Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

Volkskommune

1983 im Rahmen des Transformationsprozesses abgelöste wirtschaftliche, soziale und administrative Gemeinschaft im ländlichen Raum der Volksrepublik China mit einem sehr hohen Vergesellschaftungsgrad. Volkskommunen entstanden 1958 durch den Zusammenschluß kleinerer Produktionsgenossenschaften, welche nach der Revolution (1949) entsprechend sowjetischem Vorbild geschaffen wurden. Die Volkskommunen versuchten alle wichtigen Wirtschafts- und Lebensbereiche kollektiv zu steuern. So sollten sie die Umsetzung der staatlichen Planungsvorgaben im Agrarbereich erleichtern, da sie gleichzeitig Wirtschaftsverwaltungs- und Regierungsaufgaben wahrnahmen. Zudem sicherte das staatliche Handelsmonopol für Agrarprodukte den Transfer agrarischer Überschüsse für den Aufbau des städtischen Industriesektors. Gleichzeitig sollte mit dieser Struktur das Problem der Unterbeschäftigung auf dem Lande (Masseneinsätze beim Bau von Bewässerungssystemen oder bei der Urbarmachung von Agrarland) gelöst werden. Eine Wohnsitzkontrolle verhinderte die Abwanderung überschüssiger Arbeitskräfte auf die städtischen Arbeitsmärkte.

Die Landwirtschaft sollte sich in ihrer Entwicklung nicht an "unkalkulierbaren" wirtschaftlichen Marktgesichtspunkten orientieren, sondern durch bewusst "politische" Zielsetzungen den Sozialismus direkt ansteuern - und dies in möglichst kurzer Zeit. Dabei gingen Mao Zedong und andere Vertreter des (heute so genannten) "linken" Kurses davon aus, daß die Bauern diesen Sozialisierungskurs als Befreiungsweg begreifen und ihn in "schöpferischem Enthusiasmus" sowie unter Verzicht auf materielle Anreize beschreiten würden. Die Reaktion war Passivität und Beschränkung auf das Nötigste.

Die Einkommen der Bauern stagnierten auch aufgrund der staatlichen Preispolitik mit relativ niedrigen Preisen für Agrarprodukte gegenüber den vergleichsweise hohen Preisen für industrielle Produkte. Während der Kulturrevolution wurden zudem die in geringem Umfange mögliche privatwirtschaftliche Nebengewerbeproduktion sowie die Bauernmärkte verboten.

Die Nachteile der Zentralisierung und Bürokratisierung in den zunächst 10.000 - 60.000 Einwohner umfassenden Kommunen zwangen zur Revision des Konzepts und zur Schaffung kleinerer, relativ selbständig arbeitender "Produktionsgruppen" innerhalb der Kollektive. 1979 wurde das "Eigenverantwortungssystem" eingeführt und damit die weitgehende Reprivatisierung in der Landwirtschaft eingeleitet. Gestützt wurde die neue Strategie durch staatliche Hilfen, z.B. die Reduzierung der Landwirtschaftssteuer, die gleichzeitige Erhöhung der Aufkaufpreise für landwirtschaftliche Produkte, Vergabe von Investitionshilfen an die Landwirtschaft und das Verbot, bäuerliche Haushalte oder Kollektive ohne Entgelt zur Erledigung staatlicher Aufgaben abzukommandieren. Mittlerweile existieren Volkskommunen de facto nicht mehr. An ihre Stelle traten:

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