Wildheu
Wildheuen ist eine in den ganzen Alpen gebräuchliche Form, Heu an hochgelegenen Steilwiesen zu gewinnen, welche mit Tieren schwierig oder gar nicht erreichbar sind, bis hinauf in den Bereich der Almen/Alpen (Alpmahd, Almheuen). Die Wiesen werden in manchen Regionen auch als Bergmähder bezeichnet. Diese Form der Heuernte hat eine jahrhundertealte Tradition. Die Schweiz ist führend hinsichtlich der Wildheugewinnung. Es handelt sich beim Wildheu um mageres Heu, das spärlich wächst, so dass es höchstens einmal pro Jahr geerntet wird.
Diese Wiesen, meist über 1500 m über dem Meeresspiegel, werden auch Planggen genannt. Der Abtransport erfolgt wenn möglich über eigens installierte Heu-Seile. Die meist über fünfzig Kilogramm schweren «Burdenen» oder «Pinggel» (Bündel) sausen an einem Haken unter weitherum hörbaren Zischgeräuschen mit bis zu hundert Stundenkilometern talwärts.
Das heutige Wildheuen ist stark mechanisiert. Es kommen nebst eigens dafür adaptierten Motormähern auch Helikopter für den Abtransport des Heus zum Einsatz. Eine einheitliche Praxis jedoch gibt es nicht, vielmehr überlagern sich alte und neue Techniken. Das flächige Wildheuen ist vor allem in der Zentralschweiz und im Kanton Glarus verbreitet und geht auf das 17. Jahrhundert mit dem sich in dieser Region entwickelnden Handel mit Hartkäse zurück.
Im 20. Jahrhundert wurde das Wildheuen vielerorts aufgegeben, erfuhr aber Anfang des 21. Jahrhunderts aus Naturschutzgründen wieder einen Aufschwung. Denn als Trockenwiesen weisen die Planggen eine hohe Biodiversität auf. Die Nutzung und Pflege der Planggen wird darum mit Direktzahlungen unterstützt. Ohne diese Beiträge würde wohl nur mehr wenig Wildheu gewonnen.
Das heute in der Schweiz subventionierte Wildheuen ist ein wichtiger Erosions- und Lawinenschutz: Werden die Hanglagen nicht gemäht, ordnen sich die langen Grashalme in Fallrichtung, also nach unten durch Regen und Schnee an den Boden an. Dadurch wird eine nach unten gerichtete Gleitebene geschaffen, die Lawinen und Erosion fördert.
Weitere Informationen:
- Wildheu (BAFU)
- Nutzungsempfehlung für Wildheuflächen (Amt für Raumentwicklung)
- Wildheuerpfad Rophaien (RAOnline)
- Wildheuen – eine faszinierende Schweizer Tradition (EDA)