Lexikon des Agrarraums

L

Lachgas

Siehe Distickstoffoxid

Ladangkultur

In den tropischen Regenwäldern Indonesiens verbreitete Form der Brandrodungswirtschaft.

Lägerflur

Gesellschaft aus großen, üppig wachsenden Pflanzen (z.B. Alpenampfer, Blauer Eisenhut, Große Brennessel), die um Stallungen z.B. auf Almen entsteht, wo durch den Kot des Viehs eine intensive Stickstoffanreicherung im Boden stattfindet. Weil auch nach Auflassen der Weidenutzung die Nährstoffe über viele Jahrzehnte im Boden erhalten bleiben und die Lägerflora sich von selbst stark ausbreitet, sind diese Standorte ohne menschliche Pflegemaßnahmen für andere Pflanzen für lange Zeit blockiert.

Laktationsperiode

Zeitabschnitt der Milchproduktion eines Muttertieres nach der Geburt von Nachkommen. Er kann bei Rindern von 230 bis über 650 Tage betragen.

Land Ordinance

Allgemein übliche Kurzform für Ordinance for ascertaining the mode of disposing lands in the western territory; es ist eine Bodenvergabeerlass der USA von 1785 zum Verkauf von bundeseigenen, vermessenen Flächen. Dabei wurden in öffentlichen Auktionen Flächen von einer Mindestgröße von zunächst 640 acres (256 ha) zu einem Mindestpreis von 1 $/acre versteigert. Das Verfahren blieb praktisch unverändert bis zum Homestead Act (1862).

Um die öffentlichen Schulsysteme zu finanzieren, wurde in der Land Ordinance erlassen, dass der Verkaufserlös von der 16. Sektion einer jeden Township (36 Sektions) zugunsten der einzurichtenden Schulen ging.

Nachwirkendes Element der Land Ordinance ist das von Th. Jefferson entworfene, quadratische Landvermessungssystem mit den Einheiten township (6 x 6 Meilen), section (1 x 1 Meile) und quarter section (½  x ½ Meile). In der Mitte einer township wurde eine section für Schulen und Verwaltungsgebäude freigelassen. Vier weitere sections behielt der Staat, die restlichen 31 sections konnten veräußert werden.

Dieses „Congressional Survey System“ oder „Ordinance Survey“ (nach der „Land Ordinance“ von 1785 genannt) deckt das gesamte Gebiet der USA ab mit Ausnahme folgender Staaten: Maine, Massachusetts, New Hampshire, Vermont, Rhode Island, Connecticut, New York, New Jersey, Pennsylvania, Virginia, West Virginia, Kentucky, Tennessee, North Carolina, South Carolina und Georgia. Weitere Ausnahmen sind kleine Gebiete in anderen Bundesstaaten, die unter spanischer oder französischer Herrschaft schon vermessen wurden; zum Beispiel ist im südlichen Illinois entlang des Mississippi River vereinzelt das französische „long lot system“ anzutreffen, bei dem Grundstücke mit ein paar hundert Meter entlang des Flusses und bis zu etwa eine Meile nach Inland gemessen wurden.

Wie auch in anderen jung kolonisierten, europäisch besiedelten Überseegebieten konnten historisch unbelastete Strukturen geschaffen werden. Die bisherige Wirtschaftsweise der autochthonen Bevölkerung hatte die Naturlandschaft kaum beeinflußt und eine Fixierung von Formalstrukturen der Landwirtschaft (z.B. Parzellengefüge, Wegenetz) fehlte.

Das völlig schematische System wurde, wo immer die Geländeverhältnisse es erlaubten, konsequent umgesetzt. Entsprechend herrschen in der ländlichen Kulturlandschaft der USA Einzelsiedlung und geschlossene Besitzblöcke bei rechtwinklig verlaufenden Besitzgrenzen vor. Wege und Straßen sowie alle Verwaltungsgrenzen verlaufen geradlinig von N nach S und von O nach W. In dieses Gitternetz fügen sich auch die Grundrisse der städtischen Siedlungen ein.

Das township-System umfasst alles Land westlich der Appalachen, d.h. rund ¾ der Gesamtfläche der USA. Ausgenommen sind Gebiete, in denen zuvor bereits die mexikanische Regierung andere Landvermessungssysteme eingerichtet hatte. Ähnliche schematische Einödfluren gibt es auch in Südafrika, Australien, Neuseeland und bei den neuzeitlichen Staatskolonisationen in Südamerika.

Vorteile des Systems:

Nachteile des Systems:

Die Land Ordinance von 1785

Nach dem Unabhängigkeitskrieg entstanden Pläne für eine systematische Landvermessung der Gebiet, die westlich der Appalachen, östlich des Mississippis, nördlich des noch von Spanien kontrollierten Floridas lagen und sich bis hin zur Südgrenze Kanadas erstreckten. Ein quadratisches Vermessungssystem wurde entwickelt, welches das Gebiet in Einheiten von 36 Quadratmeilen gliederte, die sog. Townships. Jede Township hatte 36 Sections, die 1 Quadratmeile (640 acres) groß waren. Jede Section sollte an siedlungswillige Bürger für nicht weniger als $ 1 pro acre verkauft werden.

Quelle: U.S. History Wiki

Land Sparing

Landnutzungsform, bei der auf einem Teil der landwirtschaftlich genutzten Fläche einer Region eine nachhaltige Intensivierung und Produktivitätssteigerung angestrengt wird, um andere Gebiete bzw. natürliche Habitate zu entlasten oder zu schonen. Während Erstere der Ertrags- und Ernährungssicherung dienen, stehen auf Letzteren Aspekte wie der Erhalt bzw. die Schaffung natürlicher Lebensräume, die Erhöhung der Biodiversität oder der natürlichen Kohlenstoff- und Wasserspeicherkapazität durch das Anlegen von z. B. Wäldern oder Feuchtgebieten im Vordergrund. Ziel des Land Sparing ist eine Kombination von Intensivierung auf den für die Landwirtschaft am besten geeigneten Flächen und der Erhalt natürlicher Habitate. Im Idealfall unterstützen die extensiv oder komplett aus der Produktion herausgenommenen Flächen die Produktivität auf den intensiv genutzten. Vor allem durch das globale Bevölkerungswachstum oder den Klimawandel erhält das Konzept des Land Sparing Auftrieb, um Produktivität und Nachhaltigkeit zu vereinen.

Landbau

Wirtschaftliche Nutzung des Bodens in der Form des landwirtschaftlichen Pflanzenbaus. Spezielle Formen des Landbaus sind Gartenbau, Obstbau und Weinbau.

(s. a. integrierter Landbau, konventioneller Landbau, ökologischer Landbau)

Landbewirtschaftung

Nach einer Definition der Agrarminister der deutschen Bundesländer von 1993 umfaßt der Begriff Landbewirtschaftung diejenigen Bereiche der Landwirtschaft, die dem Acker- und Pflanzenbau einschließlich der Grünlandbewirtschaftung und der Sonderkulturen (z.B. Garten-, Hopfen- und Weinbau) zuzuordnen sind.
Der Begriff ist trotz prominenten Gebrauchs z.B. in Gutachten allerdings oft sehr vage gehalten.
Eine weiter gefasstes Verständnis sollte die Forstwirtschaft, wie auch ausdrücklich die (extensive) Weidenutzung einbeziehen.

Landdegradation

Auch "Landzerstörung", ein in der UN-Wüstenkonvention gebrauchter Begriff, der die "Verringerung oder den Verlust der biologischen oder wirtschaftlichen Produktivität und der Vielseitigkeit von natürlich oder künstlich bewässerten Anbauflächen oder von Wiesen und Weiden, forstwirtschaftlich genutzten Flächen und Wäldern in ariden, semiariden und trockenen subhumiden Gebieten infolge der Nutzung des Landes oder infolge eines einzelnen oder mehrerer miteinander verknüpfter Prozesse einschließlich solcher, die sich aus menschlichen Tätigkeiten und Siedlungsmustern ergeben", bedeutet.
Der Begriff ist somit enger gefaßt als der Begriff Bodendegradation. Ferner beinhaltet er auch den langfristigen Verlust der Vegetation, eine Erscheinung, die auch ohne Degradation von Böden allein durch Wassermangel oder Übernutzung der Pflanzenbestände auftreten kann. Wird der Vegetationsverlust nicht von Bodendegradation begleitet, so ist er reversibel, wenn die Randbedingungen sich ändern.

Landentwicklung

Landentwicklung ist der Teil der Raumordnung, der die Planungs- und Entwicklungsstrategien des ländlichen Raumes integriert. Sie umfaßt somit die Planung, Vorbereitung und Durchführung aller Maßnahmen, die dazu geeignet sind, die Wohn-, Wirtschafts- und Erholungsfunktionen zu erhalten und zu verbessern.

Landeskultur

Ursprünglich allein die nachhaltige Erhöhung der Fruchtbarkeit und Ertragssicherheit land- und forstwirtschaftlicher Flächen. Nach dem Flurbereinigungsgesetz umfaßt der Begriff heute auch ökologische Aspekte. Landeskultur ist demnach alles Planen und Handeln, das darauf abzielt, das Naturpotential, insbesondere Wasser und Boden, bestmöglich zu gestalten und rationell zu nutzen; auch die Erhaltung dieses Potentials in bestmöglicher Qualität und Leistungsreife als Lebensgrundlage für die Allgemeinheit gehört zur Landeskultur. Zur Umsetzung von landeskulturellen Zielen trägt die Erhaltung von sogenannten ökologischen und landeskulturellen Vorrangflächen bei, zu denen sowohl Flächen gehören, auf denen künftig keinerlei landwirtschaftliche Nutzung mehr erfolgt, als auch halbnatürliche Biotope, die auf eine extensive Nutzung angewiesen sind. Gleichzeitig bieten sie zusammen mit der Vielfalt der Flächennutzung ein praktikables Bewertungskriterium für die Biotop- bzw. Artenschutzfunktion und für die Landschaftsästhetik des Agrarraums.

Ökologische und landeskulturelle Vorrangflächen im Agrarraum

Quelle: Roth u.a. 1996

Landespflege

Landespflege ist Bestandteil einer ökologisch gewichteten Raumplanung und Raumordnung, der auf den Schutz der Umwelt des Menschen zielt. Arbeitsgegenstand sind neben dem Naturraumpotential auch Wohn-, Industrie-, Forst-, Agrar- und Erholungsgebiete. Die Landespflege möchte einen Ausgleich zwischen den Ansprüchen der Gesellschaft an die Landschaftsökosysteme der Umwelt und dem Leistungsvermögen des Landschaftshaushaltes herstellen.

Landesplanung

Übergeordnete, überörtliche planende Tätigkeit für das Gebiet eines Bundeslandes oder einer Region auf der Grundlage des Raumordnungsgesetzes des Bundes und der Landesplanungsgesetze der Länder. Landesplanung stellt Programme und Pläne auf, stimmt raumbedeutsame Vorhaben mit Erfordernissen der Raumordnung ab.

Landflucht

Wanderungsbewegung größeren Ausmaßes - meist über eine längere Zeit anhaltend - aus dem ländlichen Raum in Städte (Urbanisierung) bzw. in Verdichtungsräume. Von Landflucht wird vor allem dann gesprochen, wenn die Wanderung aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt und mit einem Berufswechsel aus der Landwirtschaft in industrielle und gewerbliche Berufe mit besseren Verdienstmöglichkeiten einhergeht.

In Deutschland führte die Landflucht im 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht zu einer absoluten Verringerung der ländlichen Bevölkerung sondern zur Abnahme ihrer Zuwachsrate. Gegenwärtig ist Landflucht eines der Hauptprobleme der Entwicklungsländer. Sie stellt die städtischen Agglomerationen vor große Integrationsprobleme.

Landgewinnung

Die Gewinnung neuer Landflächen vor allem für die Land- und Forstwirtschaft, aber auch für Industrieansiedlung (z.B. in Japan). Im einzelnen kann die Landgewinnung folgende Maßnahmen umfassen:

  1. Das Eindeichen von Flachküstenbereichen
  2. Im Binnenland das Trockenlegen, z.T. auch Eindeichen und vor allem Auffüllen von kleinen oder größeren Wasserflächen.
  3. Das Urbarmachen von Halbwüsten, Steppen, Savannen und Ödland, auch wenn nur eine Umnutzung (z.B. Wechsel von extensiver Weidewirtschaft der Trockengebiete in Bewässerungs- oder Regenfeldbau) erfolgt.
  4. Durch Rekultivierung oder Bodenmelioration können Müllkippen, -deponien, Halden, frühere Industrieflächen oder ähnliche Flächen einer forstlichen oder landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden.

Landgrabbing

Der 2008 von der Nichtregierungsorganisation GRAIN geprägte Begriff Landgrabbing (dt. „Landnahme“, von engl. to grab = schnappen, grabschen). Er bezeichnet den Landerwerb durch internationale Agrarkonzerne, private Investoren und staatliche Akteure mittels langfristiger Pacht- oder Kaufverträge von großen Agrarflächen. Inzwischen wird der Begriff auch auf betroffene Flächen für den Bergbau, Tourismus oder auch die Forstwirtschaft angewendet.

Die negative Konnotation des Begriffes ist auf die mit der Landnahme einhergehenden negativen Folgen für die Bewohner der betroffenen Flächen zurückzuführen. Oftmals kommt es zu der Zerstörung der Existenzgrundlage von Kleinbauern bei der Neuanlage von Plantagen, die häufig ohne eine Entschädigung erfolgt. Durch die niedrige Entlohnung von lokalen Arbeitern werden versprochene wirtschaftliche Anreize nicht geschaffen oder durch den Zuzug fremder Arbeiter die Arbeitslosigkeit der lokalen Bevölkerung sogar verstärkt. Darüber hinaus kommt es bei der Anlage von Monokulturen mit intensivem Pestizid- und Mineraldüngereinsatz zu einem starken und schädlichen Eingriff in die Umwelt.

Ursachen für die Entwicklung

Zwischen 2006 und 2008 verdoppelte sich die Zahl der Landinvestitionen in 44 Ländern. Seit 2000 stiegen die Preise für Grundnahrungsmittel (abgebildet durch den FAO Nahrungspreisindex) und erreichten 2011 ein bis dahin nie gesehenes Hoch. Die treibenden Faktoren für diese rapide Entwicklung kann man in den drei sich beeinflussenden Bereichen Ernährung, Energie und Finanzen (food, fuel, finance) finden. Zum einen wird der Bedarf an Nahrung durch die wachsende Bevölkerung und sich verändernde Ernährungsgewohnheiten höher, gleichzeitig wird das landwirtschaftlich nutzbare Land durch Bevölkerungswachstum und Städtewachstum knapper. Darüber hinaus verschärfen Erosion und Desertifikation die Entwicklung in einigen Gebieten.

Auch die Erzeugung von Biomasse für die Energiegewinnung gewinnt immer stärker an Bedeutung und mit ihr geht die Verkleinerung der für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung stehenden Flächen einher. Befördert wurde dieser Prozess beispielweise auch durch die in Deutschland im Jahr 2006 als Biokraftstoffquotengesetz umgesetzte sogenannte Biokraftstoffrichtlinie des Europarates. Mit dem Gesetz wurde festgelegt, dass die Mineralölkonzerne einen festen und jährlich steigenden Anteil von Biokraftstoffen in den Verkehr zu bringen haben. Mit dieser Regelung soll eine Verringerung der Verbrennung mineralischer Kraftstoffe und so ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Konsequenterweise stieg die Nachfrage nach Biokraftstoffen auf dem Weltmarkt an. Der Anbau von Biokraftstoffen ist lukrativer und wird oft subventioniert. So kommt es, dass Land für Nahrungsmittel durch diese steigende Nachfrage nach Futtermitteln und Biokraftstoffen knapper wird.

In dem Maße, wie Bodenbesitz an finanzieller Bedeutung zunimmt, sind Landinvestitionen in das Blickfeld von Investoren gerückt. Ackerland wird als sichere Finanzanlage gesehen, eine Sichtweise, die durch die Immobilienkrise in den USA und die Unsicherheit an den globalen Finanzmärkten begünstigt wird. Spekulationen mit Nahrungsmitteln treiben zudem die Preise in die Höhe.

Neben den rein auf finanziellen Profit ausgerichteten Agrarinvestoren, privaten Investitionsfonds und Finanzinstitutionen gibt es Länder, die staatliche Landkäufe initiieren. Als Investoren sind hier vor allem Länder aus Asien (bspw. China, Malaysia, Südkorea) oder dem arabischen Raum (Saudi-Arabien, Kuwait) zu nennen. Diese Regionen verzeichnen einen stark ansteigenden Bedarf an Nahrungsmitteln, Futterpflanzen und anderen Agrarrohstoffen. Gleichzeitig verfügen sie über geringe eigene landwirtschaftliche Produktionsfläche und sind so von Nahrungsmittelimporten abhängig. Auch hier spielten die extremen Preisschwankungen im Zuge der Nahrungsmittelkrise 2007/2008 eine Rolle, ebenso wie die zeitweise verhängten Exporteinschränkungen von Grundnahrungsmitteln einiger Länder. Die Investoren wollen unabhängiger vom Weltmarkt und seinen Preisschwankungen sein.

