Lexikon des Agrarraums

T

Tag(e)werk

Das Tagwerk ist ein altes deutsches, bäuerliches Flächenmaß für Felder. Es war besonders im süddeutschen Raum verbreitet und umfasste wie der Morgen regional sehr unterschiedliche Flächen. In Baden und Bayern z.B. war 1 Tagwerk 0,34 - 0,36 ha, in Hannover und Nassau 0,25 - 0,26 ha.

Tambak

Bezeichnung für bäuerliche Fischteiche in Südostasien mit einer jahrhundertealten Tradition, z. B. an der Nordküste Javas mindestens seit dem 14. Jahrhundert. Die Tambaks sind Brackwasserteiche in denen vor allem der Milchfisch (Chanos chanos) gehalten wird. In Sulawesi, dessen Küsten dicht mit Tambaks besetzt sind, können im Jahr 1.000 - 1.600 Fische pro ha mit einem Gewicht von bis zu 800 g / Fisch geerntet werden. Die Milchfisch-Produktion wird jedoch teilweise von der lukrativeren Garnelenzucht zurückgedrängt.

Tambaks werden bevorzugt im Gezeitenbereich und damit oft in Mangroven angelegt. Über eine Schleuse wird das nährstoffreiche Meerwasser mit der Flut in die Teiche geleitet. Der Milchfisch kommt vor allem auf den Binnenmarkt und dient der bäuerlichen Selbstversorgung. Demgegenüber ist die seit 1980 in ganz Südostasien boomende Garnelenzucht vornehmlich exportorientiert und versorgt die Touristenzentren.

Teilweise wird die Aquakultur der Tambaks auch mit dem Reisanbau kombiniert.

Weitere Informationen:

Tambo

In Argentinien ein Milchviehbetrieb mit Weiterverarbeitung der Milch zu Butter, Käse, Trockenmilch.

Noch vor hundert Jahren gab es nur nahe der Stadt Buenos Aires einige Milchviehbetriebe. Heute erzeugen knapp 11 000 Betriebe jährlich über 11 Mio. l Milch. Über 900 große und kleine Molkereien verarbeiten diese Menge. Mit Ausnahme Uruguays konsumiert kein anderes Land Lateinamerikas so viel Milch und Milchprodukte: 211 l pro Kopf und Jahr. Gut ein Viertel der Produktion geht in den Export, vor allem an den großen Nachbarn Brasilien, aber auch an Mexiko, Venezuela, Nordafrika und Asien.

Die Tambos konzentrieren sich auf die vier zentralen Provinzen des Landes. Hier ermöglichen ein mildes Klima und fruchtbare Böden den ertragreichen Anbau der wichtigsten Futterpflanzen Luzerne, Weidelgras und Mais sowie eine ganzjährige Weidehaltung. Die Herdengröße der meisten Betriebe liegt zwischen 100 und 500 Kühen. Die Milchleistung liegt im Schnitt bei ca. 5 000 l/Kuh/Jahr.

Die Betriebsstruktur reicht von kleinen Familienbetrieben bis zu riesigen Farmen, wobei die Bewirtschaftung unterschiedlich professionell erfolgt. In der Fütterung gibt es eine große Spannbreite, angefangen vom reinen Vollweidesystem fast ohne Zufütterung bis zum intensiven Feed-Lot.

Tasskimt

Auch Gounima, Agroun, Saïlal, Schaduf; traditionelle Wasserzuführung in Oasen. Das System besteht aus einem Hebelarm mit Gegengewicht und einem über ein Seil mit dem Arm verbundenen Eimer. Durch eine Kippbewegung des Hebelarms wird der Eimer in den Grundwasserkörper gesenkt und durch gegenläufiges Ziehen am Seil wieder gehoben. Die Technik ist weitgehend verschwunden.

TBT-Übereinkommen

Übereinkommen über technische Handelshemmnisse (engl. Agreement on Technical Barriers to Trade) im internationalen Handel, das sich innerhalb von GATT bzw. WTO auf technische Handelshemmnisse bei allen Waren einschließlich Industrieprodukte und landwirtschaftliche Erzeugnisse bezieht. Der Anwendungsbereich kann sich auf die Beschaffenheit des Produkts und die Verfahren und Produktionsmethoden beziehen, als auch auf alle Regelungen über die Bezeichnung, Kennzeichnung und Verpackung. Wie mit dem SPS-Übereinkommen soll u.a. der Grundsatz der Nichtdiskriminierung und der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz durchgesetzt, die Rechtsharmonisierung gefördert und die Transparenz einzelstaatlicher Maßnahmen, die zu Handelshemmnissen führen können, sichergestellt werden.

Die Beteiligung der Europäischen Union am TBT-Übereinkommen hilft Unternehmen in den EU-Mitgliedstaaten dabei, Zugang zu Märkten in Ländern außerhalb der EU zu erhalten.

Während für alle WTO-Länder das Recht gewahrt wird, Vorschriften zu erlassen, um legitime Ziele – z. B. den Gesundheits-, Verbraucher- und Umweltschutz – zu verfolgen, soll das TBT-Übereinkommen

Als Vorteil des TBT-Übereinkommens gilt, dass die WTO-Mitglieder und Wirtschaftsteilnehmer vorab Kenntnis von neuen technischen Vorschriften und Konformitätsbewertungsverfahren erlangen, die von anderen Ländern beabsichtigt werden, bevor sie angenommen werden.

Unternehmen können das Notifizierungsverfahren daher als Informationsquelle für die Marktzugangsbedingungen in Nicht-EU-Ländern nutzen und geeignete Vorkehrungen treffen, um sicherzustellen, dass ihre Erzeugnisse und Dienstleistungen diese Bedingungen erfüllen. Die WTO-Mitglieder können die beabsichtigten Maßnahmen auch mit dem notifizierenden Land erörtern. Dieser Dialog kann dazu führen, dass die notifizierte Maßnahme vom vorschlagenden Land geändert oder sogar zurückgezogen wird.

(s. a. Codex Alimentarius Kommission)

Technikfolgenabschätzung

Analyse, in der Aus- und Nebenwirkungen einer Technologie bestimmt, bewertet und bemessen und zugleich die Ursachen-Folge-Verhältnisse festgestellt und alternative Problemlösungen angeboten werden. Technikfolgenabschätzungen mit Bezug zur Landwirtschaft können beispielsweise in den Bereichen nachwachsende Rohstoffe, Gentechnologie (u.a. Klonen von Tieren), Bio-Pharming und Massentierhaltung durchgeführt werden.

technische Kulturen

Pflanzliche Produkte für technisch-industrielle Zwecke, z.B. zur Produktion von Schmierstoffen (Rapsöl).

