. asiatische Tigermücke).

Wissenschaftlicher Konsens ist, dass die Landwirtschaft einen negativen Einfluss auf Insekten hat. Landwirtschaftliche Flächen werden weltweit immer intensiver genutzt. Um mehr Ertrag pro Hektar zu erwirtschaften, stieg der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden weltweit deutlich. Vor allem aber wandelte sich die Art der Nutzung der Landflächen. In nur 300 Jahren, zwischen etwa 1700 und 2007, ist der Anteil von Acker- und Weideland weltweit jeweils um das Fünffache gestiegen, wobei die Flächen vor allem im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgeweitet wurden. Die Menschen rodeten Wälder, legten Feuchtgebiete trocken, verwandelten Steppen und Savannen in Äcker und Weiden. Die Tier- und Pflanzenarten, die unberührte Lebensräume benötigen, gingen zurück oder starben aus.

12 kurze Lektionen über Insekten, Landwirtschaft und die Welt

12 kurze Lektionen über Insekten, Landwirtschaft und die Welt

Würden wir sie zählen, so kämen auf jeden Menschen dieser Erde rund 1,4 Milliarden Insekten aus geschätzten 5,5 Millionen unterschiedlichen Arten. Es gibt eine schier unvorstellbare Menge und Vielfalt an sechsbeinigen Tieren, mit denen wir uns die Welt teilen. Manche Exemplare sind für Menschen wunderschön, andere fast gruselig mit ihren großen Beißwerkzeugen. Insekten fliegen, krabbeln, buddeln, beißen. Sie sind Künstler des Versteckens, und sie sind in fast jedem Ökosystem dieser Welt zu Hause.

Quelle: Insektenatlas

Weitere Informationen:

Insektizide

Substanzen, die Insekten und deren Entwicklungsstadien abtöten sollen und sowohl in der Landwirtschaft als auch zum Vorrats- und Materialschutz sowie im Hygienebereich angewendet werden. Je nachdem, ob sie v.a. zur Bekämpfung der Ei-, Larven- oder Adultstadien eingesetzt werden, unterscheidet man Ovizide, Larvizide und Adultizide. Meistens werden Insektizide auf die Blätter von Nutzpflanzen gesprüht.

Nach der Art ihrer physiologischen Wirkung werden Insektizide in Fraßgifte, Kontaktgifte und Atemgifte unterschieden. Die Wirkungen sind häufig verknüpft. Um die Gefahr der Resistenzbildung zu minimieren, werden verschiedene Insektizide eingesetzt. Ein weiteres wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist ihre chemische Zusammensetzung.

Insektizide sollen nur schädliche Insekte bekämpfen, während die nützlichen Insekten, wie Bienen, Hummeln oder Marienkäfer, geschont werden.

Insellandwirtschaft

Vorstellung von der inselhaften räumlichen Verteilung landwirtschaftlicher Produktion in Deutschland, vor allem beim Marktfruchtbau. Das Konzept gilt als Konsequenz des gegenwärtig bestimmenden, globalwirtschaftlich erzwungenen Trends einer sich ständig vertiefenden Intensivierung an Gunststandorten und der gleichzeitigen Aufgabe benachteiligter Nutzflächen. Mit diesem Rückzug aus der Fläche wird langfristig eine Entwicklung für möglich gehalten, derzufolge leistungsstarke, international wettbewerbsfähige, subventionsfrei wirtschaftende Agrarbetriebe sich in acht naturräumlich bevorzugten deutschen Regionen konzentrieren werden und der weitaus größere übrige Teil Deutschlands für arbeitsextensive Landwirtschaft (z.B. Mutterkuhhaltung statt Milchwirtschaft), für nichtagrarische Nutzungen und Renaturierung zur Verfügung steht. Die höchstbonitierten Standorte nach der Reichsbodenschätzung liegen vor allem in der den Mittelgebirgen nordwärts vorgelagerten Lößbodenzone sowie im Rhein-Main-Neckar-Talebenenbereich. Der größere Teil des deutschen Territoriums weist natürliche Produktionsbedingungen im Grenzertragsbereich bzw. mit geringem Flächenertragspotential auf. Hierzu gehören vor allem die großflächig verbreiteten grundwasserfernen Geest-, Heide- und Sanderareale, aber auch ertragsschwache, grünlandbetonte Mittelgebirgslagen.

Die Struktur der Landwirtschaft und das Landschaftsbild ändern sich bei diesem Agrarinselkonzept gravierend (deutlich weniger Betriebe, weniger landwirtschaftliche Arbeitskräfte, weniger Kulturlandschaft, mehr Naturlandschaft.). Die Belastungen der Steuerzahler als auch der Konsumenten wird niedrig sein, mit Aussenhandelspartnern ergeben sich weniger Konflikte. Fragen der mit der Intensivierung verbundenen Umweltbelastung bleiben bislang ebenso offen, wie die nach den ausbleibenden positiven externen Effekten bei einem Rückzug der Landwirtschaft.

(s. a. Extensivierung, Integration, Segregation)

INSPIRE

Engl. Akronym für Infrastructure for Spatial Information in the European Community; eine Initiative der Europäischen Kommission mit dem Ziel, Geodienste und -daten einheitlich in ganz Europa online über das Internet bereitzustellen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde am 15. Mai 2007 die Richtlinie 2007/2/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Schaffung einer Geodateninfrastruktur innerhalb der Europäischen Union in Kraft gesetzt.

