Lexikon des Agrarraums

I

IARC

Engl. Abk. für International Agricultural Research Center; es existieren z. Z. 16 von Weltbank und 41 Staaten finanzierte internationale Agrarforschungszentren. Die IARCs sollen durch Nutzung der neuesten agrarwissenschaftlichen Erkenntnisse und Problemlösungsstrategien in Entwicklungsländern eine nachhaltige Landwirtschaft unter dem Aspekt der Nahrungssicherheit fördern. Die Ergebnisse ihrer strategischen und angewandten Forschung stellen sie den nationalen Agrarforschungssystemen kostenlos zur Verfügung.

iLUC-Effekt

Das Akronym iLUC steht für engl. indirect land use change, zu dt. indirekte Landnutzungsänderung. Deren Effekte werden als Verdrängungseffekte verstanden, die durch eine zusätzliche Nachfrage (beispielsweise nach Bioenergieträgern) ausgelöst werden. Wegen der zusätzlichen Rohstoffnachfrage wird die vorangegangene Produktion (zum Beispiel von Nahrungsmitteln) auf andere Flächen verdrängt, wenn die Nachfrage nach den zuvor angebauten Produkten bestehen bleibt. Dies führt andernorts zur Erschließung neuer Anbauflächen, die im iLUC-Konzept der „neuen“ Nachfrage zugerechnet werden. Da die Umwandlung natürlicher Ökosysteme in Ackerflächen unter anderem mit zusätzlichen Treibhausgasemissionen verbunden ist, muss eine vollständige Treibhausgasbilanz diese indirekten Emissionen einbeziehen.

Es ist weitgehend anerkannt, dass der iLUC-Effekt ein bedeutender Faktor für die Ökobilanz von Biokraftstoffen ist. Allerdings ist seine genaue Bestimmung seiner Größenordnung und die damit zusammenhängenden Emissionen nur über komplexe Modellrechnungen möglich, deren Methodik kontrovers diskutiert wird.

Imkerei

Haltung und Züchtung von Honigbienen zur Gewinnung von Honig und Wachs oder zur Produktion von Zuchtköniginnen zum Verkauf. Man unterscheidet gewerbliche Imkerei, Liebhaberimkerei und bäuerliche Bienenhaltung, die durch die Bestäubungsarbeit der Bienen zur Ertragssteigerung bestimmter Kulturpflanzen beiträgt (Raps, Sonnenblumen, Klee, Luzerne, Obstbäume u.a.).

Immissionen

Immissionen sind aus der Luft austretende Verunreinigungen, ferner Geräusche, Erschütterungen, Licht, Wärme, Strahlen und ähnliche Einwirkungen, die zu Gefahren (objektiven Schäden), erheblichen Nachteilen (vor allem Vermögenseinbußen) oder erheblichen Belästigungen (Störungen des menschlichen Wohlbefindens) für die Allgemeinheit oder für die Nachbarschaft (im juristischen Sinne) führen können. Unter Verunreinigung der Luft ist die Veränderung ihrer natürlichen Zusammensetzung zu verstehen, insbesondere durch Rauch, Ruß, Staub, Gase, Aerosole - Sprühstoffe - Dämpfe oder Geruchsstoffe.

Der Vorgang der Immission beschreibt demnach den Übertritt von luftverunreinigenden Stoffen aus der offenen Atmosphäre in einen Akzeptor (Empfänger).

Die Landwirtschaft ist sowohl Akzeptor wie auch Verursacher von Umweltbelastungen.

