Schwaighof
Auf reine Viehwirtschaft spezialisierte Betriebsform im Alpenvorland und im Alpenraum innerhalb einer Grundherrschaft, vor allem von Klöstern eingerichtet. Für die Schwaighöfe bestand eine Lieferverpflichtung (Käse, Butter, Lebendvieh, teilweise Schafwolle) an den Grundherrn, der seinerseits die Versorgung mit Getreide, Stroh, Salz usw. garantierte. In den Urkunden hießen diese Höfe auch vaccariae (lat. vacca = Kuh) oder armentariae (lat. armentum = Acker- und Pflugvieh, insbesondere Ochsen). Schwaighöfe bestanden vom 12. Jahrhundert bis zum Beginn des Eisenbahnzeitalters.
Der Käsezins entsprach der damaligen Milchleistung von etwa 6-10 Kühen und machte vermutlich weniger als ein Drittel des Gesamtertrages eines Hofes aus. Der Zins war nicht nur eine Gegenleistung für das eingestellte Vieh des Grundherrn, sondern auch für den vom Grundherrn überlassenen Grund und Boden, sowie dessen Weidenutzungsrechte auf den Almen. Ging der Viehbestand verloren, so ersetzte der Grundherr diesen wieder. Neben dem grundherrlichen Vieh (5-6 Stück) besaß der Schwaighof auch noch eigenes Vieh.
Schwaighöfe konzentrierten sich auf Höhenlagen zwischen 1200 und 2000 m, lagen wegen des großen Holzbedarfs (Sennerei) allerdings nicht weit oberhalb der Waldgrenze. Sie wurden vorwiegend im 12., 13. und frühen 14. Jh. unter der Führung der Grundherrschaft errichtet. Sie dienten der Ausdehnung der bisherigen Grenze der Dauersiedlungen und sollten die steigende Nachfrage nach Molkereierzeugnissen und Fleisch decken. Durch die Errichtung von neuen Schwaighöfen oder die Umwandlung von bestehenden Höfen in Schwaighöfe konnte die Grundherrschaft nach der weitgehenden Auflassung der Eigenbetriebe im 12. Jh. ihren Viehbestand ertragreich einsetzen. Außerdem erhielt die Grundherrschaft durch die hohen Käsezinse, die weit über den örtlichen Nahrungsmittelbedarf hinausgingen, eine wichtige Einnahmequelle. Man schätzt die Käsemenge, die um das Jahr 1300 in der Grafschaft Tirol abgeliefert wurde, auf 100.000 kg.
Schwaighöfe sind nur eine von mehreren Formen der Höhenkolonisation (Walserkolonisation), es gab auch hoch gelegene Zinshöfe, die nicht als Schwaighöfe bezeichnet werden dürfen. Die Einzigartigkeit des Schwaighofes liegt nicht in seiner Höhenlage oder seiner Wirtschaftsweise, sondern in seiner Beziehung zum Grundherrn. Eine starke Ausrichtung auf Viehwirtschaft und Käseerzeugung ist auch für andere, hoch gelegene Höfe typisch. Ab dem 16. Jh. haben Schwaighöfe unterhalb der Getreidegrenze zusätzlich zur Viehhaltung auch kleine Ackerflächen bewirtschaftet und Selbstversorgung mit Getreide angestrebt. Da viele Schwaighöfe an der obersten Grenze der Dauersiedlung lagen, waren sie von der Entsiedlung im 19. Jh. besonders stark betroffen.