Lexikon des Agrarraums

W

Waal

Bewässerungskanal oder -graben, mit dem Wasser, meist aus einem Bach, selten aus einem See, zu oft weit entfernt gelegenen landwirtschaftlichen Kulturen geleitet wird. Die Bezeichnung ist vornehmlich in Südtirol und Tirol in Gebrauch. Besonders im Südtiroler Vinschgau sind die Niederschlagsmengen wegen der geographischen Lage so gering, dass die Landwirtschaft vor allem am Sonnenberg auf künstliche Bewässerung angewiesen ist. Aus diesem Grund entstand dort eines der ausgedehntesten Bewässerungssysteme in den Alpen, sein Hauptwaalnetz war früher fast 600 km lang.

Die Anlage von Bewässerungskanälen dieser Form ist weltweit und seit dem Beginn der Landwirtschaft verbreitet und findet sich in diesem Sinne für funktional ähnliche Anlagen in lokaler Ausprägung, etwa als Suone, Bissen oder Fuhren im Schweizer Kanton Wallis, Fluder im Österreichischen, Wuhr im Südschwarzwald, Fléizen in den luxemburgischen Ardennen, Levada auf Madeira oder Faladsch in Oman.

Hauptfunktion der Waale ist die Bewässerung. Der Waal 'trägt' das Wasser in die zu bewässernden Wiesen und Felder, daher der manchmal verwendete Name Tragwaal. Waale wurden auch zum Betreiben von Mühlen und Sägen verwendet, da sich steilere Geländeführungen für solche Zwecke geradezu anboten. Sie liefern das Wasser für die Tränken der Tiere und in früheren Zeiten sogar das Trink- und häusliche Gebrauchswasser für ganze Ortschaften.

Die einfachste Form eine Waalkonstruktion ist ein in das Gelände gegrabener Kanal. In steileren Hanglagen oder in erosionsgefährdetem Gelände werden der Boden und die Wände des Waales durch Verbauungen befestigt. Im felsigen Gelände können das in den Fels gehauene Kanäle oder Tunnels sein. Kürzere felsige Hindernisse und quer verlaufende kleine Gräben werden meist mit Hilfe von Holzrinnen überwunden. Auf steinschlag-, muren- oder lawinengefährdeten Strecken werden die Waale in unterirdischen Abschnitten geführt, die mit Steinplatten und Erdreich abgedeckt sind.

Das Wasser wird beim Wassern mit Hilfe von Schwellbrettern aus dem Tragwaal teils in kleinere Nebenkanäle umgeleitet, die ihrerseits schmale Wiesenkanäle (Ilzen) speisen. Die Bewässerung leicht abschüssiger Wiesen und Felder erfolgt in einer Art Rieselverfahren. Der jahrhundertelang mitgeführte Schwemmsand lagert sich neben den Ilzen ab und bildet in den Wiesen häufig niedere, lang gezogene Geländerücken.

Die Ursprünge dieser Bewässerungstechnik liegen mit Sicherheit sehr weit zurück. Die ältesten Dokumente stammen aus dem 12. Jahrhundert und bestätigen zum Teil nur ältere Rechte. Die Anlagen entstanden als Gemeinschaftswerk und hatten als Rechtsgrundlage meist sehr komplizierte und ausgeklügelte Vertragswerke.

Die Bewirtschaftung und Wartung der Waale ist sehr arbeitsintensiv. Das Gleiche gilt für die traditionelle Art der Bewässerung. Die Waale sind sehr störungsanfällig, können bei Gewittern überlaufen und Erosionen im Gelände verursachen. Mit Beginn in der Zwischenkriegszeit und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde massiv in moderne Bewässerungsmethoden investiert. Viele Waale wurden aufgelassen und durch Rohrsysteme ersetzt. Die Betten mancher Waale dienen heute nur noch als Unterlage für Rohrleitungen. Trotzdem gibt es noch Waale, die in Betrieb sind und instand gehalten werden.

Auf dem Kamm des talwärts gerichteten Waaldammes wurde in der Regel ein Waalsteig angelegt, der früher nur für das Wartungspersonal gedacht war. Mit zunehmendem Tourismus gehören inzwischen viele dieser restaurierten und sorgfältig mit Geländern versehenen Waalwege zur touristisch propagierten und angepriesenen Südtiroler bzw. Vinschger Kulturlandschaft.

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Wachholderheide

Heidegesellschaft mit inselartigen Wacholderpflanzen. Wacholder ist ein typisches Gehölz auf extensiv genutzten Schaf- oder Ziegenweiden und kommt deshalb in unterschiedlichsten Gebieten vor (Sand- und Bergheiden, Trocken- und Halbtrockenrasen).

Wachsen oder Weichen

Populäre Formulierung für den ökonomischen Zwang auf die einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe, sich der Produktivitätsentwicklung im Agrarsektor anzupassen oder aus der Produktion auszuscheiden. Als Folgen des Prinzips 'Wachsen oder Weichen' sind ein drastischer Verlust von Arbeitsplätzen sowie eine hohe Überproduktion zu sehen, oft verbunden mit erheblichen negativen Umweltwirkungen.

Der Zwang zum Größenwachstum der Betriebe ergibt sich vor allem aus der Verschlechterung der Relation von Kosten und Erlösen.

(s. a. Agrarstruktur, Strukturwandel)

Wachstumsfaktoren

Faktoren biologischer, chemischer und physikalischer Natur, die das pflanzliche Wachstum beeinflussen. Dazu zählen Licht, Temperatur, Wasser, Nährstoffe und die für die Atmung und Assimilation notwendigen Gase Sauerstoff und Kohlendioxid.

Wachstumsregler

Auch Wachstumsregulatoren; Stoffe, die Lebensvorgänge bzw. die Morphologie von Pflanzen beeinflussen, ohne ihrer Ernährung zu dienen. Sie tragen z.B. zur Standfestigkeit der Getreidehalme bei und verhüten damit das "Lagern" (Umkippen) der Getreidehalme, das häufig kurz vor der Ernte bei schweren Ähren und zusätzlicher Belastung durch Nässe und Wind stattfindet. Andere Wachstumsregler können den Zeitpunkt der Fruchtablösung von der Pflanze synchronisieren, ein z.B. bei der Olivenernte wichtiger Gesichtspunkt. Die Baumwollernte wird erleichtert, wenn das Absterben der Blätter gleichzeitig erfolgt, so daß die Erntemaschinen nur noch die reifen Kapseln zu pflücken brauchen.

(s. a. Pflanzenschutzmittel)

Wachstumsschwelle

Bezeichnung für die durchschnittliche Flächenausstattung der Agrarbetriebe eines Staates, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt. Im Gebiet der früheren Bundesrepublik hat sich die Wachstumsschwelle in der Vergangenheit generell nach oben verschoben. Sie betrug 1970 20 ha LF und 1996 50 ha LF.

2014 lag die Wachstumsschwelle in Gesamtdeutschland bei 100 ha. Rund 60 % der insgesamt landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) in Deutschland wurde 2015 von Betrieben mit mehr als 100 ha bewirtschaftet. 36 200 Betriebe verfügten 2015 über mehr als 100 ha; acht Jahre zuvor waren es weniger als 32 000 Betriebe.

Im Niveau der Wachstumsschwelle gibt es allerdings regional große Unterschiede.

Wald

Definitionen des Begriffes 'Wald' sind notwendigerweise vage und hängen vom Bedeutungszusammenhang (alltagssprachlich, geographisch, biologisch, juristisch, ökonomisch, kulturell usw.) ab. Präzise Definitionen decken jeweils nur einen Teil des Bedeutungszusammenhangs ab.

1. Aus biologischer Sicht ist 'Wald' jede Pflanzengesellschaft, in der "Bäume", d.h. Pflanzen mit verholzendem Stamm, vorherrschend sind, die eine Endgröße von mindestens 5 m erreichen können, sofern diese Bäume im Reifezustand Bestände bilden, deren Schlussgrad bewirkt, dass ein Baum den Nachbarbaum im Luft- und Bodenraum noch eindeutig ökologisch beeinflusst. Der angelegte Baumhöhenwert kann im polaren und oberen Waldgrenzbereich unterschritten werden. Botanisch betrachtet ist Wald eine von Bäumen geprägte Vegetation, deren Fläche so groß ist, dass sich ein Waldklima entwickeln kann. Das unterscheidet den Wald zum Beispiel von Baumalleen, Parkanlagen oder Baumschulen.

Der Wald ist ein reich gegliedertes Ökosystem, das sich in übereinanderliegenden Schichten (Stockwerken) aufbaut: Bodenschicht oder Moosschicht – Krautschicht – Strauchschicht – Baumschicht.

Unter dem Kronendach, das einige zehn Meter über dem Boden liegen kann, bildet sich ein spezifisches Waldinnenklima, das sich im Vergleich zum Freilandklimadurch gleichmäßigere Temperaturen (vor allem im Tagesgang), höhere relative Luftfeuchtigkeit, geringere Lichtintensität, veränderte spektrale Zusammensetzung des Lichts (höherer Grünanteil), geringere Windgeschwindigkeiten und geringere Niederschläge am Boden (Interzeption im Kronenraum) auszeichnet.

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Waldbesitzarten

Sie sind nach dem Bundeswaldgesetz wie folgt definiert:

(s. a. Bauernwald)

Waldbetriebsarten

Die Betriebsarten sind bestimmte Bewirtschaftungsformen des Waldes, die sich vor allem in der Verjüngungsmethode unterscheiden:

Waldbrandwirtschaft

Betriebsform der feuchten Tropen unter dem Oberbegriff shifting cultivation. Die sogenannte wilde Waldbrandwirtschaft beinhaltet die Rodung kleiner Parzellen, die gemäß den eigenen Bedürfnissen, dem speziellen Bodenchemismus der inneren Tropen und mit den vorhandenen technischen Möglichkeiten nur eine Nutzung von 2 bis 4 Jahren zuläßt und danach der Wiederbewaldung und Entwicklung von Sekundärwäldern überlassen wird.

Davon ist die geregelte Waldbrandwirtschaft mit planmäßiger Einteilung und regelmäßiger Wiederholung des Anbaus auf derselben Fläche zur gezielten Verwertung der Bodenfruchtbarkeit zu unterscheiden. Während einer Regenerierungsphase werden die Brachflächen künstlich bewaldet. Die Parzellen sind planmäßig eingeteilt und können von Straßen aus genutzt werden.

Waldgarten

Als Variante der Agroforstwirtschaft kombinieren Waldgärten Elemente der Landwirtschaft mit denen der Forstwirtschaft. Das Konzept geht auf Vorbilder aus den Tropen zurück und findet seit einigen Jahrzehnten auch Anwendung in den Außertropen. Im indischen Bundesstaat Kerala z.B. gibt es eine jahrhundertealte Tradition, ebenso bei den Chagga am Kilimandscharo (insbesondere vor der Zeit des ausgeprägten Kolonialismus). Dabei werden naturnahe Waldwirtschaft und umfangreiche Nahrungsproduktion miteinander kombiniert. Systeme aus mehrjährigen Kulturpflanzenarten sind der natürlichen Waldvegetation in Struktur und Funktion ähnlicher als annuelle Kulturen und mindern das Ausmaß von Erosion und Nährstoffverlusten. In den Waldgärten und anderen Agroforstsystemen werden in großer Vielfalt Obstbäume (z.B. Jackfrucht) angebaut, Stauden (z.B. Banane) und Rankengewächse (z.B. Pfeffer).

Auch Entwicklungsprojekte (z.B. in Madagaskar) zur Wiederherstellung von artenreichen Wäldern bei gleichzeitiger Nutzung der Fläche für die Landwirtschaft nutzen das Etagenanbau-Konzept des Waldgartens. Entwickelt wurde diese Aufforstungsmethode in jahrzehntelanger Pionierarbeit in Brasilien und Bolivien.

Aufbau und Pflege von Waldgärten (engl.: forest garden) in Europa basieren auf einem Konzept des Engländers Robert Hart.

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Waldhufendorf

Auch Waldhufensiedlung; Reihendorf mit hofanschließenden Breitstreifenparzellen in Einödlage. Die Hofstellen ordnen sich an einer vorgegebenen oder geschaffenen Leitlinie (Bach, Weg) an, die zugehörigen Streifenparzellen verlaufen mehr oder weniger senkrecht zur Gehöftleitlinie. Durch die Reihung der Parzellen wird gewährleistet, daß die Siedler annähernd gleiche Anteile an den verschiedenen Böden der Flur erhalten.

Gelenkte Rodungen nach dem Waldhufenprinzip geschahen seit dem frühen Mittelalter und sind zunächst für den Odenwald mit dem Kloster Lorsch als Ausgang belegt. Im Osten reicht die Ausdehnung bis in die Karpaten.

(s. a. Radialwaldhufendorf)

Waldhufenflur

Eine Form der Hufenflur, die sich aus der Aufteilung von Waldland mit Hufe als Grundform gebildet hat. Waldhufen wurden während der mittelalterlichen Rodungsperiode in freier Erbleihe vergeben. Die Anlage von Waldhufendörfern bedingte die Waldhufenflur als Breitstreifenflur.

