abtragende Kultur
Der Begriff „abtragende Kultur“ (manchmal auch abtragende Frucht genannt) stammt aus der Landwirtschaft und dem Pflanzenbau. Er beschreibt eine Nutzpflanze, die dem Boden während ihres Wachstums massiv Nährstoffe entzieht und ihn in einem „ausgezehrten“ Zustand für die Folgejahre hinterlässt.
Das Gegenteil davon ist eine tragende oder gesundende Kultur, die den Boden mit Nährstoffen (vor allem Stickstoff) anreichert und die Bodenstruktur verbessert.
Um zu verstehen, wie das funktioniert, hilft ein Blick auf die klassische Fruchtfolgeplanung (den jährlichen Wechsel von Pflanzen auf dem Acker). Landwirte teilen die Kulturen grob in drei Kategorien ein:
Kulturtyp | Wirkung auf den Boden | Typische Beispiele |
Tragende Kultur | Reichert den Boden mit Nährstoffen an, hinterlässt viel Humus und lockert die Erde tief auf. | Kleegras, Luzerne, Erbsen, Ackerbohnen (sogenannte Leguminosen) |
Zehrende Kultur | Hat einen hohen Nährstoffbedarf, lockert aber durch die intensive Bearbeitung oft die Bodenstruktur auf. | Kartoffeln, Zuckerrüben, Raps, Silomais |
Abtragende Kultur | Entzieht dem Boden einseitig Nährstoffe und hinterlässt kaum Humus oder positive Effekte für die Nachfolgekultur. | Getreidearten (Weizen, Gerste, Roggen), Körnermais, Lein |
Bedeutung dieser Unterscheidung
Wenn ein Landwirt mehrere Jahre hintereinander nur abtragende Kulturen (wie Weizen auf Weizen) anbauen würde, passierten folgende Dinge:
- Die Erträge würden drastisch einbrechen, weil der Boden einseitig erschöpft wird.
- Krankheiten und Schädlinge, die sich auf diese Pflanzen spezialisiert haben, würden sich massiv im Boden vermehren.
- Die Humusschicht baut sich ab.
Deshalb gilt im nachhaltigen Ackerbau und besonders im Ökolandbau die eiserne Regel: Auf eine tragende Kultur folgt eine zehrende oder abtragende Kultur. Erst wenn sich der Boden durch Klee oder Hülsenfrüchte wieder "erholt" und Stickstoff gesammelt hat, ist er bereit für die nächste Runde Getreide.