Lexikon des Agrarraums

R

Radial(hufen)flur

Durch schematische Neuparzellierungen im Gefolge von Verkoppelungen in Ostholstein und Mecklenburg entstandene Fluren. Dabei reichen die Parzellen fächerförmig von den Gehöften zu den Gemarkungsrändern.

Radialwaldhufendorf

Sonderform des Waldhufendorfes, bei dem an Talenden aus der langgestreckten Gehöftreihe eine stark gebogene Gehöftzeile oder sogar ein Angerdorf wurde und keine strenge Parallelität der Streifenparzellierung zu erreichen war. Die Parzellen teilen die Flur vielmehr segmentförmig.

Rain

Auch Feldrain, Ackergrenze, Ackerrain; Bezeichnung für Feldgrenze. Man unterscheidet:

Bei der Ausräumung der Kulturlandschaft wurden die Raine großenteils beseitigt, was einen Verlust an morphologischer, biotischer, ökologischer und ästhetischer Vielfalt in der Landschaft bedeutet und eine geringere ökologische Stabilität zur Folge hat.

Ranch

Betrieb mit extensiver Weidewirtschaft (hauptsächlich Rinder, Schafe auf Dauerweiden) auf natürlichen Futterflächen von zumeist beträchtlicher Größe und mit festen Betriebsgrenzen. Meist wird nur eine Tierart gehalten, wobei wie im Falle australischer Schafhalter noch eine weitere Spezialisierung in Fleisch- und Wollschafhaltung möglich ist. Man wählt i.d.R. anspruchslose Tierrassen, die futterknappe Zeiten gut überstehen, bzw. je nach Rentabilität des Betriebes wird Futter dazugekauft. Die Monostruktur hat ein sehr hohes Produktionsrisiko (naturbedingt wie auch marktbedingt) zur Folge. Die Eigentums- und Nutzungsrechte an Weideflächen und Vieh können sehr unterschiedlich sein (privat, ganz- oder halbstaatlich, genossenschaftlich).

Ranchbetriebe besitzen zwei hervorstechende Eigenschaften: Zum einen ermöglichen sie eine recht gute Arbeitsproduktivität, zum anderen dulden sie eine extrem niedrige Bodenproduktivität, die von keinem anderen Betriebssystem unterschritten wird, mit Ausnahme des Nomadismus.

Viehbesatz, Arbeits- und Kapitaleinsatz sowie Betriebsertrag sind, bezogen auf die Fläche, extrem niedrig. Der Kapitalbedarf für die Einrichtung einer Ranch ist andererseits hoch.

Im Gegensatz zum Nomadismus ist die Ranch eine Betriebsform zur Erschließung siedlungsleerer Savannen und Steppen (Prärie, Llanos, Sertão, Pampa, Chaco, Karoo). So ist Ranchwirtschaft besonders in Südamerika, Australien, den USA, Südafrika und in manchen Staaten Ostafrikas verbreitet.

Moderne Ranches sind heute mit stationärer Infrastruktur ausgestattet und durch Zäune in Kämpe bzw. Koppeln unterteilt, so daß ein geregelter Weideumtrieb erfolgen und der Viehbestand in homogene Gruppen aufgeteilt werden kann. Lokal noch vorhandene Betriebe mit freiem Weidegang innerhalb der Betriebsfläche passen sich verstärkt an heutige Normen an. Dem Vieh stehen ausschließlich oder vorwiegend Naturweiden zur Verfügung. Teilweise erfolgt eine Weideverbesserung durch Aussaat geeigneter Futtergräser. Moderne Verfahren der Tierzucht und Tierpflege (u.a. künstliche Besamung, Veterinärbetreuung) sind üblich.

Die Minimalgröße einer US-amerikanischen Ranch beträgt 500 ha. In den Great Plains und den intramontanen Becken werden über 100.000 ha erreicht, in Argentinien rd. 200.000 ha. Die größten Betriebe liegen in den trockensten Regionen; dort überwiegt meist Schafhaltung, sonst Rinderhaltung.

Es sind zwei Standorttypen, auf denen sich der Ranchbetrieb gegenüber allen anderen Betriebsformen als überlegen erweist: Einmal Standorte mit sehr ungünstigen ökonomischen (unbefriedigende Marktpreise, Marktferne der Ranch) und zum anderen solche mit sehr ungünstigen ökologischen Produktionsbedingungen. Zumeist summieren sich beide Momente.

Eigentümer von Ranches können Privatleute, Familiengruppen, aber auch Kapitalgesellschaften sein. Letztere treten insbesondere in den USA, in Südamerika und in Australien auf. Häufig fließt außerlandwirtschaftliches Kapital als Folge von Steuervergünstigungen in diese Gesellschaften.

In Entwicklungsländern (hohe Agrarquote) zeigen Regionen mit Ranching eine Eigentumsverteilung, insbesondere an Fläche, bei der wenige Eigentümer vielen Landlosen, die im günstigsten Falle in diesen Ranches Arbeit gefunden haben, gegenüber stehen. Es gibt dort nur wenige Zonen, in denen dies nicht zu verteilungspolitischen und sozialen Problemen führt.

Analog zur Übernahme dieser Art der Viehhaltung aus dem mexikanisch-spanischen Raum stammt auch der Name vom spanischen "rancho".

Ranching

Moderne Form einer extensiven, stationär und kommerziell betriebenen Weidewirtschaft in natürlich entstandenen Offenlandschaften, die von europäischen Siedlern in Amerika (Vermischung der traditionellen anglo-amerikanischen und spanisch-mexikanischen Rinderhaltungsformen in Texas und Louisiana) und Australien entwickelt und von dort in einige Gebiete der Alten Welt (z. B. südliches Afrika) übertragen wurde. Allerdings werden ihre Wurzeln im sommertrockenen Iberien angenommen, wo im Zuge der Reconquista menschenleere, semi-aride Räume durch große Herden von Merinoschafen und Rindern unter Aufsicht berittener Hirten genutzt wurden. Dieses Agrarsystem fand mit der spanisch-portugiesischen Eroberung im 16. Jh. Eingang in die menschenleeren Grasländer Amerikas, die Pampas, den Chaco, die Sertãos Brasiliens, die Llanos von Venezuela, die Trockengebiete des nördlichen Mexikos, Kaliforniens und von Texas.

Demnach ist Ranching vor allem in den gemäßigten- und subtropischen Kurzgrassteppen Nordamerikas, Südamerikas, Südafrikas, Australiens und Neuseelands verbreitet.

Die Bezeichnung ist abgeleitet von dem Begriff „Ranch“, der im Englischen den Sitz und das Wohnhaus eines Viehzüchters bezeichnet. In Australien und Neuseeland spricht man von „Cattle- oder Sheep-Station“ und in Südamerika von Estancia oder Fazenda.

Ähnlich wie der Nomadismus ist das Ranching unter dem Druck feldbaulicher Interessen immer mehr in Gebiete jenseits der agronomischen Trockengrenze abgedrängt worden. Ranches treten vor allem in den Trockensteppen der mittleren Breiten und der Subtropen sowie den semiariden Savannen auf. Im Gegensatz zum Nomadismus ist das Ranching mit seinen hochspezialisierten Großbetrieben rentabilitäts- und marktorientiert. Die Betriebe waren zeitweise (Beginn des 20. Jh.) sogar vorwiegend auf den Weltmarkt ausgerichtet. Heute ist die weltwirtschaftliche Verflechtung des Ranching deutlich geringer, was u.a. auf den starken Bevölkerungsanstieg und die Verstädterung in den südamerikanischen Ländern sowie den Agrarprotektionismus der Industrieländer zurückzuführen ist.

Auf einer Ranch wird zumeist Rinderproduktion, in sehr trockenen Gebieten auch Schafproduktion betrieben (zum Beispiel Karakulschafe in Namibia). Aufgrund der besseren Anpassung an die ökologischen Gegebenheiten kommt heute teilweise auch Wildtierhaltung vor (zum Beispiel Bison oder Guanako). Die Herden werden von mehr oder weniger halb-sesshaften Viehhirten (je nach Land Cowboys, Stockmen, Vaqueros, Gauchos u. a.) betreut.In den meisten Fällen wird Fleisch und Leder produziert. Zusätzliche Landwirtschaft ist selten.

Ranching ist die hauptsächliche Landnutzungsform in Gebieten, die für den Ackerbau zu trocken sind: wie semiaride Trockensavannen und Steppen jenseits der agronomischen Trockengrenzen. Durch die Niederschlagsarmut ist diese Form der Landwirtschaft an sehr große Flächen gebunden. Die Mindestgröße einer US-amerikanischen Ranch beträgt 500 ha. In den Great Plains und den intramontanen Becken der Rocky Mountains werden über 100.000 ha erreicht, in Patagonien bis zu 200.000 ha, wobei die größten Flächen in den trockensten Regionen liegen. In geringerem Maße ist Ranching in semihumidem bis humidem Grünland wie der Pampa Humeda im südlichen und den Llanos im nördlichen Südamerika sowie in einigen Regionen der Prärie-Staaten der USA verbreitet. Hier findet jedoch zunehmend eine Verdrängung durch die Schaffung neuer Ackerflächen statt.