Waldweide

In früheren Jahrhunderten u.a. in Deutschland übliche Form der Wald-Nebennutzung mit dem Eintrieb von Schweinen, Rindern, Schafen und Ziegen in den Wald, vor allem in den Allmendwald. Dem Weidevieh dienten Eicheln, Bucheckern, Haselnüsse, trockenes und frisches Laub, Jungwuchs und sonstige Triebe sowie die Bodenvegetation als Nahrung.

Zusammen mit anderen Nutzungen (planlose Entnahme von Brenn- und Bauholz, Köhlerei, Glasbläserei, Pottaschegewinnung, Entnahme von Einstreu für die Ställe und von Plaggen für die Düngung) führte die Waldweide zu einem Raubbau am Wald. Während der Eintrieb von Schweinen in den Eichen- und Buchenwäldern geringeren Schaden anrichtete, vernichteten Rinder, Schafe und Ziegen den jungen Baumwuchs, der von Ersatzgesellschaften (Trockenrasen, Callunaheide, Triftweiden) verdrängt wurde. Die Waldweide ist mit den Agrarreformen des 18. und 19. Jahrhunderts praktisch abgelöst bzw. aufgehoben worden. Waldweide ist weder forstwirtschaftlich erwünscht noch landwirtschaftlich ertragreich. In Mitteleuropa beschränkt sie sich heute überwiegend auf höhere Lagen, und zwar auf die Übergangszonen von der Almweide zum Wald. Dem Weidetier vermag sie hier zugleich als Schutzzone gegenüber Witterungseinwirkungen dienen.

Neuerdings wird eine Wiederbelebung der Waldweide im Rahmen von Extensivierungskonzepten für die Landwirtschaft erwogen, die in manchen Gebieten wieder zu einer attraktiven beweideten Parklandschaft führen könnte. Zumindest teilweise wird sie aber ökonomisch nicht tragfähig sein und wie andere Arten der Landschaftspflege und -offenhaltung einer zusätzlichen Finanzierung bedürfen.
Auch in den Tropen und Subtropen sind traditionelle silvopastorale Betriebssysteme mit einer ungeregelten Nutzung von Waldgebieten nur noch selten. Größere Bedeutung erlangen moderne silvopastorale Betriebssystem, die durch eine geregelte Weidewirtschaft, vor allem aber durch die systematische Doppelnutzung von Wäldern zur Holz- und Tierproduktion, gekennzeichnet ist.

Wallhecke

Heckentyp, bei dem Bäume und Sträucher auf einen Erd- oder Steinwall gepflanzt sind. Er findet sich in einem breiten Gürtel am Saum Nordwesteuropas von Dänemark bis zur Iberischen Halbinsel.

(s. a. Knick)

Walze

Gerätetyp mit der Aufgabe, Kluten (ndt. für Klumpen) durch Druck zu zerkleinern, Hohlräume zusammenzudrücken (z.B. Andrücken ausgewinterter Saaten nach Frosthebung), zu lockere Ackerkrumen zu komprimieren (Moor) und verkrustete Bodenoberflächen aufzubrechen. Walzen kommen in glatter, gezähnter und gerillter Ausführung vor.

Wanderarbeiter

Erwerbspersonen, die ihren Arbeitsplatz weit entfernt von ihrem Wohnort aufsuchen müssen. Im Sinne der Internationalen Konvention zum Schutz der Rechte aller Wanderarbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen vom 18. Dezember 1990 ist ein „Wanderarbeitnehmer“ eine Person, die „in einem Staat, dessen Staatsangehörigkeit sie nicht hat, eine Tätigkeit gegen Entgelt ausüben wird, ausübt oder ausgeübt hat“. Dazu gehören

In Deutschland gab es seit der Restaurationszeit für über Generationen ein stabiles unterbürgerliches Sozialmilieu, das von sozialer Not getrieben – aus wirtschaftlich schwachen Gebieten arbeitssuchend umherzog. Sogenannte „Leutenot“ in der Landwirtschaft sowie „Arbeiternot“ in Industrie, im Straßen- Kanalbau und in der Landwirtschaft (letzteres insbesondere in Norddeutschland) ließen seit den 1890er Jahren die Saisonwanderungen stark ansteigen. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es 1,2 Millionen ausländische Wanderarbeiter im Deutschen Reich. Umgekehrt fanden deutsche Wanderarbeiter zum Beispiel als sogenannte Hollandgänger in den Niederlanden, in Belgien, Frankreich und der Schweiz saisonale Arbeit. Ein weiteres Beispiel waren die Sachsengänger. In den Vereinigten Staaten wurden meist obdachlose und umherziehende Wanderarbeiter Hobos genannt, die in wirtschaftlichen Krisenzeiten während des späten 19. Jahrhunderts nach dem Civil War und im frühen 20. Jahrhundert während der Weltwirtschaftskrise nach Arbeit als Erntehelfer, Bau- oder Waldarbeiter suchten.

Laut der Internationalen Organisation für Migration wird die weltweite Anzahl von Wanderarbeitern auf rund 200 Millionen geschätzt. Sie erwartet bis zum Jahre 2050 einen jährlichen Zuwachs um 2,3 Millionen. Diese Zuwachsrate sei um 40 Prozent höher als jene zwischen den Jahren 1960 bis 2005, als jährlich etwa 1,6 Millionen Personen auf der Suche nach Arbeit die Grenzen überschritten. In Europa leben 70,6 Millionen Zuwanderer aus anderen Regionen, gefolgt von Nordamerika mit 45,1 Millionen und der Arabischen Halbinsel mit 18,8 Millionen.

Nach Schätzungen arbeiteten 2016 etwa 315.000 Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft. Davon sind rund 95 Prozent nichtdeutscher Herkunft. Die Anzahl der Arbeitskräfte aus Polen ist in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen, die Anzahl der Arbeitskräfte aus Rumänien hingegen deutlich gestiegen. Aus Rumänien dürften 2016 rund 180.000 Erntehelfer gekommen sein, aus Polen rund 100.000. Die übrigen rund 20.000 ausländischen Saisonarbeitskräfte kommen vornehmlich aus Bulgarien, Tschechien, der Slowakei sowie Kroatien.

Wanderfeldbau

Anbauflächenwechsel in tropischen Entwicklungsländern (vornehmlich in Afrika, auch in Südamerika und SO-Asien) verbunden mit einer Verlegung der Siedlung. Die Anbaufläche wird nach kurzer Nutzung (ca. 2 Jahre) aufgegeben. Eine erneute Inkulturnahme erfolgt erst nach langer Brache. Die Verlegung der Felder führt zu einer zunehmenden Entfernung der Felder von den Wohnsiedlungen, was schließlich bei zu großen Distanzen eine Verlagerung der Siedlungen bedingt. Die Verlegung der Wohnplätze ist häufig nicht nur durch das Bodennutzungssystem bedingt, sondern kann auch andere Ursachen haben: religiöse Gründe, Zauberei, Häufung von Krankheiten, Streit mit Nachbarn, ständige Wildschäden.

Die Mobilität der Flächennutzung verhindert die Entstehung fester Wegenutzung und fester landwirtschaftlicher Infrastrukturen. Tribalistische Bodenbesitzformen sind kennzeichnend. Bei unsicherer Datenlage schätzt man, dass zu Anfang des neuen Jahrhunderts noch 37 Mio. Menschen von dieser kleinflächigen, extensiven Form des Feldbaus abhängig waren, und dass vermutlich nur mehr circa 30 % der kultivierbaren Böden in den Tropen auf diese Weise genutzt werden.

In Südostasien beispielsweise ist heute der nomadisierende Wanderfeldbau nur noch rudimentär in Peripherieräumen erhalten. Er wurde schon seit Längerem von einer mehr oder weniger geregelten Landwechselwirtschaft mit permanenten Siedlungen zurückgedrängt. Hierbei werden die Felder eines Dorfe innerhalb eines bestimmten Areals im Wechsel von Anbau- und Brachejahren genutt. Gerodet wird somit vornehmlich Sekundärwald im Rhythmus von 15 bis 30 Jahren. Dieses System war bzw. ist fast stes subsistenzorientiert und nur dann praktizierbar, wenn der Bevölkerungsdruck nicht zu groß ist und ausreichend Sekundärwaldflächen für die wachsende Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Weitere Merkmale des Wanderfeldbaus:

Bei geringen Bevölkerungsdichten und großen Landreserven stellt der Wanderfeldbau eine optimale Anpassung an die ökologischen Möglichkeiten dar. Nicht der Wanderfeldbau gilt als Hauptzerstörer der Tropenwälder, sondern vielmehr die moderne Agrarkolonisation.
Wanderfeldbau wird nicht nur in den Tropenregionen praktiziert, sondern wurde als agrarhistorischer Entwicklungsschritt auch von den meisten Landwirtschaften der Außertropen durchgemacht. Das Landwechselprinzip gilt als erster Schritt vom natürlichen Ökosystem zu landwirtschaftlichen Bodennutzung auf kleinbäuerlicher Ebene.

Die Böden, auf denen auch heute noch der Wanderfeldbau betrieben wird, weisen einige Besonderheiten auf, die für die Gebiete der Außertropen, in denen der Wanderfeldbau überwunden wurde, nicht gelten. Es sind dies Faktoren, die limitierend auf das Pflanzenwachstum wirken und nur schwer vom Menschen verändert werden können (geringe Restmineralgehalte, rascher Abbau organischer Substanz, geringe Kationenaustauschkapazität).

Die Bezeichnung Wanderfeldbau wird in der aktuellen deutschsprachigen Fachliteratur häufig durch das englische shifting cultivation ersetzt. Aber es besteht hinsichtlich der Definition der verschiedenen Formen und Übergangsstufen der Landwechselwirtschaft in der Literatur keine Einigkeit. Die Begriffe shifting cultivation, slash-and-burn agriculture und swidden agriculture (dt. Schwendbau) werden entweder synonym oder auch unterschiedlich verwendet. Der deutsche Begriff Brandrodungsfeldbau beschreibt dieses Nutzungssystem nicht genau, da der Wald nicht gerodet, sondern nur abgebrannt wird. Demgegenüber deckt der Begriff Schwendbau die verschiedenen Definitionen wohl am besten ab.

(s. a. Landwechselwirtschaft, shifting cultivation, Waldbrandwirtschaft)

Wanderschäferei

Eine Form mitteleuropäischer Transhumanz. Die Wanderschäferei tritt mit ihren Herdenwanderungen bevorzugt in SW-Deutschland, insbesondere im Gebiet der Schwäbischen Alb, des Schwarzwaldes und des Oberrheinischen Tieflandes auf.
Kennzeichen der Wanderschäferei ist die Haltung einer relativ großen Schafherde mit meist deutlich über 100 Muttertieren unter ständiger Aufsicht eines Schäfers und die Ernährung dieser Herde zum überwiegenden Teil des Jahres oder sogar ausschließlich auf ständig wechselnden fremden Flächen.

Warenterminbörse

Börse, die Geschäfte mit Produkten vornimmt, wobei erst nach einer vereinbarten Frist bestimmte Mengen und Qualitäten eines Gutes zu einem vorher festgelegten Preis gekauft bzw. verkauft werden müssen.

An Warenterminbörsen (engl.: Commodities futures exchange) können Landwirte auf ihre Produkte sogenannte Terminkontrakte abschließen und hierdurch die Preise für ihre Ernte (z.B. Weizen, Raps, Mais), Tiere (Mastschweine, Ferkel, Rinder u.w.) oder tierischen Produkte absichern.

Die Kontrakte an der Warenterminbörse sind standardisiert. Das bedeutet, dass die Liefermenge, der Liefertermin sowie die Qualität der gehandelten Waren und Agrarprodukte genau definiert sind. Auch der Erfüllungsort ist in der Regel festgelegt und erfolgt meist nach internationalen Handelsklauseln (Incoterms). Wenn beispielsweise ein vorab vereinbarter Verladehafen bestimmt wurde, spricht man in diesem Zusammenhang von FOB (frei an Bord, engl.: free on board).

Vorteile einer Warenterminbörse für die Landwirtschaft

Wie bei allen Warenterminbörsen liegen für beide Vertragspartner Risiken vor. Unter Umständen könnte der Landwirt seine Produkte zu dem vereinbarten Termin zu einem höheren Preis verkaufen, aber auch umgekehrt ist es möglich, dass der Marktpreis zu diesem Zeitpunkt niedriger liegt. Der Abnehmer – häufiger Verarbeiter als der Handel – geht genauso ein Risiko ein.

Eine Gefahr besteht zurzeit darin, dass Spekulationen auf landwirtschaftliche Produkte vorgenommen werden, was zu Veränderungen der normal erwarteten Preise führt und für alle Beteiligten gefährlich ist.

Warentermingeschäfte mit landwirtschaftlichen Produkten sind in anderen Ländern (USA, Frankreich, Niederlande) schon lange üblich, z.B. wenn Ölmühlen beispielsweise eine bestimmte Menge Sojabohnen zu einem bestimmten Termin und Preis orderten. Bei Eurex (Abk. für European Exchange) gibt es seit 2009 auch für Deutschland diese Möglichkeit - allerdings noch nicht für alle Produkte. Die 1848 gegründete Chicago Board of Trade ist weltweit die älteste sowie umsatzstärkste Terminbörse. Insgesamt existieren 47 dieser Börsen; seit 1998 gibt es in Hannover auch einen deutschen Warenterminmarkt. Dort werden Futures auf Kartoffeln, Weizen, Schlachtschweine, Rapsprodukte (Saat, Schrot und Öl), Heizöl und Altpapier gehandelt.

