Lexikon des Agrarraums

H

Habitat

Charakteristischer Wohn- oder Standort (auch Fund- oder Sammelplatz) einer Art (oder Gruppe von Arten).

Habitatinsel

Nicht intensiv genutztes Landschaftselement (oder Teilbereich davon), das als Habitat für Pflanzen- und Tierarten der Agrarlandschaft geeignet ist.

Hacienda

Siehe Hazienda

Hackbau

Einfache, heute weitgehend in den Tropen verbreitete Form der Bodenbearbeitung mit Hacke, z.T. auch mit dem Grabstock. Beim Hackbau überwiegen die Knollengewächse. Er wird meist von Frauen betrieben. In Kulturen, die auf Hackbau basieren, findet man häufig matrilineare Erbregeln. Weltweit sollen heute noch 75 % der in der Landwirtschaft Tätigen mit Grabstock, Hacke und Spaten arbeiten.

Hackfrüchte

Gruppe von Kulturpflanzen (Knollen- und Wurzelfrüchte), bei denen das Hacken oder eine entsprechende maschinelle Bodenbearbeitung eine wesentliche Kulturmaßnahme zur Erlangung guter Erträge ist (Vermeidung von Verkrustung und Unkrautentwicklung). Heute werden auch Agrarchemikalien zur Bekämpfung von Unkräutern eingesetzt.

Während Kartoffeln, Zuckerrüben und Möhren vorwiegend zum Verkauf (Feldgemüse, Zuckerherstellung) angebaut werden, dienen Massenrüben, Gehaltsrüben, Kohlrüben und Stoppelrüben nur zu Futterzwecken. Zu diesen Futterpflanzen, die vor allem unterirdisch wachsen, können noch Topinambur und der Maniok-Strauch (Tapioka-Strauch) gezählt werden.

Hackfrüchte erfordern höheren Arbeitsaufwand und bringen besonders große Erntemengen: So liefert ein Hektar Futterrüben im Durchschnitt 1.000 dt, ein Hektar Kartoffeln meist über 400 dt; bei Weizen sind es dagegen um 75 dt/ha.

Hafer

Getreide-Art, deren Körner im Gegensatz zu Weizen, Roggen und Gerste nicht an Ähren, sondern an Rispen wachsen. Die Kulturform des Hafers ist vermutlich aus dem auch heute noch vorkommenden Flughafer gezüchtet worden. Hafer diente zunächst vor allem als Viehfutter, besonders für Pferde. Hafer ist eine wichtige Getreideart für die menschliche Ernährung. Haferkörner enthalten besonders viel Eiweiß und Fett, dazu Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Hafer wird fast ausschließlich als Sommergetreide angebaut.

Haftwasser

Bodenwasser, das nicht schwerkraftbedingt versickert, sondern durch Bindungskräfte gegen die Schwerkraft gehalten wird. Es wird gegliedert in das an Oberflächen der festen Bodenpartikel wegen seiner Dipoleigenschaften elektrostatisch gebundene Adsorptionswasser und das mehr im Inneren der Poren befindliche Kapillarwasser. Das Haftwasser ist nur in Fein- und Mittelporen zu finden.

Hagelbekämpfung

Eingriff in die wolkenphysikalischen Prozesse bei der Hagelbildung. Hagelkörner entstehen in Kumulonimbuswolken, wenn infolge der starken Vertikalbewegungen die Eiskörner in der Wolke mehrfach auf- und abwärtsgerissen werden und dabei mit unterkühlten Wassertropfen zusammenstoßen. Das Wasser lagert sich an die Eiskörner an und vergrößert sie fortwährend. Dies ist durch den schalenförmigen Aufbau der Hagelkörner belegbar.

Bei größeren Eiskörnern ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß sie als Hagelkörner die Erdoberfläche erreichen und dort ganze Getreideareale oder Obstkulturen vernichten. Werden sehr viele kleine Eiskerne in der Wolke erzeugt, so kann sich das unterkühlte Wasser in der Wolke an viele kleine Kerne anlagern, anstatt an wenige große. Bei der kleinen Korngröße ist die Wahrscheinlichkeit, daß sie beim Ausfallen schmelzen, recht groß, so daß der Niederschlag als Regen auftritt. Als künstliche Eiskerne werden in der Regel Silberjodidkristalle verwendet, da ihre Struktur denen der hexagonalen Eiskristalle sehr ähnlich ist.

Alternativ werden in Obst- und Weinkulturen verstärkt Hagelschutznetze als passive Maßnahmen gegen Hagelschlag installiert.

Weitere Informationen:

Hagenhufendorf

Auch Hagenhufensiedlung; dem Waldhufendorf verwandte, im Hochmittelalter z.B. im Weserbergland, in Schaumburg-Lippe, Mecklenburg und nördlich von Hannover eingeführter gereihter Siedlungstyp.

Eine Hagenhufensiedlung zieht sich entlang einer Straße, die parallel zu einem Bach verläuft, wobei die Straße nur einseitig bebaut wurde, während auf der gegenüberliegenden Straßenseite die zu den Höfen gehörenden handtuchförmigen Ackerflächen von 20 bis 40 Morgen Größe, die Hufe, liegen. Hagenhufensiedlungen sind eine planmäßige Siedlungsform des Hochmittelalters, die aus aneinandergereihten Besitzbreitstreifen besteht. Die Hufe waren so breit wie die Hoflage, und erstreckten sich oft über mehrere 100 Meter.

Der Begriff stammt wahrscheinlich aus dem Hagenrecht, nachdem die Besitzer ein Recht auf Einhegung des zur Nutzung erhaltenen Grunds und Bodens hatten. Noch weiter geht das Hägerrecht, das für die Hägerhufensiedlungen gilt. Hier gibt es einen Hägerjunker und besondere Hägergerichte.

Die eingehagten Grundstücke dienen als Bauerngarten und zur Kleintierhaltung. Der rückwärtig angrenzende Bach liefert das nötige Wasser. Durch diese Art der Siedlung entstanden langgezogene Straßendörfer wie Auhagen, Wiedensahl, Obershagen, Isernhagen, Kathrinhagen oder Rodewald in Niedersachsen. Hagenhufensiedlungen gab es vom Taunus bis nach Vorpommern. Die Hägerhufensiedlungsgründungen beschränken sich auf einen Raum im Bereich vom Weserbergland über das Leinebergland bis hin zum Lipperland.

Eine Übertragung erfuhr der Siedlungstyp im Zusammenhang mit der deutschen Ostkolonisation (Mecklenburg, Pommern).

(s. a. ländliche Siedlungsform)

Hakenhof

Siehe Zweiseitgehöft/-hof

Hakenpflug

Alte, aber im primitiven Ackerbau (Subtropen/Tropen) noch heute eingesetzte Pflugform mit bloßer Lockerungsfunktion. Nachteilig sind aus acker-pflanzenbaulicher Sicht neben der geringen Flächenleistung die unzureichende Bekämpfung perennierender Unkräuter sowie die meist zu geringe Arbeitstiefe (10 - 15 cm). Andererseits hat der nur oberflächliche Eingriff in den Boden Vorteile in Trockenräumen, in denen die Nährstoffe sich in den oberen Bodenschichten konzentrieren. Gleichzeitig bleiben die unteren Schichten unberührt, wodurch ein Verdunsten der dort gebundenen Feuchtigkeit verhindert wird.

Mit der Entwicklung des Hakenpflugs konnte der Ackerbau stark ausgeweitet werden. Gleichzeitig ging die Bodenbearbeitung in die Hände der Männer über.

(s. a. Bodenbearbeitung, Pflug)

halboffene Weidelandschaft

Weideflächen mit kleinflächig einzeln oder in kleinen Gruppen auf der Weidefläche oder zwischen den landwirtschaftlichen Kulturen verteilten Gehölzen, wobei die landwirtschaftliche Nutzung nur zwischen den Gehölzflächen stattfindet. Durch die kontinuierlich Beweidung werden die Weideflächen offen gehalten und eine Verbuschung verhindert.

Halboffene Weidelandschaften zählen zu den ältesten Formen der Landnutzung und sind seit neolithischer Zeit (4000 v. Chr.) bekannt.

In den Anfängen wurde diese Art der Landnutzung in Mitteleuropa in der Regel ohne systematisches Beweidungs- oder Düngermanagement und ohne Vorratshaltung von Viehfutter betrieben. Zu dieser Zeit war der Wald eine wichtige Quelle von Futter und Einstreu und damit auch von Nährstoffen für die landwirtschaftlichen Flächen. Die Übergänge zur Waldweide sind dabei fließend.

Halboffene Weidelandschaften liefern mit ihrer weltweiten Verbreitung Tierprodukte, Brennholz, Beeren, Pilze, Einstreu, Tierfutter

Heidschnucken im Steingrund, Lüneburger Heide

Quelle: Willow / Wikipedia

Halbtrockenrasen

Ein trockenes, relativ nährstoffarmes Grasland, das im Gegensatz zum Trockenrasen wiesenähnliche, dichte Bestände bildet und zahlreiche relativ breitblättrige, mehr mesomorphe Pflanzen enthält. Entstehen kann er durch Entwaldung und Beweidung bzw. Mahd.

Halmfrüchte

Die Gesamtheit der Getreidearten zur Unterscheidung von den Blattfrüchten. Halmfrüchte beschatten auf Grund ihrer morphologischen Eigenschaften den Boden nur während einer bestimmten Wachstumsphase in ausreichendem Umfang. Der Boden ist lange dem ungünstigen Einfluß von atmosphärischen Einflüssen ausgesetzt (Austrocknung oder Verschlämmung). Halmfrüchte fördern nicht die Ertragspotenzen des Bodens. Sie werden deshalb als abtragende Kulturen bezeichnet.

Halophyten

Halophyten sind Pflanzen, die an hohe Salzkonzentrationen in ihrer Umgebung angepasst sind. Dazu zählen vor allem Regionen im Ufer- oder Gezeitenbereich oder Salzwiesen. Halophyten nehmen wie andere Pflanzen zwar auch die im Boden enthaltenen Salz auf, sind jedoch in der Lage, diese entweder über spezielle Salzdrüsen wieder auszuscheiden oder in speziellen Pflanzenteilen zu deponieren, wo sie photosynthetisch aktive oder salzempfindliche Pflanzenteile und Gewebestrukturen nicht schaden. Dazu zählen zum Beispiel Mangroven, die an der Ober- und Unterseite ihrer Blätter Salzdrüsen besitzen, oder die Quinoa-Pflanze, die das überschüssige Salz in speziellen ballonartigen Blasenzellen an der Blattoberfläche quasi auslagert. In der Pflanzenforschung spielen Halophyten eine große Rolle, da sie als Vorbild für die Entwicklung neuer Nutzpflanzen mit einer höheren Salztoleranz dienen.

Hammel

Kastriertes männliches Schaf, über ein Jahr alt. Eine andere Bezeichnung: Schöps.

Handelsdünger

Alle diejenigen mineralischen und organischen Düngemittel, die in der Typenliste der Düngeverordnung aufgeführt sind und vom Landwirt gekauft werden müssen.

(s. a. Düngemittel, Dünger, Wirtschaftsdünger)

Handelsklasse

Beispielsweise von der EG definierte Handelsnorm für verschiedene Agrarprodukte, bei der vor allem Transportfähigkeit, Größe und äußere Makellosigkeit bestimmend sind. Ernährungsphysiologische Qualitäten wie Vitamingehalt oder das Fehlen von Rückständen und Zusatzstoffen kommen in diesen Klassifizierungen nicht vor. Der Grund liegt in der Zwischenschaltung von Elementen des Agribusiness zwischen Agrarproduzent und Verbraucher. Einheitliche, normierte Agrarprodukte entsprechen den Bedürfnissen dieses Komplexes nach reibungsloser Weiterverarbeitung und -verwertung (Eignung zur mechanischen Ernte, zum Tiefgefrieren, zum Transport, zur Lagerfähigkeit, zur Dosenkonservierung).

Haubarg

Einfirsthof auf der Halbinsel Eiderstedt mit Steildach, 1 - 2 Gulfen, Wohnteil in voller Breite des Wirtschaftsteils und einer nicht durchfahrbaren Diele.

Haubergwirtschaft

Kombinierte Forst-/Landwirtschaft (obsolet). Im Eichenniederwaldbetrieb zur Gewinnung von Gerberlohe wurde Getreide (im 19. Jh. meist Roggen, früher Buchweizen) zwischen den Eichenstöcken angebaut, solange die Bestandesdichte noch locker war. Das geschlagene Holz wurde über die Köhlerei vor allem zur Verhüttung von Erzen und ebenso wie der Lohkuchen (in Formen gepreßte ausgelaugte Lohrinde) zum Hausbrand genutzt. Die eingeschlagenen Flächen wurden in Brand gesetzt, um für die nachfolgende Getreidekultur einen Düngungseffekt (P und K) zu erzielen. Ab dem 5. Jahr des Stockausschlags wurde eine etwa 1 - 3-jährige Periode des Weidegangs eingeschaltet. Die Haubergwirtschaft war im Rheinischen Schiefergebirge, besonders im Siegerland, verbreitet und dort wegen ihres klugen Umgangs mit knappen Ressourcen jahrhundertelang Garant wirtschaftlicher Sicherheit.