(s. a. nachwachsende Rohstoffe)

technologische Grenze des Anbaus

Diejenige Anbaugrenze, bis zu der die Landbewirtschaftung nach dem jeweiligen Stand der Technik getrieben werden könnte, wenn auf Wirtschaftlichkeitserwägungen verzichtet würde.

Teichlandwirtschaft

Einbeziehung künstlicher Teiche in die Landwirtschaft zur Schaffung weitgehend geschlossener Nährstoffkreisläufe. Dabei werden Abfälle von Mensch und Tier im Teich zersetzt und dadurch Nährstoffe für Wasserpflanzen (z.B. Wasserhyazinthen) verfügbar, die ihrerseits als Fisch- und Tierfutter dienen. Der nährstoffreiche Schlamm wird als Dünger auf die Felder verteilt. Das System ist vor allem in Südostasien verbreitet.

Teichwirtschaft

Die Aufzucht, Haltung und Nutzung von Speisefischen in künstlichen oder natürlichen füll- und ablaßbaren, räumlich begrenzten Gewässern. Die Teichwirtschaft wird häufig im Nebenerwerb zur Landwirtschaft betrieben. Gelegentlich erfolgt während des Sommers die Bebauung des Teichbodens mit Getreide. Teichwirtschaft zählt wie die gesamte Binnenfischerei und die diesbezügliche Fischzucht in Deutschland steuerrechtlich zur sonstigen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung.

Im mittelalterlichen Europa bewirkten christliche Fastengebote die Ausbreitung der Teichwirtschaft.

(s. a. Aquakultur, Limnotherm)

Teilaussiedlung

Verlegung meist nur eines Wirtschaftsteils eines landwirtschaftlichen Betriebes aus in der Regel beengter Dorflage in die freie Feldmark. Eine solche Teilaussiedlung mag ihre Ursache haben im verstärkten Übergang zu größeren Tierbeständen mit entsprechenden Geruchsemissionen und dem gleichzeitigen Funktionswandel der dörflichen Siedlungen hin zu Wohnsiedlung. Werden nur Betriebszweige (z.B. Mastschweinehaltung) aus dem Dorf verlegt, so spricht man von Betriebszweigaussiedlung.

(s. a. Aussiedlung)

Tenne

Mittel- und oberdeutsche Bezeichnung für Diele (Dreschdiele); der Raum, auf dessen mit Bohlen gedieltem oder mit Lehm festgestampftem Boden früher das Getreide von Hand gedroschen wurde.

Terms of Trade

Im internationalen Handel das Preisverhältnis zwischen Export- und Importgütern, sinngemäß die "Austauschverhältnisse des Handels". Zur Berechnung des realen Austauschverhältnisses werden Durchschnittswertindizes der Ausfuhr und der Einfuhr zueinander ins Verhältnis gesetzt: T.o.T. = Exportpreis-Index : Importpreis-Index. Ist ein so berechneter Wert größer als 1, besagt er, daß beim Export "bessere" Preise erzielt werden können, als für Importgüter bezahlt werden müssen. Wenn also die Exportpreise steigen und/oder die Importpreise sinken, "verbessern" sich die Terms of Trade, im umgekehrten Fall "verschlechtern" sie sich. Veränderungen der Terms of Trade drücken somit aus, ob mit denselben Exportmengen (beispielsweise Reis) mehr oder weniger Importgüter (beispielsweise Traktoren) "bezahlt" werden können.

Terra preta

Port. für „schwarze Erde“, auch Terra preta de índio („schwarze Indianererde“); Bezeichnung für einen im Amazonasbecken anzutreffenden, anthropogenen Boden (Hortic Anthrosol). Der Boden besteht aus einer Mischung von Holz- und Pflanzenkohle, menschlichen Fäkalien, Dung und Kompost durchsetzt mit Tonscherben und gelegentlich auch Knochen sowie Fischgräten. Aus bodenkundlicher Sicht ist die Terra preta keine Schwarzerde.

Die Hauptverbreitungsgebiete von Terra preta konzentrieren sich auf die Gebiete der Wanderfeldwirtschaft mit Brandfeldbau in den feuchten Tropen. Nachgewiesen sind sie in Südamerika (Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Französisch-Guayana) mit einer Landfläche von ca. 154 km². Dabei finden sie sich häufig in ehemaligen Siedlungsgebieten in unmittelbarer Flussnähe wieder.

Ähnliche Phänomene sind auch in anderen Erdteilen bekannt, wie beispielsweise in Afrika (Ghana, Sierra Leone, Liberia, Guinea), Südostasien (Indonesien) und auch in Europa (Deutschland und Schweden).

Terra preta-Böden wurden in einem jahrhundertelangen Prozess geschaffen und intensiv genutzt. Überdies wird ihre Entdeckung gern als Beispiel für den quantitativen Ansatz der Kulturlandschaftsdebatte genannt, was belegen soll, dass selbst Teile sogenannter Urwälder anthropogen verändert sind.

Nach einer optimistischen Schätzung des Geographen William I. Woods, die auf nachgewiesenen Vorkommen basiert, könnten bis zu 10 % der Oberfläche des Amazonasbeckens von dunkler Erde bedeckt sein. Konservative Schätzungen gehen hingegen nur von 0,1 bis 0,3 % aus. Daraus lässt sich vermuten, dass das Amazonasbecken einst 5 bis 10 Mio. Menschen beherbergt haben könnte. Die meisten dunklen Böden entstanden zwischen 700 und 1000 n. Chr., manche datieren weit vor Beginn unserer Zeitrechnung.

In den feuchten Tropen sind Böden der auswaschenden Wirkung des Niederschlags ausgesetzt und organische Substanzen werden aufgrund der hohen Temperaturen rasch abgebaut und mineralisiert. Es entstehen lateritische Böden (Ferralsole), die hauptsächlich aus Aluminium- und Eisenoxiden bestehen. Diese Böden enthalten fast keine Pflanzennährstoffe mehr und speichern eingebrachte Nährstoffe in einer nur schlecht für Pflanzen verfügbaren Form.

Terra Preta entsteht durch langjährigen Eintrag von Asche, Biomasse, Küchenabfällen, Verkohlungsrückständen, pyrogenem Kohlenstoff, Knochen und menschlichen Fäkalien. Durch Mikroorganismen und Bodentiere wird ein Teil der organischen Substanz abgebaut (Mineralisierung), stabilisiert und in die Tiefe verlagert (Bioturbation). So entstehen bis zu 2 m mächtige Horizonte. Der wichtigste Bestandteil für die Genese der Terra preta ist Pflanzenkohle, die durch ihren langsamen Abbau (ca. 2000 Jahre) zur Stabilität beiträgt; zur Entstehung und Erhaltung werden jedoch auch Nährstoffe und Mikroorganismen benötigt.