Wichtige internationale Warenterminbörsen:

Weitere Informationen:

Warenterminkontrakt

Ein Warenterminkontrakt (engl. commodity future) ist ein standardisierter Vertrag (Terminkontrakt) über den Kauf oder Verkauf einer bestimmten Menge von Waren und Gütern (z. B. Weizen, Baumwolle, Zucker, Kaffee, etc.) zu einem festgelegten Preis, an einem bestimmten Datum. Die Notierungen von Warenterminkontrakten sind abhängig vom physischen Angebot und der Nachfrage. Gibt es z. B. in Brasilien, einem Hauptanbauland von Kaffee, einen Frost, der die jungen Kaffeepflanzen beschädigt, so steigen die Futures aufgrund des sinkenden Angebots. Es existieren weltweit 47 Warenterminbörsen, auf denen Termingeschäfte über mengen- und qualitätsmäßig standardisierte Naturprodukte und Waren abgeschlossen werden.

Wasserbedarf

Die Pflanze benötigt Wasser zur Erhaltung des Quellungszustandes ihres Zellplasmas, für die Assimilation, zum weitaus größten Teil aber für die Aufrechterhaltung eines Transportstroms aus dem Wurzelbereich zu den transpirierenden Blättern. Der Wasserverbrauch einer Kultur ist höchst unterschiedlich, je nach Pflanzenart und Klimazone. Er setzt sich aus der Verdunstung des Bodens und der Pflanze zusammen. Der Wasserbedarf der Pflanze schwankt mit ihrer Wachstumsphase. Die meisten Kulturen benötigen hohe Wassergaben in der Hauptwachstumszeit und vor dem Fruchtansatz, während der Reifezeit geht der Wasserbedarf rapide zurück. Für manche Pflanzen, wie Baumwolle oder Dattelpalme sind Regenfälle während der Reifezeit sogar höchst schädlich.

Für die Bewertung des Niederschlags für das Pflanzenwachstum ist weniger die Jahressumme, als vielmehr das Verhältnis vom Jahresgang zu den Vegetationszeiten der wichtigsten Kulturpflanzen von Bedeutung. Das gilt vor allem für wechselfeuchte Tropen mit klar abgegrenzten Regenzeiten, die hier die hygrisch gesteuerten Vegetationszeiten darstellen. Von großer Bedeutung ist auch die Art des Niederschlags: Schnee ist für das Pflanzenwachstum von geringem Wert, eine Schneedecke kann allerdings als Frostschutz wertvoll sein. Leichte Regenfälle erreichen kaum den Wurzelbereich, bei Starkregen ist der Oberflächenabfluß oft höher als die in den Boden eindringende Menge. Am wirksamsten sind anhaltende Landregen.

Wassererosion

Als Wassererosion wird der Abtrag von Bodenmaterial bezeichnet, der durch hang- und talwärtigen Abfluss auf der Bodenoberfläche ausgelöst wird. Sie findet als Oberflächenabfluss oder in fließenden Gewässern statt. Die Wassererosion dient dem Ausgleich des Gefälles. Es gibt unterschiedliche Strömungsgeschwindigkeiten und Turbulenzen. Das Meeresspiegelniveau ist die absolute Erosionsbasis, bis zu der die Wassererosion wirksam werden kann. Lokale Erosionsbasen können Seen, Ebenen oder auch Fließgewässer sein.

Bei Bodenerosion handelt es sich grundsätzlich um natürliche Prozesse, die aber durch verschiedene Formen der Landnutzung verstärkt oder durch diese an bestimmten Standorten erst ausgelöst werden.

Wassererosionen werden durch Niederschläge und oberflächlichen Wasserabfluss verursacht. Besonders gefährdet sind verdichtete Böden ohne bzw. mit geringer Vegetationsdecke und Böden in Hanglagen. Das durch Wassererosion abgetragene Bodenmaterial wird teilweise in den Tälern deponiert (Hochflutlehm) und kann dort zur Verschlickung und Verlandung von Flüssen führen. Die größeren Mengen werden jedoch mit den Flüssen zum Meer transportiert und dort im Deltabereich abgelagert. Durch die nährstoffreichen, zum Teil auch schadstoffbelasteten Sedimente können marine Ökosysteme eutrophiert und nachhaltig beeinträchtigt werden. Besondere Beispiele für diese Formen der Belastung mit pedogenen Schadstofffrachten sind die Ostsee und der Persische Golf (vgl. WBGU 1993, S. 79).

Das Phänomen Wassererosion wird in Ausmaß und Form durch folgende Faktoren bestimmt:

Bei Schäden, die auf Ackerflächen selbst entstehen, spricht man von On-Site-Schäden. Dazu gehören die Verletzung, Entwurzelung, Überdeckung und Vernichtung von Kulturpflanzen, das Wegspülen von Saatgut, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln vom Austragungsort und die Entstehung von Erosionsrinnen auf Äckern.
Off-Site-Schäden der Wassererosion sind hingegen Folgen von Stoffausträgen aus den Quellflächen. Bodenteilchen und Düngemittel gelangen mit abfließendem Wasser in benachbarte Ackerparzellen, in Vorfluter oder in Biotope. Schlamm kann angrenzende Straßen, Wege und Gräben stark verschmutzen.

Weitere Informationen:

Wasserhaushaltsgesetz

Das Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts (Wasserhaushaltsgesetz – WHG), das ursprünglich bereits aus dem Jahr 1957 stammt, bildet den Kern des Gewässerschutzrechts. Sein Zweck ist es, durch eine nachhaltige Gewässerbewirtschaftung die Gewässer als Bestandteil des Naturhaushalts, als Lebensgrundlage des Menschen, als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als nutzbares Gut zu schützen (§ 1 WHG). 2002 wurde das WHG umfassend novelliert, um die im Jahr 2000 in Kraft getretene Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union umzusetzen. 2009 schließlich wurde das Wasserrecht des Bundes grundlegend neu gestaltet. Am 31. März 2010 ist das WHG in Kraft getreten und löst das bisherige Rahmenrecht nun durch Vollregelungen des Bundes ab. Das WHG vereinheitlicht das Wasserrecht bundesweit, gestaltet es klarer und übersichtlicher und erleichtert die Anwendung in der Praxis. Es bringt aber auch einige wichtige neue Vorschriften, um das Ziel eines umfassenden Gewässerschutzes noch besser umsetzen zu können.

Die Betroffenheit der Landwirtschaft durch das WHG ergibt sich aus ihrer Rolle als Gebraucher bzw. Verbraucher von Wasser, durch Aufgaben im Rahmen der Gewässerunterhaltung sowie der Beachtung der Gewässer bei Bodenbearbeitung, Düngung und Pflanzenschutz. Besondere Bedeutung hat das WHG für Betriebe, die in Wasserschutzgebieten gelegen sind.

(s. a. Umweltwirkungen)

Weitere Informationen:

Wasserleitfähigkeit

Durchlässigkeitsvermögen des Bodens für Wasser. Sie wird für den Zustand voller Wassersättigung (Füllung aller Poren, verwirklicht in Stau- und Grundwasserhorizonten) und für den ungesättigten Zustand (häufigster Zustand des durchwurzelten Bodenraumes) beschrieben.
Im Zustand voller Wassersättigung (maximaler leitender Fließquerschnitt senkrecht zur Fließrichtung) ist sie vom Porenvolumen, von der Porengrößenverteilung (vor allem vom Anteil der Grobporen) und der Porenkontinuität abhängig und damit auch von der Körnung und vom Bodengefüge. Je größer der Grobporenanteil und je besser deren Kontinuität, desto größer die Wasserleitfähigkeit im gesättigten Zustand.
Die Wasserleitfähigkeit nimmt bei ungesättigten Zuständen mit abnehmendem Wassergehalt (Entleerung der Poren, bei den Grobporen beginnend) wegen des abnehmenden leitenden Fließquerschnitts ebenfalls ab.

water harvesting

Auch rainwater harvesting; Gesamtheit der wassersammelnden Maßnahmen mit dem Pflanzenbau als wichtigster Anwendung, vorwiegend in Halbwüstenregionen mit 100 - 300 mm, evtl. bis 500 mm N/a. Dabei wird der abfließende Niederschlag einer größeren Fläche, der Wassererntefläche, gesammelt und einer kleineren Fläche, der Anbaufläche, zugeführt. Häufig leiten zielgerichtet im Gelände angeordnete Strukturen aus Erde oder Steinen das Wasser zur Anbaufläche oder in einen Speicher. In Abhängigkeit vor allem vom Grad der Aridität kann das Größenverhältnis von Wasserernte- zu Anbaufläche von 1:1 bis zu 10.000:1 reichen.

Erste Formen des water harvesting lassen sich bis 7.000 v.Chr. (Jordantal) zurückverfolgen. Allerdings nahm das überkommene Wissen über diese Techniken in vielen Ländern ab:

Beispiele für traditionelles und auch heute praktiziertes water harvesting:

Die Formen des water harvesting lassen sich nach Form und Größe unterscheiden:

Negative Aspekte des water harvesting ergeben sich daraus, daß die hygrischen Risiken nur abgemildert und nicht ausgeschlossen werden, daß Konflikte zwischen Ober- und Unterliegern an einem Trockenfluß oder einem längeren Hang entstehen oder daß traditionelle Bodenbesitzrechte Probleme bereiten.

(s. a. Bewässerung)

Wechselgrünland

Auch Wechselwirtschaft; Fruchtfolgesysteme, bei denen mehr- oder langjährig genutztes Grünland, im Wechsel mit ein- oder mehrjährigem Ackerbau kombiniert wird. In feuchten oder höheren Lagen ist der Unterbruch durch Ackernutzung kurz, in günstigeren Gebieten länger. Gemeinsam haben die Systeme und Formen des Wechselgrünlandes, daß keine örtliche Trennung zwischen Acker- und Grünland besteht.

Systematik der Nutzungsformen des Wechselgrünlandes

Quelle: Voigtländer 1987

Bei der Egartwirtschaft, der in der Regel alpenländischen Form der Wechselwirtschaft, wird das Ackerland innerhalb der Grünlandfläche umgelegt. Demgegenüber wird bei der Feldgraswirtschaft, der eher kontinentalen Ausprägung der Wechselwirtschaft, das Grün- bzw. Grasland innerhalb der Ackerfläche umgelegt. Bei der Egartwirtschaft steht die Grünlandnutzung im Vordergrund, bei der Feldgraswirtschaft die Ackernutzung. Für beide Systeme sind ackerfähige Standorte, d.h. nicht zu flachgründige Böden mit nicht zu starker Hangneigung, erforderlich.

Wechselweidewirtschaft

Form der Weidewirtschaft, bei der wegen Futterknappheit ein jahreszeitlicher Wechsel der Weidegebiete erfolgt.

(s. a. Almwirtschaft, Nomadismus, Transhumanz)

Wegrain

Auch Wegrand; der in der Agrarlandschaft vielfach gehölzfreie oder nur streckenweise mit einzelnen Bäumen bestandene Grenzstreifen zwischen der für den Fahrzeugverkehr ausgewiesenen und gewöhnlich künstlich befestigten Trasse und den benachbarten, teils ackerbaulich, teils anderweitig genutzten Flächen. Sie dienen manchmal zum Abstellen von landwirtschaftlichen Geräten, als Wendeplatz bei der Feldbearbeitung sowie gelegentlich als Ablageplatz für Lesesteine und organische Abfälle. Oft bilden sie auch Grenzlinie und Fußpfad. Diese vielfältigen Nutzungen bedingen zusammen mit naturgegebenen Bedingungen vielfältige Strukturen insbesondere von pflanzlichen und tierischen Lebensgemeinschaften sowie unterschiedlichste Feuchte- und Nährstoffverhältnisse.

Wegraine sind bei standortgerechter Anlage und behutsamer Pflege ein wichtiges Element der Vernetzungstrukturen innerhalb der Agrarlandschaft. Die früher übliche Ausbringung von Herbiziden auf den Wegrainen wird immer seltener praktiziert.

Weide

Derjenige Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche, der im Unterschied zur Wiese von Nutztieren beweidet wird. Unterscheiden lassen sich Weiden in private Weiden und Gemein-Weiden (u.a. auch Hutungen, Almen). Man unterscheidet ferner die Dauerweide von der Wechselweide, die im Rahmen der Feldgraswirtschaft betrieben wird. Als Unterform der Dauerweide kann die Umtriebsweide angesehen werden. Zwischen Weide und Wiese steht die Mähweide.

Weideflächenwechsel

Der Weideflächenwechsel wird erforderlich, wenn die Futtergrundlage infolge mangelnder Niederschläge oder Überweidung nicht mehr ausreicht und weit entfernte Weidegründe aufgesucht werden müssen. Beim Nomadismus verbindet sich der Flächenwechsel, vergleichbar dem Wanderfeldbau, mit einer Verlegung der Siedlungen, während bei der Transhumanz die Siedlungen wie bei der Landwechselwirtschaft ortsfest bleiben.

