Schnittblumen
Schnittblumen sind Blüten und Blütenknospen, die von gezielt angebauten Pflanzen, abgeschnitten und vermarktet werden. Sie finden Verwendung in Gestecken, als Blumensträuße, Bouquets etc. Den Schnittblumen wird oft Schnittgrün (Blätter mit und ohne Stiele) zu Kontrast- und Gestaltungszwecken hinzugefügt. Schnittblumen und Schnittgrün dienen der Dekoration und als Geschenk zu besonderen Anlässen.
Gärtner züchten die Pflanzen speziell für diesen Zweck, entweder im Freiland oder im Gewächshaus. Kisten mit geernteten Blumen werden per Luftfracht in die ganze Welt verschickt.
Professionelle Floristen arbeiten in Blumenläden (Floristik) und nutzen ihre gestalterischen Fähigkeiten sowie ihre Erfahrung mit vielen verschiedenen Blumen- und Grünsorten, um mit Blumen Kunstwerke zu schaffen.
Globale Produktion und Märkte
Schnittblumen sind zu einem Bestandteil des internationalen Handels und zu einem wichtigen Wirtschaftsmotor in einer Reihe tropischer Länder (z.B. Kenia) geworden.
Der Markt für Schnittblumen wurde 2025 auf 44,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Laut dem neuesten Bericht von Global Market Insights Inc. wird erwartet, dass der Markt von 46,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 73,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2035 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 5,2 % wachsen wird.
Für Rosen wird eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 5,9 % prognostiziert, während Chrysanthemen und Gerbera in den nächsten acht Jahren um 5,3 % zulegen werden.
Royal FloraHolland in Aalsmeer, Niederlande, ist der größte Blumenmarkt der Welt. Jährlich werden dort Blumen im Wert von über 4 Milliarden US-Dollar gehandelt. Im Jahr 2019 belief sich der Exportwert von Schnittblumen aus der EU auf 4.200 Millionen Euro, die Exporte aus Kolumbien betrugen 1.235 Millionen Euro, die aus Ecuador 721 Millionen Euro, die aus Kenia 487 Millionen Euro und die aus Äthiopien 180 Millionen Euro, während die Exporte aus den USA nur 14 Millionen Euro betrugen, verglichen mit Importen in Höhe von 1.052 Millionen Euro. Union Fleur, ein europäischer internationaler Blumenhandelsverband, vertritt die Interessen von Österreich, Kolumbien, Dänemark, Äthiopien, Deutschland, Italien, Kenia, den Niederlanden, Schweden, der Türkei, Uganda und den Vereinigten Staaten. Der Großteil der Exporte von Royal FloraHolland geht in europäische Nachbarländer.
Die Schnittblumenexporte aus China stiegen von 71,4 Millionen US-Dollar im Jahr 2011 auf 162,1 Millionen US-Dollar im Jahr 2022, vor allem aus der Provinz Yunnan, wo 300.000 Landwirte auf 1,5 Millionen Hektar Blumen anbauen. Die Gesamtproduktion ist deutlich höher, da 90 % der Blumen in China verkauft werden. Die meisten Schnittblumen werden über den Dounan-Blumenmarkt in Kunming, Yunnan, China, verkauft. Es ist anzunehmen, dass die Schnittblumenproduktion in Indien aufgrund der ähnlichen Bevölkerungszahlen derjenigen in China entspricht.
In den letzten Jahrzehnten ist es durch den zunehmenden Einsatz von Luftfracht wirtschaftlich geworden, hochwertige Kulturen weit entfernt von ihrem Absatzort anzubauen; der Markt befindet sich in der Regel in Industrieländern. Typische Beispiele hierfür sind der Anbau von Rosen in Ecuador und von Nelken in Kolumbien, hauptsächlich für den US-Markt, sowie der Anbau in Kenia und Uganda für den europäischen Markt. Einige Länder haben sich auf besonders hochwertige Produkte spezialisiert, wie beispielsweise Orchideen aus Singapur und Thailand.
Anbau und Markt von Schnittblumen in Deutschland
Schnittblumen wurden von Juli 2024 bis Juni 2025 von 1.282 Betrieben auf einer Fläche von 2.420 Hektar angebaut. Der Anbau fand hauptsächlich im Freiland statt (93 Prozent). Mit rund sieben Prozent lag ein kleiner Teil der Schnittblumenflächen unter Gewächshäusern und anderen hohen Schutzabdeckungen. Im geschützten Anbau wuchsen auf über einem Drittel Rosen, gefolgt von Sommerblumen und Schnittstauden auf 17 Prozent. Im Freiland hingegen dominierte der Anbau von Sommerblumen und Stauden, gefolgt von Zierpflanzen zum Selberschneiden und Gehölzen zum Grün- und Blütenschnitt.
Der Umsatz im Gesamtmarkt für Schnittblumen und Zimmerpflanzen als auch Beet- und Balkonpflanzen, Stauden sowie Gehölze betrug 2022 in Deutschland 9 Milliarden Euro. Insbesondere in den vergangenen Jahren stiegen die Umsätze im Online-Blumenversand. Jährlich verdienen Online-Blumenhändler mehr als 300 Millionen Euro durch den Versand von Schnittblumen. Allein im Jahr 2013 planten 1,4 Millionen Deutsche Schnittblumen zum Muttertag per Internet zu verschicken.
Kritik
Der Schnittblumenanbau erfolgt intensiv, meist in Form von Monokulturen in Gewächshäusern, und erfordert große Mengen hochgiftiger Pestizide, deren Rückstände häufig noch in Blumenläden auf importierten Blumen nachweisbar sind.
Wie bei der Obst- und Gemüseproduktion ist die Branche auf erhebliche Mengen an Wasser angewiesen, das von den Betriebsinhabern gesammelt und gespeichert werden kann. Der Dammbruch am Patel-Damm im Mai 2018, der mit einer großen kenianischen Rosenplantage in Verbindung stand, forderte Dutzende von Menschenleben.
Folglich haben die Arbeitsbedingungen wie auch die ökologischen Auswirkungen intensiver Blumenproduktion Kritik hervorgerufen. Die Zeitschrift Ökotest wies schon im Mai 2011 eine hohe Pestizid-Belastung bei Schnittblumen aus konventionellem Handel nach. Bis zu 20 verschiedene Pflanzenschutzgifte pro Strauß wurden gefunden. Aus dieser Kritik ging die Schaffung des Flower Label Program (FLP) hervor, durch das sozial und ökologisch verträglich produzierte Blumen im Handel gekennzeichnet werden sollten (siehe auch Fair Trade).
Weitere Informationen:
- Floral Industry (Wikipedia, engl.)