Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

L

Lachgas

Siehe Distickstoffoxid

Ladangkultur

In den tropischen Regenwäldern Indonesiens verbreitete Form der Brandrodungswirtschaft.

Lägerflur

Gesellschaft aus großen, üppig wachsenden Pflanzen (z.B. Alpenampfer, Blauer Eisenhut, Große Brennessel), die um Stallungen z.B. auf Almen entsteht, wo durch den Kot des Viehs eine intensive Stickstoffanreicherung im Boden stattfindet. Weil auch nach Auflassen der Weidenutzung die Nährstoffe über viele Jahrzehnte im Boden erhalten bleiben und die Lägerflora sich von selbst stark ausbreitet, sind diese Standorte ohne menschliche Pflegemaßnahmen für andere Pflanzen für lange Zeit blockiert.

Laktationsperiode

Zeitabschnitt der Milchproduktion eines Muttertieres nach der Geburt von Nachkommen. Er kann bei Rindern von 230 bis über 650 Tage betragen.

Land Ordinance

Allgemein übliche Kurzform für Ordinance for ascertaining the mode of disposing lands in the western territory; es ist eine Bodenvergabeerlass der USA von 1785 zum Verkauf von bundeseigenen, vermessenen Flächen. Dabei wurden in öffentlichen Auktionen Flächen von einer Mindestgröße von zunächst 640 acres (256 ha) zu einem Mindestpreis von 1 $/acre versteigert. Das Verfahren blieb praktisch unverändert bis zum Homestead Act (1862).

Um die öffentlichen Schulsysteme zu finanzieren, wurde in der Land Ordinance erlassen, dass der Verkaufserlös von der 16. Sektion einer jeden Township (36 Sektions) zugunsten der einzurichtenden Schulen ging.

Nachwirkendes Element der Land Ordinance ist das von Th. Jefferson entworfene, quadratische Landvermessungssystem mit den Einheiten township (6 x 6 Meilen), section (1 x 1 Meile) und quarter section (½  x ½ Meile). In der Mitte einer township wurde eine section für Schulen und Verwaltungsgebäude freigelassen. Vier weitere sections behielt der Staat, die restlichen 31 sections konnten veräußert werden.

Dieses „Congressional Survey System“ oder „Ordinance Survey“ (nach der „Land Ordinance“ von 1785 genannt) deckt das gesamte Gebiet der USA ab mit Ausnahme folgender Staaten: Maine, Massachusetts, New Hampshire, Vermont, Rhode Island, Connecticut, New York, New Jersey, Pennsylvania, Virginia, West Virginia, Kentucky, Tennessee, North Carolina, South Carolina und Georgia. Weitere Ausnahmen sind kleine Gebiete in anderen Bundesstaaten, die unter spanischer oder französischer Herrschaft schon vermessen wurden; zum Beispiel ist im südlichen Illinois entlang des Mississippi River vereinzelt das französische „long lot system“ anzutreffen, bei dem Grundstücke mit ein paar hundert Meter entlang des Flusses und bis zu etwa eine Meile nach Inland gemessen wurden.

Wie auch in anderen jung kolonisierten, europäisch besiedelten Überseegebieten konnten historisch unbelastete Strukturen geschaffen werden. Die bisherige Wirtschaftsweise der autochthonen Bevölkerung hatte die Naturlandschaft kaum beeinflußt und eine Fixierung von Formalstrukturen der Landwirtschaft (z.B. Parzellengefüge, Wegenetz) fehlte.

Das völlig schematische System wurde, wo immer die Geländeverhältnisse es erlaubten, konsequent umgesetzt. Entsprechend herrschen in der ländlichen Kulturlandschaft der USA Einzelsiedlung und geschlossene Besitzblöcke bei rechtwinklig verlaufenden Besitzgrenzen vor. Wege und Straßen sowie alle Verwaltungsgrenzen verlaufen geradlinig von N nach S und von O nach W. In dieses Gitternetz fügen sich auch die Grundrisse der städtischen Siedlungen ein.

Das township-System umfasst alles Land westlich der Appalachen, d.h. rund ¾ der Gesamtfläche der USA. Ausgenommen sind Gebiete, in denen zuvor bereits die mexikanische Regierung andere Landvermessungssysteme eingerichtet hatte. Ähnliche schematische Einödfluren gibt es auch in Südafrika, Australien, Neuseeland und bei den neuzeitlichen Staatskolonisationen in Südamerika.

Vorteile des Systems:

Nachteile des Systems:

Die Land Ordinance von 1785

Nach dem Unabhängigkeitskrieg entstanden Pläne für eine systematische Landvermessung der Gebiet, die westlich der Appalachen, östlich des Mississippis, nördlich des noch von Spanien kontrollierten Floridas lagen und sich bis hin zur Südgrenze Kanadas erstreckten. Ein quadratisches Vermessungssystem wurde entwickelt, welches das Gebiet in Einheiten von 36 Quadratmeilen gliederte, die sog. Townships. Jede Township hatte 36 Sections, die 1 Quadratmeile (640 acres) groß waren. Jede Section sollte an siedlungswillige Bürger für nicht weniger als $ 1 pro acre verkauft werden.

Quelle: U.S. History Wiki

Land Sharing

In der Naturschutzbiologie und ähnlichen Disziplinen gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze, wie Land genutzt werden kann, um möglichst viele Arten zu erhalten. Die eine Strategie nennt sich „Land Sharing“. Dort teilen sich Naturschutz und Nahrungsmittelproduktion eine Fläche. Hier wird versucht, auf der gleichen Fläche Lebensmittel anzubauen, und gleichzeitig Lebensraum für wildlebende Pflanzen- und Tierarten zur Verfügung zu stellen (z. B. ökologischer Landbau). Zum einen entfaltet sich auf agrarökologisch bewirtschafteten Flächen eine hohe Biodiversität und zum anderen dienen sie, anders als chemiebelastete und ausgeräumte Agrarwüsten, für Pflanzen und Tiere als Durchgangskorridore („Grüne Matrix“) zu ihren Habitaten. Befürworter dieser Strategie sehen Kleinbauern mit ihrem Eigeninteresse an einer nachhaltigen Bewirtschaftung ihres Landes und an einer souveränen Verfügung über das, was sie anbauen, als die besten Agrarökologen. Schließlich sei eine multifunktional gedachte Agrarökologie auch „ein Trittstein auf dem Weg“ zu einer gerechteren Gesellschaftsordnung.
Das Gegenkonzept zu Land Sharing ist Land Sparing.

Land Sparing

Landnutzungsform, bei der auf einem Teil der landwirtschaftlich genutzten Fläche einer Region eine nachhaltige Intensivierung und Produktivitätssteigerung angestrengt wird, um andere Gebiete bzw. natürliche Habitate zu entlasten oder zu schonen. Während Erstere der Ertrags- und Ernährungssicherung dienen, stehen auf Letzteren Aspekte wie der Erhalt bzw. die Schaffung natürlicher Lebensräume, die Erhöhung der Biodiversität oder der natürlichen Kohlenstoff- und Wasserspeicherkapazität durch das Anlegen von z. B. Wäldern oder Feuchtgebieten im Vordergrund. Ziel des Land Sparing ist eine Kombination von Intensivierung auf den für die Landwirtschaft am besten geeigneten Flächen und der Erhalt natürlicher Habitate. Im Idealfall unterstützen die extensiv oder komplett aus der Produktion herausgenommenen Flächen die Produktivität auf den intensiv genutzten. Vor allem durch das globale Bevölkerungswachstum oder den Klimawandel erhält das Konzept des Land Sparing Auftrieb, um Produktivität und Nachhaltigkeit zu vereinen.

Das theoretische Konzept, das diesem “Festungsnaturschutz” zugrunde liegt, wurde vor knapp 20 Jahren im angelsächsischen Raum entwickelt und zielt auf nicht weniger als auf eine neue globale Raumordnung: Konzentration der Menschen in Städten und eine Aufteilung des Landes in Nutzflächen, auf denen mit intensiven Anbauverfahren, Agrochemikalien und Gentechnik die Nahrung für eine wachsende Weltbevölkerung produziert wird und in menschenfreie Naturschutzgebiete, die dem Erhalt der Biodiversität dienen.
Zur Zerstreuung menschenrechtlicher Bedenken gegen eine Umsiedlung der Landbevölkerung haben die Anhänger des Land Sparing eine historische Vorlage konstruiert: Sie deuten die gesellschaftlichen Prozesse in Europa während der Industrialisierung zu einer friedlichen Urbanisierung um.

(s. a. Land Sharing)

Landatlas

Webbasierter und interaktiver Atlas des Thünen-Instituts für Ländliche Räume als Monitoringsystem, das die Lebens-, Wohn- und Arbeitssituationen in ländlichen Räumen Deutschlands detailliert abbildet. Der Landatlas führt ausgewählte Indikatoren zu Lebensverhältnissen in ländlichen Räumen Deutschlands aus unterschiedlichen Quellen zusammen und bereitet sie für die interessierte Fachöffentlichkeit kartographisch auf. Er soll das gewachsene Interesse von Politik, Medien und  Wissenschaft an der tatsächlichen, vielgestaltigen Situation in ländlichen Räumen zu befriedigen.

Der Landatlas wurde 2016 erstmals ins Netz gestellt. Nun liegt eine neue, inhaltlich erweiterte und technisch verbesserte Version vor, erreichbar unter www.landatlas.de.

Räumlich werden die Daten zur sozialen, demographischen und wirtschaftlichen Situation, zum Wohnen, zur Versorgungslage und zur Erreichbarkeit verschiedener Einrichtungen auf der Ebene von Kreisregionen, Landkreisen und kreisfreien Städten sowie für Gemeindeverbände und Gemeinden in Deutschland dargestellt.

Die 81 Indikatoren können häufig nicht nur für ein aktuelles Jahr betrachtet werden, sondern auch in ihrer zeitlichen Entwicklung. Teilweise gehen diese Zeitreihen bis 1995 zurück. Die Web-Mapping-Anwendung wurde um vielfaltige neue Funktionen und Ansichtsoptionen erweitert. So ist es jetzt erstmals möglich, sich die Daten nur für einzelne Typen ländlicher Räume anzusehen.

Der Landatlas greift die Thünen-Typologie ländlicher Räume mit ihrer Sichtweise von einem Stadt-Land-Kontinuum auf und führt auf dieser Basis sozioökonomische Indikatoren der amtlichen Statistik aus den Themenbereichen Raumstruktur, Bevölkerung, Soziales, Wohnen, Versorgung, Erreichbarkeit, Wirtschaft und Arbeit, öffentliche Finanzen und Landnutzung zusammen. Damit bietet er einen neuen Blick auf die Lebenssituationen in den unterschiedlichen ländlichen Räumen Deutschlands. In Abhängigkeit vom jeweiligen Indikator lassen sich interaktive Karten für unterschiedliche räumliche Ebenen wie beispielsweise Kreise und Gemeinden und unterschiedliche Jahre – zum Teil bis zurück ins Jahr 1995 – anzeigen. Dabei sind die Darstellung der Karte sowie die statistischen Zusatzinformationen auch auf einzelne Bundesländer oder Typen der Thünen-Typologie ländlicher Räume begrenzbar. Zu jedem Indikator ist es möglich, sich für den externen Gebrauch einen PDF-Report zu generieren. Die Kartendarstellungen selbst können als PNG oder, für Print-Broschüren, als SVG heruntergeladen und in externe Präsentationen eingebunden werden. Je nach gewählter räumlicher Ebene können Indikatordaten entweder als Excel-Tabelle oder auch als Geopackage exportiert werden. (BpB)

Der Landatlas erlaubt die Beantwortung unterschiedlichster Fragen mit Raumbezug, wie zum Beispiel:

Ferner sind für 35 Einrichtungen der Daseinsvorsorge die Erreichbarkeiten deutschlandweit auf 250 m x 250 m-Basis berechnet und damit eine einzigartige Datenbasis geschaffen.

Der neue Landatlas bietet allen Nutzerinnen und Nutzern nun auch vielfältige Exportfunktionen und ermöglicht es, die hinterlegten Indikatordaten tabellarisch oder als Geodaten zur eigenen Weiterverwendung kostenfrei herunterzuladen.

Der Landatlas nutzt neben Daten der amtlichen Statistik insbesondere Indikatoren der Laufenden Raumbeobachtung und des Informationssystems INKAR des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Darüber hinaus werden eigens errechnete Erreichbarkeitsindikatoren für unterschiedliche Bereiche der Grundversorgung abgebildet. Diese Daten werden für ausgewählte Themenbereiche und Indikatoren so kleinräumig wie möglich aufbereitet, um differenzierte Perspektiven auf das Leben und Arbeiten in ländlichen Räumen in Deutschland zu ermöglichen. Der Landatlas wird regelmäßig aktualisiert.

Entwickelt wurde der Landatlas durch das Thünen-Institut für Ländliche Räume im Rahmen des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Monitorings Ländliche Räume.

Weitere Informationen:

Landbau

Wirtschaftliche Nutzung des Bodens in der Form des landwirtschaftlichen Pflanzenbaus. Spezielle Formen des Landbaus sind Gartenbau, Obstbau und Weinbau.

(s. a. integrierter Landbau, konventioneller Landbau, ökologischer Landbau)

Landbewirtschaftung

Nach einer Definition der Agrarminister der deutschen Bundesländer von 1993 umfaßt der Begriff Landbewirtschaftung diejenigen Bereiche der Landwirtschaft, die dem Acker- und Pflanzenbau einschließlich der Grünlandbewirtschaftung und der Sonderkulturen (z.B. Garten-, Hopfen- und Weinbau) zuzuordnen sind.
Der Begriff ist trotz prominenten Gebrauchs z.B. in Gutachten allerdings oft sehr vage gehalten.
Eine weiter gefasstes Verständnis sollte die Forstwirtschaft, wie auch ausdrücklich die (extensive) Weidenutzung einbeziehen.

Landdegradation

Auch "Landdegradierung" oder "Landzerstörung"; der Begriff bezeichnet die Verschlechterung des Zustandes von Landökosystemen, verursacht durch direkte oder indirekte, vom Menschen verursachte Prozesse, einschließlich anthropogener Klimaänderungen. Landdegradation ist umfassender als Bodendegradation, da sie alle negativen Veränderungen in der Kapazität des Ökosystems zur Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen (z. B. biologischer, wasser- und landbezogener, sozialer) umfasst. (WBGU 2020)

Die UN-Wüstenkonvention von 1996 sieht in dem Begriff die "Verringerung oder den Verlust der biologischen oder wirtschaftlichen Produktivität und der Vielseitigkeit von natürlich oder künstlich bewässerten Anbauflächen oder von Wiesen und Weiden, forstwirtschaftlich genutzten Flächen und Wäldern in ariden, semiariden und trockenen subhumiden Gebieten infolge der Nutzung des Landes oder infolge eines einzelnen oder mehrerer miteinander verknüpfter Prozesse einschließlich solcher, die sich aus menschlichen Tätigkeiten und Siedlungsmustern ergeben".

Das IPCC (2019) definiert Landdegradierung als "eine negative Entwicklung des Zustands von Landsystemen durch direkte oder indirekte menschlich bedingte Prozesse, einschließlich des menschengemachten Klimawandels; sie wird ausgedrückt als langfristige Abnahme und als Verlust mindestens eines der folgenden Aspekte: biologische Produktivität, ökologische Integrität oder Wert für den Menschen".

Bis heute gibt es kein unumstrittenes Maß, das den Umfang und die Dynamik der Degradation terrestrischer Ökosysteme zuverlässig abbildet. Zudem werden Land- und Bodendegradation oft synonym verwendet. Das hat konzeptionelle (wie wird Landdegradation definiert?) und methodische Gründe (wie wird Landdegradation gemessen?).

Neuere Studien bemessen Landdegradation als Verlust der Nettoprimärproduktion, oft unter Verwendung von Satellitendaten. Eine Möglichkeit der Abschätzung von Degradationstrends in einer Region ist die Beobachtung der Dynamik der Primärproduktion von Land.

Dynamik der Landdegradation

Rund ein Viertel der eisfreien Landfläche ist von menschengemachter Degradation betroffen (IPCC, 2019b). Ein Blick auf die Verluste fruchtbarer Böden gibt einen Hinweis auf die Dynamik der Landdegradation: Es wird geschätzt, dass die Bodenerosion auf landwirtschaftlichen Feldern derzeit 10- bis 20-mal (keine Bodenbearbeitung) bis mehr als 100-mal (konventionelle Bodenbearbeitung) höher ist als die Bodenbildungsrate. Gegenwärtig beeinträchtigt die Degradation der Landoberfläche der Erde durch menschliche Aktivitäten das Wohlergehen von mindestens 3,2 Mrd. Menschen. Mit diesen Degradationsprozessen eng verbunden sind die Fragmentierung und der Verlust von Habitaten, gleichzeitig ein zentraler Faktor der Biodiversitätskrise.

Landentwicklung

Landentwicklung ist der Teil der Raumordnung, der die Planungs- und Entwicklungsstrategien des ländlichen Raumes integriert. Sie umfasst somit die Planung, Vorbereitung und Durchführung aller Maßnahmen, die dazu geeignet sind, die Wohn-, Wirtschafts- und Erholungsfunktionen besonders des ländlichen Raumes zu erhalten und zu verbessern, um damit für die Förderung und die dauerhafte Verbesserung der Lebensverhältnisse außerhalb der städtischen Gebiete zu sorgen.

Somit ist es herausragendes Ziel der Landentwicklung, die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse für die ländlichen Räume in Deutschland insbesondere unter den Bedingungen der Globalisierung und des demographischen Wandels nachhaltig zu sichern.

Im Mittelpunkt einer auf die Zukunft ausgerichteten Landentwicklung stehen daher die von einer aktiven Bürgerbeteiligung getragene Stärkung der Eigenkräfte der ländlichen Räume, die Unterstützung des Erhalts und der Schaffung von Einkommensquellen in den ländlichen Räumen, die Zukunftssicherung ländlicher Gemeinden und die Unterstützung einer nachhaltigen Landnutzung.

Die Landentwicklung unterstützt mit ihren Instrumenten nach den Vorgaben dieser Leitlinien die ländlichen Räume insbesondere gemäß den nachfolgenden Leitsätzen.

Ländliche Räume als Arbeitsräume für Landwirtschaft und Forstwirtschaft erhalten und wirtschaftliche Beschäftigung beleben

Regionale und gemeindliche Entwicklung stärken

Natürliche Lebensgrundlagen und kulturelles Erbe bewahren und entwickeln

Die Ziele der Landentwicklung werden in Deutschland von der Arbeitsgemeinschaft "Nachhaltige Landentwicklung" verfolgt. Sie ist eine der Agrarministerkonferenz (AMK) bzw. deren Amtschefkonferenz (ACK) zugeordnete Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft. Die Arge wurde aufgrund des Beschlusses der Amtschefs der Agrarminister vom 17. Mai 1977 als Arbeitsgemeinschaft Flurbereinigung gebildet und mit Beschluss vom 17. September 1998 in "Arbeitsgemeinschaft Landentwicklung" umbenannt. 2005 erhielt sie den Namen Arbeitsgemeinschaft "Nachhaltige Landentwicklung" (ArgeLandentwicklung).

Mitglieder sind das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie die für den Fachbereich Landentwicklung zuständigen Ministerien der Länder. Diese werden durch einen Angehörigen ihrer Verwaltung vertreten.

Die Grundlage für die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft sind die "Leitlinien Landentwicklung - Zukunft im ländlichen Raum gemeinsam gestalten".

Sie hat vor allem die Aufgabe, grundsätzliche Angelegenheiten im Zusammenhang mit Verfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz (FlurbG) und dem 8. Abschnitt des Landwirtschaftsanpassungsgesetzes (LwAnpG) zu erörtern und Empfehlungen für deren Durchführung zu erarbeiten.

Landentwicklung (Land Development) international

"Landentwicklung" existiert nicht als Begriff in der Terminologie der internationalen Organisationen. Weder die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) noch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) oder die Europäische Union (EU) verwenden den Begriff "Landentwicklung"; in diesem Zusammenhang werden regelmäßig die Begriffe "rural development" (Ländliche Entwicklung), "land management" (Landmanagement) oder "land consolidation" (Flurbereinigung) verwendet.

Hier extern weiterlesen (engl.).

Landentwicklung in der Entwicklungszusammenarbeit

Die Entwicklung ländlicher Räume ist die Grundlage für die Reduzierung des Hungers und für die langfristige Sicherung der Welternährung. Die meisten armen und an Hunger leidenden Menschen auf der Welt leben in ländlichen Räumen. Landflucht, Raubbau an natürlichen Ressourcen und gewaltsame Konflikte haben in diesen Räumen vielerorts besorgniserregende Ausmaße angenommen. Der Klimawandel stellt eine zusätzliche Herausforderung dar. Ländliche Räume bieten aber gleichzeitig enorme Potenziale, die lange nicht erkannt wurden: Neben Nahrungsmitteln werden Holz, Baumwolle, Energiepflanzen, Pflanzenöle und andere Grundstoffe produziert; ländliche Räume haben darüber hinaus wichtige Aufgaben beim Erhalt der biologischen Vielfalt und beim Klimaschutz. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert diese Gebiete deshalb als Schlüsselräume für Entwicklung, Armutsreduzierung und Hungerbekämpfung.

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Landesausbau

Bezeichnung für die systematische Inwertsetzung bis dahin siedlungsleerer oder siedlungsarmer Räume zu vorindustrieller Zeit innerhalb bereits besiedelter Gebiete oder Länder durch Feudalherren. Es handelt sich um europaweite Prozesse seit dem Mittelalter. Mittels Rodung und Urbarmachung wurden die landwirtschaftlichen Nutzflächen erweitert und Siedlungsraum für die Anlage neuer Städte und Dörfer geschaffen. Dieser Landesausbau führte zu einer großräumigen Veränderung der Natur- und Kulturlandschaft. und er wirkte sich nachhaltig auf die Wirtschafts- und Sozialstrukturen sowie auf die politisch-herrschaftlichen Verhältnisse aus.

Synonym werden die Begriffe Binnenkolonisation und innere Kolonisation verwendet. Mitunter geht die innere Kolonisation (der Landesausbau) mit einer äußeren Siedlungsbewegung einher, wie es etwa während der Zeit der deutschen Ostsiedlung im Hochmittelalter der Fall war. Diese Form der Kolonisation ist vom neuzeitlichen Kolonialismus zu unterscheiden.

Auch in der frühen Neuzeit kam es in Deutschland zu einem Landesausbau, etwa unter Friedrich dem Großen in Preußen. In dieser Zeit sprach man in diesem Zusammenhang auch oft von Peuplierung.

Moorkolonisation bezeichnet die Urbarmachung und Ansiedlung von Menschen in Moorgebieten. Auch die Landgewinnung dient vielfach der Schaffung von Siedlungsflächen.

Ein weiteres Beispiel ist die Binnenkolonisation des weitgehend siedlungsfreien Raumes in der heutigen Region Aquitanien, die mit dem Sieg der französischen Krone am Ende des Hundertjährigen Krieges 1453 an Frankreich fiel. Dieser Prozess vollzog sich in der zweiten Phase des europäischen Landesausbaus ab dem 10. Jahrhundert.

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Landeskultur

Ursprünglich allein die nachhaltige Erhöhung der Fruchtbarkeit und Ertragssicherheit land- und forstwirtschaftlicher Flächen. Nach dem Flurbereinigungsgesetz umfaßt der Begriff heute auch ökologische Aspekte. Landeskultur ist demnach alles Planen und Handeln, das darauf abzielt, das Naturpotential, insbesondere Wasser und Boden, bestmöglich zu gestalten und rationell zu nutzen; auch die Erhaltung dieses Potentials in bestmöglicher Qualität und Leistungsreife als Lebensgrundlage für die Allgemeinheit gehört zur Landeskultur. Zur Umsetzung von landeskulturellen Zielen trägt die Erhaltung von sogenannten ökologischen und landeskulturellen Vorrangflächen bei, zu denen sowohl Flächen gehören, auf denen künftig keinerlei landwirtschaftliche Nutzung mehr erfolgt, als auch halbnatürliche Biotope, die auf eine extensive Nutzung angewiesen sind. Gleichzeitig bieten sie zusammen mit der Vielfalt der Flächennutzung ein praktikables Bewertungskriterium für die Biotop- bzw. Artenschutzfunktion und für die Landschaftsästhetik des Agrarraums.

Ökologische und landeskulturelle Vorrangflächen im Agrarraum
Ökologische und landeskulturelle Vorrangflächen im Agrarraum

Quelle: Roth u.a. 1996

Landespflege

Landespflege ist Bestandteil einer ökologisch gewichteten Raumplanung und Raumordnung, der auf den Schutz der Umwelt des Menschen zielt. Arbeitsgegenstand sind neben dem Naturraumpotential auch Wohn-, Industrie-, Forst-, Agrar- und Erholungsgebiete. Die Landespflege möchte einen Ausgleich zwischen den Ansprüchen der Gesellschaft an die Landschaftsökosysteme der Umwelt und dem Leistungsvermögen des Landschaftshaushaltes herstellen.

Landesplanung

Übergeordnete, überörtliche planende Tätigkeit für das Gebiet eines Bundeslandes oder einer Region auf der Grundlage des Raumordnungsgesetzes des Bundes und der Landesplanungsgesetze der Länder. Landesplanung stellt Programme und Pläne auf, stimmt raumbedeutsame Vorhaben mit Erfordernissen der Raumordnung ab.

Landflucht

Wanderungsbewegung größeren Ausmaßes - meist über eine längere Zeit anhaltend - aus dem ländlichen Raum in Städte (Urbanisierung) bzw. in Verdichtungsräume. Von Landflucht wird vor allem dann gesprochen, wenn die Wanderung aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt und mit einem Berufswechsel aus der Landwirtschaft in industrielle und gewerbliche Berufe mit besseren Verdienstmöglichkeiten einhergeht.

In Deutschland führte die Landflucht im 19. und frühen 20. Jahrhundert nicht zu einer absoluten Verringerung der ländlichen Bevölkerung sondern zur Abnahme ihrer Zuwachsrate. Gegenwärtig ist Landflucht eines der Hauptprobleme der Entwicklungsländer. Sie stellt die städtischen Agglomerationen vor große Integrationsprobleme.

Landgewinnung

Die Gewinnung neuer Landflächen vor allem für die Land- und Forstwirtschaft, aber auch für Industrieansiedlung (z.B. in Japan). Im einzelnen kann die Landgewinnung folgende Maßnahmen umfassen:

  1. Das Eindeichen von Flachküstenbereichen
  2. Im Binnenland das Trockenlegen, z.T. auch Eindeichen und vor allem Auffüllen von kleinen oder größeren Wasserflächen.
  3. Das Urbarmachen von Halbwüsten, Steppen, Savannen und Ödland, auch wenn nur eine Umnutzung (z.B. Wechsel von extensiver Weidewirtschaft der Trockengebiete in Bewässerungs- oder Regenfeldbau) erfolgt.
  4. Durch Rekultivierung oder Bodenmelioration können Müllkippen, -deponien, Halden, frühere Industrieflächen oder ähnliche Flächen einer forstlichen oder landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden.

Landgrabbing

Der 2008 von der Nichtregierungsorganisation GRAIN geprägte Begriff Landgrabbing (dt. „Landnahme“, von engl. to grab = schnappen, grabschen). Er bezeichnet den Landerwerb durch internationale Agrarkonzerne, private Investoren und staatliche Akteure mittels langfristiger Pacht- oder Kaufverträge von großen Agrarflächen, um dort Nahrungsmittel oder Energiepflanzen für den Export beziehungsweise unmittelbar für die eigene Nahrungs- oder Energiesicherung anzubauen. Inzwischen wird der Begriff auch auf betroffene Flächen für den Bergbau, Tourismus oder auch die Forstwirtschaft angewendet.

Die negative Konnotation des Begriffes ist auf die mit der Landnahme einhergehenden negativen Folgen für die Bewohner der betroffenen Flächen zurückzuführen. Oftmals kommt es zu der Zerstörung der Existenzgrundlage von Kleinbauern bei der Neuanlage von Plantagen, die häufig ohne eine Entschädigung erfolgt. Durch die niedrige Entlohnung von lokalen Arbeitern werden versprochene wirtschaftliche Anreize nicht geschaffen oder durch den Zuzug fremder Arbeiter die Arbeitslosigkeit der lokalen Bevölkerung sogar verstärkt. Darüber hinaus kommt es bei der Anlage von Monokulturen mit intensivem Pestizid- und Mineraldüngereinsatz zu einem starken und schädlichen Eingriff in die Umwelt.

Ursachen für die Entwicklung

Zwischen 2006 und 2008 verdoppelte sich die Zahl der Landinvestitionen in 44 Ländern. Seit 2000 stiegen die Preise für Grundnahrungsmittel (abgebildet durch den FAO Nahrungspreisindex) und erreichten 2011 ein bis dahin nie gesehenes Hoch. Die treibenden Faktoren für diese rapide Entwicklung kann man in den drei sich beeinflussenden Bereichen Ernährung, Energie und Finanzen (food, fuel, finance) finden. Zum einen wird der Bedarf an Nahrung durch die wachsende Bevölkerung und sich verändernde Ernährungsgewohnheiten höher, gleichzeitig wird das landwirtschaftlich nutzbare Land durch Bevölkerungswachstum und Städtewachstum knapper. Darüber hinaus verschärfen Erosion und Desertifikation die Entwicklung in einigen Gebieten.

Auch die Erzeugung von Biomasse für die Energiegewinnung gewinnt immer stärker an Bedeutung und mit ihr geht die Verkleinerung der für die Produktion von Nahrungsmitteln zur Verfügung stehenden Flächen einher. Befördert wurde dieser Prozess beispielweise auch durch die in Deutschland im Jahr 2006 als Biokraftstoffquotengesetz umgesetzte sogenannte Biokraftstoffrichtlinie des Europarates. Mit dem Gesetz wurde festgelegt, dass die Mineralölkonzerne einen festen und jährlich steigenden Anteil von Biokraftstoffen in den Verkehr zu bringen haben. Mit dieser Regelung soll eine Verringerung der Verbrennung mineralischer Kraftstoffe und so ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Konsequenterweise stieg die Nachfrage nach Biokraftstoffen auf dem Weltmarkt an. Der Anbau von Biokraftstoffen ist lukrativer und wird oft subventioniert. So kommt es, dass Land für Nahrungsmittel durch diese steigende Nachfrage nach Futtermitteln und Biokraftstoffen knapper wird.

