Lexikon des Agrarraums

F

Fäbodwirtschaft

Form der Waldweidewirtschaft in Skandinavien, bei der das Vieh im Sommer auf vom Heimgut weit entfernte Waldweiden getrieben wird.

Fahrgasse

Aussparen von reifenbreiten Fahrspuren bei der Getreidesaat, die während des Wachstums der Kulturpflanze wiederholt für Pflegemaßnahmen befahren werden. Die auch Lichtschächte genannten Spuren, werden bei der Aussaat durch das Schließen einzelner Säschare an der Sämaschine angelegt (Saatgutersparnis). Die so entstehenden pflanzenfreien Streifen dienen als Fahrspur und erleichtern z.B. exaktes und überlappungsfreies Ausbringen von Pflanzenschutz- und Düngemitteln.

Fahrgassen werden üblicherweise parallel im Abstand von 12 bis 36 Metern angelegt. Dies hängt vor allem von den im Betrieb vorhandenen Geräten ab. Insbesondere Feldspritzen und Düngerstreuer geben über ihre Arbeitsbreiten den Abstand der Fahrgassen zueinander vor. Üblicherweise wird beim Säen mit halbem Fahrgassenabstand (also 6-18 Metern je nach Betrieb) vom Rand aus begonnen. Dabei wird auch auf dem Vorgewende eine Fahrgasse angelegt. Anschließend werden parallel zur längeren Feldseite die übrigen Spuren im Abstand der vollen Fahrgassenbreite zueinander angelegt.

Fahrsilo

Weit verbreitete Art des Silos, bei der die Silage auf einer Platte am Boden festgewalzt und anschließend luftdicht abgedeckt wird.

Fair Trade

Fairer Handel (Fair Trade) ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte ProduzentInnen und ArbeiterInnen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Fair-Handels-Organisationen engagieren sich (gemeinsam mit VerbraucherInnen) für die Unterstützung der ProduzentInnen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels. (Definition der internationalen Dachorganisationen des Fairen Handels FLO e.V., WFTO und EFTA)

Die sehr heterogene Fairhandelsbewegung konzentriert sich hauptsächlich auf Waren, die aus Entwicklungsländern in Industrieländer exportiert werden. Fairer Handel umfasst landwirtschaftliche Erzeugnisse ebenso wie Produkte des traditionellen Handwerks und der Industrie und weitet sich zusehends auf neue Bereiche wie den Tourismus unter der Bezeichnung „faires Reisen“ aus. Angeboten werden fair gehandelte Produkte in Naturkost- und Weltläden sowie in Supermärkten und in der Gastronomie. Laut der Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International profitieren über 1,5 Mio. Landwirte vom fairen Handel.

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FAKT

Mit dem Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) wird die Anfang der 90er Jahre in Baden-Württemberg begonnene Förderung von Agrarumweltmaßnahmen fortgesetzt und auf aktuelle Problembereiche neu ausgerichtet. Rund ein Drittel der für den Maßnahmen- und Entwicklungsplan Ländlicher Raum Baden-Württemberg 2014–2020 (MEPL III) vorgesehenen Finanzmittel entfallen auf das Programm FAKT mit seinen rund 40 Teilmaßnahmen.

FAKT unterscheidet sich vom Vorgängerprogramm MEKA insbesondere durch eine bessere Förderung der Grünlandstandorte, eine stärkere Förderung des Ökologischen Landbaus und durch spezifische Maßnahmen zum Gewässer- und Erosionsschutz. Tierschutz und artgerechte Tierhaltung sind ein politischer Schwerpunkt der Landesregierung. Daher wird dem Tierwohl sowie dem Erhalt gefährdeter regionaltypischer Nutztierrassen in FAKT eine besondere Bedeutung beigemessen.

Das Ziel von FAKT ist der Erhalt und die Pflege der Kulturlandschaft, der Schutz des Klimas und der natürlichen Ressourcen Wasser, Boden, Luft, der Erhalt und die Verbesserung der Biodiversität sowie die Förderung der artgerechten Tierhaltung.

Von FAKT geförderte Maßnahmen (nach dem Baukastensystem kombinierbar)

A - Umweltbewusstes Betriebsmanagement
B - Erhaltung und Pflege der Kulturlandschaft und besonders geschützter Lebensräume
C - Sicherung landschaftspflegender, besonders gefährdeter Nutzungen und Tierrassen
D - Ökologischen Landbau / Verzicht auf chemisch-synthetische Produktionsmittel im Betrieb
E - Umweltschonende Pflanzenerzeugung und Anwendung biolog. / biotechn. Maßnahmen
F - Freiwillige Maßnahmen zum Gewässer- und Erosionsschutz
G - Besonders tiergerechte Haltungsverfahren

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FAO

Engl. Abk. für Food and Agricultural Organisation of the United Nations; die 1945 gegründete Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. 2017 umfasste sie 194 Mitgliedstaaten und die Europäische Union. Sie ist die größte Sonderorganisation der Vereinten Nationen und hat ihre Zentrale in Rom.

Die FAO zeichnet als federführende Organisation für die Anstrengungen der internationalen Staatengemeinschaft zur Bekämpfung des Hungers verantwortlich. Dabei bietet die FAO, die sowohl für die Industrienationen als auch für die Entwicklungsländer tätig ist, allen Nationen ein neutrales Forum für gleichberechtigte Verhandlungen und Beratungen über politische Fragen.

Ein besonderer Schwerpunkt der Tätigkeit der FAO liegt auf der Entwicklung der ländlichen Gebiete, in denen 70 % der armen und hungernden Menschen weltweit leben.

Die FAO sammelt, analysiert und verbreitet weltweit landwirtschaftliche und ernährungspolitische Informationen und erarbeitet Vorschläge zur Überwindung ernährungspolitischer Probleme und leistet technische Hilfe. Bei Hungerkatastrophen informiert sie über ein globales Frühwarnsystem und organisiert Notstandshilfe (Nahrungsmittelhilfe). Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit UNICEF, IBRD, WHO, ILO und WFP.

Ziele und Aufgaben der FAO:

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Farm

1. Landfläche unterschiedlicher Größe mit den zugehörigen Gebäuden, die zur Produktion von Kulturpflanzen und/oder Nutztieren dient, und deren Bewirtschafter die Farm als Eigentümer oder Pächter betreibt.

2. In der amerikanischen Agrarstatistik jeder Haushalt, der aufgrund seiner Flächenverfügbarkeit oder seines Nutztierbesatzes in der Lage ist, Agrarprodukte im Wert von mindestens 1.000 $ pro Jahr zu verkaufen. Dabei ist unerheblich, ob dies wirklich erfolgt. Die stark ungleiche Verteilung von Einkünften und Nutzflächen in den USA drücken eine ausgeprägte duale Struktur aus.

(s. a. Farmwirtschaft)

Farmer

Weitgefasster agrarsozialer Typenbegriff für eine vollerwerbslandwirtschaftliche Gruppe mit angemessener Ackernahrung, wie er beispielhaft in den USA vorhanden ist. Die inhaltliche Spannbreite reicht vom historischen pioneer farmer über den subsistence farmer bis zum Unternehmer-Farmer. Einzelhofstruktur und Einödlage des Bodeneigentums sind für ihn typisch. Der moderne Farmer besitzt ein marktorientiertes, unternehmerisches und kapitalorientiertes Denken und gleichzeitig eine lockerere Verbundenheit zum Boden als ein europäischer Bauer, auch wenn sich beide Konzepte in den letzten Jahrzehnten angenähert haben.

Farmwirtschaft

Großbetriebliche Individualwirtschaft, die als typisch für die von europäischen Kolonisten erschlossenen und besiedelten Überseegebiete gilt. Die einzelnen Teilräume liegen im mittleren Westen Nordamerikas, in der Pampa Südamerikas, in Südwest- und Südostaustralien in Neuseeland, in Süd- und Südwestafrika und neuerdings im Agrargürtel der GUS-Staaten von der Ukraine bis Mittelasien. Betriebe über 100 ha mit Familien- und Lohnarbeitsverfassung herrschen vor. Die Farmwirtschaft besitzt oft einen hohen spekulativen, business-orientierten Charakter, verbunden mit einer starken Mobilität der nicht an Traditionen gebundenen Betriebsinhaber. Der Anteil von Farmbetrieben im Besitz von Agrokonzernen und Kapitalgesellschaften steigt rasch. Traditionelle Bindungen an Hof und Herkunft, Verpflichtungen gegenüber einer in mehr als 1.000 Jahren gewachsenen, vielfältigen Kulturlandschaft wie sie für weite Teile von Europas Landwirtschaft noch typisch sind, gibt es in diesen "jungen" Ländern kaum. Diese unterschiedliche Konzeption ist auch der Hintergrund der immer wiederkehrenden Agrarkonflikte zwischen EU und den USA.
Die Produktion ist spezialisiert auf den großflächigen Anbau weniger Feldpflanzen, insbesondere auf Weizen und Mais; außerdem erreichen Baumwolle und Tabak (USA), Luzerne und Flachs (Argentinien), Zuckerrüben und Sonnenblumen (Ukraine) Bedeutung. Die Flächenerträge bleiben hinter denen Mittel- und Westeuropas zurück.

Die Viehhaltung spielt eine untergeordnete Rolle, das Großvieh fehlt oftmals ganz.

Faserpflanzen

Kulturpflanzen, bei denen gewöhnlich aus Stengeln oder Blättern, aber auch aus Flugeinrichtungen der Samen (z.B. bei der Baumwolle), spinnfähige Fasern gewonnen werden.

Einige Pflanzen liefern gleichzeitig Fasern und Öl (z.B. Lein, Baumwolle).

Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie

Die Richtlinie 92/43/EWG zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen ist eine Naturschutz-Richtlinie der Europäischen Union (EU). Sie wird umgangssprachlich auch als Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (kurz FFH-Richtlinie) oder Habitatrichtlinie bezeichnet. Diese Alternativbezeichnungen leiten sich von Fauna (Tiere), Flora (Pflanzen) und Habitat (Lebensraum) ab. Im Jahr 1992 wurde die Richtlinie von den damaligen Mitgliedstaaten der Europäischen Union einstimmig verabschiedet.

Ziel ist die Sicherung der Artenvielfalt durch die Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen im europäischen Gebiet der Mitgliedstaaten. Sie bildet die Grundlage für den Aufbau des europäischen Schutzgebietssystems „Natura 2000“.

Sie dient gemeinsam mit der Vogelschutzrichtlinie im Wesentlichen der Umsetzung der Berner Konvention. Eines ihrer wesentlichen Instrumente ist ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten, das Natura 2000 genannt wird. In den Jahren 1994 und 2003 haben weitere Mitgliedstaaten der EU die Richtlinie anerkannt. Die Richtlinie wurde zuletzt am 13. Mai 2013 (mit Wirkung zum 1. Juli 2013) geändert.

Feed Lot

Nach to feed (engl.) = mästen und lot (engl.) = Parzelle, Platz; offene Ställe oder Pferche mit arbeitssparenden technischen Einrichtungen zur Versorgung des Viehs und zur Dungbeseitigung im Zusammenhang mit großbetrieblicher Massentierhaltung. Diese Art von intensiven Rindermastbetrieben ist besonders verbreitet in den Staaten Kansas, Nebraska, Oklahoma sowie Texas. Sie ist verbunden mit dem Engagement von - häufig agrarfremden - Kapitalgesellschaften. Dort werden bis zu 200.000 Rinder gehalten, die man als Jährlinge kauft und sechs Monate mästet. Üblicherweise füttert man Getreidekörner und Zuckerrübensilage.

Gründe für das Aufkommen von feedlots im Südwesten der USA:

Mit dem Eindringen der Computertechnologie, die das exakte Überwachen solcher Großbestände sehr viel einfacher gestaltete, der Bereitstellung von Futterzusätzen, Wachstumsförderern und Medikamenten wurden bei industrie-ähnlicher Produktion Betriebsergebnisse möglich, die von den Farmern im Mittelwesten nicht erreicht werden konnten.

Fehn

Auch Venn; holländisch-flämische Bezeichnung für Moor, insbesondere Hochmoor.

Fehnkultur

Kulturmethode des 16./17. Jh. in den Niederlanden und in NW-Deutschland zur Gewinnung von landwirtschaftlicher Nutzfläche auf Moorböden nach vorherigem Torfabbau.

Das Moor wurde zunächst bis fast auf den Sanduntergrund abgetorft, nachdem man vorher die oberen verwitterten Weißtorfschichten, die sogenannte Bunkerde abgeräumt hatte. Der unten liegende Schwarztorf wurde als Brenntorf in den Städten und brennstoffarmen Marschen verkauft. Bei der nachfolgenden Kultivierung des Leegmoores wurde der Abbunk mit Sand aus dem Untergrund, aber auch mit Marschenschlick, städtischem Abfall und Stallmist bedeckt und umgepflügt. Es entstand ein guter Ackerboden. Dennoch blieb der wirtschaftliche Erfolg der Fehnsiedlungen bescheiden.

Fehnsiedlung

Siedlungstyp im niederländisch/nordwestdeutschen Hochmoorbereich mit hofanschließender Streifenflur. Das vorrangige Motiv für die Gründung der Fehnsiedlungen bildete der Torfabbau. Die ackerbauliche Nutzung folgte auf dem abgetorften Land. Zum Abtransport des Torfes waren Schiffahrtskanäle erforderlich. Durch die Kanäle wurde eine regelhaft reihenförmige Gehöftverteilung über die gesamte Gemarkung erzwungen. Den Wohnplätzen fehlt deshalb ein deutlicher erkennbarer Ortsmittelpunkt. Die bescheidenen Seitenlängsdielenhäuser wurden mit Backsteinen erbaut, mit denen die Torfschiffe zurückkamen. Die Häuser errichtete man auf dem tragfähigen Mineralboden.

(s. a. Fehnkultur, ländliche Siedlungsform, Moorkultur)

Feierabendlandwirt

Auch Freizeitlandwirt; umgangssprachlicher Begriff für einen Nebenerwerbslandwirt, der seinen ursprünglichen Beruf außerhalb der Arbeitszeit seines Hauptberufs im sekundären oder tertiären Sektor ausübt.

FELDA

Engl. Akronym für Federal Land Development Authority, malaiisch Lembaga Kemajuan Tanah Persekutuan; eine der weltweit größten Firmen des Palmöl-Business. Sie hat ihren Sitz in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur.

FELDA wurde 1956 von der malaysischen Regierung im Gefolge des Land Development Act als staatliche Behörde gegründet. Sie sollte die Umsiedlung von armer, vorzugsweise landloser Landbevölkerung in neu erschlossene Gebiete organisieren, verbunden mit dem Aufbau von Kleinbauernstellen in Plandörfern und dem Ziel, den Anbau von Marktfrüchten zu befördern. Im Laufe der Jahrzehnte wurden diese Siedlungen auch mit der nötigen Infrastruktur (Wasserleitungen, Elektrizität, Schulen, medizinische Zentren und religiöse Einrichtungen) ausgestattet, Einrichtungen die zu Beginn fehlten. In den ersten Jahrzehnten konnten nur ethnischen Malaien (Bumiputra) eine Siedlerstelle erhalten. Die Regierung wollte so eine wirtschaftliche Besserstellung der im Vergleich etwa zur chinesischen Minorität ärmeren heimischen Mehrheitsbevölkerung erreichen. Später konnten aller Bürger Malaysias berücksichtigt werden (Vorlaufer 2009).

Zunächst konzentrierte man sich auf den Anbau von Kautschukbäumen. 1961 wurde die erste Palmölplantage eröffnet. Im Jahr 2000 waren 6.855,2 km² der Ländereien der verschiedenen FELDA-Programme mit Ölpalmen bestockt.

Die Aktivitäten von FELDA konzentrieren sich vornehmlich auf die Malayische Halbinsel. Andere staatliche und halbstaatliche Organisationen sind für die Landentwicklung in den Staaten Sabah und Sarawak verantwortlich. Im Laufe der Jahre erfolgten verschiedene Umstrukturierungen der wirtschaftlichen Aktivitäten von FELDA, insbesondere durch die Gründung privatwirtschaftlicher Unternehmen zur besseren Nutzung der Wertschöpfungskette im vor- und nachgelagerten Bereich ihres Kerngeschäfts.

Bis 2007 wurden von FELDA 905.448 ha Neuland erschlossen, von denen 537.778 ha von ca. 112.00 Siedlern, 367162 ha von FELDA-Plantagen bewirtschaftet wurden.

Die Siedler müssen ihre Ernte an FELDA liefern, die auch die weltweite Vermarktung von Kautschuk und Palmöl übernommen hat. Dafür garantiert FELDA den Siedlern ein Mindesteinkommen auch bei sinkenden Marktpreisen sowie die Versorgung mit agrarischen Inputs zu günstigen Bedingungen.

Schon seit Jahren propagiert FELDA eine Diversifizierung der Siedler-Ökonomie wie den Aufbau von kleinen Gewerbe- und Handwerksbetrieben sowie einer integrierten Fleisch- und Milchviehhaltung. Als Unterpflanzung wird den Ölpalmen-Siedlern beispielsweise die Faserpflanze Kenaf empfohlen, die als Viehfutter, aber auch für die industrielle Papierherstellung verwendet wird.

Seit den 1990er Jahren hat FELDA keine weiteren Siedlungen angelegt, sich hingegen in diversen weiteren Geschäftsfeldern engagiert, u. a. im Mühlengewerbe, im Bereich Palmölraffinerien, im Handel, Transportwesen und im Bankensektor. Die Aktivitäten vollziehen sich in den Ländern Malaysia, Indonesien, China, Türkei, Südafrika und USA.

2012 ging FELDA erfolgreich an die Börse. Dies war der bis dahin größte Börsengang Asiens. Die Privatisierung war ein Schritt der Regierung unter Premier Najib Razak, um die Wirtschaft des Landes weiter anzukurbeln. Zum Wahlkampf hatte er den Felda-Bauern zugesagt, dass etwa ein Fünftel der Aktienerlöse an sie fließen werde. Außerdem erhielten sie vergünstigt Felda-Papiere.

Heute (2017) ist Felda Global Ventures Holdings Berhad (FGV) Malaysias führender globaler Agribusiness-Konzern und gleichzeitig der weltgrößte Produzent von Rohpalmöl.

Unter wirtschaftlichen, sozio-ökonomischen und demographischen Gesichtspunkten werden die FELDA-Projekte positiv bewertet, aus ökologischer Sicht ist die mit der Agrarkolonisation verbundene großflächige Entwaldung äußerst bedenklich.

Auch in anderen Staaten Südostasiens wurden in der Vergangenheit große Programme der Agrarkolonisation initiiert, um eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage landloser und -armer Familien zu erreichen, die Agrarproduktion zur Ernährungssicherung der schnell wachsenden Städte sowie für den Export agrarischer Güter zu steigern und um räumliche Disparitäten zu mildern. Die umfangreichsten Maßnahmen erfolgten neben den malaiischen FELDA-Aktivitäten in Indonesien über das bereits von den Niederländern im frühen 20. Jh. begonnene Transmigrasi-Programm. In Thailand z.B. bewirtschafteten schon 1980 230.727 Siedlerfamilien in ca. 100 planmäßig angelegten Settlement Schemes ca. 0,7 Mio. ha und damit ca. 5 % der LNF. In den Philippinen wurden im Rahmen der Landreform über 60.000 Landlose auf Mindanao angesiedelt.
Global gesehen gab es nur in Brasilien größere Projekte als die von FELDA.

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Feldaufgang

Syn. Auflauf(en); Bezeichnung für das Verhältnis der jungen Nutzpflanzen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt die Ackerkrume durchstoßen haben, zur Gesamtzahl der ausgesäten Samen. Der voraussichtliche Feldaufgang lässt sich dabei durch labortechnische Feststellung der Keimfähigkeit und Triebkraft prognostizieren. Die dazu verwendeten Methoden werden von der International Seed Testing Association (ISTA) festgelegt und sind weltweit gültig.

Bei Breitsaat und Drillsaat ist der Saatgutaufwand im Verhältnis zum angestrebten Pflanzenbestand erhöht, bei Einzelkornsaat dagegen wird ein 100%iger Feldaufgang angestrebt, da nur dadurch der optimale Pflanzenabstand erreicht wird. Gefahr von Bestandslücken besteht durch Auflaufkrankheiten und Schädlingsfraß, insbesondere Saatkrähen. Um optimale Bestände zu erreichen, bedarf die Saatbettbereitung besonderer Sorgfalt.

Feldbau

Ackerbauliche Nutzung des Kulturlandes, bei der i.d.R. die Grünlandnutzung nicht einbegriffen ist. Der Begriff Ackerbau ist häufig synonym gebraucht. Man unterscheidet:

Feldbrandwirtschaft

Besondere Art der Feldgraswirtschaft auf dem Außenfeld. Die Feldbrandwirtschaft war bis etwa Ende des 19. Jh. vor allem in SW- und Westdeutschland verbreitet. Bei der Feldbrandwirtschaft dienten die Flurteile nach mehreren Jahren der Weidenutzung für einige Jahre als Ackerland. Dazu wurden die Grassoden abgehoben, zum Trocknen zusammengestellt und dann verbrannt. Die dabei anfallende Asche diente als Dünger.

(s. a. Schiffelwirtschaft)

Feldfrüchte

Nach der amtlichen deutschen Statistik (DESTATIS) sind Feldfrüchte auf dem Feld beziehungsweise im Ackerbau gezogene Kulturpflanzen wie Getreide zur Körnergewinnung, Pflanzen zur Grünernte, Ölfrüchte, Hackfrüchte und Hülsenfrüchte (zum Beispiel Erbsen, Lupinen, Ackerbohnen).

Feldfutterbau

Anbau von wirtschaftseigenem Grundfutter auf dem Ackerland. Solche Feldfutterpflanzen sind Luzerne, Klee, Futtergräser im engeren und von Futterrüben, Futterkartoffeln, Futtergetreide im weiteren Sinne. Feldfutterbau ist in den meisten viehhaltenden Betrieben die Grundlage zur Futterversorgung der Tiere mit Grundfutter.

Feldgehölze

Überwiegend mit gehölzartigen Pflanzen (Bäume, Sträucher) bewachsene Flächen im Agrarraum, die nicht der landwirtschaftlichen Erzeugung dienen und nicht direkt an Wald angrenzen. Ergänzend setzen sie sich aus ein- und mehrjährigen krautigen Pflanzen und Gräsern zusammen. Sie liegen als kleinere (i.d.R. weniger als 1 ha), beliebig geformte Flächen inselartig in der landwirtschaftlichen Flur. Feldgehölze besitzen eine ausgeprägte Randzone, die eine waldartige Innenzone umschließt.

Flächen, für die eine Beihilfe zur Aufforstung oder eine Aufforstungsprämie gewährt worden ist, gelten nicht als Feldgehölze. Bei Feldgehölzen handelt es sich im Unterschied zur Hecke um flächige Gehölzbestände, die keine lineare Struktur aufweisen.

Feldgehölze sind naturnahe bis natürliche Ökotope und wichtige Bestandteile einer traditionellen Agrarkulturlandschaft. Bioökologisch wertvoll ist die Diversität im Grenzsaum zwischen umgebenden Agrarflächen und dem Feldgehölz. Feldgehölze nehmen wichtige Funktionen wahr, sowohl als Rückzugsrefugium für die Tierwelt des Agrarraumes als auch als Trittsteinbiotope in einem größeren Biotopverbundsystem. Insofern sind sie wichtige Lebensräume für Kleinsäuger, Vögel, Insekten und viele Pflanzen.

Geoökologisch wichtig ist der Boden- und Windschutz sowie die ausgleichende Wirkung auf Wasserhaushalt und Mikroklima (Hecke). Beispielsweise verringern Feldgehölze die Windgeschwindigkeit und mindern damit die Bodenerosion sowie die Austrocknung des Bodens. Die in Feldgehölzen lebenden Tiere bekämpfen auch Ackerschädlinge (biologische Schädlingsbekämpfung).

Feldgehölze erhöhen die landschaftliche Diversität und steigern den Erholungs- und Erlebniswert des Agrarraumes. Ursprüngliche Feldgehölze sind infolge der Meliorationsbestrebungen (Flurbereinigung) nur noch selten vorhanden. Inzwischen ist deren Erhaltung und Neuanlage förderungsfähiges Ziel.

(s. a. ausgeräumte Landschaft)

Feldgemüsebau

Landwirtschaftlicher Gemüsebau im Rahmen der üblichen Fruchtfolge. Im Unterschied zum gärtnerischen Gemüsebau bleibt der Feldgemüsebau nicht auf die gleichen Flächen beschränkt.

Feld-Gras-Wechselwirtschaft

Auch Feldgraswirtschaft; Typ des Wechselgrünlandes mit einer Fruchtfolge, die mehrjährigen Feldgrasbau einschließt. Es stellt dies vermutlich die ursprüngliche Form der Landnutzung dar: 1- bis 2-jähriger Getreidebau im Wechsel mit einer ebensolangen oder noch längeren Brachzeit, wobei die Brache oder das Grasland auch als Weide extensiv genutzt wurde. Ein solcher Wechsel war notwendig, weil die Ertragskraft des Bodens bei Ackernutzung von Jahr zu Jahr nachließ.

Im frühen Mittelalter, etwa ab dem 6. Jh., setzte sich in Mitteleuropa die Feldgraswirtschaft gegenüber der Feldwaldwirtschaft durch und hatte den Vorteil, dass bei einer Ackernutzung der Anbau nicht durch Baumwurzeln erschwert wurde. Die Beweidung des Grünlandes verhinderte eine Wiederbewaldung.

In vielen Gebieten Europas wurde die Feldgraswirtschaft im 9. Jh. durch die Dreifelderwirtschaft ersetzt. Unterschiedliche Formen der Feldgraswirtschaft gibt es heute noch im ozeanischen Klimabereich des nordwestlichen Frankreich, auf den britischen Inseln, in den nordischen Ländern sowie in den Hochlagen von Schwarzwald und Schwäbischer Alb.

Formen der Feldgraswirtschaft

Die alte Feldgraswirtschaft hat im mehrjährigen Feldgrasbau im Wechsel mit Ackernutzung einen Nachfolger gefunden, nur dass hier das Verhältnis von Futternutzung zu Ackernutzung gerade umgekehrt ist. Während in der klassischen Feldgraswirtschaft eine natürliche Selbstbegrünung stattfindet, erfolgt in der modernen Variante eine Aussaat (meist ein Klee-Gras-Gemenge) zur Futterversorgung des Viehs.
Eine eher kontinentale Form der Feldgraswirtschaft hat die Hauptaufgabe,

Die maritime Form hat mit der Variante Leyfarming die positive Wirkung der Grünlandnutzung auf die nachfolgenden Fruchtfolgen als Hauptaufgabe, bei der Variante Koppelwirtschaft steht die Deckung des Futterbedarfs im Vordergrund.

Feldgrassysteme sind auch in den Tropen und Subtropen anzutreffen, wobei zwischen unregulierter (wilder) und regulierter Feldgraswirtschaft (Feldbau mit nachfolgender Vegetation von gesäten, gepflanzten oder spontan wachsenden Futterpflanzen, die systematisch gepflegt, meist umzäunt und beweidet oder geschnitten werden) unterschieden wird. Geregelte Feldgrassysteme sind in den Tropen selten, in den Subtropen weit verbreitet.

(s. a. Egart(en)wirtschaft, Kunstegart, Naturegart)

Feld-Heide-Wechselwirtschaft

Periodischer Wechsel von Acker- und Allmendnutzung auf waldfreier Fläche. Der Bezeichnung liegt ein älterer Heidebegriff zu Grunde, der von örtlich vorherrschenden Pflanzenassoziationen weitgehend unabhängig war und allgemein offenes, waldfreies Allmendland bezeichnete. Bekanntestes Beispiel ist die Schiffelwirtschaft des Rheinischen Schiefergebirges.

Feldkapazität (FK)

Die im Boden maximal vorhandene Haftwassermenge, die sich im Gelände nach längeren Niederschlägen und fehlender Transpiration nach 2 - 3 Tagen einstellt, wenn das Sickerwasser den Boden verlassen hat. Bei diesem Zustand sind alle Mittel- und Feinporen mit Wasser gefüllt (Ø<10 µm). Die FK wird an Proben, die unter FK-Bedingungen im Gelände entnommen wurden oder bei denen FK-Bedingungen simuliert werden, im Labor bestimmt und in mm Regenhöhe, auf eine bestimmte Bodentiefe (Horizont, Wurzelraum oder 1 m) bezogen, ausgedrückt.

Die Feldkapazität hängt in hohem Maßevon der Größe der Poren ab, d.h. der Hohlräume, die sich mit Wasser füllen können. Sandige Böden haben die geringste FK, da ein Großer Teil des infiltrierenden Wassers durch die realtiv großen Hohlräume nach unten abfließt. Tonböden, welche die kleinsten Poren aufweisen, haben die größte FK.
Für Pflanzen ist nur ein Teil dieses Wassers nutzbar, da die Saugspannungskräfte für einen Teil des Adsorptions- und Kapillarwassers zu groß werden.
Zusammen mit der Kenngröße "permanenter Welkepunkt" (PWP) wird die FK zur Berechnung der Speichermengen für pflanzenverfügbares Wasser benutzt. Die Differenz aus dem Wassergehalt bei FK und dem Wassergehalt beim PWP ergibt die sogenannte nutzbare Feldkapazität. Sie entspricht dem Anteil des Bodenwassers, der von Pflanzen über die Wurzeln aufgenommen werden kann.

Feldkultur

Kultur mit einjährigen (annuellen) Pflanzen, also solchen, deren vegetative Entwicklung, Blütenbildung, Fruchtreife und Absterben sich innerhalb eines Jahres vollzieht.

Feldmark

Synonym zu Flur.

Feldrain

Meist mit Gräsern, Kräutern oder anderen Pflanzen bewachsener Geländestreifen zwischen Weg und Acker oder zwischen Äckern oder sonstigen landwirtschaftlich genutzten Flächen mit einer Gesamtbreite von mehr als 2 m. Sie dienen weder der landwirtschaftlichen Erzeugung, noch sind sie befristet oder unbefristet aus der landwirtschaftlichen Erzeugung genommen worden. Sie bilden oft kleine Geländestufen an Eigentums- und Bewirtschaftungsgrenzen. Wichtig vielerorts als Rückzugsgebiet für Pflanzen und Kleintiere. Gelegentlich wird der Begriff auch nur für die Grenzzone zwischen Feldern verwendet. Diese Definition enthält auch die Nutzung der Raine als Fußwege in der Feldmark.

(s. a. ökologische Vorrangflächen)

Feld-Teich-Wechselwirtschaft

Heute in Mitteleuropa erloschenes, aber beispielsweise in den französischen Regionen Dombes und Sologne noch bestehendes Bodennutzungssystem mit ehemals weiter Verbreitung in Karpfenteichregionen. Eine zeitlich und wirtschaftlich überwiegende Nutzung einer Fläche als Fischteich wurde dabei von einer meist nur kurzfristigen Ackernutzung unterbrochen. Die eingeschobene Sömmerung diente üblicherweise nicht dem Zugewinn einer ackerbaulichen Produktionsfläche auf Zeit, sondern der Teichbodenpflege und -verbesserung. Die Bodenbearbeitung soll zur Vernichtung unerwünschten Pflanzenwuchses geführt haben. Allerdings ist auch die gegenteilige Wirkung bekannt, wobei die ausgemähten Wasserpflanzen als Streu durchaus gesucht waren. Daneben verstärkte die ackerbauliche Nutzung nachfolgend die Entwicklung von Plankton, der wichtigsten Nahrungsquelle für Karpfen.

Feld-Wald-Wechselwirtschaft

Auch Feldwaldwirtschaft; Bezeichnung für Anbausysteme, bei denen sich kurzzeitige Ackernutzungsphasen mit lang andauernden Waldphasen abwechseln. Weitere Begriffe sind Urwechselwirtschaft, Wanderfeldbau und Brandrodungsfeldbau.

Feldwald(wechsel)wirtschaft als historische Form (Birkberg-, Hauberg-, Reutberg-Wirtschaft) ist das extensivste Bodennutzungssystem ohne Flächenwechsel, bei dem nach 1 - 4 Jahren Anbau eine längere Waldnutzung (15 - 20 Jahre) folgt. Es vollzog sich im Gegensatz zum tropischen Wanderfeldbau (shifting cultivation) innerhalb fester Besitzgrenzen. Die Feldwaldwirtschaft war in deutschen Mittelgebirgen und in den Alpen bis in das frühe 20. Jh. weit verbreitet, d.h. in Gebieten mit kurzer Vegetationszeit und hohen Niederschlägen. Die Umtriebszeit dauerte bei Hochwald 40 - 60, bei Niederwald 15 - 25 Jahre. Der Niederwald mit seinem Stockausschlag konnte im "Hackwaldbetrieb" zur Gewinnung von Brenn- und Stangenholz, von Rebpfählen, Holzkohle oder in den Eichenschälwäldern von Gerberlohe dienen. Zwischendurch wurden Hafer, Roggen, Kartoffeln oder Buchweizen eingesät.
Dieser arbeitsaufwendige Feldbau stellte häufig eine Schaffung von Ergänzungsflächen zu einer an sich zu kleinen landwirtschaftlichen Nutzfläche dar. Saatgutvermehrung war ein weiteres Motiv für den gelegentlichen Feldbau auf Waldboden, der im Gegensatz zum Ackerland zumindest anfangs frei war von Ackerunkräutern und so weitgehend unkrautfreies Saatgut lieferte.
In Entwicklungsländern (zunächst Burma, später Indien, Indonesien, Ost- und Westafrika) ist in einem beschränkten Umfang während der Kolonialzeit ein kombinierter land- und forstwirtschaftlicher Anbau entwickelt worden. Genutzt werden verarmte Sekundärwälder. Bei der Rodung schont man die wertvollen Holzarten. Exportfähige Nutzhölzer wie Mahagoni, Limba oder Teak werden als Dauerkultur neu gepflanzt. Zwischen den Bäumen erfolgt durch Bauern unter Aufsicht der Forstbehörde der Anbau von Knollenfrüchten, Reis, Hirse, Tabak, Baumwolle usw.

(s. a. Agroforstwirtschaft, Landwechselwirtschaft)

Fels- und Steinriegel

Meist natürlich entstandene, überwiegend aus Fels oder Steinen bestehende Flächen, z.B. Felsen oder Felsvorsprünge, die in der landwirtschaftlichen Fläche enthalten sind bzw. direkt an diese angrenzen und somit unmittelbar Teil der landwirtschaftlichen Parzelle sind.

Fernerkundung

Verfahren zur Ermittlung qualitativer und/oder quantitativer Informationen über Art und Zustand von auf der Erdoberfläche befindlicher Objekte, über die Meeresoberfläche oder die Atmosphäre. Die Fernerkundung bedient sich dabei der elektromagnetischen Strahlung, die von einem beobachteten Objekt abgestrahlt wird. Ein Teil des Strahlungsspektrums beinhaltet signifikante Informationen über Art und Zustand der terrestrischen Umwelt. Dieser Spektrumsbereich, der vom sichtbaren Licht über das sogenannte nahe und ferne Infrarot bis hin zu den langwelligen Radiowellen reicht, wird mit Hilfe von Empfangseinrichtungen in Luft- oder Raumfahrzeugen nutzbar gemacht und dient als Übertragungsmedium zwischen Aufnahmeobjekt (z.B. landwirtschaftlich genutzte Flächen) und Aufnahmeplattform.
Einsatzmöglichkeiten im unmittelbaren Bereich der Landwirtschaft beziehen sich beispielsweise auf agrarstatistische Erhebungen (Erkennung der angebauten Fruchtarten) einschließlich der Möglichkeiten zu frühzeitigen Ertragsschätzungen, die Planung und Lenkung des Agrarmarktes, Nutzungskartierungen und Zustandserhebungen sowie auf die Verfügbarmachung von Informationen beim Lokalen Ressourcen Management und schließlich auch auf die Überwachung von flächengebundenen Ausgleichszahlungen (Monitoring Agriculture with Remote Sensing Techniques, MARS). Mit den Fernerkundungstechniken können die Antragsdaten der Landwirte unmittelbar geprüft werden und zwar:

Weitere Informationen:

Fernerkundung und Landwirtschaft

Wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft vom jeweiligen Standort des Wirtschaftens abhängig. Aus der Kombination der verschiedenen, natürlichen Standortfaktoren Klima, Boden und Relief ergibt sich für jeden Standort ein individuelles Portfolio aus Ertragspotenzialen.

Elektronische Daten zu solchen Standortfaktoren, sogenannte Geodaten, finden längst einen breiten Einsatz in der landwirtschaftlichen Praxis, wie zum Beispiel im Bereich der Präzisionslandwirtschaft.
Aber nicht nur dort spielen Geoinformationen eine wichtige Rolle, auch die Wissenschaft im Agrar-, Umwelt- oder Meeresbereich greift bei ihren Untersuchungen immer häufiger auf Geoinformationstechnologien und -dienste zur Erkenntnisgewinnung und -absicherung zurück.

Neben in-situ Daten, die direkt am Boden, in der Luft oder im Gewässer mithilfe stationär angebrachter Sensoren aufgezeichnet werden, spielen zunehmend auch solche Daten eine wichtige Rolle, die basierend auf Satelliten- bzw. Luftbildern über Fernerkundungsmethoden flächendeckend ermittelt werden können. Mithilfe von Sensoren zur Aufnahme bestimmter Bandbreiten des elektromagnetischen Spektrums, kann das spezifische Rückstrahlverhalten der Erdoberfläche auf dem Bildmaterial festgehalten und daraus die gewünschten Parameter von zu analysierenden Objekten abgeleitet werden. Von besonderem Interesse sind dabei in der landwirtschaftlichen Praxis Parameter zum Zustand von Pflanzenbeständen (z. B. Nährstoffversorgung, Schädlingsbefall oder Vitalität) sowie von Böden (z. B. Feuchte, Temperatur oder Erosionsvorgänge).

Der Austausch von Geodaten und deren mehrfache Verwendung gelingt durch eine genaue Beschreibung der Geodaten mittels sogenannter Metadaten. Über online-basierte Dienste-Strukturen können diese Metadaten dazu verwendet werden, Geodaten in Online-Katalogen zu suchen und bei Interesse zu erwerben. Unter dem Begriff INSPIRE (INfrastructure for SPatial InfoRmation in Europe) regelt die EU Richtlinie 2007/2/EG vom 14. März 2007, national umgesetzt durch das Geodatenzugangsgesetz vom 10. Februar 2009 (BGBl. I S. 278), zuletzt geändert durch Art. 1G vom 07.11.2012, verschiedene Rahmenbedingungen für einen solchen grenzübergreifenden, Internet-basierten Zugriff auf Metadaten sowie Geodaten und -dienste innerhalb der EU. Ziel ist eine technologisch standardisierte, europäische Geodateninfrastruktur (GDI). In Deutschland ist die durch das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) betriebene GDI-DE der zentrale Knotenpunkt für alle Geodaten-haltenden Stellen.

Das Geoportal GDI-BMEL wird durch das in der BLE angesiedelte "Fachzentrum für Geoinformation und Fernerkundung für den Geschäftsbereich des BMEL" betrieben. Das BMEL stellt in diesem Zusammenhang über das Geoportal GDI-BMEL einen zentralen GDI-Knoten für die Einrichtungen des BMEL-Geschäftsbereiches zur Verfügung. Über den Geodatenkatalog der GDI-BMEL werden die Metadaten des BMEL-Geschäftsbereich an den Geodatenkatalog der GDI-DE weitergeleitet. Auf diese Weise ist die nationale Umsetzung der EU-INSPIRE-Richtlinie für das BMEL sichergestellt. Über den Geodatenviewer werden verschiedene Geodaten aus dem Geschäftsbereich des BMEL über voreingestellte Kartendienste bereitgestellt.

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Fernweidewirtschaft

Zusammenfassender Begriff für diejenigen Formen der Weidewirtschaft, in denen die Futtergründe der Tiere nicht direkt um einen ständigen Wohnsitz liegen. Die Entwicklungsgeschichte der Wanderviehwirtschaft lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. An die naturräumliche Ausstattung angepasste Weideformen entwickelten sich zu verschiedenen Formen der Fernweidewirtschaft. Daneben beeinflussten soziale, politische und wirtschaftliche Entwicklungen im starken Maße die Erscheinungen der Viehwirtschaft.

Fernweidewirtschaft ist eine traditionelle Lebensweise ursprünglicher Regionen, in denen ackerbauliche Landwirtschaft aufgrund der naturräumlichen Ausstattung nicht möglich ist. Gebirgsregionen der winterfeuchten Subtropen sowie subtropische Trockenregionen (Steppen, Voll- und Halbwüsten) sind typischerweise Zonen mit ausgeprägter Fernweidewirtschaft. Neue staatliche Strukturen bewirken, dass durch neue Grenzziehungen ehemalige Wanderbewegungen stark eingeschränkt (N-Afrika) und teilweise gänzlich unterbunden (Balkan, Kleinasien) wurden.

Einzelne Formen der Fernweidewirtschaft sind

Man schätzt, das 200 bis 500 Mio. Menschen auf der Erde vorwiegend von traditionellen Formen der Fernweidewirtschaft leben. Da diese Wirtschaftsweisen sehr häufig mit Ackerbau kombiniert werden, ist eine genauere Zahl nicht ermittelbar.

Als klassische europäische Regionen der Fernweidewirtschaft gelten die mediterranen Bergregionen Iberiens und des Balkans. Heute ist im Balkan intensive Herdenhaltung (wie in den Dinariden) nur noch selten zu finden. Die natürlichen Gegebenheiten ausnützend, prägte das auf Viehhaltung bezogene, kulturelle Verhalten der Balkanvölker einheitlich deren soziale und kulturelle Entwicklung. Ein Nebeneinander, zum Teil in unmittelbarer Nachbarschaft, und enge Verflechtung der verschiedenen weidewirtschaftlichen Formen hat eine differenzierte Raumausnutzung geschaffen die auch auf ethnischen Besonderheiten fußte.

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Fertigware

Nach der amtlichen deutschen Statistik (DESTATIS) gelten als Fertigware Pflanzen, die in dem Entwicklungsstand, den sie im Erzeugerbetrieb erreicht haben, direkt oder über Wiederverkäufer an den Endverbraucher verkauft werden.
Auch Jungpflanzen/Halbfertigwaren, die im jeweiligen Betrieb erzeugt werden, zählen zur Fertigware, wenn sie an den Endverbraucher verkauft werden, obwohl sie das Wachstumsende noch nicht erreicht haben.

Festbrennstoffe

Reststoffe (Stroh, Restholz aus dem Wald und der holzverarbeitenden Industrie) und speziell angebaute Energiepflanzen (Getreideganzpflanzen, schnellwachsende Baumarten, Chinaschilf), die nach einer mechanischen Aufbereitung in Feuerungsanlagen thermisch verwertet werden.

(s. a. nachwachsende Rohstoffe)

Festmist

Gemisch aus Stroh, Kot und Harn im Gegensatz zum Flüssigmist (Gülle).

Bei der Lagerung von Festmist oder Silage in nicht ortsfesten Anlagen ist zu beachten, dass keine nachteilige Veränderung der Grundwasserbeschaffenheit entsteht. Ferner dürfen Silage oder Festmist außerhalb ortsfester Anlagen nur auf landwirtschaftlichen Flächen gelagert werden. Festmist in nicht ortsfesten Anlagen darf im Übrigen nicht länger als 6 Monate gelagert werden. Der Lagerplatz, auf dem der Festmist auf landwirtschaftlichen Flächen gelagert wird, ist jährlich zu wechseln.

(s. a. Wirtschaftsdünger)

Fettwiese

Eine Wiese von hoher Produktivität, die zwei- bis dreimal im Jahr gemäht werden kann. Auch Beweidung ist möglich. Fettwiesen erfordern zu ihrer Erhaltung eine regelmäßige starke Düngung. Leitart in mitteleuropäischen Tieflagen ist der Glatthafer, in höheren Lagen der Goldhafer.

(s. a. Magerwiese)

Feuchtgebiet

Feuchtwiesen-, Moor- und Sumpfgebiete oder Gewässer, die natürlich oder künstlich, dauernd oder zeitweilig, stehend oder fließend mit Süß-, Brack- oder Salzwasser bedeckt sind, einschließlich solcher Meeresgebiete, die eine Tiefe von 6 m bei Niedrigwasser nicht übersteigen. Diese Definition wurde 1971 in Ramsar/Iran im Internationalen Feuchtgebiets-Übereinkommen festgelegt. In Deutschland waren im 1998 insgesamt 31 solcher Feuchtgebiete vorhanden, die insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel von internationaler Bedeutung sind.

Feuchtgrenze

Grenzsaum in den Tropen zwischen Feuchtsavanne und tropischem Regenwald mit Bedeutung für die agrarische Nutzung. Bestimmte Kulturpflanzen wie Hirse, Sisal, Erdnuß, Tabak und Baumwolle benötigen in der Reifezeit eine charakteristische Trockenperiode; gleichmäßig hohe Feuchtigkeit läßt deren Früchte nur unzureichend gedeihen.

(s. a. Anbaugrenzen)

Feuchtwiese

Zu dieser Form eines Feuchtgebietes werden auch Streuwiesen, Moor- und Sumpfgebiete sowie Gewässer mit Süß-, Brack- oder Salzwasser gezählt. Die Erhaltung von Feuchtwiesen führt häufig zu Konflikten zwi­schen den Belangen des Naturschutzes und dem Bedarf an leistungsfähigem Grünland.

feudalistisches Agrarsystem

Krasse soziale Differenzierung zwischen Großgrundbesitzern einerseits und Landarmen sowie Landlosen andererseits.

Fiat Panis

Lat. Leitspruch der FAO, dt. "Brot für alle"

Fischmehl

Getrocknete und gemahlene Fische oder Teile von Fischen, denen der eingedickte Presssaft zugesetzt werden kann (Fischvollmehl). Wird als Protein- und Energieträger Futtermitteln zugesetzt, z. B. für die Aquakultur und die Schweine- und Hühnerfütterung (3-4 %). Fischmehl hat einen hohen Proteingehalt. Das Protein enthält große Anteile von essentiellen Aminosäuren. In der Geflügelfütterung kann 'Fischgeruch' in den Eiern oder im Fleisch auftreten. Deshalb darf nicht mehr als 5% Fischmehl im Futter für Legehennen sein.

Die Biologische Wertigkeit ist abhängig von den Ausgangsmaterialien, sie sinkt mit dem abnehmenden Anteil an Fischfleisch. Das Verfüttern von Fischmehl an Rinder war wegen der BSE-Problematik in der EU verboten. Aufgrund der gestiegenen Preise für pflanzliche Futtermittel darf Fischmehl nach einem EU-Beschluss wieder in der Kälber- und Lämmeraufzucht eingesetzt werden.

Die Produktion von Fischmehl erfolgte früher überwiegend aus Abfällen, die nach dem Filetieren von Speisefischen entstanden. In den letzten Jahrzehnten ist daneben aber auch ein Zweig der Hochseefischerei entstanden, der bestimmte Fischarten ausschließlich zur Fischmehlgewinnung fängt. Diese Praxis wird teilweise kritisch betrachtet, weil diese Fische dem Ökosystem entzogen werden und ähnlich wie bei den Speisefischen Hering und Kabeljau die Überfischung bzw. Ausrottung einzelner Fischarten droht. Zudem wird kritisiert, dass die traditionellen Fanggründe der lokalen Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen werden, die proteinhaltigen Produkte in die reichen Industriestaaten verkauft werden und nur wenige Unternehmen davon profitieren.

Hauptlieferanten für Fischmehl sind Chile, Peru, Dänemark, Norwegen, Panama, aber auch kleinere Lieferanten wie die Färöer-Inseln, Island und Indien.

Fixkosten

Feste Kosten, die in einem landwirtschaftlichen Betrieb anfallen und unabhängig von der pflanzlichen oder tierischen Produktion immer gleich sind, z.B. Maschinenabschreibungen, Abschreibungen für Gebäude oder Einrichtungen und Versicherungen. Daneben gibt es die variablen Kosten.

Flächenbilanz, landwirtschaftliche

Auf Deutschland bezogen die Fläche, die Deutschland durch den Konsum landwirtschaftlicher Produkte im In- und Ausland belegt. Diese Fläche setzt sich zusammen aus der im Inland genutzten landwirtschaftlichen Fläche zuzüglich der im Ausland für deutsche Agrarimporte belegten Fläche abzüglich der im Inland für deutsche Exporte genutzten Fläche. 1991 entsprach Deutschlands (inkl. der neuen Bl.) Netto-Beanspruchung landwirtschaftlicher Flächen in anderen Ländern etwa 30 % der inländischen Landwirtschaftsfläche. Für fast die Hälfte der globalen Flächenbelegung Deutschlands war 1991 der deutsche Fleischkonsum verantwortlich.

Flächenbindung

Ökologisch und steuerrechtlich wichtiger Begriff zur Kennzeichnung der Tier-Besatzdichte auf der Bodenfläche, deren Bewirtschaftung im Zusammenhang mit der Tierhaltung und der Futtergewinnung steht. Die wichtigste Vorschrift für die praktische Durchführung der Abgrenzung zwischen landwirtschaftlichen und gewerblichen Tierhaltungen ist in § 51 Abs. 1 BewG zu finden, die weitgehend identisch ist mit § 13 Abs. 1 Nr. 1 EStG. Zur Festlegung der Beziehung zwischen Tierhaltung und Flächengrundlage zur Deckung des Futterbedarfs benutzt der Gesetzgeber den Begriff der Vieheinheit. Deren Bezugsgröße ist die regelmäßig landwirtschaftlich genutzte Fläche.

Die Notwendigkeit einer Abgrenzung zwischen landwirtschaftlicher und gewerblicher Tierhaltung ergibt sich aus der besonderen Begünstigung der Land- und Forstwirtschaft im Deutschen Steuerrecht. Diese Begünstigung dokumentiert sich bei der Einkommensteuer, bei der Umsatzsteuer und vor allem bei der steuerlichen Bewertung.

Flächenkonkurrenz

Als Flächenkonkurrenz wird allgemein die Konkurrenz um Fläche durch verschiedene Nutzungsformen bezeichnet, insbesondere in Bezug auf landwirtschaftliche Nutzflächen. Im Mittelpunkt der Diskussion um Nutzungskonkurrenzen steht die Konkurrenz zwischen dem Anbau von Energiepflanzen zur Erzeugung von Bioenergie und dem Anbau von Nahrungs- und Futtermittelpflanzen. Die sogenannte Tortilla-Krise im Jahre 2007 in Mexiko wird als markanter Beginn gesellschaftlicher Auseinandersetzungen im globalen Maßstab gesehen. Im Jahr 2007 wurden in den USA, dem weltgrößten Maisproduzenten, 80 Mio. t Mais zu Bioethanol verarbeitet. Der Maispreis stieg dort in einem Jahr um 54 % und verursachte schließlich auch drastische Preiserhöhungen bei Tortillas in Mexiko, dem wichtigsten Grundnahrungsmittel der armen Bevölkerungsschichten. Weitere Beispiele sind die Verarbeitung von Zuckerrohr (Brasilien), Pflanzenöl (EU) und Sojabohne (USA) zu Biokraftstoffen und in der Folge gewalttätige Aufstände in über 30 Ländern wegen der damit verbundenen Preisanstiege bei Lebensmitteln. (Diepenbrock et al. 2012)

In Deutschland kam es durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ab dem Jahr 2000 zu einer starken Ausweitung des Maisanbaus, weil die Maispflanze aufgrund ihrer guten Silierbarkeit sich besonders gut zur ganzjährigen Versorgung von Biogasanlagen eignet. Als Folge wird in einigen Regionen, vornehmlich in NW-Deutschland, die "Vermaisung" der Landschaft beklagt. Durch die starke Nachfrage nach Biomasse entstand ein großer Flächenbedarf für deren Anbau, was die Pachtpreise in die Höhe trieb und die Rentabilität mancher Betriebszweige anderer Betriebe beeinträchtigte.

Auch Extensivierungsauflagen, Aufforstungen und Flächenentzug durch das für EU-Direktzahlungen nötige Greening engen den Handlungsspielraum der Landwirte ein.

Es zeichnen sich jedoch auch mögliche Konkurrenzen um die Nutzung des Untergrundes ab. So kann es zu einer Konkurrenz zwischen der unterirdischen CO2-Speicherung (CCS) und der tiefen Geothermie oder Erdgas- und Druckluftspeichern kommen.

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Flächennutzung

Die Inanspruchnahme von Bereichen der Erdoberfläche für unterschiedliche Funktionen bzw. Aufgaben durch den Menschen. Bei speziell land- oder forstwirtschaftlicher Nutzung spricht man auch von Bodennutzung. Teilweise wird auch der Begriff Landnutzung synonym zu Flächennutzung oder Bodennutzung verwendet.

Schon immer wurde Land von Menschen beeinflusst - durch Tierhaltung und Jagd, Entwaldung zur Schaffung von Ackerflächen, Ressourcenentnahmen und Besiedlung mit entsprechender Infrastruktur. Die Geschwindigkeit und der Umfang der Landnutzungsänderungen sind jedoch seit dem 18. Jahrhundert durch hohes Bevölkerungswachstum und veränderte landwirtschaftliche Praktiken deutlich angestiegen. Seit Mitte des 20 Jahrhunderts kam es durch weiter steigende Bevölkerung, den Wandel von Ernährungsgewohnheiten und die energetische und stoffliche Biomassenutzung zur weiteren Ausdehnung von Ackerflächen (Flächen(nutzungs)konkurrenz).

Globale Landnutzung in den Jahren 2000 und 2010 und Landnutzungsänderung

Quelle: UBA

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Flächennutzungsplan

Vorbereitender Bauleitplan, der für das ganze Gemeindegebiet die von der Gemeinde angestrebte städtebauliche Entwicklung und beabsichtigte Bodennutzung darstellt.

Flächenstilllegung

Instrument der früheren Agrarmarktordnung der EU, um die Überschussproduktion in der Landwirtschaft einzudämmen und die Märkte wirksam zu entlasten.

Nach Maßgabe der Agrarreform von 1992 mussten Landwirte einen Teil der Fläche von Getreide, Eiweiß- und Ölfrüchten stilllegen, um in den Genuss flächenbezogener Ausgleichszahlungen zu gelangen (obligatorische Flächenstilllegung). So wurde für das Anbaujahr 1993/94 ein Stilllegungssatz von 15 % festgelegt, der aber jährlich den Markt- und Preisentwicklungen angepasst werden konnte. Ausgenommen von den Stilllegungsverpflichtungen waren sogenannte Kleinerzeuger, deren Anbaufläche eine bestimmte Grenze nicht überstieg.

Flächenstilllegungen wurden v.a. deshalb eingeführt, um die Agrarüberschüsse und die hohen Budgetbelastungen der protektionistischen Agrarpreispolitik zu senken, ohne diese grundsätzlich abschaffen zu müssen. Flächenstilllegungen können wegen ihrer der „klassischen” Agrarstrukturpolitik entgegengesetzten Wirkung auch als eine Art „negative” Agrarstrukturpolitik bezeichnet werden.

Flächenstilllegungen wurden nach der Etablierung der Garantiemengenregelung auf dem Milchmarkt als die Einführung eines weiteren planwirtschaftlichen Instruments in die Agrarpolitik der EU kritisiert.

Die Europäische Kommission legte den Grundsatzrahmen fest, die Ausgestaltung der Flächenstillegungsprogramme, insbesondere die Prämienhöhe blieb den Mitgliedstaaten überlassen. Erhebliche Durchführungsunterschiede waren die Folge.

Im Jahr 2007 waren die Preise für Agrarrohstoffe massiv angestiegen. Ursache waren unter anderem die gestiegene Getreidenachfrage durch den Ausbau der Bioethanolproduktion, aber auch die geringen Vorräte, Ernteausfälle und andere Gründe.Aufgrund der stark gestiegenen Getreidenachfrage im Jahr 2007 und des damit verbundenen massiven Anstiegs der Preise für Agrarrohstoffe wurde die obligatorische Flächenstilllegung in der EU für 2008 zunächst ausgesetzt. Im Rahmen des Gesundheitschecks der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik wurde sie schließlich zum Jahr 2009 abgeschafft und die damit verbundenen Zahlungsansprüche wurden in normale umgewandelt.Wegen der auch zukünftig erwarteten hohen Agrarpreisewird keine weitere Notwendigkeit der Flächenstilllegung mehr gesehen.

Damit sind die Landwirte jedoch nicht verpflichtet, ihre brachliegenden Flächen zu kultivieren. Auch für diese Flächen gelten die Cross-Compliance-Regelungen. Flächenstillegungen sind nach der aktuellen Reform der GAP Bestandteil der freiwilligen Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) bei denen sich Landwirte verpflichten, natur- und umweltverträgliche landwirtschaftliche Arbeitsmethoden anzuwenden, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen.

Bei hohem Agrarpreis-Niveau kann damit gerechnet werden, dass vorwiegend auf Grenzstandorten freiwillige Flächenstilllegung betrieben wird.

Ökologische Effekte von Flächenstilllegungen

Vorrangiger Zweck der obligatorischen Flächenstilllegung war die marktentlastende Reduzierung der Nahrungs- und Futtermittelerzeugung. Der durch diese Regelung geschaffene Lebensraum Brache zeigte aber auch eine Reihe von ökologischen Vorteilen für die Umwelt.

Bei langjähriger Stilllegung kann es z. B. zu einer Entlastung der Ökosysteme durch Verringerung der Austräge von Düngemitteln und Pestiziden kommen. Ebenso können sich auf den mehrjährigen Stilllegungsflächen (Ackerbrachen) neue (extensivere) Biotope bilden. Soweit keine Pflanzenarten angesät werden, entwickeln sich zunächst meist einjährige Ackerunkräuter und nach wenigen Jahren setzen sich Arten der Ruderalfluren durch. Zudem bilden die Stilllegungsflächen Rückzugsgebiete für verschiedene Wildtiere.

Die obligatorische Flächenstillegung wurde aber aus ökologischen Gründen auch kritisch gesehen. Zusammen mit der Aufgabe der Bewirtschaftung konnte sie zur Verödung weiter Landstriche und damit zu einem Verlust von Kulturlandschaft führen, was in Teilen der EU bereits eintrat. Zudem kommt es vorübergehend zur verstärkten Auswaschung von Stickstoff in Grund- und Oberflächengewässer, wenn dieser nicht mehr durch Kulturpflanzen dem Boden entzogen wird. Dieses Problem bestand insbesondere in mitteldeutschen Agrargebieten mit hohem Stickstoffüberschuß aus der früheren "industriemäßigen" Landwirtschaft.

Flächenverbrauch

Die Umwandlung insbesondere von landwirtschaftlichen oder naturbelassenen Flächen in „Siedlungs- und Verkehrsfläche“. Flächenverbrauch ist damit einerseits Verlust von landwirtschaftlicher Nutzfläche und natürlichen Lebensräumen, andererseits Erweiterung von Siedlungs- und Verkehrsflächen.

Täglich werden in Deutschland rund 66 Hektar als Siedlungs- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen. Dies entspricht einer Flächenneuinanspruchnahme – kurz Flächenverbrauch - von  ca. 94 Fußballfeldern. Zwar lässt sich "Fläche" im engeren Wortsinn nicht "verbrauchen". Fläche ist jedoch – wie auch der Boden  - eine endliche Ressource, mit der der Mensch sparsam umgehen muss, um sich seine Lebensgrundlagen zu erhalten. Flächenverbrauch ist ein schleichendes Phänomen. Bürger und selbst politische Entscheidungsträger nehmen es kaum wahr. Daher mangelt es weithin am nötigen Problembewusstsein.

Nicht zu verwechseln mit dem Flächenverbrauch ist die Versiegelung. Diese macht Böden undurchlässig für Niederschläge und zerstört die natürlichen Bodenfunktionen. Siedlungs- und Verkehrsflächen umfassen jedoch auch unbebaute und nicht versiegelte Böden, z.B. Erholungsflächen wie Stadtparks, Sportplätze, Skaterbahnen, Golfplätze u. v. m..

Bis zum Jahr 2030 will die Bundesregierung den Flächenverbrauch auf unter 30 Hektar pro Tag verringern. Diese gegenüber der Nachhaltigkeitsstrategie von 2002 verschärfte Festlegung wurde vom Bundeskabinett im Januar 2017 in der "Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie – Neuauflage 2016" festgelegt. Im Klimaschutzplan vom November 2016, der die Leitplanken für ein grundsätzliches Umsteuern in Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Weg zu einem treibhausgasneutralen Deutschland beschreibt, strebt die Bundesregierung bis 2050 sogar das Flächenverbrauchsziel Netto-Null (Flächenkreislaufwirtschaft) an, womit sie eine Zielsetzung der Europäischen Kommission aufgegriffen hat.

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Flavr Savr-Tomate

Mit Hilfe von gentechnischen Verfahren hergestellte und 1994 in den amerikanischen Markt eingeführte Tomatensorte mit Reifeverzögerung der Fa. Calgene, USA.
Gewöhnlich werden Tomaten wegen ihrer leichten Verderblichkeit im unreifen Zustand gepflückt und dann kurz vor dem Verkauf mit Ethylen begast, das den abschließenden Reifungsprozeß einleitet. Solche Tomaten sehen zwar rot und reif aus, sind aber meist geschmacklos und wässrig.
Die Flavr SavrTM-Tomate kann am Stock ausreifen, viel Geschmack, Aroma und Inhaltsstoffe entwickeln und behält ihr glattes Aussehen auch 6 - 8 Wochen nach dem Pflücken. Dies wurde durch das Ausschalten des "Matsch-Gens" oder besser der Erbinformation für das Enzym Polygalacturonidase (es zerstört in der reifen Tomate Zellbestandteile) erreicht. Der Verbraucher erhält ein Produkt, das sich durch die späte Ernte im Geschmack deutlich von den gewöhnlichen - grün geernteten - Treibhaustomaten unterscheidet. Um die richtig veränderten Tomatenpflanzen zu finden, mußte ein sogenanntes Markergen in das Erbgut der Tomate eingebaut werden, das eine Resistenz gegen das Antibiotikum Kanamycin verleiht. Pflanzenzellen, die nach einem Gentransfer untersucht werden sollen, werden in einem Nährsubstrat herangezogen, das mit diesem Antibiotikum versetzt ist. Jene Pflanzenzellen, bei denen kein Gentransfer erfolgte, sterben ab, jene die die neuen Gene aufgenommen haben, überleben. Dieses Antibiotikum wird zwar in der Humanmedizin nur selten eingesetzt, aber eine Verbreitung der Kanamycinresistenz in der Darmflora des Menschen ist nicht auszuschließen.

Eine traditionelle Rückkreuzung um das Markergen wieder zu entfernen, ist nur mit großem Zeitaufwand möglich, da das Gen mit der erwünschten Haupteigenschaft und das Markergen sehr dicht gekoppelt sind.

Als die Tomate als das erste gentechnisch veränderte Produkt in den USA auf den Markt kam, fanden sich kaum Käufer. Dies ist einerseits darauf zurückzuführen, dass die Menschen Angst vor gentechnisch veränderten Lebensmitteln hatten. Andererseits war die damalige Verarbeitungs- und Verpackungsindustrie nicht auf reife Tomaten eingestellt. Es wären hohe Investitionen in neue Verarbeitungsmaschinen nötig gewesen. Ein weiterer Negativaspekt ist, dass die Tomate schlechte Resistenzeigenschaften aufweist. Letztendlich konnte die Tomate auch die beworbenen Eigenschaften nicht zufriedenstellend erfüllen und hat heute praktisch keine Bedeutung mehr. In den USA wurde sie 1997 wieder vom Markt genommen.

Fleischtierhaltung

Zweig der Nutztierhaltung mit der Produktionsrichtung Fleischproduktion. Durch systematische Fütterung (Mast) wird ein bestimmtes Endgewicht angestrebt.

Flex Crops

Agrarrohstoffe, die je nach Lage auf dem Weltmarkt multipel und flexibel verwendet werden können (Nahrung, Futter, Treibstoffe, Industrierohstoffe), was das Investorenrisiko angesichts mehrerer potentieller Abnahmemärkte reduziert, andererseits je nach Marktsituation die Preise im jeweiligen Nahrungsmitteleinsatz deutlich erhöht.

Zu den Flex Crops gehören Soja (Futter, Nahrungsmittel, Biodiesel), Zuckerrohr (Nahrungsmittel, Ethanol), Ölpalme (Nahrungsmittel, Biodiesel, Industrierohstoff), Mais (Nahrungsmittel, Futter, Ethanol). Es wird erwartet, dass künftig auch Eukalyptus zu dieser Gruppe gehören wird. Das Holz dient der Papier- und Zellstoffindustrie. Einige Arten des Eukalyptus liefern mit ihrer Streifenborke wertvolle Gerbstoffe. Eukalyptusöl findet seine Anwendung in der medizinischen Behandlung von Asthma, Bronchitis und Rheuma in Form von Salben und Bonbons. Menthol und Thymol dienen jedoch auch industriellen Zwecken. Das Eukalyptusöl birgt zudem ein hohes Potential für die Kraftstoffentwicklung. Das Öl wird schon heute einigen Kraftstoffen beigemischt.

Durch die Nutzungsflexibilität ist eine Trennung zwischen der Inanspruchnahme von riesigen Landflächen für Agrartreibstoffe und für Nahrungsmittel, eine Trennung 'Tank oder Teller', nicht mehr so einfach möglich. So entscheiden globale „Marktsignale“, also die Frage, wo kurzfristig die höchsten Gewinne erzielbar sind, welcher Endnutzung das Produkt zugeführt wird. Kurzfristig können so riesige Mengen Nahrungsmittel umgeleitet werden und damit de facto vom globalen Nahrungsmittelmarkt verschwinden. Thailand importierte um das Jahr 2010 beispielsweise 2 Mio. t Soja, Bangladesch 1 Mio. t. Für beide Länder sind diese Importe wichtig für die nationale Ernährungssicherheit. Durch die verstärkte flexible Nutzung rechnet man bei den Nahrungsmittelpreisen mit zunehmenden Preisschwankungen.

Ein vergleichbares Szenario wurde unter dem Namen „Tortilla-Krise“ schon 2007 Realität, als die USA ein Großteil ihrer Maisproduktion nicht mehr nach Mexiko exportierte, sondern zur Ethanolherstellung umnutzte. Verstärkt durch spekulatives Verhalten der Großhändler vervierfachte sich der Preis für Tortillas in wenigen Wochen und viele MexikanerInnen konnten sich ihr Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten.

Die im Bereich der Flex Crops tätigen Agrarkonzerne sind Bestandteil des wirtschaftlichen Aufstiegs von Schwellenländern. Sie basieren auf dem Zusammenspiel der Kontrolle über riesige Landflächen, der Kontrolle über billige Arbeitskräfte und dem Zugang zu neuester Technologie. Viele Konzenrne befinden sich im Familienbesitz und agieren diskret und intransparent. Einige sind mít maßgeblichen Anteilen an den Börsen notiert, und wenige sind staatlich. Arbeitsbedingungen nach kolonialem Muster, Bezahlung nach Stücklohn und schlechter Arbeitsschutz gefährden die Belegschaft auf den Zucker- und Palmölplantagen. Ebenso stehen viele Konzerne wegen Landraub in der Kritik.

Die Staaten nehmen beim Aufbau der Flex Crops-Ökonomie eine zentrale Rolle ein. Verkauf oder Pacht von staatlichem Land und die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur obliegen politischen Entscheidungen. Produktions- und Verarbeitungsanlagen sind oft von den Regierungen subventioniert. Darüber hinaus fördern Quoten für die Beimischung von Agrokraftsoffen die Nachfrage und damit Umsatz und Gewinn. (Heinrich Böll Stiftung u. a. 2017)

(s. a. Flächenkonkurrenz)

Flugware

Bei Flugware handelt es sich um Produkte, meist Lebensmittel, die mit dem Flugzeug an ihren Verkaufsort befördert worden sind. Die dabei entstehenden Treibhausgasemissionen sind um ein Vielfaches höher als bei Waren, die mit dem Schiff oder dem LKW transportiert werden. Meist handelt es sich dabei um Lebensmittel, die hochpreisig und schnell verderblich sind. Es gibt bis dato keine Kennzeichnungspflicht für Flugware.
Bei folgenden Lebensmitteln ist die Wahrscheinlichkeit jedoch recht hoch, dass sie aus Flugimporten stammen:

Flur

Die gesamte parzellierte, besitzmäßig einem oder mehreren landwirtschaftlichen Betrieben zugeordnete agrarische Nutzfläche (Äcker, Wiesen, Weiden) einer Siedlung oder eines Siedlungs- und Wirtschaftsverban­des. Eng mit der Siedlung verbundene Gärten gehören ebensowenig zur Flur wie auch Allmendland und geschlossenes Waldland.
Grundelement der Flur ist die Parzelle als kleinster Besitzeinheit in der Flur, amtlich heute Flurstück genannt. Form und Anordnung der Besitzparzellen der Flur ergeben die Flurform.

Das Erscheinungsbild der Flur wird zusätzlich durch Elemente wie Feldeinhegungen (Hecken, Wallhecken, Gräben, Zäune), Ackerterrassen, Raine, Feldscheunen u.a. geprägt.

(s. a. Allmende, Gemarkung)

Flurbereinigung

Die Umgestaltung von zersplitterter oder unwirtschaftlich gestalteter land- und z.T. forstwirtschaftlicher Nutzfläche nach betriebswirtschaftlichen, landschaftsplanerischen und ökologischen Gesichtspunkten.

Die Flurbereinigung, amtlich oft "Umlegung" genannt, ist als traditionsreiches Ordnungsinstrument des Staates eine klassische Maßnahme zur Verbesserung der Agrarstruktur und dies besonders in der Nachkriegszeit. Sie ist bis heute ein wirksames Verfahren zur rechtsverbindlichen Veränderung ländlicher Strukturen in der Zuständigkeit einer Behörde. Damit unterscheidet sie sich stark von der agrarstrukturellen Entwicklungsplanung.

Flurneuordnungsverfahren haben z. B. in Deutschland eine lange Tradition. Gemeinheitsteilung, Separation oder Verkoppelung waren seit dem 19. Jahrhundert Verfahren, deren Ziel die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in der Land- und Forstwirtschaft waren. Mittlerweile hat sich die Zielstellung der Flurneuordnung geändert.

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Flurform

Grundrissgestaltung der Flur, bezogen auf den Verlauf der besitzrechtlichen Grenzen der Parzellen und Parzellenverbände, auch Besitzliniengefüge genannt. Es ist meist nicht identisch mit dem sichtbaren Liniensystem der Nutzungsgrenzen, dem Muster der Landnutzung, denn eine Besitzparzelle kann z.B. mit mehreren Ackerfrüchten besetzt sein, umgekehrt aber kann sich eine Frucht (etwa durch Pacht oder im Rah­men von Zelgenwirtschaft) auch über viele Besitzparzellen erstrecken. Ein Schluß von dem Landnutzungsmuster, wie es sich in Luftbildern anschaulich darstellt, auf die Flurform ist daher nur unter Vorbehalten möglich. Die Flurform erschließt sich zuverlässig nur durch Kataster, Flurbücher und ähnliche Urkunden.
Unterschieden wird nach der Form (Blöcke, Streifen), Größe (Breit-, Lang-, Kurz-), der Anordnung der Parzellen (z.B. gleichlaufend, radial). Ferner sind die Lage der Parzellen in der Flur (z.B. Gemengelage), die Relieforientierung und die genetischen Merkmale (Alter, Art der Entstehung) von Bedeutung:

Die Entstehung einer Flur ist häufig gekennzeichnet durch die Ausweitung eines Flurkerns oder auch die Reduktion der Fläche. Danach können Kernflur und Ausbauflur, ferner partielle oder totale Flurwüstungen für aufgegebene Fluren bzw. Flurteile unterschieden werden. Kernflur und Ausbauflur unterscheiden sich durch ihre Lage zur Siedlung und durch ihre unterschiedliche Flurformen und häufig auch durch die Anlage des Wegenetzes sowie unterschiedliche Bewirtschaftung.
Die Einflussgrößen, die die Entstehung und die räumliche Verteilung einzelner Flurformtypen bedingen, sind sehr vielfältig.
Dazu gehören:

Flurformentyp

Kennzeichnung der Flurparzellierung. Reine Flurformen werden durch Addition eines einzelnen Flurformentyps (Blockflur, Gewannflur, Waldhufenflur usw.) bestimmt, zusammengesetzte Flurformen durch mehrere Flurformentypen innerhalb einer Gemarkung.

Flurholzbau

Anbau von Gehölzen bevorzugt entlang von Feldgrenzen, bei dem die Produktion von Holz gegenüber anderen Zielen zurücktritt:

Flurnamen

Alte Flurnamen lassen Rückschlüsse auf Landschaftsgeschichte, Nutzungsformen, topographische und geologische Gegebenheiten sowie historische Rechts- und Besitzverhältnisse zu. Lange Zeit wurden Flurnamen nur mündlich überliefert. Erst in den letzten Jahrhunderten wurden sie u.a. im Rahmen von Flurvermessungen in Katasterkarten behördlich registriert.
Die folgende Übersicht (nach Nottbohm 1994) bietet eine gruppierte Auswahl von Flurnamen:

Naturnamen

Kulturnamen

Flurstruktur

Der Begriff gibt die für eine Landschaft typische Abfolge von Flurelementen wieder. Dazu gehören alle außerhalb geschlossener Ortschaften vorkommende Flurelemente (Wege, Straßen, Bäume, Hecken, landwirtschaftliche Nutzflächen, Wirtschaftsgebäude, Gewässer). Die Flurstruktur kann natürlich oder anthropogen bedingt sein.

Flurwüstung

Total oder partiell aufgelassene Flur. Als absolute Flurwüstung bezeichnet man eine solche unter Wald oder wenn aus früherem Ackerland Ödland wurde; bei einer relativen Flurwüstung hat sich lediglich die Nutzungsintensität verringert.

(s. a. Ortswüstung, Wüstung)

Flurzersplitterung

Die besitzmäßige Zersplitterung der Flur im Gefolge von Erbfällen und anderen Ursachen. Flurzersplitterung tritt häufig in engem Zusammenhang mit zelgengebundener Wirtschaftsweise auf. Räumlich findet sie sich vor allem im Verbreitungsgebiet der Real(erb)teilung.

(s. a. Besitzzersplitterung)

Flurzwang

In Mitteleuropa wurden die Felderwirtschaften bis ins 19. Jh. im Rahmen der Dorfgemeinschaft auf einheitlich bebauten Flurbezirken (Zelgen) durchgeführt, deren Nutzung nach der für alle verbindlichen Rotation jährlich wechselte. Der Flurzwang regelte die Zeiten der Feldbestellung, die Überfahrts- und Beweidungsrechte. In kleinparzellierten Gemarkungen, in denen ein ausreichendes Wegenetz fehlte, waren zelgengebundener Anbau und Flurzwang noch bis in das 20. Jh. verbreitet. Sie hemmten jedoch die Einführung von Maschinen und neuen Kulturpflanzen sowie die selbständige Entwicklung der Betriebe.
In Mittel- und Süddeutschland war der Flurzwang besonders stark ausgeprägt, in Nordwestdeutschland weniger streng, weil dort die Höfe oft einzeln oder in kleinen Gruppen lagen und es sich auf dem armen Sandboden nur um "ewigen Roggenbau" handelte.

(s. a. Dreifelderwirtschaft, Fruchtfolge)

Flüssigmist

Siehe Gülle

FOB-Preis

Abk. für "free on board"; Weltmarktpreis bei der Ausfuhr eines Produkts, bei dem sich der Preis aus dem Wert der auszuführenden Ware, den Transportkosten zum Hafen und den Kosten der Verladung auf das Schiff zusammensetzt. Der Ort, auf den sich der Preis bezieht, wird grundsätzlich angegeben. Für den Getreideexport der EU ist "fob Rouen" von besonderer Bedeutung. Die Lieferklausel fob schreibt vor, daß der Verkäufer die Waren frei bis an Bord des Schiffes des Ausgangshafens liefert. Die Frachtkosten für den Schiffstransport sind somit bereits vom Käufer zu tragen. Der Gefahrenübergang auf den Käufer vollzieht sich, wenn die Ware auf der Palette oder in der Schlinge in Höhe der Reling über dem Schiff schwebt.

(s. a. CIF-Preis, Incoterms)

Foggara

Traditionelles System der Grundwasseranzapfung mittels unterirdischer Stollen (ar. Fuggara), verbreitet im nordafrikanischen und vorderasiatischen Raum sowie in Ostasien und Südamerika. Weitere Bezeichnungen sind Rhettara, Khettara, Mkoula, Karez, Qanat, Faladsch u.w. Ihre Anlage ist gewöhnlich an leicht geneigtes Gelände gebunden. In bestimmten Abständen werden Schächte gegraben, die bis in den Grundwasserhorizont reichen. Diese Schächte werden durch einen unterirdischen Stollen, dessen Gefälle geringer ist als das Geländegefälle, miteinander verbunden. In diesem Stollen sammelt sich das Wasser und wird in die Oase geleitet, wo es in offenen Kanälen auf die Felder gelangt.
Die Bedeutung der Foggaras ist beispielsweise in den nordafrikanischen Staaten wegen des Mangels an Arbeitskräften und der Verbreitung von Motorpumpen stark zurückgegangen.

(s. a. Bewässerung, Bewässerungswirtschaft)

Food Crop

Kulturpflanze, die vornehmlich zur Eigenversorgung angebaut wird, und von der lediglich kleinere Mengen auch auf den lokalen Markt gelangen.

(s. a. Cash Crop)

Food-Nonfood-Food-Switch

Eine Strategie der Landbewirtschaftung, die befristet eßbare Pflanzenteile als nachwachsenden Rohstoff für den technischen Sektor einsetzt, aber gleichzeitig die Verarbeitungsanlagen so gestaltet, daß sie jederzeit auf nichteßbare Pflanzenteile umgestellt werden können. Hierdurch wird die Produktionsbereitschaft erhalten, und es kann flexibel künftigen Knappheiten begegnet werden.

forest farming

Forest farming bezeichnet den Anbau hochwertiger Sonderkulturen in einem hierfür gezielt bewirtschafteten Wald. Die Arten-Zusammensetzung, Struktur und Wuchsdichte des natürlichen oder angepflanzten Baumbestandes wird dabei so modifiziert, dass den Ansprüchen der Unterkultur, z.B. hinsichtlich Beschattung, Nährstoffangebot, Wuchssubstrat, Feuchtigkeit oder Temperatur, so gut wie möglich entsprochen wird.

Die Bäume in forest-farming-Systemen werden zumeist zur Wertholz- und Brennholzgewinnung genutzt, während im Unterstand eine Vielzahl unterschiedlicher Heilpflanzen (z.B. Gingseng), Beeren, Blumen oder Pilze kultiviert werden kann.

Verbreitungsgebiete sind vor allem USA und Kanada.

Weitere Informationen:

Formation

Eine Mehrzahl von Betrieben einer Branche in standörtlicher Nachbarschaft, deren Konkurrenz durch synergetische Effekte gemildert wird. Für alle nicht direkt zur Konkurrenz herausfordernden Probleme von Handel, Transport, Kredit, Information, Lagerhaltung, Arbeitsbeziehungen usw. können gemeinschaftliche Lösungen gefunden werden, die allen Beteiligten nützen.

Fortadorf

Typ des Angerdorfs in Dänemark, Angeln und Ostholstein mit einer rechteckigen Platzform, der vermutlich durch die Neuordnung von Siedlung und Flur im 13. Jahrhundert nach den Regeln des "Jütischen Low" entstand.

freie Güter

Güter, die überall und mit der gewünschten Qualität in hinreichendem Umfang vorhanden sind, um die Bedürfnisse aller Individuen einer Volkswirtschaft zu einem gegebenen Zeitpunkt zu befriedigen (z.B. Luft, Regenwasser, Wüstensand). In einer Marktwirtschaft hat ein freies Gut einen Preis von Null. Dagegen sind wirtschaftliche Güter knapp, also nicht unbegrenzt vorhanden, und haben einen Preis, weil ihre Herstellung Kosten verursacht.

Freilandgemüsebau

Der Gemüseanbau in Deutschland erfolgt überwiegend im Freiland und nur zu einem kleinen Anteil in Gewächshäusern unter Glas oder Folie. Typische Kulturen im Freilandgemüsebau sind Kohl- und Salatarten, Erbsen, Bohnen, Gurken, Möhren, Spargel, Spinat und Zwiebeln.

Kennzeichnend für den gärtnerischen Anbau von Gemüsen im Freiland ist die intensive Nutzung der Anbauflächen durch zwei bis vier Kulturen in einem Jahr (beispielsweise durch die Kulturfolge Wirsing - Kopfsalat - Blumenkohl im Zeitraum Mitte März bis Anfang Oktober). Um die dichte Kulturfolge zu erreichen, werden die Gemüsepflanzen regelmäßig an anderer Stelle (auch unter Glas) vorkultiviert und mit steigendem Platzbedarf bei fortschreitendem Wachstum auf die eigentliche Anbaufläche umgepflanzt. Gleichwohl nutzt man auch auf dem abschließenden Standort gegebenenfalls Möglichkeiten zur Ernteverfrühung bzw. Erntezeitverlängerung, zum Beispiel durch Abdecken mit Folien oder Vliesen.

Die Intensität des gärtnerischen Freilandgemüsebaus wird als Kriterium herangezogen, um ihn vom Feldgemüsebau abzugrenzen, bei dem typischerweise meist nur eine einmalige Nutzung der Anbaufläche pro Jahr erfolgt, sowie regelmäßiger Fruchtwechsel mit anderen landwirtschaftlichen Kulturen.

Der Strukturwandel im Gemüsebau, der bereits seit Jahrzehnten hin zu immer weniger, aber größeren Betriebseinheiten erfolgt, hat sich in den letzten Jahren weiter fortgesetzt. Die Anzahl der Betriebe, die bundesweit Gemüse im Freiland anbauen, sank seit 2000 deutlich und lag 2015 bei rund 6.100. Bei einem gleichzeitigen Anstieg der Gemüseanbaufläche in Deutschland wuchs die durchschnittliche Fläche pro Betrieb von 7,3 ha im Jahr 2000 auf 18,9 ha im Jahr 2015. Der größte Flächenanteil wird von Betrieben bewirtschaftet, die 20 ha oder mehr Freilandgemüse anbauen. Jedoch bestehen hier je nach Region und Gemüseart erhebliche Unterschiede.

Freilandversuch

Siehe gentechnisches Freilandexperiment

Fremdtierhaltung

Haltung von fremdem Vieh in landwirtschaftlichen Betrieben in unterschiedlichen Formen. Ursprünglich sollten mit Fremdtierhaltung jahreszeitlich auftretende Futterengpässe durch Ausnutzung von Überkapazitäten anderer Betriebe überbrückt werden.

Häufig ist die Pensionsviehhaltung, bei der der Eigentümer der Tiere einem anderen landwirtschaftlichen Betrieb die vorübergehende oder auch ganzjährige und längerdauernde Aufzucht und/oder Haltung seiner Tiere überläßt. Meist ist diese Form mit einer unmittelbaren Weidenutzung durch das Pensionsvieh verbunden (z.B. Jungviehaufzucht, Pensionspferdehaltung). Andere Formen haben in den vergangenen Jahren verstärkt an Bedeutung gewonnen: die Aufzucht und/oder Mast von relativ großen Tierbeständen in Ställen.

(s. a. Lohnmast)

Frostbekämpfung

Insbesondere in Sonderkulturen angewandte Maßnahmen zur Vermeidung von Frostschäden. Dazu gehören

Zu den Maßnahmen, die generell das Klima in Bodennähe verbessern, insbesondere die Temperatur erhöhen sollen, gehört das Bedecken des Bodens mit Matten oder Folien.

Zu den vorbeugenden Maßnahmen zählen die Beseitigung von Kaltluftseen, die Aufforstung von Kaltlufteinzugsgebieten, die Veränderung von Kaltluftabflüssen oder der Bau von Windschutzanlagen.

Weitere Informationen:

Frostgare

Günstige Krümelung des Oberbodens von Ackerböden, welche durch die Auflockerung und Zerteilung der Bodenschollen beim winterlichen Gefrieren und Wiederauftauen (Volumenänderung des Bodenwassers) entsteht.

Frosttrocknis

Frostbedingter Trockenschaden bei höheren Pflanzen durch die austrocknende Wirkung winterlicher Luftmassen bei gleichzeitig blockierter Wassernachlieferung aus dem Boden.

Starke Sonneneinstrahlung im Winter und Frühjahr steigert die Verdunstung erheblich. Im Protoplasma kommt es dabei zu starken Wasserverlusten, die jedoch nicht ausgeglichen werden können, weil das Wasser in den Leitbahnen gefroren ist bzw. eine Wasseraufnahme aus dem gefrorenen Boden nicht möglich ist. Schäden durch Frosttrocknis entstehen auch bei Pflanzen mit hoher Frostresistenz und Frostabhärtung.

Frosttrocknis ist besonders in Gebirgen und in subarktischen und arktischen Lebensräumen von Bedeutung. Die Frosttrocknis gilt als Schlüsselfaktor, der die Lage der oberen Baumgrenze in den Gebirgen maßgeblich bestimmt.

Besonders gefährdet sind immergrüne Gehölze, deren Blätter aus diesem Grund in winterkalten Gebieten zur Vermeidung von starken winterlichen Wasserverlusten fast immer xeromorph gebaut sind.

Bereits bei niedrigen Bodentemperaturen ohne Frost kann es zu Problemen mit der Wasserversorgung und damit Pflanzenwelke kommen, da die Transportwiderstände erhöht sind und die Wurzeln nicht mehr wachsen.

Während Pflanzen der Tundra und der Hochgebirge auch bei teilweise gefrorenem Boden noch Wasser aufnehmen können, wird die Wasserversorgung von Pflanzen warmer Gebiete bereits bei 5 bis 10 °C beeinträchtigt. Bei Zitruspflanzen etwa können Austrocknungserscheinungen bereits bei über 0 °C auftreten.

Im Gartenbau schützt man sich z. B. durch eine Abdeckung aus Vlies oder eine Mulchschicht oberhalb der Wurzeln.

Fruchtbarer Halbmond

Sichelförmiges Gebiet mit reichem Winterregen, das die hügeligen Randbereiche des südwestasiatischen Gebirgsbogens zwischen Palästina und dem Nordwestiran einschließlich des Zweistromlandes (Euphrat und Tigris) umfasst. Damit umschließt es die innerarabischen Trockengebiete Syriens, Saudi-Arabiens und des Irak.

Klimatisch liegt dieses Gebiet in einem Übergangsbereich zur natürlichen mediterranen Steppenzone, deren ursprünglich sehr ausgedehnte Grasländer überaus günstige Bedingungen für Viehhaltung und Getreidebau boten.

Es ist eines der Zentren der neolithischen Revolution. In diesen Gebieten standen als Wildpflanzen Gerste und Weizenarten zur Verfügung, ferner Wicken, Erbse und Lein. Von hier aus gelangte die Kenntnis der Landwirtschaft über Anatolien, Griechenland und die Balkanhalbinsel nach Mitteleuropa.

Auf eine blühende Hochkultur im 5. Jahrtausend folgte ein allmählicher wirtschaftlicher und kultureller Niedergang, an dem neben Überweidung und Bodenerosion die Bodenversalzung der tiefer gelegenen Bewässerungskulturen wesentlich beteiligt waren.

Fruchtfolge

Auch Rotation; geregelte Aufeinanderfolge verschiedener Kulturpflanzen auf ein und demselben Feld mit dem Ziel, die Bodenkräfte bestmöglich auszunutzen und Fruchtfolgeschäden zu vermeiden. Zu diesen zählen starke und oft einseitige Verunkrautung, Gareverluste im Boden und das Ausbreiten bzw. Anhäufen tierischer und pilzlicher Krankheitserreger und Schäd­linge. Beispielsweise hat eine zu eng gestellte Fruchtfolge im Zuckerrübenanbau eine problematische Erhöhung des Nematodenbefalls zur Folge. Da die an Zuckerrüben parasitierenden Fadenwürmer weitgehend wirtsspezifisch sind, können sich andererseits in größeren Zeitintervallen des Zuckerrübenanbaus keine hohen, zu fühlbaren Ertragsverlusten führenden Populationsdichten entwickeln.
Die Fruchtfolge wird einerseits durch die Saatzeit-, Bearbeitungs- und Wasseransprüche der Pflanzen, andererseits durch ihre verschiedene Selbstverträglichkeit beziehungsweise die Gefahren der Bodenmüdigkeit bestimmt.

Wichtigste biologische Grundsätze der Fruchtfolge sind:

Fruchtfolgen sind nicht nur auf das regelmäßig bearbeitete Ackerland, also auf die Feldwirtschaft, begrenzt. Sie sind auch beim Wechsel zwischen Ackernutzung und ausdauernden Pflanzenbeständen erforderlich. Es kann sich dabei um den Wechsel mit Grünland (Feldgraswirtschaft), mit Dauerkulturen oder um die Unterbrechung von Monokulturen handeln.

Besondere Ansprüche einiger Kulturpflanzen

Quelle: Frei u. Peyer 1990

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Fruchtfolgen, bei denen nur Feldfrüchte miteinander abwechseln (Felderwirtschaft) und solchen, bei denen Feldernutzung mit Grasnutzung wechselt (Wechselwirtschaft).
Vor Einführung der Fruchtfolge herrschte bis etwa ins 8. Jh. n.Chr. in unseren Breiten Landwechsel vor. Damals wurde ausschließlich Getreide in Monokultur so lange auf einem Feld angebaut, bis die Erträge zu stark absanken. Daraufhin wurde neues, bisher ungenutztes oder auch mehrere Jahre brachliegendes Land bewirtschaftet.

Die Anfänge der Alten Dreifelderwirtschaft fallen in diese Zeit (771 erstmals erwähnt). Sie war im 8. und 9. Jh. (Karl der Große) die übliche Bodennutzungsmethode und wurde im größten Teil Deutschlands bis ins 18. Jahrhundert praktiziert. Sie war durch den Flurzwang gekennzeichnet, aus dem sich für die Landwirte die Einhaltung gemeinsamer Bestellungs- und Erntezeiten in der Dorfflur bei gemeinsamer Fruchtfolge ergab.

Die Fruchtfolge der Alten Dreifelderwirtschaft

Winterung

Roggen, Weizen

Sommerung

Hafer, Gerste, Hirse

Brache

Über mehrere Jahrhunderte änderten sich diese Verhältnisse kaum.

Ab Mitte des 18. Jh. begann man mit dem Anbau von Futterpflanzen (wichtigste Brachfrucht war der Rotklee) auf der ehemaligen Brachfläche, gegen Ende des 18. Jh. kam der Kartoffel- und dann der Futter- und der Zuc­kerrübenanbau dazu. Der Übergang zur Verbesserten Dreifelderwirtschaft mit Blattfruchtanbau war somit voll­zogen. Sie stellt auch heute noch häufig das Grundschema der Ackernutzung in Deutschland dar.

Die Fruchtfolge der Verbesserten Dreifelderwirtschaft

Blattfrucht und/oder Hackfrucht

Zuckerrüben

Wintergetreide

Weizen

Sommergetreide

Gerste

Die Mehrfelderwirtschaft (18. bis Anfang 20. Jh.) stellt eine naturhaushaltlich ziemlich ausgewogene Fortführung der Verbesserten Dreifelderwirtschaft dar. Auch sie bedeutete eine Wirtschaftsweise mit hohem Selbstversorgungsgrad der Landwirtschaft und einer nahezu vollständigen Wiederverwertung aller Stoffe im landwirtschaftlichen Betrieb.
Veränderte ökonomische Rahmenbedingungen vor allem ab der Mitte des 20. Jahrhunderts bedingten eine Spezialisierung und Intensivierung in der Landwirtschaft West- und Mitteleuropas. Dies führte zu einer Verarmung der Felderfolgen (Neue Dreifelderwirtschaft, Neue Zweifelderwirtschaft). Zur Zeit werden die Ackerflächen in Deutschland trotz einer Vielfalt seiner Standorte von nur vier Fruchtarten beherrscht: Gerste, Weizen, Mais und Raps. Zuckerrüben und Kartoffeln spielen nur regional eine Rolle.
Als Konsequenz der in der modernen Landwirtschaft vereinfachten Fruchtfolge ergibt sich u.a. eine erhöhte Gefährdung durch Schädlinge und Unkrautvermehrung, die mit chemischen Methoden bekämpft werden. Daraus und aus dem nötigen höheren Düngemitteleinsatz folgen hohe Betriebsmittelkosten für den Landwirt.

Es wird alleine am Beispiel der Stickstoffaufwendungen deutlich, daß eine wirklich durchgreifende Verbesserung der ökologischen Situation in den agrarisch betonten Ökosystemen eine erweiterte Fruchtfolgegestaltungsmöglichkeit für den Landwirt voraussetzt, beispielsweise durch die Einbeziehung von nachwachsenden Rohstoffen.

Fruchtwechselwirtschaft

Anbau mit der Fruchtfolge Blattfrucht-Getreide-Blattfrucht-Getreide. Fruchtwechsel verändern generell die Umweltbedingungen für Schädlinge und Unkräuter und verhindern deren Ausbreitung. Zudem wird der Boden durch die unterschiedlichen Ansprüche der Kulturpflanzen nicht einseitig ausgelaugt.

Fünffelderwirtschaft

Im 19. Jh. eingeführtes Fruchtwechselsystem, auch "rheinische Fruchtfolge" genannt. Es ist durch einen 5jährigen Turnus mit folgender Fruchtfolge gekennzeichnet:

Getreide Getreide Hackfrucht Getreide Hackfrucht

Fungizide

Chemische Pflanzenschutzmittel, die die Entwicklung von (Schad-)Pilzen an Kulturpflanzen hemmen oder verhindern. In Deutschland werden Fungizide vorwiegend im Obst-, Wein- und Hopfenbau sowie im Ackerbau für Weizen- und Kartoffelkulturen (gegen Kraut und Knollenfäule) verwendet. Nach Befalls- und Anwendungsort kann man Blattfungizide, Bodenfungizide und Beizmittel unterscheiden. Dem Einsatz von Fungiziden wird neben Produktionserhöhungen auch ein verbessertes Lagerungsverhalten und Frischekonservierung zugeschrieben. Positive Wirkungen betreffen auch Geschmack und äußere Erscheinung.

(s. a. Pestizide)

Furchensaat

Anbautechnik, bei der zur Wasserzuleitung die Saat in Rillen tief gesetzt wird.

(s. a. Dammkultur)

Futterbau

1. Der Anbau von Kulturpflanzen zur Tierernährung. Das Futter (z.B. Luzerne, Klee, Futterkartoffel, Futterrübe) kann frisch, gesäuert oder getrocknet verabreicht werden. In Deutschland finden sich Betriebe mit vorwiegendem Futterbau vor allem in den Alpen, dem Alpenvorland, in den Hochlagen der Mittelgebirge und in den Marschen.

2. In der Betriebssystematik wird die Betriebsform Futterbau aus den Produktionszweigen Milchviehhaltung und Rindermast und dem zugehörigen Pflanzenbau gebildet.

(s. a. Futterbaubetrieb)

Futterbaubetrieb

Betriebsform in Deutschland, bei der 50 oder mehr Prozent des Standarddeckungsbeitrages aus dem Futterbau und der damit verbundenen Haltung von Milchkühen, Mastrindern, Schafen, Pferden usw. stammen.

Futtermittel

1. Alle Produkte pflanzlicher oder tierischer Herkunft, deren organische und anorganische Inhaltsstoffe durch Tiere ohne Risiko für ihre Gesundheit verwertet werden können.

2. Nach dem Futtermittelgesetz gilt ein Stoff als Futtermittel, wenn er vom Verfügungsberechtigten zur Verfütterung bestimmt wird, mit der Bedingung, daß der Zweck der Tierernährung überwiegen muss.

Man unterscheidet vereinfachend nichtmarktgängige Futtermittel (Gras, Heu, Silage), die hauptsächlich an Wiederkäuer verfüttert werden, von marktfähigen Futtermitteln (Getreide, Getreidesubstitute, Ölkuchen, Mischfutter usw.), die an alle Tiere verfüttert werden können. Diese Trennung ist nicht problemlos, da im landwirtschaftlichen Betrieb erzeugte Futtermittel sowohl den Status von wirtschaftseigenen Futtermitteln als auch von Handelsfuttermitteln (z.B. Getreide, Knollen und Wurzeln, Heu, Stroh, Maissilage) einnehmen.

Gebrauchswert- und einsatzorientierten Aspekten folgt die Einteilung in Grobfutter (relativ reich an Gerüstsubstanzen) und Konzentrate (hoher Energie- und/oder Proteingehalt). Zum Grobfutter zählen vor allem Grünfutter, Grünfutterkonservate (Silagen, Heu, Trockengrünfutter) und Stroh mit ihrem überwiegenden Einsatz in der Wiederkäuerfütterung. Die Konzentrate bilden vorrangig oder ausschließlich die Komponenten von Futterrationen bzw. -mischungen für Schweine und Geflügel.

Daneben dienen Konsistenz und Wassergehalt (u.a. Rauhfutter, Saftfutter, Trockenfutter), Hauptinhaltsstoffe (energiereiche Futtermittel, eiweißreiche Futtermittel, Mineralfutter) Komponentenzahl (Einzelfuttermittel, Mischfuttermittel) und Verwendungszweck (Alleinfutter, Ergänzungsfutter) zur Einteilung bzw. Bildung von Futtermittelgruppen.

Die einzelnen Futtermittel besitzen eine unterschiedliche regionale Bedeutung. Während in den Industrieländern am Anfang der neunziger Jahre ca. 60 % der Getreideproduktion verfüttert wurde, betrug dieser Anteil in den Entwicklungsländern nur ca. 16 %, aber mit schnell steigendem Anteil. Auch zwischen den Kulturarten bestehen global große Unterschiede. Von der Gerste dienten ca. 87 % zur Verfütterung, vom Mais 68 %, vom Sorghum 50 %, vom Weizen ca. 23 %, bei Berücksichtigung seiner Nebenprodukte (z.B. Kleie) ca. 32 % und beim Reis nur ca. 8 %. Der wertmäßige Anteil der Futtermittel an den Vorleistungen der Landwirtschaft stieg von 17,1 % (1953/54, aBl) auf 27,0 % (1995/96, D).

Ration einer Hochleistungsherde Milchkühe1
in Wisconsin

1 Milchleistung 12.500 kg pro Kuh und Jahr, 2 Vormischung
Quelle: dlz 5/98

Insgesamt dienen fast drei Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche der EU der Erzeugung von Futtermitteln.
In der EU basiert die Fütterung überwiegend auf den im Binnenmarkt landwirtschaftlich erzeugten Futtermitteln sowie den Rückständen der Ölmühlen (eiweißreiche Beiprodukte aus Ölfrüchten, wie z.B. Sojaschrot) der Getreideverarbeitung (Kleie), der Zuckerfabriken (Trockenschnitzel), der Schlachthöfe (Fleischmehl) und der Getränkeherstellung (Biertreber, Schlempe, Trester). Der Import von Getreidesubstituten in die EU, wie z.B. Tapioka, spielt mengenmäßig eine untergeordnete Rolle, obwohl derartige Importe die Preisbildung innerhalb der EU erheblich beeinflussen können.

Die Futtermittelindustrie ist durch eine zunehmende vertikale Integration entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette geprägt. Die größten Futtermittelhersteller beschränken sich nicht nur auf die Futterproduktion, sondern integrieren auch den internationalen Handel mit den wichtigsten Rohstoffen, seien es Getreide, Ölpflanzen oder Mineralstoffe. So finden sich in der Liste der größten Mischfutterhersteller der Welt zugleich einige der wichtigsten Getreidehändler, etwa Cargill, ADM (Archer Daniels Midland) oder die chinesische COFCO (China National Cereals, Oils and Foodstuffs Corporation).
Diese Unternehmen besitzen ein weltweites Netz von Lagerhäusern, Getreidemühlen, Hafenanlagen und Frachtflotten. So betreiben die US-Unternehmen Cargill und ADM einerseits eigene Silos und Umschlagsanlagen in den großen Sojaanbauzentren Argentiniens und Brasiliens, anderseits Getreidespeicher und Ölmühlen in Deutschland. ADM etwa besitzt einen 80-Prozent-Anteil an dem Hamburger Getreidehändler Alfred C. Toepfer International, der Filialen u.a. in China und Argentinien unterhält.

Größte Mischfutterhersteller 2010

Quelle: Best / Brot für die Welt

Viele der Mischfutterfabrikanten gehören zudem zu den größten Viehhaltern und Fleischerzeugern, darunter Tyson, Cargill, Smithfield, Brasil Foods und Charoen Pokphand. Das US-Unternehmen Tyson Foods ist der zweitgrößte Fleischerzeuger der Welt und betreibt eigene Hühner- und Schweinefarmen. Cargill unterhält Feedlots für die Rindermast und seine eigenen Schlachthäuser. Smithfield Foods gehört zu den bedeutendsten Schweinemästern und expandiert nun auch in Europa. Brasil Foods ist das zweitgrößte brasilianische Lebensmittelunternehmen und produziert Hühner- und Schweinefleisch. Auch der größte thailändische Nahrungsmittelkonzern Charoen Pokphand verwendet beträchtliche Teile seines selbst erzeugten Mischfutters in den eigenen Hühner-, Hähnchen- und Schweineställen. All diese Unternehmen integrieren Futtermittelproduktion, Tiermast, Schlachtung und Fleischverarbeitung im eigenen Konzernverbund.

(s. a. BfdW, Veredelung)

Futtermittelimporte

Veränderte Ernährungsgewohnheiten (verstärkte Nachfrage nach tierischen Eiweißen), gestiegene Verkehrskapazitäten, weltweite Marktbeziehungen, Marktmacht von Agrarhandelskonzernen und politischer Druck von Seiten der USA haben seit den 60er Jahren Futtermittelimporte in die EU permanent steigen lassen. Importfutter wird in der Regel zu Kraftfutter, hochkonzentrierten pflanzlichen Eiweißerzeugnissen, zusammengemischt.

Hinzu kommen aber auch ein tiefgreifender Wandel in den Tierhaltungssystemen, wie die Intensivierung der Tierhaltung und der Züchtung, eine Verschiebung der Nachfrage zu sogenanntem „weißen“ Fleisch (vor allem Geflügel) sowie eine lange Phase äußerst niedriger Agrarpreise.

Weltweite Produktion von Fleisch (1961-2007)

Index 1961 = 100
Quelle: FAO / Brot für die Welt

 

Diese Art der Ernährung mit einem hohen Anteil an Fleisch, Milch, Eiern und anderen tierischen Produkten verbraucht nicht nur sehr viele Ressourcen, wie Ackerfläche, Wasser und Energie, sondern ist außerdem sehr ineffizient in der Verwertung pflanzlicher Energie. Die Risiken dieses Konsummusters verschärfen sich in dem Maße, wie weltweit immer mehr Menschen diese Ernährungsweise anstreben und auch bezahlen können. Dennoch bleibt es ein exklusives Konsummodell, das den Ausschluss des größten Teils der Menschheit beinhaltet. Es setzt voraus, dass nicht alle Menschen gleichermaßen auf die natürlichen Ressourcen der Erde zugreifen.

Der Einsatz von importierten Futtermitteln stellt einen bedeutenden Eintrag von Nährstoffen in die Nährstoffketten bzw. -kreisläufe dar. Für die alten Bundesländer betrug er in der Mitte der 90er Jahre ca. 500.000 t Stickstoff und 190.000 t Phosphat.

Die Futtermittelimporte sind für die von der Bretagne über die Niederlande, die Region Vechta/Cloppenburg bis nach Dänemark reichenden Intensivmästereien in ihrer gegenwärtigen Struktur unerläßlich. Die dortigen Massentierhaltungen weisen Viehzahlen von ca. 5.000 Schweinen oder 100.000 Hühnern pro Anlage auf. Die Futtervorräte dieser bodenunabhängigen Viehhaltung würden jeweils nur für einige Tage reichen.

Eine Reduzierung der Importmengen zugunsten eines erhöhten Einsatzes europäischer Futtermittel hätte schwere Handelsauseinandersetzungen mit den USA zur Folge. Schon der Einführung der EG-Marktordnungen mit dem Abschöpfungssystem bei Getreide 1967/68 waren Verhandlungen mit den USA vorausgegangen. Dabei hatte sich die damalige EG gegenüber den USA verpflichtet, keine Zölle auf Baumwolle, Sojabohnen, Lein- und Flachssaat sowie Ölkuchen zu erheben. Künftig hatten alle EG-eigenen Pflanzen, die vordem den Eiweißanteil im Futter stellten, gegen die billigere Soja-Konkurrenz der mächtigen Agrarhandelskonzerne keine Chance mehr. Daneben wurden zollfreie Futtermittel aus den USA (z.B. Maiskleber) zunehmend mit zollpflichtigen Futtermitteln (Getreide) vermischt. Auf eine verstärkte Kontrolle und eine Besteuerung der Importe wurde von der EU aus handelspolitischen Gründen ausdrücklich verzichtet.

Rasch wurde von den Konzernen die Dritte Welt als Lieferant für pflanzliches Eiweiß mit einbezogen. Beispielsweise wurden die Anbaugebiete für Tapioka in Thailand oder die für Soja in Brasilien stark ausgeweitet. Millionen Hektar Urwald wurden gerodet, starke ökologische Probleme stellten sich ein. Flächen, die arme Nationen eigentlich für die Nahrungsmittelproduktion der einheimischen Bevölkerung benötigten, wurden für Exportkulturen eingesetzt. Wirtschaftliche Abhängigkeiten entstanden. 1991 stammten 64 % der Futtermittelimporte der EU aus Entwicklungsländern. Ein rascher Verzicht der EU auf Importe aus Entwicklungsländern hätte für diese gravierende ökonomische Folgen.

Brasilien, ein Land, das vor 1964 den Eiweißträger Soja kaum kannte, ist nach den USA zum zweitgrößten Sojaexporteur geworden. Der Grundstock für den Soja-Boom war mit Hilfe von Geldern der Interamerikanischen Entwicklungsbank gelegt worden, nachdem mit wohlwollender Unterstützung der USA die Militärs an die Macht gekommen waren. Eine Untersuchung der Universität São Paulo über die wichtigsten Anbaugebiete im Süden des Landes ergab: 88 % des Soja-Anbaus erfolgen auf Flächen, die früher in der Regel arbeitsintensiven Nahrungsmittelkulturen gewidmet waren, wie z.B. Reis, Bohnen, Maniok, Kartoffeln, Zwiebeln, Milchwirtschaft und Schweinezucht. Auf Flächen, auf denen diese Produkte früher von sieben bis acht Arbeitskräften für den lokalen Markt angebaut wurden, benötigt man heute für den Anbau von Soja in den riesigen Monokulturen nur noch einen Arbeiter.

2008 importierte Deutschland etwa 17% der eingesetzten Futtermittel aus dem Ausland (Stand 1982/1983: 13%). Ein Großteil davon entfällt auf Soja und Sojaprodukte, von denen in den Jahren 2008-2010 durchschnittlich 35 Mio. t eingeführt wurden, was einer Fläche von 2,8 Mio. ha entspricht. Neben Umweltauswirkungen in den Erzeugungsländern und durch den Transport verursacht der Futtermittel-Import in Verbindung mit dem gleichzeitigen Export tierischer Produkte sozusagen einen „Import organischer Dünger“.

Entwicklung der Futtermittelimporte nach Deutschland

Quelle: SRU

Weitere Informationen:

Futtermittelzusatzstoffe

Auch Futterergänzungsstoffe; Stoffe, die dem Futter von Nutztieren zugesetzt werden, um die Produktion zu erhöhen (Ergotropika) und Krankheitsausfälle zu vermindern. Solche Stoffe liefern zwar keine Nährstoffe, beeinflussen aber u.a. Aussehen, Geruch, Geschmack, Konsistenz oder Haltbarkeit der Futtermittel, unterstützen oder verbessern die Verarbeitung und den Einsatz der Futtermittel, wirken diätetisch und verbessern die tierischen Leistungen und die Produktqualität. Futter-Zusatzstoffe können die Freßlust der Tiere anregen, die Verdauung und Resorption der Nahrung im Darmsystem fördern, Wachstum, Mast und Milchproduktion erhöhen, Krankheitserreger in den (durch Überzüchtung anfälligen) Tieren bekämpfen, als Beruhigungsmittel dienen, den Verderb der Futtermittel verhindern oder deren Transport- und Verabreichungseigenschaften verbessern. Futterzusatzstoffe vermögen teilweise auch den Ausstoß von Stickstoff und Phosphor zu senken.

Unter anderem unterscheidet man zwischen Antibiotika, Antioxidantien, aroma- und appetitanregenden Stoffen, Arzneimitteln, Hormonen und hormonähnlichen Substanzen, Konservierungsstoffen, Säureregulatoren und Vitaminen.

In einer umfassenderen Bedeutung zählen zu den Zusatzstoffen auch solche, die wie herkömmliche Futtermittel zur Deckung des Energie- und Nährstoffbedarfs der Tiere dienen.

Weitere Informationen:

Futterpflanze

Als Grünfutter oder Silage zur Viehzucht oder Viehmast verwendete Kulturpflanzen. Neben den Gräsern auf Wiesen und Weiden gehören besonders viele Leguminosen dazu, wie Klee, Lupine, Luzerne, Esparsette, Wicke und Felderbsen, aber auch Roggen vor der Blüte, Grünmais, Markstammkohl, Senf vor der Reife, Spörgel, Buchweizen und Hirsearten.

Futterrüben

Wurzelfrüchte, die als Viehfutter angebaut werden. Die Futterrübe ist mit der Zuckerrübe verwandt. Die Futterrüben sind meist walzenförmig und weiß, gelb, rosa oder rot – je nach Sorte. Die hoch aus dem Boden ragenden Futterrüben gehören zu den Hackfrüchten, die gegen Unkraut empfindlich sind, so dass das Unkraut ausgehackt werden muss. Futterrüben sind sehr ertragreich und ertragssicher. Sie liefern im Durchschnitt 1.000 Dezitonnen (dt) Früchte pro Hektar. Außerdem kann das Kraut verfüttert werden; meist wird es zu Silage verarbeitet. Die Rüben werden im Frühjahr mit einer Einzelkornsämaschine gesät und im Herbst mit einem Rübenvollernter geerntet. Dabei schneidet die Maschine zunächst das Kraut ab. Die Rübe wird mit einer Schar angehoben und dann über Transportbänder in einen Bunker der Maschine transportiert. Die meisten Rüben werden über den Winter in Mieten gelagert und vor dem Verfüttern geschnitzelt. Insgesamt hat der Anbau von Futterrüben abgenommen. Mit 0,05 % der Fläche kommt dem Futterrübenanbau in Deutschland keine bedeutende Rolle zu.

Futterwerbung

Die Gewinnung von Heu und Gärfutter (Silage) als Futterausgleichsmethode.

Futterwirtschaft

Gesamtheit aller Maßnahmen, die der Erzeugung, Beschaffung und Lagerung wirtschaftseigener und wirtschaftsfremder Futtermittel und ihrem zweckbestimmten Einsatz in der Viehhaltung dienen.

Future

In Bezug auf Menge, Qualität und Liefertermin standardisierter Terminkontrakt auf ein bestimmtes Gut. Eine Vertragspartei verpflichtet sich hierbei, eine definierte Menge z.B. eines Finanztitels zu einem festgesetzten Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt in festgelegter Qualität an einen bestimmten Ort zu liefern. Die andere Vertragspartei verpflichtet sich zur Abnahme. Man unterscheidet zwischen Financial Future (Finanzterminkontrakt) und Commodity Future (Warenterminkontrakt). Der Handel erfolgt an eigenen Terminbörsen wie z.B. der Eurex. Das bedeutet, dass der Terminhandel für alle Terminhändler rund um die Welt zentralisiert ist.

Ursprünglich wurde Terminhandel von Landwirten und Kaufleuten geführt. Heute sind Terminkontrakte für fast jede Ware und jedes Finanzinstrument erhältlich.

Die Mehrzahl der Trader kauft und verkauft Futures als Spekulationsgeschäft. Sie sind nicht an der eigentlichen, physischen Ware interessiert und nehmen deren Lieferung nicht entgegen.

Unternehmen, die Rohstoffe brauchen, können Terminkontrakte nutzen, um ihre Rohstoffpreise abzusichern und profitabel zu arbeiten.
Verkäufer hingegen können ihre Waren zu garantierten Kursen verkaufen und vermeiden damit das Risiko ungünstiger Volatilität am Markt zum Liefertermin.

Beispielsweise könnte der Verkäufer 1.000 Tonnen Weizen zum Verkauf anbieten. Das Getreide wird gerade angebaut und erst in einigen Monaten geerntet. Käufer und Verkäufer einigen sich auf einen Ausübungspreis von $ 50 pro Tonne. Der Gesamtpreis beträgt also $ 50.000. Der Liefertermin ist in 12 Wochen, nach der Ernte. Zum Liefertermin zahlt der Käufer den vereinbarten Ausübungspreis und der Verkäufer liefert ihm dafür die 1.000 Tonnen Weizen.

Bei diesen Spekulationen gehen Finanzakteure, wie Banken, Hedgefonds, Pensions- und Staatsfonds, bewusst Risiken ein, indem sie auf steigende oder fallende Nahrungsmittelpreise setzen, in der Hoffnung, schnell hohe Gewinne zu erzielen. In der Folge sind die Weltagrarmärkte gewissermaßen „finanzialisiert“, das heißt: Die Gesetzmäßigkeiten der Finanzmärkte und die Motive der Finanzakteure bestimmen und treiben immer mehr die Preise von Nahrungsmitteln wie Weizen, Mais, Soja, Zucker, Kaffee und Kakao. Auch die Spekulation mit Erdöl treibt die Nahrungsmittelpreise, da die industrielle Landwirtschaft sehr stark chemisch-synthetische Beiz- und Spritzmittel sowie Kunstdünger einsetzt. Wenn Preise explodieren werden Nahrungsmittel für in Armut lebende Menschen unbezahlbar.

Laut Studien der Weltbank, der UNCTAD und des International Food Policy Research Institute (IFPRI) trieben Finanzspekulanten in den Jahren 2007/2008 die Getreidepreise in die Höhe. In Äthiopien stiegen die Maispreise um 100 Prozent, in Uganda um 65 Prozent und in Tansania um 54 Prozent. Die Weizenpreise stiegen in Somalia um 300 Prozent, im Senegal um 100 Prozent und im Sudan um 90 Prozent. Nahrungsmittel wurden für viele Familien unbezahlbar. Die rasant steigenden Preise für Lebensmittel führten zu Hungerprotesten in 61 Ländern. Die Zahl der Hungernden stieg um mehr als 100 Millionen und überschritt im Jahr 2009 erstmals die Rekordmarke von einer Milliarde Menschen.