Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

Köhlerei

Eine Köhlerei ist Handwerksbetrieb eines Köhlers (auch Kohler, Kähler oder Kohlbrenner) – also der Ort, an dem auf traditionelle Weise Holzkohle hergestellt wird. Auch die Tätigkeit wird als Köhlerei bezeichnet. Das Handwerk selbst wird als Köhlerei oder Kohlenbrennerei bezeichnet. Da für die Herstellung riesige Mengen Holz benötigt wurden, lagen Köhlereien historisch fast immer tief in den Wäldern. Heute ist das Handwerk in Europa fast ausgestorben und wird meist nur noch zur Traditionspflege oder für spezialisierte, hochwertige Grillkohle betrieben. Der gesamte Prozess basiert auf einem einfachen, aber faszinierenden Prinzip: Das Holz darf nicht verbrennen, sondern muss unter Luftabschluss kontrolliert verschwelen (s. Kohlenmeiler)

Bedeutung der Köhlerei

Köhlerei und Landwirtschaft sind historisch eng verbunden: Köhlerei war oft ein bäuerliches Nebengewerbe in waldreichen Regionen, das sich aus dem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb heraus entwickelte.

Bevor man lernte, Steinkohle im großen Stil abzubauen und zu nutzen, war Holzkohle der wichtigste Energieträger der Menschheit.

Der Mensch in der Köhlerei

1. Die Saisonalität des Handwerks

Ein Kohlenmeiler konnte nur in den schnee- und frostfreien Monaten betrieben werden – meist von Frühjahr bis Herbst. Im Winter ruhte die Arbeit im Wald weitgehend, da nasses Holz schlecht brennt und der gefrorene Boden das Abdecken des Meilers mit Erde („Stübbe“) unmöglich machte.

2. Typische Nebentätigkeiten

Um die nahrungsarmen Wintermonate zu überbrücken oder das geringe Einkommen aufzubessern, gingen Köhler verschiedenen anderen Beschäftigungen nach:

3. Die soziale und wirtschaftliche Realität

Obwohl Holzkohle für die Industrie (vor der Erfindung der Steinkohlekokserzeugung) absolut überlebenswichtig war, standen die Köhler am unteren Ende der sozialen Leiter.

Weitere Informationen:

Pfeil nach linksKohlenstoffkreislaufHausIndexKohlgemüsePfeil nach rechts