Durch die Umsetzung der Richtlinie wird die grenzüberschreitende Nutzung von Geodaten, beispielsweise zu Adressen, Grundstücken, Verkehrsnetzen oder Schutzgebieten, erleichtert. In der Praxis fordert INSPIRE eine einheitliche Beschreibung der Geodaten und deren Bereitstellung im Internet, mit Diensten für Suche, Visualisierung und Download. Auch die Daten selbst müssen in einem einheitlichen Format vorliegen.

Alle über INSPIRE-Webdienste nutzbaren Geodaten werden im Rahmen der Geodateninfrastruktur Deutschland auch innerhalb Deutschlands über das Internet bereitgestellt.

Wem nützt INSPIRE?

Außerdem leistet Europa im Rahmen der gemeinschaftlichen Aktivitäten Copernicus und INSPIRE wichtige und koordinierte Beiträge zum Globalen Erdbeobachtungssystem der Systeme (GEOSS).

Weitere Informationen:

Integration

1. Häufig auch Ökologisierung genanntes Konzept der flächendeckend umweltschonenden - d.h. in der Regel extensiveren - Landbewirtschaftung (Kombinationsprinzip). Gleichzeitig wird als Ziel die Einführung des ökologischen Landbaues auf der gesamten Fläche vorgegeben. Beim Vernetzungsprinzip innerhalb des Integrationskonzeptes sind Agrarflächen und die Flächen ungenutzter bzw. ökologisch gezielt bewirtschafteter, naturnaher Biotope zwar getrennt, aber eng benachbart und letztere konsequent vernetzt. Das Vernetzungsprinzip verspricht einen größeren ökologischen Erfolg als das Kombinationsprinzip, insbesondere hinsichtlich der Artenvielfalt. (Insellandwirtschaft, Segregation)

2. Begriff zur Kennzeichnung wirtschaftlicher Organisationsformen in der Landwirtschaft, welche zunächst in den USA in Verbindung mit dem Entstehen agrarindustrieller Unternehmen vor allem im Bereich der Nutztierhaltung aufgekommen sind. Es werden unterschieden die horizontale (z.B. Erzeugergemeinschaft) von der vertikalen Integration (z.B. Vertragslandwirtschaft). Der Druck zur Integration ergibt sich vor allem aus den Rahmenbedingungen des Marktes. Zu diesen gehören:

integrierte Schädlingsbekämpfung

Verknüpfung verschiedener Methoden der Schädlingsbekämpfung mit dem Ziel, den Einsatz von chemischen Mitteln zu reduzieren und sie mit der biologischen oder auch biotechnischen Schädlingsbekämpfung zu kombinieren. Soweit sich die Bekämpfung auf Pflanzenschädlinge bezieht, ist der Begriff gleichbedeutend mit dem des integrierten Pflanzenschutzes. Es wird versucht, die durch Schädlinge und Krankheiten verursachten Ernteverluste unterhalb des Wertes zu halten, der wirtschaftlich als noch akzeptabel gilt.

Zu den angewandten Methoden gehören:

Bei Überschreiten der sogenannten (wirtschaftlichen) Schadensschwelle werden chemische Mittel eingesetzt.

integrierter Landbau

Auch integrierte Landwirtschaft oder Low-Input Landwirtschaft; unter diesem Begriff werden alle standort- und umweltgerechten Pflanzenproduktionssysteme zusammengefasst, die neben ökonomischen verstärkt ökologische Anforderungen an Acker- und Pflanzenbau, Pflanzenernährungs- und Pflanzenschutzverfahren berücksichtigen. Integrierter Landbau heißt weiter, daß alle diese Verfahren gut aufeinander abgestimmt werden, um langfristig sicheren betriebswirtschaftlichen Erfolg zu garantieren. Dabei sind geeignete und vertretbare Verfahren des Acker- und Pflanzenbaus, der Pflanzenernährung und des Pflanzenschutzes stärker als bisher unter umweltverträglichen Aspekten zu betrachten. Der Integrierte Landbau kann als Weiterentwicklung des konventionellen Landbaus gesehen werden.

In der Theorie des integrierten Pflanzenbaus sind Auflagen berücksichtigt worden, die prinzipiell jede Form der Landbewirtschaftung zum Schutz von Boden, Wasser und Umwelt vor vermeidbaren Beeinträchtigungen mindestens erfüllen müsste, um als ordnungsgemäß gelten zu können. Der Integrierte Pflanzenbau greift die Vorgehensweise ursprünglicher Formen der Landbewirtschaftung wieder auf, die eingebettet waren in die bewusste oder unbewusste Nutzung der natürlichen Möglichkeiten sowie die Akzeptanz der naturgegebenen Grenzen des gesamten Agrarökosystems.

Es wird nicht vollständig auf den Gebrauch von synthetischen Pestiziden und Dünger verzichtet, allerdings werden diese Betriebsmittel reduziert eingesetzt. Im Kern lautet das Ziel, mit den heute zur Verfügung stehenden Betriebsmitteln und Ressourcen besser zu haushalten, deren Einsatz durch ein optimiertes, standortangepasstes Farmmanagement zu reduzieren und somit Mensch und Umwelt zu schonen. Einfach ausgedrückt, stellt die integrierte Landwirtschaft nach ihrem Selbstverständnis eine optimale Balance zwischen Aufwand und Ergebnis dar. Diese Balance beruht auf einer wissenschaftlichen Basis und einer standortangepassten Strategie.