Gleichzeitig werden Investitionen in die Landwirtschaft von der FAO, der Weltbank und der Afrikanischen Union als eines der wichtigsten Instrumente für Wirtschaftswachstum und eine Reduzierung der Armut gefördert. Länder werden dabei unterstützt, sich für ausländische Direktinvestitionen im landwirtschaftlichen Bereich zu öffnen, da so vor allem in den ländlichen Gebieten große Entwicklungsmöglichkeiten gesehen werden.

Ausmaß von Landgrabbing

Obgleich das Phänomen Landgrabbing bereits seit 2008 bekannt ist, gibt es wenige verlässliche globale Daten über die Verteilung und die Größe der in Anspruch genommenen Flächen sowie die geplante bzw. tatsächliche Nutzung dieser Flächen. Dies liegt zum einen daran, dass es aufgrund mangelnder Transparenz bei den Verhandlungen dieser Landdeals nur wenige Daten tatsächlich offen gelegt werden. Zum anderen benutzen Institutionen, die solche Daten sammeln, verschiedene Definitionen von Landgrabbing. Dies erschwert die Vergleichbarkeit und Überprüfbarkeit der bereitgestellten Informationen.

Die vom Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) 2012 verwendete Definition beschreibt Landgrabbing als einen Prozess, bei dem sich internationale aber auch einheimische Investoren durch langfristige Pacht- oder Kaufverträge große Ländereien in Entwicklungs- und Schwellenländern sichern. In dem Strategiepapier des BMZ wird die „Landcoalition“ zitiert, die schätzt, dass in den Jahren 2000 bis 2010 ca. 200 Mio. ha Land für Investitionen vergeben worden seien. Von diesen entfielen rund 130 Mio. ha auf Afrika. Laut einer 2011 erschienen Studie der Weltbank werden jedoch nur 20% der in der Studie untersuchten Investitionsvorhaben tatsächlich produktiv benutzt.

Deutsche Investitionen im Ausland

Deutsche Agrarunternehmen produzierten laut der unabhängigen Land Monitoring Initiative „LandMatrix“ im Jahr 2015 in Äthiopien, Ghana, Litauen, Madagaskar, Rumänien, Uganda, Tansania, Sambia und in Simbabwe. Die zahlenmäßigen meisten Investitionen befinden sich in Rumänien, die flächenmäßig größte Investition in Sambia. Während das angestrebte Investitionsziel in Osteuropa vorwiegend der Nahrungs- und Futtermittelsektor ist, sind für Biokraftstoffe vor allem die tropischen Länder interessant.

Investitionen in Deutschland

Verschiedenen Medienberichten zufolge sind vor allem Flächen in Brandenburg Deutschland beliebtes Investitionsziel. Die fünf größten Agrarinvestoren sind mit einer Ausnahme deutsche Firmen, die im Durchschnitt Flächen von 13.500 ha besitzen, während die durchschnittliche Betriebsgröße in Brandenburg bei 238ha liegt. 

Auswirkungen großflächiger Landinvestitionen

Während Landgrabbing global auftritt, also auch in Industriestaaten zu beobachten ist, sind die Folgen für ländliche Gemeinden und Kleinbauern in den Ländern des globalen Südens weitaus unmittelbarer. Die Weltbank und die FAO fördern die Investitionen als Mittel der Armutsbekämpfung und wirtschaftlichen Entwicklung als dringend nötig und sehen die Folgen als unbedingt positiv an. Denkfabriken, wie etwa das Okland Institute, internationale NGOs wie beispielsweise FIAN oder auch die LandMatrix, ein globaler Zusammenschluss von NGOs, universitärer und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen messen jedoch den Investitionen ein erhebliches kritisches Potential zu.

In den Zielländern im globalen Süden nimmt die Landwirtschaft einen hohen Anteil (oft 30-40%) am Bruttoinlandsprodukt ein und ist die größte Beschäftigungs- und Einkommenssparte für die Bevölkerung. Verlierer sind die Kleinbauern. Sie verfügen oft nicht über eingetragenen Nutzungs- oder Zugangsregeln für das Land. Sie verfügen über wenig oder kein Kapital, um Land zu kaufen. Bei Investitionen sind sie von Vertreibung bedroht, können aber nicht ausweichen. Es gibt keine alternative Beschäftigungs- und Erwerbsmöglichkeiten für sie. Bleiben sie, verschlechtert sich oft die Beschäftigungssituation, da auf den gepachteten Flächen intensive Landwirtschaft mit Hilfe von Maschinen, Düngemitteln und Pestiziden betrieben wird. Es werden weniger Menschen pro bearbeitete Fläche benötigt, die Beschäftigungseffekte der Investitionen bleiben hinter denen der Erwartungen zurück und können nur etwa die Hälfte der von Kleinbauern erreichen.

Weitere Informationen:

Landhandel

Großhandelsunternehmen als Elemente des Agribusiness, die landwirtschaftliche Erzeuger mit Saatgut, Düngemitteln, Maschinen u.a. beliefern und/oder deren Agrarprodukte (Getreide, Obst, Gemüse, Vieh u.a.) aufkaufen. Bei einer Übernahme der Finanzierung der Einsatzgüter bis zur Ernte bzw. Verkaufsfähigkeit besteht die Gefahr der Abhängigkeit des Erzeugers vom Landhandel. Hierin liegt die Ursache für die Gründung der landwirtschaftlichen Waren- und Verwertungsgenossenschaften.

Landimport

Bildlicher Ausdruck für die Inanspruchnahme von Agrarflächen im Ausland, von denen Agrarprodukte importiert werden. Beispielsweise importierte das Europa der 12 im Jahr 1990 netto, d.h. nach Abzug des Flächenbedarfs für seine Agrarexporte (ca. 97.000 km²), ca. 127.000 km² fruchtbaren Bodens. Deutschland benutzt ca. das 1,3fache der eigenen Agrarfläche, für die Niederlande gilt ein Faktor drei bis vier. Landimport kann im Kontext internationaler Warenströme so lange als unproblematisch angesehen werden, als Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung beachtet werden. Demgegenüber wird als eine der wesentlichen Ursachen für den sudanesischen Bürgerkrieg neben der Desertifikation und noch vor ethnischen Konflikten die Verdrängung der Kleinbauern aus der Subsistenzwirtschaft zugunsten von Exportkulturen für den (überwiegend) europäischen Markt angesehen.

ländliche Siedlung

Uneinheitlich definierter und gebrauchter Begriff zur Bezeichnung der in großer genetischer, funktionaler, physiognomischer und sozialer Vielfalt auftretenden Siedlungen im ländlich geprägten Raum.

Beispielhaft folgen drei jüngere Definitionen:

  1. Siedlung, deren Bevölkerung die Pflanzen- und Tierwelt zur Erlangung von Nahrung und Kleidung für die Eigenversorgung nutzt sowie die gewonnenen Erzeugnisse teilweise vermarktet. Die ländlichen Siedlungen umfassen demnach die Lagerplätze der Wildbeuter, die Zeltlager der Jäger und Hirtennomaden, die standfesten Orte der Halbnomaden und die kleineren oder größeren Wohnplätze der Seßhaften, sofern sie auf Hack- oder Pflugbau, auf Garten- oder Plantagenbau, auf Fischfang oder Pelztierzucht beruhen, unter Hinzuziehung der jeweiligen Wirtschaftsfläche. (G. Schwarz, 1989)
  2. Eine im ländlichen Raum liegende und mit diesem funktional eng verknüpfte Siedlung, auch wenn sie funktional und physiognomisch nicht von der Land- und Forstwirtschaft (mit)geprägt ist. (C. Lienau, 1995)
  3. Von einer ländlichen Siedlung ist in Mitteleuropa zu sprechen, wenn im äußeren Bild der Siedlung das heutige oder frühere Vorherrschen agrarischer Wirtschaftsformen prägend wirkt. Vor allem das Überdauern von Bausubstanz, die ursprünglich "ländlichem" Wohnen und Wirtschaften diente, sollte als kennzeichnendes Merkmal ländlicher Siedlungen angesehen werden. (G. Henkel, 1993)

Aus den Eigenschaften des ländlichen Raumes in Mitteleuropa ergeben sich für die dortigen ländlichen Siedlungen folgende physiognomischen und funktionalen Eigenschaften:

Als Prozesse vollziehen sich in den ländlichen Siedlungen eine fortlaufende Entagrarisierung, eine Abnahme der ökonomischen Bedeutung und der Vorgang eines gesellschaftlich obsolet werdenden Wertgefüges des Bauerntums. Sie sind verbunden mit einer wachsenden Statusunsicherheit und einer Identitätskrise.
Hinsichtlich der Siedlungsgröße gilt für Mitteleuropa eine Klassifizierung, die im wesentlichen von der Anzahl der Hausstellen ausgeht. Weitere größenbezogene Merkmale können sein: Anzahl der Wohneinheiten, übrige Bebauung, Umfang der bebauten Fläche oder Anzahl der Einwohner.

Größenklassen ländlicher Siedlungen in Mitteleuropa

Quelle: Lienau, 1995 (verändert)

Die Wohnstätten der ländlichen Siedlungen, unter denen die eigentlichen Wohnräume und - sofern vorhanden - auch die Wirtschaftsräume zu verstehen sind, bestimmen durch ihre Form und Lage das Erscheinungsbild der Siedlung und letztlich auch der Landschaft. Baumaterial und Bauform von Hütten, Zelten, Häusern oder Gehöften sind abhängig von der Landschaftsausstattung und den Wirtschaftsformen.

Weitere Unterscheidungskriterien sind die Lage der Siedlungen sowie deren Benutzungsdauer, die von ephemer (flüchtig) über temporär bis zu permanent reichen kann. Beide sind stark bedingt von der Lebens- und Wirtschaftsform.

Von den ländlichen Siedlungen im eigentlichen Sinne sind eine Vielfalt von Siedlungen der anautarken Wirtschaftskultur zu unterscheiden, die zwischen Land und Stadt stehen. Die folgende Liste differenziert nicht zwischen historischen und aktuellen Typen:

Der oben erwähnte Prozeß der Entagrarisierung legt die Frage nach der Akzeptanz der Landwirtschaft im Gefüge der ländlichen Siedlung nahe. Eine jüngere empirische Untersuchung (Nolten 1998) in 14 west- und ostdeutschen Dörfern belegt diesbezüglich einen nicht unerheblichen Beitrag landwirtschaftlicher Emissionen zu Spannungen zwischen landwirtschaftlichen und nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerungsteilen. Als die bedeutendsten Belästigungsfaktoren werden der Geruch von Gülle, Mist oder Silage, verschmutzte Straßen und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln angeführt. Trotz des weit verbreiteten Gefühls der Belästigung durch landwirtschaftliche Emissionen sprechen sich drei Viertel der Befragten gegen eine Trennung der landwirtschaftlichen Betriebe von den dörflichen Wohngebieten und damit für einen Verbleib der Landwirtschaft im Ort aus.

ländliche Siedlungsform

Darunter versteht man die aus der (Gesamt-)Größe, der Grundrißform von Hofreiten, Straßen, Wegen, Plätzen, Freiflächen und Gärten (zentrales Kriterium), der Anzahl der jeweiligen Elemente, gegebenenfalls vorhandenen Befestigungsanlagen, Zäunen u.ä. sowie der Bebauungsdichte resultierende Siedlungsgestalt. Aufriss und Form der Gebäude finden trotz ihrer Aussagekraft für die Siedlungsentwicklung i.d.R. keine Beachtung, ebensowenig die Flurform. Beides gehört jedoch zu einer Gesamtbetrachtung und Analyse des Siedlungsbildes.

Als Kriterien gelten üblicherweise:

Die Grundrissform ist das Ergebnis planender Gestaltung (regelmäßiger Grundriss) oder spontaner Entstehung und Entwicklung (unregelmäßiger Grundriss), wobei beide Prozesse wechselhaft sich ablösen können. In Mitteleuropa lassen sich Alt- und Jungsiedelräume mit jeweils typischen Merkmalskombinationen unterscheiden.
Nach Art der Anordnung der Behausungsstätten in Verbindung mit den Freiflächen werden von Lienau (1995) folgende Grundformen unterschieden:

Lineare Siedlung (Linearsiedlung)

Linear heißt, daß die Haus- und Hofstätten reihenförmig angeordnet sind. Es können eine oder zwei parallele Reihen vorliegen. Zeilen sind geradlinige, kurze und dichte Reihen. Bei allen linearen Siedlungsformen muß der Verlauf der die Siedlungsachse bildenden Linie keineswegs geradlinig sein. Sie erhalten regelhaften oder schematischen Charakter aufgrund gleicher Merkmale in Form, Größe und Abstand der Hofreiten und Hausgärten sowie der formalen Gestaltung der äußeren Wohnplatzbegrenzung. Oft folgen die Siedlungen natürlichen Leitlinien wie Tälern, Flußläufen oder Terrassenrändern.
Lineare Siedlungen in außereuropäischen Räumen gehen z.T. auf das europäische Vorbild zurück, so die Flußhufensiedlungen der französischen Kolonisten am St. Lorenz und am Mississippi.
Für die nach Form, Funktion und Genese unterschiedlichen Typen von Linearsiedlungen bestehen u.a. folgende Begriffe: Reihendorf (-weiler), Waldhufendorf, Marschhufendorf, Hagenhufendorf, Radial(wald)hufendorf, Moorhufendorf, Fehnsiedlung, Straßendorf, Gassendorf, Sackgassendorf.

Platzbestimmte (polare) Siedlung (Platzsiedlung)

Platzsiedlung ist der Oberbegriff für alle Siedlungstypen, bei denen ein Platz (Anger) das zentrale Grundrißelement bildet, und um das herum die Behausungen angeordnet sind. Die zentrale, in Gemeinbesitz befindliche Fläche dient den unterschiedlichsten Zwecken (Schauplatz für öffentliches Leben, Kirche, Schule, Löschteich, Allmendweide). Ihre Form kann rund, oval, rechteckig, quadratisch oder schmal und langgestreckt sein. Platzsiedlungen sind gewöhnlich planmäßig angelegt. In der Regel besitzen Platzsiedlungen eine Gemengeflur. Zum Typus Platzsiedlung gehören u.a.: Rundling, Angerdorf, Fortadorf, runde Krale afrikanischer Nomaden. Polar und locker verbaut ist der unregelmäßige Drubbel in der norddeeutschen Geest.

Siedlung mit flächigem Grundriss
(mit unregelmäßigem Grundriss: Haufensiedlung - mit regelmäßigem Grundriss: geregelte Straßennetzanlage)

Das unregelmäßig-flächige Haufendorf ist der häufigste Formentyp überhaupt. Die Straßen- oder Wegeführung kann sternförmig, verschlungen unregelmäßig, sackgassenförmig oder andersförmig sein. Block- oder/und Streifengemengeflur sind typisch. Eine spontane Entstehung und gewachsene Entwicklung kennzeichnet diesen Typus. Zu ihm gehören: Etterdorf, Gewanndorf, Wegedorf, Zellenhaufendorf, Siedlungen ohne eigene Bezeichnung, wie die orientalischen Haufendörfer (Sackgassen, unregelmäßige kleine Plätze) oder die chinesischen und japanischen Haufendörfer (zentrifugale Wegenetze).

Typischer Vertreter flächiger Siedlungen mit regelmäßigem Wege- oder Straßennetz ist die Schachbrettsiedlung. Variationen sind häufig. Verbreitungsräume sind die Neue Welt, in Europa mit flächenhaftem Auftreten nur in jungen Kolonialgebieten (Banat), sonst vielfach nach Wiederaufbau eines durch Krieg oder Brand zerstörten älteren Dorfes.

Zwischen den Grundrisstypen linear, polar und flächig bestehen zahlreiche Übergänge und Kombinationsformen, die insbesondere durch spätere Überprägung entstanden. Seit dem 19 Jh. erfährt dieses Formengefüge bedeutende Veränderungen. Die traditionellen Formen ländlicher Siedlungen werden als Folge des Bevölkerungswachstums durch meist regelmäßig angelegte Wachstumsspitzen und -ringe erweitert, städtische Haustypen verdrängen bäuerliche Gebäudeformen, letztere erfahren partielle oder totale Funktionswandel. Diese Prozesse vollziehen sich verstärkt im Stadtumland.