Weidegerechtsame

Auch Weidegerechtigkeit, Weideservitut, Weidedienstbarkeit, Hutungsrecht, Weiderecht; das Recht, Vieh auf staatlichem, gemeindeeigenem oder privatem Land weiden zu lassen. Es wurde früher von den Dorfbewohnern als Weidegemeinschaft der Markgenossen auf den Allmenden wahrgenommen. Heute spielt das Weiderecht noch in der Almwirtschaft Tirols und der Schweiz eine Rolle.

Weidewirtschaft

Formen der Viehhaltung, bei denen keine monatelange Einstallung des Viehs erfolgt, dieses vielmehr auf umfangreichem Weideland gehalten wird. Dennoch können einfache Hütten vorhanden sein, die dem Vieh als Schutz vor Unwettern dienen oder dem Aufenthalt von Jungtieren sowie von kranken Tieren. Verschiedentlich sind die Hütten auch mit technischen Einrichtungen versehen und dienen dem Melkbetrieb. Grob können folgende Weidewirtschaftssysteme unterschieden werden:

Fleisch- und Milchproduktion durch standortgemäße Weidehaltung von Rauhfutterfressern (Rinder, Schafe, Ziegen) konkurriert nicht mit dem Getreideanbau um Ackerfläche und liefert vor allem in Entwicklungsregionen einen Großteil tierischer Produkte. Unter den Gesichtspunkten Energieeffizienz, Tragfähigkeit und Ökologie ist die Weidehaltung wegen ihrer Schonung ackerbaulicher Flächen zugunsten der Produktion von pflanzlichen Nahrungsmitteln und dem Verzicht auf Futtermittelimporte aus Übersee vorteilhaft.

Durch die beispielsweise in Mitteleuropa seit Jahrtausenden betriebene Weidewirtschaft wurde ebenso wie durch den Ackerbau entscheidender Einfluß auf die Entstehung der Kulturlandschaft genommen. Die Beweidung mit Rindern, Pferden, Schweinen, Ziegen, Schafen sowie Holzeinschlag und Brand drängten den Wald immer mehr zurück. In den Wäldern, in denen das Vieh (meist frei) weidete, kam es kaum noch zu einer Naturverjüngung der Waldbäume, da die Tiere sowohl die schmackhaften Samen und Früchte (Eicheln, Nüsse, Bucheckern usw.) als auch die frischen Triebe der meisten Jungbäume den teilweise bitteren Waldkräutern vorzogen. Auch ältere Bäume wurden so weit geschädigt, daß sie abstarben, weil ihre Rinde vor allem von Ziegen und Pferden abgeschält wurde. So wurden besonders auf ärmeren Böden innerhalb weniger Baumgenerationen aus dichtgeschlossenen Wäldern aufgelockerte Parklandschaften oder weitgehend gehölzfreie Triften.

Die hierdurch ausgelösten Veränderungen der Lichtverhältnisse, des Kleinklimas und des Bodens ermöglichten es, daß sich die ursprünglich auf Waldlichtungen und lichte Wälder beschränkten Pflanzenarten und -gesellschaften ausbreiteten und für den Wald nichttypische Dünen- und Steppenpflanzen vordringen konnten. So entstanden neue, artenreiche Lebensräume.

(s. a. Almwirtschaft)

Weiler

Kleine, meist landwirtschaftlich geprägte Gruppensiedlung mit drei bis zwanzig Haus- und Hofstätten, die keine eigene Verwaltung, Schule, Kirche oder sonstige Versorgungseinrichtungen besitzt. Verbreitungsgebiete sind große Teile der deutschen Mittelgebirge.

Weinbau

Der zu den Sonderkulturen zählende systematische und vorwiegend zu Erwerbszwecken dienende Anbau der Kulturrebe. Reben können auf fast allen Böden und unter unterschiedlichen Klimabedingungen angebaut. Für einen wirtschaftlichen Anbau werden Jahresdurchschnittstemperaturen zwischen 12 und 18 °C oder ein günstiges Lokalklima mit hoher Temperatursumme während der Vegetationsperiode sowie eine gute Nährstoffversorgung benötigt.

Die Hauptanbaugebiete liegen in der subtropischen und in der gemäßigten Zone.

Der größte Teil der globalen Traubenernte wird zu Wein, Schaumwein und Weinbrand verarbeitet. Ein kleinerer Teil gelangt als Frischobst oder nach Trocknung als Rosinen, Sultaninen oder Korinthen auf den Markt. Geringere Bedeutung besitzt die Herstellung von Traubensaft, Marmeladen oder Konfitüren.

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Weistum

Als Weistum (bis 1901 »Weisthum« mit th) wird eine historische Rechtsquelle bezeichnet, die in der Regel mündlich überliefert oder nach Verhandlungen protokolliert wurde. Weistümer stammen überwiegend aus dem ländlichen Bereich während des Mittelalters und der Neuzeit, sie sind durch eine Weisung zustande gekommen, durch die Auskunft rechtskundiger Personen über einen bestehenden Rechtszustand in einer hierzu einberufenen Versammlung.

Jacob Grimm führt den Begriff zurück auf „kollektive Aussage rechtskundiger Männer über das bestehende Recht“, wobei hier in erster Linie der Vorgang der unmittelbaren Rechtsfindung gemeint ist und nicht die geschriebene Form. Das Weistum wird zum Teil auf Stammesrechte bis hin zum nordischen Thing zurückgeführt.

Das Wort Weistum entstammt den Quellen nach aus dem Gebiet des mittleren Rheins und der Mosel. In den Quellen anderer Regionen sind andere Bezeichnungen üblich, in Süddeutschland beispielsweise Ehaft und Ehafttaiding, im Elsass Dinghofrodel und in Niederdeutschland Willkür oder Beliebung. In der Schweiz nannte man sie Offnung, in Österreich Banntaiding. Die bäuerlichen Weistümer waren vor allem in Südwestdeutschland, in der Schweiz und in Österreich verbreitet.

Weizen

Wichtigste Getreideart. Weizen wird in Deutschland hauptsächlich als Wintergetreide angebaut und als Futter- und Brotweizen verwendet. In Süddeutschland wächst auch Hartweizen, der speziell für die Nudelherstellung (u.a. Spaghetti) verwendet wird. Rund 3,2 Mio. Hektar (entspricht 27 % der Ackerfläche) werden in Deutschland mit Weizensorten bestellt. Der Selbstversorgungsgrad beträgt 139 % (2005/06).

Welternährung

Der Begriff Welternährung wird erst seit dem 20. Jh. gebraucht. Noch immer leiden weltweit fast 1 Milliarde Menschen – von bald 8 Milliarden auf der Erde – an Hunger. Jedes Jahr sterben beinahe 9 Millionen Menschen durch Hunger, alle 15 Sekunden ein Kind. 50 % der Hungernden sind Kleinbauern, die sich von dem ernähren müssen, was sie selbst anbauen. Wenn ihre Ernte schlecht ausfällt und nicht für sie reicht oder wenn sie schlechte Preise für ihre Produkte bekommen, leiden sie Hunger. Weitere 20 % der Hungernden sind landlose Landarbeiter, 20 % leben in Elendsvierteln der Städte, 10 % sind Fischer und Viehzüchter.

Bis zum Beginn der Kolonialisierung gab es in mehr oder weniger abgeschlossenen, voneinander getrennt existierenden Regionen auch durch Unwetter, Schädlings- oder Seuchenbefall oft Hungersnöte.

Heute könnte die gesamte Menschheit – rein theoretisch – ausreichend ernährt werden. Dass dies nicht geschieht, hängt von Geld-, Transport- und Verteilungsproblemen, Kriegen und politischen Entscheidungen ab.

In der Vergangenheit verbreitete sich von Zeit zu Zeit die Befürchtung, dass die Produktionskapazität der Landwirtschaft hinter dem Nahrungsbedarf der Bevölkerung zurückbleiben könnte. Bei der Argumentation stand einmal die Angebotsseite im Vordergrund, etwa der Ressourcenverfall oder die Verschlechterung der Produktionsbedingungen, ein anderes Mal die Nachfrageseite, insbesondere das Bevölkerungswachstum, mit dem die Produktionssteigerung nicht Schritt halten würde. Heute werden die diesbezüglichen Aspekte der Nachfrage nach Nahrungsgütern und des Angebots an Agrarprodukten in den Schlüsselwörtern Ernährungssicherung und Nachhaltigkeit der Produktion zusammengefasst. Wegen der Bedeutung des Handels in der arbeitsteiligen Wirtschaft tritt der nationale und internationale Güteraustausch zwischen Wirtschaftssubjekten und Wirtschaftsräumen als eigenständiger Betrachtungsgegenstand der Ernährungssicherung hinzu.

Der Produktionsfaktor Boden ist in vielen Regionen der Welt nur in unzureichender Qualität und/oder in unzureichendem Umfang vorhanden. Oft herrscht auch Mangel an Wasser (siehe Wasserbedarf). In vielen Ländern ist die Ausrüstung mit Kapital, d.h. sowohl mit Maschinen und Saatgut als auch mit Vieh höchst unzureichend. Weil es in der Welt kaum funktionierende Märkte für Agrarprodukte gibt, können Entwicklungsländer ihre Produkte häufig nicht zu angemessenen Preisen absetzen (siehe WTO). Auf der anderen Seite werden Futtermittel aus Entwicklungsländern für die Veredlungswirtschaft in Europa importiert. Eine nachhaltige Sicherung der Welternährung wäre nur möglich, wenn Handelshemmnisse beseitigt, gleiche Marktbedingungen geschaffen, die Erzeugung und Verarbeitung von gewonnenen Produkten in den Entwicklungsländern gefördert und das Bevölkerungswachstum sich verlangsamen würden. Außerdem müsste kontrolliert werden, dass keine Gelder für Entwicklungshilfe in Rüstung oder „private Taschen“ fließen. - Auch Spekulationen mit Nahrungsmitteln - wirken sich negativ aus.

Nur knapp ein Viertel der Böden sind ohne Einschränkung zum Anbau landwirtschaftlicher Produkte geeignet, ein weiteres Viertel ist zu trocken, der Rest bringt wegen schlechter Lage oder zu starker Kälte nur geringe Erträge.

Die Wirtschaftskrise (2008, 2009, 2010) verstärkte die Probleme dramatisch. Dass die Eurokrise (2014/2015) sich auch auswirkt, ist sicher. Als weitere Negativfaktoren kommen die Folgen des Klimawandels, der Rückgang der weltweit landwirtschaftlich nutzbaren Fläche und auch verfehlte Regionalpolitik hinzu.

Einige Fakten zur Welternährung

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Welthunger-Index

Engl. Global Hunger Index (GHI); Instrument, mit dem die Hungersituation sowohl weltweit als auch in ausgewählten Regionen und Ländern umfassend dargestellt wird. Er wird jedes Jahr im Oktober vom Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungs- und Entwicklungspolitik (IFPRI) berechnet und zusammen mit der Welthungerhilfe und Concern Worldwide herausgegeben, um damit die Fortschritte – oder deren Ausbleiben – bei der Reduzierung des Hungers zu bewerten. Der WHI soll zu gesteigertem Bewusstsein und Verständnis für Unterschiede zwischen Regionen und Ländern im Kampf gegen den Hunger beitragen.

Im engeren Sinne ist der Welthunger-Index ein Zahlenwert, der auf vier Indikatoren beruht. Der jeweilige WHI-Wert liegt auf einer Skala von 0 bis 100, wobei keiner dieser Extremwerte tatsächlich erreicht wird. Je höher der Wert ist, desto schlechter wird die Ernährungslage bewertet. Wenn der WHI-Wert eines Landes ansteigt, weist dies auf eine Verschlechterung der Hungersituation hin. Eine Verringerung des Wertes kennzeichnet dagegen eine Verbesserung der Hungersituation.

Die Werte basieren auf Originaldaten für vier Indikatoren. Die Basisdaten für diese Indikatoren werden von den internationalen Organisationen, die sie zusammentragen, kontinuierlich überprüft, was sich in den jährlichen WHI-Berichten widerspiegelt. Der WHI 2016 spiegelt Daten und Projektionen auf Länderebene aus dem Zeitraum 2010 bis 2016 wider.

Vier Indikatoren zur Berechnung des WHI

Um die verschiedenen Dimensionen des Hungers widerzuspiegeln, umfasst der WHI vier Indikatoren zur Berechnung der Index-Werte. Bei der Messung von Hunger bietet dieser multidimensionale Ansatz mehrere Vorteile. Er berücksichtigt sowohl die Versorgungslage der Bevölkerung insgesamt als auch die Ernährungslage von Kindern, einer besonders gefährdeten Gruppe, bei der eine Unterversorgung mit Nahrungsenergie, Proteinen oder Mikronährstoffen (also mit lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen) zu einer erhöhten Gefährdung durch Krankheit, einer mangelhaften körperlichen und geistigen Entwicklung oder zum Tod führt. Darüber hinaus kann durch die Kombination unabhängig voneinander gemessener Indikatoren der Einfluss zufallsbedingter Messfehler verringert werden.

