Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

transgene Tiere

Bei einem genetisch veränderten Tier handelt es sich um ein Tier, dessen genetisches Material durch Hinzufügen, Verändern oder Entfernen bestimmter DNA-Sequenzen verändert wurde.

Es können verschiedene genomische Verfahren eingesetzt werden, um bestehende Merkmale eines Tieres zu verstärken oder zu hemmen. Sie können zudem verwendet werden, um neue Merkmale von Interesse, wie etwa Krankheitsresistenz, schnelleres Wachstum oder erhöhte Produktionskapazitäten für Lebensmittel, zu entwickeln.

Transgene Tiere für die Medizin

Anders als in der Landwirtschaft gibt es gentechnisch veränderte Tiere in der Medizin schon lange. Vor mehr als dreißig Jahren wurde die erste Krebsmaus patentiert. Inzwischen gibt es spezielle Arzneimittel gegen seltene Erbkrankheiten aus transgenen Tieren. Gentechnisch veränderte Schweine liefern Organe für die Transplantation in den Menschen. Es wurden schon Schweineherzen und -nieren und eine Schweineleber in Menschen eingesetzt.

Doch nicht nur in der Grundlagenforschung finden transgene Tiere Verwendung. Forschungsgruppen und Unternehmen arbeiten daran, Tiere wie Ziegen, Schweine, Kaninchen und Kühe so zu verändern, dass sie in bestimmten Geweben medizinische Wirkstoffe bilden. Dieser Bereich der Gentechnik, auch Gene Pharming oder Molecular Farming genannt, umfasst die Verwendung transgener Tiere (und Pflanzen) zur Produktion von medizinischen und industriellen Substanzen. In der Regel handelt es sich dabei um Proteine.

Der Einsatz von Tieren zur Gewinnung von Arzneimitteln ist nichts Neues. Bis in die 1940er Jahre gewann man Kortison aus den Nebennieren von Rindern. Insulin für Diabetiker wurde bis Mitte der 1980er aus tierischem Gewebe isoliert. Der Gerinnungshemmer Heparin stammt bis heute aus Schweinedärmen.

Transgene Tiere für die Landwirtschaft

Neue Gentechnologien sollen das Unmögliche möglich machen: Die Massenproduktion von schnell wachsenden, billigen, robusten und schmackhaften Tieren, welche die unnatürlichen Bedingungen der industriellen Tierhaltung überstehen.

Die Forschung mit gentechnisch veränderten Tieren begann in den 1970er Jahren. Mittlerweile wird das Erbgut diverser Tierarten mittels Gentechnik verändert. Das betrifft sowohl landwirtschaftliche Nutztiere, wie beispielsweise Rinder, Pferde, Ziegen und Fische, als auch „unliebsame“ Arten, wie Fliegen und Mücken. Dies geschieht in den letzten Jahren meist mittels neuer Gentechnikmethoden, wie CRISPR-Cas9, die Genmanipulationen bei Tieren im Vergleich zu älteren Methoden vereinfachen und billiger machen.

Im Jahr 2023 wurden weltweit rund 366 bis 367 Millionen Tonnen Fleisch erzeugt. Die globale Fischproduktion hat Rekordwerte erreicht und liegt bei über 180 bis zu mehr als 235 Millionen Tonnen pro Jahr. Durch den weltweit stetig wachsenden Hunger auf Fleisch und Fisch wird die Genmanipulation von Nutztieren gerechtfertigt. Ethische Bedenken, Tierleid, ökologische Risiken und Umweltprobleme werden dabei oft ausgeblendet.

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