Lexikon des Agrarraums

V

Variable Kosten

Veränderliche Kosten (Gegensatz: Fixkosten) sind Kosten, die direkt z.B. durch die Tier- und Pflanzenproduktion entstehen. Dazu zählen beispielsweise Saatgut, Tierfutter, Düngemittel und Energie. In Betriebsrechnungen müssen Fixkosten und variable Kosten unterschieden werden. Variable Kosten richten sich u.a. nach Marktlage, Betriebsführung und Terminen.

Vavilov-Zentren

Nach der Theorie des russischen Pflanzenzüchters und Genetikers Nikolai-Iwanowitsch Vavilov die Entstehungszentren unserer Kulturpflanzen. Die Wildformen unserer Kulturpflanzen stammen aus geographisch eng umgrenzten Gebieten, die fast immer identisch mit den alten Kulturzentren der Menschheit sind. Allerdings dürfen die Vavilov-Zentren nicht generell mit den Domestikationsgebieten gleichgesetzt werden, sie sind vor allem Zentren der Diversität. So ist für die Gerste der Fruchtbare Halbmond als Domestikationsgebiet anzusehen, obwohl in Äthiopien eine viel größere Variabilität besteht.

Ursprungsgebiete der heutigen Kulturpflanzen nach Vavilov, ergänzt nach anderen Autoren

Quelle: Nentwig 1995

Für Pflanzenzüchter sind die Vavilov-Zentren auch heute noch eine ganz wichtige Quelle für Pflanzen mit nutzbaren Eigenschaften. Die zur Zeit schnell fortschreitende Flächenreduzierung dieser Biotope durch verstärkten Anbau von Zuchtsorten droht jedoch diese Pflanzenquelle in naher Zukunft auszulöschen.

Vega

Der Ausdruck vega bezeichnet im morphologischen Sinne das Hochflutbett eines Fließgewässers, und danach werden auch die flussnahen, ebenen Bewässerungsflächen mit Feldern, Gartenbau und Obstbau benannt. Der aus dem Arabischen stammende Begriff wird in Spanien verwendet, aber auch für Feuchtgebiete im Bereich der andinen Atacama (Chile).

Granada und Valencia

In der muslimisch-maurischen Zeit Spaniens (ab 711 n. Chr.) war Granada eine Hochburg der Wasser- und Bewässerungskultur in Andalusien. Die Vega de Granada ist eingebettet in die Hochebene von Granada, welche von den Gebirgsketten der betischen Kordillere umschlossen ist. Hauptzweck der Wasserzuleitung war in historischer Zeit die Stadtversorgung, die Flurbewässerung der Vega-Böden war eher ein Komplementärziel. Infolge der Siedlungs- und Gewerbeentwicklung sind die meisten Vega-Flächen heute überbaut und der größte Teil der alten Wasserkanäle verrohrt, gleichzeitig ist die Landwirtschaft auf die typisch moderne Bewirtschaftung umgestellt.

Das Wassergericht von Valencia, das "Tribunal de las Aguas de la Vega de Valencia" gilt als eine der ältesten Rechtsinstitutionen in Europa. Seit fast 1.000 Jahren schlichtet das Wassergericht Konflikte der Bewässerungsgemeinschaften in der Vega von Valencia. Trotz des inzwischen entstandenen touristischen Interesses an den öffentlichen Verhandlungen vor der Kathedrale, bleiben die Urteilssprüche von gleicher Verbindlichkeit wie im Mittelalter.

(s. a. Bewässerung, Huerta)

Vegetationsperiode

Zeitabschnitt, in dem die Pflanzen wachsen, blühen bzw. fruchten und aktiv sind. Die Vegetationsperiode wird oft schematisch festgelegt, z.B. von April bis September (vom Blattaustrieb im Frühjahr bis zum Blattabfall im Herbst).

Die Wärme ist ein entscheidendes Klimaelement für alle Lebensvorgänge der Pflanzen. Sie setzt Grenzen für Anbaumöglichkeiten, die kaum überschritten werden können. Jahresdurchschnittstemperaturen sagen wenig aus, viel entscheidender ist der Temperaturgang während der Vegetationsperiode. Die Periode, in der die Tagesmitteltemperaturen den Wert von 5 °C übersteigen, wird allgemein für die Kulturen der gemäßigten Breiten als thermische Vegetationszeit angenommen.

Die Dauer der Vegetationsperiode ist aus agrargeographischer Sicht eine der wichtigsten Klimagrößen. Unterschreitet sie den Wert von 90 - 100 Tagen, so wird die Rentabilitätsgrenze des Ackerbaus erreicht, selbst wenn moderne vierzeilige Gerstensorten mit 60 - 65 Vegetationstagen auskommen.

Eine kurze Vegetationsperiode ist nachteilig, weil sie

Eine hinreichend lange Vegetationsperiode ermöglicht dagegen u.U. zwei Ernten im Jahr; sie ist Voraussetzung für den Zwischenfruchtanbau, wenn nach der Hauptfrucht noch mindestens 40 - 60 Tage Vegetationszeit zur Verfügung stehen. Die Dauer der Vegetationsperiode ist allerdings nur ein grobes Kriterium für die möglichen Nutzungsweisen. Maritime Klimate haben lange Vegetationsperioden, doch ist die Reifezeit wegen der niedrigeren Sommertemperaturen und der reduzierten Einstrahlung länger. So liegen beispielsweise zwischen Blüte und Schnittreife des Roggens im Oberrheintal 51 Tage, im Wiener Becken dagegen nur 40 Tage. Die kürzere Reifezeit im kontinentaleren Klima hat allerdings niedrigere Hektarerträge zu Folge.
Gegensatz: Vegetationsruhe.

Vegetative Phase

Im Unterschied zur Vegetationsperiode bei höheren Pflanzen jener Zeitraum, in welchem Sprosse, Blätter und Wurzeln gebildet werden. Die vegetative Phase ist artspezifisch und kann je nach Art wenige Wochen bis mehrere Jahre dauern. Auf sie folgt eine reproduktive Phase, in welcher sich die Blüten- und Fruchtbildung abspielt.

Verbesserte Dreifelderwirtschaft

Siehe Dreifelderwirtschaft

Verbundsystem

Das systemartige Zusammenwirken der an einem Produktionsprozess beteiligten Elemente. Organisationsstruktur und räumliche Realisierung sind die wichtigen Aspekte der Betrachtung eines Verbundsystems. In der Landwirtschaft sind Verbundsysteme im Gefolge der Industrialisierung der agrarischen Produktion entstanden. Sie treten sowohl im Pflanzenbau als auch in der Nutztierhaltung auf.
Verbundsysteme bestehen in der Zuckerproduktion, dem Brauereiwesen und in der tropischen Plantagenwirtschaft seit längerem, sie haben aber erst nach dem 2. WK ihr Reifestadium erreicht. Standortfaktoren für Verbundsysteme sind zum einen traditionelle Steuerungsfaktoren wie die Verfügbarkeit von Rohstoffen, die günstige Lage zu den wichtigsten Märkten und das Vorhandensein billiger Arbeitskräfte, zum anderen mikro- und makroökonomische Gesichtspunkte.

Steuerungsfaktoren auf der Mikroebene

Steuerungsfaktoren auf der Makroebene

Beim Ausbleiben solcher Vertragslandwirtschaft können an ihre Stelle rasch vertikal integrierte agrarindustrielle Unternehmen treten, unter Einbeziehung der Primärproduktion (Beispiele vor allem in der Eierproduktion, der Rindermast, weniger in der Pflanzenproduktion).

Veredlung

Auch Veredelung, Veredeln, Pflanzenveredelung; das Verbinden zweier Pflanzen, dabei wird mit der Unterlage ein passender Pflanzentrieb (Edelreis) verbunden. Der Pflanzentrieb wächst dann mit der Unterlage zusammen. Es ist eine althergebrachte Form eine traditionelle Form der künstlichen vegetativen Vermehrung von verholzenden Pflanzen, typischerweise Rosen- und Obstsorten. Im Prinzip handelt es sich um eine Transplantation eines Pflanzenteiles auf eine andere Pflanze.

Nur zweikeimblättrige Pflanzen und Nacktsamer können veredelt werden; einkeimblättrige Pflanzen besitzen nicht das für den Verwachsungsprozess benötigte vaskuläre Kambium. Da beim Veredeln ein genetisches Individuum vervielfältigt wird, handelt es sich dabei um eine traditionelle Form des Klonens.

Verbundwirtschaft

Zusammenschluss von zwei oder mehreren Wirtschaftseinheiten in Form einer horizontalen oder vertikalen Integration.

Veredelung

1. Die Umwandlung von bereits in verkaufsfähiger Form gewonnener Agrarprodukte in Produkte von größerer Haltbarkeit (z.B. Getreide in Branntwein, Obst zu Süßmost) oder höherer Wertigkeit (z.B. Kartoffeln in Schweinefleisch).

2. Die Gewinnung von tierischen Erzeugnissen aus pflanzlichen Produkten (z.B. Fleisch, Fett, Milch, Eier, Wolle), obwohl sie sich z.T. auf sonst unverwertbare Stoffe wie Weidegras usw. stützt.

Die folgende Tabelle belegt, wie in der Bundesrepublik (alt) die Nachfrage nach höherwertigen und veredelten Produkten zu Lasten der Grundnahrungsmittel gestiegen ist:

Pro-Kopf-Verbrauch an höherwertigen und veredelten Agrarprodukten in der Bundesrepublik Deutschland

Quelle: Sick 1993

"Höherwertig" und "veredelt" bedeutet nicht, daß entsprechende Produkte für den Organismus des Konsumenten ein gesünderes Nahrungsmittel darstellen. Wesentliche Varianten der Veredelung werden aus Gründen der Gesundheitsvorsorge, der Ökologie, der Energieeffizienz und der gefährdeten globalen Nahrungsmittelversorgung zunehmend kritisch gesehen:

Wie erwähnt, kommt nur ein geringer Teil des Energie- und Proteingehalts von Futtermitteln bei der Umwandlung in tierische Erzeugnisse der menschlichen Ernährung zugute. 100 kg pflanzliches Eiweiß werden durch eine Milchkuh nur in 20 - 40 kg (je nach Viehrasse), durch ein Mastschwein in 4 - 13 kg tierisches Eiweiß umgesetzt.
Rund 40 % der Weltgetreideproduktion (bzw. rd. 17 % der Getreideproduktion der Entwicklungsländer), 30 % aller Fischfänge (als Fischmehl und -öl), 60 - 70 % der Ölsaaten und ca. ein Drittel der Milchprodukte werden in viehwirtschaftlicher Veredelung eingesetzt, deren Erzeugnisse vor allem in Industrieländern verzehrt werden. Die Bevölkerung der Industrieländer (rd. 25 % der Erdbevölkerung) konsumiert über viehwirtschaftliche Produkte etwa so viel Getreide wie der Rest der Menschheit.

Flächenbedarf zur Ernährung von 100 Erwachsenen/Jahr durch verschiedene Agrarprodukte* (in ha)

* Angaben resultieren aus der Gegenüberstellung des Kalorien- und Proteinertrags verschiedener Produktionszweige und des Kalorien- und Proteinbedarfs je Person und Jahr. Trotz des fiktiven Charakters der Berechnung läßt sie deutlich den Einfluss verschiedener Ernährungsweisen auf den landwirtschaftlichen Flächenbedarf erkennen.

Vereinödung

Zusammenlegung von landwirtschaftlich genutzten Grundstücken und die Aussiedlung von Hofstellen in die arrondierten Besitzflächen (Einödfluren) und damit eine Auflockerung der oft beengten Ortslagen. In Deutschland fanden solche Maßnahmen zur systematischen Neuordnung von Siedlung und Flur im Raum Oberschwaben/Allgäu vom 16. bis zum 19. Jahrhundert statt. Die Vereinödung geschah hier weitgehend unabhängig von landesherrlicher Lenkung. Ausgangspunkt war das Gebiet der Abtei Kempten. Gründe waren die ausgeprägte Gemengelage und Kleinparzellierung sowie die oft abgeschiedene Lage der Allmendweiden. Mit Hilfe eines Landvermessers wurden Fluren und Allmendweiden neu unterteilt, wobei eine Arrondierung oft mit Aussiedlung verbunden war. Zwischen Hegau, Lech und Bodensee lösten Blockfluren die Gewanneinteilungen ab, zu den Dörfern trat die Einzelsiedlung. Die Ersparnis an Zug- und Arbeitskräften war enorm. Sie führte auf indirektem Wege zu einer Verbesserung der Ernährungsleistung dieser Betriebe, die den Nichtlandwirten zugute kam.
Der Vorgang der Vereinödung endete dort, wo infolge von Sonderkulturen und dem Auftreten von großen Dörfern die Vereinödung zu schwierig wurde.

Ähnliche Maßnahmen der Dorfauflockerung und z.T. auch Dorfauflösung zugunsten arrondierter Einzelhöfe in die Flur fanden in England und Irland seit dem 15. Jahrhundert als enclosure (Einhegung), in Skandinavien seit dem 18. Jahrhundert als enskifte, storskifte, laga skifte (Schweden), Jordskifte (Norwegen) und als udskifte in Dänemark statt. Ebenso entsprechen die norddeutschen Verkoppelungen dem Prozeß der Vereinödung.

Vererbungssitte

Siehe Erbrecht, Anerbenrecht, Realteilung

Vergandung

Schweizerischer Begriff zur Beschreibung des Verwilderungsprozesses alpiner Kulturlandschaften, insbesondere der Verbuschung von Bergwiesen und -weiden als Folge der Nutzungsaufgabe von Grenzertragsflächen.

Bei aktiv betriebener Berglandwirtschaft wird das Grünland gemäht oder von Vieh abgeweidet. Gebüsch und andere für das Vieh ungeeignete Pflanzen werden im Frühsommer entfernt. Steine und Stöcke werden auf den Rain geworfen. Unterbleibt diese Pflege und Nutzung weil die Zahl der Bergbauern und damit die Bewirtschaftung der Almen zurückgeht, kommt es zu dem Prozess der Vergandung, letztlich mit einer Zunahme der Waldflächen.

Im ersten Schritt der Vergandung wachsen dornige Sträucher, die die Wiesen vor Tieren schützen sollen, später kommen größere Sträucher hinzu, so zum Beispiel der Schwarzdorn, die wiederum den sich langsam entwickelnden Bäumen Schutz bieten. Wird der Prozess der Vergandung in den Alpen nicht unterbrochen, entwickelt sich so innerhalb von 40 bis 50 Jahren ein nahezu undurchdringlicher Bergurwald. Gleichzeitig verliert die betroffene Landschaft an Artenvielfalt, die sich in den vergangenen 7.000 Jahren durch die vielfältige Bewirtschaftung der Almen ausgebildet hatte. Verschwinden nun diese verschiedenen Lebensräume, an die sich die Tiere und Pflanzen inzwischen so gut angepasst haben, sterben diese Arten auch aus.

Zudem wird die Landschaft monotoner und verliert an Attraktivität, auch für Feriengäste, die gerne freie Ausblicke geniessen.
Während die Grenzertragsflächen bis Mitte des 20. Jahrhunderts flächendeckend bewirtschaftet wurden, ist dies heute nicht mehr überall der Fall. Der Aufgabe der meist extensiv oder wenig intensiv genutzten Wiesen sowie der Sömmerungsweiden steht gleichzeitig eine Intensivierung der Flächen in den – gewöhnlich tiefer gelegenen - Gunstlagen gegenüber.

Die Gründe für die landwirtschaftliche Flächenaufgabe und die damit verbundene Wiederbewaldung in den Berggebieten liegen vor allem im Strukturwandel der Landwirtschaft. Mit dem Rückgang der Betriebe und der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte konzentriert sich die Flächennutzung zunehmend auf die maschinell nutzbaren Flächen. Die aufgegebenen Flächen liegen dagegen meist in unwegsamem Gelände und können nur mit einem hohen Arbeitsaufwand bewirtschaftet werden. Viele Arbeiten müssen in Hang- und Steillagen nach wie vor von Hand ausgeführt werden, da es aufgrund der Topographie oder einer unzureichenden Erschließung nur bedingt möglich ist, die Flächen maschinell zu bewirtschaften. Im Sömmerungsgebiet führt vor allem der rückläufige Bestand an gealpten Tieren zur Aufgabe von Weiden.

Der Prozess der Vergandung wird von unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen teilweise konträr diskutiert:

Weitere Informationen:

Vergetreidung

Vorgang der Ausdehnung des Getreidebaus im Hochmittelalter und in der frühen Neuzeit. Die agrare Tragfähigkeit wurde dadurch vergrößert. Im Erscheinungsbild der Flur brachte die Vergetreidung eine Ausweitung der Langstreifen durch zusätzliche Streifensysteme oder Blöcke mit sich. Regional gibt es auch heute Vergetreidung, z.B. durch Markterfordernisse.

Vergrünlandung

Zunahme des Grünlandes zuungunsten des Ackerlandes. Die Vergrünlandung hat in Mitteleuropa vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jh. zugenommen. Durch die Verwendung von chemischen Düngemitteln auf den besseren Böden und die damit verbundenen Ertragssteigerungen konnten in der Landwirtschaft zunehmend geringwertige Ackerflächen in Grünland umgewandelt werden. Die Vergrünlandung stellte auch vielfach eine Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung dar, die durch den Industrialisierungsprozeß bedingt war. Anpassungen an die Arbeitskräftesituation und den EG-Markt sind weitere Ursachen für diesen Vorgang, beispielsweise im Alpenvorland.

Vergüterung

Vorgang der Bildung adliger Güter. Diese erfolgte seit dem Anstieg der Preise für landwirtschaftliche Produkte im 16. Jh. Bei der Vergüterung wurden die Notlagen der ländlichen Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg ausgenutzt (Unfähigkeit, Abgaben zu leisten oder Spanndienste zu erbringen). In verschiedenen Gebieten erfuhr sie erst im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Den Inhabern von Herrengütern standen in der frühen Neuzeit im wesentlichen drei Möglichkeiten zur Erweiterung ihrer Ländereien offen: Zunächst konnten nichtbewirtschaftete und keine Zinsen liefernde, d.h. wüste bäuerliche Hufen eingezogen werden, auf Allmenden und Flurwüstungen ließen sich neue Ländereien roden, schließlich konnten Bauern zur Herausgabe ihrer Hufen gezwungen werden. Erst als in der zweiten Hälfte des 16.Jh. der Landbedarf durch die Inwertsetzung von Flurwüstungen und Außenfeldern nicht mehr gedeckt werden konnte, begann die Gutsbildung die vorhandenen bäuerlichen Strukturen zu beeinträchtigen. Durch das sogenannte Bauernlegen wurde das Herrenland arrondiert und vergrößert.