Die Terra preta hat zwei wichtige Eigenschaften im Hinblick auf Bodenfruchtbarkeit und ihre Speicherfähigkeit von Kohlenstoff: So ist sie in der Lage, hohe Nährstoffmengen zu speichern. Bei Stickstoff ist dies 17 t/ha und bei Phosphor 13 t/ha; dies ist 2-mal mehr Stickstoff bzw. 4-mal mehr Phosphor als bei umliegenden Ferralsolen. Daneben enthält sie bereits im Durchschnitt 250 t/ha organischen Kohlenstoff und 50 t/ha Pflanzenkohle, entsprechend 3-mal mehr, bzw. 70-mal mehr als umliegende Ferralsole.

Diese Eigenschaften sind hervorragende Voraussetzungen für intensive und nachhaltige Landwirtschaft in den feuchten Tropen.
Neu geschaffene Terra preta könnte die Erträge landwirtschaftlich unproduktiver Böden steigern. Die zur Erzeugung der Pflanzenkohle notwendige Biomasse müsste aus Ernterückständen oder Plantagen gewonnen werden, schon weil die Nutzung primärer Urwälder (neben den verheerenden ökologischen Auswirkungen) aufgrund ihres geringen Nettozuwachses unproduktiv wäre.

Terrasse

Siehe Ackerterrasse

Terrassierung

Kulturtechnische Erosionsschutzmaßnahme, bei der (meist hangparallele) Bodenwellen oder -stufen errichtet werden. Damit können große Mengen abfließenden Wassers aufgefangen, die Einsickerungsleistung vergrößert und das Abfließen des Wassers geregelt werden.

(s. a. Bodenerosion)

Thomasphosphat

Als feingemahlene Thomasschlacke (Thomasmehl) verwendeter Phosphatdünger, der bei der Stahlerzeugung aus phosphorhaltigem Roheisen anfällt.

Thünensche Ringe

Nach J. H. von Thünen (1783-1850) benannte Ringe eines Kreismodells, die den Zusammenhang von Grundrente und Standort der landwirtschaftlichen Produktion verdeutlichen sollen. Generelles Merkmal der Thünenschen Ringe ist die abnehmende Intensität der Nutzungsweise vom Marktzentrum aus. Zu berücksichtigen ist, daß Thünen seine Theorie noch vor dem Bahnbau und vor der Verbreitung der Dampfschiffe konzipierte, also in einer Zeit extrem hoher Transportkosten. Dies verbietet es, in der Gegenwart zu buchstäblich nach Beweisen für die empirische Brauchbarkeit des Modells zu suchen.

Thünen macht für sein Modell zudem folgende restriktiven Annahmen, die es selbst zu seiner Zeit müßig gemacht hätten, die Thünenschen Standortstrukturen im Umkreis einer vorgegebenen Stadt exakt nachzuweisen:

Weiterlesen ►

Tiefkultur

Mechanische Bodenbearbeitung, die tiefer als der übliche Pflug in den Boden eindringt. Ziel der Tiefkultur ist es, für den Pflanzenwuchs nachteilige Bodenverdichtungen, wie Ortstein in Podsolen, aufzubrechen. (s. a. Sandmischkultur, Tiefpflügen)

Tiefpflügen

Eine Maßnahme der Bodenmelioration bei der der Boden mit Hilfe von Spezialpflügen bis maximal 2 m Tiefe umgebrochen wird. Zur Erzielung einer Bodenverbesserung werden wasserstauende Horizonte oder Schichten aufgebrochen oder tiefliegender Mineralboden in moorig-organische Deckschichten aufwärtig verlagert.

(s. a. Tiefkultur)

Tiefplugsanddeckkultur

Künstlicher Moorboden, bei dem Niedermoore entwässert und durch Stufenpflügung eine steilstehende Wechsellagerung aus Sand- und Torflagen erzeugt wird. Darüber wird eine 20 - 30 cm mächtige Sanddecke als Schutz gegen Austrocknung und Deflation aufgebracht. Sie wird nicht mit dem Unterboden vermischt. Der Boden ist gekennzeichnet durch eine tiefe Durchwurzelung, einen günstigen Nährstoff- und Wasserhaushalt und dient so als Ackerstandort.

Tiefstallhaltung

Auch Tiefstallmistwirtschaft; Tierhaltungssystem, bei dem die Exkremente der Tiere zusammen mit reicher Stroheinstreu mehrere Monate im Stall verbleiben.

Tierhaltung

Die eigenverantwortliche Sorge des Menschen für ein Tier, über das er die tatsächliche oder rechtliche Verfügungsgewalt hat. Kernaspekte der Tierhaltung sind die Ernährung, Pflege und Unterbringung des Tieres. Man unterscheidet im Wesentlichen die Haltung von Nutztieren, Heimtieren und Wildtieren. Während Wildtiere nie domestiziert sind, sind Nutztiere meist Haustiere. Heimtiere können domestiziert sein.

Weitere Informationen:

Tiermast

Produktionsverfahren in der Viehhaltung. Ziel ist, Tiere zur Fleischproduktion aufzuziehen, um deren Fleisch nach ihrer Schlachtung für die menschliche Ernährung verwerten zu können. Die Tiermast erfordert ein gezieltes, über das Maß der dem Tierschutz entsprechenden artgerechten Haltung hinausgehendes Anfüttern, um Tiere zu einem bestimmten Zeitpunkt (Schlachtreife) der Verwertung als Lebensmittel zuzuführen.  Zu unterscheiden sind:

Die Tiermast erfolgt meist in Mastanlagen oder Großmastanlagen, selten im Freien. Betriebe, die überwiegend oder ausschließlich Tiere mästen, heißen 'Mastbetrieb' bzw. 'Großmastbetrieb'. Sie betreiben Intensivtierhaltung (auch Intensive Tierhaltung, Massentierhaltung oder landlose Tierproduktion genannt), also eine technisierte Viehhaltung meist nur einer Tierart zur Gewinnung möglichst vieler tierischer Produkte.
Die Mastanlagen stehen wegen der mit ihnen verbundenen Umweltbelastungen (z. B. multipel antibiotikaresistente Keime und Gerüche) in der öffentlichen Kritik; manche müssen mit Filteranlagen ausgerüstet werden.

Ton-Humus-Komplex

Organisch-mineralische Verbindung, in der Tonminerale über mehrwertige Kationen (Ca2+, Mg2+) oder Wasser- und organische Dipole (mit O- und OH-Brücken) mit Huminstoffen und Zwischenprodukten der Humifizierung gekoppelt sind. Sie finden sich als sehr stabile Gebilde in tonreicheren Böden mit hoher biotischer Aktivität, einem Krümelgefüge und der Humusform Mull. Ton-Humus-Komplexe sind wesentlich größer als die ursprünglichen Tonpartikel. Dadurch entstehen größere Hohlräume zwischen den neu entstandenen Partikeln, die der Durchlüftung des Bodens wesentlich weniger Widerstand entgegensetzen als die feinen Bodenporen. Von der leichteren Durchlüftung profitieren sowohl das Edaphon als auch die Pflanzenwurzeln, weil sie nun intensiver atmen können. Die erhöhte Atmungsaktivität des Edaphons trägt dazu bei, daß die Bodenmineralien in oxidierter und nicht in der für Pflanzen oftmals nachteiligen reduzierten Form vorliegen.

Die Ton-Humus-Komplexe entstehen im Verdauungstrakt der Bodentiere, insbesondere der Regenwürmer und sind besonders günstig für die Nährstoffaufnahme der Pflanzen. Sie sind wesentlich für die Bodenfruchtbarkeit und die Krümelstabilität.

Tonminerale

Tonminerale sind mehrschichtig aufgebaute Kriställchen, die größenmäßig der Tonfraktion angehören. Sie sind entweder durch Mineralumwandlung aus Schichtsilikaten (z.B. Biotit) des Ausgangsgesteins entstanden oder durch Mineralneubildung aus den bei der chemischen Verwitterung freigesetzten Zerfallsprodukten der Feldspäte.

Tonminerale besitzen eine spezifisch große Oberfläche (vielfach größer als die der primären Silikate, z.B. der Feldspäte), sind plastisch, können durch Aufnahme oder Abgabe von Wassermolekülen quellen bzw. schrumpfen und bestimmte Ionen wie Kalium-, Magnesium- und Calciumionen gegen Wasserstoffionen austauschen. So sind die Tonminerale gemeinsam mit der organischen Substanz entscheidend für die Nährstoffbindung und Gefügebildung (Bodenstruktur).

Nach ihrem Bau und ihren Eigenschaften unterscheidet man

Welche Tonminerale entstehen, hängt vom jeweiligen Verwitterungsmilieu und vom Ausgangsgestein ab. Im gemäßigt warmen, humiden Klima Mitteleuropas herrscht die Bildung von Illit vor. Das feucht-tropische Klima mit seiner starken Auswaschungstendenz ist für die Bildung des Kaolinits günstig.

Generell bestimmen Art und Menge der Tonminerale in hohem Maße die Bodeneigenschaften wie Körnung, Bodengefüge, Porenvolumen, Durchlüftung, Wasserhaltevermögen, Wasserleitfähigkeit, Kationen-Austausch-Kapazität, Puffereigenschaften, Filtereigenschaften, Konsistenz, Plastizität, Gefügestabilität u.a. und damit die Bodenfruchtbarkeit.

Torf

Eine unter Luftabschluß gebildete Humusform aus überwiegend pflanzlichen Substanzen, in der nur eine geringe Tieraktivität auftritt. Torf ist faserig bis bröckelig, enthält noch freie Cellulose und im frischen Zustand 75 - 90 % Wasser. Er entsteht insbesondere in Mooren im Verlaufe mehrerer Jahrtausende (Faustregel: 1 m Schichtdicke in 1.000 Jahren).

Torf wurde und wird im Land- und Gartenbau verwendet, ferner zu Heizzwecken (als Torfbriketts) und durch Verschwelung als Gas, Teer und Koks. Diese Nutzungen (durch Stechen und maschinelles Gewinnen) haben zu einem starken Abbau und Rückgang der Torflagen und zu einer Zerstörung der Moorbiotope geführt.

(s. a. Rindensubstrate, Torf-Kultur-Substrate)

Torf-Kultur-Substrate

Bodenersatzstoffe zum Einsatz im Gartenbau aus Hochmoor-Weißtorf unter Zusatz von Kalk, mineralischen Nährsalzen und Spurenelementen.

(s. a. Rindensubstrate, Torf)

Township

Quadratische Landaufteilungseinheit in den USA mit einer Kantenlänge von 6 Meilen (9,656 km). Sie ist die größte Einheit des auf Th. Jefferson zurückgehenden land ordinance-Vermessungssystems. Dieses konsequent umgesetzte System besitzt als Untereinheiten sections und quarter sections. Township als Vermessungseinheit ist zu unterscheiden vom gleichnamigen Begriff für eine Verwaltungseinheit, die vorwiegend im NO und im nördlichen Zentrum der USA als Untergliederung einer county anzutreffen ist.

Schachbrettartige Vermessungssysteme haben sich u.a. auch in Australien und in Teilen Skandinaviens durchgesetzt.

(s. a. Jo-Ri-System, Zenturiatsflur)

Traditionsbücher

Sammlungen, in der geistliche Grundherren Urkunden und Notizen über Land- und Personenerwerbungen entweder unmittelbar niederschrieben oder in Abschrift nachträglich inserierten. Tradition hat dabei die lateinische Ursprungsbedeutung „Übergabe (von Besitztümern)“.

In Traditionsbüchern (libri traditionum) verzeichneten v.a. Klöster vom 10. bis zum 13. Jahrhundert Schenkungen und Privilegien zur besseren Absicherung des Grundbesitzes. Jeder Eintrag (sog. Traditionsnotiz) beginnt gewöhnlich mit einer einleitenden Veröffentlichungsformel (Publicatio) (notum sit omnibus = allen sei bekannt, o.ä.). Es folgt die eigentliche Übertragung durch Schenkung (traditio aut donatio), meistens von Grundstücken, aber auch von Hörigen, und abschließend eine Liste von Zeugen für das Rechtsgeschäft. Die in der Regel undatierten Einträge sind teilweise protokollarisch, d.h. jeweils direkt nach dem Rechtsakt in das Buch notiert worden, zu großen Teilen aber auch rückwirkend auf Grund von kurzen Aktnotizen (Notitia).

Die Traditionen geben zwar Auskunft über die Größe der Schenkungen und ihre Struktur (Felder, Wiesen, Wälder etc.), nicht aber über ihre Rolle in der wirtschaftlichen Organisation der Grundherrschaft, auch werden nur selten Angaben zu Abgaben und Diensten gemacht. Traditionsbücher findet man zwar in vielen Regionen, doch steht der bayerische Raum an der Spitze. Erhalten sind sie dort besonders in den Bistümern Regensburg, Brixen, Eichstätt, Freising, Passau und Salzburg sowie in zahlreichen Klöstern.