(s. a. Feldwaldwirtschaft, Reutbergwirtschaft, Schiffelwirtschaft)

Haufendorf

Auch Haufensiedlung, teilweise auch geschlossenes Dorf als Synonym; es ist der bekannteste Typ flächiger oder geschlossener Wohnplätze mit komplexem, nicht notwendigerweise regellosem Grundriß. Zumindest in Ortsteilen weisen auch Haufendörfer regelhafte Strukturen auf, z.B. bei der Ausrichtung von Hofstätten auf Parzellen mit besonderen Funktionen (Wehrkirchhof). Als geschlossener Rechtsbezirk war der Dorfraum oft mit Zäunen bzw. dem Dorfetter gegen die Flur abgegrenzt.
Geschlossene Dörfer entstanden sowohl in primärer Anlage, als auch durch sekundäre Vorgänge der Verdichtung und des Wachstums.

Sehr dichte und große Haufendörfer finden sich in den Realteilungsgebieten Mittel- und Südhessens oder Württembergs.

(s. a. ländliche Siedlungsform)

Haufenhof

Hofform, bei der eine Trennung der Gebäude nach Funktionen und eine unregelmäßige Anordnung vorliegt. Der Haufenhof ist in den Alpenländern und in Skandinavien verbreitet.

Haupterwerbsbetrieb

Ein Betrieb, in dem das Einkommen des Betriebsinhabers (und ggf. seines Ehegatten) aus betrieblichen Quellen höher ist als das Einkommen aus außerbetrieblichen Quellen. Das Gegenstück ist der Nebenerwerbsbetrieb. Die Typisierung in Haupt- und Nebenerwerb erfolgt nur für Betriebe in der Rechtsform eines Einzelunternehmens.
Bis 2007 spielte neben der Relation von betrieblichen und außerbetrieblichen Einkommen die Arbeitsleistung (ausgedrückt in Arbeitskraft-Einheiten) je Betrieb eine Rolle.
Danach galten als Haupterwerbsbetriebe solche Betriebe, in denen

Hauptkultur

Bei mehreren auf der gleichen Fläche während des gleichen Vegetationszeitraums angebauten Folgekulturen jene Kultur mit dem höchsten Produktionswert. Sind die Produktionswerte annähernd gleich, so wird die Kultur, die den Boden am längsten beansprucht, als Hauptkultur betrachtet.

Häufelkultur

Landwirtschaftlich angebaute Frucht (z.B. Kartoffel, Spargel), zu deren optimaler Entwicklung die Erstellung von Erddämmen erforderlich ist.

Häufeln

Herstellen von Erddämmen, vor allem im Kartoffelanbau. Diese Dämme, in denen dann die Pflanzen wachsen, dienen dazu, einen günstigen Wasser-, Luft- und Wärmehaushalt im Boden zu schaffen und die Standfestigkeit zu erhöhen. Außerdem erleichtern sie die Ernte, verhüten Schäden, die durch Freiliegen der Kartoffel entstehen und dienen auch der Unkrautbekämpfung. Das Häufeln muss zur Unkrautbekämpfung vor allem beim Verzicht auf Herbizide (Ökolandbau) wiederholt werden.

Gerade bei Kartoffeln ist das Häufeln auch für den Ertrag wichtig. Kartoffeln, die nicht gehäufelt werden, haben zudem oft im Spätsommer das Problem, dass die frischen Knollen den Damm durchstoßen und das Tageslicht erblicken. An diesen Stellen bilden sie dann Solanin aus und werden grün. Das Solanin ist für uns Menschen giftig, grüne Stellen müssen also komplett vor dem Kochen entfernt werden.

Häusler

Vor allem in SW-Deutschland üblicher Begriff für einen bäuerlichen Kleinstellenbesitzer.

Hazienda

Landwirtschaftlicher Großbetrieb (span. hacienda) in von früherer spanischer Kolonialherrschaft beeinflussten Gebieten. Ihre volle Entfaltung erlangte die Hazienda im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die Hazienda-Wirtschaft war ein System zur Sicherung des Monopols am Boden und der zu seiner Bewirtschaftung erforderlichen Arbeitskräfte. Sie diente vornehmlich dem sozialen Ansehen der Besitzer, dem hacendado, während das Produktionsmotiv und die Absicht, materielle Gewinne zu erwirtschaften, zweitrangig war. Lediglich lokale Märkte wurden beliefert. Die Produktionsziele waren regional recht unterschiedlich, wobei es sich häufig um Betriebe mit Viehhaltung, aber auch um solche mit Ackerbau oder Dauerkulturen handelte. Die Arbeitskräfte erhielten eine kleine Parzelle zur Subsistenzwirtschaft. Sie waren verpflichtet, als Gegenleistung drei bis fünf Tage in der Woche für den Grundherrn zu arbeiten, der sich selbst die besten Böden vorbehielt.

Die Größe einer Hazienda variierte regional stark, konnte aber eine Fläche von mehreren tausend Hektar umfassen. Ein Teil des Grundbesitzes wurde oft verpachtet, andere Stücke wurden der Brache überlassen. Im Regelfall war der Besitzer stadtsässig und übertrug die Betriebsführung einem Verwalter, blieb aber zusammen mit seiner Familie zentrale Autorität (Absentismus). Die Besitzer waren fast ausschließlich Spanier und Kreolen und in selten Fällen Mischlinge.

Der Begriff Hazienda ist ungenau, bezieht sich aber gewöhnlich auf Landgüter von beträchtlicher Größe. Kleinere Besitztümer wurden estancia (Estanzia) oder rancho genannt. Der traditionelle Typus der Hacienda war vor allem in Mexiko und Bolivien vor den Revolutionen anzutreffen, ebenso in Chile und Peru vor 1970. Heute ist er nur noch vereinzelt in besonders wenig entwickelten Gebieten (z.B. in Kolumbien und Ecuador) vorhanden. Die brasilianische Entsprechung der Hacienda ist die Fazenda.

Neben der Landbewirtschaftung gab es auch Haziendas mit Bergwerken oder Fabriken. Viele Haziendas kombinierten diese Produktionszweige.

In den letzten Jahrzehnten benutzt man den Begriff in den USA zur Kennzeichnung eines Architekturstils im Zusammenhang mit den früheren Herrenhäusern.
Das Haziendasystem mit seinem großen Landbesitz bestand in Argentinien, Mexiko, Chile, Kolumbien, Ecuador, Mexiko, Neugranada und Peru. Ein ähnliches System bestand in kleinerem Umfang in Puerto Rico und auf den Philippinen. In dem Archipelstaat hat eine mächtige Klasse von Großgrundbesitzern (Kaziken) bis heute eine dominante Position in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, wenngleich seit 1972 Reformen initiiert wurden, um die extreme Landkonzentration sowie die damit verbundene Ausbeutung der Landbevölkerung zu mildern und so die Gefahr revolutionärer Bauernaufstände zu unterbinden.

Entstehung

Durch die Konquista fiel im 16. Jahrhundert ein Großteil des Landes in Mittel- und Südamerika an die kastilische und portugiesische Krone, die wiederum die Konquistadoren zeitlich beschränkt mit den Tributen (encomienda) indigener Gemeinden belohnten. Zusätzlich wurde im Folgenden durch Schenkungen, illegale Besetzungen und dubiose Geschäfte immer mehr Land an Konquistadoren und Siedler verteilt. Dies wurde durch den drastischen Rückgang der indigenen Bevölkerung im 16. und 17. Jahrhundert begünstigt und gerade encomenderos gründeten daraufhin häufig Haziendas. Durch die Enteignung und Privatisierung kirchlicher Güter vergrößerte sich der Großgrundbesitz in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein weiteres Mal. Auch durch technologische Entwicklungen, sowohl durch bessere Marktanbindung als auch durch bessere Produktionstechnologien, wurde die Expansion erleichtert.

Merkmale

Strukturelle Eigenschaften waren die Beherrschung der Märkte, der Böden und Wasservorkommen und der Arbeitskräfte durch die Hazienda und ihre Eigentümer in ihrer Umgebung, wobei andere Merkmale wie die hauptsächlich produzierten Produkte oder die Betriebsorganisation variierten. Während ihre Form vom 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts stabil blieb, näherte sie sich dann wegen besserer Anbindung an die (überregionalen) Märkte der Plantage an. Diese, sowie die Viehzucht-Haziendas im heutigen Argentinien und Uruguay, waren exportorientiert und größtenteils in den Regionen der Atlantikküsten Amerikas gelegen. Die Hochland-Haziendas produzierten Getreide und Vieh für nahegelegene Bergwerkszentren und spanische Kolonialstädte. Aufgrund der hohen Transportkosten in den gebirgigen Gegenden Amerikas blieben sie auf regionale Märkte beschränkt, eine Ausnahme war z. B. der Wollexport nach Europa ab den 1830er Jahren.

Lange war die Hazienda ein relativ abgeschlossenes soziales System, deren Bewohner nur sehr wenig Kontakt zur Außenwelt hatten. Viele Eigentümer der Haziendas zählten aufgrund ihrer Einkünfte zu den regionalen und nationalen Eliten.

(s. a. Estancia, Latifundium, Plantage)

Hecken

Hecken als Elemente der Flur setzen sich aus verschiedenen Bäumen und Sträuchern und ergänzend aus ein- und mehrjährigen krautigen Pflanzen und Gräsern zusammen. Sie verlaufen mehr oder weniger durchgehend und linienförmig (gebüschreiche Gehözstreifen). In der Regel besitzen sie am Boden eine Breite zwischen 2 und 15 Metern.

In "Strauchhecken" bestimmen strauchförmig wachsende Holzgewächse die Silhouette der Hecke. Häufig sind darin Holunder, Hasel und Hainbuche aber auch Dornensträucher wie Weißdorn, Schlehen, Brombeere, Himbeere und Wildrosen. Voraussetzung des strauchförmigen Wuchses ist ein gelegentliches Auf-den-Stock-setzen oder Zurückschneiden, z.B. im 5-15jährigen, niederwaldartigen Umtrieb.

"Baumhecken" werden im Gegensatz zu Strauchhecken von mehr oder weniger dichten meist unregelmäßigen Baumreihen gebildet. In ihnen kommen vor allem Baumarten mit hoher Ausschlagfähigkeit vor wie Ahorn, Linde, Esche, Hainbuche, Eberesche, Espe, Birke u.a., die früher in einem mittelwaldartigen Umtrieb genutzt wurden: das Unterholz vor allem für die Brenn- und Flechtholzgewinnung, das Oberholz als Starkholz. Nach Aufgabe der Nutzung entwickelten sich viele von ihnen im Laufe der Zeit zu reinen Baumreihen.

Hecken können gezielt vom Menschen z.B. zur Feldabgrenzung angelegt, aber auch spontan durch Sukzession entstanden sein. Sie werden mehr oder weniger regelmäßig durch Pflegemaßnahmen in einem bestimmten erwünschten Zustand erhalten oder auch zur Pflege der traditionellen Kulturlandschaft neu angelegt.

In den wenigen Fluren, die unversehrt von der Bereinigung durch die moderne Agrarindustrie geblieben sind, bilden Hecken netzartig verbundene Grünzüge. Darin sind Äcker und Wiesen in buntem Wechsel eingebettet.

Hecken zählen zu den sogenannten Grenzbiotopen. Das sind Lebensräume, in denen die Arten verschiedener Biotoptypen aufeinandertreffen und sich zu besonders reichen Gemeinschaften verbinden. Im Fall der Hecken sind dies Arten von Wald und Wiese bzw. Acker.

Hecken haben nicht nur erhaltenswerte historische Kulturelemente, sondern insbesondere aus der naturschutzfachlichen Sicht sind sie von allergrößter Bedeutung. Dazu kommt ihre bodenkonservierende Funktion in winderosionsgefährdeten Gebieten.