Die Veränderung der Flurstruktur ebenso wie die der Siedlungsmerkmale vollzog sich phasenhaft über längere Zeiträume hinweg. Letztere umfaßte beispielsweise den Ausbau eines Adelshofes zum Gut, das Ausdünnen von Dörfern, das Entstehen von kleinen Katenhäusern landlos gewordener Bauern in meist schematisch gestalteten Siedlungen oder das Wüstfallen des bäuerlichen Ortsbereiches.
Vor allem auf fruchtbaren Grundmoränenböden des östlichen Schleswig-Holsteins, Mecklenburgs, Pommerns, in der Dresdener Ackerebene und in der Niederlausitz entstanden sogenannte Gutslandschaften nach Ablösung der Dorfsiedlung mit Besitzgemenge durch Einzelsiedlung mit Einödlage in Großblöcken.

Verinselung

Aufsplitterung der einst kompakten Lebensräume vieler Pflanzen- und Tierarten durch Waldrodung, Agrarproduktion und Urbanisierung.

Verkoppelung

Zusammenlegung der Parzellen eines Besitzes oder einer Gemarkung zu größeren Einheiten. Umfassende Verkoppelungen in verschiedenen Teilen Europas führten in der Neuzeit zum Prozeß der Vereinödung. Die Flurbereinigung ist die moderne Form der Verkoppelung.

Zu den ersten Verkoppelungen bäuerlichen Landes ist es im nördlichen Niedersachsen und in Schleswig-Holstein im 16. Jh. gekommen. Eine Koppel bestand i.d.R. aus blockförmigem Privatland, das von einer dauerhaften Grabenziehung oder Umzäunung begrenzt wurde. Ihre Errichtung bedeutete ein Ausscheiden aus Flurzwang und gemeinsamem Weideauftrieb und damit eine Hinwendung zur Individualwirtschaft. Im strengen Sinne ist der Begriff Verkoppelung jener Umformung des Flurgefüges vorbehalten, bei der anschließend die Koppelwirtschaft eingeführt wurde. Dazu kam es häufig, aber nicht durchgängig in Schleswig-Holstein, dem Herzogtum Lauenburg und in Mecklenburg.
Den norddeutschen Verkoppelungen entsprach weitgehend die Vereinödung in Süddeutschland.

(s. a. Arrondierung)

Verlehntsleute

Siehe Altenteiler

Vermarktung

Mit Vermarktung wird der gesamte Wirtschaftsbereich zwischen Erzeugern und Verbrauchern von Gütern bezeichnet. Sie ist somit eine dem Produzenten (hier dem Landwirt) nachgelagerter Bereich. Die Vermarktung hat die grundsätzliche Aufgabe, Divergenzen zwischen Produktion und Verwendung auszugleichen, d.h. die Produkte in der richtigen Menge (quantitativer Ausgleich), zur richtigen Zeit (zeitlicher Ausgleich), am richtigen Ort (räumlicher Ausgleich) und in der gewünschten Beschaffenheit (qualitativer Ausgleich) bereitzustellen.
Wichtige Vermarktungswege für Agrarprodukte sind Direktvermarktung und indirekte oder mehrstufige Vermarktung über Erzeugergemeinschaften, Privathandelsfirmen und Genossenschaften. Es ist häufige Praxis, daß Landwirte gleichzeitig den direkten und den indirekten Absatzweg wahrnehmen.

Die einzelnen Funktionen der Absatzwirtschaft können nach technischen und ökonomischen Aufgaben unterschieden werden:

Funktionen der Absatzwirtschaft

Die Vermarktung von Gütern der Agrar- und Ernährungswirtschaft unterliegt aus technischen und ökonomischen Gründen erheblichen Veränderungen. Zur Verringerung oder Vermeidung von Reibungsverlusten bei diesem Strukturwandel nimmt der Staat in vielfältiger Weise Einfluss.

(s. a. Vertragslandwirtschaft)

vertikale Integration

1. Die planmäßige Zusammenarbeit zwischen zwei oder mehr nachgeordneten Wirtschaftseinheiten, die an der Lieferung landwirtschaftlicher Betriebsmittel, an Erzeugung, Be- und Verarbeitung sowie an Sammlung, Transport, Lagerung und Verteilung von agrarischen Urprodukten oder ihren Verarbeitungserzeugnissen mitwirken (strategische Allianz zwischen Landwirtschaft sowie vor- und vor allem nachgelagerten Marktpartnern). Auf diese Weise können neue Märkte mit homogenen Endprodukten erschlossen werden. Die Marktpartner (Inputproduzenten, Landwirtschaft, Handel, Industrie) konzentrieren sich jeweils auf ihre Kernkompetenzen. Mehr als bisher ist die Landwirtschaft somit als Glied einer Wertschöpfungskette zu begreifen, auf die der Begriff Agribusiness zu beziehen ist. Als Klammer zwischen Landwirtschaft und Ernährungsindustrie kann künftig ein Qualitätsmanagement auf der Grundlage der EU-Normenfamilie ISO 9000ff dienen.

Die sogenannte Rückwärtsintegration bedeutet die Art der Zusammenarbeit mit der vorgelagerten Stufe, also dem Betriebsmittel- und Zulieferbereich. Die Vorwärtsintegration bezeichnet die Zusammenarbeit mit dem nachfolgenden Bereich also mit den Abnehmern der Ware, der Weiterverarbeitung oder dem Handel. Die Abfolge aller Fertigungsstufen ist die Wertschöpfungskette.

Beispiel für vertikale Integration sind Verträge zwischen Milcherzeugern und Molkereien, zwischen Gemüsebauern und Konservenfabriken, zwischen Braugersteerzeugern und Mälzereien bzw. Brauereien, zwischen Zuckerrübenerzeugern und Zuckerfabriken oder zwischen Hähnchenmästern und Geflügelschlachtereien. Mehrgliedriger ist eine Allianz beispielsweise aus Zuchtunternehmen, Futtermittelproduzent, Fleischverarbeiter und Einzelhandelskette.

Solche Verträge sind eine Form, wie Landwirte in die Wertschöpfungskette eingegliedert werden. Standards und Vertragslandwirtschaft sind die wichtigsten Instrumente zum 'Orchestrieren der Wertschöpfungsketten'.

Weltweit nimmt der Trend zu, daß ganze Nahrungsketten im Wettbewerb gegeneinander antreten. Als besonders erfolgreiche Beispiele für gut funktionierende Partnerschaften und optimale Produktions- und Handelsstrukturen gelten die holländische Milchwirtschaft, die dänische Fleischwirtschaft sowie der US-Lebensmitteleinzelhandel.

Die Zusammenarbeit ist angesichts des gewandelten Absatzes von Agrarprodukten und geänderter Ansprüche an Agrarprodukte (90 % der landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden heute in Deutschland be- oder verarbeitet) wesentlich bedeutsamer als früher, als die Direktvermarktung noch im Vordergrund stand. Diese Integration wird vielfach in feste Verträge gekleidet (Vertragslandwirtschaft). Das Preisrisiko solcher Zulieferverträge kann über die Nutzung einer Warenterminbörse abgesichert werden.

Die vertikale Integration führt für die beteiligten landwirtschaftlichen Erzeuger und Vermarkter zu einer Verbesserung ihrer Marktstellung durch

Für die Realisierung von vertikalen Integrationen wird verschiedentlich ein in den USA bereits praktiziertes Werkzeug propagiert, das Supply Chain Management System. Hierbei handelt es sich um ein unternehmensübergreifendes Logistik-Konzept. Sein Ziel ist die zeitliche und mengenmäßige Optimierung des Warenflusses vom Hersteller über den Händler bis zum Verbraucher, wobei alle per EDV miteinander vernetzt sind.

Agrarprodukte als Wirtschaftsbasis in der Bundesrepublik Deutschland

Quelle: Schmitz 1998

Historisch traten vertikal integrierte agrarindustrielle Unternehmen zuerst in der Hähnchenmast in den USA auf. Gesteuert wurde der Industrialisierungsprozeß durch die kontinuierlich steigende Nachfrage nach Geflügelfleisch, niedrige Lohnkosten im Südosten der USA, günstige Frachttarife für Futtermittel aus dem Mittelwesten und die vorteilhafte klimatische Ausstattung der Staaten am südlichen Atlantik und am Golf von Mexiko.

Auch die frühere UdSSR und andere sozialistische Staaten hatten eine agrarindustrielle Integration entwickelt, welche die Agrarproduktion mit der vor- und nachgelagerten Industrieproduktion koordinierte. Das Ziel dieser vertikalen Integration bestand nicht nur darin, den Leerlauf zu verringern und die Transportkosten zu senken, sondern auch, industrielle Arbeitsplätze im Agrarraum zu schaffen und damit die Disparitäten zwischen Stadt und Land abzubauen.

2. Die Einbeziehung von Funktionen einer oder mehrerer nachgelagerter Wirtschaftsstufen in die Tätigkeit eines Einzelunternehmens. Insofern kann vertikale Integration neben organisatorischer auch rechtliche Zusammenfassung von Betrieben bedeuten.
Diese Zusammenfassung kann durch den eigenständigen Aufbau der zusätzlichen Aktivitäten oder durch Übernahme eines bisher selbständigen Unternehmens erfolgen. Für landwirtschaftliche Unternehmen handelt es sich dabei vor allem um den Handel mit Agrarprodukten oder die Be- und Verarbeitung. Sie erreichen so eine Teilhabe an der Wertschöpfung dieser Stufen.

