Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

Binnenkolonisation

Binnenkolonisation bezeichnet die Erschließung, Urbarmachung und planmäßige Besiedlung bislang ungenutzter oder dünn besiedelter Gebiete innerhalb eines Landes.Sie wurden dabei für Landwirtschaft, Siedlungen oder Infrastruktur nutzbar gemacht. 

So wurde der Landesausbau verschiedener deutscher Staaten im 18.Jh. als Binnenkolonisation und die daraus entstanden Siedlungen als Kolonien bezeichnet.

Vom frühen Mittelalter an wuchs in Mitteleuropa die Bevölkerung – von einer Stagnation im 10. Jh. abgesehen – bis ins 14. Jh. kontinuierlich an. Als Folge davon vergrößerten sich ländliche Siedlungsplätze von Weilern zu Dörfern (Verdorfung), wurden viele neue Siedlungen gegründet und Neulandgewinnung betrieben. Besonders nicht erbberechtigte Bauernsöhne konnten so in neuen Gebieten eine eigene Existenz aufbauen.

Kernmerkmale

Typische Maßnahmen der Binnenkolonisation waren:

Geschichtlicher Kontext

Historische Beispiele für Binnenkolonisation umfassen:

Soziale und wirtschaftliche Auswirkungen

Die Binnenkolonisation hatte weitreichende Folgen:

Rodungen als wesentliches Begleitphänomen

Da Wald die natürliche Bodenbedeckung in Mitteleuropa seit dem Ende der letzten Eiszeit darstellt, waren die Anlage und der Ausbau von Siedlungen nahezu immer mit der Beseitigung von Wald (Rodung) verbunden.

Schwerpunkte frühmittelalterlicher Rodung lagen im NW, wo Moore trockengelegt und Dämme gebaut wurden, sowie in den Wäldern der Vogesen, des Schwarzwaldes, des Harz und des Thüringerwaldes.

Die alten Rodungsinseln, die vereinzelt am Rand der Talniederungen oder entlang der Höhenstraßen gelegen waren, wurden durch Rodungsstreifen untereinander verbunden, daneben entstanden Neurodungen in breiter Streuung und tief in die Waldflächen hineinreichend. Träger des Landesausbaus waren neben Klöstern und Grundherren auch bäuerliche Siedler, die das Rodungs- und Siedlungsrecht gegen Abgabenleistung von klerikalen oder weltlichen Grundherrschaften erworben hatten. Die Rodungsarbeit bestand hauptsächlich im Niederlegen von Wald und Busch, wobei Brandrodung auf deutschem Boden nur in geringem Umfang und nur in Tannenwäldern angewandt wurde. (Das geschlagene Holz wurde auf vielfältige Weise genutzt, nur überflüssiges Wurzel- und Strauchwerk verbrannte man).

Auf Siedlungsgründungen im Rahmen des Landesausbaus weisen Ortsnamen hin, die auf -hagen, -holz-, -horst, -lohe, -wald(e), -reut(h), -rode, -sang (v. mhd. sengen) oder –schwand (zu mhd. swenden = schwinden machen, ausreuten) enden.

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