Der moderne konventionelle Landbau versuchte dagegen in den vergangenen Jahrzehnten begrenzende Standortgegebenheiten durch teilweise übermäßigen Faktoreinsatz auszugleichen, mit der Folge entsprechender Umweltbelastungen. Das Konzept des Integrierten Pflanzenbaus versucht sich mit der Reduzierung dieser unsachgemäßen, überhöhten Intensität der Landbewirtschaftung dem ökologischer Landbau anzunähern.

Charakteristika des Integrierten Landbaus:

Insgesamt wirkt das Konzept des integrierten Landbaus noch vage formuliert, es erscheint als rein verbale Konstruktion, bei der konkrete Definitionen, Grenzwerte, Auflagen o.ä. fehlen. Insbesondere bleibt zu klären, was im Abwägungsprozess zwischen Ökonomie und Ökologie die ökonomischen Erfordernisse sind. Da bisher keine eindeutige Abgrenzung zwischen Integriertem und "ordnungsgemäßem" konventionellem Landbau möglich ist, gibt es derzeit keine Angaben zur Zahl der Betriebe oder den Flächen, die in Deutschland nach den Regeln des Integrierten Landbaus bewirtschaftet werden.

In der Diskussion ist daneben das Konzept der integrierten Landbewirtschaftung, das noch stärker als der integrierte Landbau die Gleichrangigkeit des Natur- und Umweltschutzes, der Landschafts- und Flurgestaltung, des Arten-, Gewässer-, und Bodenschutzes gegenüber der Produktionsfunktion betont. Insbesondere will sich dieses Konzept vom integrierten Pflanzenbau abheben, bei dem der Kulturpflanzenanbau dominant im Vordergrund steht.

Auswirkungen1 integrierter und ökologischer Bewirtschaftung auf relevante ökologische Konfliktfelder der landwirtschaftlichen Produktion im Vergleich mit ordnungsgemäßer (konventioneller) Landbewirtschaftung
Auswirkungen integrierter und ökologischer Bewirtschaftung auf relevante ökologische Konfliktfelder der landwirtschaftlichen Produktion im Vergleich mit ordnungsgemäßer (konventioneller) Landbewirtschaftung


1 Verbesserung gegenüber dem konventionellen Landbau: 0: keine, +: gering, ++: spürbar, +++: sehr deutlich
2 Pflanzenschutzmittel
Quelle: Institut für Europäische Integrationsforschung e.V. 1994

integrierter Pflanzenschutz

Ein Verfahren, in dem alle zur Ertragssicherung zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sinnvoll aufeinander abgestimmt und entsprechend gezielt zum Einsatz kommen. Entscheidendes Kriterium hierfür ist, dass dabei die Schadorganismen unter einer wirtschaftlich tolerierbaren Schadensschwelle gehalten werden können, ohne dass es dadurch zu beträchtlichen Ertragsverlusten kommt.

Der chemische Pflanzenschutz bildet zwar nach wie vor einen zentralen Bestandteil des integrierten Pflanzenschutzes, doch richtet sich sein Einsatz hierbei sowohl nach ökonomischen als auch nach ökologischen Gesichtspunkten. Erst wenn der durch den vorliegenden Befall zu erwartende Ertragsverlust die Kosten für die Pflanzenschutzmittel und deren Anwendung übersteigt, sollten diese auch zum Einsatz kommen. Ihre Anwendung ist dann räumlich und zeitlich begrenzt, und ihr Charakter ist selektiv und nützlingsschonend. Der integrierte Pflanzenschutz erfordert daher vom Landwirt zum einen genaue Kenntnisse über die Höhe der wirtschaftlichen Schadensschwelle, zum anderen auch Kenntnisse, inwieweit sich diese durch biologische, ackerbauliche und wirtschaftliche Maßnahmen beeinflussen lässt. Zu solchen Maßnahmen zählt auch die Gestaltung des Agrarökosystems, um die Reduktion von Schaderregern und die Förderung ihrer Antagonisten zu erreichen.

Integriertes Verwaltungs- und Kontrollsystem (InVeKoS)

Ein durch die Europäische Kommission schrittweise eingeführtes System von Verordnungen zur Durchsetzung einer einheitlichen Agrarpolitik in den EU-Mitgliedstaaten. Die Einführung des InVeKoS wurde im Zuge der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im Jahre 1992 beschlossen und unterliegt einer ständigen Weiterentwicklung. InVeKoS ist ein wesentliches Kontrollinstrument für die Agrarausgaben der EU. Die durch das InVeKoS ermittelten Daten fließen in das Rechnungsabschlussverfahren der EU ein.

Die Konzeption, Koordinierung sowie Kontrollfunktionen erfolgen durch die Europäische Kommission. Die EU-Mitgliedstaaten sind für die konkrete Umsetzung des InVeKoS nach dem Grundsatz der geteilten Zuständigkeit verantwortlich.

Das InVeKoS umfasst:

Weitere Informationen:

Intensität

Unter Intensität versteht man das mengenmäßige Verhältnis zweier bzw. mehrerer Produktionsfaktoren zueinander, die in einem Produktionsprozeß eingesetzt werden. In der Landwirtschaft ist nach Spielmann (1989) Intensität die Höhe der Einsatzmenge der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital je Einheit des Produktionsfaktors Boden. Die Verringerung einer Intensität führt immer zum Anstieg anderer Intensitäten. Landwirtschaft geringer Intensität, somit mit einer vor allem den Boden ausnutzenden Bewirtschaftung wird als extensiv bezeichnet.
Man unterscheidet:

Meist ist Landwirtschaft entweder arbeitskräfte- oder kapitalintensiv.
Als Variante der Kapitalintensität spricht man ferner von düngerintensiven oder auch von viehintensiven Betrieben (in Hochleistungsmilchbetrieben oder Mastbetrieben).

