Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

Johannisbrot

Johannisbrot, auch Karob, Locustbohne, ist eine flache, braune, bis 20 cm lange Hülsenfrucht des Johannisbrotbaums (Ceratonia siliqua, Familie der Schmetterlingsblütler, Fabaceae). Der Johannisbrotbaum ist in der Mittelmeerregion und im Nahen Osten beheimatet.

Merkmale

Der bis ca. 15 m hohe (in kultivierten Beständen oft kleiner).immergrüne Johannisbrotbaum bildet eine halbkugelige, dichte Krone und einen knorrigen Stamm mit graubrauner Rinde.Die Blüte ist unscheinbar und von grünlich-gelber Farbe.

Die harten, lederartigen Hülsenfrüchte werden 10 bis 30 cm lang. Sie färben sich bei der Reife tiefbraun. Die Schoten enthalten eine braune Fruchtmasse mit 4–12 Samen, die so genau 0,18 g wiegen, dass sie deshalb früher zum Abwiegen von Edelsteinen benutzt wurden (ehem. Definition für Karat, von arab. qīrāṭ / griechisch kerátion = Johannisbrotkern). Das Fruchtmark enthält bis zu 50 % Zucker.

Ansprüche an Standort und Klima

Der Johannisbrotbaum ist perfekt an das mediterrane Klima angepasst und extrem widerstandsfähig gegen Trockenheit.

Anbau und Ernte

Da Wildformen meist kleine Früchte tragen, werden Kulturformen in der Landwirtschaft meist durch Veredelung (Pfropfung) vermehrt. Der Baum wächst langsam. Die volle Produktivität wird oft erst nach 20 bis 25 Jahren erreicht, hält dann aber über Jahrzehnte an. Die Ernte erfolgt im Spätsommer (August/September). Traditionell werden die reifen Schoten mit langen Stangen von den Bäumen geschlagen und auf am Boden ausgelegten Netzen aufgesammelt.

Wirtschaftliche Bedeutung und Nutzung

Johannisbrot ist ein vielseitiger Rohstoff, der in verschiedenen Branchen stark nachgefragt wird.

Bedeutung und Nutzung
Lebensmittel
  • Johannisbrotkernmehl (E 410): Das wirtschaftlich wertvollste Produkt wird  durch Erhitzung der Samen des Baumes hergestellt, der danach vermahlen wird.. Es ist ein geschmacksneutrales, pflanzliches Bindemittel und Verdickungsmittel. Es wird in Speiseeis, Saucen, Suppen, Milchprodukten und Glutenfrei-Produkten verwendet.
  • Carob-Pulver: Das getrocknete und gemahlene Fruchtfleisch dient als süßer, fettarmer Kakao-Ersatz für Backwaren, Aufstriche und Riegel. Im Gegensatz zu Kakao enthält Carob kein Koffeein oder Theobromin. Es dient auch als Kaffeeersatz (Karobkaffee).
  • Carobsirup: Ein traditionelles Süßungsmittel im Mittelmeerraum.
Tierfutter
  • Carobschrot: Das geschrotete Fruchtfleisch (Carobschrot) ist aufgrund seines hohen Zucker- und Energiegehalts ein beliebtes, gut verdauliches Einzelfuttermittel für Pferde, Wiederkäuer und Haustiere.
Ökologie und Holzwirtschaft
  • Klimawandel-Resistenz: Aufgrund der extremen Trockenresistenz gewinnt der Baum im Zuge des Klimawandels in Südeuropa und Nordafrika als erosionsschützende Pflanze an Bedeutung.
  • Brandschutz: Die ledrigen Blätter brennen schlecht, weshalb Johannisbrotbäume oft als natürliche Brandschutzstreifen in waldbrandgefährdeten Regionen gepflanzt werden.
  • Ökologie: Johannisbrotbäume schützen den Boden und bieten Lebensraum für Tiere und erhalten den Charakter der Landschaft sowie traditionelle Arbeitsplätze.
    In den Städten von Arizona und Kalifornien in den Vereinigten Staaten sowie in manchen Gegenden Australiens steht er als Zierbaum und Schattenspender.
    Obstbauern schätzen die tiefen Wurzeln der Johannisbrotbäume, weil dadurch Plantagen vor Sturmschäden geschützt werden.
    Bei der Aufforstung von Küstengebieten, die von Erosion oder Austrocknung bedroht sind, leistet der Johannisbrotbaum durch seine Genügsamkeit gute Dienste und kann zusätzlich landwirtschaftlichen Ertrag bringen.
  • Holznutzung: Der Johannisbrotbaum hat formstabiles, nicht schwindendes, hartes Holz mit rustikaler, farbiger Zeichnung. Es ist widerstandsfähig gegen Verrottung an der Luft und im Boden und eignet sich deswegen zur Herstellung von Zäunen, Parkett und Türen. Wegen seiner Härte und Bruchfestigkeit kann es zur Fertigung von Werkzeugstielen und Wanderstöcken verwendet werden. Außerdem wird es zur Herstellung langsam brennender Holzkohle benutzt.

Die Weltproduktionsmenge der Johannisbrot-Frucht lag 2021 bei 51.907 Tonnen. Die größten Produzenten waren Marokko, Türkei, Libanon. Kleinere Mengen wurden in Algerien, Tunesien und Israel produziert. Die Hauptabnehmer sind die Nahrungsmittelindustrie (Babykost, Eiscreme, Soßen, Käse, Diabetikerprodukte, Limonade), die Kosmetik- und Pharmaindustrie (Tablettierhilfsmittel) und neuerdings Bio- und Naturproduktehersteller.

Weitere Informationen:

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