Einflussgrößen ländlicher Siedlungsformen
Einflussgrößen ländlicher Siedlungsformen

Quelle: Lienau 1995, leicht verändert

ländlicher Raum

In einer weit gefassten und globalen Auffassung ist ein ländlicher Raum (engl. rural area) ein geographischer Raum, der sich außerhalb von Städten und Agglomerationen befindet. Typischerweise hat ein ländlicher Raum eine geringe Bevölkerungsdichte und kleine Siedlungen. Auch werden ländliche Räume traditionell mit Land- und Forstwirtschaft verbunden, insbesondere weil die Flächennutzung und das Landschaftsbild durch diese Funktionen bestimmt werden.

Während bis an die Schwelle des Industriezeitalters die Grenzen zwischen Stadt und Land z.B. in Deutschland rechtlich fixiert und physiognomisch eindeutig erkennbar waren, sind sie seitdem fließend geworden.

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ländlicher Tourismus

Auch Landtourismus oder Agrotourismus; Form des Tourismus, der als Betriebszweig eines landwirtschaftlichen Betriebes einen wesentlichen Beitrag zur Diversifizierung und zur Einkommenssicherung leisten kann. Der ländliche Tourismus hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Wurde früher diese Urlaubsform vor allem wegen seines günstigen Preises gewählt, so sind heute zunehmend auch andere Kriterien ausschlaggebend, wie Ruhe, und Naturnähe, Erlebniswelt für Kinder, persönliche Atmosphäre und das Kennenlernen ländlicher Traditionen.

Viele Höfe haben vielseitige Aktivitäten für eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung entwickelt, darunter "Abenteuerurlaub für jung gebliebene Erwachsene", "Lernort Bauernhof", Nordic Walking oder Kutschfahrten.

Im weiter gefassten Verständnis umfasst der ländliche Tourismus neben den traditionellen auf die Landwirtschaft (Agrotourismus) und Regionalkultur gestützten Angeboten auch Aktivitäten wie Radtourismus ("Radeln von Hof zu Hof mit GPS"), Wandern oder Wintersport, die sich auf die Freizeitnutzung der Kultur- und Naturlandschaften beziehen. Letztlich gehört auch der sich im ländlichen Raum abspielende Festivaltourismus dazu, ob mit Klassik-Angebot (Schleswig-Holstein Musik Festival), Heavy Metal (W:O:A) oder Rock (Southside).

Ländlichem Tourismus wird ein hohes Umsetzungspotential von Zielen nachhaltiger Entwicklung im ländlichen Raum zugeschrieben.

Beiträge des ländlichen Tourismus zu einer nachhaltigen Regionalentwicklung
  • Nutzung regionaler Potentiale (Kulturlandschaft, Arbeitskräfte, traditionelle Bausubstanz, Kapital vorwiegend aus der Region)
  • Tourismusform, die in das bestehende gesellschaftliche Gefüge integriert werden kann
  • Kein Überschreiten der ökologischen Tragfähigkeit, z.B. durch Zersiedlung mit artfremder Überbauung, vielmehr Ansatzpunkte zur Verwirklichung regionaler Kreisläufe von der Produktion, Verarbeitung, Vermarktung bis zum Verbrauch und zur regionalen Wiederverwertung
  • Beitrag zur Diversifizierung der regionalen Wirtschaftsstruktur, Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze
  • Große Einflußmöglichkeit und Gestaltungsfreiheit der gastgebenden Bevölkerung hinsichtlich der touristischen Entwicklung der Region sowie vergleichsweise hohe Teilhabe an den Gewinnen des Tourismus als Folge der Konzentration vieler touristischer Aufgaben (u.a. Beherbergung, Informationsvermittlung) bei den Gastgebern
  • Umwelt- und Bewusstseinsbildung beim Kontakt mit den natürlichen Lebensgrundlagen Pflanzen- und Tierproduktion), durch umweltverträgliche Freizeitangebote, Kurse zu Vollwerternährung, Hinweise auf Bezugsquellen von ökologisch hergestellten Lebensmitteln, Unterbringung in Gebäuden aus ökologischen Materialien
  • Verbesserung und Intensivierung der Beziehungen zwischen Stadt- und Landbevölkerung

Weitere Informationen:

Landmanagement

Landmanagement stellt einen Ansatz dar, Landnutzungsansprüche und daraus resultierende Konkurrenzen und Konflikte um Land, in einer Gesamtperspektive zu betrachten und damit bisher getrennt behandelte Themenbereiche der Landnutzung, insbesondere Siedlungs- und Verkehrswesen mit Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, zusammenzuführen. Mit Bezug auf bisher sektoral geprägte Diskussions- und Handlungsstränge entwickelt Verbundforschung zum Nachhaltigen Landmanagement Ansätze, die sich mit der Komplexität der bestimmenden Steuerungsinstrumente und der Generierung von Systemlösungen auseinandersetzen.

Mit der Vielfalt menschlicher Nutzungsansprüche geht eine intensive Beanspruchung von Land und natürlichen Ressourcen, verstanden im Sinne komplexer Mensch-Umwelt-Interaktionen, einher. Resultierende Änderungen der Landbedeckung und der Verteilung der Landnutzungsarten rufen jedoch regionale Nutzungskonflikte hervor, die sowohl innerhalb einer Landnutzungsart als auch zwischen verschiedenen Landnutzungsarten auftreten. Beispiele für solche Konfliktkonstellationen bestehen z.B. in der auch unter dem Begriff „Tank oder Teller“ geführten Kontroverse um die Nutzung von Ackerfläche für den Anbau von Nahrungsmitteln oder von Pflanzen zur Erzeugung erneuerbarer Energien. Ebenso gehören die Flächeninanspruchnahme durch neue Siedlungsgebiete (‚Versiegelung‘, siehe auch Flächenmanagement) einerseits oder landwirtschaftliche Nutzung andererseits zu häufigen Konfliktsituationen der Landnutzung.

Gründe für eine Intensivierung dieser Konfliktkonstellationen liegen in einer Vielzahl von Treibern, die Landnutzungswandel auslösen und aufeinander einwirken: Dazu zählen der Klimawandel mit den damit einhergehenden veränderten Anbaubedingungen ebenso wie die aus Urbanisierungsprozessen resultierende Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke. Damit im Zusammenhang wiederum stehen die mit dem demographischen Wandel verbundenen Wanderungsbewegungen sowie der steigende Nahrungsmittel- und Energiebedarf einer wachsenden Weltbevölkerung. Zudem führen diese Entwicklungen auch zu intensiveren und zugleich komplexer werdenden Wechselwirkungen zwischen städtisch und ländlich geprägten Räumen.

Gleichzeitig steht der Umgang mit der Ressource Land veränderten politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gegenüber, die in der Prominenz des Nachhaltigkeitsdiskurses, einem entsprechenden gesellschaftlichen Wertewandel, aber zunehmend auch in politischen Prioritätensetzungen begründet liegen. Dazu zählen verschiedene sektorale Diskurse unterschiedlicher Themenbereiche sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene, vor allem die Klima- und Energiepolitik mit dem Paradigmenwechsel zu erneuerbaren Energieträgern, die Agrarpolitik mit dem ‚Greening‘ als zentralem Element, die Politik zur Biodiversität sowie die Wasserpolitik.

In diesen Nutzungskonflikten und Treibern des Landnutzungswandels liegt die Entwicklung des seit einigen Jahren aus Perspektive der Nachhaltigkeit geführten Diskurses zum Thema „Landmanagement“ begründet.

Weitere Informationen:

Landnahme

Inbesitznahme größerer Landflächen durch Menschengruppen mittels kriegerischer Eroberung oder durch friedliche Besitzergreifung zum Zwecke der dauernden Besiedlung und Bewirtschaftung.

Historisch bedeutet Landnahme die Besiedlung eines Territoriums durch ein Volk oder eine Volksgruppe, mitunter als Endpunkt einer vorherigen territorial unsteten Lebensweise. Davon zu unterscheiden sind Kolonisierung und Kolonialismus, die von einem Mutterland ausgehen und Erweiterungen des Einflussgebietes darstellen.

Die entsprechende geschichtliche Epoche des jeweiligen Volkes wird auch als dessen Landnahmezeit bezeichnet. Der Begriff Landnahme umfasst dabei jede Ansiedelung auf fremden Gebieten, seien sie menschenleer, herrschaftslos oder bereits besiedelt, seien sie gewaltsam erobert oder durch friedliche Einwanderung eingenommen. Bei einer bereits ansässigen Bevölkerung kann es zu einer Vermischung oder einer Verdrängung kommen.

Landnahme in der Neuzeit

Eine sozialreformerisch motivierte Landnahme praktizierten ab Mitte des 17. Jahrhunderts die Diggers in England. In Nordamerika hatte die individuelle Landnahme durch Squatter weitreichende Bedeutung für die Besiedelung des amerikanischen Westens. Die spätere Legalisierung wurde nach und nach durch einzelstaatliche Gesetze und 1862 mit dem bundesweit geltenden Heimstättengesetz (Homestead Act) erreicht.

Einen Sonderfall aus der neueren Geschichte stellt der Staat Israel dar. Grundlage ist die Balfour-Deklaration von 1917, in der das Vereinigte Königreich seine Unterstützung für die Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina zusicherte. Diese Landnahme sollte eigentlich friedlich und ohne Verdrängung der ansässigen Bevölkerung geschehen.

Der Begriff Landnahme wird in den vergangenen Jahren auch dem englischen Land Grabbing beigestellt, zu dem es noch keinen allgemein akzeptierten deutschen Begriff gibt.

Landnutzung

Bezeichnung für die Inwertsetzung der Landoberfläche durch den Menschen. Bei speziell landwirtschaftlicher Nutzung spricht man häufig von Bodennutzung. Gelegentlich wird der Begriff Bodennutzung auch synonym zu Landnutzung verwendet.

Eine umfassendere Definition untergliedert den Begriff Landnutzung in zwei Kategorien, die eng verflochten sind:

Eine weitere Definition findet sich im IPCC-Bericht 2007:

Globale Veränderungen in der Landnutzung zwischen 1882 und 1991

Quelle: Manshard u. Mäckel 1995

Landnutzung, Grenzen der

Ebenso wie die Grenzen der Besiedlung (Ökumene/Anökumene) lassen sich auch die Grenzen der agrarischen Landnutzung nur schwer bestimmen. Die tatsächlichen Anbaugrenzen bleiben meist hinter den theoretisch möglichen zurück, weil sie nicht nur von den Naturgrundlagen, sondern auch von der Rentabilität abhängen.
Auf der physiogeographischen Seite sind Klima und Relief die wichtigsten Faktoren der Nutzungsgrenzen, die sich für den Feldbau am deutlichsten fassen lassen. Andererseits sind klimatische Faktoren keine unverrückbaren Grenzmarken: Durch die Züchtung beispielsweise von in kürzerer Zeit zur Reife gelangender Getreidearten oder Kartoffelsorten kann die Kältegrenze weiter hinausgeschoben werden.
Die Kältegrenzen liegen dort, wo mit zunehmender geographischer Breite (Polargrenze) oder zunehmender Höhe (Höhengrenze) die Temperaturen für den Anbau von Kulturpflanzen zu niedrig werden. Die Polargrenze rückt auf der wintermilden Westseite und im sommerwarmen Inneren der Nordkontinente weiter polwärts vor als im Osten.

Polargrenzen von Kulturpflanzen in Breitengraden

Die Höhengrenze trennt die höheren Gebirgsteile inselartig von den genutzten tieferen Gebieten und geht in hohen Breiten in die Polargrenze über. Die Höhengrenze steigt i.a. mit den Temperaturen von den Polen zum Äquator hin an. Sie wird jedoch nicht nur von der Breitenlage bestimmt, sondern auch durch Niederschlagshöhe, Ozeanität oder Kontinentalität des Klimas, Hangexposition und Massenerhebung der Gebirge variiert. So liegen die höchsten Grenzen des Anbaus nicht in den äquatornahen Feuchttropen, sondern mit weit über 4.000 m in Tibet und im Punablock der Anden, wo das trockenere Klima und der Masseneffekt der Gebirge die Temperaturen erhöhen.

Höhengrenzen von Kulturpflanzen,
die sowohl in gemäßigten Breiten
wie auch in tropischen Gebirgen gedeihen
Höhengrenzen für subtropisch-tropische Gewächse

In den warmen Tropen gibt es wegen zu hoher Temperaturen für manche Pflanzen auch eine Untergrenze; so werden z.B. 1.000 m von Weizen und Kartoffeln, 700 m von europäischen Getreidearten oder 500 m von Tee kaum unterschritten.
Die Trockengrenze scheidet innerhalb der Nutzfläche der Erde Räume aus, die infolge geringer Niederschläge und hoher Verdunstung die Agrarwirtschaft verbieten. Die Trockengrenzen der einzelnen Kulturpflanzen richten sich nach dem jeweiligen Wasserbedarf.

Mindestwerte der Niederschlagsmittel
für einzelne Kulturpflanzen in mm/Jahr

Feuchtgrenzen umschließen azonale Gebiete, die durch Überschwemmungen, Moorbildung oder wasserstauende Böden eine Nutzung ausschließen.

(s. a. Anbaugrenzen)

Landnutzungsänderung

Begriff, der sich auf eine Änderung in der Nutzung oder Bewirtschaftung des Landes durch den Menschen bezieht, die zu Bodenbedeckungsänderungen führen kann. Bodenbedeckungs- und Nutzungsänderungen können Auswirkungen auf das Rückstrahlvermögen von Oberflächen, Verdunstung, Quellen und Senken von Treibhausgasen oder auf andere Eigenschaften des Klimasystems haben und können deshalb einen Einfluss auf das lokale oder globale Klima bewirken.

Die Nutzung von Böden als Acker oder Grünland sowie Umwandlungen von Acker- in Grünland oder umgekehrt führen zu Veränderungen des Bodenkohlenstoffs. Damit werden Treibhausgase, hauptsächlich Kohlenstoffdioxid, fixiert oder freigesetzt. Ebenso tragen Aufforstung, Entwaldung und Waldbewirtschaftung zu Veränderungen im Kohlenstoffhaushalt bei und sind damit klimawirksam. Die Treibhausgasemissionen in diesen Bereichen werden als Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forst erfasst und unter der international gebräuchlichen Bezeichnung LULUCF (Land Use, Land Use Change and Forestry) abgekürzt. Aufgrund methodischer Unsicherheiten war die Anrechnung der Emissionen des LULUCF-Bereichs bislang nicht verpflichtend, soll aber bei der zukünftigen Klimapolitik Berücksichtigung finden.

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Landraub

Landraub im Sinne des international üblichen Terminus Land Grabbing bezeichnet Investitionen in Pacht oder Kauf von Landflächen, insbesondere Agrarflächen oder agrarisch nutzbare Flächen, bei dem Investoren die Rechte und Bedürfnisse ländlicher Bevölkerungsgruppen, die das Land bearbeiteten oder davon lebten, ignorieren. Die Definitionen sind sehr uneinheitlich, insbesondere was die Größe der jeweils betroffenen Fläche betrifft.

Zum Teil sollen die Investitionen in (Agrar)land die Nahrungsmittelversorgung sichern helfen, häufig geht es aber auch nur um die profitablere Herstellung von Nahrungsmitteln oder anderen Agrargütern für den Verkauf auf dem Weltmarkt oder um Bodenspekulation.

Dabei bewegen sich die internationalen Investoren ebenso wie die staatlichen, halbstaatlichen oder privaten Verkäufer oft in Grauzonen des Rechts und in einem Niemandsland zwischen traditionellen Landrechten und modernen Eigentumsverhältnissen. Häufig könnte man bei Landgrabbing von einer Landreform von oben sprechen oder der Etablierung neuer, privatwirtschaftlicher Kolonialverhältnisse.

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Landschaft

Ein beliebig ausgedehnter räumlicher Ausschnitt aus der Geosphäre, der seine spezifische Charakteristik aus der Einheit der Naturraumbedingungen, deren Beeinflussung und gegebenenfalls ihrer Nutzung durch den Menschen bezieht. Landschaft ist ein nach Struktur (Landschaftsbild) und Funktion (Landschaftshaushalt) geprägter, als Einheit aufzufassender Ausschnitt der Erdoberfläche, aus einem Gefüge von Ökosystemen oder Ökotopen bestehend.

Landschaft gilt als offenes stoffliches und/oder energetisches System, das sich in einem dynamischen Gleichgewicht befindet und eine gewisse Amplitude aufweist. In das System kann der Mensch gestaltend oder auch zerstörend eingreifen. Landschaft kann an natürlichen oder anthropogen verursachten Grenzen oder Grenzsäumen von anderen Landschaftseinheiten abgetrennt werden. Eine Naturlandschaft wird überwiegend von naturbedingten, eine Kulturlandschaft überwiegend von kulturbedingten Ökosystemen eingenommen. Eine integrierende Landschaftsdefinition hat sich in den Naturwissenschaften bislang nicht durchgesetzt. Hingegen orientiert sich die Landschaftsbetrachtung in den Einzelgebieten stark am disziplinären Forschungsgegenstand.

(s. a. Agrarlandschaft, Kulturlandschaft, Naturlandschaft)

Landschaftsbewertung

Vergleich von naturwissenschaftlich ermittelten und definierten Merkmalen und Zahlenwerten mit gesellschaftlich bestimmten Werten. Die Landschaftsbewertung dient der Messung des Erholungs-/Freizeitwertes eines Gebietes anhand definierter Kriterien als Grundlage der Raumplanung. Problematisch ist die Bewertung und Gewichtung der einzelnen Kriterien, da den unterschiedlichen Motivationsstrukturen und Aktivitätsmustern der verschiedenen Nachfragergruppen Rechnung getragen werden muß.

(s. a. Landschaftsbild)

Landschaftsbild

Die sinnlich wahrnehmbare Gesamtheit der landschaftsprägenden Einzelelemente eines unterschiedlich großen Ausschnittes der Erdoberfläche. Visuell wahrnehmbar sind in Landschaften Größe, Formen, Farben, stoffliche Beschaffenheit, äußere Gliederung, Vielfalt und Abwechslungsreichtum von Landschaftselementen. Zusammen mit von anderen Sinnen aufnehmbare Eigenschaften (Düfte, Gerüche, Aerosole, Lufttemperaturen, Schwüle und Frische, Luftbewegungen) bilden sie die Erlebniswerte der Landschaft und wirken auf die Psyche und den Gesamtorganismus des Menschen ein.
Das Landschaftsbild beinhaltet neben den objektiv darstellbaren Strukturen der realen Landschaft subjektiv-ästhetische Wertmaßstäbe des Betrachters.
Wesentlichen Einfluß auf das Landschaftsbild besitzt seit jeher die Landwirtschaft. Ihre Spezialisierung und Intensivierung führte in den letzten Dekaden - analog zu den Verlusten an Biodiversität seit der Mitte des 20. Jahrhunderts - in vielen Agrarlandschaften zu einem Verlust der landschaftlichen Vielfalt, die zuvor in Jahrhunderten landwirtschaftlicher Nutzung entstanden war. Besonders durch Flurbereinigungen wurden Standortunterschiede nivelliert, verschwanden belebende und gliedernde Landschaftselemente oder gingen in die Agrarlandschaft eingestreute naturnähere Biotope verloren.
Zur Bewertung des Landschaftsbildes, das vor allem für die Erholungseignung von Bedeutung ist, können "objektive" und subjektive Ansätze herangezogen werden. Erstere sind Verfahren, bei denen gewöhnlich aus verschiedenen Parametern eine Kennzahl errechnet wird, die den Landschaftswert ausdrücken soll. Solche Parameter sind beispielsweise:

Beispielparameter zur Ermittlung des Landschaftswertes

Auf eine (fragwürdige) Objektivierung wird bei Verfahren der visuellen Landschaftsbildbewertung verzichtet. Hierbei werden Testpersonen bestimmte definierte Landschaftsfotos vorgelegt und Wertzuweisungen somit empirisch ermittelt.
Danach leisten folgende Landschaftselemente und Landnutzungstypen einen hohen Beitrag zum Freizeit- und Erholungswert einer Landschaft, vor allem dann, wenn sie als Nutzungsmix vorkommen:

Landschaftselemente und Landnutzungstypen,
die den Freizeit- und Erholungswert einer Landschaft erhöhen

Aus Untersuchungen wird deutlich, daß eine Landschaft mit hoher Eignung für Erholungszwecke auch weitgehend den Anforderungen des Naturschutzes genügt. (Landschaftselemente)

Landschaftsgarten

Im 18. Jh. in England entstehender Garten- oder Landschaftstypus, der sich in der Folge in ganz Europa verbreitete. In bewusster Abgrenzung gegenüber dem Barock-Garten zielt der Landschaftsgarten auf eine natürliche Gartengestaltung ab, die sich ästhetisch u.a. konkretisiert im Einbezug der umgebenden Landschaft (u.a. durch Ahas), in weiten, durch Clumps aufgelockerten Rasenflächen, in einem an der inneren Gartengrenze herumgeführten Belt walk, in der Bevorzugung natürlich anmutender Seen gegenüber geometrischen Bassins, in der Ablehnung von geraden Achsen, was z.B. zur Forderung nach in s-förmig geführten Wegen und Uferböschungen führte, usw.

Derartig gestalteten Gärten, die zudem mit vielfältigen Staffagebauten angereichert sein können, können unterschiedliche gartentheoretische Auffassungen zugrunde liegen: Die Forderung nach einer natürlichen Gestaltung kann dem Denken der Aufklärung entwachsen (so wie die Freiheit des Menschen im Naturrecht begründet ist, so hat die Natur ihrerseits frei von domestizierenden Eingriffen des Menschen zu sein), in einer göttlich gedachten Natur kann dieser Ort einer religiösen Natur- und Gotteserfahrung sein oder aber auch nur einfach ein Ort, an dem malerisch-pittoreske Landschaftsbilder fühlend genossenen werden können. Die Umwandlung bestehender Barock-Gärten in Landschaftsgärten wurde in England mitunter auch dadurch beflügelt, dass der damit verbundene Übergang zur Weidewirtschaft ökonomisch lukrativ war.
Heute bezeichnen die Begriffe Landschaftsgarten und Landschaftspark eine verhältnismäßig große, nach bestimmten Vorstellungen der Gartenkunst beziehungsweise Landschaftsarchitektur als Landschaft gestaltete Fläche, die sich durch ihre natürlichen, landschaftlichen oder kulturellen Eigenschaften auszeichnet. Sie dienen vornehmlich der Erhaltung und Aufwertung von Natur, Landschaft und Kultur und sollen die Lebensqualität der Bevölkerung fördern und, als weicher Standortfaktor, die Wirtschaft stärken. Damit ist der Landschaftspark weder ausschließlich Naturraum noch Grünanlage oder Erholungsgebiet und grenzt sich von Nationalpark und Naturpark ab.

Landschaftsmonitoring

Systematische Beobachtung und Prognose von Zustand und Dynamik natürlich-technischer Ökosysteme (d.h. der Landschaft), die sich auf Landschaftskomponenten wie Vegetationsdecke, Bodendecke, Flächennutzung und räumliche Landschaftsstruktur beziehen.

(s. a. Monitoring)

Landschaftspflege

Die Gesamtheit der Maßnahmen zur Sicherung und Entwicklung der nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter in einem naturverträglichen Rahmen sowie zum Erhalt der Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft.

Die Landschaft in Deutschland ist eine Kulturlandschaft und überwiegend durch die Tätigkeit von Land- und Forstwirten entstanden. Sie hat einen hohen Erholungswert und eine umfangreiche Tier- und Pflanzenwelt, die im Laufe der Jahrhunderte durch Nutzung von Feldern, Wiesen und Wäldern entstanden ist. Wo die Landschaft in ihrer Vielfalt durch Eingriffe gelitten hat, sind Landwirte und Naturschützer dabei, Renaturierungsmaßnahmen umzusetzen. Landschaftspflege durch Landwirte kann z.T. als unbezahlte Nebenleistung der Landwirtschaft gesehen werden, die aber auch von staatlicher Seite im Rahmen von Flächenstilllegung oder Extensivierung gefördert wird.

Rechtliche Grundlage für die Landschaftspflege in Deutschland ist das Bundesnaturschutzgesetz vom 29.7.2009 (BGBl. I 2542) m. spät. Änd. Der Begriff findet sich im vollen Titel dieses Gesetzes wieder (Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege).
Neben den aktiven Maßnahmen, die gestaltend oder pflegend wirken, umfasst die Landschaftspflege nach der Zielsetzung des Bundesnaturschutzgesetzes auch passive Naturschutzmaßnahmen, wie sie vor allem der Prozessschutz fordert, der pflegerische Maßnahmen ausschließt und einzig eine natürliche Entwicklung (Sukzession) beinhaltet, wie z.B. im Rahmen der sog. „Wildnisentwicklung“.

Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege sind es die Natur und die Landschaft auf Grund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich so zu schützen, dass die biologische Vielfalt, die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts einschließlich der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter sowie die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft auf Dauer gesichert sind; der Schutz umfasst auch die Pflege, die Entwicklung und, soweit erforderlich, die Wiederherstellung von Natur und Landschaft (allgemeiner Grundsatz, vgl. § 1 I BNatSchG).

Weitere Informationen:

Landschaftspflegeverbände

Freiwillige Zusammenschlüsse von Naturschützern, Landnutzern, Kommunalpolitikern, gelegentlich auch Vertretern des Fremdenverkehrs mit den Zielen:

Landschaftsplanung

Ganzheitlich orientierte ökologisch-gestalterische Planung mit Vorsorge-Charakter, die neben dem konservierenden Flächenschutz das wichtigste Instrument der Landespflege darstellt. Als "schutzgutübergreifende" und "querschnittsorientierte" Leitplanung des raumbezogenen Umweltschutzes nimmt sie eine Bündelungsfunktion für zahlreiche Einzelaktivitäten und Fachbeiträge zum Umwelt- und Naturschutz wahr. Wichtigste gesetzliche Grundlagen in Deutschland sind das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)und die Naturschutzgesetze der Bundesländer.
Die Schutzgüter des BNatSchG (Boden, Wasser, ästhetische Qualitäten usw.) sind zum Teil "freie" Güter, die bei einer Inanspruchnahme nicht bezahlt werden müssen. Da ökonomische Anreize zur nachhaltigen Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen weitgehend fehlen, sind diese Ressourcen besonders durch Übernutzung gefährdet. Dies begründet die Notwendigkeit für die Regelung des Verhältnisses von Naturnutzung und -schutz durch die bestehenden Umweltgesetze und damit auch für die gesetzliche Verankerung vorsorgender Planung.

Aufgaben der Landschaftsplanung:

Die Ziele und die erforderlichen Maßnahmen, die in der Landschaftsplanung formuliert werden, richten sich an Personen und Institutionen, die beruflich oder privat mit Plänen, Entscheidungen oder Handlungen befaßt sind, die mittelbar oder unmittelbar Natur und Landschaft betreffen.
Landschaftspläne sind immer dann notwendig, "sobald und soweit dies aus Gründen des Naturschutzes und der Landschaftspflege erforderlich ist". Dies trifft in der Regel zu

Landschaftspläne sind bislang noch nicht in befriedigendem Maße umgesetzt worden. Der Hauptgrund wird darin gesehen, daß die vorgeschlagenen Maßnahmen häufig einseitig naturschutzfachlich begründet sind, also kaum Rücksicht auf die Agrarraumfunktion "effiziente Biomasseproduktion" und somit auch nicht auf die Interessen und wirtschaftlichen Möglichkeiten der Eigentümer bzw. Bewirtschafter genommen wird.

Landschaftsschutzgebiet

In Deutschland nach dem Naturschutzgesetz (§ 15 BNatSchG) ein Schutzgebiet mit einem geringeren Schutzstatus als Naturschutzgebiete und Nationalparke. Sie lassen menschlichen Aktivitäten, z.B. der Landwirtschaft größeren Raum. In Landschaftsschutzgebieten (LSG) soll die ökologische Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts erhalten oder wiederhergestellt werden. Die Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes sollen bewahrt und seine Bedeutung für die Erholung gesichert werden. 1998 bestanden in Deutschland 6.195 Landschaftsschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 8,9 Mio ha, was 25 % der Staatsfläche entspricht.

Landschaftsstruktur

Die stoffliche und formale Struktur einer Landschaft, d.h. die Größe, Formenwelt, Farben, stoffliche Zusammensetzung und damit deren innerer und äußerer Aufbau. Zur inneren Struktur zählt z.B. die Lithosphäre, zur äußeren Struktur die Gliederung durch Strukturelemente, wie Bergrücken, Gewässernetz, Wälder, Hecken, Baumreihen usw.

Landschafts(struktur)elemente

Auch "ökologische Zellen"; kleinräumige Biotope, die im Gegensatz zum überwiegenden Teil der Agrarlandschaft nicht oder nur extensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Solche Elemente sind z.B. Hecken, Baumreihen, Feldgehölze, Baum- und Gebüschgruppen, Einzelbäume, Feldraine, Fließgewässer, Kleingewässer, Hohlwege und Ödland. Ihre ökologische Bedeutung liegt darin, daß sie Lebens- und Rückzugsraum für viele Pflanzen und Tiere bieten, als "Trittsteine" bei der Ausbreitung von Arten wirken, das Ausmaß der Bodenerosion vermindern, als Luftfilter wirken und zur Verbesserung des Kleinklimas beitragen. Darüber hinaus prägen sie das Landschaftsbild und haben Auswirkung auf den Freizeit- und Erholungswert der Landschaft.

Viele in traditioneller Landwirtschaft angelegte und bewahrte Landschaftselemente der alten Kulturlandschaften sind in der heutigen großflächigen Landwirtschaft obsolet oder gar hinderlich. Sie erfahren darum besonderen Schutz vor Zerstörung oder Beseitigung durch Ausweisung als Kulturdenkmäler und erfordern vielfache landespflegerische Maßnahmen zu ihrer dauerhaften Erhaltung.

Natürliche Landschaftselemente entstanden ohne Zutun des Menschen. Sie können kleinflächig sein wie Tümpel, Gebüschgruppen und einzelstehende Felsen oder sich flächig ausbreiten wie Wälder und ihre Ränder, Flüsse, Seen, Bergwiesen, Bergwälder, Moore oder Auwälder.

Die Cross Compliance-Regelungen der Gemeinsamen Agrarpolitik umfassen auch sieben Standards für die Erhaltung von Flächen in gutem landwirtschaftlichem und ökologischem Zustand (GLÖZ). Einer dieser Standards umfasst das explizite Verbot, Landschaftselemente zu beseitigen (GLÖZ 7), da Landschaftselemente wichtige Funktionen für den Umwelt- und Naturschutz erfüllen. Gleichzeitig bereichern sie das Landschaftsbild unserer Kulturlandschaften.

Folgende Landschaftselemente sind entsprechend der nachfolgenden Definitionen Cross-Compliance-relevant (CC-Landschaftselemente):

Diese Landschaftselemente können in die förderfähige Fläche (Bruttofläche Landwirtschaft) mit einbezogen werden. Diese Bruttofläche Landwirtschaft ist für die Direktzahlungen und alle anderen Fördermaßnahmen des Gemeinsamen Antrages die maximal beihilfefähige Fläche.

Weitere Informationen:

Landschaftswandel

Natürlich oder anthropogen bedingte qualitative Umschläge von Landschaften, die von grundsätzlichen Struktur-, Gleichgewichts- und Haushaltsveränderungen begleitet sind.
Beim natürlichen Landschaftswandel sind zu unterscheiden langfristig andauernde Vorgänge (z.B. Meerestransgressionen, Gebirgsbildungen) von kurzzeitig ablaufenden Vorgängen (z.B. Vulkanausbrüche, Erdrutsche).
Der anthropogene Landschaftswandel in Mitteleuropa kann in vier Etappen untergliedert werden:

Der Entwicklungsgang des anthropogenen Landschaftswandels zeigt eine zeitliche Beschleunigung in fast logarithmischer Größenordnung (ca. 6.000 - 1.000 - 100 - 40 Jahre), wobei die Einflußnahmen von zunehmender Vielartigkeit sind. Damit können sich gegenwärtig kaum mehr Gleichgewichtszustände einpegeln, und die Umweltbeeinträchtigungen werden zunehmend unüberschaubarer.
Als wichtige konzeptionelle Gegenmaßnahmen gelten Umweltverträglichkeitsprüfungen, fundierte Landschaftsplanungen und ein angepaßtes Landschaftsmonitoring.

Landsorte

Durch landwirtschaftliche Selektion an die Umwelt- und Bewirtschaftungsbedingungen in ihrem Anbaugebiet entstandene, nach dem Sortenschutzgesetz nicht geschützte Pflanzensorte. Landsorten legten zusammen mit eingeführten Pflanzen in den letzten 150 Jahren die Grundlage einer intensiven Züchtung von Kulturpflanzen. Für heutige Neuzüchtungen sind sie z.B. wichtige Quellen für Resistenzgene.

Landsorten sind genetisch uneinheitliche Formenkreise einer Kulturpflanzenart. In der Regel weichen die einzelnen Typen morphologisch und physiologisch voneinander ab.

Normalerweise sind Landsorten relativ ertragsstabil. Sie sind jedoch nicht so ertragsreich wie speziell gezüchtete Hochleistungssorten. Da ihr Bestand bedroht ist, werden Landsorten in Genbanken konserviert.

(s. a. Lokalrasse, Ökotyp)

Landwechselwirtschaft

Generell der mehr oder weniger regelmäßige Wechsel der Acker-, Grünland- und Waldnutzung auf gegebenen Flächen mit gleichzeitig stationären Siedlungen. In den mittleren Breiten wird die Landwechselwirtschaft durch die Feldgraswirtschaft und die Feldwald(wechsel)wirtschaft vertreten. In den Tropen wird die Landwechselwirtschaft auch als semipermanenter Regenfeldbau bezeichnet. Dort geht sie bei einer Reduzierung der verfügbaren Fläche (Bevölkerungswachstum und/oder zunehmender Flächenbedarf für Marktfrüchte) aus dem Wanderfeldbau hervor. Die Grenzen zwischen beiden Formen sind fließend:

Kennzeichen der tropischen Landwechselwirtschaft sind:

(s. a. shifting cultivation)

Landwirt

1. Bezeichnung für mit leitenden Aufgaben befaßte Personen, die als Bauern, Pächter, Eigentümer usw. praktische Landwirtschaft betreiben. Eigentümer von Erwerbsgärtnereien und Nebenerwerbssiedler werden in Deutschland nicht zu den Landwirten gerechnet.

2. Im weiteren Sinne jeder, der eine landwirtschaftliche Ausbildung erfahren hat und für die praktische Landwirtschaft tätig ist (Berater, Fachlehrer, Schätzer).

In Deutschland ist der Landwirt Ausbildungsberuf; ein landwirtschaftliches Studium schließt mit dem akademischen Grad Diplom-Landwirt ab. Landwirte können sowohl hinsichtlich ihres Betriebes als auch hinsichtlich eines mit der Landwirtschaft verbundenen Nebengewerbes durch Eintragung im Handelsregister Kannkaufmann werden. Die Landwirtschaft ist auch dann gewerbesteuerfrei, wenn der Absatz der Erzeugnisse nach kaufmännischen Grundsätzen erfolgt. Gleiches gilt für Gärtnereien, wenn sie nicht überwiegend fremde Erzeugnisse hinzukaufen. Hingegen sind Landschaftsgärtnereien, die sich mit der Anlegung von Gärten befassen und zu diesem Zweck einen Bestand an Pflanzen halten, gewerbesteuerpflichtig, ebenso wie Gartenarchitekten und Friedhofsgärtner.

Landwirtschaftlicher Unternehmer ist der Inhaber (Eigentümer, Pächter) einer Landwirtschaftsunternehmung, der selbständig wirtschaftet und zumindest die wesentlichen Führungsfunktionen wahrnimmt. I.d.R. führt er auch exekutive Aufgaben selbst aus.

Als landwirtschaftlicher Betriebsleiter wird der Leiter (Eigentümer, Pächter, Verwalter) eines Landwirtschaftsbetriebes bezeichnet. Er kann (Eigentümer, Pächter), braucht aber nicht (Verwalter) gleichzeitig landwirtschaftlicher Unternehmer zu sein.

Landwirteprivileg

Das frühere Recht des Landwirts, Samen und Pflanzmaterial aus der eigenen Ernte zum Nachbau weiterverwenden zu dürfen, ohne dass ein weiteres Mal Lizenzgebühren bezahlt werden müssen. Dieses nach dem bisherigen nationalen Sortenschutzgesetz bestehende Recht gibt es nach einer EU-Verordnung von 1994 und der entsprechenden Umsetzung in deutsches Recht nicht mehr. Als Ersatz bestimmt die neue Nachbauregelung, dass Landwirte bei bestimmten Pflanzenarten auch ohne Zustimmung des Sortenschutzinhabers auf ihrem Betrieb erwachsenes Saatgut für den eigenen Bedarf nachbauen dürfen, wenn sie eine Nachbaugebühr entrichten und ihm gegenüber gewissen Auskunftspflichten nachkommen. Kleinlandwirte sind von der Nachbaugebührenpflicht befreit.

Weitere Informationen:

Landwirtschaft

1. Landwirtschaft im engeren agrargeographischen Sinne umfasst die planmäßige Bewirtschaftung des Bodens sowie die Viehhaltung mit dem Ziel der Gewinnung pflanzlicher und tierischer Produkte zur Bedarfsdeckung der Menschheit. Der Begriff Agrarwirtschaft wird häufig synonym verwendet. Als Produktionsfaktoren sind Boden, Nutztiere, Arbeit, Kapital und Know-how beteiligt. Wie andere Bereiche der organischen Urproduktion hat die Landwirtschaft die natürliche Umwelt als primäre Ressourcenbasis. Dabei ist die Photosynthese der grundlegende Prozeß. Somit ist die Anbaupflanze als elementare Produktionseinheit anzusehen.
Die Abgrenzung zu Gartenbau, Forstwirtschaft und anderen Zweigen der Tierhaltung (Reit- und Rennpferde, Hunde, Pelztiere usw.) ist fließend.
Je nach Komplexität und Zielrichtung unterscheidet Arnold (1997) bei der landwirtschaftlichen Produktion 5 Prozesse:

Die Hauptproduktionsketten von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen

Quelle: Arnold 1997 (ergänzt)

Die Kette A (Kulturpflanze - Mensch) in obiger Grafik beinhaltet den direkten Verzehr pflanzlicher Produkte. Sie ist der energetisch effizienteste, daher billigste und in den meisten Agrargebieten ökologisch schonendste Produktionsprozeß. Er dominiert in Entwicklungsländern mit geringer Kaufkraft. Bei den Ketten B, C, D und teilweise bei E werden Pflanzen in tierische Produkte transformiert (Veredelung). Da dabei 70 - 90 % der im Futter enthaltenen Energie verlorengeht, sind diese Methoden relativ teuer, ausgenommen die Kette D. Diese beinhaltet die Nutzung der ausgedehnten Flächen von absolutem Grünland auf der Erde, die für den Ackerbau ungeeignet sind. Sie ist mit unterschiedlichen Agrarsystemen sowohl in Industrie- wie Entwicklungsländern anzutreffen. Die Verfütterung von Ackerfrüchten (B und C) können sich in großem Maßstab nur wohlhabende Gesellschaften leisten.
Die Kette E stellt die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen pflanzlicher und tierischer Herkunft dar. Lange Tradition hat ihre Nutzung zur Selbstversorgung, wohingegen ihr jüngst verstärkter Absatz in der Industrie sich aus der Energie-, Agrar- und Umweltkrise erklärt. Naturgemäß gibt es zwischen den die Nahrungsproduktion und die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen betreffenden Ketten vielfältige Überlappungen.

2. Landwirtschaft im weiteren Sinne umfasst nahezu die gesamte organische Urproduktion, also auch die Gärtnerei, das Forst- und Jagdwesen, die Binnenfischerei sowie die landwirtschaftlichen Nebengewerbe, einschließlich landespflegerischer Aufgaben. In diesem umfassenderen Sinne steht die Landwirtschaft zusammen mit der Meeresfischerei und dem Bergbau als primärer Sektor dem sekundären Sektor des produzierenden Gewerbes (Industrie und Handwerk) und dem tertiären der Dienstleistungen gegenüber. Die spezialisierte Agrarvermarktung ist bereits dem tertiären Sektor zuzurechnen. Auch bei den der Landwirtschaft neu zugewachsenen Funktionen zur Pflege der Kulturlandschaft ist die Grenze zum tertiären Sektor überschritten.

3. Landwirtschaft nach Auffassung des Zentralausschusses der Deutschen Landwirtschaft ist "die unter Einsatz von Arbeit und Hilfsmitteln betriebene Bodenbewirtschaftung und die mit der Bodennutzung verbundene Nutztierhaltung, vor allem um pflanzliche und tierische Erzeugnisse zu gewinnen und anfallende Nebenprodukte wieder im natürlichen Kreislauf zu verwerten, sowie die gartenbauliche Erzeugung."
Eine Legaldefinition der Landwirtschaft für alle nationalen relevanten Rechtsbereiche (das Recht der Raumordnung und Landesplanung, das Boden-, Bau- und Umweltrecht sowie das Sozial-, Steuer- und Förderungsrecht) existiert nicht. In den Gesetzen des Bundes und der Länder finden sich aber rund 40 teils kongruente, teils unterschiedliche Definitionen; sie werden maßgeblich vom Zweck des jeweiligen Gesetzes bestimmt.
Landwirtschaftliche Produktion vollzieht sich innerhalb des Agrarraums mit einer komplexen Vielfalt von Produkten, Produktionsmethoden und Organisationsformen. Diese extremen räumlich-strukturellen Unterschiede sind ein Hauptmerkmal der Landwirtschaft, die so in keinem anderen Wirtschaftszweig auftreten. Darüber hinaus besitzt insbesondere die moderne Landwirtschaft auch hinsichtlich ihrer Funktionen eine große Vielfalt.

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Landwirtschaft und Umwelt (EU)

Durch die Einbeziehung von Umweltbelangen in die lexikon-g.html#gemeinsame_agrarpolitik soll der Umweltzerstörung Einhalt geboten und die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Ökosysteme gestärkt werden.

Die Hälfte der gesamten Fläche der EU wird landwirtschaftlich genutzt. Landwirtschaftliche Tätigkeit ist wichtig für die Naturräume der EU, denn Landwirtschaft und Natur beeinflussen sich wechselseitig.

Zwischen der Vielfalt der natürlichen Umwelt und landwirtschaftlichen Produktionsverfahren bestehen komplexe Beziehungen. Viele wertvolle Biotope in Europa werden durch extensive Landwirtschaft erhalten, und zahlreiche wilde Tier- und Pflanzenarten können erst durch sie überhaupt überleben. Leider hat jedoch die ungeeignete landwirtschaftlich Nutzung von Flächen auch negative Auswirkungen auf natürliche Ressourcen, zum Beispiel:

In der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) werden drei Schwerpunkte für Maßnahmen zum Schutz und Erhalt des ländlichen Erbes der EU genannt:

Die Bestimmungen der GAP tragen den Umweltanforderungen Rechnung. Ihre Maßnahmen fördern die Entwicklung landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsmethoden, die die Umwelt schützen und die traditionellen Landschaften erhalten. Die Landwirte erhalten Anreize, sich aktiv für diese beiden Ziele einzusetzen.

Dazu gehören:

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landwirtschaftlich genutzte Fläche

Abk. LF; die LF ist ein betriebswirtschaftlicher Begriff der Bodennutzung und besteht aus der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) abzüglich der seit einem Jahr und länger nicht beackerten und bewirtschafteten Felder (Brache), dem nicht genutzten Dauergrünland und der sonstigen nicht mehr genutzten landwirtschaftlichen Flächen. Auch die privaten Parkanlagen, Rasenflächen und Ziergärten sind in der LF nicht erfaßt. Angaben zur LF beziehen sich auf den Beginn des Wirtschaftsjahres.
Im Interesse einer Harmonisierung in der EG wurde die Nutzflächenstatistik in Deutschland 1970 von LN auf LF umgestellt.

Landwirtschaftlich genutzte Fläche der Erde

Quelle: FAO 1992

Unterscheidung "Landwirtschaftsfläche" und "landwirtschaftlich genutzte Fläche"

Die der Flächenerhebung entstammende Landwirtschaftsfläche und die aus der Bodennutzungshaupterhebung ermittelte landwirtschaftlich genutzte Fläche sind nicht identisch. Bei der Flächenerhebung werden bestehende Register – die amtlichen Liegenschaftskataster der Länder – sekundärstatistisch ausgewertet. Es handelt sich um eine jährliche Vollerhebung. Dagegen basiert die ebenfalls jährliche Bodennutzungshaupterhebung auf einer Befragung landwirtschaftlicher Betriebe und der Auswertung von Verwaltungsdaten (hier aus dem Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem). Die Bodennutzungshaupterhebung wird sowohl als Stichprobe als auch in den Jahren 2010 und 2016 als Vollerhebung durchgeführt.

Die beiden Erhebungen haben jeweils andere Zielsetzungen, die ihre Unterschiede verständlich machen. Die Flächenerhebung differenziert flächendeckend die Bodennutzung in ganz Deutschland nach Siedlungs-, Verkehrs-, Landwirtschafts-, Wald-, Wasserfläche usw., ohne dabei einen Schwerpunkt zu setzen. Dagegen geht es bei der Bodennutzungs­Haupterhebung in erster Linie um die Differenzierung der landwirtschaftlich genutzten Flächen nach Hauptnutzungsarten und Nutzungszweck, Kulturarten, Pflanzengruppen, Pflanzenarten und Kulturformen. Hier stehen also die sich ändernden Anbaustrukturen der Betriebe im Mittelpunkt. Die Anbauflächen der Kulturen bilden auch die Grundlage für die jährliche Ernteschätzung.

Daraus ergibt sich unmittelbar ein weiterer Unterschied. Die Flächenerhebung weist die Bodennutzung in der jeweils betrachteten administrativen Gebietseinheit nach dem Belegenheitsprinzip aus, wohingegen bei der Bodennutzungshaupterhebung die Flächen unabhängig von ihrer administrativen Zuordnung einem Betriebssitz zugeordnet werden. Es ist also nicht erkennbar, ob die von einem Betrieb angegebenen Flächen in der Gemeinde mit Sitz des Betriebes oder einer anderen Gemeinde bewirtschaftet werden.

Hinzu kommen weitere methodische Unterschiede: Dazu gehören verschiedene Begriffsdefinitionen, z. B. beinhaltet die Landwirtschaftsfläche auch Moor- und Heideflächen, während diese bei der Bodennutzungshaupterhebung (insofern sie nicht kultiviert sind) den sonstigen Flächen außerhalb der landwirtschaftlich genutzten Fläche zugeordnet werden. Auch bei der Abgrenzung der Grundgesamtheit unterscheiden sich beide Erhebungen: Während in der Flächenstatistik keine Erfassungsgrenzen existieren, da im Prinzip jeder Fläche eine Nutzungsart zugeordnet wird, werden bei der Bodennutzungshaupterhebung Betriebe unterhalb der im § 91 AgrStatG festgelegten Erfassungsgrenzen nicht in die Erhebung einbezogen. (DESTATIS)

landwirtschaftliche Gesamtrechnung (LGR)

Die Landwirtschaftliche Gesamtrechnung (LGR) ist ein Satellitenkonto des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, das ergänzende Informationen enthält und dessen Konzepte an die besonderen Gegebenheiten des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs angepasst sind. Im Rahmen der LGR wird der Beitrag des Agrarsektors zur gesamten Wirtschaftsleistung der Volkswirtschaft ermittelt.

Der Wirtschaftsbereich Landwirtschaft gilt als Zusammenfassung aller örtlichen fachlichen Einheiten (landwirtschaftliche Betriebe), die folgende Tätigkeiten ausüben: Pflanzenbau, Tierhaltung, gemischte Landwirtschaft, landwirtschaftliche Dienstleistungen, gewerbliche Jagd.
Ebenfalls Bestandteil der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) sind nach dem ESVG nichtlandwirtschaftliche Tätigkeiten in landwirtschaftlichen Unternehmen, die buchmäßig nicht getrennt erfasst werden können, wie z.B. Landschaftspflege oder Urlaub auf dem Bauernhof. Die landwirtschaftliche Produktion von Haushalten sowie die Tierhaltung von Nichtlandwirten sind dagegen nicht Bestandteil der LGR.
Im Produktionswert der Landwirtschaft sind neben Verkäufen pflanzlicher und tierischer Produkte an andere Wirtschaftsbereiche und an andere landwirtschaftliche Einheiten auch der betriebliche Eigenverbrauch, die Vorratsveränderungen, die selbst erstellten Anlagen (Vieh) sowie die auf der landwirtschaftlichen Erzeugerstufe erbrachten Dienstleistungen (z. B. Neuanpflanzungen von Dauerkulturen) enthalten. Nach den Bestimmungen des ESVG beinhaltet der Produktionswert auch den innerbetrieblichen Verbrauch von Futtermitteln (Futtergetreide, Silage, Heu) in landwirtschaftlichen Betrieben. Ebenfalls erfasst werden landwirtschaftliche Lohnarbeiten (auch von gewerblichen Lohnunternehmen durchgeführt) sowie nichttrennbare nichtlandwirtschaftliche Nebentätigkeiten (z. B. Ferien auf dem Bauernhof).

Aus der mit durchschnittlichen Erzeugerpreisen ohne Mehrwertsteuer bewerteten Produktion – differenziert nach einzelnen Erzeugnissen – ergibt sich der Produktionswert zu Erzeugerpreisen. Im Produktionswert zu Herstellungspreisen sind darüber hinaus die Gütersubventionen abzüglich der Gütersteuern berücksichtigt. Bis 2004 zählten hierzu vor allem die Flächenzahlungen für Ackerkulturen und Tierprämien. Ab 2005 wurden diese EU-Zahlungen von der Produktion entkoppelt und als einzelbetriebliche Prämien ausbezahlt. Nach den Regeln des ESVG werden diese Betriebsprämien in der LGR als sonstige Subventionen verbucht. Der Produktionswert zu Herstellungspreisen fällt daher 2005 deutlich niedriger aus als in den Jahren zuvor.

In den Vorleistungen sind der ertragssteigernde Aufwand (Futtermittel, Handelsdünger, Pflanzenschutzmittel, Saat- und Pflanzgut), die Aufwendungen für die Unterhaltung der Wirtschaftsgebäude und des Inventars, die Ausgaben für Energie, für Tierarzt und Medikamente sowie für andere Güter und Dienstleistungen zusammengefasst. Analog zum Produktionswert werden hier auch der innerbetriebliche Verbrauch an Futtermitteln und die in Anspruch genommenen landwirtschaftlichen Dienstleistungen berücksichtigt.

Die Bruttowertschöpfung (BWS) ist ein Maß für die in einer Region erbrachte wirtschaftliche Leistung. Die BWS der Landwirtschaft ergibt sich als Differenz von Produktionswert (Wert aller produzierter Waren und Dienstleistungen) und Vorleistungen. Die Bewertung der BWS erfolgt zu Herstellungspreisen. Da die BWS nur die produktspezifischen Subventionen berücksichtigt, ergibt sich durch die »Entkoppelung« dieser Zahlungen von der Produktion ab 2005 ein Bruch in der Zeitreihe.

Im Gegensatz zur BWS sind in der Nettowertschöpfung sämtliche an die Landwirtschaft gezahlten Subventionen, einschließlich der Betriebsprämie berücksichtigt. Die Nettowertschöpfung ergibt sich aus der BWS nach Abzug der verbrauchsbedingten, zu Wiederbeschaffungspreisen bewerteten Abschreibungen sowie dem Saldo der sonstigen Produktionsabgaben und der sonstigen Subventionen (einschließlich eventuellem Überausgleich Mehrwertsteuer). Die Nettowertschöpfung steht zur Entlohnung der Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital zur Verfügung.

Die Produktion des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs umfasst die Summe der Produktion an landwirtschaftlichen Erzeugnissen und die im Rahmen nicht trennbarer nichtlandwirtschaftlicher Nebentätigkeiten produzierten Waren und Dienstleistungen.

Gemäß den EU-Verordnungen sind nationale statistische Institute oder Landwirtschaftsministerien für die Datenerfassung und die Erstellung der nationalen LGR zuständig. Eurostat produziert die aggregierten Daten für die Europäische Union (EU).

Schema der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung

landwirtschaftliche Nutzfläche

Abk. LN; die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasst das Ackerland (AF), das Dauergrünland (Wiesen, Weiden), die Streuwiesen, das Gartenland (auch die Gemüsefläche in Haus- und Nutzgärten), die Obstbauflächen, die Flächen der Sonderkulturen (z.B. Wein, Hopfen, Tabak, Baumschulen, Weihnachtsbaumkulturen). Der prozentuale Anteil der einzelnen Nutzungsarten und der Kulturpflanzen an der LN wird als das Nutzflächenverhältnis bezeichnet. Nach dem Nutzflächenver­hältnis können die Betriebe verschiedenen Bodennutzungssystemen zugeordnet werden.
Als Folge der exponentiellen Bevölkerungszunahme auf der Erde ergibt sich ein Rückgang der verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzfläche pro Kopf von 5.100 m² im Jahr 1950 über 3.400 m² (1975) auf 1.700 m² im Jahr 2025. Die letzte Zahl entspricht knapp der Größe von einem halben Fußballfeld.
Weltweit werden die landwirtschaftlichen Nutzflächen unterschiedlich berechnet und verschiedene Länderkategorien gebildet (vgl. Tabelle).

Aktuelle und potentielle Landwirtschaftliche Nutzfläche auf der Erde nach US-amerikanischen Schätzungen
Aktuelle und potentielle Landwirtschaftliche Nutzfläche auf der Erde nach Schätzungen der Weltbank

1 einschließlich Dauerkulturen
2 Australien, Kanada, Ost- und Westeuropa, Neuseeland, Südafrika, USA und UdSSR
3 Algerien, Iran, Irak, Libyen, Nigeria und Saudi-Arabien
4 Tschad, Ägypten, Äthiopien, Israel, Jordanien, Libanon, Mali, Mauretanien, Marokko, Niger, Somalia, Sudan, Syrien, Tunesien, Obervolta
5 China, Mongolei, VR Korea und Vietnam
Quelle: Mikus 1994 nach Pickart/Ehlers 1989

landwirtschaftliche Nutzungsform

Begriff zur Beschreibung einer Vielzahl möglicher Formen der Grünland- bzw. Ackernutzung.

landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft

Abk. LPG; landwirtschaftlicher Großbetrieb in der ehemaligen DDR nach dem Vorbild der sowjetischen Kolchosen mit vollständiger Integration der Landwirtschaft in das staatliche Planungs-, Leitungs- und Bilanzsystem. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die rund 600.000 bäuerlichen Betriebe von der ehemaligen DDR-Regierung zunächst animiert, dann nach und nach zur Aufgabe der selbständigen Bewirtschaftung gezwungen worden. An die Stelle der ursprünglichen Betriebe traten LPG und Volkseigene Güter (VEG). LPG waren die am stärksten verbreitete Betriebsform.

Zu den Zwangsmaßnahmen dieser modernen Form des Bauernlegens gehörten eine Erhöhung der Pflichtablieferung, die strafrechtliche Verfolgung bei Rückständen, die Erhöhung von Steuern und Abgaben, die Einschränkung von Krediten, die Benachteiligung bei der Versorgung mit Saatgut, Düngemitteln und Geräten, ab Ende der 50er Jahre trat offener Terror dazu.

Die LPG unterschieden sich in Ziel und Arbeitsweise deutlich von den westlichen Genossenschaften, die unter dem Namen ihrer Gründer Raiffeisen und Schulze-Delitsch bekannt sind. Während die eingetragene Genossenschaft (e.G.) die primäre Aufgabe hat, die individuellen wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder zu fördern (Erwerbsstreben), sollten sich die LPG den Interessen der sozialistischen Gesellschaft unterordnen und die Beschlüsse der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands umsetzen.

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landwirtschaftliche Wildhaltung

Junger Betriebszweig der Landwirtschaft, bei dem vor allem Damwild, aber auch Rotwild und artverwandte Hirscharten wie Sika, Wapiti oder Dybowski sowie Muffelwild zur Gewinnung von Wildbret und teilweise auch Basthaut in Gehegen gehalten werden. Als arbeitsextensiver Betriebszweig ist die Gehegewildhaltung besonders für Zu- und Nebenerwerbslandwirte zur Nutzung von schwer bewirtschaftbarem Grünland oder Restgrünland interessant.

In Neuseeland hat dieser Wirtschaftszweig eine besonders große wirtschaftliche Bedeutung: Neben Fleisch, das überwiegend nach Westeuropa exportiert wird, wird auch Bast für den Absatz auf asiatischen Märkten gewonnen.

(s. a. game ranching)

landwirtschaftlicher Betrieb

Die an einem bestimmten Ort lokalisierte technisch-wirtschaftliche Einheit, die für Rechnung eines Inhabers (des Betriebsinhabers) bewirtschaftet wird, einer einzigen Betriebsführung untersteht, und mit ihrer Hauptproduktionsrichtung landwirtschaftliche Erzeugnisse hervorbringt. Im Unterschied zum landwirtschaftlichen Unternehmen enthält sie nur jene dispositiven Funktionen, die unmittelbar mit den exekutiven verknüpft sind. Insofern fehlen die die Selbständigkeit einer Wirtschaftseinheit ausmachenden Führungsfunktionen. Ein Landwirtschaftsbetrieb ist damit Teil einer Landwirtschaftsunternehmung.
Bei den in der Landwirtschaft der meisten Länder vorherrschenden Familienbetrieben fallen im allgemeinen Betriebsleiter und Unternehmer in einer Person zusammen. Deshalb werden die Begriffe landwirtschaftlicher Betrieb und landwirtschaftliches Unternehmen häufig synonym verwendet. Allerdings machen beispielsweise die neuen Unternehmenskonstrukte im Gefolge der Wiedervereinigung eine Trennung der beiden Begriffe nötig.
Auch liegt in der Landwirtschaft - anders als in anderen Wirtschaftsbereichen - häufig eine enge Verbindung zwischen Unternehmen und Haushalt vor.
Landwirtschaftliche Betriebe werden in Deutschland nach dem Erwerbscharakter (Haupterwerbsbetriebe, Nebenerwerbsbetriebe) unterschieden.
Steuerrechtlich ist ein "landwirtschaftlicher Betrieb" ein Unternehmen, das

  1. Pflanzen und Pflanzenteile mit Hilfe von Naturkräften erzeugt (§ 24 Abs. 2 UStG),
  2. Tierzucht und Tierhaltung betreibt (§ 24 Abs. 2 UStG), soweit die Anzahl der Tiere nicht bestimmte Grenzen überschreitet (§ 13 EStG),
  3. fremde Erzeugnisse mit dem Zweck der Wiederveräußerung nachhaltig nur in Höhe von 30 % des Gesamtumsatzes zukauft (Abschn. 134 (4) EStR),
  4. Einnahmen aus Dienstleistungen nur in Höhe von maximal einem Drittel des Gesamtumsatzes erzielt (Abschn. 134 (6) EStR).

Die Überschreitung einer dieser Grenzen bewirkt die steuerliche Einstufung als Gewerbebetrieb, obwohl land- und forstwirtschaftliche Produkte erzeugt werden.
Zu den landwirtschaftlichen Betrieben, aber nicht zur statistischen Kategorie "Landwirtschaft" rechnen der Gartenbau sowie ein Teil der Forstwirtschaft und die Kombinationsbetriebe.
Die statistischen Kategorie "landwirtschaftliche Betriebe und Forstbetriebe" wird nach dem Flächenverhältnis zwischen landwirtschaftlich genutzter Fläche und Waldfläche in landwirtschaftliche Betriebe und in Forstbetriebe gegliedert. Beträgt die landwirtschaftlich genutzte Fläche eines land- oder forstwirtschaftlichen Betriebes mindestens 10 % seiner Waldfläche, dann ist er ein landwirtschaftlicher Betrieb, ist sie kleiner als 10 %, gilt er als Forstbetrieb.

landwirtschaftliches Unternehmen

Eine rechtlich und finanzielle selbständige Wirtschaftseinheit, in der Landwirtschaft betrieben wird. Sie umfaßt alle dispositiven und exekutiven Funktionen, die zur Aufgabenbewältigung notwendig sind. Ein landwirtschaftliches Unternehmen kann aus einem oder mehreren landwirtschaftlichen Betrieben bestehen und ist somit im Gegensatz zum Betrieb nicht ortsgebunden.
Unter organisatorischen Aspekten ist das herkömmliche Landwirtschaftsunternehmen als zweistufige Mehrproduktunternehmung anzusprechen: Die Produkte der Primärproduktion (Bodenproduktion) werden oftmals als Produktionsmittel in der Sekundärproduktion (Viehhaltung, Veredlung) eingesetzt.

Landwirtschaftsamt

Staatliche Einrichtung der Landwirtschaftsverwaltung auf Landesebene (B.-W.; BY, Hessen). In anderen Bundesländern werden deren Aufgaben von Landwirtschaftskammern wahrgenommen. Zum Aufgabenbereich der Landwirtschaftsämter, zu denen auch Tierzucht- und Forstämter gehören, zählen landwirtschaftliche Förderungsmaßnahmen, die praktische Berufsausbildung, die Führung der Landwirtschaftsschulen, die Beratung der landwirtschaftlichen sowie nicht-landwirtschaftlichen Bevölkerung.

Landwirtschaftsanpassungsgesetz

Abk. LwAnpG; am 29. Juni 1990 durch die Volkskammer der DDR verabschiedetes Gesetz über die strukturelle und rechtliche Anpassung der Landwirtschaft in der DDR an die soziale und ökologische Marktwirtschaft. Das LwAnpG wurde im Einigungsvertrag unter Berücksichtigung bestimmter Maßgaben übernommen und seither mehrfach novelliert.
Das Landwirtschaftsanpassungsgesetz zielt

Zentrale Bedeutung hatte die Umwandlung der ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in eine nach westdeutschem Gesellschaftsrecht mögliche Rechtsform bei gleichzeitiger Sicherung des Austritts- und Haftungsrechts sowie der Möglichkeit, wieder landwirtschaftliche Einzelbetriebe zu bilden, wie sie vor der Kollektivierung bestanden. Das Prinzip "Rückgabe vor Entschädigung" gegenüber den früheren Eigentümern erschien günstig für die ungehinderte Herausbildung eines freien Grundstückmarktes. In der Praxis ergaben sich hingegen verschiedene Probleme vor allem im juristischen Bereich. Problematisch war beispielsweise die Zusammenführung von rechtlich getrenntem Boden- und Gebäudeeigentum. Neben der betriebswirtschaftlichen Bedeutung hatte die Klärung derartiger Rechtsfragen erhebliche arbeitsmarktpolitische Bedeutung; denn erst mit der Zusammenführung wurde das Grundvermögen beleihungsfähig und damit die Basis für weitere wirtschaftliche Aktivitäten geschaffen.
Die Privatisierung bzw. Verpachtung der Volkseigenen Güter (VEG) sowie der 1,3 Mio. Hektar volkseigener landwirtschaftlicher und 0,77 Mio. Hektar forstwirtschaftlicher Flächen erfolgte unter der Regie der Treuhandanstalt.

Infolge der den Genossenschaftsmitgliedern verbliebenen Eigentumsrechte und der erweiterten marktwirtschaftlichen Möglichkeiten konnten im Geltungsbereich des LwAnpG wesentlich mehr wettbewerbsfähige Betriebe aus eigener Kraft erhalten werden als bei den VEG. Es bildete sich eine große Vielfalt an Betriebsgrößen und Betriebsformen auf privatwirtschaftlicher Grundlage heraus.

Kritik gab es später weniger an dem Gesetz an sich, sondern eher an der nach der Wiedervereinigung in vielen Bereichen zu beobachtenden Übervorteilung besonders der ausscheidenden Genossen durch meist schon von westlichen Beratern unterstützten Vorständen in den LPG, die mit falschen Bilanzen, Formfehlern, Unzulänglichkeiten, halblegalen Machenschaften und massiven Betrügereien einen gerechten Vermögensausgleich verhinderten. Später wurde auch das offensichtliche Eintreten der Politik, der Genossenschaftsverbände und der meisten ostdeutschen Leitmedien zugunsten der Genossenschaftsbetriebe kritisiert.

(s. a. Agrarpolitik, Agrarstruktur in Deutschland, Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft)

Landwirtschaftsfläche

Unbebaute Flächen, die der Wiesen- und Weidewirtschaft, dem Acker-, Garten-, Obst- oder dem Weinbau dienen, einschließlich der Gebäudeflächen mit geringem Wert und der für Landwirtschaftsflächen typischen baulichen Anlagen. Hierzu zählen auch Flächen, die zeitweise nicht genutzt werden (Brachland), ebenso Moor- und Heideflächen.

Die Datenerhebung basiert auf einer Auswertung der amtlichen Liegenschaftskataster.

Die der Flächenerhebung entstammende Landwirtschaftsfläche und die aus der Bodennutzungshaupterhebung ermittelte landwirtschaftlich genutzte Fläche sind nicht identisch. Bei der Flächenerhebung werden bestehende Register – die amtlichen Liegenschaftskataster der Länder – sekundärstatistisch ausgewertet. Es handelt sich um eine jährliche Vollerhebung. Dagegen basiert die ebenfalls jährliche Bodennutzungshaupterhebung auf einer Befragung landwirtschaftlicher Betriebe und der Auswertung von Verwaltungsdaten (hier aus dem Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem). Die Bodennutzungshaupterhebung wird sowohl als Stichprobe als auch in den Jahren 2010 und 2016 als Vollerhebung durchgeführt.

(s. a. landwirtschaftliche genutzte Fläche)

Landwirtschaftsgesetz (Deutschland)

Das Landwirtschaftsgesetz in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 780-1, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Artikel 358 der Verordnung vom 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474) geändert worden ist, hat zum Ziel, der Landwirtschaft die Teilnahme an der fortschreitenden Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft zu ermöglichen und der Bevölkerung die bestmögliche Versorgung mit Ernährungsgütern zu sichern. Als weiteres Ziel ist formuliert, das die soziale Lage der in der Landwirtschaft tätigen Menschen an die vergleichbarer Berufsgruppen angeglichen werden soll.

Um die Ziele zu erreichen, wurde erstmals im Landwirtschaftsgesetz vorgeschrieben, dass vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten jährlich die Betriebsergebnisse von repräsentativen landwirtschaftlichen Betrieben, aufgegliedert nach Betriebsgrößen und Wirtschaftsarten (Haupt-, Neben-, oder Zuerwerbsbetrieb; seit der Wiedervereinigung auch Juristische Personen) sowie Wirtschaftssystemen ermitteln muss. Dazu wurde ein System von 6000 bis 8000 Testbetrieben geschaffen, die anfänglich freiwillig eine ordentliche Buchführung mit einem betriebswirtschaftlichen Ansatz erstellten und denen die dadurch anfallenden Kosten erstattet wurden. Aus diesen Ergebnissen muss die Bundesregierung (bis 2007 jährlich, seit der letzten Änderung alle vier alle Jahre) den Bericht über die Lage der Landwirtschaft erstellen. Im Gesetzestext ist festgelegt, dass insbesondere dazu Stellung zu nehmen ist, ob ein den Löhnen vergleichbarer Berufs- und Tarifgruppen entsprechender Lohn für die fremden und familieneigenen Arbeitskräfte sowie eine angemessenes Entgelt für die Tätigkeit des Betriebsleiters bei einer angemessenen Verzinsung des Eigenkapitals in einem durchschnittlichen Betrieb erzielt werden konnte. Weiter wird im Gesetz gefordert, dass sich die Regierung im Agrarbericht dazu äußern muss, wie sie, falls das im Gesetz formulierte Ziel der Einkommensparität im zurückliegenden Zeitraum nicht erreicht wurde, dies in Zukunft erreichen will.

Landwirtschaftskammer

Körperschaft des öffentlichen Rechts, die eine Mittelstellung zwischen den Staatsorganen und berufsständischen Organisationen der Landwirtschaft einnimmt und die in den einzelnen Bundesländern eine unterschiedliche Rechtsstellung und Bezeichnung besitzt. Landwirtschaftskammern bestehen in allen alten Bundesländern mit Ausnahme Baden-Württembergs, Bayerns und Hessens. Die neuen Länder besitzen keine Kammern, lediglich Mecklenburg-Vorpommern verfügt über eine Kammer-ähnliche Einrichtung.
Die Landwirtschaftskammern haben u.a. die Aufgabe, die Landwirte zu beraten und zu fördern, ihnen bei ihren Rationalisierungsbemühungen zu helfen, für die Aus- und Fortbildung des Nachwuchses und der Betriebsleiter und die Durchführung der Wirtschaftsberatung zu sorgen, sowie Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung gutachtlich zu unterstützen.

(s. a. Landwirtschaftsamt)

Landwirtschaftsklausel

Passagen in der bis 1998 gültigen Fassung des Bundesnaturschutzgesetzes, die der Landwirtschaft zusammen mit der Forstwirtschaft und der Fischerei eine bevorzugte Stellung bei der Bodennutzung zubilligen und ihr ein per se umweltgerechtes Verhalten bescheinigen:

Beispielhaft für andere Kritiker hat Der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen seit 1985 wiederholt eine Aufhebung der Landwirtschaftsklauseln gefordert, da die Landwirtschaft von den Regelungen des Naturschutzes praktisch ausgenommen ist, und da die Realität der Intensivlandwirtschaft längst nicht mehr den Klauseln entspricht. Eingriffe land- und forstwirtschaftlicher Nutzer dürften nicht anders behandelt werden als die gewerblicher und industrieller Nutzer. Gleichzeitig wird die Aufnahme von Betreiberpflichten für Land- und Forstwirte zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen vorgeschlagen.
Im novellierten Bundesnaturschutzgesetz sollen die beiden erstgenannten Landwirtschaftsklauseln entfallen. Statt dessen soll künftig folgende vage Formulierung gelten:
"Die land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Bodennutzung ist nicht als Eingriff anzusehen, soweit dabei die Ziele und Grundsätze des Naturschutzes und der Landschaftspflege berücksichtigt werden. Die den Vorschriften des Rechts der Land- und Forstwirtschaft einschließlich des Rechts der Binnenfischerei und § 17 Abs. 2 des Bundesbodenschutzgesetzes entsprechende gute fachliche Praxis bei der land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Bodennutzung widerspricht in der Regel nicht den in Satz 1 genannten Zielen und Grundsätzen." Die Änderung hat eher formalen als substantiellen Charakter.

(s. a. Umweltwirkungen)

Langgewann

Gewann, dessen Parzellen im Mittel über 250 m Länge, oft sogar 300 - 700 m oder mehr aufweisen.

längsgeteiltes Ein(heits)haus

Ein Grundtyp des Ein(heits)hauses, als dessen wichtigster Vertreter das Niederdeutsche Hallenhaus gilt. Kennzeichnend ist die Mittellängsdiele, zu deren Seiten die Ställe und in deren Front der Wohnteil liegt. Das Hallen-Einhaus ist der im gesamten nördlichen Mitteleuropa meistverbreitete Bauernhaustyp.

Langstreifenflur

Nach Müller-Wille (1944) eine von anderen Wirtschaftsflächen umrahmte Gemengefeldflur, die in schmale, lange Streifen gegliedert ist, deren Wachstum sich in den einzelnen Besitzparzellen vollzieht und bei der alle Parzellen ohne Überfahren der Nachbarparzellen von der Schmalseite her zu erreichen sind. Zumindest sollte das Streifensystem für einen markanten Flurteil prägend sein. Querteilungen einzelner Streifen sind durchaus möglich. Die Grenze zu Kurzstreifen liegt in Mittel- und Westeuropa bei ca. 300 m.

Entgegen früherer Auffassung handelt es sich bei der Langstreifenflur nicht um eine Art germanische "Urflur". Ihre Bildung auf dem Esch fällt in den ältesten Ausbau einer Flur im letzten Drittel des ersten nachchristlichen Jahrtausends und ist mit der Herausbildung eines Kleindorfes (Drubbel) verbunden. Eine weitere Entwicklungslinie von Langstreifenfluren kann in die karolingische Ausbauphase zurückdatiert und als fränkische Staatskolonisation bezeichnet werden. Ihr Auftreten ist für Dörfer am Hellweg belegt.

Latifundium

Von lat. latus = weit, ausgedehnt und fundus = Grund, Boden, Grundstück; landwirtschaftlicher Großgrundbesitz, der aufgrund seiner oft als unzweckmäßig geltenden Betriebsgröße (i.a. über 1.000 ha) meist nicht als Einheit bewirtschaftet wird. Das Wirtschaftsverhalten des Eigentümers ist gewöhnlich durch sein Desinteresse an eigener Landbewirtschaftung gekennzeichnet. Er verteilt seinen Besitz entweder auf Kleinpächter oder auf einen mit Tagelöhnern arbeitenden Großpächter und lebt von den Pachtzinsen (rentenkapitalistisches Element). So geht er kein Risiko ein und investiert nur, wenn es unbedingt nötig ist. Seinen Wohnsitz hat er meistens in einer Großstadt (Absentismus), wo er einem außerlandwirtschaftlichen Erwerb nachgeht.

Einem äußerst sparsam verfügbaren Kapital stehen ausgiebig bemessene Landvorräte gegenüber. Infolgedessen sind die feste und bewegliche Hofausstattung dürftig.

Die Latifundienwirtschaft führt zu einer extensiven Nutzung des Großgrundbesitzes, die mit einer total verarmten, sozial und wirtschaftlich abhängigen ländlichen Bevölkerung verbunden ist. Das Latifundium ist so nicht nur eine Betriebsform, sondern auch Ausdruck einer sozialen und politischen Herrschaftsorganisation mit teilweise noch vorkapitalistischen Arbeits- und Abhängigkeitsverhältnissen.
Auf Sizilien gab es oft eine ganze Abhängigkeitskette von Großpächtern, Zwischenpächtern und Unterpächtern (sog. Gabelottisystem). Der Großpächter ("gabelotto") betrieb dabei die Weidewirtschaft in eigener Regie, während er die Weizenfelder parzellenweise unterverpachtete. Die Aufsplitterung kam im äußeren Bild der Agrarlandschaft nicht zum Ausdruck, weil alle Flächen einheitlich bewirtschaftet wurden.

Wurde das Latifundium nicht aufgeteilt und verpachtet, sondern als Großbetrieb für den Eigentümer bewirtschaftet, so sprach man in Italien vom "latifondo capitalistico". Bei dieser vorwiegend im südlichen Festland-Italien verbreiteten Organisationsform kamen neben einem kleinen Stamm fest angestellter Arbeitskräfte zahlreiche Tagelöhner zum Einsatz. Diesem Typus entsprachen in Spanien die Latifundien der Extremadura in ihrer traditionellen Form.

Unter Produktivitätsgesichtspunkten stellen Latifundien meist eine unbefriedigende Form der Bodennutzung dar. Bei geringer Bodenfruchtbarkeit kann diese Wirtschaftsform allerdings die einzige angemessene Betriebsorganisation sein. Beispiele sind die Schafzuchtgebiete des Hochlandes in Bolivien und Peru, die Strauchsteppen Patagoniens, der Gran Chaco in Argentinien und die trockenen Grasländer Nordmexikos.

Die Ursachen der Entstehung und die Formen von Latifundien sind unterschiedlich. So führt man z.B. die Latifundien Italiens auf die Sklavenwirtschaft römischer Latifundien, im Falle Süditaliens aber auch auf das Lehenswesen der Normannenzeit zurück. In Südspanien und der Extremadura hat der Latifundienbesitz seine Wurzeln in der Reconquista. In England und im östlichen Mitteleuropa ist die Latifundienwirtschaft eine Folgeform mittelalterlicher Grundherrschaft. Die Estancien in den Viehzuchtgebieten Argentiniens sind aus den kolonialzeitlichen Encomiendas, auf denen Indianer zur Arbeit verpflichtet wurden, entstanden. Weitere Verbreitungsgebiete sind die Maghreb-Länder.

LEADER

Sprachlich ist LEADER ein engl. Apronym der französischen Bezeichnung "Liaison entre actions de développement de l'économie rurale" (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Inhaltlich ist LEADER ein methodischer Förderansatz der Europäischen Union zur Regionalentwicklung, mit dem seit 1991 modellhaft der Idee der Bottom-up Methode bei der Entscheidungsfindung über Förderanträge Rechnung getragen wird. Ziel ist es, die ländlichen Regionen Europas auf dem Weg zu einer eigenständigen Entwicklung zu unterstützen. Lokale Akteure aus den vielfältigsten öffentlichen aber auch nicht öffentlichen Interessenskreisen schließen sich zu lokalen Aktionsgruppen (LAG) zusammen und erarbeiten gemeinsam regionale Entwicklungskonzepte (REK), die die Schwächen, Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten einer bestimmten Region aufzeigen. Auf Basis des REK werden von den LAG'en Projekte zur Förderung ausgewählt.

Die LEADER-Förderung erfolgt in zeitlich begrenzten Förderperioden. Aktuell läuft die 5. Periode (2014-2020).

Seit Beginn der Förderperiode 2007–2013 ist LEADER Teil der Mainstream-Förderung der Europäischen Union. Finanziert wird das Programm aus dem neu geschaffenen ELER-Fonds. Konkretisiert wird dieser Politikansatz durch die Förderprogramme in den Mitgliedsländern. Im Vorwege der Förderperiode wurden diese nationalen Programme in Einklang mit den EU-Förderbestimmungen gebracht. Für die Durchführung der EU-Förderprogramme in Deutschland sind die Bundesländer zuständig.

Kennzeichnend für das LEADER-Programm sind sieben wesentliche Merkmale:

  1. Bottom-up-Ausarbeitung und Umsetzung von Strategien
  2. Lokale öffentlich-private Partnerschaften: die lokalen Aktionsgruppen (kurz: LAG)
  3. Integrierte und multisektorale Aktionen
  4. Innovation
  5. Kooperation
  6. Netzwerkbildung
  7. Territoriale lokale Entwicklungsstrategien

Weitere Informationen:

Lebendverbauung

Verklebung und Verbindung von Bodenkrümeln durch Bakterienausscheidungen, Algenbewuchs und Myceldurchflechtungen (Pilze).

Leguminosen

Pflanzen der Gruppe der Schmetterlingsblütler. Sie leben mit Knöllchenbakterien, die sich an den Wurzeln dieser Pflanzen ansiedeln, in Symbiose (Lebensgemeinschaft). Die Knöllchenbakterien sind in der Lage, den Stickstoff aus der Bodenluft aufzunehmen. Sie geben ihn zum Teil an die Wirtspflanze weiter und bauen mit ihm zum anderen Teil ihr eigenes Zelleiweiß auf. Nach der Verwesung dieser Pflanzen wird der Stickstoff für die nachfolgenden Pflanzen verfügbar. Auf diese Weise haben Leguminosen eine besonders gute Vorfruchtwirkung. Zu ihnen zählen u. a. alle Erbsen-, Bohnen-, Wicken-, Lupinen- und Kleearten. Erbsen und Bohnen spielen auch in der menschlichen Ernährung eine Rolle.

(s. a. Gründüngung, Zwischenfrüchte)

Lein (Flachs)

Kulturpflanze zur Gewinnung von Fasern, Öl und Ölschrot. In Europa werden zumeist Sorten zur Fasergewinnung (Leinen) angebaut. Lein hat in Deutschland zurzeit eine geringe Bedeutung. Funde deuten darauf hin, dass schon vor über 10.000 Jahren Fasern für Kleidung aus Lein gewonnen wurden. Leinöl war lange Zeit auch in Deutschland eine Delikatesse. Sein Anbau wird auch in der Europäischen Union (EU) gefördert.

Leitbild

Die normative Beschreibung eines - mehr oder weniger - widerspruchsfrei anzustrebenden Zustands, hier der Agrarpolitik bzw. der Agrarstruktur. Agrare Leitbilder enthalten langfristige, potentiell wünschbare und grundsätzlich realisierbare räumliche, ökologische wie auch sozio-ökonomische Entwicklungen und Strukturen. Die sich in Leitbildern ausdrückenden agrarpolitischen Ziele sind ihrerseits Bestandteile gesamtwirtschaftlicher Ziele. Dem übergeordneten gesellschaftlichen Ziel Maximierung der gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt entsprechend steht das Ziel einer effizienten Agrarproduktion unter Einbeziehung ihrer externen Effekte im Vordergrund.

Leitbilder können beispielsweise sein die konventionell-moderne Landwirtschaft mit einer Trennung von Flächenbewirtschaftung und Viehhaltung oder die kreislauforientierte regionale Landwirtschaft. Zu Zeiten der deutschen Teilung standen sich das Leitbild des bäuerlichen Familienbetriebes in der Bundesrepublik und der spezialisierte, genossenschaftliche Großbetrieb mit industriemäßiger Produktion in der DDR gegenüber. Nach der Wiedervereinigung wird im Agrarbericht der Bundesregierung zwar nur noch eine bäuerliche Landwirtschaft angestrebt und eingeräumt, daß eine leistungs- und wettbewerbsfähige, marktorientierte und umweltverträgliche Landwirtschaft, die sich in vielfältigen Rechts- und Unternehmensformen organisieren kann, am ehesten wettbewerbsfähig ist. Inzwischen gibt es aber von westdeutschen Bundesländern - insbesondere von Bayern und Nordrhein-Westfalen - Bestrebungen, diese Entwicklungen umzukehren und die Agrarpolitik wieder allein am Leitbild des Familienbetriebes bzw. einer bäuerlich strukturierten Landwirtschaft auszurichten.

Weitere Informationen:

Leitkultur

Kulturpflanze, die mit ihrem dominierenden Anbau betriebsbestimmend ist.

(s. a. Begleitkultur)

Lesestein

Vom Menschen aus Äckern zusammengetragene (aufgelesene) Steine bis Blöcke, die keine Verbindung mehr zum Herkunftsplatz haben. Lesesteine bilden oft eigene, anthropogene Formen als Ackerraine oder -terrassen. Weitere Formen sind Lesesteinriegel (Lesesteinrücken) und Lesesteinhaufen.

Levada

Bezeichnung für künstliche Wasserläufe auf der portugiesischen Insel Madeira, mit denen Wasser aus den niederschlagsreicheren Gebieten im Norden und im Zentrum der Insel zu den landwirtschaftlichen Anbaugebieten im Süden geleitet wird. Da hierbei zum Teil große Strecken überwunden werden müssen, verläuft ein Großteil der Levadas mit nur sehr geringem Gefälle. Dafür überwinden diese Wasserwege Täler und Berge, durchqueren Tunnels, kreuzen natürliche Wasserläufe und führen auch über Brücken. Im 19. Jahrhundert hatte das riesige, wasserbaulich ausgeklügelte Bewässerungssystem der Levadas smit insgesamt mehreren tausend Kilometern an Wasserkanälen eine größte Ausdehnung erreicht.

Auf der seit 1419 von den Portugiesen besiedelten Insel wurde bereits 1432 Zuckerrohr angebaut. Diese wärmeliebende Kultupflanze besitzt einen hohen Wasserbedarf für Wachstum und Verarbeitung. Die Idee zur Bewässerung soll von maurischen und orientalischen Sklaven eingebracht worden sein. Über Jahrhunderte blieb Zucker ein zentrales Exportprodukt der Insel. Bereits vor und um 1500 wurde mit der Kultivierung von Bananen und Reben begonnen.

Heute werden die Levadas außer zum Transport des Wassers vor allem touristisch genutzt. Auf den neben dem Wasser verlaufenden Pfaden sind an vielen Orten Wanderwege ausgeschildert. Auch werden drei Elektrizitätswerke mit dem Wasser von Levadas betrieben, bevor das Wasser dem eigentlichen Zweck der Bewässerung zugeführt wird.

Ley-Farming

Intensivform der Feldgraswirtschaft, die vornehmlich im sommerkühlen Meeresklima Großbritanniens verbreitet ist. Mögliche Fruchtfolge: 1. - 3. Jahr ley (Grasland mit Kleegrasmischung), 4. Jahr Weizen, 5. Jahr Sommergerste, 6. Jahr Hackfrüchte, 7. Jahr Sommergerste, 8. - 10. Jahr ley.

LF

Siehe landwirtschaftlich genutzte Fläche

Limnotherm

RWE-Projekt einer Warmwasserfischzucht mit kontrolliertem Kreislaufkühlwasser thermischer Kraftwerke mit Naßkühltürmen. Die Aquakultur-Anlage beim Braunkohle-KW Niederaußem nutzt vor allem die hohe Wasserqualität des aus Tiefbrunnen gewonnenen Kühlwassers (Schadstofffreiheit, hoher Sauerstoffgehalt). Die ganzjährig erzielbaren Temperaturen von 22 bis 26 °C bieten optimale Wachstumsbedingungen für viele Fischarten. Produktionsziele sind Speisefische und vor allem Besatzfische für andere Gewässer.

(s. a. Hortitherm, Agrotherm, Teichwirtschaft)

LN

Siehe landwirtschaftliche Nutzfläche

Lohnmast

Auftragsverhältnis zwischen agrarindustriellen Unternehmen und unabhängigen Landwirten zur Aufzucht von Jungtieren zur Schlachtreife. Der Landwirt bezieht dabei frischgeborene Tiere (Kälber, Schweine, Geflügel), häufig auch das Futter und veterinärmedizinische Betreuung vom Großunternehmer, der die Tiere am Ende der Mastzeit zurückkauft. Lohnmast bietet einerseits dem Landwirt die Möglichkeit, seinen möglicherweise existenzgefährdeten Betrieb zu erhalten, andererseits erspart sie dem agrarindustriellen Unternehmen Investitionen für Stallanlagen, Ausgaben für Sozialleistungen sowie mögliche Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften. Ferner spielt bei der Bereitschaft zu dieser Form von überbetrieblicher Zusammenarbeit die Begrenzung der steuerlichen Vergünstigungen des § 24a UStG auf Tierhaltungen bis zu 330 VE eine Rolle.

(s. a. Fremdtierhaltung)

Lohnunternehmer

Die landwirtschaftlichen Lohnunternehmer sind gewerbliche landtechnische Dienstleistungsbetriebe im ländlichen Raum. Sie stehen mit einem vielseitigen Maschinenpark von Groß- und Spezialmaschinen und geschulter Fachbedienung den Betrieben der Land- und Forstwirtschaft sowie für kommunale Aufgaben im ländlichen Raum zur Verfügung. Dabei ersparen sich Landwirtschaft und Behörden erhebliche Investitionen für Spezialmaschinen, deren Auslastung im Betrieb nicht erreicht werden kann. Forstarbeiten, Grünflächen- und Gewässerpflege, Wege- und Straßenunterhaltung sowie Pflegearbeiten in der Landschaft werden angeboten. Daneben gibt es Maschinenringe.

lokales Ressourcenmanagement

Abk. LRM; interdisziplinäres Arbeitsgebiet, in welchem traditionelle Methoden der Feld- und Laborbodenkunde mit modernen Verfahren und Techniken der Geostatistik, der Informationsverarbeitung und der Satellitenortung kombiniert und für praktische Anwendungen zu Standortbewertung, Produktionsmitteleinsatz und Bodenschutz mit dem Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaft nutzbar gemacht werden. Das Attribut 'lokal' steht dabei für den räumlichen Bezug, der Begriff 'Ressourcen' unterstreicht den schutzwürdigen Charakter der die Bodenfruchtbarkeit bestimmenden Merkmale und 'Management' den ökonomisch und ökologisch vertretbaren Umgang mit dem Produktionsfaktor Boden und mit Betriebsmitteln als Ziel verantwortlichen Handelns. Als neues und zukunftsweisendes Konzept des Agrar-Managements, das in den Technologien des Precision Farming seine praktische Umsetzung findet, erlaubt LRM beispielsweise die kleinräumig angepasste Düngerapplikation, die einer umweltbeeinträchtigenden und gewinnschmälernden Überversorgung entgegenwirkt.

Lokalrasse

Eine durch allmähliche Anpassung an jeweilige Umwelt- und Haltungsbedingungen entstandene regionale Nutztierrasse.

(s. a. Landsorte)

Lokator

Im Rahmen der Ostkolonisation von der Landesherrschaft (Deutscher Orden oder Landesfürst) beauftragter Organisator von örtlichen, manchmal von kleinregionalen Siedlungen. Die meist adeligen Lokatoren erhielten dazu eine mehr oder weniger große Fläche zugewiesen und waren verpflichtet, hierauf eine bestimmte Dorf- und Bauernhofzahl einzurichten bzw. durch die Siedler einrichten zu lassen. Vorgeschrieben war auch die Fläche der Hufen, d.h. die Fläche je Hof. Dabei wurde meistens von der fränkischen Hufe mit 24 ha oder von zwei flämischen Hufen mit zusammen etwas mehr als 32 ha ausgegangen. Der Lokator, der selbst nicht Grundherr war, durfte sich die doppelte Fläche eines Bauernhofes oder im Einzelfall noch mehr reservieren.

Lomé-Abkommen

In Lomé, der Hauptstadt der westafrikanischen Republik Togo, ist erstmals 1975 ein Abkommen zur Entwicklungszusammenarbeit zwischen der EG und Ländern Afrikas, der Karibik und des Pazifiks (AKP-Staaten) unterzeichnet worden. Dieses erste Lomé-Abkommen hatte, wie seine Vorgänger und später seine Nachfolger Lomé II und Lomé III, eine Laufzeit von fünf Jahren.
Die Bestandteile des Lomé-I-Abkommens gingen über die früheren Abkommen hinaus. Als wichtigste Neuerung galt das System zur Stabilisierung der Ausfuhrerlöse (STABEX). Dieses sollte den Entwicklungsländern helfen, ihre Exporterlöse für eine Reihe von agrarischen Rohstoffen zu sichern. Weitere Elemente waren die Bereitstellung von Mitteln für regionale Projekte, die Förderung von kleinen Projekten und Kleinbetrieben sowie die Langzeithilfe für die ländliche Entwicklung.
Das Lomé-II-Abkommen fügte dem entwicklungspolitischen Instrumentarium eine weitere Neuerung zu: SYSMIN ("besondere Bergbau-Finanzierungsfazilität"). Analog zum STABEX-System für Agrarprodukte hatte SYSMIN die Aufgabe, die Rohstoffpreise für Erze aus den AKP-Staaten zu stabilisieren. STABEX und SYSMIN konnten jedoch den Preisverfall für Rohstoffe nicht aufhalten. Die daraus resultierende Verschuldungskrise drängte viele AKP-Staaten an den Rand des Überlebens.
Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen legte die Europäische Kommission für das Lomé-III-Abkommen ein neues Konzept vor. Die Schlüsselworte lauteten unter anderem entwicklungspolitischer Dialog sowie Förderung ausgewählter sektoraler Programme.
Das vierte Abkommen, das am 15. Dezember 1989 abgeschlossen wurde, hat eine Laufzeit von zehn Jahren bis zum 28. Februar 2000. In dem Vertragswerk gilt als Grundprinzip unter anderem die Anerkennung der Souveränität der AKP-Staaten und ihrer wirtschaftlichen und politischen Optionen. Ziel bleibt es „die wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklung der AKP-Staaten zu fördern und zu beschleunigen und die Beziehungen zwischen EG und AKP im Geiste der Solidarität im beiderseitigen Interesse auszubauen und zu diversifizieren“. Der Umweltschutz erhält künftig Priorität unter den Zielen des Abkommens, beispielsweise über ein Checklistenverfahren und Umweltverträglichkeitsprüfungen bei Projekten. Mehr Aufmerksamkeit wird dem Aufbau des Privatsektors geschenkt.

Die Effekte des Lomé-Abkommens werden z. T. sehr kritisch bewertet: So wurde u. a. kritisiert, dass sich zwischen der EG-Kommission und den Eliten in den AKP-Staaten geradezu Klientelstrukturen herausgebildet und die Eliten die Gelder aus Europa häufig zweckentfremdet hätten. Ein anderer Vorwurf lautete, dass das System von gesicherten Ausgleichszahlungen bei Preisschwankungen und Preisgarantien für Produkte (STABEX) dazu geführt habe, dass die AKP-Staaten nur unverarbeitete Güter (Agrarprodukte und -rohstoffe) exportiert und andere Produktionsgüter (z. B. Textil) vernachlässigt und damit ihre Abhängigkeit gefestigt hätten. Als widersprüchlich an der AKP-Zusammenarbeit wird auch kritisiert, dass den AKP-Staaten bei den Produkten, bei denen sie tatsächlich konkurrenzfähig sind (z. B. Bananen und Rindfleisch), der freie Zugang zum europ. Markt verwehrt wurde. Da die Bestimmungen des Lomé-Abkommens (v. a. das Präferenzsystem) mit den Prinzipien und Regelungen eines freien Welthandels, wie sie mit der 1993 gegründeten Welthandelsorganisation (WTO) beschlossen wurden, nicht in Einklang standen, wurde das Lomé-Abkommen 2000 durch das sog. Cotonou-Abkommen abgelöst.

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Löß

Auch Löss; flächenhaft abgelagertes äolisches Staubsediment von gelber bis gelbgrauer Farbe, dessen Kornstruktur durch Karbonat schwach verfestigt wurde. Löß wird durch den Wind aus Räumen geringer Vegetation und bedeutender mechanischer Verwitterung ausgeweht. Die in Mitteleuropa maximal mehrere Zehner von Metern mächtigen kaltzeitlichen Ablagerungen entstammen den Sandern, Schottern und den Frostschuttzonen des damaligen Periglazialraumes. Unter den rezenten Bedingungen semiarider Regionen, z.B. der Trockengebiete Chinas bilden sich Lößdecken weiterhin. Der aus den innerasiatischen Wüsten stammende Staub ließ mehrere hundert Meter mächtige Lockersedimente entstehen.

Löß ist sehr standfest; durch anthropogen-erosive Einflüsse werden Lößhohlwege und Lößschluchten gebildet.

Fluviatile Erosions- und Sedimentationsvorgänge vermögen den Fluglöß (i.d.R. ungeschichtet) zu Schwemmlöß (geschichtet) umzulagern.
Unverwitterter Löß besteht im mitteleuropäischen Raum vorherrschend aus den Korngrößen Grob- und Mittelschluff (63 bis 6,3 µm), die bis über 80 Gewichtsprozente betragen können. Der Rest ist zum größeren Teil Ton, zu einem sehr geringen Anteil Sand. In den Körnungsanalysen sind meist nicht die karbonatischen Bestandteile berücksichtigt, die im Mittel um 15 Gewichtsprozent betragen. Der Mineralbestand hängt von dem des Auswehungsgebietes ab, setzt sich aber vorwiegend aus Quarz, Feldspat, Glimmern und Calcit zusammen. Unverwitterter Löß ist relativ unfruchtbar.
Kohlendioxidhaltige Sickerwässer lösen den Kalk und führen ihn in den Unterboden ab. Entkalkung und Tonmineralneubildung lassen den zu Rutschungen neigenden Lößlehm entstehen, dessen Mineralgehalt von den Pflanzenwurzeln aufgeschlossen werden kann.
Typische Böden aus Löß sind Schwarzerden (Chernozems) und bei zunehmender Humidität Parabraunerden (Luvisols). Diese lößbürtigen Böden gehören zu den wertvollsten Kulturböden der Erde.
In tieferen Teilen des Lößprofils wird der Kalk häufig in Konkretionen, den Lößkindel wieder ausgefällt.
In Europa zieht sich ein nördlicher Lößgürtel von Nordfrankreich über Belgien, den Nordsaum der deutschen Mittelgebirge nach Südpolen und in die Ukraine, um sich im Wolgagebiet bis auf 1.000 km Breite auszudehnen. Ein südlicher Gürtel geht mit weiten Ausstrahlungen nach Osten von der Oberrheinebene aus, setzt sich entlang der Donau nach Niederösterreich, Mähren, Ungarn und Rumänien fort und vereinigt sich am Schwarzen Meer mit dem nördlichen Lößgürtel. Schwerpunkte in Deutschland sind die Börden, die Senken des Niedersächsischen und Hessischen Berglandes im Leinetalgraben, die süddeutschen Gäulandschaften sowie der Raum des Rhein-, Donau- und Elbetales. Der Löß erreicht hier eine Mächtigkeit zwischen einigen Dezimetern und Dutzenden von Metern. Weitere großflächige Lößgebiete liegen in China, Argentinien und den Prärien der USA.

Die Palette landwirtschaftlicher Produkte in Lößgebieten ist breit. In Gebieten höchster Fruchtbarkeit (Schwarzerdevorkommen) dominieren Weizen und Zuckerrüben, bei zusätzlicher Klimagunst und/oder Marktnähe entwickelten sich Sonderkulturen, so der Obst- und Gemüseanbau der Ville oder der Weinbau in SW-Deutschland.

LUCAS

LUCAS steht für Land Use/Cover Area Frame Survey (Flächenstichprobenerhebung zur Bodennutzung und Bodenbedeckung); dabei handelt es sich um ein von Eurostat finanziertes und durchgeführtes Programm für Feldstudien in Europa. Ziel von LUCAS ist Einführung von Flächenstichprobenerhebungen, die harmonisierte Daten über die Bodennutzung/Bedeckung in der Europäischen Union liefern. Zudem sollen die Erhebungen Informationen über Landwirtschaft, Umwelt, Landschaftsformen und nachhaltige Entwicklung, Bezugspunkte am Boden für die Kalibrierung von Satellitenbildern sowie ein Register mit Bezugspunkten für spezifische Erhebungen (beispielsweise zu Böden und biologischer Vielfalt) und für das europäische Kernnetz für die In-situ-Datenerfassung bereitstellen.

Daten zur Bodenbedeckung und Bodennutzung sind für die Festlegung und Bewertung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und von umweltpolitischen Maßnahmen von großer Bedeutung.

LUCAS wurde 2001 nach dem Beschluss Nr.1445/2000/EG vom 22. Mai 2000 über den Einsatz von Flächenstichprobenerhebungen und Fernerkundung in der Agrarstatistik als Piloterhebung gestartet.

Weitere Informationen:

Lupine

Pflanze, die zu den Körnerleguminosen (Leguminosen) gehört, spielt insbesondere bei der Gründüngung eine Rolle.

Luzerne

Kleeartige Futterpflanze aus der Familie der Leguminosen, dient vorwiegend zur Bodenverbesserung (Gründüngung) und zur Futterproduktion für Rinder.

Lustgarten

Garten, der im Gegensatz zum Nutzgarten ausschließlich der Zerstreuung, der Muße und dem ästhetischen Genuss dient. Es ist heute ein meist öffentlicher Park, der vorrangig der Erholung dient. Er enthält häufig auch zusätzliche Einrichtungen wie Konzertsäle, Pavillons, Fahrgeschäfte, Zoos oder Menagerien.

Lustgärten existieren seit vielen Jahrhunderten. Im alten Rom wurde der gestaltete Garten des Sallust (Horti Sallustiani) als privater Garten vom Historiker Gaius Sallustius Crispus entwickelt. Diese Gärten wurden vom römischen Kaiser Tiberius erworben. Sie enthielten viele Pavillons, Skulpturen und einen Tempel der Venus und waren für Jahrhunderte der Öffentlichkeit zugänglich.

Im London des 18. und 19. Jahrhunderts gab es viele öffentliche Lustgärten („pleasure gardens“). Sie enthielten häufig große Konzertsäle oder es wurden Promenadenkonzerte aufgeführt. Eine kleinere Version eines britischen Lustgartens ist ein Teegarten, in dem Besucher Tee trinken und schlendern können. Der Lustgarten ist eine von sechs Formen des „vollkommenen Gartens“ aus dem 18. Jahrhundert. Die anderen sind Gemüsegarten, Obstgarten, Park, Orangerie oder Gewächshaus und Menagerie.