Bei den viehintensiven Betrieben kann man - ausgehend von der Haltungsform - unterscheiden:

Gelegentlich wird der Begriff Intensität mit dem Terminus Produktivität vermengt, etwa wenn von Flächenintensität statt von Flächenproduktivität gesprochen wird.
Größere Intensität mit dem Ziel eines höheren quantitativen oder qualitativen Leistungsoptimums führt nicht notwendigerweise zu einem wirtschaftlichen Optimum. Intensität und Intensivierung können beispielsweise zu vorzeitiger Bodenermüdung führen oder sie können so hohe Kosten verursachen, daß der Ertrag in einem unbefriedigenden Verhältnis zum Aufwand steht.
Intensität spielt in Standorttheorien (Thünensche Ringe, Christallers Zentrale-Orte-Konzept) eine wesentliche Rolle.

(s. a. nachhaltige Entwicklung, Standortfaktoren)

Intensivblattfrüchte

Früher häufiger verwendetes Synonym für Hackfrüchte.

Intensivfrucht

In der deutschen Betriebssystematik die Bezeichnung für einen gleichnamigen Produktionszweig, der zusammen mit den Extensivfrüchten die Produktionsrichtung Marktfrüchte bildet.

Zu den Intensivfrüchten gehören:

Intensivkultur

Unter dem Begriff Intensivkultur versteht man durch hohen Arbeits- und Kapitalaufwand und Ertrag gekennzeichneten Pflanzenbau, z.B. Zuckerrüben- und Gemüsebau, Getreidebau und Sonderkulturen. Intensive Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen führen zu Umweltbelastungen.

Intensivlandwirtschaft

Moderne Landwirtschaft mit dem Ziel, einen möglichst hohen Ertrag pro Flächeneinheit und/oder Tier zu erreichen. Sie ist vor allem durch die Anwendung hochentwickelter, anspruchsvoller Agrartechnik gekennzeichnet. Zu dem Anlagekapital und den Investitionen für Land, Gebäude, Tierbestand und Maschinenpark kommen hohe jährliche Produktionskosten hinzu. Es sind dies einerseits Ausgaben für direkte Energie in Form von menschlicher und tierischer Arbeitskraft, fossiler Brennstoffe und Elektrizität, andererseits Ausgaben für indirekte Energie, wie Dünger, Wasser, Saatgut, Herbizide, Insektizide und andere chemische Erzeugnisse.
Eine Möglichkeit um die relative Intensität der Landwirtschaft auszudrücken ist die Energiedichte, beziehungsweise die Summe der aufgewendeten (direkten und indirekten) Energieäquivalente pro Hektar Land.

Energiedichten und Proteinerträge verschiedener Agrargesellschaften
Energiedichten und Proteinerträge verschiedener Agrargesellschaften

Quelle: Tivy 1993

Im Vergleich des nordamerikanischen Maisanbaus um 1700 (keine Agrarchemikalien, keine Zugtiere oder Maschinen) mit dem von 1983 ergibt sich eine Reduktion des Arbeitsbedarfs von 1.200 auf 10 h/ha. Gleichzeitig erhöht sich der Ertrag von 1,9 t auf 6,5 t/ha. Um dies zu erreichen, müssen jedoch Maschinen (mit fossilem Brennstoff), Dünger und Pestizide eingesetzt werden, teilweise wird künstlich bewässert, das Erntegut wird in großen Anlagen elektrisch getrocknet und für alle Hilfsmittel und Produkte fallen z.T. beträchtliche Transportwege an. Energetisch stehen dem Aufwand um 1700 von 3 GJ/ha (überwiegend in Form menschlicher Arbeit) ein Gewinn von 32 GJ/ha gegenüber, d.h. das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag beträgt 10,7. Der moderne Maisanbau benötigt 15mal mehr Energie (44 GJ/ha überwiegend in Form fossiler Energie, u.a. 38 % für Dünger, 21 % für Bewässerung, 12 % für Treibstoff, 10 % für Maschinen, 6 % für Pestizide), um das 3,5fache zu erwirtschaften, d.h. das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag beträgt nur noch 2,5.
Zum Teil noch drastischere Differenzen ergeben sich, wenn man den traditionellen Reisbau auf den Philippinen mit dem hochtechnisierten in den USA vergleicht.

Der Reisanbau auf den Philippinen und in den USA
im Hinblick auf die Energiebilanz und den Ertrag
Der Reisanbau auf den Philippinen und in den USA im Hinblick auf die Energiebilanz und den Ertrag

Quelle: Nentwig 1995

Nach einer Modellberechnung wurden (innerhalb der Intensivlandwirtschaft) 80 GJ pflanzliche Biomasse erzeugt, um 3,6 GJ Nahrung für den Menschen herzustellen (Wirkungsgrad 3 %). Da hierfür 35,5 GJ an fossiler Energie benötigt wurden, ergibt sich eine Negativbilanz, bei der gerade der Gegenwert von 10 % der eingesetzten fossilen Energie als Nahrung gewonnen werden konnte.
Im Durchschnitt der US-amerikanischen Landwirtschaft wird seit 1975 mehr Energie verbraucht als erzeugt.

Spuren der Intensivierung

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzeugte ein Landwirt Lebensmittel für die Versorgung von vier Personen, 1950 konnten bereits zehn Menschen und 2010 sogar 131 Personen von den Erträgen versorgt werden. Grund für diese Produktivitätssteigerung sind technische Fortschritte und der Einsatz von hochleistungsstarken Maschinen, Präzisionstechniken, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie Fortschritte in der Züchtung. Dabei geht diese Intensivierung nicht spurlos an der Umwelt vorbei.

