Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

Buckelwiesen

Buckelwiesen sind eine geomorphologische Besonderheit des alpinen Raumes. Die größten Restbestände dieser vielfach von Menschenhand eingeebneten Buckelfluren finden sich in den Alpen noch im Niederwerdenfelser Land, also in der Region um Mittenwald, Krün und Klais.

Die meisten Buckelwiesen liegen in den größeren Tälern der Kalkalpen, wo sie sich auf kalkreichen, eiszeitlichen Moränen- und Schotter-Ablagerungen sowie auf Karbonatgesteinen mit geringmächtiger Überdeckung entwickelten. Als Entstehungsalter kommt also frühestens das Ende der letzten Eiszeit nach dem Abschmelzen der großen Gletscher in Betracht. Von manchen Buckelwiesen weiß man, dass sie nur wenige hundert bis eintausend Jahre alt sind. Wichtig für die Entstehung ist neben dem geeigneten, kalkreichen Untergrund das Vorhandensein eines primären Reliefs aus sanften Buckeln und Mulden. Möglicherweise entstand dieses durch Bewegungen in Permafrostböden oder in Waldgebieten durch Windwurf. Durch verstärkt in den Mulden versickerndes Regen- und Schneeschmelz-Wasser greift dort die Verwitterung tiefer ein.

Der dabei aus dem Untergrund gelöste Kalk wird abgeführt, die Mulden sinken immer weiter ein und das Relief verstärkt sich. So reicht unter Umständen auch das bloße Vorhandensein eines Waldbewuchses aus, da unter den Bäumen weniger Niederschläge (vor allem Schnee im Winter) fallen als zwischen ihnen und daher unterschiedlich viel Material gelöst werden kann.

Über Jahrhunderte wurden die Buckelfluren als Grünland genutzt. Um die Bewirtschaftung zu erleichtern, wurden früher, vor allem in den 1920/30er-Jahren, große Bereiche eingeebnet. Die Restbestände stellen nicht nur eine landschaftliche Besonderheit dar, sondern sind auch äußerst artenreich. Um diese Kostbarkeit zu erhalten, werden die Wiesen heute nicht mehr eingeebnet, nicht gedüngt und nur mehr extensiv bewirtschaftet.

Mittenwalder Buckelwiesen - FFH-Gebiet 8533-301

Die äußerst niedrigwüchsigen und artenreichen, überaus blumenbunten Mittenwalder Buckelwiesen sind eine einzigartige naturkundliche Kostbarkeit. Als eine der letzten großflächigen mitteleuropäischen Mähderlandschaften prägen sie ein idyllisches Erholungsgebiet und stellen überdies ein sehr seltenes nutzungsgeschichtliches Dokument dar. Beträchtliche Teile werden auch heute noch traditionell bewirtschaftet: Buckelwiesen werden nicht gedüngt und meist in der zweiten Julihälfte mit der Sense ("Säigas") geschnitten. Manche sind derart mager, daß man sie nur jedes zweite Jahr nutzen kann.

Die gebuckelte Oberfläche ist vermutlich durch Frostwirkungen und Verkarstung am Ende der Eiszeit entstanden. Die "Wiesmahd" wurde bereits 1406 urkundlich erwähnt, dürfte jedoch viel älter sein, denn im Alpenraum brauchte man für die Stallhaltung in den langen schneereichen Wintern einen großen Futtervorrat. Hierzu wurden Wälder, die teilweise schon durch Weidetiere aufgelichte waren, gerodet und in Wiesen umgewandelt.

Die Wiesen (Bergmähder) wachsen auf ärmsten Standorten, welche zusätzlich durch die Nutzung immer wieder ausgehagert werden. Die extreme Nährstoffarmut und die buckelungsbedingte Vielfalt an Kleinststandorten ermöglichen eine überwältigende Blütenpracht: Klassische "Silberdistel-Horstseggenrasen" beherbergen mehr als 200 Pflanzenarten, darunter viele alpine. ( BayernNetzNatur-Projekt)

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