Mate
Der Mate oder Mate-Tee, Jesuiten-, Missions-, Paraguay- oder Paranatee ist ein koffeinreiches, traditionelles Aufgussgetränk aus den kleingeschnittenen getrockneten Blättern des Mate-Strauchs Ilex paraguariensis.
Es wirkt anregend, appetitzügelnd und enthält Antioxidantien, Vitamine sowie Mineralstoffe. Der herbe, rauchige Tee wird klassisch in einer Kalebasse mit der Bombilla (Metalltrinkhalm) getrunken.
Mate-Strauch
Der Mate-Strauch (Ilex paraguariensis), auch Matebaum genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Stechpalmen (Ilex) in der Familie der Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae). Sie ist in Südamerika verbreitet und wird dort als Erva-Mate (Brasilien) beziehungsweise Yerba oder Yerba-Mate (spanischsprachige Länder) bezeichnet. In den frischen Blättern sind etwa 0,4 bis 1,6 % Koffein und 0,3 bis 0,45 % Theobromin, Spuren von Theophyllin sowie außerdem Caffeoylchinasäuren, Flavonoide, Saponine sowie Gerbstoffe enthalten.
Vorkommen
Der Mate-Strauch wächst wild als Unterholz in den Araukarien-Wäldern West-Brasiliens, Argentiniens und Paraguays, auf dem Hochland zwischen den Flüssen Río Paraná, Río Paraguay und Río Uruguay und ihren Zubringern, aber nicht in Uruguay. Seine Heimat ist der Urwald des Paranábeckens.
Anbau und Wachstumsbedingungen
Seit der späten zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird er vor allem in Paraguay, Argentinien und Brasilien auch in Kultur angebaut. Noch heute wird jedoch etwa die Hälfte des auf dem Markt befindlichen Mate von wildwachsenden Bäumen geerntet. Optimale Wachstumsbedingungen für Ilex paraguariensis sind eine relativ gleichmäßige Durchschnittstemperatur von 20 bis 23 °C, mittlere bis hohe Luftfeuchtigkeit und Höhenlagen von 400 bis 800 Metern.
Für die Kultur des Mate-Strauches werden die Früchte mechanisch vorgeschädigt und in Wasser aufgeweicht. Die Keimung dauert bis zu drei Monate. In den ersten beiden Jahren sind die kleinen Pflanzen lichtempfindlich und müssen beschattet werden. Die zweijährigen Jungpflanzen werden kurz über dem Boden abgeschnitten, die neu austreibenden Sprosse sind dann kräftiger und fülliger. Nach vier Jahren erfolgt die erste Ernte; die Folgeernten erfolgen je nach Anbaugebiet in einem ein- oder zweijährigen Intervall.
Herstellung
Im südamerikanischen Winter (Mai-September) werden ganze Äste, optimal mit etwa zweijährigen Blättern besetzt, abgeschlagen. Gehandelt wird grüner Mate (Taragin) und gerösteter Mate (Chá Mate). Für letzteren werden traditionell die ganzen Äste, heute meist nur die Blätter, Blattstiele, Blütenstiele und die jungen Triebspitzen in Drahttrommeln über einem Feuer gedreht. Hierdurch werden die Enzyme zerstört und damit die Fermentation gestoppt, die Farbe bleibt erhalten und es entstehen charakteristische Aromen. Für den grünen Mate wird das zerkleinerte Erntegut bei 50 bis 60 °C etwa einen Monat lang fermentiert, dann für eine Minute auf 400 °C erhitzt, wobei der Wassergehalt von ca. 60 % auf 25 % fällt. Beide Sorten werden anschließend auf etwa 8 bis 9 % Restfeuchtigkeit getrocknet und in Stückchen zerkleinert oder zu Pulver vermahlen und verpackt.
Für Instant-Mate sowie matehaltige Erfrischungsgetränke werden die Aromakomponenten über Wasserdampf destilliert und mit Ether extrahiert. Das Aroma von Mate ist rauchig-erdig und etwas süß-säuerlich nach verwelktem Blatt, der fruchtig-bittere Geschmack wird in einigen Regionen wie Argentinien auch oft mit verschiedenen Geschmacksrichtungen „veredelt“ (u. a. Orangengeschmack, Kirsche, Zimt, Pfefferminz).
Wirtschaftliche Bedeutung
Historisch war Mate für den brasilianischen Bundesstaat Paraná die Ursache für einen lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung und schließlich die Unabhängigkeit als eigener Bundesstaat. Paraná war bis zum 19. Dezember 1853 ein Bezirk des Staates São Paulo. Über einen Zeitraum von über 50 Jahren machte der Mate-Anbau und seine Weiterverarbeitung bis zu 85 % der Wirtschaftsproduktion von Paraná aus. Für die Herstellung von Maté wurden neue Städte mit Röstereien und Veredelungsmühlen gegründet. Das Transportwesen entwickelte sich, auf dem Rio Iguaçu wurde ein regelmäßiger Schiffsverkehr begonnen, die lange Verbindungsstraße „Graciosa“ und eine Eisenbahnlinie gebaut, die Curitiba mit Paranaguá verbindet. Begleitende Industriezweige wie die Fassherstellung entstanden. Dieser Mate-Boom hielt bis etwa zum Zweiten Weltkrieg an.
In den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden viele Hektar Land sowie wenig oder nicht genutzte Mate-Betriebe vom Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (MST, Bewegung der landlosen Landarbeiter) besetzt. 1989 entstand in Süd-Paraná die erste MST-Siedlung „Novo Paraíso“ (= Neues Paradies); bis heute gibt es über 50 Kooperativen, die mittlerweile offiziell anerkannt und von der Regierung mit Krediten und Infrastruktur unterstützt werden.
Aktuell ist der Mate-Anbau (Yerba Mate) von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung ('Grünes Gold'), primär für die südamerikanischen Länder Brasilien, Argentinien und Paraguay, wo er als zentrales Agrarprodukt und kulturelles Kulturgut gilt. Der globale Markt für Yerba Mate wird auf rund 1,6 bis 1,7 Milliarden US-Dollar geschätzt (Stand 2024), mit Prognosen für ein weiteres Wachstum.
Die wirtschaftliche Bedeutung zeigt sich vor allem in der Beschäftigungsstruktur:
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Kleinbauern-Struktur: Ein Großteil des Anbaus liegt in den Händen von tausenden Familienbetrieben. Dies sichert das Überleben ländlicher Gemeinschaften und verhindert die Landflucht.
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Industrialisierung: Von der Ernte über die Trocknung (Sapecado) bis hin zur Lagerung und Verpackung entstehen zehntausende Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie.
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Infrastruktur: Ganze Regionen (wie Misiones in Argentinien) sind infrastrukturell komplett auf die Logistik des Mate-Transports ausgerichtet.
Während Mate traditionell in Südamerika konsumiert wird, hat sich der wirtschaftliche Fokus massiv geweitet:
- Der "Syrien-Effekt": Überraschenderweise ist Syrien einer der größten Importeure weltweit. Rückkehrer aus Südamerika brachten die Tradition im 20. Jahrhundert in den Nahen Osten.
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Funktionale Lebensmittel: In Europa und den USA wächst die Nachfrage nicht nach dem losen Tee, sondern nach Mate-Extrakten für Energy-Drinks, Limonaden und Kosmetika.
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Premium-Markt: Bio-zertifizierter und schattengereifter Mate erzielt auf westlichen Märkten Spitzenpreise, was die Margen für Produzenten erhöht.
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