Tragfähigkeit

1. Nach Borcherdt/Mahnke (1973) gibt die agrarische (auch: agrare) Tragfähigkeit eines Raumes diejenige Menschenmenge an, die von diesem Raum unter Berücksichtigung eines dort in naher Zukunft erreichbaren Kultur- und Zivilisationsstandes und bei herrschendem Klima auf überwiegend agrarischer Grundlage langfristig mit Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen versorgt werden kann, ohne daß der Naturhaushalt nachteilig beeinflußt wird. Zur Sicherung der Langfristigkeit der Bodenbewirtschaftung sollte die Produktion mit einem Minimum an externer Energie und an Rohstoffen erfolgen. Schon früh enthält diese Definition den Gedanken der sustainable development.

Die agrarische Tragfähigkeit ist zudem davon abhängig, welche Nahrungszusammensetzung (pflanzlich/tierisch) in einem Raum vorherrscht. Bei der in vielen Industrieländern heute üblichen Ernährungsweise mit hohem Anteil an tierischen Produkten (Fleisch, Milchprodukte, Eier) und Kraftfutter-Mast liegt der Getreide- und Futtermittelbedarf beim Zehnfachen des Bedarfs für eine abgestimmte, auf pflanzlicher Nahrung und Weideviehhaltung basierenden Versorgung. Bei einer solchen Ernährung würde die heutige Anbaufläche ausreichen, um global mindestens die doppelte Zahl von Menschen zu ernähren.

Agrarische Tragfähigkeit in Entwicklungsländern in Abhängigkeit vom Nutzungstyp

Quelle: Spielmann 1989

Eine quantitative Betrachtung für den Zeitraum 1980-1990 zeigt, daß die Nahrungsmittelproduktion pro Kopf in einigen Großregionen gestiegen ist, in den meisten Ländern Afrikas südlich der Sahara aber abgenommen hat. Es sind gleichzeitig Staaten, die nicht hinreichend in der Lage sind, Lebensmittelimporte mit eigenen Exportgütern zu bezahlen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit zur Beschäftigung mit einerseits den Kenntnissen über eine regionale Landwirtschaft, die zur Eigenernährung und zur Importsubstitution fähig ist, andererseits mit umfassenderen Tragfähigkeitsbegriffen.

2. Die (allgemeine) Tragfähigkeit eines Raumes gibt diejenige Menschenmenge an, die in diesem Raum unter Berücksichtigung des hier erreichten Kultur- und Zivilisationsstandes auf agrarischer, natürlicher, gesamtwirtschaftlicher Basis ohne/mit Handel mit anderen Räumen unter Wahrung eines bestimmten Lebensstandards bzw. des Existenzminimums auf längere Sicht leben kann. (Borcherdt/Mahnke, 1973)

3. Ähnlich definieren auch Ökologen den synonymen Begriff der Tragekapazität als die Eigenschaft eines Wirtschaftsraumes, eine bestimmte Bevölkerung nachhaltig zu tragen. Tragekapazität ist eine Funktion der Ressourcen (Biomasse, Wasser, Luft, Boden, Kreisläufe, Klima, Schadstoffsenken), des Handels, der menschlichen Bedürfnisse/Ansprüche, der Ressourceneffizienz, der Produktivität sowie des Humankapitals. (Mohr, 1996)

Die Berechnung der allgemeinen Tragfähigkeit der Erde hat bis heute keine befriedigende Lösung gefunden, weil dabei eine sehr große Zahl von Faktoren zu berücksichtigen ist:

Die Steigerung der globalen Tragfähigkeit in historischer Zeit spiegelt vorrangig die Änderung der Produktionsbedingungen wieder:

Ungefähre globale Tragfähigkeit zu unterschiedlichen Kulturstufen

Quelle: Mohr 1996

Man geht davon aus, daß die Produktionskapazität der Erde rechnerisch groß genug ist, um die derzeitige Erdbevölkerung "ausreichend" zu ernähren, d.h. daß bei entsprechender Verteilung der Nahrungsmittel niemand hungern oder unterernährt sein müßte. Eine Ernährung der Erdbevölkerung gemäß US-amerikanischen Ansprüchen ist allerdings schon heute nicht mehr möglich, da die Bevölkerungszahl in diesem Fall ca. 3 Mrd. nicht überschreiten dürfte. Auch bedeutet die rechnerische Deckung des Globalbedarfs nicht, daß alle Teilräume des Agrarraums in der Lage wären, ihre Bevölkerung zu ernähren. Nur ein Teil der "kritischen" Länder mit einem Nahrungsmitteldefizit hat durch außerlandwirtschaftliche Aktivitäten (z.B. Bergbau) genug Geld zur Finanzierung erforderlicher Nahrungsimporte. Dies verstärkt Abhängigkeitsstrukturen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Dazu kommt, daß rd. 95 % des Weltgetreidehandels von nur 5 Agrokonzernen kontrolliert werden.

Transfair

Verein zur Förderung des fairen Handels mit Produkten aus der Dritten Welt. Kaffee, Tee, Honig, Süßigkeiten und Bananen gehören zu den Produkten, die der Verein, der selbst nicht als Händler auftritt, mit seinem TransFair-Siegel in Deutschland eingeführt hat. Zusammen mit Produzentenorganisationen, die einen bestimmten Kriterienkatalog erfüllen müssen, setzt sich Transfair für eine nachhaltige Entwicklung des Agrarraums ein und berücksichtigt dabei besonders:

Über das Konzept von TransFair gehen Vertreter des Alternativen Handels im engeren Sinne noch hinaus, indem diese zusätzlich Entwicklungs- und Bildungsarbeit leisten und Ansätze zu sozialem Fortschritt und politischer Emanzipation der Primärproduzenten unterstützen.

(s. a. EFTA 2.)

Transferzahlungen

Zuwendungen, die im Gegensatz zu den Subventionen von den laufenden wirtschaftlichen Entscheidungen der Empfänger unabhängig sind, und die i.d.R. als soziale Leistungen nicht Unternehmen sondern Haushalte erreichen. Es erfolgt keine ökonomische Gegenleistung durch die begünstigten Transferempfänger.

Transferleistungen führen in den staatlichen Haushalten zu Mehrausgaben oder Mindereinnahmen, belasten also die Haushalte und können Haushaltsdefizite herbeiführen oder vergrößern. Haushaltstechnisch führen Transferleistungen zu unproduktiven Ausgaben, denen (zunächst oder dauerhaft) keine unmittelbaren Einnahmen gegenüberstehen oder sogar zu Mindereinnahmen (bei Steuersubventionen), die (zunächst oder dauerhaft) keine anderen Einnahmen generieren.

