Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

Dreistufenwirtschaft

Die Dreistufenwirtschaft ist eine Form der Almwirtschaft im alpinen Raum, bei der eine jahreszyklische Weide- und Mähwirtschaft stattfindet.Dabei erfolgt der Almauftrieb vom Heimgut im Tal zunächst auf eine mittlere Höhenstufe (Maiensäß) und das Vieh wird erst Ende Juni auf die Hochalm (Hoch- / Oberleger) getrieben. Die Stufen werden auch als Stafel bezeichnet, wobei dieser Begriff ein römisches Lehnwort ist und auf dem lateinischen stabulum u. a. für Stall beruht. Je nach Region spricht man in der Schweiz vom Maiensäß , im Bregenzerwald vom Vorsäß und in Italien oder anderen Regionen von Monti oder Unterstafel .

Bei dieser Form der vertikalen Almstaffel zogen die Bauern in den alpinen Regionen dem Futter nach: vom Heimgut im Tal, zum Maiensäß oder Vorsäß, wo es auch im Mai/Juni noch gutes Futter gab zur Hochalp (1600 – 2000 Meter).

Die Dreistufenform der Almwirtschaft ist vornehmlich in den Zentralen Alpen verbreitet, in Westösterreich, den Bayerischen Alpen, im Südtirol und Trentino, in den Schweizer Alpen und den französische Hochalpen, dort, wo enger Talsiedlungsraum sich mit weiten hochmontanen Fluren findet.

Die drei Stufen

Man unterscheidet in der Dreistufenwirtschaft das Heimgut, den Niederleger (die unteren Almen, Maiensäß oder Unterstafel) und Oberleger (Hochalm) oder Oberstafel. Erstere ist die Alm der Montanzone, meist zwischen 1.300 und 1.500 Meter, die als Viehweide für den Früh- und Spätsommer brauchbar ist, zweitere die Hochweide der Subalpinzone über etwa 1.500 Meter, die nur im Hochsommer begrast wird. Nach dem Abweiden der Hochalm belegt man nochmal einige Wochen die Niederleger, wo man besser vor frühen Wintereinbrüchen geschützt ist.

Während Nieder- und Oberleger die typischen Bergweidegründe von Rind und Pferd sind, werden höchstgelegene alpine Matten nicht mehr mit Almhütten versehen, sondern nur mehr von den ganzen Almsommer über freiziehenden Herden aus Schafen und Ziegen bewirtschaftet. Diese werden nur hin und wieder aufgesucht, um sie auf Krankheiten und Verletzungen zu prüfen und Lecksalz zu bringen. Üblich sind hochgelegene Quellfassungen, an denen sich das Kleinvieh sammeln kann, mancherorts sind Einzäunungen üblich, die sich dann bis in die 3000er-Regionen erstrecken können, in anderen Gebieten werden keine baulichen Maßnahmen getroffen, wenn das Gelände geeignet ist.

Auf den Wegen zur Alm wird in manchen Regionen zusätzlich noch Waldweide (Hutewirtschaft) praktiziert.

Der jährliche Beginn der Almbewirtschaftung ist abhängig von Witterung und Höhenlage, meist um Pfingsten, und wird Almauftrieb genannt, am Ende der Almzeit, meist im September, findet der Almabtrieb oder Viehscheid statt. Das Schneefluchtrecht erlaubte es früher, bei gefährlichen Wetterumstürzen das Almvieh in tiefer gelegene fremde Almen oder Maiensäße zu treiben.

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