In dem Maße, wie Bodenbesitz an finanzieller Bedeutung zunimmt, sind Landinvestitionen in das Blickfeld von Investoren gerückt. Ackerland wird als sichere Finanzanlage gesehen, eine Sichtweise, die durch die Immobilienkrise in den USA und die Unsicherheit an den globalen Finanzmärkten begünstigt wird. Spekulationen mit Nahrungsmitteln treiben zudem die Preise in die Höhe.

Neben den rein auf finanziellen Profit ausgerichteten Agrarinvestoren, privaten Investitionsfonds und Finanzinstitutionen gibt es Länder, die staatliche Landkäufe initiieren. Als Investoren sind hier vor allem Länder aus Asien (bspw. China, Malaysia, Südkorea) oder dem arabischen Raum (Saudi-Arabien, Kuwait) zu nennen. Diese Regionen verzeichnen einen stark ansteigenden Bedarf an Nahrungsmitteln, Futterpflanzen und anderen Agrarrohstoffen. Gleichzeitig verfügen sie über geringe eigene landwirtschaftliche Produktionsfläche und sind so von Nahrungsmittelimporten abhängig. Auch hier spielten die extremen Preisschwankungen im Zuge der Nahrungsmittelkrise 2007/2008 eine Rolle, ebenso wie die zeitweise verhängten Exporteinschränkungen von Grundnahrungsmitteln einiger Länder. Die Investoren wollen unabhängiger vom Weltmarkt und seinen Preisschwankungen sein.

Gleichzeitig werden Investitionen in die Landwirtschaft von der FAO, der Weltbank und der Afrikanischen Union als eines der wichtigsten Instrumente für Wirtschaftswachstum und eine Reduzierung der Armut gefördert. Länder werden dabei unterstützt, sich für ausländische Direktinvestitionen im landwirtschaftlichen Bereich zu öffnen, da so vor allem in den ländlichen Gebieten große Entwicklungsmöglichkeiten gesehen werden.

Ausmaß von Landgrabbing

Obgleich das Phänomen Landgrabbing bereits seit 2008 bekannt ist, gibt es wenige verlässliche globale Daten über die Verteilung und die Größe der in Anspruch genommenen Flächen sowie die geplante bzw. tatsächliche Nutzung dieser Flächen. Dies liegt zum einen daran, dass es aufgrund mangelnder Transparenz bei den Verhandlungen dieser Landdeals nur wenige Daten tatsächlich offen gelegt werden. Zum anderen benutzen Institutionen, die solche Daten sammeln, verschiedene Definitionen von Landgrabbing. Dies erschwert die Vergleichbarkeit und Überprüfbarkeit der bereitgestellten Informationen.

Die vom Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) 2012 verwendete Definition beschreibt Landgrabbing als einen Prozess, bei dem sich internationale aber auch einheimische Investoren durch langfristige Pacht- oder Kaufverträge große Ländereien in Entwicklungs- und Schwellenländern sichern. In dem Strategiepapier des BMZ wird die „Landcoalition“ zitiert, die schätzt, dass in den Jahren 2000 bis 2010 ca. 200 Mio. ha Land für Investitionen vergeben worden seien. Von diesen entfielen rund 130 Mio. ha auf Afrika. Laut einer 2011 erschienen Studie der Weltbank werden jedoch nur 20% der in der Studie untersuchten Investitionsvorhaben tatsächlich produktiv benutzt.

Deutsche Investitionen im Ausland

Deutsche Agrarunternehmen produzierten laut der unabhängigen Land Monitoring Initiative „LandMatrix“ im Jahr 2015 in Äthiopien, Ghana, Litauen, Madagaskar, Rumänien, Uganda, Tansania, Sambia und in Simbabwe. Die zahlenmäßigen meisten Investitionen befinden sich in Rumänien, die flächenmäßig größte Investition in Sambia. Während das angestrebte Investitionsziel in Osteuropa vorwiegend der Nahrungs- und Futtermittelsektor ist, sind für Biokraftstoffe vor allem die tropischen Länder interessant.

Investitionen in Deutschland

Verschiedenen Medienberichten zufolge sind vor allem Flächen in Brandenburg Deutschland beliebtes Investitionsziel. Die fünf größten Agrarinvestoren sind mit einer Ausnahme deutsche Firmen, die im Durchschnitt Flächen von 13.500 ha besitzen, während die durchschnittliche Betriebsgröße in Brandenburg bei 238 ha liegt. 

Auswirkungen großflächiger Landinvestitionen

Während Landgrabbing global auftritt, also auch in Industriestaaten zu beobachten ist, sind die Folgen für ländliche Gemeinden und Kleinbauern in den Ländern des globalen Südens weitaus unmittelbarer. Die Weltbank und die FAO fördern die Investitionen als Mittel der Armutsbekämpfung und wirtschaftlichen Entwicklung als dringend nötig und sehen die Folgen als unbedingt positiv an. Denkfabriken, wie etwa das Okland Institute, internationale NGOs wie beispielsweise FIAN oder auch die LandMatrix, ein globaler Zusammenschluss von NGOs, universitärer und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen messen jedoch den Investitionen ein erhebliches kritisches Potential zu.

In den Zielländern im globalen Süden nimmt die Landwirtschaft einen hohen Anteil (oft 30-40%) am Bruttoinlandsprodukt ein und ist die größte Beschäftigungs- und Einkommenssparte für die Bevölkerung. Verlierer sind die Kleinbauern. Sie verfügen oft nicht über eingetragenen Nutzungs- oder Zugangsregeln für das Land. Sie verfügen über wenig oder kein Kapital, um Land zu kaufen. Bei Investitionen sind sie von Vertreibung bedroht, können aber nicht ausweichen. Es gibt keine alternative Beschäftigungs- und Erwerbsmöglichkeiten für sie. Bleiben sie, verschlechtert sich oft die Beschäftigungssituation, da auf den gepachteten Flächen intensive Landwirtschaft mit Hilfe von Maschinen, Düngemitteln und Pestiziden betrieben wird. Es werden weniger Menschen pro bearbeitete Fläche benötigt, die Beschäftigungseffekte der Investitionen bleiben hinter denen der Erwartungen zurück und können nur etwa die Hälfte der von Kleinbauern erreichen.

Weitere Informationen:

Landhandel

Großhandelsunternehmen als Elemente des Agribusiness, die landwirtschaftliche Erzeuger mit Saatgut, Düngemitteln, Maschinen u.a. beliefern und/oder deren Agrarprodukte (Getreide, Obst, Gemüse, Vieh u.a.) aufkaufen. Bei einer Übernahme der Finanzierung der Einsatzgüter bis zur Ernte bzw. Verkaufsfähigkeit besteht die Gefahr der Abhängigkeit des Erzeugers vom Landhandel. Hierin liegt die Ursache für die Gründung der landwirtschaftlichen Waren- und Verwertungsgenossenschaften.

Landimport

Bildlicher Ausdruck für die Inanspruchnahme von Agrarflächen im Ausland, von denen Agrarprodukte importiert werden. Beispielsweise importierte das Europa der 12 im Jahr 1990 netto, d.h. nach Abzug des Flächenbedarfs für seine Agrarexporte (ca. 97.000 km²), ca. 127.000 km² fruchtbaren Bodens. Deutschland benutzt ca. das 1,3fache der eigenen Agrarfläche, für die Niederlande gilt ein Faktor drei bis vier. Landimport kann im Kontext internationaler Warenströme so lange als unproblematisch angesehen werden, als Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung beachtet werden. Demgegenüber wird als eine der wesentlichen Ursachen für den sudanesischen Bürgerkrieg neben der Desertifikation und noch vor ethnischen Konflikten die Verdrängung der Kleinbauern aus der Subsistenzwirtschaft zugunsten von Exportkulturen für den (überwiegend) europäischen Markt angesehen.

ländliche Siedlung

Uneinheitlich definierter und gebrauchter Begriff zur Bezeichnung der in großer genetischer, funktionaler, physiognomischer und sozialer Vielfalt auftretenden Siedlungen im ländlich geprägten Raum.

Beispielhaft folgen drei jüngere Definitionen:

  1. Siedlung, deren Bevölkerung die Pflanzen- und Tierwelt zur Erlangung von Nahrung und Kleidung für die Eigenversorgung nutzt sowie die gewonnenen Erzeugnisse teilweise vermarktet. Die ländlichen Siedlungen umfassen demnach die Lagerplätze der Wildbeuter, die Zeltlager der Jäger und Hirtennomaden, die standfesten Orte der Halbnomaden und die kleineren oder größeren Wohnplätze der Seßhaften, sofern sie auf Hack- oder Pflugbau, auf Garten- oder Plantagenbau, auf Fischfang oder Pelztierzucht beruhen, unter Hinzuziehung der jeweiligen Wirtschaftsfläche. (G. Schwarz, 1989)
  2. Eine im ländlichen Raum liegende und mit diesem funktional eng verknüpfte Siedlung, auch wenn sie funktional und physiognomisch nicht von der Land- und Forstwirtschaft (mit)geprägt ist. (C. Lienau, 1995)
  3. Von ländlicher Siedlung wäre in Mitteleuropa demnach zu sprechen, zu sprechen, wenn im äußeren Bild einer Siedlung das heutige oder frühere Vorherrschen agrarischer Wirtschaftsformen prägend wirkt. [...] Vor allem das Überdauern von Bausubstanz, die ursprünglich "ländlichem" Wohnen und Wirtschaften diente, sollte als kennzeichnendes Merkmal ländlicher Siedlungen angesehen werden. (Born, M. 1977 nach Henkel, G. 2020)

Aus den Eigenschaften des ländlichen Raumes in Mitteleuropa ergeben sich für die dortigen ländlichen Siedlungen folgende physiognomischen und funktionalen Eigenschaften:

Als Prozesse vollziehen sich in den ländlichen Siedlungen eine fortlaufende Entagrarisierung, eine Abnahme der ökonomischen Bedeutung und der Vorgang eines gesellschaftlich obsolet werdenden Wertgefüges des Bauerntums. Sie sind verbunden mit einer wachsenden Statusunsicherheit und einer Identitätskrise.
Hinsichtlich der Siedlungsgröße gilt für Mitteleuropa eine Klassifizierung, die im wesentlichen von der Anzahl der Hausstellen ausgeht. Weitere größenbezogene Merkmale können sein: Anzahl der Wohneinheiten, übrige Bebauung, Umfang der bebauten Fläche oder Anzahl der Einwohner.

Größenklassen ländlicher Siedlungen in Mitteleuropa
Größenklassen ländlicher Siedlungen in Mitteleuropa

Quelle: Lienau, 1995 (verändert)

Die Wohnstätten der ländlichen Siedlungen, unter denen die eigentlichen Wohnräume und - sofern vorhanden - auch die Wirtschaftsräume zu verstehen sind, bestimmen durch ihre Form und Lage das Erscheinungsbild der Siedlung und letztlich auch der Landschaft. Baumaterial und Bauform von Hütten, Zelten, Häusern oder Gehöften sind abhängig von der Landschaftsausstattung und den Wirtschaftsformen.

Weitere Unterscheidungskriterien sind die Lage der Siedlungen sowie deren Benutzungsdauer, die von ephemer (flüchtig) über temporär bis zu permanent reichen kann. Beide sind stark bedingt von der Lebens- und Wirtschaftsform.

Von den ländlichen Siedlungen im eigentlichen Sinne sind eine Vielfalt von Siedlungen der anautarken Wirtschaftskultur zu unterscheiden, die zwischen Land und Stadt stehen. Die folgende Liste differenziert nicht zwischen historischen und aktuellen Typen:

Der oben erwähnte Prozess der Entagrarisierung legt die Frage nach der Akzeptanz der Landwirtschaft im Gefüge der ländlichen Siedlung nahe. Eine jüngere empirische Untersuchung (Nolten 1998) in 14 west- und ostdeutschen Dörfern belegt diesbezüglich einen nicht unerheblichen Beitrag landwirtschaftlicher Emissionen zu Spannungen zwischen landwirtschaftlichen und nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerungsteilen. Als die bedeutendsten Belästigungsfaktoren werden der Geruch von Gülle, Mist oder Silage, verschmutzte Straßen und der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln angeführt. Trotz des weit verbreiteten Gefühls der Belästigung durch landwirtschaftliche Emissionen sprechen sich drei Viertel der Befragten gegen eine Trennung der landwirtschaftlichen Betriebe von den dörflichen Wohngebieten und damit für einen Verbleib der Landwirtschaft im Ort aus.

ländliche Siedlungsform

Darunter versteht man die aus der (Gesamt-)Größe, der Grundrißform von Hofreiten, Straßen, Wegen, Plätzen, Freiflächen und Gärten (zentrales Kriterium), der Anzahl der jeweiligen Elemente, gegebenenfalls vorhandenen Befestigungsanlagen, Zäunen u.ä. sowie der Bebauungsdichte resultierende Siedlungsgestalt. Aufriss und Form der Gebäude finden trotz ihrer Aussagekraft für die Siedlungsentwicklung i.d.R. keine Beachtung, ebensowenig die Flurform. Beides gehört jedoch zu einer Gesamtbetrachtung und Analyse des Siedlungsbildes.

Als Kriterien gelten üblicherweise:

Die Grundrissform ist das Ergebnis planender Gestaltung (regelmäßiger Grundriss) oder spontaner Entstehung und Entwicklung (unregelmäßiger Grundriss), wobei beide Prozesse wechselhaft sich ablösen können. In Mitteleuropa lassen sich Alt- und Jungsiedelräume mit jeweils typischen Merkmalskombinationen unterscheiden.
Nach Art der Anordnung der Behausungsstätten in Verbindung mit den Freiflächen werden von Lienau (1995) folgende Grundformen unterschieden:

Lineare Siedlung (Linearsiedlung)

Linear heißt, daß die Haus- und Hofstätten reihenförmig angeordnet sind. Es können eine oder zwei parallele Reihen vorliegen. Zeilen sind geradlinige, kurze und dichte Reihen. Bei allen linearen Siedlungsformen muß der Verlauf der die Siedlungsachse bildenden Linie keineswegs geradlinig sein. Sie erhalten regelhaften oder schematischen Charakter aufgrund gleicher Merkmale in Form, Größe und Abstand der Hofreiten und Hausgärten sowie der formalen Gestaltung der äußeren Wohnplatzbegrenzung. Oft folgen die Siedlungen natürlichen Leitlinien wie Tälern, Flußläufen oder Terrassenrändern.
Lineare Siedlungen in außereuropäischen Räumen gehen z.T. auf das europäische Vorbild zurück, so die Flußhufensiedlungen der französischen Kolonisten am St. Lorenz und am Mississippi.
Für die nach Form, Funktion und Genese unterschiedlichen Typen von Linearsiedlungen bestehen u.a. folgende Begriffe: Reihendorf (-weiler), Waldhufendorf, Marschhufendorf, Hagenhufendorf, Radial(wald)hufendorf, Moorhufendorf, Fehnsiedlung, Straßendorf, Gassendorf, Sackgassendorf.

Platzbestimmte (polare) Siedlung (Platzsiedlung)

Platzsiedlung ist der Oberbegriff für alle Siedlungstypen, bei denen ein Platz (Anger) das zentrale Grundrißelement bildet, und um das herum die Behausungen angeordnet sind. Die zentrale, in Gemeinbesitz befindliche Fläche dient den unterschiedlichsten Zwecken (Schauplatz für öffentliches Leben, Kirche, Schule, Löschteich, Allmendweide). Ihre Form kann rund, oval, rechteckig, quadratisch oder schmal und langgestreckt sein. Platzsiedlungen sind gewöhnlich planmäßig angelegt. In der Regel besitzen Platzsiedlungen eine Gemengeflur. Zum Typus Platzsiedlung gehören u.a.: Rundling, Angerdorf, Fortadorf, runde Krale afrikanischer Nomaden. Polar und locker verbaut ist der unregelmäßige Drubbel in der norddeeutschen Geest.

Siedlung mit flächigem Grundriss
(mit unregelmäßigem Grundriss: Haufensiedlung - mit regelmäßigem Grundriss: geregelte Straßennetzanlage)

Das unregelmäßig-flächige Haufendorf ist der häufigste Formentyp überhaupt. Die Straßen- oder Wegeführung kann sternförmig, verschlungen unregelmäßig, sackgassenförmig oder andersförmig sein. Block- oder/und Streifengemengeflur sind typisch. Eine spontane Entstehung und gewachsene Entwicklung kennzeichnet diesen Typus. Zu ihm gehören: Etterdorf, Gewanndorf, Wegedorf, Zellenhaufendorf, Siedlungen ohne eigene Bezeichnung, wie die orientalischen Haufendörfer (Sackgassen, unregelmäßige kleine Plätze) oder die chinesischen und japanischen Haufendörfer (zentrifugale Wegenetze).

Typischer Vertreter flächiger Siedlungen mit regelmäßigem Wege- oder Straßennetz ist die Schachbrettsiedlung. Variationen sind häufig. Verbreitungsräume sind die Neue Welt, in Europa mit flächenhaftem Auftreten nur in jungen Kolonialgebieten (Banat), sonst vielfach nach Wiederaufbau eines durch Krieg oder Brand zerstörten älteren Dorfes.

Zwischen den Grundrisstypen linear, polar und flächig bestehen zahlreiche Übergänge und Kombinationsformen, die insbesondere durch spätere Überprägung entstanden. Seit dem 19 Jh. erfährt dieses Formengefüge bedeutende Veränderungen. Die traditionellen Formen ländlicher Siedlungen werden als Folge des Bevölkerungswachstums durch meist regelmäßig angelegte Wachstumsspitzen und -ringe erweitert, städtische Haustypen verdrängen bäuerliche Gebäudeformen, letztere erfahren partielle oder totale Funktionswandel. Diese Prozesse vollziehen sich verstärkt im Stadtumland.

Einflussgrößen ländlicher Siedlungsformen
Einflussgrößen ländlicher Siedlungsformen

Quelle: Lienau 1995, leicht verändert

ländlich-peripherer Raum

Als „ländlich-peripher“ werden im Sinne der Raumordnungspolitik ländliche Räume bezeichnet, die abseits von Metropolräumen und Großstädten liegen und verkehrlich von den Oberzentren nur schwer zu erreichen sind. „Peripherisierung“ bezeichnet nach diesem Verständnis dagegen mehrdimensionale Abstiegsprozesse von Städten und Regionen im Verhältnis zu anderen Regionen, die nur durch das Zusammenwirken verschiedener sozialräumlicher Dimensionen erklärt werden können. Dazu gehören:

Folgen der Peripherisierung sind in vielen Fällen demografische Schrumpfung und Alterung, sozioökonomische Dequalifikation der Bevölkerung, Verfestigung sozialer Probleme wie Armut und Arbeitslosigkeit oder städtebauliche Leerstände.

Der Begriff „Entperipherisierung“ beschreibt Prozesse, die zu einem Wiederaufstieg von Städten und Regionen im Verhältnis zu anderen Räumen führen, indem bestimmte Funktionen rezentralisiert werden. Entperipherisierungsprozesse entstehen auf der Basis von Innovationen und Investitionen, Zuwanderungen von Arbeitskräften und der Ansiedlung von Entscheidungszentralen. (ARL 2016)

ländlicher Raum

In einer weit gefassten und globalen Auffassung ist ein ländlicher Raum (engl. rural area) ein geographischer Raum, der sich außerhalb von Städten und Agglomerationen befindet. Typischerweise hat ein ländlicher Raum eine geringe Bevölkerungsdichte und kleine Siedlungen mit relaativhohen zwischenmenschlichen Bindungen. Auch werden ländliche Räume traditionell mit Land- und Forstwirtschaft verbunden, insbesondere weil die Flächennutzung und das Landschaftsbild durch diese Funktionen bestimmt werden.

Konnte unter dem Begriff „ländlicher Raum” noch bis in die 1960er Jahren ein relativ homogener Raumtyp verstanden werden, der vor allem durch die große Bedeutung der Landwirtschaft und eine relativ geringe Bevölkerungsdichte zu charakterisieren war, so trifft dieses Bild inzwischen nicht mehr zu. Tatsächlich ist heute von einem differenzierten Muster unterschiedlich entwickelter ländlicher Räume auszugehen, die zugleich eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionen wahrnehmen.

Ländliche Räume sind vor allem geprägt von der Landwirtschaft, die bei der  Flächennutzung z. B. in Deutschland mit einem Anteil von 54 Prozent dominiert. Im ländlichen Raum ist die Landwirtschaft ein wichtiger landschaftsprägender, kultureller und wirtschaftlicher  Faktor, und beide sind administrativ eng miteinander verwoben: Politik für Landwirtschaft und ländliche Räume fällt in den Geschäftsbereich ein und desselben Bundesministeriums. Die Förderung des ländlichen  Raums ist ein Teilbereich - die so genannte "zweite Säule" - der öffentlichen Agrarförderung.  

Während bis an die Schwelle des Industriezeitalters die Grenzen zwischen Stadt und Land z. B. in Deutschland rechtlich fixiert und physiognomisch eindeutig erkennbar waren, sind sie seitdem fließend geworden.

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ländlicher Tourismus

Auch Landtourismus oder Agrotourismus; Form des Tourismus, der als Betriebszweig eines landwirtschaftlichen Betriebes einen wesentlichen Beitrag zur Diversifizierung und zur Einkommenssicherung leisten kann. Der ländliche Tourismus hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Wurde früher diese Urlaubsform vor allem wegen seines günstigen Preises gewählt, so sind heute zunehmend auch andere Kriterien ausschlaggebend, wie Ruhe, und Naturnähe, Erlebniswelt für Kinder, persönliche Atmosphäre und das Kennenlernen ländlicher Traditionen.

Viele Höfe haben vielseitige Aktivitäten für eine abwechslungsreiche Freizeitgestaltung entwickelt, darunter "Abenteuerurlaub für jung gebliebene Erwachsene", "Lernort Bauernhof", Nordic Walking oder Kutschfahrten.

Im weiter gefassten Verständnis umfasst der ländliche Tourismus neben den traditionellen auf die Landwirtschaft (Agrotourismus) und Regionalkultur gestützten Angeboten auch Aktivitäten wie Radtourismus ("Radeln von Hof zu Hof mit GPS"), Wandern oder Wintersport, die sich auf die Freizeitnutzung der Kultur- und Naturlandschaften beziehen. Letztlich gehört auch der sich im ländlichen Raum abspielende Festivaltourismus dazu, ob mit Klassik-Angebot (Schleswig-Holstein Musik Festival), Heavy Metal (W:O:A) oder Rock (Southside).

Ländlichem Tourismus wird ein hohes Umsetzungspotential von Zielen nachhaltiger Entwicklung im ländlichen Raum zugeschrieben.

Beiträge des ländlichen Tourismus zu einer nachhaltigen Regionalentwicklung
  • Nutzung regionaler Potentiale (Kulturlandschaft, Arbeitskräfte, traditionelle Bausubstanz, Kapital vorwiegend aus der Region)
  • Tourismusform, die in das bestehende gesellschaftliche Gefüge integriert werden kann
  • Kein Überschreiten der ökologischen Tragfähigkeit, z.B. durch Zersiedlung mit artfremder Überbauung, vielmehr Ansatzpunkte zur Verwirklichung regionaler Kreisläufe von der Produktion, Verarbeitung, Vermarktung bis zum Verbrauch und zur regionalen Wiederverwertung
  • Beitrag zur Diversifizierung der regionalen Wirtschaftsstruktur, Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze
  • Große Einflußmöglichkeit und Gestaltungsfreiheit der gastgebenden Bevölkerung hinsichtlich der touristischen Entwicklung der Region sowie vergleichsweise hohe Teilhabe an den Gewinnen des Tourismus als Folge der Konzentration vieler touristischer Aufgaben (u.a. Beherbergung, Informationsvermittlung) bei den Gastgebern
  • Umwelt- und Bewusstseinsbildung beim Kontakt mit den natürlichen Lebensgrundlagen Pflanzen- und Tierproduktion), durch umweltverträgliche Freizeitangebote, Kurse zu Vollwerternährung, Hinweise auf Bezugsquellen von ökologisch hergestellten Lebensmitteln, Unterbringung in Gebäuden aus ökologischen Materialien
  • Verbesserung und Intensivierung der Beziehungen zwischen Stadt- und Landbevölkerung

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Landmanagement

Landmanagement stellt einen Ansatz dar, Landnutzungsansprüche und daraus resultierende Konkurrenzen und Konflikte um Land, in einer Gesamtperspektive zu betrachten und damit bisher getrennt behandelte Themenbereiche der Landnutzung, insbesondere Siedlungs- und Verkehrswesen mit Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, zusammenzuführen. Mit Bezug auf bisher sektoral geprägte Diskussions- und Handlungsstränge entwickelt Verbundforschung zum Nachhaltigen Landmanagement Ansätze, die sich mit der Komplexität der bestimmenden Steuerungsinstrumente und der Generierung von Systemlösungen auseinandersetzen.

Das IPCC (2019) definiert Nachhaltiges Landmanagement als die "Verwaltung und Nutzung von Landressourcen einschließlich Böden, Wasser, Tieren und Pfanzen, um wechselnde menschliche Bedürfnisse zu decken und gleichzeitig das langfristige produktive Potenzial dieser Ressourcen sowie die Erhaltung ihrer ökologischen Funktionen zu bewahren".

Mit der Vielfalt menschlicher Nutzungsansprüche geht eine intensive Beanspruchung von Land und natürlichen Ressourcen, verstanden im Sinne komplexer Mensch-Umwelt-Interaktionen, einher. Resultierende Änderungen der Landbedeckung und der Verteilung der Landnutzungsarten rufen jedoch regionale Nutzungskonflikte hervor, die sowohl innerhalb einer Landnutzungsart als auch zwischen verschiedenen Landnutzungsarten auftreten. Beispiele für solche Konfliktkonstellationen bestehen z.B. in der auch unter dem Begriff „Tank oder Teller“ geführten Kontroverse um die Nutzung von Ackerfläche für den Anbau von Nahrungsmitteln oder von Pflanzen zur Erzeugung erneuerbarer Energien. Ebenso gehören die Flächeninanspruchnahme durch neue Siedlungsgebiete (‚Versiegelung‘, siehe auch Flächenmanagement) einerseits oder landwirtschaftliche Nutzung andererseits zu häufigen Konfliktsituationen der Landnutzung.

Gründe für eine Intensivierung dieser Konfliktkonstellationen liegen in einer Vielzahl von Treibern, die Landnutzungswandel auslösen und aufeinander einwirken: Dazu zählen der Klimawandel mit den damit einhergehenden veränderten Anbaubedingungen ebenso wie die aus Urbanisierungsprozessen resultierende Flächeninanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke. Damit im Zusammenhang wiederum stehen die mit dem demographischen Wandel verbundenen Wanderungsbewegungen sowie der steigende Nahrungsmittel- und Energiebedarf einer wachsenden Weltbevölkerung. Zudem führen diese Entwicklungen auch zu intensiveren und zugleich komplexer werdenden Wechselwirkungen zwischen städtisch und ländlich geprägten Räumen.

Gleichzeitig steht der Umgang mit der Ressource Land veränderten politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gegenüber, die in der Prominenz des Nachhaltigkeitsdiskurses, einem entsprechenden gesellschaftlichen Wertewandel, aber zunehmend auch in politischen Prioritätensetzungen begründet liegen. Dazu zählen verschiedene sektorale Diskurse unterschiedlicher Themenbereiche sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene, vor allem die Klima- und Energiepolitik mit dem Paradigmenwechsel zu erneuerbaren Energieträgern, die Agrarpolitik mit dem ‚Greening‘ als zentralem Element, die Politik zur Biodiversität sowie die Wasserpolitik.

In diesen Nutzungskonflikten und Treibern des Landnutzungswandels liegt die Entwicklung des seit einigen Jahren aus Perspektive der Nachhaltigkeit geführten Diskurses zum Thema „Landmanagement“ begründet.

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Landmaschinen

Spezialisierte Maschinen, die vorwiegend in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Sie zeichnen sich meist durch ihre Mobilität aus. Das bedeutet, dass sie entweder selbstfahrend sind oder von einem Traktor gezogen werden. Seit Jahrzehnten hat moderne Technik und Informationsverarbeitung auch bei Landmaschinen Einzug gehalten. So verfügen moderne Traktoren, Dünge-, Saat- und Erntemaschinen zum Zwecke der zielgerichteten Ausbringung der Mengen bereits über satellitengesteuerte Navigations- und Kartierungssysteme (Precision Farming) und einen hohen Automatisierungsgrad. Im Zuge des Strukturwandels werden die zu bewirtschaftenden Flächen pro Betrieb größer und die eingesetzten Maschinen entsprechend leistungsfähiger. Für kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe lohnen sich die damit verbundenen Investitionen häufig nicht mehr. Sie schließen sich daher oft in Maschinenringen zusammen oder beauftragen Lohnunternehmer für spezielle Aufgaben.

Beispiele für Landmaschinenarten:

Unabhängige Tests an Landmaschinen führt unter anderem die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) regelmäßig durch, die zu diesem Zweck ein eigenes Prüfzentrum unterhält.
Die international bedeutendste Leistungsschau der Landtechnik ist die Messe Agritechnica, die von der DLG im zweijährigen Rhythmus in der Hannover Messe veranstaltet wird. Zu den Landmaschinen gehören mittlerweile eine ganze Reihe von Sensorikanwendungen, die unter anderem physikalische und chemische Bodenparameter erfassen.

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Landnahme

Inbesitznahme größerer Landflächen durch Menschengruppen mittels kriegerischer Eroberung oder durch friedliche Besitzergreifung zum Zwecke der dauernden Besiedlung und Bewirtschaftung.