Transformationsprozess

Prozess der ordnungspolitischen Neugestaltung einer Volkswirtschaft, z.B. beim Übergang von Planwirtschaft zu Marktwirtschaft in der GUS oder den neuen Bundesländern. Die Teilbereiche dieser aktuellen Umstrukturierung lassen sich mit folgenden Gruppierungen ausdrücken:

Weiterlesen ►

transgene Organismen

Lebewesen, die mit Hilfe der Gentechnik artfremde Gene in ihren vegetativen Zellen und in der Keimbahn tragen, so dass die so erworbenen Merkmale vererbbar sind.

Transhumanz

Dem Nomadismus ähnliche Fernweidewirtschaft, doch bleiben die Herdenbesitzer seßhaft und betreiben Ackerbau; die Viehhaltung ist nicht der einzige Erwerbszweig. Der meist ganzjährige Weidegang mit Hirten oder Viehpächtern führt ohne Bindung an den Landbesitz der Herdeneigentümer über die Gemarkungs- und oft über Staatsgrenzen hinweg (trans humus = jenseits der bebauten Erde) in saisonal wechselnde Weidegebiete. Dieser Wechsel ist bedingt durch die unterschiedliche Lage der Weiden nach Meereshöhe, thermischen, hygrischen oder auch agrarwirtschaftlichen Verhältnissen. Transhumanz ist in den winterkalten Gebieten nicht möglich. Besitzer transhumanter Herden können Ackerbauern, reine Viehzüchter oder auch nichtagrare Berufsgruppen sein.

In Europa ist diese Form extensiver Viehwirtschaft fast in allen ihren Verbreitungsgebieten im Schwinden begriffen.

Bei der traditionellen Transhumanz ist wie beim Nomadismus ein ganzjähriger Weidegang gegeben. Bei modernen und intensiveren Formen der Transhumanz ist eine Einstallung des Viehs während der ungünstigen Jahreszeit aus agrarwirtschaftlichen und für kurze Zeit auch aus klimatischen Gründen möglich.

Die Siedlungen sind im Gegensatz zum Nomadismus bei der Transhumanz zumindest am Hauptbetriebsort immer bodenstet. An den übrigen Betriebsorten können die Hirten außer in festen Behausungen auch in Zelten, bodenvagen Hütten oder mitgeführten Karren leben. Am Hauptbetriebsort, an dem auch Anbau betrieben werden kann, sind die Siedlungen meist permanent und an entfernteren Weideplätzen dagegen saisonal bewohnt.

Mit der Almwirtschaft hat die Transhumanz gemeinsam, daß sie im wesentlichen auf die Alte Welt beschränkt ist und genetisch mit dem hier entwickelten Pflugbau zusammenhängt. Ferner sind beide für Hochgebirge und höhere Mittelgebirge charakteristisch, und beide nutzen die Gebirgshöhen über der oberen Grenze des Ackerbaus bzw. der Waldwirtschaft als Weideland. Während jedoch bei der Almwirtschaft das Vieh im Winter in den Taldörfern eingestallt wird, benutzt man bei der Transhumanz die benachbarten Ebenen als winterliche Weidegebiete. Beispielsweise waren in Südfrankreich drei Gebiete besonders stark durch die Transhumanz geprägt: die Provence, das Languedoc und das südliche Aquitanien. Die jeweiligen Ergänzungsräume sind die Alpen, das südliche Zentralmassiv (Cevennen) und die Pyrenäen. Im mediterranen Raum und von hier aus einerseits über Vorderasien bis nach Zentralasien, andererseits von Südosteuropa in den karpatischen Raum übergreifend, kommen beide Formen nebeneinander vor, die Almwirtschaft als die intensivere, die Transhumanz als die extensivere. In Ost- und Südostasien fehlen beide Formen der Hochgebirgsweidewirtschaft. In Latein- und Nordamerika stellte sich die Transhumanz in beschränktem Umfang nach der europäischen Kolonisation und Erschließung ein.

Man unterscheidet die normale oder aufsteigende Transhumanz, bei der die Vieheigentümer beispielsweise am südlichen Alpenrand wohnen und die Tiere (meist Schafe) unter Aufsicht von bezahlten Hirten im Sommer auf die Almen und im Winter auf Weiden in tiefen Lagen schicken von der inversen oder absteigenden Transhumanz. Dabei leben die Besitzer der Tiere in einem Bergdorf und die Wanderung der Tiere vollzieht sich gegenläufig.

Transpiration

Wasserverdunstung der Pflanzen über ihre Blätter bzw. Nadeln, die durch Wasseraufnahme aus dem Boden kompensiert werden muß. Ihr Ausmaß ist abhängig von Lufttemperatur, Sättigungsdefizit der Luft und Luftmassentransport (Wind).

Transpirationskoeffizient

In der Landwirtschaft ein art- bzw. sortenspezifisches Maß für die Wasserökonomie von Pflanzen, das angibt, wieviel Liter (bzw. Milliliter) Wasser durch Transpiration an der Blattoberfläche als Wasserdampf abgegeben werden, um 1 kg (bzw. 1 g) Pflanzentrockenmasse (TM) zu produzieren. Je niedriger der Transpirationskoeffizient einer Pflanzenart an ihrem Standort ist, desto ökonomischer ist der Wasserhaushalt. Zwischen C3-Pflanzen und C4-Pflanzen bestehen Unterschiede, wobei letztere aufgrund ihrer Anpassungen an heiße Standorte im direkten Vergleich über deutlich niedrigere Transpirationskoeffizienten verfügen. Bei C3-Pflanzen liegt der Wert zwischen 200 und 800 l pro kg TM und bei C4-Pflanzen zwischen 200 und 350 l pro kg TM.

Der Transpirationskoeffizient ist hoch bei Hafer und niedrig bei Mais und Zuckerrübe (Beta). In gemäßigten Klimazonen beträgt der Transpirationskoeffizient bei den Kulturpflanzen etwa 300–800 l Wasser pro kg geernteter TM.

Bei dichten Pflanzenbeständen, an denen die Evaporation des Bodens vernachlässigbar ist, kann der Transpirationskoeffizient mit dem Koeffizienten der Evapotranspiration gleichgesetzt werden..

Transponder

Funk-Kommunikationsgerät, das zur Erkennung einzelner Tiere beispielsweise am Futter-Abrufautomaten und am Melkstand dient. Diese Technik ist insbesondere bei Kühen gebräuchlich. Bei ihnen wird z.B. der Transponder mit einem Lederband am Hals befestigt. Über den zentralen Betriebscomputer wird die Milchleistung jedes Einzeltiers erfasst und das Kraftfutter berechnet. Am Abrufautomat wird das Tier anhand des Transpondersignals erkannt und erhält die errechnete Menge an Futter.

Treibhauseffekt

Erscheinung, die aufgrund der Rückstreuung der terrestrischen Ausstrahlung zu einem Wärmegewinn für die Erdoberfläche führt.
Die Erde erfährt eine fortgesetzte Zufuhr von Energie mit der Sonnenstrahlung - hauptsächlich im sichtbaren Wellenlängenbereich. Voraussetzung für ein energetisches Gleichgewicht ist die Abgabe einer der zugeführten entsprechenden Energiemenge an den Weltraum. Dies erfolgt durch die Abstrahlung von längerwelligen Wärmestrahlen, wie sie allen warmen Körpern zu eigen ist. Der Treibhauseffekt beruht darauf, daß das Absorptionsverhalten von Bestandteilen der Atmosphäre, insbesondere bei den Spurengasen, in den verschiedenen Spektralbereichen nicht gleich ist. Das einfallende sichtbare Licht wird dabei praktisch nicht, die abgegebene Wärmestrahlung von einer Reihe von Spurengasen hingegen mehr oder weniger stark absorbiert, d.h. die Abstrahlung wird gewissermaßen durch eine isolierende Schicht behindert. Damit die vorgegebene Energiemenge dennoch abgestrahlt werden kann, muß der strahlende Körper eine entsprechend höhere Temperatur aufweisen. Dieses ist - verkürzt ausgedrückt - die physikalische Natur des Treibhauseffektes.

Weiterlesen ►

Treibhausgase

Treibhausgase sind diejenigen gasförmigen Bestandteile in der Atmosphäre, sowohl natürlichen wie anthropogenen Ursprungs, welche die Strahlung in denjenigen spezifischen Wellenlängen innerhalb des Spektrums der thermischen Infrarotstrahlung absorbieren und wieder ausstrahlen, die von der Erdoberfläche, der Atmosphäre selbst und den Wolken abgestrahlt wird. Diese Eigenschaft verursacht den Treibhauseffekt. Wasserdampf (H2O), Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O), Methan (CH4) und Ozon (O3) sind die Haupttreibhausgase in der Erdatmosphäre . Außerdem gibt es eine Anzahl von ausschließlich vom Menschen produzierten Treibhausgasen in der Atmosphäre, wie die Halogenkohlenwasserstoffe und andere chlor- und bromhaltige Substanzen, die im Montreal-Protokoll behandelt werden. Neben CO2, N2O, und CH4 befasst sich das Kyoto­Protokoll mit den Treibhausgasen Schwefelhexafluorid (SF6), teilhalogenierten Fluorkohlenwasserstoffen (H­FKW) und perfluorierten Kohlenwasserstoffen (PFC).

Die wichtigsten Treibhausgase hinsichtlich ihrer Konzentrationsentwicklung, Emissionen in Deutschland, Eigenschaften usw.

ppm (parts per million) = 10-6 = Teile pro Million
(steht für einen in Millionstel Teilen ausgedrückten Zahlenwert, so wie Prozent (%) für Hundertstel steht)
ppb (parts per billion) = 10-9 = Teile pro Milliarde
ppt (parts per trillion) = 10-12 = Teile pro Billion
Quelle: BpB

Die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft bestehen zum größten Teil aus den Klimagasen Methan (CH4) und Lachgas (N2O) und nur zu einem kleinen Teil aus Kohlenstoffdioxid (CO2). Methan wird beispielsweise von Wiederkäuern bei der Verdauung produziert und Lachgas entsteht durch die Umsetzung von Stickstoffverbindungen im Boden. Um alle Treibhausgasemissionen und deren Wirkung untereinander vergleichen zu können, werden diese in Kohlenstoffdioxid umgerechnet und in der Einheit „CO2-Äquivalent“ angegeben. So entspricht die Klimawirkung von Methan (CH4) dem 25-fachen und die von Lachgas (N2O) dem 298-fachen von CO2.

Vorleistungen für die Landwirtschaft wie die Düngemittel- und Pflanzenschutzmittelproduktion sowie alle nachgelagerten Bereiche wie zum Beispiel die Milchund Fleischverarbeitung werden in der offiziellen Treibhausgasberichterstattung nicht in der Landwirtschaft, sondern in der Industrie oder dem verarbeitenden Gewerbe bilanziert. Die Treibhausgasminderungen, die die Land- und Forstwirtschaft durch Bioenergie erbringt, werden nicht der Land- und Forstwirtschaft, sondern dem Energie- und Verkehrssektor gutgeschrieben.

Treposol

Anthropogener Boden, der zur Verbesserung des Wasser- und Lufthaushaltes 0,7 - 1,2 m tief umgebrochen wurde. Als morphologische Besonderheit hat dieser Boden schräg liegende Balken der früheren Horizonte. Gleiches gilt für die bei der Moorkultivierung entstandenen Böden, die als Sandgemischte Moore bezeichnet werden sowie für die nach Tiefumbruch von Podsolen zur Zerteilung einer Ortsteinschicht (z.B. Emsland, Lüneburger Heide, Niederlande) gebildeten Böden.

Treuhandflächen

Ehemals volkseigene land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen in den neuen Bundesländern, die von der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG), der Funktionalgesellschaft der früheren Treuhandanstalt, verwaltet und verwertet werden. Der BVVG obliegt die Vermögenserfassung und -sicherung, der Liegenschaftsdienst, der Verkauf von land- und forstwirtschaftlichen Flächen nach dem Entschädigungs- und Ausgleichsgesetz und der Flächenerwerbsverordnung, der Verkauf von Flächen für investive Zwecke sowie die Reprivatisierung und das Vertragsmanagement.

Triften

Auch Trittweiden oder Huten; nicht eingezäunte, unregelmäßig beweidete Flächen, die oft gemeinsam genutzt werden. Beispielsweise wurden Halbtrockenrasen und lichte Wälder in Triften überführt. Aufgrund des selektiven Weidefraßes werden bestimmte Pflanzen (Futterpflanzen) dezimiert, sogenannte Weideunkräuter, wie der Wacholder, nehmen überhand. Durch Düngung und Umtriebsweide wurden oder werden Triften in Intensivweiden überführt.

Tritt

Das Auftreten von Großtieren oder Menschen auf die Bodenoberfläche mit der Folge der Bodenverdichtung. Dies führt zur Auslese trittfester Pflanzenarten, so z.B. des Breit-Wegerichs und des Einjährigen Rispengrases. Der Verlust an Hohlräumen im Boden führt zu einer Verarmung der Bodenfauna.

Trockenbrache

Eine im Konzept des dry farming eingelegte 1-2-jährige Brache, bei der die spärlichen, und für kontinuierlichen Anbau nicht ausreichenden Niederschläge semiarider Gebiete für die nächste Anbauphase gespeichert werden.

Trockenfarmsystem

Siehe dry farming

Trockenfeldbau

Siehe dry farming

Trockengrenze

Grenzsaum, über den hinaus der Anbau von Feldfrüchten infolge zu großer Trockenheit im Regenfeldbau nicht möglich ist. Trockengrenzen liegen jenseits der klimatischen Trockengrenze (Trennlinie, welche Gebiete mit Niederschlagsüberschuß von Gebieten mit Niederschlagsdefizit im Vergleich zur jährlichen Gesamtverdunstung abgrenzt; an der klimatischen Trockengrenze ist N = V) und dürfen nicht mit dieser verwechselt werden. Zur Unterscheidung wird die Grenze des Regenfeldbaus als agronomische Trockengrenze bezeichnet. Da sie in allen Klimazonen auftritt, ist sie nicht bloß durch Niederschlagswerte definierbar, sondern sie ergibt sich aus einem komplexen Wechselspiel zwischen Wasserangebot und Wassernachfrage.

Die agronomische Trockengrenze verläuft in den Tropen zwischen Trocken- und Dornbuschsavanne bei etwa 8 ½ ariden Monaten und in den Subtropen zwischen der Hartlaubgehölzzone und der Dornbuschsteppe bei etwa 8 ariden Monaten. Wenn man die Norm-Niederschlagshöhen mit den Niederschlagsansprüchen der Kulturpflanzen im Bereich der agronomischen Trockengrenze vergleicht, wird die Artenarmut der Kulturpflanzengemeinschaft besonders deutlich. Die Trockengrenze unterliegt in allen Kontinenten unterschiedlichen ökologischen und ökonomischen Bedingungen. Für Weizen liegt die agronomische Trockengrenze bei einem Niederschlag von ca. 500 mm. Spezielle Züchtungen, Bewässerungsmaßnahmen und dry-farming haben die Grenze hinausschieben können.

Ist vor Erreichen der Trockengrenze im Regenfeldbau noch das dry farming vorherrschend, so gewinnt mit der Annäherung an die agronomische Trockengrenze die extensive Rinderweidewirtschaft (Ranch) an Bedeutung. Bei noch größerer Trockenheit (ca. unter 200 mm) wird das ranching system durch die extensive Schafweidewirtschaft ersetzt. Sie gilt als extensivstes Betriebssystem mit Marktorientierung.

(s. a. Anbaugrenzen, Landnutzung, Grenzen der, Höhengrenze)

Trockenrasen

Natürliches und anthropozoogenes Grünland trockenwarmer Standorte im gemäßigten Klima außerhalb des Steppen-Bioms mit oft lückenhafter Vegetation. Trockenrasen können auf flachgründigen Felsböden, auf trockenen Sandböden, aber auch vor allem in südexponierter Lage und bei subkontinentalem Klima auf tiefgründigen Schluff- und Lehmböden vorkommen. Der weitaus größte Teil des trockenen Grünlandes sind Halbtrockenrasen, d.h. durch extensive Mahd oder Beweidung entstandene Kulturformationen. Bei extensiver Beweidung findet man oft typische Weidegebüsche wie z.B. Wacholder ("Wacholderheiden" Süddeutschlands) Weißdorn und Rosen. Trockenrasen sind außerordentlich artenreich, Lebensraum zahlreicher geschützter und gefährdeter Pflanzen- und Tierarten und durch Nutzungsaufgabe oder Intensivierung stark zurückgegangen.

(s. a. Magerwiese)

Tropfbewässerung

Auch Tröpfchenbewässerung; Bewässerungstechnik mit oberirdischen und unterirdischen Varianten, bei der an Schläuchen in regelmäßigen Abständen Auslässe angebracht sind, über die nur geringe, exakt dosierte Wassermengen (tröpfchenweise meist 2–4 l/h) weitgehend unabhängig vom Druck in der Rohrleitung abgegeben werden. Dieses Verfahren wurde zunächst in trockenen Ländern zum wassersparenden Einsatz entwickelt. Es kann auch in Mitteleuropa im geschützten gärtnerischen Anbau unter Glas oder unter Folie eingesetzt werden, aber auch im Hausgarten und in Parkanlagen. Zunehmend wird Tropfbewässerung im Weinbau eingesetzt.

Hauptbestandteile einer Tropfbewässerungsanlage sind die Steuer- und Regeleinheit, die Hydranten- und Verteilerleitung sowie die Tropfleitungen mit den Tropfelementen. Die Steuer- und Regeleinheit reduziert den evtl. zu hohen Druck in der Zuleitung, regelt den Volumendurchfluss, dosiert die notwendige Düngergabe und reinigt das Wasser von Bestandteilen, die zum Verstopfen der Tropfelemente führen können. Mit niedrigem Wasserdruck wird das Wasser möglichst direkt der Pflanze zugeführt, wodurch Wasserverluste weitgehend reduziert und erhebliche Energieeinsparungen möglich sind.

Während bei der oberirischen Tropfbewässerung die Tropferleitungen auf der Bodenoberfläche verlegt sind, wird bei der unterirdischen Bewässerung das Wasser mit unterirdischen Leitungen direkt zum Wurzelbereich der Pflanze geführt. Die Installation ist dadurch aufwändiger und die Leitungen können bei Bedarf nicht so flexibel verschoben werden. Der unterirdische Einsatz der Tropfbewässerung ist nur sehr begrenzt zu beobachten. Größere Flächen sind im Spargel- und Erdbeeranbau zu finden.

Truthühner (Puten)

Größte Geflügelart, aus Amerika stammend. Das Fleisch von Truthühnern ist eiweißreich und kalorienarm. Die Verbraucher in Deutschland haben sich nach dem Auftreten von BSE vermehrt auch dem Geflügelfleisch zugewandt, davon hat der Putenfleischabsatz profitiert. Der Verbrauch lag 2004 bei 6,5 kg pro Person.

Turbation

Bezeichnung für alle den Aufbau von Bodenprofilen bzw. eine Differenzierung in Bodenhorizonte störenden physikalischen, biologischen und anthropogenen, periodisch oder episodisch wiederkehrenden Vorgänge.

Man unterscheidet: