Grüne große Mauer
Die „Grüne große Mauer“ in China ist ein riesiges Aufforstungsprogramm, bei dem seit 1978 in einem breiten, mehrere tausend Kilometer langen Gürtel im Norden des Landes Schutzwälder gepflanzt werden, um die Ausbreitung der Wüsten – vor allem der Gobi – zu bremsen.
Die offizielle Bezeichnung ist "Drei-Norden-Schutzwald-Projekt", wobei mit den drei Norden die Regionen Nordwest-, Nord- und Nordost-China an der Südgrenze der Wüste Gobi gemeint sind. Zwar ist sie mit 4.500 Kilometern nicht so lang, wie das afrikanische Pendant, die Great Green Wall, dafür aber stellenweise bis zu 1.500 Kilometer breit.
Zur Sandstabilisierung und Eindämmung der Wüstenbildung wird eine in China weit verbreitete Methode, die Strohkaromuster eingesetzt: Bündel aus Stroh werden in quadratischen Feldern (Karos, etwa 1 x 1 Meter groß) auf der Oberfläche der Sanddünen verlegt und teilweise in den Sand eingegraben. Diese Strohkaros bilden ein Schachbrett auf dem Sand, wodurch der Wind abgebremst und der Sand stabilisiert wird. So wird verhindert, dass der Sand weiter verweht und die Dünen „wandern“. Insbesondere entlang von Straßen, Eisenbahnen und an besonders gefährdeten Stellen wird dieses Verfahren angewendet, um Infrastruktur zu schützen, aber auch, um die Grundlage für nachfolgende Maßnahmen wie Bepflanzungen zu schaffen. Aus Messungen geht hervor, dass die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge dort weniger als 200 mm ausmacht, während die Verdunstung mit über 3.000 mm etwa 15-mal so hoch ist und damit die Wüstenbildung vorantreibt.
Ziel und Lage
- Sie verläuft grob parallel zur historischen Großen Mauer und erstreckt sich über den Nordosten, Norden und Nordwesten Chinas („Three-North Shelterbelt“).
- Ziel ist es, landwirtschaftliche Flächen und Siedlungen vor Sandstürmen und weiterer Verwüstung zu schützen, insbesondere auch die Region um Peking.
- Kampf gegen die Desertifikation (Kampf gegen den gelben Drachen)
- Aufbau nachhaltiger Forst- und Obstwirtschaft zur Armutsbekämpfung und wirtschaftlichen Entwicklung.
Ausmaß des Projekts
- Geplant ist ein zusammenhängender Grüngürtel von rund 4.500 Kilometern Länge, der etwa 400.000 km² umfassen soll – mehr als die Fläche Deutschlands.
- Bis 2050 soll das Projekt abgeschlossen sein; seit Beginn wurden zig Milliarden Bäume gepflanzt, vor allem in 13–14 Provinzen im Norden Chinas.
Wirkung und Probleme
- Die neuen Wälder haben Sandstürme in bewaldeten Gebieten bereits teilweise abgeschwächt und tragen zur Bindung von CO2 bei.
- Tausende Hektar Wanderdünen wurden stabilisiert.
- Kritisiert werden Monokulturen, wasserintensive Aufforstung und die Anfälligkeit der künstlichen Wälder für Krankheiten sowie der Verlust natürlicher, artenreicher Wälder.
Weitere Informationen:
- Chinas Grüne Große Mauer (Telepolis 2024)
- Chinas Klimaziele und das Projekt Große Grüne Mauer (ISW)
- Aufforstung: Wie es um die grünen Mauern in Afrika und China steht (heise 2026)
- Die Große Grüne Mauer Chinas: Millionen Tonnen Erde werden in der Wüste bewegt, um sich vor Sand zu schützen (Noticias Ambientales 2026)