Erfolgt eine Integration von Seiten der Landwirtschaft (Erzeugergemeinschaft übernimmt einen Schlachthof und produziert Markenware, Bspl.: Erzeugergemeinschaft Osnabrück) wird dies als vertikale Integration von unten bezeichnet. Übernimmt ein Betrieb aus dem nachgelagerten Bereich die agrare Produktionsstufe (Geflügelschlachterei integriert Zucht, Fütterung, Mast und Vermarktung, Bspl.: Wiesenhof-Hähnchen) so liegt eine vertikale Integration von oben vor.

Vertikale Integration um den Agrarbereich schafft häufig Unternehmen, die nicht mehr eindeutig dem primären oder sekundären Produktionssektor zugeordnet werden können, sondern Mischformen darstellen.

(s. a. horizontale Integration)

vertikale Landwirtschaft

Vertikale Landwirtschaft oder vertical farming ist ein Begriff der Zukunftstechnologie, die eine tragfähige Landwirtschaft und Massenproduktion pflanzlicher und tierischer Erzeugnisse im Ballungsgebiet der Städte in mehrstöckigen Gebäuden (sogenannten Farmscrapers) ermöglichen soll. Sie ist damit eine Sonderform der urbanen Landwirtschaft. Basierend auf Kreislaufwirtschaft und Hydrokulturen unter Gewächshausbedingungen sollen in Gebäudekomplexen auf mehreren übereinander gelagerten Ebenen ganzjährig Früchte, Gemüse, essbare Speisepilze und Algen erzeugt werden. Durch die Nähe zum Verbraucher spart man Transportzeit und -kosten ein.

Mit dem Konzept verbindet man den U.S.-amerikanischen Wissenschaftler Dr. Dickson Despommier, der mit seinem 2010 erschienene Buch „The Vertical Farm: feeding the world in the 21st Century“ seine Vision einer breiteren Öffentlichkeit präsentierte. Die Idee ist dabei nicht neu. Allerdingt haben Herausforderungen wie der Klimawandel, eine wachsende Weltbevölkerung und knapper werdende Ressourcen diese nun weiter vorangetrieben. Denn durch die Verlagerung der Produktion vom Boden in die Höhe und der damit verbundenen Nutzung von mehreren übereinander gelagerten Ebenen, kann mehr angebaut werden, als auf der vergleichbaren Grundfläche auf dem Boden. Zudem können Nutzpflanzen das ganze Jahr hindurch angebaut werden, da für sie optimale Bedingungen künstlich geschaffen werden können.

Hierfür benötigt man allerdings modernste Technik. Nutzungskreisläufen müssen optimiert und aufeinander abgestimmt werden, um die Produktion ressourceneffizienter zu gestalten (Controlled Environment Agriculture (CEA) technology). Derzeit gibt es weltweit daher erst eine Hand voll Pilotprojekte.

Angedacht sind die Vertical Farms vorrangig zur Erzeugung von Gemüse in urbanen Räumen. Es existieren aber auch architektonische Entwürfe, die neben der Aquakultur zusätzlich die Geflügel‐ und Schweinehaltung in das Betriebssystem integrieren. Der Betrieb einer Vertical Farm wird unter Ausnutzung möglicher regenerativer Energieformen favorisiert. Dies beinhaltet auch die potenzielle Verwertung von
organischen Abfallprodukten zu Biogas. Darüber hinaus kann das verwendete Wasser, u.a. aus der Evapotranspiration, aufgefangen und wieder genutzt werden und verbleibt somit im Kreislauf. Zudem wird ein verringerter Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden bis hin zu völligem Verzicht prognostiziert. Durch die Nutzung von erneuerbaren Energien wird die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduziert. Die Befürworter des Anbausystems machen zudem auf die geringeren Auswirkungen der landwirtschaftlichen Produktion auf den Naturhaushalt aufmerksam, der durch eine großflächige Verbreitung von „vertikalen Bauernhöfen“ geschont würde. Dies betrifft u.a. die Problematik bezüglich Bodenerosion, Artenrückgang, Umwandlung natürlicher Flächen in Ackerland sowie die Belastung des Wasserhaushalts durch Beregnungsfeldbau oder Schadstoffeintrag aus der Landwirtschaft.

Um gebäudeintegrierte Anbaukonzepte umzusetzen, bedarf es einer Vielzahl von Akteuren wie Agrarwissenschaftler, Stadtplaner, Architekten, Politik, Verwaltung, Unternehmer, Banken etc. sowie der Akzeptanz der Bevölkerung. Die Erzeugung kann beispielsweise auf Dächern in Gewächshäusern oder „Flachbeeten“ stattfinden – sogenannten Sky Gardens – innerhalb von Häusern in Form von technisch automatisierten, mehrstöckigen vertikalen Farmen oder an Außenwänden mithilfe von an Netzen oder Gittern rankenden „Obst‐ und Gemüsegärten“. Pflanzenbewuchs auf einem Dach oder an einer Fassade hat zudem den positiven Nebeneffekt, dass diese sich im Sommer weniger aufheizen, die Luftqualität verbessert und Energiekosten für die Klimatisierung eingespart werden können. (ZALF 2013)

Visionäre Vertikalfarm

Die Abbildung zeigt schematisch, wie eine vertikale Farm aussehen kann uns wie einzelne Produktionseinheiten symbiotisch ineinandergreifen. Durch die vertikale Anordnung kann die Anbaufläche theoretisch beliebig vervielfacht werden
Quelle: GenomXpressScholae

Weitere Informationen:

Verträglichkeit

Bezeichnung für die Eigenschaften von Fruchtarten, auf den ein- oder mehrmaligen Nacheinanderbau bzw. in bestimmten Folgen nicht negativ bzw. ohne wesentliche Ertragseinbußen zu reagieren. Fruchtarten, die in diesem Sinne nach sich selbst angebaut werden können, sind selbstverträglich. Fruchtarten, bei deren Aufeinanderfolge oder Selbstfolge ungünstige Wirkungen auf den Ertrag, die Qualität oder den Boden auftreten, sind miteinander oder mit sich selbst unverträglich. In der überwiegenden Mehrheit sind die ackerbaulich genutzten Fruchtarten mit sich selbst unverträglich. Deshalb müssen artspezifische Anbaupausen eingeräumt werden.

Vertragshaltung

Form der Nutztierhaltung auf Vertragsbasis. Sie tritt auf bei allen Zweigen der tierischen Veredelungswirtschaft, z.B. der Geflügel- und Schweinehaltung oder der Kälbermast. Die wichtigsten Vertragspartner für den Landwirt oder den gewerblichen Tiereigentümer sind Futtermittelfabriken, Schlachtereien und, bei stark arbeitsteiliger Produktion wie in der Geflügelhaltung, vor- oder nachgeschaltete Wirtschaftseinheiten des Produktionsablaufes, z.B. Brütereien und Aufzuchtbetriebe. Zweck der Kontrakte ist die Risikoverteilung, insbesondere des Produktionsrisikos und des Marktrisikos.

Vertragslandwirtschaft

Die im Zusammenhang mit der vertikalen Integration zu sehende, vertraglich abgesicherte enge Zusammenarbeit zwischen Landwirt und Abnehmer (z.B. Zucker-, Konserven- und Tiefkühlkostfabrik oder Schlachterei). Dabei muß der Landwirt die vereinbarte Menge eines Produktes in der festgelegten Qualität zum bestimmten Termin liefern und der Vertragspartner die Ware (oft zu einem vorher vereinbarten Preis) abnehmen. Es ergänzen sich im Idealfall so Absatzsicherheit und die Garantie über Menge, Qualität und Frische.

Die Systeme der Lebensmittelhersteller zur Qualitätssicherung, die neben der Kontrolle der eigenen Produktionsverfahren auch die Kontrolle der angebauten Rohstoffe umfassen, schreiben den landwirtschaftlichen Erzeugern von der Standort- und Sortenwahl über die Bodenbearbeitung, Saat, Düngung, Pflanzenschutz bis zur Ernte im Detail vor, welche Standards einzuhalten sind.

Als Vertragspartner gewinnen die Erzeugergemeinschaften mehr und mehr an Bedeutung, zu denen sich die Landwirte zusammenschließen, um ihre Position gegenüber den Abnehmern zu verbessern. Zwischen den Landwirten und ihren Erzeugergemeinschaften bestehen ebenfalls feste vertragliche Bindungen.

Die enge Abstimmung zwischen Erzeuger und Verarbeiter kann einen Vorsprung bei Kosten, Flexibilität, Hygiene und Vermarktung bedeuten und damit Vorteile bei den Preisen bieten.

Kritisch kann die Vertragslandwirtschaft beispielsweise im Bereich der Lohnmästerei gesehen werden, wo fremdes Vieh in den Produktionsanlagen (Ställen) ehemals selbständiger Bauern gemästet wird. Die Landwirte mußten sich aufgrund von Kapitalmangel in die Lohnabhängigkeit von Futtermittelhändlern, Schlachthöfen oder Kaufleuten begeben. Diese liefern dem Bauern die Jungtiere und nehmen ihm das schlachtreife Tier wieder ab. Einerseits sind die "Bauern" bei geringerem Verdienst vom Vermarktungsrisiko befreit, andererseits verlagern die Großmäster Verantwortung und Kosten auf fremde Ställe. Bietet der Markt keine Gewinnchancen, so liefern die Großmast-Unternehmer den lohnabhängigen Landwirten keine Jungtiere mehr.

Vertragliche Bindungen können auch auf horizontaler Ebene, also innerhalb der Landwirtschaft bestehen.

Wesentliche Bedingungen für eine Kooperationsbereitschaft auf Seiten der Landwirtschaft:

Wesentliche Bedingungen für eine Kooperationsbereitschaft auf Seiten der Abnehmer:

In Deutschland ist die Vertragslandwirtschaft noch vergleichsweise schwach ausgeprägt. Beispielsweise werden nur 15 % aller Schlachtschweine über die vertragliche Bindung an die Schlachtbetriebe geliefert, in Dänemark hingegen 95 %.

Vertragsnaturschutz

Bezeichnung für Bewirtschaftungsverträge, Biotopsicherungsverträge, Entschädigungsverträge und ähnlich bezeichnete Abkommen zwischen einzelnen Landwirten und Naturschutzbehörden der einzelnen Bundesländer zur Realisierung von Naturschutzprogrammen.

Vertriebssysteme

Die Nachfrager auf dem Markt für Agrarprodukte lassen sich in 5 Gruppen einteilen, wobei die Anteile der fünf Gruppen am Agrarmarkt von Land zu Land, je nach wirtschaftlichem Entwicklungsstand und Gesellschaftssystem variieren:

(s. a. Vermarktung)

Verwesung

Abbau der abgestorbenen organischen Ausgangsstoffe der Bodenbildung durch Organismen der Bodenflora und -fauna bis zu ionaren und molekularen Endprodukten (Mineralisation).

Viehbesatz

Der Viehbesatz wird, bezogen auf 100 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche, in Anlehnung an den Vieheinheitenschlüssel des Bewertungsgesetzes in Vieheinheiten (VE) ermittelt.

Viehbestandsdichteindex

Der Viehbestandsdichteindex gibt die Anzahl der Nutztiere pro Hektar (ha) an. Er gibt Aufschluss über die (anhand von Standardkoeffizienten aus der Zahl der Tiere errechneten) Großvieheinheiten (GVE) pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF).

Der Viehbestandsdichteindex ist ein Indikator für die Umweltbelastung durch die Viehhaltung. Die Viehhaltung trägt durch den anfallenden Dung zur Klimaveränderung (Treibhausgasemissionen) bei, und aus dem Dung stammende Nährstoffe gelangen in Wasser und Luft. Eine höhere Viehbestandsdichte hat zur Folge, dass pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche mehr Dung anfällt, wodurch die Gefahr des Nährstoffeintrags in die Umwelt zunimmt. Welche Umweltfolgen die Viehhaltung letztlich hat, hängt nicht nur von der Größe des Viehbestands ab, sondern auch von den angewandten Produktionsverfahren. Ein höherer Viehbestandsdichteindex ist somit nicht zwangsläufig mit negativen Folgen für die Umwelt verbunden.

Tierdichte im bundesweiten Vergleich

Quelle: Fleischatlas 2016

Weitere Informationen:

Vieheinheit

Der Viehbestand eines Betriebes wird nicht nur nach Vieharten (gegebenenfalls Alters-, Gewichts- und Nutzungsklassen getrennt) in Stück, sondern vielfach nach Vieheinheiten (VE) bzw. Großvieheinheiten (GV) beziffert (Bewertungsgesetz von 2000 in der Fassung von 2012). Die Berechnung der VE erfolgt nach dem Futterbedarf. Bei den Großvieheinheiten (GV) wird hingegen das Lebendgewicht der Tiere zugrunde gelegt. Der Maßstab der Vieheinheit führt zur Definition landwirtschaftlicher und gewerblicher Tierhaltung, er spielt besonders bei der Bemessung der Steuerlast eine Rolle.

Demnach entsprechen nach VE (Vieheinheiten):

Viehgangeln

Siehe Viehtritte

Viehhaltung

Betriebszweig, innerhalb landwirtschaftlicher oder gewerblicher Betriebe zur Produktion tierischer Nahrungsmittel, von Rohstoffen oder zur Bereitstellung von Arbeitsleistung. Dabei wird der Viehbestand durch eigene Nachzucht oder durch Zukauf ergänzt, die Viehzucht steht aber nicht im Vordergrund. Viehhaltung ist gewöhnlich synonym zu (Nutz)Tierhaltung, oft auch zu Viehwirtschaft.

Viehhaltung in den landwirtschaftlichen Betrieben 20131)

Quelle: BMEL

In Deutschland ist die Landwirtschaft alleine nach Geld bemessen nur noch wenig bedeutend. Gemeinsam mit Fischerei und Forstwirtschaft macht sie weniger als ein Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Die Tierhaltung ist ihr wichtigster Produktionszweig. Von den über 50 Mrd. Euro, die die deutschen Landwirte erwirtschaften entfallen etwa 11 Mrd. Euro auf die Milcherzeugung, 7,5 Mrd. Euro auf Schweinefleisch, 4 Mrd. Euro auf Rind- und Kalbfleisch und etwa 2,3 Mrd. Euro auf Geflügelfleisch.

Der Fleischverbrauch hat in den vergangenen zehn Jahren relativ konstant bei etwas mehr als 7 Millionen Tonnen gelegen. Dagegen hat sich die Fleischproduktion – gemessen an der Schlachtmenge – um fast 23 Prozent auf rund 9 Millionen Tonnen im Jahr 2016 erhöht.

Schweinefleisch ist in Deutschland nach wie vor die wichtigste Fleischart. Von 1996 bis 2016 ist der Pro-Kopf-Verbrauch allerdings von 55 auf 51 Kilogramm gesunken. Demgegenüber ist die Schlachtmenge in den letzten 20 Jahren von rund 3,6 Millionen auf rund 5,6 Millionen Tonnen stetig angestiegen. Seit 2005 ist Deutschland daher Nettoexporteur und mittlerweile der weltweit größte Exporteur von Schweinefleisch.

Eine besonders rasante Entwicklung von Produktion und Verbrauch ist beim Geflügelfleisch zu beobachten. Im Vergleich zum Schweinefleisch haben sich sowohl Produktion als auch Verbrauch nach oben entwickelt. Die Schlachtmenge bei Geflügel ist von etwas über eine halbe Million Tonnen im Jahr 1996 auf mehr als 1,5 Millionen Tonnen im Jahr 2016 gestiegen und hat damit in ihrer Bedeutung die Rindfleischproduktion überholt. 2016 haben die Deutschen 1,7 Millionen Tonnen Geflügelfleisch verbraucht, dies entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 21 kg je Einwohner.

Die Schlachtmenge von Rindfleisch ist von rund anderthalb Millionen Tonnen im Jahr 1996 auf gut eine Million Tonnen im Jahr 2016 zurückgegangen. Der Rindfleischverbrauch reduzierte sich – im Wesentlichen bedingt durch die Verbraucherverunsicherung im Zusammenhang mit BSE und der Maul- und Klauenseuche – zunächst auf unter eine Million Tonnen im Jahr 2006 und verzeichnete seitdem einen Wiederanstieg auf 1,2 Millionen Tonnen. 2016 wurden in Deutschland rund 14 kg Rind- und Kalbfleisch pro Kopf verbraucht.

Die Produktion und der Verbrauch von Schaf- und Ziegenfleisch haben in Deutschland im Vergleich zu den anderen Fleischarten eine deutlich geringere Bedeutung. Einer Schlachtmenge von 33.000 Tonnen steht (nach offizieller Statistik) ein Verbrauch von 75.000 Tonnen an Schaf- und Ziegenfleisch gegenüber.

Ein deutlicher Zuwachs der Erzeugung seit den letzten zehn Jahren ging mit einem drastischen Strukturwandel einher. Mithilfe neuer Produktionsmethoden wie Melkmaschinen, automatisierter Fütterung oder Ställen mit Spaltenböden, die das Ausmisten unnötig machen, können mehr Tiere mit weniger Arbeitskräften versorgt werden. Gleichzeitig steigt die Fleischmenge pro Tier durch Züchtung und intensivere Fütterung. Nur so sehen viele Familienbetriebe, die immer noch den größten Teil der deutschen Landwirte stellen, eine Möglichkeit, ihre Produktion fortzuführen. Die neuen Methoden erfordern in der Regel beträchtliche Investitionen in Maschinen und Gebäude. Dies führt einerseits dazu, dass Betriebe, die sich das nicht leisten können, ausscheiden. Andererseits fördert es die Spezialisierung in der Landwirtschaft, da große Investitionen meist nicht in mehreren Betriebszweigen gleichzeitig möglich sind. Bauernhöfe, auf denen mehrere Tierarten gehalten werden, werden damit immer mehr zur Ausnahme.

Während die Erzeugung von Geflügelfleisch in Deutschland seit 1994 um mehr als drei Viertel gestiegen ist, ging nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Zahl der Betriebe, die Masthühner halten, um 95 Prozent von knapp 70.000 auf 4.500 zurück. Bei der Schweinefleischerzeugung ergibt sich ein ähnliches Bild: Nahm die Produktion in den letzten zwanzig Jahren um fast die Hälfte zu, sank die Zahl der Betriebe um fast 90 Prozent auf etwa 27.000. 1994 gab es noch mehr Schweinehalter als Milchviehbetriebe in Deutschland. Heute sind es fast dreimal mehr Milchbetriebe als Schweineerzeuger, obwohl auch fast zwei Drittel die Milcherzeugung aufgegeben haben. Die Milcherzeugung nahm wegen der bis April 2015 geltenden Quotenregelung nur um etwa 15 Prozent zu.

Während die Erzeugung von Fleisch und Milch in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen hat, blieb der Verbrauch relativ konstant oder wuchs deutlich langsamer als zuvor. 1994 importierte Deutschland noch mehr Schweine- und Geflügelfleisch als es exportierte. Durch den Produktionsanstieg ist mittlerweile ein Exportüberschuss bei allen Fleischarten entstanden. Die Importe legten ebenfalls zu, allerdings langsamer als die Exporte.

Die Exporte in Länder außerhalb der EU finden überwiegend in Form von standardisierten Produkten wie Milchpulver, Schweinehälften und gefrorenen Hühnerteilen (Keulen oder Flügel) statt. Damit diese Waren wettbewerbsfähig sind, müssen die Erzeugerpreise auf dem Niveau des Weltmarktes liegen. Um dies zu erreichen, setzen die meisten Betriebe auf Größenwachstum, um durch Rationalisierung die Kosten zu senken. Dies ist ein weiterer Treiber des Strukturwandels und lässt den Betrieben kaum Spielraum, um in Tier- und Umweltschutz zu investieren.

Strukturwandel in der deutschen Tierhaltung

Quelle: Fleischatlas 2016

Weitere Informationen:

Viehhaltungssystem

1. Art und Produktionsrichtung der Nutzviehhaltung. Arnold (1997) fasst die Viehhaltungssystem zu vier Gruppen zusammen und ordnet sie nach zunehmender Intensität der Bewirtschaftung:

2. Die Bildung einer Kette aus bestimmten Haltungsformen von Nutztieren nach verschiedenen Lebensabschnitten. Es werden unterschieden:

Viehstapel

Der Bestand an lebenden Nutztieren in einem landwirtschaftlichen Betrieb.

Viehtrieb

1. Der in den Alpen im Rahmen der Almwirtschaft Ende Mai erfolgende Almauftrieb und Ende September stattfindende Almabtrieb des Viehs.

2. Wanderbewegungen des Viehs im Rahmen der Transhumanz.

Viehtritte

1. Bodenphysikalische und -ökologische sowie pflanzenökologische Wirkeffekte der Tritte von Vieh. Neben der direkten mechanischen Schädigung der Pflanzen wird der Boden verdichtet, was seinerseits wieder Auswirkungen auf die Durchwurzelbarkeit hat. Darüber hinaus hat Verdichtung komplexe Auswirkungen auf u. a. Wärme-, Wasser- und Lufthaushalt des Bodens sowie ökologische Faktoren wie Samenverbreitung. Viehtritt führt besonders bei feuchten Bodenverhältnissen auch zu Schädigungen der Grasnarbe; dabei kann es bis zum Totalausfall der Vegetation kommen. Bestimmte Stellen, wie schattige, windfreie Stellen, Unterstehplätze sowie Lieblingsfressstellen und Tränkeplätze können so zertreten werden, dass eine Nutzung der Areale langfristig ausscheidet. Es besteht ein enger Zusammenhang von Besatzdichte und Anteil von Narbenschäden nach Weidegang im Winter, ein weiterer Faktor ist die Weidedauer.

Die bodenverdichtende Wirkung der Tritte durch Kühe reicht je nach Bodenbeschaffenheit und Durchfeuchtung bis zu einer Tiefe von 10-15 cm. Durch den Tritt wird die Narbendichte gefördert. Außerdem werden auch Samen in den Boden eingetreten und können so leichter keimen.

2. Im Alpenraum auch als Viehgangeln, Kuahwegl, Kuahgangl bezeichnete Kleinstform an steilgeneigten Hängen, die als hangparallele, treppenförmige schmale Grasstufen auftreten. Sie entstehen dadurch, dass das almerfahrene Vieh beim Weiden langsam hangparallel vorwärtsgeht und dabei mit dem Kopf bergwärts frisst. Ab etwa 30 Prozent Hangneigung tritt dieses Verhalten auf. Einmal geprägte Spuren werden in der Folge bevorzugt. Sie wirken in gewissem Umfang geländestabilisierend.

Wahrscheinlich ist die Tatsache, dass Rinder steile Weiden hangparallel beweiden in ihrer Herkunft und Anatomie begründet. Rinder sind ursprünglich Steppentiere und bevorzugen daher überschaubare Ebenen. Im Gebirge bereitet ihr empfindlicher Wiederkäuermagen Probleme. Stehen die Kühe nicht parallel zum Hang, drücken die hangaufwärtigen Mägen auf die hangabwärtigen. Die Futterverwertung wird dadurch empfindlich gestört. Tatsächlich magern Kühe ohne „Bergerfahrung“ auf der Alm oft ab. Sie müssen erst von erfahrenen Tieren lernen, sich parallel zum Hang zu bewegen, um so die Mägen in Balance zu halten.

Die Trittfläche der Viehgangeln ist meist erdig, der Außenrand und der Stufenabfall aber grasbedeckt. Einerseits können Viehtritte die Hangstabilität erhöhen, da sie als Mikroterrassen aufgrund des erhöhten Muldenrückhalts zumindest in der Frühphase eines Regenereignisses abflussverzögernd wirken, und weil sie Schneekriechen verhindern. Andererseits können sie Auslöser von Bodenerosion oder Rasenwälzen sein. Auch stellen sie oft Schurfansatzpunkte für sich bewegende Schneemassen dar (Grundlawinen, Schneerutschungen, Gleitschnee), was zur Bodenerosion führt.
Insbesondere bei stärkerer Ausprägung der mit dem Viehtritt verbundenen Bodenverdichtung besteht die Gefahr des Aufreißens der Grasnarbe, was zu einer erheblichen Steigerung der Erosion, insbesondere in Form von Blaiken führt.

Viehtritte treten dort besonders häufig auf, wo die Hänge infolge Quell-, Hang- oder Grundwasseraustritt feucht sind. Die Ausprägung und damit die erosive Wirksamkeit von Viehtritten kann ferner durch die Nutzung von für die Hangneigung zu schweren Rinderrassen verstärkt werden.

Bei Nässe ist die Erosionsgefahr deutlich erhöht, weshalb die Hirten das Vieh bei einsetzenden Regenwetter von den steilen Hängen in flachere Almbereiche treiben. Heute ist das Vieh jedoch zumeist unbeaufsichtigt auf den Almflächen. Die hirtenlose Sömmerung der Rinder gilt somit als eine wesentliche Ursache der Zunahme der Erosion in den Alpen.

Viehwirtschaft

Komplexe Nutzung von in der Regel domestizierten Tieren. Die Viehwirtschaft ist in vielen Teilen der Erde aufgrund nachteiliger klimatischer Bedingungen die einzig mögliche Form der Bodennutzung (z.B. Weidewirtschaft im Sahel oder in Tundren).

Die Viehwirtschaft kann nach folgenden Kriterien gegliedert werden:

Zusätzlich bieten die Organisationsformen eine Klassifizierungsmöglichkeit. Sie orientieren sich vornehmlich am Grad der Seßhaftigkeit bzw. der (Weide-)Flächenkonstanz:

Die Viehwirtschaft konzentriert sich auf wenige Tierarten, von denen nur fünf (Rind, Schaf, Ziege, Huhn) eine weltweite Bedeutung haben. An Standorten mit extremen Klimaverhältnissen können hochspezialisierte Tierarten (z.B. Kamel, Büffel, Lama, Yak) eine wesentliche Rolle spielen. Produktivitätsunterschiede erklären, weshalb von der tierischen Nahrungsproduktion der Erde über vier Fünftel auf die gemäßigten Klimazonen und etwa 50 % auf die Industrieländer entfallen, obwohl die Entwicklungsländer über bedeutende Tierpopulationen verfügen. In nahezu allen Industrieländern sind die Verkaufserlöse aus den tierischen Produkten für die Landwirtschaft weit wichtiger als die pflanzlichen Produkte.
Die Bewirtschaftung von Wildtieren (game ranching) ist global noch unbedeutend.

(s. a. bodenunabhängige Viehhaltung, Massentierhaltung)

Viehzucht

Betriebszweig, der der zielgerichteten Auslese des Zuchtviehs gewidmet ist.

(s. a. Viehwirtschaft)

Vierfelderwirtschaft

Ein System der Fruchtfolge, mit stark betontem Getreidebau (Blattfrucht - Getreide - Getreide - Getreide).

Vierkanthof

Vierseithof, dessen Gebäude mit durchlaufender Firstlinie lückenlos miteinander zusammenschließen. Verbreitungsgebiete sind Dänemark, der Nordwesten Schleswigs sowie Oberösterreich.

Vierseithof

Hoftyp aus vier Häusern mit getrennten Firstlinien, der unabhängig voneinander in verschiedenen Bereichen Mitteleuropas entstand. Zu den Verbreitungsgebieten gehören die Lößbörden westlich von Köln und das benachbarte niederländische Limburg, der Dungau, das Isar-Inn-Hügelland, sich in Österreich fortsetzend, die Altmark, ein Streifen südöstlich Braunschweigs sowie das lößbedeckte Vorland des Erzgebirges. Gemeinsam ist diesen Gebieten großbäuerliche Wohlhabenheit und ertragreicher Ackerbau.

Vierständerhaus

Dreischiffiges Mittellängsdielenhaus, dessen Wandständer das Dachgebälk mittragen.

Villikation

Bezeichnung für eine Einheit innerhalb einer speziellen Form der Grundherrschaft im Mittelalter, die klassische oder zweigeteilte Grundherrschaft genannt wird.

Kern einer Villikation war ein Herrenhof (Fronhof, lat. curtis) mit einem selbst bewirtschafteten Landbesitz (Salland, lat. terra salica). Um diesen Fronhof gruppierten sich kleinere Bauernstellen (Hufen, lat. mansi), die vom Grundherren ausgegeben und von den Bauern selbst bewirtschaftet wurden. Von dieser Unterteilung in Fronhof und abhängige Hufen leitet sich die Bezeichnung zweigeteilte Grundherrschaft ab. Größere Grundherrschaften bestanden aus einer Vielzahl solcher Wirtschaftseinheiten.

Die Grundherrschaft kontrollierte nicht nur die Landvergabe, sondern auch den Betrieb von Gemeinschaftseinrichtungen wie Mühlen und Backhäusern, die eine hohen Investitionsbedarf erforderten, aber gleichzeitig Gewinne abwarfen.

(s. a. Villikationssystem)

Villikationssystem

System der Grundherrschaft zur Karolingerzeit. Die Villikation (lat. vilicus = Verwalter eines Landgutes, Meier) eines Feudalherrn (Adel, Stift, Kloster, Domkapitel) wurde verwaltet von Fronhöfen (Salhof, Herrenhof) mit jeweils einem Meier, der mit Dienstleistungen der Hintersassen das Herrenland (Salland, terra salica) bewirtschaftete. Zentrum jeder Villikation war die villa (oder palatium), d.h. der Wohnsitz und die Haushaltung des Feudalherrn mit zentralisierten Produktionsbereichen, in erster Linie der Landwirtschaft. Bei größeren Villikationen bestand eine hierarchische Gliederung mit dem Oberhof des Feudalherrn und einer Vielzahl von Haupt- sowie Nebenhöfen der Meier. Die Landwirtschaft auf den Herrenhöfen war arbeitsteilig organisiert. Daran waren nicht allein Bauern beteiligt. Die Viehwirtschaft der Fronhöfe wurde von ständigen Arbeitskräften betrieben, die auf dem Hof oder in unmittelbarer Nähe ansässig und mit etwas Land ausgestattet waren. Einige unter ihnen verrichteten stark differenzierte Handwerksarbeit. In manchen Villikationen - vor allem in flämischen und nordfranzösischen Gebieten - wurden in größeren Werkstätten Tuche gewoben. Das ist ein grundlegender Unterschied zwischen den Villikationen und den Gütern der Neuzeit.

Das Land der Herrenhöfe (Salland) wurde von Bauern in Fronarbeit bestellt. Die Fronbelsatungen betrugen vielfach drei tage in der Woche.

Die fehlende Freizügigkeit der Hintersassen führte zur Fixierung der Siedlungsstandorte, auch Kapellen- und Kirchenbauten trugen vermutlich dazu bei. Die großen Fronhöfe lassen sich heute noch in zahlreichen Dörfern des deutschen Altsiedellandes gut erkennen, da sie sich durch ihre Größe und bauliche Gestaltung, z.B. als große Vierseithöfe, von den Kleinbauernstellen abheben.

Vom 12. bis 13. Jahrhundert vollzog sich die Auflösung der Villikationen, auch wenn vereinzelt Villikationen noch im 14. Jahrhundert bestanden. Die Auflösung ist als organisatorische Anpassung an veränderte Verhältnisse, insbesondere an die zunehmenden Änderungen der ländlichen Machtpositionen und an die Entwicklung der Märkte im Zusammenhang mit der Entwicklung der städtischen Wirtschaft zu sehen. Leitungs- und Organisationsbefugnisse, die zuvor von der Grundherrschaft ausgeübt wurden, gingen auf das Dorf über. Eine neue Rechtsform, die Dorfgemeinde, begann sich auszubilden.

Viridarium

In der Antike im Gegensatz zum Hortus Bezeichnung für den Lustgarten.

virtueller Ressourcenverbrauch

Kalkulatorischer Verbrauch von z. B. Wasser oder Land, der direkt oder indirekt mit der Erzeugung eines Produktes im In- oder Ausland einhergeht.

(s. a. virtuelles Land, virtuelles Wasser)

virtuelles Land

Virtuelles Land umfasst jene Flächen, die für die Herstellung einer Einheit eines bestimmten Agrarprodukts beansprucht werden, was auch als „Land-Fußabdruck“ der Ware bezeichnet wird. Der internationale Warenhandel bedingt somit auch den Handel mit virtuellem Land.
Um das in einem Produkt indirekt enthaltene Land zu erfassen, muss die gesamte Lieferkette und jeder Produktionsschritt analysiert werden. Der Land-Fußabdruck einer Nation umfasst alle Landflächen, die für die Herstellung der dort verbrauchten Güter und Dienstleistungen eingesetzt wurden.

In den letzten 15 Jahren ist der weltweite Verbrauch von virtuellem Land aufgrund größerer Handelsvolumina deutlich angestiegen – verstärkt durch den Abbau von Handelsbarrieren für Güter und Dienstleistungen. Zwischen 1997 und 2007 haben die Landflächen, die in der gehandelten Biomasse zur Nahrungs- und Futtermittelerzeugung enthalten sind, weltweit um 81 Prozent zugenommen – von 382 auf 692 Millionen Hektar. Insgesamt sind die europäischen Land-Importe und -Exporte (ausgenommen Russland) von 95 auf 165 Millionen Hektar gestiegen – das ist ein Zuwachs von 74 Prozent. Im Jahr 2007 wurde fast ein Viertel des weltweiten Land-Fußabdrucks von Biomasse den Exportgütern zugeschrieben, drei Viertel entfielen auf den lokalen Verbrauch.

Die größten Netto-Importeure von Agrarland sind Japan, Deutschland und Großbritannien, die größten Netto-Exporteure China, Brasilien und Argentinien. Wenn man den Fluss von virtuellem Land spezifischen Handelsströmen zuordnet, wird deutlich, dass der Handel in Verbindung mit Weideflächen (247 Millionen Hektar), Ölsamen (122 Millionen Hektar) und Weizen (115 Millionen Hektar) den größten Anteil ausmacht.
In Europa macht der externe Land-Fußabdruck zehn Prozent der Agrarflächen aus, der interne hingegen 90 Prozent. Die Abbildung unten zeigt die Netto-Importeure und -Exporteure von virtuellem Land rund um die Erde (Farbe der Länder) und Europas Haupthandelspartner von Land (Pfeile). (Global 2000 / SERI)

Netto-Importeure und -Exporteure rund um die Erde sowie Europas Exporte und Importe 2007

Europa importiert große Netto-Mengen an virtuellem Land aus China (33 Mio. ha), Brasilien (19 Mio ha) und Argentinien (12 Mio ha). Es zeigt sich, dass die Nettoimporte aus China hauptsächlich aus Weideflächen (80 %) bestehen, in Brasilien aus Weideflächen (37 %) und Ölsamen (30 %), ebenso in Argentinien, wo 47 % auf Weideflächen und 40 % auf Ölsamen entfallen. Daneben importiert Europa auch große Mengen an nicht-agrarischem Land, insbesondere durch forstwirtschaftliche Produkte. Eine frühere Studie für das Jahr 2003 geht davon aus, dass sich der Land-Fußabdruck der EU-27-Staaten mehr als verdoppeln würde, wenn man diese Produkte mit einrechnet.

Anmerkung: Die Breite der Pfeile spiegelt das Volumen der Handelsströme von virtuellem Land wider.
Quelle: Global 2000 / SERI 2013

Weitere Informationen:

virtuelles Wasser

Die Wassermenge, die nach einer umfassenden Bilanz als insgesamt tatsächlich für die Herstellung eines Produkts anfiel. Der Begriff wurde um 1995 von dem englischen Geographen John Anthony Allan (*1937) geprägt. Nach dieser Bilanzierung werden in Deutschland pro Einwohner und Tag rund 4.000–5.000 Liter Wasser genutzt, bei der Herstellung eines Mikrochips beispielsweise 32 Liter, bei der Herstellung eines Kilogramms Rindfleisch 15.000 Liter. Zwar beträgt der tägliche Haushaltswasserbedarf in Deutschland weniger als 130 l pro Person, so wird beim virtuellen Wasser dieser auf den ersten Blick verdeckte Wasserverbrauch mitberücksichtigt, um den tatsächlichen Verbrauch anzugeben.

Bei der Erzeugung von Rindfleisch ist nicht nur die Verwendung von Trinkwasser für die Tiere zu berücksichtigen, sondern auch der natürliche Niederschlag und die Bewässerung für Felder und Wiesen, welche das Futter für die Tiere liefern.

Der Handel mit Agrarprodukten ist indirekt auch ein Handel mit virtuellem Wasser. Der Wasserbedarf landwirtschaftlicher Produkte variiert von Region zu Region teilweise sehr stark. Um ein Kilo Getreide in Marokko anzubauen, müssen etwa 2.700 Liter Wasser aufgewendet werden. Die gleiche Getreidemenge kann in Deutschland mit nur 520 Litern Wasser hergestellt werden. Es zeigt sich, dass nicht die Menge des verbrauchten Wassers, sondern dessen Herkunft entscheidend ist. In Indien oder im Mittleren Osten lässt sich durch den Import von Agrarprodukten Wasserknappheit verringern. In Ländern Südeuropas hingegen verstärkt der Export bei einer Reihe von Produkten den Mangel an dieser Ressource.

Es wird unterschieden zwischen

Volkseigenes Gut

Abk. VEG; landwirtschaftlicher Großbetrieb in der ehemaligen DDR nach dem Vorbild der sowjetischen Sowchosen. Das VEG stellte die zweite wichtige Betriebsform neben der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft dar. Ihr Anteil an der bewirtschafteten LN betrug Ende der achtziger Jahre nur etwa 7 Prozent, ihre faktische Bedeutung für die Versorgung der LPG war aber sehr viel höher, da die VEG vornehmlich spezialisiert tätig waren auf den Gebieten der Viehzucht sowie der Saat- und Pflanzguterzeugung.

Die VEG hielten gut 12 Prozent des Viehbestandes der DDR, erzeugten 20 Prozent des Saat- und Pflanzgutes und 18 Prozent des Zucht- und Nutzviehs.

(s. a. Agrarpolitik,Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft)

Volkskommune

1983 im Rahmen des Transformationsprozesses abgelöste wirtschaftliche, soziale und administrative Gemeinschaft im ländlichen Raum der Volksrepublik China mit einem sehr hohen Vergesellschaftungsgrad. Volkskommunen entstanden 1958 durch den Zusammenschluß kleinerer Produktionsgenossenschaften, welche nach der Revolution (1949) entsprechend sowjetischem Vorbild geschaffen wurden. Die Volkskommunen versuchten alle wichtigen Wirtschafts- und Lebensbereiche kollektiv zu steuern. So sollten sie die Umsetzung der staatlichen Planungsvorgaben im Agrarbereich erleichtern, da sie gleichzeitig Wirtschaftsverwaltungs- und Regierungsaufgaben wahrnahmen. Zudem sicherte das staatliche Handelsmonopol für Agrarprodukte den Transfer agrarischer Überschüsse für den Aufbau des städtischen Industriesektors. Gleichzeitig sollte mit dieser Struktur das Problem der Unterbeschäftigung auf dem Lande (Masseneinsätze beim Bau von Bewässerungssystemen oder bei der Urbarmachung von Agrarland) gelöst werden. Eine Wohnsitzkontrolle verhinderte die Abwanderung überschüssiger Arbeitskräfte auf die städtischen Arbeitsmärkte.

Die Landwirtschaft sollte sich in ihrer Entwicklung nicht an "unkalkulierbaren" wirtschaftlichen Marktgesichtspunkten orientieren, sondern durch bewusst "politische" Zielsetzungen den Sozialismus direkt ansteuern - und dies in möglichst kurzer Zeit. Dabei gingen Mao Zedong und andere Vertreter des (heute so genannten) "linken" Kurses davon aus, daß die Bauern diesen Sozialisierungskurs als Befreiungsweg begreifen und ihn in "schöpferischem Enthusiasmus" sowie unter Verzicht auf materielle Anreize beschreiten würden. Die Reaktion war Passivität und Beschränkung auf das Nötigste.

Die Einkommen der Bauern stagnierten auch aufgrund der staatlichen Preispolitik mit relativ niedrigen Preisen für Agrarprodukte gegenüber den vergleichsweise hohen Preisen für industrielle Produkte. Während der Kulturrevolution wurden zudem die in geringem Umfange mögliche privatwirtschaftliche Nebengewerbeproduktion sowie die Bauernmärkte verboten.

Die Nachteile der Zentralisierung und Bürokratisierung in den zunächst 10.000 - 60.000 Einwohner umfassenden Kommunen zwangen zur Revision des Konzepts und zur Schaffung kleinerer, relativ selbständig arbeitender "Produktionsgruppen" innerhalb der Kollektive. 1979 wurde das "Eigenverantwortungssystem" eingeführt und damit die weitgehende Reprivatisierung in der Landwirtschaft eingeleitet. Gestützt wurde die neue Strategie durch staatliche Hilfen, z.B. die Reduzierung der Landwirtschaftssteuer, die gleichzeitige Erhöhung der Aufkaufpreise für landwirtschaftliche Produkte, Vergabe von Investitionshilfen an die Landwirtschaft und das Verbot, bäuerliche Haushalte oder Kollektive ohne Entgelt zur Erledigung staatlicher Aufgaben abzukommandieren. Mittlerweile existieren Volkskommunen de facto nicht mehr. An ihre Stelle traten:

Vollbauer

Dem Vollerwerbslandwirt eng verwandter Begriff für ein Mitglied der ländlichen Mittelschicht, bei dem allerdings das "Bäuerliche" als Lebensform stärker betont ist.

Volldünger

Auch Mehrnährstoffdüngemittel; unterschiedliche Nährstoff-Kombinationen vor allem aus den mineralischen Komponenten Stickstoff (N), Phosphorsäure (P2O5) und Kali (K2O).

Vollerntegerät

Landmaschine, die alle bei der Ernte anfallenden Arbeitsschritte ausführt, wie z.B. Mähdrescher, Kartoffel- und Rübenvollernter oder Baumwollpflückmaschine.

Vollerwerbsbetrieb

Veralteter Begriff der Agrarstatistik zur Kennzeichnung des Erwerbscharakters einzelner Betriebe. Danach war ein Vollerwerbsbetrieb ein landwirtschaftlicher Betrieb, der hauptberuflich bewirtschaftet wird, in dem die Familie aufgrund der betrieblichen und persönlichen Verhältnisse voll tätig ist und ihren Lebensunterhalt in der Regel ausschließlich aus dem landwirtschaftlichen Betrieb bezieht.

(s. a. Bauer, bäuerlicher Familienbetrieb)

Vollerwerbslandwirt

Angehöriger der agrarsozialen Mittelschicht, der selbständig ein genügend großes Bodeneigentum bewirtschaftet, das einer Familie mit mindestens 1 - 2 mitarbeitenden Vollarbeitskräften (Familienarbeitsverfassung) ein angemessenes, an der allgemeinen Entwicklung orientiertes Einkommen garantiert.

(s. a. Farmer, Vollbauer)

Vorfrucht

Feldfrucht, die im Vorjahr auf der gleichen Fläche angebaut wurde (Fruchtfolge). Die Vorfrucht hat häufig Auswirkungen auf den aktuellen Anbau, z.B. wenn eine Humusverbesserung durch die Vorfrucht erfolgt ist oder Krankheitsbefall durch eine geeignete Vorfrucht gemindert wird.

Vorleistungen

In den Vorleistungen sind der ertragssteigernde Aufwand (die Ausgaben für zugekaufte sowie innerbetrieblich erzeugte und verbrauchte Futtermittel, für Handelsdünger, Pflanzenschutzmittel, Saat- und Pflanzgut), die Aufwendungen für die Unterhaltung der Wirtschaftsgebäude und des Inventars, die Ausgaben für Energie, für Tierarzt und Medikamente sowie für andere Güter und Dienstleistungen zusammengefasst. Analog zum Produktionswert werden hier auch der innerbetriebliche Verbrauch an Futtermitteln und die in Anspruch genommenen landwirtschaftlichen Dienstleistungen berücksichtigt.

Die Vorleistungen für die Landwirtschaft enthalten neben den Käufen von anderen Wirtschaftsbereichen auch die Käufe von landwirtschaftlichen Einheiten. Sie enthalten nicht die Löhne für fremde Arbeitskräfte, Beiträge für Sozial- und Unfallversicherung, Schuldzinsen und Käufe von Investitionsgütern.

Der Anteil der Vorleistungen an der Enderzeugung ist in der EU auf Grund der Intensivierung und Technisierung der Landwirtschaft kontinuierlich angestiegen. EU-weit wurden 2014 und 2015 rund 60 % des Wertes der Enderzeugung für Vorleistungen ausgegeben, wobei zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten erhebliche Unterschiede bestehen. Am geringsten ist der Vorleistungsanteil mit unter 50 % in den Mittelmeeranrainern Italien, Griechenland und Spanien, wo zumeist mehrjährige Sonderkulturen (Oliven) eine bedeutende Rolle spielen und nur wenig für Maschinen und Dienstleistungen ausgegeben wird. Dagegen liegen die Anteile in baltischen und skandinavischen Ländern bei über 75 % der Einnahmen.

Vorsäss

Auch Maiensäß; den eigentlichen (Hoch-)Almweiden vorgelagerte Nutzflächen, die im Frühjahr als Vor- und im Herbst als Nachweide genutzt werden.

(s. a. Alm, Almwirtschaft)

Vorwerk

Wirtschaftshof, der zugunsten einer rationelleren Bewirtschaftung der Anbauflächen (verkürzte Wege) vom Haupthof eines landwirtschaftlichen Gutes räumlich getrennt liegt. Vorwerke wurden z.B. durch die ostelbischen Großgrundbesitzer angelegt oder aus aufgekauften Gütern umgewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden aus vielen Vorwerken selbständige Betriebe.

Vorzeitflur

Die bäuerliche Wirtschaftsfläche aus einer vergangenen Kulturlandschaft. Die Vorzeitflur kann als totale oder partielle Wüstung in der gegenwärtigen Landschaft erscheinen. Mögliche Merkmale sind: gehäufte oder gereihte Lesesteine, durch früheres Pflügen oder Hacken verursachte kleinförmige Reliefstrukturen, Spuren von Stufenrainen, Furchen und Beeten, die bei Luftaufnahmen durch streifenförmige Verfärbungen des Bodens oder der Vegetation auffallen.

(s. a. Flurnamen)