Brexit
Kurzwort aus Britain und Exit (Ausstieg) im Zusammenhang mit der Volksabstimmung im Vereinigten Königreich über die weitere Mitgliedschaft des Landes in der Europäischen Union. Am 23. Juni 2016 haben die Briten bei einem Referendum mit rund 52 Prozent der Stimmen für den Brexit gestimmt.
Nach mehr als 40 Jahren Mitgliedschaft haben die Briten als erstes Land der EU mittlerweile die Europäische Union verlassen. Die einzelnen Schritte eines Austritts aus der EU regelt Artikel 50 des EU-Vertrags. Seit dem 31. Januar 2020 ist Großbritannien nicht mehr Mitglied der EU und seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr Teil des Binnenmarkts und der Zollunion der EU.
Nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union leidet die britische Wirtschaft unter den Folgen des Brexits. Großbritannien hatte Ende Januar 2020 die Europäische Union verlassen und ist seit Januar 2021 auch nicht mehr Mitglied der EU-Zollunion und des -Binnenmarkts. Britische Hoffnungen auf eine hohe Dividende durch den Brexit haben sich bisher nicht erfüllt.
Die Brexit-Ziele, mit denen die konservative Regierung den EU-Austritt beworben hatte, wurden nicht erreicht. Dazu zählen stärkere Autonomie, weniger Verwaltung, weniger Zuwanderung, ein besseres Gesundheitssystem, geringere Steuern und bessere bilaterale Handelsabkommen. Neue Handelsabkommen, wie das mit Australien, sind im Vergleich zu den Verlusten im Handel mit der EU winzig. Weniger als zwei Drittel des Außenhandelsvolumens sind bislang durch Post-Brexit-Handelsverträge abgedeckt. Ein Handelsabkommen mit den USA ist bisher nicht zustande gekommen. Der Brexit sollte die Unabhängigkeit frei von EU-Regularien bringen und die Wirtschaft Großbritanniens wachsen lassen. Ein Blick in die Daten zeigt, dass der Austritt aus der EU Großbritannien geschadet hat.
Der Brexit hat im Jahr 2021 zu signifikant höheren Kosten für Verwaltung, Logistik, Zölle, Finanzierung und IT-Anpassungen bei gleichzeitig gesunkenen Umsatzerlösen geführt. Das Gesundheitswesen, das Transportgewerbe, die Gastronomie und die Landwirtschaft zählen ebenfalls zu den Brexit-Geschädigten.
Brexit und Landwirtschaft
Vereinigtes Königreich
Der Export von Nahrungs- und Agrarprodukten in die EU ist erheblich zurückgegangen. Insbesondere die Einführung neuer Zollvorschriften und Zertifizierungsanforderungen wird für diesen Abwärtstrend verantwortlich gemacht. Früher konnten Landwirte und Lebensmittelproduzenten ihre Waren nahezu reibungslos auf das europäische Festland schicken, doch seit dem Brexit sind Transport und Absatz deutlich komplexer und teurer geworden.
Seit dem Brexit, dem vollständigen Austritt des Vereinigten Königsreichs (VK) aus der EU, gehen die Briten in der Agrarpolitik neue Wege. Davon betroffen ist vor allem die Subventionierung der Landwirtschaft. Im Vereinigten Königreich sollen flächenbezogene Direktzahlungen nach dem Modell der 1. Säule der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) bis 2028 schrittweise ausgesetzt und durch Vergütungen von Leistungen für Umweltschutz und Nachhaltigkeit durch landwirtschaftliche Betriebe ersetzt werden. Dieser Prozess ist in den vier Ländern des VK in unterschiedlicher Weise bereits im Gange: Während England klar daran festhält, die Direktzahlungen zugunsten von Umweltleistungen abzuschaffen, sehen Beobachter in Nordirland, Schottland und Wales hier noch Fragezeichen.
Europäische Union
Brexit wirkt auf die EU-Landwirtschaft vor allem über Handel, Grenzkontrollen, Preise und Arbeitskräfte. Die größten direkten Belastungen tragen bislang eher die britischen als die kontinentaleuropäischen Betriebe, während die EU insgesamt stärker über einzelne Sektoren und Regionen betroffen ist, sowie durch unsicherere Lieferketten und schwächere Exportchancen in den britischen Markt.
Unterm Strich hat Brexit die EU-Landwirtschaft nicht „umgeworfen“, aber er hat den Handel mit Großbritannien teurer, langsamer und politisch unsicherer gemacht. Am stärksten betroffen sind exportorientierte Frische- und Tierprodukt-Sektoren sowie Betriebe in Grenz- und Küstenregionen, die stark in den UK-Markt integriert sind.
Weitere Informationen:
- Brexit: Folgen für Agrarwirtschaft und Fischerei (Thünen-Institut 2020)
- Brexit am 31. Januar (bpb 2020)
- Brexit - Versuch der Schadensbegrenzung (DBV 2020)