Raps

Ölfrucht, die in Deutschland den größten Anteil an den insgesamt angebauten Ölfrüchten hat. Raps gedeiht unter den Klimabedingungen in Deutschland und enthält in den Früchten etwa 40 % Öl. Das bei der Verarbeitung in den Ölmühlen anfallende Rapsschrot ist ein gutes Eiweißfutter (Schrot). Raps verbessert die Bodenstruktur und ist deshalb für die Fruchtfolge besonders wertvoll. In Deutschland wird überwiegend nur Winterraps angebaut. Die leuchtend gelb blühende Pflanze prägt im Frühjahr das Landschaftsbild vieler Regionen. Rapsöl wird nicht nur für die Ernährung verwendet, sondern auch als Treibstoff für Motoren (Biodiesel) oder technisches Öl, z.B. für Kettensägen.

Rasse

Untergruppe einer Art mit bestimmten Eigenschaften, die weitervererbt werden. In der Landwirtschaft spielen Zuchtrassen bei allen Nutztieren eine Rolle. Daneben gibt es Hybriden d.h. durch Kreuzung gezüchtete Tiere, die ihre Eigenschaften nicht weiter vererben.

Rauhfutter

Alle getrockneten Futterarten im Gegensatz zum Saftfutter. Zum Rauhfutter zählen Grasheu, Feldfutterheu und Stroh. Rauhfutterfresser sind Pferde, Rindvieh, Schafe und Ziegen.

Rauhweide

Eine extensive, ungepflegte Gebirgsweide oberhalb der Kultivierungsgrenze.

RAUMIS

Ein an der Universität Bonn im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten entwickeltes Politikinformationssystem, das den gesamten Agrarsektor der Bundesrepublik inhaltlich, methodisch und technisch einheitlich erfasst und abbildet. Mit RAUMIS steht ein Informationssystem zur differenzierten Analyse und Prognose der agrarischen Entwicklung und der landwirtschaftlich bedingten Umweltwirkungen unter alternativen Agrar- und Umweltpolitiken zur Verfügung.

Das Regionalisierte Agrar- und Umweltinformationssystem ist ein positiv mathematischer Programmierungsansatz mit nicht-linearer Zielfunktion. Das Modell bildet regionale Anpassungen der Landwirtschaft in Deutschland auf agrar- und agrarumweltpolitischen Maßnahmen im Rahmen einer komparativ-statischen Betrachtung ab.

Typische Anwendungen

Raumordnung

Die Raumordnung entwickelt übergeordnete und umfassende Leitvorstellungen für eine ausgewogene, dem Wesen des Menschen gemäße Raumstruktur des gesamten Staatsgebietes und schafft zugleich Instrumente für deren Verwirklichung; konkret und schwerpunktmäßig bemüht sie sich um eine Beseitigung bzw. Reduzierung räumlicher Disparitäten und strebt so eine gleichwertige Entwicklung der Teilräume an. Raumordnung beschränkt sich somit nicht auf eine Zustandsbeschreibung, sie ist auf Veränderungen und zielorientiertes Handeln ausgerichtet.

Als raumprägender und mit anderen Nutzern um Flächen konkurrierender Wirtschaftssektor hat die Landwirtschaft vielfältige Beziehungen zur Raumordnung. Die Landes- und Regionalplanung entscheidet in dem Maße, in dem sie zur Lösung von Flächennutzungskonflikten beiträgt, auch über den Einfluss der Landwirtschaft auf die räumliche Entwicklung. (s. a. Bau- und Raumordnungsgesetz)

Weitere Informationen:

Raumplanung

Oberbegriff für raum- bzw. flächenbezogene Planungen auf Bundes-, Landes-, Regions- und Gemeindeebene. Sie erfolgt durch Aufstellung von Plänen und Programmen, die darauf ausgerichtet sind, zweckmäßigste Maßnahmen zur Erreichung eines bestimmten Zieles innerhalb einer gegebenen Zeit einzusetzen.

Real(erb)teilung

Auch Freiteilbarkeit; Vererbung des landwirtschaftlichen Betriebes an alle Erbberechtigten. Es muß daraus jedoch keine tatsächliche Aufsplitterung eines Betriebes erfolgen. In der Regel dient der Grund und Boden als Teilungsmasse, während das eigentliche Gehöft von der Teilung ausgespart bleibt. Dennoch gibt es z.B. im südwestdeutschen Raum auch Hofgebäudeteilungen bis hin zum Stockwerkseigentum. Im Extrem kam es bei der Aufteilung von Stuben innerhalb von Häusern unter jeweils mehreren Eigentümern im Oberinntal und im Trentino zur Markierung der Zimmeranteile mit Kohlestrichen auf dem Boden.

Trotz notariell vollzogener Aufteilung des Erbgutes kann der Fortbestand des Betriebes gewahrt werden, wenn einer der Erben oder ein Pächter den Hof über­nimmt, die anderen Erben in nichtlandwirtschaftlichen Berufen tätig sind und Pachtgeld beziehen. Die freie Teilbarkeit des Bodeneigentums ist den politisch-gesellschaftlichen Ideen des Liberalismus, der Gleichheit und Gerechtigkeit verpflichtet. Das Prinzip, allen Erbberechtigten die gleichen Startchancen zu bieten, hat Vorrang vor der Sicherung des Hofes, der sogenannten Hofidee, die das Anerbenrecht prägt. Die Folge ist eine ständiger Auf- und Abbau der landwirtschaftlichen Betriebe.

Für die landwirtschaftliche Betriebsplanung auf lange Sicht bedeutet die Erbsitte der Freiteilbarkeit ohne Zweifel eine Erschwernis. Jede Generation muß neu disponieren und auch die Mühen des Betriebsaufbaus erneut auf sich nehmen. Nicht zuletzt führt die Mobilisierung des Bodens häufig zu überhöhten Bodenpreisen, die in keinem Verhältnis mehr zur Ertragsfähigkeit stehen und somit Überschuldungen zur Folge haben.

Auch wo jeder Erbe sein Erbteil für sich in Anspruch nimmt, bedeutet die Realteilung als vorherrschende Erbsitte nicht zwingend eine fortgesetzte Verkleinerung der landwirtschaftlichen Betriebe, weil durch Heirat und Zukauf sich die Betriebe auch wie­der vergrößern lassen. Die Mobilität des Bodens ist in Realteilungsgebieten meist größer als in Gegenden mit vorherr­schendem Anerbenrecht. Vor allem sind Stückelung und Gemengelage des Grundbesitzes in den Realteilungsgebieten meist sehr beträchtlich (Flurform). Das bedeutet überdurchschnittlich lange Fahrtzeiten, Erschwerung des Maschineneinsatzes etc.

Zu den besonderen Vorzügen der Realteilung gehört neben der größeren Erbgerechtigkeit, daß für jeden Erben Anreize zu wirtschaftlichem, und sozialem Aufstieg geschaffen sind, Tüchtigkeit und innovatives Handeln werden damit gefördert. Der Zwang zur Abwanderung großer Teile der jungen Generation ist daher in Realteilungsgebieten, die meist eine wachsende Bevölkerung aufweisen können, nicht so stark. Charakteristisch ist die berufliche Mischung von Landwirten und Nichtlandwirten. Viele Kleinbauern suchen eine Neben- oder Zuerwerbstätigkeit, so daß in den Realteilungsdörfern (z.B. in Süddeutschland) häufig ein reichhaltiges Handwerk und Gewerbe ausgebildet ist. Es erscheint fast konsequent, daß in diesem innovations- und gewerbefreundlichen Umfeld auch die Industrialisierung einen günstigen Ansatz fand.

Als Beispiel die Verbreitung in Baden-Württemberg:

Realteilung galt im mittleren Neckarraum von Heilbronn im N bis nach Tuttlingen im S und vom Ostrand des Schwarzwaldes bis zu einer östlichen Linie, die etwa von Mergentheim über Backnang, Göppingen, Münsingen, Sigmaringen bis Überlingen reicht. Sie galt außerdem im Oberrheintal und im Kraichgau. - Im größeren Teil des Schwarzwalds und im östlichen wie südlichen Teil des Landes wur­den die landwirtschaftlichen Betriebe geschlossen vererbt. In den Randgebieten und in den früheren Kreisen Lörrach und Heidenheim waren Mischformen des Erbrechts maßgebend, die heute in weiten Teilen des frühe­ren Realteilungsgebiets übernommen werden.
Die weite Verbreitung der Freiteilbarkeit bewirkte eine starke Zersplitterung der LN in Baden-Württemberg. Die Industrialisierung des Landes im 19. Jahrhundert hatte ihre Schwerpunkte in den Realteilungsgebieten: kleine Betriebsgrößen erzwangen den Zuerwerb. Die weite Streuung der Industrie ermöglichte die enge, für Baden-Württemberg charakteristische Symbiose von Landwirtschaft und Industrie. Diese Verbindung gewährte einen wichtigen Rückhalt in Krisenzeiten. Im Hegau und dem Bodenseeraum beispielsweise liegt Realteilung insbesondere in Altsiedelgebieten wie dem Bodenseeuferstreifen vor (kleinparzellierte, schmalstreifige Fluren, fortgeschrittene Angleichung der Betriebsgrößen, dichtbebaute, z.T. ummauerte Dörfer). Bei Intensivkulturen warfen die immer kleiner werdenden Betriebseinheiten noch ausreichenden Lebensunterhalt ab (z.B. Hagnau, Sipplingen).

(s. a. Erbrecht)

Rebberg

Auch Weinberg, Weingarten, Wingert oder Wengert, eine für den Weinbau landwirtschaftlich genutzte Fläche in Steil-, Hang- oder Flachlage (trotz des Namensteils 'berg'). Dies kann ein relativ kleiner Bereich (in Besitz eines einzigen Eigentümers), aber genauso gut ein sehr großer Bereich sein, den sich viele Besitzer teilen. Es muss sich auch nicht in jedem Fall um eine zusammenhängend mit Rebstöcken bepflanzte Fläche handeln. Bei einer Zersplitterung spricht man von Streuweinberg.

