Maulbeerbaum
Die Maulbeeren oder Maulbeerbäume (Morus) sind wie die Feigen (Ficus) eine Pflanzengattung in der Familie der Maulbeergewächse (Moraceae).
Mit zwölf Arten war die Gattung ursprünglich über die gemäßigten und subtropischen Regionen der Nordhalbkugel mit Ausnahme von Europa verbreitet. Maulbeeren wurden aber schon zu Zeiten der Römer in allen wärmeren Regionen Europas verbreitet, die sich klimatisch auch zum Weinbau eignen.
Die drei in Europa bekanntesten Arten sind Weiße Maulbeere und Schwarze Maulbeere, beide aus Asien, sowie die Rote Maulbeere aus Nordamerika.
Beschreibung
Maulbeeren sind sommergrüne Bäume oder Sträucher, die Wuchshöhen von 6 bis 15 Meter erreichen. Sie führen einen weißen Milchsaft und haben eine graubraune Rinde. Die Blattform kann auch am selben Baum beträchtlich variieren.
Morus-Arten sind einhäusig (monözisch) oder zweihäusig (diözisch) getrenntgeschlechtig. Die vielblütigen, meist achselständigen Blütenstände sind ährig, oder es sind Kätzchen und Köpfchen. Die Blüten sind vierzählig mit einfacher Blütenhülle, die Kronblätter fehlen.
Die Früchte sind Fruchtverbände (Scheinfrüchte) in einem fleischigen Kelch und Blütenboden. Sie ähneln länglichen Brombeeren, bei denen es sich jedoch um Sammelsteinfrüchte handelt. Die Farbe reicht von cremefarben (Weiße Maulbeere) über rot bis zu schwarz.
Nutzung
Parkbaum
In Parks und Gärten im deutschsprachigen Raum werden meist Zierformen der Weißen Maulbeere gepflanzt, da sie winterhärter ist als die Schwarze Maulbeere, deren stark färbende Früchte zudem in der Nähe von Verkehrsflächen unerwünscht sind. Die Rote Maulbeere ist dort noch praktisch unbekannt, obwohl sie als die frosthärteste Art gilt.
Blätter
Die grünen Blätter der Weißen Maulbeere dienen derZucht des Seidenspinners und waren der Hauptgrund, Maulbeerbäume in Europa einzuführen. Ganze Landschaften – hauptsächlich in Südeuropa – wurden durch die Maulbeerbäume, die Seidenraupenzucht und die Seidenproduktion geprägt. Auch in Preußen wurden aus diesem Grunde Weiße Maulbeeren an Alleen, auf Marktplätzen undSchulhöfen gepflanzt. Billige Seidenimporte aus Südostasien Anfang des 20. Jahrhunderts machten die europäische Seidenzucht und damit auch die europäischen Maulbeerbäume überflüssig.
Die Blätter werden auch als Teeaufguss zur Behandlung von Blasen- und Harnwegsentzündung angewandt.
Holz
Das Holz der Weißen Maulbeere wird als hart, dauerhaft und gut polierfähig hochgeschätzt. Es dient im Mittelmeergebiet zur Herstellung von Schnaps- und Weinfässern sowie in asiatischen Ländern (besonders in der Türkei und im persischen Sprachraum) zur Herstellung von hochwertigen Musikinstrumenten (Zupfinstrumenten) wie Tar, Saz, Baglama oder Cura.
Bastfasern
Im südostasiatischen Raum (Thailand, Laos, Myanmar) wird die Rinde zu handgeschöpften Papieren weiterverarbeitet. Dieses Maulbeerpapier dient dort als Material für Büttenpapiere, Fotoalben, Schachteln und Papierblüten. Die als Kōzo (楮) bekannten Bastfasern des zur selben Pflanzenfamilie gehörenden Papiermaulbeerbaums finden in China und Japan bei der Herstellung von Japanpapier (Kozogami) Verwendung.
Früchte
Die Früchte der drei genannten Arten sind essbar. Maulbeerfrüchte sind sehr süß und saftig, wobei die Weiße Maulbeere teils als fade gilt, während die Rote und Schwarze Maulbeere intensiver im Geschmack und aromatischer sind. Die Früchte reifen am Baum im Laufe mehrerer Wochen in unterschiedlichem Tempo und können daher nicht gleichzeitig geerntet werden. In manchen Ländern legt man Tücher oder Folien unter die Bäume; beim Schütteln fallen dann immer nur die reifen Maulbeeren ab. Als Marktobst haben frische Maulbeeren praktisch keine Bedeutung, da sie zu weich und saftig für den Transport sind und zu schnell verderben. Stattdessen werden sie getrocknet angeboten.
Die Früchte werden außerdem zu Marmeladen, Säften, alkoholischen Getränken, natürlichen Farben und Kosmetik verarbeitet.