Wegen fehlender Daten konnte der WHI für 13 Länder nicht berechnet werden. Allerdings wurden aufgrund bestehender Daten internationaler Organisationen, die sich auf Hunger und Mangelernährung spezialisieren, 10 dieser Länder identifiziert, nämlich Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Eritrea, die Komoren, Libyen, Papua-Neuguinea, Somalia, Sudan, Süd Sudan und Syrien, die Anlass zu erheblicher Sorge geben. Eine Analyse der vorliegenden Daten zur Ernährungssicherheit ist daher für ein bestmögliches Verständnis der Lage in diesen Ländern umso wichtiger, vor allem da einige von ihnen die weltweit größte Verbreitung von Unterernährung bei Kindern und die höchsten Kindersterblichkeitsraten aufweisen.

Welthunger-Index 2016 nach Schweregrad

Quelle: Welthungerhilfe

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Weltmarkt

Bezeichnung für einen gedachten, räumlich nicht zu bestimmenden Markt, auf dem Waren und Leistungen weltweit von Unternehmen oder ganzen Volkswirtschaften gehandelt werden. Die Produktion der Güter erfolgt dabei in einem anderen Land als ihr Verbrauch. Die Preise für Güter am Weltmarkt, z. B. Rohstoffe, werden als Weltmarktpreise bezeichnet. Diese Weltmarktpreise können durch Transportkosten, Subventionen, Zölle und nichttarifäre Handelshemmnisse stark von den nationalen und lokalen Preisen abweichen. Angebot und Nachfrage dieser international gehandelten Güter (Außenhandelsgüter) ergeben sich im Normalfall aus dem Überschussangebot (Exportgüterangebot) und dem Nachfrageüberhang (Importgüternachfrage) der - Binnenmärkte der Ausfuhr- bzw. Einfuhrländer beim herrschenden Weltmarktpreis.

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Weltmarktpreis

Auf den Weltmärkten gezahlte Preise für verschiedene Agrarprodukte. Es handelt sich i.d.R. um manipulierte Preise, die sich z.T. unabhängig von den Produktionskosten bilden. Sie werden meist von den Produktionsmengen bestimmt, die von den Ländern mit agrarischer Überproduktion auf den Weltmarkt geworfen werden, und die großenteils direkt oder indirekt mit Exportsubventionen verbilligt sind. Kurzfristige Angebotsschwankungen widerspiegelnd, stellen Weltmarktpreise somit keinen verläßlichen Maßstab für die tatsächliche Marktlage oder die Produktionskosten dar. Zudem erfassen diese Preise nicht den Verbrauch an sog. freien Gütern, insbesondere an Naturgütern. Die Berücksichtigung ihrer Kosten würde zu relativen Preisverschiebungen entsprechend der Umweltfreundlichkeit der agrarischen Produktion in einzelnen Ländern führen. Um ungleiche Marktbedingungen zu vermeiden bieten sich zwei Lösungsansätze an: Entweder es kommen in allen Agrarhandelsländern dieselben Umweltschutzvorschriften in der landwirtschaftlichen Produktion, in Verarbeitung und Handel zur Anwendung oder den Ländern mit dem strikteren Umweltschutz wird ein angemessener Außenschutz zugestanden.

Während für viele Industrieprodukte ein Handel zwischen Ländern in unterschiedlichen Erdteilen stattfindet, der zum Teil einen erheblichen Umfang hat, ist die Menge der auf dem Weltagrarmarkt gehandelten landwirtschaftlichen Produkte relativ klein, auch in Bezug auf die gesamte Erzeugung, so z.B. bei Zucker, Getreide und Milcherzeugnissen. Bei anderen Erzeugnissen wie Rindfleisch, Wein und Tabak gibt es praktisch keinen Weltmarkt, und die Preise sind je nach Bestimmungsland der Ausfuhren unterschiedlich. Grund hierfür sind feste Handelsvereinbarungen. Nur Spezialprodukte wie Kaffee, Tee, Kakao, Südfrüchte oder Bananen werden in größeren Mengen gehandelt. Sonst konzentriert sich der Welthandel mit Agrarprodukten vor allem auf Futtermittel für Vieh in Industriestaaten. Die Preise werden dabei von den Industriestaaten oft – je nach Interesse – nach oben oder nach unten manipuliert, z.B. um gegebenenfalls Überschussmengen abzustoßen und so Lagerkosten zu sparen oder aus einer relativen Monopolstellung Gewinn zu erzielen.

Schon eine Versorgung mittelgroßer Staaten mit Nahrungsmitteln nur aus dem Weltmarkt würde Mengen- und vor allem Preisprobleme mit sich bringen.

Die Weltmarktpreise haben in jedem Fall direkten Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes bzw. eines Unternehmens. Ist das betreffende Land in der Produktion auf einige wenige Güter beschränkt (z.B. Kaffee, Zucker, Tabak), so entsteht eine besondere Abhängigkeit vom Weltmarktpreis, was wiederum zu nationalen Wirtschaftskrisen führen kann.

In der Europäischen Union wird heute ein hoher Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln zu angemessenen, stabilen Preisen angestrebt. Früher wurden überschüssige Mengen der europäischen Landwirtschaft aufgekauft und dann zum Teil zu Preisen unter den Aufkauf- oder Herstellungskosten auf den Weltmarkt geschleust. Die GAP der EU macht durch Abbau der Marktstützungen und hohe Direktzahlungen den Weltmarkt etwas transparenter. Die Erzeugerpreise für Agrargüter in der EU liegen i.a. über dem Weltmarktpreisniveau.

wendende Bodenbearbeitung

Der Einsatz des Pfluges bei der Bodenbearbeitung, bei dem in das bestehende Bodenprofil mehr oder weniger stark eingegriffen wird.

(s. a. konservierende Bodenbearbeitung).

Wertschöpfung

Die Bruttowertschöpfung ergibt sich aus dem Gesamtwert der im Produktionsprozess erzeugten Waren und Dienstleistungen abzüglich des Wertes der bei der Produktion verbrauchten Güter zu Anschaffungspreisen (Vorleistungen - z.B. Rohstoffe, Vorprodukte, Handelswaren, Reparaturleistungen usw.). Aus der BWS wird nach Abzug der verbrauchsbedingten und zu Wiederbeschaffungspreisen bewerteten Abschreibungen und der Produktionssteuern sowie durch Addition der für die laufende Produktion gezahlten Subventionen die Nettowertschöpfung zu Faktorkosten. Die Nettowertschöpfung umfaßt die Entlohnung der Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital.

Im Jahr 2014 betrug die Bruttowertschöpfung der Landwirtschaft in Deutschland rund 17,4 Milliarden Euro, die Nettowertschöpfung 15,6 Mrd. Euro.

Der Anteil der Landwirtschaft an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2014 sank von 0,98 % (2010) auf 0,67 (2014).

Wertschöpfungskette (WSK)

Eine Wertschöpfungskette (engl. value chain, dt. auch Wertkette) bildet die geordnete Reihung von Tätigkeiten in der Produktion ab. Diese Tätigkeiten schaffen Werte, verbrauchen aber auch Ressourcen. Die einzelnen Prozesse sind miteinander verbunden. Die Abfolge dieser Aktivitäten umfasst zum Beispiel die landwirtschaftliche Primärproduktion auf dem Feld oder im Stall, die Aufbereitung und Weiterverarbeitung des Ernteguts zu Lebens- oder Futtermitteln, die gesamte Logistik und Lagerung und den Verkauf im Groß- und Einzelhandel. Die WSK analysiert die Aktivitäten, Produkte und Dienstleistungen während der einzelnen Prozessschritte, ebenso die Beteiligten, deren Beziehungen und Machtverhältnisse sowie den damit verknüpften Informations- und Wissensaustausch. Der WSK-Ansatz ermöglicht den Blick über einzelne Sektoren und nationale Grenzen hinaus auf alle Prozessschritte und Beteiligten.

Oftmals wird die Wertschöpfungskette vom Begriff des Wertschöpfungsnetzes ersetzt, womit der erhöhten Komplexität Ausdruck verliehen wird.

Seit neuestem schließt der Begriff überdies die Wiederverwendung und/oder Entsorgung abgenutzter Produkte ein, weil diese wiederum Rohstoffe für andere Produkte im selben Unternehmen oder in anderen Unternehmen darstellen. Die Wertschöpfungskette umfasst folglich sämtliche Aspekte des Lebenszyklus eines Produktes.

Das Konzept wurde erstmals 1985 von Michael E. Porter in seinem Buch Competitive Advantage veröffentlicht.

Agrare Wertschöpfungsketten in Entwicklungsländern

In vielen Märkten ist die Organisation der Wertschöpfungskette (WSK) damit zum Wettbewerbsfaktor geworden. Das Einhalten von Qualitätsstandards, wachsende Produktvolumina, verbunden mit festen Lieferfristen und Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit sind große Herausforderungen insbesondere für kleinere Unternehmen und bäuerliche Betriebe, aber auch für Regierungen und Branchenverbände.

Wirtschaftliches Wachstum ist unabdingbar für eine erfolgreiche Armutsminderung in Entwicklungsländern. Die für die ländliche Bevölkerung wichtigsten Möglichkeiten zur Wertschöpfung liegen in hochwertigen Agrar- und Naturprodukten und in der arbeitsintensiven Be- und Verarbeitung.

Das Konzept der Wertschöpfungskette umfasst die miteinander verbundenen Stufen der Erzeugung, des Handels, der Verarbeitung und des Vertriebs bzw. Exports von Agrarprodukten. Die öffentliche Förderung von Wertschöpfungsketten ist vor allem dort notwendig, wo Märkte schwach organisiert sind und keine Handelsklassen und Standards definiert sind, die Preisbildung intransparent ist, Technologie, Infrastruktur und Dienstleistungsangebote fehlen oder der Marktzugang eingeschränkt ist. Für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg auf dem Weltmarkt wird die Koordinierung von Produktion und Vermarktung immer bedeutender. Oft hängt die Wettbewerbsposition der Produzierenden von den anderen an der Erstellung eines hochwertigen Produkts beteiligten Unternehmen ab. Mit der Entwicklung von Wertschöpfungsketten kann die Wettbewerbsfähigkeit in nationalen und internationalen Märkten verbessert und die Wertschöpfung innerhalb des Landes oder einer Region erhöht werden. Das Hauptkriterium hierbei ist ein Einkommenszuwachs, der arme Bevölkerungsgruppen möglichst begünstigt, zumindest aber ihre relative Situation nicht verschlechtert. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) berät ihre Partner im Auftrag der Bundesregierung hinsichtlich der Gestaltung von Wertschöpfungsketten.

Auf der Grundlage eingehender WSK-Analysen entwickelt das GIZ zusammen mit allen wichtigen Akteuren Strategien für eine gezielte Förderung. Durch die frühzeitige Orientierung von Fördermaßnahmen auf die Vermarktbarkeit von Produkten werden deren spätere Absatzchancen verbessert. Damit werden private und staatliche Investitionsmittel mobilisiert, die zu mehr Wirtschaftswachstum führen. Entscheidend ist, dass dieses Wachstum gleichzeitig einen breitenwirksamen sozialen und ökologischen Nutzen hat und zum effizienteren Einsatz von Energie, Wasser und anderen Ressourcen führt. (GIZ)

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Wiedereinrichter

Mit Wiedereinrichter werden Eigentümer landwirtschaftlicher Immobilien (Grund, Gebäude) in den neuen Bundesländern bezeichnet, die nach der Wiedervereinigung und dem Inkrafttreten eines entsprechenden Landwirtschaftsanpassungsgesetzes wieder frei über ihr Vermögen verfügen konnten (z.B. nach Auflösung einer LPG). Der Begriff Wiedereinrichter traf eigentlich nur in wenigen Fällen zu (wenn der Wiedereinrichter auch während der Kollektivierungsphase der DDR-Landwirtschaft seine Immobilien behielt), da in der Regel der landwirtschaftliche Betrieb neu eingerichtet wurde. Wiedereinrichter wurden nicht nur von der Bundesregierung sondern auch von der Europäischen Union finanziell gefördert. Sie erhielten zunächst eine Starthilfe von 23.500 DM. Für förderungsfähige Investitionen konnte ein Betrieb dann noch bis zu 800.000 DM zinsverbilligte Darlehen bekommen. Die Finanzhilfen erklären sich aus der i.d.R. dünnen Eigenkapitaldecke der Wiedereinrichter, die sie z.B. oft hinderte, Flächenkäufe, bauliche Investitionen oder moderne Landtechnik zur Stabilisierung und langfristigen Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens zu beschaffen. Immerhin wies 1992 ein land- und forstwirtschaftlicher Arbeitsplatz im Durchschnitt der alten Bundesländer eine Kapitalausstattung von 411.400 DM auf, eine Zahl, die für Gesamt-Deutschland bis 1997 auf ca. 503.000 DM gestiegen war.

Landwirte, die mit Pachtland und neu erworbener Technik begannen einen neu gegründeten Betrieb zu bewirtschaften wurden als Neueinrichter bezeichnet. Ebenso war es möglich, dass Wiedereinrichter oder Neueinrichter vorher nicht in der DDR wohnhaft waren, sondern insbesondere aus den westdeutschen Bundesländern und aus Holland "einwanderten".

Die Extremform war der Tiefladerbauer aus dem Westen, der im Frühjahr zur Bestellung mit dem Tieflader nach Osten rollte und im Herbst zum Ernten kam. Häufig verbargen sich hinter dem Begriff Wiedereinrichter flächenstarke Marktfruchtbetriebe mit geringstem Arbeitskräftebesatz, ohne Tierhaltung und ohne bäuerlichen Charakter.