Von der Wortbedeutung her hatten Hecken oder Hage ursprünglich wohl vor allem die Funktion, Saatfelder vor Weidevieh und Wild zu schützen oder Viehherden zusammenzuhalten: Das germanische Wort "hagh" bedeutet "einfassen". Die bis ins 19. Jh. übliche kollektive Weidenutzung der Allmenden setzte lebende Zäune (Hecken) geradezu zwingend voraus, denn sie mussten dauerhaft von den bestellten Äckern der Dorflur abgetrennt werden. Solche Zaunhecken wird man aktiv beschnitten, verflochten und wohl auch angepflanzt haben. Vermutlich ist nur noch ein sehr geringer Teil dieser einst weit verbreiteten Grenzhecken zwischen Gemeiner Weide, Triftwegen und Ackerflur erhalten geblieben. Der größte Teil ist bei den Gemeinheitsteilungen und Flurbereinigungen (Separationen) des 19. Jahrhunderts beseitigt worden.

(s. a. Bocage-Landschaft, Knick, Lesesteinhecke)

Hecken, Feldgehölze, Feldraine

Hecken, Feldgehölze und Feldraine in der landwirtschaftlichen Flur sind keine zufälligen Bestandteile unsere Kulturlandschaft. Sie konnten sich auf schlecht nutzbaren Flächen als wertvolle Lebensräume der Tier- und Pflanzenwelt halten oder neu entwickeln.
Die drei Elemente umschließen Gärten und trennen Weiden von Ackerland, markieren Besitzgrenzen und sichern natürliche Geländekanten. Auf Lesesteinriegeln und künstlichen Böschungen, die sich durch Bewirtschaftung bildeten, konnten sie sich ebenfalls entwickeln. Sie sind also durch die landwirtschaftliche Nutzung entstanden. Ihre Ausdehnung, ihr Verlauf und ihre Größe entwickelten sich in Abhängigkeit von der Bewirtschaftung.

Daraus ergibt sich ihre heutige Gefährdung. Die Technisierung und Rationalisierung in der Landwirtschaft, bislang billige Rohstoffe und die Abwendung vom Selbstversorgungsprinzip ließen Hecken, Feldgehölze und Feldraine zu unproduktiven Bestandteilen werden, die oftmals ersatzlos beseitigt wurden.

Wo es im Jahre 1877 in Deutschland 133,4 m Hecke pro ha gab, waren es 1954 noch 93,75 m und 1979 nur noch 29,1 m. In Großbritannien förderte die staatliche Politik die Vernichtung von etwa 200.000 km Hecke.
Zunehmende Einsicht in die Bedeutung der drei Landschaftselemente tragen heute zu ihrem Erhalt und z.T. ihrer Wiederanlage bei.

Nutzung von Hecken, Feldgehölzen und Feldrainen:

Über diese direkten Nutzungen hinaus erfüllen Hecken, Feldgehölze und Feldraine weitere Aufgaben, die für die pflanzliche Produktion, den Naturhaushalt und das Landschaftsbild von Bedeutung sind. Hierzu gehören:

Schädlingsbefall in Zuckerrüben in Abhängigkeit vom Flächenanteil von Rainen und Hecken und
der mittleren Schlaggröße (Mittelwerte 1987-1988)

Quelle: Basedow 1990

Heide(landschaft)

Natürlich und/oder anthropogen bedingte Landschaft mit einer mehr oder weniger lockeren Strauch- bis Zwergstrauchformation auf gewöhnlich armen Standorten. Charakterpflanze ist das Heidekraut (Calluna vulgaris). Klimatisch bedingt kann Heide beispielsweise im nordatlantischen Bereich, am Übergang vom Wald zur Steppe im kontinentalen Bereich, oder an den oberen Waldgrenzen im Hochgebirge auftreten. Als Kulturlandschaft tritt Heide auf, wenn die Holzgewächse durch verschiedene Formen der Landnutzung niedrig gehalten werden.
In der Jungsteinzeit vor ca. 5.000 Jahren entstanden beispielsweise die ersten Calluna-Heiden NW-Deutschlands. Sie besaßen um 1800 ihre größte Ausdehnung. Noch 1832 war etwa die Hälfte des heutigen Niedersachsens Heide.

Elemente der Entwicklung und Erhaltung der Heidelandschaft in NW-Deutschland:

Heute gilt die nur in kleinen Resten erhaltene Heidelandschaft NW-Deutschlands als Museumslandschaft, die Zeugnis gibt über vorindustrielle Lebens- und Kulturformen.

Gründe für den Rückgang der Heide in NW-Deutschland ab ca. 1850:

(s. a. Plaggen, Plaggenesch)

Heinzen

Gerüste aus Pfählen mit Querholmen zur Lufttrocknung von Grasschnitt.

Hemerobie

Maß für den gesamten Einfluss des Menschen auf natürliche Ökosysteme. Die aus den griechischen Wörtern hémeros (gezähmt, kultiviert) und bíos (leben) gebildete und erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts benutzte Bezeichnung kann etwa mit Kultivierungsgrad übersetzt werden.

Die Hemerobie stellt die Gesamtheit aller Eingriffe des Menschen in den Naturhaushalt dar. Sie kann herangezogen werden, um Bereiche der Landschaft von besonders hoher Naturnähe zu bestimmen, deren Vegetation von einer relativ geringen menschlichen Einflussnahme geprägt ist. Hier treten natürliche Prozesse zunehmend in den Vordergrund. So können auch mittlerweile selten gewordene Arten auftreten, die geringere Bewirtschaftungsintensitäten benötigen. Je nach Intensität der anthropogenen Wirkungen können mehrere Hemerobiestufen unterschieden werden. Bei Ökosystemen der niederen Hemerobiestufen überwiegt die Steuerung durch natürliche, bei Ökosystemen der oberen Hemerobiestufen die Steuerung durch anthropogene Prozesse.

Als Referenz für die Einordnung aktueller Landnutzungsformen wird der Endzustand einer Sukzession im Sinne der potenziellen natürlichen Vegetation (pnV) herangezogen. Im Gegensatz dazu nimmt das Konzept der Naturnähe die ursprüngliche natürliche Vegetation als Referenz an. Während die ursprüngliche natürliche Vegetation die rekonstruierte Vegetation vor dem Sesshaftwerden des Menschen darstellt, gibt die pnV die Vegetation wieder, die sich schlagartig einstellen würde, wenn jegliche menschliche Einflüsse unterblieben. Das Konzept der Hemerobie ist demgegenüber aktualistisch ausgerichtet und gleicht einem Standortpotenzial, da es durch den Bezug auf die pnV irreversible Standortveränderungen berücksichtigt.

Es werden sieben Hemerobiestufen unterschieden, wozu Hemerobieindikatoren herangezogen werden. Je höher der Wert, desto größer ist der Eingriff des Menschen in die Landschaft. Der Wert 7 steht für eine vollständig versiegelte, also überbaute Fläche, der Wert 1 für ein vom Menschen gänzlich unbeeinflusstes Gebiet. Der Begriff bezog sich ursprünglich auf den Anteil der Neophyten (eingebürgerte Pflanzen seit 1500 n. Chr.) in der regionalen Flora. Diese Klassifikation wurde z.B. bei einer Ökotopkartierung Hollands im Maßstab 1:200.000 angewendet. Die Hemerobie wurde dabei in bezug zur potentiell natürlichen Vegetation (pnV) dargestellt. In der europäischen Kulturlandschaft sind kaum mehr natürliche, d.h. gänzlich unbeeinflusste Landschaften vorzufinden. In mehr oder weniger starkem Ausmaß hat der Mensch fast überall in die natürliche Umwelt eingegriffen. Damit übernahm er in landschaftlichen Ökosystemen eine wesentliche Reglerfunktion. Seit dem Zeitalter des Ackerbaus hat der Mensch begonnen, die Landschaft regional für seine Nutzen umzugestalten, was v.a. in der Veränderung des natürlichen Vegetationskleides zum Ausdruck kam. Seit der Industriellen Revolution im 18. Jh. greift der Mensch eine Stufe tiefer in den Naturhaushalt ein, indem z.B. zugunsten der Siedlungsentwicklung das natürliche Vegetationskleid großflächig entfernt wurde. Durch Versiegelung, Veränderungen des Großreliefs (z. B. Braunkohle-Tagebau), Einsatz von Agrarchemikalien und industrieller Schadstoff-Emmissionen wurde der Landschaftshaushalt großräumig verändert bis destabilisiert. Städtische Systeme können nur noch aufrecht erhalten werden mittels hohem Energieeinsatz für Ver- bzw. Entsorgung.

Weitere Informationen:

Herbizide

Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung unerwünschter Wildkräuter, Wildgräser und Gehölze. Die Herbizide sind die quantitativ bedeutendste Gruppe von Pestiziden geworden. Herbizide Wirkstoffe werden in Deutschland vorwiegend im Getreide-, Rüben-, Mais-, Raps- und Kartoffelbau angewendet, weniger im Grünland. Herbizide wirken entweder allgemein ätzend oder aber hemmend auf die Zellatmung, Keimung oder Photosynthese oder sie wirken als Wuchsstoffe. Je nach Zielgruppe unter den zu bekämpfenden Pflanzen kann von Graminiziden (gegen unerwünschte Gräser und andere Einkeimblättrige), Arboriziden (gegen unerwünschte Holzgewächse) oder Algiziden sprechen. Die Fungizide, die gegen Pilze wirken, werden nicht zu den Herbiziden gezählt, obwohl die Pilze traditionellerweise als Pflanzen betrachtet werden. Kontaktherbizide wirken nur an den direkt benetzten Pflanzenteilen. Wuchsstoffe führen zu übersteigertem Wachstum, Mißbildungen, Stoffwechselstörungen und Absterben der Wildkräuter. Mittel, die nur das Abfallen der Blätter bewirken, heißen Entlaubungsmittel oder Defolianten. Bodenherbizide wirken überwiegend über die Wurzeln. Selektivherbizide richten sich nur gegen bestimmte Pflanzen oder Pflanzengruppen, Totalherbizide wirken mehr oder weniger gleichmäßig gegen alle höheren Pflanzen und gelangen z.B. auf Wegen und Gleisanlagen zum Einsatz. Nach dem Zeitpunkt der Anwendung unterscheidet man Vorsaatherbizide, Vorauflaufherbizide und Nachauflaufherbizide. Die meisten Herbizide werden im Nachauflauf-Verfahren angewendet. Dieses hat den Vorteil, daß die Unkrautdichte und das Artenspektrum zum Zeitpunkt der Behandlung bekannt sind, und daß damit entschieden werden kann, welches Herbizid am geeignetsten ist und ob eine Bekämpfung überhaupt nötig und lohnend ist (Schadschwelle). In der Regel werden Flächenbehandlungen durchgeführt, bei weitstehenden Kulturen (Zuckerrübe, Mais) können auch streifenförmige Bandbehandlungen erfolgen.

Herbizidresistenz

Gentechnisch gezielt manipulierte Eigenschaft von Kulturpflanzen gegen einen neuen Typ von nicht-selektiven (NSH), wirtschaftlich interessanteren und angeblich ökologisch günstigeren Herbiziden unempfindlich zu sein (z.B. "Basta" oder "Roundup"). Man verspricht sich von der HR-Technik eine genauere Anwendung der Herbizide gegen konkurrierende Wildkräuter, da sie erst dann ausgebracht werden müssen, wenn diese Unkräuter zu einer ernsthaften Konkurrenz für die Kulturpflanzen zu werden drohen. Die bodenschützende Wirkung der Ackerkräuter bleibt so länger gewährleistet. Außerdem erspart ein Breitbandherbizid das Ausbringen von mehreren Herbiziden gegen ein jeweils kleines Spektrum von unerwünschten Wildkrautarten.
Freisetzungsversuche mit der HR-Technik betreffen in Deutschland Zuckerrüben, Raps und vor allem Mais. Mit transgenem Mais erhofft man sich einen umweltverträglicheren Anbau: Mais reagiert insbesondere im Frühsommer sehr empfindlich auf Konkurrenz durch Unkräuter, die Kultur muß daher bislang sehr früh und über lange Zeit mit Herbiziden behandelt werden. Der so erreichte geringe Bedeckungsgrad des Bodens führt im Frühsommer häufig zu großen Erosionsproblemen. Durch die sogenannte Mulchsaat von Mais kann dieser Nachteil erheblich verringert werden. Dabei wird der Mais in eine Bodenoberfläche eingesät, die von lebenden oder bereits abgestorbenem Pflanzenmaterial bedeckt ist. Diese "Bodendecker" können bereits im Herbst eingesät werden und schützen den Boden auch während der Wintermonate vor Bodenerosion. Derartige Mulchsaatsysteme sind bislang mit Mehrkosten und Ertragseinbußen verbunden. Ab dem Zeitpunkt, zu dem die Begrünung zur Konkurrenz für Mais wird, erfolgt der Basta-Einsatz.
Herbizidresistenz erleichtert auch die Einführung der bodenschonenden Bodenbearbeitung mit Direktsaat, bei der das u.a. der Unkrautbekämpfung dienende Pflügen entfällt.
Neben dem Erosionsschutz erwarten die Befürworter der HR-Technik auch eine Reduzierung der ausgebrachten Herbizidmengen, da deren Einsatz nicht mehr prophylaktisch, sondern gezielt erfolgen kann.

