Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

Lustwald

Ein Lustwald (historisch auch oft Lustwäldchen oder franz. Bosquet) ist ein forstlich und gärtnerisch gestalteter Wald- oder Parkbereich, der vor allem im Barock und in den Epochen Spätklassizismus/Frühromantik eine große Rolle spielte. Solche Anlagen waren oft mit geraden Schneisen, Wegen, Blickachsen, Solitärbäumen oder kleinen Zier- und Aufenthaltsorten angelegt. Im Gegensatz zu einem normalen Nutzwald ging es hier nicht um die Holzernte oder Viehweide.

Ein Lustwald wurde ausschließlich für das Vergnügen, die Erholung, das Spazieren (Lustwandeln) und die fürstliche Jagd angelegt und gepflegt. Er bildet das waldartige Gegenstück zum Lustgarten.

Die typischen Merkmale eines Lustwaldes

Je nach Epoche veränderte sich das Gesicht dieser Wälder, aber einige Kernelemente blieben gleich:

Einordnung in die Gartengeschichte

Der Übergang vom gezähmten Schlossgarten zum wilden Nutzwald war in der historischen Landschaftsarchitektur oft fließend. Der Lustwald war die Pufferzone: Er lag meist direkt hinter den streng geometrischen Beeten (Parterres) und den dichten Heckenbereichen (Bosketts). Er bot den Adeligen die Möglichkeit, scheinbar "unberührte" Natur zu erleben, ohne auf den gewohnten Komfort und die Sicherheit gepflegter Wege verzichten zu müssen.

Ein bekanntes erhaltenes Beispiel für eine solche landgräfliche Gartenlandschaft ist der Lustwald „Die Große Tanne“ in Hessen, der einst als privater Rückzugsort für den Landgrafen Friedrich V. Ludwig diente.

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