Kohlenmeiler
Ein Kohlenmeiler ist ein mit Erde, Gras oder ähnlichem Material bedeckter Holzhaufen, der von einem Köhler kontrolliert in Brand gesetzt wird, um Holz in Holzkohle umzuwandeln.
Aufbau und Funktionsweise
- Holzscheite werden um einen zentralen Schacht (Quandel) zu einem kegelförmigen Haufen aufgeschichtet und dicht mit Erde, Gras oder Laub abgedeckt, sodass nur wenig Luft eindringen kann.
- Im Inneren glimmt das Holz unter Sauerstoffmangel (Verschwelung/Pyrolyse), dabei entweichen Gase und Wasserdampf, und es bleibt überwiegend Kohlenstoff in Form von Holzkohle zurück.
- Der Köhler steuert den Prozess über kleine Zuglöcher und beobachtet dabei vor allem die Rauchfarbe, um die Luftzufuhr zu regulieren und ein vollständiges Abbrennen zu verhindern.
Historische Bedeutung
- Geschichtliche Forschungen haben ergeben, dass schon die Ägypter den flüssigen Holzteer, der bei der Verkohlung entsteht, zum Einbalsamieren ihrer Toten, zum Anstrich der Schiffe und Häuser und in eingedickter Form zum Abdichten von Fässern verwendeten. In Europa geht die Holzköhlerei bis in die Jungsteinzeit, 4’000 v. Chr., zurück. Der Holzteer wurde damals zur Befestigung der Pfeil- und Speerspitzen und der Steine in den Holzschaft verwendet. In der Bronze- und Eisenzeit diente die Holzkohle als unentbehrlicher Energieträger zum Schmelzen der Metalle.
- Neben der Metallverarbeitung wurde Holzkohle auch in Glashütten, Ziegeleien und anderen Gewerben als Brennstoff eingesetzt.
- Mit dem Übergang zu modernen Öfen und anderen Brennstoffen verlor diese Form der Köhlerei an wirtschaftlicher Bedeutung und wird heute vor allem aus Tradition und zu Demonstrationszwecken betrieben.
Kohlenmeiler als Teil der historischen oder kulturellen Kulturlandschaft einer ländlichen Region
- Kohlenmeiler stehen oft im ländlichen Umfeld, an Waldrändern oder auf Flächen, die einer Holznutzung bzw. Holzwirtschaft dienen (z. B. Stockschnitt, Hopfen-/Klee-/Grundfutterflächen).
- Traditionell waren sie eng mit der Holznutzung durch Kleinbauern oder Gemeinschaftswald verbunden, also mit agrarischer bzw. forstwirtschaftlicher Praxis.
- Heutzutage gelten sie eher als kultur- und landschaftsarchäologische Bestandteile des Agrarraums; der eigentliche Vorteil ist Holznutzung, Brennmaterial und regionales Handwerk.
Weitere Informationen:
- Holzkohle (materialarchiv.ch)
- Köhlerei - Kulturerbe inszenieren (HS Liuzern)