Lexikon des Agrarraums

Kurt G. Baldenhofer

Zuckerrohrplantage in Australien

Schindeln

Schindeln sind flache, meist rechteckige Platten, die traditionell zur Dach- oder Fassadenverkleidung verwendet werden. Sie sind ursprünglich aus Holz, daher auch „Holzschindel“. Umgangssprachlich werden ähnlich geformte und entsprechend verwendete Erzeugnisse aus Aluminium, Bitumen, Granit, Faserzement, Kupfer, Stein, Schiefer oder Ton ebenfalls als „Schindeln“ bezeichnet.

Schindeln sind eine alte Form der Dachdeckung. Durch Ausgrabungen zeigte sich, dass der Mensch auch vor vielen tausend Jahren – zum Errichten der Zelte und Hütten – u. a. Holz als Baustoff verwendete. Mittels Baumrinde (Birke, Fichte u. Ä.), Fellen, Lehm, Reisig, Stroh und Schilf schirmte er Dächer und Wände der Behausungen gegen Wind und Kälte ab, schuppenartig auf dem Dachstuhl ausgelegt, so dass Wasser nicht in den Innenraum eindringen konnte.

Wird das Dach nass, streckt sich die Schindel und liegt flach auf, wodurch das Wasser optimal außen abrinnt. Trocknet die Schindel, dreht sie sich leicht auf, wodurch Luft auf die darunterliegenden Schindeln kommt, so dass das gesamte Konstrukt gut trocknen kann. Damit erhöht sich die Lebensdauer des Daches massiv. Dieses Phänomen wird als „Tannenzapfen-Effekt“ bezeichnet.

Historie

Bis ins frühe Mittelalter war die Holzschindel in fast ganz Europa das am weitesten verbreitete Dachdeckmaterial. Noch im 18. Jahrhundert waren Weichdächer in Deutschland die überwiegende Bedachungsform. Eine Ursache für den Rückgang des Schindeldaches war das Brandrisiko.

In waldreichen und höhergelegenen Gebieten hat sich das Schindeldach bei einzeln stehenden Wohn- und Bauernhäusern bis heute gehalten, regional ist auch die Wandschindelung vorherrschend geblieben (Vorarlberg, Appenzellerland, Westschweiz, Allgäu). Das Legschindeldach ist in den Alpen wegen seiner besonderen Ausstrahlung noch verbreitet. Um 1987 wurden etwa in Südtirol um die 10.000 Schindeldächer vermutet. Dennoch wurde das traditionelle Schindeldach im Laufe des 20. Jahrhunderts weitgehend in den Bereich der Kirchen und Museen abgedrängt.

Seit den 1980ern wird durch Konzepte, die sich um Ökologie und Nachhaltigkeit bemühen, wie auch durch die Einführung maschinell produzierter Schindeln und die Verwendung außereuropäischer, besonders widerstandsfähiger Hölzer Holzverschindelung wieder mehr verwendet.

Die Holzschindel ist heute wieder durchaus modern und zwar nicht nur aufgrund einer Rückkehr zu traditionellen Bauweisen, sondern auch wegen ihrer besonderen Quell-Eigenschaften bei Kontakt mit Wasser und guten Haltbarkeit. Gleichzeitig wird damit ein altes Handwerk wiederbelebt.

Auch in den sturmreichen Küstengebieten hat sich die Holzschindel an Kirchen und Windmühlen bewährt.

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