Positionen zur Beurteilung der HR-/NSH-Technik:

Herbizidtoleranz

Siehe Herbizidresistenz

Heterosis

Der Begriff bezeichnet die hohen Erträge und günstigen Eigenschaften bei Hybridsorten. Diese Mehrleistung gegenüber der Elterngeneration tritt in hohem Ausmaß nur in der F1-Generation auf und ist um so ausgeprägter, je reinerbiger und je weniger verwandt die Kreuzungspartner sind.

(s. a. Hybridzüchtung)

Heu

Grasschnitt, der auf dem Feld oder maschinell getrocknet wird (Futterkonservierung). Heu wird im Winter zur Fütterung von Wiederkäuern und Pferden eingesetzt. Geerntet werden Wiesen mit Gras und Wiesenkräutern, aber auch Ackerflächen mit Raps, Grünroggen, Klee und Luzerne. Wiesen werden ein bis fünf Mal pro Jahr geschnitten. In der Regel wird nur der erste Schnitt als Heu bezeichnet, alle folgenden heißen Grummet. Mähmaschinen werden von einem Traktor gezogen, mit Heuwendemaschinen wird das Mähgut mehrfach gewendet, anschließend auf Schwad (in Reihen) gelegt und zu Ballen gepresst.

Feldgetrocknetes Heu hat normalerweise einen relativ geringen und stark schwankenden Futterwert. Der Nährwert von maschinengetrocknetem Heu ist demgegenüber wesentlich höher. Wegen der schwankenden Heuqualitäten und der größeren Witterungsabhängigkeit des Heus wird heute der größte Teil des Grundfutterbedarfs für die Winterfütterung durch Silagen aus Grünfutter gedeckt. Ein völliger Verzicht auf Trockengrundfutter in der Milchviehhaltung und Jungviehaufzucht ist aber nicht zweckmäßig.

(s. a. Gerüsttrocknung)

Heuerlinge

Niederdeutsche Bezeichnung für eine agrarsoziale Gruppe, die in der zweiten Hälfte des 16. Jh. entstand. Die oberdeutschen Entsprechungen sind Kleinhäusler und Seldner. Bei fehlendem oder nur geringem Eigenbesitz wurden von den Heuerlingen kleinere Ländereien der Altbauern als Pachtland bewirtschaftet, die Pachtzahlung bestand in Arbeit auf dem Altbauernhof. Sie wohnten in Nebengebäuden der Altbauerngehöfte und trugen zur Dorfverdichtung bei.

Heuhütte

Gerüst aus gegeneinandergestellten Lattenrosten zur Lufttrocknung von Grasschnitt.

(s. a. Gerüsttrocknung)

High Nature Value Farmland-Indikator

Einer von 35 EU-Indikatoren zur Integration von Umweltbelangen in die gemeinsame Agrarpolitik der EU. Ziel ist die, für diese Region „typische“ Landschaft zu erhalten. „Flächen mit hohem Naturwert“ (High nature value farmland; HNV-Farmland) sind z.B. artenreiches Magergrünland, extensiv bewirtschaftete Äcker oder Weinberge sowie Brachen. Sie verfügen in der Regel nicht nur über eine höhere Artenvielfalt, sondern beherbergen auch seltenere und spezialisiertere Tier- und Pflanzenarten, welche in der intensiv genutzten Landschaft keine Überlebenschancen mehr haben. Auch die Agrarlandschaft strukturierende Landschaftselemente wie Gräben, Feldgehölze oder Trockenmauern, welche zusätzliche Lebensräume für viele Arten bieten, zählen zu den höherwertigen Agrarflächen. Im Sinne des Erhalts der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft ist es von großer Bedeutung, mit Hilfe von Förderinstrumenten Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert zu erhalten bzw. weiterzuentwickeln. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die HNV-Farmland-Flächenkulisse zu erfassen und deren Entwicklung über die Zeit zu beobachten. Dadurch können Erfolge und Misserfolge bei den Anstrengungen zur Verbesserung der Umweltsituation in der Landwirtschaft, die von den Ländern, dem Bund und der Europäischen Union unternommen werden, abgebildet werden.

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Hirse

Sammelbezeichnung für kleinfrüchtiges Spelzgetreide mit 10–12 Gattungen. Sie gehören zur Familie der Süßgräser (Poaceae). Hirse diente bereits vor 8000 Jahren dazu, ungesäuertes Fladenbrot herzustellen. In China wird Rispenhirse seit mindestens 4000 Jahren landwirtschaftlich genutzt. Die Rispenhirse oder Echte Hirse (Panicum miliaceum) wurde früher auch in Europa als Nahrungsmittel angebaut.

Alle Hirsearten können nach der Beschaffenheit der Körner in zwei Hauptgruppen eingeteilt werden, die Sorghumhirsen und die Millethirsen.

  1. Sorghumhirsen (Sorghum) mit deutlich größeren Körnern und damit auch höheren Hektarerträgen (14–17 dt/ha).
    Zu den wichtigsten Hirsearten der Gattung Sorghum zählt die Mohrenhirse (Sorghum bicolor). Das einjährige Gras kann eine Höhe von 5 m erreichen. In ihrem Wuchs erinnert die Mohrenhirse stark an Mais. Die markerfüllten Halme tragen bandförmige zweizeilige Blätter. An den terminalen Enden der Pflanzen sitzen aufrechte, lockere Rispen von 10–60 cm Länge, deren Ästchen jeweils 2 Ährchen tragen. Die unbespelzten Körner zählen zu den Karyopsen und haben einen Durchmesser von 4-8 mm. Je nach der Sorte können sie weiß, gelb oder rot sein.
    Die Mohrenhirse ist frostempfindlich, licht- und wärmebedürftig. Mit ihren bescheidenen Wasseransprüchen ist sie äußerst dürreresistent. Bei starker Trockenheit kann sie unter Wachstumsstillstand in eine Trockenstarre übergehen, aus der sie erst nach einsetzenden Regenfällen erwacht. Zu den verschiedenen agronomischen Typen der Mohrenhirse zählen Sudangrastyp, Zuckertyp, Fasertyp, Futtertyp und Körnertyp.
    Die Mohrenhirse ist ernährungsphysiologisch äußerst wertvoll. Sie besteht zu 60-75 % aus Kohlenhydraten, zu 8-13 % aus Proteinen von guter biologischer Wertigkeit und zu 4-6 % aus Fett. Eines der Ziele der Forschung ist es, den Nährstoffgehalt der Mohrenhirse in Hinblick auf ihren Gehalt an Vitamin A, Zink, Eisen und essentielle Aminosäure weiter zu verbessern.
    Ursprünglich stammt die Mohrenhirse aus Äquatorialafrika. Afrikanische Sklaven brachten sie Anfang des 17. Jahrhunderts in die USA. Heute wird sie in allen warmen, tropischen und subtropischen Gebieten der Erde angebaut.
    In Entwicklungsländern ist die Mohrenhirse ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Die Körner sind in ihrer Verwendung ähnlich dem Reis. Aus dem ganzen Korn werden Brei, Grütze und Fladen hergestellt und ebenso Bier gebraut. Zum Backen von Brot ist Hirse wenig geeignet.
    Die Mohrenhirse gilt aufgrund der großen und kohlenhydratreichen Biomasse als aussichtsreiche Energiepflanze zur Biogaserzeugung, vor allem in trockenen Lagen.
    Daneben wird Hirse vom Fasertyp traditionelle zur Herstellung von Besen, zur Nutzung als Baumaterial oder zur Papierherstellung angebaut. Blätter und Stroh der Mohrenhirse dienen als Viehfutter.
    Die Zuckerhirse wird zur Herstellung von Melasse, Grünfutter und Silage verwendet. In Entwicklungsländern dient sie ebenfalls als Brennstoff und Baumaterial.
    Insbesondere in den Industrienationen gewinnt die Hirse zunehmend an Bedeutung als nachwachsende Energie- und Rohstoffpflanze. In den USA wird Zuckerhirse verstärkt zur Herstellung von Bioethanol genutzt, wobei der Zucker zur Ethanolherstellung aus den Sprossachsen der Pflanze gewonnen wird. In Deutschland wird Zuckerhirse versuchsweise zur Verwendung als Biogassubstrat angebaut, da sich ähnliche Methanausbeuten wie bei der Vergärung von Maissilage erzielen lassen.
    Die Faserhirse, die auf einen besonders hohen Gehalt an Cellulose aufweist, wird ebenfalls zur energetischen Nutzung angebaut.
  2. Millethirsen (Paniceae, auch Echte Hirsen oder Kleine Hirsen genannt). Zu diesen gehören die meisten Gattungen, z.B. Rispenhirse (Panicum), Kolbenhirse (Setaria), Perlhirse (Pennisetum), Fingerhirse (Eleusine) und Teff (Eragrostis). Die Körner dieser Gattungen sind recht klein, die Erträge entsprechend gering (ca. 7–9 dt/ha). Der Begriff „Millet“ wird überwiegend in der englischen und französischen Sprache verwendet. In Afrika spricht man häufig auch von Milo oder Milocorn.

Weltweit wurden im Jahr 2013 laut FAO insgesamt 91,3 Mio. t Hirse produziert. Davon entfielen 61,4 Mio. t auf Sorghumhirsen und 29,9 Mio. t auf Millethirsen. Die produzierte Hirse wurde hauptsächlich zu Breinahrung und Futtermittel verarbeitet. Der Hektarertrag ist mit durchschnittlich 11,8 dt/ha (Millet: 9,1 dt/ha, Sorghum: 14,6 dt/ha) von allen Getreidearten der geringste. Dies ist einer der Gründe, weshalb der wesentlich ertragreichere Mais in den traditionellen Hirseanbaugebieten immer populärer wird. Allerdings hat Hirse gegenüber Mais den großen Vorteil, dass die Ernte selbst bei sehr schlechtem Wetter fast nie komplett ausfällt.

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Hof

Die landwirtschaftlichen Wohn- und Wirtschaftsbauten (Bergeraum, Ställe) werden als Hof bezeichnet, soweit sie einen landwirtschaftlichen Betrieb bilden. Dabei ist belanglos, ob sie aus mehreren Gebäuden (Mehr/Vielbauhof, Sammelhof) bestehen oder ob alle Funktionen unter einem Dach (Einheitshof/haus, Einhaus) vereint sind. Gelegentlich wird der Begriff Gehöft synonym verwendet.

Hofbauer

Eher historisch zu verstehender Typ des Vollerwerbslandwirts, der bei entsprechender Bodenausstattung ein angemessenes Einkommen pro Arbeitskraft erwirtschaften kann. Zu seinen wesentlichen Merkmalen zählen die Selbständigkeit bei der Bewirtschaftung und daneben die geschlossene Hofübergabe im Erbfall sowie die Zuordnung zur bäuerlichen Mittelschicht. Ähnlich wie der Vollbauer zeichnet er sich durch eine große Traditionsgebundenheit aus, wobei dieser Wesenszug sich in moderner Zeit hin zu marktorientierten, kapitalistisch-unternehmerischen Verhaltensweisen wandelt. Regionale und historische Varianten zum Hofbauern sind z.B. die Begriffe Altbauer, Anspänner, Vollspänner, Pferdner, Bonde, Vollerbe, Hufner und Vollhüfner.

Hofformen

Durch Größe, architektonische Eigenheiten und Baumaterialien manifestierte Ausdrucksformen von Kräften und Einflussgrößen auf die Gestalt landwirtschaftlicher Anwesen, zu deren wesentlichsten folgende Punkte gehören:

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Hofreite

Auch Hofstätte; die Fläche einer Hofstelle, welche die Gebäude mit Hausgärten und jene Grundstücksteile umfaßt, die für hofgebundenes Arbeiten, Kleintierhaltung und Lagerung (z.B. Stallmist, Brennholz) dienen. Sie gilt als die eigentliche Substanz einer ländlichen Siedlung.

Höhengrenze

Die agronomische Höhengrenze ist ihrem Wesen nach eine Kältegrenze (in die sie in hohen Breiten allmählich übergeht); entsprechend nähern sich polwärts die unterschiedlichen Höhengrenzen immer mehr dem Meeresspiegelniveau. Die Höhengrenze ist im Vergleich zu Polar- und Trockengrenzen nur fragmentarisch ausgebildet und scheidet auch nur kleine Gebiete aus dem Agrarraum der Erde aus. Sie spiegelt als komplexe Erscheinung neben dem Wärmemangel auch die Merkmale der jeweiligen Klimazone, wie z.B. hygrische Jahreszeiten und hohe Einstrahlung in den Rand- und Subtropen oder die thermischen Jahreszeiten in den höheren Breiten. Der Verlauf der Höhengrenze kann kleinräumig durch Gesteinsart, Boden, Hangneigung, Exposition zur Sonne und zur Hauptwindrichtung erheblich verändert werden. Auch können sich Risikofaktoren wie Lawinen, Muren, Hangrutschungen, verstärkte Bodenerosion u.ä. modifizierend auswirken. Das Verteilungsbild der Kulturpflanzen in ihrer Gliederung nach Höhenstufen ist jedoch nicht so eindeutig wie die Differenzierung nach Kältegrenzen; z.B. Tee und Sisal haben enge Polargrenzen, aber weitgespannte Höhengrenzen; Rüben, Sojabohne und Erdnüsse breiten sich polwärts stark aus, meiden aber die Höhenlagen.
Die größten Höhen erreicht die agronomische Höhengrenze in den trockenen Randtropen und Subtropen sowie im Inneren großer Gebirge (Bolivien: Kartoffelanbau bis 4.300 m, Tibet: Gerste bis 4.750 m). Weideflächen finden sich in den meisten Gebirgen noch oberhalb der agronomischen Höhengrenze.

(s. a. Landnutzung, Grenzen der, Anbaugrenzen)

Höhenlandwirtschaft

Landwirtschaftliche Nutzung hochgelegener Gebiete und Gebirgslagen, in denen durch Klima, Relief und Böden Einschränkungen gegeben sind. Der Anteil von Ödland und Unland ist hier im Vergleich zur landwirtschaftlichen Nutzfläche verhältnismäßig hoch. In den gemäßigten Breiten überwiegt Dauergrünland mit Viehwirtschaft gewöhnlich den Ackerbau. Letzterer ist meist ein ertragsarmer Anbau von Getreide und Kartoffeln. Bedeutendster Zweig der Höhenlandwirtschaft ist die Almwirtschaft.
Die tropische Höhenlandwirtschaft erlaubt den Anbau von Kulturpflanzen subtropischer und gemäßigter Breiten sowie die Haltung von Vieh, das die klimatischen Bedingungen der tropischen Tiefländer schlecht verträgt.

Hollandgänger

Begriff für Wanderarbeiter in vorindustrieller Zeit aus den Geestgebieten Nordwestdeutschlands in die küstennahen landwirtschaftlichen Intensivgebiete, die Hoch- und Niedermoore sowie (untergeordnet) in die Hafenstädte der Niederlande. Die Hollandgänger entstammten einer landbesitzlosen (allenfalls landarmen) unterbäuerlichen Schicht, den Heuerlingen. Die saisonale Abwanderung sollte die unzulängliche agrarwirtschaftliche Basis daheim ergänzen. Unter den landwirtschaftlichen Tätigkeiten, denen die Hollandgänger in den Niederlanden nachgingen, stand das Heumachen in den Marschgebieten (seit 17. Jh. spezialisierte Milchwirtschaft) an erster Stelle.

(s. a. Schwabenkinder)

Holzfasersubstrate

Substrate aus Restschnittholz der Fichten- und Kiefernverarbeitung zum Einsatz im Gartenbau mit dem Ziel, Weißtorf zu ersetzen. Dazu müssen Holzhackschnitzel durch Dampf bei höheren Temperaturen und Druck aufgefasert und aufgeschlossen werden.

Homestead Act

Auch Familienfarmgesetz oder Heimstättengesetz; ein Landverteilungsgesetz der USA aus dem Jahre 1862, das bei der Westwärtsbewegung die weitestgreifenden Konsequenzen hatte. Jedem über 21-jährigen amerikanischen Bürger und gleichzeitigem Familienoberhaupt wurde gegen eine geringe Gebühr 160 acres (65 ha) zugesprochen, sobald er dieses Areal fünf Jahre bewirtschaftet hatte.

Das Gesetz war die Grundlage dafür, dass mehr als 1 Mio. Familienfarmbetriebe in den zentralen Ebenen und Plateaus entstanden. Aber das Gesetz war für viele Bewohner aus den städtischen Slums nicht die erhoffte Grundlage für das erhoffte neue Leben. Wenige Familien dieser Herkunft hatten die nötigen Mittel, um ein Farmleben zu beginnen, auch nicht auf freiem Land. Für viele verarmte Bauern aus dem Osten oder dem Mittleren Westen boten die Landzuweisungen hingegen neue Chancen.

Für die weiter westlich gelegenen ariden und semiariden Räume erwiesen sich die 160 acres als zu klein. Nach schweren Dürreperioden wurde für diese Gebiete die Fläche einer Homestead auf 320 acres (1909) bzw. 640 acres (1916) erweitert. Größere Farmbetriebe waren schon vorher dadurch entstanden, daß die gesetzlichen Bestimmungen durch Bodenspekulation unterlaufen wurden. Schließlich führte auch die wachsende Mechanisierung der amerikanischen Landwirtschaft mit der Zeit zu einem Strukturwandel, hin zu größeren und weniger Farmen.

Parallel zum Heimstättengesetz wurde das erste Morrill Act erlassen, nach dem jeder Staat Landflächen zugeteilt erhielt, mit deren Verkaufserlösen Colleges für Landwirtschaft und Technik geschaffen werden sollten. Diese noch heute bedeutsamen land-grant schools dienten der Entwicklung und Verbreitung von wissenschaftlichen Methoden in der Landwirtschaft und der Heranbildung von Technikern.

Homestead Movement

Bewegung in der U.S.-amerikanischen Geschichte, die sich für die freie Zuteilung von Land aus öffentlichem Besitz (public domain) an bewirtschaftungswillige Siedler einsetzte. Widerstand gegen diese Bestrebungen kam lange Zeit

Die Bemühungen fanden ihren Abschluss im Homestead Act von 1862.

horizontale Integration

Die planmäßige Zusammenarbeit auf einer Produktionsstufe zwischen (i.d.R.) rechtlich und ökonomisch selbständigen Wirtschaftseinheiten - hier Landwirten - oder der Zusammenschluß von Betriebseinheiten, zum Beispiel bei der Mast, wird heute vielfach als horizontale Integration (auch: Koordination oder Zusammenschluß) bezeichnet. Ziel eines solchen Zusammenschlusses ist die Realisierung von "economies of scale" bei der Produktion, der Bereitstellung größerer Mengen eines Produktes für den Markt (Kapazitätsausweitung), der Bereitstellung von größeren einheitlichen Partien zur Stärkung der Position im Agribusiness oder der Nutzung von Kostenvorteilen beim Einkauf von Rohwaren. Formen dieser Zusammen­arbeit stellen die Erzeugergemeinschaften sowie die Betriebsgemeinschaften dar.

Kooperationsformen in der Landwirtschaft

Zwischenbetriebliche Zusammenarbeit

Überbetriebliche Zusammenarbeit

(s. a. vertikale Integration, Wertschöpfungskette)

Hormone

Botenstoffe im Organismus (Tier oder Pflanze). Als Pflanzenschutzmittel auf Hormonbasis kann man die pflanzlichen Wachstumsregulatoren bezeichnen.
Als Masthilfsmittel sind Hormone, v.a. in Form östrogenwirksamer Substanzen, unerlaubterweise auch für die landwirtschaftliche Tierproduktion (z.B. Kälbermast) eingesetzt worden. Sie bewirken eine Steigerung des Gewichtszuwachses und eine Verringerung des Futterverbrauchs. Die Mastzeit wird um ca. 10 % verkürzt. Die Verwendung natürlicher Hormone für die Gesundheit des konsumierenden Menschen wird unterschiedlich beurteilt; gewisse synthetische Hormone können aber Krebs auslösen oder Mißbildungen bewirken. In der EG ist der Einsatz von Hormonen als wachstumsfördernde Mittel seit 1988 verboten; seit 1989 ist auch die entsprechende Fleischeinfuhr aus Drittländern untersagt. Häufige Zuwiderhandlungen bewogen die EU-Landwirtschaftsminister 1996 die Verstöße schärfer zu sanktionieren. Die Beweislast ist umgekehrt, den Bauern droht der Verlust der Mastprämie. Das Importverbot für hormonbehandeltes Fleisch führte zu einer erfolgreichen Klage der USA bei der WTO und hat möglicherweise einen Handelskonflikt zur Folge. Die USA betrachten hormonbehandeltes Fleisch als nicht gesundheitsschädlich und das Verbraucherschutz-Argument der Europäer als vorgeschoben und letztlich protektionistisch. Hormone werden in den USA bei 70 bis 95 % der Mastrinder regelmäßig verwendet.

Die EU hat den Einsatz wachstumsfördernder Hormone und die Einfuhr von hormonbehandeltem Fleisch Anfang der 1980er-Jahre verboten. Die USA und Kanada haben dieses Verbot angefochten, da es ihrer Auffassung nach gegen die Regeln der Welthandelsorganisation WTO verstößt. Ein WTO-Berufungsgremium kam 1998 zu dem Entschluss, dass die wissenschaftliche Risikobewertung, auf welche die EU ihr Verbot stützte, nicht spezifisch genug sei. Die USA und Kanada bekamen daraufhin von der Welthandelsorganisation die Erlaubnis, Strafzölle von 100% auf EU-Importe bis zu einem Warenwert von USD 116,8 Mio. und CAD 11,3 Mio. zu erheben. Infolge der vorläufigen Vereinbarung zwischen der EU und den USA wurden die Strafzölle in den Vereinigten Staaten ab Frühjahr 2009 nur noch bis zu einem Warenwert von USD 38 Mio. erhoben.

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Hortikultur

Siehe Gartenbau

Hortisol

Auch Gartenboden; Bodentyp aus der Klasse der Anthropogenen Böden. Es sind meist siedlungsnahe Böden mit mächtigen Ah-Horizonten als Folge langjähriger Gartennutzung, d.h. regelmäßiger Düngung und intensiver Pflege.

Er ist ein von Menschenhand über Generationen aus anderen Böden geschaffener Boden, der sich durch ein besonders aktives Bodenleben mit vielen Regenwürmern und Mikroorganismen auszeichnet: Diese zersetzen und durchmischen das Bodenmaterial und die reichlich vorhandenen organischen Pflanzenrückstände. Dadurch bildet sich ein eigener humusreicher und krümeliger meist dunkelgrauer Bodenbereich.  Hortisole sind in traditionellen Gartenbaugebieten, Klostergärten sowie langjährig bewirtschafteten Haus- und Kleingärten zu finden.

Hortitherm

Projekt der RWE zur Beheizung von Gewächshäusern mit Hilfe von unvermeidbar anfallender Niedertemperaturabwärme (28 bis 40 °C) aus dem Kühlwasser von Wärmekraftwerken. Standort des Projekts ist die unmittelbare Nähe des Kraftwerkes Niederaußem im rheinischen Braunkohlerevier. Die niedrig temperierte Abwärme bedingt die enge räumliche Nachbarschaft zum Kraftwerk. Verwandte Projekte sind Agrotherm und Limnotherm.

Merkmale des Verfahrens sind u.a.:

Die Vermarktung der Produkte erfolgt über bestehende Großmärkte am Niederrhein und in Holland (Neuss, Köln, Düsseldorf, Straelen, Grubbenvorst und Aalsmeer).

Hortus

In der Antike im Gegensatz zum Viridarium Bezeichnung für den Nutzgarten.

Hortus conclusus

Wörtlich: Geschlossener Garten; Bezeichnung für den mittelalterlichen, nach außen durch Mauern abgeschlossenen Nutz- oder Blumengarten im Kontext der Marienikonographie: die Jungfräulichkeit ("Verschlossenheit") Mariens wird dabei bildhaft dargestellt durch den verschlossenen Garten, der zugleich etwas Paradiesisches hat.

Das Bildmotiv des Hortus conclusus geht zurück auf eine Interpretation des Hohenliedes des Alten Testamentes. Dort heißt es: "Meine Schwester, liebe Braut, du bist ein verschlossener Garten, eine verschlossene Quelle, ein versiegelter Born."

Hortus holerorum

Im mittelalterlichen Garten der Garten der Nähr- und Gewürzpflanzen.

(s. a. Hortus sanitatis, Pomarium, Patio)

Hortus sanitatis

Im mittelalterlichen Garten der Heilkräutergarten.

(s. a. Hortus holerorum, Pomarium, Patio)

Huang-He-Syndrom

Das Huang He-Syndrom beschreibt Bodendegradationen, die durch die Aufgabe ehemals nachhaltiger Landnutzung auf begünstigten Böden verursacht wird. Der Begriff ist Teil einer Klassifikation von Syndromen der Bodendegradation.
Der Huang He (Gelber Fluss, Länge 5.500 km) fließt durch daß Lößplateau der Provinz Shaanxi in China. Die fruchtbaren Böden dieser Provinz gehören zu den am stärksten erodierenden Flächen der Erde. Seit geschichtlicher Zeit ist dort Bodenerosion zu beobachten, aber seit sich die traditionellen Landnutzungsmethoden wandeln, hat der Bodenverlust katastrophale Ausmaße angenommen.
Die nachhaltigen traditionellen Methoden der Landwirtschaft basieren auf einem hohen Personalaufwand. Arbeitsintensive, kleinräumige Pflegemaßnahmen, wie z.B. die Erhaltung terrassierter Hänge oder Maßnahmen gegen Winderosion werden bei veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen tendenziell unrentabel. Sobald die Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen vernachlässigt werden, verstärkt sich die Erosion. Ein Ersatz der menschlichen Arbeitskraft durch Mechanisierung der Landwirtschaft erfordert hohen Kapitaleinsatz und stößt häufig aufgrund topographischer Gegebenheiten an Grenzen.
Neben der Huang He-Region finden sich weitere durch dieses Syndrom betroffene Gebiete unter anderem auf den Philippinen (Banaue), in Indonesien und auf fruchtbaren Vulkanböden im Bereich des ostafrikanischen Grabens.
Der Wandel der Landnutzung wird durch verschiedene, teilweise auch gleichzeitig wirkende Faktoren vorangetrieben. Die finanzielle Belastung der Landnutzer durch Mehrwertsteuerabschöpfung (Kapitalabfluss aus den betroffenen Regionen durch Steuern und Pacht an ortsfremde Eigentümer) ist eine Ursache. Mit der Öffnung der Subsistenzwirtschaft zum Weltmarkt lassen sich oft typische Abläufe beobachten: Zum einen passen sich die lokalen Erzeugerpreise an die niedrigen Weltmarktpreise an, wodurch dann die Rentabilität des arbeitsaufwendigen Landmanagements nicht mehr gegeben ist. Zum anderen wird durch den Übergang zu ertragsunabhängigen Steuern und Pachtzahlungen das Produktions- und Marktrisiko auf die Landnutzer abgewälzt. Durch Akkumulation von Schulden aus ertragsschwachen Jahren kann der Landnutzer in einen "Teufelskreis" von Verschuldung und Eigentumsverlust geraten und letztlich den Einfluß über seine Produktion verlieren. Die Folge ist die Zentralisierung und Kommerzialisierung des Landeigentums. Diese Entwicklungen können schließlich dazu führen, daß multinationale Agrokonzerne zunehmend Einfluß auf das Saatgut- und Düngemittelangebot, die Maschinenausstattung sowie die Verarbeitung und das Marketing gewinnen. Damit werden die traditionellen Landnutzungsformen endgültig abgelöst. Hier ist zugleich ein Übergang zum Dust Bowl-Syndrom möglich: auf Gunstböden werden infolge dieser Entwicklung mit hohem Kapitaleinsatz cash crops für den Export produziert. Die Landbevölkerung wird auf marginale Böden abgedrängt, oft mit massiven Bodendegradationsfolgen (Sahel-Syndrom).
Wesentliche Auswirkungen des Huang He-Syndroms betreffen die Hydrosphäre, da durch Erosion abgeschwemmter Boden in Flußläufen, Staubecken und auch im Meer erhebliche Schäden verursachen kann (Verschlammung, Überschwemmung, Eutrophierung der anliegenden Küstengewässer). Der Druck richtet sich auch auf die Biosphäre, denn großflächige Veränderungen in der Landnutzung stören das ökologische Gleichgewicht und führen zur Reduzierung der Biodiversität. Beispiele für atmosphärische Auswirkungen sind die vermehrte Emission von Treibhausgasen aus intensivierter Produktion (z.B. Methan aus Reisfeldern) und der mögliche regionale Klimawandel.

Huerta

Durch Kanäle und Gräben bewässertes, intensiv genutztes Gemüse- und Obstbauland in Spanien, vorzugsweise in Flussauen, Flussmündungen und Küstenhöfen gelegen. Der Begriff Huerta steht sowohl für kleinparzelliertes Land mit Gartenbewässerung wie für eine Hortikultur, die heute agroindustrielle Züge angenommen hat. Die intensive Gartenbaukultur wird häufig im Stockwerkbau mit Baumhainen und Gemüse als Unterkultur betrieben. Der Begriff leitet sich vom lat. hortus (Garten) ab.

Ursprünglich sind Huertas typisch maurische Bewässerungsanlagen.

Die bekanntesten sind die Huertas von Murcia, Valencia und Alicante sowie die Vegas von Valencia, Granada, Malaga und Motril. Um 1970 begann ein dramatischer Umstrukturierungsprozess, der nach dem EU-Beitritt Spaniens (1986) und der Öffnung des globalen Agrarmarktes noch verschärft wurde. Das ernüchternde Ergebnis ist in den Treibhauslandschaften (mar del plástico) von Almeria und Murcia zu besichtigen.

Die auch heute sehr intensiv genutzte Huerta von Valencia stützt sich für die Bewässerung immer noch auf die Kanäle aus mittelalterlicher Zeit. Das Wasser wird aber mit moderner Technik wie Sprinkleranlagen oder Tropfbewässerung verteilt.

Auch in Südfrankreich, Süditalien und in Griechenland sind vergleichbare Strukturen der Agrarlandschaft anzutreffen.

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Hufe

Auch Hube; bäuerliche Besitzeinheit mit Hofstätte und dem zugehörigen Anteil an Flur und Allmende, die sich von regional verschiedenen historischen Ackermaßen ableitet. Diese waren Grundlage für die planmäßige Anlage von ländlichen Siedlungen (Plansiedlung) und bäuerlichen Betriebsflächen vor allem in Kolonisationsgebieten. Gleichzeitig waren die Hufen wesentlicher Teil einer Abgaben- und Rechtsordnung, indem damit der entsprechende Anteil an der Allmende und der Grad der Teilnahme der Bewohner an der Gemeindeverwaltung festgelegt war.
Die Hufen bildeten an Wegen, Flüssen, Kanälen und Deichen aufgereihte Besitzparzellen, die sich oft an die Hofstellen direkt anschlossen. Typenbeispiele sind das Waldhufendorf, Marschhufendorf, Moorhufendorf, Hagenhufendorf im Kontext der Küsten-, Binnen- und Ostkolonisation (u.a. Nordseeküste, Frankenwald, Odenwald, Nordschwarzwald, Sudeten, Erzgebirge, Bayerischer Wald, Mühl- und Waldviertel). Hufenfluren finden sich auch in neuweltlichen Kolonisationsgebieten, z. B. in Quebec, Südchile, Louisiana.
Die Größe mitteleuropäischer Hufen betrug häufig zwischen 7,5 und 15 ha, die fränkische Hufe besaß 24 ha (z.B. als Maßgröße der Ackernahrung in Rodungsgebieten wie dem Erzgebirge), die flämische Hufe 16 ha (z.B. in Schlesien bei der Anlage von Waldhufensiedlungen) und die Königs- oder Holländerhufe 48 ha (z.B. in der Wesermarsch).

Hufenflur

Streifenflur mit Einödlage des Besitzes und Hofanschluß. In einzelnen Landschaften erhielten Hufenfluren durch den Gebrauch eines bestimmten Hufenmaßes eine größenmäßige Normung: Für Hufensiedlungen in der Wesermarsch waren Königs- oder Holländerhufen von rd. 48 ha, für Waldhufenfluren der deutschen Ostsiedlung fränkische Hufen von 24,2 ha charakteristisch. Solche Normungen wurden aber mit unterschiedlicher Sorgfalt umgesetzt. Neben dieser Parzellengestaltung ergeben sich die spezifischen Merkmale verschiedener Typen von Hufenfluren aus den Lagebeziehungen zwischen Flurstreifen und Wohnplatzreihe. So kann sich die Streifenparzellierung an randlich, innen oder zentral-achsial verlaufenden Wohnplatzreihen orientieren, die ihrerseits meist natürlich vorgegebenen Linien folgen oder zu ihnen korrespondieren.

Streifenflur mit Einödlage des Besitzes und Hofanschluss. In einzelnen Landschaften erhielten Hufenfluren durch den Gebrauch eines bestimmten Hufenmaßes eine größenmäßige Normung: Für Hufensiedlungen in der Wesermarsch waren Königs- oder Holländerhufen von rd. 48 ha, für Waldhufenfluren der deutschen Ostsiedlung fränkische Hufen von 24,2 ha charakteristisch. Solche Normungen wurden aber mit unterschiedlicher Sorgfalt umgesetzt. Neben dieser Parzellengestaltung ergeben sich die spezifischen Merkmale verschiedener Typen von Hufenfluren aus den Lagebeziehungen zwischen Flurstreifen und Wohnplatzreihe. So kann sich die Streifenparzellierung an randlich, innen oder zentral-axial verlaufenden Wohnplatzreihen orientieren, die ihrerseits meist natürlich vorgegebenen Linien folgen oder zu ihnen korrespondieren.

Im Gegensatz zu Block-, Gewann- und Eschfluren entstanden Hufenfluren erst relativ spät. Moorhufenflure entstanden, als man begann, in Nordwestdeutschland die großen Moore trockenzulegen. Marschhufenfluren entstanden, als man die versumpften Flussniederlegungen trockenlegte. Hufenflure entstanden auch, als die Mittelgebirge wie Spessart, Rhön, Odenwald, Frankenwald, Schwarzwald und Bayerischer Wald landwirtschaftlich erschlossen wurden. Erste Hufenfluren entstanden im Hoch- und Spätmittelalter und sind alle gekennzeichnet durch ihre planmäßige Anlage. Gehöfte wurden entlang von Bachläufen und um eine Quellmulde gebaut, die dazugehörigen Parzellen waren davon ausgehend angelegt und endeten meist in oberer Hanglage am Wald (Waldhufendorf). Auf diese Weise entstanden Rodungsinseln mitten im Wald. Aufgrund der damaligen Subsistenzwirtschaft wurde ein großer Teil der jeweiligen Parzellen ackerbaulich genutzt, auch wenn diese Standorte dafür keine idealen Voraussetzungen boten. Immer gehörte daher auch Grünlandwirtschaft und Viehhaltung zu dieser Flurform.

Die Nutzungsintensität nahm grundsätzlich mit der Hofferne der Parzellen ab. Bei Hufen in Moor- und Marschlandschaften waren die Entwässerungsgräben landschaftsprägend. An ihnen entlang entstanden häufig im Schutz von Zäunen niedrige Sträucher. Zusätzlich wurden Kopfweiden angepflanzt. Auch extensiv genutzte Feuchtstaudenflure gehören zu den landschaftsprägenden Elementen dieser Flurform.

Für die Hufe der Mittelgebirge sind die Lesesteinhaufen typisch, die entlang der Parzellengrenzen aufgeschichtet wurden. Auf ihnen entstanden häufig Hecken, die als Abgrenzung der Weiden geschätzt wurden. Obwohl insbesondere die Mittelgebirge zu einem Zeitpunkt erschlossen wurden, zu der kaum noch einfach zu erschließendes oder zu bewirtschaftendes Land zur Verfügung stand, war auf den Hufen der Nutzungsdruck insgesamt so gering, dass häufig große Raine entlang der Parzellen entstanden.

Hufengewann

Sonderform des Plangewanns. Bei der Aufteilung wurde die Hufe als einheitliches Maß zugrunde gelegt.

Hufengewannflur

Ehemals streng geregelte Flur Mittel- und Ostdeutschlands mit Dreifelderbrachwirtschaft. Die Hufengewannflur ist eine Plangewannflur aus drei großen Langgewannen, in der die (je Hof meist mehreren) Hufen von Bauern im Gemenge lagen.

Hufenschlag

Bei der Hufenflur ein gleichlaufendes Parzellenbündel innerhalb eines Streifensystems, in dem jeder Siedler eine Parzelle besitzt.

Hufenschlagflur

Sonderform der Hufenflur. Dabei handelt es sich um ein in mehrere gleiche Abfolgen des Besitzgemenges (Schläge) untergliedertes Streifensystem.

Hufensiedlung

Reihendorf mit quer zur Siedlungsachse verlaufenden hofanschließenden Streifeneinödparzellen, das vornehmlich in Mitteleuropa während der mittelalterlichen Kolonisationstätigkeit (9. - 15. Jh.) entstand, und das nach dem regional sehr unterschiedlich großen Flächenmaß der Hufe angelegt war. Die Hufensiedlung verbindet die Vorteile der - wenn auch lockeren - Gruppensiedlung mit geschlossenem Besitz. Leitlinie der Siedlung bilden Flüsse, Bäche, Wege, Deiche oder Kanäle.

Andere Kontinente weisen Analog- und Übertragungsformen auf.

Hufner

Eher historische Bezeichnung für Besitzer von (Alt)Höfen, die eine volle Ackernahrung gewähren. Hufner besaßen zugleich bevorzugte Rechte der Allmendnutzung und gehörten zur oberen bäuerlichen Schicht. Andere Regionalbezeichnungen waren u.a. Erben und Huber. Besaßen sie als Folge von Erbteilung nur einen halben Althof, sprach man von Halbhufnern, Halberben oder Halbhubern.

Huhn

Vogel aus der Gattung der Hühnervögel. Bodentier mit Scharrkrallen. Allesfresser. Stammform ist das Bankiva-Huhn, das aus Asien stammt. Über 200 Haushuhnrassen, meist gesondert für die Eier- und Fleischproduktion gezüchtet, sind in Europa verbreitet. Je nach Haltungsart legt eine Legehenne im Jahr bis zu 280 Eier. Befruchtete Hühnereier müssen 20 bis 21 Tage bebrütet werden.

Hühnerhaltung

Bei den Haltungsformen wird unterschieden zwischen Batterie- bzw. Käfighaltung, Bodenhaltung (in Hallen), Freilandhaltung und Haltung in Volieren. Legehennen wurden in Deutschland zu etwa 90 % in Käfigen gehalten. Die Zahl ist (Frühjahr 2006) stark rückläufig (s.u.). Das Bundesverfassungsgericht hat im Sommer 1999 ein Urteil gefällt, das künftig für jedes „Käfighuhn“ eine größere Fläche vorschreibt. Der Tierschutz bekam in dieser Frage Verfassungsrang und wurde auch 2002 ins Grundgesetz aufgenommen. In der EU sind Legebatterien ab 2012 verboten. Für Deutschland wurde durch die rot-grüne Bundesregierung bereits das Jahr 2007 dafür vorgesehen. Im Frühjahr 2006 sind folgende Tendenzen zu erkennen: Ob von der Regierung der Großen Koalition die EU-Regelung wieder eingeführt wird, ist noch offen. Ebenso ist offen, welche Möglichkeiten für die Volierenhaltung bestehen werden. Die Produktion von Eiern in der deutschen Landwirtschaft ist stark rückläufig, die Produktion wird zunehmend ins benachbarte Ausland verlagert. Bei den Verbrauchern besteht ein Widerspruch zwischen dem Anspruch, preisgünstig Hühnerfleisch/Eier zu kaufen, und der Wahrung tierschützerischer Forderungen, die mit höheren Preisen verbunden sind.

Die Herkunft der Eier sowie die Haltungsform sind am Stempel zu erkennen: Für die Haltungsform gelten folgende Ziffern: 1 = Freilandhaltung Hier können die Hühner tagsüber frei herumlaufen, die Auslauffläche ist zum größten Teil bewachsen. Ein Huhn hat mindestens 10 m² Fläche. 2 = Auslaufhaltung Die Hühner können tagsüber frei herumlaufen, die Auslauffläche ist zum größten Teil bewachsen. Ein Huhn hat mindestens 2,5 m² Fläche. 3 = Bodenhaltung Die Tiere werden nur im Stall unter Kunstlicht gehalten. Pro m² dürfen max. 7 Hühner leben. 4 = Volierenhaltung Die Hühner werden nur im Stall unter Kunstlicht gehalten. Pro m² dürfen max. 25 Hühner leben. 5 = Käfighaltung

Hüle

Auch Hülbe, eine im Bereich der Schwäbischen Alb gebräuchliche Bezeichnung für die in dieser Region typischen, nur vom Niederschlag gespeisten Teiche. Auf der Fränkischen Alb werden sie Hüll oder Hülle (Pl.: Hüllen) genannt. Sie entstanden entweder natürlich oder wurden künstlich angelegt. Die Hülen waren Grundvoraussetzung für die Besiedlung der verkarsteten wasserarmen Albhochflächen. Die Bezeichnungen stammen von mittelhochdeutsch hülwe / hulwe beziehungsweise althochdeutsch huliwa / hulwa für Pfütze, Pfuhl oder Sumpflache ab.

Entstehung

Die älteren Hülen auf den Hochflächen der Schwäbisch-Fränkischen Alb sind natürlichen Ursprungs. Es handelt sich um Dolinen mit einer wasserundurchlässigen Tonschicht am Grund. Der Ton ist ein Rückstand (Residuum) der Kalksteinverwitterung. Er ist in relativ geringer Menge im Kalkstein enthalten, wird aber, anders als das Kalziumkarbonat, aus dem Kalkstein hauptsächlich besteht, bei der Verwitterung nicht aufgelöst. In diesen durch den Ton „plombierten“ Dolinen kann Wasser stehen bleiben und so ein Teich entstehen.

Eine Besonderheit sind die etwas größeren Hülen im Bereich des Schwäbischen Vulkans auf der mittleren Schwäbischen Alb. Beispielsweise liegen die Hülen um Urach meist im Bereich der miozänen Vulkanschlote, die ein Versickern des Oberflächenwassers im Karst verhinderten.

Weil die Zahl solcher Wasserstellen jedoch begrenzt war, entstanden nach dem Vorbild der natürlichen Hülen im Zuge späterer Besiedlungswellen auch zahlreiche künstlich angelegte Teiche. Sie wurden mit Lehm abgedichtet und waren in der Regel etwas kleiner als ihre natürlichen Vorbilder.

Hülen sind in der Regel von Bäumen umgeben und lagen entweder als Feldhüle außerhalb oder als Dorfhüle innerhalb einer Ortschaft – meistens zentral in der Dorfmitte.

Nutzung und weitere Entwicklung

Die Feldhülen dienten in erster Linie als Viehtränke, ferner auch den Hirten als schattiger Aufenthaltsort. Die Nutzung der Dorfhülen war hingegen vielfältiger, sie wurden außer als Tränke vor allem als Löschwasserteich genutzt, oftmals befand sich das Spritzenhaus direkt daneben. Manchmal dienten sie auch zur Textilwäsche, als Flachsrotte oder als Pferdeschwemme. In Notzeiten wurde das in ihnen gesammelte Wasser aber auch als Koch- und Brauchwasser verwendet. Im Sommer waren sie für die Dorfbewohner ein beliebter Treffpunkt oder Festplatz. Im Winter wurden sie außerdem zum Eislauf benutzt. Typischerweise versammelten sich auch Gänse und Enten rund um die Hülen.

Ergänzend zu den Hülen sammelten die Bewohner das Regenwasser auch in hausnahen Zisternen, vornehmlich zur Trinkwasserversorgung. In anderen Fällen wurde das in den Dachrinnen gesammelte Regenwasser aber auch in die Hülen geleitet, dadurch konnte deren Wasservolumen zusätzlich zum eigentlichen Niederschlag erhöht werden.

Während der Dürreperioden musste das Wasser für die Hülen beziehungsweise die Zisternen oft kilometerweit mit Fuhrwerken aus anderen Ortschaften herantransportiert werden. Der Transport der Wasserfässer von den 150 bis 300 Meter tiefer im Tal gelegenen Quellen war schwierig, besonders im Winter, wenn die Aufstiegswege vereist waren.

Die hygienischen Verhältnisse des Hülenwassers waren entsprechend den Nutzungsgewohnheiten äußerst mangelhaft. Erst die ab 1870 schrittweise umgesetzte Albwasserversorgung konnte der mangelnden Wasserverfügbarkeit und -qualität mit ihrem Pumpwasser aus tiefergelegenen Tälern abhelfen.

Mit der Fertigstellung der Albwasserversorgung verloren die Hülen an Bedeutung, der überwiegende Teil verlandete im Lauf der Jahre wieder oder wurde verfüllt – insbesondere in den 1950er- und 1960er-Jahren verschwanden viele von ihnen. Die Feldhülen fielen dabei meistens der Flurbereinigung zum Opfer, die Dorfhülen wurden bebaut, in Grünanlagen umgewandelt oder mussten dem fortschreitenden Straßenausbau weichen. Auf der Schwäbischen Alb existieren deshalb heute nur noch etwa 200 Hülen, die meisten davon im Bereich der östlichen Alb. Die noch vorhandenen sind aufgrund ihrer besonderen Tier- und Pflanzenwelt in der Regel besonders geschützt, sie gelten als Naturdenkmäler (Feldhülen) bzw. Kulturdenkmäler (Dorfhülen).

Weitere Informationen:

Huminstoff

Huminstoffe sind dunkelgefärbte organische Kolloide der Größenordnung < 2mm mit der Fähigkeit, Wassermoleküle und Ionen reversibel zu adsorbieren.
Huminstoffe werden nach ihrem Polymerisationsgrad, nach Farbe, C- und N-Gehalt sowie Löslichkeit in verschiedenen Lösungsmitteln in die folgenden 3 Gruppen mit unterschiedlichen Eigenschaften gegliedert:

Huminstoffe entstehen durch Humifizierung und zwar entweder durch Umwandlung von Pflanzenstoffen, die bereits die zyklische Grundstruktur der Huminstoffe besitzen oder durch Neubildung aus Spaltprodukten, die bei der Verwesung anfallen und bilden den Dauerhumus. Die Huminstoffbildung wird durch Bodenlebewesen vorangebracht. Neben der Tätigkeit der Bodentiere als Voraussetzung und Beschleunigung der Huminstoffbildung greift die Mikroflora ein, deren Tätigkeit zu Stoffen führt, die durch chemische Vorgänge (Oxidation, Kondensation, Polymerisation) Huminstoffeigenschaften besitzen. Bei Bodentieren ist vor allem die Tätigkeit ihrer Darmsymbionten bei der Bildung von Huminstoffen bedeutsam.

Die Huminstoffe erhalten im Laufe der Zeit immer mehr sauerstoffhaltige Seitengruppen, wie Säure- und Phenolgruppen. Diese zeichnen sich dadurch aus, daß sie viele Pflanzennährstoffe und andere Moleküle und Molekülgruppen binden und wieder abspalten können. Gegenüber Pflanzennährstoffen, die im Boden als elektrisch geladene Ionen vorliegen, verhalten sich Huminstoffe wie Ionenaustauscher. Huminstoffe bilden deshalb ebenso wie Tonminerale einen wertbestimmenden Faktor für die Bodenfruchtbarkeit.

Humus

Die organische Substanz des Bodens ohne das Edaphon, gelegentlich auch die Bezeichnung für den oberen, humosen Horizont des Bodens.
Unter natürlichen Bedingungen entstammen die pflanzenwichtigen Mineralstoffe im Boden aus zwei Quellen:

  1. Aus dem Verwitterungsprozeß des anstehenden Gesteins. Sie sind in Ionenform im Bodenwasser sofort für die Pflanzen zugänglich, sofern sie nicht an Huminstoffe adsorbiert, an Tonkolloide gebunden (längerfristige Verfügbarkeit) oder durch Auswaschungsvorgänge nach unten verlagert werden.
  2. Aus dem Abbau organischer Rückstände. Dieser sogenannte Bestandesabfall erfährt durch Bodentiere und die Bodenmikroflora (Pilze, Bakterien, Strahlenpilze) einen Um- und Abbau, bis hin zur vollständigen Mineralisierung.

Die Zufuhr von Pflanzenresten (Streu) ist bei Waldböden besonders groß. Bis zu 50 % des jährlich photosynthetisch eingebauten Kohlenstoffs gelangen in den Boden. So beträgt die jährliche Zufuhr von Pflanzenstoffen in unseren Waldgesellschaften 4,5 - 15 t/ha, in tropischen Regenwäldern 100 - 200 t/ha, auf alpinen Wiesengesellschaften 1,1 - 1,3 t/ha. Diese kaum zersetzten organischen Rückstände werden als Nährhumus bezeichnet.
Kulturflächen, denen regelmäßig Pflanzensubstanz entnommen wird, weisen einen geringen Nährhumusanteil auf, sofern die noch vorhandenen Quellen, wie Stoppeln, Stroh und Wurzeln, nicht durch organische Dünger ergänzt werden. Während der Nährhumusanteil von der augenblicklichen Zufuhr an organischem Material abhängig ist, stellt der Dauerhumus den gegen mikrobiellen Abbau widerstandsfähigen Teil dar. Die Bildung von Dauerhumusformen hängt von der Nährhumuszufuhr ab.
Die Huminstoffe des Dauerhumus bestehen aus hochpolymeren organischen Verbindungen von dunkler Farbe. Die Widerstandsfähigkeit gegen raschen mikrobiellen Abbau führt zur Anreicherung dieser Stoffe im Boden. Dieser Vorgang erklärt die dunkle Färbung der oberen Bodenschichten.

Ein nährstoffreicher, rein mineralischer Boden ist für die landwirtschaftliche Nutzung nur bedingt geeignet, da bestimmte Funktionen, die von der Zufuhr an organischem Material und der Aktivität der Bodenorganismen abhängen, nicht oder nur unzureichend erfüllt werden. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Humus, der in Ackerböden aus den Ernterückständen (Wurzeln, Stroh, Blätter) und ggf. organischen Düngern (Gründünger, Stallmist, Gülle, Kompost) entsteht und eine wichtige Komponente der Bodenfruchtbarkeit darstellt.

Die Bedeutung und Wirkung von Humus:

  1. Physikalische Bodenverbesserung: Humose Böden sind gut durchlüftet. Die günstige Krümelstrukur kommt durch die Tätigkeit der Bodentiere und durch die Lebendverbauung der Mikroflora zustande. Pilzhyphen, Bakterien- und Algenausscheidungen verbinden und verkitten einzelne Bodenteilchen zu größeren Krümeln. Humus erhöht die Wasserkapazität. Er bindet das Drei- bis Fünffache des Eigengewichts. Dadurch können die Pflanzen auch bei hohen Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit kontinuierlich Wasser aufnehmen und wachsen. Dieses durch den Humus bewirkte Phänomen nennt man Welkeresistenz. Die Dunkelfärbung der humosen Schichten führt zu verstärkter Wärmeadsorption.
  2. Biochemische Bodenbeeinflussung: Mineralische Nährstoffe werden an den Dauerhumus gebunden. 30 % bis 70 % werden in Form von austauschbaren Kationen gespeichert. Wurzelatmung und Mikroorganismen mobilisieren Austausch-Kationen; sie stellen dazu H+- und HCO-3-Austauschionen bereit.
    Huminsäuren, Aminosäuren und Peptide können als Chelatbildner auftreten. Dies ist der Fall, wenn sie eine Verbindung mit Erdalkali- oder Schwermetallionen eingehen. Diese Komplexbildungen treten in bestimmten pH-Bereichen wasserlöslich auf und spielen somit bei der Spurenelementversorgung der Pflanzen und bei Bodenbildungen eine große Rolle. Daneben ist Humus neben Karbonaten, Tonmineralen und Metalloxiden ein wichtiges Pufferungssystem gegenüber eingetragenen Säuren.
    Die Zersetzung von Humus liefert CO2, NH4+, NO3-, PO43- sowie SO42- und stellt somit selbst eine Nährstoffquelle dar.

Direkte Auswirkungen von Humusstoffen auf Pflanzen: Unbestritten ist der Einfluss von Humusstoffen auf bestimmte Enzymsysteme, auf die Plasmapermeabilität, auf Spross- und Wurzelwachstum. So werden z.B. Stickstoffraten verfügbar, die bei geringem Humusgehalt ertragsunwirksam wären. Die Adsorptionsfähigkeit des Humus gilt auch für Pestizide. Humusadsorptionskomplexe stellen somit nicht nur ständig fließende Mineralstoffquellen dar. Auch Giftstoffe gelangen über die Wurzeln in die Pflanze und von da in die weitere Nahrungskette.

Wichtige landwirtschaftliche Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung des Humusgehaltes von Ackerböden sind:

Humusform

Ausdruck für die Erscheinungsform des gesamten Humuskörpers des Bodens. Sie beschreibt die unterschiedliche Kombination, morphologische Ausbildung und Tiefenverteilung der Humussubstanz in den verschiedenen Böden. Man unterscheidet die Trocken-Humusformen Mull, Moder und Rohhumus und die Feucht-Humusformen der hydromorphen Böden Feucht-Mull, -Moder, -Rohhumus, Anmoor und Torf, außerdem noch Unterwasser-Humusformen.
Mull ist die günstige Humusform nährstoffreicher, biotisch aktiver Böden mit ausgewogenem Verhältnis zwischen Mineralisierung und Humifizierung sowie optimaler Einarbeitung von Humus in den Mineralboden. Er ist die Humusform des Tschernosem, der Rendzina, der Pararendzina u.a.
Moder nimmt eine Zwischenstellung zwischen Mull und Rohhumus ein. Er ist die Humusform mancher Braunerden.

Rohhumus ist eine ungünstige Humusform nährstoffarmer, biotisch inaktiver Böden; schwer abbaubare, nährstoffarme Vegetationsrückstände bilden einen Auflagehumus über dem Mineralboden, mit dem es kaum eine Vermischung gibt. Dies ist die Humusform des Podsols.

Hütehaltung

Eine Betriebsform der Schafhaltung, seltener der Ziegenhaltung, bei der die Tiere nicht in Koppeln sondern von einem Schäfer in offenem Gelände betreut werden. Nachts sowie auch meist über Mittag sind sie gepfercht. Es wird zwischen standortgebundener Herdenhaltung (z.B. Gutsschäferei, Deichschäferei) und Wanderschäferei unterschieden. Oft wird die Hütehaltung mit einer Koppelhaltung kombiniert.

Hutewald

Auch Hut-, Hude- oder Hütewald; ein früher der Waldweide von Nutztieren (Schwein, Rind) dienender, durch den Weidegang meist lichter Bestand aus überwiegend Eichen oder/und Buchen.

Hutewirtschaft

Das gezielte Beweiden, das "Abhüten" von Heiden, Auenlandschaften, aber auch von Wäldern mit verschiedensten Weidetieren. Dadurch entstanden bis in das 19. Jahrhundert halboffene Landschaften mit einer großen Artenvielfalt. Allerdings konnte es auch bei einem einige Wochen oder Monate dauernden Masseneinstand von Vieh zu einer starken Degradation der Landschaft kommen.

Das Wort Hute/Hutung leitet sich von derselben Wortwurzel wie (Vieh) hüten ab, es findet sich auch in Hutewald oder Hutebaum wieder. Hude ist eine niederdeutsche Form, die sich auch in norddeutschen Orts- und Flurnamen findet, nicht nur den reinen „Hude“ (wie im Fall von Hude bei Oldenburg – mit noch existierendem Hudewaldrest) oder auch Steinhude..

Auf der offenen Weide im unübersichtlichen Gelände des Waldes musste das Vieh gehütet werden – häufig von einem Hirten stellvertretend für die Viehbesitzer der Dorfgemeinschaft, der dafür mit dem Hutgeld entlohnt wurde. Die Hirten waren oft Kinder, wie es weltweit bei der Weide von Vieh ganzer Gemeinden in vielen Ländern noch heute üblich – und zumindest im Falle der Almwirtschaft im Alpenraum auch in Europa bis heute bekannt ist. Die genutzte Weide (bzw. der Wald) war entweder Gemeinbesitz oder gehörte dem (feudalen) Grundherrn und war wie auch das Ackerland gegen Abgaben zu nutzen. Die Hut (Hutung, Hute/Hude) war also auch ein Begriff des Weiderechts beziehungsweise des Mastungsrechts.

Hüttenkalk

Hochofenschlacke, fein gemahlen mit einem Mindestgehalt von 42 % alkalisch wirkenden Bestandteilen (Kalk, Magnesia). Günstige Nebenwirkungen sind durch den P2O5-Gehalt und Spurenelemente wie z.B. Mangan und Silizium gegeben.

Hutung

Qualitativ weniger gutes, extensiv genutztes Weideland ohne Nährstoffersatz und Weidepflege, meist in ungünstigen Hanglagen gelegen. Hutungen stehen wie Triften oder teilweise auch Almen dem Ödland nahe, d.h. sie sind nicht ackerfähig oder ackerwürdig und werden wegen ihrer armen, flachgründigen Böden, ihres rauhen Klimas und dementsprechend geringen Graswuchses und wegen ihrer weiten Entfernungen von den Siedlungen als Grünland genutzt. Sie können auch in lichten Wäldern liegen (Hutewald).

Die vorwiegend in Gemeinschaftsbesitz (Gemeinde, Genossenschaft) befindliche Hutung ist nicht eingezäunt und wird als Magerweide heute nur noch unregelmäßig mit Vieh bestockt. Früher wurden die gewöhnlich Klein- und Nebenerwerbsbauern gehörenden Weidetiere i.d.R. täglich von einem (Gemeinde-)Hirten auf- und abgetrieben und auf der Fläche gehütet. Weidewirtschaftlich haben Hutungen in ihrer ursprünglichen Form im Hinblick auf die Ernährungsansprüche insbesondere der Leistungstiere nur noch geringe Bedeutung. Vielfach sind sie brach gefallen, verschiedentlich unter Naturschutz gestellt oder unter Änderung ihrer Bestände auf umbruchlosem Wege in intensivere Nutzungsformen überführt worden. Ein Minimum an Bewirtschaftungsmaßnahmen bewahrt sie vor der Verbuschung.

Die amtliche deutsche Statistik (DESTATIS) zählt Hutungen zum ertragsarmen Dauergrünland. Danach sind Hutungen oft verunkrautete, unregelmäßig beweidete Weide- und Wiesenflächen ohne Wachstumsförderung. Sie können auch in lichten Wäldern liegen (Hutewald).

Hybridsaatgut

Saatgut, das durch Kreuzen genetisch verschiedener Eltern hergestellt wird. Es liefert erfahrungsgemäß eine zehn- bis zwanzigprozentige Steigerung der Ernteerträge.

Hybridzüchtung

Kreuzung von Inzuchtlinien. Die Nachkommen einer Kreuzung von zwei hochgezüchteten Pflanzensorten sind oft größer, robuster und normalerweise auch ertragreicher als ihre Eltern, ein Effekt, der als Heterosis bekannt ist.

Neben der Beeinflußung des landwirtschaftlichen Ertrages hatte die Entwicklung der Hybridzüchtung auch weitreichende sozioökonomische Auswirkungen, indem sie Saatgut zu einer Ware von kommerziellem Interesse machte. Hybridsorten können aus verschiedenen Gründen nur von speziellen Züchtern hergestellt und vermehrt werden. Einerseits ist die Entwicklung und Erhaltung von Inzuchtlinien kostspielig und erfordert eine besondere Ausbildung. Darüber hinaus zeigen Pflanzen, die aus Samen von Hybridpflanzen entstehen (2. Generation) im Durchschnitt nur 50 % der Vitalität von Hybridpflanzen der ersten Generation (sie "kreuzen aus"). Der Anbau von Hybridsorten erfordert daher die Bereitstellung des Saatgutes aus einer anderen Quelle. Dieser Umstand bildete einen Anreiz für private Unternehmen und bewirkte das Wachstum von kommerziellen Saatgutfirmen. Eine weitere Aufgabenteilung verlagert angewandte Forschung und Saatgutverkauf auf private Unternehmen, während die Grundlagenforschung hauptsächlich in Institutionen ausgeübt wird, die mit öffentlichen Mitteln arbeitet.

(s. a. Grüne Revolution, Saatgut)

Hydroponik

Hydroponik (altgr. ὕδωρ hydōr ‚Wasser‘ und altgr. πόνος ‚Arbeit‘), auch Hydrokultur (altgr. ὕδωρ hydōr ‚Wasser‘ und lat. cultura ‚Anbau‘) ist eine Form der Pflanzenhaltung, bei der die Pflanzen in einem anorganischen Substrat statt in einem organische Bestandteile enthaltenden Boden wurzeln. Die Ernährung der Pflanzen erfolgt dabei über eine wässrige Lösung anorganischer Nährsalze.

Die Bezeichnung Hydroponik ist vor allem im Erwerbsgartenbau üblich.

Vorteile der Hydroponik
  • exakte Kontrolle der Düngerzugabe oder Nährstoffkonzentrationen, die den Bedürfnissen der Pflanzen in den verschiedenen Phasen (Wachstum, Blütezeit, Fruchtbildung) genau angepasst werden kann,
  • Einsparung von Nährstoffen, es wird nichts im Boden gebunden,
  • bessere Versorgung der Wurzeln mit Wasser und Sauerstoff,
  • optimale Steuerung von Temperatur und Lichtverhältnissen,
  • kürzerer Vegetationszyklus, dadurch mehrfache Ernten möglich,
  • weniger Platzverbrauch, weil die Wurzeln sich nicht so weit ausbreiten müssen, um zu Wasser und Nährstoffen zu kommen
  • wegen der fehlenden Erde und meist nahezu keimfreier Arbeitsweisen (Schleusensysteme, UV-Lampen) Verringerung von Schäden durch Mikroorganismen und Kleintiere (beispielsweise Wurzelläuse, Nematoden) und Schadpilzen (beispielsweise Schimmelpilze) und damit verbunden
  • reduzierter Pestizideinsatz
  • Herbizide unnötig (kein Platz für Unkraut)
  • erhebliche Wassereinsparung bei geschlossenen Wasserkreisläufen (Reduktion um den Faktor 10 und mehr)
  • keine Erdbewegungen nötig
  • üppiges Wachstum von Mutterpflanzen zur Stecklingsvermehrung
  • Nutzung von organischen Abfällen vor Ort für die Energieproduktion oder als Dünger
  • deutliche Steigerung der Produktivität pro Fläche