(s. a. Umweltwirkungen)

Incoterms

Engl. Abk. für International Commercial Terms; sie stellen eine Zusammenfassung der handelsüblichen, international einheitlich ausgelegten Lieferklauseln dar. Jede Klausel legt den Zeitpunkt des Gefahren- und Kostenübergangs auf dem Weg der Ware vom Exporteur zum Importeur fest. Beispiele sind EXW, FOB, CIF.

industrial farming

Siehe industrialisierte Landwirtschaft

industrialisierte Landwirtschaft

Syn. industrielle Landwirtschaft; Typ von Landwirtschaft mit der Verwendung industriespezifischer Produktionsweisen. Kennzeichen derartiger Betriebe sind u.a. ein hoher Spezialisierungsgrad, die Verwendung technischer Verfahren, ein hoher Kapitaleinsatz (d.h. die Substitution von Boden und menschlicher sowie tierischer Arbeitskraft) und der Übergang zur standardisierten Massenproduktion.
Die Entwicklung zur industrialisierten Landwirtschaft betrifft nicht nur einige wenige, im Verlaufe dieses Prozesses entstandenen agrarindustrielle Unternehmen, sondern auch Betriebe, die sich z.B. in Familienbesitz befinden. In den USA ist dieser Prozess für die Mehrzahl der Betriebe vollzogen.

Daraus ergibt sich die Notwendigkeit zu unterscheiden zwischen der Industrialisierung des Produktionsprozesses und der Herausbildung von Betriebsformen, die industriellen Charakter haben, eben den agrarindustriellen Unternehmen.

Ursachen des Industrialisierungsprozesses:

Trotz einiger Unterschiede im zeitlichen Ablauf und der Wirkung einzelner Faktoren besteht eine große Übereinstimmung in der Steuerung des Industrialisierungsprozesses der Agrarwirtschaft in den USA und der Bundesrepublik.
In den marktwirtschaftlich organisierten Volkswirtschaften ist es in Verbindung mit der Industrialisierung der Agrarwirtschaft nicht zur Ausbildung von städtischen Agglomerationen gekommen, die für die Industrie charakteristisch sind. Der Pflanzenbau bietet selbst in Regionen amerikanischer Großbetriebe zu wenige Arbeitsplätze. In der Nutztierhaltung kommt es zumeist aus seuchenhygienischen Gründen bzw. wegen der Notwendigkeit der Beseitigung und Verwertung der tierischen Exkremente nicht zu entsprechenden Verdichtungen.

Demgegenüber ist bei der Bildung von Sowchosen aus ideologischen Gründen (Auflösung der Unterschiede zwischen Landwirtschaft und Industrie) gezielt die Anlage von Agrostädten betrieben worden.

Eine Auswirkung des Industrialisierungsprozesses, die bislang in der Agrarwirtschaft nicht von großer Bedeutung war, ist die Überproduktion. Sie trat in den USA früher auf als in der EG. Folgen sind länger anhaltende Krisen mit Betriebszusammenbrüchen, zunehmende Verschuldung und eine Reduzierung der Produktionseinheiten. Durch die technologische Entwicklung werden immer neue Produktionssteigerungen möglich, so daß sich die Agrarwirtschaft in einer overproduction trap befindet.

Die beständige Reduzierung der Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe als Folge des Industrialisierungsprozesses kann gravierende soziale und raumstrukturelle Folgen haben. Soziale Isolation der verbleibenden Landwirte, nahezu völlige Entleerung in manchen Gebieten, wachsende Marginalisierung der Produktionsräume und Identitätsverluste sind deutliche Entwicklungen in den USA. Vergleichbare Entwicklungen werden auch für Deutschland befürchtet.

Zu den ökologische Auswirkungen gehören in den USA vor allem Bodenerosion, Bodenversalzung sowie Einträge von Agrarchemikalien in das Grundwasser, in der Bundesrepublik vornehmlich Probleme mit der Verwendung tierischer Exkremente. Dazu treten ungelöste tierethische Fragen im Zusammenhang mit der Massentierhaltung.

Von Kritikern wird für die industrielle Landwirtschaft die Gefahr gesehen, daß landwirtschaftliche Produkte mit industriellen Werkstücken auf eine Stufe gestellt werden, die in einer Fabrik am Fließband oder mit Robotern zu jeder Zeit in gewünschter Menge hergestellt werden. Eine solche Auffassung führt zwangsläufig dazu, aus Rohstoffen, Ressourcen und Nutztieren das Äußerste herauszuholen. Die gleiche Befürchtung gilt für manche, nicht der Nachhaltigkeit verpflichtete Formen der internationalen Forstwirtschaft.

(s. a. Agribusiness)

Weitere Informationen:

Industrielandschaft

Durch die Entwicklung von Gewerbe und Industrie entstandener Landschaftstyp, der durch anthropogene Überprägungen der Naturlandschaft gegenübersteht und der teilweise als Untertyp der Kulturlandschaft betrachtet, gelegentlich auch eigenständig neben sie gesetzt wird.

Kennzeichen der Industrielandschaft sind:

(s. a. Agrarlandschaft, Umweltwirkungen)

Industriepflanzen

Kulturpflanzen und Nutzpflanzen, deren Kraut, Wurzeln, Rinde, Früchte oder Saft ganz oder überwiegend als Industrierohstoff Verwendung finden. Ihre Substanzen werden dabei in eine höhere Veredlungsstufe überführt. Industriepflanzen finden sich u.a. in der Gruppe der Faserpflanzen, der Ölfrüchte sowie der Gewürz- und Genußmittelpflanzen.

(s. a. nachwachsende Rohstoffe)

Infiltration

Bewegung des in den Boden (aus Niederschlägen, Beregnung oder Überstauung) eindringenden, der Schwerkraft oder den inneren Bindungskräften folgenden Wassers. Ein Teil des infiltrierenden Wassers durchdringt den Boden und erreicht als Sickerwasser den Grundwasserspiegel. Ein anderer Teil wird im Boden durch Kapillarwirkung und durch Bindung an Bodenteilchen als Haftwasser festgehalten. Die Feldkapazität gibt an, welche Wassermenge ein Boden bei ungehindertem Durchlauf maximal festhalten kann.

Die Infiltrationsrate kennzeichnet den Verlauf der Infiltration und gibt die Wassermenge (in mm oder cm Regenhöhe) an, die je Zeiteinheit in den Boden gelangt.

Insektizide

Pflanzenschutzmittel zum Abtöten von Insekten. Je nachdem, ob sie v.a. zur Bekämpfung der Ei-, Larven- oder Adultstadien eingesetzt werden, unterscheidet man Ovizide, Larvizide und Adultizide. Nach ihrer physiologischen Wirkung kann man zwischen Kontaktgiften, Fraßgiften und Atemgiften unterscheiden. Ein weiteres wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist ihre chemische Zusammensetzung.

Insellandwirtschaft

Vorstellung von der inselhaften räumlichen Verteilung landwirtschaftlicher Produktion in Deutschland, vor allem beim Marktfruchtbau. Das Konzept gilt als Konsequenz des gegenwärtig bestimmenden, globalwirtschaftlich erzwungenen Trends einer sich ständig vertiefenden Intensivierung an Gunststandorten und der gleichzeitigen Aufgabe benachteiligter Nutzflächen. Mit diesem Rückzug aus der Fläche wird langfristig eine Entwicklung für möglich gehalten, derzufolge leistungsstarke, international wettbewerbsfähige, subventionsfrei wirtschaftende Agrarbetriebe sich in acht naturräumlich bevorzugten deutschen Regionen konzentrieren werden und der weitaus größere übrige Teil Deutschlands für arbeitsextensive Landwirtschaft (z.B. Mutterkuhhaltung statt Milchwirtschaft), für nichtagrarische Nutzungen und Renaturierung zur Verfügung steht. Die höchstbonitierten Standorte nach der Reichsbodenschätzung liegen vor allem in der den Mittelgebirgen nordwärts vorgelagerten Lößbodenzone sowie im Rhein-Main-Neckar-Talebenenbereich. Der größere Teil des deutschen Territoriums weist natürliche Produktionsbedingungen im Grenzertragsbereich bzw. mit geringem Flächenertragspotential auf. Hierzu gehören vor allem die großflächig verbreiteten grundwasserfernen Geest-, Heide- und Sanderareale, aber auch ertragsschwache, grünlandbetonte Mittelgebirgslagen.

Die Struktur der Landwirtschaft und das Landschaftsbild ändern sich bei diesem Agrarinselkonzept gravierend (deutlich weniger Betriebe, weniger landwirtschaftliche Arbeitskräfte, weniger Kulturlandschaft, mehr Naturlandschaft.). Die Belastungen der Steuerzahler als auch der Konsumenten wird niedrig sein, mit Aussenhandelspartnern ergeben sich weniger Konflikte. Fragen der mit der Intensivierung verbundenen Umweltbelastung bleiben bislang ebenso offen, wie die nach den ausbleibenden positiven externen Effekten bei einem Rückzug der Landwirtschaft.

(s. a. Extensivierung, Integration, Segregation)

INSPIRE

Engl. Akronym für Infrastructure for Spatial Information in the European Community; eine Initiative der Europäischen Kommission mit dem Ziel, Geodienste und -daten einheitlich in ganz Europa online über das Internet bereitzustellen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde am 15. Mai 2007 die Richtlinie 2007/2/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Schaffung einer Geodateninfrastruktur innerhalb der Europäischen Union in Kraft gesetzt.

Durch die Umsetzung der Richtlinie wird die grenzüberschreitende Nutzung von Geodaten, beispielsweise zu Adressen, Grundstücken, Verkehrsnetzen oder Schutzgebieten, erleichtert. In der Praxis fordert INSPIRE eine einheitliche Beschreibung der Geodaten und deren Bereitstellung im Internet, mit Diensten für Suche, Visualisierung und Download. Auch die Daten selbst müssen in einem einheitlichen Format vorliegen.

Alle über INSPIRE-Webdienste nutzbaren Geodaten werden im Rahmen der Geodateninfrastruktur Deutschland auch innerhalb Deutschlands über das Internet bereitgestellt.

Wem nützt INSPIRE?

Außerdem leistet Europa im Rahmen der gemeinschaftlichen Aktivitäten Copernicus und INSPIRE wichtige und koordinierte Beiträge zum Globalen Erdbeobachtungssystem der Systeme (GEOSS).

Weitere Informationen:

Integration

1. Häufig auch Ökologisierung genanntes Konzept der flächendeckend umweltschonenden - d.h. in der Regel extensiveren - Landbewirtschaftung (Kombinationsprinzip). Gleichzeitig wird als Ziel die Einführung des ökologischen Landbaues auf der gesamten Fläche vorgegeben. Beim Vernetzungsprinzip innerhalb des Integrationskonzeptes sind Agrarflächen und die Flächen ungenutzter bzw. ökologisch gezielt bewirtschafteter, naturnaher Biotope zwar getrennt, aber eng benachbart und letztere konsequent vernetzt. Das Vernetzungsprinzip verspricht einen größeren ökologischen Erfolg als das Kombinationsprinzip, insbesondere hinsichtlich der Artenvielfalt. (Insellandwirtschaft, Segregation)

2. Begriff zur Kennzeichnung wirtschaftlicher Organisationsformen in der Landwirtschaft, welche zunächst in den USA in Verbindung mit dem Entstehen agrarindustrieller Unternehmen vor allem im Bereich der Nutztierhaltung aufgekommen sind. Es werden unterschieden die horizontale (z.B. Erzeugergemeinschaft) von der vertikalen Integration (z.B. Vertragslandwirtschaft). Der Druck zur Integration ergibt sich vor allem aus den Rahmenbedingungen des Marktes. Zu diesen gehören:

integrierte Schädlingsbekämpfung

Verknüpfung verschiedener Methoden der Schädlingsbekämpfung mit dem Ziel, den Einsatz von chemischen Mitteln zu reduzieren und sie mit der biologischen oder auch biotechnischen Schädlingsbekämpfung zu kombinieren. Soweit sich die Bekämpfung auf Pflanzenschädlinge bezieht, ist der Begriff gleichbedeutend mit dem des integrierten Pflanzenschutzes. Es wird versucht, die durch Schädlinge und Krankheiten verursachten Ernteverluste unterhalb des Wertes zu halten, der wirtschaftlich als noch akzeptabel gilt.

Zu den angewandten Methoden gehören:

Bei Überschreiten der sogenannten (wirtschaftlichen) Schadensschwelle werden chemische Mittel eingesetzt.

integrierter Landbau

Unter diesem Begriff werden alle standort- und umweltgerechten Pflanzenproduktionssysteme zusammengefasst, die neben ökonomischen verstärkt ökologische Anforderungen an Acker- und Pflanzenbau, Pflanzenernährungs- und Pflanzenschutzverfahren berücksichtigen. Integrierter Landbau heißt weiter, daß alle diese Verfahren gut aufeinander abgestimmt werden, um langfristig sicheren betriebswirtschaftlichen Erfolg zu garantieren. Dabei sind geeignete und vertretbare Verfahren des Acker- und Pflanzenbaues, der Pflanzenernährung und des Pflanzenschutzes stärker als bisher unter umweltverträglichen Aspekten zu betrachten. Der Integrierte Landbau kann als Weiterentwicklung des konventionellen Landbaus gesehen werden.
In der Theorie des integrierten Pflanzenbaus sind Auflagen berücksichtigt worden, die prinzipiell jede Form der Landbewirtschaftung zum Schutz von Boden, Wasser und Umwelt vor vermeidbaren Beeinträchtigungen mindestens erfüllen müßte, um als ordnungsgemäß gelten zu können. Der Integrierte Pflanzenbau greift die Vorgehensweise ursprünglicher Formen der Landbewirtschaftung wieder auf, die eingebettet waren in die bewußte oder unbewußte Nutzung der natürlichen Möglichkeiten sowie die Akzeptanz der naturgegebenen Grenzen des gesamten Agrarökosystems. Der moderne konventionelle Landbau versuchte dagegen in den vergangenen Jahrzehnten begrenzende Standortgegebenheiten durch teilweise übermäßigen Faktoreinsatz auszugleichen, mit der Folge entsprechender Umweltbelastungen. Das Konzept des Integrierten Pflanzenbaus versucht sich mit der Reduzierung dieser unsachgemäßen, überhöhten Intensität der Landbewirtschaftung (Low-Input Landwirtschaft) dem ökologischer Landbau anzunähern.

Charakteristika des Integrierten Landbaus:

Insgesamt wirkt das Konzept des integrierten Landbaus noch vage formuliert, es erscheint als rein verbale Konstruktion, bei der konkrete Definitionen, Grenzwerte, Auflagen o.ä. fehlen. Insbesondere bleibt zu klären, was im Abwägungsprozess zwischen Ökonomie und Ökologie die ökonomischen Erfordernisse sind. Da bisher keine eindeutige Abgrenzung zwischen Integriertem und "ordnungsgemäßem" konventionellem Landbau möglich ist, gibt es derzeit keine Angaben zur Zahl der Betriebe oder den Flächen, die in Deutschland nach den Regeln des Integrierten Landbaus bewirtschaftet werden.
In der Diskussion ist daneben das Konzept der integrierten Landbewirtschaftung, das noch stärker als der integrierte Landbau die Gleichrangigkeit des Natur- und Umweltschutzes, der Landschafts- und Flurgestaltung, des Arten-, Gewässer-, und Bodenschutzes gegenüber der Produktionsfunktion betont. Insbesondere will sich dieses Konzept vom integrierten Pflanzenbau abheben, bei dem der Kulturpflanzenanbau dominant im Vordergrund steht.

Auswirkungen1 integrierter und ökologischer Bewirtschaftung auf relevante ökologische Konfliktfelder der landwirtschaftlichen Produktion im Vergleich mit ordnungsgemäßer (konventioneller) Landbewirtschaftung


1 Verbesserung gegenüber dem konventionellen Landbau: 0: keine, +: gering, ++: spürbar, +++: sehr deutlich
2 Pflanzenschutzmittel
Quelle: Institut für Europäische Integrationsforschung e.V. 1994

integrierter Pflanzenschutz

Ein Verfahren, in dem alle zur Ertragssicherung zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sinnvoll aufeinander abgestimmt und entsprechend gezielt zum Einsatz kommen. Entscheidendes Kriterium hierfür ist, dass dabei die Schadorganismen unter einer wirtschaftlich tolerierbaren Schadensschwelle gehalten werden können, ohne dass es dadurch zu beträchtlichen Ertragsverlusten kommt.

Der chemische Pflanzenschutz bildet zwar nach wie vor einen zentralen Bestandteil des integrierten Pflanzenschutzes, doch richtet sich sein Einsatz hierbei sowohl nach ökonomischen als auch nach ökologischen Gesichtspunkten. Erst wenn der durch den vorliegenden Befall zu erwartende Ertragsverlust die Kosten für die Pflanzenschutzmittel und deren Anwendung übersteigt, sollten diese auch zum Einsatz kommen. Ihre Anwendung ist dann räumlich und zeitlich begrenzt, und ihr Charakter ist selektiv und nützlingsschonend. Der integrierte Pflanzenschutz erfordert daher vom Landwirt zum einen genaue Kenntnisse über die Höhe der wirtschaftlichen Schadensschwelle, zum anderen auch Kenntnisse, inwieweit sich diese durch biologische, ackerbauliche und wirtschaftliche Maßnahmen beeinflussen lässt. Zu solchen Maßnahmen zählt auch die Gestaltung des Agrarökosystems, um die Reduktion von Schaderregern und die Förderung ihrer Antagonisten zu erreichen.

Integriertes Verwaltungs- und Kontrollsystem (InVeKoS)

Ein durch die Europäische Kommission schrittweise eingeführtes System von Verordnungen zur Durchsetzung einer einheitlichen Agrarpolitik in den EU-Mitgliedstaaten. Die Einführung des InVeKoS wurde im Zuge der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im Jahre 1992 beschlossen und unterliegt einer ständigen Weiterentwicklung. InVeKoS ist ein wesentliches Kontrollinstrument für die Agrarausgaben der EU. Die durch das InVeKoS ermittelten Daten fließen in das Rechnungsabschlussverfahren der EU ein.

Die Konzeption, Koordinierung sowie Kontrollfunktionen erfolgen durch die Europäische Kommission. Die EU-Mitgliedstaaten sind für die konkrete Umsetzung des InVeKoS nach dem Grundsatz der geteilten Zuständigkeit verantwortlich.

Das InVeKoS umfasst:

Weitere Informationen:

Intensität

Unter Intensität versteht man das mengenmäßige Verhältnis zweier bzw. mehrerer Produktionsfaktoren zueinander, die in einem Produktionsprozeß eingesetzt werden. In der Landwirtschaft ist nach Spielmann (1989) Intensität die Höhe der Einsatzmenge der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital je Einheit des Produktionsfaktors Boden. Die Verringerung einer Intensität führt immer zum Anstieg anderer Intensitäten. Landwirtschaft geringer Intensität, somit mit einer vor allem den Boden ausnutzenden Bewirtschaftung wird als extensiv bezeichnet.
Man unterscheidet:

Meist ist Landwirtschaft entweder arbeitskräfte- oder kapitalintensiv.
Als Variante der Kapitalintensität spricht man ferner von düngerintensiven oder auch von viehintensiven Betrieben (in Hochleistungsmilchbetrieben oder Mastbetrieben).

Bei den viehintensiven Betrieben kann man - ausgehend von der Haltungsform - unterscheiden:

Gelegentlich wird der Begriff Intensität mit dem Terminus Produktivität vermengt, etwa wenn von Flächenintensität statt von Flächenproduktivität gesprochen wird.
Größere Intensität mit dem Ziel eines höheren quantitativen oder qualitativen Leistungsoptimums führt nicht notwendigerweise zu einem wirtschaftlichen Optimum. Intensität und Intensivierung können beispielsweise zu vorzeitiger Bodenermüdung führen oder sie können so hohe Kosten verursachen, daß der Ertrag in einem unbefriedigenden Verhältnis zum Aufwand steht.
Intensität spielt in Standorttheorien (Thünensche Ringe, Christallers Zentrale-Orte-Konzept) eine wesentliche Rolle.

(s. a. nachhaltige Entwicklung, Standortfaktoren)

Intensivblattfrüchte

Siehe Hackfrüchte

Intensivfrucht

In der deutschen Betriebssystematik die Bezeichnung für einen gleichnamigen Produktionszweig, der zusammen mit den Extensivfrüchten die Produktionsrichtung Marktfrüchte bildet.

Zu den Intensivfrüchten gehören:

Intensivkultur

Unter dem Begriff Intensivkultur versteht man durch hohen Arbeits- und Kapitalaufwand und Ertrag gekennzeichneten Pflanzenbau, z.B. Zuckerrüben- und Gemüsebau, Getreidebau und Sonderkulturen. Intensive Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen führen zu Umweltbelastungen.

Intensivlandwirtschaft

Moderne Landwirtschaft mit dem Ziel, einen möglichst hohen Ertrag pro Flächeneinheit und/oder Tier zu erreichen. Sie ist vor allem durch die Anwendung hochentwickelter, anspruchsvoller Agrartechnik gekennzeichnet. Zu dem Anlagekapital und den Investitionen für Land, Gebäude, Tierbestand und Maschinenpark kommen hohe jährliche Produktionskosten hinzu. Es sind dies einerseits Ausgaben für direkte Energie in Form von menschlicher und tierischer Arbeitskraft, fossiler Brennstoffe und Elektrizität, andererseits Ausgaben für indirekte Energie, wie Dünger, Wasser, Saatgut, Herbizide, Insektizide und andere chemische Erzeugnisse.
Eine Möglichkeit um die relative Intensität der Landwirtschaft auszudrücken ist die Energiedichte, beziehungsweise die Summe der aufgewendeten (direkten und indirekten) Energieäquivalente pro Hektar Land.

Energiedichten und Proteinerträge verschiedener Agrargesellschaften

Quelle: Tivy 1993

Im Vergleich des nordamerikanischen Maisanbaus um 1700 (keine Agrarchemikalien, keine Zugtiere oder Maschinen) mit dem von 1983 ergibt sich eine Reduktion des Arbeitsbedarfs von 1.200 auf 10 h/ha. Gleichzeitig erhöht sich der Ertrag von 1,9 t auf 6,5 t/ha. Um dies zu erreichen, müssen jedoch Maschinen (mit fossilem Brennstoff), Dünger und Pestizide eingesetzt werden, teilweise wird künstlich bewässert, das Erntegut wird in großen Anlagen elektrisch getrocknet und für alle Hilfsmittel und Produkte fallen z.T. beträchtliche Transportwege an. Energetisch stehen dem Aufwand um 1700 von 3 GJ/ha (überwiegend in Form menschlicher Arbeit) ein Gewinn von 32 GJ/ha gegenüber, d.h. das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag beträgt 10,7. Der moderne Maisanbau benötigt 15mal mehr Energie (44 GJ/ha überwiegend in Form fossiler Energie, u.a. 38 % für Dünger, 21 % für Bewässerung, 12 % für Treibstoff, 10 % für Maschinen, 6 % für Pestizide), um das 3,5fache zu erwirtschaften, d.h. das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag beträgt nur noch 2,5.
Zum Teil noch drastischere Differenzen ergeben sich, wenn man den traditionellen Reisbau auf den Philippinen mit dem hochtechnisierten in den USA vergleicht.

Der Reisanbau auf den Philippinen und in den USA
im Hinblick auf die Energiebilanz und den Ertrag

Quelle: Nentwig 1995

Nach einer Modellberechnung wurden (innerhalb der Intensivlandwirtschaft) 80 GJ pflanzliche Biomasse erzeugt, um 3,6 GJ Nahrung für den Menschen herzustellen (Wirkungsgrad 3 %). Da hierfür 35,5 GJ an fossiler Energie benötigt wurden, ergibt sich eine Negativbilanz, bei der gerade der Gegenwert von 10 % der eingesetzten fossilen Energie als Nahrung gewonnen werden konnte.
Im Durchschnitt der US-amerikanischen Landwirtschaft wird seit 1975 mehr Energie verbraucht als erzeugt.

Intensivweiden

Alle Nutzungsformen gut gepflegter und gedüngter Weiden. Die Selbstvermehrung der vom Vieh gemiedenen Gräser und Kräuter wird auf Intensivweiden bekämpft.