Mehrere nebeneinanderliegende Einzelgrundstücke ergeben eine gemeinsame Einzel- oder Großlage mit vergleichbaren Standortbedingungen hinsichtlich Geologie und Klima, diese Lagen sind wiederum einem Weinbaugebiet zugeordnet.

Lagen und Weinbaugebiete stellen geographische Herkünfte dar und haben nur bedingt Aussagekraft auf die Weinqualität. In der Regel bilden Weinberge mehr oder weniger geschlossene Flächenareale, die besonders in den nördlichen Anbaugebieten klimatische Vorzüge besitzen und schon lange weinbaulich genutzt werden. Einzelne Rebanlagen im Gelände werden als Streuweinberge bezeichnet. Sie liegen oft im klimatischen Grenzbereich oder sind letzte Zeugen eines früher sehr umfangreichen Weinbaus. Besonders steile und schwer zu bewirtschaftende Weinberge fallen vielerorts der Sozialbrache anheim und verbuschen. Weinberge sind auf der Nordhalbkugel meist nach Süden oder Westen exponiert, um die Sonneneinstrahlung optimal zu nutzen.

Aufbau und Nutzungszweck

Je nach Steilheit der Lage sind traditionelle Weinberge zur Verringerung der Hangneigung mit Trockenmauern terrassiert. Durch die Rebflurbereinigung wurden viele historische Trockenmauern entfernt, um die maschinelle Bewirtschaftung zu erleichtern und die Zufahrt zu ermöglichen.

Eine moderne, wirtschaftlich genutzte Weinbergsanlage dient heute in aller Regel nur zur Produktion von Weintrauben, Tafeltrauben oder Rosinen. Gärtnerisch genutzte Rebenmischkulturen sind mit der Mechanisierung und Spezialisierung der Weinbaubetriebe zunehmend verschwunden. Vom Mittelalter bis etwa 1900 war es üblich, auch Obst, Gemüse und Kräuter auf derselben Fläche zur Eigenversorgung oder zur Vermarktung anzubauen, wobei die Rebe immer die Hauptfrucht darstellte. Zur weiteren Nebennutzung wurde das abgeschnittene Rebholz zum Heizen und entfernte Triebspitzen als Grünfutter für Tiere verwendet, heute dienen diese organischen „Abfälle“ als wertvolle Humuslieferanten. Auch herrscht heute der sortenreine Anbau vor, früher war es gebräuchlich, mehrere Sorten gemischt zu pflanzen. Traditionelle Einzelpfahlsysteme, wie sie heute noch teilweise an der Mosel und anderen Steillagengebieten vorzufinden sind, wichen der modernen Spaliererziehung am Drahtrahmen. Die Rebstöcke sind maschinengerecht angelegt, der Abstand der Rebzeilen ist gleichmäßig und beträgt in Direktzuglagen etwa 2 m, um Schmalspurtraktoren und Traubenvollernter optimal einsetzen zu können. Die Stockabstände liegen bei 1 bis 1,20 Metern. Die Rebzeilen selbst verlaufen meist in senkrechter Linie zum Hang. Bei quer ziehenden Zeilen, die jeweils abgeböscht sind, spricht man von Querterrassierung, was besonders in sehr steilen Flächen eine Bewirtschaftung ermöglicht.

Genehmigungspflicht

Die Neuanlage von Weinbergen ist in allen EU-Ländern genehmigungspflichtig. In der Regel wird dies in Deutschland durch Landesverordnungen geregelt. Sofern der angebaute Wein nur dem Eigenverbrauch dient, ist eine Fläche bis zu einem Ar genehmigungsfrei.

Kulturlandschaftselemente

Weinberge sind vom Menschen geschaffene Kulturlandschaften und die mit am stärksten beeinflussten Agrarökosysteme. Meist werden sie sehr intensiv bewirtschaftet und als Monokulturen gesehen, andererseits sind sie aber auch bedeutende Rückzugsgebiete von Pflanzen und Tieren. Sie bilden ein eigenes Ökosystem, denn zum Weinberg gehören nicht nur die Rebzeilen, sondern auch weitere Kulturlandschaftselemente wie Trockenmauern, Stützmauern, Steinriegel, Hohlwege, Raine und Hecken, welche auch das typische Landschaftsbild von durch Weinbau dominierten Landschaften entscheidend mitprägen.

Durch die Flurbereinigung in den 1960er und 1970er Jahren, der damit verbundenen Schaffung von größere Parzellen und durch den in den letzten Jahrzehnten vermehrten Einsatz von Maschinen zur Bewirtschaftung der Weinberge änderten sich die Bedingungen. Trotzdem ist auch hier noch die Schaffung von ökologischen Nischen möglich.

Diverses

Weitere Informationen:

Rebflächen

In der EU-Statistik die mit Reben (Keltertrauben, Tafeltrauben) bestockten Flächen und Jungfelder, unabhängig davon, ob sie im Ertrag stehen oder nicht, sowie die Rebbrache als gegenwärtig nicht mit Reben bestockten Flächen, die für eine Bepflanzung mit Reben vorbereitet werden. Rebschulen und Rebschnittgärten einschließlich der Unterlagenschnittgärten zählen ab 2010 zu den Baumschulen.

Weitere Informationen:

Rechtsform

Die Rechtsform ist der allgemein rechtliche Rahmen eines Unternehmens zur Regelung von Personen- und Gruppeninteressen im Innen- und im Außenverhältnis:

Den landwirtschaftlichen Betrieben sind mit Rücksicht auf die Besonderheiten der landwirtschaftlichen Tätigkeit und der Agrar- und Unternehmensstruktur steuerliche Erleichterungen eingeräumt. Diese gelten für gewerbliche Unternehmen im Agrarsektor nicht oder nur eingeschränkt.

Nach Rechtsformen betrachtet dominieren in Deutschland die landwirtschaftlichen Einzelunternehmen, die in der Regel als Familienbetriebe geführt werden. So zählten 2013 90 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe Deutschlands zu den Einzelunternehmen und 8 Prozent zu den Personengesellschaften. Knapp 2 Prozent der Betriebe gehörten zur Rechtsform der juristischen Personen (GmbH, Genossenschaft, AG).

Vor allem durch zahlreich neu entstandene GmbHs ist die Zahl der juristischen Personen zwischen 2010 und 2013 von rund 5.100 auf rund 5.300 angestiegen (einschließlich juristische Personen des öffentlichen Rechts). In den neuen Bundesländern ist die vergleichsweise hohe Zahl von 3.800 Kapitalgesellschaften, eingetragenen Genossenschaften und Aktiengesellschaften tätig. Im früheren Bundesgebiet haben 1.400 Unternehmen die Rechtsform einer juristischen Person gewählt.

Die Zahl der Personengesellschaften und GmbHs hat seit 1999 deutlich zugelegt, während Einzelunternehmen aber auch Genossenschaften deutlich weniger geworden sind. Die starke Zunahme der Personengesellschaften, vor allem in Form von Gesellschaften bürgerliches Rechts (GbR), hat besonders im früheren Bundesgebiet stattgefunden. Im Osten Deutschlands haben die landwirtschaftlichen Personengesellschaften in der Rechtsform der GmbH & Co. KG zugenommen. Von GmbHs werden mittlerweile 9 Prozent der Agrarfläche Deutschlands bewirtschaftet. Im Osten Deutschlands sind es sogar entsprechend 25 Prozent. Weitere 24 Prozent der Fläche werden dort von Agrargenossenschaften bewirtschaftet.

Die Einzelunternehmen in Deutschland bewirtschafteten im Jahr 2013 gut 65 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche. Durchschnittlich liegt die Flächenausstattung bei 43 Hektar je Betrieb – wobei die Spanne von 31 ha in Baden-Württemberg und Bayern bis 135 ha in Mecklenburg- Vorpommern reicht. Die durchschnittliche Flächenausstattung der Personengesellschaften liegt bei 116 ha, juristische Personen verfügen im Durchschnitt über 551 ha.

Reduzenten

Zweite Art von Zersetzern (s.a. Destruenten), die die zerkleinerten organischen Überreste schließlich ganz in ihre anorganischen Ausgangsbestandteile zerlegt, d.h. zu pflanzenverfügbaren Nährstoffen mineralisiert. Man bezeichnet die Reduzenten deshalb auch als Mineralisierer.

Es sind heterotrophe Euglenen (Algen), Bakterien und Pilze, die dafür sorgen, daß sich nicht beliebig viel totes organisches Material ansammelt. Sie leben von diesem Material, bauen es um und ab. Auf diese Weise sorgen Zersetzer dafür, daß sich der Kreislauf der Nährstoffe schließt.

Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik

Die Ziele der europäischen Agrarpolitik haben sich in den vergangenen 50 Jahren stark gewandelt. Im Nachkriegseuropa galt es, die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu sichern. Die klassische Stützung der Agrarpreise hat nahezu ausgedient. Landwirtschaft orientiert sich am Markt.

Heute erhalten die Landwirte Direktzahlungen, die an Auflagen wie etwa bei der Lebensmittelsicherheit, beim Tierschutz und beim Umweltschutz gebunden sind. Zugleich profitieren mehr als 500 Millionen Menschen in 28 Mitgliedstaaten der EU von einem vielfältigen Nahrungsmittelangebot, von einheitlichen Qualitätsstandards, geschützten Herkunftsbezeichnungen sowie von umfassenden Informationspflichten der Hersteller.

Mit der Ende 2013 von Rat und Europäischem Parlament beschlossenen Reform werden der Kurs der Marktorientierung der Landwirtschaft fortgesetzt und die GAP noch stärker als bisher auf die Entlohnung gesellschaftlicher Leistungen ausgerichtet. Gleichzeitig bietet die GAP den Erzeugern weiterhin ein Sicherheitsnetz im Falle von Marktkrisen. Wesentlich ist auch, dass die Integration von Umweltanforderungen in die GAP vorangetrieben und die Förderung der ländlichen Entwicklung in der EU kontinuierlich verstärkt wurden. Damit reagiert die GAP auf die vielfältigen und sich wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen und Herausforderungen. Dazu zählen z. B. die wirtschaftlichen Herausforderungen der Globalisierung, der Schutz der natürlichen Ressourcen und der Biodiversität sowie die demographischen Umwälzungen, insbesondere in den ländlichen Gebieten. Die GAP unterstützt die Erzeuger und die ländlichen Regionen bei der Bewältigung dieser Herausforderungen und ist deshalb auf folgende Ziele ausgerichtet: rentable Nahrungsmittelerzeugung, nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und Klimaschutz sowie eine ausgewogene räumliche Entwicklung. Dementsprechend enthält die GAP neue Elemente. So hat das so genannte Greening der Direktzahlungen zur Folge, dass Landwirte ihre Direktzahlungen nur dann erhalten, wenn sie konkrete Umweltleistungen erbringen. Diese umfassen den Erhalt von Dauergrünlandflächen (wie Wiesen und Weiden), eine verstärkte Anbaudiversifizierung (größere Vielfalt bei der Auswahl der angebauten Feldfrüchte) sowie die Bereitstellung so genannter "ökologischer Vorrangflächen" auf fünf Prozent ihres Ackerlandes.

Durch die jüngsten Reformen im Jahr 2013 verlagerte sich der Schwerpunkt auf

Die Kernpunkte der Reform betreffen die Direktzahlungen an die Inhaber landwirtschaftlicher Betriebe:

Außerdem soll die Agrarpolitik

Künftige Herausforderungen:

Bis 2050 ist angesichts des erwarteten Bevölkerungswachstums und der mit zunehmendem Wohlstand steigenden Nachfrage nach tierischen Erzeugnissen eine Verdoppelung der weltweiten Lebensmittelproduktion notwendig. Gleichzeitig muss aber auch den Auswirkungen des Klimawandels (Verlust an biologischer Vielfalt, Auszehrung der Böden und Verschlechterung der Wasserqualität) entgegengewirkt werden.

Ziel der Agrarpolitik ist es, die Landwirte in Bezug auf Investitionen und Innovation zu beraten, damit sie den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sind.

(s. a. BMF)

Weitere Informationen:

Regelfunktion des Bodens

Fähigkeit des Bodens, im Stoffkreislauf zwischen Abbau und Aufbau ein Gleichgewicht herzustellen.

Regelgehöft

Zusammenfassender Begriff für alle Gehöftformen mit schematischer Anordnung der Einzelbauten.

(s. a. Hofformen, Einheitshof, Gehöft, Regelgehöft)

Regelloses Gehöft

Grundtyp der Gehöftformen, der durch die unregelmäßige Anordnung der einzelnen Gehöftbauten gekennzeichnet ist. Wichtigster Einzeltyp ist das "Haufengehöft" mit seinem Schwerpunkt im mittleren Bayern.

(s. a. Hofformen, Einheitshof, Gehöft, Regelgehöft)

Regeneration

Erreichen eines naturnäheren Zustandes im Sinne eines historisch begründeten Zustandes. Der Begriff umfasst den weitestgehenden Ansatz bezüglich des Zeithorizonts und des Zielerreichungsgrades (z.B. Hochmoorregeneration).

Regenerzeugung

Auch cloud seeding; dabei werden vom Flugzeug aus Silberjodidkristalle oder Kohlensäureschneekristalle in bereits vorhandene Wolken gestreut. An ihnen können die Wassertröpfchen der Wolke anfrieren, so daß größere Eispartikel entstehen, die beim Ausfallen eine Chance haben, als Regen den Erdboden zu erreichen. Man rechnet nur bei der Hälfte der Einsätze mit tatsächlichem Regeneintritt.

Die Anwendung des Verfahrens ist besonders in den ausgedehnten Halbtrockengebieten der Erde, z.B. im Mittelwesten der USA, in Kalifornien, in Israel oder der Pampa Argentiniens sinnvoll. In diesen Regionen kommt es bei sommerlicher Einstrahlung zwar zur Bildung von Konvektionswolken, doch nicht zu Regen. In den Schönwetterkumuli bleiben die Wolkentröpfchen so klein, daß sie vom Aufwind in der Schwebe gehalten werden, oder beim Ausfallen in der ungesättigten Luft unter der Wolke restlos verdunsten.

Regenfeldbau

Im Gegensatz zum Bewässerungsfeldbau die Form des Ackerbaus, bei der der zur Verfügung stehende Niederschlag alleiniger Feuchtigkeitsspender für das Wachstum der angebauten Feldfrüchte ist. Die Grenze des Regenfeldbaus ist die Trockengrenze des Anbaus. Diese kann durch extensivere Anbaumethoden, z.B. durch dry farming in Richtung der Trockengebiete verschoben werden.

Verbreitungsgebiete sind u.a. Feuchtsavannen (7 - 9 Monate humid), z.T. Trockensavannen (mindestens 5½ - 6 Monate humid) und der tropische Regenwald (in der Regel zu feucht, mit 10 - 12 humiden Monaten).

Die Flächen des Regenfeldbaus blieben von 1961 bis 2008 nahezu gleich, mit einem leichten Trend zur Abnahme. Gleichzeitig stieg der Umfang an Bewässerungsflächen an.

Regenverdaulichkeit

Regenmenge in mm (= l je m²), die in einer festgelegten Zeit versickert bzw. gespeichert werden kann.

Regenwürmer

Regenwürmer (Lumbricidae) gehören zum Stamm der Ringel- bzw. Gliederwürmer (Annelida) und gelten als Nützlinge. Eine der größten und häufigsten einheimischen Arten ist der gemeine Regenwurm oder Tauwurm (Lumbricus terrestris). Er wird 9-15 cm lang (in Ausnahmefällen bis 30 cm) und bis zu 1 cm dick.

Regenwürmer ernähren sich von abgestorbenen, verfaulten Pflanzenteilen. Diese werden bei der Passage durch den Verdauungstrakt zu Kothumus verarbeitet und in kleinen Haufen meist an den Öffnungen der Gänge ausgeschieden. Besonders in der Nacht ziehen Regenwürmer abgefallene Blätter von der Erdoberfläche in ihre Wohnröhren, wodurch der Prozess der Verrottung beschleunigt wird. Durch das Graben wird der Boden durchmischt, gelockert und belüftet. Das Eindringen von Regenwasser wird dadurch erleichtert. So ist die Bodenfruchtbarkeit unserer Ökosysteme wesentlich von der Tätigkeit der Regenwürmer abhängig.

Regionalplanung

Übergeordnete, überörtliche und zusammenfassende Planung für das Gebiet einer Planungsregion.

Rehabilitation

Wiederherstellung von bestimmten Ökosystemfunktionen (einschließlich best. ökologischer Prozesse) bzw. Ökosystemleistungen gemäß eines historischen Referenzzustandes (z.B. Wiederververnässung eines degradierten Hochmoores, Wiederherstellung der Fließgewässerdynamik).

Reichsbodenschätzung

Siehe Bodenbewertung

Reihendorf

Siehe Zeilendorf

reine Flur

Eine Flurform, bei der ein Parzellentyp vorherrschend ist.

Reinertrag

Roheinkommen minus Lohnanspruch der familieneigenen Arbeitskräfte = Verzinsung des Aktivkapitals plus Unternehmergewinn.

Reinkultur

Der Anbau von nur einer Kulturpflanzenart, bezogen auf eine bestimmte Fruchtfolge oder in Form einer Monokultur.

Reis

Bezeichnung für die Getreidekörner der PflanzenartenOryza sativaund Oryza glaberrima. Oryza sativa wird weltweit in vielen Ländern angebaut, Oryza glaberrima (auch „afrikanischer Reis“ genannt) in Westafrika. Zur Gattung Reis (Oryza) gehören außer diesen beiden Reispflanzen noch wenigstens weitere 17 Arten, die aber nicht domestiziert wurden.

Überblick

Von Oryza sativa gibt es mittlerweile über 120.000 Sorten, die ihn befähigen, sowohl in Höhen von 2000 Metern über NN sowie im Sumpf, im Wasser oder in sehr trockenen Gebieten zu gedeihen.
Die Reispflanze gehört wie die anderen Getreidearten zur Familie der Süßgräser. Reis hat kleine Ährchen als Blütenstände, die in der Regel zwei sterile und eine fertile (fruchtbare) Blüte enthalten und in sogenannten Rispen angeordnet sind. Die fertile Blüte wird durch eine Deckspelze geschützt. Reis ist, wie andere Gräser auch, windblütig, d. h. die Übertragung der Pollen erfolgt allein über den Wind. Unser heutiger Kulturreis (Oryza sativa) wird einjährig angebaut. Er wird bis 120 cm hoch, seine Rispen (10 bis 15 pro Pflanze) enthalten bis zu 300 Reiskörner.

Reis gehört heute zu den sieben wichtigsten Getreidearten (neben Weizen, Roggen, Hirse, Hafer, Gerste, Mais) und ist das wichtigste Grundnahrungsmittel für knapp die Hälfte der Weltbevölkerung. Etwa 95 Prozent der heutigen Reisproduktion findet in Südostasien (China, Thailand, Indien) statt. In Europa sind es vor allem Italien, Frankreich, Portugal und Spanien, die Reis anbauen. Meist geschieht dies in den Deltas großer Flüsse wie in der Po-Ebene (Norditalien) sowie im Rhône-Delta (Camargue, Frankreich). Weltweit beträgt die Reisproduktion 741,5 Mio t (2014).

Dunkle Getreidekörner, die im Handel und in der Gastronomie als „Wildreis“ bezeichnet werden, gehören botanisch nicht zur Gattung Reis (Oryza), sondern zur Gattung Wasserreis (Zizania).

Weltweite Reisproduktion

Map of rice production (average percentage of land used for its production times average yield in each grid cell) across the world compiled by the University of Minnesota Institute on the Environment with data from: Monfreda, C., N. Ramankutty, and J.A. Foley. 2008. Farming the planet: 2. Geographic distribution of crop areas, yields, physiological types, and net primary production in the year 2000. Global Biogeochemical Cycles 22: GB1022
Quelle: Wikimedia Commons

Herkunft

Der heute verwendete Kulturreis Oryza sativa wurde vermutlich im Tal des Yangtze (China) und im Tal des Ganges (Indien) erstmals kultiviert. Vermutlich begannen die Menschen bereits vor etwa 10.000 Jahren (Übergang Pleistozän – Holozän) damit, Reis zu sammeln.
In Japan wurde Reis erst etwa um 300 vor Christus angebaut. Nach Europa kam der Reis durch die Mauren, davor war er um 400 vor Christus ins Zweistromland (Mesopotamien, heute Irak) gelangt. Über Alexander den Großen kam der Reis ans Mittelmeer, wo er zunächst bei Römern und Griechen auf wenig Interesse stieß. Erst in der Renaissance wurde Reis vermehrt verwendet, aus dieser Zeit stammt das berühmte Rezept des „Risotto alla Milanese“ (Reis mit Safran gedünstet).

Anbauformen

Nassreisanbau
Reis ist ein Gras, das unter natürlichen Bedingungen in feuchtwarmen Regionen wächst. Um Schädlinge sowie Unkraut am Wachstum zu hindern, hat sich seit etwa 3000 v. Chr. der Nassreisanbau entwickelt. Obwohl Reis keine Wasserpflanze ist, hat sich die Züchtung über Jahrhunderte hinweg so entwickelt, dass er mit höheren Wasserständen zurechtkommt, indem er ein Belüftungssystem für die Wurzeln (sogenanntes Aerenchym) entwickelte.
Der Anbau erfolgt in folgenden Schritten:

Etwa 80 Prozent der Reisernte wird in diesem Verfahren durchgeführt. Eine Sonderform des Nassreisanbaus ist der Terrassenfeldbau, bei dem der Nassreisanbau auch an mäßig steilen Berghängen durchgeführt werden kann.

Trockenreisanbau
Hierzu wird eine Unterart des heutigen Reises genutzt, der nicht an Überflutung angepasst ist. Vorteil: Trockenreisanbau kann auch in Gegenden erfolgen, wo der Nassanbau nicht möglich ist, etwa im Gebirge. Allerdings benötigen diese Reissorten eine hohe Luftfeuchtigkeit. Nachteil: Ohne Wasser können Unkräuter ungehemmt wachsen, so dass die Ernte gegenüber dem Nassanbau stark geschmälert wird. Trockenreis wird in der Regel über das Streusaatverfahren ausgebracht und bis in Höhen von 2.000 Metern angewendet. Trockenreis ist teurer, wird aber wegen seines intensiveren Aromas geschätzt. In diesem Verfahren ist der Methanausstoß sehr gering, aber durch die ebenfalls geringeren Erträge stellt der Trockenreisanbau kaum eine Alternative zum Nassreisanbau dar.
Maschinelle Anbauverfahren beinhalten das Ausbringen der Saat per Flugzeug und das Ernten mit dem Mähdrescher. Diese Verfahren werden vor allem in Europa und den USA angewendet. Arbeit von Hand wie in den asiatischen Staaten wäre hier nicht bezahlbar.

Umweltprobleme durch den Nassreisanbau

Einfluss auf den Grundwasserhaushalt

Um ein Kilo Reis über das oben genannte Verfahren zu erzeugen, sind zwischen 3.000 und 5.000 Liter fließendes Wasser nötig. Probleme kann es geben, wenn die Bewässerung über Brunnen erfolgt, da sich der Grundwasserspiegel dadurch stark absenkt. Im Umland von Peking ist daher der Reisanbau verboten.

Einfluss auf die Bodenerosion
Der moderne Reis, der für das Nassanbauverfahren ausgelegt ist, benötigt fließendes Wasser, da stagnierendes Wasser zu verstärkter Algenbildung führen würde. Fließt das Wasser zu schnell, wird wertvoller Boden mit weggerissen. Die Fließgeschwindigkeit des Wassers darf also nicht zu langsam und nicht zu schnell sein.

Einfluss auf den Klimawandel
Durch den Nassanbau wird im Boden des Reisfeldes ein anaerobes Milieu erzeugt, das sogenannte Methanogene (Archaebakterien oder Archaea, bei deren Stoffwechsel Methan entsteht) begünstigt. Nach neueren Berechnungen gehen bis zu 25 Prozent der weltweiten Methan-Produktion auf den Nassreisanbau zurück, das sind bis zu 100 Millionen Tonnen pro Jahr. Da ein Methan-Molekül 21 bis 72 Mal (in Abhängigkeit vom betrachteten Zeithorizont) wirksamer ist als ein CO2-Molekül, entspricht das umgerechnet mindestens 300 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.
Forscher haben festgestellt, dass sich der Methanausstoß verringern lässt, wenn die Felder zwischendurch trockengelegt werden, da die Methanogene keinen Sauerstoff vertragen. Geforscht wird hier an einem Bewässerungssystem, welches die Felder zwischendurch trockenlegt, also die Bewässerung der Felder regelt. Bisher sind die meisten Felder ständig unter Wasser, die Bewässerung kann also oftmals nicht von außen geregelt werden. Auch eine veränderte Düngung sowie spezielle Reissorten können den Methanausstoß verringern.

Nährstoffe

Die meisten Nährstoffe im Reis stecken in seinem "Mantel", dem sogenannten Silberhäutchen. Es liegt zwischen der Frucht und der schützenden Deckspelze und wird bei den "polierten", also weißen Reissorten, entfernt. Beim Naturreis bleibt es erhalten und gibt ihm seine gelblich-grüne bis braunrote Farbe. Im Korn selbst steckt dagegen eine Menge an sogenannter Reisstärke.  Dieses Kohlenhydrat ist vom menschlichen Körper leicht aufzuschließen und ein wertvoller Energielieferant. Dazu kommen wichtige Mineralstoffe wie Kalium und Phosphor. Reis ist ein sehr wertvolles Grundnahrungsmittel, trotzdem fehlen ihm verschiedene Nährstoffe wie Beta-Carotin, Vitamin C, Eisen und Kalzium. Vor allem weißer Reis enthält fast nur noch Stärke.

Verarbeitung

Reis wird noch im Ernteland gedroschen und anschließend in die Reismühle eingeliefert. Dort wird der Rohreis (Paddy) in einem mechanischen Verfahren von den Deckspelzen getrennt. Die Spelzen werden häufig zur Energiegewinnung weiterverarbeitet.
Nach den Deckspelzen wird vom Halbrohreis (Vollreis) das Silberhäutchen entfernt. Dies geschieht durch Schleifen (Polieren), da es fest auf dem Keimling aufliegt. Aus dem nährstoffreichen, abgeschliffenen Material wird oftmals Tierfutter hergestellt. Nachdem das Häutchen ab ist, spricht man vom polierten, weißen Reis. Er ist jetzt leicht verdaulich, aber er enthält auch deutlich weniger Mineralstoffe, Vitamine und Ballaststoffe als der Vollreis.
Etwa 95 Prozent der Reisernte gehen in den menschlichen Verzehr, der Rest wird für Futtermittelzwecke, zur Stärkegewinnung und Forschung genutzt. Neben der Verwertung des ganzen Korns wird Reis auch zu Reisflocken, Reisnudeln und Reisgebäck weiterverarbeitet. Reisöl wird als Speiseöl verwendet, ebenso in Kosmetikprodukten und als industrielles Öl (etwa zur Spülung bei Tiefbohrungen).

Parboiled Reis

Dieses Verfahren wurde entwickelt, um beim Reis einen höheren Anteil an gesunden Inhaltsstoffen zu erhalten. Dazu wird der Rohreis unter Vakuum eingeweicht, so dass die Inhaltsstoffe von Keimling, Silberhäutchen und Schale sich lösen. Anschließend werden sie mit Wasserdampf und hohem Druck wieder ins Reiskorn gepresst, so dass der größte Teil der Inhaltsstoffe jetzt im Korn selber steckt. Danach kommt der Reis wie gewohnt in die Mühle, wo das Entfernen von Spelzen und Silberhäutchen jetzt einfacher vonstattengeht. Das Parboiled-Verfahren wird sowohl bei Voll- als auch bei weißem Reis angewandt. Man erkennt ihn daran, dass er im ungekochten Zustand etwas glasig aussieht. Nach dem Kochen verschwindet dieser Eindruck. Das Parboiled-Verfahren wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA entwickelt.

Erträge und Export

Die Gesamt-Reisproduktion betrug 2008 nach Schätzungen der FAO 685 Millionen Tonnen Rohreis, davon 657 Millionen Tonnen in den Entwicklungsländern und 28 in den Industrieländern. Von diesen 28 Millionen Tonnen stammten 9,3 Millionen Tonnen aus den USA und 2,6 Millionen Tonnen aus der Europäischen Union. Der größte Reisproduzent ist China mit über 193 Millionen Tonnen im Jahr 2008. Darüber hinaus ist Reis kein großes Exportgut: Etwa 95 Prozent des Reises werden dort verbraucht, wo sie angebaut werden.

Transport und Lagerung

Reis wird nach Bearbeitung in der Reismühle in Säcke verpackt und per Schiff weiter transportiert. Seine Lagerung erfolgt ebenfalls in Säcken, in denen er in vielen Asialäden auch gekauft werden kann.

Forschung

Da Reis als Grundnahrungsmittel für die Bevölkerung immer größere Bedeutung erlangt, gibt es auch umfangreiche Forschungen, um die Erträge zu sichern und zu steigern. Dem Schutz der Pflanze gegen Krankheiten und Schädlinge widmet die molekularbasierte Pflanzenforschung ein besonderes Augenmerk. Seit 2002 ist das Genom von Reis vollständig entschlüsselt.

Weitere Informationen:

Rein-Raus-Verfahren

Haltungsform in der Tierproduktion, die häufig bei der Mast von Schweinen, Bullen oder Geflügel angewendet wird. Dabei sind alle Tiere beim Aufstallen ungefähr gleich alt und gleich schwer, erreichen etwa gleichzeitig das angestrebte Produktionsziel und verlassen somit gemeinsam den Stall wieder, z.B. zum Schlachten. Nach gründlichen Maßnahmen zur Stallhygiene erfolgt die Neubelegung mit einem ganzen, geschlossenen Bestand.

Dem Rein-Raus-Verfahren steht als gegensätzliche Methode das kontinuierliche Verfahren gegenüber, bei dem sich in einem Stall Tiergruppen verschiedener Mastabschnitte befinden und die Zu- und Abgänge laufend erfolgen.

Reinsaat

Aussaat einer einzigen Pflanzenart im Unterschied zur Gemengesaat.

Rekultivierung

Die morphologische und (boden-)ökologische Eingliederung von devastiertem Gelände in die umgebende Landschaft während und nach einem Eingriff, einschließlich der Begründung angemessener Folgenutzung oder Folgefunktion (z.B. land- und forstwirtschaftlich, im weiteren Sinne auch Naturschutz als Folgenutzung). Dazu dient ein Bündel von geotechnischen, landespflegerischen, wasserbaulichen, agrar- und forstökologischen Maßnahmen. Von Rekultivierungen betroffen sind ehemalige Bergbaugebiete mit ihren Halden und Tagebaulöchern, Steinbrüche, Kiesgruben, Müll- und Schutthalden, Deponien sowie jegliche Zerstörungen von Ökosystemen auf Grund von technischen Eingriffen in die Landschaft.

Bei Abgrabungen oberflächennaher Rohstoffe (Kies, Sand, Ton, Kieselgur, Torf, Braunkohle) wird dem Erhalt der humus- und nährstoffhaltigen, belebten Krume besonderes Augenmerk gewidmet. Die horizontmäßige Zwischenlagerung von Deckböden bei Abgrabungen und ihr anschließend entsprechender Wiedereinbau verfolgt den Zweck, Verhältnisse zu schaffen, die der Umgebung möglichst ähnlich sind.

Rekultivierungen werden heute als Schüttungen oder als Spülversatzflächen erstellt. Bei der Neuanlage muß ein Porensystem erzeugt werden, das die klimabedingt anfallende Wassermenge schnell genug so im Bodenvolumen verteilt, daß die durch Nässe hervorgerufene Stabilitätsminderung nicht zu unerwünschtem Zusammensacken führt. Außerdem muß festgelegt werden, wieviel Wasservorrat im durchwurzelbaren Bereich speicherbar sein muß, damit zu erwartende Trockenperioden nicht die Vegetation schädigen.

Bei der Kiesgewinnung beispielsweise stehen Abbau und Rekultivierung in Deutschland z.Z. im Gleichgewicht, es werden jährlich etwa ebenso viele Hektar rekultiviert wie abgegraben.

(s. a. Renaturierung)

relay cropping

Siehe Staffelanbau

Relief

Unter Relief (frz. „das Hervorgehobene“) versteht man in der Geomorphologie die Oberflächengestalt der Erde, d. h. die Form des Geländes.

Für die landwirtschaftliche Nutzung relevante Faktoren im Zusammenhang mit dem Relief sind Hangneigung, Hangrichtung (Exposition), Kleinrelief, Talgestaltung, Erosionsgefahr, Massenerhebung u. a.

Ein ausgeprägtes Relief wirkt in der Regel limitierend auf die agrarischen Nutzungsmöglichkeiten. Dies gilt insbesondere für die moderne Landwirtschaft, die für einen optimalen Einsatz der Maschinen vorwiegend eben Flächen benötigt. Aus diesem Grund wird die Verteilung der jeweils günstigsten Nutzungsformen und die Auswahl der Feldfrüchte u.a. durch den Grad der Maschinisierung beeinflusst, da z.B. der Anbau von Getreide mit Maschineneinsatz bei einer Hangneigung von 12 - 18 % gerade noch möglich, der Anbau von Kartoffeln oder Rüben dagegen schon sehr erschwert ist. Steilere Hanglagen werden dagegen zunehmend als Weide- oder Waldflächen genutzt.

Genau betrachtet wirkt das Relief als Standortfaktor zur Differenzierung verschiedener Nutzungsformen im Gebirge immer im Zusammenwirken mit den höhenabhängigen Klimaelementen Temperatur und Niederschlag sowie den Höhengrenzen der unterschiedlichen Vegetationsformationen.

Formen der agrarischen Nutzungsapassung an die spezifischen Reliefbedingungen von Gebirgen:

Renaturierung

Überführung anthropogen veränderter Lebensräume in einen naturnäheren Zustand mit der Möglichkeit einer natürlichen, ungestörten Weiterentwicklung. Der angestrebte natürliche oder quasinatürliche Zustand (Regeneration) betrifft nicht nur Formenelemente (z.B. Bachmäander), Flora und Fauna, sondern auch den Stoff-, Wasser- und Energiehaushalt der jeweiligen Landschaftsausschnitte. Dazu trägt auch eine geringere Nutzungs- bzw. Eingriffsintensität bei. Bei Aufhören der Nutzung ist dies verbunden mit dem Zulassen der natürlichen Sukzession. Der Begriff "Nutzung" ist dabei weit gefasst und beinhaltet menschliche Einwirkungen aller Art (einschließlich Naturschutzmanagement), nicht nur Landnutzung im konventionellen Sinne. Dies erlaubt eine schrittweise Annäherung an ein vorher bestimmtes Umweltziel (z.B. Renaturierung von Fließgewässern mit entsprechendes Entwicklungszielen, naturnaher Waldumbau).

(s. a. Rekultivierung)

rent seeking

Versuche der Erschließung, Sicherung oder Verbesserung von Chancen zur Erzielung von Einkommen im Marktbereich mit Hilfe politisch erwirkter Privilegien. Das Ziel ist eine dauerhafte Geldleistung (Rente) im Marktbereich. Als Beispiel gilt die Errichtung und Erhaltung von Zollschranken auf Betreiben inländischer Produzenten.

Erfolgreiches rent seeking zeitigt folgende Problematik:

(s. a. Agrarprotektionismus, Gemeinsame Agrarpolitik)

Rentenkapitalismus

Wirtschafts- und Sozialsystem, das im Orient spätestens 2.000 v. Chr. entstand und sich in vielen Entwicklungsländern in mehr oder weniger charakteristischer Form bis heute erhalten hat.

Typische Merkmale des Rentenkapitalismus:

Die Eigentumsverhältnisse weisen die rentenkapitalistisch orientierten Verpächter als Groß(grund)eigentümer aus. Da ihre Lebensform keine Beziehung zum Agrarsektor erkennen läßt, sind sie nicht als Großagrarier oder Großgrundbesitzer zu bezeichnen, da diese Begriffe eine mitverantwortliche Leitung bei der Landnutzung beinhalten. Der Rentenkapitalismus ist in einigen Entwicklungsländern auf revolutionärem oder evolutionärem Wege beseitigt, besteht aber in anderen noch. Für eine soziale und wirtschaftliche Weiterentwicklung stellt er ein schweres Hindernis dar.

Rentierwirtschaft

Extensive Weidewirtschaft einheimischer Völker - Samen (Lappen), Nenzen u.a. - in der Waldtundra und Tundra Nordeuropas und Sibiriens. Saisonale Wanderungen führen die hirschähnlichen Tiere im Sommer in die Tundra oder Höhentundra, im Winter in Schutz und Nahrung (Rentierflechte) bietende Wälder. Das Management der Herden ist teils hochentwickelt, teils noch traditionell und dann weitgehend auf Selbstversorgung ausgerichtet. Die winterliche Überwachung der Herden wird inzwischen weithin mit Hilfe von Motorschlitten vorgenommen. Erschließungsmaßnahmen unterschiedlichster Art beeinträchtigen diese Wirtschaftsweise.

In Nordeuropa ist die (halb-)nomadische Rentierwirtschaft mit staatlicher Hilfe weitgehend einer stationären Form gewichen. Versuche, die Rentierhaltung in Nordamerika einzuführen mißlangen wegen des Desinteresses der Eskimos. Mehr Hoffnung richtet sich auf die Nutzung des heimischen, nichtdomestizierten Karibus in Form eines game ranching.

Ressourcenkonkurrenz

Zwischen Kulturpflanzen und Unkräutern besteht eine interspezifische Konkurrenz um Ressourcen (Licht, Nährstoffe, Wasser) auf der die Schadwirkung der Unkräuter beruht. Dadurch werden Wachstum und Entwicklung der Kulturpflanzen und im Ergebnis deren Ertragleistungen nachteilig beeinflusst.

Lichtmangel führt zu geringeren Photosyntheseleistungen und damit zu einer verringerten Nettoprimärproduktion. In Agrarökosystemen werden die höchsten durch Lichtkonkurrenz bedingten Agrarverluste von Unkräutern verursacht, die in der Lage sind, Kultupflanzen auf Grund einer hohen relativen Wachstumsrate zu übergipfeln und so zu beschatten. Umgekehrt bewirkt auch eine Beschattung durch Kultupflanzen eine Unterdrückung des Aufwuchses von Unkräutern.

Die Konkurrenz von Pflanzen um Nährstoffe wird in Agrarökosystemen nicht nur von der natürlichen Bodenfruchtbarkeit, sondern auch durch Düngung bestimmt. Ob und in welcher Weise die Konkurrenzverhältnisse zwischen Kultur- und Ackerbegleitpflanzen durch diesen Faktor beeinflusst werden, hängt nicht nur von der ausgebrachten Düngermenge und der Bestandesdichte ab, sondern auch von den Eigenschaften der jeweiligen Arten. Nicht alle Pflanzenarten sind gleichermaßen in der Lage, ein hohes Nährstoffangebot effizient zu nutzen.

Die Bedeutung von Wasser als Konkurrenzfaktor in Agrarökosystemen wird wesentlich von der Menge und der Verteilung der Niederschläge in der Anbauperiode bestimmt. Weitere wichtige Faktoren sind die Wasserspeicherfähigkeit der Böden und die Fähigkeit der Pflanzen, das vorhandene Wasser zu nutzen. Arten, die ein großes Wurzelnetz oder Pfahlwurzeln besitzen, können Wasser aus größerer Tiefe beziehen als solche, die nur ein flaches Wurzelsystem ausbilden. Dies ist vornehmlich dann ein Vorteil, wenn die oberen Bodenbereiche witterungsbedingt austrocknen. Vor allem junge Kulturpflanzen, die wegen ihres noch schwach ausgebildeten Wurzelsystems auf oberflächennahes Wasser angewiesen sind, haben in einer solchen Situation gegenüber tief wurzelnden Unkrautarten.

Schließlich darf nicht übersehen werden, dass die Wirkungen, die bei der Konkurrenz von Kultur- und Ackerbegleitpflanzen auftreten, sich in vielen Fällen durch die kombinierten Einflüsse verschiedener Faktoren bedingen. (Martin und Sauerborn 2006)

Restauration

Syn. Restaurierung; Rückführung in den ursprünglichen, eindeutig historischen Zustand mit verschiedenen, meist technischen Maßnahmen (z.B. bei Fließ- bzw. Stillgewässern und Mooren).

Restitution

Aktive Wiederherstellung eines ursprünglichen Zustandes, in jedem Fall mit technischen Mitteln.

Reststoffe

Biogene Reststoffe werden, im Gegensatz zu Energiepflanzen, nicht eigens für die energetische Nutzung angebaut, sondern sind bei einer anderen, vorherigen Nutzung von Biomasse angefallen. Was auf den ersten Blick als überflüssiger Abfall erscheint, ist aber ein wertvoller Reststoff, der auch energetisch genutzt werden kann. Für Bioenergie werden biogene Reststoffe wie Erntereste, Biomüll, Stroh sowie tierische Exkremente (z.B. Gülle, Mist) genutzt.

Revitalisierung

Wiederherstellung von erwünschten abiotischen Umweltbedingungen als Voraussetzung für die Ansiedlung von standorttypischen Lebensgemeinschaften (z.B. Revitalisierung von Fließgewässern, Auen und Mooren).

Reutbergwirtschaft

Regionale Bezeichnung der vornehmlich im Schwarzwald früher verbreiteten Feldwald(wechsel)wirtschaft. Es war ein Brandfeldbau im Niederwald. Als begehrtes Hauptprodukt der Niederwaldjahre galt vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Rinde der Schäleichen, aus der man Gerberlohe bereitete. Die Brandwirtschaft erwies sich als gefährlicher Raubbau an der Bodensubstanz und -qualität.

(s. a. Haubergwirtschaft)

Rhizofiltration

Verfahren der Phytosanierung, bei dem die Pflanzen nicht direkt an der Bodensanierung beteiligt sind, sondern durch ihr Wurzelsystem dazu beitragen, dass die mikrobielle Aktivität im Boden erhöht wird. Die Schadstoffe werden dann durch Mikroorganismen abgebaut. Bezogen auf die Grundwassersanierung, bedeutet Rhizofiltration auch allgemein die Absorption und Kondensation an den Pflanzenwurzeln und/oder Aufnahme und Akkumulation in den Wurzeln.

Richtpreis

Richtpreise im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik sind heute nur noch in den Marktorganisationen für Zucker sowie Milch und Milcherzeugnisse als Zielpreis von einer gewissen Bedeutung. Sie werden jährlich vom Ministerrat für ein Wirtschaftsjahr einheitlich festgelegt. Richtpreise sind in keinem Falle einem Garantiepreis oder Mindestpreis für die Erzeuger gleichzusetzen.

Ried

Auch "Sumpf"; überwiegend baumfreie, teils gebüschreiche, von Sumpfpflanzen dominierte Lebensgemeinschaften auf mineralischen bis torfigen Naßböden, die durch Oberflächen-, Quell- oder hoch anstehendes Grundwasser geprägt sind. Zum Teil sind sie natürlich, vielfach jedoch erst durch Waldrodung und nachfolgende Nutzung als Streu- oder Futterwiese entstanden.

Rieselbewässerung

Bewässerungsform, die häufig auf leicht geneigten Grünlandflächen eingesetzt wird. Verteilerrinnen leiten das einem Vorfluter entnommene Wasser über den Boden, Entwässerungsrinnen führen überschüssiges Wasser ab.

(s. a. Bewässerung)

Rieselfeld

Fläche, auf denen Abwässer nach mechanischer Vorreinigung über landwirtschaftliche Flächen geleitet wird. Rieselfelder können pro Jahr mit etwa 3 m³/m² Abwasser beschickt werden. Der Hauptzweck sind Abwasserreinigung und manchmal Grundwasseranreicherung; die landwirtschaftliche Nutzung steht im Hintergrund. In Deutschland werden Rieselfelder in Berlin und Münster betrieben.

Rigosol

Anthropogene Böden, die durch tiefgründige Bodenumschichtung entstanden sind. Dies trifft für die z.T. über 1.000 Jahre alten Weinbergböden zu, die früher alle 30 - 80 Jahre mit der Hand, heute alle 20 - 40 Jahre maschinell rigolt werden, und deren Rigolhorizont 50 - 80, selten bis 120 cm mächtig ist und unterschiedlich große Mengen an Fremdmaterial (Gesteinsschutt, Mergel, Löß, Schlacken, Müll u.ä.) enthält. Auch bei Auen- und Marschböden wurden tiefreichende Rigolarbeiten zur Verbesserung des Oberbodens vorgenommen.

Rind

Nutztier, das zur Produktion von Milch und/oder Fleisch gehalten wird. Früher auch als Last- und Zugtier verwendet. Das europäische Rind stammt vom Auerochsen (Ur) ab. Rinder sind wiederkäuende Paarhufer. Beide Geschlechter haben Hörner. Rinder werden heute in Deutschland i.d.R. aus Zuchtgründen künstlich besamt. Die Tragzeit dauert 9 Monate und 9 Tage. Neben den reinen Fleischrindern (z.B. Charolais und Angus) werden auch Nachkommen der Milchkuhrassen geschlachtet, die nicht zu Milchkühen großgezogen werden. Das sind zum einen die männlichen Tiere, aber auch die weiblichen Tiere, die nicht zur Milcherzeugung genutzt werden sollen. Diese Rinder werden entweder nach einer dreimonatigen Mastzeit als Kälber oder nach 1 ½ Jahren als Masttiere geschlachtet. Als „Nebenprodukt“ wird die Rinderhaut gegerbt und dann als Leder verwertet. Auch Kühe werden geschlachtet, wenn nach einigen Jahren die Milchproduktion nachlässt.

Der Selbstversorgungsgrad für Rind- und Kalbfleisch lag 2005 in Deutschland bei 117 %, für Milch bei 102 %.

Rindensubstrate

Alternativprodukt zu Torfsubstraten vor allem für den Einsatz im Gartenbau. Man unterscheidet drei Produktgruppen:

Rinderrassen

Rinderrassen gehen wie die anderen Haustiere auf ehemalige Wildtiere zurück. Als Stammform unserer heutigen Rinderrassen in Europa gilt der Auerochse oder Ur, der bereits im Mittelalter ausgestorben ist. Die Domestikation des Rindes hat schon 6.000 - 8.000 v. Chr. begonnen. Die Entwicklung über primitive, leistungsschwache Landrassen zu den Kultur- oder Zuchtrassen der Gegenwart begann erst im 18. und 19. Jahrhundert. Eine wichtige Zwischenstation auf dem Weg zum heutigen Leistungsstand war die Einführung der Herdbücher in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Heute organisiert und betreut die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter als Dachorganisation die Zuchtarbeit in und zwischen den angeschlossenen Zuchtverbänden.

Nutzungsrichtung der Rinderrassen

Rinder-Somatotropin

Siehe BST

Rodentizide

Rodentizide sind Pestizide, die gegen Nagetiere eingesetzt werden. In der Praxis dienen sie bei uns v.a. der Bekämpfung von Mäusen sowie von Ratten. Neben eigentlich giftigen Stoffen werden zur Nagetierbekämpfung auch Repellents eingesetzt sowie Chemosterilantien zur Reduzierung der Fruchtbarkeit.

Roggen

Getreideart mit Ähren und langen Grannen. Der aus Kleinasien stammende Roggen wird in Deutschland fast nur als Wintergetreide angebaut, ist kälteresistenter als Weizen und gedeiht auch auf sandigen Böden. In Deutschland entfielen 2005 rund 555.000 Hektar (6,6 % der Ackerfläche) auf den Roggenanbau, der hauptsächlich als „Brotroggen“ für Bäckereien und Ernährungsindustrie genutzt wird. Im Weltgetreidehandel spielt Roggen kaum eine Rolle.

Roheinkommen

Betriebseinkommen minus Fremdlöhne = Einkommen der bäuerlichen Familie aus Boden, Arbeit, Kapital und Unternehmerleistung.

Rohertrag

Landwirtschaftliche Betriebseinnahmen plus Wert der Naturalentnahmen für Privat, Altenteil, Naturalpacht und Naturallöhne plus Wert der Bestandsveränderungen an Vieh und selbsterzeugten Vorräten.

Römische Verträge

1957 in Rom auf dem Kapitol unterzeichnet, markieren die Verträge über die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atom-Gemeinschaft (EURATOM), zusammen mit der bereits seit 1951 bestehenden sogenannten Montanunion (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) den Beginn der heutigen EU. Mit den Römischen Verträgen wurde der Grundstein für eine gemeinsame, europaweite Agrarpolitik gelegt. In Artikel 39 wurden die gleichberechtigten fünf Ziele der Agrarpolitik formuliert:
"Ziel der gemeinsamen Agrarpolitik ist es,

  1. die Produktivität der Landwirtschaft durch die Förderung des technischen Fortschritts, Rationalisierung der landwirtschaftlichen Erzeugung und den bestmöglichen Einsatz der Produktionsfaktoren, insbesondere der Arbeitskräfte, zu steigern;
  2. auf diese Weise der landwirtschaftlichen Bevölkerung, insbesondere durch Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens der in der Landwirtschaft tätigen Personen, eine angemessene Lebenshaltung zu gewährleisten;
  3. die Märkte zu stabilisieren;
  4. die Versorgung sicherzustellen;
  5. für die Belieferung der Verbraucher zu angemessenen Preisen Sorge zu tragen."

Rotationsbrache

In die Fruchtfolge integrierte, meist nur ein- oder zweijährige Unterbrechung des Anbaus von Kulturpflanzen auf dem Acker.

Rottemist

Tierische Exkremente mit Stroh vermischt, die während ihrer Lagerung außerhalb des Stalles einen mehrere Monate dauernden Rotteprozess (mikrobielle Umwandlung) mit einem Substanzverlust bzw. Kohlenstoffverlust und der Bildung von Humusstoffen und anderen wertvollen Abbauprodukten erfahren.

(s. a. Gülle, Tiefstallhaltung)

Auch Ru; Bezeichnung für Wasserkanäle im Aostatal, wo eines der dichtesten traditionellen Bewässerungssysteme im Alpenraum besteht. Die Rû wurden einst in die Erde gegraben oder in den Felsen gehauen. Ssie sind seit dem 13. Jh in Belehnungsakten verbürgt. Auch im Piemont wird der Begriff verwendet. Das Valle d'Aosta ist nicht nur ein Nachbartal des Wallis, es hat auch sehr ähnliche Bewässerungssysteme hervorgebracht. Die Systeme des Valle d'Aosta sind im Gegensatz zu denjenigen des Wallis durch z.T. sehr viel Mauerwerk gekennzeichnet.

Die Sohlen und Seitenwände der Haupt- und Zuleitungskanäle wurden zumeist mit Steinen und Steinplatten stabilisiert und gegen Wasserverluste abgedichtet, seltener verwendete man Bretter, Holzkästen oder Holzkänel. Der Kanalverlauf wurde je nach Terrain und Gefälle möglichst optimal dem Gelände angepasst und mit steinernen Trockenmauern, Pfeilern und Bodenbrücken abgestützt. Aquädukte überspannten die Wildbäche und Geländesenken, Röhren und Tunnel unterführten Felssporne, Wegenetze und erosionsgefährdete Abschnitte. In den Talböden waren die Rû meist als Erdkanäle angelegt.

Das innermontane Aosta-Tal wird im Norden von den Walliser Alpen und im Süden vom Gebirgsstock des Gran Paradiso abgeschirmt. Das führt im Talgrund der Dora Baltea zu extremer Trockenheit von nur rund 110 mm Niederschlag in den Monaten Juni bis August. Trockene Winde und eine hohe Einstrahlung verstärken die Austrocknung, so dass Bewässerung seit jeher unverzichtbar war. Bewässert wurden vor allem die Futterwiesen, aber auch Äcker und Rebflächen. Die Wasserzuleitungen nutzte man zusätzlich zur Trinkwasserversorgung und zum Betrieb von Mühlen, Sägereien und anderen Gewerben.

Heute ist ein großer Teil der alten Anlagen entweder unter der Siedlungsausdehnung verschwunden oder seit dem späten 19. Jh. durch verrohrte Leitungen und Stollen ersetzt worden. Trotz intensiver Auflassungstendenzen oder Umstellung auf verrohrte Zuleitungen und Sprinklerbewässerung sind einige Teilabschnitte der alten Rû offengehalten (z.B. der "Ru Cortot") und zu attraktiven Leitlinien eines qualitativen Wandertourismus geworden. (Leibundgut/Vonderstrass 2016)

Rübe

Pflanzenart aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Zu dieser Art gehören die wirtschaftlich bedeutenden Kulturformen Zuckerrübe, Rote Bete, Mangold und Futterrübe, die in der Unterart Beta vulgaris subsp. vulgaris zusammengefasst werden. Sie stammen von der Wilden Rübe (Beta vulgaris subsp. maritima) ab, welche an den Küsten Westeuropas und des Mittelmeeres bis nach Westasien vorkommt.

Rückbau

Vor allem die Aufhebung von Bodenversiegelungen unterschiedlichster Art, aber auch die Renaturierung von begradigten oder betonierten Fließgewässern. Ziel von Rückbaumaßnahmen ist eine Verminderung des Landschaftsverbrauchs und eine Erhöhung der Vielfalt von Ökosystemen in der Kulturlandschaft.

Rückenbau

Oft auch künstlicher Rückenbau; im Rahmen des traditionellen Kunstwiesenbaus erfolgte Umgestaltung der Wiesenoberflächen, wodurch die Wiesenparzellen leicht dachartige Strukturen erhielten, auf deren „First“ der Zuleiter und an deren „Trauf“ der Ableiter war. Infolge der Kolmatierung und der Ablagerung von Grabenaushub wurden die Rücken immer höher.

Beispiele finden sich u.a. im Siegerland und in den Vogesen.

Ruderalstellen

Im engeren Sinne Bezeichnung für nährstoffreiche Standorte, die unter dauerndem menschlichen Einfluss stehen und denen gewöhnlich eine echte Horizontbildung des Bodens fehlt. Ihr Untergrund zeichnet sich durch große Schwankungen der Temperatur und Feuchtigkeit aus. Beispiele sind Abfallhaufen, Müllplätze, unbebaute Grundstücke. Typische Pflanzen sind die Große Brennessel und der Sauerampfer. Im weiteren Sinne werden auch Wegränder und Feldraine als Ruderalstellen bezeichnet.

run

Spezialschaffarm in Australien zum Zwecke der Wollgewinnung.

Rundangerdorf

Rundplatzdorf mit zentralem Anger in Schleswig-Holstein. Alter und Genese sind unsicher, möglicherweise liegt eine Variante des Fortadorfes vor.

Rundling

Rundplatzdorf mit Hofstätten, die sektorenförmig um einen in Gemeinbesitz befindlichen Innenraum angeordnet sind. Ursprünglich war nur ein Zugang vorhanden. Geringe Größe, Lage am Rande von Feuchtland, aber auch von relativ trockenen Geestplatten, Seitenlage zu Verkehrswegen und abseits liegende Kirche sind weitere Kennzeichen.

Rundlinge treten vor allem im Hannoverschen Wendland, Mecklenburg, Pommern, Brandenburg, Thüringen und Sachsen mit allerdings ungleich großen und geschlossenen Verbreitungsgebieten auf. Ein Zusammenhang zwischen der Verbreitung dieses Siedlungstyps mit der mittelalterlichen deutschen Ostkolonisation (planmäßige Ansiedlungen gleichberechtigter Bauern) und auch mit dem Einfluss slawischer Volksstämme im deutsch-slawischen Grenzraum (Wenden) scheint offensichtlich. Die Erklärung der Genese ist aber umstritten. Heute geht die Tendenz dahin, im Rundling eine Modeform zeitlicher und regionaler Art zu sehen, bei der in Anlehnung an das schleswigsche Fortadorf der zentrale Dorfplatz auch als Einstellplatz für das Vieh während der Nacht diente.