Doppelanbau
Doppelanbau (auch Zweitfruchtanbau, Zweikulturnutzung oder Double-Cropping) bezeichnet den sukzessiven Anbau und die Ernte von zwei verschiedenen Kulturen auf derselben Fläche innerhalb eines einzigen Kalenderjahres.
Klimawandelbedingte Auswirkungen auf die Landwirtschaft erfordern Anpassungsmaßnahmen in Form innovativer Pflanzenbausysteme zur Steigerung der Resilienz und zur Ertragssicherung. Verlängerte Vegetationsperioden und erhöhte Durchschnittstemperaturen ermöglichen zugleich erweiterte Handlungsmöglichkeiten bei der Entwicklung solcher Anbausysteme und dem Anbau neuer Kulturpflanzen.
Zweikulturnutzungssysteme umfassen Anbau und Nutzung von zwei Kulturen innerhalb eines Jahres: Auf eine winterharte Erstkultur, die ca. Ende Mai bis Mitte Juni als Ganzpflanze geerntet wird, folgt nach reduzierter Bodenbearbeitung eine Zweitkultur, die im Herbst auch als Ganzpflanze geerntet wird. Durch die geeignete und standortbezogene Auswahl der Anbaukulturen können vielfältige Synergieeffekte wie ganzjähriger Bodenschutz und Nährstoffentzug, effektive Unkrautunterdrückung, geringerer Düngebedarf sowie Erhöhung der Artenvielfalt erreicht werden. Ertragsrisiken werden auf mehrere Kulturen innerhalb von zwei Anbauperioden im Jahr verteilt. Zugleich können Ertragssteigerungen durch zwei Ernten pro Jahr erzielt werden, die zum Ausgleich des erhöhten Aufwandes bei diesen Systemen notwendig sind.
Wichtigste Merkmale
- Zeitliche Abfolge: Die zweite Kultur wird erst nach der Ernte der ersten Kultur gesät.
- Abgrenzung: Nicht zu verwechseln mit Mischkultur (gleichzeitiger Anbau auf derselben Fläche).
- Ziel: Maximale Ausnutzung der Vegetationsperiode und Steigerung des Ertrags pro Hektar.
Typische Kombinationen (Mitteleuropa)
- Hauptfrucht + Zweitfrucht: Wintergerste (Ernte im Juli) gefolgt von Silomais, Hirse oder Buchweizen.
- Futterbau: Grünroggen (Ernte im Mai) gefolgt von Mais.
- Gemüsebau: Früher Salat gefolgt von Herbstgemüse (z.B. Spinat oder Kohl).
Vorteile
- Höherer Ertrag: Mehr Biomasse oder Marktfrüchte pro Fläche und Jahr.
- Bodenschutz: Permanente Bodenbedeckung reduziert Erosion und Nährstoffauswaschung.
- Unkrautunterdrückung: Schnellerer Reihenschluss lässt Unkräutern weniger Licht.
Herausforderungen
- Wassermangel: Die zweite Kultur leidet oft unter sommerlicher Trockenheit.
- Zeitdruck: Sehr enges Zeitfenster für Ernte, Bodenbearbeitung und Aussaat im Sommer.
- Nährstoffentzug: Hoher Bedarf an Düngung und intensives Management notwendig.
Im deutschen Zweikulturnutzungssystem werden häufig eine Winterkultur und eine Sommerfrucht miteinander kombiniert. Als Erstkulturen kommen beispielsweise Weizen, Roggen, Triticale, Winterhafer oder Winterwicken infrage; als Zweitkulturen unter anderem Mais, Sonnenblumen, Zuckerhirse und Sudangras.
Weitere Informationen:
- Doppelanbau (»Double cropping«) und wärmeliebende Kulturen – Neue Chancen und Risiken in einer wärmeren Welt (aus: Warnsignal Klima - Landwirtschaft)