Internalisierung externer Effekte

Das Einbeziehen der externen Effekte in den Preismechanismus. Damit ist gewährleistet, daß das Wirtschaftssubjekt, das die externen Effekte verursacht, die vollen Konsequenzen seines Handelns trägt.

(s. a. Umweltwirkungen)

Intervention

In gemeinsamen Marktorganisationen der EU zur Regelung der Binnenmärkte vorgesehene Ankaufsverpflichtung des Staates für Marktordnungsgüter zum Interventionspreis. Es soll damit ein aus wirtschaftlichen Gründen nicht vertretbares Absinken der Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte (z.B. durch Übernahme von Überschüssen, durch Lagerungsbeihilfen u.w.) verhindert werden.

In Deutschland ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) für die Durchführung der Interventionsmaßnahmen zuständig.

Bei der Intervention mit öffentlicher Lagerhaltung werden bestimmte lagerfähige Erzeugnisse angekauft, in von der BLE angemieteten Lagern gelagert und wieder verkauft, sobald Bedarf an den Agrarmärkten besteht.

Die BLE informiert über die Durchführung der Intervention mit öffentlicher Lagerhaltung mittels Richtlinien, Bekanntmachungen bzw. Informationsunterlagen, die einen Überblick über aktuelle Ankaufs-, Lager- und Verkaufsbedingungen bieten. Rechtsgrundlagen sind die entsprechenden EU- und nationalen Verordnungen.

Interventionspreis

Ein von der Europäischen Union festgelegter garantierter Mindestpreis für bestimmte Agrarprodukte wie Getreide oder Butter. Er bildete vor allem in der Vergangenheit die Grundlage für das Preissystem für landwirtschaftliche Erzeugnisse innerhalb der EU – im Gegensatz zu den Weltmarktpreisen, die starken Schwankungen unterliegen können, da sie auf dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage basieren. Der Interventionspreis wird vor allem aus den Schwellenpreisen der Produkte abgeleitet, die vom Weltmarkt in die EU importiert werden und kann künstlich auf hohem Niveau gehalten werden, um den gemeinsamen Binnenmarkt zu schützen.

Für eine Vielzahl von Produkten, die in der EU einer Marktordnung unterlagen wie Milch, Zucker oder Getreide, stellte der Interventionspreis die Untergrenze des Binnenpreisniveaus dar. Wurde diese Grenze unterschritten, mussten die Ankaufstellen der EU die angebotenen Mengen zum Interventionspreis aufkaufen. Den Erzeugern wurde somit ein Mindestpreis garantiert. Die Interventionspreise wurden in jedem Wirtschaftsjahr von den Gremien der EU neu festgelegt.

Da dieses Vorgehen Anreize zur Überproduktion schuf, wird die Festsetzung von Interventionspreisen in den letzten Jahren mehr und mehr zurückgenommen. Mit der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik sind die Interventionspreise weitgehend weggefallen.

Interzeption

Der von der Oberfläche der Vegetation aufgefangene Teil des Niederschlages, der von dort verdunstet, ehe er den Boden erreicht.

In-vitro-Fleisch

In-vitro-Fleisch (von lat. in vitro ‚im Glas‘), auch kultiviertes Fleisch (engl. cultured meat), ugs. Laborfleisch, ist das Ergebnis von Gewebezüchtung mit dem Ziel, Fleisch zum menschlichen Verzehr im industriellen Maßstab synthetisch herzustellen. Man sieht im kultivierten Fleisch ein großes finanzielles, ökologisches, gesundheitliches und tierleidfreies Zukunftspotential in unserer Ernährung.

Die Erzeugung von In-vitro-Fleisch basiert auf den Methoden der Zellkultur, insbesondere auf den Methoden der Gewebezüchtung wie die 3D-Zellkultur und das Tissue Engineering. Verwendet werden Myoblasten, ein Zelltyp, der einen Kompromiss aus Ausdifferenziertheit und Vermehrungsrate darstellt. Die Ausgangszellen können aus dem jeweiligen Tier schmerzfrei via Biopsie und ohne Tötung entnommen werden.

Weitere Informationen: