Wacholder
Die Wacholder (Juniperus) sind eine nordhemisphärisch verbreitete Gattung der Zypressengewächse. Mit ihren etwa 50 bis 70 Arten stellen sie fast 40 Prozent der Arten innerhalb der Zypressengewächse. In Mitteleuropa kommen in freier Natur nur zwei Arten vor: der Gemeine Wacholder und der Sadebaum.
Aussehen (Gemeiner Wacholder)
Wacholder kann bis zu 600 Jahre alt werden und bevorzugt milde bis saure, magere Böden an sonnigen Magerweiden, Heiden, Felsgebüschen und in lichten Wäldern. Der bis zu 12 m große Baum mit dichten nadelförmigen Blättern und meist säulenförmigem Wuchs ist zweigeschlechtlich.
Er besitzt stechende, graugrüne Nadeln von 1 bis 2 cm Länge, welche auf der Innenseite einen einzelnen, bereiften, weissen Streifen tragen. Zerrieben duften die Nadeln aromatisch. Sie können grosse Trockenheit ohne Schaden ertragen.
Die unscheinbaren, gelblichen Blüten erscheinen an männlichen wie auch an weiblichen Pflanzen von Ende März bis Anfang Mai. Aus den bestäubten, weiblichen Blüten entstehen rundliche Beerenzapfen, die im ersten Jahr grün sind und in drei Jahren zu bläulich schwarzen Beeren reifen. Sie sind zum Beispiel für die Drossel eine wichtige Nahrungsquelle.
Der Zwerg-Wacholder oder Berg-Wacholder (Juniperus communis ssp. alpina; Eurasien, Nordamerika), ein niederliegender, bis 30 cm hoher Strauch mit weichen Blättern, ist ein Gehölz der (sub-)alpinen Höhenstufe, wo er als Pionierpflanze dichte Bestände bilden kann.
Verbreitung (Gemeiner Wacholder)
Das Verbreitungsareal erstreckt sich von Nordamerika über Südgrönland nach Nordafrika und Europa und von dort über Vorderasien bis nach Ostasien. Er kann Lebensräume bis in 4050 m Höhe besiedeln.
Der Gemeine Wacholder ist das am weitesten verbreitete Nadelgehölz und dies, obwohl er unter den einheimischen Baumarten sicher einer der konkurrenzschwächsten ist. Von Natur aus wäre der Wacholder deshalb eine ganz seltene Art und nur dort vertreten, wo extreme Trockenheit und großer Mangel an Nährstoffen andere Bäume nicht wachsen lassen.
Größere Verbreitung erreichte er erst in vom Menschen devastierten, lichten Wäldern und auf extensiv genutzten Weiden. Da ausgeplünderte Wälder bei uns mehr und mehr der Vergangenheit angehören, ebenso wie die Wanderschäferei im großen Stil, nimmt der Lebensraum für den lichthungrigen Wacholder wieder ab.
Große Wacholderbestände wie in der Lüneburger Heide oder auf der Schwäbischen Alb sind durch Weidenutzung entstanden. Das Vieh verbeißt die eigentlich konkurrenzschwache Art nicht und fördert sie damit indirekt.
Standort (Gemeiner Wacholder)
Da der Gemeine Wacholder sehr konkurrenzschwach ist lebt er meistens auf trockenen, sandigen oder steinigen Standorten oder Moorflächen. Den Heide-Wacholder findet man häufig auf sonnigen Magerweiden, an Felsen und in lichten Wäldern. Er ist eine wärmeliebende Lichtpflanze und bevorzugt eher trockene, kalkhaltige Böden. In Deutschland hat er Verbreitungsschwerpunkte in der Lüneburger Heide oder der Schwäbischen Alb.
Verwendung (Gemeiner Wacholder)
Als Zierstrauch wird der Wacholder gerne auf Friedhöfen und Parkanlagen gepflanzt. Das Holz ist bei Drechslern und Schreinern beliebt und wird für die Herstellung von Spazierstöcken und Pfeifenrohren, aber auch für kunstgewerbliche Gegenstände und Luxusmöbel verwendet. Die Zweige können zum Räuchern von Würsten und Schinken eingesetzt werden. Die Beeren finden Verwendung als Küchengewürz oder zum Brennen von Wacholderschnäpsen. In der Heilkunde wird Wacholder gegen viele Leiden eingesetzt - als Tees, Salben oder Cremes zur Linderung von Hautausschlägen, Rheuma, Gicht, Arthrose, Magen-Darm-Beschwerden oder Kopfschmerzen. Die ätherischen Öle werden zum Einreiben oder Inhalieren gegen Bronchitis und Asthma verwendet. Schwangere sollten Wacholderprodukte jedoch lieber meiden.
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