Öllein
Öllein ist die Form der Leinpflanze, die primär für die Gewinnung von Öl gezüchtet wurde. Er bleibt eher niedrig, verzweigt sich stark und bildet viele Samenkapseln aus. Er ist darauf optimiert, einen hohen Fettgehalt in den Samen zu speichern.
Öllein ist eine Nischenkultur mit besonderem Potenzial für den ökologischen Landbau. Als einzige Kulturart der Familie der Leingewächse ist Öllein eine ideale Ergänzung für die Fruchtfolge. Zudem stellt diese Kulturpflanze wenig Ansprüche an den Boden und die Nährstoffversorgung und ist darüber hinaus eine Bereicherung für die Agrobiodiversität.
Kulturgeschichtlicher Hintergrund
Schon vor mehr als 6.000 Jahren bauten Ägypter und Sumerer Lein an. Er gelangte in der jüngeren Steinzeit in das südliche Mitteleuropa. Damit gehört der Lein zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Sein botanischer Name „der äußerst nützliche Lein“ verweist auf vielfältigste Nutzungsmöglichkeiten. Bereits in den ältesten Kulturen lassen sich Varietäten zur Fasergewinnung und zur Ölgewinnung nachweisen. Im 14. Jahrhundert floss Leinöl erstmals in die Farbenherstellung, ab 1860 wurde es bei der Linoleumproduktion verwendet.
Merkmale
Der Öllein ist eine Konvarietät der einstängeligen und einjährigen Leinpflanze. Er wird 20 bis 80 cm hoch und verzweigt sich im oberen Sprossteil stark. An dem aufrechten, zierlichen Stängel sitzen wechselständig die schmal-lanzettlichen Blätter; die Pfahlwurzel ist wenig verzweigt. Über mehrere Wochen hinweg blüht der Öllein mit einer größeren Zahl endständiger Blüten, die fünf blaue, weiße, violette oder rosa Kronblätter besitzen. Nach Fremd- oder Selbstbefruchtung bilden sich Fruchtkapseln, in denen höchstens zehn hellgelb bis dunkelbraun glänzende Samen reifen.
Standort
Öllein eignet sich sowohl für maritime Klimalagen als auch für warme trockene Standorte. Auch an den Boden stellt er keine besonderen Ansprüche. Besonders gut gedeiht er auf durchlässigen, nicht allzu schweren oder humosen Böden. Ertragsentscheidend ist in der Regel die Wasserversorgung vor und während der Blüte in den Monaten Mai bis Juni. Für einen ausreichenden Ertrag sind rund 120 Millimeter – gerechnet auf beide Monate – notwendig.
Anbau
Da Öllein eine anspruchslose Pflanze ist, kann er relativ extensiv kultiviert werden. Seit Ende der 80er Jahre wird Öllein wieder in Deutschland angebaut, aktuell (2025) auf einer Fläche von 5.100 ha. Neuere Züchtungen streben einen erhöhten Linolsäureanteil an. Die Aussaat erfolgt mit üblichen Getreidedrillmaschinen möglichst schon im März. Lein erfordert eine Anbaupause von wenigstens 5 Jahren insbesondere auf Grund pilzlicher Schaderreger. Der Ertrag beim Dreschen Ende August beläuft sich auf 20 - 30 dt/ha.
Inhaltsstoffe
Ölgehalt im Samen: 40 - 50 %, davon 55 % Linolensäure, 20 % Linolsäure und 15 % Ölsäure
Verwendung
Die Samen werden sowohl vom Öllein wie vom Faserlein verwertet. Die Leinsamen werden nur zu einem geringen Teil direkt in Backwaren, als Reformkost und als Arzneimittel bei Verstopfung verwendet.
Im Ernährungsbereich kann Leinöl als Speiseöl verwendet werden.
Durch den Linolensäureanteil ist Leinöl schnell trocknend und findet Verwendung als Grundstoff für Lacke, Anstrich- und Druckfarben. Der Fußbodenbelag Linoleum besteht zu 30 % aus Leinöl. Leinöl dient als Rohstoff für Firnis (Kitt), Weichmacher, PVC-Stabilisatoren, für die Papier-, Leder- und Wachstuchindustrie und zur Herstellung wasserdichter Gewebe. Weitere Einsatzbereiche sind Tenside für flüssige Geschirrspülmittel sowie Kosmetika und Pharmazeutika.
Nebenprodukte der Ölgewinnung sind Leinkuchen (entölter Leinsamen bzw. die zusammengebackenen Schalen des Leinsamens als gepresster Rückstand bei der Ölgewinnung und Leinschrot, wegen des Reichtums an Protein werden sie als Viehfutter, besonders für Rinder und Kälber verwendet.