Die Landwirtschaft arbeitet in offenen Systemen. Der Einsatz von Maschinen zur Bodenbearbeitung und Ernte sowie die Ausbringung von Pflanzenschutz- oder Düngemitteln findet in der Landschaft statt und beeinflusst den Boden, das Wasser, die Luft und die in der Agrarlandschaft lebenden Tiere und Pflanzen. Die auf Ertragssteigerung ausgerichtete Intensivlandwirtschaft hinterlässt nicht nur eintönige, ausgeräumte Agrarlandschaften. Der Einsatz von schweren Maschinen und die intensive Bodenbearbeitung kann Bodenverdichtungen, eine steigende Gefahr für Wasser- und Winderosionen und einen Verlust der Bodenfruchtbarkeit verursachen. Für Nitratbelastungen des Grundwassers und die Nährstoffüberversorgung (Eutrophierung) von Flüssen, Seen und Meeren ist vor allem die intensive Stickstoffdüngung (organisch und mineralisch) verantwortlich.

Ausgebrachte Pflanzenschutzmittel und in den Düngemitteln enthaltene Schwermetalle, Schadstoffe und Rückstände von Arzneimitteln aus der Intensivtierhaltung stellen weitere potenzielle Gefahren für terrestrische und aquatische Ökosysteme dar. Weitere Folgen sind der Verlust der Artenvielfalt und der mit Landnutzungsänderungen (vor allem Grünlandumbruch, Moornutzung und Rodung von Wäldern), der Ausbringung von Düngemitteln, der Bodenbearbeitung und Tierhaltung verbundene Ausstoß klimawirksamer Treibhausgase. Im Jahr 2016 betrug der Anteil der Landwirtschaft an den gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands 7,3 Prozent (ohne landwirtschaftliche Landnutzung und Landnutzungsänderungen). Sie steht damit noch vor der Industrie auf Platz zwei der Hauptemittenten (Platz eins: Energiebereich 86,3 Prozent).

Die Intensivierung der Landnutzung ist laut Weltbiodiversitätsrat IPBES die Ursache Nr. 1 für den Rückgang der biologischen Vielfalt. Von dieser Vielfalt hängt maßgeblich das Wohlergehen der Menschen abhängt.

Intensivtierhaltung

Oft auch als intensive Tierhaltung, Intensivtierhaltung, industrielle Tierhaltung, landlose Tierproduktion oder Massentierhaltung bezeichnete Tierhaltung meist nur einer einzigen Tierart in ländlichen Großbetrieben mit nicht ausreichend verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzflächen, um die benötigten Futtermittel selbst zu erzeugen. Das primäre Ziel ist dabei die größtmögliche Maximierung des zu erwirtschaftenden Ertrags. Die wichtigsten Produkte dieser Haltungsform sind Fleisch, Milch und Eier.

Die Tierprodukte sind fast ausschließlich für den städtischen Konsum bestimmt und zum effizienten Transport, Verarbeitung und Vermarktung standardisiert. Zu unterscheiden ist die Haltung von Monogastriern (Schweine und Geflügel) und Wiederkäuern (Rinder und Schafe).

Im weiteren Sinne kann auch ein Großteil der seit den 1970er Jahren stark zunehmenden Aquakulturen zur Intensivtierhaltung gerechnet werden.

Die Intensivtierhaltung unterscheidet sich von der extensiven und der artgerechten Haltung durch geringeren Flächenbedarf und stärkere Nutzung anderer Produktionsfaktoren. Systeme der Intensivtierhaltung sind insbesondere in Industrieländern verbreitet, verzeichnen jedoch hohe Wachstumsraten in einigen Entwicklungsländern. Mit der Intensivierung geht häufig eine Vergrößerung der durchschnittlichen Betriebsgröße einher.

Herausforderungen bei der intensiven Haltung bestehen insbesondere im Bereich von Tiergesundheit, Wasser- und Energieverbrauch und bei der Entsorgung der Tierausscheidungen. Durch die Ausbringung von Gülle besteht die Gefahr der Überdüngung und der Belastung des Grundwassers durch Nitrate sowie auch eine Geruchsbelästigung. Gleichzeitig werden Treibhausgase freigesetzt. Der Tierschutz und damit verbunden Fragen der Ethik, die Problematik der Tiergesundheit, die Bildung von Antibiotikaresistenzen und deren Einfluss auf die Humanmedizin sind seit langem Gegenstand von Diskussionen. Insgesamt wird die Nachhaltigkeit dieser Produktionsform häufig in Frage gestellt.

Geschichte

Die Intensivtierhaltung ist eine relativ junge Entwicklung in der Geschichte der Landwirtschaft und ist als Ergebnis von wissenschaftlichen Entdeckungen und technologischem Fortschritt zu sehen. Innovationen in der Landwirtschaft, die im späten 19. Jh. aufkamen, liefen etwa zeitgleich ab wie die Entwicklungen hin zur Massenproduktion in der Industrie. Die Entdeckung der Vitamine und ihrer Rolle bei der Tierernährung in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jh. führte zu Vitaminzusätzen in den Futtermitteln, was die Stallaufzucht von Hühnern ermöglichte. Die Entwicklung von Antibiotika und Impfstoffen erleichterte die Haltung von größeren Tierbeständen durch die Reduzierung von Krankheiten. Chemikalien die für den Einsatz im Zweiten Weltkrieg entwickelt wurden, legten die Grundlage für synthetische Pestizide. Entwicklungen bei den Schiffsverbindungen und der marinen Technologie machten den Transport von Agrarprodukten über weite Entfernungen möglich.

Die weltweite Agrarproduktion verdoppelte sich vier Mal im Zeitraum zwischen 1820 und 1975 (1820 bis 1920; 1920 bis 1950; 1950 bis 1965; 1965 bis 1975) um die Weltbevölkerung, die im Jahr 1800 eine Milliarde betrug und bis 2002 auf 6.5 Mrd. anstieg, mit Nahrung zu versorgen. Während der gleichen Zeit sank die Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Menschen, da die Arbeitsabläufe immer stärker automatisiert wurden. Noch in den 30er Jahren des 20. Jh. arbeiteten 24 % der US-amerikanischen Bevölkerung in der Landwirtschaft gegenüber 1,5 % im Jahr 2002. 1940 versorgte jeder Farmarbeiter 11 Konsumenten, im Jahr 2002 waren es bereits 90.

Im Vereinigten Königreich begann die Intensivtierhaltung im Jahr 1947, als ein neues Agriculture Act den Bauern Subventionen zusicherte, um sie durch den Einsatz neuer Technologien zu erhöhter Produktion anzureizen und um damit die Abhängigkeit des Landes von Importfleisch zu reduzieren.

In der Mitte der 1960er Jahre begannen die USA, das UK und andere Industrienationen mit der intensiven Haltung von Milchvieh, Fleischrindern und Hausschweinen. Von diesen Ausgangsländern breitet sich die industrialisierte Tierhaltung seit den späten Jahren des 20. Jh. über die ganze Welt aus. 1990 produzierte die intensive Tierhaltung 30 % der weltweiten Fleischproduktion, 2005 war der Anteil auf 40 % gestiegen.

Aktuelle Tierproduktion in Intensivhaltung

In Betrieben mit Intensivtierhaltung werden Tiere in großer Zahl, hoher Standdichte und häufig in Ställen gehalten, typischerweise Kühe, Schweine, Hühner, Truthähne und Puten. Das Betriebsziel ist die Produktion großer Mengen an Fleisch, Eiern oder Milch zu geringstmöglichen Kosten. Heute werden fast ausschließlich hybride Tiere (Kreuzung mehrerer Rassen) genutzt. Molekularbiologie und Gentechnik spielen dabei eine zunehmend wichtigere Rolle, etwa in der Verbesserung der Ferkelvitalität, Krankheitsresistenz und Nutzungsdauer. Zuchtprogramme dienen der Entwicklung von Tieren, die an die eingeschränkten Bedingungen der Haltung angepasst und in der Lage sind, ein konsistentes Nahrungsmittel zu liefern.

Künstliche Besamung, Embryotransfer, Klonen, In-vitro-Fertilisation und Präimplantationsdiagnostik sind Reproduktionstechniken, die in der professionellen Tierhaltung - zumindest was die künstliche Besamung angeht - unabhängig von der Landbauform (Bio, Konventionell) genutzt werden.

Zur Wahrung der Tiergesundheit sowie zur Ertragssteigerung wird eine Kombination von Desinfektionsmitteln, antibakteriellen Wirkstoffe, Wurmmittenl (Anthelminthika), Hormonen,und Impfstoffen eingesetzt. Auch kommen in außereuropäischen Staaten anabole Steroide und Somatropine als Wachstumsbeschleuniger zum Einsatz. Dazu kommen Proteine, Mineralien und Vitamine als Futterzusätze.

Zur Automatisierung der Anlagen gehören das elektronische Monitoring der Tierleistung sowie der Einsatz von Computern bei der Futterzubereitung und -rationierung und der Regulation des Stallklimas. Stallbaudesign, Impfmanagement und regelmäßige Bestandskontrollen durch vorgeschriebene Hoftierärzte und Tiergesundheitsdienste sind Bestandteile eines Tiergesundheitsmanagements, mit dem Ziel den Arzneimitteleinsatz zu reduzieren. Geeignete Maßnahmen und Installationen sollen ferner die Biosicherheit gewährleisten.

In Industriestaaten ist die landlose Intensivhaltung weit verbreitet. Für die Jahre 2002-2003 schätzt die FAO deren Anteil an der jeweiligen Gesamtproduktion auf 7 % bei Rind- und Kalbfleisch, auf 0,8 % bei Schaf- und Ziegenfleisch, 42 % bei Schweinefleisch und 67 % bei Geflügelfleisch. Summarisch kommt man dabei auf 39 % der gesamten Produktion dieser Fleischsorten und auf 50 % der gesamten Eierproduktion.

In der Kategorie der Entwicklungsländer werden 8 % der Rinder und Büffel und 0,6 % der Schafe und Ziegen intensiv gehalten. 0,6 % des produzierten Rindfleischs, 1 % des Schaffleischs, 47 % des Schweinefleischs, 64 % des Geflügelfleischs und 54 % der Eier kommen aus landlosen Produktionssystemen.

Verbreitung

Intensive Systeme sind für viele klimatische Verhältnisse geeignet. Sie sind besonders in den OECD-Staaten, aber auch mit steigender Tendenz in Asien verbreitet. Intensive Wiederkäuerproduktionssysteme sind vorrangig ein nordamerikanisches Phänomen, aber sie treten auch in Teilen Europas und des Nahen Ostens auf.

In Getreideimportregionen wie den Niederlanden oder Norddeutschland befinden sich intensive Tierhaltungsbetriebe meist in der Nähe von Seehäfen. In Getreideexportländern wie den USA wird die intensive Viehhaltung häufig in den Getreideanbauregionen betrieben (z. B. Schweine in Iowa, Rinder in Texas). In Entwicklungsländern mit schlecht entwickelter Infrastruktur befinden sich die Betriebe in der Nähe urbaner Zentren, da tierische Produkte hohen Anforderungen beim Transport unterliegen (Kühlung). Intensive Haltungssysteme finden sich auch in den GUS-Staaten (Milchvieh) und Nordafrika (Schafe).

Umweltwirkungen

Der Aufstieg der Intensivlandwirtschaft und damit auch der intensiven Tierhaltung machte sie weltweit zur größten Bedrohung für die Umwelt durch den Verlust von Ökosystemdienstleistungen und durch ihre Beiträge zur globalen Erwärmung.

Umweltauswirkungen der Intensivtierhaltung:

Weitere Informationen:

Intensivweiden

Alle Nutzungsformen gut gepflegter und gedüngter Weiden. Die Selbstvermehrung der vom Vieh gemiedenen Gräser und Kräuter wird auf Intensivweiden bekämpft.

Internationaler Saatgutvertrag (ITPGRFA)

Der Internationale Saatgutvertrag (International Treaty on Plant Genetic Resources for Food and Agriculture, ITPGRFA) der Welternährungsorganisation (FAO) trat 2004 in Kraft und wurde von 120 Staaten ratifiziert, auch von der EU. Er regelt den Schutz und die nachhaltige Nutzung aller pflanzengenetischen Ressourcen für Landwirtschaft und Ernährung sowie die Rechte der Bauern (Farmers’ Rights). Alle Vertragsteilnehmer haben freien Zugang zu den in internationalen und nationalen Genbanken eingelagerten Sorten von 64 Pflanzenarten, die für die Ernährung und Landwirtschaft weltweit wichtig sind. Im Gegenzug müssen sie ihre Sammlungen für die anderen öffnen.

Weitere Informationen:

Internalisierung externer Effekte

Das Einbeziehen der externen Effekte in den Preismechanismus. Damit ist gewährleistet, daß das Wirtschaftssubjekt, das die externen Effekte verursacht, die vollen Konsequenzen seines Handelns trägt.

(s. a. Umweltwirkungen)

Internet der Dinge

Das Internet der Dinge (Internet of Things; IoT) ist ein Sammelbegriff für alle Technologien, die über das Internet Technologien und Dinge, z.B. Sensorik, miteinander verbinden und damit die Kommunikation der Dinge mit dem Mensch und untereinander erlauben. Feldroboter, Drohnen und fahrerlose Traktoren nutzen zum Teil bereits diesen Trend.

So bietet das Internet der Dinge eine Infrastruktur, über die vergangene und aktuelle Ereignisdaten der realen Welt auf dezentralen Servern global verfügbar gemacht werden. Das IOT ermöglicht es, physische und virtuelle Gegenstände miteinander zu vernetzen und sie durch Informations- und Kommunikationstechniken zusammenarbeiten zu lassen. Ereignisse der Form Was-Wann-Wo-Warum werden dezentral gespeichert und über zentrale Naming-Server indiziert. In der Landwirtschaft kann zum Beispiel eine Lieferung von Mastschweinen ein Event folgender Form sein: „Die Schweine mit den Nummern xxx-yyy wurden am 31.07.2018 um 04:53 MEZ auf dem Hof Thomsen über die Rampe 3 auf den LKW mit dem Kennzeichen SL-AX 804 geladen, um zur Schlachtung gefahren zu werden.“ Damit die Erzeugung dieser Eventdaten möglichst automatisch, also ohne manuelle Tätigkeit, erfolgt, kommen zur Identifikation der Objekte bzw. Tiere häufig Auto-ID-Technologien wie RFID oder Strichcodes und zur Messung weiterer Parameter Sensoren zum Einsatz. Jedes denkbare Ereignis kann auf diese Weise seine Datenspur hinterlassen. Weitere Beispiele aus dem Bereich der Ernährungswirtschaft wären der Melkvorgang einer Kuh, die Bestellung von Kraftfutter, die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln, der Verkauf eines Liters Milch an der Supermarktkasse, die Retoure eines reklamierten Lebensmittels etc.

Auf dieser generischen Infrastruktur des Internet der Dinge können nun diverse betriebliche Anwendungen aufsetzen. Schnell wird ersichtlich, dass diese Basis ideal für die Rückverfolgung (Tracking & Tracing) von Lebensmitteln ist. Hierzu muss lediglich eine Webanwendung programmiert werden, die die Daten zu einem Produkt aus den dezentralen Datenbanken zusammenführt und übersichtlich auf einer Webseite oder in einer App darstellt. Einen Schritt weiter geht das Supply Chain Event Management (SCEM). Hierbei werden in Lieferketten kontinuierlich und automatisch Soll-Ist-Vergleiche vorgenommen, um mögliche Verzögerungen frühestmöglich zu entdecken. Wird eine Verspätung festgestellt, spielt das System Alternativen durch und meldet dem Prozessverantwortlichen sinnvolle Varianten zur besseren Entscheidungsfindung. Im Nachgang wird die ausgewählte Alternative vom SCEM bewertet, so dass hieraus eine Erkenntnis für die Zukunft gewonnen werden kann und sich somit die künftig vorgeschlagenen Alternativen bzgl. ihrer Zielerfüllung verbessern. Während beim SCEM die Steuerung der logistischen Kette noch zentral erfolgt, dreht Logistik 4.0 die Verantwortung um. Wie bei allen „4.0“ Konzepten erfolgt die Steuerung nun dezentral, in dem sich die logistischen Einheiten jetzt selbst steuern. Bei Logistik 4.0 sind die logistischen Einheiten also selbst dafür verantwortlich, dass sie ihr Ziel erreichen. (Clasen)

(s. a. Digitalisierung der Landwirtschaft, Farming 4.0)

Intervention

In gemeinsamen Marktorganisationen der EU zur Regelung der Binnenmärkte vorgesehene Ankaufsverpflichtung des Staates für Marktordnungsgüter zum Interventionspreis. Es soll damit ein aus wirtschaftlichen Gründen nicht vertretbares Absinken der Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte (z.B. durch Übernahme von Überschüssen, durch Lagerungsbeihilfen u.w.) verhindert werden.

In Deutschland ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) für die Durchführung der Interventionsmaßnahmen zuständig.

Bei der Intervention mit öffentlicher Lagerhaltung werden bestimmte lagerfähige Erzeugnisse angekauft, in von der BLE angemieteten Lagern gelagert und wieder verkauft, sobald Bedarf an den Agrarmärkten besteht.

Die BLE informiert über die Durchführung der Intervention mit öffentlicher Lagerhaltung mittels Richtlinien, Bekanntmachungen bzw. Informationsunterlagen, die einen Überblick über aktuelle Ankaufs-, Lager- und Verkaufsbedingungen bieten. Rechtsgrundlagen sind die entsprechenden EU- und nationalen Verordnungen.

Interventionspreis

Ein von der Europäischen Union festgelegter garantierter Mindestpreis für bestimmte Agrarprodukte wie Getreide oder Butter. Er bildete vor allem in der Vergangenheit die Grundlage für das Preissystem für landwirtschaftliche Erzeugnisse innerhalb der EU – im Gegensatz zu den Weltmarktpreisen, die starken Schwankungen unterliegen können, da sie auf dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage basieren. Der Interventionspreis wird vor allem aus den Schwellenpreisen der Produkte abgeleitet, die vom Weltmarkt in die EU importiert werden und kann künstlich auf hohem Niveau gehalten werden, um den gemeinsamen Binnenmarkt zu schützen.

Für eine Vielzahl von Produkten, die in der EU einer Marktordnung unterlagen wie Milch, Zucker oder Getreide, stellte der Interventionspreis die Untergrenze des Binnenpreisniveaus dar. Wurde diese Grenze unterschritten, mussten die Ankaufstellen der EU die angebotenen Mengen zum Interventionspreis aufkaufen. Den Erzeugern wurde somit ein Mindestpreis garantiert. Die Interventionspreise wurden in jedem Wirtschaftsjahr von den Gremien der EU neu festgelegt.

Da dieses Vorgehen Anreize zur Überproduktion schuf, wird die Festsetzung von Interventionspreisen in den letzten Jahren mehr und mehr zurückgenommen. Mit der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik sind die Interventionspreise weitgehend weggefallen.

Interzeption

Der von der Oberfläche der Vegetation aufgefangene Teil des Niederschlages, der von dort verdunstet, ehe er den Boden erreicht.

invasive Arten

Gebietsfremde Arten (Neobiota), die unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten sowie Lebensgemeinschaften haben. Durch Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen (z.B. Nährstoffe, Licht, Wasser) können invasive Pflanzenarten (Neophyten) bzw. invasive Tierarten (Neozoen) heimische Pflanzen- bzw. Tierarten verdrängen.

Weitere Informationen:

In-vitro-Fleisch

In-vitro-Fleisch (von lat. in vitro ‚im Glas‘), auch kultiviertes Fleisch (engl. cultivated meat, cultured meat, clean meat), ugs. Laborfleisch, ist das Ergebnis von Gewebezüchtung mit dem Ziel, Fleisch zum menschlichen Verzehr im industriellen Maßstab synthetisch herzustellen. Man sieht im kultivierten Fleisch ein großes finanzielles, ökologisches, gesundheitliches und tierleidfreies Zukunftspotential in unserer Ernährung.

Die Erzeugung von In-vitro-Fleisch basiert auf den Methoden der Zellkultur, insbesondere auf den Methoden der Gewebezüchtung wie die 3D-Zellkultur und das Tissue Engineering. Verwendet werden Myoblasten, ein Zelltyp, der einen Kompromiss aus Ausdifferenziertheit und Vermehrungsrate darstellt. Die Ausgangszellen können aus dem jeweiligen Tier schmerzfrei via Biopsie und ohne Tötung entnommen werden.

Sollte es in Zukunft gelingen, ein solches Retortenfleisch qualitativ und ökonomisch marktfähig zu machen, wäre dies kein Fleischersatz, sondern 'echtes' Fleisch - aber eben auch ein 'künstliches' Fleisch, da es (abgesehen von den verwendeten Stammzellen) nicht von Tierkörpern stammt. Kritiker sehen im In-vitro-Fleisch auch ohne Gentechnik eine hochgradig 'unnatürliche' und entsprechend ethisch problematische Erzeugungsweise.

Burger aus der Petrischale

Herstellung von In-vitro-Fleisch - Vereinfachte Darstellung

Vielleicht kann Laborfleisch ohne das Töten von Tieren auskommen. Ein Problem bleibt: Die mögliche Fusion von Bio- und Gentechnik.

Quelle: Fleischatlas 2018, CC BY 4.0

Weitere Informationen: