Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

Wacholderheide

Der Begriff „Wacholderheide” bezeichnet heideartige Biotope, bei denen der Wacholder – unabhängig von den dort vorkommenden Pflanzengesellschaften – das Landschaftsbild prägt. Zu den prägenden Pflanzengesellschaften zählen beispielsweise Mager- oder Trockenrasen, Halbtrockenrasen oder Zwergstrauchheiden.

Wacholderheiden befinden sich auf trockenen, nährstoffarmen und meist von Ortschaften weit abgelegenen, steilen Lagen. Eine andere Nutzung als die Beweidung war dort selten möglich. Sie sind in den letzten Jahrhunderten durch Beweidung mit Schafen, Ziegen oder Rindern entstanden. Durch den Verbiss der Tiere wurden alle wohlschmeckenden Pflanzen kurz gehalten. Stachelige Pflanzen wie Wacholder, Silberdisteln, Küchenschellen oder der giftige Schwalbenwurz wurden hingegen verschont.

Neben dem Vorkommen zahlreicher Pflanzenarten zeichnen sich Wacholderheiden durch einen hohen Insektenreichtum, insbesondere an Schmetterlingen, aus. Außerdem kommen dort Vogelarten wie die Heidelerche vor, allerdings nur im Flachland, zum Beispiel in der Lüneburger Heide. Wacholderheiden zählen zu den artenreichsten Biotopen in Mitteleuropa.

Die meisten Wacholderheiden, insbesondere die großflächigen, in Deutschland und anderen europäischen Ländern sind heute als Naturschutzgebiet oder Naturdenkmal geschützt. Viele dieser Naturschutzgebiete sind auch als FFH-Gebiet im europäischen Schutzprogramm Natura 2000 ausgewiesen. Wacholderheiden sind gemäß Anhang I der FFH-Richtlinie (Lebensraumtyp 5130) europarechtlich geschützt.

Solange die Schafweiden bewirtschaftet wurden, stach der Schäfer die stacheligen Pflanzen mit der Schäferschippe aus. So wurde eine Mindestqualität der Weiden erreicht und ein Überhandnehmen der stacheligen Gehölze verhindert.

Seit dem Rückgang der Wanderschäferei besteht die Gefahr, dass die Wacholderheiden wieder waldartig zuwachsen. Viele Wacholderheiden wurden nach der Aufgabe der Schäferei zudem mit Kiefern und Fichten aufgeforstet. Andere sind durch natürliche Sukzession von selbst zu Wald geworden. Da extensiv genutzte, offene Magerstandorte jedoch selten geworden sind, werden Wacholderheiden heute aus Gründen des Natur- und Landschaftsschutzes offen gehalten.

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