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Wiederkäuer

Rinder, Schafe, Ziegen, Hirsche, Antilopen, Giraffen und Gazellen gehören zur Gruppe der Wiederkäuer. Das für die pflanzliche Ernährung angepasste Verdauungssystem hat neben dem normalen Magen (Labmagen) noch mehrere Vormägen (Pansen-, Netz- und Blättermagen). Wiederkäuer fressen im Wesentlichen Gras, das wenig Nährstoffe und viel unverdauliche Zellulose enthält. Die so aufgenommene Nahrung wird im Pansen, der bis zu 180 l Inhalt haben kann, von Mikroorganismen chemisch aufgeschlossen und wandert dann in den Netzmagen. Von dort kommen die vorverdauten Pflanzenteile nochmals portionsweise ins Maul, werden dort gründlich gekaut und heruntergeschluckt. Anschließend zersetzen die Mikroorganismen den Nahrungsbrei weiter, setzen Nährstoffe frei und ermöglichen deren Aufnahme in einem besonders langen Darm. So können Wiederkäuer minderwertiges Futter verwerten und in der Natur ihre Nahrung in kurzer Zeit abrupfen, um sie dann geschützt und in Ruhe aufzubereiten und zu verdauen.

Wiese

Ein Begriff, der für natürliche und künstliche, holzpflanzenfreie Graslandgemeinschaften verwendet wird. Natürliches Grasland findet sich in Mitteleuropa etwa an Gewässerufern, während künstliches Grasland durch Mähen der Heugewinnung dient. Weidenutzung wird nur gelegentlich als Nachweide vor Ende der Vegetationszeit praktiziert.

Mähwiesen entstanden in Mitteleuropa erst vor ca. 1.000 Jahren. Sie waren zunächst einschurig und wurden als Streuwiesen genutzt. Allmählich ging man zu zwei- und mehrschurigen Futterwiesen über, wie sie bis in die Mitte des 20. Jh. vorherrschten.

In der Intensivlandwirtschaft wurden die artenreichen Futterwiesen durch artenarmes Intensivgrünland ersetzt. Die beispielsweise im Alpenvorland in den vierziger Jahren genutzten Futterwiesen wurden damals zu 94 % zweischnittig geführt, heute werden sie vier- bis sechsschnittig genutzt und bieten dadurch nur noch 20 - 30 % der früher vorkommenden Wiesenflora Lebensraum.

Wiesen-Alp-Betrieb

Volkskundlicher Begriff für die traditionelle Agrarstruktur des feuchten Alpennordsaumes bzw. der Alpenregionen mit germanischer Sprache und Kultur.

Hauptmerkmale der Wiesen-Alp-Betriebe:

Wiesen-Alp-Betriebe haben vor allem mit der arbeitsextensiven Ausrichtung auf Schlacht- und Zuchtviehproduktion auch im Rahmen der EU eine deutlich bessere wirtschaftliche Position als die Acker-Alp-Betriebe.

Wiesenbau

Bezeichnung für die Techniken der Be- und Entwässerung von Wiesen.

Wiesenbewässerung

Form der Bewirtschaftung von Wiesenflächen in der Landwirtschaft mit dem Ziel der Düngung und besseren Wasserversorgung der Wiesen. Grünlandflächen, die durch das Aufstauen von Bächen künstlich bewässert wurden, bezeichnet man auch als Flößwiesen. Wiesenbewässerung wird vor allem in europäischen Mittel- und Hochgebirgen praktiziert.

Die so genannten Wässerwiesen sind ein Element historischer Kulturlandschaften in Mitteleuropa, das seinen Ursprung wahrscheinlich im Mittelalter hat. Hierzu legte man ganze Grabensysteme und kleine Weiher an, um das Wasser unter anderem von den Häusern, Straßen und Stallungen zu sammeln und zur Ertragssteigerung auf die Wiesen zu leiten. Im 19. Jahrhundert erfuhr die Methode der Wiesenbewässerung einen großen Aufschwung.

Zum Ausbau der Wiesen wendete man, je nach Wasserangebot und Relief, verschiedene Techniken an. So z. B. Überstauung, natürlichen Hangbau, Beethangbau oder den Rückenbau, bei dem man die Wiesenoberflächen vollständig umgestaltete. Die Bewässerung der Wiesen wirkte sich deutlich auf den Vegetationsbestand der Wiesenflächen und Gräben aus: ehemalige Wässerwiesen weisen heute häufig eine hohe Strukturdiversität auf und sind – vor allem abhängig von dem Erhaltungszustand – als Kulturdenkmal einzustufen.

Zur Zeit der traditionellen Landwirtschaft, z.B. der Dreifelderwirtschaft war Düngermangel ein prinzipielles Problem. Dünger konnte nur über organisches Material (Gülle, Mist, Laubstreu, Erntereste, Abwasser u.a.) zugeführt werden. Der Ertrag der Ackerflächen war begrenzt durch den Viehbestand als Hauptlieferant organischen Düngers. Deshalb galt der mittelalterliche Ausbau der Bewässerungssysteme vorrangig der Wiesenbewässerung. Ertragreiche Wiesen waren der Schlüssel zu einer allgemeinen landwirtschaftlichen Produktivitätssteigerung. Über die Flächenverrieselung konnten den Wiesen in großem Umfang externe Nährstoffe zugeführt werden.

In der Vergangenheit wurde die Bewässerung von Wiesen, Ackerland, Obsthainen, Gärten und Rebbergen oftmals kombiniert als Feldbewässerung wie auch in Wechselwirtschaft durchgeführt. Dies gilt besonders für die intramontanen Trockentäler und die trockeneren Gebiete Südeuropas. Eine solche Wechselwirtschaft gab es auch in manchen Tallagen der Gebirgsvorländer und auch in Hügelländern.

Wildacker

Feldflurstück, das mit Nahrungspflanzen für das Wild bebaut wird und/oder dem Wild als Schutz dient.

Wildfeld

Auch Wildland oder Willerungsland; früher die Bezeichnung für eine wenig ertragreiche Fläche in dorfferner Lage. Das Wildfeld wurde nicht gedüngt und nur in der Form einer meist ungeregelten Feldgraswirtschaft genutzt. Nach bis zu drei Ernten erfolgte eine Selbstberasung. Nach 8 - 20 Jahren wurde das Wildfeld wieder umgebrochen. Wildfelder waren vornehmlich in W- und SW-Deutschland weit verbreitet. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. erfolgte die Umwandlung in Dauerackerland bzw. Dauergrünland. Wo Ertragsverbesserungen nicht möglich waren, erfolgte Aufforstung.

Wildkräuter

Bezeichnung für krautige Wildpflanzen (im Gegensatz zu den züchterisch beeinflussten Kulturpflanzen), vor allem in der direkten Umgebung des Menschen, in Gärten, Ackerland und Saumbiotopen. Der Begriff wird vor allem, ähnlich wie der weniger verbreitete Ausdruck „Beikraut“, als Synonym für den Ausdruck Unkraut verwendet, um den sehr negativ besetzten Beiklang von „Un“kraut zu vermeiden. Wildkraut wird also vor allem dann verwendet, wenn in positiv besetztem Zusammenhang von „Unkräutern“ die Rede ist, vor allem im Rahmen des Naturschutzes, wo sich insbesondere der Ausdruck Ackerwildkraut durchgesetzt hat, und bei der Nutzung von wild wachsenden Kräutern als Nahrungspflanzen des Menschen. Neben „Wildkraut“, das im Zusammenhang mit Ernährung mit anderen als Kräuter bezeichneten Pflanzen (Küchenkraut, Heilkraut) assoziiert wird, ist auch der Ausdruck Wildgemüse gängig. Wild gesammelte Früchte und Beeren oder Pilze sind damit aber nie gemeint.

Traditionell als Konkurrenten der Nutzpflanzen von den Landwirten erbittert bekämpft, sind heute selten gewordene Ackerwildkräuter zum Schutzobjekt des Naturschutzes geworden. Zu ihrer Förderung werden spezielle Feldflorareservate eingerichtet, sogenannte Buntbrachen und Blühstreifen, die auf Äckern in die Bewirtschaftung eingeschaltet werden, sollen sie besonders fördern. Neben dem allgemeinen Ziel der Erhaltung der Biodiversität der Agrarlandschaft sollen damit auch Nützlinge, wie zum Beispiel Wildbienen gefördert werden.

Durchgesetzt hat sich der Begriff Wildkräuter, anstelle von Unkräutern, für die Spontanvegetation auf befestigten Flächen, zum Beispiel in Mauerfugen und Pflasterritzen. Im Agrarbereich bevorzugen auch einige eher ökologisch ausgerichtete Autoren den Begriff Unkräuter. In Gärten sind beide Ausdrücke je nach Kontext gängig, der Ausdruck Wildkraut wird inzwischen auch von Institutionen wie dem Industrieverband Agrar und dem Verband Wohneigentum akzeptiert.

Windbarrieren

Auch Windschutzstreifen; kulturtechnische Erosionsschutzmaßnahme, bei der Barrieren aus Bäumen und Sträuchern oder aus hohen Gräsern rechtwinklig zur Hauptwindrichtung angelegt werden. Sie dienen zum Unterbrechen und Bremsen des Luftstroms und mindern so die Transportkraft des Windes.

Winderosion

Unter Winderosion versteht man den Abtrag, Transport und die Ablagerung von Bodenmaterial durch die Kräfte des Windes.

Tritt Wind mit einer Geschwindigkeit von mehr als 5-6 m/s unmittelbar über gefährdeten Bodenoberflächen auf, werden Bodenteilchen an der Bodenoberfläche bewegt oder treffen auf andere Teilchen. Durch den Aufprall oder durch die »Strahlwirkung« werden Bodenaggregate zerstört. Die Bewegung größerer Teilchen findet in der Regel nur über kurze Distanzen statt. Kleinste Bodenteilchen werden hingegen weiter nach oben in die Luft getragen und über größere Strecken transportiert.

Der Prozess der Winderosion besteht aus der Ablösung der Bodenpartikel, wenn die aerodynamischen Kräfte des Windes die Trägheit der Bodenteilchen sowie die Kohäsion überwinden (kritische Wind- oder Schubspannungsgeschwindigkeit) und dem Transport. Die Partikel werden durch Rollen (Reptation) sowie durch springende Bewegung (Saltation) transportiert. Ein Teil der Partikel, deren Fallgeschwindigkeit kleiner als die turbulenzbedingte Vertikalkomponente des Windes ist kann in der Luft gehalten werden und wird so in Suspension verfrachtet. Der Transport kann über einige Meter, aber auch mehrere Tausend Kilometer erfolgen. Die Transportmechanismen bewirken ein Abschmirgeln verkrusteter oder aggregierter Oberflächen (auch von Gesteinen), die als Abrasion bezeichnet wird. Der größte Teil suspensionsfähigen Materials wird erst durch Abrasion erzeugt. Durch die korngrößenabhängigen Transportarten findet darüber hinaus eine Sortierung des Materials statt. Auch die Ablagerung (Deposition) der Partikel gehört zum Prozess der Winderosion. Die Sedimentation, erfolgt als trockene Deposition oder durch Bindung an Niederschläge als nasse Deposition.
Die Wirkungen von Winderosion werden wesentlich von der Windgeschwindigkeit, den Bodeneigenschaften und der Bodenbedeckung beeinflusst. Im Unterschied zur Wassererosion spielt das Relief der Landschaft eine geringere Rolle. Trockene, feinsandige und schluffige Böden, die eine geringe Vegetationsbedeckung haben, sind am stärksten von Winderosion betroffen. Die größte Bedeutung hat die Winderosion in Wüsten und Halbwüsten sowie in den wechselfeuchten Tropen und den winterfeuchten Subtropen während der Trockenzeiten. In den Eiszeiten führte Winderosion zur Ablagerung von Löß auf dem sich über die Jahrtausende beste Böden entwickelten. Unter humiden Klimabedingungen spielt der Bodenabtrag durch Wind eine nachrangige Rolle.

Im Rahmen der Landbewirtschaftung wird der Prozess vor allem durch den menschlichen Eingriff in die Vegetation über das natürliche Ausmaß verstärkt, da der Boden nicht mehr durch eine geschlossene Pflanzendecke geschützt ist. Mittel- bis langfristig führt Winderosion auf Ackerflächen zur Verminderung der Bodenqualität. Die Mächtigkeit, also die Tiefe des Bodens, nimmt ab. Dadurch verringert sich die Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit. Dies führt zu einem Rückgang der Ernteerträge. Kurzfristig kommt es durch Windabrasion zur Schädigung der Kulturpflanzen. Schäden entstehen aber auch auf benachbarten Flächen. Die transportierte Erde wird abgelagert und überdeckt Pflanzen, Straßen und Gebäude gleichermaßen. Beim Winderosionsereignis selbst kann die Sichtweite kurzfristig stark abnehmen. Das führt unter Umständen zu massiven Behinderungen im Straßenverkehr.

Alle Schäden, die direkt vor Ort durch Winderosion entstehen, nennt man On-Site-Effekte:

Außerhalb der durch Bodenabtrag betroffenen Agrarflächen treten indirekte Effekte der Winderosion in benachbarten Gebieten auf (Off-Site-Effekte):

Weitere Informationen:

Wingert

Von ahd. wingarte - Weingarten, im Sinne von Weinberg. Der Begriff ist mundartlich in Teilen West- und Südwestdeutschland sowie der Schweiz gebräuchlich.

Winkelgehöft

Ein Regelgehöft (geregelter Mehrbauhof), bei dem die zwei bis vier Einzelbauten einen rechteckigen Hofplatz bilden, der an zwei, drei oder allen Seiten nach außen abgeschlossen ist. Man unterscheidet Zwei-, Drei- und Vierseitgehöfte (-höfe) mit nicht durchlaufender Firstlinie und Zwei-, Drei- und Vierkanter mit durchlaufender Firstlinie. Das Zweiseitgehöft (Zweiseithof) wird auch als Hakenhof bezeichnet.

(s. a. Hofformen, Mehrbauhof, Einheitshof)

Winkelhof

Auch als Hakenhof bezeichneter Zweiseithof, häufig als Erweiterungsform der Einfirsthäuser entstanden. Wird der Erweiterungsbau beidseitig vorgenommen, ergibt sich ein T-Hof. Winkelhöfe treten häufig in Gebieten mit Einfirsthäusern auf und sind wie diese mehr oder minder stark auf Großviehhaltung eingestellt.

Der Begriff deckt sich in der Literatur teilweise mit dem des Winkelgehöfts.

Wintergetreide

Eine Getreideform, die zum Schossen und Ährenbilden einen Kältereiz braucht. Wintergetreide wird im Herbst ausgesät. Die nur ein paar Zentimeter hohen Pflanzen überwintern und haben so im Frühjahr gegenüber dem Sommergetreide einen Wachstumsvorteil. Daher ist es normalerweise der jeweiligen Sommergetreideform in Bestockung, Frühreife und Ertragssicherheit überlegen.

Allerdings ist Wintergetreide der Gefahr ausgesetzt, bei bestimmten Wetterlagen (Frost bei hoher oder zu geringer Feuchtigkeit ohne Schneeschutz) auszuwintern, d.h. abzusterben.

Wintersaat

Bestand von Kulturpflanzen, deren Saatgut im Herbst aufs Feld gebracht wurde.

(s. a. Winterung)

Winterung

In der Landwirtschaft gebräuchliche Bezeichnung für die im Herbst ausgebrachte Saat von Wintergetreide (Gegensatz: Sommerung).

Winzer

Sammelbegriff für die Berufsgruppe der Weinbautreibenden. Der Begriff Winzer stammt vom lat. vinitor (Weinbauer/Weinleser) bzw. vinum (Wein).

Für den Beruf sind im deutschen Sprachraum auch andere Bezeichnungen gebräuchlich, wie Weingärtner oder Wengerter in Württemberg, Weinzierl auf Bairisch, Weinhauer in Österreich oder Weinbauer in Tirol. In Franken ist auch die Bezeichnung Häcker oder Hacker verbreitet. Als Berufsbegriff veraltet und nur noch als Familiennamen bekannt sind Rebmann oder Weinmann (Weimann, Weihmann). Winzer pflegen und kultivieren Weinreben, ernten die Weintrauben und verarbeiten sie zu Wein, Sekt oder Traubensäften. Auch die Vermarktung der Erzeugnisse gehört zum Berufsbild. Mehrzahl der Winzer ist selbständig als Betreiber eines Familienbetriebs tätig. Zur Verbesserung der Absatzchancen und zum rationellen Betrieb haben sich in vielen Gebieten Winzer zu Winzergenossenschaften zusammengeschlossen.

Winzergenossenschaft

Gewöhnlich lokale bis regionale Vereinigung von Winzern auf genossenschaftlicher Grundlage zur gemeinsamen Verwertung ihrer Erzeugnisse (Weinbereitung, Weinverkauf) oder zur gemeinschaftlichen Herstellung und Abgabe von Pfropfreben. Winzergenossenschaften gibt es heute in allen Weinbaunationen mit unterschiedlichsten Strukturen. Die Winzer entscheiden autonom über Satzung sowie Rechte und Pflichten ihrer Genossenschaft. Die Pflege des Reblandes obliegt grundsätzlich dem Winzer, die Weinbereitung und i.d.R. die Vermarktung der Genossenschaft.

Die erste deutsche Winzergenossenschaft wurde 1834 in Neckarsulm gegründet.

wirtschaftliche Schadensschwelle

Begriff aus der Landwirtschaft, der Forstwirtschaft und dem Gartenbau, der die Befallsdichte mit Schaderregern, Krankheiten oder den Besatz mit Unkräutern angibt, die unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gerade noch toleriert werden kann. Sie wird überschritten, wenn der zu erwartende Schaden höher ist als die Kosten einer Intervention. Sie trägt direkt zur Umweltschonung bei indem die Zahl der Spritzungen auf das Notwendigste reduziert werden kann. Indirekt werden Nützlinge gefördert, da geringfügige Schädlingspopulationen, die den Nützlingen als Nahrungsgrundlage dienen, toleriert werden. Ziel ist nicht die radikale Bekämpfung von Schädlingen sondern ihre Regulierung. In der Anlage soll ein Gleichgewicht zwischen Schädlingen, ihren natürlichen Gegenspielern und indifferenten Arten geschaffen werden. Vor einer Spritzung müssen Schaderregerdichte, mögliche Ertragsverluste und Bekämpfungskosten einander gegenübergestellt werden.

Je nach dem Wesen eines Schädlings oder einer Krankheit kann die Schadschwelle sehr unterschiedlich sein. Bei Schädlingen oder Krankheiten, die nur mit großem Aufwand und mit negativen Begleiterscheinungen für die weitere Produktion zu bekämpfen sind, kann die Schadschwelle sehr hoch sein. Kann jedoch schon ein geringer Befall zu einem Ausbreitungherd werden, der die gesamte Produktion zu vernichten droht, kann die Schadschwelle sehr niedrig sein.

Beispielsweise kann eine einzige Infektion mit dem Feuerbrand eine gesamte Obstplantage zerstören, weshalb die Schadschwelle hier sehr niedrig liegt. Bei einem Befall mit Spinnmilben können oft relativ viele Tiere geduldet werden, da eine Schädigung nur bei einem massiven Befall eintritt und eine Bekämpfung gleichzeitig Nützlinge wie etwa Raubmilben schädigen würde, so dass es erst recht zu einer Massenvermehrung der Spinnmilben käme.

Wirtschaftsbauten

Gebäude eines landwirtschaftlichen Betriebes mit spezifischen Funktionen. Dazu gehören:

Wirtschaftsdünger

Bei der Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere fallen je nach Aufstallungsart, Einstreumenge und Entmistungsverfahren Festmist und Jauche oder Gülle an.

Festmist, Jauche: Festmist entsteht durch Vermischung von Kot und Harn mit Einstreu. Der von der Einstreu nicht aufnehmbare Harn fließt als Jauche ab.

Gülle: Gülle, auch Flüssigmist genannt, ist ein Kot-Harn-Gemisch. Die im Stall anfallende Gülle läuft von dort entweder stetig in einen außerhalb des Stalles befindlichen Lagerbehälter ab oder wird vorübergehend aufgestaut.

Der Anfall von Kot und Harn hängt im wesentlichen von der Art und dem Lebendgewicht der aufgestallten Nutztiere ab. Der Anfall an Festmist wird zudem von der Einstreumenge mitbestimmt.

Anfall an Festmist und Jauche bei verschiedenen Nutztierarten
Tierart   Festmist Jauche
    dt/Monat m³/Monat m³/Monat
Rinder 1 GV 5,5 – 10,5 0,75 – 1,00 0,5 – 0,6
Schweine 1 GV 5,5 – 10,5 0,75 – 1,00 0,5 – 0,6
Legehennen 1.000 St. 18 2,25 -

Eigenschaften von Wirtschaftsdünger:

Auswirkungen auf das Grundwasser:

Gelangen Jauche, Gülle oder deren Abbauprodukte in das Grundwasser, so wird dies verunreinigt. Von den in das Grundwasser gelangenden Nährstoffen beeinträchtigt insbesondere das leicht lösliche Nitrat (NO3) die Güte des Grundwassers und schränkt seine Verwendung als Trinkwasser ein. Der derzeit gültige Höchstwert für Trinkwasser beträgt 50 mg Nitrat pro Liter. Für die menschliche Gesundheit ist nicht das Nitrat an sich gefährlich, sondern die Bildung von Nitrosaminen, die zu den krebserregenden Stoffen zählen, oder von Nitrit, das zur Blausucht bei Säuglingen führen kann. Daneben entzieht der Abbau der organischen Bestandteile auch dem Grundwasser Sauerstoff. Schließlich können mit Jauche und Gülle auch Keime und Krankheitserreger in das Grundwasser gelangen.

Ausbringung von Festmist:

Im Gegensatz zur Gülle werden mit dem Festmist relativ große Mengen an organischer Substanz ausgebracht. Festmist entfaltet seine volle Wirkung erst nach Einarbeitung und intensiver Vermischung mit dem Boden. Die Einarbeitungstiefe ist von der Bodenart abhängig, wobei auf Sandböden 15 - 20 cm, auf schweren Böden 10 - 15 cm zu empfehlen. Die Festmistgabe beträgt i.a. 200 - 400 dt/ha im Abstand von 2 - 3 Jahren. Im Fassungsbereich von Trinkwasserschutzgebieten ist die Ausbringung von Festmist verboten.
Festmist erhöht die Wasserspeicherfähigkeit leichter Böden, lockert schwere Böden (bessere Bodenstruktur und Durchlüftung sowie schnellere Erwärmung) und er hilft, Nährstoffe zu binden.

Ausbringung von Gülle:

Die Begüllung von Agrarflächen muß geschehen in Abhängigkeit von Vegetationszeit, Fruchtart, Relief, Wassersättigung des Bodens, Abstand von Oberflächengewässern und unter Beachtung des Trinkwasserschutzes. (Düngemittelverordnung)

Wirtschaftsformen

Unscharfer Begriff für die Zweige der Agrarwirtschaft und die Methoden der Bodenbearbeitung:

Wirtschaftswald

Alle Holzbodenflächen, die regelmäßig bewirtschaftet und von der Forsteinrichtung als "W.i.r.B." (Wirtschaftswald in regelmäßigem Betrieb) ausgeschieden werden. Wirtschaftswald außer regelmäßigem Betrieb umfasst alle Holzbodenflächen, die nicht regelmäßig bewirtschaftet werden (z.B. Bannwald, unbegehbare Steilhänge, Wildparke) und/oder deren nachhaltige Nutzungsmöglichkeit für absehbare Zeit unter 1 m³ je Jahr und Hektar liegt.

Wölbacker

Auch Hoch- oder Hügelacker genannter, reliktförmig auftretender Ackerstreifen aus der Frühzeit oder dem Mittelalter. Er ist ein i.d.R. 5 bis 20 Meter breites Beet mit einer Scheitelhöhe bis zu 1 Meter. Üblicherweise gehören mehrere nebeneinander liegende Wölbäcker zu einer Parzelle. Die gewölbte Form ergab sich aus Gründen der besseren Drainage - ihre Scheitel hatten der Gefällsrichtung zu folgen - oder durch die Art des Pflügens, nämlich dann, wenn die Schollen in Richtung der fiktiven Mittellinie des Pflugstreifens zusammengepflügt wurden. Der einzelne Wölbacker braucht weder eine Nutzungs- noch eine Besitzparzelle zu sein. Diese Form der Bodennutzung brachte eine Risikostreuung. In trockenen Jahren waren die Erträge auf den niedrigeren Teilen noch recht günstig, in feuchten Jahren dagegen auf den höheren Teilen.

(s. a. Bifang, Flurwüstung)

WTO

Englische Abk. für "World Trade Organization", Welthandelsorganisation. Sie ist eine mit eigener Rechtspersönlichkeit ausgestattete Organisation mit ständigem Sitz in Genf. Die WTO hat zurzeit 164 Mitglieder, unter anderem seit 1995 die USA, Japan, Brasilien, Indien, und die Mitgliedstaaten der Europäischen Union; seit 2001 China, seit 2012 Russland. Als 164. Mitgliedstaat ist Afghanistan im Juli 2016 beigetreten. Die WTO-Mitglieder erwirtschaften mehr als 90 % des Welthandelsvolumens. Wesentliche Nicht-Mitglieder sind einige Staaten der ehemaligen Sowjetunion sowie mehrere Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens. Zum Stand 7. Dezember 2016 gibt es 27 Länder mit Beobachterstatus, die (mit Ausnahme des Heiligen Stuhls, der - ein eigenständiges, nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt - die Vatikanstadt international vertritt) innerhalb von fünf Jahren Beitrittsverhandlungen beginnen müssen. Jedes Mitgliedsland hat eine Stimme in den Gremien. In der internationalen Handels- und Wirtschaftspolitik ist die WTO die dritte Säule neben Weltbank und Internationalem Währungsfonds.

Das WTO-Abkommen trat am 1. Januar 1995 in Kraft und umfasst drei Bereiche: das 1948 als Provisorium geschaffene Zoll- und Handelsabkommen (GATT), das Allgemeine Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen (GATS - General Agreement on Trade and Service) und das Rahmenabkommen über den Schutz geistiger Eigentumsrechte (TRIPS - Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights). Integriert ist auch ein neues umfassend geregeltes Streitschlichtungsverfahren von allerdings demokratisch fragwürdigem und wenig transparentem Charakter. Die WTO besitzt weit mehr Kompetenzen als ihre Vorläuferin, das GATT. Viele GATT-Übereinkommen wurden in das WTO-Abkommen integriert. Hierzu gehören insbesondere die für das Lebensmittelrecht maßgebenden "Übereinkommen über technische Handelshemmnisse" (Agreement on Technical Barriers to Trade, TBT-Übereinkommen) und das "Übereinkommen über die Anwendung gesundheitspolizeilicher und pflanzenschutzrechtlicher Maßnahmen" (Agreement on the Application of Sanitary and Phytosanitary Measures, SPS-Übereinkommen).

Ziel der WTO ist der Abbau von Handelshemmnissen und somit die Liberalisierung des internationalen Handels mit dem weiterführenden Ziel des internationalen Freihandels. Zudem ist sie zuständig für die Streitschlichtung bei Handelskonflikten.

Von Umweltorganisationen wie Greenpeace wird beklagt, dass die WTO keine Rücksicht auf den Umweltschutz nehme. Die häufige Einstufung von Umweltschutzmaßnahmen als Handelshemmnisse reduziere die staatlichen Möglichkeiten aktiven Naturschutz zu betreiben. Beispiele für als Handelshemmnisse eingestufte Umweltschutzmaßnahmen seien unter anderem die Reinhaltung der Luft, der Tierschutz und die Beschränkung der Gentechnik. Dagegen ist wiederum einzuwenden, dass Staaten möglicherweise Umweltschutzbestrebungen lediglich als Vorwand für versteckten Protektionismus benutzen könnten.

In der Präambel der WTO ist das Prinzip der sustainable development als Ziel formuliert, ferner u.a. der Abbau produktionsgebundener Subventionen für die Landwirtschaft.

Wegen der Besonderheiten der Weltagrarmärkte wurden besondere Regeln für den Agrarhandel eingeführt.

WTO-Beschlüsse im Agrarbereich:

Hintergrund der Maßnahmen sind die besonderen Merkmale der Landwirtschaft der Industriestaaten mit ihrem hohen Grenzschutzniveau und dem zunehmenden Einsatz von nichttarifären Handelshemmnissen. Mit der Industrialisierung hatten sich die Einkommensunterschiede zwischen Landwirtschaft und Nichtlandwirtschaft vergrößert. Die einzelnen Länder reagierten auf diese Entwicklung mit Einkommensbeihilfen an die Landwirtschaft, teils über Preisstützungen und Grenzschutzmaßnahmen, teils über direkte Beiträge. In den Entwicklungsländern liegen die Verhältnisse anders. Die Landwirtschaft wird vom Staat nicht unterstützt. Im Gegenteil, der Staat besteuert die Landwirtschaft über Exportabgaben. 1988 lagen die Exportpreise von 19 Entwicklungsländern um fast 30 Prozent unter den Weltmarktpreisen.

Das WTO-Agrarabkommen enthält eine Fortsetzungsklausel mit dem Ziel, "die Anstrengungen für ein faires und marktorientiertes Agrarhandelssystem fortzusetzen".

In der aktuellen Doha-Entwicklungsrunde verhandeln die Mitgliedstaaten seit 2001 insbesondere über die bessere Einbindung der Entwicklungsländer in den Welthandel.

Ziel der Bundesregierung ist es, bei den Doha-Verhandlungen im Agrarbereich, den Entwicklungsländern eine gleichberechtigte Teilnahme am Welthandel zu ermöglichen und zugleich sicherzustellen, dass das europäische Modell einer multifunktionalen Landwirtschaft auch in Zukunft Bestand hat. Ein WTO-Abschluss würde die reformierte Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union multilateral absichern und europäischen, also auch deutschen Landwirten, Planungssicherheit geben und Chancen eröffnen.

(s. a. Blue Box, Codex-Alimentarius-Kommission, Green Box)

Weitere Informationen:

Wuhr

Ein Wuhr (pl. Wuhre, Wühre, Wuhren oder Wühren) ist ein künstlicher Wasserlauf im Südschwarzwald, in der Region Hotzenwald. Daneben wird der Begriff im süddeutschen Raum und in der deutschsprachigen Schweiz auch als Synonym für Wehr genutzt. Die Verwendung als Bezeichnung für künstliche Wasserläufe ist auf Regionen im Südschwarzwald begrenzt.

Die drei großen Wuhren, das Heidenwuhr (14 km), das Hänner Wuhr (11,5 km) und das Hochsaler Wuhr (19 km) stehen mit ihren weitläufige Trassenlängen den Wasserzuleitungen mancher Suonen und Waale in den Alpen nicht nach. Sie führen das in wasserreichen Quellgebieten und an Bergbächen auf Höhen zwischen 800-700 m NN gefasste Wasser zum Hochrhein bei Säckingen und Laufenburg, wobei sie eine Höhendifferenz von bis zu 500 m überwinden.

Der Ursprung des Wuhrbaus im Südschwarzwald ist nicht bekannt. Erwähnungen der Wuhren im Spätmittelalter deuten darauf hin, dass diese schon im späten 12. Jahrhundert im Südschwarzwald angelegt wurden. Ursprüngliche Aufgabe der Wuhren war die Antriebskraft für die Blasebälge und Schmiedehämmer der Eisenhütten am Hochrhein (Aufbereitung von aargauischem Eisenerz) und für Säge- und Getreidemühlen bereitzustellen. Dies belegen eine Vielzahl alter Mühlen- und Sägewerksstandorte entlang der Wuhren.

Andere Nutzungen waren zweitrangig und gewannen erst mit dem Rückgang der Mühlen und Hütten an Bedeutung. Dennoch wurden in der Landwirtschaft die Wuhranlagen jahrhundertelang zur Melioration der Böden und Bewässerung der Wiesen auf dem oberen Hotzenwald genutzt. Auf ihrem Weg aus den Hochlagen sammelten die Wasserkanäle kleinere Bäche und Gerinne, durchzogen versumpfte Senken und Hochmoore, die sich nach dem Rückzug von Feldberg- und Murgtal-Gletscher gebildet hatten. Die Wuhrkanäle wirkten hier wie Drainagen und leisteten einen maßgeblichen Beitrag zur Entwässerung von moorig-sumpfigem Gelände.

Aus den teilweise moorigen und staunassen Böden wurden durch rieselnde Wassergaben unter anderem saure Huminstoffe ausgeschwemmt und die Bodenqualität verbessert. Allmählich besiedelten hochwertigere Pflanzengesellschaften die Mähwiesen, Binsen Seggen und Sauergräser wurden zurückgedrängt. Wo möglich, wurden organische Düngemittel wie Gülle und Stallmist mit dem Bewässerungswasser ausgebracht. Karge Böden über dem anstehenden Grundgebirge aus Granit und Gneis konnten so gedüngt und verbessert werden.

Auch bei durchschnittlichen Jahresniederschlägen um 1400 mm war lokal die Befeuchtungswirkung auf den Wiesen willkommen, da die flach zum Hochrhein hin geneigte Gebirgsscholle mit ihren flachwelligen und kuppigen Hochflächen tief durchkerbt ist von Wehra, Murg und Alb. Diese steilen Erosionstäler ziehen die Abflüsse rasch in die Vorfluter ab. Daher half die Ableitung in Wasserkanäle, die in geringem Gefälle durchschlängeln, besonders in trockeneren Jahren, Wassermangel auf den trockeneren Standorten auszugleichen.

Die Bewässerung der Wiesen wurde wie fast überall im Schwarzwald ab der Mitte des 20. Jahrhunderts nach und nach aufgegeben. Die Bewässerungseinrichtungen auf den Matten sind zerfallen, aber Teile der Wuhren existieren noch. Sie beliefern heute kleinere Wasserkraftwerke und erhalten Fischteiche. (Leibundgut/Vonderstrass 2016)

Weitere Informationen:

Wurt

Wurt (auch Warft, Warf, Werfte, Worth, Terpe oder Wierde) künstlich aus Erde aufgeschütteter Siedlungshügel für ein einzelnes Gehöft oder ein kleineres Dorf, gewöhnlich in unbedeichten Marschgebieten zum Schutz vor Sturmflutwasserständen. Die ältesten Wurten in der Küstenlandschaft der Nordsee entstanden vor ca. 2000 Jahren.

Die Form der Wurten ist meist rund, manchmal aber auch langgestreckt. Sie kommen in den nordwestdeutschen Marschgebieten, in der Nordsee auf den Halligen sowie in den Niederlanden und im südwestlichen Dänemark vor. Die bereits seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. entstandenen Hügel waren lange vor dem Deichbau der einzig wirksame Hochwasserschutz.

Wurtendorf

Auch Wurtdorf, Wurtenrunddorf, Warftendorf; äußerlich den Rundlingen ähnliche Siedlung auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel (Wurt), deren Höfe kreisförmig angeordnet sind, und die mit der Stirnseite am Warftfuß nach außen stehen. Im Unterschied zu den Rundlingen sind Wurtendörfer keine Platzdörfer, sie zählen zu den geschlossenen Dörfern.

Ihre Verbreitung finden sie in den niederländischen und deutschen Seemarschen von Westfriesland über Ostfriesland bis Nordfriesland.

Wurten wurden besonders bis zur im 11. Jahrhundert beginnenden Eindeichung der Marschen gebaut und boten den Siedlungen bis dahin den einzigen Schutz vor Sturmfluten. Auf den Halligen sind sie bis heute der einzige Hochwasserschutz.

Wurzelknöllchen

Durch das symbiontische Zusammenleben von bestimmten Bakterien (Rhizobium, Bradyrhizobium) mit den Wurzeln von Pflanzen der Leguminosen entstehen Wurzelknöllchen, in denen die Umwandlung von atmosphärischem Stickstoff (N2) zu Ammonium (NH4+) stattfindet. Die Stickstoffixierung ist weder den freilebenden Rhizobien noch den Leguminosen allein, sondern nur durch das symbiontische Zusammenleben beider Partner möglich. Eine besonders effiziente Stickstoffbindung findet in stickstoffarmen Böden statt.
Durchschnittlich fixieren Sojabohnen, Buschbohnen und Erdnüsse etwa 100 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr, Erbsen und Lupinen etwa 150 kg und Ackerbohnen, Luzerne und Klee etwa 200 - 250 kg. Die drei genannten Pflanzengruppen decken mit der symbiontischen Stickstoffixierung etwa 50 %, 70 %, respektive 90 % ihres Gesamtstickstoffbedarfs.

Wüstenkonvention

"Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung und der Dürrefolgen insbesondere in Afrika" (UN Convention to Combat Desertification in Countries Experiencing Serious Drought and/or Desertification, Particularly in Africa); eine am 26.12.1996 in Kraft getretene Vereinbarung mit vorwiegend programmatischem Charakter, in der verbindliche operationelle und konkrete finanzielle Konsequenzen nicht festgeschrieben wurden. Wesentliche Ziele der Wüstenkonvention sind die Bekämpfung der Wüstenbildung und die Milderung der Dürrefolgen.

Die UNCCD ist die einzige globale Konvention, die gemäß der Klassifizierung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) dem Cluster der „Land-Konventionen“ zugeordnet werden kann und gehört zusammen mit der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen und dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt zu derjenigen Gruppe von Abkommen, welche wichtige Kernziele der Vereinten Nationen repräsentieren.

Als völkerrechtlich innovatives Vorgehen ist der bottom-up-Ansatz zu sehen, der bei der Desertifikationsbekämpfung die lokale Bevölkerung aktiv in Entwicklung und Umsetzung von Aktionsplänen einbezieht.

(s. a. Bodendegradation, Desertifikation, Landdegradation)

Global Desertification Vulnerability Map

Quelle: USDA

Weitere Informationen:

Wüstung

Bezeichnung für eine aufgegebene Siedlung (Ortswüstung), Wirtschaftsfläche (Flurwüstung) oder Industrieanlage (Industriewüstung). Man unterscheidet nach totalen und partiellen Wüstungen. Ursachen für Wüstungen können Bevölkerungsverluste (durch Krieg, Seuchen, Landflucht, Verstädterung oder natürlich bedingt) sein oder auch rein wirtschaftliche Gründe (nachlassende Ertragsfähigkeit des Bodens, Agrarkrise mit sinkenden Preise/steigenden Löhnen, Erschöpfung von Lagerstätten usw.).

Die mitteleuropäischen Entsiedlungen im späten Mittelalter hatten ihre Ursache vornehmlich im Rückgang der Bevölkerungszahlen, hervorgerufen seit 1309/17 durch Hungersnöte und vor allem durch die 1347/51 erstmals stärker auftretenden Pestepidemien. Ausgedehnte Wüstungsfluren, die man nicht der Bewaldung überlassen wollte, verblieben in nur noch extensiver Nutzung. Vor allem in natürlich benachteiligten Gebieten wurde früheres Ackerland den Allmenden angegliedert und als genossenschaftliches Weideland gebraucht. In SW-Deutschland sind herrschaftliche und bäuerliche Schäfereien auf Wüstungsland gegründet worden, die Wanderschäferei der Schwäbischen Alb erhielt wahrscheinlich erst durch die spätmittelalterliche Entsiedlung die notwendigen Weideareale.