Historisch bedeutet Landnahme die Besiedlung eines Territoriums durch ein Volk oder eine Volksgruppe, mitunter als Endpunkt einer vorherigen territorial unsteten Lebensweise. Davon zu unterscheiden sind Kolonisierung und Kolonialismus, die von einem Mutterland ausgehen und Erweiterungen des Einflussgebietes darstellen.

Die entsprechende geschichtliche Epoche des jeweiligen Volkes wird auch als dessen Landnahmezeit bezeichnet. Der Begriff Landnahme umfasst dabei jede Ansiedelung auf fremden Gebieten, seien sie menschenleer, herrschaftslos oder bereits besiedelt, seien sie gewaltsam erobert oder durch friedliche Einwanderung eingenommen. Bei einer bereits ansässigen Bevölkerung kann es zu einer Vermischung oder einer Verdrängung kommen.

Landnahme in der Neuzeit

Eine sozialreformerisch motivierte Landnahme praktizierten ab Mitte des 17. Jahrhunderts die Diggers in England. In Nordamerika hatte die individuelle Landnahme durch Squatter weitreichende Bedeutung für die Besiedelung des amerikanischen Westens. Die spätere Legalisierung wurde nach und nach durch einzelstaatliche Gesetze und 1862 mit dem bundesweit geltenden Heimstättengesetz (Homestead Act) erreicht.

Einen Sonderfall aus der neueren Geschichte stellt der Staat Israel dar. Grundlage ist die Balfour-Deklaration von 1917, in der das Vereinigte Königreich seine Unterstützung für die Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte in Palästina zusicherte. Diese Landnahme sollte eigentlich friedlich und ohne Verdrängung der ansässigen Bevölkerung geschehen.

Der Begriff Landnahme wird in den vergangenen Jahren auch dem englischen Land Grabbing beigestellt, zu dem es noch keinen allgemein akzeptierten deutschen Begriff gibt.

Landnutzung

Bezeichnung für die Inwertsetzung der Landoberfläche durch den Menschen. Bei speziell landwirtschaftlicher Nutzung spricht man häufig von Bodennutzung. Gelegentlich werden beide Begriffe auch synonym zueinander verwendet.

Eine umfassendere Definition untergliedert den Begriff Landnutzung in zwei Kategorien, die eng verflochten sind:

Eine weitere Definition findet sich im IPCC-Bericht 2007:

Globale Veränderungen in der Landnutzung zwischen 1882 und 1991
Globale Veränderungen in der Landnutzung zwischen 1882 und 1991

Quelle: Manshard u. Mäckel 1995

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) versteht unter Landnutzung:

Eine gebräuchliche Definition von Landnutzung, die WOCAT verwendet, lautet:

Die FAO schlägt die folgende Definition vor:

Gleichwohl bemängeln das Projekt LADA (Land Degradation Assessment in Drylands) und andere Autoren,

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) sieht unseren Umgang mit Land in einem 'Trilemma der Landnutzung'. Dieses manifestiert sich in den vielfältigen Ansprücken für Klimaschutz, Ernährungssicherung und Erhaltung biologischer Vielfalt, die bereits heute in Konkurrenz zueinander stehen, während sich die Landdegradation auf alle drei Aspekte kurz- oder langfristig auswirkt. Nach Ansicht des WBGU scheint es nur auf den ersten Blick so, als könne jeweils einer dieser Herausforderungen nur auf kosten der anderen beiden bewältigt werden. In einem Gutachten (Landwende im Anthropozän: Von der Kokurrenz zur Integration) zeigt der WBGU exemplarisch, wie durch Kombination von Schutz und multiplen Nutzungen in der Landschaft Mehrgewinne erzielt werden können, so dass Konkurrenzen überwunden werden.

Hierzu stellt das Gutachten fünf exemplarische Mehrgewinnstrategien vor:

  1. Renaturierung: Landbasierte CO2-Entfernung synergistisch gestalten
  2. Schutzgebietssysteme ausweiten und aufwerten
  3. Landwirtschaftssysteme diversifizieren
  4. Die Transformation der tierproduktlastigen Ernährungsstile in den Industrieländern vorantreiben
  5. Bioökonomie verantwortungsvoll gestalten und dabei Holzbau fördern

Ergänzt werden sollen diese Mehrgewinnstrategien durch fünf Governance-Strategien für einen solidarischen Umgang mit Land. Erst sie schaffen geeignete Rahmenbedingungen und Anreizsysteme:

  1. Pionier*innen des Wandels: Akteure zur Verantwortungsübernahme ermächtigen
  2. Gestaltender Staat: Rahmenbedingungen für den solidarischen Umgang mit Land schaffen
  3. Eine Landwende als Teil des European Green Deal
  4. Bestehende internationale Kooperation und Koordination des Umgangs mit Land stärken
  5. Drei neue multilaterale Kooperationsgemeinschaften zur Förderung einer globalen Landwende

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Landnutzung, Grenzen der

Ebenso wie die Grenzen der Besiedlung (Ökumene/Anökumene) lassen sich auch die Grenzen der agrarischen Landnutzung nur schwer bestimmen. Die tatsächlichen Anbaugrenzen bleiben meist hinter den theoretisch möglichen zurück, weil sie nicht nur von den Naturgrundlagen, sondern auch von der Rentabilität abhängen.

Auf der physiogeographischen Seite sind Klima und Relief die wichtigsten Faktoren der Nutzungsgrenzen, die sich für den Feldbau am deutlichsten fassen lassen. Andererseits sind klimatische Faktoren keine unverrückbaren Grenzmarken: Durch die Züchtung beispielsweise von in kürzerer Zeit zur Reife gelangender Getreidearten oder Kartoffelsorten kann die Kältegrenze weiter hinausgeschoben werden.
Die Kältegrenzen liegen dort, wo mit zunehmender geographischer Breite (Polargrenze) oder zunehmender Höhe (Höhengrenze) die Temperaturen für den Anbau von Kulturpflanzen zu niedrig werden. Die Polargrenze rückt auf der wintermilden Westseite und im sommerwarmen Inneren der Nordkontinente weiter polwärts vor als im Osten.

Polargrenzen von Kulturpflanzen in Breitengraden
Polargrenzen von Kulturpflanzen in Breitengraden

Die Höhengrenze trennt die höheren Gebirgsteile inselartig von den genutzten tieferen Gebieten und geht in hohen Breiten in die Polargrenze über. Die Höhengrenze steigt i.a. mit den Temperaturen von den Polen zum Äquator hin an. Sie wird jedoch nicht nur von der Breitenlage bestimmt, sondern auch durch Niederschlagshöhe, Ozeanität oder Kontinentalität des Klimas, Hangexposition und Massenerhebung der Gebirge variiert. So liegen die höchsten Grenzen des Anbaus nicht in den äquatornahen Feuchttropen, sondern mit weit über 4.000 m in Tibet und im Punablock der Anden, wo das trockenere Klima und der Masseneffekt der Gebirge die Temperaturen erhöhen.

Höhengrenzen von Kulturpflanzen,
die sowohl in gemäßigten Breiten
wie auch in tropischen Gebirgen gedeihen
Höhengrenzen von Kulturpflanzen, die sowohl in gemäßigten Breiten wie auch in tropischen Gebirgen gedeihen
Höhengrenzen für subtropisch-tropische Gewächse
Höhengrenzen für subtropisch-tropische Gewächse

In den warmen Tropen gibt es wegen zu hoher Temperaturen für manche Pflanzen auch eine Untergrenze; so werden z.B. 1.000 m von Weizen und Kartoffeln, 700 m von europäischen Getreidearten oder 500 m von Tee kaum unterschritten.
Die Trockengrenze scheidet innerhalb der Nutzfläche der Erde Räume aus, die infolge geringer Niederschläge und hoher Verdunstung die Agrarwirtschaft verbieten. Die Trockengrenzen der einzelnen Kulturpflanzen richten sich nach dem jeweiligen Wasserbedarf.

Mindestwerte der Niederschlagsmittel
für einzelne Kulturpflanzen in mm/Jahr
Mindestwerte der Niederschlagsmittel für einzelne Kulturpflanzen in mm/Jahr

Feuchtgrenzen umschließen azonale Gebiete, die durch Überschwemmungen, Moorbildung oder wasserstauende Böden eine Nutzung ausschließen.

(s. a. Anbaugrenzen)

Landnutzungsänderung

Begriff, der sich auf eine Änderung in der Nutzung oder Bewirtschaftung des Landes durch den Menschen bezieht, die zu Bodenbedeckungsänderungen führen kann. Bodenbedeckungs- und Nutzungsänderungen können Auswirkungen auf das Rückstrahlvermögen von Oberflächen, Verdunstung, Quellen und Senken von Treibhausgasen oder auf andere Eigenschaften des Klimasystems haben und können deshalb einen Einfluss auf das lokale oder globale Klima bewirken.

Im Kontext der agrarischen Landnutzung, insbesondere beim Anbau von Energiepflanzen zur Erzeugung von Agrarkraftstoffen, wird zwischen direkter und indirekter Landnutzungsänderung (direct Land Use Change, kurz dLUC, bzw. indirect Land Use Change oder iLUC) unterschieden.

Die direkte Landnutzungsänderung bezeichnet die Umwandlung von Land, das vorher nicht für den Anbau von Feldfrüchten genutzt wurde, in Anbauflächen von Pflanzenrohstoffen. Die indirekte Landnutzungsänderung beschreibt den Effekt, dass für den Anbau von Energiepflanzen Flächen genutzt werden, die ursprünglich für die Erzeugung von Nahrungsmitteln bestimmt waren. Somit steigen einerseits die Lebensmittelpreise aufgrund einer Angebotsknappheit und andererseits findet eine Verdrängung der Nahrungs- und Futtermittelproduktion statt, für die dann neue Flächen landwirtschaftlich erschlossen werden müssen. Die indirekte Landnutzungsänderung wird dann der Umweltbilanzierung dem Energiepflanzenanbau zugerechnet. Da dieser Zusammenhang schwer nachzuweisen ist, wird er in den meisten Analysen vernachlässigt.

Die Nutzung von Böden als Acker oder Grünland sowie Umwandlungen von Acker- in Grünland oder umgekehrt führen zu Veränderungen des Bodenkohlenstoffs. Damit werden Treibhausgase, hauptsächlich Kohlenstoffdioxid, fixiert oder freigesetzt. Ebenso tragen Aufforstung, Entwaldung und Waldbewirtschaftung zu Veränderungen im Kohlenstoffhaushalt bei und sind damit klimawirksam.

Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben Satellitendaten mit Statistiken der vergangenen 60 Jahre kombiniert und herausgefunden, dass globale Landnutzungsänderungen rund 32 Prozent der Landoberfläche umfassen. Damit sind sie etwa viermal so groß wie bisher angenommen. Im globalen Norden sind Waldflächen wieder auf dem Vormarsch und Agrarflächen gehen zurück. Im globalen Süden zeigt sich jedoch das gegenteilige Bild – gerade Brasilien und Indonesien verlieren ihre Wälder.

„HILDA+“-Landnutzungskarte für das Jahr 2019
„HILDA+“-Landnutzungskarte für das Jahr 2019

Quelle: Karina Winkler, KIT

Über ihre Ergebnisse berichten die Forschenden im Wissenschaftsmagazin Nature Communications. Die Daten zur globalen Landnutzungsänderung sind in einer kostenfreien Datenbank verfügbar und sollen helfen, Strategien für eine nachhaltige Landbewirtschaftung und den Schutz von Klima und Artenvielfalt zu entwickeln.

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Landrasse

Auch Naturrasse; Bezeichnung für hauptsächlich durch natürliche Auslese entstandene Rassen von Haustieren, die sich in einem Gebiet mit traditioneller Landwirtschaft ohne systematische Züchtung gebildet haben.

Landrassen stellen oft die Ausgangsbasis für die weitere Züchtung dar, wobei manchmal die ursprünglichen Namen beibehalten werden. Ein Beispiel hierfür ist die Deutsche Landrasse, eine weit verbreitete Hausschweinrasse, die einer systematischen Zucht unterliegt, aber dennoch noch diesen Namen trägt.

Im Nagoya-Protokoll ist festgelegt, dass dann, wenn regionale Landrassen Ausgangsmaterial der Zucht sind, die Erzeuger dieser Landrassen an den Erträgen daraus beteiligt werden sollen (Access and Benefit Sharing).

Landrassen entstehen immer unter dem züchterischen Einfluss des Menschen (künstliche Selektion). Diese erfolgt aber in der Regel unbewusst und als Beiprodukt des Wirtschaftens. Die resultierenden Formen sind in der Regel an bestimmte Regionen und deren Lokalklima und Bodenverhältnisse gut angepasst mit relativ hoher Ertragssicherheit bei recht geringem Ressourceneinsatz. Sie stammen in der Regel aus abgelegenen und/oder wenig günstigen Lebensräumen und sind deshalb genügsamer und widerstandsfähiger, aber weniger leistungsfähig als modernen Züchtungen.

Aus Landrassen hervorgegangen und deren Vorzüge zum Teil noch bewahrt haben die etwas stärker vom Menschen züchterisch beeinflußten leistungsfähigeren sog. Veredelten Landrassen oder Übergangsrassen.

Populationen von durch die Züchtung nur wenig veränderten Kulturpflanzen werden Landsorten genannt.

Landraub

Landraub im Sinne des international üblichen Terminus Land Grabbing bezeichnet Investitionen in Pacht oder Kauf von Landflächen, insbesondere Agrarflächen oder agrarisch nutzbare Flächen, bei dem Investoren die Rechte und Bedürfnisse ländlicher Bevölkerungsgruppen, die das Land bearbeiteten oder davon lebten, ignorieren. Die Definitionen sind sehr uneinheitlich, insbesondere was die Größe der jeweils betroffenen Fläche betrifft.

Zum Teil sollen die Investitionen in (Agrar)land die Nahrungsmittelversorgung sichern helfen, häufig geht es aber auch nur um die profitablere Herstellung von Nahrungsmitteln oder anderen Agrargütern für den Verkauf auf dem Weltmarkt oder um Bodenspekulation.

Dabei bewegen sich die internationalen Investoren ebenso wie die staatlichen, halbstaatlichen oder privaten Verkäufer oft in Grauzonen des Rechts und in einem Niemandsland zwischen traditionellen Landrechten und modernen Eigentumsverhältnissen. Häufig könnte man bei Landgrabbing von einer Landreform von oben sprechen oder der Etablierung neuer, privatwirtschaftlicher Kolonialverhältnisse.

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Landschaft

Ein beliebig ausgedehnter räumlicher Ausschnitt aus der Geosphäre, der seine spezifische Charakteristik aus der Einheit der Naturraumbedingungen, deren Beeinflussung und gegebenenfalls ihrer Nutzung durch den Menschen bezieht. Landschaft ist ein nach Struktur (Landschaftsbild) und Funktion (Landschaftshaushalt) geprägter, als Einheit aufzufassender Ausschnitt der Erdoberfläche, aus einem Gefüge von Ökosystemen oder Ökotopen bestehend.

Landschaft gilt als offenes stoffliches und/oder energetisches System, das sich in einem dynamischen Gleichgewicht befindet und eine gewisse Amplitude aufweist. In das System kann der Mensch gestaltend oder auch zerstörend eingreifen. Landschaft kann an natürlichen oder anthropogen verursachten Grenzen oder Grenzsäumen von anderen Landschaftseinheiten abgetrennt werden. Eine Naturlandschaft wird überwiegend von naturbedingten, eine Kulturlandschaft überwiegend von kulturbedingten Ökosystemen eingenommen. Eine integrierende Landschaftsdefinition hat sich in den Naturwissenschaften bislang nicht durchgesetzt. Hingegen orientiert sich die Landschaftsbetrachtung in den Einzelgebieten stark am disziplinären Forschungsgegenstand.

Landschaft kann oft einen eigenen Namen besitzen, der auf eine natürliche Ausstattung (Ried), einen Personennamen (Dithmarschen), einen Ortsnamen (Dübener Heide), eine historische Zugehörigkeit (Märkisches Land) oder eine besondere Prägung durch den Menschen hinweisen kann (Kannenbäckerland).

(s. a. Agrarlandschaft, Kulturlandschaft, Naturlandschaft)

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Landschaftsbewertung

Vergleich von naturwissenschaftlich ermittelten und definierten Merkmalen und Zahlenwerten mit gesellschaftlich bestimmten Werten. Die Landschaftsbewertung dient der Messung des Erholungs-/Freizeitwertes eines Gebietes anhand definierter Kriterien als Grundlage der Raumplanung. Problematisch ist die Bewertung und Gewichtung der einzelnen Kriterien, da den unterschiedlichen Motivationsstrukturen und Aktivitätsmustern der verschiedenen Nachfragergruppen Rechnung getragen werden muß.

(s. a. Landschaftsbild)

Landschaftsbild

Die sinnlich wahrnehmbare Gesamtheit der landschaftsprägenden Einzelelemente eines unterschiedlich großen Ausschnittes der Erdoberfläche. Visuell wahrnehmbar sind in Landschaften Größe, Formen, Farben, stoffliche Beschaffenheit, äußere Gliederung, Vielfalt und Abwechslungsreichtum von Landschaftselementen. Zusammen mit von anderen Sinnen aufnehmbare Eigenschaften (Düfte, Gerüche, Aerosole, Lufttemperaturen, Schwüle und Frische, Luftbewegungen) bilden sie die Erlebniswerte der Landschaft und wirken auf die Psyche und den Gesamtorganismus des Menschen ein.
Das Landschaftsbild beinhaltet neben den objektiv darstellbaren Strukturen der realen Landschaft subjektiv-ästhetische Wertmaßstäbe des Betrachters.
Wesentlichen Einfluß auf das Landschaftsbild besitzt seit jeher die Landwirtschaft. Ihre Spezialisierung und Intensivierung führte in den letzten Dekaden - analog zu den Verlusten an Biodiversität seit der Mitte des 20. Jahrhunderts - in vielen Agrarlandschaften zu einem Verlust der landschaftlichen Vielfalt, die zuvor in Jahrhunderten landwirtschaftlicher Nutzung entstanden war. Besonders durch Flurbereinigungen wurden Standortunterschiede nivelliert, verschwanden belebende und gliedernde Landschaftselemente oder gingen in die Agrarlandschaft eingestreute naturnähere Biotope verloren.
Zur Bewertung des Landschaftsbildes, das vor allem für die Erholungseignung von Bedeutung ist, können "objektive" und subjektive Ansätze herangezogen werden. Erstere sind Verfahren, bei denen gewöhnlich aus verschiedenen Parametern eine Kennzahl errechnet wird, die den Landschaftswert ausdrücken soll. Solche Parameter sind beispielsweise:

Beispielparameter zur Ermittlung des Landschaftswertes
Beispielparameter zur Ermittlung des Landschaftswertes

Auf eine (fragwürdige) Objektivierung wird bei Verfahren der visuellen Landschaftsbildbewertung verzichtet. Hierbei werden Testpersonen bestimmte definierte Landschaftsfotos vorgelegt und Wertzuweisungen somit empirisch ermittelt.
Danach leisten folgende Landschaftselemente und Landnutzungstypen einen hohen Beitrag zum Freizeit- und Erholungswert einer Landschaft, vor allem dann, wenn sie als Nutzungsmix vorkommen:

Landschaftselemente und Landnutzungstypen,
die den Freizeit- und Erholungswert einer Landschaft erhöhen
Landschaftselemente und Landnutzungstypen, die den Freizeit- und Erholungswert einer Landschaft erhöhen

Aus Untersuchungen wird deutlich, daß eine Landschaft mit hoher Eignung für Erholungszwecke auch weitgehend den Anforderungen des Naturschutzes genügt. (Landschaftselemente)

Landschaftsgarten

Im 18. Jh. in England entstehender Garten- oder Landschaftstypus, der sich in der Folge in ganz Europa verbreitete. In bewusster Abgrenzung gegenüber dem Barock-Garten zielt der Landschaftsgarten auf eine natürliche Gartengestaltung ab, die sich ästhetisch u.a. konkretisiert im Einbezug der umgebenden Landschaft (u.a. durch Ahas), in weiten, durch Clumps aufgelockerten Rasenflächen, in einem an der inneren Gartengrenze herumgeführten Belt walk, in der Bevorzugung natürlich anmutender Seen gegenüber geometrischen Bassins, in der Ablehnung von geraden Achsen, was z.B. zur Forderung nach in s-förmig geführten Wegen und Uferböschungen führte, usw.

Derartig gestalteten Gärten, die zudem mit vielfältigen Staffagebauten angereichert sein können, können unterschiedliche gartentheoretische Auffassungen zugrunde liegen: Die Forderung nach einer natürlichen Gestaltung kann dem Denken der Aufklärung entwachsen (so wie die Freiheit des Menschen im Naturrecht begründet ist, so hat die Natur ihrerseits frei von domestizierenden Eingriffen des Menschen zu sein), in einer göttlich gedachten Natur kann dieser Ort einer religiösen Natur- und Gotteserfahrung sein oder aber auch nur einfach ein Ort, an dem malerisch-pittoreske Landschaftsbilder fühlend genossenen werden können. Die Umwandlung bestehender Barockgärten in Landschaftsgärten wurde in England mitunter auch dadurch beflügelt, dass der damit verbundene Übergang zur Weidewirtschaft ökonomisch lukrativ war.
Heute bezeichnen die Begriffe Landschaftsgarten und Landschaftspark eine verhältnismäßig große, nach bestimmten Vorstellungen der Gartenkunst beziehungsweise Landschaftsarchitektur als Landschaft gestaltete Fläche, die sich durch ihre natürlichen, landschaftlichen oder kulturellen Eigenschaften auszeichnet. Sie dienen vornehmlich der Erhaltung und Aufwertung von Natur, Landschaft und Kultur und sollen die Lebensqualität der Bevölkerung fördern und, als weicher Standortfaktor, die Wirtschaft stärken. Damit ist der Landschaftspark weder ausschließlich Naturraum noch Grünanlage oder Erholungsgebiet und grenzt sich von Nationalpark und Naturpark ab.

Landschaftsmonitoring

Systematische Beobachtung und Prognose von Zustand und Dynamik natürlich-technischer Ökosysteme (d.h. der Landschaft), die sich auf Landschaftskomponenten wie Vegetationsdecke, Bodendecke, Flächennutzung und räumliche Landschaftsstruktur beziehen.

(s. a. Monitoring)

Landschaftspflege

Die Gesamtheit der Maßnahmen zur Sicherung und Entwicklung der nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter in einem naturverträglichen Rahmen sowie zum Erhalt der Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft.

Die Landschaft in Deutschland ist eine Kulturlandschaft und überwiegend durch die Tätigkeit von Land- und Forstwirten entstanden. Sie hat einen hohen Erholungswert und eine umfangreiche Tier- und Pflanzenwelt, die im Laufe der Jahrhunderte durch Nutzung von Feldern, Wiesen und Wäldern entstanden ist. Wo die Landschaft in ihrer Vielfalt durch Eingriffe gelitten hat, sind Landwirte und Naturschützer dabei, Renaturierungsmaßnahmen umzusetzen. Landschaftspflege durch Landwirte kann z.T. als unbezahlte Nebenleistung der Landwirtschaft gesehen werden, die aber auch von staatlicher Seite im Rahmen von Flächenstilllegung oder Extensivierung gefördert wird.

Rechtliche Grundlage für die Landschaftspflege in Deutschland ist das Bundesnaturschutzgesetz vom 29.7.2009 (BGBl. I 2542) m. spät. Änd. Der Begriff findet sich im vollen Titel dieses Gesetzes wieder (Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege).
Neben den aktiven Maßnahmen, die gestaltend oder pflegend wirken, umfasst die Landschaftspflege nach der Zielsetzung des Bundesnaturschutzgesetzes auch passive Naturschutzmaßnahmen, wie sie vor allem der Prozessschutz fordert, der pflegerische Maßnahmen ausschließt und einzig eine natürliche Entwicklung (Sukzession) beinhaltet, wie z.B. im Rahmen der sog. „Wildnisentwicklung“.

Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege sind es die Natur und die Landschaft auf Grund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich so zu schützen, dass die biologische Vielfalt, die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts einschließlich der Regenerationsfähigkeit und nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter sowie die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft auf Dauer gesichert sind; der Schutz umfasst auch die Pflege, die Entwicklung und, soweit erforderlich, die Wiederherstellung von Natur und Landschaft (allgemeiner Grundsatz, vgl. § 1 I BNatSchG).

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Landschaftspflegeverbände

Landschaftspflegeverbände sind Zusammenschlüsse, in denen Vertreter aus Landwirtschaft, Naturschutz sowie Kommunalpolitik gemeinsam naturnahe Landschaftsräume erhalten oder neu schaffen. Die drei gesellschaftlichen Gruppen wirken in den Vorständen der Landschaftspflegeverbände gleichberechtigt zusammen. Diese sogenannte "Drittelparität" schafft Vertrauen und fördert den praktischen Erfolg der Arbeit.

Landschaftspflegeverbände sind regional gut vernetzt und arbeiten mit Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Landbewirtschaftenden auf freiwilliger Basis zusammen. 2009 verankerte der Deutsche Bundestag die Landschaftspflegeverbände als bevorzugte Umsetzungsorgane für Naturschutz und Landschaftspflege in § 3 des Bundesnaturschutzgesetzes. Landschaftspflegeverbände sind zwar deutschlandweit aktiv, allerdings tragen die drittelparitätisch organisierten Verbände nicht überall denselben Namen. Während die im Deutschen Verband für Landschaftspflege vertretenen Organisationen in Bayern, Brandenburg, Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt meist als "Landschaftspflegeverbände" bezeichnet werden, heißen sie zum Beispiel in Baden-Württemberg "Landschaftserhaltungsverbände", in Nordrhein-Westfalen "Biologische Stationen" und in Schleswig-Holstein "Lokale Aktionen". Entscheidend ist bei diesen Landschaftspflegeorganisationen immer die paritätische Besetzung der Vereinsvorstände sowie das gleichberechtigte, freiwillige und gemeinsame Agieren der Vorstandsmitglieder.

Als gemeinnütziger Dachverband der Landschaftspflegeorganisationen in Deutschland fungiert der 1993 gegründete Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL). 181 Landschaftspflegeorganisationen sind Mitglieder des DVL (2021). Der DVL vertritt die Interessen der Landschaftspflegeverbände bundesweit und ist für sie Plattform zum Austausch von Praxiswissen. Der DVL bringt Expertenwissen aus der Landschaftspflege in alle Bereiche der Agrar- und Regionalpolitik ein. Wichtige Handlungsfelder sind die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU.

Zu den Zielen der Landschaftspflegeverbände gehören:

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Landschaftsplanung

Ganzheitlich orientierte ökologisch-gestalterische Planung mit Vorsorge-Charakter, die neben dem konservierenden Flächenschutz das wichtigste Instrument der Landespflege darstellt. Als "schutzgutübergreifende" und "querschnittsorientierte" Leitplanung des raumbezogenen Umweltschutzes nimmt sie eine Bündelungsfunktion für zahlreiche Einzelaktivitäten und Fachbeiträge zum Umwelt- und Naturschutz wahr. Wichtigste gesetzliche Grundlagen in Deutschland sind das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)und die Naturschutzgesetze der Bundesländer.
Die Schutzgüter des BNatSchG (Boden, Wasser, ästhetische Qualitäten usw.) sind zum Teil "freie" Güter, die bei einer Inanspruchnahme nicht bezahlt werden müssen. Da ökonomische Anreize zur nachhaltigen Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen weitgehend fehlen, sind diese Ressourcen besonders durch Übernutzung gefährdet. Dies begründet die Notwendigkeit für die Regelung des Verhältnisses von Naturnutzung und -schutz durch die bestehenden Umweltgesetze und damit auch für die gesetzliche Verankerung vorsorgender Planung.

Aufgaben der Landschaftsplanung:

Die Ziele und die erforderlichen Maßnahmen, die in der Landschaftsplanung formuliert werden, richten sich an Personen und Institutionen, die beruflich oder privat mit Plänen, Entscheidungen oder Handlungen befaßt sind, die mittelbar oder unmittelbar Natur und Landschaft betreffen.
Landschaftspläne sind immer dann notwendig, "sobald und soweit dies aus Gründen des Naturschutzes und der Landschaftspflege erforderlich ist". Dies trifft in der Regel zu

Landschaftspläne sind bislang noch nicht in befriedigendem Maße umgesetzt worden. Der Hauptgrund wird darin gesehen, daß die vorgeschlagenen Maßnahmen häufig einseitig naturschutzfachlich begründet sind, also kaum Rücksicht auf die Agrarraumfunktion "effiziente Biomasseproduktion" und somit auch nicht auf die Interessen und wirtschaftlichen Möglichkeiten der Eigentümer bzw. Bewirtschafter genommen wird.

Landschaftsschutzgebiet

In Deutschland nach dem Naturschutzgesetz (§ 15 BNatSchG) ein Schutzgebiet mit einem geringeren Schutzstatus als Naturschutzgebiete und Nationalparke. Sie lassen menschlichen Aktivitäten, z.B. der Landwirtschaft größeren Raum. In Landschaftsschutzgebieten (LSG) soll die ökologische Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts erhalten oder wiederhergestellt werden. Die Vielfalt, Eigenart und Schönheit des Landschaftsbildes sollen bewahrt und seine Bedeutung für die Erholung gesichert werden. 1998 bestanden in Deutschland 6.195 Landschaftsschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 8,9 Mio ha, was 25 % der Staatsfläche entspricht.

Landschaftsstruktur

Die stoffliche und formale Struktur einer Landschaft, d.h. die Größe, Formenwelt, Farben, stoffliche Zusammensetzung und damit deren innerer und äußerer Aufbau. Zur inneren Struktur zählt z.B. die Lithosphäre, zur äußeren Struktur die Gliederung durch Strukturelemente, wie Bergrücken, Gewässernetz, Wälder, Hecken, Baumreihen usw.

Landschafts(struktur)elemente

Auch "ökologische Zellen"; kleinräumige Biotope, die im Gegensatz zum überwiegenden Teil der Agrarlandschaft nicht oder nur extensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Solche Elemente sind z.B. Hecken, Baumreihen, Feldgehölze, Baum- und Gebüschgruppen, Einzelbäume, Feldraine, Fließgewässer, Kleingewässer, Hohlwege und Ödland. Ihre ökologische Bedeutung liegt darin, daß sie Lebens- und Rückzugsraum für viele Pflanzen und Tiere bieten, als "Trittsteine" bei der Ausbreitung von Arten wirken, das Ausmaß der Bodenerosion vermindern, als Luftfilter wirken und zur Verbesserung des Kleinklimas beitragen. Darüber hinaus prägen sie das Landschaftsbild und haben Auswirkung auf den Freizeit- und Erholungswert der Landschaft.

Viele in traditioneller Landwirtschaft angelegte und bewahrte Landschaftselemente der alten Kulturlandschaften sind in der heutigen großflächigen Landwirtschaft obsolet oder gar hinderlich. Sie erfahren darum besonderen Schutz vor Zerstörung oder Beseitigung durch Ausweisung als Kulturdenkmäler und erfordern vielfache landespflegerische Maßnahmen zu ihrer dauerhaften Erhaltung.

Natürliche Landschaftselemente entstanden ohne Zutun des Menschen. Sie können kleinflächig sein wie Tümpel, Gebüschgruppen und einzelstehende Felsen oder sich flächig ausbreiten wie Wälder und ihre Ränder, Flüsse, Seen, Bergwiesen, Bergwälder, Moore oder Auwälder.

Die Cross Compliance-Regelungen der Gemeinsamen Agrarpolitik umfassen auch sieben Standards für die Erhaltung von Flächen in gutem landwirtschaftlichem und ökologischem Zustand (GLÖZ). Einer dieser Standards umfasst das explizite Verbot, Landschaftselemente zu beseitigen (GLÖZ 7), da Landschaftselemente wichtige Funktionen für den Umwelt- und Naturschutz erfüllen. Gleichzeitig bereichern sie das Landschaftsbild unserer Kulturlandschaften.

Folgende Landschaftselemente sind entsprechend der nachfolgenden Definitionen Cross-Compliance-relevant (CC-Landschaftselemente):

Diese Landschaftselemente können in die förderfähige Fläche (Bruttofläche Landwirtschaft) mit einbezogen werden. Diese Bruttofläche Landwirtschaft ist für die Direktzahlungen und alle anderen Fördermaßnahmen des Gemeinsamen Antrages die maximal beihilfefähige Fläche.

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Landschaftswandel

Natürlich oder anthropogen bedingte qualitative Umschläge von Landschaften, die von grundsätzlichen Struktur-, Gleichgewichts- und Haushaltsveränderungen begleitet sind.
Beim natürlichen Landschaftswandel sind zu unterscheiden langfristig andauernde Vorgänge (z.B. Meerestransgressionen, Gebirgsbildungen) von kurzzeitig ablaufenden Vorgängen (z.B. Vulkanausbrüche, Erdrutsche).
Der anthropogene Landschaftswandel in Mitteleuropa kann in vier Etappen untergliedert werden:

Der Entwicklungsgang des anthropogenen Landschaftswandels zeigt eine zeitliche Beschleunigung in fast logarithmischer Größenordnung (ca. 6.000 - 1.000 - 100 - 40 Jahre), wobei die Einflußnahmen von zunehmender Vielartigkeit sind. Damit können sich gegenwärtig kaum mehr Gleichgewichtszustände einpegeln, und die Umweltbeeinträchtigungen werden zunehmend unüberschaubarer.
Als wichtige konzeptionelle Gegenmaßnahmen gelten Umweltverträglichkeitsprüfungen, fundierte Landschaftsplanungen und ein angepasstes Landschaftsmonitoring.

Landschaftszerschneidung

Auch Landschafts-, Freiraum- oder Flächenzerschneidung; die Begriffe bezeichnen ein Zertrennen von Landschaftselementen und von gewachsenen ökologischen Zusammenhängen zwischen räumlich verbundenen Landschaftsbereichen. Hauptursachen sind vom Menschen geschaffene, vorwiegend linienhafte Strukturen (vor allem Straßen, Bahnlinien und Leitungstrassen), mit denen Barriere-, Emissions- und Kollisionswirkungen sowie ästhetische Beeinträchtigungen verbunden sind. Die Landschaftszerschneidung ist nicht mit der (Landschafts-)Zersiedelung zu verwechseln, die aber auch eine trennende Wirkung entfalten kann.

Je größer eine untersuchte Fläche ist, desto mehr Arten findet man darauf, so die Arten-Areal-Beziehung als einer der wichtigsten universellen Zusammenhänge in der Ökologie. Und je verinselter und fragmentierter Lebensräume sind, desto geringer ist ihre Biodiversität auf lange Sicht.

Verkehrswege und landschaftszerschneidende Elemente wirken für viele Tier- und Pflanzenarten als „Barrieren“ und führen zur Habitatfragmentierung, das heißt, sie verkleinern, zerteilen und isolieren deren Lebensräume. Die Zerschneidung und Fragmentierung der Landschaft gilt als wesentliche Ursache für den Rückgang von Tier- und Pflanzenarten und die Gefährdung der Artenvielfalt (Biodiversität). In ökologisch besonders hochwertigen und sensiblen Gebieten, die eine überdurchschnittliche Dichte schutzwürdiger Biotope oder überdurchschnittliche Vorkommen landesweit gefährdeter Tier- und Pflanzenarten aufweisen, wirkt sich die Zerschneidung diesbezüglich besonders gravierend aus.

Die deutsche Bundesregierung hat sich in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt das Ziel gesetzt, die Landschaftszerschneidung zumindest konstant zu halten (BMU 2007). Als Zielwert wurde der Zerschneidungsgrad des Jahres 2005 gewählt (25,4 %).

Seit einigen Jahren wird versucht, durch so genannte Tierquerungshilfe, wie Grünbrücken über und Amphibientunnel unter Straßen, die Auswirkungen der Landschaftszerschneidung abzumildern.

Landsorte

Durch landwirtschaftliche Selektion an die Umwelt- und Bewirtschaftungsbedingungen in ihrem Anbaugebiet entstandene, nach dem Sortenschutzgesetz nicht geschützte Pflanzensorte. Landsorten legten zusammen mit eingeführten Pflanzen in den letzten 150 Jahren die Grundlage einer intensiven Züchtung von Kulturpflanzen. Für heutige Neuzüchtungen sind sie z.B. wichtige Quellen für Resistenzgene.

Landsorten sind genetisch uneinheitliche Formenkreise einer Kulturpflanzenart. In der Regel weichen die einzelnen Typen morphologisch und physiologisch voneinander ab.

Normalerweise sind Landsorten relativ ertragsstabil. Sie sind jedoch nicht so ertragsreich wie speziell gezüchtete Hochleistungssorten. Da ihr Bestand bedroht ist, werden Landsorten in Genbanken konserviert.

(s. a. Lokalrasse, Ökotyp)

Landsysteme

Bezeichnung für die terrestrischen Teile der Biosphäre, der die natürlichen Ressourcen (Boden, oberflächennahe Luft, Vegetation und andere Lebewesen sowie Wasser), die ökologischen Prozesse, Topographie sowie menschliche Siedlungen und Infrastruktur umfasst,
die innerhalb dieses Systems relevant sind.

Der Begriff ist eine deutsche Entsprechung des englischen Begriffes 'land' in den neueren englischsprachigen IPCC-Berichten.

Menschen, Landsysteme und Klima in einer wärmer werdenden Welt

  1. Landsysteme bilden die Hauptgrundlage für die Existenz und das Wohlergehen von Menschen, einschließlich der Bereitstellung von Nahrung, Trinkwasser und vielen weiteren Ökosystemleistungen, sowie die biologische Vielfalt. Die Nutzung durch den Menschen beeinflusst über 70 % (wahrscheinlicher Bereich 69–76 %) der globalen, eisfreien Landoberfläche (hohes Vertrauen). Landsysteme spielen auch eine wichtige Rolle im Klimasystem.
  2. Seit der vorindustriellen Zeit ist die Lufttemperatur über der Landoberfläche beinahe doppelt so stark angestiegen wie die globale Durchschnittstemperatur. Der Klimawandel, einschließlich von Zunahmen in der Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen, hat sowohl negative Folgen für die Ernährungssicherheit und terrestrische Ökosysteme gehabt als auch zu Desertifikation und Landdegradierung in vielen Regionen beigetragen.
  3. Landwirtschaft, Forstwirtschaft und andere Landnutzung (Agriculture, Forestry and other Land Use, AFOLU) waren im Zeitraum 2007–2016 für rund 13 % der CO2‐, 44 % der Methan- (CH4) und 82 % der Lachgasemissionen (N2O) aus menschlichen Aktivitäten weltweit verantwortlich, was 23 % (12,0 ± 3,0 Gt CO2Äq pro Jahr) der gesamten anthropogenen Netto-Treibhausgasemissionen ausmacht. Die natürliche Reaktion von Ökosystemen auf menschengemachte Umweltveränderungen führte im Zeitraum 2007–2016 zu einer Nettosenke von rund 11,2 Gt CO2 pro Jahr (entspricht 29 % der gesamten CO2‐Emissionen); die Beständigkeit der Senke ist aufgrund des Klimawandels unsicher. Wenn man die Emissionen im Zusammenhang mit den Prozessen vor‐ und nach der Produktion im globalen Ernährungssystem mit berücksichtigt, werden die Emissionen auf 21-37 % der gesamten anthropogenen Netto‐Treibhausgasemissionen geschätzt.
  4. Änderungen der Bedingungen in Landsystemen, sei es durch Landnutzung oder Klimawandel, wirken sich auf das globale und das regionales Klima aus. Auf regionaler Ebene können veränderte Bedingungen in Landsystemen die Erwärmung verringern oder verstärken und die Intensität, Häufigkeit und Dauer von Extremereignissen beeinflussen. Das Ausmaß und die Richtung dieser Veränderungen unterscheiden sich je nach Standort und Jahreszeit.
  5. Der Klimawandel erzeugt zusätzliche Belastungen für Landsysteme, was bestehende Risiken für Lebensgrundlagen, die biologische Vielfalt, die Gesundheit von Mensch und Ökosystemen, Infrastruktur und Ernährungssysteme verschärft. Zunehmende Folgen für Landsysteme werden in allen zukünftigen Treibhausgasemissionsszenarien projiziert. Manche Regionen werden mit höheren Risiken konfrontiert sein, während manche Regionen mit Risiken konfrontiert sein werden, die bisher nicht erwartet worden waren. Kaskadenartige Risiken mit Folgen für mehrere Systeme und Sektoren zeigen ebenfalls regionale Unterschiede.
  6. Das Risikoniveau aufgrund des Klimawandels hängt sowohl vom Grad der Erwärmung als auch von der Entwicklung von Bevölkerungs‐, Konsum‐, Produktions‐, technologischen Entwicklungsund von Landmanagementmustern ab. Entwicklungspfade mit höherem Bedarf an Nahrung, Futtermitteln und Wasser, ressourcenintensiverem Konsum und ebensolcher Produktion sowie mit geringeren technologischen Verbesserungen der landwirtschaftlichen Erträge führen zu höheren Risiken durch Wasserknappheit in Trockengebieten, Landdegradierung und Ernährungsunsicherheit.

Landtechnik

Auch Landmaschinentechnik, Agrartechnik oder Agrotechnik.

1. Bezeichnung für die im Agrarsektor eingesetzten land- und forsttechnischen Geräte, stationären wie mobilen Landmaschinen und die zugehörige Sensorik. Zu den Geräten der Landtechnik gehören die Landmaschinen (landwirtschaftliche Zugfahrzeuge, Mähdrescher, Pflüge, Eggen, Drillmaschinen/Saatmaschinen, Pflanzmaschinen, Düngerstreuer u. w.) sowie die Ausrüstungsgüter der so genannten Hofinnenwirtschaft (Melkmaschinen, Fütterungstechnik, Filteranlagen u. w.).

Entwicklung

Landwirtschaftliche Produktion basierte Jahrtausende lang ausschließlich auf menschlicher Arbeitskraft mit relativ einfachen technischen Werkzeugen. Mit Hacke, Hackstock oder Grabstock konnten und können nur geringe Flächen bearbeitet werden. Eine Erweiterung der agrarischen Fläche war erst mit dem Einsatz von Pflug und tierischer Arbeitskraft möglich. Auch noch heute gibt es tropische Regionen in Afrika, Indien, dem Malaiischen Archipel, sowie in Süd- und Mittelamerika in denen Hackbau mit Hilfe von traditionellen Geräten betrieben wird, da Pflüge oder Zugtiere zu teuer oder aus anderen Gründen nicht einsetzbar sind (Vegetation, Bodenbeschaffenheit, Tsetse-Fliege).

Die Mechanisierung der Landwirtschaft begann in Europa im 18. Jahrhundert mit der Entwicklung der Sämaschine, der Dreschmaschine und der Mähmaschine, sie wurde im frühen 20. Jahrhundert durch die Erfindung des Verbrennungsmotors vorangetrieben. Diese führte zum Mähdrescher, Vollernter und weiteren Maschinentypen.

Heute ist der Grad der Mechanisierung der Landwirtschaft in einem Land auch ein Spiegelbild ihres Entwicklungsstandes. In den führenden Industrieländern und in industriell arbeitenden Großbetrieben in Entwicklungsländern wird zunehmend neueste digitale Technologie eingesetzt. In der Tierhaltung sind Melkroboter und computergesteuerte Futtersysteme schon länger eingeführt. Der Einsatz von fitness trackers zur Kontrolle des Gesundheitszustands von Tieren sowie von Drohnen zur Überwachung von weidenden Rindern wird erprobt. Im Pflanzenbau werden beim sogenannten Precision Farming Maschinen und Geräte mit GPS und Sensoren verwendet, die eine ortsgenaue differenzierte Ausbringung von landwirtschaftlichen Betriebsmitteln wie Saatgut, Agrarchemikalien oder Beregnungswasser ermöglichen. Geoinformationen unterstützen sie dabei. Der Einsatz von Robotern in vielen Einsatzfeldern wird erprobt.

Agrartechnische Systeme - Entwicklungsschritte
Agrartechnische Systeme - Entwicklungsschritte

Quelle: nach Griepentrog

2. Bezeichnung für den Wirtschaftszweig, der sich mit Herstellung, Vertrieb und Wartung der o.g. Geräte befasst. Innerhalb des Agribusiness gehören Herstellung und Reparatur von Landtechnik zu den wichtigsten Input-Bereichen für die Landwirtschaft und verwandte Bereiche.

Der Fachverband Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. schätzt das weltweite Produktionsvolumen für Landmaschinen und Traktoren auf 100 Milliarden Euro (2014). Die Europäische Union hat daran einen Anteil von 28 Prozent, gefolgt von Nordamerika (NAFTA) mit 22 Prozent und China mit 18 Prozent. Analog zur wachsenden Bedeutung des chinesischen Absatzmarktes hat sich die Produktion hier über die vergangenen Jahre deutlich gesteigert. Dies geschah sowohl seitens der originär chinesischen Unternehmen (als größte sind hier die Shifeng Group sowie die staatliche YTO Group zu nennen) als auch der Unternehmen aus Europa, Amerika und anderen Teilen Asiens, die in China Fabriken aufgebaut haben.

Das mit Abstand größte Landtechnikunternehmen weltweit ist John Deere (Gesamtumsatz 2014: 36 Mrd. US-Dollar, davon 26 Mrd. mit Agrartechnik). Die folgenden umsatzstärksten Unternehmen sind Case New Holland Industrial, AGCO, Kubota und Claas. Zusammen repräsentieren diese fünf Anbieter die Hälfte des globalen Landtechnikumsatzes. Dabei sind AGCO und Claas auf Agrartechnik spezialisiert (Traktoren und Landmaschinen, hauptsächlich Erntemaschinen), während sowohl bei John Deere, aber vor allem bei Case New Holland und Kubota auch die Baumaschinensparte eine wesentliche Rolle spielt. AGCO und Case New Holland setzen für den Vertrieb eine Mehrmarkenstrategie ein.

Handwerk und Handel mit Bezug zur Landtechnik liegen in der Hand von handwerklich geprägten Handels- und Servicebetrieben. Der deutsche Markt teilt sich in etwa zu gleichen Teilen in genossenschaftlich geprägte und private Betriebe. Die größten Händler sind die entsprechenden Geschäftsbereiche der Hauptgenossenschaften (BayWa, Agravis Raiffeisen etc.) mit ihren zahlreichen Filialbetrieben. Daneben bestehen selbständige örtliche landwirtschaftliche Genossenschaften mit eigenem Landtechnik-Geschäft. Neben wenigen großen privaten Betrieben mit mehreren Filialen prägen ansonsten kleine Betriebe mit nur einem Standort das Bild des privaten Landmaschinenhandels.

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Landwechselwirtschaft

Generell der mehr oder weniger regelmäßige Wechsel der Acker-, Grünland- und Waldnutzung auf gegebenen Flächen mit gleichzeitig stationären Siedlungen. In den mittleren Breiten wird die Landwechselwirtschaft durch die Feldgraswirtschaft und die Feldwald(wechsel)wirtschaft vertreten. In den Tropen wird die Landwechselwirtschaft auch als semipermanenter Regenfeldbau bezeichnet. Dort geht sie bei einer Reduzierung der verfügbaren Fläche (Bevölkerungswachstum und/oder zunehmender Flächenbedarf für Marktfrüchte) aus dem Wanderfeldbau hervor. Die Grenzen zwischen beiden Formen sind fließend:

Kennzeichen der tropischen Landwechselwirtschaft sind:

(s. a. shifting cultivation)

Landwirt

1. Bezeichnung für mit leitenden Aufgaben befaßte Personen, die als Bauern, Pächter, Eigentümer usw. praktische Landwirtschaft betreiben. Eigentümer von Erwerbsgärtnereien und Nebenerwerbssiedler werden in Deutschland nicht zu den Landwirten gerechnet.

2. Im weiteren Sinne jeder, der eine landwirtschaftliche Ausbildung erfahren hat und für die praktische Landwirtschaft tätig ist (Berater, Fachlehrer, Schätzer).

In Deutschland ist der Landwirt Ausbildungsberuf; ein landwirtschaftliches Studium schließt mit dem akademischen Grad Diplom-Landwirt ab. Landwirte können sowohl hinsichtlich ihres Betriebes als auch hinsichtlich eines mit der Landwirtschaft verbundenen Nebengewerbes durch Eintragung im Handelsregister Kannkaufmann werden. Die Landwirtschaft ist auch dann gewerbesteuerfrei, wenn der Absatz der Erzeugnisse nach kaufmännischen Grundsätzen erfolgt. Gleiches gilt für Gärtnereien, wenn sie nicht überwiegend fremde Erzeugnisse hinzukaufen. Hingegen sind Landschaftsgärtnereien, die sich mit der Anlegung von Gärten befassen und zu diesem Zweck einen Bestand an Pflanzen halten, gewerbesteuerpflichtig, ebenso wie Gartenarchitekten und Friedhofsgärtner.

Landwirtschaftlicher Unternehmer ist der Inhaber (Eigentümer, Pächter) einer Landwirtschaftsunternehmung, der selbständig wirtschaftet und zumindest die wesentlichen Führungsfunktionen wahrnimmt. I.d.R. führt er auch exekutive Aufgaben selbst aus.

Als landwirtschaftlicher Betriebsleiter wird der Leiter (Eigentümer, Pächter, Verwalter) eines Landwirtschaftsbetriebes bezeichnet. Er kann (Eigentümer, Pächter), braucht aber nicht (Verwalter) gleichzeitig landwirtschaftlicher Unternehmer zu sein.

Der Landwirt im Zentrum des Agrarsystems
Der Landwirt im Zentrum des Agrarsystems

Quelle: BCG

Landwirteprivileg

Das frühere Recht des Landwirts, Samen und Pflanzmaterial aus der eigenen Ernte zum Nachbau weiterverwenden zu dürfen, ohne dass ein weiteres Mal Lizenzgebühren bezahlt werden müssen. Dieses nach dem bisherigen nationalen Sortenschutzgesetz bestehende Recht gibt es nach einer EU-Verordnung von 1994 und der entsprechenden Umsetzung in deutsches Recht nicht mehr. Als Ersatz bestimmt die neue Nachbauregelung, dass Landwirte bei bestimmten Pflanzenarten auch ohne Zustimmung des Sortenschutzinhabers auf ihrem Betrieb erwachsenes Saatgut für den eigenen Bedarf nachbauen dürfen, wenn sie eine Nachbaugebühr entrichten und ihm gegenüber gewissen Auskunftspflichten nachkommen. Kleinlandwirte sind von der Nachbaugebührenpflicht befreit.

Weitere Informationen:

Landwirtschaft

1. Landwirtschaft im engeren agrargeographischen Sinne umfasst die planmäßige Bewirtschaftung des Bodens sowie die Viehhaltung mit dem Ziel der Gewinnung pflanzlicher und tierischer Produkte zur Bedarfsdeckung der Menschheit. Der Begriff Agrarwirtschaft wird häufig synonym verwendet. Als Produktionsfaktoren sind Boden, Nutztiere, Arbeit, Kapital und Know-how beteiligt. Wie andere Bereiche der organischen Urproduktion hat die Landwirtschaft die natürliche Umwelt als primäre Ressourcenbasis. Dabei ist die Photosynthese der grundlegende Prozess. Somit ist die Anbaupflanze als elementare Produktionseinheit anzusehen.
Die Abgrenzung zu Gartenbau, Forstwirtschaft und anderen Zweigen der Tierhaltung (Reit- und Rennpferde, Hunde, Pelztiere usw.) ist fließend.

Je nach Komplexität und Zielrichtung unterscheidet Arnold (1997) bei der landwirtschaftlichen Produktion 5 Prozesse:

Die Hauptproduktionsketten von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen
Die Hauptproduktionsketten von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen

Quelle: Arnold 1997 (ergänzt)

Die Kette A (Kulturpflanze - Mensch) in obiger Grafik beinhaltet den direkten Verzehr pflanzlicher Produkte. Sie ist der energetisch effizienteste, daher billigste und in den meisten Agrargebieten ökologisch schonendste Produktionsprozeß. Er dominiert in Entwicklungsländern mit geringer Kaufkraft. Bei den Ketten B, C, D und teilweise bei E werden Pflanzen in tierische Produkte transformiert (Veredelung). Da dabei 70 - 90 % der im Futter enthaltenen Energie verlorengeht, sind diese Methoden relativ teuer, ausgenommen die Kette D. Diese beinhaltet die Nutzung der ausgedehnten Flächen von absolutem Grünland auf der Erde, die für den Ackerbau ungeeignet sind. Sie ist mit unterschiedlichen Agrarsystemen sowohl in Industrie- wie Entwicklungsländern anzutreffen. Die Verfütterung von Ackerfrüchten (B und C) können sich in großem Maßstab nur wohlhabende Gesellschaften leisten.
Die Kette E stellt die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen pflanzlicher und tierischer Herkunft dar. Lange Tradition hat ihre Nutzung zur Selbstversorgung, wohingegen ihr jüngst verstärkter Absatz in der Industrie sich aus der Energie-, Agrar- und Umweltkrise erklärt. Naturgemäß gibt es zwischen den die Nahrungsproduktion und die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen betreffenden Ketten vielfältige Überlappungen.

2. Landwirtschaft im weiteren Sinne umfasst nahezu die gesamte organische Urproduktion, also auch die Gärtnerei, das Forst- und Jagdwesen, die Binnenfischerei sowie die landwirtschaftlichen Nebengewerbe, einschließlich landespflegerischer Aufgaben.

In diesem umfassenderen Sinne steht die Landwirtschaft zusammen mit der Meeresfischerei und dem Bergbau als primärer Sektor dem sekundären Sektor des produzierenden Gewerbes (Industrie und Handwerk) und dem tertiären der Dienstleistungen gegenüber. Die spezialisierte Agrarvermarktung ist bereits dem tertiären Sektor zuzurechnen. Auch bei den der Landwirtschaft neu zugewachsenen Funktionen zur Pflege der Kulturlandschaft ist die Grenze zum tertiären Sektor überschritten.

Von allen Wirtschaftssektoren ist die Art und Intensität der räumlichen Nutzung in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Fischerei am stärksten durch naturräumliche Bedingungen beeinflusst. Klima, Hydrologie, Böden und Relief prägen und begrenzen die Möglichkeiten agrarwirtschaftlicher Inwertsetzung. Darüber hinaus nehmen auch agrarsoziale bzw. gesellschaftlich-politische Rahmenbedingungen erheblichen Einfluss auf die Nutzungsweisen. (Kulke 2017)

Mit den betriebswirtschaftlichen Fragen der Landwirtschaft befassen sich die Agrarwissenschaften im Rahmen der landwirtschaftlichen Betriebslehre, bezogen auf den Einzelbetrieb. Nach vorherrschender Lehrmeinung ist sie zugleich Objekt- und Wirtschaftslehre. Im Laufe der Entwicklung hat sie sich von einer beschreibenden und systematisierenden Erfahrungswissenschaft zu einer entscheidungsorientierten Wirtschaftswissenschaft gewandelt.

3. Landwirtschaft nach Auffassung des Zentralausschusses der Deutschen Landwirtschaft ist "die unter Einsatz von Arbeit und Hilfsmitteln betriebene Bodenbewirtschaftung und die mit der Bodennutzung verbundene Nutztierhaltung, vor allem um pflanzliche und tierische Erzeugnisse zu gewinnen und anfallende Nebenprodukte wieder im natürlichen Kreislauf zu verwerten, sowie die gartenbauliche Erzeugung."
Eine Legaldefinition der Landwirtschaft für alle nationalen relevanten Rechtsbereiche (das Recht der Raumordnung und Landesplanung, das Boden-, Bau- und Umweltrecht sowie das Sozial-, Steuer- und Förderungsrecht) existiert nicht. In den Gesetzen des Bundes und der Länder finden sich aber rund 40 teils kongruente, teils unterschiedliche Definitionen; sie werden maßgeblich vom Zweck des jeweiligen Gesetzes bestimmt.
Landwirtschaftliche Produktion vollzieht sich innerhalb des Agrarraums mit einer komplexen Vielfalt von Produkten, Produktionsmethoden und Organisationsformen. Diese extremen räumlich-strukturellen Unterschiede sind ein Hauptmerkmal der Landwirtschaft, die so in keinem anderen Wirtschaftszweig auftreten. Darüber hinaus besitzt insbesondere die moderne Landwirtschaft auch hinsichtlich ihrer Funktionen eine große Vielfalt.

Funktionen der heutigen Landwirtschaft

Landwirtschaft produziert mehr als Lebensmittel und Rohstoffe. Weil etwa 60% der Landoberfläche des Planeten von der Land- und Forstwirtschaft genutzt werden, sind diese Wirtschaftszweige für die Funk tionsfähigkeit unserer Ökosysteme entscheidend.

Landwirtschaft ist zugleich die Existenzgrundlage von mehr als einem Drittel der Menschheit und gestaltet die soziale Struktur ländlicher Räume. Nicht allein Arbeitsplätze, auch der Zusammenhalt der Gemeinden, ihr Grad an Selbstversorgung sowie ihre Widerstandskraft in Krisen und Katastrophen stehen dabei auf dem Spiel. Schließlich „produziert” Landwirtschaft für die meisten Menschen Heimat: Schönheit, Eigenheit, Geschmack, Geschichte und Tradition von Regionen und Kulturlandschaften formen unsere Identität bis hin zu spirituellen Werten. Kaum eine Zivilisation ist ohne ihre besondere Agrar- und Ernährungskultur denkbar.

Die Multifunktionalität der Landwirtschaft wurde von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch von Agrarunternehmen und den Landwirten selbst in den vergangenen Jahrzehnten häufig ignoriert und vernachlässigt.

Funktionen moderner Landwirtschaft in Industrieländern

1. Erzeugungs- und Versorgungsfunktion

  • Nahrungsmittelproduktion
  • Futtermittelproduktion
  • Erzeugung biogener Rohstoffe

5. Raumfunktion

  • Erhaltung der Besiedelung
  • Raumerschließung (z. B. Wegebau)
  • Flächenvorhaltung
  • Flächensicherung (dauernde Produktionsbereitschaft als Krisenvorsorge)
  • Freiflächenfunktion (Trennungs- und Gliederungsfunktion
  • Erhaltung der Kulturlandschaft
  • Schutz des Lebensraums (=Habitatfunktion; Bereitstellung von Agrarflächen für wildlebende Arten von Fauna und Flora, Biodiversität)

2. Beschäftigungs- und Erwerbsfunktion

  • Direkte Beschäftigungsfunktion
  • Indirekte Beschäftigungsfunktion (Effekte aus
    dem Betriebsmittelbezug und dem Produktabsatz)
  • Pufferfunktion auf dem Arbeitsmarkt

3. Entsorgungsfunktion (Abnahme von Klärschlämmen und Müllkomposten

6. Freizeit- und Erholungsfunktion
4. Ausgleichsfunktion: Luftregeneration, Grundwasserneubildung 7. Kulturfunktion (Wahrung soziokultureller Werte)

Zwischen den aufgelistetenFunktionen bestehen teilweise Konflikte, so zwischen der Ernährungsfunktion einerseits - deren Erfüllung u.U. eine gewisse Intensität der Landbewirtschaftung und "Ausräumung" der Landschaft voraussetzt - und der Habitatfunktion oder der Freizeit- und Erholungsfunktion andererseits.
Die Bedeutung der Funktionen hat sich im Laufe der Zeit infolge veränderter Knappheiten und einer veränderten Fähigkeit der Landwirtschaft zur Erfüllung dieser Funktionen verschoben. Die Funktionen (1) und (2) haben erheblich an Bedeutung verloren, während die Funktionen (3) bis (6) einen deutlichen Zugewinn erfuhren.

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Weitere Informationen:

Landwirtschaft und Umwelt (EU)

Durch die Einbeziehung von Umweltbelangen in die Gemeinsame Agrarpolitik soll der Umweltzerstörung Einhalt geboten und die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Ökosysteme gestärkt werden.

Die Hälfte der gesamten Fläche der EU wird landwirtschaftlich genutzt. Landwirtschaftliche Tätigkeit ist wichtig für die Naturräume der EU, denn Landwirtschaft und Natur beeinflussen sich wechselseitig.

Zwischen der Vielfalt der natürlichen Umwelt und landwirtschaftlichen Produktionsverfahren bestehen komplexe Beziehungen. Viele wertvolle Biotope in Europa werden durch extensive Landwirtschaft erhalten, und zahlreiche wilde Tier- und Pflanzenarten können erst durch sie überhaupt überleben. Leider hat jedoch die ungeeignete landwirtschaftlich Nutzung von Flächen auch negative Auswirkungen auf natürliche Ressourcen, zum Beispiel:

In der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) werden drei Schwerpunkte für Maßnahmen zum Schutz und Erhalt des ländlichen Erbes der EU genannt:

Die Bestimmungen der GAP tragen den Umweltanforderungen Rechnung. Ihre Maßnahmen fördern die Entwicklung landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsmethoden, die die Umwelt schützen und die traditionellen Landschaften erhalten. Die Landwirte erhalten Anreize, sich aktiv für diese beiden Ziele einzusetzen.

Dazu gehören:

Weitere Informationen:

landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF)

Die LF ist ein betriebswirtschaftlicher Begriff der Bodennutzung und besteht aus der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) abzüglich der seit einem Jahr und länger nicht beackerten und bewirtschafteten Felder (Brache), dem nicht genutzten Dauergrünland und der sonstigen nicht mehr genutzten landwirtschaftlichen Flächen. Auch die privaten Parkanlagen, Rasenflächen und Ziergärten sind in der LF nicht erfasst. Angaben zur LF beziehen sich auf den Beginn des Wirtschaftsjahres.
Im Interesse einer Harmonisierung in der EG wurde die Nutzflächenstatistik in Deutschland 1970 von LN auf LF umgestellt.

Mit 70 Prozent der Fläche war 2019 in Deutschland der Großteil der landwirtschaftlich genutzten Fläche Ackerland, rund 29 Prozent der Fläche war Dauergrünland. Dauerkulturen wuchsen auf etwa 1 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Landwirtschaftlich genutzte Fläche Deutschlands

Quelle: BLE 2020

Unterscheidung "Landwirtschaftsfläche" und "landwirtschaftlich genutzte Fläche"

Die der Flächenerhebung entstammende Landwirtschaftsfläche und die aus der Bodennutzungshaupterhebung ermittelte landwirtschaftlich genutzte Fläche sind nicht identisch. Bei der Flächenerhebung werden bestehende Register – die amtlichen Liegenschaftskataster der Länder – sekundärstatistisch ausgewertet. Es handelt sich um eine jährliche Vollerhebung. Dagegen basiert die ebenfalls jährliche Bodennutzungshaupterhebung auf einer Befragung landwirtschaftlicher Betriebe und der Auswertung von Verwaltungsdaten (hier aus dem Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem). Die Bodennutzungshaupterhebung wird sowohl als Stichprobe als auch in den Jahren 2010 und 2016 als Vollerhebung durchgeführt.

Die beiden Erhebungen haben jeweils andere Zielsetzungen, die ihre Unterschiede verständlich machen. Die Flächenerhebung differenziert flächendeckend die Bodennutzung in ganz Deutschland nach Siedlungs-, Verkehrs-, Landwirtschafts-, Wald-, Wasserfläche usw., ohne dabei einen Schwerpunkt zu setzen. Dagegen geht es bei der Bodennutzungs-Haupterhebung in erster Linie um die Differenzierung der landwirtschaftlich genutzten Flächen nach Hauptnutzungsarten und Nutzungszweck, Kulturarten, Pflanzengruppen, Pflanzenarten und Kulturformen. Hier stehen also die sich ändernden Anbaustrukturen der Betriebe im Mittelpunkt. Die Anbauflächen der Kulturen bilden auch die Grundlage für die jährliche Ernteschätzung.

Daraus ergibt sich unmittelbar ein weiterer Unterschied. Die Flächenerhebung weist die Bodennutzung in der jeweils betrachteten administrativen Gebietseinheit nach dem Belegenheitsprinzip aus, wohingegen bei der Bodennutzungshaupterhebung die Flächen unabhängig von ihrer administrativen Zuordnung einem Betriebssitz zugeordnet werden. Es ist also nicht erkennbar, ob die von einem Betrieb angegebenen Flächen in der Gemeinde mit Sitz des Betriebes oder einer anderen Gemeinde bewirtschaftet werden.

Hinzu kommen weitere methodische Unterschiede: Dazu gehören verschiedene Begriffsdefinitionen, z. B. beinhaltet die Landwirtschaftsfläche auch Moor- und Heideflächen, während diese bei der Bodennutzungshaupterhebung (insofern sie nicht kultiviert sind) den sonstigen Flächen außerhalb der landwirtschaftlich genutzten Fläche zugeordnet werden. Auch bei der Abgrenzung der Grundgesamtheit unterscheiden sich beide Erhebungen: Während in der Flächenstatistik keine Erfassungsgrenzen existieren, da im Prinzip jeder Fläche eine Nutzungsart zugeordnet wird, werden bei der Bodennutzungshaupterhebung Betriebe unterhalb der im § 91 AgrStatG festgelegten Erfassungsgrenzen nicht in die Erhebung einbezogen. (DESTATIS)

landwirtschaftliche Gesamtrechnung (LGR)

Die Landwirtschaftliche Gesamtrechnung (LGR) ist ein Satellitenkonto des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG), das ergänzende Informationen enthält und dessen Konzepte an die besonderen Gegebenheiten des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs angepasst sind. Im Rahmen der LGR wird der Beitrag des Agrarsektors zur gesamten Wirtschaftsleistung der Volkswirtschaft ermittelt.

Der Wirtschaftsbereich Landwirtschaft gilt als Zusammenfassung aller örtlichen fachlichen Einheiten (landwirtschaftliche Betriebe), die folgende Tätigkeiten ausüben: Pflanzenbau, Tierhaltung, gemischte Landwirtschaft, landwirtschaftliche Dienstleistungen, gewerbliche Jagd.
Ebenfalls Bestandteil der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) sind nach dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG) nichtlandwirtschaftliche Tätigkeiten in landwirtschaftlichen Unternehmen, die buchmäßig nicht getrennt erfasst werden können, wie z.B. Landschaftspflege oder Urlaub auf dem Bauernhof. Die landwirtschaftliche Produktion von Haushalten sowie die Tierhaltung von Nichtlandwirten sind dagegen nicht Bestandteil der LGR.

Entwicklung der Wertschöpfung der Landwirtschaft in Mio. Euro in jeweiligen Preisen

In der sektoralen Gesamtrechnung für den Bereich Landwirtschaft (einschließlich Garten- und Weinbau, ohne Forstwirtschaft und Fischerei) werden die gesamtwirtschaftlichen Einkommens- und Güterströme für diesen Wirtschaftsbereich erfasst. Die Aggregate der Entstehungsrechnung (Produktionswert, Vorleistungen und Wertschöpfung) werden ergänzt um Daten über Anlageinvestitionen und Löhne. Die Landwirtschaftliche Gesamtrechnung (LGR) ist nach den Regeln des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010) aufgestellt. Die jährliche Veränderung der Nettowertschöpfung je Arbeitskraft ist ein wichtiger makroökonomischer Indikator für die Einkommensentwicklung des Sektors Landwirtschaft.

Quelle: BMEL

Im Produktionswert der Landwirtschaft sind neben Verkäufen pflanzlicher und tierischer Produkte an andere Wirtschaftsbereiche und an andere landwirtschaftliche Einheiten auch der betriebliche Eigenverbrauch, die Vorratsveränderungen, die selbst erstellten Anlagen (Vieh) sowie die auf der landwirtschaftlichen Erzeugerstufe erbrachten Dienstleistungen (z. B. Neuanpflanzungen von Dauerkulturen) enthalten. Nach den Bestimmungen des ESVG beinhaltet der Produktionswert auch den innerbetrieblichen Verbrauch von Futtermitteln (Futtergetreide, Silage, Heu) in landwirtschaftlichen Betrieben. Ebenfalls erfasst werden landwirtschaftliche Lohnarbeiten (auch von gewerblichen Lohnunternehmen durchgeführt) sowie nichttrennbare nichtlandwirtschaftliche Nebentätigkeiten (z. B. Ferien auf dem Bauernhof).

Aus der mit durchschnittlichen Erzeugerpreisen ohne Mehrwertsteuer bewerteten Produktion – differenziert nach einzelnen Erzeugnissen – ergibt sich der Produktionswert zu Erzeugerpreisen. Im Produktionswert zu Herstellungspreisen sind darüber hinaus die Gütersubventionen abzüglich der Gütersteuern berücksichtigt. Bis 2004 zählten hierzu vor allem die Flächenzahlungen für Ackerkulturen und Tierprämien. Ab 2005 wurden diese EU-Zahlungen von der Produktion entkoppelt und als einzelbetriebliche Prämien ausbezahlt. Nach den Regeln des ESVG werden diese Betriebsprämien in der LGR als sonstige Subventionen verbucht. Der Produktionswert zu Herstellungspreisen fällt daher 2005 deutlich niedriger aus als in den Jahren zuvor.

Bruttoproduktionswert der pflanzlichen und tierischen Erzeugung nach der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung für das Jahr 2019* in Milliarden Euro
Landwirtschaftlich genutzte Fläche der Erde

Quelle: BLE 2019

In den Vorleistungen sind der ertragssteigernde Aufwand (Futtermittel, Handelsdünger, Pflanzenschutzmittel, Saatgut und Pflanzgut), die Aufwendungen für die Unterhaltung der Wirtschaftsgebäude und des Inventars, die Ausgaben für Energie, für Tierarzt und Medikamente sowie für andere Güter und Dienstleistungen zusammengefasst. Analog zum Produktionswert werden hier auch der innerbetriebliche Verbrauch an Futtermitteln und die in Anspruch genommenen landwirtschaftlichen Dienstleistungen berücksichtigt.

Die Bruttowertschöpfung (BWS) ist ein Maß für die in einer Region erbrachte wirtschaftliche Leistung. Die BWS der Landwirtschaft ergibt sich als Differenz von Produktionswert (Wert aller produzierter Waren und Dienstleistungen) und Vorleistungen. Die Bewertung der BWS erfolgt zu Herstellungspreisen. Da die BWS nur die produktspezifischen Subventionen berücksichtigt, ergibt sich durch die »Entkoppelung« dieser Zahlungen von der Produktion ab 2005 ein Bruch in der Zeitreihe.

Im Gegensatz zur BWS sind in der Nettowertschöpfung sämtliche an die Landwirtschaft gezahlten Subventionen, einschließlich der Betriebsprämie berücksichtigt. Die Nettowertschöpfung ergibt sich aus der BWS nach Abzug der verbrauchsbedingten, zu Wiederbeschaffungspreisen bewerteten Abschreibungen sowie dem Saldo der sonstigen Produktionsabgaben und der sonstigen Subventionen (einschließlich eventuellem Überausgleich Mehrwertsteuer). Die Nettowertschöpfung steht zur Entlohnung der Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital zur Verfügung.

Die Produktion des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs umfasst die Summe der Produktion an landwirtschaftlichen Erzeugnissen und die im Rahmen nicht trennbarer nichtlandwirtschaftlicher Nebentätigkeiten produzierten Waren und Dienstleistungen.

Gemäß den EU-Verordnungen sind nationale statistische Institute oder Landwirtschaftsministerien für die Datenerfassung und die Erstellung der nationalen LGR zuständig. Eurostat produziert die aggregierten Daten für die Europäische Union (EU).

Schema der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung

Schema der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung

Der Produktionswert zu Erzeugerpreisen ergibt sich aus der Bewertung der Produktion mit durchschnittlichen Erzeugerpreisen aller Qualitäten ohne Mehrwertsteuer.

Der Produktionswert zu Herstellungspreisen berücksichtigt darüber hinaus die Produktsteuern und Produktsubventionen.

In den Vorleistungen sind der ertragssteigernde Aufwand (Saatgut, Futtermittel usw.), die Aufwendungen für die Instandhaltung von Maschinen und Geräten sowie baulichen Anlagen, die Ausgaben für Energie und Schmierstoffe, für Tierarzt und Medikamente sowie für andere Güter und Dienstleistungen zusammengefasst.

Die Bruttowertschöpfung (BWS) zu Herstellungspreisen ergibt sich als Differenz von Produktionswert (zu Herstellungspreisen) und Vorleistungen.

Daraus ergibt sich nach Abzug der sonstigen Produktionsabgaben sowie nach Addition der sonstigen gezahlten Subventionen die Nettowertschöpfung zu Faktorkosten; sie steht zur Entlohnung der Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital zur Verfügung.

Quelle: BMEL

Weitere Informationen:

landwirtschaftliche Nutzfläche (LN)

Die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasst das Ackerland (AF), das Dauergrünland (Wiesen, Weiden), die Streuwiesen, das Gartenland (auch die Gemüsefläche in Haus- und Nutzgärten), die Obstbauflächen, die Flächen der Sonderkulturen (z.B. Wein, Hopfen, Tabak, Baumschulen, Weihnachtsbaumkulturen). Der prozentuale Anteil der einzelnen Nutzungsarten und der Kulturpflanzen an der LN wird als das Nutzflächenverhältnis bezeichnet. Nach dem Nutzflächenverhältnis können die Betriebe verschiedenen Bodennutzungssystemen zugeordnet werden.

Die Landesverwaltungsämter bezeichnen die LN mit dem Begriff Landwirtschaftsfläche.

50,9 % der Gesamtfläche Deutschlands wurden 2016 landwirtschaftlich genutzt. Von 2000 bis 2017 sank der Anteil landwirtschaftlicher Nutzfläche um 8.850 Quadratkilometer (km²) von 53,5 auf 50,9 % der Gesamtfläche. Seit dem Jahr 2016 werden 1.460 km² Heide und Moor nicht mehr bei den Landwirtschaftsflächen ausgewiesen, sondern bei „sonstigen Flächen“, sodass der reale Verlust an Landwirtschaftsfläche im o.g. Zeitraum 7.390 km² beträgt. Diese Abnahme erfolgte besonders im Umland städtischer Verdichtungsräume. Der wichtigste Grund dafür ist die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsflächen um 5.566 km². Aber auch die Zunahme der Wälder und Gehölze erfolgt zum Teil zulasten landwirtschaftlicher Flächen. Weitere Landwirtschaftsfläche fällt dem Tagebau zum Opfer und kann Jahrzehnte später nur teilweise durch Rekultivierung zurückgewonnen werden. (UBA)

in der EU werden 174 Millionen Hektar, 40 Prozent der gesamten Fläche, landwirtschaftlich genutzt.

Als Folge der exponentiellen Bevölkerungszunahme auf der Erde ergibt sich ein Rückgang der verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzfläche pro Kopf von 5.100 m² im Jahr 1950 über 3.400 m² (1975) auf 1.700 m² im Jahr 2025. Die letzte Zahl entspricht knapp der Größe von einem halben Fußballfeld.
Weltweit werden die landwirtschaftlichen Nutzflächen unterschiedlich berechnet und verschiedene Länderkategorien gebildet (vgl. Tabelle).

Aktuelle und potentielle Landwirtschaftliche Nutzfläche auf der Erde nach US-amerikanischen Schätzungen
Aktuelle und potentielle Landwirtschaftliche Nutzfläche auf der Erde nach US-amerikanischen Schätzungen
Aktuelle und potentielle Landwirtschaftliche Nutzfläche auf der Erde nach Schätzungen der Weltbank
Aktuelle und potentielle Landwirtschaftliche Nutzfläche auf der Erde nach Schätzungen der Weltbank

1 einschließlich Dauerkulturen
2 Australien, Kanada, Ost- und Westeuropa, Neuseeland, Südafrika, USA und UdSSR
3 Algerien, Iran, Irak, Libyen, Nigeria und Saudi-Arabien
4 Tschad, Ägypten, Äthiopien, Israel, Jordanien, Libanon, Mali, Mauretanien, Marokko, Niger, Somalia, Sudan, Syrien, Tunesien, Obervolta
5 China, Mongolei, VR Korea und Vietnam
Quelle: Mikus 1994 nach Pickart/Ehlers 1989

Weitere Informationen:

landwirtschaftliche Nutzungsform

Begriff zur Beschreibung einer Vielzahl möglicher Formen der Grünland- bzw. Ackernutzung.

landwirtschaftliche Primärproduktion

Bezeichnung für alle in einem landwirtschaftlichen Betrieb gewonnen Erzeugnisse und unverarbeiteten Feldfrüchte, wie Getreide, Raps oder Gras, zählen zur Primärproduktion. An den Erzeugnissen darf nur eine einfache äußere Bearbeitung vorgenommen worden sein. Darunter wird beispielsweise bei Feldfrüchten der unterschiedliche Zerkleinerungsgrad, wie ganze, gequetschte, geschrotete oder gemahlene Körner, verstanden. Der Entzug von Wasser (Heu) gehört ebenfalls dazu, aber es darf nichts zu dem Erzeugnis hinzugefügt werden. Das Reinigen, Trocknen und Silieren (Herstellung von Futtersilage) zählt ebenfalls zur landwirtschaftlichen Primärproduktion.

landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG)

Abk. LPG; landwirtschaftlicher Großbetrieb in der ehemaligen DDR nach dem Vorbild der sowjetischen Kolchosen mit vollständiger Integration der Landwirtschaft in das staatliche Planungs-, Leitungs- und Bilanzsystem. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die rund 600.000 bäuerlichen Betriebe von der ehemaligen DDR-Regierung zunächst animiert, dann nach und nach zur Aufgabe der selbständigen Bewirtschaftung gezwungen worden. An die Stelle der ursprünglichen Betriebe traten LPG und Volkseigene Güter (VEG). LPG waren die am stärksten verbreitete Betriebsform.

Zu den Zwangsmaßnahmen dieser modernen Form des Bauernlegens gehörten eine Erhöhung der Pflichtablieferung, die strafrechtliche Verfolgung bei Rückständen, die Erhöhung von Steuern und Abgaben, die Einschränkung von Krediten, die Benachteiligung bei der Versorgung mit Saatgut, Düngemitteln und Geräten, ab Ende der 50er Jahre trat offener Terror dazu.

Die LPG unterschieden sich in Ziel und Arbeitsweise deutlich von den westlichen Genossenschaften, die unter dem Namen ihrer Gründer Raiffeisen und Schulze-Delitsch bekannt sind. Während die eingetragene Genossenschaft (e.G.) die primäre Aufgabe hat, die individuellen wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder zu fördern (Erwerbsstreben), sollten sich die LPG den Interessen der sozialistischen Gesellschaft unterordnen und die Beschlüsse der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands umsetzen.

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Weitere Informationen:

landwirtschaftliche Wildhaltung

Junger Betriebszweig der Landwirtschaft, bei dem vor allem Damwild, aber auch Rotwild und artverwandte Hirscharten wie Sika, Wapiti oder Dybowski sowie Muffelwild zur Gewinnung von Wildbret und teilweise auch Basthaut in Gehegen gehalten werden. Als arbeitsextensiver Betriebszweig ist die Gehegewildhaltung besonders für Zu- und Nebenerwerbslandwirte zur Nutzung von schwer bewirtschaftbarem Grünland oder Restgrünland interessant. Die in Gattern gehaltenen Wildarten sind keine landwirtschaftlichen Nutztiere.

In Deutschland gibt es etwa 6.000 landwirtschaftliche Gehege, in denen ungefähr 60.000 Tiere pro Jahr aufgezogen werden. Die Daten beruhen auf Schätzungen, denn die landwirtschaftliche Wildhaltung wird in amtlichen Statistiken nicht erfasst. Der geschätzte Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen an Wildfleisch liegt bei ungefähr einem Kilogramm im Jahr. Zum Vergleich: der geschätzte Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch lag 2017 bei 87,7 Kilogramm.

Dieser äußerst geringe Anteil ist insofern überraschend, dass die landwirtschaftliche Wildhaltung vielen Erwartungen gerecht wird, die Verbraucherinnen und Verbraucher an die Tierhaltung haben. Die Tiere werden in kleinen Beständen mit viel Auslauf im Freien gehalten, es entstehen kaum Umweltbelastungen und auch weite Transportwege entfallen. Vor allem in Bayern wuchs die landwirtschaftliche Wildhaltung in den vergangenen Jahrzehnten recht beachtlich. Mehr als 40 Prozent der deutschen Gehege befinden sich im Freistaat.

Die landwirtschaftliche Wildhaltung umfasst in der Regel sowohl die kontrollierte Aufzucht und Haltung des Wildes als auch die Vermarktung des Fleisches beziehungsweise der weiterverarbeiteten Produkte.

In Neuseeland hat dieser Wirtschaftszweig eine besonders große wirtschaftliche Bedeutung: Neben Fleisch, das überwiegend nach Westeuropa exportiert wird, wird auch Bast für den Absatz auf asiatischen Märkten gewonnen.

(s. a. game ranching)

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landwirtschaftlicher Betrieb

Die an einem bestimmten Ort lokalisierte technisch-wirtschaftliche Einheit, die für Rechnung eines Inhabers (des Betriebsinhabers) bewirtschaftet wird, einer einzigen Betriebsführung untersteht, und mit ihrer Hauptproduktionsrichtung landwirtschaftliche Erzeugnisse hervorbringt. Zusätzlich kann der Betrieb auch andere (nichtlandwirtschaftliche) Produkte und Dienstleistungen (Lohnunternehmen, Maschinenringtätigkeiten) generieren.

Im Unterschied zum landwirtschaftlichen Unternehmen enthält ein landwirtschaftlicher Betrieb nur jene dispositiven Funktionen, die unmittelbar mit den exekutiven verknüpft sind. Insofern fehlen die die Selbständigkeit einer Wirtschaftseinheit ausmachenden Führungsfunktionen. Ein Landwirtschaftsbetrieb ist damit Teil einer Landwirtschaftsunternehmung.

Bei den in der Landwirtschaft der meisten Länder vorherrschenden Familienbetrieben fallen im allgemeinen Betriebsleiter und Unternehmer in einer Person zusammen. Deshalb werden die Begriffe landwirtschaftlicher Betrieb und landwirtschaftliches Unternehmen häufig synonym verwendet. Allerdings machen beispielsweise die Unternehmenskonstrukte im Gefolge der deutschen Wiedervereinigung eine Trennung der beiden Begriffe nötig.

Auch liegt in der Landwirtschaft - anders als in anderen Wirtschaftsbereichen - häufig eine enge Verbindung zwischen Unternehmen und Haushalt vor.

Zusammensetzung der Gesamtfläche des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs (Beispiel Österreich)
Zusammensetzung der Gesamtfläche des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs

Quelle: Grüner Bericht 2018

Statistische Probleme

Die agrarische Produktion von Nahrung erfolgt nach Einschätzung der FAO - auf der Basis von nur 30 Ländern! - durch ca. 570 Mio. landwirtschaftliche Einheiten, allerdings unter sehr unterschiedlichen Bedingungen.Dazu gehören die Betriebsgröße (Faktorausstattung), die Betriebsform (Produktionsprogramm), die sozio-ökonomische Situation und die Rechtsform. Hierzu gibt es auf globaler Ebene nur wenige Informationen.

Selbst bei der Erfassung von Betriebsgrößen gibt es beträchtliche Erhebungs- und Interpretationsprobleme. Viele in der Literatur getroffene Aussagen sind bestenfalls grobe Schätzungen. Hinzu kommt, dass es keine klare und einheitliche Terminologie für landwirtschaftliche Betriebe gibt. Die Bezeichnungen variieren nach Sprache und nationalem Kontext.

Aussagen zu agrarischen Großbetrieben (large bzw. large-scale farms, large operations) zu machen ist besonders schwierig. Meist ist nicht definiert, ab wann ein Betrieb als Großbetrieb eingestuft wird, auch nicht in Veröffentlichungen der FAO. In den nationalen Statistiken wird meist als Kriterium die Größe des bewirtschafteten Landes verwendet, es kann aber, wie z. B. in den USA, auch der erzielte Umsatz sein. In der EU gelten Betriebe ab 100 ha als large farms oder nach wirtschaftlicher Größe solche mit einem Standardeinkommen zwischen 25.000 und 100.000 €. In Tansania sind demgegenüber large-scale farms schon Betriebe, die mehr als 20 ha Land kultivieren oder 50 Rinder oder 100 Ziegen/Schafe/Schweine oder 1.000 Hühner halten.

Weltweit beträgt der Anteil der large-scale farms über 50 ha zwar nur 1 %, sie bewirtschaften aber 65 % der agrarischen Fläche (FAO). Viele der agrarischen Großbetriebe haben historische, z. T. weit zurückreichende Wurzeln (Feudalismus, Kolonialzeit, Sozialismus). Die meisten der großen Agrarbetriebe sind heute sogenannte corporate (non-family) farms. Sie sind ein wichtiger Teil des Agribusiness im engeren Sinne und Glieder von komplexen horizontal, aber auch vertikal integrierten Konzernen. Die größten Farmen finden sich heute in Transformations- oder Entwicklungsländern und übertreffen mit ihren Operationseinheiten von mehr als 10.000 ha diejenigen in den USA und Australien.

Auch wenn die corporate farms aufgrund ihrer Flächengröße beeindrucken, so werden sie in ihrer Bedeutung doch deutlich von den Familienbetrieben (family farms) übertroffen. Nach Angaben der FAO (2014) sind von den geschätzten 570 Mio. landwirtschaftlichen Betrieben weltweit ca. 500 Mio. (ca. 88 %) Familienbetriebe und werden von mindestens 1 Mrd. Landwirten und ihren Familienangehörigen betrieben. Familienbetriebe sind sowohl in Industrie- als auch Entwicklungsländern der wichtigste agrarische Betriebstyp, allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden und mit unterproportionalem Zugang zu Land. Familienbetriebe produzieren auf etwa 70 - 80 % des Agrarlandes wertmäßig etwa 80 % der globalen Nahrung.

Allerdings gibt es in verschiedenen Ländern unterschiedliche sprachliche Konnotationen, was unter "Familienbetrieb" zu verstehen ist, wissenschaftliche Publikationen umgehen häufig eine klare Definition. Im Sinne der FAO sind Familienbetriebe Produktionseinheiten, die sich im Eigentum einer Familie befinden und von dieser auch bewirtschaftet werden. Sie sind durch eine starke Beziehung zwischen der wirtschaftlichen Einheit des Betriebs und der sozialen Einheit der Familie charakterisiert, wobei ökonomische, ökologische, reproduktive, soziale und kulturelle Funktionen eng verknüpft sind.

Klein(st)betriebe produzieren Nahrung und andere Produkte in kleinem bis sehr kleinem Maßstab. Die Begriffe family farmers, smallholders oder peasants werden teilweise synonym verwendet, Kleinbetriebe können aber auch als Untergruppe der Familienbetriebe aufgefasst werden. Auch ihre Abgrenzung bzw. Definition ist schwierig. In der Regel wird als Kriterium die bearbeitete Fläche herangezogen, wobei dies nur bedingt aussagekräftig ist, da die Bedeutung von Betriebsgrößen vom jeweiligen agro-ökologischen Kontext (Bodenqualität, Niederschlag u. w.) sowie dem Produktionsprogramm abhängig ist.

Nach Angaben der FAO bewirtschaften 72 % der Agrarbetriebe weltweit weniger als 1 ha Land und damit nur 8 % des Agrarlandes, Betriebe mit 1 bis 2 ha (12 % aller) nur 4 %. Zusammengenommen bearbeiten Kleinbauern, die 84 % aller Betriebe ausmachen, also nur 12 % des Landes. In Kleinbetrieben ist die Ressource Arbeitskraft meist ausreichend oder sogar überschüssig, die übrigen Ressourcen Land Vieh und Kapital sind hingegen knapp. (Schmied 2018)

Verteilung der landwirtschaftlichen Betriebe und der landwirtschaftlichen Nutzfläche weltweit, nach Flächengrößenklasse

Verteilung der landwirtschaftlichen Betriebe und der landwirtschaftlichen Nutzfläche weltweit (nach Flächengrößenklasse)

Während Betriebe mit weniger als 2 ha Fläche mehr als 80 % aller landwirtschaftlichen Betriebe auf globaler Ebene ausmachen, nehmen sie einen weitaus geringeren Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Welt ein. Daten aus der Landwirtschaftszählung zeigen, dass Betriebe mit mehr als 50 ha zwei Drittel der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche belegen, während Betriebe mit bis zu 2 ha nur etwa 12 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche ausmachen. Diese Zahlen spiegeln jedoch vor allem die Situation in Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen wider, insbesondere in Lateinamerika. In Ländern mit niedrigem und niedrigem mittleren Einkommen ist die Situation wesentlich anders, da dort kleine Betriebe (bis zu 2 ha) einen großen Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche einnehmen, der noch größer wird, wenn mittlere Betriebe bis zu 5 ha einbezogen werden. In Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen nehmen Betriebe mit bis zu 2 ha mehr als 30 % der Fläche ein, während Betriebe mit bis zu 5 ha etwa 60 % der Fläche ausmachen. In Ländern mit niedrigem Einkommen nehmen landwirtschaftliche Betriebe bis zu 2 ha etwa 40 % der Fläche ein, in Ländern mit bis zu 5 ha etwa 70 %.

Quelle: FAO

Landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland

Landwirtschaftliche Betriebe werden in Deutschland nach dem Erwerbscharakter (Haupterwerbsbetriebe, Nebenerwerbsbetriebe) unterschieden.

In der deutschen Agrarstrukturerhebung werden die Daten in landwirtschaftlichen Betrieben gemäß der Definition in §91 des Agrarstatistikgesetzes (AgrStatG) erhoben. Auch die Ergebnisdarstellungen sind auf den landwirtschaftlichen Betrieb bezogen. Eine Definition bzw. Abgrenzung zu landwirtschaftlichen Unternehmen existiert im Erhebungs- und Veröffentlichungskonzept der Agrarstrukturerhebung nicht.

Steuerrechtlich ist ein "landwirtschaftlicher Betrieb" ein Unternehmen, das

  1. Pflanzen und Pflanzenteile mit Hilfe von Naturkräften erzeugt (§ 24 Abs. 2 UStG),
  2. Tierzucht und Tierhaltung betreibt (§ 24 Abs. 2 UStG), soweit die Anzahl der Tiere nicht bestimmte Grenzen überschreitet (§ 13 EStG),
  3. fremde Erzeugnisse mit dem Zweck der Wiederveräußerung nachhaltig nur in Höhe von 30 % des Gesamtumsatzes zukauft (Abschn. 134 (4) EStR),
  4. Einnahmen aus Dienstleistungen nur in Höhe von maximal einem Drittel des Gesamtumsatzes erzielt (Abschn. 134 (6) EStR).

Die Überschreitung einer dieser Grenzen bewirkt die steuerliche Einstufung als Gewerbebetrieb, obwohl land- und forstwirtschaftliche Produkte erzeugt werden.
Zu den landwirtschaftlichen Betrieben, aber nicht zur statistischen Kategorie "Landwirtschaft" rechnen der Gartenbau sowie ein Teil der Forstwirtschaft und die Kombinationsbetriebe.
Die statistischen Kategorie "landwirtschaftliche Betriebe und Forstbetriebe" wird nach dem Flächenverhältnis zwischen landwirtschaftlich genutzter Fläche und Waldfläche in landwirtschaftliche Betriebe und in Forstbetriebe gegliedert. Beträgt die landwirtschaftlich genutzte Fläche eines land- oder forstwirtschaftlichen Betriebes mindestens 10 % seiner Waldfläche, dann ist er ein landwirtschaftlicher Betrieb, ist sie kleiner als 10 %, gilt er als Forstbetrieb.

Bei den landwirtschaftlichen Betrieben unterscheidet man in Deutschland:

In Deutschland gab es 2019 266.600 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 5 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF), einschließlich 21.400 Betrieben mit weniger als 5 Hektar LF, die auf Grund ihrer Tierbestände oder von Spezialkulturen zu den berichtspflichtigen Betrieben gehören. Diese Betriebe bewirtschafteten 2019 rund 16,666 Millionen Hektar LF. Die durchschnittliche Flächenausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe erreichte 2019 62,5 Hektar LF. Knapp 86 Prozent der Höfe in Deutschland bewirtschaften eine Fläche von maximal 100 Hektar. Nach ersten Ergebnissen der amtlichen Statistik für 2020 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um knapp 2 Prozent auf 262.000 Betriebe zurückgegangen.

Zuvor hatte die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zwischen 2007 und 2019 um 55.000 auf 266.600 Betriebe abgenommen. Das sind 17,1 Prozent weniger. Pro Jahr entspricht dies einer Abnahmerate von etwa 1,6 Prozent. Damit scheint sich der landwirtschaftliche Strukturwandel etwas verlangsamt zu haben. Denn in den Jahrzehnten zuvor lag die durchschnittliche jährliche Abnahmerate der Betriebe bei etwa 3 Prozent, was statistisch etwa alle 20 Jahre eine Halbierung der Zahl der Betriebe entspricht.

Auffällig ist, dass sehr große Betriebe von dieser Entwicklung nicht betroffen sind. Ihre Zahl ist sogar gewachsen – besonders stark in der Größenklasse der Betriebe mit einer landwirtschaftlichen Fläche zwischen 200 und 500 Hektar. Derart große Betriebe sind aber noch die Ausnahme.

Anzahl und Größe landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland 2020

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Im Jahr 2020 gab es 263.500 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. Vor 25 Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele. Dieser Trend hat sich zwar verlangsamt, trotzdem ist die Zahl der Betriebe allein in den letzten zehn Jahren um rund 35.600 gesunken.

Auffällig ist, dass sehr große Betriebe von dieser Entwicklung nicht betroffen sind. Ihre Zahl ist sogar gewachsen – besonders stark in der Größenklasse der Betriebe mit einer landwirtschaftlichen Fläche zwischen 200 und 500 Hektar. Derart große Betriebe sind aber noch die Ausnahme.

Knapp 86 Prozent der Höfe in Deutschland bewirtschaften eine Fläche von maximal 100 Hektar. Im Durchschnitt verfügt ein landwirtschaftlicher Betrieb in Deutschland über eine Fläche von rund 63 Hektar.

Quelle: BZL 2021

Weitere Informationen:

landwirtschaftliches Unternehmen

Eine rechtlich und finanzielle selbständige Wirtschaftseinheit, in der Landwirtschaft betrieben wird. Sie umfasst alle dispositiven und exekutiven Funktionen, die zur Aufgabenbewältigung notwendig sind. Ein landwirtschaftliches Unternehmen kann aus einem oder mehreren landwirtschaftlichen Betrieben bestehen und ist somit im Gegensatz zum Betrieb nicht ortsgebunden.
Unter organisatorischen Aspekten ist das herkömmliche Landwirtschaftsunternehmen als zweistufige Mehrproduktunternehmung anzusprechen: Die Produkte der Primärproduktion (Bodenproduktion) werden oftmals als Produktionsmittel in der Sekundärproduktion (Viehhaltung, Veredlung) eingesetzt.

Zur Betriebsfläche der landwirtschaftlichen Unternehmen (BF) zählen alle Flächen, die selbst bewirtschaftet werden. Dabei kann es sich um Eigentums- oder Pachtflächen handeln. Es wird unterschieden in: Landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF), Forstwirtschaftliche Nutzfläche (FN), Teichwirtschaftlich genutzte Fläche (TN) und Sonstige Betriebsflächen.

Aufgliederung der Betriebsfläche landwirtschaftlicher Unternehmen
Aufgliederung der Betriebsfläche landwirtschaftlicher Unternehmen

Quelle: nach Manthey, R. (2007)

In der deutschen Agrarstrukturerhebung werden die Daten in landwirtschaftlichen Betrieben gemäß der Definition in §91 des Agrarstatistikgesetzes (AgrStatG) erhoben. Auch die Ergebnisdarstellungen sind auf den landwirtschaftlichen Betrieb bezogen. Eine Definition bzw. Abgrenzung zu landwirtschaftlichen Unternehmen existiert im Erhebungs- und Veröffentlichungskonzept der Agrarstrukturerhebung nicht.

Weitere Informationen:

Landwirtschaftsamt

Staatliche Einrichtung der Landwirtschaftsverwaltung auf Landesebene (B.-W.; BY, Hessen). In anderen Bundesländern werden deren Aufgaben von Landwirtschaftskammern wahrgenommen. Zum Aufgabenbereich der Landwirtschaftsämter, zu denen auch Tierzucht- und Forstämter gehören, zählen landwirtschaftliche Förderungsmaßnahmen, die praktische Berufsausbildung, die Führung der Landwirtschaftsschulen, die Beratung der landwirtschaftlichen sowie nicht-landwirtschaftlichen Bevölkerung.

Landwirtschaftsanpassungsgesetz

Abk. LwAnpG; am 29. Juni 1990 durch die Volkskammer der DDR verabschiedetes Gesetz über die strukturelle und rechtliche Anpassung der Landwirtschaft in der DDR an die soziale und ökologische Marktwirtschaft. Das LwAnpG wurde im Einigungsvertrag unter Berücksichtigung bestimmter Maßgaben übernommen und seither mehrfach novelliert.
Das Landwirtschaftsanpassungsgesetz zielt

Zentrale Bedeutung hatte die Umwandlung der ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in eine nach westdeutschem Gesellschaftsrecht mögliche Rechtsform bei gleichzeitiger Sicherung des Austritts- und Haftungsrechts sowie der Möglichkeit, wieder landwirtschaftliche Einzelbetriebe zu bilden, wie sie vor der Kollektivierung bestanden. Das Prinzip "Rückgabe vor Entschädigung" gegenüber den früheren Eigentümern erschien günstig für die ungehinderte Herausbildung eines freien Grundstückmarktes. In der Praxis ergaben sich hingegen verschiedene Probleme vor allem im juristischen Bereich. Problematisch war beispielsweise die Zusammenführung von rechtlich getrenntem Boden- und Gebäudeeigentum. Neben der betriebswirtschaftlichen Bedeutung hatte die Klärung derartiger Rechtsfragen erhebliche arbeitsmarktpolitische Bedeutung; denn erst mit der Zusammenführung wurde das Grundvermögen beleihungsfähig und damit die Basis für weitere wirtschaftliche Aktivitäten geschaffen.
Die Privatisierung bzw. Verpachtung der Volkseigenen Güter (VEG) sowie der 1,3 Mio. Hektar volkseigener landwirtschaftlicher und 0,77 Mio. Hektar forstwirtschaftlicher Flächen erfolgte unter der Regie der Treuhandanstalt.

Infolge der den Genossenschaftsmitgliedern verbliebenen Eigentumsrechte und der erweiterten marktwirtschaftlichen Möglichkeiten konnten im Geltungsbereich des LwAnpG wesentlich mehr wettbewerbsfähige Betriebe aus eigener Kraft erhalten werden als bei den VEG. Es bildete sich eine große Vielfalt an Betriebsgrößen und Betriebsformen auf privatwirtschaftlicher Grundlage heraus.

Kritik gab es später weniger an dem Gesetz an sich, sondern eher an der nach der Wiedervereinigung in vielen Bereichen zu beobachtenden Übervorteilung besonders der ausscheidenden Genossen durch meist schon von westlichen Beratern unterstützten Vorständen in den LPG, die mit falschen Bilanzen, Formfehlern, Unzulänglichkeiten, halblegalen Machenschaften und massiven Betrügereien einen gerechten Vermögensausgleich verhinderten. Später wurde auch das offensichtliche Eintreten der Politik, der Genossenschaftsverbände und der meisten ostdeutschen Leitmedien zugunsten der Genossenschaftsbetriebe kritisiert.

(s. a. Agrarpolitik, Agrarstruktur in Deutschland, Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft)

Landwirtschaftsfläche

Unbebaute Flächen, die der Wiesen- und Weidewirtschaft, dem Acker-, Garten-, Obst- oder dem Weinbau dienen, einschließlich der Gebäudeflächen mit geringem Wert und der für Landwirtschaftsflächen typischen baulichen Anlagen. Hierzu zählen auch Flächen, die zeitweise nicht genutzt werden (Brachland), ebenso Moor- und Heideflächen.

Die Datenerhebung basiert auf einer Auswertung der amtlichen Liegenschaftskataster.

Die der Flächenerhebung entstammende Landwirtschaftsfläche und die aus der Bodennutzungshaupterhebung ermittelte landwirtschaftlich genutzte Fläche sind nicht identisch. Bei der Flächenerhebung werden bestehende Register – die amtlichen Liegenschaftskataster der Länder – sekundärstatistisch ausgewertet. Es handelt sich um eine jährliche Vollerhebung. Dagegen basiert die ebenfalls jährliche Bodennutzungshaupterhebung auf einer Befragung landwirtschaftlicher Betriebe und der Auswertung von Verwaltungsdaten (hier aus dem Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem). Die Bodennutzungshaupterhebung wird sowohl als Stichprobe als auch in den Jahren 2010 und 2016 als Vollerhebung durchgeführt.

Die beiden Erhebungen haben jeweils andere Zielsetzungen, die ihre Unterschiede verständlich machen. Die Flächenerhebung differenziert flächendeckend die Bodennutzung in ganz Deutschland nach Siedlungs-, Verkehrs-, Landwirtschafts-, Wald-, Wasserfläche usw., ohne dabei einen Schwerpunkt zu setzen. Dagegen geht es bei der Bodennutzungs­haupterhebung in erster Linie um die Differenzierung der landwirtschaftlich genutzten Flächen nach Hauptnutzungsarten und Nutzungszweck, Kulturarten, Pflanzengruppen, Pflanzenarten und Kulturformen. Hier stehen also die sich ändernden Anbaustrukturen der Betriebe im Mittelpunkt. Die Anbauflächen der Kulturen bilden auch die Grundlage für die jährliche Ernteschätzung.

Daraus ergibt sich unmittelbar ein weiterer Unterschied. Die Flächenerhebung weist die Bodennutzung in der jeweils betrachteten administrativen Gebietseinheit nach dem Belegenheitsprinzip aus, wohingegen bei der Bodennutzungshaupterhebung die Flächen unabhängig von ihrer administrativen Zuordnung einem Betriebssitz zugeordnet werden. Es ist also nicht erkennbar, ob die von einem Betrieb angegebenen Flächen in der Gemeinde mit Sitz des Betriebes oder einer anderen Gemeinde bewirtschaftet werden.

Hinzu kommen weitere methodische Unterschiede: Dazu gehören verschiedene Begriffsdefinitionen, z. B. beinhaltet die Landwirtschaftsfläche auch Moor- und Heideflächen, während diese bei der Bodennutzungshaupterhebung (insofern sie nicht kultiviert sind) den sonstigen Flächen außerhalb der landwirtschaftlich genutzten Fläche zugeordnet werden. Auch bei der Abgrenzung der Grundgesamtheit unterscheiden sich beide Erhebungen: Während in der Flächenstatistik keine Erfassungsgrenzen existieren, da im Prinzip jeder Fläche eine Nutzungsart zugeordnet wird, werden bei der Bodennutzungshaupterhebung Betriebe unterhalb der im § 91 AgrStatG festgelegten Erfassungsgrenzen nicht in die Erhebung einbezogen.

(s. a. landwirtschaftliche genutzte Fläche)

Landwirtschaftsgesetz (Deutschland)

Das Landwirtschaftsgesetz in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 780-1, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Artikel 358 der Verordnung vom 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474) geändert worden ist, hat zum Ziel, der Landwirtschaft die Teilnahme an der fortschreitenden Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft zu ermöglichen und der Bevölkerung die bestmögliche Versorgung mit Ernährungsgütern zu sichern. Als weiteres Ziel ist formuliert, das die soziale Lage der in der Landwirtschaft tätigen Menschen an die vergleichbarer Berufsgruppen angeglichen werden soll.

Um die Ziele zu erreichen, wurde erstmals im Landwirtschaftsgesetz vorgeschrieben, dass vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten jährlich die Betriebsergebnisse von repräsentativen landwirtschaftlichen Betrieben, aufgegliedert nach Betriebsgrößen und Wirtschaftsarten (Haupt-, Neben-, oder Zuerwerbsbetrieb; seit der Wiedervereinigung auch Juristische Personen) sowie Wirtschaftssystemen ermitteln muss. Dazu wurde ein System von 6000 bis 8000 Testbetrieben geschaffen, die anfänglich freiwillig eine ordentliche Buchführung mit einem betriebswirtschaftlichen Ansatz erstellten und denen die dadurch anfallenden Kosten erstattet wurden. Aus diesen Ergebnissen muss die Bundesregierung (bis 2007 jährlich, seit der letzten Änderung alle vier alle Jahre) den Bericht über die Lage der Landwirtschaft erstellen. Im Gesetzestext ist festgelegt, dass insbesondere dazu Stellung zu nehmen ist, ob ein den Löhnen vergleichbarer Berufs- und Tarifgruppen entsprechender Lohn für die fremden und familieneigenen Arbeitskräfte sowie eine angemessenes Entgelt für die Tätigkeit des Betriebsleiters bei einer angemessenen Verzinsung des Eigenkapitals in einem durchschnittlichen Betrieb erzielt werden konnte. Weiter wird im Gesetz gefordert, dass sich die Regierung im Agrarbericht dazu äußern muss, wie sie, falls das im Gesetz formulierte Ziel der Einkommensparität im zurückliegenden Zeitraum nicht erreicht wurde, dies in Zukunft erreichen will.

Landwirtschaftskammer

Landwirtschaftskammern, auch Bauernkammern genannt, sind Einrichtungen zur Vertretung und Regelung von Interessen der Land- und Forstwirtschaft. In den nördlichen und westlichen Bundesländern der ehemals britischen Besatzungszone (Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein) sind Landwirtschaftskammern öffentlich-rechtliche Körperschaften, die, durch ihre Mitglieder finanziert, Aufgaben der Agrarverwaltung wahrnehmen.

Obligatorische Mitglieder sind die Angehörigen der so genannten grünen Berufe:

Durch die Übertragung hoheitlicher Aufgaben stellen die Landwirtschaftskammern dort die Agrarverwaltung. Die Interessenvertretung der genannten Berufsstände ist nicht Aufgabe der Landwirtschaftskammern.

In den süd- und ostdeutschen Bundesländern gibt es keine eigenverantwortlichen Kammern, sondern eine unmittelbare staatliche Agrarverwaltung in Form von Landwirtschaftsämtern. Mecklenburg-Vorpommern verfügt über eine Kammer-ähnliche Einrichtung.

Die Landwirtschaftskammern und die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft sowie der Bayerische Bauernverband sind im Verband der Landwirtschaftskammern (VLK) zusammengeschlossen.
Mitglied im VLK kann jede Landwirtschaftskammer oder jede andere berufständische Institution mit gleicher Aufgabenstellung sein. Der VLK ist Mitglied im Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft und arbeitet dort mit den anderen Agrarverbänden eng zusammen.

Die Landwirtschaftskammern haben u.a. die Aufgabe, die Landwirte zu beraten und zu fördern, ihnen bei ihren Rationalisierungsbemühungen zu helfen, für die Aus- und Fortbildung des Nachwuchses und der Betriebsleiter und die Durchführung der Wirtschaftsberatung zu sorgen, sowie Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung gutachtlich zu unterstützen.

Landwirtschaftsklausel

Passagen in der bis 1998 gültigen Fassung des Bundesnaturschutzgesetzes, die der Landwirtschaft zusammen mit der Forstwirtschaft und der Fischerei eine bevorzugte Stellung bei der Bodennutzung zubilligen und ihr ein per se umweltgerechtes Verhalten bescheinigen:

Beispielhaft für andere Kritiker hat Der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen seit 1985 wiederholt eine Aufhebung der Landwirtschaftsklauseln gefordert, da die Landwirtschaft von den Regelungen des Naturschutzes praktisch ausgenommen ist, und da die Realität der Intensivlandwirtschaft längst nicht mehr den Klauseln entspricht. Eingriffe land- und forstwirtschaftlicher Nutzer dürften nicht anders behandelt werden als die gewerblicher und industrieller Nutzer. Gleichzeitig wird die Aufnahme von Betreiberpflichten für Land- und Forstwirte zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen vorgeschlagen.
Im novellierten Bundesnaturschutzgesetz sollen die beiden erstgenannten Landwirtschaftsklauseln entfallen. Statt dessen soll künftig folgende vage Formulierung gelten:
"Die land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Bodennutzung ist nicht als Eingriff anzusehen, soweit dabei die Ziele und Grundsätze des Naturschutzes und der Landschaftspflege berücksichtigt werden. Die den Vorschriften des Rechts der Land- und Forstwirtschaft einschließlich des Rechts der Binnenfischerei und § 17 Abs. 2 des Bundesbodenschutzgesetzes entsprechende gute fachliche Praxis bei der land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Bodennutzung widerspricht in der Regel nicht den in Satz 1 genannten Zielen und Grundsätzen." Die Änderung hat eher formalen als substantiellen Charakter.

(s. a. Umweltwirkungen)

Langgewann

Gewann, dessen Parzellen im Mittel über 250 m Länge, oft sogar 300 - 700 m oder mehr aufweisen.

Langgrassteppe

Steppentyp, in dem Gräser (häufig Schwingel und Rispengräser) als prägende Pflanzengesellschaften eine geschlossene Grasnarbe bilden. Sie erreichen ausgereift mindestens 50 cm, bisweilen über 150 cm Höhe. Kräuter (u.a. aus den Familen der Korbblütler und Leguminosen) sind mit zahlreichen Arten vertreten. An feuchten Stellen finden sich Waldinseln.

Mehr als drei Sommermonate sind arid, jedoch ist noch die Mehrzahl der Monate humid oder zumindest subhumid. Die Schneeschmelze führt im Frühjahr zu einer guten Bodendurchfeuchtung, so dass bis zum Frühsommer kein Wassermangel besteht.

Vorherrschende Bodentypen sind Schwarzerden. Nur die obersten 20 bis 40 cm sind entkalkt. Häufig reicht der Kalk bis an die Bodenoberfläche. Die intensiv-wüchsige krautige Vegetation bildet eine sehr große Biomasse und wird als Streu durch das reiche Bodenleben tief in den Boden eingearbeitet. Dabei entsteht ein recht homogener, krümeliger bis schwammartiger Ah-Horizont (Axh), der bis über einen Meter mächtig sein kann.

Wachstums- und damit auch nutzungsbegrenzend ist im Frühjahr das späte Erwachen aus der kalten Jahreszeit und im Sommer die meist extreme Trockenheit, welche spätestens Anfang August einsetzt. Dadurch haben die Steppenböden trotz der nahezu unbegrenzten Bodenfruchtbarkeit klimatisch bedingt ein begrenztes Ertragspotenzial. Dass sie bis heute weitgehend Exportgebiete für Agrarprodukte sind, hängt mit der relativ dünnen Besiedlung zusammen.

längsgeteiltes Ein(heits)haus

Ein Grundtyp des Ein(heits)hauses, als dessen wichtigster Vertreter das Niederdeutsche Hallenhaus gilt. Kennzeichnend ist die Mittellängsdiele, zu deren Seiten die Ställe und in deren Front der Wohnteil liegt. Das Hallen-Einhaus ist der im gesamten nördlichen Mitteleuropa meistverbreitete Bauernhaustyp.

Langstreifenflur

Nach Müller-Wille (1944) eine von anderen Wirtschaftsflächen umrahmte Gemengefeldflur, die in schmale, lange Streifen gegliedert ist, deren Wachstum sich in den einzelnen Besitzparzellen vollzieht und bei der alle Parzellen ohne Überfahren der Nachbarparzellen von der Schmalseite her zu erreichen sind. Zumindest sollte das Streifensystem für einen markanten Flurteil prägend sein. Querteilungen einzelner Streifen sind durchaus möglich. Die Grenze zu Kurzstreifen liegt in Mittel- und Westeuropa bei ca. 300 m.

Entgegen früherer Auffassung handelt es sich bei der Langstreifenflur nicht um eine Art germanische "Urflur". Ihre Bildung auf dem Esch fällt in den ältesten Ausbau einer Flur im letzten Drittel des ersten nachchristlichen Jahrtausends und ist mit der Herausbildung eines Kleindorfes (Drubbel) verbunden. Eine weitere Entwicklungslinie von Langstreifenfluren kann in die karolingische Ausbauphase zurückdatiert und als fränkische Staatskolonisation bezeichnet werden. Ihr Auftreten ist für Dörfer am Hellweg belegt.

Latifundium

Von lat. latus = weit, ausgedehnt und fundus = Grund, Boden, Grundstück; landwirtschaftlicher Großgrundbesitz, der aufgrund seiner oft als unzweckmäßig geltenden Betriebsgröße (i.a. über 1.000 ha) meist nicht als Einheit bewirtschaftet wird. Das Wirtschaftsverhalten des Eigentümers ist gewöhnlich durch sein Desinteresse an eigener Landbewirtschaftung gekennzeichnet. Er verteilt seinen Besitz entweder auf Kleinpächter oder auf einen mit Tagelöhnern arbeitenden Großpächter und lebt von den Pachtzinsen (rentenkapitalistisches Element). So geht er kein Risiko ein und investiert nur, wenn es unbedingt nötig ist. Seinen Wohnsitz hat er meistens in einer Großstadt (Absentismus), wo er einem außerlandwirtschaftlichen Erwerb nachgeht.

Einem äußerst sparsam verfügbaren Kapital stehen ausgiebig bemessene Landvorräte gegenüber. Infolgedessen sind die feste und bewegliche Hofausstattung dürftig.

Die Latifundienwirtschaft führt zu einer extensiven Nutzung des Großgrundbesitzes, die mit einer total verarmten, sozial und wirtschaftlich abhängigen ländlichen Bevölkerung verbunden ist. Das Latifundium ist so nicht nur eine Betriebsform, sondern auch Ausdruck einer sozialen und politischen Herrschaftsorganisation mit teilweise noch vorkapitalistischen Arbeits- und Abhängigkeitsverhältnissen.
Auf Sizilien gab es oft eine ganze Abhängigkeitskette von Großpächtern, Zwischenpächtern und Unterpächtern (sog. Gabelottisystem). Der Großpächter ("gabelotto") betrieb dabei die Weidewirtschaft in eigener Regie, während er die Weizenfelder parzellenweise unterverpachtete. Die Aufsplitterung kam im äußeren Bild der Agrarlandschaft nicht zum Ausdruck, weil alle Flächen einheitlich bewirtschaftet wurden.

Wurde das Latifundium nicht aufgeteilt und verpachtet, sondern als Großbetrieb für den Eigentümer bewirtschaftet, so sprach man in Italien vom "latifondo capitalistico". Bei dieser vorwiegend im südlichen Festland-Italien verbreiteten Organisationsform kamen neben einem kleinen Stamm fest angestellter Arbeitskräfte zahlreiche Tagelöhner zum Einsatz. Diesem Typus entsprachen in Spanien die Latifundien der Extremadura in ihrer traditionellen Form.

Unter Produktivitätsgesichtspunkten stellen Latifundien meist eine unbefriedigende Form der Bodennutzung dar. Bei geringer Bodenfruchtbarkeit kann diese Wirtschaftsform allerdings die einzige angemessene Betriebsorganisation sein. Beispiele sind die Schafzuchtgebiete des Hochlandes in Bolivien und Peru, die Strauchsteppen Patagoniens, der Gran Chaco in Argentinien und die trockenen Grasländer Nordmexikos.

Die Ursachen der Entstehung und die Formen von Latifundien sind unterschiedlich. So führt man z.B. die Latifundien Italiens auf die Sklavenwirtschaft römischer Latifundien, im Falle Süditaliens aber auch auf das Lehenswesen der Normannenzeit zurück. In Südspanien und der Extremadura hat der Latifundienbesitz seine Wurzeln in der Reconquista. In England und im östlichen Mitteleuropa ist die Latifundienwirtschaft eine Folgeform mittelalterlicher Grundherrschaft. Die Estancien in den Viehzuchtgebieten Argentiniens sind aus den kolonialzeitlichen Encomiendas, auf denen Indianer zur Arbeit verpflichtet wurden, entstanden. Weitere Verbreitungsgebiete sind die Maghreb-Länder.

Laufstall

Bezeichnung für einen Stall, speziell in der Milchviehhaltung, in dem sich die Nutztiere im Unterschied zur Anbindehaltung frei bewegen können.
Viele landwirtschaftliche Betriebe wechseln von der Anbindehaltung zur Laufstallhaltung. Diese ermöglicht ein artgerechteres Sozialverhalten, erhöht den Tierkomfort und ist bei größeren Beständen effizienter.
Es gibt unterschiedliche Formen von Laufställen in der Milchviehhaltung.

Der Laufstall ist bei Stallneubauten Standard, da er Vorteile bezüglich der Tiergesundheit und der Arbeitswirtschaft aufweist. Des Weiteren hat sich gezeigt, dass durch den verbesserten Kuhkomfort speziell in der Milchviehhaltung eine Steigerung der Milchleistung zu erwarten ist.
Auch in der Pferdehaltung gibt es Laufställe, beispielsweise den Aktivstall, der sich durch automatische Fütterung auszeichnet.

LEADER

Sprachlich ist LEADER ein engl. Apronym der französischen Bezeichnung "Liaison entre actions de développement de l'économie rurale" (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft). Inhaltlich ist LEADER ein methodischer Förderansatz der Europäischen Union zur Regionalentwicklung, mit dem seit 1991 modellhaft der Idee der Bottom-up Methode bei der Entscheidungsfindung über Förderanträge Rechnung getragen wird. Ziel ist es, die ländlichen Regionen Europas auf dem Weg zu einer eigenständigen Entwicklung zu unterstützen. Lokale Akteure aus den vielfältigsten öffentlichen aber auch nicht öffentlichen Interessenskreisen schließen sich zu lokalen Aktionsgruppen (LAG) zusammen und erarbeiten gemeinsam regionale Entwicklungskonzepte (REK), die die Schwächen, Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten einer bestimmten Region aufzeigen. Auf Basis des REK werden von den LAG'en Projekte zur Förderung ausgewählt.

Die LEADER-Förderung erfolgt in zeitlich begrenzten Förderperioden. Aktuell läuft die 5. Periode (2014-2020).

Seit Beginn der Förderperiode 2007–2013 ist LEADER Teil der Mainstream-Förderung der Europäischen Union. Finanziert wird das Programm aus dem neu geschaffenen ELER-Fonds. Konkretisiert wird dieser Politikansatz durch die Förderprogramme in den Mitgliedsländern. Im Vorwege der Förderperiode wurden diese nationalen Programme in Einklang mit den EU-Förderbestimmungen gebracht. Für die Durchführung der EU-Förderprogramme in Deutschland sind die Bundesländer zuständig.

Kennzeichnend für das LEADER-Programm sind sieben wesentliche Merkmale:

  1. Bottom-up-Ausarbeitung und Umsetzung von Strategien
  2. Lokale öffentlich-private Partnerschaften: die lokalen Aktionsgruppen (kurz: LAG)
  3. Integrierte und multisektorale Aktionen
  4. Innovation
  5. Kooperation
  6. Netzwerkbildung
  7. Territoriale lokale Entwicklungsstrategien

Weitere Informationen:

Lebendverbauung

Verklebung und Verbindung von Bodenkrümeln durch Bakterienausscheidungen, Algenbewuchs und Myceldurchflechtungen (Pilze).

Lebensmittel

Substanzen, die konsumiert werden, um den menschlichen Körper zu ernähren. Der Begriff Lebensmittel umfasst als Oberbegriff sowohl das Trinkwasser als auch die Nahrungsmittel. Trinkwasser besteht aus Wasser und darin gelösten Mineralstoffen. Im Unterschied zu Trinkwasser bestehen Nahrungsmittel im Wesentlichen aus den Makronährstoffen – dies sind die Kohlenhydrate, die Lipide (Fette) und die Proteine – und führen daher dem Menschen chemisch gebundene Energie zu. Zusätzlich sind Mikronährstoffe als Mengen- und Spurenelemente wesentliche Bestandteile von Nahrungsmitteln. Lebensmittel werden vom Menschen zum Zwecke der Ernährung oder des Genusses über den Mund, gegebenenfalls nach weiterer Zubereitung, aufgenommen.

Rechtliche Definition

Aus rechtlicher Sicht zählen neben Trinkwasser und Nahrungsmitteln als Hauptgruppen auch die Genussmittel zu den Lebensmitteln, wobei Tabakwaren ausgenommen sind.

Eine lebensmittelrechtliche Definition liefert die Verordnung (EG) Nr. 178/2002 (Lebensmittelbasisverordnung) zum Lebensmittelrecht:

„Lebensmittel sind alle Stoffe oder Erzeugnisse, die dazu bestimmt sind oder von denen nach vernünftigem Ermessen erwartet werden kann, dass sie in verarbeitetem, teilweise verarbeitetem oder unverarbeitetem Zustand von Menschen aufgenommen werden (Artikel 2). […] Zu Lebensmitteln zählen auch Getränke, Kaugummi sowie alle Stoffe, einschließlich Wasser, die dem Lebensmittel bei seiner Herstellung oder Be- oder Verarbeitung absichtlich zugesetzt werden.“

Nach EU-Verordnung 178/2002/EG gehören wegen fehlender Verarbeitung oder fehlenden Nährwerts nicht zu den Lebensmitteln:

Weitere Informationen:

Lebensmittelindustrie

Siehe Ernährungsindustrie

Lebensmittelkette

Engl. agrifood chain; die Abfolge von Stufen, welche die gesamten Herstellungs-, Verarbeitungs-, Lagerungs- und Vertriebsprozesse von Lebensmitteln auf ihrem Weg vom 'Acker zum Teller' beschreibt. Als Akteure treten dabei u. a. auf: Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Lebensmittelhandwerk, Lebensmittelgroß- und Lebensmitteleinzelhandel sowie der Außer-Haus-Markt (Gastronomie) und angrenzende Bereiche. Als begleitende Akteure sind dabei einschlägige Behörden (u. a. Landwirtschaftsämter, Amtsveterinäre, Zollämter) zu nennen.

Food Supply Chain

The food supply chain consists of the following segments:

(i) agricultural production and harvest/slaughter/catch; (ii) post-harvest/slaughter/catch operations; (iii) storage; (iv) transportation; (v) processing; (vi) wholesale and retail; and (vii) consumption by households and food services.

Agricultural production, harvest and post-harvest/slaughter/catch operations refer to activities where produce is still on the farm or the producer’s premises. Post-harvest/slaughter/catch operations include cleaning, grading, sorting and treatments (e.g. for disinfestation on the farm or in a packing facility). Processing includes primary processing operations (e.g. drying, dehusking, deshelling), which often take place on the farm and secondary processing (product transformation). The moment food is consumed or removed from the food supply chain defines the end point of that chain.

Quelle: FAO 2019

Im Bereich der Lebensmittelsicherheit spielt die Lebensmittelkette eine besondere Rolle. Hier ist es wichtig, den gesamten Herstellungs- und Erzeugungsweg der Lebensmittel nachvollziehbar und transparent zu machen.

Die EU plant, ein Kontrollsystem entlang der gesamten Nahrungsmittelkette vom Anbau bis zum Verbrauch zu etablieren. Im Detail umfasst das System die Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit, den Veterinär- und Pflanzenschutz, den Einsatz von Pestiziden, den ökologischen Landbau sowie geschützte geographische Angaben. Regelmäßig sollen die zuständigen nationalen Behörden nicht angemeldete Kontrollen durchführen. Somit soll insgesamt die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln verbessert, effektiver gegen Betrugsfälle vorgegangen und das Vertrauen der Verbraucher in die Integrität der Lebensmittelkette wiederaufgebaut werden. Außerdem sollen strengere Importbedingungen für Lebensmittel aus Drittstaaten gelten.

(s. a. Wertschöpfungskette)

Weitere Informationen:

Lebensmittelsicherheit

Oberbegriff für alle Maßnahmen und Konzepte, die sicherstellen sollen, dass der Verzehr von Lebensmitteln (bei bestimmungsgemäßer Verwendung) nicht schädlich für Verbraucher ist und/oder zu keiner lebensmittelbedingten Krankheit führt. Angemessene Lebensmittelhygiene unterstützt die Lebensmittelsicherheit, wobei der Begriff Lebensmittelsicherheit auch das Nichtvorhandensein von schädlichen Umweltkontaminanten oder Rückständen von Tierarzneimitteln einschließt.

Zu schädlichen Stoffen gehören mikrobiologische Belastungen durch krankmachende Keime, durch Stoffe, die sich bei verdorbenen, verfaulten oder verschimmelten Produkten durch Keime auf oder im Lebensmittel bilden, und durch chemische Stoffe, die bei unsachgemäßer Behandlung als Rückstände oder Kontaminanten im Lebensmittel zu finden sind. Hinzu kommen Stoffe, die für bestimmte Verbrauchergruppen wie beispielsweise Allergiker eine gesundheitliche Gefahr darstellen, wenn sie nicht ausreichend gekennzeichnet sind.

Weitere Informationen:

Lebensmittelsystem

Ein Lebensmittelsystem umfasst alle Elemente (Umwelt, Menschen, Materialien, Prozesse, Infrastrukturen, Institutionen usw.) und Aktivitäten, die sich auf die Produktion (Landwirtschaft, Fischerei), die Verarbeitung, den Vertrieb, die Zubereitung und den Verzehr von Lebensmitteln beziehen, sowie die Ergebnisse dieser Aktivitäten, einschließlich der sozioökonomischen und ökologischen Ergebnisse. (FAO 2019)

Eine ganzheitliche Betrachtung von Lebensmittelsystemen fördert nachhaltigere Produktionsweisen, aber auch Verbrauchermuster. Um nicht nachhaltigen Verbrauch zu bekämpfen, müssen das gesamte Ressourcensystem einschließlich der Fertigungsmethoden, des Nachfrageverhaltens und der Lieferketten betrachtet werden. Nachhaltige Ernährungsgewohnheiten generieren sich aus nachhaltigen Lebensmittelsystemen. Das heißt: Für Verbraucherinnen und Verbraucher muss es möglich sein, auf sichere und sozial nachhaltig produzierte Lebensmittel einfach zugreifen zu können.

Mit der am 20. Mai 2020 vorgestellten Strategie "Vom Hof auf den Tisch" will die Europäische Kommission ein nachhaltiges EU-Lebensmittelsystem schaffen, das die Ernährungssicherheit gewährleistet, die Gesundheit und Lebensqualität verbessert und die Umwelt schützt.

Weitere Informationen:

Lebensmittelwirtschaft

Auch Ernährungswirtschaft; Wirtschaftszweig, der die Wirtschaftsbereiche umfasst, die sich mit der gewerblichen Produktion, Verarbeitung und Handel von Lebensmitteln bzw. Nahrungsmitteln befassen. Die Lebensmittelwirtschaft ist Bestandteil des Agribusiness, das umfassend als Agrar- und Ernährungswirtschaft betrachtet wird. Je nach Wirtschaftsregion und Epoche weichen die Definitionen stark voneinander ab.

Lebensmitteleinzelhandel

Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) in Deutschland ist der größte Absatzkanal für die deutschen Lebensmittelhersteller. Er erzielte 2018 einen Umsatz einschließlich Non Food von 248,0 Milliarden Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr 2,8 Prozent mehr. Der darin enthaltene Food-Bereich stieg um 2,5 Prozent auf 205,7 Milliarden Euro. Die Unternehmenskonzentration ist hoch, die fünf größten Unternehmen – Edeka, Rewe, Schwarz-Gruppe, Aldi und Metro – vereinen dabei gut 75 Prozent Marktanteil auf sich. Ihnen gegenüber stehen über 6.100 überwiegend kleine und mittelständische Lebensmittelhersteller. Durch diese ungleich verteilten Verhandlungspositionen entstehen unter den Lebensmittelherstellern ein harter Qualitäts- und Preiswettbewerb und damit ein intensiver Wettbewerb um die Listenplätze der Handelsunternehmen. (DBV)

(s. a. Wertschöpfungskette)

Weitere Informationen:

Leguminosen

Die Leguminosen, auch Hülsenfrüchtler (Fabaceae oder Leguminosae) genannt, sind eine der artenreichsten Pflanzenfamilien und gehören zur Ordnung der Schmetterlingsblütenartigen (Fabales). Die Pflanzenfamilie der Leguminosen umfasst drei Unterfamilien, die oft auch als eigene Familien behandelt werden, sowie insgesamt etwa 730 Gattungen und fast 20.000 Arten.

Die meisten Leguminosen leben mit Knöllchenbakterien, die sich an den Wurzeln dieser Pflanzen ansiedeln, in Symbiose (Lebensgemeinschaft). Die Knöllchenbakterien sind in der Lage, den Stickstoff aus der Bodenluft aufzunehmen. Sie machen sich dadurch unabhängig vom Nitratgehalt des Bodens und geben ihn zum Teil an die Wirtspflanze weiter und bauen mit ihm zum anderen Teil ihr eigenes Zelleiweiß auf. Nach der Verwesung dieser Pflanzen wird der Stickstoff für die nachfolgenden Pflanzen verfügbar. Auf diese Weise haben Leguminosen eine besonders gute Vorfruchtwirkung, weshalb sie in der Landwirtschaft gerne zur Gründüngung angebaut werden. Zu ihnen zählen u. a. alle Erbsen-, Bohnen-, Wicken-, Lupinen- und Kleearten. Erbsen und Bohnen spielen auch in der menschlichen Ernährung eine Rolle.

Ab etwa 8000 v. Chr. ist der Anbau von Leguminosen (hier Erbsen) durch archäologische Funde belegt. Aus Jericho stammen die ältesten Funde. In das westliche Mittelmeergebiet drangen Leguminosen erst später vor, in Spanien beispielsweise erst ca. 2200 v. Chr.

Aufgrund ihres hohen Eiweißgehaltes und der großen Erträge auf kleinen Flächen sind Früchte und Samen der Hülsenfrüchtler fast weltweit ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Ernährung. Insbesondere bei fleischarmer oder vegetarischer Kost sind sie fast unverzichtbar. Beispiele sind etwa Erbsen, Kichererbsen, Bohnen, Azukibohnen, Limabohnen und Linsen, die zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) gehören. Einige Hülsenfrüchte können auch roh gegessen werden (z.B. Zuckererbsen).

(s. a. Gründüngung, Zwischenfrüchte)

Weitere Informationen:

Lehm

Lehm ist eine Bodenartenhauptgruppe mit Unterteilung in Sandlehme, Normallehme und Tonlehme; stellt ein Dreikorngemisch dar, in dem alle drei Hauptfraktionen des Feinbodens (Sand, Schluff und Ton) relativ gleichmäßig vertreten sind.

Lehmböden haben einen ausreichenden Kolloidgehalt für die Sorption von Nährstoffen und Wasser. Das günstige Verhältnis von Grob- Mittel- und Feinporen gewährleistet eine gute Wasser- und Sauerstoffversorgung der Pflanzen. Lehmböden sind gut durchwurzelbar und zu bearbeiten.

Lein (Flachs)

Der Lein, häufig auch Gemeiner Lein (Linum usitatissimum), Saat-Lein oder Flachs genannt, ist eine krautige Kulturpflanze zur Gewinnung von Fasern, Öl und Ölschrot. Sie ist eine Art aus der Gattung Lein (Linum) in der Familie der Leingewächse (Linaceae) und die einzige Lein-Art, deren Anbau eine wirtschaftliche Bedeutung hat. Die lateinische Beifügung usitatissimum bedeutet 'meist verwendet' und bezieht sich auf die vielfältige Verwendbarkeit. „Flachs“ leitet sich von „flechten“ ab und bezieht sich auf die Verarbeitung.

Lein zählt zu den ältesten Kulturpflanzen. Leintuche sind bereits im alten Ägypten u. a. für Mumien verwendet worden. Die ältesten Funde stammen aus dem Beginn des 4 Jahrtausends v. Chr. Noch davor datiert sind Funde von Leinsamen aus der Türkei um das 7. Jahrtausend v. Chr. Nach Mitteleuropa kam der Lein mit der ackerbäuerlichen Bandkeramikkultur in der Jungsteinzeit.

Lein stellt keine besonderen Ansprüche an die Böden, nur eine ausreichende Wasserversorgung sollte gesichert sein.

Lein (Linum) lässt sich industriell fast vollständig verwerten. Die zwei Hauptprodukte sind noch heute Fasern und Öl. Die Langfasern können für hochwertige Textilien (Kleidung), die Kurzfasern für den textilen und für den technischen Bereich (Asbestersatz, Geotextilien, Dämmstoffe) genutzt werden.

Das Leinöl wird vor allem als Speiseöl verwendet und in der Industrie für Linoleum, Lacke, Farben, Firnisse, Kosmetika und Pflegemitteln. Die Samen werden sowohl für die menschliche als auch für die Tierernährung genutzt. Ganze oder gequetschte Leinsamen dienen als Quell- und Gleitmittel bei chronischer Darmträgheit und Reizdarm. Ebenso helfen sie bei krampfartigem Dickdarm und bei Divertikelentzündung.

Auch für Naturfarben, Lacke, Firnisse, Seifen, Linoleum und für Weichmacher in Kunststoffolien kann Faserlein als nachwachsender Rohstoff dienen. Der beim Ölpressen anfallende Ölkuchen ist ein wertvolles eiweißhaltiges Viehfutter. Innerhalb der EU wird der Anbau von Faserlein gefördert, da sich verstärkte Absatzchancen bemerkbar machen.

Lein ist besonders für den Anbau in Wasserschutzgebieten geeignet, da er einen geringen Nährstoffbedarf hat, nitratunverträglich (Gülleausbringung ist unmöglich) ist, sowie selbstunverträglich (kann nicht jährlich angebaut werden und verhindert somit Monokulturen).

Europa ist die Wiege des Flachsanbaus, die Nutzung der Faser hat hier ihre Wurzeln. Zwei Drittel der gesamten Flachsproduktion finden nach wie vor in europäischen Ländern (Schwerpunkt Fasergewinnung) auf rund 100.000 Hektar statt. Der europäische Flachsanbau ist der produktivste weltweit: auf einem Hektar Boden kann Flachs für rund 20.000 km Garn oder 4.000 m² Stoff produziert werden.

(s. a. Flachs)

Weitere Informationen:

Leitbild

Die normative Beschreibung eines - mehr oder weniger - widerspruchsfrei anzustrebenden Zustands, hier der Agrarpolitik bzw. der Agrarstruktur. Agrare Leitbilder enthalten langfristige, potentiell wünschbare und grundsätzlich realisierbare räumliche, ökologische wie auch sozio-ökonomische Entwicklungen und Strukturen. Die sich in Leitbildern ausdrückenden agrarpolitischen Ziele sind ihrerseits Bestandteile gesamtwirtschaftlicher Ziele. Dem übergeordneten gesellschaftlichen Ziel Maximierung der gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt entsprechend steht das Ziel einer effizienten Agrarproduktion unter Einbeziehung ihrer externen Effekte im Vordergrund.

Leitbilder können beispielsweise sein die konventionell-moderne Landwirtschaft mit einer Trennung von Flächenbewirtschaftung und Viehhaltung oder die kreislauforientierte regionale Landwirtschaft. Zu Zeiten der deutschen Teilung standen sich das Leitbild des bäuerlichen Familienbetriebes in der Bundesrepublik und der spezialisierte, genossenschaftliche Großbetrieb mit industriemäßiger Produktion in der DDR gegenüber. Nach der Wiedervereinigung wird im Agrarbericht der Bundesregierung zwar nur noch eine bäuerliche Landwirtschaft angestrebt und eingeräumt, daß eine leistungs- und wettbewerbsfähige, marktorientierte und umweltverträgliche Landwirtschaft, die sich in vielfältigen Rechts- und Unternehmensformen organisieren kann, am ehesten wettbewerbsfähig ist. Inzwischen gibt es aber von westdeutschen Bundesländern - insbesondere von Bayern und Nordrhein-Westfalen - Bestrebungen, diese Entwicklungen umzukehren und die Agrarpolitik wieder allein am Leitbild des Familienbetriebes bzw. einer bäuerlich strukturierten Landwirtschaft auszurichten.

Weitere Informationen:

Leitkultur

Kulturpflanze, die mit ihrem dominierenden Anbau betriebsbestimmend ist.

(s. a. Begleitkultur)

Lesestein

Vom Menschen aus Äckern zusammengetragene (aufgelesene) Steine bis Blöcke, die keine Verbindung mehr zum Herkunftsplatz haben. Lesesteine bilden oft eigene, anthropogene Formen als Ackerraine oder Ackerterrassen. Weitere Formen sind Lesesteinriegel (Lesesteinrücken) und Lesesteinhaufen.

Lesesteinhaufen

Lesesteinhaufen wurden aus Lesesteinen aufgeschichtet, die bei der Bestellung der landwirtschaftlichen Nutzflächen störten, besonders durch Pflügen an die Oberfläche wanderten und daher von Hand abgesammelt (gelesen) wurden. Diese Ablagerungen wurden bisweilen über Generationen hinweg platzsparend an den Rändern der Äcker, Wiesen und Wälder abgelegt und zugleich als Begrenzung der Flächen genutzt.

Linienhaft aufgestapelt ergeben sich Lesesteinriegel. In manchen Regionen wird dabei von „Steinrücken“ gesprochen, die zum Teil bewachsen sein können und eine Flora beherbergen, die an das Kleinklima dieser trockenwarmen, gehölzarmen Standorte angepasst ist.

Die Gletscher der verschiedenen Kaltzeiten, z. B. der Elster-, Saale- und Weichseleiszeit, sorgten für den Transport von Gesteinsfragmenten unterschiedlicher Größenordnung über weite Distanzen. Das Abschmelzen der Gletscher in den Warmzeiten lagerte das Geschiebe in großen Mengen ab, von Feldsteinen, die oft auch als Baumaterial genutzt wurden, bis zu Findlingen mit mehr als einem Kubikmeter Rauminhalt. In Regionen, die nicht von Gletschern der Eiszeiten bedeckt waren, sind die Lesesteine Verwitterungsprodukte des anstehenden Gesteins.

Als wertvolles Biotop werden Lesesteinhaufen heute zunehmend geschützt. Im Biotopverbund mit einer Hecke wird ein räumlicher Kontakt zu weiteren Arten hergestellt und die wertvolle ökologische Wirkung noch verstärkt. Um eine Überwucherung zu verhindern, sollten sie nicht höher als einen Meter aufgeschichtet und mit kleineren Steinen abgeschlossen werden.

Lesesteinhecke

Heckentyp auf Lesesteinablagen. Kennzeichnend für Lesesteinhecken in Riegelform ist z. B. in Ostmecklenburg und in Vorpommern ein mindestens 0,5 m hoher und meist 1 - 2 m breiter Wall aus aufgeschichteten größeren Lesesteinen, auf dem Gehölze stocken. Zumeist entstehen diese Hecken ohne Anpflanzung. Soweit bekannt, erfolgte in diesen Gebieten keine oder nur eine sporadische Pflege dieser an mächtigen Weißdornen und anderen Rosengewächsen reichen Feldhecken. Verbreitungsschwerpunkt sind das Rückland der dortigen Seenplatte und insbesondere die Randlagen der Flusstäler. Zumeist wurden die Lesesteinriegel an Acker-Grünland-Grenzen oder entlang von Höhenlinien aufgeschichtet.

Die Steinablagen werden besonders gerne von wechselwarmen Tieren und Insekten aufgesucht.

Weißdorn, Schlehe, Roter Hartriegel, Wildrose - die Sträucher, die heute z. B. in Oberfranken Hecken bilden, wuchsen einst, als Deutschland noch Germanien hieß und ein Waldland war, nur auf Lichtungen oder säumten die wenigen Waldränder, wie es sie beispielsweise an Seen oder Flüssen gab. Erst mit dem Beginn des Ackerbaues und vor allem seit der Rodung der Urwälder im Mittelalter, taten sich ihnen neue Lebensräume auf: dort, wo die Bauern am Rande ihrer Felder die Steine ablegten, fanden lichtliebende Sträucher besonders geeignete Biotope.

Weitere Informationen:

Lesesteinriegel

Lesesteinriegel, oft auch nur "Steinriegel", entstehen durch das Ablegen von Feldsteinen auf Rainen, die regelmäßig im Frühjahr von den Feldern gesammelt werden. Im Unterschied zu den punktuellen Lesesteinhaufen haben sie einen linienhaften Charakter.

In manchen Regionen wird dabei von „Steinrücken“ gesprochen, die zum Teil bewachsen sein können und eine Flora beherbergen, die an das Kleinklima dieser trockenwarmen, gehölzarmen Standorte angepasst ist.

In Süddeutschland prägen sie das Bild zahlreicher Weinlagen. Je nach Region werden sie auch Steinrasseln, Steinrutschen, Rollmauern oder Karmauern genannt.

Ab dem Spätmittelalter wurde in Deutschland auch auf ungünstigeren Lagen vermehrt Wein angebaut. Dies war nur möglich, wenn die Weinberge (häufig flachgründige Muschelkalkböden) stets gehackt wurden. Größere Steine, die durch Bodenerosion und Frosthebung aus dem Boden traten, wurden häufig in der Falllinie der Hänge entlang der Eigentumsgrenzen aufgehäuft. Dies ist ein möglicher Grund dafür, dass die „Wengerter“ die Wälle in dieser Form anlegten und nicht in Form quer zum Hang verlaufender Terrassen, wie im Steillagenweinbau sonst üblich. Die oft mehrere Meter breiten Ansammlungen hatten den Nebeneffekt, sich tagsüber aufzuheizen und die Wärme nachts wieder abzugeben. Gelegentlich finden sich Steinwälle von ca. 1 m Höhe im rechten Winkel zu den Steinriegeln und parallel zur Hangkante verlaufend. Diese dienten als Barrieren gegen die kalte Luft von den Hochebenen, die durch ihre höhere Dichte in die Täler fließt.

Die Einschleppung der Reblaus im 19. Jahrhundert führte zu einem Rückgang des Weinbaus und zu einer Verringerung der Rebfläche. Durch Abtrag und Nutzung der Steine, die Bebauung von Hanglagen mit Wohngebäuden sowie die Flurbereinigungen verschwanden in der Folge vielerorts die Steinriegel. Wo dies nicht der Fall ist, sind die Steinriegel oft überwachsen, konservieren aber das nutzungshistorisch bedeutsame Geländerelief. Der Boden unter den Steinriegel ist kaum von Erosion betroffen und gibt somit einen Hinweis auf die ursprüngliche Erdoberfläche zu Beginn der Weinbauzeit.

Solange kein Erdreich oder Laub abgelagert wird und keine starke Beschattung durch Gehölze stattfindet, sind Steinhaufen und Steinriegel kleinklimatische Sonderstandorte, die sich auch bei geringer Sonneneinstrahlung rasch erwärmen. Damit können trockenheits- und wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten in Regionen leben, die sonst für sie klimatisch nicht besonders günstig sind. 

Lessivierung

Auch Tonverlagerung; die Verlagerung von feinsten Tonmineralteilchen (< 0,002 mm) mit dem Sickerwasser vom Ober- in den Unterboden. Von der Lessivierung sind auch Oxide und Hydroxide des Fe, Al und Mn sowie primäre Silikate.

Der Vorgang setzt ein, wenn der pH-Wert des Bodens unter 6,5 sinkt. In einer tieferen Schicht werden die Tonpartikel wieder fixiert, so dass es in diesem Horizont zu einer Anreicherung von Ton kommt.

Lessivierung tritt vornehmlich auf in mäßig warmen, humiden Klimaten mit kalkhaltigen, durchlässigen Lockersedimenten.

Levada

Bezeichnung für künstliche Wasserläufe auf der portugiesischen Insel Madeira, mit denen Wasser aus den niederschlagsreicheren Gebieten im Norden und im Zentrum der Insel zu den landwirtschaftlichen Anbaugebieten im Süden geleitet wird. Da hierbei zum Teil große Strecken überwunden werden müssen, verläuft ein Großteil der Levadas mit nur sehr geringem Gefälle. Dafür überwinden diese Wasserwege Täler und Berge, durchqueren Tunnels, kreuzen natürliche Wasserläufe und führen auch über Brücken. Im 19. Jahrhundert hatte das riesige, wasserbaulich ausgeklügelte Bewässerungssystem der Levadas smit insgesamt mehreren tausend Kilometern an Wasserkanälen eine größte Ausdehnung erreicht.

Auf der seit 1419 von den Portugiesen besiedelten Insel wurde bereits 1432 Zuckerrohr angebaut. Diese wärmeliebende Kultupflanze besitzt einen hohen Wasserbedarf für Wachstum und Verarbeitung. Die Idee zur Bewässerung soll von maurischen und orientalischen Sklaven eingebracht worden sein. Über Jahrhunderte blieb Zucker ein zentrales Exportprodukt der Insel. Bereits vor und um 1500 wurde mit der Kultivierung von Bananen und Reben begonnen.

Heute werden die Levadas außer zum Transport des Wassers vor allem touristisch genutzt. Auf den neben dem Wasser verlaufenden Pfaden sind an vielen Orten Wanderwege ausgeschildert. Auch werden drei Elektrizitätswerke mit dem Wasser von Levadas betrieben, bevor das Wasser dem eigentlichen Zweck der Bewässerung zugeführt wird.

Ley-Farming

Intensivform der Feldgraswirtschaft, die vornehmlich im sommerkühlen Meeresklima Großbritanniens verbreitet ist. Mögliche Fruchtfolge: 1. - 3. Jahr ley (Grasland mit Kleegrasmischung), 4. Jahr Weizen, 5. Jahr Sommergerste, 6. Jahr Hackfrüchte, 7. Jahr Sommergerste, 8. - 10. Jahr ley.

LF

Siehe landwirtschaftlich genutzte Fläche

Lieferkette

Die bei der Herstellung und Distribution von Produkten entstehende mehrstufige oder verzweigte Kette von Akteuren, die von der ersten Wertschöpfungsstufe bis hin zum Endprodukt Leistungen oder Produkte erbringen. Ziel der Betrachtung von Lieferketten ist die logistische Optimierung von Material- und Informationsflüssen entlang der Lieferkette.

Ein großer Teil der globalen Produktion und damit auch der Lieferketten wird durch multi- bzw. transnationale Konzerne intern kontrolliert, aber es gibt auch wichtige andere Akteure innerhalb der Lieferketten, sodass globaler Wettbewerb nicht nur zwischen Unternehmen, sondern auch zwischen Lieferketten besteht, auch im Nahrungssektor.

Abzugrenzen ist die Lieferkette von der Wertschöpfungskette und der Transportkette.

Der Begriff „Lieferkette“ wird z. T. als irreführend gesehen: Einerseits decke eine Lieferkette nicht nur die Lieferantenseite ab, sondern auch die Kundenseite und führe somit vom Rohstofflieferanten bis zum Endkunden. Andererseits handele es sich bei ihr nicht um eine „Kette“, sondern vielmehr um ein „Netzwerk“, in dem die Mitglieder der Lieferkette über vor- und nachgelagerte Verbindungen an den verschiedenen Prozessen und Tätigkeiten der Wertschöpfung in Form von Produkten und Dienstleistungen für den Endkunden beteiligt sind.

(s. a. Agribusiness)

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Lieferkettengesetz

Ein Lieferkettengesetz soll Unternehmen verpflichten oder in Haftung nehmen, die im Ausland beschafften Vorleistungsgüter oder Fertigerzeugnisse in allen Phasen ihrer Lieferkette auf etwaige umweltschädigende oder gegen die Arbeitsbedingungen verstoßende Produktionsverfahren zurückzuverfolgen.

Im globalisierten Handel verletzen Unternehmen im Zuge der weltweiten Wertschöpfungs- und Lieferketten häufig grundlegende Menschenrechte und schädigen die Umwelt. Bisher wird dies billigend in Kauf genommen, weswegen die Unternehmen von den Betroffenen für Schäden nicht belangt werden können.

In Deutschland schafft die Bundesregierung mit dem Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) die Grundlage, um die Leitprinzipien der Vereinten Nationen (VN) für Wirtschaft und Menschenrechte von 2011 umzusetzen. Ziel ist, die menschenrechtliche Lage entlang der Liefer- und Wertschöpfungsketten in Deutschland und weltweit zu verbessern. Durch verlässliche Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen möchte die Bundesregierung zudem auf faire globale Wettbewerbsbedingungen hinwirken.

Der NAP wurde von der Bundesregierung unter Einbindung von Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft entwickelt und am 21. Dezember 2016 im Bundeskabinett verabschiedet. Die Bundesregierung ist damit der Aufforderung der EU-Kommission an alle Mitgliedsstaaten nachgekommen, Nationale Aktionspläne zur Umsetzung der VN-Leitprinzipien zu erarbeiten.

Nach zwei enttäuschend verlaufenen Ergebnissen von Unternehmensbefragungen sieht die Bundesregierung (2020) die Notwendigkeit zu einem gesetzlichen Rahmen, zur Verwirklichung von Menschenrechtsstandards, die entlang der Lieferketten Kinderarbeit ausschließen und grundlegende ökologische und soziale Mindeststandards sichern, so wie im Koalitionsvertrag festgelegt.

Die EU-Kommission plant darüber hinaus eine Gesetzesinitiative für 2021. Ein nationales Umsetzungsgesetz wird Deutschland dann in jedem Fall brauchen.

Befürworter eines Lieferkettengesetzes verlangen, dass ein solches Gesetz Unternehmen dazu verpflichtet, eine Risikoanalyse durchzuführen, um die Auswirkungen seiner Geschäftstätigkeiten auf Menschenrechte, Belange von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen und die Umwelt zu ermitteln. Auf Grundlage der Risikoanalyse müssen die Unternehmen geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen ergreifen sowie bestehende Verletzungen beenden. Zudem müssen sie einen Beschwerdemechanismus für Betroffene einrichten. Ein wirksames Lieferkettengesetz umfasst dabei die gesamte Wertschöpfungskette, angefangen von der Rohstoffgewinnung, über Produktexporte, Investitionen bis hin zur Abfallentsorgung.

Das Lieferkettengesetz muss Unternehmen zudem zu Transparenz und Berichterstattung verpflichten. Konkret bedeutet das, dass Unternehmen die Einhaltung der Sorgfaltspflichten dokumentieren und öffentlich darüber Bericht erstatten müssen. Die Missachtung von Sorgfaltspflichten sollte dabei an Konsequenzen wie Bußgelder, den Ausschluss von öffentlichen Aufträgen und von der Außenwirtschaftsförderung geknüpft sein.

Zu guter Letzt müssen Betroffene in ihren Rechten gestärkt werden und Schadensersatzklagen gegen mitverantwortliche Unternehmen vor deutschen Gerichten führen können. Das Lieferkettengesetz muss eine Haftung vorsehen, wenn ein Unternehmen keine angemessenen Sorgfaltsmaßnahmen ergriffen hat, um einen vorhersehbaren und vermeidbaren Schaden zu verhindern. Das gilt auch für Menschenrechtsverletzungen in Lieferketten oder Tochterunternehmen des Unternehmens.

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Lignin

Bei Ligninen handelt es sich um feste Stoffe, die in die pflanzliche Zellwand eingelagert werden. Dadurch bewirken sie die Verholzung der Zelle. Etwa 20 % bis 30 % der Trockenmasse verholzter Pflanzen bestehen aus Ligninen. Somit sind sie neben der Cellulose und dem Chitin die häufigsten organischen Verbindungen der Erde.
Da Lignine wesentlich für die Festigkeit von pflanzlichen Geweben sind, ist die Evolution der landlebenden Pflanzen und vor allem der Bäume sehr eng mit der Bildung von Lignin verknüpft.

Limnotherm

RWE-Projekt einer Warmwasserfischzucht mit kontrolliertem Kreislaufkühlwasser thermischer Kraftwerke mit Nasskühltürmen. Die Aquakultur-Anlage beim Braunkohle-KW Niederaußem nutzt vor allem die hohe Wasserqualität des aus Tiefbrunnen gewonnenen Kühlwassers (Schadstofffreiheit, hoher Sauerstoffgehalt). Die ganzjährig erzielbaren Temperaturen von 22 bis 26 °C bieten optimale Wachstumsbedingungen für viele Fischarten. Produktionsziele sind Speisefische und vor allem Besatzfische für andere Gewässer.

(s. a. Hortitherm, Agrotherm, Teichwirtschaft)

Linsen

Pflanzenart aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae oder Leguminosae) mit 6 im Mittelmeerraum, Vorderasien und Afrika heimischen Arten. Sie stammt wahrscheinlich von der wilden Lens orientalis ab. Die aus dem Orient stammende Speise-Linse (Lens culinaris) ist ein einjähriges, buschig verzweigtes Kraut mit kleinen, etwas geblähten Hülsen, die ein bis drei  flache, runde Samen mit ca. 23,5 % Proteingehalt. Die Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von 10 bis 50 cm.

In warmen Gegenden wird die Linse wegen ihres hohen Nährwerts schon seit der Steinzeit kultiviert. Abhängig von der Kultursorte sind Größe (3-9 mm) und Farbe (braun, olivgrün, orange) der Samen recht unterschiedlich. Verzehrt werden ausschließlich die Samen.

Anbau

Linsen werden vor allem in Spanien, Russland, Chile, Argentinien, den USA, Kanada und Vorderasien angebaut. Allein in Indien sind über 50 Sorten verbreitet. In Deutschland werden sie in kleinen Mengen auf der Schwäbischen Alb, in Hessen und in Niederbayern kultiviert. Vor allem die kargen Böden der Schwäbischen Alb eignen sich für den Anbau der anspruchslosen Linse.

Besonders Tonarme Böden, Geröllböden und kalkreichen Böden (Kalkmergel, Kalkschotter, kalkreicher Sand) sind ideale Standorte zum Anbau der trockentoleranten Kultur. Wichtig für einen erfolgreichen Linsenanbau ist die Niederschlagsverteilung während der Vegetationsdauer. Zu viel Regen, vor allem zur Blüte und zur Erntezeit sind kritisch.

Angebaut werden Linsen zumeist als Mischkultur gemeinsam mit Getreide (z. B. mit Hafer oder Gerste), das die nötige Rankhilfe darstellt. Aber auch Leindotter hat sich als Stützfrucht bewährt. Geerntet wird beides gemeinsam mit einem Mähdrescher. Das Erntegut besteht aus einer Mischung von Getreidekörnern und Linsen, die in einem technisch aufwendigen Verfahren getrennt werden müssen. Kleine Fragmente oder Anhaftungen aus dem Getreide können dabei zurückbleiben, darum sind Linsen nicht immer 100 % glutenfrei. Linsen können als Leguminosen auch auf schlechten Böden (Grenzertragsböden) und unter ungünstigem Klima angebaut werden, die Ernteerträge sind aber insgesamt zu gering und gleichzeitig ist der technische Aufwand zu hoch, als dass sie in Deutschland im großen Stil zu konkurrenzfähigen Preisen angebaut werden könnten. Daher geschieht der Linsenanbau in Deutschland fast ausschließlich im Ökolandbau, wo die Linsen als Leguminosen Fruchtfolgen erweitern. Die Erträge schwanken je nach Witterung und Anbaubedingungen zwischen 200 und 1000 kg pro Hektar.

Seit einigen Jahren stellt sich die Frage, wie der weltweit steigende Bedarf an Linsen gedeckt werden kann. Denn die meisten Samen wachsen nicht in den bevölkerunsgreichen Regionen, wo sie am nötigsten gebraucht werden, sondern in Ländern mit industrieller Produktion. In Kanada etwa wird die Pflanze kaum gegessen, doch mehr als die Hälfte aller Linsen, die weltweit gehandelt werden, stammen aus der Provinz Saskatchewan. An der örtlichen Universität gibt es sogar einen eigenen Lehrstuhl für Linsen. Die gigantische Menge von 3,2 Millionen Tonnen wird durch den gezielten Einsatz von Chemikalien gewonnen, die für sogenannte „Clear Fields“ sorgen: Auf diesen Feldern werden großflächig Vernichtungsmittel eingesetzt, die Unkraut und Schädlige abtöten, den Linsen aber nicht schaden sollen. Die Kleinbauern in ärmeren Regionen versuchen es zwar mit ökologischen Gegenentwürfen, gründen Biofarmen. Doch sie können die derzeitige Nachfrage nicht bedienen, geschweige denn eine steigende. Die Versorgungslücke in Ländern, die auf Linsen als kostbare Proteinquelle angewiesen sind, vergrößert sich dadurch stetig.

Wirtschaftliche Bedeutung

Im Jahr 2016 wurden weltweit 7,6 Millionen Tonnen Linsen geerntet. Die zehn größten Produzenten ernteten gemeinsam 92,9 % der Welterntemenge.

Verwendung

In Deutschland werden Linsen oft mit Suppengrün und Mettwurst zu einer Suppe verkocht. Dabei wird regional auch etwas Essig zugegeben, was den Schaum beim Kochen mindert und angeblich die Verdaulichkeit verbessert. „Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle“ ist eine Spezialität in der Region Schwaben.
Linsen sind leichter verdaulich als Erbsen oder Bohnen und haben einen hohen Eiweißanteil von 25 bis 30 % in der Trockenmasse, wodurch sie besonders bei zeitweiligem Fasten oder dauerhaft vegetarischer Ernährung ein wertvolles und zugleich preiswertes Nahrungsmittel darstellen. Bemerkenswert ist ebenso ihr hoher Gehalt an Zink, welches eine zentrale Rolle im Stoffwechsel spielt. Da sie kleiner sind als andere Hülsenfrüchte, brauchen sie auch weniger Einweich- und Kochzeit.

Weitere Informationen:

LN

Siehe landwirtschaftliche Nutzfläche

Lohnmast

Auftragsverhältnis zwischen agrarindustriellen Unternehmen und unabhängigen Landwirten zur Aufzucht von Jungtieren zur Schlachtreife. Der Landwirt bezieht dabei frischgeborene Tiere (Kälber, Schweine, Geflügel), häufig auch das Futter und veterinärmedizinische Betreuung vom Großunternehmer, der die Tiere am Ende der Mastzeit zurückkauft. Lohnmast bietet einerseits dem Landwirt die Möglichkeit, seinen möglicherweise existenzgefährdeten Betrieb zu erhalten, andererseits erspart sie dem agrarindustriellen Unternehmen Investitionen für Stallanlagen, Ausgaben für Sozialleistungen sowie mögliche Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften. Ferner spielt bei der Bereitschaft zu dieser Form von überbetrieblicher Zusammenarbeit die Begrenzung der steuerlichen Vergünstigungen des § 24a UStG auf Tierhaltungen bis zu 330 VE eine Rolle.

(s. a. Fremdtierhaltung)

Lohnunternehmer

Die landwirtschaftlichen Lohnunternehmer sind gewerbliche landtechnische Dienstleistungsbetriebe im ländlichen Raum. Sie stehen mit einem vielseitigen Maschinenpark von Groß- und Spezialmaschinen und geschulter Fachbedienung den Betrieben der Land- und Forstwirtschaft sowie für kommunale Aufgaben im ländlichen Raum zur Verfügung. Dabei ersparen sich Landwirtschaft und Behörden erhebliche Investitionen für Spezialmaschinen, deren Auslastung im Betrieb nicht erreicht werden kann. Forstarbeiten, Grünflächen- und Gewässerpflege, Wege- und Straßenunterhaltung sowie Pflegearbeiten in der Landschaft werden angeboten. Daneben gibt es Maschinenringe.

lokales Ressourcenmanagement

Abk. LRM; interdisziplinäres Arbeitsgebiet, in welchem traditionelle Methoden der Feld- und Laborbodenkunde mit modernen Verfahren und Techniken der Geostatistik, der Informationsverarbeitung und der Satellitenortung kombiniert und für praktische Anwendungen zu Standortbewertung, Produktionsmitteleinsatz und Bodenschutz mit dem Ziel einer nachhaltigen Landwirtschaft nutzbar gemacht werden. Das Attribut 'lokal' steht dabei für den räumlichen Bezug, der Begriff 'Ressourcen' unterstreicht den schutzwürdigen Charakter der die Bodenfruchtbarkeit bestimmenden Merkmale und 'Management' den ökonomisch und ökologisch vertretbaren Umgang mit dem Produktionsfaktor Boden und mit Betriebsmitteln als Ziel verantwortlichen Handelns. Als neues und zukunftsweisendes Konzept des Agrar-Managements, das in den Technologien des Precision Farming seine praktische Umsetzung findet, erlaubt LRM beispielsweise die kleinräumig angepasste Düngerapplikation, die einer umweltbeeinträchtigenden und gewinnschmälernden Überversorgung entgegenwirkt.

Lokalrasse

Eine durch allmähliche Anpassung an jeweilige Umwelt- und Haltungsbedingungen entstandene regionale Nutztierrasse.

(s. a. Landsorte)

Lokator

Im Rahmen der Ostkolonisation von der Landesherrschaft (Deutscher Orden oder Landesfürst) beauftragter Organisator von örtlichen, manchmal von kleinregionalen Siedlungen. Die meist adeligen Lokatoren erhielten dazu eine mehr oder weniger große Fläche zugewiesen und waren verpflichtet, hierauf eine bestimmte Dorf- und Bauernhofzahl einzurichten bzw. durch die Siedler einrichten zu lassen. Vorgeschrieben war auch die Fläche der Hufen, d.h. die Fläche je Hof. Dabei wurde meistens von der fränkischen Hufe mit 24 ha oder von zwei flämischen Hufen mit zusammen etwas mehr als 32 ha ausgegangen. Der Lokator, der selbst nicht Grundherr war, durfte sich die doppelte Fläche eines Bauernhofes oder im Einzelfall noch mehr reservieren.

Lomé-Abkommen

In Lomé, der Hauptstadt der westafrikanischen Republik Togo, ist erstmals 1975 ein Abkommen zur Entwicklungszusammenarbeit zwischen der EG und Ländern Afrikas, der Karibik und des Pazifiks (AKP-Staaten) unterzeichnet worden. Dieses erste Lomé-Abkommen hatte, wie seine Vorgänger und später seine Nachfolger Lomé II und Lomé III, eine Laufzeit von fünf Jahren.
Die Bestandteile des Lomé-I-Abkommens gingen über die früheren Abkommen hinaus. Als wichtigste Neuerung galt das System zur Stabilisierung der Ausfuhrerlöse (STABEX). Dieses sollte den Entwicklungsländern helfen, ihre Exporterlöse für eine Reihe von agrarischen Rohstoffen zu sichern. Weitere Elemente waren die Bereitstellung von Mitteln für regionale Projekte, die Förderung von kleinen Projekten und Kleinbetrieben sowie die Langzeithilfe für die ländliche Entwicklung.
Das Lomé-II-Abkommen fügte dem entwicklungspolitischen Instrumentarium eine weitere Neuerung zu: SYSMIN ("besondere Bergbau-Finanzierungsfazilität"). Analog zum STABEX-System für Agrarprodukte hatte SYSMIN die Aufgabe, die Rohstoffpreise für Erze aus den AKP-Staaten zu stabilisieren. STABEX und SYSMIN konnten jedoch den Preisverfall für Rohstoffe nicht aufhalten. Die daraus resultierende Verschuldungskrise drängte viele AKP-Staaten an den Rand des Überlebens.
Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen legte die Europäische Kommission für das Lomé-III-Abkommen ein neues Konzept vor. Die Schlüsselworte lauteten unter anderem entwicklungspolitischer Dialog sowie Förderung ausgewählter sektoraler Programme.
Das vierte Abkommen, das am 15. Dezember 1989 abgeschlossen wurde, hat eine Laufzeit von zehn Jahren bis zum 28. Februar 2000. In dem Vertragswerk gilt als Grundprinzip unter anderem die Anerkennung der Souveränität der AKP-Staaten und ihrer wirtschaftlichen und politischen Optionen. Ziel bleibt es „die wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklung der AKP-Staaten zu fördern und zu beschleunigen und die Beziehungen zwischen EG und AKP im Geiste der Solidarität im beiderseitigen Interesse auszubauen und zu diversifizieren“. Der Umweltschutz erhält künftig Priorität unter den Zielen des Abkommens, beispielsweise über ein Checklistenverfahren und Umweltverträglichkeitsprüfungen bei Projekten. Mehr Aufmerksamkeit wird dem Aufbau des Privatsektors geschenkt.

Die Effekte des Lomé-Abkommens werden z. T. sehr kritisch bewertet: So wurde u. a. kritisiert, dass sich zwischen der EG-Kommission und den Eliten in den AKP-Staaten geradezu Klientelstrukturen herausgebildet und die Eliten die Gelder aus Europa häufig zweckentfremdet hätten. Ein anderer Vorwurf lautete, dass das System von gesicherten Ausgleichszahlungen bei Preisschwankungen und Preisgarantien für Produkte (STABEX) dazu geführt habe, dass die AKP-Staaten nur unverarbeitete Güter (Agrarprodukte und -rohstoffe) exportiert und andere Produktionsgüter (z. B. Textil) vernachlässigt und damit ihre Abhängigkeit gefestigt hätten. Als widersprüchlich an der AKP-Zusammenarbeit wird auch kritisiert, dass den AKP-Staaten bei den Produkten, bei denen sie tatsächlich konkurrenzfähig sind (z. B. Bananen und Rindfleisch), der freie Zugang zum europ. Markt verwehrt wurde. Da die Bestimmungen des Lomé-Abkommens (v. a. das Präferenzsystem) mit den Prinzipien und Regelungen eines freien Welthandels, wie sie mit der 1993 gegründeten Welthandelsorganisation (WTO) beschlossen wurden, nicht in Einklang standen, wurde das Lomé-Abkommen 2000 durch das sog. Cotonou-Abkommen abgelöst.

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Löß

Auch Löss; flächenhaft abgelagertes äolisches Staubsediment von gelber bis gelbgrauer Farbe, dessen Kornstruktur durch Karbonat schwach verfestigt wurde. Löß wird durch den Wind aus Räumen geringer Vegetation und bedeutender mechanischer Verwitterung ausgeweht. Die in Mitteleuropa maximal mehrere Zehner von Metern mächtigen kaltzeitlichen Ablagerungen entstammen den Sandern, Schottern und den Frostschuttzonen des damaligen Periglazialraumes. Unter den rezenten Bedingungen semiarider Regionen, z.B. der Trockengebiete Chinas bilden sich Lößdecken weiterhin. Der aus den innerasiatischen Wüsten stammende Staub ließ mehrere hundert Meter mächtige Lockersedimente entstehen.

Löß ist sehr standfest; durch anthropogen-erosive Einflüsse werden Lößhohlwege (Kaiserstuhl) und Lößschluchten gebildet.

Fluviatile Erosions- und Sedimentationsvorgänge vermögen den Fluglöß (i.d.R. ungeschichtet) zu Schwemmlöß (geschichtet) umzulagern.
Unverwitterter Löß besteht im mitteleuropäischen Raum vorherrschend aus den Korngrößen Grob- und Mittelschluff (63 bis 6,3 µm), die bis über 80 Gewichtsprozente betragen können. Der Rest ist zum größeren Teil Ton, zu einem sehr geringen Anteil Sand. In den Körnungsanalysen sind meist nicht die karbonatischen Bestandteile berücksichtigt, die im Mittel um 15 Gewichtsprozent betragen. Der Mineralbestand hängt von dem des Auswehungsgebietes ab, setzt sich aber vorwiegend aus Quarz, Feldspat, Glimmern und Calcit zusammen. Unverwitterter Löß ist relativ unfruchtbar.
Kohlendioxidhaltige Sickerwässer lösen den Kalk und führen ihn in den Unterboden ab. Entkalkung und Tonmineralneubildung lassen den zu Rutschungen neigenden Lößlehm entstehen, dessen Mineralgehalt von den Pflanzenwurzeln aufgeschlossen werden kann.
Typische Böden aus Löß sind Schwarzerden (Chernozems) und bei zunehmender Humidität Parabraunerden (Luvisols). Diese lößbürtigen Böden gehören zu den wertvollsten Kulturböden der Erde.
In tieferen Teilen des Lößprofils wird der Kalk häufig in Konkretionen, den Lößkindel wieder ausgefällt.

Karte der Lössvorkommen in Europa
Einflussgrößen ländlicher Siedlungsformen

Quelle: UFZ 2007

In Europa zieht sich ein nördlicher Lößgürtel von Nordfrankreich über Belgien, den Nordsaum der deutschen Mittelgebirge nach Südpolen und in die Ukraine, um sich im Wolgagebiet bis auf 1.000 km Breite auszudehnen. Ein südlicher Gürtel geht mit weiten Ausstrahlungen nach Osten von der Oberrheinebene aus, setzt sich entlang der Donau nach Niederösterreich, Mähren, Ungarn und Rumänien fort und vereinigt sich am Schwarzen Meer mit dem nördlichen Lößgürtel. Schwerpunkte in Deutschland sind die Börden, die Senken des Niedersächsischen und Hessischen Berglandes im Leinetalgraben, die süddeutschen Gäulandschaften sowie der Raum des Rhein-, Donau- und Elbetales. Der Löß erreicht hier eine Mächtigkeit zwischen einigen Dezimetern und Dutzenden von Metern. Weitere großflächige Lößgebiete liegen in China, Argentinien und den Prärien der USA.

Löss ist das Ausgangssubstrat für die ackerbaulich günstigsten Böden weltweit. Lössböden sind sehr fruchtbar und in Mitteleuropa seit der Steinzeit besiedelt. Hier fanden vermutlich die ersten großflächigen Waldrodungen statt und Kultursteppen für eine ackerbauliche Nutzung sowie Weideland entstanden. Der Porenreichtum des Lösses, seine ausreichende Durchlüftung sowie seine guten Eigenschaften als Wasser- und Nährstoffspeicher erleichtern die Lössverwitterung und Bodenbildung.

Auf Löss entwickeln sich tiefgründige, leicht zu bearbeitende und enorm leistungsfähige Pararendzinen, Braunerden, Parabraunerden und Schwarzerden. Diese Böden sind für die Agrarwirtschaft besonders wichtig: Auf Lössböden wächst weltweit schätzungsweise etwa 80 Prozent des Getreides. In Deutschland werden sie auch zum Anbau von Zuckerrüben und Mais genutzt. In Gebieten höchster Fruchtbarkeit (Schwarzerdevorkommen) dominieren Weizen und Zuckerrüben, bei zusätzlicher Klimagunst und/oder Marktnähe entwickelten sich Sonderkulturen, so der Obst- und Gemüseanbau der Ville bei Köln/Bonn oder der Weinbau in SW-Deutschland (Rheingau, Rheinhessen, Pfalz, Kaiserstuhl). Darüber hinaus sind sie ertragsstarke Standorte für Wälder wie Flattergras-Buchenwälder auf Parabraunerden und Stieleichen-Hainbuchenwälder auf Pseudogleyen (Stauwasserböden).

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Lössböden

Lösse und Lössderivate können als Eltern einer ganzen Bodenfamilie verstanden werden, die im Laufe einiger Jahrtausende als Entwicklungsreihe aus Löss entsteht, deren einzelne Böden aber auch in Landschaften nebeneinander vorkommen können.

Eine typische Bodenentwicklungsreihe aus Löss im Verlauf von einigen tausend Jahren beinhaltet folgende Böden: Pararendzina  -> örtlich Schwarzerde (-> Braunerde) -> Parabraunerde -> Pseudogley (Stauwasserboden) sowie in Senken und Tallagen Kolluvisol und Gley (Grundwasserboden).

Lösse werden windsortiert und dabei weitgehend gleichkörnig abgelagert. Das bedeutet, dass eine Körnungsfraktion gegenüber anderen deutlich überwiegt. Im Löss ist das der Grobschluff mit Äquivalentdurchmessern zwischen 20 und 60 Mikrometern. Lösse und ihre Abkömmlinge, wie Lösslehm, Sandstreifenlöss und umgelagerte Lösse, sind meist locker gelagert. Wasser speichernde Mittelporen überwiegen. Kalk ist in der Bodenmatrix fein verteilt und die Verwitterung kann vergleichsweise rasch voranschreiten.

Der Lössboden ist steinfrei und porenreich. Der Raum zwischen den Schluff-Partikeln ist gerade so groß, dass der Lössboden das Wasser für Pflanzen nutzbar speichert und gleichzeitig gut leitet. Wasser kann darin wie in einem Filterpapier aufsteigen, wenn die Pflanzen dem Boden Wasser entziehen und die durchwurzelte Zone trockener ist als die wurzelfreie darunter. So wird Trockenstress der Pflanzen vermindert und der Ertrag gesteigert. Die wasserbedürftigsten Kulturpflanzen, wie die Zuckerrübe, werden daher bevorzugt auf einem Lössboden angebaut.
Auch die auf Löss selten vorkommenden Waldbestände profitieren von der guten Wasserversorgung. Der Lössboden speichert neben Wasser auch Nähr- und Schadstoffe. Diese können sich gut an der großen Oberfläche der feinen Bodenpartikel anlagern. Nährstoffe stehen so für Pflanzen zur Verfügung. Gleichzeitig können schädliche Stoffe vom Boden zurückgehalten werden, was zum Schutz des Grundwassers beiträgt. Um den Boden und seine Filterkapazität nicht zu überfordern, müssen die eingetragenen Stoffe abbaubar sein. Den Abbau erledigen Mikroorganismen. Deren hohe Aktivität im Lössboden trägt zu einer schnellen Umsetzung unerwünschter Stoffe bei.

Bei all diesen Vorteilen: so ein Lössboden ist empfindlich. Das Material wurde einst vom Wind gebracht, es kann also auch wieder davongetragen und ebenso leicht vom Wasser weggespült werden. Weil sich Lössboden in unseren Breiten ohne eine neue Eiszeit nicht wieder bilden kann, müssen wir ihn erhalten. Der beste Schutz gegen Erosion ist eine ganzjährige Pflanzendecke und möglichst viele Hecken und Bäume.

Verbreitung von Löss und Löss-Derivaten in Deutschland

Verbreitung von Löss und Löss-Derivaten in Deutschland

Die Übersichtskarte der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe zeigt, dass in Deutschland neben den Börden im Norden und den Gäugebieten im Süden zahlreiche kleinere Vorkommen verteilt sind.

Quelle: © BGR Hannover

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LUCAS

LUCAS steht für Land Use/Cover Area Frame Survey (Flächenstichprobenerhebung zur Bodennutzung und Bodenbedeckung); dabei handelt es sich um ein von Eurostat finanziertes und durchgeführtes Programm für Feldstudien in Europa. Ziel von LUCAS ist Einführung von Flächenstichprobenerhebungen, die harmonisierte Daten über die Bodennutzung/Bedeckung in der Europäischen Union liefern. Zudem sollen die Erhebungen Informationen über Landwirtschaft, Umwelt, Landschaftsformen und nachhaltige Entwicklung, Bezugspunkte am Boden für die Kalibrierung von Satellitenbildern sowie ein Register mit Bezugspunkten für spezifische Erhebungen (beispielsweise zu Böden und biologischer Vielfalt) und für das europäische Kernnetz für die In-situ-Datenerfassung bereitstellen.

Daten zur Bodenbedeckung und Bodennutzung sind für die Festlegung und Bewertung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und von umweltpolitischen Maßnahmen von großer Bedeutung.

LUCAS wurde 2001 nach dem Beschluss Nr.1445/2000/EG vom 22. Mai 2000 über den Einsatz von Flächenstichprobenerhebungen und Fernerkundung in der Agrarstatistik als Piloterhebung gestartet.

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Lupine

Pflanze, die zu den Körnerleguminosen (Leguminosen) gehört, sie spielt insbesondere bei der Gründüngung eine Rolle und ist Eiweißlierant.

Nutzung

Lupinensamen enthalten hochwertiges Eiweiß, das sowohl als Ersatz für importiertes Soja im Viehfutter (außer für Pferde) als auch in der menschlichen Ernährung (nur ungiftige Zuchtsorten) eingesetzt wird. Die Nutzung der Lupine wurde durch die Züchtung von Sorten mit wesentlich geringeren Anteilen an Bitterstoffen und Giftstoffen (sogenannten Süßlupinen) ab Anfang der 1930er Jahre erheblich erleichtert. Der Name „Süßlupine“ beruht somit nicht auf einem süßen Geschmack, sondern auf der Abwesenheit der Bitterstoffe im Vergleich zu den klassischen Sorten. Die bitterstoffarmen Süßlupinen sind anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Für den Anbau sind die Weiße Lupine (Lupinus albus), die Blaue oder Schmalblättrige Lupine (Lupinus angustifolius), die Gelbe Lupine (Lupinus luteus) und in Südamerika die Anden-Lupine (tarwi, L. mutabilis) interessant. Durch das Aufkommen von Pflanzenkrankheiten wie Anthraknose waren die Anbauflächen zunächst stark rückläufig, was sich erst mit der Einführung der resistenten Blauen Süßlupine 1997 geändert hat.

Wie andere Hülsenfrüchte finden die Samen der Lupine Verwendung als Lebensmittel sowie als Lebensmittelzutat in verschiedenen Lebensmittelprodukten. 

Lupinen reichern den Boden mit bis zu 100 kg Stickstoff pro Hektar an, was in der Landwirtschaft zur Gründüngung erwünscht sein kann. Knöllchenbakterien an den bis zu 1,5 Meter langen Wurzeln binden den Stickstoff. Die kräftigen Wurzeln können auch verdichteten Boden durchdringen und so die Durchwurzelbarkeit des Bodens für Folgekulturen verbessern. Die Symbionten binden den Stickstoff aus der Luft und lösen zudem einen Teil des Phosphats im Boden. Der erhebliche Gründüngungseffekt der Lupine kann jedoch abseits des gezielten landwirtschaftlichen Anbaues an neu besiedelten Orten häufig zu nachhaltigen und damit problematischen Vegetationsveränderungen führen.

Lustgarten

Garten, der im Gegensatz zum Nutzgarten ausschließlich der Zerstreuung, der Muße und dem ästhetischen Genuss dient. Es ist heute ein meist öffentlicher Park, der vorrangig der Erholung dient. Er enthält häufig auch zusätzliche Einrichtungen wie Konzertsäle, Pavillons, Fahrgeschäfte, Zoos oder Menagerien.

Lustgärten existieren seit vielen Jahrhunderten. Im alten Rom wurde der gestaltete Garten des Sallust (Horti Sallustiani) als privater Garten vom Historiker Gaius Sallustius Crispus entwickelt. Diese Gärten wurden vom römischen Kaiser Tiberius erworben. Sie enthielten viele Pavillons, Skulpturen und einen Tempel der Venus und waren für Jahrhunderte der Öffentlichkeit zugänglich.

Im London des 18. und 19. Jahrhunderts gab es viele öffentliche Lustgärten („pleasure gardens“). Sie enthielten häufig große Konzertsäle oder es wurden Promenadenkonzerte aufgeführt. Eine kleinere Version eines britischen Lustgartens ist ein Teegarten, in dem Besucher Tee trinken und schlendern können. Der Lustgarten ist eine von sechs Formen des „vollkommenen Gartens“ aus dem 18. Jahrhundert. Die anderen sind Gemüsegarten, Obstgarten, Park, Orangerie oder Gewächshaus und Menagerie.

Luzerne

Kleeartige Futterpflanze aus der Familie der Leguminosen, dient vorwiegend zur Bodenverbesserung (Gründüngung) und zur Futterproduktion für Rinder.